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6 EUROPA Luxemburger Wort

Samstag, den 12. April 2008

Stiftungs- und Spendenrecht in Luxemburg

Bürokratie durch
Förderung ersetzen
Andere europäische Länder sind für das Großherzogtum wegweisend
VON JAKUB ADAMOWICZ mit den Nachbarländern schafft natentum als Bestandteil der So-
das Stiftungsrecht Luxemburgs zialpolitik konstruktiv ein. Im Ge-
Die Entwicklung der Philanthropie wenig steuerliche Anreize. Die be- gensatz zu dieser Entwicklung bil-
soll in Luxemburg strategisch ge- nötigte Regierungsgenehmigung dete sich in den Ländern, die ihr
fördert werden. Dazu muss das für Spenden über 12 500 Euro ist Zivilrecht auf Basis des Code Na-
Stiftungs- und Spendenrecht mo- abschreckend“, stellen etwa die poléon entwickelten (darunter ne-
dernisiert werden. Auch die Aus- Berater von FSG Social Impact ben Frankreich und Spanien auch
richtung der Gesetzgebung in an- Advisors fest. Luxemburg), eine distanziertere
deren europäischen Ländern zeigt Der europäische Stiftungsver- Haltung von Staats- und Gesell-
auf, wo Luxemburg konkret Nach- band EFC bewertet die Attraktivi- schaftsinstitutionen zu Stiftungen.
holbedarf hat. tät nationaler Stiftungsrechtsrah- Grenzübergreifend spenden: Das Stiftungswesen wird sich in Zukunft inner-
men nach sechs Vergleichskrite- Chance für den Finanzplatz halb des EU-Binnenmarktes entwickeln. (FOTO: ESA)
Gesetzgebungen sind mehr rien. Neben den Anforde- Mit dem heutigen Stellenwert von
als nur Vorschriften: rungen für die Eintra- Mäzenatentum und Stiftungsrecht liarden Euro von einer Generation Diese Besteuerung gibt es in
Sie verraten durch gung einer Stiftung in Europa hat diese historische auf die nächste übertragen. Frankreich, Deutschland, Spanien
ihre Ausrichtung spielen die steuerli- Unterscheidung allerdings nur Diesen Entwicklungen haben und Großbritannien nicht.
die gesellschaftli- chen Vorteile für noch wenig gemeinsam. Seit Mitte Frankreich, Belgien, Deutschland Bei der Modernisierung des lu-
chen und politi- die Spender und der 80er-Jahre des vergangenen und Spanien bereits Rechnung ge- xemburgischen Stiftungs- und
schen Prioritäten, für die Stiftung Jahrhunderts begannen Stiftun- tragen und ihr Stiftungs- und Spendenrechts geht es einerseits
die bei der Ausar- eine entschei- gen, auch in Westeuropa eine be- Spendenrecht in den vergangenen darum, allgemeine Rahmenbedin-
beitung des Rechts- dende Rolle. Auch deutende ergänzende Rolle zu den Jahren entsprechend moderni- gungen zu schaffen, die das kon-
rahmens Priorität die Vorschriften Sozial-, Erziehungs- und Gesell- siert. struktive Bewusstsein für die ge-
hatten. bezüglich Unterneh- schaftspolitiken der Nationalstaa- Dazu gehört die sukzessive An- sellschaftspolitische Bedeutung
Luxemburgs beste- mensführung, Audit ten zu spielen. hebung der Spendenbeträge, für fördern. Gleichzeitig gilt es, die
hendes Stiftungsrecht ba- und wirtschaftlicher Akti- Hinzu kommt die Entwicklung die Steuervorteile gelten. Gleich- Bereiche zu fördern, auf denen
siert auf einem Gesetz aus dem vität sind für EFC relevante Fak- beim potentiell an Stiftungen zeitig haben etwa Spanien (2003) Luxemburg sich zu einem Kompe-
Jahre 1928 und sieht Stiftungen im toren zur Evaluierung der Vor- transferierbaren Finanzvolumen: und Belgien (2002) mit moder- tenzzentrum entwickeln kann. Das
Grundansatz nicht als Bereiche- schriften. Das US-Wirtschaftsmagazin For- nisierten Rechtsvorschriften die ist neben der Mikrofinanz der
rung für das Gesellschaftsleben, bes schätzt, dass es 2007 in Europa Gründung von Stiftungen verein- Rechtsrahmen für grenzüber-
die nach Möglichkeit zu fördern Ursprünglich zwei Denkschulen (Russland ausgenommen) 170 US- facht und die Förderung der Diffe- schreitende Spenden.
sind, sondern als eine unkonven- Im 18. Jahrhundert entwickelte Dollar-Milliardäre gab. Ein be- renzierung in verschiedene Stif- In der Europäischen Union ist
tionelle Rechtsform, deren Ver- sich das Stiftungsrecht in Europa trächtlicher Teil dieser Vermögen tungsformen (Stiftungen des öf- es noch ein langer Weg, bis eine
pflichtungen dem Staat gegenüber in zwei Richtungen: In Skan- steht in nächster Zukunft zur Ver- fentlichen Rechts, kirchliche Stif- Spende an eine Organisation in
definiert werden. An diesem dinavien, Großbritannien, der erbung an. Allein in Deutschland, tungen, Familienstiftungen, pri- einem anderen EU-Land vom
Grundprinzip hat sich bis heute Schweiz, Irland und den Nieder- so der Interessenverband Conser- vatnützige Stiftungen, Bürgerstif- Spender schnell und unbürokra-
trotz mehrerer Gesetzesänderun- landen gliederte das liberale Wirt- vation Company, werden in den tungen, unternehmensverbundene tisch steuerlich abgesetzt werden
gen nichts geändert. „Im Vergleich schaftssystem das private Mäze- Jahren 2001 bis 2010 rund 250 Mil- Stiftungen) eingeleitet. kann. Doch mittelfristig stehen die
Weichen auf Konvergenz. Die
Die Vorgabe: Weniger ist mehr Vereinigung Transnational Giving
DONS Contexte juridico-fiscal dans la philanthropie Im Vergleich zu Frankreich, Europe (TGE) berät Interessen-
Belgique France Allemagne Espagne Grande-Bretagne Luxembourg Deutschland, Spanien und Gross- ten, die innerhalb von neuen euro-
Particuliers: déduction Particuliers: crédit Particuliers: déduction Particuliers: crédit Particuliers: Gift Aid & Particuliers: déduction britannien weist Luxemburg in päischen Staaten (Deutschland,
du revenu imposable
Entreprises: déduction
d’impôt à hauteur
de 66 % du don en
du revenu imposable
Entreprises: déduction
d’impôt à hauteur
de 25 % du don en
exemption de l’impôt
sur les plus-values
du revenu imposable
Entreprises: déduction
drei Punkten des Stiftungs- und Belgien, Frankreich, Irland, Italien,
Avantage fiscal du resultat imposable numéraire du résultat imposable numéraire pour les dons d’actifs du résultat imposable Spendenrechts konkreten Nach- Niederlande, Polen, Großbritan-
Entreprises: idem Entreprises: déduction
du résultat imposable de
Entreprises: déduction
du résultat imposable
holbedarf auf: Um in den Genuss nien und Schweiz) spenden wol-
35% de la valeur du don von Steuervorteilen zu kommen, len. Auch Luxemburg soll in Kürze
Don minimal pour gibt es in den vier Ländern keine ins TGE-Netzwerk eingebunden
bénéficier de
l’avantage fiscal
30 EUR Non Non Non Non 120 EUR Untergrenze für Spenden. In Lu- werden.
Particuliers: 10% du Particuliers: 20% du Particuliers: 20 % du Particuliers: 10% du Particuliers:
xemburg muss man bisher min- Das Großherzogtum hätte dabei
revenu revenu (étalé sur 5 revenu (peut être étalé revenu (étalé sur 500.000 EUR ou 10 % destens 120 Euro spenden. Für im Rahmen seiner neuen Philan-
Entreprises: 5% du exercices max.), sur 5 exercices pour les 10 ans max.), du revenu Spenden von 12 500 Euro und da- thropie-Politik die Chance, Spen-
résultat, 500.000 EUR Entreprises: 0,5% du dons supérieurs à Entreprises: 0,1% du Entreprises: idem
Plafond maximum chiffre d’affaires (étalé 25.000 EUR). chiffre d’affaires (étalé Non rüber ist im Grossherzogtum im den aus anderen europäischen
sur 5 exercices max.) Entreprises: 20 % du sur 10 ans max.)
resultat ou 0,4% du
Gegensatz zu den anderen Staaten Ländern anzuziehen. Ludwig For-
chiffre d’affaires (étalé eine staatliche Genehmigung er- rest von der belgischen „Fonda-
sur 5 exercices max.)
forderlich. Außerdem erhebt Lu- tion Roi Baudouin“ ist für die Ko-
Autorisation de Dons supérieurs à Dons supérieurs à
l’Etat requise 100 000 EUR
Non Non Non Non
12.500 EUR xemburg Steuern auf Spenden von ordination von TGE zuständig,
0-25% selon le type 4,8% institutions pu- öffentlichen Einrichtungen (4,8 und empfiehlt für Luxemburg die
Droits de donation
et/ou de succession
de don Non Non Non Non bliques, 7,2% associa- Prozent des Spendenbetrags) und Schaffung einer Stiftung, die zu
tions sans but lucratif
Quelle: FSG Social Impact Advisors für die Banque de Luxembourg | Foto: Nadja Rafalski | Infographie: Michèle Zeyen
gemeinnützigen Vereinigungen diesem Zweck auch profitorien-
(7,2 Prozent des Spendenbeitrags). tiert arbeiten könnte. Seite 90

FONDATIONS Contexte juridico-fiscal dans la philanthropie


Belgique France Allemagne Espagne Grande-Bretagne Luxembourg
Création soumise à Fondations d’utilité Si critères remplis, Si critères remplis,
publique seulement Oui Oui aucun droit de refus aucun droit de refus Oui
autorisation
25.000 EUR pour 1.000.000 EUR pour 30.000 EUR
Dotation minimale fondations d’utilité fondations d’utilité en cinq ans
50.000 EUR Non Non specifié
à la création publique publique
Impôt sur le revenu Non, si activité est Non, si activité est Non, si activité est Non, exceptionnelle- Non, si activité est Oui: activité lucrative
requis sur les activités marginale marginale inférieure à 30.678 EUR ment impôt réduit de marginale soumise à l’impôt sur
lucratives / an 10% les sociétes
Impôt sur les revenus
Entre 15 et 25 % Non Non Non Non Non
financiers
Quelle: FSG Social Impact Advisors für die Banque de Luxembourg | Foto: AFP | Infographie: Michèle Zeyen