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Aufbaukurs Neues Testament I - Rückfrage nach Jesus (WS 2017/18)

Allgemeine Vorbemerkungen
1 Geographisch-topographischer Rahmen der Evangelien
1.1 Palästina insgesamt (Landschaftsabschnitte)
1.2 Galiläa und Umgebung: Galiläa allgemein (ethno-kulturell, ökologisch, ökonomisch, politisch, religiös);
einzelne Orte: Nazaret, Sepphoris, Kana, Tabor, Naïn, Kafarnaum, Tabga, See Gennesaret, Chorazin,
Betsaida, Magdala, Tiberias, Tyrus und Sidon, Caesarea Philippi, Dekapolis: Gerasa, Gadara, Skytho-
polis
1.3 Jerusalem und seine nördliche wie südliche Umgebung: Samaria, Sichem, Caesarea Maritima; Jerusa-
lem mit Tempel, Burg Antonia, Prätorium, Palast des Herodes, Teiche Betesda und Schiloach, Golgota;
Ölberg mit Betanien, Betfage und Getsemani; Jericho, Betlehem, Herodeion

2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund der Evangelien: Die Zeit zwischen Herodes I. und dem Jüdischen Krieg
2.1 Herodes I., der Große (37 - 4. v. Chr.)
2.2 Söhne des Herodes: Archelaos, Philippus, Herodes Antipas
2.3 Herodes Antipas (4 v. - 39 n. Chr.), der Landesherr Jesu
2.4 Pontius Pilatus (röm. Präfekt 26 - 36 n.)
2.5 Der Jüdische Krieg und der Neuanfang nach der Zerstörung Jerusalems
2.5.1 Die Zeit vor dem Jüdischen Krieg
2.5.2 Der Jüdische Krieg (66 - 70 n.)
2.5.3 Das palästin. Judentum nach dem Fall Jerusalems (Javne; Bar Kochba-Aufstand 132-135 n.; Folgezeit)
2.5.4 Ergänzung: Frühjüdisches und rabbinisches Schrifttum
2.5.4.1 Jüdische Apokryphen, Philo von Alexandrien (Schriften von Qumran: s. u.)
2.5.4.2 Rabbinisches Schrifttum
2.5.4.2.1 Perioden des rabbinischen Judentums
2.5.4.2.2 Traditionssammlungen des rabbinischen Judentums (Mischna, Tosefta, Baraita, Gemara, palästinischer
und babylonischer Talmud)
2.5.4.2.3 Midrasch (sowie Targum und Pescher)

3 Religiös-politische Parteien und Bewegungen zur Zeit Jesu und des NT


3.1 Sadokiden / Sadduzäer
3.1.1 Name und Geschichte
3.1.2 Inhaltliche Positionen (Theologie, Anthropologie etc.)
3.1.3 Die Sadduzäer im NT / Jesus und die Sadduzäer
3.2 Pharisäer
3.2.1 Name und Geschichte
3.2.2 Inhaltliche Positionen (Theologie, Anthropologie, Frömmigkeit und Politik)
3.2.3 Die Pharisäer im NT / Jesus und die Pharisäer
3.3 Essener / Verhältnis zur Qumran-Gemeinde
3.3.1 Essener (Josephus, Bell 2,119-161; Ant 18,18-22; Philo, Quod omnis probus 75-91; Plinius d. Ä., Hist.
nat. 5, 17, 73)
3.3.2 Verhältnis der Essener zur Qumran-Gemeinde
3.3.2.1 Qumran: Handschriftenfunde und Ausgrabungen
3.3.2.2 Essener und Qumran: Ähnlichkeiten, Differenzen, Hypothesen
3.3.2.3 Der „Lehrer der Gerechtigkeit“ (CD, 1QpHab, 4Q14)
3.3.2.4 Johannes der Täufer und Jesus im Verhältnis zu Qumran
3.3.2.5 Bedeutung der Qumran-Handschriften für das NT (bes. zur Diskussion um 7Q4 und 7Q5)
3.4 „Vierte Philosophie“: Zeloten, Sikarier
3.4.1 Name, Geschichte, politisch-religiöse Anschauungen
3.4.2 Jesus und die Zeloten bzw. Sikarier
3.5 Messiasse und Propheten
3.5.1 Die „Messiasse“
3.5.1 Die „Propheten“ (u. a. Johannes d. T.)
3.5.3 Folgerungen für Johannes den Täufer und Jesus

4 Vertiefende Ergänzungen und Auslegungen wichtiger Evangelien-Texte


4.1 Johannes der Täufer und Jesus
4.1.1 (Wiederholung) Unterschiedliche Quellen (Q, Mk, SLk, Joh, Sonstiges)
4.1.2 Predigt und Wirken des Täufers
4.1.2.1 Unerbittliche Gerichtspredigt (Mt 3,7-10.12 / Lk 3,7-9.17)
4.1.2.2 Wüstenaufenthalt und Lebensweise des Täufers; Selbstverständnis (Mk 1,4.6par; Mt 11,7par)

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 1


4.1.2.3 Die Spendung der Taufe als besonderes Kennzeichen (Mk 1,4-5; Mt 3,1.5 / Lk 3,2-3)
4.1.2.4 Hinweis auf die Taufe mit Feuer und Geist durch den kommenden „Stärkeren“ (Mk 1,7-8par)
4.1.3 Der Tod des Täufers (Mk 6,17-29par; Josephus, Ant 18,116-119; Vergleich)
4.1.4 Johannes der Täufer – der Vorläufer Jesu?

4.2 Jesu Taufe durch Johannes (Mk 1,9-11par)


4.2.1 Synchrone Analyse von Mk 1,9-11par
4.2.1.1 Kontext, Gliederung und Darstellungsweise
4.2.1.2 Einzelerklärung Mk 1,9-11 (kursorisch)
4.2.1.3 Einzelerklärung der Seitenreferenten Mt 3,13-17; Lk 3,21-22; Joh 1,32-34 (kursorisch)
4.2.2 Form und Gattung / Textsorte (bes. Mk-Text)
4.2.3 Diachrone Textanalyse (Redaktion und Tradition, historische Rückfrage, Erklärungsversuche)
4.2.4 Theologische Auslegung und Aktualisierung

4.3 Jesus als Täuferjünger und seine Trennung vom Täufer

4.4 Jesu Verkündigung der Gottesherrschaft / des Gottesreiches (basileia tou theou)
4.4.1 Zusammenfassung Grundkurs I
4.4.2 Auslegung und Vertiefung von Mk 1,14-15par
4.4.2.1 Zusammenfassung der Tätigkeit Jesu in Mk 1,14
4.4.2.2 Resümee der Verkündigung Jesu in Mk 1,15ab (bes. zum Begriff basileia tou theou bei Jesus und zur
möglichen Verankerung im Visionswort Lk 10,8)
4.4.2.3 Folgerungen für die HörerInnen in Mk 1,15cd (Umkehr, Glaube)
4.4.2.4 Zusammenfassung zu Redaktion und Tradition in Mk 1,14-15par

4.5 Die Botschaft der Gleichnisse und Parabeln Jesu


4.5.1 Allgemeines
4.5.2 Begriffsbestimmungen, weitere Einteilungen, Erzählgesetze
4.5.3 Überlieferung und Redaktion der Gleichnisse (Jesus – Urkirche – Synoptiker)
4.5.4 Beispiele
4.5.4.1 Kursorisch: Sämann, selbstwachsende Saat, Senfkorn und Sauerteig, Schatz im Acker und Perlenkauf-
mann; kluger / betrügerischer Verwalter
4.5.4.2 Ausführlicher: Arbeiter im Weinberg Mt 20,1-16: Kontext, Struktur, Einzelerklärung, erzählerisches
Geschick, Gattung, Überlieferung und Redaktion, Aussage: Jesus – Mt, Aktualisierung

4.6 Die Wunder Jesu


4.6.1 Wiederholung Grundkurs I: Wunderverständnis; Wunderüberlieferungen im NT: Logien, Summarien,
Wundergeschichten; Verankerung im Leben Jesu und urchristliche Gestaltung, Historizität …
4.6.2 Zusammenfassung und Aktualisierung
4.6.3 Beispiele
4.6.3.1 Heilung der Schwiegermutter des Petrus (Mk 1,29-31par; Zusammenfassung und Vertiefung von
Grundkurs I): Kontext, Struktur, Einzelerklärung, Bearbeitung durch Mt/Lk, Form und Gattung, Redak-
tion, Tradition und historische Rückfrage
4.6.3.2 Jesu Wandel auf dem See (Mk 6,45-52par): Kontext und Abgrenzung, Struktur, Texterklärung nach
Mk; Form und Gattung, Redaktion und Tradition, vermutliche Textentstehung und histor. Rückfrage,
theol. Zusammenfassung und Aktualisierung

4.7 Nachfolge Jesu / Berufung von Jüngern (Zusammenfassung Grundkurs I; Sammlung Israels, Beru-
fungserzählungen, Frauen um Jesus)

4.8 Jesus und die Tora (Zusammenfassung Grundkurs I)

4.9 Der Gang nach Jerusalem: Einzug, Tempelreinigung, Konflikte

4.10 Das letzte Mahl Jesu

4.11 Todesbeschluss, Gefangennahme, Verhör und Prozess, Verurteilung

4.12 Kreuzigung, Tod und Begräbnis

4.13 Die österliche Wende: Grabesgeschichten und Erscheinungen des Auferstandenen

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 2


Literatur zu Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus (WS 2016/17)

Außerbiblische Quellen (mit Einführungen)

Barrett C. K. / Thornton C. J. (Hg.), Texte zur Umwelt des Neuen Testaments (UTB 1591), Tübingen 21991.
Flavii Iosephi Opera. I-V (hg. v. B. Niese), Berlin 1888-1889.
Flavius Josephus, De Bello Judaico. Der jüdische Krieg. Griechisch und deutsch. I-III (hg. v. O. Michel / O. Bauernfeind),
München 21962.
Flavius Josephus, Judean War 2. Translation and Commentary by S. Mason, Leiden 2008.
Flavius Josephus, Jüdische Altertümer (hg. v. F. Kaulen), Köln 31892.
Flavius Josephus, Judean Antiquities 1-4 / 5-7 / 8-10. Translation and Commentary by L. H. Feldman e.a., Leiden
1999/2004.
„Flavius Josephus. Geschichtsschreiber zur Zeit Jesu“ (Themenheft): Welt und Umwelt der Bibel Nr. 32 (2004).
Goldschmidt L., Der babylonische Talmud. I-XII, Berlin 1929-1936.
Leipold J. / Grundmann W., Umwelt des Urchristentums. II. Texte zum neutestamentlichen Zeitalter, Berlin 31972.
Maier J., Die Qumran-Essener: Die Texte vom Toten Meer. I-III (UTB 1862/1863/1916), München 1995/96.
Philon von Alexandrien, Werke. I-VII (hg. v. L. Cohn), Berlin 1962ff.
Schäfer P., Jesus im Talmud (übers. v. B. Schäfer), Tübingen 2007.
Stemberger G., Einleitung in Talmud und Midrasch, München 81992.
Stemberger G., Midrasch. Vom Umgang der Rabbinen mit der Bibel, München 1989.
Stemberger G., Der Talmud. Einführung – Texte – Erläuterungen, München 1982, 70-285.
Strack H. / Billerbeck P., Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch. I-IV, München 1922-1928.

Allgemeines zur Zeit und Umwelt Jesu

Baumbach G., Art. Farisai/oj: EWNT III 992-997; Art. Saddoukai/oj: EWNT III 530-531.
Claußen C. / Frey J. (Hg.), Jesus und die Archäologie Galiläas (BThSt 87), Neukirchen-Vluyn 2008.
Dommershausen W., Die Umwelt Jesu. Politik und Kultur in neutestamentlicher Zeit, Freiburg/Br. 41987.
Fabry H.-J., Qumran: NBL III, Düsseldorf 2001, 230-260.
Fitzmyer J. A., Qumran: Die Antwort. 101 Fragen zu den Schriften vom Toten Meer (STB 18), Stuttgart 1993.
Frey J. / Stegemann H.(Hg.), Qumran kontrovers. Beiträge zu den Textfunden vom Toten Meer, Paderborn 2003.
Klauck H.-J., Die religiöse Umwelt des Urchristentums. I-II (StBTh 9/1-2), Stuttgart 1995/1996.
Kollmann B., Neues Testament kompakt, Stuttgart 2014, 59-78.
Küchler M. (Hg.), Texte, Fakten, Artefakte. Beiträge zur Bedeutung der Archäologie für die neutestamentliche For-
schung (NTOA / StUNT 59), Göttingen 2006.
Leipold J. / Grundmann W., Umwelt des Urchristentums. I-III, Berlin 31971-1973.
Lohse E., Umwelt des Neuen Testaments (GNT 1), Göttingen 91994.
Maier J., Zwischen den Testamenten. Geschichte und Religion in der Zeit des zweiten Tempels (NEB.AT Erg. 3), Würzburg
1990.
„Qumran“ (Themenheft): Welt und Umwelt der Bibel Nr. 9 (1998).
Schefzyk J. / Zwickel W. (Hg.), Judäa und Jerusalem. Leben in römischer Zeit, Stuttgart 2010
Schürer E., Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi. I-III, Leipzig 1901-1909 (= Hildesheim 1970).
Stegemann H., Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus, Freiburg/Br. 51996.
Stegemann W., Jesus in neuen Kontexten, Stuttgart 2002.
Stegemann W., Jesus und seine Zeit (Biblische Enzyklopädie 10), Stuttgart 2010
Stemberger G., Pharisäer, Sadduzäer, Essener, Stuttgart 2013 (Überarbeitung der Ausgabe von 1991).
Theißen G., Die Jesusbewegung. Sozialgeschichte einer Revolution der Werte, Gütersloh 2004.
Tiwald M., Das Frühjudentum und die Anfänge des Christentums. Ein Studienbuch (BWANT 208), Stuttgart 2016, bes. 117-
162.
Wilckens U., Theologie des Neuen Testaments. I/1. Geschichte des Wirkens Jesu in Galiläa, Neukirchen-Vluyn 2002, 67-95.
Zangenberg J., Jesus der Galiläer und die Archäologie. Beobachtungen zur Bedeutung der Archäologie für die historische
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Zangenberg J. / Attridge H. / Martin D. B. (Hg.), Religion, Ethnicity, and Identity in Ancient Galilee. A Region in Transition
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Jesus-Gesamtdarstellungen (mit historischer Rückfrage)

Becker J., Jesus von Nazaret (GLB), Berlin 1996.


Ben-Chorin S., Werke IV. Bruder Jesus. Der Nazarener in jüdischer Sicht, Gütersloh 2005.
Bieberstein S., Jesus und die Evangelien. II/1 (Edition NZN), Zürich 2015.
Biser E., Jesus. Sein Lebensweg in neuem Licht, Regensburg 2014.
Bock D. / Webb R., Key Events in the Life of the Historical Jesus, Tübingen 2009.
Bornkamm G., Jesus von Nazareth (UB 19), Stuttgart 151995.
Bühlmann W., Jesus, der Mann aus Nazaret. Portrait eines Bauhandwerkers und Predigers, Luzern 2003.
Busse U. / Reichardt M. / Theobald M. (Hg.), Erinnerung an Jesus. Kontinuität und Diskontinuität in der neutestamentlichen
Überlieferung (FS R. Hoppe / BBB 166), Göttingen 2011.
Crossan J. D., Der historische Jesus, München 1994.
Crossan J. D. / Reed J. L., Jesus ausgraben. Zwischen den Steinen – hinter den Texten, Düsseldorf 2003.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 3


Dunn J. D. G., Jesus Remembered (Christianity in the Making 1), Grand Rapids/Mich. 2003.
Ebner M., Jesus von Nazaret in seiner Zeit. Sozialgeschichtliche Zugänge (SBS 196), Stuttgart 2003.
Ebner M., Jesus von Nazaret. Was wir von ihm wissen können, Stuttgart 2007.
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Funk R. W., The Acts of Jesus. The Search for the Authentic Deeds of Jesus, San Francisco 1998.
Gnilka J., Art. Jesus Christus. I. Neues Testament: LThK V, Freiburg/Br. 31996, 804-815.
Gnilka J., Jesus von Nazaret. Botschaft und Geschichte (HThK.S 3), Freiburg/Br. 1990 (Sonderausgabe 22007).
Hauser L. (Hg.), Jesus als Bote des Heils. Heilsverkündigung und Heilserfahrung in frühchristlicher Zeit (FS D. Dormeyer /
SBB 60), Stuttgart 2008.
Heil C., Das Spruchevangelium Q und der historische Jesus (SBAB 58), Stuttgart 2014.
Hengel M., Die vier Evangelien und das eine Evangelium von Jesus Christus (WUNT 224), Tübingen 2008.
Hirschberg P., Jesus von Nazareth. Eine historische Spurensuche, Darmstadt 2004.
Holmén T. / Porter S. (Hg.), Handbook for the Study of the Historical Jesus. I-IV, Leiden 2011.
Hoppe R., Jesus. Von der Krippe an den Galgen, Stuttgart 1996.
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„Jesus von Nazareth. Annäherungen im 21. Jahrhundert“: HerKorr Spezial (2007).
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Kollmann B., Die Jesus-Mythen. Sensationen und Legenden, Freiburg/Br. 2009.
Kollmann B., Neues Testament kompakt (s. o.) 79-108
Kremer J., Wer war Jesus wirklich?: ders., Die Bibel beim Wort genommen. Beiträge zu Exegese und Theologie des Neuen
Testaments (hg. v. R. Kühschelm / M. Stowasser), Freiburg/Br. 1995, 321-338.
Laudert-Ruhm G., Jesus von Nazareth. Das gesicherte Basiswissen. Daten, Fakten, Hintergründe, Stuttgart 2002.
Limbeck M., Christus Jesus. Der Weg seines Lebens. Ein Modell, Stuttgart 2003.
Lohfink G., Gegen die Verharmlosung Jesu, Freiburg/Br. 2013.
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Marguerat D., Der Mann aus Nazareth. Was wir heute von Jesus wissen können, Zürich 2004.
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Merklein H., Die Jesusgeschichte – synoptisch gelesen (SBS 156), Stuttgart 1994.
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Onuki T., Jesus. Geschichte und Gegenwart (BThSt 82), Neukirchen-Vluyn 2006.
Neubrand M., Jesus Christus in den Evangelien. Zur Geschichte der historisch-kritischen Jesusforschung: ThGl 98 (2008)
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Niemand C., Jesus und sein Weg zum Kreuz. Ein historisch-rekonstruktives und theologisches Modellbild, Stuttgart 2007.
Niemand C., „Jesus – wie er wirklich war“? Annäherungen an ein historisch verantwortbares und theologisch ergiebiges
Jesusbild: ThPQ 151 (2003) 253-263.
Pesch R., In dubio pro traditione. Zur Überlieferungskritik von Erzählungen über Jesus: SNTU.A 34 (2009) 5-42.
Rau E., Perspektiven des Lebens Jesu. Plädoyer für die Anknüpfung an eine schwierige Forschungstradition, Stuttgart 2013.
Reiser M., Der unbequeme Jesus, Neukirchen-Vluyn 2011.
Roloff J., Jesus (Beck´sche Reihe 2142), München 22007.
Sanders E. P., Jesus and Judaism, Philadelphia 31991.
Schenke L., Jesus vor dem Dogma. Zur inneren Überzeugungskraft der Worte Jesu, Stuttgart 2014.
Schenke L. (Hg.), Jesus von Nazaret – Spuren und Konturen, Stuttgart 2004.
Schlosser J., Jésus de Nazareth, Paris 22002.
Schlosser J., La recherche historique sur Jésus: Menace et/ou chance pour la foi?: RevSR 80 (2006) 331-348.
Schnackenburg R., Die Person Jesu Christi im Spiegel der vier Evangelien (HThK.S 4), Freiburg/Br. 1993.
Scholl N., Jesus von Nazaret. Was wir wissen, was wir glauben können, Darmstadt 2012.
Schröter J., Jesus Christus (Themen der Theologie), Tübingen 2014.
Schröter J., Jesus von Nazaret. Jude aus Galiläa – Retter der Welt (Biblische Gestalten 15), Leipzig 2006.
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Theißen G. / Merz A., Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen 32001.
Theißen G., Jesus als historische Gestalt. Beiträge zur Jesusforschung. Zum 60. Geburtstag von G. Theißen hg. v. A. Merz
(FRLANT 202), Göttingen 2003.
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Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 4


Geographischer und zeitgeschichtlicher Hintergrund der Evangelien

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Busch P. / Faßbeck G. / Zangenberg J., „Er predigte in ihren Dörfern und Synagogen“. Die archäologische Forschung am
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Claußen C. / Frey J. (Hg.), Jesus und die Archäologie Galiläas (s. o.).
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Hengel M., Juden, Griechen und Barbaren (SBS 76), Stuttgart 1976.
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Interdisziplinäre Studien zu Grunddimensionen menschlicher Existenz (Gedenkschrift H. Merklein), Stuttgart 2003, 185-
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Kollmann B., Einführung in die neutestamentliche Zeitgeschichte, Darmstadt 2006.
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„Das Heilige Land“ (Themenheft): Welt und Umwelt der Bibel Nr. 4 (1997).
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Ostmeyer K.-H., Armenhaus oder Räuberhöhle? Galiläa zur Zeit Jesu: ZNW 96 (2005) 147-170.
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Riedo-Emmenegger C., Prophetisch-messianische Provokateure der Pax Romana. Jesus von Nazaret und andere Störenfriede
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Schmeller T., Jesus im Umland Galiläas: BZ 38 (1994) 44-66.
„Auf den Spuren Jesu. Teil 1: Von Galiläa nach Judäa; Teil 2: Jerusalem“ (Themenhefte): Welt und Umwelt der Bibel Nr.
42 (2006); Nr. 44 (2007).
Stowasser M., Pontius Pilatus in der Darstellung des Bellum Iudaicum: PzB 17 (2008) 91-103.
Strotmann A., Der historische Jesus (s. o.) 70-76.
Tiwald M., Das Frühjudentum (s. o.) 73-115. 237-256.
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Johannes der Täufer und Jesus

Backhaus K., Die „Jüngerkreise“ des Täufers Johannes. Eine Studie zu den religionsgeschichtlichen Ursprüngen des Chris-
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Becker J., Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth (BSt 63), Neukirchen-Vluyn 1972.
Ernst J., Johannes der Täufer. Interpretation – Geschichte – Wirkungsgeschichte (BZNW 53), Berlin 1989.
„Johannes der Täufer“ (Themenheft): BiHe 43/169 (2007).
Hoffmann P., Vom Freudenboten zum Feuertäufer. Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth in Q 7: Busse u.a. (Hg.),
Erinnerung an Jesus (FS R. Hoppe) (s. o.) 87-106.
Koch D.-A., „Du kommst zu mir?“ Johannes der Täufer und Jesus von Nazaret: BiHe 43/169 (2007) 9-11.
Merklein H., Die Umkehrpredigt bei Johannes dem Täufer und Jesus von Nazaret: ders., Studien zu Jesus und Paulus
(WUNT 43), Tübingen 1987, 109-126.
Müller C. G., „Ungefähr 30“: Anmerkungen zur Altersangabe Jesu im LkEv (Lk 3.23): NTS 49 (2003) 489-504.
Müller U. B., Johannes der Täufer. Jüdischer Prophet und Wegbereiter Christi (Biblische Gestalten 6), Leipzig 2002.
Müller U. B., Johannes der Täufer und Jesus von Nazaret. Ein Vergleich: ders., Christologie und Apokalyptik. Ausgewählte
Aufsätze (Arbeiten zur Bibel und ihrer Geschichte 12), Leipzig 2003, 42-58.
Öhler M., Elia im Neuen Testament. Untersuchungen zur Bedeutung des alttestamentlichen Propheten im frühen Christentum
(BZNW 88), Berlin 1997.
Öhler M., Wer war Johannes der Täufer? Von Johannes 1,19-28 bis Herakleon: Wiener Jahrbuch für Theologie 7 (2008) 327-
352.
Pellegrini S., „Für wen halten mich die Menschen?“ Elija – Johannes der Täufer – Jesus: BiHe 43/169 (2007) 12-14.
Puig i Tàrrech A., Why Was Jesus Baptized by John?: ders., Jesus. An Uncommon Journey. Studies on the Historical Jesus
(WUNT 2/288), Tübingen 2010, 143-162.
Schenke L., Jesus und Johannes der Täufer: ders. (Hg.), Jesus von Nazaret (s. o.) 84-105.
Tiwald M., Das Frühjudentum (s. o.) 200-205.

Verkündigung und Wirken in Galiläa

„Die Apostel Jesu. Bis an die Grenzen der Erde“ (Themenheft): Welt und Umwelt der Bibel Nr. 59 (2011).

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 5


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Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 8



Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 9

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 10
Palästina z. Z. Jesu
Palästina
Der heutige Staat Israel besitzt (mit den besetzten Gebieten Golan, Gazastreifen und Westjordanland) eine Ge-
samtfläche von 27 650 km2 (entspricht ungefähr der Größe Niederösterreichs). Trotz der relativen Kleinheit des
Landes (max. Länge: 420 km; Breite variiert zwischen 20 und 116 km) ist dieses Gebiet eine uralte Landbrücke
(zwischen Ägypten und Mesopotamien [ð fruchtbarer Halbmond]) und seit jeher Schnittpunkt und Drehscheibe
der Kulturen. – In Kontrast zur Kleinheit des Landes steht die Vielfalt von vier – klimatisch teilweise krass von-
einander unterschiedenen – Landschaftsabschnitten:
1. Küstenebene mit mediterranem Klima.
2. Westjordanisches Bergland (Galiläa, Samaria und Judäa) sowie Ostjordanisches Bergland (heute Jordani-
en). Diese Gebiete weisen starke klimatische Unterschiede auf: Galiläa ist gezeichnet durch hohe Fruchtbarkeit
infolge des klimabegünstigenden Sees Gennesaret, während die Judäische Wüste (stark hügelige Steinwüste im
Südosten von Jerusalem) typisches Wüstenklima aufweist.
3. Die Jordansenke schneidet tief in das Berg- und Hügelland ein (der Höhenunterschied Jerusalem – Jericho
beträgt über 1000 Meter). Die Fruchtbarkeit des Jordan wie auch die starke Depression zeitigen vor allem in der
Gegend um Jericho subtropische Vegetation (Jericho, die „Palmenstadt“). Das Tote Meer liegt fast 400 Meter
unter dem Meeresspiegel und bildet mit seinen zusätzlichen 400 Metern Tiefe die stärkste Depression der Welt.
4. Der Negev (das Südland): Niederschlagsarmes Wüstengebiet.

Galiläa
Soziologisches
a) Ethno-kulturelle Spannungen zwischen Juden und Heiden: Vgl. Jes 8,23 (zit. Mt 4,4) und 1 Makk 5,14f: „Ga-
liläa der Heiden/Fremdstämmigen“. Nach 721 v. (Fall des Nordreiches) wurden wohl ähnlich wie in Samaria
fremde Völker angesiedelt (vgl. 2 Kön 17,24-41). Unter dem Makkabäer Aristobul I. (104-103 v.) wird Galiläa
zurückerobert, mit Judäa vereinigt und erfolgreich rejudaisiert. – Zur Zeit Jesu war Galiläa zweifellos ein jüdisch
geprägtes Land, doch wurde es von einer hellenistisch geprägten Oberschicht in den Großstädten regiert. Das
zeitigte:
b) Sozio-ökologische Spannungen zwischen Stadt und Land: Galiläa war eine jüdische Enklave, umgeben von
hellenistischen Stadtrepubliken: Tyrus, Sidon, Ptolemais, der Dekapolis sowie dem verhassten Samaria mit dem
hellenistisch geprägten Sebaste. Aber auch mitten in Galiläa stehen die hellenistischen Städte (Sepphoris, Tibe-
rias) in krassem Gegensatz zur ländlich-dörflichen Umgebung und ihrer angestammten jüdischen Bevölkerung.
Besonders unter Herodes Antipas wird Sepphoris als hellenistische Stadt ausgebaut und Tiberias neu gegründet.
Die Zerstörungswut der Landbevölkerung richtet sich öfter gegen diese Städte, und auch die Jesusüberlieferung
schweigt von den beiden größten galiläischen Städten. Jesus wandte sich v.a. der Bevölkerung auf dem Land zu
und hatte zu den hellenistischen Zentren ein distanziertes Verhältnis.
c) Sozio-ökonomische Spannungen zwischen Reichen und Armen: Starke soziale Schichtung hängt vor allem
mit dem Landbesitz zusammen. Die Gleichnisse Jesu zeigen, dass die Großgrundbesitzer Absentismus prakti-
zierten (lebten in der Stadt), während die Pächter nur grollend ihre Erträge ablieferten (vgl. die rebellische
Stimmung in Mk 12). Die Kleinbauern lebten in kargen Verhältnissen, immer von Verschuldung bedroht (vgl.
das fremde Recht der Schuldhaft in Mt 5,25f; 18,23ff; häufiger Abstieg zu Pächtern, Mietarbeitern, Bettlern und
Räubern).
d) Sozio-politische Spannungen zwischen Herrschern und Beherrschten: Etliche Male belegt Flavius Josephus,
dass sich diese Spannungen in Aufständen und wiederholten Unruhen entluden. Die Pax Romana (vgl. Tacitus,
Hist 5,9,2: „sub Tiberio quies“) dürfte aufgrund des starken religiösen und kulturellen Widerstandes der Bevöl-
kerung in Palästina nur geringe Wirkungen gehabt haben.
e) Religiöse Spannungen zu Judäa und Jerusalem: Obwohl man in Galiläa in aller Treue zum Tempel stand und
die Unterscheidung zu den heidnischen Völkern betonte, galten die Galiläer aufgrund der unter a) genannten
Gründe als religiös ungebildet und als Ignoranten in rituellen Fragen (vgl. den JOCHANAN BEN ZAKKAI [um 70]
zugeschriebenen Ausruf: „Galiläa, Galiläa, du hasst die Tora!“).

Topographie
Nazaret: Nazaret liegt in einer fruchtbaren Gegend, im Hochtal eines Bergausläufers, offen zur Jesreelebene hin,
doch nicht direkt auf einem Berg (diff. Lk 4,29). Der Ort wird in vorchristlicher Zeit nicht genannt (weder im
AT noch bei Flavius Josephus). Nazaret war offensichtlich eher klein und unbedeutend (vgl. Joh 1,45f: „Kann
denn aus Nazaret etwas Gutes kommen?“). Im NT wird Jesus Nazarhno,j (Mk, Lk) oder Nazwrai/oj (Mt, Lk,
Apg, Joh) genannt (vielleicht vom ursprüngl. Namen Nazará: Lk 4,16 zum einzigen Mal im NT erwähnt). Nach

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 11


Lk 1-2 stammten Maria und Josef aus Nazaret, nach Mt 2,22 zogen sie erst später dorthin. Nazwrai,oi ist auch
älteste Bezeichnung für die Anhänger Jesu (Apg 24,5). Heute: Verkündigungsbasilika, Josefskirche, Marien-
brunnen und Gabrielskirche, alte Synagogenkirche.
Zippori (Sepphoris): 5 km nördlich von Nazaret. Von Herodes Antipas (Sohn Herodes d. Gr.) als hel-
lenistische Residenz ausgebaut. Vom hellenistischen Leben zeugen heute noch die Ruinen: Theater, Palast,
Nymphäum, Tetrapylon, Cardo und Decumanus sowie Villen mit Mosaiken („Venus von Galiläa“). Auch eine
große jüdische Siedlung und eine Synagoge (mit Mosaik). – Wird im NT nie erwähnt; offensichtlich hat Jesus
die hellenistische Stadt bewusst gemieden. Auch in den Gleichnissen Jesu spiegelt sich primär die Lebenswelt
der ländlichen Bevölkerung; die Stadtmetaphorik fehlt aber nicht völlig.
Kana: Das heutige Kafr Kana liegt 6 km nordöstlich von Nazaret. Moderne Forscher verlegen das biblische
Kana (vgl. Joh 2,1-11; 4,47; 21,2) aber eher nach Khirbet Kana (14 km nördl.).
Berg Tabor: Rundhügel am Rand der Jesreelebene, von Nazaret aus zu sehen; schon sehr früh besiedelt, altes
Heiligtum; in der Tradition (nicht im NT) als „Berg der Verklärung“ bestimmt.
Nain: südlich vom Tabor in der Ebene, in Lk 7,11 als „Stadt“ mit einem Stadttor gezeichnet (im Unterschied zu
den Ausgrabungen).
Kafarnaum: Wohnort des Simon und Andreas. Nach den Evangelien die Hauptstätte des Wirkens Jesu, nach Mt
9,1 „seine Stadt“ (ist Jesus regelrecht dorthin übersiedelt?). Wenn auch als „Stadt“ bezeichnet, war es doch eher
ein größeres Fischerdorf am See Gennesaret. 5 km entfernt verlief die Grenze zwischen dem Gebiet des Herodes
Antipas und dem Territorium des Philippus. An der Jordanmündung bei Betsaida lag eine Zollstätte (vgl. Mk 2 /
Mt 9); wohl deswegen war dort auch eine Garnison stationiert (vgl. Hauptmann von Kafarnaum, der – nach Lk
7,5 – den Bau der Synagoge förderte). – Die Ruinen einer herrlichen Synagoge aus dem 4./5.Jh. ruhen auf einem
Vorgängerbau aus dem 3. Jh. Unter diesem wiederum fand man die Grundmauer einer noch älteren Synagoge,
die in das 1. Jh. zurückgehen könnte. – Vis-à-vis der Synagoge befindet sich das „Haus des Petrus“: Unter einer
oktogonalen byzantinischen Kirche wurden Reste einer vorkonstantinischen „Synagogenkirche“ gefunden und
im Stratum darunter Grundmauern ärmlicher Wohnhäuser (bis ins 1. Jh. v. zurückgehend). Viel spricht dafür,
dass schon im 1. Jh. das Haus des Petrus hier lokalisiert wurde, möglicherweise aufgrund einer zutreffenden
Ortstradition.
Heptapegōn / Tabga: „Siebenquell“, wo warmes Wasser in den See strömt; Benediktinerkloster mit Brotver-
mehrungskirche und bedeutenden Mosaiken. In der Nähe wird Joh 21 lokalisiert: „Primatskapelle“ mit Mensa
Domini (Fels unter dem Altar); Berg über Tabga heute als „Berg der Seligpreisungen“ bezeichnet.
Ebene und See Gennesaret: mildes Klima, Fruchtbarkeit; „Galiläisches Meer“; atl. Ausgrabungen auf Tell
Kinneret; beim Kibbuz Ginnosar wurde 1986 das sog. „Jesusboot“ (aus dem 1. Jh. n.) gefunden.
Chorazin: 3 km nördl. v. Kafarnaum (vgl. Weherufe Mt 11,21par); Synagoge aus Basaltstein (3. Jh.).
Betsaida (Haus der Fischerei): Geburtsort des Simon, Andreas und Philippus nach Joh 1,44; 12,21; gehörte zum
Gebiet des Philippus; stärker hellenistisch geprägt; Wirken Jesu: Mt 11,21; Mk 8,22.
Magdala (= Turm der Fische), in Antike auch Tarichäa genannt: am Westufer des Sees, am Ausgang des Tau-
bentales; politisch und wirtschaftlich bedeutender Ort; im NT nur als Herkunftsort der Maria von Magdala er-
wähnt. Jüngst Synagoge (1. Jh.?) entdeckt.
Tiberias: Südlich von Magdala am Westufer gelegen. 17 bzw. 20 n. Chr. von Herodes Antipas (auf einem Grä-
berfeld) gegründet (nach Kaiser Tiberius benannt) und anstelle von Sepphoris zur Hauptstadt von Galiläa ge-
macht (bis 61 n.). Im 2. Jh. n. Chr. war die Stadt das wichtigste Zentrum jüdischen Geisteslebens. Dort lebte R.
AQIBA (135 n. von den Römern hingerichtet), dort wurde die Mischna redigiert und wohl auch der palästinische
Talmud. Im Vorort Hamat Tiberias sind Reste einer schönen Synagoge mit Nebenbauten und Mosaiken erhalten
(Ende 3. Jh.). – Jesus hat offensichtlich die Stadt gemieden, wo Herodes Antipas residierte (vgl. Lk 13,32). Hier
oder auf der Festung Machairos am Toten Meer ist auch das Gastmahl des Herodes zu lokalisieren, das nach Mk
6,21ff die Enthauptung des Johannes nach sich zog.
Tyrus und Sidon: am Meer (Mt 15,21; Mk 7,24). Jesus scheint in diesen Städten nicht gewirkt zu haben, wohl
aber kannte er sie – evtl. aus kurzen Besuchen in diesem Gebiet oder aus seiner Bibel (vgl. Weherufe über Cho-
razin und Betsaida Mt 11,21-22par).
Caesarea Philippi (diff. Caesarea am Meer): Hauptstadt des Tetrarchen Philippus (neben Betsaida); nahe der
Jordanquelle (heute Banyas: nach dem Pan-Heiligtum benannt). Nach Mk 8,27par Stelle des Petrusbekenntnisses
nach dem Rückzug Jesu in heidnisches Gebiet.
Dekapolis (Zehnstädte): Verwaltungseinheit südl. und südöstl. des Sees Gennesaret (vgl. Mk 4,25; 7,31ff): Orte
Gerasa (heute Dscherasch, 50 km vom See entfernt ð Vernichtung der Schweine [Mk 5,1-20], bedeutende
Ausgrabungen); Gadara (näher am See; Mt 8,28-34 korrigiert die mk Vorlage zu „Gadara“); Pella (nach Euse-

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 12


bius flohen dorthin die Christen während des Ersten Jüdischen Kriegs); Skythopolis (Bet-Schean, heute großer
archäologischer Nationalpark; in der Nähe Bet-Alfa: Synagoge mit Mosaik); Philadelphia (heute Amman) etc.

Samaria
Die Region Samaria liegt zwischen Galiläa und Judäa und ist nach der Stadt Samaria (Schomron, später Sebas-
te) benannt, der alten Hauptstadt des Nordreiches. Die Bevölkerung von Samaria war den Einwohnern von Judäa
verhasst, weil dort nach der Zerstörung des Nordreiches 722 fremde Völker angesiedelt wurden (vgl. 2 Kön
17,24-41). Die Samaritaner hatten auf dem Garizim (900 m) ein eigenes Heiligtum, wo sie auch heute noch ihr
Paschafest (mit Schlachtung der Lämmer) feiern. In der Nähe liegt Sichem (vgl. Jos 24: Landtag von Sichem;
Zentrum der Josefstämme Efraim und Manasse). An seine Stelle trat 72 n. Chr. das von Vespasian gegründete
Nablus (Neapolis), vgl. Joh 4,5ff: Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen bei Sychar; Frage nach der wah-
ren Anbetung Gottes: auf dem Garizim oder in Jerusalem.
Caesarea Maritima: auf dem Gebiet von Samaria, am Meer gelegen, ca. 20-10 v. Chr. von Herodes d. Gr. er-
baut; seit 6 n. Chr. Residenz des römischen Statthalters und seiner Truppen (vgl. die im Theater gefundene Pila-
tus-Inschrift). Die mondäne hellenistische Stadt (vgl. die weitläufigen Ruinen samt Aquädukten) wurde später
zur Kreuzfahrer-Festung umgebaut. Die Evangelien erzählen nichts von einem Aufenthalt Jesu in dieser Stadt,
wohl aber die Apg von christlichen Gemeinden, die auf Petrus und Philippus zurückgehen (Apg 8,40; 10,24).
Der Diakon Philippus hatte dort ein Haus (Apg 21,8f), Paulus weilte dort als Gefangener (Apg 23-26), später
wirkten dort Origenes (3. Jh.) und Eusebius (4. Jh.).

Judäa und Jerusalem


Jerusalem
Geographie: 25 km westlich vom Nordende des Toten Meeres; auf zwei Höhenrücken (Osten und Westen, da-
zwischen sog. Tyropoion-/Käsemachertal) gelegen. Umgeben vom Kidrontal im Osten (zum Ölberg hin) und
dem Hinnomtal im Westen und Süden. Die Stadt liegt 800 Meter über dem Meeresspiegel (Höhenunterschied zu
Jericho: 1000 Meter). In geographischer wie auch theologischer Hinsicht zog man zur Heiligen Stadt „hinauf“
(vgl. Gal 1,18; 2,1). Jerusalem liegt weder an einem Fluss noch an einer großen natürlichen Verkehrsstraße und
hat auch keine fruchtbare Umgebung (Judäische Wüste). Ihre Bedeutung verdankt die Stadt v. a. König David,
der hier die Bundeslade aufstellen ließ und Jerusalem zu seiner Stadt ausbaute.
Geschichte der Stadt: Die ältesten Reste Jerusalems (1800 v. Chr.) wurden auf dem Ophel (südlich der Tem-
pelareals) gefunden. Nachdem David die Stadt von den Jebusitern erobert hat, wird Jerusalem (die Davidstadt
auf dem Ophel) zum Reichszentrum erhoben. Tempelbau unter Salomo. Kultzentralisation unter Joschija. Wie-
deraufbau nach der Zerstörung von 587. Prachtvoller Ausbau der Stadt unter Herodes d. Gr.; Zerstörung 70 und
136 n. Chr. – Kreuzzüge im 11. und 12. Jh., dann Mameluckenherrschaft bis 1517, Osmanisches Reich von
1517-1917, gefolgt von der englischen Mandatszeit. Bei der Gründung des Staates Israel (1948) gehörte Ostjeru-
salem zu Jordanien. Seit dem Junikrieg 1968 ist ganz Jerusalem im Besitz Israels.
Zur Zeit Jesu: ca. 25.000-30.000 Einwohner, vermehrt durch eine große Zahl an Festpilgern, besonders aus
Judäa und Galiläa (vgl. Lk 2,41). Eine ausführliche Beschreibung der Stadt vor und zur Zeit des Jüdischen Krie-
ges (70 n. Chr.) erhalten wir durch FLAVIUS JOSEPHUS (Bell. V 136-247). Die Stadt hatte um das Jahr 70 drei
Mauern: Erste Mauer (Davidstadt, Tempel und südlicher Teil des Westhügels): aus der Hasmonäerzeit, von
Herodes überarbeitet und durch die zweite Mauer (Nordteil des Westhügels) ergänzt. Die dritte Mauer wurde
unter Agrippa I. (41-44 n. Chr.) geplant und begonnen, jedoch erst von den Aufständischen im Jüdischen Krieg
vollendet. Erst diese Mauer umfasste auch das Gebiet der heutigen Grabeskirche und des Golgota.
Tempelberg: Gemäß altorientalischen Vorstellungen ist zwischen dem Tempelbezirk (temenos) und dem eigent-
lichen Tempelgebäude (naos) zu unterscheiden. Der Jerusalemer Tempelbezirk unterteilt sich zusätzlich in den
allgemeinen Bezirk und den eigentlichen heiligen Bezirk (nur für Juden zugänglich). Der Tempelbereich erhob
sich als große Esplanade über Kidron- und Tyropoiontal. Vor allem gegen das Kidrontal fiel die Tempelstütz-
mauer bis über 50 Meter in die Tiefe ab (vgl. „Zinne des Tempels“ Mt 4,5f). Die von Säulenhallen eingefasste
Tempelesplanade nahm etwa ein Viertel der damaligen Stadt ein. Im Süden oder Osten der Esplanade befand
sich die Halle Salomos (vgl. Joh 10,23; Apg 3,11; 5,2; evtl. identisch mit der von Herodes erbauten dreischiffi-
gen Basilika, „Königliche Halle“ (stoa basilikē) genannt, im Süden des Tempelareals). In oder bei dieser Halle
wird wohl auch die Tempelreinigung zu lokalisieren sein. Der ganze Tempelberg (außerhalb des hl. Bezirks) galt
als Vorhof der Heiden, den auch Heiden betreten durften. Vor dem Eingang zum Vorhof der Frauen befand
sich eine steinerne Schranke mit Warntafeln, die Heiden den Eintritt in den Heiligen Bezirk verboten (vgl. Apg
21,29ff). Vom Vorhof der Frauen gelangte man in den Vorhof der Männer, in dem sich auch, durch ein Gatter
getrennt, der Brandopferaltar befand. In diesem Hof standen die Beter (vgl. Lk 18,11); hier wird auch Jesus
gebetet haben.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 13


Der eigentliche Tempel: Das eigentliche Tempelgebäude bestand aus Vorhalle, Heiligtum und Allerheiligstem
und entspricht damit altorientalischen Vorstellungen. Das Tempelgebäude durfte nur von Priestern betreten wer-
den. Die Vorhalle (ulam) diente der rituellen Vorbereitung und Reinigung. Von dort gelangte man in das Heilig-
tum (hekal). Darin befanden sich der siebenarmige Leuchter, der Schaubrottisch und der Räucheraltar. Für das
Weihrauchopfer waren die Priester nach einer eigenen Dienstordung eingeteilt (vgl. Zacharias in Lk 1,8-11).
Durch einen Vorhang vom Heiligtum getrennt war das Allerheiligste (debir). Während dieses in altorientali-
schen Tempeln der Platz für die Götterstatue war, befand sich im Salomonischen Tempel dort die Bundeslade.
Im Herodianischen Tempel hingegen stand das Allerheiligste leer, nachdem die Bundeslade in den Kriegswirren
von 587 v. Chr. verlorengegangen war.
Burg Antonia: Römische Festung an der nw. Ecke der Tempelesplanade. Dort war auch die römische Garnison
in Jerusalem stationiert und konnte bei Unruhen auf dem Tempelberg (Festzeit – viele Pilger) auf der Stelle
einschreiten.
Herodespalast (heute Zitadelle): Der Palast lag am Westhügel von Jerusalem und war mit einer dreitürmigen
Befestigungsanlage gesichert. Zu den unruhigen Festtagszeiten übersiedelte der Präfekt von Cäsarea nach Jerusa-
lem und wohnte dann im Herodespalast. Wahrscheinlich hat hier auch der Prozess Jesu stattgefunden – und
nicht, wie lange Zeit angenommen, im Legionslager, der Burg Antonia. Mit dem griechischen Wort lithostrotos
(„Steinpflaster“ / Joh 19,13) sind jedenfalls nicht die Steinplatten unter dem sogenannten „Ecce homo-Bogen“
der Via Dolorosa gemeint, da diese eindeutig erst aus der Zeit Hadrians (2. Jh. n. Chr.) stammen. Lithostrotos
könnte vielmehr einen schönen Festsaal mit Mosaiken im Herodespalast meinen, in dem der Statthalter Audien-
zen und Gerichtssitzungen abhielt. Der aramäische Ausdruck gabbata (Anhöhe / Joh 19,13) könnte dann auf die
erhöhte Lage des Westhügels verweisen. Der Verlauf der historischen Via Dolorosa (Tradition aus der Kreuzfah-
rerzeit) wäre somit zu korrigieren.
Golgota: Lag nach Aussage aller Evv außerhalb der Stadt (für Gräber und Hinrichtungsstätten vorgeschrieben).
Der Golgotafelsen in der heutigen Grabeskirche kann mit größter Wahrscheinlichkeit als historisch korrekt ge-
wertet werden. Zur Zeit Jesu lag Golgota tatsächlich außerhalb der zweiten Stadtmauer (was lange Zeit umstrit-
ten war). Erst nach dem Tod Jesu wurde dieser Abschnitt in die dritte Stadtmauer aufgenommen.
Das Gebiet um Golgota war ein aufgelassener Steinbruch aus vorexilischer Zeit, wobei der Golgota, eine etwa
15 Meter hohe Kuppe, stehengeblieben war. Die Form des heutigen Golgota (unter dem Kreuzigungsaltar der
Grabeskirche) erinnert tatsächlich an einen kahlen Schädel (aram. golgota = Schädelstätte). Da der Ort unmittel-
bar vor der Stadtmauer lag (vgl. Mk 15,29) und erhöht war, eignete er sich besonders gut zur Vollstreckung
öffentlicher Hinrichtungen. Auch die Aussage, dass das Grab „gleich in der Nähe“ war, scheint historisch kor-
rekt zu sein: die Stollen des alten Steinbruches dienten als Grabkammern. Tatsächlich fand man auch um das Hl.
Grab der Grabeskirche noch eine Reihe anderer Gräber.
Judäa
Jericho: 250 m unter dem Meeresspiegel; 9,5 km nördlich vom Toten Meer. Der Weg nach Jerusalem beträgt
zwar nur 27 km (Direktweg durch das Wadi Qelt), doch sind 1000 m Höhenunterschied und der Weg durch die
unsichere Judäische Wüste dabei zurückzulegen (vgl. Lk 10,30-37). Jericho gilt als älteste Siedlung der Mensch-
heit (9000 v. Chr. erste Spuren; um 7000 bereits ein steinerner Turm zu kultischen [?] Zwecken). Das Klima in
Jericho ist ausgesprochen mild bis subtropisch. Es gedeihen Bananenstauden und Mangos. Dem AT galt Jericho
als „die Palmenstadt“ (Dtn 34,3). Die Hasmonäer und dann Herodes d. Gr. ließen sich hier einen großartigen
Winterpalast errichten. – Vgl. Lk 19,2ff Jesus und Zachäus; Mk 10,46 Heilung des blinden Bartimäus.
Ölberg: Im Osten von Jerusalem gelegen und von diesem durch das Kidrontal getrennt, überragt der Ölberg die
Stadt. Hinter dem Ölberg (gegen Osten) beginnt die Judäische Wüste, deren Klima auch Jerusalem wesentlich
beeinflusst. Am Ölberg selber befindet sich der Ort Betfage (am Osthang des Ölberges), kurz vor der Wüste
dann der Ort Betanien (Lazarus, Maria und Marta). Am Gipfel des Ölbergs gedenkt man der Himmelfahrt Jesu
(oktogonale Kreuzfahrerkapelle mit schönen Kapitellen, heute Moschee). Am Westhang des Ölbergs, fast schon
im Kidrontal, liegt Getsemani (gat schemanim: „Presse der Öle“). Jesus betete hier (Mk 14,32ff) vor seinem
Leiden (die Nähe zur Judäischen Wüste hätte eine gute Möglichkeit zur Flucht geboten) und wurde hier gefan-
gengenommen (vgl. Joh 18,1ff).
Betlehem: 7 km südlich von Jerusalem; auch „Betlehem Efrata“ (Mich 5,1) genannt, um es von Betlehem Zabu-
lon (Jos 19,5) zwischen Haifa und Nazaret zu unterscheiden. – Betlehem war die Heimat berühmter Männer:
Boaz (Rut 4,22; 1 Sam 16,1), Isai (= Jesse) und David (1 Sam 17,12 u. ö.); nach Mi 5,1-4 auch Heimat des künf-
tigen (messianischen) Herrschers (vgl. Mt 2,15; Lk 2,4-17; Joh 7,42). Nach Mt 2 und Lk 2 wurde auch Jesus in
Betlehem geboren. Neben historischen Bedenken sehen modernere WissenschaftlerInnen auch theologisch in Mt
2 und Lk 2 midraschartige Ausgestaltungen des jüdischen Theologumenons der Messiasgeburt in Betlehem.
Heute: Geburtskirche aus der Zeit Konstantins, mit Erweiterung unter Justinian, darunter Geburtsgrotte; daneben
kath. Katharinenkirche; in näherer Umgebung Hirtenfeld mit Grotten. – In der Nähe: Festung Herodeion (an der
Außenseite wurde 2007 das Grab des Herodes gefunden) und ein weiterer Herodespalast.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 14


Die Zeit zwischen Herodes I. und dem Jüdischen Krieg
Im Unterschied zu mythischen Erzählungen ist das Leben Jesu von Nazaret engstens mit einer kon-
kreten geschichtlichen Situation verknüpft (vgl. den „Synchronismus“ in Lk 3,1f). Über diese Zeit
informieren uns auch profane Quellen, bes. FLAVIUS JOSEPHUS und PHILO VON ALEXANDRIEN.
Herodes I. / der Große
Seit der Eroberung Jerusalems durch C. Pompeius (63 v Chr.) befand sich Judäa unter römischer
Oberhoheit. Doch Schwierigkeiten im unruhigen Palästina (Parthereinfall) zwangen die Römer, sich
mit dem Militärführer Herodes, einem judaisierten Idumäer und Gegner der Parther, zu verbünden.
Herodes wurde von Rom zum rex socius (verbündeter König: innenpolitisch ohne Machtbeschrän-
kung, außenpolitisch aber völlig von Rom abhängig) ernannt und regierte das Land 37 - 4 v. Chr. Als
Idumäer (vgl. das alte Edom südlich des Toten Meeres) war Herodes ein Fremdling auf dem Thron in
Jerusalem. Um diesen Makel zu beheben, heiratete er Mariamne/Mariamme aus dem Geschlecht der
Hasmonäer. Das verringerte aber nicht seine Sorge um den Thron. Deshalb ließ er ihren Bruder, seinen
Schwager Aristobul, den er zum Hohenpriester gemacht hatte, im Bad ermorden; ebenso später seine
Gattin Mariamne und zwei ihrer Kinder (die Hasmonäer Alexander und Aristobul: 7 v.). Damit hatte
er schließlich alle Hasmonäer ausgerottet. Fünf Tage vor seinem Tod ließ er noch Antipater, seinen
Sohn aus erster Ehe, töten, den er zunächst zum Thronerben bestimmt hatte.
Für die Regierungszeit des Herodes ist ein Doppeltes charakteristisch:
1. Herodes entfaltete eine große Bautätigkeit im gesamten Land (z. B. Jerusalemer Tempel, Burg An-
tonia, Herodeion bei Betlehem, Festung Masada, Winterpalast in Jericho; Städte Sebaste und Cäsarea
etc.). Der Baustil des Herodes ist in der Tat unverkennbar (vgl. typische „Herodesquader“) und zählt
zum Schönsten, was das Hl. Land je an Architektur hervorgebracht hat.
2. Herodes erkannte die Griechen als gleichberechtigt an. Anders als seine Vorgänger förderte er die
griechische Kultur und unterstützte heidnische Kulte. Daher die Feindschaft der Pharisäer, die ihn
auch beim Volk unbeliebt machte.
Nachfolger des Herodes d. Gr.
Herodes hatte 10 Frauen. Die für die Nachfolge wichtigsten und ihre Söhne können schematisch auf
folgende Weise verdeutlicht werden:
Herodes I. (37 - 4 v.)

Mariamne I. Mariamne II. Malthake Kleopatra


(2. Ehe) (3. Ehe) (4. Ehe) (5. Ehe) (6.-10.Ehe)

Aristobul Herodes Boethos Archelaos Herodes Antipas Philippus


(+ 7 v.) (verh. mit Herodias (4 v.-6 n.) (4 v.-39 n.; (4 v.-34 n.;
[Mutter der Salome], 1. Ehe mit Tochter verh. mit
diese später mit des Aretas IV. Salome)
Antipas verheiratet) 2. Ehe mit Herodias)
Agrippa I.
(37-44 n.)

Agrippa II.
(50-94 n.)
Herodes I. bestimmte, dass ARCHELAOS, HERODES ANTIPAS und PHILIPPUS seine Nachfolger würden.
Doch diese Nachfolge musste in Rom bestätigt werden. Daher reisten die Söhne nach Rom, „um die
Königsherrschaft zu erlangen“ – allerdings gegen den Willen des Volkes, das eine Gegengesandtschaft
abschickte (Reflex evtl. in Lk 19,12.14). Rom setzte die drei von Herodes Bestimmten zu romhörigen
Klientelfürsten ein (Archelaos als „Ethnarch“, die beiden anderen als „Tetrarchen“).
Archelaos (4 v. - 6 n. Chr.): Judäa, Samaria und Idumäa
Archelaos kam mit den politischen und religiösen Spannungen seines Reiches nicht zu Rande. Er war
beim Volk unbeliebt und gefürchtet (vgl. Mt 2,22). Schon 6 n. Chr. wurde er seines Amtes enthoben.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 15


An seine Stelle traten römische Präfekten (Statthalter), die in Caesarea Maritima residierten. Zu diesen
zählt Pontius Pilatus (26-36 n. Chr.).
Philippus (4 v. - 34 n. Chr.): Gaulanitis, Trachonitis, Batanäa
Philippus regierte ein überwiegend von Nicht-Juden besiedeltes Gebiet; er gründete Caesarea Philippi.
Seine Residenz war teilweise in Betsaida am See Gennesaret.
Herodes Antipas (4 v. - 39 n. Chr.): Galiläa und Peräa
Als Gebieter von Galiläa war er sozusagen „Landesherr“ Jesu. Ähnlich wie sein Vater war er einer-
seits den Juden gegenüber entgegenkommend und verteidigte ihre Sitten. Andererseits gab er sich als
griech.-hellenist. Fürst (z. B. Bau der hellenist. Stadt Tiberias [Kaiser Tiberius geweiht] auf einem
Gräberfeld). Er stand später unter dem bes. Einfluss der HERODIAS (nach FLAVIUS JOSEPHUS die Frau
seines Stiefbruders Herodes Boethos; nach Mk 6,17-29 [Enthauptung des Täufers] die Frau des Phi-
lippus und Mutter der Salome [Name bei Mk nicht genannt]). Diese drängte ihn, sich in Rom um die
Königswürde zu bemühen. Antipas’ Versuch schlug fehl: Der argwöhnische Caligula verbannte ihn 39
n. Chr. nach Lyon, wohin ihm Herodias folgte. Sein Land erhielt Agrippa I. Nach Lk 13,32 nannte
Jesus Herodes Antipas einen „Fuchs“ und mied ihn, obwohl Herodes den Wunsch äußerte, den Wun-
dertäter zu sehen (Lk 9,9). – An einer Vorführung Jesu vor Herodes im Rahmen des Prozesses (vgl. Lk
23,6-15) bestehen jedoch historische Zweifel (Einfluss von Ps 2,1f?).
Pontius Pilatus (26-36 n. Chr.): Statthalter der Provinz Judäa
Er war der 5. Präfekt nach Archelaos. Außerbiblisch ist sein Name seit 1911 durch den „Pilatusstein“, eine Wei-
heinschrift, die seinen Namen trägt, bezeugt. Der Stein wurde im Theater von Caesarea in sekundärer Verwen-
dung gefunden. Lk 3,1 („Synchronismus“) erwähnt ihn beim Zeitpunkt des Auftretens des Täufers als den Statt-
halter im 15. Jahr des Tiberius (14-37 n. Chr.), d. h. im Jahr 28.
Für die Beurteilung seiner Rolle im Prozess Jesu sind außer den Evangelien die Angaben bei FLAVIUS JOSEPHUS
Ant. XVIII 8 (257-309); Bell. II 169-177 und PHILO, Legatio ad Gaium § 299-305 heranzuziehen. Während Philo
das Bild des Statthalters polemisch verzerrt, die Evangelien hingegen um eine Schönung des Pilatusbildes be-
müht sind (Stellung der frühen Christen im römischen Staat), versucht Josephus (als Jude und Römerfreund) ein
eher neutrales Bild zu zeichnen. Gegen Philo wird man Pilatus keine prinzipielle Judenfeindlichkeit anlasten
können (vgl. jedoch Lk 13,1-3), wohl aber viel Unverständnis gegenüber jüdischen Bräuchen und Eigenheiten.
Jüdischer Krieg
Vor dem Krieg
Herodes Agrippa I. (37-44): Nach dem Tod des Philippus (34) fiel dessen Herrschaftsgebiet zunächst an die
Provinz Syrien und ab 37 an Herodes Agrippa, einen Enkel Herodes d. Gr. und Günstling des Kaisers Caligula.
Nach der Verbannung des Antipas (39) erhielt Agrippa auch Galiläa und Peräa. 41 n. forderte Caligula, dass im
Tempel sein Standbild aufgestellt werde (vgl. „Gräuel der Verwüstung“ Mk 13,14). Nach Caligulas Ermordung
folgte Claudius, der Agrippa ab 41 auch noch die Herrschaft über Judäa, Samaria und Idumäa übertrug. Herodes
Agrippa vereinigte 41-44 also noch einmal ganz Palästina unter seiner Herrschaft. Unter ihm wurde Jakobus d.
Ä. hingerichtet und Petrus ins Gefängnis geworfen (Apg 12,1-3.19). – Nach dem Tod des Agrippa (44) kam ganz
Palästina unter röm. Prokuratoren, die dem Statthalter von Syrien unterstanden und ihren Amtssitz in Caesarea
hatten. Der Sohn Agrippas, Agrippa II., damals erst 17 Jahre alt, wurde später König über das Gebiet des Phi-
lippus. Er erregte Anstoß, weil er mit seiner Schwester Berenike offenkundig zusammenlebte (vgl. Apg 25,13).
Der Jüdische Krieg (66 - 70/74)
Unter den nun folgenden römischen Prokuratoren wuchsen Hass und Widerstand gegen die Römerherrschaft.
Ein Übergriff auf den Tempelschatz durch den Prokurator Gessius Florus 66 n. Chr. brachte den Aufstand. Die
Römer wurden überrumpelt und aus Jerusalem vertrieben. Kaiser Nero entsandte mit Vespasian seinen besten
General. Dieser traf nach gründlicher Vorbereitung im Jahre 67 mit seinem Sohn Titus in Palästina ein und be-
gann das Land von Norden (Galiläa) her zu erobern. Als Vespasian Mitte 69 zur Belagerung Jerusalems ansetzte,
wurde er von seinen Truppen zum Kaiser ausgerufen und überließ den Feldzug seinem Sohn Titus. Dieser be-
gann Jerusalem zu Beginn des Jahres 70 zu stürmen und konnte es nach erbittertem Widerstand einnehmen (Dar-
stellung der Tempelbeute am Titusbogen in Rom). Das letzte Widerstandsnest im Land, die Festung Masada,
konnte erst 74 ausgehoben werden.
Bar Kochba-Aufstand (132-135)
Unter Kaiser Hadrian (117-138) kam es zum Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht. Der Anführer
Simeon ben Kos(i)ba wurde von R. Aqiba als „Bar Kochba“ (aram. „Sternensohn“; vgl. Num 24,17-19) bezeich-
net und als „Messias“ begrüßt. Bar Kochba verschanzte sich in Bet Ter, 11 km südöstlich von Jerusalem am
Toten Meer, und fiel bei der Eroberung. Nach 135 wurde Jerusalem zur röm. Kolonie Aelia Capitolina. Bis zum
4. Jh. war den Juden das Betreten der Stadt verboten, danach das Beten an der Klagemauer nur am Gedächtnistag
der Zerstörung Jerusalems erlaubt.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 16


Rabbinisches Schrifttum und Schriftexegese
Geschichte des rabbinischen Judentums
Rabbinen Zeit Erklärung
Tannaiten Von: * entweder: 300 v. Chr. Die Mischna ist die Frucht der
Von aram. tanna (hebr. hnv / šnh * oder: Hillel & Schammai Arbeit der Tannaiten. Den Ab-
= wiederholen, durch Wiederho- (um die Zeitenwende). schluss der Tannaiten und der
lung lernen). * oder: erst ab 70 n. Chr. Mischna bildet JEHUDA HA-
Bis: frühes 3. Jh. NASI (auch einfach nur „RABBI“
genannt) † um 220 n. Chr.
Amoräer Vom frühen 3. Jh. bis etwa 500 Die Amoräer kommentieren das
Von rma (’mr = sagen, kommen- n. Chr. Werk der Tannaiten. Ihr Werk
tieren). findet Eingang in den Talmud.
Saboräer Von 500 bis ins frühe 7. Jh. Gemäß der „Meinung“ der
Von rbf (śbr = meinen). Saboräer wird das Erbe der
Amoräer rezipiert. Das findet
seinen Ausdruck im babyloni-
schen Talmud (s. u.).
Geonim Bis in das 11. Jh. in Babylonien. Ehrentitel der Schuloberhäupter
Von !AaG" (gā’ôn = Herrlichkeit). in Babylonien.

Das rabbinische Schrifttum


Mischna
Der Ausdruck stammt von hnv (šnh = wiederholen, durch Wiederholung lernen). Ziel der Mischna ist
es, die wichtigsten Gesetze, Vorschriften und Traditionen aus der schriftlichen (Hebräische Bibel) und
mündlichen Überlieferung zusammenzuschreiben. Die Mischna findet ihren Abschluss durch „RABBI“
(Jehuda ha-Nasi) um das Jahr 220 n. Chr.
Die 6 Ordnungen der Mischna lauten: 1) Zeraim (Samen): Vorschriften für die Landwirtschaft
2) Moëd (Festzeit): Sabbat, Fest- und Fasttage
3) Naschim (Frauen): Ehegesetze
4) Neziqin (Schaden, Unrecht): Zivil- und Strafrecht
5) Qodaschim (Heiliges): Tempel, Kult, Speisegesetze
6) Toharot (Reinheiten): Reinheitsgebote
Tosefta
Von @sy (jsf = hinzufügen). Die Tosefta läuft weithin parallel zur Mischna und ist gleich ihr in sechs
Ordnungen gegliedert. Der Stoff der Tosefta ist jedoch viermal so groß wie der der Mischna.
Traditionellerweise gilt die Tosefta als Werk des RABBI CHIJJA BAR ABBA, eines Schülers und Freun-
des RABBIS (des letzten Tannaiten). Knapp nach der Mischna entstanden (also um 250 n. Chr.), ist sie
ein Supplement zu dieser. Ihr Zweck ist es, die in die Mischna nicht aufgenommenen Traditionen zu
bewahren. Höchstwahrscheinlich stammt die Tosefta aus der Zeit kurz nach der Mischna. Manche
Stücke dürften freilich viel älter sein, einige aber wohl auch jünger (bis ins 5. Jh.).
Baraita
Baraita (= die draußen befindliche [Lehre]) ist eine den Tannaiten zugeschriebene Lehre, die weder in
die Mischna noch in die Tosefta aufgenommen wurde. Baraitot finden sich im Talmud in der Gemara
(s. u.). Dort werden sie meist mit den Worten „tennu Rabbanan“ (Lehre der Väter) eingeleitet. Die
Baraitot sind meist in Hebräisch verfasst – im Unterschied zum Aramäisch des restlichen Talmuds.
[Tosefta und Baraita zusammen bilden die „äußere Mischna“ oder „Nebenmischna“.]
Talmud
Von dml (lmd = üben, lernen). Der Talmud ist eine Art „kommentierte Neubearbeitung“ der Mischna.
Er umfasst 1. die volle Mischna, 2. deren Deutung und Interpretation in der Gemara (s. u.), 3. Ergän-
zungen aus Baraitot und Midraschim. Den Talmud gibt es in zwei Formen: als palästinensischen und
als babylonischen Talmud.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 17


Gemara
Von rmg (gmr = vollenden). Die Gemara ist der Kommentar zur Mischna. Man unterscheidet einen
babylonischen Zweig und einen Jerusalemer (palästinischen) Zweig.
Palästinischer Talmud
Auch als „Jerusalemer“ Talmud bezeichnet (Talmud Jeruschalmi), abgekürzt Tj. Doch ist diese Be-
zeichnung irreführend: Zur Abfassungszeit des Tj war es Juden verboten, Jerusalem zu betreten. Ab-
fassungsort ist daher Tiberias, nicht Jerusalem. Der Tradition nach wurde Tj von RABBI JOCHANAN
BAR NAPPACHA (Ende des 3. Jh.) redigiert. Dennoch sind die letzten im Werk genannten Lehrer erst
in die erste Hälfte des 5. Jh. zu datieren. Demnach hat das Werk seine Endgestalt wohl erst um 450
erhalten. Im Tj haben nicht alle Traktate der Mischna eine Gemara. Vor allem die beiden letzten Ord-
nungen Qodaschim und Toharot werden nicht erklärt. Vermutlich musste der Tj vorzeitig abgeschlos-
sen werden. Die politischen Unruhen um 450 erhärten diese Annahme.
Babylonischer Talmud
Der Talmud Babli / Tb ist fast dreimal so umfangreich wie der Tj. Zwei Drittel des Stoffes sind dabei
haggadischer Natur (Legenden, Anekdoten, Wissen aus Medizin, Mathematik, Astronomie etc.). Alles
(!), was in den jüd. Schulen Babyloniens gelehrt wurde, kam in den Talmud, z. B. auch viele Midra-
schim zu Bibelstellen. Nach der Tradition kam der Tb unter RAB ASCHI († 424 od. 427) und RABINA
(letzter Amoräer, † 500) zum Abschluss. Tatsächlich ist die Zeit Aschis und Rabinas ein Fixpunkt in
der Redaktion des Talmuds, doch die endgültige Redaktion des Tb erfolgte durch die Saboräer. Die
Tradition weist ihnen zwar nur eine untergeordnete Rolle bei der Endredaktion des Tb zu, doch dürfte
ihre Bedeutung in Wirklichkeit viel größer gewesen sein. Der Abschluss des Tb fällt wohl mit der
Eroberung Babyloniens durch die Araber (634) zusammen. Der Tb erlangte bald größere Bedeutung
als der Tj; schon ab dem 11. Jh. verdrängte er diesen ganz und wurde zum Talmud schlechthin.
Jüdisch-rabbinische Schriftexegese
Midrasch
Vom Wort vrd (drš = suchen, nachforschen, untersuchen) abgeleitet, nennt man die Art der jüdischen
Schriftauslegung Midrasch (pl.: Midraschim). Ansätze zu einer midraschartigen Auslegung sind be-
reits im Alten Testament als Interpretation älterer Texte bezeugt (s. u.). Die ältesten greifbaren Belege
für die Theorie rabbinischer Schriftinterpretation haben wir in den sieben Middot (= Regeln zur
Schriftauslegung), welche die Tradition Rabbi Hillel, einem Zeitgenossen Jesu, zuschreibt. Prinzipiell
lassen sich zwei verschiedene Arten von Midraschim unterscheiden:
Midraschê Halacha
Auch kurz als Halacha (Adj.: halachisch) bezeichnet. Von $lh (hlk = gehen); meint den rechten Le-
benswandel. Diese Art des Midrasch bezeichnet alle Auslegungen von Bibel und jüdischer Tradition,
die sich auf das Gesetz und auf konkrete juridische Anweisungen beziehen. Die Halacha stellt sozusa-
gen eine komprimierte Zusammenfassung der Gesetzesvorschriften aus Bibel und Tradition dar.
Midraschê Haggada
Auch kurz als Haggada (Adj.: haggadisch) bezeichnet. Von dgn (ngd = erzählen); meint eine spirituel-
le, narrativ ausdeutende und erzählende Art der Exegese. In die Haggada sind viele verschiedenartige
Erzählungen, Fabeln und Anekdoten eingegangen. Berühmtestes Beispiel ist die Pesach-Haggada.
ð Midrasch, Halacha und Haggada meinen zunächst keine Bücher, sondern literarische Genera. Es
gibt aber auch einzelne Bücher, die mit dieser Gattungsbezeichnung benannt werden.
Vorformen der Midraschim finden sich in:
Altes Testament: Die Bibel selbst ist der älteste Beleg für jüd. Schriftauslegung. Die Bücher der Chronik (1/2
Chr) können als midraschartige Relektüre der älteren Königsbücher (1/2 Kön) verstanden werden. Ziel ist nicht
eine wortwörtliche Wiedergabe älterer Texte, sondern deren Deutung und Aktualisierung. Kennzeichnend für
diese Exegese ist es, Spannungen und Widersprüche in der Bibel auszugleichen, unklare Passagen zu erhellen,
zu deuten und Unsicherheiten des Heiligen Textes von anderen Aussagen der Schrift her zu beseitigen.
Septuaginta (LXX): Die Septuaginta ist die Übersetzung der Hebräischen Bibel in das Griechische (3. Jh. v.
Chr. in Alexandria). Diese Übersetzung erfolgt meist nicht wortwörtlich, sondern bietet eine deutende und para-
phrasierende Interpretation des hebräischen Textes.
Frühjüdische Literatur: In der frühjüdischen Literatur zwischen 200 v. bis 100 n. Chr. lässt sich ein besonders
starkes Interesse an der Bibelauslegung nachweisen. Zu nennen wären aus der großen Fülle:

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 18


Äthiopisches Henochbuch, Jubiläenbuch, Liber Antiquitatum Biblicarum, Psalmen Salomos sowie einzelne
Abschnitte bei Flavius Josephus und Philo von Alexandrien.
Targumim: Targumim (sg.: Targum) sind Übersetzungen der Hebr. Bibel in das Aramäische. Noch weniger als
der LXX geht es den Targumim um eine wortwörtl. Übersetzung, sondern um Deutung u. Auslegung der Texte.
Neues Testament: Auch im NT stoßen wir auf etliche Belege einer midraschartigen Exegese. Vor allem die
unserem heutigen Denken öfter „unlogisch“ anmutende Exegese des Apostels Paulus bedient sich solcher Inter-
pretationsmuster, genauso etliche Passagen des JohEv und der Kindheitsevangelien.
Vgl. Pescher: Von rvp (pšr = auslegen, deuten). Meint die besondere Art der Schriftauslegung in Qumran. Nach
der Zitation einer Bibelstelle folgt, mit pischro (= seine Auslegung) betitelt, der Kommentar. Pescherim gibt es
hauptsächlich zu den prophetischen Schriften und den Psalmen. Die Pescher-Deutung bezieht den Bibeltext ganz
konkret auf die Gemeinschaft von Qumran. Pescherexegese zeichnet sich also durch eine – der rabbinischen
Form der Midraschexegese nicht geläufige – radikale Aktualisierung des Bibeltextes aus. In den Bildworten der
Propheten sieht man allegorisch die eigenen Feinde und die Situation der eigenen Gemeinde reflektiert.
Skizze zur rabbinischen Literatur nach W. BÖSEN: Der letzte Tag des Jesus von Nazaret, Freiburg
1994, S. 30:

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 19


RELIGIONSPARTEIEN (W. Bösen)

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 20


Johannes der Täufer und Jesus
Die Quellen

Q:
Mt 3,7-10 / Lk 3,7-9: Gerichtspredigt: Schlangenbrut, kein Entrinnen, Früchte würdig der Umkehr bringen; keine
Berufung auf Abraham als Vater, Gott kann sich aus Steinen Kinder erwecken; Axt schon an Wur-
zel der Bäume gelegt, Baum ohne gute Frucht wird umgehauen u. verbrannt
Mt 3,11-12 / Lk 3,15-18: kommender Stärkerer (nicht wert, seine Sandalen zu tragen / deren Riemen zu lösen)
wird „mit Hl. Geist und Feuer“ taufen; hat Worfschaufel schon in der Hand, wird Tenne reinigen,
Weizen in die Scheune sammeln, Spreu in unauslöschlichem Feuer verbrennen
Mt 11,2-15.16-19 / Lk 7,18-30.31-35; 16,16: Anfrage des Täufers; Jesu Antwort und Urteil über ihn (mit „Stür-
merspruch“ Mt 11,12 / Lk 16,16); Beurteilung durch „diese Generation“.

Mk:
Mk 1,2-8 par: Auftreten in der Wüste, Verkündigung von Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden;
Zulauf; Beschreibung: Aussehen, Lebensweise; Wort vom kommenden Stärkeren, der „mit Hl.
Geist“ taufen wird
Mk 1,9-11 par: Taufe Jesu durch Johannes
Mk 1,14 par: Gefangennahme („Überlieferung“) und Beginn des Wirkens Jesu
Mk 2,18 par: Fasten der Jünger des Täufers
Mk 6,14-29 par: Tod des Täufers.

SLk:
Lk 1,5ff: Ankündigung der Geburt an Zacharias, Begegnung von Maria und Elisabet, Geburt ..., Wachs-
tumsnotiz 1,80
Lk 3,10-14: Standespredigt (über Q hinaus): Menge, Zöllner, Soldaten
Lk 11,1: Lehren eines Gebetes an die Jünger.

Joh:
Joh 1,6-8.15: Zeugnis des Johannes („Täufereinschübe“ im Prolog)
Joh 1,19-36: Tätigkeit in „Betanien ... jenseits des Jordans“ (V. 28), Hinweis auf Jesus als „Lamm Gottes“
(V. 29.36), Überwechseln einiger seiner Jünger zu Jesus
Joh 3,22-30: Tauftätigkeit (gleichzeitig mit Jesus; für Jesus in 4,2 eingeschränkt) in „Änon bei Salim“, Aus-
einandersetzung zwischen Jüngern Jesu und des Täufers; Worte des Täufers über Jesus (Bräu-
tigam, Freund, zu-/abnehmen)
Joh 5,33-36: Worte über Zeugnis des Johannes für Jesus; Bildwort über den Täufer als „Lampe“
Joh 10,40f: Ort jenseits des Jordans, wo Johannes getauft hatte; Meinung vieler: Johannes hat kein Zeichen
getan, aber alles, was er über Jesus sagte, ist wahr.

Sonstiges:
Apg 18,25; 19,3: Apollos kennt nur Taufe des Johannes; Jünger des Täufers in Ephesus
Flavius Josephus, Ant 18,116-119: Hinrichtung des Täufers und sein Ansehen
Mandäische Schriften (gnostischeTäufersekte); Apokryphen.

Die Gerichtspredigt des Täufers


Mt 3,7-10 Lk 3,7-9
7 7
Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kommen Er sagte nun (zu) den hinausziehenden Volksscharen, die getauft
sah, sprach er zu ihnen: Gezücht von Schlangen, wer hat euch werden (wollten) von ihm: Gezüchtet von Schlangen, wer hat euch
angewiesen, zu fliehen vor dem künftigen Zorn(gericht)? 8Tut nun angewiesen, zu fliehen vor dem zukünftigen Zorn(gericht)? 8Tut
Frucht, würdig der Buße! 9Und wähnt nicht zu sagen bei euch nun Früchte, würdig der Buße! Und beginnt nicht zu sagen bei euch
selbst: Zum Vater haben wir den Abraham! Denn ich sage euch: selbst: Zum Vater haben wir den Abraham! Denn ich sage euch:
Kraft hat Gott, aus diesen Steinen Kinder zu erwecken dem Abra- Kraft hat Gott, aus diesen Steinen Kinder zu erwecken dem Abra-
ham. 10Schon aber ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. ham. 9Schon aber ist auch die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt.
Jeder Baum nun, der nicht gute Frucht tut, wird ausgehauen und ins Jeder Baum nun, der nicht gute Frucht tut, wird ausgehauen und ins
Feuer geworfen! Feuer geworfen!

Vgl. Mt 23,33: Ottern, Gezücht von Schlangen, wie (wollt) ihr fliehen vor dem Gericht der Hölle?
Vgl. Mt 7,19: Jeder Baum, der nicht gute Frucht tut, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen!

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 21


Die Ankündigung des kommenden Stärkeren

Der Tod des Täufers

Mk 6,14-29
14
Der König Herodes hörte von Jesus; denn sein Name war bekannt geworden, und man sagte: Johannes der Täufer ist
von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm. 15 Andere sagten: Er ist Elija. Wieder andere: Er ist ein
Prophet, wie einer von den alten Propheten. 16 Als aber Herodes von ihm hörte, sagte er: Johannes, den ich enthaupten ließ,
ist auferstanden.
17
Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau
seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. 18 Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die
Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. 19 Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan
aber nicht durchsetzen, 20 denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger
Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. 21
Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und
Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. 22 Da kam die Tochter der Herodias
und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich
werde es dir geben. 23 Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte
meines Reiches wäre. 24 Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf
des Täufers Johannes. 25 Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den
Kopf des Täufers Johannes bringen lässt. 26 Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur
geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. 27 Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu
gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. 28 Dann brachte er den Kopf
auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. 29 Als die Jünger des Johannes das hörten,
kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Flavius Josephus, Ant 18,116-119:


„Einige der Juden aber glaubten, das Heer des Herodes sei von Gott vernichtet worden, womit er ihn höchst gerechterweise
büßen ließ und Rache nahm für Johannes, den sogenannten Täufer. Diesen nämlich tötete Herodes, obwohl er ein Mann von
guter Gesinnung war und die Juden dazu aufforderte, (zunächst) Tugend zu üben und Gerechtigkeit gegeneinander und
Frömmigkeit gegenüber Gott zu praktizieren und (dann) zur Taufe zu kommen ...
Weil aber die anderen [?] zusammenströmten und weil sie vom Hören der Worte aufs höchste erregt wurden, fürchtete Hero-
des, sein [Johannes’] übergroßer Einfluss auf die Menschen könnte zu einer Art Aufstand führen (denn sie schienen alles
seinem Rat gemäß zu tun) und hielt es darum für viel besser, ihn, bevor Neuerungen durch ihn entstünden, vorgreifend aus
dem Weg zu räumen, als nach geschehenem Umsturz in eine schwierige Lage zu geraten und (sein Zögern) zu bereuen.
Auf den Verdacht des Herodes hin wurde er [Johannes] gefesselt nach Machärus – die bereits erwähnte Festung – geschickt
und dort hingerichtet. Bei den Juden aber herrschte die Ansicht, dass als Rache für jenen der Untergang über das Heer kam,
weil Gott Herodes Schaden zufügen wollte.“ (Theißen/Merz 176f)

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 22


Die Taufe Jesu

+
Jes 63,19: Reiß doch den Himmel auf, und komm herab, so dass die Berge zittern vor dir.
Ez 1,1: Am fünften Tag des vierten Monats im dreißigsten Jahr, als ich unter den Verschleppten am Fluss Kebar lebte, öffnete
sich der Himmel, und ich sah eine Erscheinung Gottes.
Offb 4,1: Danach sah ich: Eine Tür war geöffnet am Himmel,
und die Stimme, die vorher zu mir gesprochen hatte ..., sagte ...

°
Jes 11,2: Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm:
Der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
Jes 42,1b: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht.
Jes 61,1: Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt ...

*
Ps 2,7: Er [der Herr] sprach zu mir: „Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt.“
Jes 42,1: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze, das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht.
Gen 22,2: Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.

Nazaräerevangelium: Siehe, die Mutter des Herrn und seine Brüder sagten zu ihm: Johannes der Täufer tauft zur Vergebung der Sünden;
lasst uns hingehen und uns von ihm taufen lassen. Er aber sprach zu ihnen: Was habe ich gesündigt, dass ich hingehe und mich von ihm
taufen lasse? Es sei denn das, was ich gesagt habe, Unwissenheit (Unwissenheitssünde) (Hieronymus, Adv. Pelag. 3,2).

Ebionäerevangelium: Als das Volk getauft war, kam auch Jesus und wurde von Johannes getauft. Und wie er vom Wasser heraufstieg,
öffneten sich die Himmel, und er sah den heiligen Geist in Gestalt einer Taube, die herabkam und in ihn einging. Und eine Stimme (erklang)
aus dem Himmel, die sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. Und abermals: Ich habe dich heute ge-
zeugt. Und sofort umstrahlte den Ort ein großes Licht. Als Johannes dies sah, heißt es, spricht er zu ihm: Wer bist du, Herr? Und abermals
(erscholl) eine Stimme aus dem Himmel zu ihm: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Und da, heißt es, fiel
Johannes vor ihm nieder und sprach: Ich bitte dich, Herr, taufe du mich. Er aber wehrte ihm und sprach: Lass; denn so ziemt es sich, daß
alles erfüllt werde (Epiphanius, Haer. 30,13,7-8).

Hebräerevangelium: Es geschah aber, als der Herr aus dem Wasser heraufgestiegen war, stieg die ganze Quelle des heiligen Geistes auf ihn
herab und ruhte auf ihm und sprach zu ihm: Mein Sohn, in allen Propheten erwartete ich dich, dass du kämest und ich in dir ruhte. Denn du
bist meine Ruhe; du bist mein erstgeborener Sohn, der du herrschest in Ewigkeit (Hieronymus, Comm. in Jes 11,2).

Ode Salomos 24,1-2: 1Die Taube flog auf das Haupt unseres Herrn Christus, weil er ihr Haupt war. 2Und sie sang über ihm, und gehört wurde
ihre Stimme.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 23


Jesus predigt in Galiläa

+
Jes 40,9-10: Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda: Seht, da ist euer Gott.
Seht, Gott, der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm.
Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.
Jes 52,7-10: Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten,
der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt,
der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln.
Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems!
Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.
Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker.
Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes.
Jes 61,1-2: Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe
und alle heile, deren Herz zerbrochen ist,
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung,
damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes,
damit ich alle Trauernden tröste. (Vgl. Lk 4,16-20)

4Q 400,2: Wunderbar lobpreisen sie deine Herrlichkeit und die der allwissenden Gottwesen
und deine staunenswerte Königsherrschaft im Allerheiligsten,
die verherrlicht werden in allen Heerlagern der Gottwesen
und voll Ehrfurcht verehrt von menschlichen Gemeinden,
da sie ein Wunder sind unter Gottwesen und Menschen.
Und sie erzählen, wie sie den Glanz seiner Königsherrschaft erfuhren,
und sie rühmen seine Herrlichkeit in allen Himmeln seiner Königsherrschaft.
Und in all den erhabenen Höhen singen sie wunderbare Psalmen, so wie sie es verstehen.
Und sie erzählen von der glanzvollen Herrlichkeit des Königs der Gottwesen,
dort wo sie wohnen und sind.
Achtzehngebet 9./11. Bitte: Bring eilends nah das Endjahr unserer Erlösung ...
und sei König über uns, du allein!
Qaddisch: Er lasse herrschen seine Königsherrschaft zu euren Lebzeiten ...
und zu Lebzeiten des ganzen Hauses Israel in Eile und Bälde.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 24


Königsherrschaft / Königreich Gottes (der Himmel) / basileia tou theou (tōn ouranōn)
- basileia: Königsherrschaft / Königreich (verbunden im alten Wort „Königtum“): Terminus aus dem politischen
Leben, dem Zusammenleben der Menschen; oft nach dem Ideal der basileia Davids erwartet: Gerechtigkeit
und Frieden für alle, im Unterschied zu Ungerechtigkeit und Unterdrückung der Armen. – Zur Zeit Jesu konk-
ret ersehnt als Befreiung von der Unterdrückung durch die Römer und als Wiederherstellung des davidischen
Reiches (vgl. Apg 1,6). Erwartete auch Jesus eine solche politische Erneuerung? – Ist nur aus dem Kontext der
ganzen Verkündigung Jesu zu erheben.
- Bei Mt meist basileia tōn ouranōn: „Himmel“ als Umschreibung für Gott; wohl Rücksichtnahme auf jüd. Ver-
meiden des Gottesnamens, vielleicht auch (so Gnilka, Kretzer u. a.) von Mt bewusst übernommen, um die
Universalität der basileia anzudeuten. – Gemeint ist jedenfalls eine basileia, die Gott selbst errichtet.
- Zur historischen Entwicklung dieser Vorstellung (vgl. N. Lohfink, R. Hoppe, L. Schenke etc.):
a) Schweigen von JHWHs Königtum in Israels Frühzeit: JHWH als Kämpfergott, Kerubenthroner, mit Hofstaat
– aber nie mlk.
b) Widerstände gegen Einführung des Königtums in Israel, bes. seitens der Propheten, z. B. unter Abimelech
(Jotamfabel Ri 9,7-15 von Bäumen, Dornstrauch); unter Samuel in Bezug auf Saul (1 Sam 8,6-9; 10,17-19).
Wissen dahinter: eigentlich ist nur JHWH der König Israels!
c) Nach Einführung des irdischen Königtums dient JHWHs Königtum zur Legitimierung des neuen Staates: Ps
2,5-9; 24,7-10; 47,6-9; 93-100 (JHWH-König-Psalmen); 2 Sam 7,12-16 (Natans Verheißung an David).
d) Nach dem Ende des irdischen Königtums neue Deutung von JHWHs Königtum: Jes 40,9-11; 52,7-10; 55,3-
5; 61,1-2; Obd 21; Sach 14,9: Gott selbst wird als König Frieden, Heil und Gerechtigkeit bringen, wird seine
Herrschaft antreten.
e) In der substaatlichen Existenz nach dem Exil (unter Persern, Ptolemäern, Seleukiden, Römern) in zweifacher
Form zugespitzt:
* National-politische Erwartung: Reich Gottes = Reich Israels, wenn Israel von politischer Knechtschaft be-
freit sein wird, wenn JHWH durch Israel bzw. seinen Messiaskönig vom Zion aus über die ganze Erde
herrschen wird; erwarteter Messiaskönig als nationaler Held in einer durch ihn wunderbar werdenden Welt
des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freude (Fortführung prophetischer Erwartungen und Hoffnungen):
PssSal etc.
* Apokalyptische Erwartung eines himmlischen Reiches, das jetzt im Himmel aufbewahrt ist und zu einem
bestimmten Zeitpunkt an die Stelle dieses alten, sündigen Äons gesetzt wird: Von der weiterlaufenden Ge-
schichte wird nichts mehr erhofft, ein radikaler Umbruch wird erwartet, verbunden mit kosmischer Kata-
strophe; neuer Himmel und neue Erde (Ausgangspunkt Dan 2; 7; dann 1 Hen; 4 Esr; syrBar; AssMos ...)
* Verbindung beider Formen im Frühjudentum und bei Rabbinen (vgl. 18-Gebet, Kaddisch).
f) Daneben seit früher Zeit die Auffassung von Gottes Königtum über die Schöpfung und von Gottes ungebro-
chenem Herrschen im Himmel: wird von dorther endgültig sein Königtum offenbaren; Kult bildet die Brü-
cke, die irdische und himmlische Welt zusammenführt (vgl. schon JHWH-König-Psalmen: etwa Ps 29,1-2.9-
11; 97,1.4f; 103,19-22: spät-nachexilisch). – Auf dieser Linie bes. Qumran: Königtum Gottes im Himmel ge-
feiert; Gemeinde nimmt in ihrem Gottesdienst (statt Tempelkult in Jerusalem) aber schon teil am himmli-
schen Kult; weiß sich in ihrer Liturgie in Gemeinschaft mit den Engeln; vgl. bes. „Hodajot“ (1QH) sowie
Sabbatliturgie 4Q 400,2 (in Sabbatliedern 4Q 400-407): idealtypische Entsprechung von himmlischem Kult
und irdischer Gemeindeliturgie; im Gottesdienst wird für die Gemeinde erfahrbar, was Königsherrschaft Got-
tes bedeutet; Gemeinschaft mit den Engeln in der Liturgie versetzt in die Lage, an der Königsherrschaft Got-
tes im Himmel zu partizipieren; Feier bringt zugleich aber die Hoffnung auf Realisierung der GH auch in der
irdischen Welt zum Ausdruck: neuer Tempel auf dem Zion erwartet. – Letztlich anders als bei Jesus.

Nähere Bestimmung von basileia tou theou bei Jesus


Ausdruck, der alte Erwartungen aufgreift, in vorgegebener Terminologie ausspricht, zugleich aber auch trans-
zendiert. Jesus gibt keine Definition, erläutert den Ausdruck jedoch durch Gleichnisse bzw. Parabeln, Seligprei-
sungen, Vaterunser, unter Hinweis auf seine Taten bzw. direkt durch sein Tun. – Charakteristika bei Jesus:
1. Kein Anknüpfen an kultische Vorstellungen wie in Qumran, sondern Überzeugung von konkreter, greifbarer,
irdisch-geschichtlicher und leibhaftiger Realisierung schon hier und jetzt, aber auch von noch ausstehender
Vollerfüllung.
2. Keine nationalistische Form der Erwartung; an keiner Stelle deutet Jesus mit basileia tou theou eine national-
politische Herrschaft oder ein nationales Reich an (eher: „prä-politisch“). Kein Jubel darüber, dass es nun zur
Weltherrschaft Israels kommt. Statt dessen Ruf zur Umkehr im Glauben an Jesu Botschaft. Gottesherrschaft, wie
sie Jesus verkündet, steht nicht in Kontrast zu politisch-nationalen Mächten, sondern zur Macht und Herrschaft
des Bösen, zusammengefasst und personifiziert in Satan (vgl. Lk 10,18; 11,20; Mk 3,27f).

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 25


3. Nicht einfach apokalyptisch: Verwendung des in der jüd. Apokalyptik eher seltenen Begriffs „Königsherr-
schaft Gottes“ (Anknüpfung an prophetische Erwartungen). Jesus spricht nicht in Äonenterminologie der Apoka-
lyptik (erst wieder die Urkirche). Keine Berechnung des Termins aufgrund von Vorzeichen, nur unmittelbare
Nähe proklamiert (Berechnungen erübrigen sich damit). Keine apokalyptische Ausmalung des Hereinbrechens
der basileia (kosmische Katastrophen etc.), keine Ausmalung des Zustandes im Reich Gottes; einziges wesentli-
ches Bild zur Veranschaulichung (in Jesu eigenem Verhalten begründet) ist das Bild vom Festmahl (Mk 2,19;
14,25 etc.): Ausdruck der allseits geglückten Kommunikation, die das RG schafft. – Daneben gibt es aber auch
bei Jesus eine gewisse Anlehnungen an apokalyptische Vorstellungen (vgl. etwa Lk 10,18; 11,20: Sturz, Ent-
machtung Satans; auch die Rede vom Vollendet-Sein der Zeit; Verwendung der [apok.] Gerichtsvorstellung). –
Aber: bei Jesus werden die zwei (apokalyptischen) Äonen ineinander geschoben, die neue Welt ist schon in der
alten anwesend (bereits erfolgte Zeitenwende).
4. Jesus steht primär in prophetischer Tradition: basileia als aktive, machtvoll-dynamische Größe (C. H. Dodd:
nomen actionis): meint Gottes überwältigend-beglückendes Kommen, Gottes wunderbaren Herrschaftsantritt,
Gottes Herrschen, den machtvollen Anbruch von Gottes neuer Welt. Darum oft mit Verben der Bewegung ver-
bunden. – Vordersatz Mk 1,15 („erfüllt ist die Zeit“) ist zu berücksichtigen: Was Jesus als ganz nahe und schon
anbrechend verkündet, ist Erfüllung der Hoffnung des ganzen AT; es geht letztlich um die Konkretisierung der
im AT gegebenen prophetischen Verheißungen. – Mit vielen Gleichnissen und Parabeln deutet Jesus dabei an,
wie es sich mit Gottes Kommen und Wirken verhält (Sämann, Weinbergbesitzer, Hirt, Vater, Frau ...). Dabei
wird deutlich: Gott handelt anders, als Menschen es sich vorstellen; Gott geht den Menschen nach. Auffallend ist
auch die enge Beziehung zwischen dem Verhalten Gottes und Jesu (z. B. Lk 15; 11,20 par).
5. Zur Verdeutlichung des bes. basileia-Verständnisses Jesu kann evtl. das Logion Lk 10,18 dienen: „Ich sah den
Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (vgl. Mk 3,27: Bindung des Starken; Joh 12,31: Fürst dieser Welt
wird hinausgeworfen).
- Nach H. Merklein, U. B. Müller, S. Vollenweider, R. Hoppe, M. Ebner etc. eine für Jesu Sendung grundlegende
Einsicht bzw. Vision. Logion darf vielleicht sogar als Wiedergabe einer „Berufungserfahrung“ Jesu gelten:
Schau der Überwindung Satans (nach mythischer Vorstellung), d. h. der Entmachtung des Bösen. Evtl. formu-
liert in Anlehnung an das Spottlied auf den König von Babel Jes 14,12: „Ach, du bist vom Himmel gefallen, du
strahlender Sohn der Morgenröte“ (Vg: Quomodo descendisti de coelo lucifer, qui mane oriebaris); vgl. auch
die entsprechende Erwartung in AssMos 10,1 [1. Jh. v. / 1. Jh. n.]: „Und dann wird seine Herrschaft über seine
ganze Schöpfung erscheinen, und dann wird der Teufel nicht mehr sein, und die Traurigkeit wird mit ihm hin-
weggenommen sein“, sowie die Erwartung der Entmachtung Belials und seines Heeres in 1 QM 15,13-15. –
Das Logion bleibt aber Ausdruck einer ureigensten Erfahrung Jesu.
- Gottes Kommen (in Jesus) bedeutet also Überwindung der Satansherrschaft. In diesem Sinn hat Jesus – in my-
thischer Sprache – seine Exorzismen (Mt 12,28 = Lk 11,20 Q) und seine Krankenheilungen (vgl. Lk 13,16: 18
Jahre vom Satan gefesselt) gedeutet. Aus der Gesamtschau des Wirkens Jesu bedeutet diese Überwindung der
Satansherrschaft durch die Gottesherrschaft die Überwindung der Macht des Todes durch die rettende göttliche
Lebensmacht (vgl. Ps 68,21: „Gott ist ein Gott, der uns Rettung bringt, Gott, der Herr führt uns heraus aus dem
Tod.“ – Bewahrheitung in Jesu rettend-heilendem Tun – schließlich in seiner Auferstehung).
6. basileia tou theou hat neben der prophetisch (apokalyptisch)-dynamischen Valeur (Gottes machtvolles Kom-
men, sein heilschaffender Herrschaftsantritt) öfter auch die Bedeutung eines Reiches (Bereiches) bzw. eines
Gutes: vgl. „in die GH eingehen“ (Mk 10,23-25), „die GH annehmen / empfangen“ (Mk 10,15): v. a. in ersterem
kommt zum Ausdruck, dass die Basileia eine Gemeinschaft, Gesellschaft (communio, koinōnia) zum Inhalt hat:
betrifft nicht bloß den Einzelnen für sich allein, sondern in seiner Beziehung zu anderen; hat wesentlich eine
gesellschaftliche Dimension (N. Lohfink); es geht nicht bloß um das individuelle Heil (eigene Seligkeit), sondern
um die Gemeinschaft miteinander und mit Gott (vgl. auch „die GH ist mitten unter euch“ Lk 17,21). Verdeutli-
chungen dafür sind die Schaffung des Zwölferkreises als Symbol für die Sammlung Israels und die in Jesu Wir-
ken zum Ausdruck kommende Integration aller (auch der Unterprivilegierten, Deklassierten, Marginalisierten,
sozial, physisch und moralisch Stigmatisierten), schließlich sogar die Öffnung der GH für die Heiden (Mt 8,10f).
7. Zurücktreten der basileia-Verkündigung in Urkirche: Bei Paulus und urkirchlichen Predigern nur selten Rede
von GH; statt dessen Verkündigung Christi (Verkündiger → Verkündigter): Jesu Verkündigung wird nun im
Licht der Osterbotschaft verdeutlicht:
a) Man sieht in Jesu Leben, Kreuz und Auferstehung die GH in einzigartiger Weise angebrochen: Gottes Kom-
men ist in Christus schon Gegenwart geworden; in Taufe, Eucharistie, Geisterfahrung u. neuem Leben schon
erfahrbar (bes. im hellenist. orientierten Urchristentum): Anwesenheit der neuen Welt schon im jetzigen Äon.
b) Andererseits weiß man um die noch ausstehende Vollerfüllung und wartet daher auf das Wiederkommen
(Parusie) Christi (bes. im apokalyptisch orientierten Urchristentum).
c) Außerdem zeigt sich in der Urkirche eine individual-eschatologische relecture von GH in der Diktion vom
„Leben“ bzw. „ewigen Leben“: „das Leben erben“, „in das Leben eingehen“ (schon Mk 10,17 [vgl. V. 15:
basileia]; Lk 10,25: Frage des Gesetzeslehrers nach dem Gewinnen ewigen Lebens; bes. im JohEv, etwa
10,10: „Leben in Fülle“).

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 26


Die Gleichnisse Jesu
Lit: Klauck, Gleichnis, Gl.forschung: NBL I, 851-856; Kühschelm, Gleichnis: BThW, 256-261; Erlemann, Gl.auslegung.

Begriffsbestimmung:
Bildhafte Redeweisen und Gleichnisse in den Evv (bes. nach A. Jülicher, R. Bultmann)

• Einfacher Vergleich: meist Satz mit Vergleichspartikel „(so ...) wie“ (z. B. Mt 10,16; 13,43.52; 24,27).
• Metapher: abgekürzter Vergleich ohne „wie“; Sache und Bild aber unterscheidbar; in Antike: uneigentliche
Redeweise, rhetorisch ausschmückendes Stilmittel, Dekor der Rede; heute: paradoxe Prädikation, die eine
extravagante, innovative, oft irritierende Verbindung zwischen zwei verschiedenen semantischen Feldern
herstellt und dabei Neues zu sehen lehrt (z. B. Mt 5,13a.14a; 16,6; 23,24; Mk 9,49.50; Lk 12,35). – Ver-
wandt: Hyperbel (z. B. Mt 5,29f; 6,3).
• Bildwort: dem Sprichwort (Gnome) verwandt; in Satzform allein ein Bild vorgestellt, dessen Bedeutung sich
erst aus Kontext ergibt (z. B. Mt 5,13b.14b; 24,28; Lk 4,23; Mk 2,17; Doppelbildwort Mk 2,21f). – Ver-
wandt: bildhaftes Beispiel / Exemplum (z. B. Mt 6,26ff).
• Gleichnis (i. e. S.; Erlemann: „besprechendes Gl.“): bildhafte Kurzerzählung (meist im Präsens), die bekann-
ten, typischen, evidenten Vorgang (aus tägl. Leben oder Natur) schildert, dem Zustimmung nicht zu versagen
ist (z. B. Mk 4,26-29; Mt 13,31-33.47f; 24,32f; Lk 11,5-8; 14,28-32; 15,3-7.8-10; 17,7-10).
• Parabel (Erlemann: „erzählendes Gl.“): ausführlichere Geschichte in dramatisch-szenischer Form über Ein-
zelfall (meist im Präteritum); enthält – als „erzählte Metapher“ – häufig überspitzte, irritierende, paradoxe
Züge: „erzählerische Extravaganz“ (z. B. Mk 12,1-11; Mt 18,23-35; 20,1-16; 22,1-14 par; 25,1-13.14-30 par;
Lk 15,11-32; 16,1-8).
• Beispielerzählung: anhand eines Musterfalles gezeigt, wie man sich (nicht) verhalten soll; heute öfters be-
stritten, der Parabel zugerechnet; aber: Personen (z. B. Pharisäer – Zöllner) sind meist Typen für bestimmte
Verhaltensweisen, metaphorisches Element fehlt weithin (nur im lk Sondergut anzutreffen: Lk 10,30-35;
12,16-20; 16,19-31; 18,1-8.9-14). – Vorform: Kasus / Exempel (z. B. Mt 5,23; Lk 14,8-11.12-14)
• Allegorie: meist inkohärente Bilderzählung mit verborgenem, außerhalb ihrer selbst liegendem Sinn, der oft
erst mit „Schlüssel“ zugänglich wird (z. B. Ez 17,3-10.11-21; Dan 7); jedes Detail hat „andere“ Bedeutung;
daher Punkt für Punkt auszudeuten. – Keine eigentlichen Allegorien in den Evv, doch eingetragene allegori-
sche Einzelzüge (= Allegorisierungen; z. B. Mt 22,7; Lk 14,23) und allegorische Ausdeutungen von Gleich-
nissen und Parabeln (= Allegoresen; z. B. Mk 4,13-20; Mt 13,36-43.49f); hängt mit „festen“ (= geläufigen)
Metaphern zusammen (etwa Vater, König, Hausherr, Hirte, Richter für Gott etc.), die im Lauf des Traditi-
onsprozesses weiter entfaltet werden konnten.
• Bildreden im JohEv: zentrale christologische Metaphern („Ich bin“-Worte) zu bildhaften Reden ausgestaltet
(Joh 6: Brot; 8: Licht; 10: Hirt; 15: Weinstock; vgl. Bild vom Weltgericht Mt 25,31-46).
• Einteilungen neuerdings hinterfragt von R. Zimmermann: „Parabel – sonst nichts“ – ??

Weitere Einteilungen:

• Nach Adressaten: Gegner- (z. B. Mk 12,1-12) und Jünger-Gleichnisse (z. B. Lk 12,41-48).


• Nach Inhalt bzw. Sachhälfte: Basileia- (Mt 13,44-46), Krisis- (Lk 13,6-9), Parusie- (Mt 25,1-13), Wachs-
tums- (Mk 4,26-29; Mt 13,31-33), Knechts-Gleichnisse (Lk 17,7-10).
• Nach Erzählgefälle: „tragische“ (Mt 22,1-14) und „komische“ (Lk 16,1-8) Gleichnisse (D. O. Via).
• Nach Grundtendenz: stärker eschatolog. (apokalypt.) / stärker ethisch-weisheitlich orientierte Gleichnisse.
• Nach Quellenlage: Gleichnisse der Mk-, Q-, SMt-, SLk-Tradition.
• Nach Textanfängen: Dativanfang / Vergleichsanfang (vgl. rabbin. māšāl le-; z. B. Mt 13,24.31-33.44; in Mk
4,30f / Lk 13,18.20 mit zusätzl. Frage); Nominativanfang / Erzählanfang (z. B. Mk 4,3; 12,1; Lk 7,41; 10,30;
15,11); Frageform / Dialoganfang („Welcher...“/ „Wer von euch, der...“: Lk 11,5.11; 14,28.31; 15.4.8; 17,7).
Bei Mt stereotyper Beginn „Das Himmelreich ist gleich ...“ (Mt 13,31.33.44.45.47 u. ö.); deshalb These: alle
Gl. handeln von der Gottesherrschaft; aber Logienquelle Q kennt noch Anfang, der „dieses Geschlecht“ als
Thema nennt: „Wem soll ich dieses Geschlecht vergleichen?“ (Mt 11,16 / Lk 7,31: launische Kinder). – „Die
ursprüngliche Thematik der Gleichnisse ist das ganze menschliche Leben vor Gott“ (Theißen/Merz 297). Al-
lerdings darf gelten: Die Gl. haben zumeist mit der Botschaft von der Gottesherrschaft zu tun.
• Nach Textschlüssen: ohne Zusatz; angehängtes Epimythion / Nutzanwendung / fabula docet (Mt 20,16;
22,14; 25,13.29; Lk 16,8b); angehängte Allegorese (Mk 4,13-20; Mt 13,36-43.49f).

Erzählgesetze in Gleichnissen und Parabeln

• Knappheit der Erzählung; nur die notwendigsten Personen treten auf


• Geradlinigkeit bzw. Einsträngigkeit der Handlung

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 27


• Szenische Zweiheit: nur zwei Personen gleichzeitig redend oder handelnd
• Charaktere nur selten durch Attribute verdeutlicht
• Wiederholung und Dreizahl (Regel de tri)
• Achtergewicht; Abbruch nach Pointe; Schluss fehlt häufig
• Übertreibungen; Monologe und Dialoge
• Parabeln: szenische Struktur („kleine Dramen“); besondere Personenkonstellation: Handlungssouverän –
dramatische Hauptfigur – dramatische Nebenfigur:
HS HS

dHF dNF dHF


dNF
Überlieferung und Redaktion der Gleichnisse
Jesus:
- Der historische Jesus hatte eine besondere Vorliebe und Begabung für metaphorisch-bildhafte Rede. In anspre-
chender Sprache bringt er seinen HörerInnen die Botschaft von der anbrechend-angebrochenen Gottesherr-
schaft in ihren vielfältigen Aspekten und in ihrem unterschiedlichen Einfluss auf menschliches Leben und
menschliches Verhalten nahe: auf einladende, ermutigende, befreiende, aber auch herausfordernde und zur
Entscheidung drängende Weise. Im Gleichnis wird dem Menschen die Gottesherrschaft und damit Gottes Han-
deln so nahegebracht, dass er zugleich sich selbst und seine Welt anders, angemessener verstehen lernt und zu
neuem Verhalten ermutigt, ja herausgefordert wird. – Dabei sind unterscheidbar: stärker prophetisch-
eschatologische Gleichnisse, die Druckpunkt auf die notwendige Entscheidung, die Wachsamkeit und das
kommende Gericht legen, und stärker ethisch-weisheitlich orientierte Gleichnisse, die auf das Wachstum der
Basileia verweisen und dabei die Mitwirkung des Menschen (in Vertrauen und Gelassenheit) sowie seine Hal-
tungsänderung ins Zentrum rücken.
- Jedenfalls stehen Jesu Gleichnisse in intensivstem Zusammenhang mit dem Zentrum seiner Verkündigung:
„Die Gottesherrschaft ist nahegekommen!“ Nach Jesu Selbstverständnis ist mit ihm und in seinem eigenen
Verhalten die Basileia Gottes der Welt nahegekommen. Verhalten und Wirken Jesu sind also der Rahmen sei-
ner Gleichnisverkündigung: Seine Gleichnisverkündigung ist Kommentar seines Verhaltens und sein Verhalten
der Kommentar seiner Verkündigung. Gleichnisse, Gottesherrschaft und historischer Jesus sind daher unlösbar
miteinander verbunden. Gleichnis kann nicht vom ursprünglichen Erzähler getrennt werden. Gleichnisse sind
im Kontext des Lebens Jesu zu interpretieren (nicht einfach als autonome ästhetische Objekte).
- Zur historischen Rückfrage: grundsätzliches Vertrauen in historische Zuverlässigkeit der Gleichnisse ist ange-
bracht (J. Jeremias: „Urgestein der Jesusüberlieferung“); kompakte Sprachform gewährleistete weithin eine
getreue mündliche Überlieferung. Dennoch ist das an jedem Text neu zu überprüfen; mit urkirchlichen Eingrif-
fen, Ausgestaltungen und (seltener) Neubildungen ist bisweilen zu rechnen.

Urkirche:
In urkirchlicher Verkündigung und Überlieferung werden Gl. von ursprünglicher Sprechsituation gelöst; dann
ins Griechische (neuer Kulturhorizont) übertragen; einiges von Aussage und Kolorit geht dabei verloren. Aller-
dings auf neue Fragestellungen und Probleme angewendet; Anspruch bleibt dadurch gewahrt. Gl. werden nun
deutlicher in den Dienst christologischer, ekklesiologischer und paränetischer Interessen gestellt. – Auf mehrere
Weise deutlich:
• Rahmung, Zusammenstellung und Komposition der Gleichnisse: Doppelgleichnisse, Gleichnisreden
• Anfügung allgemeiner (paränet.) Schlussbemerkung (Epimythion / fabula docet: Mt 20,16; 22,14; 25,13.29)
• allegorisierende Einschübe (Mt 22,7; Lk 14,23; 19,12.14f.27)
• Ausgestaltung atl. Anspielungen zu Zitaten (Mk 4,29; 12,10f)
• eigene, auf nachösterliche Verkündigung hin gebildete Gl.-Deutungen / Allegoresen (Mk 4,13-20).
Ist grundsätzlich positiv zu bewerten: Entfaltung und Ausschöpfung des Bildpotentials im Dienst der Verkündi-
gung des Christusereignisses und als Antwort auf Probleme und Nöte der Adressaten.

Redaktion der Synoptiker:


Gl. bekommen wichtige Funktion und z. T. neuen Sinn im Rahmen des jeweiligen Evangeliums; besondere In-
tensivierung von Gl.-Sammlungen (Mt 13; Lk 14; 15):
Mk: Gl. als Chiffren für „Geheimnis der GH“, wirken „verstockend“ (Mk 4,11f); stehen im Dienst der Volks-
predigt (4,1-9; 7,14f), der Jüngerbelehrung (13,28-37), der Auseinandersetzung mit Gegnern (3,23; 12,12).
Mt: weitere Allegoresen hinzu (13,36-43.49f), heilsgeschichtlich-allegor. Deutungen eingetragen (22,6f); Gl.
als Argumente für drängende Fragen und Probleme der Gemeinde bzw. Gemeindeordnung (18,10.14.35).
Lk: bester Gl.-Erzähler, vgl. die literarische Kunst der SLk-Gl.; Gl. als Handlungsanweisungen für christlichen
Alltag (8,15), Gl. auf Amtsträger in Gemeinde zugeschnitten (12,41-48); im Dienst von Armenfrömmigkeit
und Sozialkritik (12,22ff; 14,33; 16,9).

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 28


Beispiele für Gleichnisse und Parabeln Jesu

(kursorisch)

Gleichnis (Parabel) vom Sämann: Mk 4,3-9


3 Hört! Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. 4 Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die
Vögel kamen und fraßen sie. 5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging
sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorr-
te, weil sie keine Wurzeln hatte. 7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und er-
stickten die Saat, und sie brachte keine Frucht. 8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte
Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, ja sechzigfach und hundertfach. 9 Und Jesus
sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

Gleichnis von der selbstwachsenden Saat: Mk 4,26-29


26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; 27 dann schläft er
und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.
28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. 29
Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig: Mk 4,30-32; Lk 13,18-21


Mk 4,30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es be-
schreiben? 31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde
sät. 32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so
dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
Lk 13,18 Er sagte: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? 19 Es ist wie ein Senfkorn,
das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des
Himmels nisteten in seinen Zweigen.
20 Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? 21 Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau
unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

Gleichnisse (Parabeln) vom Schatz im Acker und vom Perlenkaufmann: Mt 13,44-46


44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte
ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. 46 Als er eine beson-
ders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

Parabel vom klugen/betrügerischen Verwalter: Lk 16,1-8a.8b-13


1 Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er ver-
schleudere sein Vermögen. 2 Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechen-
schaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. 3 Da überlegte der Verwalter:
Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu bet-
teln schäme ich mich. 4 Doch – ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen,
wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. 5 Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich
kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? 6 Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da
sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib «fünfzig». 7 Dann fragte er einen
andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen
Schuldschein, und schreib «achtzig». 8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt
hatte.
8b Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen
aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.
10 Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen
Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. 11 Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zu-
verlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? 12 Und wenn ihr im Umgang mit dem
fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer (wahres) Eigentum geben?
13 Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird
zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 29


Die Parabel von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16)
19:30 Polloi. de. e;sontai prw/toi e;scatoi kai. e;scatoi 19,30 Viele Erste aber werden Letzte sein und Letzte Erste.
prw/toiÅ
20:1 ~Omoi,a ga,r evstin h` basilei,a tw/n ouvranw/n avnqrw,pw| 20,1 Denn gleich ist die Königsherrschaft der Himmel einem
oivkodespo,th|( o[stij evxh/lqen a[ma prwi> misqw,sasqai evrga,taj Mann, einem Hausherrn, der ausging zugleich mit der Frühe,
eivj to.n avmpelw/na auvtou/Å 2 sumfwnh,saj de. meta. tw/n um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. 2 Überein-
evrgatw/n evk dhnari,ou th.n h`me,ran avpe,steilen auvtou.j eivj to.n kommend aber mit den Arbeitern auf einen Denar den Tag,
avmpelw/na auvtou/Å 3 kai. evxelqw.n peri. tri,thn w[ran ei=den
a;llouj e`stw/taj evn th/| avgora/| avrgou,j 4 kai. evkei,noij ei=pen( schickte er sie in seinen Weinberg. 3 Und ausgehend um die
~Upa,gete kai. u`mei/j eivj to.n avmpelw/na( kai. o] eva.n h=| di,kaion dritte Stunde, sah er andere ohne Arbeit auf dem Markt stehen
dw,sw u`mi/nÅ 5 oi` de. avph/lqonÅ pa,lin Îde.Ð evxelqw.n peri. e[kthn 4 und sagte zu jenen: Geht auch ihr in den Weinberg, und was
kai. evna,thn w[ran evpoi,hsen w`sau,twjÅ 6 peri. de. th.n recht ist, werde ich euch geben. 5 Sie aber gingen hin. Wiede-
e`ndeka,thn evxelqw.n eu-ren a;llouj e`stw/taj kai. le,gei auvtoi/j( rum [aber] ausgehend um die sechste und neunte Stunde, tat er
Ti, w-de e`sth,kate o[lhn th.n h`me,ran avrgoi,È 7 le,gousin auvtw/|( ebenso. 6 Um die elfte (Stunde) aber ausgehend, fand er ande-
{Oti ouvdei.j h`ma/j evmisqw,satoÅ le,gei auvtoi/j( ~Upa,gete kai. re (da)stehend und sagt ihnen: Was steht ihr hier den ganzen
u`mei/j eivj to.n avmpelw/naÅ
Tag ohne Arbeit? 7 Sie sagen zu ihm: Niemand hat uns einge-
8 ovyi,aj de. genome,nhj le,gei o` ku,rioj tou/ avmpelw/noj tw/| stellt. Er sagt zu ihnen: Geht auch ihr in den Weinberg.
evpitro,pw| auvtou/( Ka,leson tou.j evrga,taj kai. avpo,doj auvtoi/j 8 Als es aber Abend wurde, sagt der Herr des Weinbergs
to.n misqo.n avrxa,menoj avpo. tw/n evsca,twn e[wj tw/n prw,twnÅ 9 seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn,
kai. evlqo,ntej oi` peri. th.n e`ndeka,thn w[ran e;labon avna.
dhna,rionÅ 10 kai. evlqo,ntej oi` prw/toi evno,misan o[ti plei/on anfangend von den letzten bis zu den ersten. 9 Und es kamen
lh,myontai\ kai. e;labon Îto.Ð avna. dhna,rion kai. auvtoi,Å die um die elfte Stunde (Eingestellten) und nahmen je einen
Denar. 10 Und es kamen die ersten und glaubten, dass sie
mehr erhalten würden. Und nahmen [den] je einen Denar auch
11 labo,ntej de. evgo,gguzon kata. tou/ oivkodespo,tou 12
le,gontej( Ou-toi oi` e;scatoi mi,an w[ran evpoi,hsan( kai. i;souj sie selbst.
h`mi/n auvtou.j evpoi,hsaj toi/j basta,sasi to. ba,roj th/j h`me,raj 11 Nehmend aber murrten sie gegen den Hausherrn, 12 sa-
kai. to.n kau,swnaÅ 13 o` de. avpokriqei.j e`ni. auvtw/n ei=pen( gend: Diese letzten haben (nur) eine Stunde gearbeitet, und du
~Etai/re( ouvk avdikw/ se\ ouvci. dhnari,ou sunefw,nhsa,j moiÈ 14 hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages und die
a=ron to. so.n kai. u[pageÅ qe,lw de. tou,tw| tw/| evsca,tw| dou/nai Hitze ertragen haben. 13 Der aber antwortete einem von ihnen
w`j kai. soi,\ 15 Îh'Ð ouvk e;xesti,n moi o] qe,lw poih/sai evn toi/j und sagte: Gefährte, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um
evmoi/jÈ h' o` ovfqalmo,j sou ponhro,j evstin o[ti evgw. avgaqo,j
eivmiÈ einen Denar mit mir übereingekommen? 14 Nimm das Deine
und geh (fort)! Ich will aber diesem letzten geben wie auch
16 Ou[twj e;sontai oi` e;scatoi prw/toi kai. oi` prw/toi dir. 15 [Oder] steht es mir nicht frei zu tun, was ich will, mit
e;scatoiÅ dem Meinigen? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?
16 ⊥ (22,14) polloi gar eisin klhtoi( oligoi de eklektoi 16 So werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein.
C D W Q f 1.13 M latt sy mae bopt | txt a B L Z 085. 892*.
1424 pc sa bopt [Viele sind nämlich berufen, wenige aber auserwählt.]

Gliederung / Struktur
Einleitung V. 1a: Basileia-Formel (mit Dativ-Fortsetzung)
Einstellung der Arbeiter V. 1b-7 (SITUATION)
- 1. Einstellung V. 1b-2: frühmorgens (ca. 6 Uhr); Vereinbarung (1 Denar) und Sendung
- 2. Einstellung V. 3-5a: 3. Stunde (ca. 9 Uhr); Sendung und Zusage gerechten Lohnes (keine Vereinbarung)
- 3./4. Einstellung V. 5bc: 6. und 9. Stunde (ca. 12 bzw. 15 Uhr); nur „ebenso“ (gekürzt)
- 5. Einstellung V. 6-7: 11. Stunde (ca. 17 Uhr: hyperbolisch); Finden, Dialog (präsentisch eingeleitet: betont), Sendung
(keine Abmachung)
Auszahlung / Entlohnung der Arbeiter V. 8-10 (KRISE)
- Zeitangabe, Anweisung an Verwalter mit Angabe des Vorgehens V. 8 (Letzte zuerst; Erste als Zeugen, deren Erwartung,
Konflikt vorprogrammiert)
- Entlohnung der zuletzt Gekommenen V. 9: ein Denar
- Entlohnung der Ersten V. 10: ihre Meinung, aber: „einen Denar auch sie“ (Spannungshöhepunkt)
Schlussdialog V. 11-15 (LÖSUNG): ausführlich, Achtergewicht
- Murren gegen Besitzer mit Begründung V. 11-12: „gleichgemacht“ bei unterschiedlicher Arbeitsbelastung (Verletzung der
„Gerechtigkeit“)
- Antwort des Besitzers gegenüber „einem von ihnen“ (exemplarisch) V. 13-15: zwei Teile:
1.a. Emphatische Feststellung in Ich-Form (+ Litotes): „Ich tue dir kein Unrecht“ V. 13b
b. Rhetorische Frage mit einleitender Fragepartikel („...nicht“) V. 13c
c. Aufforderung im doppelten Imperativ: „nimm ... geh“ (schroff, drohend) V. 14a („tragisches“ Ende?)
2.a. Feststellung in Ich-Form (positiv): „Ich will aber ...“ V. 14b
b. Rhetorische Frage mit einleitender Fragepartikel („oder ... nicht“) V. 15a
c. Zweite Frage, mit „oder“ eingeleitet (+ Oxymoron) V. 15b:
Wendung ins Offene, Frage als Herausforderung; Antwort kann letztlich nur positiv ausfallen!
Abschließende Sentenz als Kommentarwort (Letzte / Erste) V. 16a: trifft eigentl. Aussage nicht, mahnend-warnender Ton.
[Textkritisch sekundäre Ergänzung V. 16b: „viele sind berufen, wenige aber erwählt“: V. 16a als Drohung missverstanden.]

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 30


Mt 20,1-16 im Vergleich mit rabbinischen Lohngleichnissen
a) Gottes formale Gerechtigkeit als theologische Grundlage:
Sifra Bechuqqotai 2,5 zu Lev 26,9: „Und ich werde mich euch zuwenden“ (Lev 26,9). Man erzählte ein Gleichnis. Wem
gleicht die Sache? Einem König, der viele Arbeiter dingte. Und es war dort ein Arbeiter, und er tat Arbeit mit ihm viele Tage.
Die Arbeiter traten ein, um ihren Lohn zu empfangen, und dieser Arbeiter trat mit ihnen ein. Der König sagte zu diesem
Arbeiter: Mein Sohn, ich werde mich dir zuwenden. Diesen vielen, die wenig Arbeit mit mir getan haben, werde ich wenig
Lohn geben. Mit dir aber werde ich in Zukunft eine große Rechnung berechnen. So pflegte Israel in dieser Welt seinen Lohn
von Gott zu erbitten, und die Völker der Welt erbaten [auch] ihren Lohn von Gott. Und Gott sagte zu Israel: Meine Kinder,
ich werde mich euch zuwenden. Diese Völker der Welt haben wenig Arbeit mit mir getan, und ich werde ihnen wenig Lohn
geben. Mit euch aber werde ich in Zukunft eine große Rechnung berechnen. Deshalb heißt es: „Ich werde mich euch zuwen-
den“ (Lev 26,9). [nach Hezser 303]
DtnR 6,2 (Ki Teze) zu Dtn 22,6: Ebenso: „Den Weg des Lebens wäge nicht ab“ (Spr 5,6). R. Abba bar Kahana sagte: Der
Heilige, Gelobt Sei Er, spricht: Sitze nicht da und wäge die Gebote der Thora ab... Sage nicht: Weil dieses Gebot groß ist,
will ich es tun, denn viel ist sein Lohn; weil dieses Gebot leicht ist, will ich es nicht tun. Was tat der Heilige, Gelobt Sei Er?
Er tat den Geschöpfen nicht kund, was der Lohn jedes einzelnen Gebotes sei, so dass sie jedes Gebot in Unkenntnis [seines
Lohnes] täten, wie es heißt: „ihre Pfade gehen irre, ohne dass sie es merkt“ (Spr 5,6). Wem gleicht die Sache? Einem König,
der sich Arbeiter dingte. Und er brachte sie ohne weiteres in seinen Garten und tat ihnen nicht kund, was der Lohn des Gar-
tens sei, so dass sie nicht die Sache, deren Lohn gering ist, liegen ließen und [nur] die Sache täten, deren Lohn groß ist. Am
Abend rief er jeden Einzelnen. Er sagte zu ihm: Unter welchem Baum hast du gearbeitet? Das ist ein Pfefferbaum; sein Lohn
ist ein Goldstück. Er rief einen anderen [und] sagte zu ihm: Unter welchem Baum hast du gearbeitet? Er sagte zu ihm: Unter
diesem. Er sagte zu ihm: Sein Lohn ist ein halbes Goldstück; es ist ein Kapernbaum. Er rief einen anderen [und] sagte zu
ihm: Unter welchem Baum hast du gearbeitet? Er sagte zu ihm: Unter diesem. Er sagte zu ihm: Das ist ein Olivenbaum, sein
Lohn ist zweihundert Maneh. Sie sagten zu ihm: Wäre es nicht notwendig gewesen, uns wissen zu lassen, welches der Baum
ist, dessen Lohn groß ist, so dass wir unter ihm gearbeitet hätten? Der König sagte zu ihnen: Wenn ich euch hätte wissen
lassen, welcher es ist, wäre der ganze Garten bearbeitet worden? [nach Hezser 303f; ähnlich Tan Ki Teze 2,330a; MidrPss
9,3,4a: Hezser 304-306]
jBer 2,8 (5c): Mit jungen Jahren war ein hervorragender Gelehrter, Rabbi Bun bar Hijja, um 325 n. Chr. gestorben... Seine
ehemaligen Lehrer und späteren Kollegen versammelten sich, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, und einer von ihnen, R.
Zecera, hielt ihm die Trauerrede, die er mit einem Gleichnis einleitete. Es verhält sich, so begann er, wie mit einem König, der
eine große Zahl von Arbeitern gemietet hatte. Zwei Stunden nach Arbeitsbeginn besichtigte er die Arbeiter. Da sah er, dass
einer von ihnen sich durch Fleiß und Geschicklichkeit vor allen anderen auszeichnete. Er nahm ihn bei der Hand und wandel-
te mit ihm auf und ab bis zum Abend. Als die Arbeiter kamen, um ihren Lohn zu empfangen, erhielt jener Arbeiter die glei-
che Summe wie die andern alle. Da murrten sie und sagten: wir haben den ganzen Tag gearbeitet und dieser nur zwei Stun-
den, und trotzdem hast Du ihm den vollen Lohn ausgezahlt! Doch der König gab zurück: Damit tue ich Euch kein Unrecht;
dieser Arbeiter hat in zwei Stunden mehr geleistet als Ihr den ganzen Tag. Ebenso, so schloss die Trauerrede, hat Rabbi Bun
bar Hijja in den jungen 28 Jahren seines Lebens mehr geleistet als mancher ergraute Schriftgelehrte in 100 Jahren. [frei nach-
erzählt von J. Jeremias 137 f]
Weitere Lohngleichnisse mit formalem Gerechtigkeitsprinzip: Tan Ki Tissa 3,151a; MidrPss 37,3,127a [Hezser 301f. 306f].
b) Gottes Gnade und Güte als theologische Grundlage
MidrPss 3,3,19a: Nach der Gewohnheit der Welt, [wenn] ein Arbeiter mit dem Hausherrn in Redlichkeit arbeitet, und er ihm
seinen Lohn gibt, welchen Dank hat er für ihn? Und wann ist er ihm zu Dank verpflichtet? In der Stunde, in der er nicht in
Redlichkeit mit ihm arbeitet, und er ihm seinen Lohn [dennoch] überhaupt nicht zurückhält. Deshalb steht geschrieben: „Bei
dem Herrn, unserm Gott, ist das Erbarmen und die Vergebung, obwohl wir uns gegen ihn empört haben“ (Dan 9,9). R.
Schmuel bar Nachmani sagte: Hast du jemals gesehen, dass sie sich gegen einen König empören, und er sie [dennoch] mit
Nahrung versorgt? R. Jonathan sagte: Es steht geschrieben: „Sie machten ein Kalb am Horeb“ (Ps 106,19). Und [dennoch]
kam Manna herab. [nach Hezser 308]
MidrPss 26,2,109a/b: „Prüfe mich, Gott, und erprobe mich“ (Ps 26,2): (Für diese Haltung werden zunächst beispielhaft die
„Väter“ angeführt: Abraham, Isaak, Josef, David, schließlich Salomo.)
Und so sagte auch Salomo vor dem Heiligen, Gelobt sei Er: ... Ein König, der gute Arbeiter dingt, und sie machen ihre Arbeit
gut, und der König gibt ihnen ihren Lohn, welchen Ruhm gibt es da für den König? Und wann allein wird er gerühmt? Wenn
er faule Arbeiter dingt und ihnen ihren vollen Lohn gibt. [Und so sprach Salomo: Die Väter haben gewirkt und guten Lohn
erhalten; was ist da für Güte, dass sie gewirkt und Lohn erhalten haben? Wir sind faule Arbeiter, gib uns guten Lohn], und
das ist große Güte, und so sagt er [Salomo]: „Der Herr, unser Gott sei mit uns, so wie er mit unseren Vätern gewesen ist“ (1
Kön 8,57). [Hezser 307f; etwas modifiziert und explizit auf Thoralernen / Thorahalten bezogen in: MidrPss 105,13,227a]
Jesusparabel Mt 20,1-15 setzt beide Grundhaltungen gegenüber Gott voraus: die Notwendigkeit des Sich-Bemühens ange-
sichts der formalen Gerechtigkeit Gottes u. die Dankbarkeit über seine Güte angesichts menschl. Unzulänglichkeit. Bei Rab-
binen steht ganz Israel auf Seiten entweder der redlich sich mühenden Arbeiter od. der versagenden Arbeiter. Jesus aber
differenziert im Blick auf seine Adressaten und verlagert den Appell auf die zwischenmenschl. Ebene: Die sich nach Kräften
um Erfüllung des Gotteswillens bemühen, bekommen ihren Lohn, zugleich aber mutet er ihnen zu, die Güte Gottes gegen-
über den weniger Perfekten zu akzeptieren und mit einem „guten / gütigen Auge“ (wie Gott) zu reagieren. – Parabel ist keine
Beispielgeschichte, enthält aber deutlichen Anstoß zu Gesinnungsänderung und neuem Handeln. ð Fazit: Parabel wurzelt in
fast allen inhaltlichen und sprachlich-formalen Aspekten in jüdischer Tradition; enthält aber dennoch einen neuen Akzent
und ist „als poetisches Gesamtkunstwerk unverwechselbarer Ausdruck der Botschaft Jesu“ (Theißen / Merz 307).

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 31


Die Wunder Jesu: Antike Parallelen zu neutestamentlichen Wundererzählungen
Exorzismus des Eleazar (Josephus, Ant 8,46-48, berichtet als Augenzeuge):
„Ich habe zum Beispiel gesehen, wie einer der Unseren, Eleazar mit Namen, in Gegenwart des Vespasianus, seiner Söhne,
der Obersten und der übrigen Krieger die von bösen Geistern Besessenen davon befreite. Die Heilung geschah in folgender
Weise. Er hielt unter die Nase des Besessenen einen Ring, in dem eine von den Wurzeln eingeschlossen war, welche Salomo
angegeben hatte, ließ den Kranken daran riechen und zog so den bösen Geist durch die Nase heraus. Der Besessene fiel so-
gleich zusammen, und Eleazar beschwor dann den Geist, indem er den Namen Salomons und die von ihm verfassten Sprüche
hersagte, nie mehr in den Menschen zurückzukehren. Um aber den Anwesenden zu beweisen, dass er wirklich solche Gewalt
besitze, stellte Eleazar nicht weit davon einen mit Wasser gefüllten Becher oder ein Becken auf und befahl dem bösen Geiste,
beim Ausfahren aus dem Menschen dieses umzustoßen und so die Zuschauer davon zu überzeugen, dass er den Menschen
verlassen habe.“ (Vgl. diesen Exorzismus mit Mk 5,1-20.)
Totenerweckung des Apollonius von Tyana (Philostrat Vita Apollonii IV,45):
„Es wird auch folgendes Wunder erzählt: Ein Mädchen war am Tag seiner Hochzeit gestorben, so schien es wenigstens, und
der Bräutigam folgte bereits jammernd der Bahre und klagte, dass seine Ehe so gänzlich unerfüllt geblieben sei. Aber auch
ganz Rom trauerte mit ihm, da das Mädchen aus einer vornehmen Konsularenfamilie stammte. Als nun Apollonios dem
Trauerzug begegnete, sagte er: „Legt die Bahre nieder! Ich will euren Tränen über das Mädchen ein Ende machen.“ Die
Menge glaubte nun, er werde eine Trauerrede halten, wie sie so üblich sind bei solchen Anlässen, um den Jammer zu be-
schwören. Er jedoch berührte nur die Tote, sprach einige unverständliche Worte und erweckte so das Mädchen aus dem
Scheintode. Dieses begann wieder zu sprechen und kehrte ins Elternhaus zurück wie Alkestis, als sie von Herakles ins Leben
zurückgerufen war. Als ihm die Verwandten ein Geschenk von fünfzehn Myriaden machen wollten, sagte er, sie sollten es
dem Mädchen als Mitgift geben. Ob er nun noch einen Lebensfunken an ihr wahrgenommen hatte, der den Ärzten verborgen
geblieben war – man erzählt sich nämlich, Zeus habe Tau auf sie fallen lassen und von ihrem Antlitz sei ein Dunst aufgestie-
gen –, oder ob er das erloschene Leben wieder zurückgerufen und angefacht hatte, dies vermag ich nicht zu ergründen, und
auch die Anwesenden hätten es nicht ermitteln können.“ (Vgl. diese Totenerweckung mit 1Kön 17,17-24 und Lk 7,11-17.)
Brotwunder an der Frau des mittellosen Rabbi Hanina ben Dosa nach bTaan 24b.25a:
„Es pflegte seine (Hanina b. Dosas) Frau den Ofen zu heizen an jedem Vorabend des Sabbats und pflegte Rauchwerk hinein
zu werfen wegen der Beschämung (das heißt, weil sie sich vor den Leuten schämte). Sie hatte jene böse Nachbarin. Sie (diese
Nachbarin) sagte: dies ist doch merkwürdig, da ich doch weiß, dass sie nichts haben, und zwar gar nichts. Was soll alles dies?
Sie (die Nachbarin) ging hin und klopfte an die Tür (des Hauses des Hanina). Da schämte sie (die Frau des Hanina) sich und
ging hinein in das Zimmer. Da geschah ihr (der Frau des Hanina) ein Wunder; denn sie sah den Ofen voll von Brot und die
Mulde voll von Teig. Da sagte sie (die Nachbarin) zu ihr: (Du) N. N. bringe eine Schaufel; denn deine Brote brennen an. Da
sagte sie (die Frau des Hanina) zu ihr: auch ich ging zu diesem Zweck hinein.“ (Zit. nach G. Theißen, Wundergeschichten
112; vgl. dieses Geschenkwunder mit 2Kön 4,1-7.42-44 und Mk 6,34-44.)
Vespasian wird ungewollt zum Wundertäter (Tacitus, Historien 4,81; geschrieben ca. 105/110; Episode fällt in das Jahr 70:
Vespasian war von Truppen zum Kaiser ausgerufen worden, seine Macht war aber noch nicht befestigt):
In den Monaten, da Vespasian in Alexandria auf die an bestimmten Tagen einsetzenden Sommerwinde und damit auf sichere
Seefahrt wartete, ereigneten sich nicht wenige Wunder (miracula), die auf die Gunst des Himmels, auf eine gewisse Zunei-
gung der Götter zu Vespasian deuteten. Ein Mann aus dem gewöhnlichen Volk Alexandrias, der durch den Verlust seines
Augenlichtes allgemein bekannt war, warf sich vor Vespasians Knie nieder und bat seufzend um die Heilung seiner Blind-
heit; er tat es auf Weisung des Gottes Serapis hin, den das in religiöser Schwärmerei aufgehende Volk besonders verehrt.
Und so flehte er denn den Fürsten an, er möge sich gnädig herablassen, ihm Wangen und Augenlider mit dem Speichel seines
Mundes zu bestreichen. Ein anderer, der ein Leiden an der Hand hatte, bat auf Geheiß des gleichen Gottes den Fürsten, sie
mit seiner Fußsohle zu berühren. Vespasian fand die Sache zunächst lächerlich und lehnte ab. Als aber jene Kranken ihm
weiter zusetzten, da wurde er schwankend: einerseits fürchtete er für den Fall des Misslingens ein böses Gerede, andererseits
kam er bei den beschwörenden Bitten der Kranken und den Zurufen der Schmeichler dahin, die Sache aussichtsreich zu
finden. Schließlich verlangte er ein ärztliches Gutachten, ob denn eine solche Erblindung, eine solche Gebrechlichkeit der
Hand durch menschliche Hilfe heilbar seien. Die Ärzte redeten etwas zweideutig hin und her: Bei dem einen, so sagten sie,
sei das Augenlicht nicht eigentlich erloschen; es werde daher wiederkehren, wenn man die Hindernisse beseitige. Bei dem
anderen seien die Gliedmaßen wie verrenkt; bei Gebrauch heilkräftiger Mittel sei ein einwandfreier Zustand wieder herzustel-
len. Vielleicht liege den Göttern an der Sache, und vielleicht sei er, der Fürst, als Werkzeug der Gottheit ausersehen. Endlich
falle bei erfolgreicher Anwendung des Heilmittels der Ruhm dem Fürsten zu; sollte es nicht wirken, so würde der Spott die
zwei unglücklichen Geschöpfe treffen. So führte also Vespasian in der Meinung, dass bei seinem Glück alles möglich sei und
daß man künftig bei ihm nichts für unmöglich halten werde, mit freundlicher Miene vor den Augen der in gespannter Erwar-
tung dastehenden Menge den Auftrag aus. Die Hand wurde sofort wieder gebrauchsfertig, dem Blinden aber leuchtete das
Tageslicht von neuem. Beide Geschichten erzählen Augenzeugen auch jetzt noch, wo doch eine lügenhafte Darstellung kei-
nen Gewinn mehr brächte. (Eine knappere, in wesentlichen Fakten übereinstimmende Darstellung beider Wunder auch bei
Sueton Vespasian 7 [ca. 117/122 n.Chr.]; allerdings hat der zweite Kranke dort ein lahmes Bein.)
Wunderheilung aus Epidauros (vgl. das Glaubensmotiv mit Mk 9,14ff, bes. 22-24):
„Ein Mann, der die Finger der Hand bis auf einen nicht rühren konnte, kam zu dem Gott als Bittsteller. Als er die Weiheta-
feln in dem Heiligtum sah, glaubte er die Heilungen nicht und machte sich über die Inschriften lustig. Beim Schlaf (im Heil-
raum) sah er ein Gesicht: es schien ihm, während er unterhalb des Tempels Würfel spielte und mit dem Würfel werfen wollte,
als sei der Gott erschienen und ihm auf die Hand gesprungen und habe ihm die Finger ausgestreckt; als er weggetreten sei, so
schien ihm, habe er seine Hand gekrümmt und jeden Finger einzeln ausgestreckt; nachdem er alle gerade gestreckt, habe ihn
der Gott gefragt, ob er den Inschriften auf den Weihtafeln immer noch nicht glaube; er habe ‚nein’ gesagt: ,Weil du also
vorher ungläubig gegen sie warst, die doch nicht unglaubhaft waren, so soll in Zukunft dein Name ,Apistos’ [apistos = un-
gläubig] sein’, habe er gesagt. Als es Tag geworden, kam er gesund heraus.“ (Epidauros W 3, zit. nach G. Theißen, Wunder-
geschichten 135)

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 32


Die Wunder Jesu
Wunderüberlieferung in Logien und Summarien
Beelzebulworte: Mk 3,22par bzw. Lk 11,19 / Mt 12,27
Wort von der Überwindung des Starken: Mk 3,27 / Mt 12,29
Wort vom Satanssturz: Lk 10,18
Finger-Gottes-Wort: Lk 11,20 / Mt 12,28
Antwort auf Täuferanfrage: Lk 7,22f / Mt 11,5f
Weheruf über galiläische Städte: Lk 10,13f / Mt 11,21f
Seligpreisung der Jünger: Lk 10,23f / Mt 13,16f
Wort an Herodes Antipas: Lk 13,32
Synoptische Summarien: Mk 1,32-34; 3,7-12; 6,53-56 par ...
Summarium Nazaretperikope (eigentl. Apophthegma): Mk 6,5
Summarien der Apg: Apg 2,22; 10,38 (vgl. 13,23f; TestFlav; Sanh 43a)
Wundergeschichten: Motivrepertoire (nach Theißen / Merz 258f)

Bei Heilungsgeschichten oft folgendes Strukturschema (nach Fiederlein; Pesch):


1. Situationsangabe 4. Heilende Tat / heilendes Wort
2. Kranke/-er und ihre / seine Krankheit 5. Feststellung der Heilung
3. Vermittlung 6. Reaktion / Echo des Geheilten / der Umstehenden
Personen / Rollen im Beziehungsfeld Gegenspieler - Zwischenspieler - Gegenspieler (nach Theißen):
Wundertäter (W), Hilfsbedürftiger / Kranker (K), Begleiter des Hilfsbedürftigen / Kranken (B), Begleiter des Wundertäters /
Jünger (J), Gegner (G), Menge (M), Dämon (D).

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 33


Je nach eigentlichem Gegenspieler von W: verschiedene Typen von Wundergeschichten:
- wenn D: Exorzismus - wenn J: Rettungswunder
- wenn K: Heilung / Therapie - wenn M: Geschenkwunder
- wenn G: Normenwunder - wenn W (Sonderfall): Epiphanie
- B in bes. Funktion: verteilt auf Exorzismen und Heilungen

Unterschiede zwischen neutestamentlichen und hellenistischen Wundergeschichten:


- keine Strafwunder an Menschen (Ausnahmen: Lk 1,20; Mk 11,20ff; vgl. Apg 5,1-11)
- keine Belohnungswunder
- keine Schauwunder und groteske Demonstrationen
- keine besonderen Praktiken (Ausnahmen: Mk 7,33f; 8,23-25; Joh 9,6f.11)
- keine Honorierung / Bezahlung des W
- biographische und geographische Angaben treten zurück
- theologische Dimension und Interpretation im Vordergrund
- theologische Interpretation oft als Anlehnung an AT-Wunder (1 Kön 17,17-24; 2 Kön 4,18-37.42-44; 5,1ff etc.)

Verankerung im Leben Jesu und urchristliche Gestaltung



1. Die Tatsache des Wunderwirkens Jesu
- in außerchristlichen Zeugnissen erwähnt (s.o.); von Gegnern nicht bestritten (Mk 3,22ff)
- in verschiedenen Traditionsschichten belegt (Q, Mk, SLk, SMt, Joh, TestFlav, Egerton-Ev, apokryphe Evv)
- in verschiedenen literarischen Gattungen belegt (Logien, Summarien, Apophthegmen, Wundergeschichten)
- öfter mit konkreten Zügen, die auf historische Fundierung deuten: Namen, biographische Umstände, Ortsangaben, aramäi-
sche Befehlsworte, teilweise in Palästina gebräuchliche Praktiken.

2. Differenzierte Beurteilung der Historizität


- Exorzismen und Heilungen bilden den eigentlichen Kern der Wundertätigkeit Jesu: breite Palette von Wundergeschichten,
in Erzähl- und Worttradition, engstens mit Jesu Selbstverständnis und seiner Botschaft von der anbrechenden Gottesherr-
schaft verknüpft; auch „Normenwunder“ gehören zu den historisch gesicherten W.
- Die anderen Wunder (sog. „Naturwunder“: Seesturm, Seewandel, Verklärung, Speisung, Weinwunder, Fischfang) sind
differenziert zu beurteilen; schon früh nicht zu den „typischen“ Wundern Jesu gerechnet, in Logien und Summarien nicht
belegt, in Wundergeschichten nur in wenigen Exemplaren vorhanden.
- In diesen anderen Wundern meist deutliche Anzeichen einer christlich-nachösterlichen Prägung:
° Wunderbare Brotvermehrung: Anklang an Einsetzungsworte (vgl. Mk 8,6; 6,35ff mit 14,22)
° Seewandel: Motive, die wohl aus Ostergeschichte stammen (vgl. Mk 6,49f mit Lk 24,37-39; auch AT-Motive
° Wunderbarer Fischfang (Lk 5,1ff): Ostererfahrungen verarbeitet (vgl. Joh 21,1ff)
° Verklärung (Mk 9,2ff): Erscheinung auf einem Berg auch Mt 28,16ff; Verehrung als Sohn Gottes nach Röm 1,3f seit Os-
tern; befristetes Schweigegebot V. 9 besagt: erst nach Ostern bekannt geworden.
- Historischer Anhalt muss ihnen deshalb nicht völlig abgesprochen werden:
° Wunderbare Speisung
° Stillung des Seesturms, Seewandel, Verklärung.
- Aber: Historische Reminiszenzen werden im österlichen Wissen um das wahre Wesen Jesu „umgeschmolzen“ in Offenba-
rungsgeschichten, „kerygmatische Wundererzählungen“, „christologische Offenbarungswunder“ (O. Knoch).

3. Literarische Eigenart, theologische Gestaltung und Historizität


- Nicht einfach historische Berichte, exakte Protokolle bzw. Referate von Augen- und Ohrenzeugen.
- Eher „Geschichten“, die theol. Bedeutung der Taten Jesu und Bedeutung seiner Person herausstellen: Verkündigung Jesu
als des Christus, der alle Behinderung, Krankheit und Not der Menschen, letztlich den Tod überwindet; spiegeln häufig den
nachösterlichen Glauben der Urkirche wider (vgl. bes. die Semeia im JohEv). Genauer Hergang und Ausmaß können meist
kaum exakt erschlossen werden: differenzierte Fragestellung nötig.
- Jesusüberlieferung war Gesetzmäßigkeiten menschlichen Erzählens unterworfen. Wundergeschichten sind daher modifi-
zierte, umgestaltete und angereicherte Überlieferung (öfter steigernde Ausgestaltung).

4. Spezialfall Totenerweckungen
- Übersicht: Tochter des Jairus Mk 5 par; Jüngling von Nain Lk 7; Lazarus Joh 11 (vgl. Tabita Apg 9; Eutychus Apg 20;
Sohn der Witwe von Sarepta 1 Kön 17; Sohn der Schunemitin 2 Kön 4); außerbiblisch: Philostratos, Vita Apollonii IV 45;
Ber 34b: Rabbi Hanina ben Dosa; BQ 117a-b: Rabbi Jochanan; Acta Pauli, Petri etc.
- Zu beachten:
a) Für biblischen Menschen konnte Schwerkranker schon als tot gelten (vgl. bes. Ps 88,5f sowie Ps 9,14; 30,3f; 49,16; 71,20;
86,13; 2 Kön 5,6f: Aussatz = Tod); bibl. Mensch bringt bereits Begebenheiten und Umstände, die sein Leben bedrohen in
Zshg. mit dem Tod bzw. der Macht des Todes; Todeserfahrungen des bibl. Menschen können allg. menschliche Grunder-
fahrungen sein: Traurigkeit, Depression, Schuldgefühl, Verzweiflung, Unruhe, Furcht, Einsamkeit, Entfremdung, Missach-
tung, Ablehnung, Anfeindung, Gefangenschaft, Armut und Hunger (vgl. bes. Klagelieder des einzelnen in den Pss). Der
Tod ist für den bibl. Menschen nicht primär eine Begebenheit am „Ende des Lebens“, sondern eine Macht, die für ihn mit
jeder Beeinträchtigung seines Lebens zu tun hat (Fischbach 311f). – Grenze zwischen Tod und Leben wurde also nicht ein-
fach dort gezogen, wo sie aus Sicht heutiger Medizin anzusetzen ist (auch heute ist Festlegung von „Tod“ medizinisch
schwierig).
b) Krankheit und Tod oft nicht primär unter medizinischem, sondern unter theol. Aspekt betrachtet: Heilung wie Totenerwe-
ckung als Errettung aus Macht der Sünde (vgl. Mk 2,5.9.17; Lk 15,24.32; Joh 5,25; Eph 5,14).

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 34


c) Heilungen werden im NT mehrfach wie Totenerweckungen geschildert: epileptischer Knabe Mk 9,26f; Paulus in Lystra
Apg 14,19f; Eutychus in Troas Apg 20,9f.
d) Tendenz zur Steigerung (des Krankheitszustandes) in der Überlieferung feststellbar:
° Knecht des Hauptmanns bzw. Sohn des königlichen Beamten: vgl. Mt 8,6 mit Lk 7,2 und Joh 4,46f.
° Tochter des Jairus: Schwerkranke, wird bei Mk/Lk erst durch Verzögerung zu Totenerweckung; vgl. Mk 5,23 mit Lk 8,42
und Mt 9,18.
° Steigerung: gerade gestorbenes Mädchen Mk 5; zu Grabe getragener junger Mann Lk 7; verstorbener Erwachsener, schon
vier Tage im Grab Joh 11.
e) Traditionskritische Untersuchungen (vgl. etwa Fischbach, Kremer, Weiser) legen nahe, dass es sich ursprünglich um Hei-
lungen von Schwerkranken handelte bzw. um Erweckung von Menschen, die sich in einem todesnahen oder todesähnlichen
Zustand befanden. Im Licht von Ostern (im Wissen um Jesu Sieg über den Tod) konnten solche Heilungen Jesu zu Toten-
erweckungen gesteigert werden, auch in Überbietung von Elija (1 Kön 17 im Vgl. mit Lk 7) und Elischa (2 Kön 4). – Völ-
lig sicher ist das aber nicht; historisches Faktum oft nicht mehr zu eruieren; auch früheste historisch greifbare Schicht ist
schon Deutung von Menschen. Einschätzung als Heilung oder Erweckung hängt wesentlich von Wahrnehmung der Zeugen
und Verständnis der Tradenten ab.

5. Wundercharisma und Spezifika des heilend-befreienden Wirkens Jesu
- Für Heilungen und Exorzismen Jesu legt sich eine weitere „schöpfungstheologische“ Deutung nahe (Theißen / Merz 282):
Wundercharisma als spontan auftretende Macht, die in der Schöpfung vorhanden, aber an charismatische Menschen und
deren befreiend-heilend-rettenden Umgang mit anderen Menschen gebunden ist. Beruht nicht auf noch unerkannten Natur-
gesetzen, sondern eher auf einem Spielraum der „Natur“. – Wundercharisma bei manchen Menschen; Jesus aber besaß sol-
che „paranormalen“ Begabungen in außergewöhnlichem Maß: die Fähigkeit zu heilender Begegnung, vorbehaltloser An-
nahme, intensiver persönlicher Zuwendung, die loslöst, befreit, Verhärtungen und Verkrüppelungen aufbricht, verbunden
mit machtvollem Wort, das heilend, wiederherstellend, befreiend wirkt.
- Er gibt zudem seinen Heilungen und Exorzismen in zwei Punkten eine individuelle Prägung:
a) Verbindet sie mit Zentrum seiner Botschaft und gibt ihnen eine faszinierende Deutung: Anbruch der Gottesherrschaft,
Kostproben der neuen Welt Gottes, „Mini-Himmel“ auf Erden; Ausdruck des rettend-heilenden Willens Gottes, den Jesus
selbst in seinem Wirken verkörpert (Lk 11,20: „wenn ich im Finger Gottes ...“). Obwohl Jesu Wunder vereinzelt / episo-
disch bleiben (keine Massenheilungen!), sind sie von umfassender Bedeutung, denn sie verweisen auf die neue Welt, die
Gott durchsetzen will (episodale Verwirklichung universalen, eschatologischen Heils). Indem Jesus nicht nur von dieser
neuen Welt spricht, sondern sie in seinen Wundern schon real erfahrbar macht, bekommt seine Verkündigung von der
nahegekommenen GH drängende Aktualität. Jesus gibt damit seinen Wundern einen Sinn, den kein anderer Wundertäter
beansprucht.
b) Schreibt wunderwirkende Kraft dem Glauben des Hilfsbedürftigen selbst zu; ohne „Glauben“ kann Jesus als Wundercha-
rismatiker nicht handeln (vgl. Nazaret Mk 6,5f; häufige Aussage: „Dein Glaube hat dir geholfen / dich gerettet“ Mk 5,34;
10,52; Lk 7,50; 17,19; vgl. Lk 8,50: „Glaube nur, dann wird sie gerettet“; Mk 9,23f: „Alles ist möglich dem, der glaubt ...
Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“). Kein entpersonalisierter magischer Vollzug in ritualisierten Praktiken (gegen M.
Smith, z. T. J. D. Crossan u. a.: „Jesus als Magier“).

6. Krankheit in damaliger und heutiger Einschätzung (Theißen / Merz 280f; Weiser 78-104)
- Wenn im NT von Aussatz, Blindheit oder Besessenheit die Rede ist, dürfen wir nicht einfach an Lepra, Blindheit oder
Psychosen, Neurosen, Hysterien denken. – Krankheiten werden in jeder Gesellschaft verschieden definiert; Erzählungen
von Krankheit und Heilung werden entsprechend stilisiert: „Aussatz“ im NT umfasst alle möglichen Formen von Haut-
krankheit; „Blindheit“ ist jede Sehstörung; „Besessenheit“ ist ein vielschichtiges Phänomen (vgl. etwa „besessenen / epi-
leptischen Knaben“ Mk 9,14ff: nach Erfahrung mit Epileptikern dargestellt, aber auf bösen Geist zurückgeführt; zudem
Stummsein / Mutismus; Anfälle als Ausdruck einer dissoziativen Störung; Stürzen ins Wasser bzw. Feuer: selbstschädi-
gende Tendenz).
- Vorsicht gegenüber allzu raschen und „aufgeklärten“ Deutungen ntl. Krankheiten (bes. „Besessenheiten“): Erzählungen
sind stilisiert, vom damaligen Weltbild geprägt.
- Gilt v. a. für tiefenpsychologische oder psychoanalytische Erklärungsversuche in tiefenpsychologischer Exegese (E. Dre-
wermann u. a.).
- Gilt auch für heutige pauschale Einordnung als Neurosen, Psychosen, Hysterien: unter versklavender, fremdbestimmender
Macht des Über-Ich stehend; „Lähmung“ als „Konversionsneurose“ (Konflikt zwischen Unbewusstem und Über-Ich, zwi-
schen äußeren Normen und vitalen Antrieben, der sich im Symptom der Lähmung verfestigt) – Heilung (Jesus als Psycho-
therapeut) als Hinführung zur Gewinnung des „Selbst“ (Ich mit Integration des Unbewussten, ideale Ganzheit der Exis-
tenz).
- An solchen Deutungen ist vieles richtig, doch darf man nicht glauben, ntl. Krankheiten damit zureichend erklärt zu haben.

Zusammenfassung und Aktualisierung


- Jesus hat sicherlich Wunder gewirkt und ihnen vom Zentrum seiner Verkündigung her eine bes. Bedeutung gegeben: Zei-
chen für den Anbruch der Herrschaft Gottes.
- Die urchristl. Erzähler und Evangelisten haben Jesu Wunder im Lauf des Traditionsprozesses gesteigert, ihre Eindrücklich-
keit und damit Jesu eigene Größe (als eschatologischer Freudenbote Gottes, Heiland, Retter, Messias, Herr über den Tod)
christologisch besonders hervorgehoben; haben sie aber auch stärker symbolisch verstanden (Blindenheilung, Schiff der
Kirche im „Seesturm“, Fischzug für Mission; bes. im JohEv hintergründig-tieferer Sinn). Das zeigt hohe Wertschätzung der
Wunder: werden zu Symbol-Trägern zentraler theologischer Einsichten. (Anstoß zu symbolischer Sinnüberhöhung aber
schon bei Jesus: deutete Wunder als Zeichen der anbrechenden Endzeit, verlieh ihnen Mehrwert an symbolischem Sinn, der
viele weitere Sinndeutungen anregte.)

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 35


- Für uns heute: Symbolische Deutung (vorsichtig vollzogen) steht uns weiterhin offen (Wunder als Hinweise auf den in
seiner Kirche durch Glauben und Sakramente, durch diakonische Liebe, Heilung und Rettung sowie durch seinen persönli-
chen Schutz wirkenden erhöhten Herrn).
- Ursprüngliche Bedeutung der Wunder Jesu sollte dabei aber nicht aus den Augen geraten: Wollen zunächst konkrete, leib-
haftige, heilende und rettende Hilfe bringen; bedeuten – im Namen Gottes – einen unbedingten Protest gegen menschliche
Not u. menschliches Leid. – Wo immer man sie später erzählt, findet man sich nicht ab mit erniedrigenden, erdrückenden,
unmenschlichen „Gegebenheiten“. Wo immer sie erzählt werden, wecken sie neue Hoffnung auf Überwindung von Leid,
Krankheit, Mangel, Not u. Tod, weit über das Vorstellbare und bisher Erfahrene hinaus; laden christl. Gemeinde ein zu
immer neuer „Grenzüberschreitung“ (boundary jumping) im Sinn Jesu, um die mit ihm gekommene u. österlich bestätigte
neue Welt Gottes auch heute erfahrbare Realität werden zu lassen (vgl. Weitergehen des Wunderwirkens Jesu in den Apos-
teln, in den pln. Gemeinden, bei vielen Heiligen etc.). – Dieses Grundanliegen beherrscht – abgewandelt – auch die neueren
Versuche einer tiefenpsychologischen Auslegung der Wundergeschichten: wollen heilende Erfahrungen ermöglichen, We-
ge zur Ganzwerdung und Selbstwerdung weisen (vgl. E. Drewermann, M. Kassel, A. Grün u. a.).

Beispiele: Heilung der Schwiegermutter des Simon


Mt 8,14-15 Mk 1,29-31 Lk 4,38-39
14 29 38
Und als Jesus Und gleich, als sie aus der Synagoge Als er aber aufgestanden (und) von der
in das Haus des Petrus ging, gingen, gingen sie in das Haus des Simon Synagoge (weggegangen war), ging er
und des Andreas, mit Jakobus und Johan- hinein in das Haus des Simon.
nes.
30
sah er dessen Schwiegermutter bettlägrig Die Schwiegermutter Simons aber lag Die Schwiegermutter des Simon aber war
und fiebernd. fiebernd darnieder, und gleich sagen sie ihm befallen von einem heftigen Fieber, und sie
15
Und er berührte ihre Hand, und es verließ ihretwegen. 31Und er ging hinaus und baten ihn ihretwegen. 39Und er trat zu ihren
sie das Fieber; und sie richtete sich auf und richtete sie auf, ihre Hand fassend; und es Häupten, drohte dem Fieber, und es verließ
bediente ihn. verließ sie das Fieber, und sie bediente sie. sie. Sofort aber stand sie auf u. bediente sie.

Jesu Wandel auf dem See


Mt 14,22-33 Mk 6,45-52 Joh 6,16-21
22 Und sogleich nötigte er die Schüler, 45 Und sofort nötigte er seine Schüler, 16 Als (es) aber Abend wurde, hinabstiegen
einzusteigen ins Boot und vorauszufahren einzusteigen ins Boot und vorauszufahren seine Schüler zum Meer, 17 und einsteigend
ihm zum Gegenüber, bis dass er entlasse die zum Gegenüber nach Bethsaida, bis er in ein Boot, kamen sie jenseits des Meeres
Volksmengen. 23 Und entlassend die selbst entlässt die Volksmenge. 46 Und sich nach Kapharnaum.
Volksmengen, hinaufstieg er auf den Berg verabschiedend von ihnen, wegging er auf
für sich, um zu beten. Als es aber Abend den Berg, um zu beten. 47 Und als es Und Finsternis war schon geworden, und
geworden war, allein war er dort. Abend geworden war, war das Boot inmit- noch nicht war gekommen zu ihnen Jesus,
24 Das Boot aber war schon viele Stadien ten des Meeres, und er allein auf dem Land.
vom Land entfernt, bedrängt von den Wel- 48 Und sehend sie, sich quälend beim
len, denn (es) war entgegen der Wind. Rudern, denn es war der Wind ihnen entge- 18 und das Meer, weil ein starker Wind
25 Bei (der) vierten Wache der Nacht aber gen, um (die) vierte Wache der Nacht wehte, wurde aufgewühlt. 19 Als sie nun
kam er zu ihnen, umhergehend auf dem kommt er zu ihnen, umhergehend auf dem gerudert waren etwa fünfundzwanzig Stadi-
Meer. 26 Die Schüler aber, sehend ihn auf Meer, und er wollte vorübergehen an ihnen. en oder dreißig,
dem Meer umhergehend, wurden verwirrt, 49 Die aber, sehend ihn auf dem Meer sehen sie Jesus, umhergehend auf dem Meer
sagend: Ein Gespenst ist (es), und vor umhergehend, meinten, dass es ein Ge- und nahe gekommen dem Boot, und sie
Furcht schrien sie. spenst sei, und aufschrien sie; 50 denn alle fürchteten sich.
27 Sofort aber redete [Jesus] zu ihnen, sahen ihn und wurden verwirrt. Der aber 20 Der aber sagt ihnen: Ich bin (es), fürchtet
sagend: Habt Mut, ich bin (es); fürchtet redete sofort mit ihnen und sagt ihnen: Habt euch nicht!
euch nicht! Mut, ich bin (es); fürchtet euch nicht!
28 Antwortend aber ihm, sprach Petros:
Herr, wenn du (es) bist, befiehl mir, zu
kommen zu dir auf den Wassern! 29 Der
aber sprach: Komm! Und hinabsteigend
vom Boot, ging Petros umher auf den
Wassern und kam zu Jesus. 30 Sehend aber
den [starken] Wind, fürchtete er sich, und
beginnend zu sinken, schrie er, sagend:
Herr, rette mich! 31 Sogleich aber, ausstre-
ckend die Hand, ergriff ihn Jesus und sagt
ihm: Kleingläubiger, warum zweifeltest du?
32 Und als sie hinaufstiegen ins Boot, 51 Und hinaufstieg er zu ihnen ins Boot, 21 Sie wollten nun nehmen ihn ins Boot,
nachließ der Wind. 33 Die aber im Boot und nachließ der Wind; und sehr [, im und sogleich kam das Boot auf das Land, zu
fielen nieder vor ihm, sagend: Wahrhaft, Übermaß] entsetzten sie sich bei sich; dem sie hinfuhren.
Gottes Sohn bist du. 52 denn nicht hatten sie verstanden auf-
grund der Brote, sondern (es) war ihr Herz
verstockt.

Aufbaukurs NT I – Rückfrage nach Jesus 36