Sie sind auf Seite 1von 1

Luxemburger Wort

Samstag, den 17. Mai 2008 EUROPA 5


Luxemburgs Philanthropie-Politik nimmt Gestalt an

Jetzt sind die Finanzprofis gefragt


Zwei komplementäre Pfeiler des Stiftungswesens / Gesetzesvorschläge zu Dachstiftung am 22. Mai
VON JAKUB ADAMOWICZ grundliegenden Überarbeitung
bedarf und der steuerlichen Be-
Das Stiftungswesen bekommt in handlung von grenzüberschreiten-
Luxemburg mehr Gewicht. Vergan- den Spenden Rechnung tragen
genen 23. April ist während des muss“, skizziert Ehrenstaatsminis-
Philanthropie-Kolloquiums deutlich ter Jacques Santer die Prioritäten
geworden, dass die Stiftungs-Of- bei der Neuausrichtung des
fensive zwei Pfeiler umfasst: Die luxemburgischen Stiftungsrechts.
für den Finanzplatz entscheidende Während des Kolloquiums hatte
Überarbeitung des Rechtsrahmens sich André Prüm, Doyen der Weichenstellung:
und die für die Sensibilisierung der Rechts- und Finanzwissenschaf- Luxemburg soll für
ten an der Universität Luxemburg, Stiftungsgelder
Öffentlichkeit bedeutende Schaf-
attraktiver werden.
fung einer Dachstiftung für nicht für eine Modernisierung im Rah- Das Bewusstsein
zweckgebundene Stiftungen. men des bestehenden Gesetzes für Philanthropie
ausgesprochen. soll bei der
Wenn Premierminister Jean- Bevölkerung geför-
Claude Juncker kommenden Don- Zwei Zielgruppen
dert werden.
nerstag seine Rede zur Lage der Nach der Philanthropie-Veranstal- (FOTO: TESSY HANSEN)
Nation hält, spielt das Stiftungswe- tung in der Philharmonie wün-
sen weit mehr als nur eine Neben- schen sich die Teilnehmer nun in
rolle. „Die Regierung wird einen einer zweiten Phase eine klare
Gesetzesrahmen vorstellen, in Differenzierung der verschiedenen
dem sich die Philanthropie in Lu- Stiftungsthemen. „Sponsoring, harter Arbeit“ gebraucht zu haben. Philanthropie-Politik die entspre- reich, in dem die Gründung einer
xemburg besser entwickeln kann“, Marketingmaßnahmen und Mäze- Seine außergewöhnliche demogra- chende Nische bedienen. „Das de- Integrations- und Kohäsionsstif-
so die Ankündigung Junckers wäh- natentum privater Unternehmen fische Situation berücksichtigend mografisch-wirtschaftlich-sozio- tung vonnöten wäre, so Claude
rend des Kolloquiums in der Phil- gleichzusetzen mit dem philan- kann Luxemburg in der kulturelle Miteinander ist ein Be- Gengler.
harmonie vor drei Wochen. thropischen Engagement von mehr
oder weniger gut gestellten Privat-
Moderne Bedürfnisse personen ist nicht immer sinnvoll“,
Die Initiative hat doppelt Poten- sagt Claude Gengler von der Stif-
zial: Zum einen hinkt der Finanz- tung Forum Europa. „Ausgangs-
platz Luxemburg bei Förderungs- punkt der Aktion vor ein paar Wo-
angeboten für vermögende Bank- chen war der von einzelnen Geld-
kunden im internationalen Ver- instituten festgestellte Bedarf an
gleich hinterher. „Diese Kunden Förderungsangeboten angesichts
erwarten jetzt eine Antwort von der steigenden Nachfrage bei ihrer
unsern Finanzprofis, und zwar in Kundschaft nach Möglichkeiten,
erster Linie was die Ver- einen Teil ihres Vermö-
wendungsmöglichkei- gens in soziale, künstle-
ten für die zu philan- rische oder wissen-
thropischen Zwe- schaftliche Projekte
cken zur Verfü- zu investieren“,
gung gestellten stellt Lucien Thiel
Gelder anbelangt. die Interessen von
Hier tut sich ein Bank- und Bera-
neues Betätigungs- tungsgesellschaften
feld für unsere Ver- dar. Der von politi-
mögensberater und scher Seite einge-
ein neuer brachte Ansatz einer
Geschäftszweig für unsere Dachstiftung, die Stiftungsgel-
Geldinstitute auf“, so Banken- und der zum Wohle der Allgemeinheit
Wirtschaftsfachmann Lucien beratend verteilen soll, ist in den
Thiel. Augen Thiels eine gelungene Er-
Zum anderen soll Luxemburgs gänzung: „Beide Modelle gehören
zukünftige Philanthropie-Politik in die Rubrik Philanthropie und
die breite Öffentlichkeit mit dem können durchaus kohabitieren“.
Thema Stiftungswesen sensibili-
sieren. Philanthropie solle die Po- Handlungsbedarf
litiken des Staates ergänzen, so die Am 23. April wurde deutlich, dass
Ankündigung Junckers. das Großherzogtum in der Philan-
„Es handelt sich hierbei wohl thropie-Politik Nachholbedarf hat.
um eine Art Verallgemeinerung „Ein Verdienst der Initiative der
des seinerzeit von Premier- und Banque de Luxembourg besteht
Kulturminister Pierre Werner ins darin, wesentliche Bereiche unse-
Leben gerufenen Kulturfonds“, res Handlungsbedarfs aufgezeigt
kommentiert Thiel. zu haben. Nun brauchen wir eine
„Klar ist, dass unser Stiftungs- großangelegte Informations- und
recht, das in seinen Grundzügen Sensibilisierungskampagne“, sagt
auf das Jahr 1928 zurückgeht, einer Claude Gengler. Es geht um viel:
Jacques Santer verweist auf die
Studie der britischen Charities Aid
Das Kollo-

’’
Foundation, wonach sich das Auf-
kommen privater Spenden in Lu-
quium hat klar xemburg auf 185 Millionen Euro
zum Ausdruck jährlich belaufen könnte. Lucien
Thiel verweist in diesem Zusam-
gebracht, dass in menhang auf den notwendigen Be-
wusstseinswandel: „Von den in Lu-
Luxemburg ein xemburg registrierten Stiftungen
Potential vorhanden haben die meisten einen rein natio-
nalen Charakter. Wenn die Philan-
Être chez soi ce n’est pas un endroit, c’est un sentiment.
Troisième prise, dernier jour de tournage. Paris.
ist, das bis jetzt noch thropie in großem Maßstab ange-
gangen werden soll, müssen die
nicht ausgeschöpft Abläufe entstaubt werden“. Am 23.
Tél. (352) 226 326 louisvuitton.com
Catherine Deneuve et Louis Vuitton apportent leur soutien à The Climate Project.
wurde.“ April hatte Bertram Pohl angege-
ben, für die Gründung seiner Stif-
JACQUES SANTER tung in Senningerberg „zwei Jahre