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ÖS T E RR

E I C H

Das Tagebuch des "Generals"

Österreichs Außenministerium wusste bereits Anfang 1946 von der SA-Mitgliedschaft Kurt Waldheims. Der damalige ÖVP-Minister Karl Gruber wollte seinen devoten Sekretär jedoch vor der braun en Vergangenheit "retten ". Das enthü ll en bisher unveröffentlichte Aufzeichnungen eines Spitzendiplomaten.

VON MARIANNE EN IG l

  • D as erste Nachkriegsjahr begann für da s öste r · reichi sche Außenministerium Bedingungen. Da s Land werde

unter h arte n weiter ausge-

e mpfindli c h gewo rd e n

ist ' .

Der

Ne ue

hi

Kurt

Wa ldheim

u nd war se it Ende November 1945 pro -

beweise in

der po liti sc hen Abteilung des Außenamts

tätig. Wa ldh e im beg leitete Mini s t e r Grub er dre i Wo -

- ÖS T E RR E I C H Das Tagebuch des "Generals" Österreichs Außenministerium wusste

SPITZEN-

DIPLOMAT

HEINRICH

WILDNER

Fühn. ab 1903 mit Unter-

raubt . , jet z t fan ge n

a uch die

führung e n an ", und

Ungarn mit den Weg-

  • c h e n , dann gab es auch mit ihm ein handfestes Pro -

brechungen

Einer unserer

er sse

sic h mit einem gewis-

b lem. Am I . Februar 1946, der für den Resso n c h e f

Tagebuch und

se n Sta lin - Brief beschäftigen, notiene Außenamts-

o hn ehin ke in einfacher Tag war - se in Auto war ge -

not ierte am

General se kretär He inrich wildner am I . Jänner 1946

s to hl e n wo rd e n , ÖVP und SPÖ waren hart aneinan-

1. Februar 1946:

in se inem Tag e bu c h .

derge ra ten -, sc hrieb Wildner zwe i dürre Sätze

ni e -

Wildn e r war ein Dipl o mat der alten Sc hul e. Sei-

un sere r Zugeteilten , Dr. W., der jetzt

be i

Dr. W., wurde

ne erste Mi ss ion hatte

ihn 1903 ins fe rne St. Pe rers-

  • d er : "Einer Gruber a ls

Se kret ä r Diens t tut - die Familie hatte

eben vom Gericht

burg ve rsc hlag e n , se in

Han dw erk lernte er über die

vor nicht z u lang e r Zeit ihren tsc h ec hi sc hen a uf e i-

als Angehöriger der SA-Re iter-

Jahrzehnte exzellent. Die Nazis nutzt e n ihn als Exe-

nen rein deutschen Name n geändert*

-. wurde eben

sta ndarte

kutor der Zerschlagung der österreichischen Diplo - mati e, dana ch wurde er außer Dien s t ges tellt. Im April J 945 erschien er beflissen wieder im Amt , Sta atska n zler Karl Renner legte ihm dessen Leit ung

vo m Gericht a ls Angehöriger d e r SA- Re it ersta nd ar- le bezeic hn e t. Gruber will ihn rette n :

Im Klanext : Di e SA-Zuge h ö ri gke it des s päte r en UN -Ge n era lsekre tärs un d Bund esp s id e nt e n Wald-

bezeichnet "

als Generalsekretär in di e Hände , bi s e in

junger

hit z-

h ei m war c h ste n Krei se n von Beginn se in e r Dip -

köpfiger Mini s ter einzog: der 36-jährige

Tiro ler

Kar l

lo m ate nk a rriere 1946 an bekannt. Und: ÖVP-Minis-

Gruber, in den Wirren d er l etzte n Kämpfe 1945 ko-

ler Karl Gruber war nicht zum Nachforschen. son-

metenhaft zum Po litik e r aufgestiegen. Den ersten

US-Offizier hatt e Gruber im Tiro ler Landhau s se lb s t- b ew u ss t empfangen: .I am th e chief of t he r es is tanc e

dern z um Applanieren entsc hlo sse n. Am Beginn d er ~Rettung~ Wa ldheim s vo r se iner braunen Ve rgang e n - h e it sta nd der e rs t e Außenmini s ter in d e r Zweiten

movem entr Oie US - Behörden m achten ihn zum La nd es h a uptmann . Auf dem g latten Wiener Park e tt

Re

publik hö c h s tp ersönlic h. Waldheim s Perso nalakt

 

wu rd e der politi sc h und diplomati sc h lli g Uner -

li eg t na c h wie vor im Au-

ße nmini s t e rium unt e

r Ver-

schluss . S pitze ndipl oma t

"Wenn einmal die Aktendeckel

Karl Gruber, Ex-Au8enmlnlster

fahrene . der s ich gern in uneilt: , Me rkwü r di g die

Sze ne setzte , ske pti sc h be- Äu ßerungen über Gruber,

abgehoben sind, werden freili(h 50 manche die

da ss er

nur ei n für sic h arbeiten d e r Schaumsch)ä~

Heinrich Wildner, wegen s ei-

ner St ren ge im Außenamt , der Ge nera l' gerufen , ist seit

Augen aufreiBen"

an Schwierigke it en. Fritz Molden, se in Ve rbindun gs-

mann zum Widerstand in Tirol und ers ter

politi sc h e r

Referent , ve rab s c hi e dete s ich na ch Gerüchten , e r habe im Au s la nd ge poke n . Seinen p e rnli c hen Se kretär , e in en erfa hre nen Prä s idialb ea mten , so ll d e r Minister körperlich un - sanft angefass t h aben. Er verlangte die Zuteilun g e i- nes jüngeren. Am 9. Jänner 1946 ließ Wildn e r d e n gewünschten Jun gdip lomaten komm e n und sc hri eb in se in Tagebu c h , die ser übernehme die Aufgabe beim dynami sc h en Chef ge rn , ,we il er durch jahre- la n ge n Adjutantendien s t gege n Mi ss li c hk e iten un-

1957 tot. Seine Tagebücher li ege n im Österreichischen Staatsarchiv und sind erst seit Kurzem zugänglich. Als profil-Recherchen im Präsidentschaftswahl- kam pf 1986 St ü ck für S tück d e r braunen Verg an- gen heit Waldheims aufdec kten und di e öVP über

ei n e ~Verleumdungskampagne" gege n ihren Kan-

did

a te n tobt e, kam ausge rechnet Ex-Außenminis-

ter Gruber a ls wutschnaubender Waldheim -Ve nei -

  • di ge r zum Ein sa t z. Wä hrend die Auseinandersel- ....

*) Die Wald heims hießen vor der Namensänderung vaclavik.

JO

profi l 48 28. No v embe r 20 11

-

OST ERR E I C H

zung das Land spa ltete , trat er a ls Zeuge für wa ldhe im s . Offenhe it, Au sku n ftsbe- re itschaft und Wah rh aftigkeit' auf. Er prä -

se ntierte ein eigenes

..

We ißb uch", i n dem

wa ldhe im s Einsa t z am Ba lkan u nd h - re n d de r Ju den - Deponatione n i n Sa lo ni - ki weißgewasc h en wurde. Nachdem die USA Wa ld h eim a u f d ie Watc hl is t gesetzt

h atten, sc h ickte

ÖVP -Auße n min ister Alo-

is Mock Grub er auf Staatskoste n a ls Son- deremissä r in die Welt.

. Ich persönl ich hätt e da s

nicht gemacht' ,

mei nt Gr u bers e h ema li ger Weggefä h ne ,

der Dip lomat und ÖVP-Politiker Lu dw ig Steiner, angesichts dessen jetzt öffent li ch gewordenen waldheim-Engagemen ts. Oli ve r Rathko lb, Vorsta n d des Instituts r Zeitge schichte an der Unive rsität Wien, sag t zum Stelle nwert des nun aufgetauch- ten Dok u ments: . Die Gesc h ichte holt die

ÖVP ei n. Diese Au fzeichnu n g über Gr u-

bers Rolle dre ht d ie Debatte u m de

n

Umgang mit Wald h e i ms SA-ve rgangen- he it :

In h alt li c h s ind di e Sätze Wil d n ers zu r Causa Wa ld h eim a m I . Februar 1946 viel- sag end. Beim .Ge ri c ht ·, d u rc h welches da s Au ße n amt von Wa ld he im s SA-Ange h ö r ig - keit erfu hr, h an d elt s ic h um eine Sonder - kommi ss ion , die gegen Waldheim ein Ent- naz ifiz ier ungsverfahre n e inge le itet hatte .

Exakt ei ne Woche davo r ha

tt e Wa ld -

heim s ich vo r dieser Sonderkornmiss ion

- OST ERR E I C H zung das Land spa l tete , trat er

LUOWIG STEINER

"Es war ein

großer Fehler "

"Immer goldrichtig lieaen"

Der frühere Widerstandskämpfer, Diplomat undOVP.Politiker

ludwig Steiner zur neuen Enthüllung in der

Causa Wald heim.

P rofil : Der damalige öster-

reichische AuBenminister

Karl Grube r erfuhr im Febru·

ar 1946, dass sein Sekretär

halten. Uns als Anti-NS·Generation hat das nicht gefallen.

profil : Öffentlich ist die

SA-Vergangenheit erst bei

Waldheims Kandidatur zum Bundespräsidenten

Kurt Wald heim be i der SA ge-

1986

durch

profil-Recherche

bekannt geworden .

wesen war - und wollte ihn

Angesichts der Rolle Grubers - war die riesige

"retten ". So steht das in bisher

Empörung der ÖVP über die .

Kampagne · gespiek?

unbekannten Aufzeichnun-

Steiner: Nein . In dieser "Kampagne " wurde

weit

gen des Außenamts-General-

überzogen. Waldheim gleich als Schlächter zu be -

sekretärs . Sie haben Gruber

kennen gelernt, als der im

Frühjahr 1945 in Innsbruck

zeichnen hat bestimmt nicht zu einer gründlichen

Aufarbeitung beigetragen.

profil : Waldheim hat immer nur zugegeben, was

zum Widerstand stieß, arbeiteten bei ihm, als er nach Kriegsende Ti roler landeshauptmann war.

nachgewiesen werden konnte. Steiner: Ich habe das nie versta nden. Es war

ein

Warum wollte der Minister, der aus dem NS-

großer Fehler, er hätte die Sache auf den Tisch

Widerstand kam, den ehemaligen SA-Mann

legen und sagen müssen, was dran war.

Waldheim vor seiner Vergangenheit "retten "?

profil : Ex-Minister Gruber

hätte 1986 sagen kön-

Steiner: Ich persönlich hätte das nicht gemacht.

nen, ich habe das damals applaniert, stattdessen

Wahrscheinlich wollte er einen Mitarbeiter nicht

trat er als der

groBe Wald heim-Verteidiger

auf.

fallen lassen und brauchte jemanden , der sich in

Steiner: Das war jene Seite an ihm, dass er sich

Wien auskennt.

gleich für jemanden hineingehaut hat, der mit

profil : Waldheim kam von der Front am Balkan

und in Griechenland und kannte sich in Wien nicht aus. Steiner: Ich hatte schon den Eindruck, dass Wald -

heim sich

im AuBenamt gleich sehr gut auskann-

te . Er war äußerst rege , fleißig , um es gelinde zu

sagen, strebsam. Bezeichnend für seine diploma- tische Tatigkeit war, wie er es einmal bei einer in- ternationalen Konferenz gesagt hat: "Wir müssen sehen, dass wir gut liegen : Für mich wurde das

zum Spottvers : . Immer gleich goldrichtig liegen ." profil: Tatsächlich hat Gruber Waldheim gerettet,

indem man ihn fix ins Außenministerium über- nahm. Damit ist das EntnaZifiZierungsverfahren eingestellt worden. Steiner: linie war für Gruber dabei wahrschein-

lich: Den brauch ich, und damit Schluss. Wer Nazi ist, bestimm ich. Ähnlich wie bei Karl Lueger, der

angeblich gesagt hat: "Wer ein Jud ist, bestimm ich: Damals haben sich alle Parteien ähnlich ver-

ihm zusammengearbeitet hatte und nun in Schwierigkeiten war. profil : Und er wurde von Außenminister Alois

Mock auch noch als Sonderbotschafter für die Waldheim-Sache in die Wek geschickt.

Steiner: Damals ging es um "das Verteidigen ". Es

ist nach dem Krieg ja tatsächlich sehr viel an Säu- berung von Ex·Nazis gemacht worden . Und die

SA-Reiter waren nicht gerade eine Front-Organi- sation. Ich kann das sagen, ich war weit davon

entfernt und habe dafür bezah lt. Mein Vater

war dreieinhalb Jahre in Dachau, mich wolke die Ges- tapo erpressen : . Wenn du zur SS gehst, entlassen

wir ihn aus dem Kl ." Zurück zur Sache Waldheim:

Toll war das Ganze nicht. Mich hat ja eines ge-

wundert: Die Staatspolizei hat doch damals über jeden einen Akt gehabt wieso hat sie die Regie- rung nicht auf allfällige Bedenken gegenüber ei -

ner für Österreich so wichtigen Kandidatur auf- merksam gemacht?

höchst gewun den geäußen.

Im so ge n annte n Tage bu c h des Verfah re n s m it der Ak - te n za h l Sk 235 ist ve rmerkt :

. Rechtfertigung 23. 1.46;

..

SA-Reite rstandarte

vo m

18.11.38

bis Sommer 39 . Nur

sportliche

Bes tätigu

ng (s ie) ."

Wa ldheim

so ll te spä ter dazu

se ine be h m te Ausrede for-

mulieren , er habe nur an

Au s ritten te ilgenomme n.

 
 

Nach de n anfangs sc har-

fen

Entnazifizieru ngsbestim-

m u ng e n hätte die offiz iell

fes t geste llte

SA-Zuge h ö rig-

ke it für die Karriere des ehr-

ge izige n Wald h e im je d oc h das vo rläufige Aus bede u te t .

Die

ter

Stiefe l,

Autor

de s

Standardwe rks

. Entn az ifi-

zi erung in Österreich ":

Da -

mit hätte e r 1946 nicht in s

Au ße nmini ster iu m

au fg e-

n ommen we rden kö nn e n ,"

 

Die

nunmehr

beka n nt

gewo rdene Passage .G rube r w ill i h n retten· dokume n - ti ert, warum se in Entnaz ifi - zierungsverfahren ni cht durch eine n Spruc h der Sonderkomm ission beendet,

s ondern du rch am t app laniert

da s Auße n- wurde. Der

le t zte Eintrag in diese m Akt st am m t vom 29 . J u ni 1946

und lautet: . Besch eid de s BM für a u swän ige Angele - genheiten Zoo 11 5- 129 - Pers / 46 , wonac h d e r zu Be -

u rteilende

Dr. Wa ld he im ab

1.6.1946

in

de n Außendienst

übernommen wird. -

An-

trag zu ckgezogen, Pers.- Akt an Präs id iu m zurück." Der Histor iker Michae l

Gehl e r, der sich e ingehend

mit

dem Po li tiker Ka rl Gru -

ber

b esc häftigt hat. zweife lt

  • 32 profi148 · 28. Novem ber 2011

nicht an der Richtigkeit der Aufzeic hnun g

Heinri c h wildners : . Gruber hat se hr vie le

Pers il sc hein e ausgeste llt

un d belastete

Le ute - s icher aber kein e Kri egsve rbrecher

  • - proteg iert . Nic ht aus Affinität zu m Nati- ona lsoz iali smus, sondern aus be rechnen -

de r Pragmatik . Er hat Leute gebraucht, die

er s ich dien stbar machen ko nnte. " Und Waldheim se i se rvil und dev ot wie kaum e in a nd ere r gewese n.

Im Juli 1946 notierte Wildn e r : . Figl ist wieder auf Gruber wütend, behauptet ,

dass se in e Gewährsmänner, Amerikaner, meinten, Gruber se i an dem Gere de von

d er Abtretung de s östlichen österreich

sc huld :

In se in em

Furor h abe der ÖVP -

Bunde s kanz le r auc h erzäh lt , .G ruber be-

komme von den Amerikan e rn 12.0005 im Monat Unterstützung". Der Generalse-

kretär:

..

Das wird immer sc höne r, was man

s ic h d a zu erzählen erlaubt : Lu dw ig Stei- n e r, ab 1948 Grubers pern li c her Re fe -

rent , verwei s t Figl s An sc hwärzun g in s

Re ich

der

Intrige: .E r hätte

sic h nie

ab- ~

DER AUSSENMINISTER (3. v. re.) UND SEIN SEKRETÄR (2. v.li.) 1947

Waldheim war servil und devot wie kaum ein anderer

ÖSTERREICH

hängig gemacht: Dass der betont amerika- freund li che Politiker im So ld der USA ste - he. sei kommunistische Propaganda ge-

wesen.

Wie eng Gruber mit den US-Behörden in Österreich kooperiene . dürfte sowohl

seinem damaligen Bundes kanz ler a ls auch

dem hellhörige n Ge n eralsekretär entgan- gen sein . Historiker Rathko lb hat in den

amerikanischen Archiven regierungsin -

terne Akten gefu n den . d ie Grube r geheim

reich , er übermittle vorab den gehe imen

Entwurf e iner wichtige n

österre ic h is c h en

Note an die Sowjetunion: _Ich will die Note

e rst abgehen lassen . wenn sie zwischen

Ihnen und mir diskutiert

ist. "

Figl schildene peinlich berühn. der Au-

ßenminister zitiere zu suspekten Gesell -

sc haftsabende n _junge Mädc h en. auc h An- gestellte des Kan zle ramts - (Wildne r am

  • 29. Mai (946 ). die se r bestätigte lockeres

Beisammensein nonchalant in se i nen Er-

hübschen Wienerinnen einz ul aden ", Zu r

Wa ld h eim -Ca u sa merkte Gruber salopp an: _Wenn ei n mal die Aktendecke l abge - hoben sind . werden fre il ich so manche die

Augen aufreißen. was sich alles um diese

,Affäre ' gerankt hat : Die Aktendeckel der Wildner-Aufzeichnungen wurde n laut Ar-

chi va r Roma n Eccher vom Staatsa r c h iv auf I nitiative der Dokumentationsabtei-

lung des Außenministeriums geöffnet.lm

Vorjahr gab da s Außenam t das Tagebuch

seinen

amerikanischen

Gesprächspart-

innerung sbüc hern. In Grubers wonen gab

1945

heraus . Derzeit wird 1946 vorberei-

nern übergab. So sc hrieb er im Juli 1947

es für Militärs . Dip lomaten und Regie ru ng

tet. Im

Hande l s ind die bemerkenswerten

streng

vert r au li ch " an

den

po li t ischen

o rdentlic h zu

essen un d tri n ken. u n d es

Bände

fre ili ch

nic h t. Sie werden nur an

Berater des US-Hochkommissars in Öster-

se i auch nicht vergessen worden , "unsere

Bib li otheken verteilt.

ÖSTERREICH hängig gemacht: Dass der betont amerika- freund li che Politiker im So l d der

HUDECZEK (Mi. ). AUS BERICHT IM "VÖLKISCHEN BEOBACHTER". 1933 Communiques über . kriegsnotwen -

dige Deportat ionen "

Schreibtischtäter

18 Diplomaten mit NS-Vergangenheit machten nach 1945 Karriere, zwe i davon im Kab inett von ÖVP-Minister Kart Gruber.

  • I nden ersten April - tagen 1945 war am Ballhausplatz e in Kom- men und Gehen. Diplo- maten , die von de n Nationalsozialisten entlassen und zwangs - pensioniert worden waren , meldeten sich in Scharen wieder zu- rück. Beamte, von de- nen gemunkelt wurde , sie seien Parteigenos-

schon Nationalsozialist gewesen, und

prahlte mit der Bespitzelung seines - dischen Vorgesetzten in den Ja hren vor

  • 1938. Dre imal stelke Hudeae k einen

Aufnahmeantrag in die NSDAP. Zweimal kam er nur auf die WartelIste. Doch die Karriere schritt voran . Hudeaek wurde stellvertretender Leiter der Handelspoli - tischen Abteilung des Auswärtigen Amts in Be rlin und damit e ines der Rädchen in der Maschinerie des Holocaust . Wie alle

NS-Diplomaten war er a ngehalten , die Vern ichtung der Juden möglichst geheim zu ha lten . In Commun iqu es wa r von . kriegsnotwend igen Deportationen " die Red e. 55-Funktionäre gingen im Auswär-

tigen

Amt ein und aus , weil sich . bei lö-

sung de r Judenfrage erfahrungsgemäB

zahlreiche politische

und han delspoli-

tische Fragen ergeben ·, wie es in eine m

amtlichen Schreiben hieß . 5ein Kollege Franz Adamovic , Parte i- genosse seit 1940, war an sei nem DIenstort Budapest im März 1944 in die Kennzeichnung und Deportation der un - garischen Juden involviert. Adamovics Aufgabe war es , ungarische Juden von

au slä ndischen zu trennen , um "internati- onale Komplikationen zu venne iden ". Wegen eines Ischiasleidens inspizierte Adamovic nicht persönlich die Lager, son - de rn schickte e inen 55-Ma nn . der Jude n

mit ausländ ischen Pässen

von der Trans-

portliste strich. Adamovic wu rde 1945

wi eder am Ballhausplatz

beschäftigt. Er

starb im Jahr darauf. Franz Leitner. ehemals Angehöriger

der Waffen -SS, heuene 1945 be i der Bundeswirtschaftskammer an. 1947 wurde er am Ballhausplatz angestellt.

  • 1948 kam er nach NewYork ins General -

konsulat. 19SB wurde er Botschafter in

Tok io. Otto Fries, illegales SA- und NSDAP- Mitglied , wurde 1948 wegen seiner Vergangenheit im Außenamt noch ab- gelehn~ 1954 jedoch wiede r auf- genommen . Johann Tursky, ehemals SA, stieg 1973 zum stellvertretenden Generalsekretär des Außenamts auf. Wilfried Platzer. ehem a ls Mitglied der NSDAP und vom NS-Regime zum Ge- sandten befördert, machte nach 1945 eine erstaunliche Karriere. 1950 wurde Platzer als österreichischer Botschafter nach Washington geschickt. In seinem Lebenslauf für die US-Behörden hatte er seine N5-Vergangenheit - wie auch Waldheim - wohlweislich verschwiegen .

  • 1967 avancierte Platzer zum Generalse-

kretär des Außenamts . 1988 war geplan~ am Ballhausplatz ei- ne Gedenktafel für die Opfer des Natio- nalsozialismus aufzustellen , auf der alle ehemaligen Generalsek retäre des Au- ßenamts namentlich hätten genannt werden sollen . Davon wurde Abstand ge- nommen , na chdem der Historiker Oliver Rathkolb die Vergangenheit Platzers re- cherchiert ha tte. Oie Personalakte n des Außenministeriums sind für die For-

schung nach wie vor gesperrt.

CHRJSTA l OCHUNG

sen gewesen , zogen es vor, vorübe rgehend in der Verwaltung e ines westlichen Bundeslandes ode r in einer Finanzlandesd irektion unterzukommen und abzuwarten . Das Mili eu der mehrheitlich altade- ligen , konservat iven , im Wiener Theres i-

anum und im Schottengymnasium ge - schliffenen Beamtenschaft war ungebro -

chen . Sozialdemokraten und Emigranten hatten wen ig Einfluss und Macht. Kurt Waldheim, ein Jungakademiker mit Ver-

gangenhei~ von der nur die Spitze

des

Min isteriums wusste, wurde schon 1946 in Grubers Kabinett geholt. 1949 kam Karl Hudeczek dazu . der drei Jahre lang im Ministerium für VennÖgens si che rung und Wirtschaftspl a nung zwische nge - parkt war. Hudeczek war einer der eifrigsten N5-Diplomaten gewesen . Im Dezember 1938 hatte e r in seinem lebenslauf ange- führt . er sei in se inem Innersten immer

  • 34 profil 48 28. November 20 11