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Berlin J Soziol (2012) 22:29–52

DOI 10.1007/s11609-012-0178-z

Abhandlung

Kapitalismus und Gender.  


Eine Auseinandersetzung mit der
kapitalismuskritischen Intersektionalitätsforschung

Klaus Kraemer · Philipp Korom · Sebastian Nessel

Zusammenfassung:  Gesamtgesellschaftliche Analysen der feministischen Intersektionalitätsfor-


schung verstehen den modernen Kapitalismus als ein Herrschaftssystem, das soziale Ungleich-
heiten produziert und dabei Frauen notwendigerweise diskriminiert. Der Aufsatz stellt diesem
normativ-herrschaftskritischen einen streng analytischen Kapitalismusbegriff gegenüber und un-
tersucht die Strukturen, die kulturellen Leitbilder und die Institutionen des modernen Kapitalis-
mus im Hinblick auf Geschlechterungleichheit. Die zentrale These lautet, dass moderne kapita-
listische Wirtschaftsordnungen prinzipiell blind für Geschlechtsunterschiede sind. Systematische
Benachteiligungen von Frauen ergeben sich aus traditionellen Geschlechterbildern und konkreten
institutionellen Arrangements. Diese können sich ändern, ohne dass dabei an den Grundfesten des
Kapitalismus gerüttelt werden muss.

Schlüsselworte:  Intersektionalitätsforschung · Soziologie des Kapitalismus ·


Geschlechterungleichheit

Capitalism and gender. A review of capitalism-critizising theories  


of intersectionality

Abstract:  In intersectionality research capitalism is often analyzed as a social order that sys-
tematically produces social inequalities. Particularly the feminist literature describes capitalism
as a set of gendered institutions that enforces patriarchal control structures. This paper does not
engage in a critique of capitalism. Instead, it follows a strictly analytical perspective in order to
discuss the basic structure, the culture and the institutions of modern capitalism with respect to
gender equality. The paper argues that modern capitalism in general is neutral in respect of gender
issues. Discriminations against women are caused by traditional gender stereotypes and concrete
institutional settings that can be changed without tearing at the very fabric of modern capitalism.

© VS Verlag für Sozialwissenschaften 2012


K. Kraemer () · P. Korom · S. Nessel
Institut für Soziologie, Karl-Franzens-Universität Graz,  
Universitätsstraße 15/G4, 8010 Graz, Österreich
E-Mail: klaus.kraemer@uni-graz.at
P. Korom
E-Mail: philipp.korom@uni-graz.at
S. Nessel, M.A.
E-Mail: sebastian.nessel@uni-graz.at
30 K. Kraemer et al.

Keywords:  Intersectionality research · Sociology of capitalism · Gender inequality

Capitalisme et genre. Une réflexion sur le rapport entre recherche sur


l’intersectionnalité et critique du capitalisme

Résumé:  Les analyses globales de la société par la recherche féministe sur l’intersectionnalité
conçoivent le capitalisme moderne comme un système de domination qui produit des inégalités
sociales et, ce faisant, discrimine inévitablement les femmes. Contre cette définition du capi-
talisme normative et critique de la domination, cet article propose une définition strictement
analytique du capitalisme et étudie les structures, les modèles culturels et les institutions du
capitalisme moderne sous l’angle de l’inégalité entre les sexes. Notre thèse centrale est que les
régimes économiques capitalistes modernes sont fondamentalement indifférents aux différences
sexuelles. Les désavantages systématiques dont sont victimes les femmes résultent de concep-
tions traditionnelles des rapports entre les sexes et de dispositifs institutionnels concrets. Ceux-ci
peuvent changer sans qu’il soit nécessaire de remettre en question les fondements du capitalisme.

Mots-clés:  Recherche sur l’intersectionnalité · Sociologie du capitalisme ·


Inégalité entre les sexes

1  Einleitung

Es ist ein Verdienst der Frauen- und Geschlechterforschung, Mehrfachdiskriminierungen


als eine notwendige Ergänzung zu konventionellen Klassen- und Schichtungstheorien
etabliert zu haben. In klassischen Ungleichheitstheorien wird die soziale Chancenver-
teilung primär auf vertikale Klassen- oder Schichtungsstrukturen zurückgeführt, die im
Erwerbssystem reproduziert werden. Die vor allem von der feministischen Soziologie
getragene Intersektionalitätsforschung geht über diese Ansätze insofern hinaus, als dass
sie Ungleichheitsverhältnisse multidimensional konzipiert. In dieser Perspektive wird
soziale Ungleichheit durch das Zusammenspiel der drei Strukturgeber Klasse, Geschlecht
und Ethnie betrachtet. Neben der simultanen Analyse vielfältiger Benachteiligungen von
Personengruppen bemüht sich die Intersektionalitätsforschung um gesamtgesellschaft-
liche Analysen. Dabei wird der Anspruch erhoben, „gesellschaftliche Herrschaftsverhält-
nisse […] und institutionelle Arrangements“ zu untersuchen und diese „mit der Analyse
von Interaktionen zwischen Individuen und Gruppen sowie individuellen Erfahrungen“
zu verbinden (Knapp 2005, S. 71). Oftmals, so etwa bei Cornelia Klinger (2003, S. 32),
werden die Ungleichheitskategorien Klasse, Geschlecht und Ethnie den „Herrschafts-
systemen“ Kapitalismus, Patriarchat und Imperialismus zugeordnet und ihre Wechsel-
verhältnisse untersucht. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei dem Zusammenhang von
Kapitalismus und Geschlechterungleichheit gewidmet – genau hier setzt unsere Kritik an.
Der Kapitalismus, so das Hauptargument feministischer Intersektionalitätsforschung,
kann erst im Kontext gesellschaftlicher Reproduktion verstanden werden. Mit der Durch-
setzung kapitalistischer Wirtschaftsordnungen etabliere sich einerseits (männliche)
Lohnarbeit zum Prototyp der gesellschaftlichen Zuweisung von monetärer und sozialer
Anerkennung. Andererseits werde Haus- und Reproduktionsarbeit sowohl sozial als auch
ökonomisch entwertet (Becker-Schmidt 2007, S. 73 ff.; Winker 2007). Das gelte nicht
Kapitalismus und Gender 31

nur für die Entstehungsphase des Kapitalismus, sondern auch für die folgenden Entwick-
lungsphasen, die durch stärker diversifizierte Geschlechterarrangements gekennzeichnet
seien. Unsere These hingegen ist, dass moderne kapitalistische Wirtschaftsordnungen
grundsätzlich unabhängig von geschlechtsspezifischen Vergesellschaftungsprozessen
beschrieben werden können und die Zuweisung von Reproduktionsaufgaben an Frauen
keine zwingende Existenzbedingung für diese Wirtschaftsordnungen ist. Konzeptionen
eines „patriarchalen Kapitalismus“ sind unseres Erachtens nicht Kapitalismusanalysen,
sondern gehören einer Sparte der Kapitalismuskritik (vgl. Berger 2008, S. 372 ff.) an,
die die Besonderheiten dieses Wirtschaftssystems außer Acht lässt. Um einen analyti-
schen Kapitalismusbegriff in der einschlägigen Debatte stark zu machen, arbeiten wir
in einem ersten Schritt zentrale Merkmale kapitalistischer Wirtschaftsordnungen heraus
und diskutieren diese in einem zweiten Schritt hinsichtlich geschlechterdiskriminierender
Potenziale. Unsere Schlussfolgerung ist, dass der Kapitalismus als „geschlechterblind“
charakterisiert werden kann, jedoch für unterschiedliche genderspezifische Ordnungs-
bzw. Herrschaftsmodelle offen ist. Diese Offenheit kann, wie etwa für die Phase der
Herausbildung und Etablierung kapitalistischer Wirtschaftsordnungen festzustellen ist,
mit Einbettungen in patriarchale Gesellschaftsstrukturen einhergehen. Der Kapitalismus
muss jedoch nicht auf patriarchalen Strukturen aufbauen.
Wir analysieren den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Gender in sechs
Schritten: In Abschn. 2 sichten wir die Intersektionalitätsforschung und argumentieren,
dass der Kapitalismusbegriff in der Debatte zum Verhältnis von Klasse und Geschlecht
bislang stark untertheoretisiert verwendet worden ist. In Abschn. 3 diskutieren wird
das Patriarchat als nicht-kapitalistische Voraussetzung des modernen Kapitalismus. In
den Abschn. 4 bis 6 wird ein dreigliedriges Schema zur Analyse von Zusammenhängen
zwischen kapitalistischen Wirtschaftsordnungen und Geschlechterungleichheiten vor-
geschlagen. Unser Hauptargument ist, dass ein Gutteil der strukturellen (4), kulturellen
(5) und institutionellen Merkmale (6) des modernen Kapitalismus offen ist für gänzlich
unterschiedliche Geschlechterarrangements. Im Schlussteil (7) legen wir dar, wie sich aus
einer analytischen Perspektive das Verhältnis von Geschlechterverhältnissen und Kapita-
lismus theoretisieren lässt.

2  Der reduktionistische Kapitalismusbegriff in der Intersektionalitätsforschung

Die Intersektionalitätsforschung fordert einen Paradigmenwechsel in der Ungleichheits-


forschung. Ihr Forschungsfeld sind Herrschaftsverhältnisse, die soziale Strukturen, Prakti-
ken und Identitäten (re-)produzieren. Zu deren Analyse werden nicht allein mehrere soziale
Kategorien einbezogen, sondern auch deren Verflechtungen analysiert. Als klassische
Folie dient die Argumentation von Kimberlé Crenshaw (1989), die bereits in den 1980er
Jahren darauf hinwies, dass Diskriminierungserfahrungen von schwarzen Frauen in den
USA qualitativ unterschiedlich zu jenen der Gruppe aller Frauen oder jener aller Schwar-
zen sind.1 In einer inter-kategoriellen Zugangsweise (McCall 2005, S. 1773) wurden in

1 Vgl. aber auch bereits das „katholische Arbeitermädchen vom Lande“ (Peisert 1967) als klassi-
scher bildungssoziologischer Inbegriff für kumulierte strukturelle Benachteilung.
32 K. Kraemer et al.

der Intersektionalitätsforschung fortan die Wechselwirkungen mehrerer Ungleichheits-


dimensionen (class, race, gender) bestimmt. In die Analyse von Diskriminierungen gehen
in Mehrebenen-Analysen Sozialstrukturen, Prozesse der Identitätsbildung sowie kultu-
relle Symbole ein (vgl. Degele und Winker 2011). Ein derartiger Zugang kann unseres
Erachtens angesichts der komplexen sozialen Wirklichkeit das Entstehen und die Persis-
tenz sozialer Ungleichheiten eingehender beantworten als eine rein an Sozialstatistiken
orientierte Soziologie.
In der feministischen Intersektionalitätsforschung werden jedoch nicht nur die kon-
kreten Benachteiligungen von Frauen untersucht, sondern auch gesamtgesellschaftliche
Analysen unternommen. Diskriminierungserfahrungen werden hierbei mit „Herrschafts-
verhältnissen“ (Knapp 2005, S. 71) in Verbindung gebracht, die auf den Kategorien
Geschlecht, Klasse und Ethnizität fußen. Eine wesentliche Aufgabe intersektionaler Ana-
lysen wird darin gesehen, diese „Herrschaftssysteme in ihrer Verzahnung auf der Struk-
turebene theoretisch zu begreifen“ (Winker und Degele 2009, S. 30). Der Kapitalismus
ist eines dieser genannten Systeme, dem Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hierbei ist
die Ausgangsüberlegung zentral, dass es mit der Durchsetzung der kapitalistischen Wirt-
schaftsordnung zu einer „Hierarchisierung von Arbeitsformen“ komme, wobei männli-
che Lohnarbeit zum „gesellschaftlichen Prototyp wird und Hausarbeit […] im sozialen
Bewusstsein an Bedeutung verliert“ (Becker-Schmidt 2006, S. 73). Die nicht-marktver-
mittelte Haus- und Reproduktionsarbeit trage fortan nichts (mehr) zum gesellschaftlichen
Reichtum bei und werde damit sowohl sozial als auch ökonomisch entwertet (ebd.; ähn-
lich Winker 2007). Die Versagung von sozialer und monetärer Anerkennung der Haus-
arbeit wird vor dem Hintergrund bedeutsam, dass kapitalistische Wirtschaftsordnungen
strukturell nicht in der Lage sind, „aus eigener Kraft die für ihren Fortbestand erforder-
lichen Arbeitskräfte zu reproduzieren“ (Kreckel 2004, S. 255). Offen bleibt jedoch, ob
eine derartige Hierarchisierung notwendigerweise Frauen benachteiligt. Die einschlägige
feministische Literatur ist sich darüber einig, dass der moderne Kapitalismus eine Frauen
benachteiligende Schlagseite habe. In der Diskussion taucht jedoch keine fundierte 
Konzeption dieser Wirtschaftsordnung auf, die Analyse bleibt allgemein, und nicht nur
einmal wurde bemerkt, dass es der Beitrag der Geschlechterforschung sein müsse, „in
Zukunft differenzierter kapitalistische Grundstrukturen zu analysieren“ (Winker 2007,
S. 46). Folgende Belegstellen für das Argument, der Kapitalismus unterdrücke Frauen,
seien angeführt:2 Frigga Haug spricht vom „kapitalistischen Patriarchat“ und bezeichnet
damit Systeme, in denen Männerherrschaft mit kapitalistischen Wirtschaftsweisen ein- 
hergehen: „Die Kritik solcher Ökonomien muss es also immer mit beidem zu tun haben:
mit der Frage der Geschlechterverhältnisse und zugleich damit verbunden mit der von
Arbeit und Klassen, […] Markt und Leistung“ (Haug 1996, S. 129). Ilse Lenz cha-

2 Es sei angemerkt, dass aufgrund der Vielzahl und Widersprüchlichkeit von Stellungnahmen eine
eindeutige Positionsbestimmung der feministischen Intersektionalitätsforschung zum Thema
„Kapitalismus und Geschlechter(un)gleichheit“ kaum möglich ist. Eine kontroverse Debatte
hat ihren Ausgang an Kreckels Postulat (2004, S. 255) genommen, dass Vergesellschaftungs-
prozesse im Kapitalismus im Grunde genommen geschlechtsneutral sind und Lösungen des
Reproduktionsproblems denkmöglich sind, die Frauen nicht systematisch benachteiligen. Eine
differenzierte Kritik an dieser Sichtweise findet sich bei Aulenbacher (2005, S. 23 ff.).
Kapitalismus und Gender 33

rakterisiert die wechselseitigen Verbindungen von Klasse und Geschlecht als „additiv
zusammenfallende Unterdrückungsverhältnisse“ (1995, S. 35): Da patriarchale Familien-
strukturen das Markt- und Arbeitsmarktgeschehen beeinflussten, würden sich Geschlecht
und Klasse in der kapitalistischen Vergesellschaftung überkreuzen. Ursula Beer charakte-
risiert den Kapitalismus als eine „hochentwickelte Form von (patriarchaler) Gewaltherr-
schaft“ (Beer 1990, S. 274). Und schließlich verwenden Nina Degele und Gabriele Winker
(2011, S. 72) den Begriff „Kapitalismus“ als „integrierende Klammer für eine Analyse
moderner Gesellschaften“, da er „auf systemische soziale Ungleichheiten verweist“.
Die Annäherungsweisen an den Themenkomplex mögen unterschiedlich sein, die
zentralen Schlussfolgerungen fallen jedoch ähnlich aus. Der moderne Kapitalismus habe
die Ungleichbehandlung von Mann und Frau nicht nur nicht beendet, sondern „zum Teil
auf qualitativ veränderter Ebene wiederhergestellt“ (Ostner 1983, S. 283; vgl. Becker-
Schmidt 2007, S. 72 ff.). Genauer: Außerhäusliche Erwerbsarbeit, die Rationalisierung
der Hausarbeit und eine schwindende Basis patriarchaler Macht hätten zwar Frauen
„individualisiert“, von einer Gleichstellung der Geschlechter könne jedoch keine Rede
sein. Die Haushaltsarbeit würde weiterhin von Frauen verrichtet, und die durch das
askriptive Merkmal Geschlecht bedingten „echten“ Diskriminierungen am Arbeitsmarkt
erwiesen sich als persistent. Wir halten diesen Befund trotz gewisser Verbesserungen der
Erwerbs- und Karrierechancen von Frauen in den letzten Jahrzehnten als immer noch
zutreffend. Die Beteiligung von Männern an Routinetätigkeiten im Haushalt ist niedrig
geblieben (vgl. Schulz und Blossfeld 2006); ganz zu schweigen von der ungebroche-
nen Ungleichverteilung von Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Familie. Auch unter
Berücksichtigung beruflicher Merkmale ist weiterhin ein deutlicher Gendereffekt bei der
Einkommensungleichheit festzustellen (Liebeskind 2004). Unsere Kritik setzt dort an,
wo Ungleichbehandlungen von Frauen und Männern als kapitalismusspezifisch erörtert
werden, ja ein kausaler Mechanismus zwischen Kapitalismus und Geschlechterungleich-
heit postuliert wird, der Begriff „Kapitalismus“ selbst jedoch reduktionistisch verwendet
wird. Das „Herrschaftssystem Kapitalismus“ kann in der weiter oben erwähnten Lite-
ratur für alles Mögliche stehen: das Prinzip der Profitmaximierung, marktförmig freie
Arbeit, die Ökonomisierung aller Gesellschaftsbereiche, die Produktionssphäre moderner
Gesellschaften oder Klassenspaltungen. Es ist zu bezweifeln, dass ausgehend von dieser
unscharfen theoretischen Konzeption das postulierte Ziel, „die Spezifik der einzelnen
Herrschaftssysteme klar zu benennen und zueinander ins Verhältnis“ zu setzen (Winker
und Degele 2009, S. 28), erreicht werden kann. Was folgt, ist daher ein Versuch, diesen
weißen Fleck auf der Landkarte der Intersektionalitätsforschung zu erschließen.

3  Patriarchat und Kapitalismus versus patriarchaler Kapitalismus

Der moderne Kapitalismus, der sich im 19. Jahrhundert in Europa durchgesetzt hat, ist
an bestimmte nicht-kapitalistische Voraussetzungen gebunden, ohne die er nicht möglich
wäre. Neben dem Staat, auf den in Abschn. 4 eingegangen wird, ist der private Haushalt
zu nennen. Das ökonomische System ist nämlich von der unentgeltlichen Bereitstellung
von Arbeitskräften durch private Haushalte abhängig. Der Haushalt ist eine marktex-
terne Institution, die als ökonomisches und organisationales Gehäuse der „alltäglichen
34 K. Kraemer et al.

Lebensführung“ (Jurczyk und Rerrich 1993) von Alleinlebenden, Familien und anderen
Lebensgemeinschaften fungiert. Die dort anzutreffenden ökonomischen und nicht-öko-
nomischen Aktivitäten folgen anderen Logiken als die der erwerbswirtschaftlichen Pro-
duktion. Der Familienhaushalt als eine Sonderform des Privathaushalts ist der soziale Ort
der Reproduktion der Arbeitskraft. Dort werden die auf Märkten erworbenen Waren in
Gebrauchswerte – durch „Konsum-Arbeit“ – umgewandelt. Diese Arbeit ist eine unbe-
zahlte Leistung, die für alle Haushaltsmitglieder erbracht wird. Durch häusliche Arbeit
werden Waren entmarktlicht und in ein mehr oder weniger „gutes Leben“ integriert. Es
werden aber nicht nur Marktprodukte konsumiert, sondern zugleich findet dort „Haus-
haltsproduktion“ (Glatzer und Berger-Schmitt 1986) für eigene, nicht-marktliche Zwecke
statt. Emotions- und Beziehungsarbeit haben hier ebenso ihren lebensweltlichen Ort wie
gemeinschaftlicher Gabentausch. Die zentrale Finanzierungsquelle all der ökonomischen
und lebensweltlichen Aktivitäten der allermeisten Haushalte ist die außerhäusliche abhän-
gige Erwerbsarbeit. Die Abhängigkeit von kontinuierlichem Erwerbseinkommen begüns-
tigt eine Rationalisierung und Ökonomisierung von nach außen gerichteten Erwerbs- und
Konsumentscheidungen des Haushalts (Reichwein 1993, S. 112).
Der Privathaushalt ist von Lohnarbeit und von Warenmärkten strukturell abhängig.
Ungeachtet der immer engeren Kopplung des Haushalts an Unternehmen und Märkte ist
das interne Geschehen des Haushalts, gewissermaßen seine lebensweltliche Seite, markt-
fern. Diese Marktferne darf nicht mit einer egalitären Verteilung von Aufgaben unter allen
Haushaltsmitgliedern oder gar mit Ressourcen- oder Liebeskommunismus gleichgesetzt
werden. Der Haushalt ist, sobald in ihm ein heterosexuelles Paar lebt, traditionellerweise
durch eine geschlechtliche Arbeitsteilung gekennzeichnet, die die unentgeltlichen Ver-
sorgungsleistungen im Haushalt der Frau zuweist, während der Mann außerhäuslicher
Erwerbsarbeit nachgeht. Wie von der Frauen- und Geschlechterforschung gezeigt wurde,
ist die geschlechtliche Arbeitsteilung entwickelter Industriegesellschaften durch einen
„Sekundärpatriarchalismus“ gekennzeichnet, der den „Primärpatriarchalismus“ des „gan-
zen Hauses“ (Otto Brunner) vormoderner ständischer Gesellschaften abgelöst und sich
mit der Ausdifferenzierung von Erwerbsbetrieb und Privathaushalt (vgl. Abschn. 5) in der
Arbeitswelt zum „beruflichen Patriarchalismus“ und im Familienhaushalt zum „familiä-
ren Patriarchalismus“ ausdifferenziert hat (Beer 2008). Diese sich historisch herausgebil-
dete geschlechtliche Rollenzuweisung von Produktions- und Reproduktionsaufgaben ist
höchst folgenreich für die Strukturen sozialer Diskriminierung und Ungleichheit. Einige
Konsequenzen des „beruflichen Patriarchalismus“ seien hier angeführt: Obwohl für die
Gegenwart festgestellt werden kann, dass Frauen über zumindest vergleichbare Bildungs-
qualifikationen verfügen und zudem ihre Chancen für eine zukünftige Schulbildung mit
Abitur höher sind als die der Männer (Becker 2009, S. 98), erweisen sich geschlechts-
spezifische Lohnungleichheiten (Gartner und Hinz 2009) bzw. Lohndiskriminierungen
(Hönig und Kreimer 2005) als persistent. Die Erwerbsintegration von Frauen erfolgt
weitgehend durch berufliche Segregation. Hohe Erwerbsquoten von Frauen finden sich
vor allem in den Dienstleistungsberufen des Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesens
(Achatz 2008, S. 113 ff.). Diese „Kanalisierung“ führt u. a. dazu, dass die Verteilung der
Geschlechter auf statushöhere Branchen und Berufspositionen zum Nachteil der Frauen
ausfällt. Zudem arbeiten Frauen zu einem großen Anteil Teilzeit und geringfügig, wäh-
rend für (fast 90 % der) Männer das Vollzeitarbeitsverhältnis nach wie vor die dominante
Kapitalismus und Gender 35

Beschäftigungsform darstellt (Pernicka und Stadler 2006). Auch ist prekäre Arbeit kein
gänzlich neues Phänomen, sondern hat die Erwerbswirklichkeit vieler Frauen immer
schon geprägt (Mayer-Ahuja 2003). Und schließlich ist ein signifikanter Anteil von
Frauen zwischen 25 und 59 Jahren gar nicht erwerbstätig. In Deutschland sind es derzeit
5,6 Mio. Frauen, also 28 % aller Frauen in diesem Alter. „Für die Mehrzahl dieser heute
nicht erwerbstätigen Frauen ist der Heiratsmarkt finanziell und gesundheitlich Erfolg ver-
sprechender als der Arbeitsmarkt – solange die Ehe hält“ (Allmendinger 2010, S. 58).
Diese geschlechtsspezifischen Arbeitsmarkttrends machen es notwendig, die Frage
nach dem Verhältnis zwischen Patriarchat und Kapitalismus erneut aufzuwerfen. Ist die
Trennung von Erwerbs- und Hausarbeit und die Zuteilung dieser Arbeitsbereiche ent-
lang der Kategorie Geschlecht eine notwendige Voraussetzung moderner kapitalistischer
Wirtschaftsordnungen, wie etwa Eisenstein (1979), Folbre (1987) oder Beer (1990)
angenommen haben? Sicherlich ist der moderne Kapitalismus auf unentgeltliche Arbeits-
leistungen in der Familie angewiesen. Aber warum sollte diese Arbeit nur von Frauen
verrichtet werden, damit der Kapitalismus operieren kann? Ohne Frage gelingt es Män-
nern immer noch, Chancen in der Positionshierarchie von Unternehmen zu monopoli-
sieren und Frauen beim Zugang zu diesen Chancen abzuweisen. Was folgt jedoch aus
dieser Diagnose für die Analyse des Verhältnisses von (Sekundär-)Patriarchalismus und
Kapitalismus?
In der feministischen Literatur lassen sich im Wesentlichen zwei Positionen ausma-
chen. Dualistische Ansätze sprechen von zwei nicht aufeinander reduzierbaren Syste-
men sozialer Ungleichheit: „Capitalism operates by conversion of wage labour to value
and profit; patriarchy by the appropriation of the unwaged labour and energy of women
to produce male power. Both are concerned with the control and accumulation of the
creativity, labour and energy of women by men“ (Hearn 1987, S. 121). Für die Diskrimi-
nierung von Frauen werden zwei Ursachen ausgemacht: Ihre Stellung in der kapitalisti-
schen Produktion („Ort der Klassenherrschaft“) und ihre Stellung in der Familie („Ort der
geschlechtlichen Herrschaft“). Beide Systeme müssten separat voneinander analysiert
werden. Historisch gesehen gingen patriarchale Gesellschaftsstrukturen kapitalistischen
Wirtschaftsordnungen voraus und schufen zugleich ein außerarbeitsweltliches Funda-
ment für dessen Entwicklung („Capitalism grew on top of patriarchy“, Hartmann 1979,
S. 230). Das Verhältnis zueinander wird von manchen Autorinnen als durchaus konflikt-
geladen beschrieben, da die Logik des Kapitals geschlechtsblind sei (vgl. etwa Walby
1990, S. 185). Schlechterstellungen von Frauen kämen in erster Linie zustande, weil der
Kapitalismus in patriarchale Gesellschaftsstrukturen eingebettet wäre.
Der dualistische Ansatz erfuhr zwei Kritiken, wobei wir uns nur der ersten anschlie-
ßen. Erstens wurde bestritten, dass Kapitalismus und Patriarchat zwei gleichrangige
Phänomene seien. Dem Kapitalismus sei nämlich eine konstante Operationslogik ein-
geschrieben, ein vom Gewinnstreben motivierter Akkumulationsprozess, der als äußerer
Zwang auf alle Akteure einwirke: „Capitalists could not become ‚good capitalists‘ by
ceasing to exploit wage labour; they would cease to be capitalists“ (Pollert 1996, S. 643).
Eine derartige zwingende, soziale Ungleichheiten produzierende Eigenlogik sei jedoch
den Geschlechterarrangements nicht eigen. Denkbar sei eine Sicherstellung der Repro-
duktion einer Gesellschaft mit einem gänzlich anderen Machtverhältnis zwischen den
Geschlechtern.
36 K. Kraemer et al.

Zweitens wurde die Unabhängigkeit des Kapitalismus vom Patriarchat infrage gestellt:
„When one states that capitalism needs patriarchy in order to operate efficiently on is
really noting that male supremacy […] supplies capitalism […] with the necessary order
and control“ (Eisenstein 1979, S. 28). Kapitalistische Wirtschaftsordnungen könnten
ohne das derzeitig vorherrschende Arrangement für die gesellschaftliche Reproduktion
und einem Reservoir unqualifizierter weiblicher Arbeitskräfte nicht funktionieren. Die
analytische Trennung von Patriarchat und Kapitalismus sei daher unangebracht (Shel-
ton und Agger 1993, S. 34) („patriarchaler Kapitalismus“). In weiterer Folge wurde die
Diskussion um das Verhältnis der beiden Systeme als „abstrakte und akademische Dis-
kussion“ abgetan (Kreisky und Sauer 1995, S. 264). Es handle sich um rein rhetorische
Probleme, die eine Intersektionalitätsforschung zum Wechselverhältnis von Klasse und
Geschlecht nicht weiterbrächten (vgl. Cockburn 1993, S. 14). Die weitgehend abgeebbte
Diskussion ist unseres Erachtens vor allem durch die reduktionistische Verwendung des
Kapitalismusbegriffs zu erklären. „Kapitalismus“ wird relativ beliebig als Kurzformel für
die in einer Gesellschaft vorherrschende und durch eine kapitalistische Produktionsweise
zustande kommende Klassenstruktur verwendet. Die Begriffszusammensetzung „patriar-
chaler Kapitalismus“ bringt demnach auch nur zum Ausdruck, dass Prozesse der Verge-
schlechtlichung innerhalb von Klassenbeziehungen stattfänden. Aus unserer Sicht sollte
eine Intersektionalitätsforschung, die für sich beansprucht, ganze „Herrschaftssysteme“
erklären zu wollen, entweder diesen reduktionistischen Kapitalismusbegriff gänzlich fal-
len lassen oder stärker die Besonderheiten moderner kapitalistischer Wirtschaftsordnun-
gen in den Blick nehmen. Im Folgenden stellen wir daher drei zentrale Dimensionen einer
Kapitalismusanalyse vor.

4  Strukturelle Merkmale des modernen Kapitalismus

Der Kapitalismusbegriff hat in den Sozialwissenschaften eine wechselvolle Geschichte.


Ursprünglich ist dieser nicht von Karl Marx oder Max Weber eingeführt worden, sondern
erst 1902 von Werner Sombart in der großen Studie Der moderne Kapitalismus (1987).
In der Soziologie ist dieser schillernde Begriff immer wieder aufgegriffen worden, wobei
entweder eine analytisch-beschreibende oder eine normativ-herrschaftskritische Perspek-
tive eingenommen wird. Eine normativ-kritische Verwendungsweise des Kapitalismus-
begriffs findet sich innerhalb der Soziologie neuerdings wieder bei Sennett (1998), Resch
und Steinert (2009) oder Dörre et al. (2009). Auch die feministische Kapitalismusdebatte
steht in dieser normativ-kritischen Traditionslinie (vgl. Haug 1996; Klinger 2003; Win-
ker und Degele 2009). Im Folgenden verwenden wir einen strikt analytischen Kapita-
lismusbegriff und greifen insbesondere auf die wirtschaftssoziologischen Überlegungen
Webers (1980, S. 31 ff.) zurück. Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass mit
Weber die zentralen Strukturelemente des modernen Kapitalismus charakterisiert werden
können, ohne die ungelösten Probleme der Marx’schen Theorie (z. B. Arbeitswertlehre,
Ausbeutungsbegriff, Verelendungstheorie) erörtern zu müssen. An dieser Stelle ist eine
weitere Anmerkung zu machen: Die sogleich zu beschreibenden Strukturmerkmale prä-
gen den modernen Kapitalismus in seinen unterschiedlichen historisch-gesellschaftlichen
Phasen und Spielarten. Gleichwohl sind die Strukturelemente nicht invariant. Sie können
Kapitalismus und Gender 37

in nationalen Gesellschaften unterschiedliche Ausprägungen annehmen: Je nach den spe-


zifischen Akteurskonstellationen in Wirtschaft, Politik und Verbänden und der jeweiligen
politisch-sozialen „architecture of markets“ (Fligstein 2001) sind die Strukturmerkmale
in einem Kontinuum situiert, das durch die Pole Staat und Markt konstituiert ist.
Von „Kapitalismus“ als soziologisch-analytischer Kategorie kann gesprochen werden,
wenn die grundlegenden Strukturen und Prozesse der Ökonomie auf der Produktionsseite
durch Warenproduktion und Kapitalakkumulation (Marx 1983) gekennzeichnet sind und
auf der Distributionsseite die wirtschaftlichen Transaktionen über Märkte abgewickelt
werden. Dies setzt auf der Seite der Produktion und Distribution voraus, dass mindestens
fünf sozioökonomische Institutionen im Wirtschaftsgeschehen anzutreffen sind: Erstens
ist das private Eigentum an Produktionsmitteln zu nennen, wobei sich das Privateigen-
tum im Zeichen von Kapitalgesellschaften nicht unbedingt auf inhabergeführtes Unter-
nehmertum bezieht, sondern auf die heutzutage ebenso bedeutsame Form des privaten
Eigentums an Anlagewerten (Windolf 2008). Als vorherrschende Organisationsform von
gewerblichen Arbeitsprozessen ist zweitens der auf Kontinuität ausgerichtete Erwerbs-
betrieb anzuführen, der Güter beliebiger Art für Märkte produziert. Die Außenbeziehun-
gen des Erwerbsbetriebes sind marktorientiert. Hingegen sind die Binnenbeziehungen
im Unternehmen hierarchisch strukturiert. Die interne hierarchische Organisation liegt
im Rentabilitätsinteresse der Unternehmenseigner begründet. Mit dem Begriff der „for-
malen Rationalität“ hat Weber (1980, S. 94 f.) die herausragende Bedeutung des Ren-
tabilitätskriteriums für kapitalistische Erwerbsunternehmen unterstrichen.3 Ihm zufolge
zeichnen sich Erwerbsunternehmen durch die „formale Rationalität“ der Kapitalrech-
nung aus. Gemeint ist damit, dass Betriebe danach streben, das wirtschaftliche Handeln
zuvorderst am reinen Zweck der Rentabilität zu orientieren. Gewinne sollen durch das
„friedliche“ Ausnutzen von Marktchancen realisiert werden, im Zweifelsfall auch durch
die Monopolisierung dieser Marktchancen. Die erwirtschafteten Gewinne werden nicht
verwendet, um materiale Ziele zu erreichen, wie etwa die Herstellung „guter Produkte“.
Vielmehr sind diese Produkte lediglich Mittel zum Zweck, Gelderträge zu erwirtschaf-
ten, die wiederum zur fortlaufenden Steigerung der Gelderträge eingesetzt werden (vgl.
G – W – G’ bei Marx). Die rationale Buchführung dient als Instrument der Kapitalrech-
nung, um betriebliche Entscheidungen auf das Rentabilitätskriterium auszurichten. Eine
unabdingbare Voraussetzung ist hierbei die rechtliche und buchmäßige Differenzierung
von Erwerbsbetrieb und Privathaushalt, die nicht zuletzt in der Trennung des Betriebs-
kapitals vom Privatvermögen zum Ausdruck kommt. Während der Haushalt Geldmittel
zum Zwecke der Bedarfsdeckung und Versorgung der Haushaltsmitglieder erwirtschaftet
oder zum Zwecke der Vermögensbildung anspart und sich bei der Verwendung dieser
Geldmittel an gemeinschaftlichen Gerechtigkeitsnormen der Familie orientiert („mate-

3 Das Problem der Ungewissheit wirtschaftlichen Handelns (vgl. Beckert 1996) ist für Weber kein
Leitthema. Gleichwohl finden sich auch bei Weber Zweifel, wie weit die rationale Kalkulierbar-
keit ökonomischer Entscheidungen reichen kann. Für ihn ist die rationale Kalkulation letztlich
ein „Grenzfall“ (Weber 1980, S. 13). Bereits Bonß (1991, S. 266) hat darauf hingewiesen, dass
auch für Weber rationale Kalkulation ohne den Glauben an die Berechenbarkeit, also ohne eine
kulturell überformte Erwartungshaltung, kaum denkbar ist. Vgl. vor allem auch die Befunde
der neoinstitutionalistischen Organisationsforschung (Meyer und Rowan 1977; DiMaggio und
Powell 1983), die gegen überzogene Rationalitätsunterstellungen sprechen.
38 K. Kraemer et al.

riale Rationalität“ der Haushaltsrechnung), sind die wirtschaftlichen Entscheidungen des


Erwerbsbetriebs an Rentabilitätskriterien orientiert („formale Rationalität“ der Kapital-
rechnung) (vgl. Kraemer 1997, S. 41 ff.).
Der moderne Kapitalismus ist drittens durch ein Strukturelement gekennzeichnet, das
für all seine Phasen und Spielarten konstitutiv ist: die formal freie Lohnarbeit, die von
Weber (1980, S. 439) ganz ähnlich wie bei Marx charakterisiert wird. Sie ist frei vom
Besitz an Produktionsmitteln und frei im Sinne der Vermarktung des eigenen Arbeits-
vermögens. Diese Lohnarbeit ist eine abhängige Arbeitsform, da die Lohnarbeitenden
mangels anderer Einkommensquellen auf längere Sicht wirtschaftlich dazu genötigt sind,
das eigene Arbeitsvermögen auf dem Arbeitsmarkt gegen Geldzahlungen anzubieten. Im
modernen Kapitalismus ist Lohnarbeit die alles dominierende Form der außerhäuslichen,
erwerbsorientierten Arbeitstätigkeit, von der die Reproduktions- und Konsumtionschan-
cen der allermeisten Privathaushalte unmittelbar abhängen.
Als viertes Strukturmerkmal sind „freie“ Güter- und Dienstleistungsmärkte anzu-
führen, auf denen nach orthodoxer ökonomischer Auffassung der Austausch nicht über
zentrale politisch-hierarchische Zuteilungsinstanzen erfolgt, sondern dezentral über
Preissignale gesteuert wird. Geldpreise sind jedoch „Kampf- und Kompromißprodukte,
also Erzeugnisse von Machtkonstellationen“ (ebd., S. 58). Auf Märkten ringen die Kon-
kurrenten mittels Preis- und Produktdiversifizierung, technischer Innovationen oder poli-
tischer Einflussnahme (z. B. Lobbying), um ökonomische Chancen in Marktnischen zu
erschließen oder zu behaupten – und das heißt: um den Wettbewerb zu gestalten und 
zu begrenzen (Beckert 2007, S. 55 f.). Und schließlich erfolgt fünftens der Tausch der pro-
duzierten Güter auf Märkten in der Form einer Ware. Karl Polanyi (1978) hat hierfür den
Begriff der Kommodifizierung geprägt. Mit der Kommodifizierung von Boden, Arbeit
und Gütern wird das ökonomische Handlungsfeld aus vormodernen sozialmoralischen
Ordnungen herausgelöst und damit eine strukturelle Voraussetzung dafür geschaffen,
dass in Marktbeziehungen letztlich nichts als Geldinteressen dominieren.4
Diese für den modernen Kapitalismus typischen Strukturprinzipien können hier nicht
genauer erörtert werden (vgl. Fulcher 2004; Ingham 2008). Für unsere Zwecke muss es
genügen, unter Rückgriff auf Weber (1980, S. 94 f.) auf weitere politisch-institutionelle
Rahmenbedingungen des modernen Kapitalismus hinzuweisen, in die die Strukturmerk-
male eingebettet sind und ohne die sie nicht funktionieren (vgl. Collins 1992). Hierzu
zählen eine berechenbare Rechts- und Verwaltungsordnung, die für alle Wirtschaftsak-
teure – jenseits von Stand und Klasse, Ethnizität und Gender – Rechtssicherheit schafft
und insbesondere die Vertrags- und Gewerbefreiheit garantiert. Auch muss eine staat-

4 Wirtschaftliche Beziehungen können als „entbettet“ im Sinne einer Ausbettung aus vormoder-
nen Sozialordnungen beschrieben werden. Gegenüber einer auch in der neueren Wirtschafts-
soziologie verbreiteten historisch-soziologisch undifferenzierten Verwendungsweise des
Einbettungskonzeptes von Granovetter (1985) hat Schwinn (2010, S. 206 ff.) den Vorschlag
gemacht, zwischen „fusionierter Einbettung“ in vormodernen Sozialordnungen (Einbettung
wirtschaftlicher Beziehungen in eine übergreifende sozialmoralische Ordnung) und „diskreter
Einbettung“ (Ausbettung aus vormoderner sozialmoralischer Ordnung und Wiedereinbettung in
den politisch-rechtlichen Ordnungsrahmen) in modernen Gesellschaften zu unterscheiden. Zur
diskreten Einbettung sind auch nicht-vertragliche Grundlagen des Vertrages (Durkheim) wie
Fairnessregeln zu fassen.
Kapitalismus und Gender 39

liche Ordnung des Geldwesens vorhanden sein, damit Geld die Funktion als Instrument
der betrieblichen Kapitalrechnung erfüllen kann. Der Staat nimmt Monopolfunktionen
auf den Gebieten der Gewaltanwendung, Steuereintreibung und Normsetzung ein und
ermöglicht dadurch überhaupt erst eine friedliche Konkurrenz um Marktchancen. Der
spezifisch okzidentale, rational disziplinierte Betriebskapitalismus konnte sich, wie
Weber hervorhebt, jedoch nur entfalten, da er sich – in seiner Entstehungsphase – auf
eine bestimmte Wirtschaftsgesinnung stützen konnte. Diese habe die Formen des rational
temperierten kapitalistischen Handelns getragen und kulturell legitimiert. Auf die kul-
turellen Grundlagen des modernen Kapitalismus wird in Abschn. 5 näher eingegangen.
Zuvor sind noch einige wichtige Veränderungen des modernen Kapitalismus im Verlauf
des 20. Jahrhunderts zu erwähnen, die nicht auf eine Relativierung seiner Strukturmuster
verweisen, sondern auf ihre Diffusion.
In den westlichen Gesellschaften, um ein besonders prominentes Beispiel in der
Geschichte des modernen Kapitalismus herauszugreifen (zum chinesischen Kapitalismus
vgl. ten Brink 2010), können in den letzten Jahrzehnten spezifische Transformationen
dieser Strukturmerkmale beobachtet werden. Sicherlich münden diese Transformationen
nicht in eine Anpassung nationaler Wirtschaftsordnungen an einen one best way der kapi-
talistischen Modernisierung ein. Gleichwohl sind einige Trends unübersehbar geworden,
die den Marktkräften erweiterte Entfaltungsmöglichkeiten bieten („Neoliberalismus“).
Zuallererst ist eine signifikante Machtverschiebung von der Produktionsökonomie zu
den Finanzmärkten zu konstatieren, deren Reichweite unter dem Begriff des „Finanz-
marktkapitalismus“ diskutiert wird (Windolf 2005; Kraemer und Nessel 2012). Auch
in der Arbeitswelt können tiefgreifende Veränderungen beobachtet werden. So wird in
der Prekarisierungsdebatte die Wiederkehr unsicherer Lohnarbeit analysiert (Castel und
Dörre 2009). Unter den Stichwörtern „Subjektivierung der Arbeit“ und „Arbeitskraft-
unternehmer“ wird in der Arbeitssoziologie ein erweiterter Zugriff der Unternehmen auf
die menschliche Arbeitskraft erörtert (Kleemann und Voß 2010). Diese Entwicklungen
gehen mit einer marktnäheren Reorganisation von Erwerbsbetrieben („Vermarktlichung“)
und dem Outsourcing betrieblicher Arbeitsfunktionen einher (Sauer 2010). In diesem
Zusammenhang sind weitere Entwicklungen anzuführen: das Überspringen marktlicher
Steuerungsinstrumente auf bislang marktferne Handlungsfelder (Schimank 2008), die
Erschließung bzw. „Landnahme“ (Dörre 2009) neuer Bedürfnisfelder für Warenproduk-
tion und Kapitalakkumulation, die Substitution der nicht-marktlichen Haushaltsproduk-
tion durch Marktprodukte (z. B. Convenience-Produkte) oder die Expansion privater
Eigentumsrechte auf immaterielle Objekte („intangible assets“).
Die grundlegenden sozioökonomischen und politisch-institutionellen Einrichtungen
des modernen Kapitalismus geben keinerlei Hinweise darauf, dass sie aus sich heraus
geschlechterdiskriminierende Merkmale aufweisen. Aus einer auf konkrete Gesellschafts-
ordnungen bezogenen Analyseperspektive kann man argumentieren, dass die skizzierten
Strukturelemente „prinzipiell“ genderneutral sind, zugleich aber in geschlechterdiskri-
minierende Ordnungen eingebettet sein können. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass
diese Institutionen für sich betrachtet geschlechterneutral „funktionieren“. Warum sollte
die mit der Durchsetzung der Geldwirtschaft einhergehende Etablierung des Geldes als
abstrakter und generalisierbarer Eigentumstitel (Georg Simmel) geschlechterdiskrimi-
nierend wirken? Oder die betriebsökonomische Steuerung nach Prinzipien der forma-
40 K. Kraemer et al.

len Rationalität? Ganz im Gegenteil: Die „diskrete Einbettung“ (Schwinn 2010) des
Marktgeschehens in moderne politisch-normative Institutionen ermöglicht Vertrags- und
Tauschfreiheit, die für Frauen wie Männer gleichermaßen gültig sind. Die formale Ratio-
nalität des Betriebskapitalismus abstrahiert von Geschlechterdifferenzen. Hierbei ist es
unerheblich, ob man im Sinne einer engen Interpretation Webers unterstellt, dass for-
male Rationalitätskriterien faktische Entscheidungen in Unternehmen steuern oder dass
diese im Sinne einer weiten Interpretation lediglich als Glaubensbekenntnisse – im Sinne
eines Rationalitätsmythos – wirken. In jedem Falle gilt: Formale Rationalität steht als
Handlungspraxis wie auch als Glaube quer zu allen Unterscheidungen, die entlang der
Gender-Kategorie verlaufen. Die These von den genderneutralen Strukturelementen des
modernen Kapitalismus ist auch in der feministischen Soziologie anzutreffen: „Für die
Kapitalverwertung macht es keinen Unterschied, ob Männer oder Frauen Erwerbsarbeit
ausüben, so lange die Arbeit optimal erfüllt wird.“ (Beer 2008, S. 62) Hieran anschließend
ist zu fragen: Warum sollte der moderne Kapitalismus nicht auch dann „funktionieren“,
wenn die Geschlechterverhältnisse eine gänzlich andere Form annehmen würden; etwa
in dem Sinne, dass Frauen in die Dominanzrolle von Männern schlüpfen oder Frauen und
Männer über strukturell gleiche Marktchancen verfügen? Kurzum, vieles spricht dafür,
dass der moderne Kapitalismus gegenüber anderen sozialen Ordnungsmodellen offen ist,
die das Verhältnis der Geschlechter untereinander betreffen. Aus seinen Strukturelemen-
ten kann jedenfalls keine Vorentscheidung zugunsten patriarchalischer oder matriarchali-
scher Vergesellschaftungsformen abgelesen werden. Ganz im Gegenteil ist anzunehmen,
dass mit einem wachsenden „Ökonomisierungsdruck“ (Schimank 2008, S. 233) die Kate-
gorie Gender an gesellschaftlicher Strukturierungsrelevanz einbüßen wird. Im Folgenden
ist zu prüfen, inwiefern nicht nur auf der strukturellen, sondern auch auf der kulturellen
Ebene eine prinzipielle Offenheit des modernen Kapitalismus festzustellen ist.

5  Kulturelle Merkmale des modernen Kapitalismus

Die Strukturmerkmale des modernen Kapitalismus sind in eine spezifische normative


Ordnung eingebettet, die durch kulturelle Leitbilder und spezifische Handlungsdisposi-
tionen getragen wird. Als Kernelemente der Leitbilder sind zunächst die individuelle
Freiheit und die formelle Gleichheit zu nennen. Im Gegensatz zu vormodernen persön-
lichen Abhängigkeitsverhältnissen und ständischen Privilegien sind kapitalistische Wirt-
schaftsordnungen durch formelle Tausch- und Vertragsfreiheit gekennzeichnet (Berger
2009). Die Verfügung über Geld ermöglicht prinzipiell allen Gesellschaftsmitgliedern
nicht nur einen Zugriff auf Reichtumsgüter, sondern auch die Ablösung aus persönlichen
und sachlichen Bindungen (Simmel 1989, S. 373 ff.).
Formelle Freiheit und Gleichheit begründen die Legitimation des Verteilungs- und
Allokationsmodus des Kapitalismus. Im Gegensatz zur Feudalordnung ist die Zuweisung
von Einkommen und Sozialstatus nicht mit Verweis auf angeborene oder sozial zuge-
wiesene Privilegien zu legitimieren: Ungleichheit wird allein mit dem meritokratischen
Prinzip der „Leistung“ begründet, wobei unerheblich ist, ob dieses Prinzip tatsächlich
ungleiche Chancenverteilungen strukturiert oder ob an seine Gültigkeit lediglich kollek-
tiv geglaubt wird (Neckel und Dröge 2002). Individuelle Freiheit und die Zuweisung von
Kapitalismus und Gender 41

Gütern nach Leistung sind konstitutiv für das epochenübergreifende Wohlstands-, Effi-
zienz- und Gerechtigkeitsversprechen des Kapitalismus. Wird die Allokation knapper und
begehrter Güter über preisgesteuerte Märkte organisiert, führe dies, so gemeinwohlorien-
tierte Rechtfertigungen des Kapitalismus (Hirschman 1980), zur optimalen Verwendung
von Ressourcen und zu größtmöglicher Gerechtigkeit und Wohlstand. Der Kapitalismus
baut auf kulturellen Leitbildern auf, deren zufolge allein die Zahlungsbereitschaft und
Zahlungsfähigkeit der Akteure über die Verteilung von Chancen entscheiden.
Um den Kapitalismus dauerhaft zu legitimieren, müssen die kulturellen Leitbilder auf
korrespondierende Handlungsdispositionen treffen. Weber (1988) hat mit der rational
temperierten Erwerbsgesinnung ein konstitutives Merkmal der kapitalistischen Kultur
auf der Handlungs- und Motivationsebene verortet. An Webers Untersuchung der kul-
turell-normativen Grundlagen des Kapitalismus schließen auch Luc Boltanski und Ève
Chiapello (2003) mit der Studie Der neue Geist des Kapitalismus an. Der moderne Kapi-
talismus bedürfe, so das Argument, auch nach „Absterben seines religiösen Fundaments“
(Weber) einer normativen Rechtfertigung. Anders als Weber verweisen Boltanski und
Chiapello darauf, dass die kapitalistischen Handlungsdispositionen durch historisch wan-
delbare kulturelle Leitbilder immer wieder neu evoziert und legitimiert werden müssen.
Sie zeigen, dass neue Leitbilder („Projektpolis“) und selbst Kapitalismuskritik („Künst-
lerkritik“) wichtige motivationale Ressourcen sind, um die Legitimationsgrundlagen des
Kapitalismus zu revitalisieren. Gleichwohl unterschätzen Boltanski und Chiapello – wie
bereits schon Weber – die Bedeutung des Geldes und die damit verbundenen Verheißun-
gen (vgl. Deutschmann 2008, S. 86 ff.). Die Stellung der Einzelnen in der Erwerbssphäre
ist weiterhin der zentrale Modus zur Zuteilung von Anerkennung und konstitutiv für die
Subjektkonstitution (Kraemer 1997, S. 246 ff.). Die Verfügung über Geld ermöglicht die
Realisierung von Zielen, die weit mehr umfassen als eine Orientierung an materiellen
Interessen. Das spezifische Versprechen der durch Erwerbsarbeit erwirtschafteten Geld-
summe besteht gerade darin, dieses – in den Grenzen der verfügbaren Kaufkraft – belie-
big für materielle wie nicht-materielle Zwecke zu verwenden, also potenziell alles kaufen
zu können, um ökonomische wie nicht-ökonomische (wertrationale, affektiv-emotionale,
traditionale) Bedürfnisse zu realisieren. Der „rationale Erwerb“ ist in der Privatsphäre
Vehikel der nicht-materiellen Sinnstiftung, während der Nichtbesitz von Geld mit dem
Ausschluss von diesen Möglichkeiten verbunden ist. Auch ist mit dem Geldbesitz prin-
zipiell die Möglichkeit zum Zugang vormals verschlossener Lebenswelten möglich, die
zumindest die Hoffnung auf eine Relativierung kultureller Unterschiede bereitstellt. Die
„Verheißung von absolutem Reichtum“ (Deutschmann 2008) und individueller Freiheit
ist mit wandelbaren kulturellen Leitbildern in verschiedenen kapitalistischen Epochen
vereinbar.
Die übergeordneten kulturellen Rahmungen des Kapitalismus verweisen auf ein uni-
versalistisches Gleichheitsideal, das mit partikularen und direkten Ausschließungen nor-
mativ unvereinbar ist (Nickel 2009). Ungleiche Chancenverteilungen nach askriptiven
Merkmalen stehen quer zu Freiheits- und Gleichheits-, Effizienz- und Leistungsnor-
men. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass normative Vorgaben zur
rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau an Bedeutung gewonnen haben und die
Ungleichheitskategorie Gender zunehmend institutionell delegitimieren (Heintz 2008).
42 K. Kraemer et al.

Dieser Wandel kultureller Selbstverständlichkeiten ist am Beispiel des Übergangs vom


Fordismus und Postfordismus kurz zu illustrieren.
Die generalisierten kulturellen Leitbilder und Handlungsdispositionen nehmen in
unterschiedlichen kapitalistischen Epochen eine spezifische Gestalt an. So war das bis
in die 1970er Jahre vorherrschende Produktionsmodell des Fordismus dadurch gekenn-
zeichnet, dass mit dem Normalarbeitsverhältnis und diversen sozial-, familien- und steuer-
politischen Regulierungen eine klare Zuweisung von Reproduktionsarbeit an Frauen
(„Hausfrau“) im Rahmen eines „starken Ernährermodells“ verbunden war (Aulenbacher
und Riegraf 2009). Der Fordismus wurde zudem an eine politische Ideologie der sozialen
Gerechtigkeit rückgebunden. Diese ist gekennzeichnet durch einen sozialpartnerschaft-
lichen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit, die soziale Abfederung von (männlichen)
Lohnarbeitsrisiken, staatliche Wohlfahrtsversprechen („Teilhabe durch Erwerbsarbeit“,
„Aufstieg durch Bildung“), eine Inklusion breiter Bevölkerungsschichten durch Massen-
konsum (Lutz 1984), aber auch durch eine Konservierung ungleicher Chancen zwischen
den Geschlechtern.
Spätestens seit den 1980er Jahren hat der Postfordismus eine neue kapitalistische Phase
eingeläutet, in der sich die vormaligen kulturellen Leitbilder und Handlungsdispositionen
verändern. Die „Subjektivierung von Arbeit“ (Moldaschl und Voß 2002), der „flexible
Mensch“ (Sennett 1998) oder die Diskussion um „Selbstorganisation und Selbstrationali-
sierung“ (Nickel 2009) verweisen auf eine Verschiebung normativer Ordnungen. Einge-
rahmt werden die neuen betrieblichen Organisations- und Dispositionsanforderungen in
einen neoliberalen Legitimationsdiskurs, der auf Eigenverantwortung setzt und zugleich
den Abbau wohlfahrtsstaatlicher Leistungen einklagt. Im Postfordismus wird „die Kohä-
sion der Trias aus Normalarbeitsverhältnis, Kleinfamilie und Wohlfahrtsstaat nachhaltig
destabilisiert“ (Aulenbacher und Riegraf 2009, S. 238 ff.). Die sich wandelnden kulturel-
len Leitbilder, die u. a. in neuen normativen Ordnungsmodellen von Wohlfahrtsstaatlich-
keit wie „Employability“ und „Aktivierung“ zum Ausdruck kommen (Lessenich 2008),
lassen auch die Geschlechteranforderungen nicht unberührt. Als normativer Leitrahmen
gilt im Postfordismus, dass Frauen wie Männer gleichermaßen für ihre Existenzbedin-
gungen sorgen müssen (Nickel 2009). Während institutionell Geschlecht an Bedeutung
verliert, werde diese Kategorie jedoch gleichzeitig dadurch bedeutsamer, so das Argu-
ment einiger Autorinnen, dass vermehrt „zwei Lohnbezüge unter Beibehaltung tradi-
tioneller geschlechtlicher Zuweisungen von unbezahlter Reproduktionsarbeit“ realisiert
würden (ebd., S. 250). Die Übernahme von Arbeit in Haushalt und Familie durch Frauen
ist für den Fortbestand kapitalistischer Wirtschaftsordnungen jedoch nicht zwingend, ja
gerade unvereinbar mit dessen zugespitzter Verwertungslogik im Postfordismus. Gender-
spezifische Rollenzuweisungen liegen weder in den normativen Anforderungen der post-
fordistischen Legitimationsstruktur noch in den veränderten Erfordernissen des damit
korrespondierenden „Geistes“ begründet. Vielmehr zeigt sich im Postfordismus, dass die
neuen, widersprüchlichen Anforderungen an die Akteure auch neue Geschlechterarran-
gements in Familie und Beruf erfordern. Unter diesem Gesichtspunkt ist es nicht ver-
wunderlich, dass verstärkt differenzierte Geschlechterarrangements den Postfordismus
kennzeichnen (Winker 2007, S. 39 ff.). So kann z. B. das strikte Festhalten an traditionel-
len Rollenanforderungen dysfunktional werden, wenn dadurch die Erwerbsfähigkeit von
Frauen trotz ökonomischer Prekarisierung des Haushalts eingeschränkt wird oder Män-
Kapitalismus und Gender 43

ner Reproduktionsarbeit trotz Erwerbslosigkeit verweigern. Gerade im Postfordismus


zeigt sich die kulturelle Wandelbarkeit der normativen Ordnung kapitalistischer Wirt-
schaftsordnungen derart, dass eine „neue Männlichkeit“ (Zulehner 2004) und das Bild
der Unternehmerin (Bührmann und Hansen 2006) in manchen sozialen Milieus zuneh-
mend relevant für die legitime Erwerbs- und Familienorientierung werden.

6  Spielarten des Kapitalismus und Geschlechterungleichheit

Für die Zeit des Fordismus kann eine eindeutige Dominanz des männlichen Ernäh-
rermodells festgestellt werden. Blicken wir in die Gegenwart, so haben sich zum Teil
neue Geschlechterarrangements etabliert. Dieser Begriff bezieht sich einerseits auf die
Geschlechterkulturen (vgl. Abschn. 5) und andererseits auf das Geschlechtersystem, das
alle relevanten Institutionen einer gesellschaftlichen Ordnung umfasst (vgl. Pfau-Effinger
2001, S. 492). Neben der Durchsetzung neuer kultureller Leitbilder über das Zusammen-
leben von Männern und Frauen beeinflussen also auch institutionelle Bedingungen den
Wandel tradierter Geschlechterarrangements. Ob es etwa zu einer Modernisierung der
männlichen Versorgerehe oder zur Durchsetzung eines Doppelversorgermodells kommt
oder ob sich Familienernährerinnenmodelle ausbreiten, hängt wesentlich von der Ver-
teilung von Erwerbschancen auf dem Arbeitsmarkt ab. Weder Geschlechter- noch Kapi-
talismusforschung haben bislang den Wechselbeziehungen zwischen Spielarten des
Kapitalismus und Geschlechterungleichheiten ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt.
Festzustellen ist, dass „gender scholars downplay the economy in political economy, but
political economists downplay gender’s structuring role, and gloss over the gendered sta-
kes both in politics and in economic choices“ (McCall und Orloff 2005, S. 160).
Da es „den“ Kapitalismus nicht gibt, ist der sogenannte Varieties-of-Capitalism-Ansatz
(VoC) (Hall und Soskice 2001; kritisch vgl. Jackson und Deeg 2006) ein möglicher Aus-
gangspunkt für eine intersektionale Analyse. In dieser Denktradition werden nationale
Differenzen der Unternehmenskontrolle und der Ausgestaltung industrieller Beziehun-
gen, der Beschäftigungsordnungen und des Aus- und Weiterbildungssystems sowie der
Finanzierungsmodi von Unternehmensaktivitäten theoretisch reflektiert und empirisch
untersucht. Für all diese Bereiche zeigt sich, dass nationale Ökonomien eher dazu tendie-
ren, ökonomisches Handeln durch Wettbewerbsmechanismen ( liberal market economies,
LMEs) oder durch koordinierende Institutionen ( coordinated market economies, CMEs)
zu regulieren. Unterschiede in der Ausgestaltung der Beschäftigungs- und Ausbildungs-
systeme sind für das Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ besonders relevant.
Arbeitsmarktinstitutionen in LMEs (z. B. USA) sind auf hohe Fluktuationsraten zwi-
schen Unternehmen ausgerichtet. Im Rahmen innerbetrieblicher Aus- und Weiterbildung
werden in der Regel allgemeine Fähigkeiten vermittelt. Auch die dominierenden schulisch
orientierten Ausbildungssysteme zielen auf general skills ab, die durch Erwerbsunter-
brechungen und Betriebswechsel kaum entwertet werden. In koordinierten Marktwirt-
schaften (z. B. Deutschland und Österreich) investieren Unternehmen hingegen mittels
spezifischer Bildungsmaßnahmen ( specific skills) in ihre Beschäftigten. Arbeitnehmer
eignen sich so unternehmensspezifische Fähigkeiten an, von denen sich die Unternehmen
auf lange Frist einen Gewinn erwarten. Im Regelfall werden Beschäftigte zumindest so
44 K. Kraemer et al.

lange an ein Unternehmen gebunden, bis sich die Bildungsinvestition amortisiert hat.
Zudem sind in zahlreichen CMEs wie etwa Deutschland, Österreich, Schweiz und Däne-
mark duale Ausbildungen weitverbreitet, die in Berufsschulen und in Betrieben ange-
siedelt sind. Diese qualifizierenden Berufsausbildungen sind fachspezifisch ausgerichtet
und begünstigen Personen mit kontinuierlichen Erwerbsbiografien. Weitere Unterschiede
sind hinsichtlich der Arbeitsbedingungen festzustellen. In LMEs sind der Kündigungs-
schutz gering und Tarifsysteme stark dezentralisiert. CMEs zeichnen sich hingegen durch
korporatistische Verhandlungssysteme, Kollektivverträge, Beschäftigungsschutz und
Mitbestimmungsrechte aus.
Margarita Estévez-Abe (2005, 2006) hat aufgezeigt, dass derart unterschiedliche
Beschäftigungssysteme Einfluss auf horizontale und vertikale Geschlechtersegregationen
am Arbeitsmarkt nehmen, d. h. Frauen mehr oder weniger diskriminieren. Sie geht davon
aus, dass vor allem in CMEs Arbeitsmarktrisiken ungleich auf die Geschlechter verteilt
werden und Frauen aufgrund von Babypausen von einer spezifischen Bildung geringer
profitieren als Männer. Häufigere Erwerbsunterbrechungen bei Frauen führen dazu, dass
sektor- und betriebsspezifische Qualifikationen entwertet werden. Zudem sind Unterneh-
men mit dem Problem konfrontiert, dass aufgrund des hohen Bildungsgrades für zeitweilig
ausscheidende Beschäftigte nur schwer Ersatz über den externen Arbeitsmarkt rekrutiert
werden kann. Dass derartige Interessenkonstellationen zu einer Benachteiligung von
Frauen am Arbeitsmarkt führen, ist vor allem unter den Bedingungen eines ausgeprägten 
Kündigungsschutzes – wie er vor allem in CMEs anzutreffen ist – wahrscheinlich. Die
empirischen Studien von Estévez-Abe zeigen, dass geschlechtsspezifische vertikale und
horizontale Arbeitsmarktsegregationen derart stark mit der VoC-Typologie korrespondie-
ren, dass ein Zusammenhang von Kapitalismusvarianten und Geschlechtergerechtigkeit
am Arbeitsmarkt postuliert werden kann. Untersucht man auf der Basis von OECD-Daten
den Zusammenhang der Dauer innerbetrieblicher Ausbildungsgänge („enterprise tenure
of 20 or more years“) mit dem Anteil an Frauen im Management, so zeichnet sich ein
klares Muster ab (vgl. Estévez-Abe 2005, S. 202): Die USA, Kanada und Australien
erweisen sich als LMEs mit kurzen Bewährungszeiten in einem Unternehmen und hohem
Frauenanteil im Management. Österreich, Luxemburg und Deutschland bilden hingegen
einen Cluster von CMEs mit langen Bewährungszeiten in einem Unternehmen und nied-
rigem Frauenanteil im Management. Hier kommt ein Muster zum Vorschein, das auch in
zahlreichen anderen Arbeitsmarktstudien beobachtet wurde: Die Frauenerwerbstätigkeit
ist umso höher, je weniger ein Beruf auf eine spezifische Ausbildung festgelegt ist (All-
mendinger 2010, S. 73).
Ein ähnliches Muster der Unterrepräsentation von Frauen in ausgewählten Industrie-
zweigen konnte mittels Regressionsmodell (Estévez-Abe 2006, S. 160) nachgewiesen
werden: Die Bedeutung von Berufsschulen in einem Land erweist sich als aussagekräfti- 
ger als der Kündigungsschutz, die Verbreitung traditioneller Geschlechterstereotype, der
Grad an Frauenerwerbstätigkeit im Allgemeinen und die gesetzliche Regelung der Eltern-
zeit. Eine international vergleichende Studie (Iversen und Rosenbluth 2006) über die Aus-
gestaltung von Haushaltsarbeit stützt den Befund von stärkeren geschlechtsspezifischen
Disparitäten in CMEs. Es lässt sich anhand von Umfragedaten des International Social
Survey-Programms nachweisen, dass Tätigkeiten wie Putzen und Kochen umso symmet-
rischer auf Männer und Frauen aufgeteilt werden, je allgemeiner die Anforderungsprofile
Kapitalismus und Gender 45

für Frauen auf dem Arbeitsmarkt sind. Dieser Zusammenhang ist nicht mehr erkennbar,
wenn die Größe des jeweiligen öffentlichen Sektors berücksichtigt wird. Die Autorinnen
begründen dies mit hohen Erwerbsquoten von Frauen in diesem Arbeitsmarktsegment
(„the state steps in to provide jobs“, ebd., S. 10).
Aus der Perspektive der Ungleichheitsforschung muss der Befund über stärkere
Geschlechterungleichheiten in CMEs zumindest in dreierlei Hinsicht relativiert werden.
Erstens ist die Analyse um Klassenaspekte zu erweitern. Ob Frauen von der jeweiligen
Ausgestaltung des Arbeitsmarktes profitieren können, hängt ganz wesentlich von ihrer
Klassenzugehörigkeit ab. Hoch qualifizierte Frauen mit Kindern werden in koordinierten
Marktwirtschaften im Falle von Babypausen stärker benachteiligt, da ihr Ausfall mit rela-
tiv hohen Kosten in einem für seine Spezifität der Berufsausbildung bekannten Produk-
tionsregime einhergeht (vgl. Mandel und Shalev 2009). Frauen aus den unteren sozialen
Lagen sind im Falle von familiär bedingten Karriereunterbrechungen in CMEs hingegen
generell besser gestellt als in LMEs, da der stärkere Wohlfahrtsstaat die mangelnde Ver-
einbarkeit von Familie und Beruf besser kompensiert. Darüber hinaus erweisen sich
starke Wohlfahrtsstaaten effektiver in der Bekämpfung von Geschlechterungleichheit,
„denn sie minimieren über geringere Lohnspreizung nicht nur Klasseneffekte, sondern
gewährleisten zugleich allen Frauen einen kostengünstigen Zugang zu sozialen Dienst-
leistungen“ (Gottschall 2009, S. 129).
Zweitens ist die Dualität von „specific“ und „general skill systems“ nur eine von vielen
Unterscheidungen, die für Erklärungen von Länderunterschieden in der geschlechtsspezi-
fischen Arbeitsmarktsegregation notwendig sind. Eine weitere, nicht zu vernachlässigende
Ausgangsbedingung ist die Größe des jeweiligen Dienstleistungssektors. In diesen bilden
sich „pink collar ghettos“ (Charles 2005), in denen Frauen zumeist in Form von Teil-
zeitbeschäftigungen mit begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten unterkommen. Erst wenn die
verschiedenen nationalen Pfade berücksichtigt werden, kann etwas über die Bedeutung
von Beschäftigungssystemen für die Arbeitsmarktchancen von Frauen gesagt werden.
Von geschlechtergerechteren LMEs wird nicht gesprochen werden können, wenn höhere
Frauenerwerbsquoten in diesen Ländern auf ein großes Ausmaß an (Teil-)Beschäftigun-
gen in schlecht entlohnten Dienstleistungsberufen mit geringen Aufstiegs- und Qualifika-
tionschancen zurückzuführen sind. Und drittens ist die VoC-Literatur gänzlich blind für
den Einfluss sozialpolitischer Kontexte auf die Frauenerwerbstätigkeit. Um nur ein Bei-
spiel zu nennen: Kinderbetreuungsangebote erweisen sich als zentral für die Vereinbar-
keit von Familie und Beruf. Ein Krippenangebot erhöht selbst die Erwerbsquoten jener
Frauen in mittleren sozialen Lagen, für die ein selbstständiges Einkommen kein Muss ist
(vgl. Stadelmann-Steffen 2007). Auch angesichts dieser Einschränkungen wird man den-
noch zu dem Schluss kommen müssen, dass Geschlechterarrangements von bestimmten
institutionellen Varianten des Kapitalismus abhängen. Aufgabe zukünftiger Intersektio-
nalitätsforschung sollte es sein, nicht nur diese Varianten systematisch in Beziehung mit
Geschlechtsungleichheiten zu setzen, sondern auch die Wechselverhältnisse im Viereck
„Kapitalismus, Wohlfahrtsstaat, Geschlecht, Klasse“ eingehender zu untersuchen.
46 K. Kraemer et al.

7  Fazit

In diesem Beitrag wurden zentrale Strukturmuster, kulturelle Leitbilder und Instituti-


onen des modernen Kapitalismus beleuchtet. Hierbei wurde die Frage in den Mittelpunkt
gerückt, inwiefern ungleiche Geschlechterverhältnisse konstitutiv für dieses Wirtschafts-
modell sind. Die Diskussion der sozioökonomischen (Abschn. 4) und kulturellen Grund-
lagen (Abschn. 5) brachte zum Vorschein, dass kapitalistische Wirtschaftsordnungen
grundsätzlich als geschlechterneutral einzuschätzen und gerade deswegen gegenüber
unterschiedlichen geschlechtlichen Ordnungs- bzw. Herrschaftsmodellen offen sind. Die
Analyse unterschiedlicher Spielarten kapitalistischer Wirtschaftsordnungen (Abschn. 6)
konnte zudem zeigen, dass konkrete institutionelle Arrangements Geschlechterungleich-
heiten begünstigen und reproduzieren können. Geschlechterhierarchien müssen jedoch
nicht elementarer Bestandteil kapitalistischer Wirtschaftsordnungen sein.
Die These, dass kapitalistische Wirtschaftsordnungen nicht notwendigerweise mit
strukturell ungleichen Geschlechterordnungen einhergehen, steht im Kontrast zum Kon-
zept des „patriarchalen Kapitalismus“, das unterstellt, der Kategorie Geschlecht komme
auch heute noch eine strukturierende Bedeutung für die kapitalistische Produktions- und
Reproduktionsweise zu. Zweifelsohne wurde die Herausbildung des modernen Kapita-
lismus historisch ganz wesentlich durch manifeste patriarchale Strukturen (Abschn. 3)
begünstigt. Auch ist die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Phase seiner
Konsolidierung im Verlauf des 20. Jahrhunderts durch sekundärpatriarchalische Struk-
turen in Arbeitswelt und Familie verfestigt worden. Aus der Persistenz sozial ungleicher
Geschlechterverhältnisse kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass kapitalistische Wirt-
schaftsordnungen eine bestimmte Form der geschlechtlichen Arbeitsteilung präjudizieren
würden. So werden mit den neuen Ordnungsvorstellungen „Flexibilisierung“, „Deregu-
lierung“ und „Vermarktlichung“ sekundärpatriarchalische Leitbilder in Arbeitswelt und
Familie delegitimiert, die Frauen diskriminieren. Wir gehen davon aus, dass Forderungen
nach mehr Geschlechtergerechtigkeit gut vereinbar mit kapitalistischen Wirtschaftsord-
nungen sind, die, wie gezeigt, gegenüber kulturellen Wandlungsprozessen offen sind.
Dies zeigt sich in der zunächst äußerst zähen, inzwischen voranschreitenden Inklusion
von Frauen in Unternehmen und auf Märkten. Exemplarisch sind zu nennen: die – je
nach institutioneller Verfassung unterschiedliche – Arbeitsmarktintegration von Frauen
oder die Rationalisierung und Vermarktlichung der Haushaltsproduktion, indem unbe-
zahlte Hausarbeit durch den Kauf von Marktprodukten und Marktdienstleistungen subs-
tituiert wird. Auch ist die Ausweitung von kommerziellen, öffentlichen und betrieblichen
Angeboten der Kinderbetreuung anzuführen sowie die Vermarktlichung von familialer
Bildungsarbeit durch Bildungsangebote (z. B. professionelle Nachhilfe), die Ausbreitung
neuer unternehmerischer Leitbilder („neue Unternehmerinnen“) oder die Ausdifferenzie-
rung von Märkten für Konsumentinnen. In diesem Zusammenhang ist auch eine „Femi-
nisierung“ der Beschäftigungsverhältnisse von Männern zu beobachten (Brinkmann et
al. 2006, S. 78 ff.), die sich in einer Angleichung der sozialen Standards von Erwerbs-
arbeit an die für viele Frauen in prekären Erwerbslagen immer schon typischen zeigt.
Die Inklusion von Frauen in Arbeits- und Konsummärkte weist darauf hin, dass kapita-
listische Wirtschaftsordnungen nicht an eine spezifische geschlechtliche Arbeitsteilung
gebunden sind. Auffallend ist gleichwohl, dass diese Inklusion nicht die Benachteiligung
Kapitalismus und Gender 47

von Frauen aufgehoben hat, sondern ganz im Gegenteil zu einer institutionellen Transfor-
mation von Benachteiligungen führt. Zu nennen sind geringere Berufseinstiegschancen,
höhere Entlassungsrisiken, längere Erwerbsunterbrechungen sowie kumulative Diskri-
minierungen von Frauen in der Arbeitswelt. Die Inklusion von Frauen in das Beschäf-
tigungssystem ist stark durch berufliche Segregation geprägt. Auch profitieren Frauen
nicht unterschiedslos von den neuen Beschäftigungschancen. Man kann vielmehr von
einer selektiven Emanzipation sprechen, die klassenstrukturelle Züge trägt. Grob sche-
matisierend kann man zusammenfassen: Auf der einen Seite stehen gering qualifizierte
Frauen in prekären Lebenslagen. Auf der anderen Seite stehen erwerbstätige Frauen mit
überdurchschnittlicher Bildung und reduzierter Doppelbelastung, soweit es ihnen gelingt,
einen Teil der unbezahlten Hausarbeit ( make) durch Marktprodukte oder Marktdienst-
leistungen ( buy) zu substituieren. Die Substitution von haushaltsnahen Dienstleistungen
wird auch auf gering bezahlte migrantische Arbeiterinnen mit unsicherem legalem Status
ausgelagert (Lutz 2007). Damit ist eine weitere Differenzierung der Gruppe der Frauen
nicht nur nach Klasse, sondern auch nach Ethnie verbunden. Doch auch hier gilt, dass
die Auslagerung von Dienstleistungen auf andere Frauen im Rahmen eines „doing gen-
der“ nicht zwingend mit geschlechtlichen Typisierungen einhergehen muss. Auch tritt
mit der Schaffung eines legalen Marktes für Haushaltsdienstleistungen die Kategorie
Ethnie tendenziell hinter klassenspezifisch verteilte Erwerbschancen zurück. Wie diese
neuen Ungleichheiten im Spannungsfeld von Klasse und Gender im Einzelnen ausfallen,
kann man nur analysieren, wenn die jeweils gültigen institutionellen Settings berücksich-
tigt werden. Die sich daraus ergebenden ungleichen Geschlechterverhältnisse verweisen
jedoch nicht auf strukturelle oder kulturelle Besonderheiten des modernen Kapitalismus,
sondern sind Ausdruck der sozialen Kräfteverhältnisse in der Macht- und Chancenver-
teilung zwischen den Geschlechtern in unterschiedlichen Klassenlagen.

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Philipp Korom, geb. 1983. MMag. Dr. (Doktorat aus Soziologie, Magisterium aus Psychologie
und Soziologie). Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsfirma SPECTRO gem. Gesell-
schaft für wissenschaftliche Forschung GmbH/Graz, zeitgleich Lektor am Institut für Soziologie
der Universität Graz. Forschungsschwerpunkte: Elitensoziologie, Wirtschaftssoziologie, Soziale
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in: N. Bijleveld, H. Schijf und J. Dronkers (Hrsg.), Nobility in Europe during the 20th century:
Memories, loyalities and advantages in context. Groningen Studies in Cultural Change, 2012 (i.E.);
Öffentliche Intellektuelle in der österreichischen Presse. Eine empirische Validierung soziologi-
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Schmidt-Wellenburg (Hrsg.), Feldanalyse als Forschungsprogramm, Bd. 2, 2012; e-learning als
Instrument zur Vermittlung von Fach- und Schlüsselkompetenzen. Didaktische Überlegungen
zu Lehrinnovation, Berufsbefähigung und soziologischem Wissen, in: K. Späte (Hrsg.), Kompe-
tenzorientiert Soziologie lehren. Dimensionen, Methoden, Perspektiven, 2011; (mit K. Kraemer)
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