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Die Ausbreitung von akustischen Wellen zur Untersuchung struktureller Eigenschaften von Landwirtschaftsböden

Inauguraldissertation der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern

vorgelegt von

Marco Carizzoni

von Rüeggisberg BE

Leiter der Arbeit:

Prof. Dr. Peter F. Germann

Geographisches Institut der Universität Bern

Die Ausbreitung von akustischen Wellen zur Untersuchung struktureller Eigenschaften von Landwirtschaftsböden

Inauguraldissertation der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern

vorgelegt von

Marco Carizzoni

von Rüeggisberg BE

Leiter der Arbeit:

Prof. Dr. Peter F. Germann Geographisches Institut der Universität Bern

Von der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät angenommen

Bern, 20.Dezember 2007

Der Dekan:

Prof. Dr. P. Messerli

Kurzfassung

Die Untersuchung von Böden mit akustischen Methoden stellt auf Grund des hohen Absorp- tionsvermögens poröser Medien grosse Anforderungen an die dazu benötigten Geräte. Mit der Entwicklung eines Hochspannungspulsgenerators und der Herstellung von Sendern und Empfängern, die in Bohrlöcher eingebaut werden können und die Untersuchung verschiedener Tiefen erlauben, besteht nun erstmals die Möglichkeit, die Ausbreitung von akustischen Kompressionswellen in Kulturböden unter Feldbedingungen zu untersuchen. Die entwickelten Geräte sind in der Lage, in einem Abstand von 10[s] 20-30 identische Druckwellen automatisch zu erzeugen und zu erfassen. Im Weiteren wurden für akustische Untersuchungen in Drucksetzungsversuchen Schallwandler entwickelt und die Ausbreitung akustischer Wellen bei verschiedenen Spannungszuständen und Wassergehalten bestimmt. Die Auswertung der Feld- und der Laborversuche zeigte, dass die Ausbreitungsgeschwindig- keiten in weit geringerem Masse als die Amplituden- und Frequenzwerte durch die Heterogenität der untersuchten Böden und Bodenproben beeinflusst werden. Kleinräumige Dichte- und Wassergehaltsunterschiede beeinflussten die Geschwindigkeiten und ermöglichten innerhalb der Versuchsflächen die Lokalisierung von Bereichen mit unterschiedlichen Bodeneigenschaften. Während eine Erhöhung der Lagerungsdichte zu einer Zunahme der Ausbreitungsgeschwindigkeiten führt, verringern Bereiche des Bodens mit hoher Sättigung und hohe Tongehalte die Geschwindigkeiten. Die akustischen Messungen ermöglichten eine genauere Darstellung der Auswirkungen einer Befahrung auf die Boden- struktur als dies mit der Bestimmung des Eindringwiderstandes möglich war. Die in Drucksetzungsversuchen durchgeführten akustischen Messungen zeigten die unmittelbare Beeinflussung der akustischen Wellen durch die bei einer Belastung stattfindenden Prozesse. Die Analyse der Elastizitätsmoduln ergab, dass eine Gegenüberstellung der aus den Anfangssteigungen der Drucksetzungskurven und den im Feld aus akustischen Geschwindigkeiten bestimmten Elastizitätsmoduln eine präzise Unterscheidung verschiedener Standorte ermöglicht. Die Bestimmung der Festigkeit eines Bodens mit akustischen Methoden und eine adäquate Auswertung der Daten von Drucksetzungsversuchen sollte somit als Alternative zu etablierten Methoden in Betracht gezogen werden.

Abstract

The propagation of acoustic waves in lossy media like soil is hampered by its strong attenuation and has therefore rarely been investigated. With the development of a high voltage pulse generator and the construction of emitters and receivers, able to be mounted in boreholes at varying depths, it was possible to examine the propagation of compression waves in situ. The devices show good signal repeatability and are capable to generate and record automatically in short time 20-30 compressional waves. In addition piezoelectric transducers were constructed to investigate the transmission of sound waves in triaxial tests at changing stress conditions and varying saturation degrees. Contrary to amplitude and frequency values, the analysis of field and laboratory experiments showed small influence of soil heterogeneity on wave speed at the sample scale. Differences in bulk densities and saturation degrees at the field scale strongly influenced the velocities and allowed to distinguish areas with different soil properties. While increasing bulk densities enhance wave speed, areas with higher water and clay content decrease velocities. The results of acoustic investigations in a trafficked field showed the impacts on soil structure more clearly than the data obtained from the determination of penetration resistance. Triaxial tests on undisturbed soil samples with simultaneous measurement of acoustic propagation illustrated the influence of increasing densities and stresses on wave speed. The analysis of constraint moduli determined from field and laboratory measurements showed an obvious distinction between the investigated sites. Therefore, acoustic methods together with adapted evaluations of the results of compression tests might be a promising alternative for the determination of soil strength.

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1

2 Grundlagen: Theorie und Forschungsstand

3

2.1

Spannungen und Verformungen in einem Boden

3

2.1.1 Das dreidimensionale Spannungskonzept

3

2.1.2 Die effektive Spannungsgleichung und der Sättigungsgrad eines Bodens

5

2.1.3 Verformbarkeit von Böden

Die

9

2.1.4 Gleichung von Mohr-Coulomb

Die

14

2.2 Belastungen und ihre Auswirkungen auf die Bodeneigenschaften

16

2.3 Die Ausbreitung von akustischen Wellen in porösen Medien

20

2.4 Ergebnisse aus akustischen Untersuchungen in Geomaterialien

23

3 Material und Methoden

28

3.1

Geräte zur Signalerzeugung und -erfassung

29

3.1.1 Sender

29

3.1.2 Empfänger

31

3.2

Durchführung der Messungen im Feld

33

3.2.1 Installation der Sensoren

33

3.2.2 Signalerzeugung und Datenerfassung

34

3.3

Datenanalyse

35

3.3.1 Bestimmung der Laufzeiten

35

3.3.2 Amplitudenwerte

40

3.4

Untersuchungen im Labor

43

3.4.1

Triaxiale Drucksetzungsversuche

43

3.4.1.1

Prinzip eines Triaxversuches

43

3.4.1.2

Durchführung von Triaxversuchen mit akustischen Messungen

47

3.4.1.3

Schallmessungen während Drucksetzungsversuchen

50

3.4.1.4

Bestimmung der Laufzeiten

52

4 Resultate

53

4.1

Akustische Untersuchungen unter Feldbedingungen

53

4.1.1

Beschreibung der Messstandorte 2004 und 2005

53

4.1.2

Vorgehen im Feld

55

4.1.3

Ergebnisse der Messungen an den Standorten Worb, Belp, Oensingen

57

4.1.3.1

Vergleich von Lagerungsdichten und akustischen Geschwindigkeiten

61

4.1.3.2

Der Einfluss des Sättigungsgrades auf das Wellenverhalten

67

4.1.4

Verhalten von akustischen Wellen bei Belastungen des Bodens

77

4.2

Ergebnisse der

triaxialen Drucksetzungsversuche

91

4.2.1

Akustische Messungen während Drucksetzungsversuchen

93

4.2.1.1

Das Verhalten der Ausbreitungsgeschwindigkeit v P

94

4.2.1.2

Die

Bestimmung der Poissonzahl

ν

100

4.2.2 Bestimmung der Elastizitätsmoduln

E

102

4.2.3 Zusammenfassung der Resultate von Feld- und Laboruntersuchungen

110

5 Literaturverzeichnis

115

6 Anhang

123

Danksagung

135

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2-1: Spannungszustand an einem Körper

3

Abbildung 2-2: Beziehung zwischen Spannungen und Verformungen

12

Abbildung

2-3: Mohr-Coulombsche Bruchgerade

14

Abbildung

3-1: Aufbau eines Sparkers

30

Abbildung

3-2: Accelerometer und Sparker

31

Abbildung 3-3: Installation von Sender und Empfängern

33

Abbildung 3-4: Signalerzeugung und Datenerfassung

34

Abbildung

3-5: Laufzeiten einer Welle

36

Abbildung 3-6: Vergleichbarkeit der Messungen eines Standortes

38

Abbildung 3-7: Laufzeit und Einfluss der Anzahl Entladungen

39

Abbildung 3-8: Laufzeiten und Amplitudenspitzen

41

Abbildung 3-9: Triaxzelle mit akustischen Sensoren

44

Abbildung 3-10: akustischer Empfänger und Sender für Triaxversuche

47

Abbildung 3-11: Einbau der Schallwandler in eine Bodenprobe

49

Abbildung 3-12: Schema der akustischen Messanordnung bei Triaxversuchen

50

Abbildung 3-13: Schallwandler zur Messung der P-Wellen und der S-Wellen

51

Abbildung 3-14: Bestimmung der akustischen Laufzeiten

52

Abbildung 4-1: Geschwindigkeitsextrema in Worb, Belp und Oensingen

57

Abbildung

4-2: Durchschnittsgeschwindigkeiten und Lagerungsdichten

62

Abbildung 4-3: Variationskoeffizienten von Lagerungsdichten und Durchschnittsgeschw

62

Abbildung 4-4: Lagerungsdichten Labor und v P unter Berücksichtigung des Tongehaltes

64

Abbildung 4-5: Differenzen d BvP und d BLabor mit angepassten Formeln

66

Abbildung 4-6: S und v P für alle Standorte in 30[cm] Tiefe

68

Abbildung 4-7: Änderung in v P und S nach Beregnung

71

Abbildung 4-8: Beregnung Oberkirch: Änderung von vP und θ

74

Abbildung 4-9: Schürfkübelraupe Bührer Operator 1030

77

Abbildung 4-10: Penetrometermessungen vor und nach Befahrungsversuchen

78

Abbildung

4-11: Versuchsfläche nach der Befahrung

79

Abbildung 4-12: Einfluss der Krustenbildung auf die Penetrometermessungen

80

Abbildung 4-13: Geschwindigkeiten v P in Raupenspur und Gras

83

Abbildung 4-14: Mittelwerte der ersten Amplituden von Raupenspur und Wiese

87

Abbildung 4-15: Mittelwerte der Frequenzen von Raupenspur und Wiese

89

Abbildung 4-16: Drucksetzungskurven und v P in Proben aus der Wiese in

95

Abbildung 4-17: undrainierte Versuche Wiese Oensingen

96

Abbildung 4-18: Zusammenhang zwischen Maximalspannungen und -geschwindigkeiten

99

Abbildung 4-19: Bestimmung von E bei ε < 0.02, ε= 0.5 und Verformungswiderstand

103

Abbildung

4-20: Werte der Elastizitätsmoduln E 50%

104

Abbildung

4-21: E init für alle Standorte

106

Tabellenverzeichnis

Tabelle 4-1: am Standort Worb eingesetzte Maschinen

54

Tabelle 4-2: Anzahl Versuche an den Standorten Worb, Belp und Oensingen

55

Tabelle 4-3: Differenz der Geschwindigkeitsextrema in Worb, Belp und Oensingen

58

Tabelle 4-4: Sättigungsgrade bei Minima und Maxima der akustischen

58

Tabelle 4-5: Bestimmtheitsmasse von Lagerungsdichten und Geschwindigkeiten

63

Tabelle 4-6: Bestimmtheitsmasse zwischen d B , v P , und d BvP aus allen Messungen

64

Tabelle 4-7: Korrelationskoeffizienten r von Sättigungsgrad S und Geschwindigkeit v P

67

Tabelle 4-8: Gerstenfeld: v P , A int und S vor und nach Beregnung

72

Tabelle 4-9: Beregnung Oberkirch: Anfangs-, Minimal- und Endwerte von v P und A int

75

Tabelle 4-10: Wassergehalte und Wasserspannungen zum Zeitpunkt der Befahrungen

77

Tabelle 4-11: Sättigungsgrade für Raupenspur und Wiese

81

Tabelle 4-12: v P und θ 24 Stunden nach Befahrung

83

Tabelle 4-13: Differenz der Ausbreitungsgeschw. zwischen Raupenspur u. Wiese

84

Tabelle 4-14: Bandbreite der Ausbreitungsgeschwindigkeiten von Raupenspur und Wiese

84

Tabelle 4-15: Mittelwerte und Variationskoeffizienten von v P , erste Amplitude A 1 und θ

85

Tabelle 4-16: Bandbreite der ermittelten Frequenzen in Raupenspur und Wiese

88

Tabelle 4-17: Scherparameter der untersuchten Standorte

92

Tabelle

4-18: Übersicht der Triaxialversuche

94

Tabelle 4-19: Einfluss des Zelldruckes auf Porendruck, Ausbreitungsgeschw., 1. Amplitude

97

Tabelle 4-20: Einfluss des Wassergehalts auf Geschwindigkeiten und Maximalspannungen

98

Tabelle 4-21: Zusammenhang zwischen Anfangsgeschw. und Lagerungsdichten

100

Tabelle 4-22: Poissonzahl ν aus Triaxialversuchen und akust. Messungen

101

Tabelle 4-23: Einfluss von dB init auf E init für einen ausgewählten Bereich von θ

107

Tabelle 4-24: Einfluss von θ auf E init für einen ausgewählten Bereich von dB init

107

Tabelle 4-25: Regressionsmodelle für E init , Lagerungsdichte dB init und θ

108

Einleitung

1

1

Einleitung

Die heutige landwirtschaftliche Nutzung des Bodens ist mit einer Vielzahl von Bearbeitungs- massnahmen und den dazu nötigen Befahrungen verbunden. Als Folge der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und dem daraus resultierenden Einsatz immer grösserer und schwererer Maschinen auch bei kritischen Bedingungen steigt die Gefährdung des Bodens durch Verdichtungen in einem nie gekannten Ausmasse an. Heutige Erntemaschinen erreichen Gesamtgewichte von 25 t (Mähdrescher) bis zu 50 t (selbstfahrende Rübenernter), die dabei auftretenden Radlasten können bis zu 9 t betragen (Olfe & Schön, 1993), was einer Belastung mit schweren Baumaschinen entspricht. Die Grössenordnung der für die Produktion benötigten Befahrungen wird häufig unterschätzt – der Spurenanteil während der Produktion beträgt im konventionellen Anbau das 2 - 4fache der Gesamtfläche eines Feldes – so dass mittelfristig Änderungen der Bodenstruktur und der daraus resultierenden boden- physikalischen Kenngrössen und damit eine Verringerung der Bodenfruchtbarkeit durch mechanische Belastungen selbst bei Bedingungen, die als weitgehend unproblematisch beurteilt werden, nicht länger ausgeschlossen werden können. Die Bestimmung der Stabilität eines Bodens und damit seiner Verdichtungsanfälligkeit erfolgt in der Regel im Feld mit dem Einsatz von Penetrometern oder im Labor mit der Bestimmung von Struktureigenschaften. Im Vordergrund der Laboruntersuchungen stehen dabei die Kenngrössen Lagerungsdichte, Porosität, Leitfähigkeiten von Luft und Wasser, sowie die Vorbelastung. Das relativ kleine Untersuchungsvolumen und die teilweise hohen räumlichen Variabilitäten dieser Parameter erschweren aber in hohem Masse eine Interpretation der Messergebnisse bezüglich der im Feld herrschenden Belastungsgrenzen. Die Untersuchung der Festigkeit von Materialien mittels mechanischer Wellen stellt in der Werkstoffkunde ein Standardverfahren dar und bietet den grossen Vorteil, dass das untersuchte Medium nicht zerstört werden muss und ein ausreichend grosses Volumen untersucht werden kann. Im Rahmen geophysikalischer Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die der Wellenausbreitung zugrunde liegende Elastizitätstheorie mit wenigen Einschränkungen auch auf poröse Medien angewendet werden kann. Die Ausbreitung von elastischen Wellen hängt von den physikalischen Eigenschaften des Untergrundes ab und wird dabei durch die gleichen Parameter beeinflusst, die auch dessen Belastbarkeit, also seine mechanischen und strukturellen Eigenschaften bestimmen. Der Einsatz akustischer und seismischer Wellen findet vor allem im Rahmen von Untergrundstudien für Ingenieurbauten, der Exploration und Prospektion von Rohstoffen (Erdöl und –gas, Grundwasser, Baustoffe wie Kies und Sand) sowie in der Gefahrenanalyse von Standorten breite Anwendung. Für die

Einleitung

2

Untersuchung des strukturellen Aufbaus des Untergrunds stehen heute zahlreiche Methoden und Modelle zur Verfügung, die hochauflösende Messungen bis in Tiefen von einigen Metern erlauben. Neben der Bestimmung von Struktur (inkl. Hohlräumen), Zusammensetzung, Mächtigkeit und Belastbarkeit des Untergrundes werden diese Verfahren vermehrt auch zur Aufspürung von Fremdkörpern in Böden und Grundwässern verwendet (Ajo-Franklin et al.,

2006).

Im Gegensatz zur Angewandten Geophysik, deren Untersuchungen sich in der Regel auf C- und R-Horizonte konzentrieren, zeichnen sich die Verhältnisse in Böden durch eine äusserst heterogene Zusammensetzung des Bodensubstrats aus; des Weiteren resultieren aus den Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Phasen eines Bodens zusätzliche Erschwernisse und Unsicherheiten. Dies und das Fehlen geeigneter Messgeräte sind Hauptgründe für die geringe Zahl von akustischen Untersuchungen, die in Böden durch- geführt wurden. Die vorliegende Arbeit will dazu beitragen, die Anwendbarkeit akustischer Verfahren und deren Aussagekraft in Böden zu überprüfen. Im Vordergrund steht die Gewinnung von Informationen über die Struktur eines Bodens, die Rückschlüsse auf seine Tragfähigkeit zulassen, so dass eine Weiterentwicklung und Implementierung dieser Messtechnik einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung verdichtungsgefährdeter Standorte leisten kann. Schwerpunkte dieser Arbeit sind:

i.)

Die Entwicklung der zur Generierung und Messung von akustischen Wellen für den

ii.)

Einsatz unter Feldbedingungen nötigen Geräte, Sender und Empfänger. Die Untersuchung der akustischen Eigenschaften von landwirtschaftlich genutzten

iii.)

Böden an unterschiedlichen Standorten und bei wechselnden Bedingungen. Die Überprüfung der Messergebnisse mittels bodenmechanischer Versuche im Labor.

Theorie

3

2 Grundlagen: Theorie und Forschungsstand

2.1 Spannungen und Verformungen in einem Boden

Auf jedes Bodenpartikel im Boden wirken Kräfte. Diese resultieren aus Auflagerkräften (Gewicht der höher liegenden Bodenschichten und vorübergehende Auflasten bei Befahrungen), dem Eigengewicht des Bodenpartikels, dem Strömungsdruck und den Ko- und Adhäsionskräften. Auflagerkräfte, Eigengewicht und Strömungsdruck des Wassers bewirken eine dichtere Lagerung mit zunehmender Bodentiefe. Die Ko- und Adhäsionskräfte stabilisieren einen vorliegenden Zustand und sind in der Lage sowohl komprimierenden als auch lockernden Kräften Widerstand entgegenzusetzen. Die Festigkeit eines Bodens zeichnet sich dadurch aus, wie weit Belastungskräfte im Bodenkörper verteilt werden können, ohne dass eine Änderung der Struktur stattfindet. Werden diese Kräfte im Boden auf eine Fläche bezogen, erhält man einen Druck. Dieser Druck im Boden wird in der Geophysik als Spannung bezeichnet. Drücke beschreiben somit die Situation zwischen betrachtetem Bodenkörper und seiner Umgebung, Spannungen die Situation im Körper.

2.1.1 Das dreidimensionale Spannungskonzept

Der Spannungszustand eines unendlich kleinen kubischen Bodenelements (Abb.2.1) kann mit 3 Normalspannungen σ i (senkrecht zu einer Ebene) und 6 Scherspannungen τ ij (tangential zu einer Ebene) dargestellt werden.

τ i j (tangential zu einer Ebene) dargestellt werden. Abbildung 2-1: Spannungszustand an einem Körper

Abbildung 2-1: Spannungszustand an einem Körper

4

Theorie

Die Summe der in gleicher Ebene wirkenden Drehmomente beträgt Null, so dass τ xy = τ yx , τ xz

= τ zx und τ yz = τ zy gilt. Der Spannungszustand eines Punktes kann mit folgender

symmetrischen Matrix beschrieben werden:

σ

τ

τ

x

xy

xz

τ

σ

τ

xy

y

yz

τ

τ

xz

yz

z

σ

(2.1)

Für symmetrische Matrizen kann das Koordinatensystem immer so gewählt werden, dass die

Beträge der Scherspannungen Null ergeben. Die Normalspannungen werden in diesem Fall

als Hauptspannungen (σ 1 , σ 2 , σ 3 ) bezeichnet und es gilt σ 1 > σ 2 > σ 3 . Daraus resultiert

folgende diagonale Matrix:

σ

1

0

0

0

σ

2

0

0

0

σ

3

(2.2)

Eine weitere wichtige Eigenschaft einer Spannungsmatrix ist das Vorhandensein von

Invarianten. Dies bedeutet, dass beispielsweise die Summe der Normalspannungen jedes

Punktes innerhalb eines Körpers unabhängig von der Position des Koordinatensystems ist.

Diese Summe wird erste Invariante, I 1 , genannt und durch die Summe der Hauptspannungen

Ι

1

= σ + σ + σ

1

2

3

ausgedrückt. Weitere Invarianten sind

und

Ι

2

= σ σ

x y

+ σ σ

x

z

+ σ σ

y

z

Ι = σ σ σ

3

x

y

z

+ 2τ

xy

τ

xz

τ

2

yz

τ

2

xy

σ

x

τ

τ

2

yz

2

xz

σ

y

τ

τ

2

yz

2

xz

= σ σ + σ σ + σ σ

1

2

1

3

2

σ

z

τ

2

xy

= σ σ σ

1

2

3

3

(2.3)

(2.4)

(2.5)

Unter der Annahme, dass x-, y- und z-Achsen den Richtungen der Hauptspannungen

entsprechen und die Spannungen auf einer Ebene senkrecht zu einer Raumdiagonalen

angeordnet sind, so können diese in eine normale und eine tangentiale Komponente zerlegt

Theorie

5

werden. Diese Komponenten sind die oktaedrische Normalspannung σ okt (auch als mittlere Normalspannung MNS bezeichnet) und die oktaedrische Scherspannung τ okt :

okt

okt

=

=

1

3

(

1

+

2

+

3

)

1 (
1
(

3

1

2

)

2

+

(

2

3

)

2

+

(

1

3

)

2

(2.6)

(2.7)

Die oktaedrische Normal- und Scherspannung sind die gebräuchlichsten Invarianten in der Bodenkunde und ermöglichen zu jedem Zeitpunkt die Beschreibung des Spannungszustandes eines Bodens (Koolen & Kuipers, 1983).

2.1.2 Die effektive Spannungsgleichung und der Sättigungsgrad eines Bodens

Der ungesättigte Boden ist ein Dreiphasensystem und besteht aus der festen, flüssigen und gasförmigen Phase. Feste und flüssige Phase, also Bodenpartikel und Porenwasser, können bei den in einem Boden wirksamen Spannungen nicht komprimiert werden. Ein Boden kann demnach nur durch das Auspressen von Luft und Wasser verdichtet werden. Da der Porenraum im Allgemeinen mit Wasser und Luft gefüllt ist, werden von aussen wirkende Kräfte durch alle drei Phasen übertragen. Die Art der Porenfüllung hat dabei entscheidende Auswirkungen auf das Spannungsgleichgewicht im betrachteten Bodenkörper:

Wird ein System bestehend aus einer festen und flüssigen Phase belastet, so wird immer dann ein Porenwasserüberdruck auftreten, wenn das Aufbringen der Last schneller als die von der Auflast abhängige Drainage erfolgt. Nach Terzaghi (1936) wird bei einem gesättigten Boden die wirksame oder effektive Spannung σaus der Gesamtspannung σ und dem Porenwasser- druck u w bestimmt:

' =

u

w

(2.8)

Die Gesamtspannung σ bezeichnet die Summe aller auf eine Fläche wirkenden Spannungen. Hinsichtlich der Stabilität des Bodengefüges ist die effektive Spannung die entscheidende Komponente, da sie direkt über die Kornkontaktpunkte übertragen wird. Der Anteil der effektiven Spannung an der Gesamtspannung steigt mit der Zahl der Kontaktpunkte zwischen den Bodenpartikeln und wird durch deren individuelle Stabilität beeinflusst. Der Poren-

6

Theorie

wasserdruck wirkt im wassergesättigten Boden stets isotrop und sein Einfluss auf die

effektive Spannung ist vom Vorzeichen abhängig:

- entsteht durch eine Belastung ein Porenwasserüberdruck (positives Vorzeichen)

verringert sich die effektive Spannung. Bei kurzzeitigen Belastungen und geringer

Wasserleitfähigkeit kann eine Last aufgrund der Inkompressibilität des Wassers

durch das Porenwasser allein getragen werden.

- im ungesättigten Boden (negatives Vorzeichen) übt das durch Menisken begrenzte

Wasser eine kontrahierende und stabilisierende Wirkung auf die Bodenmatrix aus.

Durch einen abnehmenden Wassergehalt nimmt die konkave Krümmung der

Menisken zu und die Bodenteilchen werden stärker zusammengezogen, so dass die

Wasserspannung negativer (= kleiner bzw. betragsmässig grösser) wird. In diesem

Fall erhöht sich die effektive Spannung und damit die pro Kornkontaktpunkt

mobilisierbaren Widerstände.

In ungesättigten Böden müssen zur Bestimmung der effektiven Spannungsgleichung die über

die Gasphase übertragenen Spannungen mitberücksichtigt werden. Die effektive Spannung

setzt sich hier aus zwei voneinander unabhängigen Variablen zusammen (Bishop, 1959):

'

=

mit

(

u

a

)

+

(

u

a

u

w

)

(2.9)

u a : Porenluftdruck χ : Faktor, der den Sättigungsgrad des Bodens beschreibt (0 < χ < 1)

Der Faktor χ beschreibt den Flächenanteil des Porenwassers bei einem gedachten Querschnitt

durch das Porensystem und nimmt Werte zwischen 0 bei pF 7 und 1 bei Wassersättigung an.

Somit wird die Analogie zur Gleichung von Terzaghi bei gesättigten Bedingungen

offensichtlich, wenn u a –> u w und damit deren Differenz Null wird. Obwohl die Gleichung

von Bishop (1959) auch heute noch breite Anwendung findet, wurden schon bald nach der

Publikation Unstimmigkeiten festgestellt. So wiesen Jennings & Burland (1962) darauf hin,

dass keine ausreichende Beziehung zwischen Volumenänderung und effektiver Spannung bei

hohen und tiefen Sättigungsgraden hergestellt werden kann. Bishop & Blight (1963)

bestätigten kurz darauf diesen Sachverhalt und stellten fest, dass Variationen von (u a – u w )

und (σ – u a ) nicht in einer identischen Änderung der effektiven Spannung resultierten und

somit χ eine Abhängigkeit vom Spannungspfad aufweist. Skempton (1961) wies weiter nach,

dass χ prozessabhängig ist: in Druckversuchen bestimmte Werte von χ unterschieden sich von

in Scherversuchen ermittelten deutlich.

Theorie

7

Weitere Ansätze (Richards, 1966; Aitchison, 1973) führten der effektiven Spannungs- gleichung eine weitere Komponente hinzu, die den Einfluss der Lösung mitberücksichtigte. Diese neuen Lösungsvorschläge konnten sich aber nicht durchsetzen, da sie Bodenparameter enthielten, die in vielen Fällen experimentell nicht bestätigt werden konnten (Morgenstern, 1979) oder im Widerspruch zum Grundsatz der Modellbeschreibung in der Kontinuums- mechanik standen, wonach Zustandsgrössen unabhängig von Materialparametern oder Materialfunktionen zu definieren sind. Fredlund & Morgenstern (1977) kamen in einer qualitativen Analyse zum Schluss, dass mit der Verwendung von zwei der drei möglichen Spannungszustandsvariablen {(σ – u a ); (σ – u w ); (u a – u w )} das mechanische Verhalten von Böden eindeutig beschrieben werden kann. Widersprüchliche Resultate (Wheeler & Sivakumar, 1995), sowie die hohe Anzahl benötigter Parameter führten auch hier dazu, dass sich dieser Ansatz nur in beschränktem Ausmasse durchsetzen konnte. Murray (2002) entwickelte eine Zustandsgleichung unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Spannungen in ungesättigten Proben nicht gleichmässig über das ganze Volumen verteilt sind und führte eine zwischen den unterschiedlich gesättigten Bodenvolumina wirkende Spannungskomponente ein. Dabei werden die innerhalb einer Bodenprobe wirkenden Kräfte auf die Grösse und damit auch auf die Ausdehnung der Volumina der einzelnen Phasen bezogen. Eine Bestätigung dieses Ansatzes durch weitere Versuche steht zurzeit aber noch aus. Aufgrund der Schwierigkeiten der Messung von Porendrücken v.a. bei hohen Verformungs- geschwindigkeiten (Hettiaratchi et al., 1992; Mouazen et al., 2002), der geringen Auswirkungen von Änderungen von Porenwasserdrücken in landwirtschaftlich genutzten Böden (Wulfsohn & Adams, 2002) oder der Implementierung von Messdaten auf Modelle (Défossez et al., 2003) wird in vielen Fällen auf die Messung von Porenluft- und Porenwasserdruck verzichtet. Praktische Anwendungen (Koolen & Kuipers, 1983) vernachlässigen oftmals den Einfluss des Porenluftdrucks, da dieser in der Regel dem atmosphärischen Luftdruck entspricht (Aitchison, 1961) und verwenden die Formel von Bishop (1959) in der Form

' =

dabei gilt:

+

u

w

r = s r
r
=
s
r

(2.10)

(2.11)

8

Theorie

mit

θ : aktueller volumetrischer Wassergehalt

θ r : Restwassergehalt θ s : Wassergehalt bei Sättigung Dieser volumetrische χ-Faktor, für θ r = 0 auch als Porensättigungsgrad S bezeichnet, ist ein

Mittelwert für den Gesamtboden und besitzt bei einer Bodenentwässerung die Charakteristika

der Retentionskurve des jeweiligen Bodens (Snyder & Miller, 1985). Er kann im Falle der

Beschreibung des Spannungsversagens von Böden zu einer Überbewertung des Beitrages der

Wasserspannung an der Gesamtspannung führen. Dagegen muss bei einem Bruch eines

Bodens bei erhöhter mechanischer Beanspruchung in der Regel davon ausgegangen werden,

dass dieses Materialversagen stets an den grössten Poren oder Hohlräumen ansetzen wird, da

in diesen entweder die Kontinuität der Wassergehaltsverteilung unterbrochen oder bei noch

vorhandener flüssige Phase der Flächenanteil, über den die Wassermenisken wirken, am

kleinsten ist. Die Bodentextur, die Porenverteilung und damit die auftretenden Oberflächen-

spannungen der Wassermenisken beeinflussen in entscheidender Weise den

Porenwasserdruck, so dass für die Anwendbarkeit der Formel [2.10] in Sanden χ>0,5 und in

Tonen χ>0,9 gelten muss (Koolen & Kuipers, 1983).Bei tieferen Werten von χ kann die

unterschiedliche Wassergehaltsverteilung dazu führen, dass die auftretenden Wasser-

spannungen kleinräumig derart variieren, dass von gemessenen Werten nur schwer auf den

die Festigkeit bestimmenden mittleren Wert von ψ geschlossen werden kann.

Diese Vorgehensweise zur Bestimmung der effektiven Spannung in einer Bodenprobe ist

einfach in der Anwendung und berücksichtigt in ausreichendem Masse den Einfluss des im

Porenraum vorhandenen Wassers auf die Stabilität der Lagerung. Sie findet daher breite

Verwendung in der Untersuchung vor allem nicht aggregierter Böden (Horn & Baumgartl,

2002). In schluff- und tonhaltigen Böden werden die Parameter in hohem Masse auch durch

den Aggregierungsgrad bestimmt und beeinflussen als zusätzlicher Faktor das Verhalten eines

Bodens bei Belastungen, so dass die Aussagekraft der so ermittelten effektiven Spannungen

eine geringere praktische Relevanz aufweisen.

Theorie

9

2.1.3 Die Verformbarkeit von Böden

Jede Änderung der Spannungsverhältnisse eines Bodens bewirkt eine Deformation des

Bodens. Analog zur Beschreibung des Spannungszustandes eines Bodens erfolgt die

Beschreibung der Deformation eines Bodenkörpers. Die Verformung besteht aus den Grössen

Normalverformung ε i und Scherverformung γ ij und kann wiederum in einer symmetrischen

Matrix dargestellt werden:

x γ

ε

γ yx

xy

y

zy

ε

γ γ

zx

xz

γ

γ

yz

ε

z

(2.12)

Auch bei der Verformungsmatrix ist es möglich ein Referenzsystem derart anzulegen, dass

eine diagonale Matrix entsteht:

1

0

0

0

2

0

0

0

3

(2.13)

Diese Matrix beschreibt vollständig die Bodendeformation und es können analog zum

dreidimensionalen Spannungskonzept Normal- und Scherverformungen bestimmt werden.

Eine häufig verwendete Grösse ist die spezifische Volumenänderung ε vol . Sie wird bestimmt

aus:

vol

=

1

+

2

+

3

(2.14)

Die Grundlage zur Beschreibung der Verformung von Festkörpern ist das Hookesche Gesetz.

Es beschreibt das elastische Verhalten von Festkörpern, deren Verformung ε x linear

proportional zur anliegenden Spannung σ x ist. Wirkt eine Spannung nur in einer Richtung,

d.h. σ y = σ z = 0, so gilt:

σ x

= E ε

x

d.h.

ε x =

σ

x

E

E

=

L

L

mit:

E

: Elastizitätsmodul von Young

L

: ursprüngliche Länge

(2.15)

L: durch die Deformation hervorgerufenen Längenänderung

10

Theorie

Das Verhältnis zwischen Spannung und Verformung in der Normalen wird durch den Elastizitätsmodul ausgedrückt, der einer Materialkonstante entspricht. Bei ideal elastischen Körpern verschwindet die Verformung nach der Entlastung vollständig, sie ist reversibel. Viele Festkörper, so auch Böden, weisen jedoch kein linear elastisches Verhalten auf. Der

Deformationspfad folgt einer nichtlinearen Funktion σ = f(ε); dabei sind in vielen Fällen Be- und Entlastungspfad nicht identisch und die Drucksetzungskurve weist eine Hystereseschleife auf. Zusätzlich treten neben den elastischen, reversiblen Verformungen auch plastische, irreversible Deformationen auf. Dabei wird in drei Stadien unterschieden:

- die elastische Deformation: mit zunehmender Spannung nimmt die Verformung linear zu

- die plastische Deformation: nichtlineare Zunahme der Verformung mit der Spannung, die eine irreversible Verformung verursacht

- „postfailure“-Verhalten nach Überschreiten der maximalen Festigkeit σ max und dem Bruch der Probe Bei der Belastung von Festkörpern wird neben der axialen Verformung zusätzlich eine Deformation senkrecht zur Lasteintragung, die Querdehnung, beobachtet. Aus ihr lässt sich eine weitere Materialkonstante, die Querdehnungs- bzw. Poissonzahl ν ermitteln

ν =

ε

lateral

ε

axial

(2.16)

Wird statt der Längen- die Volumenänderung eines Körpers betrachtet, ergibt sich der Kompressionsmodul K (auch als "bulk modulus" B bezeichnet). Er berechnet sich aus dem Anfangsvolumen V und der von σ verursachten Volumenänderung V:

ε vol =

σ

Κ

V

=

V

(2.17)

Der zum Kompressionsmodul K invers proportionale Parameter C wird als Kompressibilität bezeichnet:

C

=

V

1

V

σ

(2.18)

Theorie

11

Nach Jaeger et al. (1979) besteht zwischen K, C, E und ν folgender Zusammenhang:

Κ

=

Ε

 
 

(

3 1

2 ν

)

respektive

 

C

=

3

(

1

2

ν

)

E

(2.19)

(2.20)

In gleicher Weise wie für E lässt sich aus Scherspannung τ ij und Scherdeformation γ ij der

Schermodul G bestimmen:

γ xy

=

τ xy

G

analog für γ yz und γ xz

(2.21)

Der Schermodul bezeichnet den Widerstand eines Körpers gegen Scherkräfte. Der

Zusammenhang zwischen E und G ist gegeben durch:

G =

E

2(1

+ ν

)

(2.22)

Sind E, G und ν bekannt, so kann mit Hilfe des Gesetzes von Hooke das

Deformationsverhalten eines Bodens in jeder Richtung und bei unterschiedlichen Spannungen

beschrieben werden, denn es gilt:

ε =

x

1

Ε

[

σ

x

(

νσ

y

+

σ

z

)]

und für Scherdeformationen γ ij :

γ

xy

=

(

1

+

ν

)

Ε

τ

xy

analog für ε y und ε z

analog für γ yz und γ xz

(2.23)

(2.24)

12

Theorie

Die Beziehungen zwischen den auf ein Bodenelement wirkenden Spannungen und den daraus resultierenden Verformungen in einer Richtung sind in der folgenden Abbildung (Abb. 2.2) zusammengefasst.

sind in der folgenden Abbildung (Abb. 2.2) zusammengefasst. Abbildung 2-2: Beziehung zwischen Spannungen und

Abbildung 2-2: Beziehung zwischen Spannungen und Verformungen

Diese Beziehungen sind formal nur in beschränktem Ausmasse auf die Bodenmechanik übertragbar, da Verformungen eines Bodens oft nur bis zu einem gewissen Punkt linear verlaufen. Man behilft sich damit, dass in σ-ε-Diagrammen Elastizitätsmoduln nur für bestimmte, annähernd lineare Spannungs- oder Deformationsintervalle als Sekanten- oder Tangentenmoduln definiert werden. Diese Moduln haben nur für den beobachteten Belastungspfad und das gewählte Spannungsintervall Gültigkeit.

Bei zahlreichen Fragestellungen genügt es, den Boden als kompakten, elastischen Körper zu behandeln. Der Verformungszustand ist allein eine Funktion der Umgebungsspannungen σ und der gerichteten Spannung an seiner Oberfläche. Die Verformung eines Bodenkörpers kann aber auch durch eine Änderung des Porendrucks beeinflusst werden. Für die Beschreibung einer Verformung poröser Körper sind die zuvor genannten elastischen Parameter nicht länger geeignet. Vielmehr müssen poroelastische Parameter eingeführt werden, die auf mehrphasige Systeme angewandt werden können. Mit der linearen Poroelastizitätstheorie können die Wechselwirkungen zwischen Porendruckänderung und Verformung der Bodenmatrix genauer beschrieben werden. Die Grundlagen dieser Theorie wurden von Terzaghi (1923) für eindimensionale Verformungen entwickelt. Biot erweiterte sie 1941 auf den dreidimensionalen Fall und Rice & Cleary (1976) formulierten sie mit der Einführung leichter zu interpretierender Parameter neu.

Theorie

13

Nach Wang (2000) gilt bei isotropem Materialverhalten:

ε x

1

=

2G

 

σ

x

ν

1

+ ν

σ tot

mit:

σ tot = σ x + σ y + σ z

+

α

3Κ

u analog für ε y und ε z

(2.25)

Bei einer Deformation verringert sich der Anteil mit Luft gefüllter Poren und der relative

Wassergehalt nimmt zu. Die Zunahme des Wassergehaltes mit der Deformation wird durch α

ausgedrückt:

 

α =

ζ

(2.26)

ε

vol

 

und

ζ =

V

V

0

p

bzw.

ζ = m f

(2.27)

mit:

V p

: Porenvolumen

V 0

: Anfangsvolumen

m f : Wassergehaltszunahme

Es ist zu beachten, dass E und ν unter drainierten Bedingungen (u = 0) bestimmt werden

müssen. Zwischen drainierten (Index d) und undrainierten Parametern bestehen folgende

Beziehungen:

E

E

d

0

ν

d

ν

1

2

und somit

C

d

C

Scherspannungen verursachen in den meisten Fällen dagegen keine Volumenänderung. Somit

hat auch der Porendruck keinen Einfluss auf Scherdeformationen und der Schermodul G

ändert sich nicht (Biot, 1941; Wang, 2000).

Weist der Bodenkörper in unterschiedlichen Richtungen unterschiedliches Verhalten auf, so

muss Gleichung (2.23) für anisotropes Verhalten in folgender Weise erweitert werden:

14

Theorie

ε =

x

σ

x

Ε

x

ν

y

Ε

y

σ

y

ν

z

Ε

z

σ

z

+

α

x

3

Κ

u

(2.28)

Neben E, ν und α muss auch der Schermodul G für jede Richtung bestimmt werden, so dass folgende Beziehung gilt:

γ

xy

=

1

2 G

xy

τ

xy

2.1.4 Die Gleichung von Mohr-Coulomb

(2.29)

Damit bei einer Belastung eines Bodens das Verschieben der Bodenpartikel und damit eine Änderung der Bodenstruktur verhindert werden kann, müssen Reaktionskräfte wirksam werden. Diese Kräfte sind Auflagerkraft und Scherwiderstand (Hartge & Horn, 1991). Die Auflagerkraft bezeichnet den Widerstand gegen eine Verlagerung der Partikel in Richtung der Flächennormalen. Der Scherwiderstand drückt die tangentiale Widerstandskraft gegen eine Verschiebung in Richtung der Bezugsfläche aus. Sind die mobilisierbaren Reaktionskräfte gleich oder grösser als die Resultierende der Belastung, dann werden Bodenpartikel nicht bewegt und die Struktur bleibt stabil. Diese Eigenschaft eines Bodens wird auch als Scherfestigkeit bezeichnet. Um sie zu beschreiben, ist ein Bruchkriterium nötig, mit dessen Hilfe die Ergebnisse von experimentellen Untersuchungen dargestellt und ausgewertet werden können. Die Beziehungen zwischen Normal- und Scherspannungen müssen dabei im Grenzgleichgewicht, d.h. beim Bruchzustand, klar ersichtlich sein. Dieser Zusammenhang zwischen Spannung und Scherparametern wird durch die Mohr- Coulombsche Bruchgerade in einem σ-τ-Diagramm (Abb. 2.3) dargestellt.

Coulombsche Bruchgerade in einem σ - τ -Diagramm (Abb. 2.3) dargestellt. Abbildung 2-3: Mohr-Coulombsche Bruchgerade

Abbildung 2-3: Mohr-Coulombsche Bruchgerade

Theorie

15

Für unterschiedliche Spannungszustände werden an gleichen Bodenproben die bei einem

Bruch der Bodenstruktur wirkenden Hauptspannungen bestimmt und als Spannungskreise in

einem σ-τ-Koordinatensystem aufgetragen. Die Bruchgerade wird durch die Tangente an

mindestens zwei Spannungskreise eindeutig bestimmt. Alle Spannungszustände unterhalb der

Mohr-Coulombschen- Bruchgeraden bezeichnen stabile Zustände. Spannungszustände

oberhalb der Bruchgeraden sind instabil und führen zu einer plastischen Verschiebung von

Bodenpartikeln und damit zu einem Scherbruch.

Der Scherwiderstand τ wirkt an den Kontaktpunkten der Bodenpartikel (Einzelkörner oder

Aggregate) stabilisierend und zwar in Abhängigkeit von der Normalspannung und den beiden

Parametern Kohäsion c und Winkel der inneren Reibung φ. Der Scherwiderstand τ ist nicht

konstant, sondern hängt in entscheidendem Masse von der Auflast ab.

Die Scherparameter Kohäsion c [kPa] und Winkel der inneren Reibung φ [°] hängen vor

allem von der Textur, der Struktur und der Lagerungsdichte eines Bodens ab. Die Kohäsion c

ist der Schnittpunkt der Bruchgeraden mit der Ordinate. Sie wird in hohem Masse durch den

Feuchtegrad und den Tongehalt eines Bodens beeinflusst. So führt eine Abnahme der

Bodenfeuchte zu einer Zunahme der Kohäsion, die vor allem in tonreichen Böden sehr

ausgeprägt sein kann, da hier die kleinen Partikelgrössen und der höhere Anteil an engeren

Poren eine überdurchschnittliche Zunahme der Meniskenflächen und damit der

Wasserspannung bewirken.

Der Winkel der inneren Reibung φ drückt die Abhängigkeit des Scherwiderstandes von der

Auflast aus und wird in starkem Masse durch die Grösse und Form der Bodenpartikel und –

aggregate bestimmt. Deren Oberflächenrauhigkeit, die mit abnehmender Korngrösse

abnimmt, führt dazu, dass φ mit zunehmendem Tongehalt abnimmt. Steigende Lagerungs-

dichten führen zu einer leichten Zunahme von φ (Mouazen et al., 2002), dagegen haben

Wassergehaltsänderungen nur einen geringen Einfluss.

Zur Bestimmung der Scherparameter werden in der Regel die effektiven Spannungen

verwendet, d.h. der auf die Normalspannung wirkende Porenwasserdruck wird mitberück-

sichtigt. Für die Scherspannung τ eines gesättigten Bodens gilt:

'

= c +

mit:

(

u

w

) tan

'

c’: effektive Kohäsion φ: effektiver Winkel der inneren Reibung

(2.30)

16

Theorie

Bei ungesättigten Bedingungen wird die effektive Spannung σdurch die Wasserspannungen

erhöht und der Scherwiderstand folgendermassen bestimmt (Fredlund & Rahardjo, 1993):

'

= c +

(

+

(

u

a

u

w

)) tan

'

(2.31)

Diese Abhängigkeit des Scherwiderstandes von der Wasserspannung ψ und der

Oberflächenbeschaffenheit der Bodenbestandteile weist den Scherwiderstand als eine

Materialfunktion des Bodens aus. Diese Materialfunktion und damit der maximale Scher-

widerstand τ lassen sich für alle Sättigungszustände eines Bodens mit der Mohr-

Coulombschen Bruchgeraden beschreiben.

2.2 Belastungen und ihre Auswirkungen auf die Bodeneigenschaften

Die Stabilität eines Bodens gegenüber Belastungen, resp. dessen Tragfähigkeit, wird in

hohem Masse durch die Textur und die Struktur beeinflusst, entscheidend jedoch ist der

Feuchtezustand, der Ko- und Adhäsion der Bodenpartikel und damit die Konsistenz des

Bodens bestimmt. Die Textur wird von vielen Autoren (Horn, 1988; Hanus, 1990) als eine der

wichtigsten Bodeneigenschaften hinsichtlich der Verdichtungsanfälligkeit eines Bodens

bezeichnet. Vor allem in tonreichen Böden mit ihrem höheren Anteil an Mikroporen

beeinflusst die Wasserspannung in weit stärkerem Ausmasse die Stabilität als dies in

grobkörnigen Böden der Fall ist. Kleine Wassergehaltszunahmen führen in diesen Böden

nicht nur zu einer Abnahme der Kornkontakte, sondern sind auch für die Bildung von

Gleitfilmen verantwortlich, die eine starke Stabilitätsminderung zur Folge haben. Aus diesen

Gründen können die Befahrung und die Bearbeitung dieser Böden nur in einem sehr

eingeschränkten Wassergehaltsbereich erfolgen.

Übersteigt eine von aussen aufgebrachte Last die intern mobilisierbaren Spannungen, so

verdichtet sich die Struktur so lange, bis die Auflast vom Boden getragen werden kann. Die

damit einhergehende Volumenabnahme eines Bodens kann nur stattfinden, wenn einzelne

Partikel sich aus dem Bodenverband lösen und sich neu orientieren können. Diese

Bewegungen der Bodenpartikel gegeneinander werden durch Reibungskräfte und den

zwischen den Partikeln bestehenden Bindungskräften behindert. Je dichter ein Boden und je

komplexer die Anordnung der Partikel, desto kleiner ist der zur Verfügung stehende

Porenraum und desto stärker ist der Widerstand gegenüber einer Neuanordnung. Die

Verschiebung und Neuausrichtung der Bodenpartikel zu einer dichteren Lagerung werden mit

zunehmenden Lagerungsdichten immer schwieriger (Paz & Guérif, 2000).

Theorie

17

Im Weiteren sind der Aggregierungsgrad und die Form der Bodenaggregate für die Stabilität eines Bodens von grosser Bedeutung. Da die Druckbelastung durch Fahrzeuge überwiegend senkrecht zur Bodenoberfläche erfolgt, weisen Gefügeformen mit senkrecht ausgebildeten Grenzflächen einen höheren Widerstand gegen Verdichtungen als Kohärent- oder Plattengefüge auf (Horn, 1988). Sehr wichtig für die Stabilität des Oberbodens ist der Anteil an organischer Substanz, der die Bodenstabilität positiv beeinflusst (Soane, 1990; Zhang et al., 1997). In welchem Ausmasse ein Boden normal verdichtet oder schadverdichtet ist, lässt sich im Einzelfall nur im Zusammenhang mit seinen Funktionen beurteilen. Aus bodenkundlicher Sicht gilt ein Boden dann als schadverdichtet, wenn das Porensystem im Boden so weit reduziert ist, dass die Produktions-, Filter- und Regelungsfunktionen temporär oder dauerhaft beeinträchtigt werden und eine Minderung der Bodenfruchtbarkeit zur Folge haben. Bodenschadverdichtungen, die mit dem Einsatz von motorisierten, schweren land- wirtschaftlichen Geräten auftreten, wurden schon in den 1920er Jahren (Gröger, 1921) erkannt und deren Nutzen kritisch beleuchtet: Der Einsatz der damaligen Dampfpflüge erforderte ein nahezu flächendeckendes Überrollen der Ackerfläche und machte damit die erzielte Lockerung wieder zunichte. Mit dem Aufkommen leistungsfähigerer Traktoren konnte der Wirkungsgrad kontinuierlich verbessert werden. Zerstörungen der Bodenstruktur, als Ergebnis fehlerhaften Maschineneinsatzes und zur Unzeit durchgeführten Boden- bearbeitungen, sowie deren negative Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum wurden bereits von Görbing (1948) detailliert beschrieben. In der Folge versuchte man die Gefahr von Verdichtungen des Oberbodens durch Vergrösserung der Kontaktfläche zwischen Reifen und Boden zu begrenzen. Verdichtungen unterhalb des Bearbeitungshorizontes werden jedoch vorwiegend von der Radlast bestimmt (Söhne, 1958) und nehmen auch bei konstantem Kontaktflächendruck mit zunehmender Radlast zu (Bolling, 1986). Hakansson et al. (1987) forderten deshalb als Gegenmassnahme bereits vor 20 Jahren eine Begrenzung der Achslast auf 6 t bei Befahrungen von Ackerböden. Diese Einsatzgrenzen wurden in der Folge vom BUWAL (2001) weitgehend übernommen, aber nur für den Einsatz von mit Pneus ausgestatteten Baumaschinen für verbindlich erklärt. Eine Begrenzung der Radlasten berücksichtigt nur einen Aspekt der Verdichtungsanfälligkeit von Böden: mindestens ebenso wichtig sind die hohen Verdichtungs- und Schlupfimpulse, die beim konventionellen Pflügen durch die in der Pflugfurche fahrenden Traktorräder in den Boden eingetragen werden. Direkte Folgen sind Gefügeänderungen die zur Entstehung einer plattigen, teilweise verschmierten Zone, der Pflugsohle führen. Diese verdichtete

18

Theorie

Grenzschicht zwischen Ober- und Unterboden schränkt die Durchwurzelbarkeit stark ein, so dass ein kontinuierlicher und ausreichender Austausch von Wasser, Nährstoffen und Sauerstoff nicht länger gewährleistet ist. Die verringerte Porenkontinuität führt zu einer eingeschränkten Wasserversickerung, was bei feuchten Verhältnissen zu Sauerstoffmangel und Oberflächenerosion und bei trockenen Bedingungen zu einer geringeren Wasser- nachlieferung aus dem Unterboden führen kann. Diese Gefügestörungen bewirken eine Verschlechterung der Wachstumsbedingungen für die Pflanzen und können zu bedeutenden Mindererträgen führen. Trotz dieser Erkenntnisse und Erfahrungen konnte die Belastung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen durch Fahrverkehr und Bearbeitungsmassnahmen nicht reduziert werden. Ökonomischer Druck, mangelnder politischer Wille - vielfach aus Unkenntnis über Stand und Folgen dieser Problematik - und die oft nicht den hiesigen Standorten angepasste Entwicklung der Landmaschinen sind dafür verantwortlich, dass auch heute noch immer leistungsfähigere und schwerere Zug- und Erntemaschinen zum Einsatz kommen, die mit Hilfe grossdimensionierter Bereifung auch bei ungünstigen Boden- bedingungen eingesetzt werden. Dabei kann nur mit Hilfe tieferer Reifeninnendrücke der Kontaktdruck auf die Bodenoberfläche konstant gehalten werden; die höheren Achslasten führen dagegen zu einer Zunahme der auf den Unterboden wirkenden Spannungen (Landefeld & Brandhuber, 1999). Die leistungsfähigeren und schwereren Schlepper ermöglichen zudem eine grössere Pflugtiefe, was zunächst Ertragszuwächse zur Folge hat. Allerdings wird durch den Pflug der Oberboden stark überlockert und destabilisiert, so dass die folgenden Belastungen tief in den Boden weitergeleitet werden. Abhängig von der grösseren Spurtiefe greifen die Belastungsimpulse durch das in der Pflugfurche fahrende Traktorrad jetzt von vornherein tiefer im Boden an. Dieser andauernde Einsatz von immer schwereren landwirtschaftlichen Maschinen bewirkt aber nicht nur eine Zunahme des stark plattigen und tiefer reichenden Pflugsohlenbereiches. Die natürliche Bodengefügebildung wird einschneidend gestört (Ehlers et al., 2000) und hat, via Porenfunktionen, durch die Tieferlegung der Pflugsohle tiefer greifende Auswirkungen auf Wasser-, Wärme- und Lufthaushalt. Die verringerte Nährstoffaufnahme hemmt das Wurzelwachstum und zeigt unmittelbar ertragswirksame Folgen (Abu-Hamdeh, 2003). Das Ausmass tiefreichender Verdichtungen im Unterboden hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, was die Erträge über Jahre wenn nicht Jahrzehnte vermindern (Lowery & Schuler, 1994, Håkansson & Reeder, 1994) und vor allem in Böden mit hohen Tongehalten zu sehr hohen Ernte- einbussen führen kann (Arvidsson & Håkansson, 1996).

Theorie

19

Für die Bestimmung der Stabilität eines Bodens und damit seiner Verdichtungsanfälligkeit wird in der Regel die Vorbelastung bei unterschiedlichen Sättigungsgraden ermittelt. Diese ist in hohem Masse abhängig von der Lagerungsdichte und dem Tongehalt (Lebert & Horn, 1991; Imhoff et al., 2004) eines Bodens. Wird diese Belastbarkeitsgrenze überschritten, kommt es zu irreversiblen Strukturänderungen, die zu einer Verdichtung führen. Eine erhöhte Dichtlagerung der Bodenpartikel vergrössert zwar die Stabilität eines Bodens, führt aber auch zu einer Erschwerung der Durchwurzelung und der Bodenbearbeitung. Trotz des breiten Einsatzes des Vorbelastungskonzeptes und der daraus abgeleiteten Pedotransferfunktionen (DVWK, 1995) ist nicht restlos geklärt, wie weit die im Labor gewonnenen Ergebnisse auf die wechselnden Verhältnisse im Feld übertragen werden können und welche anderen Kenngrössen einen signifikanten Einfluss haben (Peth & Horn, 2006; Salire et al., 1994; Lebert et al., 2004). Weitere Verfahren zur Schätzung des Verdichtungsrisikos nehmen Bezug auf Werte der Bodenstruktur und –hydrologie, berücksichtigen neben Standortangaben auch Aggregat- (Rücknagel et al., 2006) und Proctordichten (Ball et al., 2000) oder gewinnen aus bereits vorhandenen Datensätzen zusätzliche Informationen, so dass mittels Extrapolation in einfacher Weise die Vorverdichtung direkt aus diesen Daten bestimmt werden kann (Bachmann & Hartge, 2006). Die Aussagekraft dieser Methoden ist sehr unterschiedlich und in vielen Fällen umgekehrt proportional zum Aufwand. Die Wahl der geeigneten Methode(n) zur Bestimmung der Bodenfestigkeit ist mit ein Grund dafür, dass die praktische Umsetzung und damit der Vollzug der seit 1998 bestehenden Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo), welche auch den physikalischen Bodenschutz erfasst, sich noch in der Vernehmlassung befindet. Es zeichnet sich aber ab, dass auf Beschränkungen der Radlast verzichtet wird und für die Bestimmung des aktuellen Verdichtungsgrades die von House et al. (2001) formulierten Kenngrössen des Grobporenvolumens und der Dichte zur Anwendung kommen sollen.

20

Theorie

2.3 Die Ausbreitung von akustischen Wellen in porösen Medien

Schall- respektive Kompressionwellen sind mechanische, raum-zeitliche Schwingungen, die ein Medium durchqueren, ohne dass sie bleibende Änderungen verursachen oder laufende Prozesse beeinflussen. Durch die durch die Welle verursachten Störungen entstehen kurzzeitig Spannungsgradienten, so dass die Partikel, relativ zu ihrer Ausgangsposition, bewegt werden um danach wieder an ihre ursprüngliche Position zurückzukehren. Ist die Wellenlänge signifikant grösser als die durchschnittliche Teilchengrösse des untersuchten Mediums so können die Eigenschaften des durchquerten Körpers als homogen und isotrop betrachtet werden (Pain, 1999). Sind Ausbreitungsrichtung der Welle und Bewegungsrichtung der Partikel identisch, so

beträgt die Beschleunigung

Partikelbewegung u x :

δ

2

u

x

2

Μ δ u

x

=

δt

2

ρ

δx

2

δ

2

u

x

u x : δ 2 u x 2 Μ δ u x = δ t 2

δt

2 in einem Körper der Dichte ρ in Richtung der

(2.32)

Der Ausdruck M bezeichnet wie der Elastizitätsmodul E das Verhältnis zwischen Spannung und Verformung in einer Richtung und wird im Englischen als „constraint modulus“ (Santamarina et al., 2001) bezeichnet. Während bei E keine lateralen Spannungen wirken, so finden bei M keine seitlichen Verformungen statt. Zwischen den Moduln und M, E, B und G bestehen folgende Zusammenhänge:

und

Μ

=

Ε

(

1

ν

)

(

1

+

ν

)(

1

2

ν

)

Μ = Β +

4

3

G

(2.33)

(2.34)

Die Geschwindigkeit v P dieser Kompressionswelle beträgt:

v P

=

4 + G Μ Β 3 = ρ ρ
4
+ G
Μ Β
3
=
ρ ρ

(2.35)

Theorie

21

Findet die Partikelbewegung senkrecht zur Ausbreitungsrichtung statt, so ergibt sich für eine Welle, die sich in x-Richtung mit der Partikelbewegung u y ausbreitet:

2

δ u

y

G

2

δ u

y

=

δt

2

ρ

δx

2

(2.36)

Die Geschwindigkeit v S dieser Scherwelle ist bestimmt durch:

v S

=

G ρ
G
ρ

(2.37)

Die Ausbreitungsgeschwindigkeiten sind abhängig von der Festigkeit eines Materials und seiner Dichte. In einer ungesättigten, porösen Umgebung, wie in einem Boden, wird die Ausbreitung von Kompressionswellen durch Wechselwirkungen zwischen fester, flüssiger und gasförmiger Phase bestimmt. In diesem Fall wird die Wellenausbreitung neben dem Kompressionsmodul der Matrix auch durch den Kompressionsmodul der Suspension aus Festsubstanz, Wasser und Luft beeinflusst. Gleichung (2.35) wird jetzt:

4 Β + G + Β sk sk sus 3 v = P ρ tot
4
Β
+
G
+ Β
sk
sk
sus
3
v
=
P
ρ tot
mit:
B sk :
G sk :
Kompressionsmodul der Matrix
Schermodul der Matrix
Kompressionsmodul der Suspension
B sus :

(2.38)

Die totale Dichte ρ tot wird bestimmt durch die Lagerungsdichte des Bodens ρ b und den

volumetrischen Wassergehalt θ

ρ

tot

=

ρ

b

+

θ

(2.39)

22

Theorie

Für den Kompressionsmodul dieser Suspension gilt:

Β

sus

=

mit:

1

 

+

(

1

S)

(

1

n)

B

w

B

a

) +

B

s

S

n

n

S : Sättigungsgrad B w Kompressionsmodul des Wassers

B

B s : Kompressionsmodul der Festsubstanz in der Suspension

a

:

Porosität

Kompressionsmodul der Luft

(2.40)

Experimentelle Untersuchungen (Santamarina et al. 2001) haben aber gezeigt, dass schon bei

kleinen Lufteinschlüssen B w -> 0 und damit B sus -> 0. Wie bei den Scherwellen hat auch bei

Kompressionswellen die Bodenlösung keinen Einfluss auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit

und die P-Wellen widerspiegeln die Festigkeit der Matrix einschliesslich der Kapillarkräfte.

Die Gleichungen (2.37) und (2.38) gelten somit auch für ungesättigte Böden und erhalten die

Form:

und

v P

v

S

=

=

4 + G Μ Β 3 = ρ tot ρ tot G ρ tot
4
+ G
Μ Β
3
=
ρ tot
ρ tot
G
ρ
tot

(2.41)

(2.42)

P-Wellen werden durch den Kompressionsmodul und den Schermodul, S-Wellen nur durch

den Schermodul bestimmt. Beiden Wellenarten ist gemein, dass ihre Ausbreitung durch die

Eigenschaften der Matrix bestimmt wird.

In ungesättigten und unbelasteten Böden sind Änderungen des Wassergehaltes und damit der

Wasserspannungen Hauptursache für Variationen von Geschwindigkeiten und Moduln. Mit

einem Anstieg des Sättigungsgrades erhöht sich zwar die totale Dichte eines Bodens, jedoch

nimmt die Festigkeit des Bodens durch die Abnahme der Wasserspannungen insgesamt ab.

Resultieren aus einer Belastung des Bodens höhere Spannungen in der Festsubstanz und

dichtere Kornkontakte – und damit eine Erhöhung der Lagerungsdichte und Änderungen in

der Porenstruktur - so resultiert dies in höheren Geschwindigkeiten und Moduln. Die

Ausbreitungsgeschwindigkeiten von Kompressions- und Scherwellen bilden somit die

Theorie

23

Festigkeit eines Bodens gut ab und schliessen auch die Wirkung der herrschenden

Wasserspannungen mit ein.

Das Ausmass der Dämpfung ist eine weitere wichtige Eigenschaft von Schallwellen. Sie wird

von verschiedenen Faktoren und Prozessen beeinflusst, deren genaue Wirkungen auf das

Amplitudenmuster noch der Klärung bedürfen (Bourbié et al., 1987; Santamarina et al.,

2001). Unbestritten ist, dass Spannungszustand, Distanz von der Schallquelle und

Sättigungsgrad die Dämpfung von Schallwellen massgeblich beeinflussen. Der Einfluss von

Phasenübergängen, Textur, organischem Material und Porosität auf die Wellenausbreitung in

Böden ist dagegen grösstenteils noch unbekannt.

2.4 Ergebnisse aus akustischen Untersuchungen in Geomaterialien

Erste Untersuchungen von Biot (1956, 1962) und Geertsma (1961) zeigen den Einfluss von

Wassergehaltsänderungen auf die Ausbreitungsgeschwindigkeiten von P- und S-Wellen in

Festgesteinen. Nach Biot (1956, 1962) ändert sich die Elastizität nur wenig so lange der

Sättigungsgrad S < 99[%] ist; eine Zunahme der Sättigung führt zu einer höheren

Gesamtdichte und damit zu abnehmenden Geschwindigkeiten. Bei S > 99[%] überwiegt

dagegen die geringe Kompressibilität der Porenflüssigkeit den Dichteeffekt und v P nimmt,

sobald dieser Sättigungsgrad erreicht wird, sprunghaft zu. Scherwellen und damit auch das

Schermodul werden durch den Sättigungsgrad nicht beeinflusst und unterliegen einzig dem

Dichteeffekt.

Ausgehend von den Arbeiten von Terzaghi (1936), Brandt (1955) und Biot (1956, 1962)

entwickelte Brutsaert (1964) die theoretischen Grundlagen über die Ausbreitung von

akustischen Wellen in porösen Medien. Er konnte zeigen, dass eine dominierende P-Welle

existiert und diese perfekt gekoppelt ist, so dass die Bewegung der Bodenpartikel synchron

mit den Bewegungen von Luft und Wasser verläuft. Diese theoretischen Ergebnisse konnten

kurz darauf auch an Sandproben bestätigt und für die Geschwindigkeit v P dieser elastischen

Welle folgende Beziehung bestimmt werden (Brutsaert & Luthin, 1964):

v P

=

bestimmt werden (Brutsaert & Luthin, 1964): v P = 0 306 . ◊ a ◊ 1

0 306

.

a

1 3

Ζ

p

e

n

b

2 3

ρ

tot

(2.43)

Dabei ist p e der effektive Druck in einem Boden und wird durch den totalen Druck p t , den

Luftdruck p a und den Kapillardruck p c in Abhängigkeit von der Sättigung S bestimmt:

p

e

= p

t

p

a

S p

c

(2.44)

24

Theorie

Der totale Druck ist das Produkt der totalen Dichte ρ tot und der Tiefe h in der die Messung

stattfindet:

p

t

=

ρ

tot

g

h

(2.45)

Die Faktoren a und b sind empirische Grössen, die die Anordnung und die Anzahl der

Kontaktpunkte zwischen den Bodenkörnern respektive deren Elastizität beschreiben. Beide

Parameter hängen somit sehr stark von der Bodenart ab; für a liegen die Werte im Bereich

[0,1], für b liegen sie in der Grössenordnung der inversen Kompressionsmoduln der

Bodenpartikel zwischen 10 -10 und 10 -12 [Pa]. Der Parameter Z ist bestimmt durch:

Ζ =

5

1 +

3 2 30 75 . ◊ k ◊ b e   3 1 2
3 2
30 75
.
k
b
e
3
1
2

p

e

 

 3 2  46 12 . ◊ k ◊ b e  1 +
3 2
46 12
.
k
b
e
1 +
1 2
p
e

und beschreibt durch den effektiven Modul k e

k

k

a

k

w

=

e k

a

(

1

S)

+

k

w

S

mit:

k a : Kompressionsmodul von Luft; 1.4·10 5 [Pa]

k w : Kompressionsmodul von Wasser; 2·10 9 [Pa]

(2.46)

(2.47)

den Einfluss des Porenluft- und Porenwassergehaltes auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit v P .

Adamo et al. (2004) konnten zeigen, dass Z weitgehend unabhängig von der Sättigung S ist

und sein Wert stets nahe [1] liegt, und zwar unabhängig vom Wert des Parameters b. Wird Z

nicht berücksichtigt, so beträgt der maximale Fehler in der Bestimmung von v P lediglich

0.02[%].

Neben den Eigenschaften und der Anordnung der Bodenkörner wird die Geschwindigkeit v P

durch die totale Dichte ρ tot des Bodens, die Porosität n und die effektiven Spannungen p e

bestimmt. Die Geschwindigkeit ist damit ein Ausdruck der unmittelbar im Boden

herrschenden Spannungsverhältnisse und wird vom Matrixpotential beeinflusst. Brutsaert und

Luthin (1964) konnten zeigen, dass eine Zunahme der Wasserspannung bei abnehmender

Sättigung zu einem Anstieg der Geschwindigkeit der Kompressionswelle führt, so dass diese

Theorie

25

bei einem S = 50[%] mehr als das Doppelte der Anfangsgeschwindigkeit bei vollständiger Sättigung beträgt. Domenico (1974, 1976) führte diese Arbeiten weiter und bestimmte mit Kenntnis von v P und der Dichte den Sättigungsgrad in einem Festgestein. Er fand eine Abnahme der Geschwindigkeit bis zu einem S ~ 85[%], gefolgt von einem markanten Anstieg von v P bei weiterer Zunahme der Sättigung. Diese Zunahme der Geschwindigkeit führte er auf die geringe Kompressibilität des Wassers bei hohen Sättigungsgraden zurück, die den Einfluss einer steigenden Dichte auf die Geschwindigkeit dominiert. Er wies als erster darauf hin, dass die Geschwindigkeiten von elastischen Wellen nicht allein durch den Wasseranteil bestimmt werden können, sondern in hohem Masse durch die Porengrössen und der Verteilung des Wassers beeinflusst werden. Elliott & Wiley (1975) untersuchten die Ausbreitung von Kompressionswellen in Sanden und stellten fest, dass in einem Bereich von 9 < S < 85[%] die Geschwindigkeiten weitgehend unabhängig vom Sättigungsgrad sind. Berryman et al. (1988) konnten dagegen zeigen, dass in einem Sandstein bei genügend grossen Wellenlängen die Druckunterschiede zwischen Wasser und Luft die Wellenausbreitung nicht beeinflussen und somit Änderungen der Wasserspannungen vernachlässigbar sind. Jüngere Untersuchungen ermittelten eine Zunahme von v P in Sandstein bereits bei S > 80[%] (Knight & Nolen, 1990) und in verdichteten Tonböden bei S > 90[%] (Inci et al., 2003). Die Kontaktbedingungen zwischen Wasser und Matrix haben dabei einen herausragenden Einfluss auf das Wellenverhalten: Shields et al. (2000) untersuchten Glaskugeln und reinen Sand (99.8[%] SiO 2 ) und fanden mit Hilfe eines Elektronenmikroskops, dass Wasser nur dann einen Einfluss auf v P hat, wenn es mit der Umgebung reagiert und dadurch eine erhöhte Viskosität erhält. Baker et al. (2002) bestimmten den Einfluss von Porosität und Sättigungsgrad auf die Ausbreitung seismischer Wellen bis in 3[m] Tiefe und konnten zeigen, dass bereits geringe Änderungen in der Dichte grössere Auswirkungen auf v P haben als Abweichungen des Wassergehalts. Geller et al. (2000) wiesen darauf hin, dass in gut sortiertem Sand die Ausbreitung akustischer Wellen durch die Grösse des untersuchten Bodenvolumens und damit der, im Vergleich zu Laborproben, grösseren Heterogenität der Feuchteverteilung beeinflusst wird. Die Untersuchung von Flammer et al. (2001) wurde als erste in einem natürlich gewachsenen Boden durchgeführt und fanden bereits bei einer geringen Wassergehaltszunahme eine Abnahme der Geschwindigkeit und eine Zunahme der Absorption. Sie konnten nachweisen, dass v P in hohem Masse durch die räumliche Verteilung der Feuchte beeinflusst wird und die

26

Theorie

von Brutsaert (1964) hergeleiteten Beziehungen nur bei einer homogenen Verteilung des Wassers im Boden anwendbar sind. Eine Zunahme der Absorption bei höheren Sättigungsgraden ist das Resultat einer Zunahme der Grenzflächen von Medien mit unterschiedlichen akustischen Impedanzen, was zu einer erhöhten Streuung und Reflektion der Schallwellen führt (Krautkrämer et al., 1986). Vor allem die grossen Impedanzunterschiede zwischen Wasser und Luft und die daraus resultierende schlechte akustische Kopplung führen dazu, dass an den Grenzflächen die Schallwellen stark streuen und sowohl Geschwindigkeit als auch einen hohen Anteil ihrer Energie verlieren (Seifert et al., 1998). Weitere Faktoren die zu einer verstärkten Dämpfung der akustischen Welle durch die Zufuhr von Wasser führen sind Änderungen der Kontaktflächen zwischen den Bodenpartikeln, die das visko-elastische Verhalten der Matrix (Bourbié et al., 1987) beeinflussen, das Auftreten von Fliessprozessen zwischen gesättigten und ungesättigten Bereichen des Bodens (Cadoret et al., 1998) und möglicherweise durch den mit dem Durchgang der Welle hervorgerufenen lokalen Druckgradienten initiierte Fliessvorgänge in den Poren (Palmer & Traviola, 1981). Neben kleinräumigen Dichteunterschieden führen Fliessvorgänge in den Porenräumen, die nach Infiltrations- versuchen einen erhöhten Wassergehalt aufweisen, zu einer Zunahme der absorbierten Wellenenergie (Lo & Sposito, 2005). Marion et al. (1994) konnten zeigen, dass das Ausmass dieses Energieverlustes auch vom Verhältnis zwischen Wellenlänge und Schichtdicke beeinflusst wird und sowohl die Geschwindigkeit als auch die Absorption beeinflusst. Die Untersuchungen von Geller et al. (2000) zeigten, dass Amplituden auf Unterschiede im Sättigungsgrad weit sensibler als die Geschwindigkeiten reagieren. Blum (2002) führte akustische Untersuchungen an Proben (N = 38) eines Lössbodens durch und kam zum Ergebnis, dass die Geschwindigkeiten bei feldfeuchten (78 < S < 93[%]) Proben stark, bei trockeneren Bedingungen dagegen nur in geringerem Masse streuten. Wurden an einzelnen Proben Wassergehaltsänderungen vorgenommen, konnte eine lineare Beziehung zwischen v P und θ festgestellt werden. Bei Sättigungsgraden 60 < S < 95[%] wurde bei einigen Proben mit einem geringeren Porenanteil neben einer Abnahme auch ein Anstieg oder ein Stagnieren der Geschwindigkeiten mit zunehmender Sättigung beobachtet. Als Hauptursache für die räumliche Variation der Messwerte bei identischen Feuchtebedingungen konnte die Porenverteilung ermittelt werden. Der von Brutsaert (1964) eingeführte Parameter b, der die Elastizität der Bodenpartikel beschreibt, schwankte stark in den untersuchten Proben und beeinflusste in hohem Ausmasse die Variation der Geschwindigkeiten.

Theorie

27

Die an gestörten Proben aus verschiedenen Böden durchgeführten Untersuchungen von Oelze et al. (2002) bestätigen die Ergebnisse von Blum (2002). Sie bestimmten v P an Proben (N = 231) aus sechs verschiedenen Böden und vier Sättigungsgraden und stellten nur eine schwache Korrelation mit dem Wassergehalt, dagegen eine höhere Übereinstimmung mit der Lagerungsdichte und der Porenverteilung fest. Bei gesättigten Bedingungen resultierten für beide Parameter bedeutend höhere Korrelationskoeffizienten. Die Absorption des akustischen Signals durch den Boden stimmte gut mit dem Wassergehalt θ und v P überein: durch einen abnehmenden Wassergehalt werden die Kontakte zwischen den Partikeln fester, die Geschwindigkeit nimmt zu und der Verlust in der Energieübertragung ab. Ein Anstieg der Lagerungsdichte und damit eine Erhöhung der Kornkontakte, wie sie typischerweise bei Verdichtungsprozessen stattfindet, schlug sich in einer deutlichen Zunahme der Ausbreitungs- geschwindigkeit nieder. Neue Betrachtungen (Adamo et al., 2004) weisen darauf hin, dass eine direkte Feuchtebestimmung mit akustischen Mitteln möglich ist, sofern die von Brutsaert (1964) formulierten Einflussgrössen in Beziehung zum Sättigungsgrad gesetzt werden können. Die Verifizierung dieses Ansatzes in der Praxis ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erfolgt. Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen liefern deutliche Hinweise darauf, dass die Ausbreitung von mechanischen Wellen in Böden primär durch die Dichte und die Porosität bestimmt wird. Die Bodenfeuchte und deren räumliche Verteilung spielen erst dann eine entscheidende Rolle, wenn die Sättigung einen kritischen Wert überschreitet und die Welle nicht mehr vollständig durch die Matrix übertragen wird.

28

Material und Methoden

3 Material und Methoden

Im Rahmen der Angewandten Geophysik werden seit 1958 (Wyllie et al.) mittels seismischen oder akustischen Methoden Eigenschaften der Lithosphäre untersucht. Im Vordergrund stehen dabei die Exploration und Prospektion von Rohstoffen und Untersuchungen des Untergrundes im Rahmen grosser Bauprojekte und die dabei ermittelten Parameter lassen Rückschlüsse auf Porosität, Durchlässigkeit, Flüssigkeitsgehalt und Dichteunterschiede zu. Komplementäre Untersuchungen im Labor werden in der Regel mit gesättigten Proben durchgeführt. Für Felduntersuchungen in Locker- und Festgesteinen steht ein bewährtes Repertoire zur Erzeugung und Erfassung mechanischer Wellen bereit. Von der Oberfläche oder von bestehenden Bohrlöchern aus wird mittels Vibrationen, Sprengungen, Fallgewichten oder Hammerschlägen ein Impuls ausgelöst und an der Oberfläche oder in Bohrlöchern von Geophonen oder Seismometern empfangen. Es ist unvermeidbar, dass dabei die ursprüngliche Struktur des untersuchten Körpers an der Signalquelle vollständig oder zu grossen Teilen zerstört wird. Diese Methoden eignen sich zwar für grosse Untersuchungsvolumina; ihre räumliche Auflösung ist aber für bodenkundliche Fragestellungen zu gering. Daneben kommen auch akustische Sonden zum Einsatz, die in wassergefüllten und mit Metallrohren stabilisierten Bohrlöchern mit Durchmessern > 0,1[m] Unterschiede in der Wellenausbreitung zwischen Flüssigkeit, Bohrlochwand und angrenzendem Gestein bestimmen können. Der Einsatz in wassergefüllten Röhren und die geringe Eindringtiefe der akustischen Wellen in das zu untersuchende Medium sind für bodenkundliche Fragestellungen ebenfalls ungeeignet. Experimentelle Untersuchungen von Böden mit akustischen Mitteln sind dagegen erst neueren Datums und wurden an gestörten Bodenproben (Oelze et al., 2002; Lu et al., 2004) oder an Bodensäulen (Flammer et al., 2001; Blum et al., 2004) durchgeführt. Zum Einsatz gelangten dabei eigens entwickelte Schallwandler auf Piezo-Basis, die lateral oder axial an die Probe montiert wurden. Die Kenntnis über das Ausbreitungsverhalten mechanischer Wellen im Boden unter Feldbedingungen steckt dagegen noch in den Anfängen. Aufbauend auf bewährten Methoden der Seismik wurde im Rahmen dieser Arbeit der Versuch unternommen, die Anwendbarkeit und Grenzen solcher Methoden für die Untersuchung von Kulturböden aufzuzeigen.

Material und Methoden

29

3.1 Geräte zur Signalerzeugung und -erfassung

3.1.1

Sender

Zur Erzeugung von elastischen Druckwellen im Boden unter Feldbedingungen wird eine Signalquelle benötigt, die nicht zu gross, robust, zuverlässig und einfach in der Handhabung und Herstellung ist. Da der Boden jede Art von Wellen stark absorbiert, muss das Signal ausserdem stark genug sein um ein repräsentatives Bodenvolumen zu durchqueren ohne es zu verändern. Zu diesem Zweck müssen die Signalquelle und die Empfänger mittels Bohrlöchern im Boden eingebaut werden können. Im Laboreinsatz bewährte Schallwandler auf Piezo- Basis erfüllen diese Anforderungen nicht, da mit dieser Technik zu grosse Sender und Empfänger resultieren. Der Einbau in den Boden und der gute Kontakt der planen Flächen zum angrenzenden Boden stellen weitere Erschwernisse dar, durch die eine gute Signalübertragung im Boden nur bedingt gewährleistet werden kann. Eine weitere Möglichkeit zur Erzeugung von Druckwellen sind schnelle, kontrollierte Entladungen einer Kondensatorbank in einer den elektrischen Strom gut leitenden Flüssigkeit. Dieses Prinzip wurde erstmals von Caulfield (1962) für den Einsatz in der Seeseismik verwendet. In der Folge stellten Owen et al. (1988) einen Prototyp für den Einsatz in Bohrlöchern vor und Mahrer et al. (1993), sowie Rechtien et al. (1993) entwickelten das Verfahren weiter und bezeichneten die Signalquelle als „sparker“. Der Einsatz von so genannten „Sparkern“ erfüllt die an Bodenuntersuchungen gestellten Anforderungen: Die schnelle Entladung der Kondensatorbank erfolgt in einem Gehäuse, das mit einer elektrisch leitenden Flüssigkeit, in unserem Fall einer Salzlösung mit einer Konzentration von 200[g] NaCl/l, gefüllt ist. Auf Grund der hohen elektrischen Spannung wird mit Entladungsbeginn zwischen den Elektroden des Leiters ein Teil der Flüssigkeit verdampft. Auf die so entstandene Gasblase folgt unmittelbar ein Lichtbogen zwischen den zwei Elektroden. Solange noch Strom fliesst wird um den Lichtbogen weiter Flüssigkeit verdampft. Fliesst von den Kondensatoren kein Strom mehr, entlädt sich der Lichtbogen und erzeugt eine Druckwelle mit hoher Amplitude. Die Stärke dieses Impulses ist in erster Linie abhängig von der in den Kondensatoren gespeicherten elektrischen Energie. Der am Geographischen Institut der Universität Bern (GIUB) entwickelte Sparker (vgl. Abb. 3-1 und 3-2) besteht aus einem Messingzylinder von 210[mm] Länge und 33[mm] Durchmesser. Ausgehend von der Mitte des Zylinders sind auf einem Sektor von 85[mm] Länge in regelmässigem Abstand 100 Löcher gebohrt. Diese weisen einen Durchmesser von 5[mm] und einen Abstand von 9[mm] zum nächsten Loch auf. In der Mitte des Sparkers wird ein Koaxialkabel mit planer Schnittfläche fixiert und mit einer Hülse zentriert. Der Zylinder

30

Material und Methoden

wird mit einem satt sitzenden Fahrradschlauch überzogen, so dass sämtliche Bohrungen bedeckt sind und die Salzlösung nicht ins Freie gelangen kann. Die Anzahl und die Grösse der Bohrungen sind insofern von Bedeutung, als dass sie Frequenz und Amplitude der auf den angrenzenden Boden übertragenen Druckwelle beeinflussen.

angrenzenden Boden übertragenen Druckwelle beeinflussen. Abbildung 3-1: Aufbau eines Sparkers Die zur Impulserzeugung

Abbildung 3-1: Aufbau eines Sparkers

Die zur Impulserzeugung notwendige Energie wird von einem Hochspannungspulsgenerator mit Kondensatorbank, auch bekannt unter dem Namen Marx-Generator (erstmals entwickelt 1923 von Erwin Otto Marx, 1893-1980), generiert. Darin werden parallel geschaltete Kondensatoren auf die gewünschte Spannung aufgeladen und anschliessend mittels einer Triggerfunkenstrecke innerhalb 10 – 2000[ns] (Martin, 1992) in Serie entladen. Diese Anlage wurde am GIUB entwickelt und ist in der Lage 30 Druckwellen pro Minute zu erzeugen. In Feldversuchen wurden Spannungen von 2 – 2,2[kV] benötigt um Kompressionswellen mit einem guten Signal-Rauschen-Verhältnis zu produzieren. Die hohen elektrischen Energien, bei 2[kV] Spannung 200[J], bewirken ein Schmelzen der isolierenden Schicht des Koaxialkabels im Sparker. Dies verändert den Abstand zwischen den Elektroden des Kabels derart, dass die Entladung der Kondensatoren eine längere Zeitdauer in Anspruch nimmt. Die Entladungsgeschwindigkeit [dU/dt] bestimmt massgeblich die Amplitude der erzeugten Druckwelle, hat aber nur einen sehr geringen Einfluss auf die Geschwindigkeit. Um eine hohe

Material und Methoden

31

Wiederholbarkeit der Signale zu gewährleisten, muss die Kabelspitze im Sparker nach 20 – 30 Entladungen mit einer Metallsäge 1-2[mm] gekürzt und mit Sandpapier geglättet werden. Obwohl diese Art der Impulserzeugung robust und einfach in der Bedienung ist, birgt sie durch die Verwendung von hoher Spannung und Stromstärke (100[A] bei 2[kV]) grosse Risiken, die nur durch eine strikte Einhaltung der Sicherheitsmassnahmen ausgeschlossen werden können. Eine detaillierte Beschreibung für den Umgang mit den Feldgeräten steht zur Verfügung und kann auf Wunsch beim Autor bezogen werden.

Verfügung und kann auf Wunsch beim Autor bezogen werden. Abbildung 3-2: Accelerometer (oben) und Sparker ohne

Abbildung 3-2: Accelerometer (oben) und Sparker ohne Gummihülle (unten)

Um die Wellenausbreitung während einer Infiltration gleichzeitig in mehreren Tiefen bestimmen zu können, wurde im Sommer 2006 zusätzliche ein Hochspannungsverteiler entwickelt, der den Einsatz von maximal zehn Sparkern in Serie ermöglicht und für zukünftige tomographische Untersuchungen geeignet ist.

3.1.2

Empfänger

Für die Erfassung der Signale wurden im Handel erhältliche Sensoren so weit angepasst, dass sie unter Feldbedingungen eingesetzt werden können. Die verwendeten Accelerometer (Knowles®, Modell BU1771) werden mit einem abgeschirmten Signalkabel verbunden und anschliessend in Epoxydharz eingegossen. Die Empfänger (vgl. Abb.3-2) sind leicht und klein genug um der Bewegung des Bodens zu folgen. Ihr Durchmesser beträgt 12[mm], bei einer Länge von 37[mm] und einem Gewicht von 6[g]. Sie weisen eine geringe Resonanz im untersuchten Frequenzbereich von 0,1-1[kHz] auf, reagieren aber sehr empfindlich auf die durch den Generator erzeugten elektromagnetischen Pulse. Sämtliche Hochspannungs- und Niederspannungskomponenten müssen daher strikt voneinander getrennt werden.

32

Material und Methoden

Insgesamt wurden 20 Empfänger hergestellt und im Labor mit einem für die Triaxversuche hergestellten Sender auf Piezo-Basis, einem Funktionsgenerator (Agilent 33120A) und einem Oszilloskop (Tektronix TPS2000) mit Hilfe von Aluminiumstäben unterschiedlicher Längen (0.05, 0.1, 0.2, 0.5[m]) und einem Durchmesser von 22[mm] kalibriert. Die Streuung der Laufzeiten der einzelnen Empfänger betrug dabei weniger als 2[%], die Unterschiede bezüglich der Stärke des empfangenen Signals variierten, bedingt durch kleine Unterschiede in der Dicke der Harzschicht zwischen Accelerometer und der Aussenhülle des Sensors, zwischen 2-5[%]. Diese Abweichungen wurden als vernachlässigbar taxiert und in den Messungen im Feld nicht weiter berücksichtigt.

Material und Methoden

33

3.2 Durchführung der Messungen im Feld

3.2.1 Installation der Sensoren

Damit die Impulse möglichst verlustfrei vom Sender auf den Boden und vom Boden an den Empfänger übertragen werden, ist der gute Kontakt zum Boden entscheidend. Dies wird dadurch erreicht, dass die benötigten Bohrlöcher mit einem geringfügig kleineren Durchmesser als die Sender und Empfänger gebohrt werden. Für die Empfänger wurde ein Spiralbohrer mit einem Durchmesser von 11[mm], für den Sparker ein Spiralbohrer mit einem Durchmesser von 30[mm] verwendet. Ultraschallgel oder Silikonfett verbessern den Kontakt zum Boden und verhindern Lufteinschlüsse zwischen Bohrlochwand und Sender, resp. Empfänger. Um die Ausbreitung von akustischen Wellen in Bodenschichten zu untersuchen, wurden die Messungen mit Sender und Empfängern in gleichen Tiefen (vgl. Abb. 3-3) durchgeführt.

Labview

16 ch. ADC G e ne rato r Sender
16 ch.
ADC
G e ne rato r
Sender

Abbildung 3-3: Installation von Sender und Empfängern

Dabei wurden mindestens vier Empfänger in identischem Abstand rund um einen Sender im Boden installiert. Der horizontale Abstand betrug für alle Messungen 0,5[m]. Begonnen wurde in der Regel mit einer Tiefe von 0,1[m] und sukzessive wurden Sparker und Accelerometer 0,05 oder 0,1[m] tiefer installiert. Wurden die Accelerometer nur 0.05[m] höher oder tiefer als die Sparker montiert, resultierten bereits leicht veränderte Wellencharakteristika (v.a. der Amplituden). Die Installation der Sender und Empfänger in identischen Tiefen ist somit die Voraussetzung dafür, um verlässliche und vergleichbare Angaben über untersuchte Bodenschichten machen zu können. Steht die Wellenausbreitung über verschiedene Tiefen im Vordergrund einer Untersuchung, kommen tomographische Verfahren zur Anwendung. Das entwickelte Messsystem ist für

34

Material und Methoden

derartige Untersuchungen geeignet, bedarf aber einer Weiterentwicklung der nötigen Steuerungs- und Signalauswertungsprogramme.

3.2.2 Signalerzeugung und Datenerfassung

In der folgenden Abbildung (Abb. 3-4) ist die von einem portablen Computer gesteuerte Signalerzeugung und Datenerfassung dargestellt: Ein eigens entwickeltes LabVIEW- Programm steuert via PC-Karte (DAQ 6062E) und einer zugehörigen Kabelanschlussleiste (BNC 2090, beide von NATIONAL INSTRUMENTS™) sämtliche dafür notwendigen Prozesse. So können sowohl der Generator ge- und entladen als auch die empfangenen analogen Werte von maximal 16 Sensoren erfasst, digitalisiert und in einer Datei gespeichert werden.

Trigger SIGNALERZEUGUNG Laden Fe ue rn Optische Steuerung P-Welle Sparker Accelerometer
Trigger
SIGNALERZEUGUNG
Laden
Fe ue rn
Optische
Steuerung
P-Welle
Sparker
Accelerometer

Abbildung 3-4: Signalerzeugung und Datenerfassung

Obwohl die Empfängerkabel abgeschirmt sind, muss sichergestellt werden, dass sie den Starkstromkomponenten nirgends zu nahe kommen, ansonst die empfangenen Signale in starkem Ausmasse durch die Stromfelder gestört werden. Kabellängen von 8-10[m] gewährleisten einen ausreichenden Radius sowohl für den Sender- als auch für die Empfängerkabel. Weiter ist darauf zu achten, dass auch bei den Bohrlöchern die Kabel möglichst flach über den Boden verlaufen und so Einflüsse des Sparkerkabels möglichst gering gehalten werden. Um die Auswirkungen von Starkstromeinflüssen auch auf die übrigen elektronischen Komponenten möglichst gering zu halten, werden keine Metallkabel zwischen Mess- und Steuerungseinheit und dem Pulsgenerator verwendet. Via Optokuppler und optische Leiter wird der Pulsgenerator durch das Programm gesteuert. Die Datenerfas-

Material und Methoden

35

sung wird ebenfalls via optischen Leiter ausgelöst: Die Entladung der Kondensatoren verursacht im Pulsgenerator einen starken Funken. Dieser Funkenschlag initiiert via optischen Leiter den Beginn der Datenerfassung. Diese Art der Triggerung bietet den grossen Vorteil, dass zwischen Impuls und Beginn der Datenerfassung die Verzögerung weniger als 1[µs] beträgt.

3.3

Datenanalyse

Die Datenanalyse kann anschliessend an die Messungen bereits im Feld erfolgen. Zu diesem Zweck steht ein mit LabVIEW geschriebenes Programm zur Verfügung, das die Bestimmung von Laufzeit, Amplituden und Frequenz ermöglicht. Der Schwerpunkt der Datenauswertungen bildeten die gemessenen Laufzeiten und die daraus ermittelten Fortpflanzungsgeschwindigkeiten der Kompressionswellen. Die Auswertung der Amplituden konnte nicht für alle Messungen durchgeführt werden; auf die Gründe wird im übernächsten Abschnitt eingegangen. Auf eine Analyse der Frequenzen wurde verzichtet, obwohl die einzelnen Empfänger während einer Messung durchwegs konstante Werte massen. Die Werte der einzelnen Empfänger zeigten grosse Unterschiede, konnten aber keinen Einflussfaktoren eindeutig zugeordnet werden.

3.3.1 Bestimmung der Laufzeiten

Die Laufzeit einer Welle im Boden wird durch den Zeitpunkt charakterisiert, ab dem die Spannungswerte der Accelerometer kontinuierlich zu steigen beginnen. Die Bestimmung dieses Punktes kann manuell oder automatisch erfolgen. Bei beiden Vorgehensweisen muss aber vorgängig das Signalrauschen weitgehend entfernt werden, was in beiden Fällen am besten durch das oben erwähnte Programm erfolgt. Eine automatische Laufzeitbestimmung kann aber zu einem Überschätzen der Laufzeiten führen: Durch das Programm wird an die ansteigende Kurve eine Tangente gelegt und deren Schnittpunkt mit der Abszisse (hier die Zeitachse) ermittelt. Dieser Schnittpunkt entspricht der Laufzeit von Messungsbeginn bis zum Eintreffen der Welle am Empfänger. Da dieser Anstieg in vielen Fällen nicht abrupt, sondern nur zögerlich erfolgt, kann die Tangente in diesen Fällen den effektiven Ankunftspunkt verfehlen. Da auch der Anteil an Restrauschen bei jedem Signal unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann und die automatische Bestimmung das Übersteigen eines bestimmten, im Programm zu definierenden Schwellenwertes erfordert, muss vorgängig für jeden Empfänger und für jede Untersuchungstiefe eine manuelle Überprüfung erfolgen. Das Ausmass dieser Abweichung soll im Folgenden gezeigt werden:

36

Material und Methoden

In Abbildung (Abb. 3-5) sind die von vier Accelerometern empfangenen Signale und der Ausschnitt des Ankunftsbereichs mit den manuell bestimmten Ankunftszeiten dargestellt. Daraus ist ersichtlich, dass die Spannungswerte bei zwei Signalen (grün und braun) nach 1465[µs] und bei den übrigen nach 1518[µs] kontinuierlich zu steigen beginnen. Die durchschnittliche Laufzeit aller Empfänger beträgt 1490[µs].

1465us 0.01 0.00 1518us 1465us -0.01 -0.02 1000 1200 1400 1600 1800 -0.03 0 5000
1465us
0.01
0.00
1518us
1465us
-0.01
-0.02
1000
1200
1400
1600
1800
-0.03
0
5000
10000
15000
20000
25000
[us]
[mV]

Abbildung 3-5: manuell bestimmte Laufzeiten einer Welle in 0,3[m] Tiefe, zurückgelegte Distanz 0,5[m]

Werden die Laufzeiten durch das Programm ermittelt, so liegen sie zwischen 1520-1530[µs] und ergeben eine durchschnittliche Laufzeit von 1525[µs]. Die automatische Laufzeit- bestimmung trifft die Ankunftszeit bei zwei Signalen hinreichend exakt, liegt aber bei den übrigen deutlich (60[µs] oder 4%) über den manuell ermittelten Werten. Werden die beiden Durchschnittswerte verglichen, so resultiert eine Differenz der Laufzeiten von 35[µs] oder

2[%].

Um genauer abschätzen zu können wie zuverlässig die automatische Laufzeitbestimmung für mehrere aufeinander folgende Signale ist, wurde für jeden Empfänger die Streuung bestimmt. Die Variabilität der Laufzeiten der einzelnen Empfänger beträgt in allen Messungen weniger als 5[%] und liegt sogar in 80[%] der erfolgten Messungen unterhalb 3[%]. Diese Streuung der Messwerte hat mehrere Ursachen: Die Spannungsschwankungen bei der Druckwellenerzeugung können bis zu 5[%] betragen und sind dafür verantwortlich, dass kleine Unterschiede zwischen einzelnen Druckwellen entstehen, die ihren Niederschlag auch in den Ergebnissen der Bestimmung von Laufzeit und Amplituden finden. Weiter muss davon ausgegangen werden, dass das untersuchte Medium Boden, durch die Vielzahl von physikalischen und chemischen Prozessen und seiner ausgeprägten Heterogenität auch im

Material und Methoden

37

Mikrobereich dazu beiträgt, dass kleine Unterschiede in der Wellenausbreitung im Boden und damit leicht unterschiedliche Wellenpfade zwischen einzelnen Messungen resultieren können. Für die Analyse von mehr als 15'000 Signalen wurde die folgende Vorgehensweise gewählt:

Beträgt die Differenz zwischen dem Mittelwert aller Messungen eines Empfängers und dem Wert einer Stichprobe mit manuell bestimmter Laufzeit weniger als 5[%] so wird der Mittelwert aller automatisch bestimmten Messungen verwendet. Dies erfolgt unter der Annahme, dass das untersuchte Bodenvolumen sich gegenüber Wellen weitgehend homogen verhält, der erhaltene Mittelwert somit repräsentativ ist und auftretende Abweichungen entweder eindeutig einer Anomalie oder einer technischen Störung zugeordnet werden können. In den wenigen Fällen in denen Abweichungen auftraten, konnten deren Ursachen auch eindeutig bestimmt werden. Es handelte sich dabei um Probleme bei der Entladung der Kondensatoren, ungenügende Kontakte zwischen einzelnen Accelerometern und Boden in unmittelbarer Nähe grösserer Wurzeln, um Ernterückstände oder Bauschutt. Diese Daten flossen nicht in die Auswertung ein. Die Streuung der Messwerte der einzelnen Empfänger untereinander ist, da unterschiedliche Bodenbereiche durchquert werden, natürlich höher und kann Variabilitäten von 3-9[%] erreichen, liegt aber in der Mehrzahl der Messungen unter 5[%]. Bedingt durch lockerere Strukturen im Oberboden variieren auch deren akustischen Eigenschaften stärker: Die Streuung nimmt aber mit der Tiefe ab und weist ab einer Tiefe von 0.2-0.3[m] Werte von 3- 4[%] auf, was dem Ausmass der Variabilität der Empfänger entspricht. Eine weitere Quelle für das Auftreten von unterschiedlichen Messwerten ist der horizontale Abstand zwischen Sender und Empfängern: Die genaue Distanz zwischen Sender und Empfänger kann nach deren Installation im Boden nicht mehr bestimmt werden. Trotz sorgfältigem Bohren der Bohrlöcher mittels einer Lehre kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Distanzen zwischen Sender und einzelnen Empfängern mit zunehmender Tiefe um bis zu 0.01[m] unterscheiden können. Bei einer Distanz von 0.5[m] kann dadurch ein maximaler Fehler in der Grössenordnung von 2[%] resultieren.

In Kenntnis dieser Ergebnisse werden für die Auswertung der im Rahmen dieser Unter- suchung durchgeführten Messungen folgende Annahmen getroffen:

- das Messsystem und die Art der Auswertung verursachen zwar Abweichungen, deren Ausmass ist aber kleiner als die Unterschiede zwischen den einzelnen Empfängern.

- Abweichungen in den Distanzen zwischen Sender und Empfängern sind mitverant- wortlich für kleine Unterschiede in den Messwerten der einzelnen Empfänger; deren Ausmass ist aber gering und wird nicht weiter berücksichtigt.

38

Material und Methoden

- die kleinräumige Heterogenität des Bodens verursacht eine zusätzliche, ebenfalls geringe Streuung der Laufzeiten. Das akustische Verhalten eines Bodens kann aber insgesamt als homogen betrachtet werden. Zur Prüfung, wie weit die ermittelten Werte für den untersuchten Standort repräsentativ sind, wurden an jedem Standort mehrere Messungen unter gleichen Umgebungsbedingungen durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden ein Sparker und mindestens 4 Accelerometer nach Abschluss einer Messserie in einem Abstand von 0,5-1[m] zum vorherigen Versuchsstandort in neuen Bohrlöchern installiert und der Versuch wiederholt. Anschliessend wurden die Sensoren in 2[m] Entfernung neu installiert. Abbildung (Abb. 3-6) zeigt die Ergebnisse zweier Versuchsreihen, die an aufeinander folgenden Tagen, 29.9. und 30.9.04, auf einer Wiese durchgeführt wurden.

0.050 Geschwindigkeit 290904 Geschwindigkeit 300904 Amplitudenspitze 290904 Amplitudenspitze 300904 300 0.040 250
0.050
Geschwindigkeit 290904
Geschwindigkeit 300904
Amplitudenspitze 290904
Amplitudenspitze 300904
300
0.040
250
0.030
200
0.020
150
0.010
100
0.000
10
15
20
25
30
Tiefe [cm]
Geschwindigkeit v P [m/s]
Amplitudenspitze A peak [mV]

Abbildung 3-6: Vergleichbarkeit der Messungen eines Standortes

Der Boden wies am 30.9.04 nach einer am Vortag erfolgten Beregnung (I = 50mm/h, t = 1h) in allen Tiefen einen höheren Wassergehalt auf, was in leicht geringeren Geschwindigkeiten und einer grösseren Streuung der Werte resultierte. Für die Analyse der Ergebnisse wurde von jeder Tiefe die durchschnittliche Geschwindigkeit, bestimmt aus dem Mittelwert der Laufzeiten aller Accelerometer verwendet. Vorausgesetzt wurde, dass sich kleinräumige lokale Unterschiede in diesen Ergebnissen niederschlagen würden. Diese Untersuchungen zeigen zwar Unterschiede der Mittelwerte der einzelnen Messtage, jedoch liegen diese Werte so nahe beieinander, dass folgende weitere Annahme getroffen wird:

- Für die Bestimmung und den Vergleich von Standorten mit akustischen Methoden werden für jede Untersuchungstiefe die Mittelwerte der Laufzeiten aus 10

Material und Methoden

39

Entladungen und daraus die Durchschnittsgeschwindigkeit bestimmt. Diese Werte werden unter den gegebenen Messbedingungen als repräsentativ für die untersuchte Bodenschicht eines Standortes betrachtet. In welchem Ausmass die Ausbreitung akustischer Wellen als „Materialeigenschaft“ eines Standortes betrachtet werden kann, hängt neben den Messbedingungen in sehr starkem Ausmasse von der Zuverlässigkeit der technischen Geräte und Komponenten ab. Eine besondere Rolle kommt dem Koaxialkabel des Sparkers zu, das hohen Spannungen und Strömen ausgesetzt ist. Diese verursachen mit zunehmender Anzahl Entladungen ein eigentliches Schmelzen des Dielektrikums aus Polyethylen und ein Verfransen des Leiters. Der Aufbau der Druckwelle im Sparker nimmt in der Folge eine längere Zeit in Anspruch und es resultieren vom Beginn der Datenerfassung bis zur Ankunft der Wellen scheinbar längere Laufzeiten. Abbildung (Abb. 3-7) zeigt für drei Accelerometer die Zunahme der Laufzeiten mit der Anzahl Entladungen. Bestimmt wurden die Mittelwerte durch die 5 resp. 10 vorangegangenen Entladungen.

2100 2080 2060 2040 2020 2000 0 5 10 15 20 25 30 35 40
2100
2080
2060
2040
2020
2000
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
Laufzeit [us]
15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 Laufzeit [us] Anzahl Entladungen Abbildung

Anzahl Entladungen

Abbildung 3-7: Laufzeit und Einfluss der Anzahl Entladungen

Diese leichte Zunahme der Laufzeiten erfolgt nach 20 Entladungen und beträgt nach 10 weiteren Entladungen 10 resp. 20[µs] oder 1-2[%]. Um diesen zusätzlichen Einfluss auszuschliessen, wurden nicht mehr als 20 Entladungen vorgenommen, darauf wurde der ausgefranste Teil des Kabels (1-2[mm]) abgesägt und die Schnittfläche plan geschliffen. Darauf konnte der Sparker für Messungen in zwei weiteren Tiefenabschnitten verwendet werden.

40

Material und Methoden

3.3.2

Amplitudenwerte

Neben den Bodenbedingungen wird die Stärke der durch den Boden übertragenen Druckwelle durch folgende Faktoren beeinflusst:

- Der Kontakt zum umgebendem Boden spielt dabei die zentrale Rolle: Je besser dieser Kontakt, desto kleiner sind die Energieverluste zwischen Empfänger, Sender und Boden. Wichtig ist dabei, dass sich möglichst keine Luftpolster zwischen Boden und Sparker resp. Accelerometer befinden. Tonige Böden und feuchte Bedingungen sind guten Kontakten förderlich. Sehr wichtig ist das Auftragen eines Kontaktmittels zwischen Sensor und Boden. Das Versetzen der Sensoren in bereits bestehende Bohrlöcher erlaubt dagegen keine Analyse der Amplitudenwerte, ermöglicht aber immer noch eine eindeutige Bestimmung der Laufzeiten. Letztere sind in geringerem Ausmasse auf gute Kontaktbedingungen angewiesen.

- Die Spannung der Kondensatoren steht in direktem Zusammenhang mit den

Amplitudenwerten: Je stärker das Signal, desto grössere Amplituden. Dagegen ist die Spannung für die Bestimmung der Laufzeiten nur insofern von Bedeutung, als bei höheren Spannungen stärkere Impulse erzeugt werden und so die Ankunftszeiten besser bestimmt werden können. Eine Interpretation von Amplitudenwerten kann auf zwei Arten erfolgen:

1. Durch das Amplitudenintegral: Steht die gesamte Energie der empfangenen Welle im Vordergrund des Interesses, so wird die Summe der einzelnen Messwerte über den in Frage kommenden Zeitraum bestimmt. Sollen, wie bei der Bestimmung der Laufzeiten, weiter die Werte von mehreren Messungen oder Empfängern verglichen werden, so dürfen die Frequenzen der Wellen nicht zu verschieden sein und müssen die gleiche Anzahl Amplituden aufweisen. Die Messdauer muss weiter so gewählt werden, dass die Signale in voller Länge erfasst werden. Für alle Messungen war eine Messdauer von 30[ms] ausreichend, um die Signale bis zum vollständigen Abklingen zu erfassen. Bei vielen Messungen resultieren unterschiedliche Frequenzen zwischen den einzelnen Empfängern. Die Frequenzen bewegen sich zwischen 100-400[Hz] und können zwischen einzelnen Empfänger um 200[Hz] differieren, in anderen Messungen sich dagegen um höchstens 20[Hz] voneinander unterscheiden. Eine eigentliche Ursache konnte nicht bestimmt werden. Die Amplitudenintegrale mehrerer Signale können demzufolge nur bei geringen Unterschieden der Frequenzen miteinander verglichen werden.

Material und Methoden

41

[us]

2. Durch den Wert der 1. Amplitude: Dieser gibt die Energie wider mit der die Welle auf

den Empfänger trifft und ist nicht frequenzabhängig. Für eine Analyse der ersten Amplituden wurde der Mittelwert aller in einer Tiefe installierten Empfänger verwendet. Ziele der Analyse von Amplitudenwerten sind, zusätzlich zu der Analyse der Wellen- geschwindigkeiten, weitere Informationen über den Einfluss und damit die Beschaffenheit des Bodens zu erhalten. Die Kalibrierung der Empfänger bezüglich Amplituden ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Accelerometern – die Unterschiede in den Messungen waren dagegen ausgeprägt:

Abbildung (Abb. 3-8) zeigt zum Vergleich die Mittelwerte von Laufzeiten und 1. Amplitude in 0,1-0,4[m] Tiefe unter einer Wiese. Die Mittelwerte für jede Tiefe wurden mit vier Empfängern aus 10 Wellen bestimmt.

3000

2500

2000

1500

1000

0.020 1. Amplitude Laufzeiten 0.015 10cm Tiefe 40cm Tiefe 0.010 20cm Tiefe 30cm Tiefe 0.005
0.020
1. Amplitude
Laufzeiten
0.015
10cm Tiefe
40cm Tiefe
0.010
20cm Tiefe
30cm Tiefe
0.005
0.000
[mV]

Abbildung 3-8: Laufzeiten und Amplitudenspitzen; Mittelwerte von 4 Empfängern

Während bei den Laufzeiten von Beginn weg eine klare Abnahme mit der Tiefe festzustellen ist, erfolgt eine entsprechende markante Zunahme der Amplitudenspitzen erst ab 0,2[m] Tiefe. Die starke Abnahme der Laufzeiten im Oberboden geht nur mit einem kleinen Anstieg der Amplitudenwerte einher. Die lockere Struktur im Oberboden und der hohe Anteil an luft- oder wassergefüllten Poren dämpfen die durchgehenden Wellen weitgehend; in grösseren Tiefen mit dichteren Verhältnissen und weniger Poren fällt dieser Effekt weg, so dass ein deutlicher Anstieg der Amplitudenspitzen, verbunden mit einer Zunahme der Streuung erfolgt. Die Variabilität der Amplituden ist in allen Tiefen weit ausgeprägter als jene der Laufzeiten und ist ein Hinweis darauf, dass die Wellenstärken weitaus empfindlicher auf

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Material und Methoden

Unterschiede in der Impulserzeugung und –übertragung reagieren. Die hohen Streuungen der Empfänger, bis zu 10% Variabilität für die einzelnen Empfänger und bis zu 30% unter den einzelnen Empfängern, erschweren eine Analyse aber zusätzlich. Daher muss, sofern dies möglich ist, bei grossen Differenzen die genaue Ursache bestimmt werden. Im Falle geringer Unterschiede kann der untersuchte Boden dagegen als akustisch weitgehend homogen betrachtet werden. Diese Voraussetzung wird in feinkörnigen und skelettarmen Böden am ehesten anzutreffen sein, sie kann aber auch durch die Bildung einer einheitlichen Bodenstruktur entstehen. Letzteres soll am Beispiel eines Befahrungsversuches näher unter- sucht werden. Zusammenfassend werden die im Rahmen dieser Untersuchung durchgeführten akustischen Messungen im Feld unter folgenden Voraussetzungen durchgeführt:

- Die Laufzeiten sind die robustere Grösse als die Amplituden. Die Amplitudenwerte reagieren sensibler auf kleine Abweichungen der Mess- und Bodenbedingungen und können zunächst nur mit Einschränkungen zur Charakterisierung eines Standortes herangezogen werden.

- Zeigen alle verwendeten Empfänger weitgehend identische Ergebnisse bezüglich Laufzeiten und Amplitudenverhalten, so sind die Mittelwerte der Messwerte repräsentativ für die untersuchte Bodenschicht unter den aktuellen Bedingungen. Ausreisser werden separat untersucht und nur wenn eine Plausibilität festgestellt werden kann in die Analyse integriert, andernfalls werden sie verworfen.

- Schwankungen der Spannung der Kondensatoren sind hauptverantwortlich für die Variationen der Messwerte, sie beeinflussen die Ausbreitungsgeschwindigkeit aber nur in geringem Ausmasse. Insgesamt wird ihr Einfluss daher als vernachlässigbar eingestuft.

Material und Methoden

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3.4 Untersuchungen im Labor

Für alle untersuchten Standorte wurden die folgenden Grössen im Labor bestimmt:

- Die Lagerungsdichte und die Porosität. An jedem Standort wurden für diesen Zweck in den Tiefen 10, 20, 30, 40[cm] aus 2 Profilgruben insgesamt 10 ungestörte Zylinderproben à 1000[cm 3 ] entnommen.

- Der Wassergehalt. Nach jeder Messung im Feld wurden 3 Bodenproben der untersuchten Tiefen entnommen, während 24h bei 105°C im Trockenschrank getrocknet und anschliessend der gravimetrische Wassergehalt bestimmt. Aus dem Durchschnittswert wurden der volumetrische Wassergehalt und der Sättigungsgrad berechnet.

- Die Korngrössenverteilung. Zur Ermittlung der Sandfraktionen wurde eine Siebanalyse durchgeführt, Schluff- und Tonfraktion wurden mittels Röntgenanalyse (Sedigraph 5100) bestimmt.

- Die Porengrössenverteilung mittels Bestimmung des Desorptionsverhaltens. Der Grobporenanteil bis pF 2 wurde mit Tensionsplatte und hängender Wassersäule erfasst und in grobe (<pF 1,5), mittlere (pF 1,5–1,8) und feine (pF 1,8-2) Grobporen unterteilt. Der Anteil an Mittelporen wurde bis pF 3 mittels Drucktopf bestimmt. Von jedem Standort wurde für jede Tiefe die Porengrössenverteilung an mindestens 15 ungestörten 100[cm 3 ]-Zylinderproben bestimmt.

- Der Anteil organischer Substanz durch trockene Veraschung bei 430°C (Schlichting et al., 1995).

3.4.1 Triaxiale Drucksetzungsversuche

3.4.1.1 Prinzip eines Triaxversuches

Mit einem Triaxialgerät werden die mechanischen Eigenschaften eines Bodens bestimmt. Eine vertikale Spannung σ 1 wird über einen Druckstempel (engl. top cap) auf eine zylindrische Bodenprobe übertragen und die auf die Probe wirkende Belastung mit einem Kraftmessgerät kontinuierlich gemessen (vgl. Abb. 3-9). Die horizontale Spannung kann variiert werden und wird in einer mit Wasser gefüllten zylindrischen Druckzelle erzeugt. Sie ist in allen Richtung gleich (σ 2 = σ 3 ). und entsteht durch den vor Versuchsbeginn eingestellten Zelldruck. Eine Gummimembran begrenzt die Probe seitlich und verhindert das Eindringen von Wasser, gestattet aber die Übertragung von Spannungen zwischen Probe und Zellfüllung und eine seitliche Ausdehnung der Probe bei Verformungen. Diese Möglichkeit zur Seitenausdehnung entspricht dem Verhalten eines

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Material und Methoden

Oberbodens im Freiland und erlaubt, da keine starre Seitenwand vorhanden ist, eine genauere Bestimmung der mechanischen Parameter, als dies mit dem Ödometer der Fall ist. Daneben bietet das Triaxialgerät die Möglichkeit, die Versuchsbedingungen durch eine geeignete Wahl von σ 3 den in einem Boden herrschenden Spannungszuständen anzupassen.

in einem Boden herrschenden Spannungszuständen anzupassen. Abbildung 3-9: Triaxzelle mit akustischen Sensoren Durch

Abbildung 3-9: Triaxzelle mit akustischen Sensoren

Durch poröse Scheiben zwischen Probe und Druckstempel respektive Grundplatte (engl. base cap) ist es möglich, ausserhalb der Druckzelle die Wasser- und Luftdrücke in der Probe zu bestimmen und bei dränierten Versuchen den Austritt von Luft und Wasser aus der Probe zu ermöglichen und mittels Bürette die dadurch hervorgerufene Änderung des Probenvolumens zu bestimmen. Bei einem triaxialen Druckversuch wird die Bodenprobe bei einem vorher definierten Seitendruck mit einer Presse vertikal bis zum Scherbruch belastet und aus den Spannungsverhältnissen beim Bruch mit Hilfe der Mohrschen Spannungskreise die Scherparameter c und φ berechnet. Brüche entstehen, wenn von aussen einwirkende Kräfte die intern mobilisierbaren Spannungen übersteigen. In diesem Fall zerreisst das Korngerüst am Höchstpunkt der Spannung entlang einer oder mehrerer Bruchflächen. Eine fortgesetzte

Material und Methoden

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Belastung bzw. Verformung zieht dann keine weitere Spannungserhöhung mehr nach sich. Scherbrüche signalisieren somit das Überschreiten der Scherfestigkeit eines Bodens (einer Bodenprobe) durch die eingetragenen Spannungen. Werden die auf die Probe wirkenden Spannungen und die Verformungen in einem Diagramm aufgetragen, so kann nach dem Bruch ein deutliches Abflachen der Kurve festgestellt werden. Als Bruchkriterium wird in diesem Fall die während eines Versuches erreichte maximale Spannungsdifferenz σ 1 σ 3 (engl. deviator stress) verwendet. Kann die maximale Spannung, bis zu der eine Bodenprobe widerstehen kann, nicht eindeutig bestimmt werden, so werden die bei einem vorher definierten Wert der Verformung (z.B. ε = 20[%]) herrschenden Spannungsverhältnisse als Bruchkriterium festgelegt. Diese Methode kommt dann zur Anwendung, wenn grosse Verformungen nötig sind, um die maximalen Scherspannungen zu mobilisieren. Eine Alternative zur Bestimmung des Bruches bei undränierten Versuchen ist das von Bishop et al. (1960) eingeführte Verhältnis (σ 1 σ 3 )/(σ 3 – u w ). Bei dränierten Versuchen ist der Zeitpunkt eines Bruches identisch mit dem durch die Spannungsdifferenz bestimmten, da der Nenner (σ 3 – u w ) mit dem Porenwasserdruck u w einen konstanten Wert aufweist. Bei Versuchen mit ungesättigten Proben muss zusätzlich der Einfluss der Wasserspannungen mitberücksichtigt werden, da diese die Stabilität in hohem Masse beeinflussen. Solange sich die Bodenmatrix im Gleichgewicht befindet, übt das durch die Menisken begrenzte Wasser eine kontrahierende Wirkung auf die Bodenmatrix aus. Wird die Bodenprobe zusammengepresst, verringert sich der mit Luft gefüllte Porenraum. Aus der Abnahme des Porenvolumens und der gleichzeitig erfolgenden weiteren Aufsättigung der vorher luftgefüllten Hohlräume resultiert eine Zunahme des Porenwasserdruckes hin zu positiven Werten. Dadurch erfährt das Wasser eine Formänderung der Menisken, so dass die kontrahierende Wirkung des Meniskenzuges nachlässt. Die Wassermenisken werden unter diesen Bedingungen flacher, so dass das Wasser keine bodenstabilisierende Wirkung mehr entfaltet und das Zusammendrücken der Probe zu diesem Zeitpunkt vor allem durch die Wasserphase beeinflusst wird. Es findet eine starke Abnahme der Stabilität statt, die so lange anhält bis sich die ursprüngliche Wasserspannung nach Abfliessen des überschüssigen Wassers wieder einstellen kann. Die Wasserleitfähigkeit und damit die Transportmenge des Wassers werden nun aber auch durch den geringeren Querschnitt der Poren eingeschränkt. Für den Boden bedeutet dies, dass ein Teil der aufgebrachten Belastung solange von der flüssigen Phase getragen wird, wie das mobilisierbare Wasser nicht abfliessen kann. Der ursprüngliche Wert des Porenwasserdruckes wird bei kleinen Auflasten schnell wieder erreicht, da hier die Wasserleitfähigkeit nur in geringem Masse reduziert wurde, während bei

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Material und Methoden

höheren Belastungen der Ausgangszustand erst später oder gar nicht wieder erreicht wird (Fazekas & Horn, 2005). Weist der Boden eine hohe Wasserleitfähigkeit auf, erfolgt die Setzung nach einer Belastung nur mit einer kurzen zeitlichen Verzögerung – bei einer tiefen Wasserleitfähigkeit, kann das Porenwasser dagegen nur langsam mobilisiert werden und die Setzung erfährt durch die langsamere Ableitung des Wassers und den entstandenen Wasserdruck eine zeitliche Verzögerung. Neben Dichte, Wassergehalt und –spannung bestimmen Dauer der Belastung, Aggregierungsgrad und Tongehalt das Ausmass der Setzungsempfindlichkeit eines Bodens (Horn, 1988). Abgesehen von der generellen Abnahme der Makroporen kann mit zunehmender Belastung auch eine Neuanordnung der Bodenpartikel erfolgen, so dass die verbleibenden Poren zunehmend in horizontaler Richtung verlaufen und die hydraulischen Eigenschaften zusätzlich beeinträchtigen (Horn et al., 2003; Servadio et al., 2005). Daneben können sich in schluff- und tonhaltigen Böden auch Teile dieses Porensystems erhalten (Tamari, 1994; Richard et al., 2001). Diese Relikte von Strukturporen sind mit Wasser gefüllt und nur durch die Mikroporen zugänglich. Zusammen mit der verminderten gesättigten Leitfähigkeit erhöhen sie in verdichteten Böden somit das im Boden vorhandene Wasservolumen. Für Böden mit geringer hydraulischer Leitfähigkeit, hoher Tortuosität und kleinen hydraulischen Gradienten muss die Deformationsgeschwindigkeit daher so gewählt werden, dass möglichst lange keine Änderungen des Porenwasserdruckes auftreten und die Drainage nicht durch die erwähnten Faktoren beeinflusst wird. Besteht bei dränierten Versuchen in ungesättigten Böden Grund zu der Annahme, dass das Porenwasser und die Porenluft die Bodenprobe unter Belastung nicht oder nur unvollständig verlassen können, so muss dies in der Interpretation der Messergebnisse berücksichtigt werden. Bei undränierten Versuchen in Sedimentproben können die in den Poren herrschenden Druckverhältnisse separat gemessen und in die Bestimmung der mechanischen Spannungen miteinbezogen werden. Aber auch hier muss durch eine geeignete Wahl der Deformations- geschwindigkeit sichergestellt werden, dass die Porendrücke während der ganzen Versuchsdauer gleichmässig in der Probe verteilt sind. Da gleichzeitige Messungen von Porenwasser- und Porenluftdruck in Triaxialversuchen ungesättigter Böden noch ein neues Forschungsfeld darstellen, herrscht noch Uneinigkeit darüber ob zur Bestimmung des Spannungsverhältnisses der Porenwasserdruck u w oder der Porenluftdruck u a verwendet werden soll (Fredlund & Rahardjo, 1993). Untersuchungen in Landwirtschaftsböden wurden von Wulfsohn et al. (1998) durchgeführt und zeigten, dass die Messung und Kontrolle sowohl von Porenwasser- als auch von Porenluftdruck nur bei tiefen Sättigungsgraden, hohem

Material und Methoden

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Sandanteil, geringen Belastungen und tiefen Zelldrücken (Adams & Wulfsohn, 1998) erfolgreich angewandt werden kann. Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Triaxversuche wurden mehrheitlich als konsolidiert dränierte Versuche (CD-Versuche) durchgeführt. Daneben wurde an gesättigten Proben der Einfluss von Porenwasserdrücken auf die Ausbreitung akustischer Wellen in konsolidierten undränierten Versuchen (CU-Versuche) untersucht.

3.4.1.2 Durchführung von Triaxversuchen mit akustischen Messungen

Damit Messungen der Ausbreitungsgeschwindigkeiten senkrecht zur Bodenprobe während eines Drucksetzungsversuches vorgenommen werden können, mussten kleine Änderungen an der Druckzelle vorgenommen werden: Für die Kabel von Sender und Empfänger wurden 2 Löcher mit einem Durchmesser von 5[mm] in den Deckel der Triaxzelle gebohrt. Die Kabel werden durch Hohlschrauben (vgl. Abb. 3-9) geführt, die auf eine darunter liegende Hülse mit Gummi-O-Ring drücken. Dies ermöglicht, dass die Kabel fixiert und die Bohrlöcher wasserdicht verschlossen werden können. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass durch diese Öffnungen kein Wasser aus der Zelle austreten konnte. Für die Durchführung der akustischen Messungen war es notwendig, Schallwandler auf Piezo-Basis herzustellen, die in der Lage sind einen ausreichend starken Impuls zu generieren und zu empfangen. Zudem müssen sie klein und leicht genug sein, um in der Druckzelle in die Bodenprobe eingesetzt werden zu können. Zu diesem Zweck wurden in Messingzylindern (vgl. Abb. 3-10) für die Empfänger 19 Piezoscheiben (Philips PXE5) und für die Sender 1 Piezo-Stapelaktuator (APC International Ltd) eingebaut.

1 Piezo-Stapelaktuator (APC International Ltd) eingebaut. Abbildung 3-10: akustischer Empfänger (links) und Sender

Abbildung 3-10: akustischer Empfänger (links) und Sender (rechts) für Triaxversuche

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Material und Methoden

Mittels Schraube und einer Metallscheibe, die nach dem Einbau der Piezoelemente in Epoxydharz eingegossen werden, werden die Piezoelemente festgehalten und an die Kontaktfläche gedrückt. Ein seitliches Verschieben der Piezobausteine wird durch eine Hülse aus PVC respektive durch eine Silikonfüllung verhindert. Mit dieser Bauweise war es möglich, die für das Erzeugen und den Empfang eines Signals notwendige seismische Masse zu erreichen und gleichzeitig das Gewicht gering zu halten. Das Gewicht von Sender und Empfänger beträgt ohne Kabel jeweils 32[g]. Um bei einem Innendurchmesser der Druckzelle von 150[mm] eine seitliche Ausdehnung der Bodenprobe zu ermöglichen, müssen Sender und Empfänger direkt in die Probe eingebaut werden. Dies bedeutet zwar eine Störung der Bodenprobe, bietet aber auch den Vorteil, dass keine Fixierung der Piezo-Wandler ausserhalb der Probe nötig ist und laterale Ausdehnung und horizontale Setzung der Bodenprobe während eines Versuches weder durch die Schallwandler noch durch eine seitliche Haltevorrichtung beeinflusst werden. Die Bodenproben wurden mittels Stahlzylindern mit einem Innendurchmesser von 80[mm] und einer Länge von 200[mm] im Feld entnommen und bis zu ihrer Verwendung bei 4°C gelagert. Bei den Probenentnahmen wurde darauf geachtet, dass diese in unmittelbarer Nähe der im Feld durchgeführten Messungen mit akustischer Transmission erfolgten. Wie in einem späteren Abschnitt noch gezeigt wird, resultierten bei den akustischen Messungen im Feld die grössten Unterschiede zwischen verschiedenen Standorten in den obersten 20[cm]. Aus diesem Grund wurden triaxiale Druckversuche fast ausschliesslich mit Proben aus diesen Tiefen durchgeführt. Vor Versuchsbeginn wurden die Bodenproben vorsichtig von Hand mit einem PE-Zylinder mit einem Durchmesser von 79[mm] und einer Länge von 300[mm] aus den Probenzylindern ausgestossen. Um die Reibungskräfte zwischen Boden und Stahlzylindern möglichst gering zu halten, wurde auf deren Innenseite vor der Probenentnahme im Feld mit einem Spray ein dünner Ölfilm aufgetragen. Über die freigelegten Bodenzylinder wurde anschliessend ein Stahlzylinder von 160[mm] Länge und einem Durchmesser von 82[mm] gestülpt und mit einem dünnen Draht die Probe vorsichtig auf diese Länge abgeschnitten. Bei einzelnen Proben verhinderten Steine das Einhalten dieser Länge. Als minimale Probenlänge wurden 120[mm] festgelegt, kürzere Proben wurden verworfen. Anschliessend mussten die Bodenproben vor dem Einbau in die Triaxzelle derart präpariert werden, dass die Schallwandler in der Probe installiert werden konnten. Darüber hinaus musste während der ganzen Versuchsdauer sichergestellt sein, dass weder der Sender noch der Empfänger an den die Probe umhüllenden Acrylglaszylinder stossen konnten. Zu diesem

Material und Methoden

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Zweck wurden in jede Bodenprobe auf halber Höhe mit einem Spiralbohrer vorsichtig 2 gegenüber liegende Löcher von je 10[mm] Länge gebohrt (vgl. Abb. 3-11).

Löcher von je 10[mm] Länge gebohrt (vgl. Abb. 3-11). Abbildung 3-11: Etappen des Einbaus der Schallwandler
Löcher von je 10[mm] Länge gebohrt (vgl. Abb. 3-11). Abbildung 3-11: Etappen des Einbaus der Schallwandler
Löcher von je 10[mm] Länge gebohrt (vgl. Abb. 3-11). Abbildung 3-11: Etappen des Einbaus der Schallwandler

Abbildung 3-11: Etappen des Einbaus der Schallwandler in eine Bodenprobe

Damit ein guter Kontakt mit der zu untersuchenden Bodenprobe erreicht wurde, musste nach dem Bohren das Bohrlochende mit einem kleinen Spatel plan bearbeitet werden. Nachdem die Probe vorsichtig auf die poröse Scheibe gesetzt worden war, konnte die Gummimembran um die Probe aufgetragen werden. Sobald diese oben und unten mit Gummi-O-Ringen fixiert war, wurden bei den Bohrlöchern kleine Löcher herausgeschnitten durch die, mit Hilfe einer Gummihülse, die die horizontale Lagerung der Sensoren zusätzlich verbesserte, die Schall- wandler in die Probe eingebaut werden konnten. Um eine gute Signalübertragung zum Boden zu gewährleisten, wurde Silikonfett oder Ultraschallgel auf die Kontaktfläche von Sender und Empfänger aufgetragen. Anschliessend wurden beide mitsamt der Gummihülse mit einem elastischen Klebstoff (TEROSON® Terostat-MS 939) umhüllt und während 12h bei Raumtemperatur getrocknet. Sobald der Trocknungsprozess beendet war, konnten die Kabel durch den Deckel der Druckzelle geführt werden und mit der Hohlschraube fixiert werden. Darauf wurden das Ober- und das Unterteil der Druckzelle miteinander verschraubt, so dass diese anschliessend mit Wasser gefüllt und der für den Versuch vorgesehene Zelldruck während 1-2[h] die Probe konsolidieren konnte. Während dieses Zeitraumes wurde das Funktionieren der akustischen Messeinrichtung überprüft und nach Möglichkeit erste akustische Messungen während der Konsolidierungsphase durchgeführt. Darauf konnte mit dem eigentlichen Versuch begonnen werden und die zu untersuchende Bodenprobe, bei gleichzeitiger Messung von Verformungsgeschwindigkeit und dem auf die Probe ausgeübten Druck, bis zu ihrem Bruch belastet werden. Diese Drucksetzungsversuche fanden im „laboratoire des mécaniques du sol LMS an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne EPFL statt und wurden mit einer Druckpresse von Wykeham Farrance (Maximalbelastung 5[Mg]) durchgeführt. Die Messung der Porendrücke erfolgte mit einem Mess- und Steuergerät von GDS Instruments Ltd. Die

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Material und Methoden

Bestimmung der effektiven Scherparameter c’ und φ’ erfolgte bei drei unterschiedlichen Seitendrücken σ 3 (15, 30, 60[kPa]) und bei unterschiedlichen Wassergehalten.

3.4.1.3 Schallmessungen während Drucksetzungsversuchen

Die akustischen Messungen wurden folgendermassen durchgeführt (vgl. Abb. 3-12): Mit einem Funktionsgenerator (Agilent 33120A) wurde eine monozyklische Sinusschwingung mit einer Frequenz von 6.2[kHz] erzeugt, die durch einen akustischen Verstärker auf eine eine elektrische Spannung von 40[V] verstärkt und vom Sender in eine mechanische Druckwelle umgewandelt wurde.

vom Sender in eine mechanische Druckwelle umgewandelt wurde. Abbildung 3-12: schematische Darstellung der akustischen

Abbildung 3-12: schematische Darstellung der akustischen Messanordnung bei Triaxversuchen

Nach Durchquerung der Bodenprobe generierte deren Ankunft am Empfänger ein schwaches elektrisches Signal, das wiederum verstärkt und in einem Oszilloskop (Tektronix TPS2024) gespeichert wurde. Die Datenerfassung begann synchron mit der Impulserzeugung und umfasste einen Zeitraum von 2[ms]. Die Verzögerung durch die elektrischen und elektronischen Komponenten betrug 11[µs] und wurde in der Bestimmung der Laufzeiten berücksichtigt. Für die Auswertung wurden nur die Signale verwendet, die eine eindeutige Bestimmung der Laufzeiten zuliessen. Auf Grund von zeitweiligen Interferenzen mit Laborgeräten, deren Ursachen erst im Laufe der Untersuchungen behoben werden konnten, war die Datengewinnung nicht bei allen Versuchen erfolgreich. Auch wurden Versuche bei denen die Schallwandler nicht mehr horizontal und lateral aufeinander ausgerichtet waren, nicht berücksichtigt. Das Gleiche gilt für Versuche bei denen die Bodenproben durch Steine in der Probe schräg belastet wurden.

Material und Methoden

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Neben den Messungen mit Kompressionswellen wurden an einzelnen Bodenproben vor und nach den Triaxversuchen mit bimorphen Piezo-Wandlern (engl. bender elements, GDS Instruments Ltd), die zur Untersuchung von Sediment- und Gesteinsproben entwickelt wurden, Versuche mit Scherwellen durchgeführt. Diese Versuche fanden ausserhalb der Druckzelle statt und wurden ebenfalls in der Mitte der Proben durchgeführt. Die Piezo- Wandler (vgl. Abb. 3-13) wurden an zwei Stativen befestigt und nach Auftragung von Ultraschallgel auf halber Höhe beidseitig vorsichtig an die Probe angedrückt. Die Messanordnung unterschied sich insofern von der Messung der Kompressionswellen, als dass auf die Verwendung des akustischen Verstärkers verzichtet wurde. Die Ausgangsfrequenz der monozyklischen Sinusschwingung zur Erzeugung der Scherwelle betrug 5[kHz].

Sinusschwingung zur Erzeugung der Scherwelle betrug 5[kHz]. Abbildung 3-13: Schallwandler zur Messung der P-Wellen

Abbildung 3-13: Schallwandler zur Messung der P-Wellen (links) und der S-Wellen (rechts)

Im Gegensatz zu den P-Wellen, führten diese Messungen nur bei einer kleinen Anzahl von Versuchen zu auswertbaren Ergebnissen: die Gründe sind in erster Linie in der starken Dämpfung der Wellen durch die untersuchten Bodenproben zu suchen. Die deutlich geringere Belastbarkeit dieser Piezoelemente (U max = 14[V]) verunmöglichte in diesen Fällen das Erzeugen von Scherwellen mit ausreichender Amplitude. Daneben beeinflussten die kleine Kontaktfläche zwischen Piezospitze und dem weichen Boden und in der Folge oftmals zu lose Kontaktbedingungen die vollständige Übertragung der Scherwellen auf den Boden respektive deren Empfang. Wo Messungen für beide Wellenarten vorliegen, wurden diese zur direkten Bestimmung der Poissonzahl verwendet.

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Material und Methoden

3.4.1.4 Bestimmung der Laufzeiten

Die Laufzeiten t der akustischen Wellen wurden durch die Zeitdifferenz zwischen Impulserzeugung und Ankunft der Welle am Empfänger bestimmt (vgl. Abb.3-14). Als Ankunft wurde der Zeitpunkt definiert ab dem die gemessenen Spannungswerte die Bandbreite des Rauschens zu übersteigen begannen. Der Offset von Schallwandlern und Messgeräten betrug 8[µs] bei den Kompressionswellen und 6[µs] bei den Scherwellen. Diese Verzögerungen wurden in der Bestimmung der Laufzeiten berücksichtigt.

wurden in der Bestimmung der Laufzeiten berücksichtigt. Abbildung 3-14: Bestimmung der akustischen Laufzeiten Da die

Abbildung 3-14: Bestimmung der akustischen Laufzeiten

Da die exakte Distanz zwischen Sender und Empfänger nur zu Beginn und nach Versuchsende direkt gemessen werden konnten, musste dieser Abstand während des eigentlichen Triaxversuches indirekt ermittelt werden. Mit Hilfe eines um Sender und Empfänger befestigten beweglichen Messbandes, wurde die Ausdehnung der Probe während eines Versuches ermittelt. Mittels Interpolation mit den Werten zu Versuchsbeginn und –ende konnten anschliessend die Distanzen zwischen Sender und Empfänger zu den übrigen Zeitpunkten der akustischen Messungen und damit die Geschwindigkeiten der P-Wellen bestimmt werden.

Resultate

53

4

Resultate

4.1 Akustische Untersuchungen unter Feldbedingungen

Im Zeitraum von Frühling 2004 bis Herbst 2006 wurden an insgesamt vier Standorten akustische Messungen in Kulturböden unter wechselnden Feuchtebedingungen vorgenommen. An drei dieser Standorte konnten bis Ende 2005 die Versuche auf Feldern mit unterschiedlicher Nutzung durchgeführt werden. Die Untersuchungen während des Sommers und Herbstes 2006 fanden im Rahmen einer Studie über die Auswirkungen schwerer Baumaschinen auf die Bodenstruktur statt. Da diese Versuche die einzigen mit einer gezielt herbeigeführten Verdichtung der Bodenstruktur sind, werden sie separat analysiert und im Anschluss an die Messungen der Vorjahre präsentiert.

4.1.1 Beschreibung der Messstandorte 2004 und 2005

Die während dieses Zeitraumes untersuchten Böden befinden sich alle in der Umgebung von Bern. Die wichtigsten Eigenschaften sind hier kurz zusammengefasst, detaillierte Angaben über Bodeneigenschaften und Versuchsbedingungen sind im Anhang (A1 – A6) aufgeführt.

Der erste Versuchsstandort befindet sich in Belp (46°55’N, 7°30’E) in einer ehemaligen Auenlandschaft in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes. Der Boden ist ein schluffiger Lehm und enthält nur sehr wenig Skelett. Die Nähe zum Grundwasser, der hohe Schluffanteil und der geringe Anteil an Makroporen führen dazu, dass der Boden ständig einen hohen Sättigungsgrad aufweist und nur sehr langsam entwässert, so dass Versuche a priori nur in einem beschränkten Feuchtebereich durchgeführt werden konnten. Die Messungen fanden während des Frühlings und Sommers 2004 an zwei angrenzenden Parzellen statt: einer 5jährigen Buntbrache und einem Feld mit Saathafer (Avena sativa). Die Bodenbearbeitung im Haferfeld erfolgte mit leichtem Gerät (Landini 6500, Leergewicht 2150[kg]), beim Pflügen fuhr das Hinterrad des Traktors aber in der Furche. Die daraus resultierende höhere Lagerungsdichte im Haferfeld in 20-30[cm] Tiefe ist der auffälligste Unterschied zwischen den zwei Flächen. Die Versuche an diesem Standort dienten in erster Linie dazu, die technischen Komponenten auf ihre Feldtauglichkeit zu überprüfen und wo nötig zu verbessern. Weitere Schwerpunkte bildeten die Entwicklung der für eine korrekte und sichere Handhabung und Installation der Geräte nötigen Vorgehensweise, das Auffinden und Eliminieren von Gefahren- und Störungsquellen, sowie die Optimierung der zur Datengewinnung benötigten Software. Aus diesen Gründen können nur wenige Versuche in die Auswertung einbezogen und mit den Resultaten anderer Standorte verglichen werden.

54

Resultate

Der zweite Standort befindet sich in Beitenwil (46°55’N, 7°33’E, Gemeinde Worb), auf einer Seitenmoräne des Aaregletschers. Der Boden ist ein toniger Lehm und weist höhere Sand- und Skelettanteile und einen höheren Anteil an Makroporen als der Boden in Belp auf. Untersucht wurden ein Zuckerrübenfeld (Beta vulgaris) unmittelbar nach der Ernte, der Bereich des Rübenfeldes auf dem der Rübenernter entladen wurde, ein Gerstenfeld (Hordeum vulgare), sowie der mit Gras bewachsene Pufferstreifen zwischen Wald und einem Weizenfeld (Triticum aestivum), der nur für die Durchfahrt und für Holztransporte mit einem Traktor mittlerer Grösse genutzt wurde. Die Erntearbeiten erfolgten alle unter trockenen Bodenbedingungen. Unmittelbar nach der Ernte wurde im Zuckenrübenfeld in konventioneller Bearbeitung Rübse (Brassica rapa var. silvestris) und im Gerstenfeld in Streifensaat Gras angesät. In folgender Tabelle (Tab. 4-1) sind Maschinenart und Gewicht der vor dem Beginn der Untersuchungen eingesetzten Geräte beschrieben.

Standort

Art der Maschine, Hersteller,

Leergewicht

Maximalgewicht

[Mg]

[Mg]

Rübenfeld

6-reihiger selbstfahrender Kopfrödebunker Agrifac ZA215Eh

24

38

Gerstenfeld

Mähdrescher New Holland TX68

7.95

19.2

Pufferstreifen

Traktor Ford 5610

3.34

-

Tabelle 4-1: am Standort Worb eingesetzte Maschinen

Die Versuchsflächen werden im Folgenden nach der Art ihrer Nutzung vor Beginn der Messungen als Pufferstreifen, Rübenfeld, Ecke Rübenfeld und Gerstenfeld bezeichnet. Die Messungen in diesen Parzellen fanden von Juli 2004 bis Juni 2005 statt. Der dritte Standort befindet sich in einer Schwemmlandebene in Oensingen (47°17’N, 7°44’E) und ist ebenfall ein toniger Lehm mit einem sehr geringen Skelettgehalt und einem Anteil der Makroporen >50[µm] im Oberboden von weniger als 7% was bereits auf eine hohe Verdichtungsanfälligkeit dieses Standortes hinweist (Tobias & Tjetje, 2007). Genutzt wird diese Fläche seit 2001 als Wiese und im Folgenden auch so bezeichnet. Die Untersuchungen an diesem Standort fanden nach Abschluss der Untersuchungen in Worb im Sommer 2005 statt.

Resultate

55

4.1.2 Vorgehen im Feld

Die akustischen Messungen erfolgten an allen Standorten sowohl im Oberboden als auch im Unterboden und erfassten die Tiefen von 0,1 – 0,4[m]. Pro Versuchstag fanden 1 bis maximal 3 Untersuchungen an wechselnden Punkten innerhalb einer Versuchsfläche von 50[m 2 ] resp. 100[m 2 ] im Rüben- und Gerstenfeld statt. Untersucht wurden jeweils 4-6 Tiefen mit mindestens 4 Accelerometern. Für jede beprobte Tiefe wurden 10 Kompressionswellen generiert und von den eingesetzten Accelerometern erfasst. Insgesamt konnte von diesen drei Standorten 12’000 Signale aus 30 Messtagen ausgewertet werden. Die ausgewerteten Versuche verteilen sich nicht gleichmässig auf alle Tiefen (vgl. Tab. 4-2).

Tiefe

Pufferstreifen

Rübenfeld

Ecke Rübenfeld

Gerstenfeld

Haferfeld

Buntbrache

Wiese

10

5

-

1

1

2

2

4

15

7

4

1

10

1

2

1

20

6

11

1

13

2

2

4

25

8

11

1

13

2

2

1

30

5

10

1

16

3

3

3

35

4

8

1

3

1

-

1

40

-

5

1

1

1

1

4

Total

35

49

7

57

12

12

18

Tabelle 4-2: Anzahl Versuche und beprobte Tiefen an den Standorten Worb, Belp und Oensingen

Die Gründe dafür liegen in technischen Störungen des Signalgenerators, die zu Beginn der Messungen im obersten Untersuchungsbereich auftraten und anschliessend behoben werden konnten. Der zur Fehlerbehebung notwendige Ausbau des Sparkers aus dem Bohrloch erschwert in solchen Fällen weitere Messungen in den betroffenen Tiefen. Es hat sich gezeigt, dass eine zweimalige Installation des Senders in gleicher Tiefe die Bohrlochwand derart erweitert, dass ein guter Kontakt zur Bohrlochwand nicht in allen Fällen mehr gewährleistet ist. Das Luftpolster zwischen Sparker und Bohrlochwand bewirkt, dass der Impuls nicht mehr in seiner ganzen Stärke auf den Boden übertragen wird. Ein Vergleich mit den Messdaten anderer Versuche wird dadurch stark erschwert, so dass diese Daten nicht in die Auswertung einflossen. Ein weiterer Grund für eine geringere Anzahl an Datensätzen ist in einem zu losen Kontakt zwischen Sender resp. Empfängern und umgebendem Boden zu finden: Für das Gerstenfeld und das Rübenfeld konnten erst ab 0.15[m] beziehungsweise ab 0.2[m] Tiefe eine mit den tiefer liegenden Bereichen vergleichbare Anzahl Versuche durchgeführt werden. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt, neben der Entwicklung der geeigneten Geräte, in der Untersuchung der akustischen Eigenschaften des Oberbodens: aus diesem Grund wurden die meisten Versuche in den Tiefen 0.15 – 0.3[m] durchgeführt. Tiefere Bereiche wurden dann

56

Resultate

untersucht, wenn erhebliche Abweichungen der Geschwindigkeiten der Kompressionswellen zu geringeren Tiefen festgestellt wurden. Um die Korrosion des Sparkerkabels zu verhindern und um Kabelfrass durch Mäuse an den Accelerometern vorzubeugen, wurden die Sender und Empfänger nach Beendigung der Messungen aus den Bohrlöchern entfernt. Zu Beginn der Messungen in Belp wurden für alle Tiefen die Bohrlöcher für Sender und Empfänger einzeln gebohrt, diese installiert und nach Abschluss der Messungen wieder ausgebaut. Zur Beibehaltung des Bohrlochs wurden anschliessend Kunststoffstäbe in die Bohrlöcher der Accelerometer und Chromstahlrohre in die Bohrlöcher der Sparker eingebaut. Damit die Stäbe und Rohre das Bohrloch nicht beschädigten, wiesen sie einen geringeren Durchmesser als die Bohrlöcher auf. Ziel dieses Vorgehens war die Durchführung der Versuche unter Verwendung der gleichen Bohrlöcher unter sich ändernden Umgebungsbedingungen. Dieses Vorgehen konnte nur am Standort Belp erfolgreich angewandt werden und bewährte sich nur für eine maximale Anzahl von drei Versuchen und dies ausschliesslich bei hohen Sättigungsgraden. Auch wenn sich die an das Bohrloch anschliessende Bodenmatrix nach Entfernen von Sparker und Accelerometern wieder leicht ausdehnt, so führt die wiederholte Installation und Demontage doch dazu, dass Sender und Empfänger nur noch lose im Bohrloch sitzen und ein satter Kontakt mit dem Boden nicht länger gewährleistet ist. Es war in der Folge nicht möglich für die Untersuchungen eines Standortes die Bohrlöcher beizubehalten, so dass eine Messreihe bis zur gewünschten Tiefe erhoben und für nachfolgende Versuche neue Bohrlöcher gebohrt und der Sparker und die Accelerometer an einer benachbarten Stelle neu installiert werden mussten, was für die Interpretation der Messungen eine zusätzliche Erschwernis darstellt. Die Vergleiche von Messungen, die am gleichen Tag in unmittelbarer Nähe voneinander durchgeführt wurden, zeigen aber nur geringe Unterschiede der Daten (vgl. Abb. 3-6). Darüber hinaus bewegen sich die Streuungen der Messwerte bei allen Messungen im Rahmen der im letzten Kapitel formulierten Angaben zur Variabilität der Messdaten. Einzig in drei Fällen konnten mit einzelnen Empfängern klare Unterschiede zwischen benachbarten Stellen festgestellt werden. In allen Fällen waren es Anomalien im Boden, die zufällig aufgespürt wurden. Es handelte sich um dichtere Bereiche (Aushubmaterial) nach der Einfahrt zur „Hoschtet“ neben dem Gerstenfeld, um einen grossen Stein (Durchmesser 15[cm]) im Pufferstreifen und um nicht geerntete Rüben im Rübenfeld. Diese Messdaten wurden für die Auswertung nicht berücksichtigt.

Resultate

57

v P [m/s]

4.1.3 Ergebnisse der Messungen an den Standorten Worb, Belp, Oensingen

Die Mehrzahl der Messungen wurde unter Feldbedingungen bei Sättigungsgraden zwischen 45 – 97[%] durchgeführt (siehe A6). Versuche bei denen mittels Beregnungen höhere Sättigungsgrade erzielt wurden, werden in einem folgenden Abschnitt (Kap. 4.1.3.2) vorgestellt. In der folgenden Abbildung (Abb. 4-1) sind die für jeden Standort ermittelten Minimal und Maximalgeschwindigkeiten dargestellt. Die genauen Werte von Minima und Maxima der Geschwindigkeiten v P sind für alle Standorte im Anhang A7 zusammengestellt.

400

300

200

100

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                    Pufferstreifen   Ruebenfeld    
                    Pufferstreifen   Ruebenfeld    
                    Pufferstreifen   Ruebenfeld    
                    Pufferstreifen   Ruebenfeld    
                    Pufferstreifen   Ruebenfeld    
   
   
   
                    Pufferstreifen   Ruebenfeld    
   
   
 
   
   
 
   
 
   
 
  Pufferstreifen
 

Pufferstreifen 

 

Ruebenfeld 

 
    EckeRuebenfeld
 

EckeRuebenfeld   

 
  Gerstenfeld

Gerstenfeld 

 
  Haferfeld  

Haferfeld   

 
 

Buntbrache 

 

Wiese 

 

10

20

 

30

 

40

Tiefe [cm]

Abbildung 4-1: Geschwindigkeitsextrema der Untersuchungsflächen in Worb, Belp und Oensingen

Es ist deutlich ersichtlich, dass an allen Standorten v P mit zunehmendem Abstand von der Oberfläche ansteigt und in 25 – 35[cm] Tiefe einen Höchstwert erreicht. In den nachfolgenden Tiefen weisen die Maxima nur noch sehr geringe Unterschiede zu den Höchstwerten auf. Mit Ausnahme von 25 – 30[cm] Tiefe (Haferfeld) wurden die höchsten Geschwindigkeiten ausschliesslich im Rübenfeld ermittelt – mit Maxima bis in 20[cm] Tiefe in der für die Entladung genutzten Teilfläche (Ecke Rübenfeld). Deutlich geringere Minimalwerte als an den anderen Standorten wurden bis in 20[cm] Tiefe im abgeernteten Rübenfeld gemessen. In grösseren Tiefen stimmten die Minima des Rübenfeldes weitgehend mit den Werten des Gerstenfeldes überein. Abhängig vom Standort sind unterschiedlich stark ausgeprägte Differenzen zwischen den Geschwindigkeitsextrema festzustellen. Diese Geschwindigkeitsunterschiede sind in den nicht bearbeiteten Böden von Pufferstreifen, Buntbrache und Wiese am geringsten und können als erste Hinweise für eine ausgeglichenere Bodenstruktur aufgefasst werden. Die aus Ernte- und

58

Resultate

Bodenbearbeitungsarbeiten sowie Pflanzenanbau resultierende Heterogenisierung des Gefüges führt dagegen zu einem breiteren Spektrum der Ausbreitungsgeschwindigkeiten v P . Ein Unterschied zwischen konventionellem (Hafer- und Rübenfeld) und pfluglosem Anbau (Gerstenfeld) kann dabei nicht festgestellt werden. Die Differenzen zwischen Minimal- und Maximalgeschwindigkeit (vgl. Tab. 4-3) bewegen sich in den ungestörten Flächen von Pufferstreifen, Buntbrache und Wiese in fast allen Tiefen zwischen 12 – 45 [m/s]. Einzig im Pufferstreifen in einer Tiefe von 25[cm] ist eine grössere Abweichung feststellbar.

Tiefe

Pufferstreifen

Rübenfeld

Gerstenfeld

Haferfeld

Buntbrache

Wiese

[cm]

10