Sie sind auf Seite 1von 22

Kommunikation

SW 03 Ebenen der Kommunikation und deren Gestaltung


Der mit Abstand grösste Teil der Kommunikation läuft nicht über sprachliche Inhalte, sondern
findet para- und nonverbal statt. «Paraverbal» bezeichnet die Ebene, die zwar mit der
Sprache zusammenhängt, sich aber nicht auf den sprachlichen Inhalt bezieht. «Nonverbal»
bezeichnet den Teil der Kommunikation, der gar nicht mit sprachlichen Äusserungen
zusammenhängt, sondern sich anderweitig abspielt.
Auf der paraverbalen Ebene werden sprachliche Elemente mit denjenigen
Gestaltungsmöglichkeiten verbunden, die für die mündliche Rede typisch sind:
Stimmführung, Betonung, Sprechgeschwindigkeit, Pausen etc. Paraverbale Elemente
können nur in direkter Verbindung mit verbalen Elementen eingesetzt werden. Der Einsatz
paraverbaler Mittel entscheidet häufig über Erfolg oder Misserfolg einer Rede. Wer
beispielsweise zu schnell spricht, läuft Gefahr, nicht verstanden zu werden, selbst wenn der
Vortrag inhaltlich tadellos ist. Bei der paraverbalen Gestaltung der mündlichen Rede geht es
um den gezielten Einsatz der Stimme während des Vortrags. Gestaltendes Vortragen soll an
die Stelle des laienhaften Wort-für-Wort-Lesens treten.
Mit der nonverbalen Ebene ist u. a. der Bereich der Körpersprache gemeint: Einsatz von
Gestik und Mimik, Körperhaltung, Augenkontakt und äusseres Auftreten insgesamt.
Nonverbale Kommunikationsmittel können auch unabhängig von der Sprache eingesetzt
werden. In einigen Fachtexten werden diese Elemente deshalb auch als extraverbal
bezeichnet.
Auch wenn ein sehr grosser Teil der Kommunikation über para- und nonverbale Inhalte läuft,
darf die dritte Ebene der Kommunikation, die verbale Ebene, selbstverständlich nicht
unterschätzt werden. Die verbale Ebene beinhaltet den Satzbau, die Wortwahl, die
Sprachnormen, die Textlogik und die Sprache/den Dialekt. Je nach Kommunikationssituation
muss der sprachliche Stil (Satzbau und Wortwahl) dem Adressaten angepasst werden. Vor
allem publikumswirksame Formulierungen helfen dabei, Reden zuhörerwirksam zu gestalten.

Kongruenz der drei Ebenen


Menschliche Kommunikation geschieht also auf drei Ebenen der Informationsverarbeitung
und -vermittlung: der verbalen, der paraverbalen und der nonverbalen Ebene. Diese
Kommunikationsweisen bedingen und ergänzen sich gegenseitig. Deshalb ist es wichtig,
dass Gesagtes und Gelebtes, also verbal, para- und nonverbal Geäussertes, in Einklang
gebracht werden (Kongruenz).
Warum muss man sich bei mündlichen Auftritten der Wechselwirkung dieser drei Ebenen
besonders bewusst sein und sie gezielt nutzen? Wenn ich beispielsweise auf der verbalen

Seite 1
Ebene Zustimmung ausdrücken will, mich dabei aber körperlich verschlossen und mimisch
skeptisch zeige, dann wirke ich nicht kongruent und damit unglaubwürdig. Glaubwürdig wirke
ich erst dann, wenn ich eine offene Gestik und positive Mimik an den Tag lege, wenn also
alle drei Ebenen übereinstimmen.
Beim Sprechen vor Publikum geht es in ähnlicher Weise darum, das Gesagte durch Signale
para- und nonverbaler Natur zu beglaubigen und zu verstärken. Umgekehrt erhalten die
para- und nonverbalen Signale erst durch den sprachlichen Kommentar ihren genauen Sinn.
Die Wechselwirkung der drei Ebenen schafft Synergien, die, wenn sie gezielt (kongruent)
genutzt werden, den Auftritt vor Publikum besonders wirkungsvoll machen.

Auftrittskompetenz – digital und analog


Reden lernt man durch Reden. (Cicero)
Wer kongruent und überzeugend vor anderen reden möchte, braucht vor allem eines:
Übung. Durch das Üben erkennt man seine individuellen Stärken, aber auch Schwächen wie
zu schnelles Sprechen ohne Pausen, keine Varianz in der Lautstärke oder fehlende Mimik
und unpassende Gestik. Diese unbewussten Gewohnheiten zu erkennen, ist ein wichtiger
Schritt, um Präsenz sowie Ausstrahlung zu verbessern und Körper sowie Stimme richtig
einzusetzen. Denn je besser man auftritt, desto besser kommen Inhalte an. Spätestens als
Führungsperson braucht man diese Auftrittskompetenzen. Denn wem man gerne zuhört, der
profitiert von der Aufmerksamkeit der Zuhörenden und steigert die Chancen, dass das
Gesagte auch ankommt und wirkt.

Auftrittskompetenz gehört heute zu den Schlüsselqualifikationen. Sie ist die Fähigkeit, ein
Publikum zu überzeugen: nicht nur mit Know-how, sondern mit der Persönlichkeit, der
Verständlichkeit, dem Engagement sowie Interesse für etwas, Ernsthaftigkeit und Humor.
Menschen, die über Auftrittskompetenz verfügen, sind in der Lage, Zuhörende in Vorträgen
zu fesseln und zu begeistern. Auftrittskompetenz heisst, eine Botschaft klar und präzise
übermitteln zu können, dabei gut und ruhig zu sprechen und die zur Verfügung stehenden
Kommunikationswerkzeuge effizient einzusetzen.
Stimme, Mimik, Gestik, Körperhaltung und räumliche Orientierung (wie man sich im
Raum/vor dem Publikum bewegt) stützen den Auftritt para- und nonverbal.

Auftrittskompetenz bedeutet auch, dass man seine authentische Körpersprache kennt und
sie zulässt: hohe Auftrittskompetenz zeigt sich in grosser Authentizität. Je weniger man die
natürliche Körpersprache unterdrückt, je mehr man den eigenen Körper reagieren und damit
kommunizieren lässt, desto authentischer wirkt ein Auftritt. Selbstverständlich sind der
Authentizität Grenzen zu setzen, beispielsweise, wenn es gilt, gesellschaftliche oder
rollenbedingte Konventionen einzuhalten.

Vor der Webcam überzeugen

Das Videoformat gewann in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung und ist seit
Beginn der Coronakrise für die meisten auch im Berufsalltag nicht mehr wegzudenken. Dank
Videokonferenzen, Team-Calls oder auch digitalen Präsentationen funktioniert mit diverser
Videokonferenzsoftware das Arbeiten im Home-Office. Das neue Medium erfordert allerdings

Seite 2
neue Ansätze, um ein Online-Publikum anzusprechen: Bei der virtuellen Präsentation
besteht eine noch höhere Abhängigkeit von der Technik als bei der Offline-Präsentation. Ein
schlechtes Mikrofon, eine ungeeignete Kamera und/oder eine langsame Internetverbindung
behindern die Wirkung der Vortragenden massiv.
Auch der Hintergrund der Vortragenden spielt eine Rolle: Ein aufgeräumter Hintergrund wirkt
professionell und lenkt nicht zu sehr ab.
Aufrecht sitzen oder stehen, direkt in die Kamera schauen, auf angemessene Kleidung und
Beleuchtung achten, adäquaten Hintergrund sicherstellen und Stimme sowie Tempo auf die
Situation, Inhalte und Zuhörenden anpassen.
Grundsätzlich gilt: Die Regeln für Körpersprache sind bei einem digitalen Meeting die
gleichen wie bei einem physischen Meeting.
1. Es ist angenehmer mit jemandem zu sprechen, der sichtlich präsent ist (aufrechter
Sitz/Stand, deutlicher Blickkontakt).
2. Für die Gestik eignet es sich, die Hände auf dem Tisch zu haben. Von hier aus kann
man sie rasch gebrauchen. Nebeneffekt: Man sitzt mit Händen auf dem Tisch leicht
nach vorne gebeugt und man bekommt wie nebenbei eine offene Haltung und macht
einen interessierten Eindruck.
3. Mimik: Lächeln beim Reden wirkt freundlicher, muss aber angebracht sein.
Kopfposition aufrecht, aber trotzdem Bewegung. Blickkontakt (Kamera) auf
Augenhöhe.
4. Sitzen oder stehen während der Onlinepräsentation? Beides hat Vor- und Nachteile.
Im Sitzen unbedingt darauf achten, dass man nicht zusammensackt. Der Sitz bleibt
aufrecht. Ein grosser Nachteil ist, dass die Gestik nicht optimal eingesetzt werden
kann. Ein Vorteil: Man kann die Medien, die man gegebenenfalls für die Präsentation
benötigt, ohne Probleme bedienen. Benötigt man keine Präsentationsmedien wie
PowerPoint, dann empfiehlt sich die Präsentation im Stehen. Hierbei unbedingt
darauf achten, dass die Arme nicht hängen und die Fingerspitzen noch zu sehen sind
– die Hände sollten beim Gestikulieren nicht aus dem Bild verschwinden.

Seite 3
So erweitern Sie Ihre Redekompetenzen: para-, non- und verbal

1. Empfehlungen zur paraverbalen Gestaltung der Rede


 Achten Sie auf eine klare und deutliche Aussprache.
 Setzen Sie Sprechpausen gezielt ein. Dies gibt Ihnen die Möglichkeit,
zwischendurch Luft zu holen, und das Publikum hat somit die Gelegenheit, das
von Ihnen Gesagte zu verarbeiten.
 Arbeiten Sie mit Kontrast und Betonung. Kennzeichnen Sie damit die
Schwerpunkte Ihrer Rede. Somit erleichtern Sie Ihrem Publikum die Orientierung.
 Achten Sie insbesondere auf angemessene Variation der Lautstärke, der Melodie
bzw. Tonhöhe sowie der Klangfarbe, jeweils passend zum Gesagten. Damit
erleichtern Sie dem Publikum die Aufnahme des Inhaltes erheblich.
 Achten Sie auf ein angemessenes Sprechtempo. Sprechen Sie nicht zu schnell,
aber auch nicht zu langsam.

2. Empfehlungen zur nonverbalen Gestaltung der Rede


 Augen: Starren Sie nicht auf die Leinwand, den Computer, die Notizen o. Ä.
Halten Sie Blickkontakt mit dem Publikum. So ermöglichen Sie einen Austausch
von Emotionen zwischen Ihnen und dem Publikum. Sie erkennen so auch dessen
Reaktionen auf das von Ihnen Gesagte und können gegebenenfalls Ihren
Vortragsstil anpassen.
 Hände: Berücksichtigen Sie insbesondere die folgenden Punkte:
a. Verwenden Sie passende Gestik. Die Bewegung der Hände aktiviert das
Gehirn der Zuschauerinnen und Zuschauer und lenkt deren
Aufmerksamkeit auf Sie. Gestik verstärkt zudem den Inhalt des Gesagten.
b. Halten Sie die Hände jeweils oberhalb der Gürtellinie. Wenn Sie die
Hände gerade nicht brauchen, empfiehlt es sich, als «Ursprungsposition»
eine Handfläche auf die andere zu legen. Die Hände sind dann immer
gleich einsatzbereit, wenn Sie sie für Gestikulationen benötigen.
c. Vermeiden Sie es, die Hände in die Hosentaschen zu stecken oder die
Arme zu verschränken. Hände in den Hosentaschen verunmöglichen
Gesten, während verschränkte Arme abweisend wirken können.
 Füsse: Berücksichtigen Sie insbesondere die folgenden Punkte:
a. Halten Sie die Füsse still. Vermeiden Sie ständiges Auf-und-ab-Gehen.
Wenn Sie sich während des Sprechens im Raum bewegen möchten,
schaffen Sie sich eine «Startposition», zu der Sie immer wieder
zurückkehren, und machen Sie beim Gehen Pausen. Dies wirkt ruhiger
und entspannter.
b. Achten Sie auf entspannten, hüft- oder schulterbreiten Abstand zwischen

Seite 4
den Füssen. Vermeiden Sie ein Hin-und-her-Wippen und halten Sie die
Beine nicht überkreuzt. Dies führt zu Instabilität und ständigem
«Ausbalancieren».
 Body-Mind-Effekte: Die eigene Körperhaltung hat nicht nur einen Einfluss auf die
Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern auch auf Sie selbst. Man unterscheidet
hierbei zwischen High-Power-Posen und Low-Power-Posen:
a. High-Power-Posen: Eine Körperhaltung, die Selbstsicherheit ausstrahlt,
führt oft dazu, dass man sich auch selbstsicherer fühlt, wenn man eine
solche Haltung einnimmt. Als typische High-Power-Posen gelten: breiter
Abstand zwischen den Füssen, Hebung der Arme über den Kopf zu einem
V, Hände an den Hüften abgestützt, seitlich erhobene und abgewinkelte
Arme mit hinter dem Kopf verschränkten Händen.
b. Low-Power-Posen: Unsicherheit ausstrahlende Körperhaltungen können
auch zu einer Stärkung des Unsicherheitsgefühls führen. Typische Low-
Power-Posen sind: auf den Oberschenkeln ineinander gefaltete Hände,
verschränkte Arme, «Selbstumarmung» mit einem Arm, gebückter
Oberkörper.

3. Empfehlungen zur verbalen Gestaltung der Rede


 Wer vor Publikum spricht, bereitet seine Rede schriftlich vor. Dies stellt eine
Herausforderung dar, denn damit der Vortrag später natürlich wirkt, bedarf es beim
Schreiben bereits einiger Regeln:
1. Klare, kurze Sätze (Hauptsätze) verwenden
2. Pro Satz nur ein Gedanke/eine Information
3. Verbal- statt Nominalstil
4. Den Satzbau variieren, das schafft Abwechslung
5. Nah an der Alltagssprache formulieren
 Publikumswirksame Formulierungen machen Auftritte vor Zuhörenden
überzeugender. Eine auf verbaler Ebene gestaltete Sprache erleichtert es, dem
Publikum zuzuhören. Voraussetzung ist allerdings, dass die publikumswirksamen
Formulierungen passend eingesetzt werden.
 Sprachrichtigkeit – Vermeidung von Sprachnormfehlern. Fehler in schriftlichen und
mündlichen Kommunikationssituationen wirken unprofessionell.
 Stil: Satzbau und Wortwahl sind entscheidend für einen professionellen Stil. Der
Sprachstil muss dem Anlass entsprechend anpasst werden.
 Bei der Vorbereitung einer Rede sollten Wörter (vor allem Metaphern) daraufhin
geprüft werden, welche Wirkung sie auf die Zuhörenden haben. Je nach Zweck der
Rede können einzelne Wörter, Sätze oder Kontexte gezielt eingesetzt werden, um
das Publikum von etwas zu überzeugen.

Seite 5
Weitere Tipps für das gute Gelingen einer Rede
 Sich mit dem Thema so vertraut wie möglich machen.
 Aber: nicht versuchen, alles zu sagen. Kernpunkte bringen.
 Stark beginnen, eindrücklich enden.
 Während der Präsentation: Klare Disposition im Kopf, gut strukturiert, eher wenig auf
Papier.
 Auf sein eigenes Können vertrauen.
 Der Auftritt beginnt bereits vor dem ersten gesprochenen Wort mit dem Aufstehen oder
Hereinkommen und dem Gang zum Redeplatz. Unterlagen in Ruhe ordnen, lächeln,
Blickkontakt herstellen.
 Den Kontakt zum Publikum aufrechterhalten (durch Blick, Konzentration, Bewegung im
Raum).
 Nie vergessen: Über den ganzen Redebeitrag hinweg eine Spannung auf allen Ebenen
der Kommunikation zu halten, ist wichtig für die Aufmerksamkeit des Publikums.
 Die Rahmenbedingungen (Ort, Zeit, Raumeinteilung) so weit wie möglich beeinflussen.
 Eine Person wirkt authentisch, wenn ihr Handeln als selbstbestimmt, glaubwürdig und
natürlich (in der Natur dieser Person liegend) wahrgenommen wird (Brodmerkel, 2007).

Seite 6
Übung 1: Schulz von Thun

Case: Sie arbeiten gemeinsam in einem Büro mit Ihrem Vorgesetzen Marc Pfister. Marc
Pfister ist einer jener Menschen, denen nie kalt ist, denn auch im tiefsten Winter reicht ihm
eine dünne Jacke. Da es im Büro im Winter nur knapp über 20 Grad ist, ist Ihnen stets kalt
und Sie sind deshalb häufig gereizt. Sie haben sogar das Gefühl, dass die Zusammenarbeit
mit Ihrem Vorgesetzen aufgrund der niedrigen Zimmertemperatur leidet und Sie langsamer
arbeiten, weil Ihnen permanent kalt ist, obwohl Sie ein dickes Hemd und ein dickes Jackett
tragen.

Grundsätzlich ist eine Zimmertemperatur von rund 20 Grad am unteren Ende der offiziellen
Empfehlungen anzusiedeln. Sie haben Herrn Pfister schon einmal auf die Zimmertemperatur
angesprochen. «Dummes Zeug, es ist warm genug», hat er Ihnen zu verstehen gegeben.
Sie haben sich vorgenommen, Herrn Pfister nochmals auf die Situation anzusprechen. Sie
möchten, dass eine Raumtemperatur von 22 Grad herrscht. Deshalb wollen Sie ihn fragen,
ob er einverstanden sei, die Temperatur wärmer bzw. auf 22 Grad einzustellen.

Auftrag: Versuchen Sie, Herrn Pfister mit dem Modell von Schulz von Thun dahin zu bringen,
dass er Ihrem Vorschlag zustimmt. Formulieren Sie mindestens einen Satz zu jeder Ebene.

Seite 7
Übung 2: Paraverbale Gestaltung – Betonen

Betonen Sie die fettgedruckten Wörter.

„Meine Herren, es ist allerhöchste Zeit, dass Sie aktiv werden!“


„Meine Herren, es ist allerhöchste Zeit, dass Sie aktiv werden!“
„Meine Herren, es ist allerhöchste Zeit, dass Sie aktiv werden!“

Paraverbale Gestaltungsmöglichkeiten

Seite 8
Übung 3: Betonung und Bedeutung
Die folgenden Sätze haben je nach Betonung und Satzzeichengebung eine unterschiedliche
Bedeutung. Machen Sie sich diese bewusst, unterstreichen Sie die zu betonenden Begriffe
und setzen Sie gegebenenfalls Satzzeichen.

1. Mit Alkohol habe ich keine Probleme.


Mit Alkohol habe ich keine Probleme.

2. Was machst du denn hier?


Was machst du denn hier?

3. Das Auto wird das Hindernis umfahren.


Das Auto wird das Hindernis umfahren.

4. Computer arbeitet nicht ausschalten!


Computer arbeitet nicht ausschalten!

Übung 4a: Videos Auftrittskompetenz

Im Folgenden sehen Sie zwei Videos. Bitte machen Sie sich Notizen zu dem, was Sie sehen
und hören. Machen Sie sich Gedanken zu den Fragestellungen:

Video 1:
• Was ist die Kernbotschaft der Rednerin?
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________

• Warum könnte das Zuhören schwergefallen sein?


____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________

Video 2:
• Welche Stellen des präsentierten Textes konnten Sie sich gut merken? Warum wohl?
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________

• Warum könnte das Zuhören leichter gefallen sein?


____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________

Seite 9
Übung 4b: Text optimieren (Hausaufgabe)

Wie in den Videos zur Auftrittskompetenz gesehen, braucht es für einen überzeugenden
Redebeitrag auf der verbalen Ebene einen optimierten Text mit publikumswirksamen
Formulierungen für einen mündlichen Redebeitrag.
Bitte ergänzen Sie den folgenden Text um jeweils eine publikumswirksame Formulierung
der Kriterien «Klang» und «Spannung». Sie dürfen inhaltlich realistische Annahmen
treffen. Die Stellen der Textoptimierung um publikumswirksame Formulierungen können Sie
frei wählen. Markieren Sie die jeweiligen Stellen und schreiben Sie in Klammern dahinter, um
welches Kriterium und welche Vorgehensweise es sich handelt.

Sie können den optimierten Text bis zum 20.3.2021 Ihrem Kleinklassendozierenden senden.

Liebe Studierende

Sicher kennen Sie es: Präsentationen, die nicht enden wollen. Präsentationen, denen Sie
nicht folgen können – folgen wollen. Warum? Weil es dem Präsentierenden eventuell an
einer Schlüsselkompetenz fehlt: der Auftrittskompetenz.

Und diese Auftrittskompetenz wird einem nicht einfach in die Wiege gelegt. Wie jede
Kompetenz erlernt man sie durch Übung. Das wussten bereits die alten Römer. Schon
Cicero sagte: Reden lernt man durch reden.
Nur wer übt, erkennt seine Schwächen: Reden ohne Pausen? Nein! Sätze ohne Ende?
Nein! Ein präsentierender Körper ohne Gestik und Mimik? Nein!
Stattdessen kommt mit der Übung eine überzeugende Echtheit. Kommunizieren Sie
kongruent auf allen drei Ebenen der Kommunikation. Denn, wenn Sie Ihren Körper beim
Reden bewegen, wenn Sie Varianz in die Stimme bringen, dann bewegen Sie auch ihr
Publikum.

Seite 10
Übung 5: Anwendung der para- und nonverbalen Gestaltungsmittel
(Rede, Geschichte)

Bereiten Sie eine kurze Rede von 1 Minute Länge vor. Inhaltlich können Sie entweder über
ein allgemeines Thema oder über ein Pro-Contra-Thema sprechen (s. Liste unten).

Nehmen Sie Ihre Rede anschliessend via Smartphone/Computer auf und laden Sie diese bis
spätestens 20.3. auf Moodle hoch. Im Kleinklassenunterricht der SW 05/06 werden Sie dann
von Ihrer resp. Ihrem Kleinklassendozierenden eine individuelle Rückmeldung zu Ihrer Rede
erhalten.

Entscheiden Sie sich zunächst für eine der gestellten Aufgaben. Redezeit: maximal 1 Minute.

Allgemeine Themen Pro-Contra-Themen (wählen Sie die Pro-


oder Contra-Seite)

1. Anforderungen an Führungskräfte 1. Schönheitsoperationen


2. Ausgleichssport 2. Kernenergie
3. Autostau 3. Entwicklungshilfe
4. Bodybuilding 4. Gibt es Fairplay in der Arbeitswelt?
5. Bill Gates 5. Genfood
6. Bonuszahlungen 6. Klonbaby
7. Dresscode im Beruf 7. Werbeverbot für Zigaretten
8. E-Learning 8. Führerschein mit 17
9. Europäische Union 9. Private Hochschulen
10. Fernsehkonsum 10. Todesstrafe
11. Fussball im Fernsehen 11. Verkehrsfreie Innenstädte
12. Image der Deutschen 12. Rauchen auf Bahnhöfen
13. Körpersprache 13. PKW-Maut
14. Fremdsprachen
15. Lampenfieber
16. PowerPoint-Präsentationen
17. Pünktlichkeit
18. Shopping
19. Stress
20. Urlaub
21. Was motiviert Mitarbeitende?
22. Steuerehrlichkeit

Seite 11
Publikumswirksames Formulieren
Publikumswirksames Formulieren gehört zur verbalen Ebene der Kommunikation.
Publikumswirksame Formulierungen sind verbale Gestaltungsmittel, die darauf abzielen, bei
einem Gegenüber eine bestimmte Wirkung zu erzielen wie z.B. das Gegenüber von der
eigenen Meinung zu überzeugen oder ihm Informationen so zu vermitteln, dass sie möglichst
behalten werden. Diese Art des verbalen Gestaltens funktioniert weniger sachlich und rational,
sondern vielmehr emotional und suggestiv. Um publikumswirksam zu formulieren, gibt es
mehrere Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten sind unterteilt in sechs Kriterien:

- Adressatenkontakt: Der Sprecher kann, auch bei Reden vor grossem und eher
anonymem Publikum, mit diesem in Kontakt treten – ohne dass das Publikum aktiv
reagieren muss.
- Bildlichkeit: Anstatt eine Information abstrakt zu formulieren, kann man sie mit
Situationen und Bildern, die dem Publikum geläufig sind, aufbereiten und sie so in
bekannte Zusammenhänge setzen.
- Eindringlichkeit / Nachdruck: Um eine wichtige Information nachhaltig beim Publikum
zu verankern, empfiehlt es sich, sie nicht einfach zu nennen, sondern sie zu wiederholen
oder auch, sie in all ihren Facetten zu zeigen.
- Spannung: Eine Information wird nicht einfach gegeben, sondern es wird mit der
Erwartungshaltung beim Publikum gearbeitet und diese wird gezielt in eine bestimmte
Richtung gelenkt.
- Humor / Unterhaltung: Nicht nur Witz, sondern auch unterhaltende oder humorvolle
Elemente und Formulierungen würzen eine Rede. Dabei geht es keineswegs darum, das
Publikum zum Lachen zu bringen. Auch bei ernsten Themen empfiehlt es sich durchaus,
den Unterhaltungswert nicht aus den Augen zu verlieren – auch wenn es viel Feingefühl
braucht, um diese Würze richtig zu dosieren. Humor und Unterhaltung an der falschen
Stelle kann sehr plump und unangemessen wirken. Witze und Ironie mögen bei
manchen Themen wenig angebracht sein, aber sprachliche Doppeldeutigkeiten eignen
sich meist sehr gut, um einen schwerfälligen Redetrott mit sprachlicher Finesse zu
durchbrechen.
- Klang: Die beabsichtigte Wirkung kann auch durch Laute erzielt werden. Was gut klingt
oder was sich reimt, wird besser verstanden und kann man sich besser einprägen.

Zu jedem dieser sechs Kriterien gehören wiederum verschiedene Vorgehensweisen, die es


ermöglichen, publikumswirksam ans jeweilige Kommunikationsziel zu gelangen. Wichtig ist
dabei zu beachten, dass eine publikumswirksame Formulierung nicht als allgemein gültige und
universell passende Schablone oder Vorlage in unterschiedlichen Redesituationen eingesetzt
werden kann. Diese Formulierungen sind stark kontextabhängig. Was in einem Kontext starke
Wirkung entfaltet, kann in einem anderen Kontext völlig unbemerkt bleiben oder gänzlich
unpassend sein. Daher ist in der folgenden Tabelle bei jeder als Beispiel genannten
Formulierung unbedingt der Zusammenhang mit zu berücksichtigen.

Wichtig ist weiter zu beachten, dass Formulierungen erst dann publikumswirksam sind, wenn
sie «Abweichungen von der geraden, glatten und flachen Ausdrucksweise, [...], Abweichungen
vom gewohnten Ausdruck» aufweisen (Ueding & Steinbrink, 2005, S. 300), das heisst, wenn
sie sprachlich auffällig von einer einfach formulierten Informationsübermittlung abweichen.

Seite 12
Denn wenn eine Formulierung vom Publikum nicht als speziell wahrgenommen wird, kann sie
auch die beabsichtigte Wirkung nicht entfalten.

Publikumswirksames Formulieren braucht Zeit. Eine Informationsübermittlung verlängert sich


deutlich, wenn man sie publikumswirksam formuliert. Aber sie wird dadurch auch
eindrücklicher und nachhaltiger beim Publikum verankert. Die Wirkung von
publikumswirksamen Formulierungen kann also durch Einbezug des Publikums
(Adressatenkontakt), bildhaftes, eindringliches, humorvolles, Spannung aufbauendes oder
klangorientiertes Sprechen und Schreiben erzeugt werden. Jedem dieser Kriterien können
verschiedene sprachliche Vorgehensweisen zugeordnet werden. Die folgende Tabelle gibt
einen Überblick über die verschiedenen Kriterien und einige Vorgehensweisen. Auf Moodle
findet sich ein Dokument, in dem das sprachliche Vorgehen ausführlicher erklärt und anhand
von Beispielen illustriert werden.

Genaue Erläuterungen zu den einzelnen sprachlichen Vorgehensweisen finden Sie in dem


Dokument „Pflichtlektüre: Publikumswirksames Formulieren“ auf Moodle.

Seite 13
Übung 6: Publikumswirksames Formulieren
Der nachfolgende Textausschnitt stammt mit minimen Anpassungen aus einer Broschüre mit
dem Titel «Wie Immobilien auf den grünen Zweig kommen» der Firma Union Investment. Die
Union Investment mit Hauptsitz in Frankfurt am Main ist die Investmentgesellschaft der DZ
Bank (Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt am Main) und verwaltet ein
Vermögen von über 350 Milliarden Euro. Ziel ist es, in dieser Broschüre die Stakeholder von
einer nachhaltigen und gleichzeitig gewinnbringenden Immobilienwirtschaft zu überzeugen.

Seite 14
Bereits auf der Titelseite ist erkennbar, wie ausgeprägt mit publikumswirksamen
Formulierungen gearbeitet wird, damit die Leserschaft den nachfolgenden Text auch
tatsächlich liest und von der neuen Ausrichtung in der Immobilienbranche überzeugt werden
kann. Dazu gehören u. a. die Metaphern «die nachhaltigen Seiten des
Immobilienmanagements» sowie «auf einen grünen Zweig kommen» mit der
entsprechenden grafischen Umsetzung.

Bestimmen Sie bei den unterstrichenen Passagen jeweils das Kriterium und das
Vorgehen.

Wir müssen reden! Müssen wir? (1)

Es wird viel geredet über den Klimawandel. Die


Zeitungen (2) sind voll davon. Das Fernsehen (2). Das
Internet (2). Nicht nur im Allgemeinen (3), sondern auch
über die Details (3). Auch Sie haben wahrscheinlich
schon gehört, dass Gebäude hierzulande einen Anteil

Seite 15
von ca. 35 Prozent am Endenergieverbrauch haben und
für etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich
sind. Müssen wir also wirklich noch darüber reden? Jein,
denn theoretisch ist doch schon alles gesagt. (4) Wir
müssen trotzdem reden. Denn zur richtigen und
rechtzeitigen Rettung (5) des Klimas auf unserem
Planeten brauchen wir ein Klima der Veränderung in
unseren Köpfen (6). Und das kann Kommunikation
schaffen. Wir können (7) mitteilen, auf welchem Stand
wir sind und was wir als Nächstes planen. Wir können (7)
zeigen, dass wir uns bewegen, und wir können (7)
andere dazu motivieren, dieses auch zu tun. Und wir
können (7) Zweifel und Ängste abbauen. (…)

Die Bausteine (8) unserer nachhaltigen


Immobilienstrategie

Baustein mag schnell wie ein Kinderspiel klingen. (9)


Aber das Gegenteil ist der Fall. Wenn es um die
Erreichung der Klimaziele geht, würfeln wir nicht (10).
Wir messen, analysieren, planen und verbessern (11).
Schritt für Schritt bewegen wir uns so auf dem Klimapfad
(12) vorwärts. Und das Ziel ist klar: Der Klimaschutzplan
der Bundesregierung sieht einen nahezu CO2-neutralen
Immobilienbestand bis zum Jahr 2050 vor. Das
Abkommen von Paris will die Erwärmung unseres
Planeten auf unter 2 Grad, bestenfalls auf 1,5 Grad
begrenzen. Das wollen wir ebenso und wenn möglich
gern auch etwas mehr.
Unser (13) Kompass auf dem Klimapfad (14) ist unsere
(13) „Manage to Green“- Strategie. Sie stellt auf lange
Sicht die Qualität unseres (13) Portfolios sicher. Mit ihrer
Hilfe agieren wir im Interesse unserer (13) Anleger und
der Mieter sowie im Sinne des Klimaschutzes.

Besser (15) verstehen für besseren Bestand (15)

Daten helfen uns Zusammenhänge zu erkennen, besser


zu verstehen und optimale Massnahmen abzuleiten (16).
Für die nachhaltige Immobilienbewirtschaftung sind sie
wichtiger und richtiger (17) Rohstoff zur Reduzierung
(18) von Verbräuchen.

Quelle: uir-atmosphere-2019-web_D.pdf

Übung 7: Publikumswirksames Formulieren


Markieren Sie in den folgenden Ausschnitten aus Reden und schriftlichen Texten die
vorgegebenen Vorgehensweisen (und nur diese) und geben Sie in der rechen Spalte
an, um welche Vorgehensweise es sich jeweils handelt. Es kann durchaus sein, dass in
einem Text mehr als die angegebenen Vorgehensweisen vorhanden sind. Eine vollständige
Analyse ist hier nicht gefordert.

Seite 16
1. Vorgehensweisen: das Publikum direkt ansprechen (1x, als Beispiel bereits
markiert und benannt), einen Dialog vorspielen (1x), Wörter (zu einem
Oberbegriff) aufzählen (2x), eine Metapher verwenden (1x)

Ausschnitt aus einer Rede von VW-Konzernchef Herbert Vorgehensweisen


Diess zu seinen Mitarbeitenden:

[…] In der Marktkapitalisierung ist Tesla mittlerweile fast Das Publikum


gleichauf. Meine Damen und Herren, wir werden wie ein direkt ansprechen
Automobilunternehmen bewertet, Tesla wie ein Tech-
Unternehmen. Das Automobil wird in Zukunft das
komplexeste, wertvollste, massentaugliche Internet-Device.
Wir verbringen im Automobil der Zukunft mehr Zeit als heute,
vielleicht zwei Stunden statt einer. Deshalb wird es nicht zur
grauen Büchse, sondern noch viel komfortabler, wohnlicher
und vor allem vernetzter, multifunktionaler als heute. Im Auto
werden wir kontinuierlich online sein, weit mehr Daten
abliefern als Smartphones, aber auch mehr Informationen,
Dienste, Sicherheit und Komfort aus dem Internet
bekommen. Das vernetzte Auto wird die Internetzeit nahezu
verdoppeln. Das Auto wird das wichtigste "Mobile Device".
Wenn wir das sehen, dann verstehen wir auch, warum Tesla
aus Sicht der Analysten so wertvoll ist.
Wir als Volkswagen wollen auch genau dorthin. Die große
Frage lautet: Sind wir schnell genug? Die ehrliche Antwort
lautet: Vielleicht, aber es wird immer kritischer. Wenn wir in
unserem jetzigen Tempo weitermachen, wird es sogar sehr
eng.
(https://www.manager-
magazin.de/unternehmen/autoindustrie/volkswagen-wortlaut-rede-
herbert-diess-16-01-2020-radikal-umsteuern-a-1304169.html)

2. Vorgehensweisen: Metapher verwenden (2x), Anfangslaute wiederholen (1x)

Ausschnitt aus einer Rede der Bundesministerin für Umwelt,


Vorgehensweisen
Svenja Schulze, beim Dialogforum "Wirtschaft macht
Klimaschutz":
[…] Ich möchte erreichen, dass der Klimaschutz von einer
breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen wird. Wenn wir
etwas verändern möchten, brauchen wir Mehrheiten und
Akzeptanz. Das sage ich gerade auch mit Blick auf die
jungen Demonstrantinnen und Demonstranten von "Fridays
for Future". Es ist gut, wenn die Jugend uns im Nacken sitzt
und uns Entscheider dafür kritisiert, dass sie nicht genug
gegen den Klimawandel tun. Es stimmt ja auch und gibt mir
Rückenwind. Ich jedenfalls werde alles dafür tun, dass die

Seite 17
Bundesregierung noch in diesem Jahr verbindlich handelt.
[…]
(https://www.bmu.de/rede/rede-von-svenja-schulze-beim-
dialogforum-wirtschaft-macht-klimaschutz/)

3. Vorgehensweisen: Wörter wiederholen, Gegensätze aufzeigen (1x), Wörter


anreihen, die sich in der Bedeutung steigern oder abschwächen (1x), Wörter
(zu einem Oberbegriff) aufzählen (1x), eine Metapher verwenden (4x), Ironie
verwenden (1x)

Ausschnitt aus einer Rede von Elfriede Hammerl anlässlich Vorgehensweisen


100 Jahre Frauentag:

[…] Wir hören Rätsel Frau und sehen sie vor uns, die
berühmten Diven und legendären Verführerinnen, im
Halbdunkel gewissermaßen, denn das helle Licht würde sie
am Ende als Personen zeigen, die einem ganz gewöhnlichen
Alltag ausgesetzt sind, und wir assoziieren, was wir über sie
gelernt haben: Macht. Skrupellosigkeit. Sünde. Versklavende
Erotik.
Männer haben Macht über die Welt, Frauen haben dafür die
Macht der Erotik über die Männer, das ist einer der gängigen
Deals, der Frauen offeriert wird. Aber er ist ein
Schwindelgeschäft. Beides betrachtet, kein Vergleich. An die
sexuelle Bereitwilligkeit von Machthabern appellieren zu
müssen bedeutet Abhängigkeit, nicht Macht.
Die Rolle der rätselhaften Verführerin ist anstrengend, macht
einsam und hatte ein frühes Ablaufdatum. Die Garbo, die
Dietrich - in selbstgewählter jahrzehntelanger Isolationshaft,
nur um keinerlei körperlichen Verfall preisgeben zu müssen,
der am Bild ihrer überwältigenden physischen
Anziehungskraft hätte kratzen können. Ein Trauerspiel. […]
Das ist ja die andere Macht, die Frauen stets zugeschrieben
wird: die Macht der Mütterlichkeit. Die Macht der Mütter über
die Söhne. Auch das eine abgeleitete, indirekte
Pseudomacht. Einflussnahme auf dem Umweg über
selbstlose Dienstbarkeit. Herzlichen Dank. […]
(http://www.elfriedehammerl.com/pdf/100_jahre_frauentag_eine_re
de.pdf)

Seite 18
4. Vorgehensweisen: Wörter wiederholen (3x), Gegensätze aufzeigen (2x), eine
Metapher verwenden (3x)

Ausschnitt aus einer Rede von Steve Jobs an der Stanford Vorgehensweisen
University

[…] Niemand will sterben. Auch Menschen, die in den


Himmel wollen, wollen nicht sterben, damit sie dorthin
kommen. Und doch ist der Tod das Reiseziel, das wir alle
teilen. Niemand ist ihm jemals entkommen. Und es ist gut so,
denn der Tod ist sehr wahrscheinlich die absolut beste
Erfindung des Lebens.
Er ist der Agent für den Wandel. Er löscht das Alte, um Platz
für das Neue zu machen. Im Moment sind Sie das Neue,
aber eines Tages, nicht zu lange von heute, werden Sie
allmählich zum Alten und werden weggeräumt werden. Sorry,
dass ich so drastisch bin, aber es ist leider wahr.
Ihre Zeit ist begrenzt, also vergeuden Sie sie nicht, um das
Leben eines anderes zu führen. Lassen Sie sich nicht von
Dogmen gefangen nehmen – was bedeutet, mit den
Ergebnissen des Denkens anderer Menschen zu leben.
Lassen Sie sich nicht durch den Lärm der anderen
Meinungen Ihre eigene innere Stimme ertränken. Und das
wichtigste, haben Sie den Mut, Ihrem Herzen und Ihrer
Intuition zu folgen. Diese beiden wissen schon irgendwie,
was Sie wirklich werden wollen. Alles andere ist sekundär.
[…]
(https://www.ifrick.ch/2011/10/steve-jobs-stanford-rede-als-
deutscher-text/)

Seite 19
Keine Panik vor der Panik Jahren muss ich die Nervosität, die ich früher
Viele Studenten leiden unter der Nervosität bei überwinden wollte, bewusst aufbauen.»
Vorträgen. Doch Präsentationen gehören in
Zollinger ist überzeugt, dass dieses bekannte Kribbeln
jedem Studium zum A und 0. Und es gibt
entscheidend ist für eine ausserordentliche Leistung. Es
Wege, wie man sich selber in den Griff gebe aber Kollegen, die auch nach 30 Jahren Erfahrung
bekommt. Von Roberta Fischli krank werden, wenn sie für einen Vortrag eingeladen
werden. Und wie gehen die mit der Angst um? «Sie
«Ich habe keine Angst, eine Rede zu halten. Nur dabei
versuchen es zu vermeiden, ganz einfach.»
sein möchte ich nicht so gern.» Woody Allen
Weil die meisten Studenten unregelmässig Vorträge
Die gute Nachricht: Wir Angsthasen sind nicht alleine.
halten müssen und so keine Routine aufbauen können,
Sogar in den Wirtschaftsabteilungen der
empfiehlt Barbara Zollinger das Vortragen vor
Buchhandlungen stapeln sich die Ratgeber zum Freunden. «Benütze ich zu viele Füllwörter, fahre ich
Umgang mit der Nervosität. mir alle zwei Minuten durch die Haare? Es ist wichtig,
kritisch zu sein.» Dadurch wird nicht nur das
Die schlechte Nachricht: Wir können sie nicht besiegen.
Selbstvertrauen gestärkt, sondern auch das Timing.
Das bestätigt Pesche Brechbühler, der an der Zürcher
Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
Die Materie verstehen
ein Seminar zum Thema Auftrittskompetenz gibt. Er
beeilt sich, hinzuzufügen: «Aber man kann lernen, Und was ist mit der berühmten Faustregel, die besagt,
damit umzugehen.» dass über 55 Prozent der Aufmerksamkeit auf die
nonverbale Kommunikation fallen? Soll man sich nicht
Ohne Präsentation geht es nicht besser auf eine gerade Haltung und Atemtraining
konzentrieren statt auf aufwendige Recherchearbeit,
Seit das Studium nicht mehr nach dem Motto aufgebaut
die vom Blackout ohnehin vernichtet wird? «Unsinn»,
ist «Der Professor doziert, die Studenten schreiben», ist
meint Brechbühler. «Unsere Körpersprache spiegelt
die aktive Teilnahme in vielen Vorlesungen nicht nur
unser Befinden. Ein antrainiertes Selbstbewusstsein
erwünscht, sondern regelrecht erfordert. Heute
wirkt unecht.»
bestehen die Leistungsnachweise in Seminaren neben
Arbeiten fast immer auch aus Präsentationen. Diese
Für eine sichere Körpersprache sorgen das Wissen um
Auftritte bestimmen dann die Mündlich-Note und sind
die eigene Kompetenz sowie ein guter Kontakt mit sich
somit entscheidend für das Endresultat. In der selbst und mit dem Publikum. Er sei sich bewusst, dass
Fachliteratur wird zwar meistens davon ausgegangen,
das nicht immer möglich sei. «Aber eine der wichtigsten
dass sich der Referent zu seinem Spezialgebiet
Voraussetzungen für einen gelungenen Vortrag ist noch
äussern und das Publikum mit der eigenen
immer eine intensive Auseinandersetzung mit dem
Begeisterung «anstecken» kann. Thema.»
Im Studium hingegen werden die Referatsthemen des
Drei Beispiele
öfteren vom Dozenten bestimmt, und die Studentinnen
und Studenten haben gegen Semesterende kaum mehr
Gute Vorbereitung, perfektes Make-up und ein Schal
die Möglichkeit, sich entsprechend intensiv mit der
Materie auseinanderzusetzen - schon gar nicht, einen Stefanie Fehlmann (21) studiert Germanistik,
engeren Bezug zur Thematik herzustellen. Das Wissen Philosophie und Slavische Literaturwissenschaft.
um die Bedeutung des Vortrages und die Zweifel an der
eigenen Kompetenz tragen dann das Übrige bei zu den «Eigentlich fühle ich mich vor Vorträgen nicht mehr
Schmetterlingen im Bauch, die sich eher wie wirklich nervös. Durch mein Studium fühle ich mich jetzt
Wespenstiche anfühlen. auch kompetenter. Paradoxerweise hat mein Körper
kürzlich begonnen, auf Vortragssituationen mit
Kribbeln ergibt gute Leistung Stresssignalen zu reagieren. Ich werde jetzt ungewohnt
schnell rot! Nicht leicht gerötete Wangen, sondern rote
Barbara Zollinger ist diplomierte Logopädin, Flecken vom Décolleté weg den Hals hinauf (manchmal
Entwicklungspsychologin und routinierte Präsentatorin. bis zu den Ohren!). Psychologische Tricks helfen mir
Sie hat vor 35 Jahren als Lehrbeauftragte mit relativ wenig; weder der «Es sind alle nackt im Raum»-
Seminaren angefangen und spricht heute an Trick noch das Bewusstsein, dass Nervosität vor
Kongressen vor Hunderten Zuhörern. «Zu Beginn Vortragssituationen ein relativ verbreitetes Phänomen
meiner Karriere habe ich jeweils Wochen vor einem
ist. Das einzige Mittel, das hilft, ist mein Schal.»
Vortrag mit den Vorbereitungen begonnen.» Heute
spare sie sich das bis ganz zuletzt auf. «Nach so vielen Felix Kuhlmey (26) studiert Politikwissenschaften und
Geschichte der Neuzeit.

Seite 20
«Ich beschreibe mich als souverän, wenn es um die Ist niemand gefeit vor Lampenfieber?
Präsentation von Inhalten geht. Schon zur Schulzeit
wurde auf das Reden vor Publikum viel Wert gelegt, und Es gibt ganz wenige Menschen, die vor Auftritten einen
vier Jahre Berufserfahrung inklusive Videoanalyse und kühlen Kopf bewahren. Entscheidend für das
Kameraerfahrung machen es mir heute leichter. Lampenfieber sind auch die Umstände des Auftrittes.
Natürlich bin auch ich manchmal aufgeregt. Für eine Man kann das Gefühl der Verletzlichkeit zwar nicht
gelungene Präsentation sind für mich zwei Dinge besiegen, aber lernen, damit umzugehen.
besonders wichtig: Knowhow über das Gesagte und
Akribie in der Vorbereitung. Beides erhöht die Chancen, Es gibt also keine «unheilbaren Fälle»?
dass ich beim Vortrag eine natürliche Autorität
Unsere Studenten werden schon beim
ausstrahlen kann. Ist die Zuhörerschaft dann auch noch
Aufnahmeverfahren mit einer Präsentationssituation
interessiert, kann (fast) nichts mehr schiefgehen!»
konfrontiert. Daher ist bei ihnen mindestens eine
Senna Stuber (21) studiert Germanistik und Allgemeine Bereitschaft vorhanden, mit dieser Angst umgehen zu
Geschichte. lernen. Aber die unheilbaren Fälle gibt es natürlich. Das
ist aber selten. Für die meisten ist Gewöhnung hilfreich.
«Vor Vorträgen bin ich nicht so sehr nervös, vielmehr Deshalb heisst es: üben, üben, üben. Die Studenten
etwas angespannt in der Hoffnung, dass die sollen sich auch privat jenen Situationen aussetzen, die
Präsentation schnell vorbei sein möge. Ich denke an sie sonst meiden.
meinen Schlusssatz und an die allfälligen Fragen, bevor
ich mit der Präsentation begonnen habe. Ausserdem Was ist mit den geborenen Rednern, die sogar über ein
entwickle ich einen Hang zum Perfektionismus. Dabei ihnen völlig fremdes Thema eine halbe Stunde
geht es bei mir weniger um den Inhalt des Vortrages, referieren können?
sondern ums ganze Drumherum. Es geht um die
Auch die sind aufgeregt, das erkennt man als Profi
Kleidung, die Frisur und das Makeup. Alles muss bei mir
sofort. Deren Nervosität äussert sich einfach anders;
sitzen. Wenn es dann noch ein Rednerpult zum
anstatt rumzudrucksen, schwafeln sie ohne Punkt und
Festhalten hat, gehe ich mit der Situation ganz
Komma. Wer weiss, wovon er spricht, kann die
entspannt um. Ich habe weder schlaflose Nächte noch
Thematik in wenigen Sätzen erklären.
rote Pusteln.»
Ist Nervosität ein notwendiges Übel für eine
Kommunikationstraining hervorragende Leistung?

Das würde ich so nicht sagen. Allerdings: Wer die


Die Nervosität richtig nutzen
Nervosität für seine Zwecke nutzen kann, für den ist sie
hilfreich. Es gibt eine Faustregel aus dem Theater:
Interview mit Pesche Brechbühler, Dozent an der «Was auf der Bühne passiert, geschieht auch im
ZHAW. Er war Theaterpädagoge und arbeitet als Publikum.» Wer sich vor lauter Entspannung völlig
Kommunikationstrainer. gehen lässt, verliert die Aufmerksamkeit des Publikums.
Es ist alles eine Frage des Masses. Eine
Grundspannung ist durchaus wichtig für die
Herr Brechbühler, was sind die goldenen Regeln für Aufmerksamkeit des Publikums.
eine gelungene Präsentation?
Warum erscheinen Zuhörer dem Vortragenden wie
Erstens: Mach dich so vertraut wie möglich mit dem gefährliche Monster?
Thema. Zweitens: Reduziere. Drittens: Beginne
Menschen sind Gruppentiere. Vor der Zivilisation war
überraschend. Viertens: Sei persönlich. Zum Beispiel
die Gemeinschaft für den Menschen von existenzieller
mit Metaphern. Und zuletzt: Vertrau auf dein Können.
Bedeutung. Wer ausgestossen wurde, starb. Diese
Was ist mit Reduzieren gemeint? Urangst, von der Gruppe ausgeschlossen zu werden,
kommt augenblicklich wieder zum Vorschein, sobald wir
Versuche nie, alles zu sagen. Eine gelungene uns vor Leute hinstellen. Wir dürfen aber nicht
Präsentation bringt dem Zuhörer wenige Kernpunkte vergessen, dass die Angst eigentlich als
näher, statt ihn mit Tausenden Informationen zu Schutzmechanismus dient.
überfluten.
Quelle: Tages-Anzeiger, 5. März 2005, S. 29

Seite 21
Quellen
Brodmerkel, S. (2007). Wann sind Manager echt? Manager Seminare, 109, April 2007.
Burgoon, J. K., Dunbar, N. E., und Segrin, C. (2002). Nonverbal influence. In: J. P. Dillard
und M. Pfau (Hrsg.). The persuasion handbook: Developments in theory and practice.
S. 445–473. Thousand Oaks, CA: Sage.
Hofer, H., und Nef, H. (1998). Verstehen – Reden – Schreiben. 5. Auflage. St. Gallen:
Zollikofer AG.
Ehlers, M. (2013). Nonverbale Kommunikation: Das Mehrabian-Missverständnis. Abgerufen
von http://www.blog.michael-ehlers.de/nonverbale-kommunikation-das-mehrabian-
missverstandnis/.
Flume, P., und Mentzel, W. (2008). Rhetorik. München: Haufe.
Lapiz, F. (o.J.). Überzeugender präsentieren – Begeistere dein Publikum – 24
Körpersprache. Workflow.tv. Video-Datei.
Mehrabian, A. (1981). Silent messages: Implicit communication of emotions and attitudes.
Belmont CA: Wadsworth.
Queneau, R. (2007). Stilübungen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Schäfer, H. J., und Schäfer, B. (2017). Business-Rhetorik für Berufseinsteiger. Konstanz,
München: UVK Verlagsgesellschaft.
Treasure, J. (2013). How to speak so that people want to listen. Abgerufen von
https://www.youtube.com/watch?v=eIho2S0ZahI.
Ueding, G., und Steinbrink, B. (2005). Grundriss der Rhetorik. Geschichte – Technik –
Methode. 4. Aufl. Stuttgart/Weimar: Metzler.
Watzlawick, P., Beavin, J. H., und Jackson, D. D. (2007). Menschliche Kommunikation: For-
men, Störungen, Paradoxien. 11. Auflage. Bern: Hans Huber.

Seite 22