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Sehr geehrter Herr Adam,

Versandhandel zwischen den EG-Mitgliedstaaten mit Branntwein und


branntweinhaltigen Waren (Erzeugnissen) des freien Verkehrs
Versandhandel betreibt derjenige, der Erzeugnisse des freien Verkehrs des
EG-Mitgliedstaates, in dem er seinen Sitz hat, an Privatpersonen in einen
anderen Mitgliedstaat liefert und den Versand der Erzeugnisse an den
Erwerber (Privatperson) selbst durchführt oder durch andere durchführen
lässt.

* Zum Stichwort "Im freien Verkehr":

Erzeugnisse sind dann im "freien Verkehr" eines anderen EG-


Mitgliedstaates, wenn sie in dem Mitgliedstaat versteuert

wurden. Ein Anzeichen dafür ist, dass sie auf herkömmlichem Wege
käuflich sind (z.B. über den Einzelhandel).

* Zum Stichwort "Privatpersonen":

Privatpersonen sind alle Erwerber (z.B. Käufer), die sich gegenüber dem
Versandhändler nicht als solche Abnehmer

ausweisen, deren innergemeinschaftliche Erwerbe nach den Vorschriften


des Umsatzsteuergesetzes der Umsatzsteuer unterliegen.

* Zum Stichwort "Deutsches Steuergebiet":

Verbrauchsteuerrechtlich umfasst das deutsche Steuergebiet die


Bundesrepublik Deutschland ohne das Gebiet von Büsingen und ohne die
Insel Helgoland.

BEISPIEL:

Ein Versandhandel liegt z.B. vor, wenn ein gewerblicher Händler


(Verkäufer) mit Sitz in Frankreich einer Privatperson im deutschen
Steuergebiet (Käufer) aufgrund eines Vertrages (z.B. Kaufvertrag)
Erzeugnisse des freien Verkehrs Frankreichs für seinen privaten Bedarf
liefert.

Unterliegt das im Versandhandel gelieferte Erzeugnis des freien Verkehrs


anderer Mitgliedstaaten im Steuergebiet der Steuer?

Werden Erzeugnisse des freien Verkehrs eines anderen Mitgliedstaates von


einem Versandhändler mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat an eine
Privatperson (Erwerber) im deutschen Steuergebiet geliefert, unterliegen
die gelieferten Erzeugnisse der Branntweinsteuer. Sie entsteht mit der
Auslieferung an die Privatperson im Steuergebiet. Steuerschuldner ist der
Versandhändler.

Versandhändler mit Sitz in einem anderen EG-


Mitgliedstaat
Grundsätzliches Verfahren
Anzeige

Werden Erzeugnisse des freien Verkehrs anderer Mitgliedstaaten im


Rahmen des Versandhandels in das deutsche Steuergebiet geliefert, so ist
dies vom Versandhändler mit Sitz im anderen Mitgliedstaat anzuzeigen.

Die Anzeige ist vor der jeweiligen Lieferung in das deutsche Steuergebiet
bei dem Hauptzollamt einzureichen, das für den Empfänger zuständig ist.
Die Anzeige erfolgt schriftlich in doppelter Ausfertigung. In der Anzeige
sollen alle für die Besteuerung wesentlichen Merkmale der Erzeugnisse
(z.B. Alkoholgehalt, Menge) enthalten sein.

Bei Lieferungen an Empfänger in verschiedenen Hauptzollamtsbezirken


kann der Versandhändler die Anzeige nur bei einem Hauptzollamt
abgeben. Weiterhin kann auf Antrag zugelassen werden, dass der
Versandhändler in dieser Eigenschaft auch andere als Privatpersonen
beliefern darf.

Zulassung durch das Hauptzollamt und Sicherheitsleistung

Die Zulassung zur Lieferung von Erzeugnissen im Versandhandel wird dem


Versandhändler schriftlich unter Widerrufsvorbehalt durch das zuständige
Hauptzollamt erteilt. Voraussetzung ist jedoch, dass der Versandhändler
eine Sicherheit leistet. Bei einer Lieferung im Einzelfall entspricht die Höhe
der zu leistenden Sicherheit der Steuer, die mit der Auslieferung entsteht.
Die Sicherheit kann durch den Versandhändler in Form einer Barsicherheit
oder durch Bürgschaft eines tauglichen Steuerbürgen nach § 244 AO
erbracht werden.

Steueranmeldung und Steuerentrichtung

Der Versandhändler (= Steuerschuldner) hat für die Erzeugnisse, für die


die Steuer entstanden ist, unverzüglich eine Branntweinsteueranmeldung
(Vordruck 1272) beim zuständigen Hauptzollamt abzugeben. Die Steuer ist
spätestens am 15. Tag des auf die Entstehung folgenden Monats zu
entrichten. Es ist zu beachten, dass die Steuer sofort zu entrichten ist,
wenn der Versandhändler die Lieferung dem zuständigen Hauptzollamt
vorher nicht angezeigt hat.

Beispiel:

Ein Versandhändler aus Frankreich liefert am 12. Juli Erzeugnisse des


freien Verkehrs an eine Privatperson im Steuergebiet aus. Mit der
Auslieferung ist die Branntweinsteuer entstanden (in diesem Fall also am
12. Juli). Die Steueranmeldung ist unverzüglich abzugeben. Die am 12. Juli
entstandene Steuer ist spätestens am 15. August zu entrichten.

Vereinfachungen bezüglich der Anzeigepflicht und der


Steueranmeldung

Wenn der Versandhändler nicht nur gelegentlich im Versandhandel


Erzeugnisse in das deutsche Steuergebiet liefern will (z.B. dreimal im
Monat), so besteht die Möglichkeit, dass Vereinfachungen bezüglich der
Anzeige und der Steueranmeldung zugelassen werden.

Auf (schriftlichen) Antrag des Versandhändlers oder seines Beauftragten


(siehe unten) kann das Hauptzollamt die Lieferung von Erzeugnissen des
freien Verkehrs des Mitgliedstaates, in dem der Versandhändler seinen Sitz
hat, in das deutsche Steuergebiet allgemein zulassen. Die Vereinfachung
für den Versandhändler besteht darin, dass er nicht jede einzelne
Lieferung im Versandhandel bei dem für den Empfänger zuständigen
Hauptzollamt anzeigen muss. Weiterhin kann das Hauptzollamt erlauben,
dass für alle Lieferungen eines Kalendermonats eine zusammengefasste
Steueranmeldung bis zum 15. Tag des folgenden Monats abgegeben wird.

Voraussetzung für die allgemeine Zulassung von Lieferungen im


Versandhandel in das deutsche Steuergebiet ist, dass die Lieferungen
nicht nur gelegentlich erfolgen. Die allgemeine Zulassung wird durch das
Hauptzollamt nur erteilt, wenn der Versandhändler Sicherheit in Höhe der
voraussichtlich während 1,5 Monaten entstehenden Steuer leistet.

Die Sicherheit kann der Versandhändler in diesem Fall auch durch


Barsicherheit oder durch Bürgschaft eines tauglichen Steuerbürgen nach §
244 AO erbringen. Für die Steueranmeldung ist der amtlich
vorgeschriebene Vordruck Nr. 1272 zu verwenden. Die entstandene
Branntweinsteuer für die Lieferungen eines Kalendermonats ist spätestens
am 15. Tag des auf die Steuerentstehung folgenden Monats zu entrichten.

Vertretung durch Beauftragte

Der Versandhändler kann sich zur Erfüllung seiner steuerlichen Pflichten


(z.B. Abgabe der Steueranmeldung) einer im deutschen Steuergebiet
ansässigen Person als sog. "Beauftragten" bedienen. Hierfür bedarf es
jedoch der Zulassung durch das zuständige Hauptzollamt.

Als Beauftragte kommen nur Personen in Betracht, die im deutschen


Steuergebiet ansässig und nicht mit dem Empfänger der Erzeugnisse
identisch sind. Der Versandhändler bleibt bei einer Zulassung eines
Beauftragten weiterhin Steuerschuldner.

Antrag

Will der Versandhändler einen Beauftragten im Steuergebiet bestellen, ist


ein Antrag auf Zulassung eines Beauftragten notwendig. Der Antrag ist
durch den Versandhändler schriftlich in doppelter Ausfertigung beim
zuständigen Hauptzollamt zu stellen. Zuständig ist das Hauptzollamt, in
dessen Bezirk der Beauftragte seinen Geschäftssitz hat.

In dem Antrag sind

* Name, Geschäftssitz, Rechtsform des Unternehmens des


Versandhändlers und des Beauftragten,

* Steuernummer des Beauftragten beim zuständigen Finanzamt,

* Umsatzsteueridentifikationsnummer des Versandhändlers,


* Art der zu liefernden Erzeugnisse mit Angabe des Alkoholgehalts und

* die Höhe der Steuer, die voraussichtlich während 1,5 Monaten entsteht,

anzugeben.

Dem Antrag sind in doppelter Ausfertigung beizufügen:

* eine Erklärung des Beauftragten, dass er mit der Antragstellung


einverstanden ist,

* eine Erklärung über die Art der Aufzeichnungen, die der Beauftragte über
die Lieferungen des Versandhändlers zu führen hat,

* eine Erklärung des Antragstellers (= Versandhändlers), in der er den


Beauftragten als Empfangsbevollmächtigten nach

§ 123 AO für die Zulassung und für weitere (die Zulassung betreffende)
Verwaltungsakte benennt.

Zulassung durch das Hauptzollamt und Sicherheitsleistung

Wenn die Voraussetzungen vorliegen, erteilt das zuständige Hauptzollamt


die Zulassung des Beauftragten unter

Widerrufsvorbehalt. Diese wird jedoch nur erteilt, wenn der


Versandhändler (= Antragsteller) Sicherheit in ausreichender

Höhe und in der vorgesehenen Form (siehe oben) geleistet hat, die auch
die Steuerschuld des Beauftragten abdeckt.

Alternativ kann der Beauftragte die erforderliche Sicherheit leisten.

Darüber hinaus wird die Zulassung nur erteilt, wenn der Beauftragte
weitere Voraussetzungen erfüllt (z.B. ordnungsgemäße

Führung kaufmännischer Bücher, rechtzeitige Aufstellung von


Jahresabschlüssen, steuerliche Zuverlässigkeit). Es ist zu

beachten, dass mit der Zulassung des Hauptzollamts der Beauftragte


neben dem Versandhändler Steuerschuldner wird.

Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.

Aus rechtlichen Gründen kann diese Auskunft nur unverbindlich erteilt


werden.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Fischer

Informations- und Wissensmanagement Zoll


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