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21 MÄRZ_MARZO 2011 ANTIFAMERAN.BLOGSPOT.COM CC_LICENSE 1 Es ist an der Zeit, eine Wende in der Migrations-

1 Es ist an der Zeit, eine Wende in der Migrations- politik einzuläuten. Am Kampf gegen die autoritä- ren rechtspopulistischen Tendenzen, die in Europa auf dem Vormarsch sind, werden sich die progressi- ven und emanzipatori- schen Kräfte messen las- sen müssen. Die ausgear-

1 Versione italiana inizia su pagina 4.

beiteten zehn Punkte sind als Diskussionsbeitrag und Ausgangspunkt antirassis- tischer Gegenpraxen in Südtirol zu verstehen.

1. Begriff "Ausländer" ver-

werfen. Die Kategorien "Ausländer" und "Einheimische" sind für eine sachliche Auseinandersetzung vollkommen unge- eignet. Im Gegenteil: Es sind ideologisch überhäufte Kampfbegriffe, die der Identi- tätskonstruktion dienen ("die Ausländer gegen uns Südtiroler", wobei jene all das sein sollen, was diese nicht sind). Dieses

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"wir" gegen "sie", in dem zwei homogene Gruppen angenommen werden, leugnet die Vielfalt der Realität und die Differenzen innerhalb der konstruierten Gruppen. Der Begriff „Ausländer“ muss durch jenen der MigrantInnen ersetzt werden, da nur die- ser für eine nicht-diskriminierende Sprechweise geeignet ist.

2. Kultur ist nicht statisch. Die

gegenwärtig geführte Debatte weist in der Art der Gruppenkonstruktion teilweise bruchlose Kontinuitäten zu rassistischen Diskursen auf, der Kulturbegriff ersetzt vielfach den diskreditierten Begriff der "Rasse". Daher muss der Kulturbegriff von jenen Vorstellungen befreit werden, die in ihm den Ausdruck eines quasi unverän- derlichen und natürlichen "Volkscharak- ters" sehen wollen. Kultur ist vielmehr als soziale Lebenspraxis zu verstehen, wel- che sowohl vielfältig ist als auch ständig in Veränderung. Nur durch die nationalisti- sche Brille erscheint Kultur als ewig und unveränderlich und das "Volk"/die Nati- on/die Ethnie als homogene Einheit.

3. Religionskritik statt Islam-

kritik. Hinter dem Schlagwort der "Is- lamkritik" verbirgt sich vielfach schlichtweg Rassismus und Ausgrenzungsvorstellun- gen. Dies beginnt etwa dabei, wenn ohne jede Differenzierung von "dem Islam" ge- sprochen wird, der als primitiv, gewalttätig und fundamentalistisch stereotypisiert wird. Ein solches Konstrukt dient als Pro- jektionsfläche und Feindbild für jene, die am liebsten einen neuen Kreuzzug ausru- fen würden. Die unterschiedlichen Strö- mungen im Islam werden meist nicht un- terschieden, ebenso wenig wie gefragt wird, ob die Betroffenen sich überhaupt als solche verstehen - diese kommen so gut wie nie zu Wort. Zweifellos gibt es wie jene jeder Religion, das Christentum ein- geschlossen, auch im Islam fundamenta- listischen Strömungen. Es bedarf aber einer allgemeinen religionskritischen Sichtweise, einem Beharren auf der Tren- nung von Religion und Politik sowie einer konkreten Kritik an bestimmten Lebens- praxen im Islam (Beispiel Frauenbild), die

auch unter MuslimInnen nicht unumstritten sind.

4. Migration ist ein Normal-

zustand. Mit dem Gerede von "Südtirol ist kein Einwanderungsland" soll die Aus- grenzung von Menschen aus anderen Herkunftsländern legitimiert werden. Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass Migrationsströme seit jeher zur Normalität gehören und je nach sozialer Lage die Richtung gewechselt haben. Es ist noch nicht allzu lange her, da sind hunderte Menschen aufgrund der Armut aus Südti- rol ausgewandert. Immer schon mussten Menschen aus diesem Grund oder wegen Krieg und Naturkatastrophen ihren Woh- nort verlassen.

5. Sozioökonomische Di-

mension der Migration offen-

legen. Die Migrationsdebatte hat auch eine stark sozioökonomische Dimension. Dies wird etwa durch die Häufigkeit deut- lich, in der Fragen der Verteilung materiel- ler Ressourcen (Sozialbeihilfe ecc.) im Zusammenhang mit Migration thematisiert werden. Diese nicht offen gestellte soziale Frage nach Verteilungsgerechtigkeit äu- ßert sich hauptsächlich als nationale Fra- ge der ethnischen Zugehörigkeit. Und während die Arbeiterin aus Südtirol jene aus Pakistan bezichtigt, eine "Sozialsch- marotzerin" zu sein, freut sich die Unter- nehmerin über die Schwäche der Gewerk- schaften. In einem reichen Land wie Südti- rol streiten sich die sozial Schwachen um ein paar Knochen. Vielmehr wäre eine gemeinsam formulierte Forderung nach höheren Löhnen und mehr Unterstützung angebracht.

6. Gegen die Ökonomisie-

rung der Migration. Häufig wird

argumentiert, Südtirols Wirtschaft brauche migrantische Arbeitskräfte, um zu funktio- nieren. Dass der Tourismus, die Landwirt- schaft und viele Dienstleistungsbereiche auf diese angewiesen sind, ist richtig. Ge- gen diese Betrachtung von Migration unter

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dem ökonomischen Nutzenaspekt gilt es sich jedoch zu verwehren. Die Regulie- rung der Migration nach den Anforderun- gen der Wirtschaft lässt die Bedürfnisse der MigrantInnen außen vor und ist de facto eine Form von Ausbeutung: Solange sie für die Kapitalakkumulation nützlich sind, sollen sie bleiben dürfen, danach am besten gleich wieder verschwinden ("Gastarbeiterprinzip").

7. Gegen die Festung Euro-

pa. Migration muss in der Dimension des Europäischen Einigungsprozesses gese- hen werden. Mit dem Schengen- Abkommen und anderen europaweit gülti- gen Verträgen ist Migration stark von der EU kontrolliert und reguliert. Dass dabei wiederum ökonomische Interessen im Vordergrund stehen, während gleichzeitig die EU-Grenzpolizei im Mittelmeer mit Schusswaffen Jagd auf übersetzende Mig- rantInnen macht und tagtäglich hunderte AsylwerberInnen ohne Chance auf ein ihnen nach internationalem Flüchtlings- recht zustehenden Aufnahmeverfahren abgeschoben werden, ist nicht hinzuneh- men. Es sind wohlgemerkt "moderate" Regierungsparteien der Mitte, die diese Gesetze verabschieden und exekutieren.

8. Mitspracherechte aus-

bauen. Obwohl ständig über Migration gesprochen wird, sind es vor allem etab- lierte Parteien, Medien und Organisatio- nen, welche die Wortführerschaft haben. Die Betroffenen selbst kommen gar nicht zu Wort es wird immer über sie gespro- chen, nie mit ihnen. Es ist daher unerläss- lich, die politischen Mitspracherechte von MigrantInnen auszubauen und ihre Prä- senz in der öffentlichen Debatte zu erhö- hen. Dies hilft auch, um stereotype Bilder von MigrantInnen zu durchbrechen. Ähn- lich wie bei Frauen braucht es auch bei MigrantInnen eine Gleichstellungspolitik,

welche die strukturelle Diskriminierung gekämpft und ihnen eine Stimme verleiht.

9. Für ein Recht auf Asyl und

Heimat. Angesichts der gegenwärtigen Politik der Ausgrenzung und Grenzschlie- ßung ist es unerlässlich, das Recht auf Asyl und Bleibe als unteilbares Menschen- recht einzufordern. In einer Welt der freien Kapital- und Datenströme darf die Bewe- gungsfreiheit von Menschen nicht einge- schränkt werden. Abschiebungen, ver- steckte oder offene bürokratische Hürden bei Einreise und Aufenthalt, jahrelange Gängelung - all das darf es nicht geben. Rassismus und Nationalismus, welche diese Diskriminierungspraxen legitimieren sollen, müssen aufs Schärfste bekämpft werden. Es ist eine Pflicht der reichen In- dustrieländer, die vielfach mitverschuldete Armut in anderen Ländern zu bekämpfen und deren BewohnerInnen aufzunehmen.

10. Für eine pluralistische

Gesellschaft. "Toleranz" und "In- tegration" sind die falschen Begriffe für eine emanzipatorische Position, denn sie sprechen aus der Position der Macht her- aus: Toleranz bedeutet ein geduldet sein, Integration geht von einer Leitkultur aus, doch wer bestimmt, was diese beinhaltet? Demgegenüber müssen wir ein Recht auf kulturelle Differenz und sprachliche Vielfalt sowie Freiheit in der eigenen Lebenspra- xis einfordern. Eine pluralistische Gesell- schaft kann es erst dann geben, wenn nationale Besitzansprüche auf Territorium, Ressourcen und Rechte aufgegeben und zu Allgemeingütern werden. Gleichzeitig und das ist die Herausforderung darf dieses Recht auf Vielfalt nicht beliebig sein, es muss ein Set von Werten und Normen geben, an die sich alle halten müssen. Über die Form dieser Normen muss aber eine gleichberechtigte Debatte geführt werden.

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Siamo giunti ad un punto

di svolta nelle politiche mi-

gratorie. Questi dieci punti

sono stati elaborati come un punto di partenza e allo stesso tempo come una guida alla comprensione di

contropratiche antirazziste

in Sudtirolo.

1. Eliminare il termine "stra-

niero". La categorizzazione in "strani- ero" e "locale" è del tutto inadatta allo svolgimento di un dibattito obiettivo. Al contrario, essi sono termini ideologici, carichi di bellicosità, utili solo a rafforzare una concezione identitaria ("stranieri con- tro noi sudtirolesi", spesso dipinti con tratti che non rispecchiano la realtà). Questo "noi" contrapposto a "loro", oltre a creare due gruppi omogenei, nega la realtà della diversità e delle differenze all'interno della società. Il termine "straniero" deve essere sostituito da "migrante" che non è discrim- inatorio.

2. La cultura non è statica. Nel

dibattito attuale circa la costituzione di un gruppo, il concetto di "cultura" ha sostituito quello screditato di "razza" anche all'inter- no di ambienti razzisti. Il concetto di cultu- ra deve essere liberato da tutte quelle idee che lo vorrebbero entità statica, quasi fosse un carattere nazionale immutabile. La cultura è piuttosto in continuo e cos- tante mutamento, essendo una pratica sociale. Solo attraverso una miope visione nazionalista e identitaria la cultura appare immutabile, mentre la nazione/etnia ap- pare omogenea.

3. Critica alla religione al

posto della critica

all'Islam. Dietro gli slogan della critica all'Islam si nasconde un razzismo strisci- ante, a partire da quando si parla

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dell'Islam in toto - ignorando volutamente le differenze tra le varie correnti - come di una religione primitiva, violenta e fonda- mentalista. Tale stereotipo è utile a chi vuole creare un nemico per poi chiamare ad una nuova crociata. La varie correnti islamiche sono poco distinguibili da chi non ha una conoscenza approfondita in materia, ed è indubbio he vi siano anche movimenti fondamentalisti, come ve ne sono anche nel Cristianesimo e in ogni altra religione. Diventa così necessario guardare alla religione con un occhio criti- co, insistendo sulla netta separazione tra essa e la politica. Diventa altrettando necessario anche un approccio critico ver- so certe pratiche, come ad esempio la visione della donna nell'Islam.

4. Le migrazioni sono natura-

li. Con il motto "il Sudtirolo non è terra di immigrazione" ci si sente legittimati ad escludere le persone provenienti da altri paesi. Tuttavia, con un breve sguardo alla storia, è possibile dimostrare che i flussi migratori sono da sempre nella norma. L'unica cosa che cambia è la loro dire- zione, dovuta alle condizioni socio- economiche. Fino a non molto tempo fa centinaia di persone sono emigrate dal Sudtirolo per fuggire dalla povertà endem- ica. Ancora oggi questo è il motivo princi- pale, insieme a guerre e disastri naturali, per cui i migranti abbandonano le loro zone di residenza.

5. Rivelare la dimensione

socio-economica delle mig-

razioni. L'immigrazione ha una forte componente socio-economica e questo si palesa osservando le richieste per l'acces- so agli ammortizzatori sociali. [ Diese nicht offen gestellte soziale Frage nach Vertei- lungsgerechtigkeit äußert sich hauptsäch- lich als nationale Frage der ethnischen Zugehörigkeit] Mentre i lavorati sudtirolesi considerano quelli pakistani come dei costi sociali, gli imprenditori sono felici per la debolezza dei sindacati. In una terra ricca come il Sudtirolo alle fasce sociali più

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deboli vengono destinate le briciole. Sarebbe opportuno lottare per salari più alti e un maggior sostegno alle famiglie.

6. Rifiuto della mercificazione

delle migrazioni. Spesso si

sostiene che l'economia sudtirolese abbia bisogno del lavoro dei lavoratori migranti. In effetti settori come il turismo, l'agricoltu- ra e il terziario dipendono molto dalla loro forza lavoro. Tuttavia è bene rifiutare la mercificazione dei flussi migratori. Infatti basare una regolamentazione sulle esi- genze dell'economia locale è di fatto una forma di sfruttamento: finchè il migrante è utile all'accumulazione del capitale esso è il benvenuto, salvo poi dargli il benservito quando non è più utile (principio del lavor- atore ospite).

7. Contro la Fortezza Euro-

pa. L'immigrazione deve essere inserita nel quadro dell'integrazione europea. Le migrazioni sono fortemente controllate e regolamentate dal trattato di Schengen e da altri trattati internazionali. E' inac- cettabile che gli interessi siano messi in primo piano ancora una volta, mentre nel Mediterraneo le polizie di frontiera dei paesi EU deportano centinaia di individui senza garantire loro lo status di rifugiato. Non esistono partiti "moderati" quando si varano e si applicano leggi di questo tipo.

8. Ampliare i diritti di parteci-

pazione. Si parla spesso di immigra- zione, ma le parole d'ordine sono costan- temente stabilite dai partiti, dai media e da altre organizzazioni. Il migrante non ot- tiene mai la parola: si parla di lui, ma non con lui. E' pertanto indispensabile aumen- tare il diritto alla partecipazione politica dei migranti e aumentare la loro presenza nel

dibattito pubblico, anche nell'ordine di idee

di rompere gli stereotipi. Come è stato in

passato per le donne, oggi è essenziale

per i migranti una politica di uguaglianza che aiuti a combattere la discriminazione e

a dar loro una voce.

9. Per un diritto all'asilo e alla

casa. Vista l'attuale situazione di esclu-

sione e chiusura dei confini, diventa necessario chiedere che il diritto all'asilo e alla casa diventino diritti umani impre- scindibili. In un mondo in cui vige la libera circolazione dei capitali è assurdo che non sia lo stesso con le persone. Deportazioni

e ostacoli burocratici - palesi o nascosti -

per le pratiche di ingresso non dovrebbero esistere. Il razzismo e il nazionalismo che

legittimano queste pratiche discriminatorie devono essere combattuti ferocemente, così come è doveroso per i paesi industri- alizzati lottare contro la povertà in altri paesi e accogliere chi cerca di fuggirne.

10. Per una società pluralis-

ta. "Tolleranza e "integrazione" sono ter-

mini sbagliati se si vuole parlare di eman- cipazione, perchè provengono da chi detiene una posizione di potere: il primo implica il tollerare un altro essere umano, mentre il secondo fa riferimento al farsi assimilare dalla cultura dominante. Ma chi

lo decide? Al contrario, dovremmo lottare

per il diritto alla differenza culturale, alla diversità linguistica e al mantenimento del proprio stile di vita. Una società pluralista può esistere solo abbandonando le

rivendicazioni esclusiva di diritti, risorse e territorio, aprendosi. Al tempo stesso - ed

è questa la vera sfida - questo diritto alla diversità non può esistere senza un in- sieme di valori e norme condivise al quale tutti si devono attenere.

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