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Feinguss

Herstellung – Eigenschaften – Anwendung

Bundesverband
der Deutschen
Gießerei-Industrie (BDG)
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Verwirklichen Sie Ihre


Konstruktionsideen
sie könnten entscheidend sein!

Konstruieren
und Gießen
Informationen für den Gusskonstrukteur

Die Internetplattform des BDG Konstruieren und Gießen infor-


miert Sie über Werkstoffe und Verfahrenstechniken der Gießerei-
branche. Sie hinterfragt neue Technologien und gibt Anregungen
zur Gussgestaltung. Fakten und Kennwerte über Gusswerkstoffe
Foto: Fotolia; Gestaltung: BDG

und Gussteile geben dem Anwender weitere Hinweise für seine


Arbeit. All dies finden Sie im Internet unter:
www.kug.bdguss.de
Inhalt

Feinguss
Herstellung – Eigenschaften – Anwendung

Autoren:
H. Aue, W. Blank, Dr. F. Feikus, D. Finke, J. Gottschalk, K. Hanke, P. Hippler,
Dr. J. Jahn, J. Knaus, K. Kohlgrüber, K. Präfke, Dr. J. Schädlich-Stubenrauch, Titelbild: Strator aus Titanfeinguss
G. Scholz, K.-H. Schütt, Dr. W. Weihnacht für Flugzeugturbine

1 Einleitung 2
2 Das Verfahren Feingießen 7
Werkzeuge für die Modellherstellung 7
Die Feingussfertigung 8 Landeklappen-
Qualitätssicherung und Kontrollen 12 strukturteil für
Fluggerät aus
Rapid Prototyping und Manufacturing im Feinguss 15
EN AC-AlSi7Mg0,6
3 Werkstoffe für das Feingießen 20
Stähle für den Feinguss 21
Nickel- und Cobalt-Basislegierungen 23
Gusseisen 23
Aluminium-Basislegierungen 24
Titan- und Titan-Basislegierungen 24
Rotorkreuz für
Kupfer- und Kupfer-Basislegierungen 26 medizintech-
nisches Gerät
4 Konstruieren und Gestalten 27 aus G46Cr13
5 Preisbestimmende Faktoren 40
6 Schweißen an Feingussbauteilen 41
Stahlguss 41
Aluminium 42
7 Wärmebehandlung 43
Stahlguss 43
Lagergehäuse
Aluminium 44 für Turbolader
aus G25CrMo4
8 Anhangteil 46
Normen und Richtlinien 46
Weiterführende Literatur 47
Titelfotos: TITAL; Fotos Inhaltsverzeichnis: TITAL, Zollern, Buderus

Glossar 48

Motorgehäuse
für Luftfahrt aus
EN AC-AlSi7Mg
0,6wa

Inhalt_feinguss.indd 1 26.04.11 16:38


1 Einleitung
Im gesamten deutschsprachigen aum
gilt der Name „Feingießen“ für das indus-
triell angewendete Gießen nach „verlo-
renen“ Modellen, das sogenannte Modell-
ausschmelzverfahren. Im Ausland ist Fein-
gießen beispielsweise unter folgendem
Namen bekannt: „Investment casting“
(lost wax process), „fonte cire perdue“
und andere mehr.

Das Kennzeichen dieses speziellen Gieß-


verfahrens sind die „verlorenen“ Modelle,
die so heißen, weil sie nach dem Einfor-
men zerstört werden, um den Formhohl-
Bild 1: Der Verfahrensablauf beim Feingie en (von links nach rechts): Eine bestimmte
raum in der Gießform freizugeben, in den
Anzahl von odellen ist mit dem Gie s stem verbunden und bildet eine sogenannte Traube.
die Schmelze eingegossen wird. Diese Durch mehrmaliges Tauchen der Traube in einen Schlicker mit anschlie endem Besanden
Modelle bestehen meist aus Wachsen wird die keramische Form hergestellt. Nach dem Herausl sen des odell- und Gie -
oder deren Gemischen und werden vor - stemwerkstoffs wird die Form gebrannt. Das sich anschlie ende Gie en erfolgt in die
s
dem Abgießen aus den Gießformen aus- noch hei e Form. Nach dem Erkalten des Gussteils werden die Formkeramik entfernt und
die einzelnen Gussteile abgetrennt. (Bild: ZGV)
geschmolzen, ausgelöst und/oder aus-
gebrannt. Die Wachsmodelle werden in
metallischen Werkzeugen auf Wachs- dem Abgießen aus den Gießformen aus- (Bild 1). Das Gießen in heiße Formen ist
spritzmaschinen hergestellt und mit einem geschmolzen, -gelöst und/oder -gebrannt dafür prädestiniert, dass auch geringe
aus Wachs bestehenden Gießsystem zu (Bild 1). Wanddicken und komplizierte geometri-
sche Formen konturenscharf zu gießen
sogenannten Wachstrauben als Gieß-
sind. Damit kommt das Feingießen als
einheit verklebt. Sie erhalten durch wie- Die Verwendung verlorener Modelle er-
urformende Verfahrenstechnik der end-
derholtes Tauchen in keramischen Schli- möglicht die Nutzung ungeteilter Gießfor-
gültigen Gestalt eines Bauteiles sehr
cker mit anschließendem Besanden und men. Sie bewirken, dass ohne Formver- nahe. In vielen Fällen wird diese sogar
Trocknen eine keramische Schale. Diese satz sehr enge Maßtoleranzen eingehal- erreicht, wie das Beispiel im Bild 2 zeigt.
Modelle bestehen meist aus Wachsen ten werden können und Gussteile ohne Das ist einer der Gründe für die Wirt-
oder deren Gemischen und werden vor Teilungsgrat gefertigt werden können schaftlichkeit von Feinguss.

1.1 Ursprung und Entwick-


lungsgeschichte
rsprünglich wurde das Wachsaus-
schmelzverfahren für Schmuck und
Kunstguss verwendet. Kunstguss wird
heute nach verschiedenen Formverfah-
ren hergestellt, wobei auch das Wachs-
auschmelzverfahren in seinen manuellen
Verfahrensmodifikationen zum Einsatz
kommt. Die Entscheidung für die Ver-
fahrenswahl erfolgt hier nach fertigungs-
technischen Gesichtspunkten und aus
künstlerischen Aspekten durch die Gie-
ßerei.

Das historische Wachsausschmelzver-


fahren, Bienenwachs zu formen, es mit
Lehm zu umkleiden, nach dem Trocknen
das Wachs auszuschmelzen, die ver-
bleibende Lehmhülle zu brennen, den
entstandenen Hohlraum mit Metall aus-
zugießen und nach dem Abkühlen den
Lehm zu entfernen, um ein Gussteil zu
erhalten, ist in der Geschichte der Kultur
und der Technik der rsprung aller
Gießverfahren. Seine rsprünge reichen
in die Bronzezeit, also bis etwa 3000 v.
Chr. zurück, wie es Funde aus verschie-
denen Kulturbereichen der Erde zeigen,
Bild 2: Vierteilige, einbaufertig feingegossene u lung für einen Hochs annungsschalter, so in Mesopotamien, Kreta, gypten,
Werkstoff G16Cr o4 (W.-Nr. 1.7242), Länge 106 mm, Gesamtgewicht 205 g (Bild: Buderus, oers) China, die von der frühen Blütezeit dieses

2
ses Verfahren für humanmedizinische
Zwecke (Zahnprothesen) zu nutzen. Etwa
20 ahre später wurden auch Schmuck-
stücke und Brillenteile nach dem Wachs-
auschmelzverfahren, wie das Verfahren
damals genannt wurde, hergestellt. Damit
begann die industrielle Nutzung dieses
Verfahrens.

Allerdings war es bis zu diesem Zeitpunkt


nur möglich, niedrig schmelzende Metalle
zu vergießen, da die Formstoffe Lehm
und Gips den hohen Schmelztemperatu-
ren der Eisenwerkstoffe nicht standhiel-
ten. Erst die Einführung des Ethylsilicates
als Bindemittel mit SiO2-Basis im ahre Bild 4: ult- und Sonnenwagen von Trund-
1929 durch die Deutschen Erdle und Pran- holm, Bronzekunstguss nach dem Aus-
ge ermöglichte den Beginn einer indus- schmelzverfahren aus dem 11. ahrhundert
triellen Nutzung. Zusammen mit feuer- v. Chr. (Bestand: useum o enhagen)
festen Gießereisanden widerstanden die
Formen flüssigem Eisen und Stahl von
Bild 3: o f eines annes als u fer la- der von Flugzeugmotoren aus Kobalt-
etwa 1600 °C und konnten auch aus
stik, Feinguss aus eso otamien, um 2000 Basislegierungen weiterentwickelt, die
anderen hoch schmelzenden Legierun-
v. Chr., gefunden bei Ausgrabungen am damals wegen ihrer Härte nicht bearbeitet
Ichtatem el (Im zweiten Golfkrieg verschol- gen Gussteile im Wachsausschmelzver-
werden konnten. 1944 entstand so die
len) fahren hergestellt werden. Das war erst
erste industrielle Feingießerei in den SA.
Mitte der 1930er ahre der Fall, als Ethyl-
In der ersten Hälfte der fünfziger ahre
Verfahrens zeugen, das sich bald über silicat in Verbindung mit feuerfesten Form-
kam das Feingießen über Lizenzerteilun-
den gesamten Nahen Osten ausbreitete stoffen als Gießhitze beständiger Form-
gen der Amerikaner nach Deutschland
(Bild 3). Bereits damals wurden große stoff für die Keramikschalenformen ent-
und bewährte sich zunächst im Maschi-
Stücke aus mehreren einzeln gegossenen wickelt war.
nenbau und in der Feinwerktechnik, wo
Teilen zusammen gesetzt. vor allem Eisen- und Stahllegierungen
Anfang der 1940er ahre wurde das Ver-
fahren in den SA für hitzebeständige vergossen wurden 1 .
Zwischen 1800 und 1600 v. Chr. breitete
sich der Anwendungsbereich des Wachs- Axialturbinenschaufeln für Abgasturbola-
Die Werkstoffpalette hat sich seitdem
ausschmelzverfahrens auch bis nach Mit-
weiterentwickelt. Neben einer breiten
tel- und Nordeuropa aus. Aus der Bronze-
Palette von Stahllegierungen sind es vor
zeit des Nordens sind viele Gießstellen
allem Kobalt- und Nickel-Basislegierun-
und Funde bekannt. Ein besonderes
gen sowie Nichteisen-Metalllegierungen
Wahrzeichen dieser Zeit ist der im Bild
aus Aluminium, Kupfer und Titan, die heu-
4 abgebildetete Kult- und Sonnenwagen
te im Feinguss dominieren. Welche Legie-
von Trundholm aus dem 11. ahrhundert
rungen für den Feinguss besonders ge-
v. Chr., der im Museum Kopenhagen aus-
eignet sind, wird im Kapitel 3 beschrieben
gestellt ist.
oder kann bei den Feingießereien erfragt
Im Verlauf der ahrtausende wurde das werden.
Wachsausschmelzverfahren zum Gießen
von Gegenständen des täglichen Ge- Wirtschaftlichkeit und ualitätsvorteile
brauchs, für Waffen, Musikinstrumente haben dazu geführt, dass Feinguss heute
(Luren), Kultgegenstände und Schmuck praktisch in der gesamten Industrie ver-
genutzt. Werkstoffe waren vor allem wendet wird. Hauptabnehmer sind die
Bronze, in manchen Fällen auch Gold und Hersteller folgender Erzeugnisse:
Silber, deren Schmelz- und Gießtempera-
turen schon damals beherrscht wurden. - Antriebsaggregate und Getriebe,
- Automobilbau,
In der enaissance entwickelte sich das - Bergbau- und Bodenbearbeitungs-
Verfahren in Europa zu wohl einmaliger maschinen,
kultureller Blüte. Donatello, iccio und - Chemische Apparate, Pumpen und
Cellini in Italien, die Vischers in Nürnberg Armaturen,
und viele spätere Künstler schufen Meis- - Druck-, Papier-, Verpackungsmaschi-
terwerke von bleibender Schönheit (Bild nen und Verkaufsautomaten,
5). Standbilder wurden schon damals aus - Elektronische Bausätze, Steuer- und
Gewichts- und gießtechnischen Gründen egelgeräte,
mit Sandkernen gegossen. Den künstle- - Feinmechanische Erzeugnisse,
rischen Eindruck beeinträchtigte es je- - Flecht-, Ketten- und eißverschluss-
doch nicht. maschinen,
Bild 5: erseus mit dem abgeschlagenen - Förder- und Transportgeräte, Aufzüge,
Zu Beginn des 20. ahrhunderts haben o f der edusa, Bronzefeinguss aus dem - Funk-, Fernseh-, Fernmelde- und Tele-
Zahnärzte und -techniker begonnen, die- 15. h. von Cellini (Standort: Florenz) metriegeräte,

3
- Heimwerkergeräte und Maschinen für 1.2 Verfahrensabgrenzung Blockgie verfahren mit Wachsmodel-
das Handwerk, len ist ein dem Feingießen sehr ähnliches
- Hydraulik- und Druckluftarmaturen, Die verschiedenen Gieß- und Formver- Verfahren, weshalb es auch oft mit zum
fahren unterscheiden sich nach der Art Feingießen gezählt wird. Es kommt viel-
- Industrieöfen,
der verwendeten Modelle, Formen und fach wirtschaftlich für kleine Serien und
- agd-, Sport- und andere Waffen, Formstoffe. Dabei ist mit Form die „Hülle“,
- Kältemaschinen und physikalische Stückzahlen zur Anwendung. Die Maß- und
eine Schalenform, gemeint, in die das Oberflächengenauigkeit der so erzeug-
Aggregate, Metall gegossen wird, und mit Modell das ten Gussteile hängt aber stark von dem
- Kerntechnische Anlagen, Hilfsmittel, um die Form herzustellen. Ba- verwendeten Blockformstoff ab, und er-
- Laborgeräte, sis des Herstellungsverfahrens sind in- reicht in vielen Fällen nicht die vom tech-
- Landmaschinen und andere Fahr- dustrielle Wachse, die eine kalkulierte nischen Feinguss bekannten hohen Werte.
zeuge, Schwindung aufweisen. Die eingesetzten
- Lebensmittel verarbeitende Maschinen, Formstoffe sind für Formtemperaturen askenformverfahren wird das Verfah-
- Leit- und Laufschaufeln für Gas- und über 1000 °C ausgelegt. Im Bild 6 sind ren genannt, das mit geteilten, kalten
andere Turbinen, die wesentlichen Form- und Gießverfah- Formmasken arbeitet, die auf beheizten
- Luft- und aumfahrt, ren für metallische Werkstoffe enthalten, Modellplatten hergestellt werden. Form-
- Medizinische Instrumente, Implantate um die Abgrenzung untereinander deutlich stoff ist Kunstharz gebundener Sand.
zu machen. Mitunter ist es auch erforder-
für die Humanmedizin,
lich, zwei oder mehrere Verfahren gleich- Druck- und okillenguss wird praktisch
- Meerwasser-Entsalzungsanlagen,
zeitig anzuwenden oder zu kombinieren. nur aus Nichteisenmetallen mit „mittleren“
- Mess-, Prüf-, Zähl-, Stempel- und
Schmelztemperaturen hergestellt. Es wer-
Nummeriergeräte, Vollformgie en ist dem Prinzip nach mit den Maßtoleranzen erreicht, die zumin-
- Navigationsgeräte, dem Feingießen am nächsten verwandt. dest bei Druckguss noch enger als beim
- Optische und geodätische Geräte, La- Die nterschiede sind jedoch, dass beim
Feinguss sind. Für die Herstellung von
sertechnik, Vollformgießen die Schaumstoffmodelle
Druck- und Kokillenguss müssen infolge
- ichtfunk-, adar- und astronomische vor dem Abguss nicht entfernt werden und
der relativ hohen Gießtemperaturen me-
Geräte, dass in kalte Sandformen gegossen wird,
tallische Dauerformen aus Gusseisen
wodurch ungleich rauere Oberflächen ent-
- Schalt-, Steuer- und egelgeräte, oder Warmarbeitsstahl (für Druckguss)
stehen und eine wesentlich geringere
- Schnellverschlüsse, verwendet werden. Dagegen sind beim
Maßgenauigkeit als beim Feinguss er-
- Schutz- und wehrtechnische Geräte Feinguss für die Herstellung der Modelle
reicht wird.
und Systeme, außer Werkzeugen aus kostengünstige-
- Spielzeug und Werbeartikel, eramikformgie en wird angewendet, ren Stählen auch solche aus Aluminium
- Sportartikel und Freizeitgeräte, wenn Oberflächengüten und Toleranzen oder Weichmetall üblich, weil die Modell-
- Textil-, Leder-, Holz- und Kunststoff ähnlich dem Feinguss erforderlich sind. werkstoffe unterhalb 90 °C verarbeitet
verarbeitende Maschinen, Dafür werden praktisch die gleichen oder werden können. Dies ist die rsache für
- Triebwerke, Turbinen und otations- ähnliche feuerfeste Formstoffe wie für die meist erheblichen Preisunterschiede
Feinguss verwendet. Aus Kostengründen zwischen den Druckgießformen und den
verdichter,
werden sie jedoch hinterfüllt und nur für Werkzeugen für die Feinguss-Ausschmelz-
- Verbrennungsmotorenteile, wie Wir-
diejenigen Partien am Gussteil vorge- modelle.
belkammern, Turboladerlaufräder, sehen, an denen sie gebraucht werden.
Kipphebel, m Irrtümern vorzubeugen, sei darauf hin- Feingie en gehört wie Druck-, Kokillen-,
- Waagen, Dosiergeräte und Abfüllma- gewiesen, dass die nach diesem Ver- Formmasken- und Keramikformgießen zu
schinen, fahren hergestellten Bauteile trotz guter den Genaugieß- und -formverfahren, die
- Wasseraufbereitungsanlagen, Oberflächen kein Feinguss sind, weil mit aus Gründen der Wirtschaftlichkeit wegen
- Werkzeuge, Dauermodellen und geteilten Formen ge- des verminderten Bearbeitungsaufwan-
- Werkzeugmaschinen. arbeitet wird. des weltweit immer bedeutender werden.

Bild 6: bersicht der wichtigsten Form- und Gie verfahren Bild 7: Feste Seilklemme für den Seilbahnbau, Werk-
stoff G25Cr o4 (W.-Nr. 1.7218), Abmessungen: 212 x
168 x 175 mm, Gewicht: 7,2 kg (Bei diesem Feingussteil
wird eine osteners arnis von 28 gegenüber dem
früheren Schmiedeteil erzielt ) (Bild: ZGV)

4
1.3 Merkmale I
a)
Charakteristische Merkmale, die diese er-
folgreiche Entwicklung des industriellen
Feingießens beeinflusst haben, sind nach-
folgend aufgeführt.

I. Wirtschaftlichkeit
Hier ist an erster Stelle die Wirtschaft-
lichkeit zu nennen. Nur rationelle Ferti-
gungsmethoden können sich auf Dauer Bild 10: it demselben odellwerkzeug aus
Stahl, CuZn- und Al-Basis-Legierung eweils
behaupten. Der Feinguss hat in den über ents rechend den Funktionsanforderungen
sechzig ahren seiner industriellen Nut- hergestelltes Feingussteil für den allgemei-
zung sein Anwendungsspektrum mehr nen aschinenbau, a e 140 x 75 x 55 mm (Bild:
und mehr ausweiten können. So werden Feinguss Blank, iedlingen)
immer größere Gussteile, andererseits b) lichen Anforderungen die gleichen Fein-
immer schwieriger zu erschmelzende
gussteile aus verschiedenen Werkstoffen
Legierungen feingegossen. Aufgrund sei-
herzustellen (Bild 10).
ner wirtschaftlichen Vorteile wird Fein-
guss bei wertanalytischen Vergleichen
IV. Hohe Maßgenauigkeit und Ober-
zunehmend in Betracht gezogen ( Bild 7).
flächengüte
Einen bedeutenden Entwicklungssprung in
technischer und wirtschaftlicher Hinsicht Enge Toleranzen und gute Maßhaltigkeit
konnte mit den günstig nutzbaren apid- auch bei wiederholter Großserienferti-
Prototyping- und apid-Tooling-Verfah- gung sind mit Feinguss sicher zu erreichen.
ren erzielt werden, wodurch heute auch Die auftretenden Streubreiten liegen etwa
Kleinserien und Einzelteile mit Feingie- bei /- 0,6 vom Nennmaß, wie der Ta-
ßen wirtschaftlich und schnell gefertigt belle 1 aus den VDG- erkblatt 690
werden können (Bild 8). Spezielle Wirt- entnommen werden kann. Feinguss hat
schaftlichkeitshinweise werden unter 4.1 c) zudem eine hohe Oberflächengüte, die
gegeben. sich durch iefenfreiheit und eine au-
tiefe von a 1,6 bis 6,3 m auszeichnet
II. Gestaltungsfreiheit (Tabelle 1).
Wie kein anderes Gießverfahren bietet
Feingießen die Möglichkeit zum optimalen V. Geringer Bearbeitungsaufwand
Gestalten (Bild 9). Durch Feinguss ge- Maßgenauigkeit, Maßhaltigkeit und gute
rechtes Konstruieren werden oft techni- Oberflächen kennzeichnen das Erzeugnis
sche Lösungen erreicht, die auf andere Feingussteil, das meist nur geringfügig
Weise gar nicht oder zumindest wirt- und vielfach gar nicht bearbeitet zu wer-
schaftlich nicht möglich sind. Einzelheiten den braucht. Das ist besonders dann von
hierzu sind im Kapitel 4 „Konstruieren und Vorteil, wenn es sich um schwer zerspan-
Gestalten“ dargelegt. Bild 8: a id rotot ing im Feinguss bare Werkstoffe oder um kompliziert ge-
a) Stereolithogra hiemodell für die Formen- taltete Konturen handelt. So lassen sich
III. Freie Werkstoffwahl herstellung (Bild: N , Neukirchen) mit Feinguss auch Bearbeitungsaufwand
Die im Kapitel 3 genannte breite Werk- b) Feingusswachsmodell und Lagerhaltungskosten vermindern.
stoff- und Legierungspalette bietet mit c) Feingussteil
ihren vielfältigen technologischen Eigen- VI. Stückgewichte
gen in allen Bereichen der Technik. Selbst
schaften ein weites Anwendungsgebiet für Forschungszwecke und bei seltenen Der größte Teil der gefertigten Feinguss-
für die unterschiedlichsten Anforderun- auch ausländischen Sonderlegierun- teile liegt im Gewichtsbereich von einigen
gen ist der Feingießer immer in der Lage, Gramm bis 100 Kilogramm. Es werden
entsprechenden Wünschen nachzukom- aber auch Werkstücke mit Gewichten von
men. Dabei ist vorauszusetzen, dass der weniger als einem Gramm und aus Co-,
Werkstoff nach dem heutigen Stand der Cu-, Fe- und Ni-Basis-Legierungen von
Technik gießbar ist. Oft ist es zudem weit über 100 kg feingegossen, wie bei-
möglich, mit einem einzigen Modellwerk- spielhaft die Bilder 11 und 12 verdeut-
zeug angepasst an die jeweiligen betrieb- lichen.

Tabelle 1: ichtwerte für berflächenrauheit von Feingussteilen (nach VDG- erkblatt 690)

ber- Werkstoff- Werkstoff- Werkstoff-


flächen- gru e D gru e A gru e T
nor- CLA a CLA a CLA a
malien
( inch) ( m) ( inch) ( m) ( inch) ( m)
Bild 9: Feingegossener Zerstäuber für verbren-
N7 63 1,6
nungstechnische Anlagen, Werkstoff EN AC-
AISi7 g0,3 (W.-Nr. EN AC-42100), Abmessun- N8 125 3,2 125 3,2
gen: Dmr. 84 x 62 mm, Gewicht: 82 g (Bild:
N9 250 6,3 250 6,3 250 6,3
Feinguss Blank, iedlingen)

5
1.4 Marktlage und Zukunfts-
aussichten
Die Entwicklung des Feingussmarktes ist
im Wesentlichen auf zwei Forderungen
der Abnehmerkreise zurückzuführen:
- Der Bedarf an immer größeren Teilen,
weil sich durch Feinguss schwierige
und kostspielige Bearbeitungsvorgän-
ge erübrigen. Viele Beispiele dafür
sind in diesem Heft abgebildet.
- Der Wunsch, Gussteile aus speziellen
Legierungen schon mit endabmes-
sungsnahen Konturen zu erhalten.
(Das trifft besonders für Luftfahrt-
werkstoffe auf Al- und Fe-Basis, aber
auch auf Co- und im Vakuum er-
schmolzene Ni- und Ti-Basis-Legie-
rungen zu.)
Bild 11: Aus verschiedenen Sorten Edelstahl feingegossene leinteile mit einem Stück-
gewicht bis 10 g (Bild: ZGV) Diese beiden, teils miteinander verbun-
denen Forderungen haben einerseits zu
immer umfangreicheren Investitionen der
Feingießer geführt, andererseits aber
VII. Stückzahlen auch bewirkt, dass sich der Markt ent-
sprechend ausgeweitet hat. Parallel dazu
bliche Stückzahlen für Feinguss sind ei-
haben der Wettbewerb unter den einzel-
nige hundert bis mehrere tausend Stück.
nen Feingießereien und der Wettbewerb
Mit Hilfe der generativen Verfahren lassen
mit anderen Herstellverfahren dazu ge-
sich auch Prototypen und Kleinserien ab
zwungen, immer mehr zu rationalisieren,
der Losgröße Eins heute im apid Tooling
was letztlich den Abnehmern zugute ge-
wirtschaftlich darstellen.
kommen ist. Aufgrund der positiven Ent-
wicklung in den letzten ahren und der
Wegen der Vielfalt der Einflussgrößen erwähnten Vorteile kann auch zukünftig
können Grenzwerte für eine wirtschaft- ein expansiver Markt mit neuen Einsatz- und
liche Stückzahl nicht genannt werden. Bei- Anwendungsgebieten erwartet werden.
spielsweise ist die Blende für einen
Abgaskrümmer im Bild 13 als Feinguss-
konstruktion schon mit 20 Stück kosten-
günstiger als die geschweißte Ausfüh-
rung. Andererseits sind vor allem Auto- Bild 12: um engehäuse werden bis etwa
mobilserienteile von über 100 000 Stück 500 mm Dmr. und 100 kg aus Fe- und Ni-
pro Monat in Feinguss üblich. Basislegierungen feingegossen. (Bild: ZGV)

Bild 13: Endmontierte Blende für einen S ortwagen (links) und das Blendenteil aus Aluminiumfeinguss (rechts), Werkstoff: EN AC-
AlSi7 g0,6 (W.-Nr. EN AC-42200), Gewicht: 450 g (Bild: Feinguss Blank, iedlingen)

6
2 Das Verfahren Fein-
gießen
Der Fertigungsablauf beim Feingießen
besteht grundsätzlich aus den Produk-
tionsbereichen Wachsmodellfertigung
und Keramikformenfertigung, Schmelz-
betrieb und Nachbearbeitung (Bild 14).

2.1 Werkzeuge für die Modell-


herstellung
Zum Herstellen der verlorenen Modelle Bild 14: Brennen (a) und Abgie en (b) einer Feingie form
und der Gießsysteme werden Werkzeuge
(Wachsspritzformen, auch Matrizen ge- delle einzeln mit dem Gießsystem ver- Aluminium mit Gewichten bis zu 700 kg
nannt) gebraucht. Diese Wachsspritzfor- bunden werden. gebaut.
men sind im Prinzip vergleichbar mit den
e nach dem zu verarbeitenden Modell- Formen für Spritzautomaten kommen zur
Spritzgießformen für die Kunststoffin-
werkstoff, der herzustellenden Stückzah- Anwendung, wenn die Stückzahlen, wie
dustrie. Allerdings sind die Wachsspritz-
len und den verwendeten Spritzmaschi- in der Automobilbranche üblich, sehr hoch
formen oft handbetätigte Formen (Bild
nen werden die Werkzeuge dann noch sind. Auch diese Formen werden in der
15), das heißt, möglicherweise eingebaute
wie folgt unterschieden: egel aus Aluminium gefertigt. Selten, so
Schieber, Stecker oder Handeinlagen
werden von Hand bewegt und die Spritz- - Stahlwerkzeuge für Großserien wer- bei sehr hohen Stückzahlen, wird diese
linge werden von Hand entnommen. Dies den wegen der höheren Standzeit ein- Art der Formen aus Stahl gearbeitet.
hängt mit den benötigten Stückzahlen von gesetzt,
Gussteilen zusammen. Feingussteile ha- - Aluminiumwerkzeuge werden zum 2.1.2 Anforderungen an die Werk-
ben normalerweise nicht die Stückzahlen, Verarbeiten von Wachsen eingesetzt zeuge
wie man sie von der Kunststoffbranche und haben praktisch unbegrenzte Die Formen beziehungsweise Formnester
her kennt. Für Automobilgussteile kom- Standzeiten, unterliegen hohen ualitätsanforderun-
men aber auch Automatikwerkzeuge mit gen insbesondere mit hohen Oberflä-
mechanisierter Entnahmevorrichtung zum - Weichmetallwerkzeuge sind meist
aus einer niedrig schmelzenden Sn- chengüten. Zum einen müssen die Ab-
Einsatz (Bilder 16a und b). messungen in engen Toleranzen liegen
Bi-Legierung. Sie werden vereinzelt
noch von verschiedenen Feingieße- und erfordern eine hohe Oberflächengüte.
2.1.1 Werkzeugarten reien für kleinere und mittlere Serien Zum anderen dürfen die Nester wegen der
Die Wahl der anzuwendenden Werkzeug- angeboten. Diese werden aber zu- Luftabfuhr eine nicht zu feine Oberfläche
art hängt von den vorgesehenen Stück- nehmend durch die apid-Prototy- aufweisen. Zwischen Kunden und Gie-
zahlen, dem Modellwerkstoff und der ping-Verfahren verdrängt. ßerei muss deshalb die Oberflächengüte
Kontur des Gussteiles ab. So sind fol- vereinbart werden. Engere Toleranzen
gende Werkzeuge gebräuchlich: Genauere Feingussteile entstehen, wenn sind natürlich möglich und werden auch
bei Handbetrieb mit Formen aus Alumi- in speziellen Fällen angewendet, sind aber
- Mehrfachwerkzeuge für größere Se- nium gearbeitet wird. Aluminium ist für den mit höheren Werkzeugkosten verbunden.
rien, wobei mit den Modellen auch Formenbauer leicht zu bearbeiten und Im Allgemeinen gelten die Anforderungen
Teile des Gießsystems hergestellt das Arbeiten mit den Formen ist für das der IS 8062.
werden können, Bedienungspersonal an den Wachsspritz-
- Einfachwerkzeuge für mittlere und maschinen vom Gewicht vorteilhaft. Für Auf die Entformbarkeit der Wachsmodelle
kleinere Serien, bei denen die Mo- große Feingussteile werden Formen aus muss der Formenbauer besonderes Au-
genmerk richten. Sehr tiefe Konturen kön-
nen beispielsweise in der Form sehr fest
sitzen. Eine zusätzliche Handeinlage oder
ein Schieber begünstigen das Entformen.
Auf die Entlüftung solch tiefer Konturen
ist zu achten. Wachsteile mit vielen ip-
pen lassen sich nur schwer entformen.
Hier sind nach Vereinbarung mit dem End-
kunden Entformungsschrägen vorteilhaft.
Für das sichere Entformen der Wachs-
modelle, besonders bei höheren Stück-
zahlen und automatischen Prozessen,
sind die verschiedenen Auswerfersyste-
me unumgänglich.
In den vergangenen ahren haben sich
verschiedene Hilfsmittel für das Formen
von Hinterschneidungen in Gussteilen
entwickelt. Zuerst wird versucht, durch
Schieber oder Handeinlagen so viel wie
möglich darzustellen. Wenn das technisch
nicht möglich ist, werden wasserlösliche
Bild 15: Handbetätigte Wachss ritzform aus Aluminium mit 34 Handeinlagen oder keramische Kerne verwendet. So-

7
Bild 16a: Halbautomatische Wachs ritzform in Aluminiumaus- Bild 16b: Automatische Wachs ritzform in Aluminiumausführung
führung für die Fertigung von acht Wachslingen mit Gie stab mit vier Stahlschiebern und Auswerfers stem

wohl für das Herstellen wasserlöslicher wachstyp, eingespritzter Wachsmenge 2.2 Die Feingussfertigung
Wachskerne als auch keramischer Kerne und Spritzfolge kann eine Formtemperie-
sind ebenfalls Spritzwerkzeuge erforder- rung zum Beispiel mit einer durchströmen- Neben der Modellfertigung und -montage
lich. den Temperierungsflüssigkeit in einem in- gehören die Gießformenherstellung (Bild
neren Bohrungssystem unumgänglich 17), der Gieß- und Auspackprozess sowie
Wesentlich für die Modell ualität ist das sein. diverse Nachbehandlungsaufgaben zum
Anspritzen der Teile. Der Anspritzpunkt Leistungsangebot der Feingießereien.
sollte möglichst immer am Anguss sein, Die Gestaltung der Gussteile (Geometrie
um späteres zusätzliches Verputzen der und Abmaße) beziehungsweise Wachs- 2.2.1 Das Ausschmelzverfahren
Gussteile zu vermeiden. Der oder die modelle stimmt der Feingießer mit dem Die weiteren Arbeitsgänge der Feinguss-
Spritzkanäle müssen immer ausreichend Endabnehmer ab. Dabei werden neben fertigung sind schematisch im Bild 18
dimensioniert sein, um ein Einfrieren zu den gießtechnologischen Gesichtspunk- dargestellt. Im Einzelnen handelt es sich
vermeiden. Das Wachs hat wie jedes zu ten auch moderne Möglichkeiten der Zer- um die Arbeitsgänge
verspritzende Material die Eigenschaft, spanung beim Formenbauer (auf CNC-
- Herstellen der odelle und der Gie -
an den Formwänden zuerst zu erhärten. Hochleistungsmaschinen lassen sich a-
s steme (A): Mit den unter 2.1 be-
Diesem Gesetz unterliegt auch der Spritz- dien 0,5 mm herstellen ) berücksichtigt.
schriebenen Werkzeugen werden
kanal. m das Wachsteil sicher zu ver- Alle Angaben zur Auslegung der Spritz-
form (Maße des Wachsmodells, Dimensi- dann, vergleichbar dem Kunststoff-
sorgen und Einfallstellen zu vermeiden,
onierung des mit zu formenden Angusses, spritzgießen, die Modelle hergestellt,
muss der Spritzkanal immer bis zum
Anzahl der Nester, Spritzkanäle, Anschluss- die bereits mit „Angüssen“ (Teil des
Schluss eine flüssige Seele behalten und
maße in der Spritzmaschine usw.) erhält Gießsystems) versehen sind. Dabei
entsprechend groß im Durchmesser ge-
der Formenbauer vom Feingießer. lassen sich der Arbeitsdruck der Spritz-
halten werden.
maschine und die Temperatur des Mo-
Einfallstellen können vermieden werden, Der Endabnehmer als Kunde des Fein- dellwerkstoffs so steuern, dass pro-
indem sogenannte Füllkerne in die Kon- gießers kann zur preiswerteren Anferti- zesssicher maßhaltige Modelle ent-
turen der Wachsspritzform mit großer gung einer Form beitragen, in dem er stehen. Auf ähnliche Weise werden
Wanddicke eingelegt werden. Die Füll- seine dem Teil entsprechenden 3D-Daten auch die Gießsysteme hergestellt.
kerne sollten aber mindestens 4, besser zur Verfügung stellt. Gießtechnische n-
- Zusammenbau zu Gie einheiten (B):
5 mm Wand allseitig offen lassen, damit derungen wie zusätzliche Bearbeitungs-
Der nächste Schritt ist das Zusammen-
das Wachs des Wachsmodells den Füll- zugaben und Schwindmaßzugaben brin-
fügen (Kleben und/oder Verschweißen)
kern voll umschließen kann. Der Füllkern gen der Feingießer oder Formenbauer
der Modelle und Gießsysteme zu soge-
selbst wird durch mitgespritzte Spitzen in ein.
nannten Trauben (Bilder 19 und 20).
seiner Position gehalten.
Eine dem Feingussverfahren gerecht Damit werden gießgerechte und vor allem
Die Modell ualität wird auch von der werdend angefertigte Wachsspritzform ist wirtschaftliche Gießeinheiten erhalten.
Betriebstemperatur der Spritzform beein- wesentliche Voraussetzung für die Her- Größere Teile können natürlich auch
flusst. e nach Spritztechnologie, Modell- stellung guter Feingussteile. einzeln gegossen werden. Entsprechend

Bild 17: Die Schalenformherstellung beim Feingie en (Bilder: N , Neukirchen)


a) Formschalen vor dem Wachsausschmelzen b) Brennen der Formschale c) Abgie en der Formschale unter Vakuum

8
Bild 18: Die Arbeitsgänge der Feingussfertigung
A - Wachsmodellherstellung B - Zusammenbau der Gie einheit C - Tauchen der Gie einheit in Formschlicker
D - Besanden der Gie einheit E - Trocknen der keramischen Schale F - Ausschmelzen der odelle
G - Brennen der Formschale H - Abgie en der Schalenform - Entfernen der Formschale
- Abtrennen der Gussteile L - Verschleifen der Anschnittreste - ualitätskontrolle am Gussteil

9
den technischen Gegebenheiten der Gie-
ßerei erfolgt die Montage der Gießein-
heiten. Ein sachkundiger Aufbau der
Gießeinheiten und entsprechende An-
gusstechnik sind ausschlaggebend für
die Fertigung gefügedichter und sau-
berer Feingussteile und fallen in den
Aufgabenbereich der Feingießerei.
- Herstellen der Gie formen (C, D, E):
Die so entstandenen Gießeinheiten bil-
den die Träger für die zähflüssige Form-
keramik, die aus feuerfesten Mehlen
und Bindern besteht. Durch wiederholtes
Eintauchen in den Formstoffschlicker, an-
schließendes Besanden und nachfolgen-
des Trocknen entsteht so eine kerami- Bild 19: ontage der vorgefertigten Aus- Bild 20: Werkzeuglos mit dem generativen
sche Schale aus mehreren, fest mitein- schmelzmodelle an das Gie s stem zur Verfahren Stereolithogra hie aufgebaute
ander verbundenen Schichten (Bild 21). Gie einheit Ausschmelzmodelle ( uick-Cast-Verfahren)
- Ausschmelzen und Brennen (F, G): trennt. Das erfolgt meist mit Trenn- sichern. Diese Kontrollen beziehen sich
Nun müssen der Modellwerkstoff ent- scheiben oder Bandsägen. An den nicht nur auf die Maße der Werkzeuge,
fernt und die so entstandenen Schalen Gussteilen noch anhaftende Form- Modelle und Gussteile, sondern bei-
gebrannt werden, um die für das Gie- stoffreste werden durch Strahlen ent- spielsweise auch auf die Gasdurchläs-
ßen erforderliche feste Keramikform fernt. e nach Gusswerkstoff kommt sigkeit, das Ausdehnungsverhalten und
zu erhalten. Die Wachse werden im dafür Stahlkies, Korund, Glasperlen die Festigkeit der Keramikformen im
Dampfautoklaven herausgeschmol- oder Druckwasser zum Einsatz. heißen oder kalten Zustand. Ebenfalls
zen. Bei Brenntemperaturen von über
- Schleifen (L): Angussreste, die vom wird die chemische Zusammensetzung
1000 °C werden anschließend die Mo-
Trennen her noch stehengeblieben sind, der Feingusswerkstoffe überwacht und
dellwerkstoffreste vollständig und
werden anschließend beigeschliffen. dem Kunden auf Wunsch die Analyse
rückstandslos verbrannt und die für
Liegt der Anguss auf einer Fläche, die zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus
das Gießen erforderliche Festigkeit
vom Abnehmer noch spanend bearbei- ist es jedoch notwendig, auch die ver-
und Gasdurchlässigkeit der Form-
tet wird, dann kann aus Kostengründen wendeten ohstoffe einer Warenein-
schale eingestellt.
oft vereinbart werden, den Angussrest gangsprüfung zu unterziehen, um eine
- Schmelzen und Gie en (H): Für das stehen zulassen. Er wird während der optimale Fertigung zu gewährleisten.
Erschmelzen und das Vergießen von nachfolgenden Bearbeitung „automa- Die gewünschten Eigenschaften werden
Stählen, Co-, Ni- und Ti-Basis-Legie- tisch“ mit entfernt,wodurch ein Arbeits- mit den ohstofflieferanten in Form
rungen werden Induktionsöfen oder gang und entsprechende Kosten ein- von Datenblättern oder Liefervorschrif-
Vakuum-Induktionsöfen eingesetzt. gespart werden können. ten vereinbart. So sind zum Beispiel nur
Zum Schmelzen von Al- und Cu-Ba- Modellwerkstoffe, Formstoffe und Form-
sislegierungen kommen Gas-, l- und - Wärmebehandeln: Feingegossene stoffbinder, Metalle und Legierungsele-
elektrisch beheizte Tiegelöfen zur An- Werkstücke können im Gusszustand mente für Feinguss geeignet, die be-
wendung. Das Fassungsvermögen und in den verschiedensten Wärme- stimmte technologische beziehungswei-
der Ofenaggregate reicht von etwa 15 behandlungszuständen geliefert wer- se chemische Eigenschaften aufwei-
bis 600 kg, was maßgeblich die ab- den. Der Lieferzustand ist beispiels- sen. Die speziellen Punkte der Güte-
zugießende Gussteilgröße bestimmt. weise für sicherung, der statistischen ualitäts-
Das Abgießen erfolgt in die noch hei- Stähle: weichgeglüht, normalisiert, kontrolle und der zu vereinbarenden Ab-
ßen Formschalen, die beispielsweise ausscheidungs- oder einsatzgehärtet, nahmebedingungen sind im Kapitel 2.3
bei Stählen eine Temperatur von 900 vergütet, lösungsgeglüht dargelegt.
bis 1200 °C haben. Dadurch ist ge- - Vorrichtungen: Zur wirtschaftlichen
Co- und Ni-Basislegierungen: Guss
währleistet, dass auch enge uer- Fertigung können für die verschiedenen
zustand, lösungsgeglüht, ausschei-
schnitte und feinste Konturen sicher Arbeitsgänge Vorrichtungen erforderlich
dungsgehärtet, gealtert
mit Schmelze gefüllt werden. Eine werden, die wie auch die Werkzeuge
saubere Schmelzeführung und das Al-Basislegierungen: Gusszustand,
dem Besteller oder Kunden berechnet
exakte Einhalten sowohl der Schmelz- lösungsgeglüht, warmausgelagert
werden.
als auch der Formtemperaturen wer- und überaltert
den als wichtige Voraussetzung für Cu-Basis-Legierungen: Gusszustand,
ualitativ hochwertige Feingussteile ausgehärtet, vergütet.
sorgfältig überwacht. - ichten: Wenn aufgrund der kon-
- Entformen ( ): Nach dem formfesten Er- struktiven Gestaltung des Gussteils
kalten des Gießmetalls in der Form wird während des Erstarrens oder Wärme-
die Formkeramik mit Drucklufthämmern behandelns ein Verzug auftritt, wird ein
und/oder mit Druckwasser weitgehend ichten erforderlich. e nach Werkstoff
entfernt. Schlagempfindliche und ver- und Gussteil geschieht dies warm
zuggefährdete Gussteile sowie solche oder kalt, manuell oder maschinell.
mit komplizierter Innengestaltung wer- - rüfen und ontrollieren ( ): Alle
den in Keramik lösenden Bädern che- oben genannten Verfahrensschritte un-
misch vom Formstoff befreit. terliegen entsprechenden begleitenden Bild 21: Automatisierter Aufbau der eramik-
- Trennen ( ): Gussteile und Gießsys- Kontrollen, um die gleichbleibende gute schalenform durch abwechselndes Tauchen
teme werden nun voneinander ge- ualität des Erzeugnisses Feinguss zu in Schlicker und fluidisiertem Sandbad

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Bild 22: Strukturteile für Fluggeräte (a), für tikträger (b) und für eine dünnwandige Verstärkung, alle nach dem So hia-Verfahren
gefertigt, Werkstoff: EN AC-AlSi7 g,0,6 (W.-Nr. EN AC-42200) (Bild: Zollern Soest)

2.2.2 Sonderverfahren In die gleiche ichtung zielt das HE mit der mgebungsluft zu vermeiden.
remium Casting, wo durch Kombina- Mit diesem Verfahren können deshalb
Spezielle Verfahrensmodifikationen er- tion des Feingießens mit einer computer- Werkstoffe vergossen werden, die sich un-
weitern zudem das Anwendungsspek- gelenkten Erstarrung unabhängig von der ter der Normalatmosphäre nicht schmelzen
trum des Feingießens. Das So hia-Ver- Wanddicke ein feines und gleichmäßig und vergießen lassen würden und zudem
fahren wurde entwickelt, um komplexe verteiltes Gefüge im Gussteil eingestellt über einen sehr hohen einheitsgrad
AIuminium-Feingussteile mit sehr unter- wird. Festigkeit und Zähigkeit der Guss- der Schmelze verfügen müssen.
schiedlichen Wanddicken über das ge- teile werden dadurch deutlich gesteigert.
Für die Festigkeitssteigerung ist das feine Dieses Verfahren kommt für Ni-Basis-
samte Bauteil mit einem gleichmäßigen
Mikro- und Makrogefüge und für die Zä- Legierungen zum Einsatz, wie sie bei che-
und dichten Gefüge zu fertigen. Das wird
higkeitsverbesserung das dichte Gefüge misch beständigen und hochwarmfesten
durch regelbare reproduzierbare Erstar-
verantwortlich (Bilder 23 bis 25) 3 . Bauteilen bis zu 1000 °C Einsatztem-
rungsparameter, die prozessseitig auf die peratur zum Einsatz kommen. Hochtem-
konstruktiven Gegebenheiten des Guss- peraturbeständige Feingussteile aus Ni-
Diese Sonderverfahren kommen vor
teils abgestimmt werden, erreicht 2 . Basis-Werkstoffen im Vakuumfeinguss er-
allem in den Hochtechnologien wie der
Luft- und aumfahrt oder dem ennsport, schmolzen, kommen in modernen An-
Dadurch werden außergewöhnlich hohe aber auch in der Medizintechnik u. ä. Be- triebslösungen zum Einsatz. Weitere An-
statische und dynamische Festigkeits- reichen zum Einsatz. Genutzt werden kön- wendungsgebiete werden bei Hochtem-
eigenschaften erzielt, die denen von nen zudem diese verbesserten Eigen- peratur belasteten Automobilteilen in
Knetlegierungen nahe kommen. Damit schaften zum weiteren Leichtbau. Großserienfertigung aus Aluminium- und
lassen sich mit diesem Verfahren vor Magnesiumlegierungen gesehen. Zudem
allem hoch beanspruchte Bauteile mit Beim Vakuumfeinguss wird die Schmel- erfordern die Zukunftskonzepte für die
sehr komplexer Gestalt schnell und wirt- ze im evakuierten luftleeren aum ver- Energieerzeugung immer hochtempera-
schaftlich fertigen (Bild 22). gossen, um nicht erwünschte eaktionen turbeständigere Gussteile.

Bild 23: Gehäuse für das Zwischengetrie- Bild 24: Instrumententräger für das Cock it Bild 25: Ein Headset nach dem Vakuum-Differenz-
be einer Flugturbine, hergestellt nach dem eines Verkehrsflugzeuges nach dem HE druck-Verfahren (VDD) gefertigt mit Wanddicken von
HE remium Casting aus der Legie- remium Casting gefertigt. Bei einer bedeu- bis zu 1,5 mm und feinen Details im Stegbereich mit
rung ENAC-AlSi7 g0,6. it einem Gewicht tenden Gewichtsreduzierung ersetzt dieses Wanddicken unter 1 mm aus der g-Legierung AZ
von 80 kg geh rt das Gussteil zu den gr e- Teil eine aus 296 Blech- und Frästeilen beste- 91 (Bild: 1zu1 rotot en, Dormbirn)
ren Feingussteilen. (Bild: Tital, Bestwig) hende Fügekonstruktion (Bild: TItal, Bestwig)

11
2.3 Qualitätssicherung und
Kontrollen
Die ualität nimmt in zunehmendem Ma-
ße eine Schlüsselfunktion auf allen Märk-
ten ein, was auch für Feinguss gilt. Das Wort
ualität leitet sich aus dem lateinischen
ualitas ab und heißt wörtlich Beschaffen-
heit beziehungsweise Eigenschaft. Im heu-
tigen Sinne verbindet sich mit dem Ausdruck
ualität jedoch nicht nur der Begriff der
Beschaffenheit zum Beispiel einer Ware,
sondern auch Eigenschaften, die das Mit-
telmaß des beurteilten Kriteriums positiv
übertreffen. Seit dem Inkrafttreten der DIN
IS 9000 ff im ahre 1994 haben die
Gießereien ualitätsmanagementsysteme
aufgebaut, die nach der Neufassung der
DIN IS 9001 im ahre 2000 Prozess
orientiert gegliedert und von den Kunden
und Mitarbeitern einsehbar sind. Im Bild 26
ist der ualitätsregelkreis eines ualitäts-
managementsystems aufgezeigt. Inzwi- BIld 26: ualitätsregelkreis eines ualitätsmanagements stems für Feingie ereien
schen hat hier die Computertechnik ver-
stärkt Eingang gefunden, so dass die Do-
2.3.1 Qualitätssicherung tigen Feingussteile. Werden dabei unzu-
kumentationen des ualitätssicherungssys-
lässige Abweichungen festgestellt, erfolgt
tems auch datentechnisch angeboten wer- Die ualität seines Erzeugnisses zu si- eine Ergänzung der ualitätsvorschriften,
den können. chern ist nicht nur das Bestreben eines so dass das ualitätssicherungssystem
Forderungen an die ualität eines Pro- jeden Feingießers, sondern eine Notwen- über entsprechende Maßnahmen direkt
duktes müssen dem Hersteller bekannt digkeit. ualität kann nicht erzeugt wer- in den Fertigungsablauf eingreift.
sein, bevor er zu fertigen beginnt. Das gilt den, ohne sie gleichzeitig zu sichern. Des-
gleichermaßen für die Kriterien, nach de- halb betrifft die ualitätssicherung alle
Alle oh- und Hilfsstoffe wie die metal-
nen das Produkt später beurteilt wird. n- Abteilungen einer Feingießerei einschließ-
lischen Einsatzstoffe, Modellwerkstoffe,
beschadet wirtschaftlicher Aspekte gilt da- lich ihrer Betriebsstruktur, die über ein be-
Formmassen, Bindemittel und Sande
nach für Hersteller und Verbraucher der triebliches ualitätsmanagementsystem
werden nach vorgegebenen Spezifikati-
Leitsatz: „Die ualität eines Erzeugnisses umgesetzt werden. Das ualitätssiche-
onen in der Eingangskontrolle überprüft
ist der Grad seiner Eignung, dem Verwen- rungssystem eines Betriebes wird in ei-
und erst nach Gutbefund für die Fertigung
dungszweck zu genügen.“ nem ualitätssicherungshandbuch be-
freigegeben. Besondere Bedeutung kommt
schrieben. Hierin legt der Hersteller offen,
m die gleichbleibend hohe ualität fein- dabei den Maßkontrollen der Modellwerk-
wie er produziert und prüft. Weiterhin wird
gegossener Bauteile in der Praxis zu si- zeuge sowie der Modelle und Kerne
darin erläutert, in welcher Form und mit
chern und für die Serie zu gewährleisten, zu. ualitätssichernde Maßnahmen gel-
welchen Kontrollen die ualitätssiche-
sind Merkmalkontrollen in allen Fertigungs- ten ferner für die Traubenmontage, die
rung die Produktion überwachend be-
stufen nach festgelegten ichtlinien erfor- Gießformherstellung, das Schmelzen und
gleitet.
derlich. Diese Merkmale müssen von der Gießen, das Trennen und Putzen sowie
Konstruktion des Bestellers über das Ange- Die ualitätssicherung beginnt bereits in die Wärmebehandlung der Feingussteile.
bot des Feingießers in enger Zusammen- der Angebotsphase, wenn die Liefervor-
arbeit mit dessen ualitätsstelle erarbeitet schriften festgelegt werden. Weitere Die Endkontrollen erfolgen nach verein-
und in Liefervorschriften festgelegt werden, Schritte sind die Eingangskontrollen, die barten Vorschriften und Prüfanweisungen
die über das ualitätsmanagementsystem Kontrollen während der Fertigung und am (Bild 27). Außer den Maßen werden auch
der Gießerei umgesetzt werden. Schluss die Ausgangskontrollen der fer- die Oberflächenbeschaffenheit der Fein-
gussteile, die chemische Zusammenset-
zung und die mechanischen Eigenschaf-
ten sowie andere vereinbarte Parameter
überprüft. Als zerstörungsfreie Werk-
stückkontrollen werden die öntgenprüfung
und die issprüfung (magnetisch und
nach dem Farbeindringverfahren) einge-
setzt.

2.3.2 Kontrollmaßnahmen
Feingießereien arbeiten nach ohteil-
zeichnungen oder CAD-Datensätzen, deren
lineare Toleranzen zwischen dem Besteller
und der Feingießerei vereinbart wurden. Die
erreichbaren Genauigkeiten sind von der
geometrischen Form, der Größe und vom
Bild 27: berblick über die bei Feingusserzeugnissen zu vereinbarenden rüfverfahren Werkstoff des Gussteiles abhängig.

12
a) b)

Bild 28: Bestimmung der Bezugs unkte für die a kontrolle bei Feingussteilen
a) Festlegen dreidimensionaler Bezugsebenen
b) Definieren von drei a bezugsflächen über sechs Bezugs- beziehungsweise Aufnahme unkte
In das ualitätssicherungssystem der stimmt, ist es notwendig, das Gussteil mit II. Ausgangskontrolle
Feingießerei sind systematische Maß- dreidimensionalen Bezugselementen zu
kontrollen während der gesamten Ferti- versehen. Sie werden mit den Buchsta- Zweck der Ausgangskontrolle ist, zu be-
gung eingebunden. Dabei hat die Maß- ben „A“, „B“ und „C“ gekennzeichnet (siehe urteilen, ob die Feingussteile den vor-
kontrolle nicht nur eine passive, über- Bild 28a). An diesen theoretischen Ebenen geschriebenen und vereinbarten Zeich-
wachende Funktion, sondern ist gleich- lassen sich natürlich keine Messungen nungstoleranzen entsprechen. An Erst-
zeitig auch aktives Stellglied in einem vornehmen. Ihnen werden daher Bezugs- mustern werden deshalb alle Maße kon-
egelkreis, um die Soll ualität zu sichern. punkte zugeordnet, die Ausgangs- oder trolliert. In der Serienfertigung hat sich
Aufnahmepunkte sowohl für das Messen herausgestellt, dass eine Kontrolle aller
Die Maßkontrolle mit ustier- und Prüf- als auch für das Bearbeiten sind. Dadurch Zeichnungsmaße wirtschaftlich nicht zu
einrichtungen, elektronischen Tastern und werden die gleichbleibende Lage der Teile vertreten ist. Erfahrungsgemäß ist es vor-
programmgesteuerten 3D-Messmaschi- teilhaft, nur Funktionsmaße zu prüfen, die
und die Wiederholbarkeit der Messung
nen und anderen technischen Einrich- vorher mit dem Besteller vereinbart wor-
gewährleistet. Diese Bezugs- oder Auf-
tungen erfolgt an den Werkzeugen für die den sind. blicherweise werden sie in der
nahmepunkte sind an zugänglichen
Modellherstellung, an den Modellen und
Stellen der Oberfläche vorzusehen und in Zeichnung vermerkt oder in einer sepa-
Kernen sowie an den bei Bedarf gerichte-
der Zeichnung zu vermerken. Sie sollten raten Prüf- und Kontrollanweisung fest-
ten und wärmebehandelten Gussteilen.
soweit auseinander liegen, wie es Größe geschrieben.
I. Maßkontrolle und Gestalt des Gussteiles zulassen.
m sicherzustellen, dass die Vermaßung Prüflehren vereinfachen das Messen und
Meist werden Aufnahmepunkte so ange-
von Zeichnungen in der Industrie überall erhöhen die Wirtschaftlichkeit. Bei ent-
ordnet, dass die Bezugsebene „A“ durch
gleich ist, müssen bei der Konstruktion sprechendem Kompliziertheitsgrad oder
drei Aufnahmepunkte, die Ebene „B“ durch
die Zeichnungsangaben detailliert aus- zwei Aufnahmepunkte und die Ebene „C“ nachfolgender NC-Bearbeitung ist stets
geführt werden. Hierunter ist zu verste- durch einen Aufnahmepunkt fixiert werden eine Lehre oder Messvorrichtung erfor-
hen, dass die Zeichnungen nicht nur die derlich, um Spannen und Bearbeiten zu
(siehe Bild 28b). In Sonderfällen, zum Bei-
„üblichen“ Maß- und Toleranzangaben beherrschen. Lehren dieser Art werden
spiel bei räumlich gekrümmten Flächen,
enthalten, sondern auch die Form- und meist vom Feingussbezieher zur Ver-
ist es erforderlich, dass sich Feinguss-
Lageabweichungen nach DIN IS 8062, fügung gestellt. Wird mit ihrer Herstellung
bezieher und Feingießer miteinander ab-
soweit diese für die Bearbeitung oder aus jedoch der Feingießer beauftragt, dann
stimmen. Während der Fertigung können
funktionellen Gründen von Bedeutung sind. müssen ihm die Prüfmaße und die Auf-
die Bezugspunkte nicht mehr geändert
Damit die spätere Bearbeitung mit den werden, ohne dass beide Seiten dem zu- nahme zur ersten Bearbeitung genannt
erforderlichen Maßkontrollen überein- stimmen. werden.

Bild 29: a endkontrolle an einem Gussteil mit einer ess- Bild 30: Blick in ein modernes Werkstofflabor einer Gie erei
maschine

13
2.3.3 Zerstörungsfreie Werkstoff- II. Oberflächenprüfung Besonders wichtig ist die Echodynamik,
prüfung Die agnet ulver rüfung, die Beurtei- das heißt das Wandern des Echos auf
lung der Anzeigen und die Einteilung in dem Bildschirm und seine gleichzeitige
Die zerstörungsfreien Prüfverfahren die- Höhenänderung beim Bewegen des Prüf-
nen dazu, die Beschaffenheit von Guss- Gütestufen sind in DIN EN 1369 beschrie-
ben. Das Verfahren ist auf ferromagneti- kopfs. Wenn hierdurch Hinweise auf riss-
teilen zu prüfen. Prüfverfahren für die äu- ähnliche, also gefährliche Fehler gegeben
ßere Beschaffenheit sind die Magnetpul- sche Stahlsorten beschränkt. Austeniti-
sche und teilaustenitische Stähle sind nur werden, müssen solche Anzeigen regis-
verprüfung (DIN EN 1369) und die Ein-
schwach magnetisierbar und daher nicht triert werden, auch wenn die Echohöhe
dringprüfung (DIN EN 1371 Teil 2).
mit diesem Verfahren prüfbar. Alle Magne- sehr gering ist.
Prüfverfahren für die innere Beschaffen-
heit sind die ltraschallprüfung (DIN EN tisierungsverfahren und Prüfmittelkombi-
nationen sind anwendbar. Bevorzugt wird Das Ausmessen der Anzeigenhöhe in
12680, Teile 1 und 2) und die Durch-
mit Selbstdurchflutung und nassen Prüf- seitlicher und Tiefenrichtung wird so be-
strahlungsprüfung (DIN EN 12681). In
einem Sonderdruck der ZGV 4 sind mitteln gearbeitet. Die Prüfoberfläche schrieben und festgelegt, dass die Wahr-
diese Verfahren ausführlich beschrieben. muss dabei sauber sein und eine be- scheinlichkeit, die wahre Fehlergröße zu
Spezielle Liefervorschriften für den Fein- stimmte Mindestbeschaffenheit haben, erfassen, sehr groß ist. Versuche haben
guss enthält das VDG-Merkblatt P 695 5 . die durch den kleinsten nachzuweisenden das bestätigt.
Fehler bestimmt wird.
Zur Beurteilung der Prüfergebnisse wer- Wichtig für eine einwandfreie ltraschall-
den Feingussteile aus Stahl in Gütestufen Die Farbeindring rüfung (Bild 31), die prüfung ist ferner ualifiziertes Prüfper-
mit unterschiedlichen Anforderungen an Beurteilung der Anzeigen und die Eintei- sonal und eine genaue Prüfanweisung,
die äußere und innere Beschaffenheit lung in Gütestufen sind in DIN EN 1371 be- die die Lage und Orientierung zu erwar-
eingeteilt. Die Oberflächenzone und das schrieben. Diese Norm ist bei allen Stahl- tender Fehler berücksichtigt. Aufgrund der
Innere eines Bauteils werden häufig un- gusssorten anwendbar, wird jedoch übli- Größe und komplizierten Geometrie findet
terschiedlich beansprucht. Deshalb sind cherweise nur bei austenitischem und auste- die ltraschallprüfung beim Feinguss sel-
die Gütestufen für äußere und innere Be- nitisch-ferritischem Stahlguss vorgesehen. ten Anwendung.
schaffenheit unabhängig voneinander Die DIN EN 1371, Teil 1 gilt für Sand-,
definiert, können also je nach Anforde- Schwerkraftkokillen- und Niederdruckko- Für die Durchstrahlungs rüfung, gilt
rung unterschiedlich gewählt werden. killen-Gussteile, die DIN EN 1371, Teil 2 DIN EN 12681. Die möglichen Aufnah-
für Feingussstücke. Die Ausblutungsgrö- meanordnungen, Strahlen uellen und de-
I. Visuelle Prüfung ßen werden neben der nterscheidung ren Anwendungsbereiche sind beschrie-
Die berflächenbeschaffenheit muss nach Gütestufen auch nach der Wand- ben. Nach den erforderlichen Prüfbedin-
zwischen Besteller und Hersteller verein- dicke der Bauteile unterschieden. gungen werden die Prüfklassen A und B
bart werden. Für die visuelle Beurteilung, unterschieden. Im Allgemeinen ist die
die sich auf Oberflächenfehler, zum Bei- III. Volumenprüfung Prüfklasse A ausreichend. Die Prüfklas-
spiel Poren, Schlackenstellen, Kaltschwei- se B gilt nur für Sonderfälle.
ßen, Schülpen, Keramikreste, aber auch Die ltraschall rüfung, die Beurteilung
auf nebenheiten und Grate bezieht, gibt der Anzeigen und die Einteilung der Güte-
stufen sind in DIN EN 12680 beschrieben. Die bei der Durchstrahlungsprüfung erhal-
es die Norm DIN EN 12454. Sie stützt
Teil 1 der Norm gilt bei Stahlgussteilen tenen Anzeigen sind auf der Grundlage
sich auf die BNIF- und SC ATA - icht-
für allgemeine Verwendung, Teil 2 enthält von ASTM-Bildreihen nach Güteklassen
reihen zur Bestimmung der Oberflächen-
verschärfte Anforderungen für hoch bean- (Level 1 bis 8) eingeteilt. Nichteisenmetal-
fehler. Diese ichtreihen enthalten Ober-
spruchte Bauteile, zum Beispiel für be- le werden auch nach den ASTM- icht-
flächenvergleichsmuster, mit denen die
stimmte Turbinenkomponenten. ber die reihen eingestuft.
Oberflächenfehler klassifiziert werden
können. Hierzu ist ein Sonderdruck bei ltraschallprüfung sind alle gusstypi-
der ZGV in Düsseldorf erhältlich 6 .Häufig schen Fehler auffindbar. Mit einem Nor- Die maßliche Bemusterung mit der Com-
wird jedoch Bezug genommen auf das malprüfkopf sind Fehler mit Volumen- utertomogra hie ist heute ein sich
VDG-Merkblatt P 690 7 , in dem unter ausdehnung bestimmbar, mit einem Win- ausbreitendes und gleichberechtigtes
anderem Kriterien für Oberflächen be- kelprüfkopf werden planare (rissartige) Verfahren zur taktilen Messtechnik für die
schrieben sind. Fehler bestimmt. zerstörungsfreie Bestimmung von kom-
plexen Innen- und Außenkonturen von
Gussteilen und damit auch gut für die
Feingussfertigung einsetzbar. Allerdings
ist dieses auch als Serienprüfung einsetz-
bare Verfahren mit hohen Aufwendungen
im Kostenbereich verbunden.

Die Verfahren zur Prüfung der inneren Be-


schaffenheit ergänzen sich gegenseitig.
Die Verfahren werden daher häufig mit-
einander kombiniert. Die ltraschallprü-
fung wird bevorzugt bei größeren Wand-
dicken, ferritischen Werkstoffen oder
in der Serienfertigung angewendet. Die
Durchstrahlungsprüfung wird entspre-
Bild 31: iss rüfung nach der Farbeindring- Bild 32: Halter für Navigationsgeräte aus EN
chend bei dünnwandigen Teilen, bei aus-
methode an einem Aluminium-Gehäuseteil AC-AlSi7 g0,3 wa (W.-Nr. EN AC-42100) mit ei- tenitischen und austenitisch-ferritischen
aus Feinguss ner minimalen Wanddicke von 1,5 mm, Abmes- Werkstoffen oder in Kombination mit der
sungen: 330 x 280 x 200 mm, Gewicht 840 g ltraschallprüfung angewendet.

14
2.4 Rapid Prototyping und -
Manufacturing im Feinguss
2.4.1 Grundlagen
Immer kürzer werdende Produktlebens-
zeiten und ständig zunehmender Wettbe-
werbs- und Innovationsdruck fordern
Verkürzungen und Einsparungen in den
Entwicklungs- und Produkteinführungs-
prozessen. Simultane Entwicklungs- und
Erprobungsschritte sind ein notwendiges
Erfordernis zur Erfüllung dieser Markt-
vorgaben. Vom Entwurf bis zur Erprobung
sind minimale Zeiträume zur Erstellung
der benötigten Bauteile vorgesehen, der
Trend geht - je nach Komplexität der je-
weiligen Projekte und der betreffenden
Branche - hin zu wenigen Wochen. Diese
Forderungen werden an alle für die ein-
zelne Konstruktion benötigten Werkstoffe
gestellt. Aus diesen Gründen ist es erfor- Bild 33: Entwicklung des a id rotot ing zum a id anufacturing
derlich, in kürzesten Zeitspannen unter
anderem alle Informationen über die geo- Dies ist besonders bei Neuprodukten der dieser Zeit ist eine Vielzahl von Prozess-
metrischen und technisch-physikalischen Fall, bei denen es am Anfang noch keine varianten entstanden, wovon sich einige
Anforderungen und Eigenschaften bereit- genauen Designvorstellungen gibt und zu technisch ausgereiften Prozessen eta-
zustellen und zu verarbeiten. sich das endgültige Design erst nach bliert haben. Ebenfalls sind auch verschie-
mehreren Testphasen herausstellt. Für dene Bezeichnungen entstanden, die für
Durch den Einsatz von apid-Prototy- die Industrie ist der Feinguss mit P-Mo- die unterschiedlichsten Prozessvarianten
ping-Verfahren ( P) in der Feingießerei dellen deshalb besonders dort interes- verwendet werden. Zur Abgrenzung all
ist es möglich, innerhalb kürzester Zeit sant, wo es um kleine Serien mit hoher dieser Prozesse und Bezeichnungen von
serienidentische Prototypen und Nullse- nderungsgeschwindigkeit und um Pro- anderen Gieß- und Herstellungsverfah-
rien herzustellen. Hierdurch wird die Ent- jekte mit hohen Entwicklungskosten geht. ren sollen die Bilder 33 und 34 dienen.
wicklungszeit bis zur Markteinführung Ein weiterer Vorteil ist, dass der Kom-
eines Produktes entscheidend verkürzt. plexität der Gussteile (Hinterschnitte, ke- Mit der im Sprachgebrauch der deutschen
Der Kunde ist nun in der Lage, sein Pro- ramische Kerne, Eingussteile aus Stahl) Feingussindustrie verwendeten Bezeich-
dukt als Erster zu vermarkten. Dies ist im nahezu keine Grenzen gesetzt sind. Dies nung „Feinguss“ ist gemeint, dass unter Ver-
Zeitalter sich ständig reduzierender Pro- macht das Verfahren für die Luft- und wendung von Wachsspritz- oder Wachs-
duktlebenszyklen ein entscheidender aumfahrt, die Medizintechnik, den enn- gießformen ausschmelzbare Modelle aus
Wettbewerbsvorteil. Durch den Verzicht sport und den Sondermaschinenbau be- speziellen Feingusswachsen hergestellt
auf Werkzeuge in der Entwicklungsphase sonders attraktiv 8 . werden. Diese werden zu Modelltrauben
werden die erhöhten Kosten von P- zusammengefügt und anschließend wie-
Gussteilen im Vergleich zu Serienguss- Das „ apid Prototyping“ hat seit 1990 eine derholt in keramische Schlicker getaucht
teilen bei weitem kompensiert. rasante Entwicklung hinter sich. Während und mit Keramiksanden bestreut. Die
Modelle werden thermisch durch Aus-
schmelzen entfernt, die gebrannten Form-
schalen in dem gewünschten Werkstoff
abgegossen.

In Abwandlung zu der vorgenannten Vorge-


hensweise wird diese Bezeichnung auch
für andere ausschmelzbare Modelle und
Formverfahren verwendet. Diese sind im
Glossar näher beschrieben. Allen Verfah-
rensvarianten ist aber gemein, dass sie
mit verlorenen Modellen und Formen ar-
beiten. Somit sollte der Kunde, falls er ein
besonderes Herstellverfahren wünscht,
dies auch explizit mit der Gießerei verein-
baren.

Die so genannten „ apid-Prototyping“-


Verfahren haben sich nun zu festen Pro-
zessrouten etabliert, mit denen Bauteile
produziert werden, die immer exakter die
vom Konstrukteur geforderten Eigenschaf-
ten aufweisen (Bild 33). Mit „ apid-
Prototyping“ ( schnelle Herstellung von
Bild 34: Die modell- und gusstechnischen rozessketten zum schnellen Herstellen von Prototypen) kann jede Art von Herstellungs-
Feingussteilen verfahren gemeint sein, das in kurzer Zeit

15
zu einem Bauteil führt. Besser kenn- - nterstützung von Entwicklungspro- lassen sich über verschiedene Prozess-
zeichnend für die hier besprochenen jekten durch schnelle Bereitstellung ketten herstellen. Die optimale und ge-
Prozessketten ist der Begriff „Solid Free- gebrauchs- und funktionsfähiger samtwirtschaftlich günstigste Herstel-
form Manufacturing(SFM)“ ( aufbauen- Feingussteile in der Entwicklung von lungsvariante wird vom geforderten Lie-
de Verfahren zu Herstellung von Bauteilen der Stückzahl 1 bis zur Vorserie für fertermin und ganz entscheidend vom
mit Freiformflächen), auch unter dem Be- Großserienabnehmer Anforderungsprofil beeinflusst, das an
griff „generierende“ Verfahren im Gegen- das Bauteil gestellt wird. In den Fallbei-
satz zu zerspanenden Verfahren bekannt. - Erste Bauteile können zunächst ohne spielen sind einzelne Beispiele genauer
Das „ apid Manufacturing“ und die hier- „gussgerechte“ Konstruktion herge- beschrieben.
auf aufsetzenden Verfahrensweisen „Indi- stellt werden, wichtig für Grundsatz-
vidual Manufacturing“ und „Flexible Manu- untersuchungen und Neuentwicklun- Die Gemeinsamkeit aller Prozessketten
facturing“ beziehen grundsätzlich alle Ver- gen ist, dass sie allesamt auf CAD-Daten-
fahrensweisen ein, die zu einsatzfähigen basen beruhen, was grundsätzlich repro-
- Die „gegossene Konstruktion“ kann duzierbare Bauteilmaße gewährleistet.
Bauteilen führen. Ausführliche Informati-
unabhängig vom späteren Serien- Die Gussteile können somit auch sehr
onen zu den Begriffen ualitätsbedin-
prozess gefertigt, getestet oder ein- schnell mittels eines 3D-Messsystems
gungen und Liefervereinbarungen sind in
der VDG- ichtlinie 3404 9 enthalten. gesetzt werden vermessen werden.

Der Wandel vom „ apid-Prototyping“, - Einsparung von Werkzeugkosten bei Grundsätzlich existieren zum einen die
dem oft der Makel des „provisorischen“ der Entwicklung neuer Teile durch Prozesse, bei denen die Modelle auf di-
anhaftete, ist vollzogen. Weiter noch wer- Nutzung preiswerter und schneller rektem Weg hergestellt werden. Die wirt-
den sich die SFM-Prozessketten zu noch Wege für Variantenuntersuchungen schaftlich sinnvolle Stückzahl ist auf Ein-
individuelleren und flexibleren Produk- - Herstellung von Musterteilen auch zelteile bis hin zu einigen 10 Stück be-
tionsrouten fortentwickeln. Bislang ist das für Druckgießer, Kokillengießer und schränkt, abhängig von deren Größe und
„ apid-Prototyping“ durch hohen Per- Sandgießer der geforderten Lieferzeit. Auf Grund der
sonaleinsatz gekennzeichnet. Das darin lagenförmigen Bauweise sind Einschrän-
befindliche, hohe ationalisierungspo- - Angebot von Feingussteilen auch bei kungen bezüglich der Oberflächengüte
tenzial wird mit steigendem Bedarf an Einzelteilen und Kleinserien und der Fertigungstoleranzen üblich, aber
derart hergestellten Bauteilen zunehmend mit erhöhtem manuellem Finishaufwand
ausgeschöpft. - Entwicklungsbegleitung bis zur Verifi- zu verbessern.
zierung und Serienfreigabe (Enginee-
Neben dem schnellen Herstellen von An- ring). Neben den für das Feingießen bekannten
schauungs-, Funktions- oder Handmus- Wachsmodellen können auch verschie-
tern in den frühen Phasen der Produktent- Die Anwendung von apid Prototyping denste thermoplastische Kunststoffe ver-
wicklung bietet das Feingießen als Folge- im Feinguss verändert nicht die Grund- wendet werden. Entscheidend für den
prozess auch die Möglichkeit, fast alle technologien des Feingießens, sondern Einsatz als Modellwerkstoff sind hierbei
technisch nutzbaren metallischen Werk- schafft neue Möglichkeiten, wesentlich das vollständige, rückstandslose Ver-
stoffe als apid-Prototyping-Werkstücke schneller zum Feingussteil zu kommen. brennen des Kunststoffes und seine mög-
mit nahezu vollständiger Funktionsfähig- Dies ist vor allem dadurch möglich, dass lichst geringe Ausdehnung während des
keit herzustellen. Die ursprüngliche Kon- in kürzester Zeit Ausschmelzmodelle be- Aufheizens der Keramik- beziehungswei-
struktionsidee wird überprüfbar hinsichtlich reitgestellt werden und dies eben ohne se Schalenform, damit diese nicht zerstört
Konstruktion, Funktionsfähigkeit und die Herstellung von Wachsspritzformen, wird.
Design. apid Prototyping im Feinguss worauf schnell abgießbare Formen ent-
stellt somit eine Ergänzung und Erweite- Für größere Stückzahlen und für Feinguss-
stehen.
rung der Anwendung von Feingussteilen teile mit höheren Anforderungen an die
dar, insbesondere bei der 2.4.2 Die Prozessvarianten Oberflächengüte werden die Modelle in-
direkt über Wachsspritz- oder Wachs-
e nach Entwicklungsstand eines Pro- gießformen hergestellt. Diese können aus
jektes werden vom Entwickler oder Kon- Kunststoff oder Metall erstellt werden.
strukteur Entwürfe beziehungsweise CAD- nter einem derartigen Vorserienwerk-
Daten bereitgestellt, die primär die Funk- zeug wird ein voll funktionsfähiges Fein-
tionalität des Bauteiles sicherstellen sol- gusswerkzeug verstanden, welches ein-
len. Die Daten reichen von prozessge- facher ausgelegt und damit kostengüns-
recht, das heißt form- und gießgerecht tiger und deutlich schneller herzustellen
konstruierten Bauteilen bis hin zu Geo- ist als ein Serienwerkzeug. Ein solches
metrien, die in einem späteren Serien- Werkzeug eignet sich für Vorserien mit
produktionsprozess völlig anders her- mittleren bis größeren Stückzahlen. Es
gestellt werden können. können schnell und kostengünstig nde-
rungen oder Teileoptimierungen bei nur
Neben durchgängigen CAD/CAE-Sys- geringem Preisunterschied zu Teilen aus
temen tragen die CNC-Techniken zum dem Serienwerkzeug durchgeführt wer-
raschen Erstellen von Prototypen und den. Die Oberfläche, Maßgenauigkeit und
Kleinserien bei. Mittlerweile haben sich Gussausführung entsprechen vollständig
auch die sogenannten SFM-Prozesse denen späterer Serienteile 7 .
(Solid-Freeform Modelling) zu durchgän-
gigen Prozessketten etabliert, mit denen Eine schnelle und preisgünstige Möglich-
Bild 35: Gehäuse für den Fahrzeugbau nach ualitativ hochwertige Bauteile hergestellt keit ist aber auch der Einsatz flexibler,
dem uick-Cast-Verfahren gefertigt aus der
Aluminiumlegierung EN AC-AlSi7 g0,3 (W.- werden können. Eine bersicht über die elastischer Siliconformen. Für die Silicon-
Nr. EN AC-42100), Gewicht 690 g, Gr tma gängigen modell- und gusstechnischen formenherstellung können neben zer-
etwa 150 mm (Bild: N , Neukirchen) Prozessketten gibt Bild 34. Feingussteile spanend hergestellten rmodellen insbe-

16
Bild 36: C CL NE -Automat zum Schlickertauchen, Besanden und Bild 37: Herstellung von Gussteilen nach dem om aktform-
Schnelltrocknen von Feingussformen (Bild: Technolog , Graf- verfahren, hier Form aus gi sgebundenem Formstoff (auch
schaft) bezeichnet mit Gi sfeinguss , Gi sguss, usw.) (Bild: S ace-
cast, Eschweiler)

sondere die „generativ“ hergestellten r- m den Vorteil der schnellen Modellher- Einsatz kam, jedoch mit modernen Form-
modelle Verwendung finden. Besonders stellung voll nutzen zu können, sind ne- stoffen. Die Form besteht bei der Herstel-
geeignet sind Modelle, die mittels Ste- ben den etablierten Strecken zur Form- lung von Gussteilen aus niedrig schmel-
reolithographie (SLA) unter Verwendung schalenfertigung auch noch weitere Mög- zenden Metallen meist aus gipsgebun-
flüssiger V-empfindlicher Harze herge- lichkeiten der Formherstellung im Ein- denem Formstoff, der auch als „Gipsfein-
stellt werden. Diese können relativ enge satz. guss“, Gipsguss“, usw. bezeichnet wird.
Toleranzen realisieren. Durch die an- Die Zeit von der Formherstellung bis zum
schließende Finishbearbeitung der Ober- Die eine beruht darauf, die Herstellzeiten Abguss beträgt wegen eines aufwändi-
fläche wird eine diesbezüglich ä uiva- im Vergleich zur klassischen Technologie gen Brennprozesses bis zu etwa 48 Stun-
lente ualität erzeugt, wie sie in festen der Formschalenherstellung drastisch zu den (Bild 37). Kleine Formen sind aber auch
Wachsspritzformen möglich ist. verkürzen. Dies wird erreicht, indem durch innerhalb eines Arbeitstages abgießfähig.
Die rmodelle werden gefinisht und eine thermisch geregelte Trocknung die
Häufig wird auch auf eine Kombination bei-
anschließend mit Silicon unter Vakuum erforderliche Trocknungszeit von etwa 24
der Verfahren zurückgegriffen, um zum Bei-
umgossen. Die Siliconform wird aufge- Stunden pro Schicht der Schale auf etwa
spiel sehr große oder Gussteile mit sehr
schnitten und das Modell entnommen. 30 bis 40 min reduziert wird. Damit kann
komplexen Innenkonturen herzustellen, wie
Danach können in einer Kunststoff-Va- die Zeit für das Herstellen einer Schale
bei dem im Bild 38 gezeigten Pelton-Tur-
kuumgießanlage Wachsteile auch mit von etwa 7 Arbeitstagen auf nur 4 bis 5 h
binenrades und im Bild 39 abgebildeten
komplizierterer Struktur relativ einfach verkürzt werden (Bild 36).
Druckwellenladers.
und preisgünstig hergestellt werden. Die
Siliconform ist verwendbar für die Her- Eine zweite Möglichkeit zur schnellen Die Lieferzeiten für derartig hergestellte
stellung von maximal 20 bis 30 Wachs- Formenherstellung nutzt die „alte“ Tech- Gussteile liegen in der Nähe der physika-
teilen. Danach kann es zu ualitäts- nologie der Kompaktformfertigung, wie sie lisch-technischen Produktionsgeschwin-
einbußen kommen, die durch thermische in den Anfängen des Feingusses bei der digkeit der jeweiligen Prozesskette, was
und chemische Belastungen des Silicons Herstellung von Dentalprothesen und besondere Anforderungen an alle Betei-
durch das heiße Wachs begründet sind. auch bei der Schmuckherstellung zum ligten stellt:

Bild 38: Formschale und Abguss eines elton-Turbinenrades (Bild: ES-Innocast und Edelstahlwerke Schmees, Langenfeld),
Bedarf vier Stück, Werkstoff: G 4CrNi13-4 (W-Nr. 1.4317), odellwerkstoff: Segmentiert aufgebaute ol st rolmodelle, Durchmesser 1 100 mm,
Gewicht der Formschale etwa 150 kg, Hinterfüllung mit Schamotteformstoff, Gussgewicht rund 830 kg. Vorteil gegenüber Sand- oder
eramikformverfahren: h here Genauigkeit, bessere berflächengüte und somit Eins arung von manueller Schleifbearbeitung (links)
Bild 39: ro ekt Druckwellenlader (Bild: ES-Innocast, Langenfeld),
Bedarf e zwei Stück, Abmessungen: 150 x 150 x 145 mm mit kom lexer Gussteil-Innengeometrie, Gewicht: 3 bis 4,5 kg, Werkstoff: G 40CrNiSi25-
20 (W-Nr. 1.4848), Leistungsumfang: Erstellung ol st rol-Ausschmelzmodelle, Abguss im om aktformverfahren, 3D- ess rotokoll,
mechanische Endbearbeitung, Durchlaufzeit: 15 Arbeitstage (10 Arbeitstage ohne mechanische Bearbeitung) (rechts)

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Bild 40: bersicht über das Anforderungs rofil an die Bild 41: Einige gängige Datenfiles und CAD- rogramme für die Gussteilent-
gie technisch herzustellenden Bauteile wicklung und -fertigung

- Maximales Engagement der Mitarbeiter, Segmente der Form oder Kerne zur wei- 2.4.4 Fallbeispiele
- Zeitnahes, straffes Projektmanagement, teren Verarbeitung bereitgestellt werden
können. Da sehr oft der Zeitfaktor entscheidend
- Flexible Fertigungsmöglichkeiten, für die gewählte Prozesskette ist, werden
- Hinreichende Fertigungskapazitäten, Die Kerne können in Wachsspritzformen zunehmend auch Aufträge gleicher
zur Darstellung der Innenkonturen ein- Bauteile über zwei verschiedene Pro-
- Prozessspezifisches Know-How,
gesetzt werden. Diese Verfahren werden zessketten abgewickelt. So stehen in
- Optimales Informationsmanagement. sicherlich in Zukunft weitere Möglich- kürzester Zeit erste Gussteile zur Ver-
Gegenüber einer konventionellen Serien- keiten zum schnellen und preisgünstigen fügung, die zum Beispiel zum Einrichten
fertigung wird folgenden Punkten beson- Herstellen von Gussteilen eröffnen. Ob- von Bearbeitungsanlagen, Funktionstests
wohl diese Prozesskette rein begrifflich usw. eingesetzt werden. e komplexer ein
dere Beachtung geschenkt:
nicht zum Feinguss gehört, ist es doch Bauteil ist, desto weiter verschiebt sich
- Sehr enge beziehungsweise keine erwähnenswert, da hiermit werkzeuglos die Grenzstückzahl hin zu größeren Los-
Zeitfenster für Vorversuche und Opti- Kerne für die Fertigung von Feinguss- größen, denn für jedes Gussteil muss ja
mierungszyklen, prototypen hergestellt werden können. zum Beispiel ein Ausschmelzmodell her-
- Der erste Guss muss wegen der straf- gestellt werden. Die Herstellung dieser
fen Zeitschiene sitzen, 2.4.3 Vorgehensweise Teile kann größenabhängig einige Stun-
den bis zu zwei Tagen dauern.
- Alle ualitätsansprüche müssen, wie e nach Anforderungsprofil, das an das
gefordert, auf Anhieb erfüllt sein: herzustellende Bauteil gestellt wird, er-
- druckdicht, glatte Oberfläche, scheinen die verschiedenen Prozess-
- Geometrie und Maße, ketten unterschiedlich sinnvoll. Daher
- Gefüge und Eigenschaften mit muss zum Zeitpunkt der Angebotserstel-
Prüfungen und Zeugnissen. lung der Kunde zusammen mit dem
Gießer dieses Anforderungsprofil genau
Eine Besonderheit unter den SFM-Ver- abstimmen. Im Bild 40 wird ein grober
fahren ist die Herstellung von Formen und berblick über die grundsätzlich notwen-
Kernen. Dies kann entweder über das digen Informationen zur Durchführung
selektive Lasersintern oder auch über das eines Projektes gegeben. Bei der Stück-
3D-Printen erfolgen. In beiden Fällen zahl ist zu berücksichtigen, ob eventuell
werden feingussspezifische, pulverför- später weitere Muster benötigt werden.
mige Formstoffe lagenweise so verfestigt, Hierbei spielt es eine besondere olle,
dass nach dem Entfernen des nicht ver- ob nach zum Beispiel Testläufen noch
festigten Pulvers die gewünschte Form, nderungen an dem jeweiligen Bauteil
erfolgen könnten.

Die aufgelisteten Punkte beinhalten selbst-


verständlich noch weitere nterpunkte, die
unter anderem in diversen Normen und
Merkblättern hinterlegt sind. Dies gilt ins-
besondere für die Genauigkeiten, Oberflä-
chengüten und die werkstoffbezogenen
Eigenschaften, auf die an anderer Stelle
ausführlich eingegangen wird.

Für die CAD-Datenbasis gilt, dass zur


raschen Herstellung mit SFM-Prozessen
nur reine 3D-Daten verwendet werden
Bild 43: it dem Thermo et-Verfahren aufge-
können. Die gebräuchlichsten Datenfiles bautes Ausschmelzmodell (oben) und das
Bild 42: Thermo et-Anlage zum schichtweisen
Aufbauen von Wachsmodellen für den Fein- und CAD-Programme für den Gussteil- damit gefertigte kom lizierte Feingussteil
guss ohne Wachss ritzform (Bild: Feinguss entwicklungs- und -fertigungsprozess sind aus Aluminium (unten) (Bild: Feinguss
Blank, iedlingen) im Bild 41 zusammengestellt. Blank, iedlingen)

18
In den Bildern 42 bis 48 sind einige
Fallbeispiele aufgeführt, die nur einen
Ausschnitt aus den vielfältigen Möglich-
keiten der SFM-Prozessketten darstellen.

Ausführlich wurde die Problematik apid-


Prototyping im Feinguss in 8 abgehan-
delt. Das Heft der Zeitschrift „konstruieren
giessen“ kann bei der Zentrale für Guss-
a) b) c) verwendung in Düsseldorf bezogen wer-
den.
Bild 44: Herstellung des Feingussteils Intermediate Case unter Nutzung des Selektiven
Lasersinterns (SLS) zur Herstellung des mehrteiligen Ausschmelzmodelles (Bild: Tital,
Bestwig)
a) om lett montiertes Wachsmodell aus SLS-Teilen
b) Ein odellsegment mit den dazu geh rigen keramischen ernen
c) Das fertige Feingussteil aus der Legierung EN AC-AlSi7 g0,6, (W-Nr. EN AC-42200)
Dmr. 900 x 360 mm, Gewicht: 80 kg

Bild 45: lleitblech,


a e: 470 x 210 mm,
Wanddicke 0,8 mm,
Gewicht: 0,15 kg,
Werkstoff EN AC-Al-
Si9 gwa (W-Nr. EN
AB-43300), om akt-
formguss, Stückzahl 2,
Lieferzeit 8 Arbeits-
tage (Bild: S acecast,
Eschweiler)
Bild 46: Lagergehäuse für einen Turbolader,
Stückzahl 10, Abmessungen: 86 x 78 x 80 mm,
Gewicht 700 g, Werkstoff EN-G L-250, SLS-
ol st rol-Ausschmelzmodelle, hergestellt
im om aktformverfahren. Besonderheit:
om lexe Gussteilinnenkontur mit ern-
durchmessern von 5 mm. Lieferzeit ein-
schlie lich Fertigbearbeitung 15 Arbeitstage
(Bild: ES-Innocast, Langenfeld)

Bild 47: rozessstufen zur Herstellung eines elektrisch ge-


steuerten Ventilgehäuses für W (Bild: C HE , Lübeck)
1: mehrteilige Siliconform, hergestellt nach dem C -Va-
kuumgie verfahren mit Hilfe eines odells, das mit dem -
Verfahren Stereolithogra hie (SLA) gefertigt wurde
2: das nach dem Selektiven Lasersintern (SLS) in dieser Form
gefertigte odell für den Vakuumguss ( berflächen gefinisht)
3: Wachsteil nach dem Vakuumgie verfahren hergestellt Bild 48 : Gussteile für fz-Türbeschlag ( rotot en für s ätere Zink-Druck-
4: Feingussteil aus Aluminium, hergestellt nach dem etal- gussserien), Besonderheit: Druckguss-Werkstoff: Z 410 (ZnAl4Cu1), rmo-
art-Casting( C)-Verfahren( om aktformguss) mit bis zu dell: Stereolithogra hie, Wachss ritzform: 2- om onenten-Silicon, Her-
1,25 mm Wanddicke stelldauer: 14 Arbeitstage, Stückzahl: 20 (Bild: S acecast, Eschweiler)

19
3. Werkstoffe für das 3.2 Werkstoffsorten
Feingießen Nach dem Feingießverfahren lässt sich
eine fast unübersehbare Vielfalt sowohl
3.1 Allgemeine Eigenschaften von Guss- als auch von Knetwerkstoffen,
in Normen und anderen ichtlinien ge-
Feingegossene Werkstoffe erstarren prak- nannt oder nicht genormt, verarbeiten.
tisch uasi-isotrop (ausgenommen einige Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit muss
gerichtet erstarrte Bauteile). Sie weisen aber eine Beschränkung erfolgen, zumal
damit nicht das zeilige, gerichtete Gefüge einerseits zahlreiche Werkstoffe ähnliche Bild 50: Einsatz von -Techniken in der
von Knetwerkstoffen mit unterschiedli- Eigenschaften aufweisen und mindestens Dentaltechnik zur Herstellung von individuell
chen Längs- und uerwerten auf, das gleichwertig durch einen einzigen auch über 3D-Datenmodell gestalteten ronen und
zum Beispiel durch Walzen, Schmieden wirtschaftlicher „ersetzt“ werden können. Brücken aus s eziellen k r ervertäglichen
oder Ziehen entsteht. Bei feingegossenen Legierungen im Feingie verfahren (Bild: En-
visiontec, arl)
Werkstoffen kann deshalb in allen drei Andererseits ermöglicht Feingießen oft
Dimensionen mit gleichen technologi- die kostenneutrale Verwendung eines 3.3 Wirtschaftlichkeit
schen Werten gerechnet werden. höherwertigeren Werkstoffs, womit eine
Optimale Werkstoffwahl, zweckmäßige
Da die jeweilige Wärmebehandlung vor- Vielzahl von Anwendungsfällen abge-
Wärmebehandlung und richtige Oberflä-
wiegend von der Art des Werkstoffs be- deckt werden kann. Entsprechend wer- chenbehandlung sind wesentliche Krite-
stimmt wird, werden feingegossene Werk- den nachfolgend zu den verschiedenen rien für die Wirtschaftlichkeit von Fein-
stoffe praktisch auf die gleiche Weise Werkstoffgruppen nur ausgewählte Sor- guss. Es ist deshalb wirtschaftlich vor-
wärmebehandelt wie Knetwerkstoffe glei- ten genannt. Es gelten die entsprechen- teilhaft, gängige Feingusswerkstoffe zu
cher chemischer Zusammensetzung. Da- den Werkstoffnormen und Mindestwerte, verwenden. Im Zweifelsfalle ist es ange-
bei ist die Neigung zum Verziehen bei die im Anhangsteil 1, Seite 46, zusammen- raten, den Feingießer zu befragen. Wenn
Feinguss nur gering, was Präzisionsar- gestellt sind. Die dort in den Tabellen irgend möglich, wird er artgleiche oder
beiten besonders erleichtert. angegebenen Daten sind Anhaltswerte, besser geeignete Werkstoffe aus der
weil ausschließlich der betreffende laufenden Fertigung vorschlagen.
An vielen Flächen ist wegen der hohen Feingießer verbindliche Werte nennen
Sauberkeit und Maßgenauigkeit eine spa- kann. Oft können, besonders für kleinere Teile,
nende Bearbeitung nicht mehr erforder- korrosionsbeständige Werkstoffe verwen-
lich. Eine Gusshaut im bekannten Sinne Das gilt auch dann, wenn in Normen oder det werden, um ein teures Oberflächenver-
entsteht bei Feinguss nicht. Dadurch er- sonstigen Vorschriften gewährleistete edeln bei niedrig- und unlegierten Werk-
geben sich saubere Oberflächen, die Mindestwerte genannt werden, denn die- stoffen einzusparen. Solche Teile bleiben
spanendes Bearbeiten nicht beeinträch- se beziehen sich üblicherweise auf ande- auch dann chemisch beständig, wenn ihre
tigen. Lediglich Titan-Basislegierungen re Formgebungsverfahren und sind aus Oberfläche beschädigt wird (Bild 50).
weisen eine härtere Oberfläche auf. Die metallurgischen Gründen nicht auf das
spanende Bearbeitbarkeit von Feinguss Häufig ist es möglich, mit nur einem Mo-
Feingießen einfach übertragbar. Wenn dellwerkzeug die gleichen Bauteile aus
entspricht derjenigen von Knetwerkstoffen nichts anderes vereinbart, gelten die Werte
gleicher chemischer Zusammensetzung verschiedenen Werkstoffen (auch aus
für den getrennt gegossenen Probestab. Legierungen auf unterschiedlicher Basis)
und Wärmebehandlung. Die Vor- und
Endbearbeitung sowie Montageleistun- zu beziehen. So kann zum Beispiel für
Werden für bestimmte Anwendungsfälle gleiche Armaturen- und Pumpenteile der
gen gehören heute auch zum Leistungs- andere Werkstoffe bindend vorgeschrie-
angebot der Feingießereien (Bild 49). Werkstoff optimal auf die Aggressivität
ben, so sind diese beim Feingießer anzu- des jeweiligen Mediums abgestimmt wer-
Für das Schweißen, Panzern und Löten fragen. Die verschiedenen Feingieße- den. Die problemlose Werkstoffumstel-
gilt das Gleiche. Die Feingussoberfläche reien stellen jeweils nicht alle der nach- lung ist aber auch dann von Vorteil, wenn
braucht vorher nicht bearbeitet zu werden. folgend genannten Werkstoffgruppen be- höhere Beanspruchungen auftreten als
Schweißfasern und Sitze für aufzulötende ziehungsweise Basislegierungen her. vorher bekannt oder vorhersehbar waren.
Teile werden deshalb vorteilhaft mitge- Hier ist ebenfalls eine Anfrage erforder- Dann kann fast immer ein besser geeig-
gossen. lich. neter Werkstoff gewählt werden.

Bild 49: 200 g leichtes aber hoch belastbares Feingussteil Fu raste für otor-Cross- rafträder aus G42Cr o4 (W.-Nr. 1.7227), welches
in der Gie erei nicht nur entwickelt und gefertigt, sondern auch montiert und aarweise samt Zubeh r als Bausatz (rechts) direkt zur
ontage zur Verfügung gestellt wird (Bild: Feinguss Blank, iedlingen)

20
3.4 Stähle für den Feinguss III. Vergütungsstähle sind nur spanend zu fertigen. Am Gussteil
ist deshalb ein kleines Aufmaß vorzu-
Für die feingegossenen Stähle gelten die Nur sachgemäßes Vergüten verleiht die- sehen (siehe Bearbeitungszugaben und
betreffenden DIN und DIN EN-Normen, sen Stählen die hohen Festigkeiten und Messerkanten, Seite 36).
die im Anhang Teil 1, S. 46, und den Zähigkeiten. Sie sind flamm-, induktions-
uellen 10 bis 12 aufgeführt sind. Zudem und tauchhärtbar. Die unlegierten Sorten Mit Ausnahme der rostträgen Sorten,
sind diese zusammenfassend in der sind Schalenhärter, die bis etwa 5 mm
G 165CrMoV12 (W.-Nr. 1.2601) und
Broschüre „Stahlguss“, die bei der ZGV in Tiefe einhärten. Bevorzugte Sorten sind
G 90CrCoMoV17 (W.-Nr. 1.4535) sind
Düsseldorf bezogen werden kann, aufge- hier der C45E (W-Nr. 1.1191) für Bautei-
diese Werkzeugstähle nicht korrosions-
führt und näher erläutert 10 . Im inter- le ohne besondere Anforderungen, der
C60E (W-Nr. 1.1221) für Bauteile mit beständig. Die unlegierten Sorten eignen
nationalen Geschäft kommen noch die sich für Bauteile und Werkzeuge mit
entsprechenden nationalen Normen zur höherer Festigkeit und guter Zähigkeit wie
in Büro-, Druck-, Schuh-, Textil- und einem guten Widerstand gegen Schlag,
Anwendung, die bei den betreffenden Nor-
Werkzeugmaschinen und die legierten Verschleiß und Druck, Handwerkzeuge
mengremien bezogen werden können,
Sorten G42CrMo4 (W-Nr. 1.7225) und und Körper von Verbundwerkzeugen. Die
die im Anhangteil aufgeführt sind. Im
G50CrV4 (W-Nr. 1.8159) für Bauteile mit legierten kommen als Messerstahl für
Nachfolgenden wird deshalb nur auf die
bestimmter Vergütungsfestigkeit bei guter Papier, Textilen und Kunststoffe sowie
Besonderheiten des Feingusseinsatzes
Zähigkeit, die bei Schnellverschlüssen zur Lebensmittelzerkleinerung zum Ein-
eingegangen.
von Waffen, Sicherheits-, Flugkörper und satz.
I. Einsatzstähle Zellenbauteilen zum Einsatz kommen. Ist
Feinguss eignet sich für alle Aufkohlungs- nach dem Gießen unerwünschtes and- VI. Verschleißbeständige Stähle
verfahren, wie dem Bad- oder Gasauf- entkohlen aufgetreten, wird dies durch
entsprechendes Wiederaufkohlen aus- Die hier genannten Legierungen können
kohlen. Legierte Einsatzstähle werden offen erschmolzen werden und erstarren
den unlegierten meist vorgezogen, weil geglichen.
naturhart. Ihr Gefüge ist durch Wärmebe-
sie besser zu gießen sind, bessere me-
IV. Hochfeste Stähle handeln nicht zu beeinflussen oder zu ver-
chanische Eigenschaften aufweisen und
ändern. Bei nur geringen Zähigkeitswer-
dennoch kaum mehr kosten als unlegier- Diese höchst- beziehungsweise hoch- ten weist diese Werkstoffgruppe eine
te. Bevorzugte Legierungen sind der festen Stähle sind gut bearbeitbar und
eihe günstiger Eigenschaften auf.
G16CrMo4 (W-Nr. 1.7242), der G15CrNi6 werden erst nach dem Fertigbearbeiten
(W-Nr. 1.5919) und der C18D (W-Nr. praktisch ohne Verzug ausgehärtet. Ihre
1.0416). Im einsatzgehärteten Zustand Sie sind als Stähle auf Cobalt-Basis Le-
Elastizitätsmoduln liegen weit über denen
werden diese Sorten für Bauteile hoher der Leichtmetalle. Auch ihr Streckgren- gierungen nicht magnetisierbar, hoch kor-
Oberflächenhärte und Verschleißfestig- zen/Gewichts-Verhältnis „Leistungsge- rosionsbeständig und hoch verschleißfest.
keit (Härtewerte von 59 bis 65 H C) wicht“ erreicht je nach Konstruktion oft Bemerkenswert ist die hohe Wärmehärte.
genutzt, die zum Beispiel als Schalt- Werte, die über denen der Leichtmetalle Sie beträgt beispielsweise bei 700 °C
klinken und -räder, Nocken, Druckstücke, liegen. Zu dieser Gruppe gehören die etwa 36 H C für G 250CoCrW48-33
Klemmplatten, Hebeln sowie Waffentei- Sorten G 2NiCoMo18-9-5 (W-Nr. 1.6358) (W.-Nr. 2.8897).
len zum Einsatz kommen. und G 2CrNiCoMo12-8-5 (W-Nr. 1.6980)
im ausscheidungsgehärteten Zustand. Co-Basislegierungen haben relativ nied-
II. Nitrierstähle rige Härtewerte, die ihre rsache in der
Da sich aluminiumlegierte Nitrierstähle of- Wegen der geringen Wanddicken, die im austenitischen Grundmasse haben. Die ho-
fen nur schlecht vergießen lassen, bietet Feinguss herstellbar sind, werden diese he Verschleißfestigkeit beruht auf der Kalt-
der Feingießer Cr-Mo-V-legierte Sorten hochfesten Stähle in erheblichem mfang verfestigung der Grundmasse und auf den
an. Sie sind auf hohe Festigkeiten zu ver- in der Luftfahrt eingesetzt. Außerdem bie- in ihr eingelagerten sehr harten Carbiden.
güten und nehmen bei geringstem Härte- ten sie Vorteile bei Präzisionsteilen für Dadurch haben sie eine höhere Ver-
verzug an der Oberfläche Härten von über höchstbeanspruchte Maschinen und schleißfestigkeit als gehärtete Werkzeug-
750 bzw. 900 HV an. Der G 38CrMoV5- Werkzeuge, besonders bei aummangel stähle. Co-Basis-Hartlegierungen sind
1(W-Nr. 1.2343) ist ein Warmarbeitsstahl und kommen bei schnell laufenden Ma- hartlötbar, jedoch ist Schweißen nicht zu
aus dieser Gruppe, der bevorzugt im schinen und Werkzeugen zum Einsatz. empfehlen. Wenn Feinbearbeiten erfor-
Feinguss zur Anwendung kommt. derlich sind, sollte oberhalb etwa 50 H C
m optimale technologische Werte zu er-
geschliffen oder erodiert werden.
reichen, werden beide genannten Werk-
stoffe im Vakuum erschmolzen und ver-
gossen.

V. Werkzeugstähle
Da bei Gussteilen kein ekristallisations-
glühen durchgeführt wird, ist bei feinge-
gossenen Werkzeugstählen die Wärme-
behandlung besonders sorgfältig vorzu-
nehmen. Beim Abkühlen in der Gießform
eventuell auftretende andentkohlung
wird durch entsprechendes Wiederauf-
kohlen mit anschließendem Diffusions-
glühen aufgehoben.

Bild 51: Getriebeteile für den Fahrzeugbau aus Scharfe, schneidende Kanten können we- Bild 52: Diverse feingegossene Werkzeugein-
der Stahlgusslegierung G16Cr o4 (W.-Nr. gen der Oberflächenspannung der flüs- sätze aus G51CrV4 (W.-Nr. 1.8159) (Bild: Bu-
1.7242) (Bild: Buderus, oers) sigen Metalle nicht gegossen werden, sie derus, oers)

21
Zum Einsatz kommen diese Legierungen Bevorzugt kommen im Feinguss die
für Blech-, Draht- und Fadenführungen, Sorten G 5CrNi19-10 (W-Nr. 1.4308) und
wo ihre hohe Verschleißfestigkeit gefor- G 5CrNiMoNb18-10 (W-Nr. 1.4581) im
dert ist. Bei Gleitringdichtungen in Säure- abgeschreckten Zustand zur Anwendung.
pumpen und Armaturen, Ventilteilen, Ver- Einsatz finden diese Feingussteile in
schleißbuchsen, Werkzeugen, Mess- und Pumpen, Zentrifugen, ührwerken, Ven-
medizinischen Geräten kommen die zu- tilen, Armaturen der chemischen, Textil-,
dem hohe Korrosionsbeständigkeit auf- Kunstseide-, Zellstoff- und Kaliindustrie
weisenden Sorten zur Anwendung. Der aber auch für Anlagen der Luft-, Stickstoff-
G 250CoCrW48-33 eignet sich des Wei- und Sauerstoffverflüssigung und für Teile
teren für Warmpressmatritzen. von Maschinen, die Lebensmittel, Geträn-
ke, Genussmittel, Gewürze und Arznei-
VII. Nichtrostende ferritisch-martensi- Bild 53: Wärmeabnehmer für limaanlage in mittel verarbeiten. Die Sorte G 12CrNi18-
Flugzeugen aus GNiCr19Nb oTi, Abmessun-
tische Stähle gen: 80 x 86 x 84 mm, Gewicht: 980 g (Bild: 11 (W-Nr. 1.3955) besticht durch ihre
Zwar werden die hier genannten Cr-Stäh- Zollern, Sigmaringen) magnetische Permeabilität von / 1,01.
le nach DIN EN 10283 als nichtrostend magnetisierbar. Das beeinträchtigt jedoch IX. Duplexstähle
aufgeführt, treffender ist aber die Bezeich- die Korrosionsbeständigkeit nicht, die, ein
nung „rostträge“. Aufgrund ihrer hohen Duplexstähle nach DIN EN 10283 haben
dichtes Gefüge vorausgesetzt, nur vom
Chromgehalte weisen sie gegenüber vie- ein austenitisch-ferritisches Zweiphasen-
Legierungstyp und der Oberflächenbe-
len Medien eine gute Korrosionsbestän- gefüge mit etwa gleichen Volumenantei-
handlung bestimmt wird. Die Schweiß-
digkeit auf, die unter der Voraussetzung len an Ferrit und Austenit. Aufgrund der
barkeit ist gut. Bei artgleichen Zusätzen
eines dichten Gefüges, mit der Werkstoff- Legierungselemente Cr, Ni und Mo ver-
ist jedoch der Stabilisator (Ti, Ta/Nb) zu fügen sie über hervorragende Korrosions-
härte und der Oberflächengüte, die durch beachten.
Beizen, Schleifen, Polieren erzielt wird, eigenschaften. Gegenüber den austeniti-
ansteigt, aber nicht die der austenitischen Titanstabilisierte und nichtstabilisierte schen Werkstoffen werden deutlich höhe-
Stähle erreicht. austenitische Stähle lassen sich gut Hoch- re Festigkeiten erzielt, die erhebliche
glanz polieren. Sie werden deshalb auch Vorteile bringen beim Einsatz in Medien
Die Chromstähle sind magnetisierbar und für sichtbare Armaturen an Lebensmittel mit Feststoffanteilen. Sie sind wie Auste-
temperaturbeständig.Sie widerstehen leich- verarbeitenden Maschinen verwendet. Bei nite nicht härt- oder vergütbar.
ten korrosiven Angriffen, zum Beispiel durch verschiedenartigem, nicht vorhersehba- Aufgrund der hohen Versprödungsnei-
Wasser, Feuchte, Dampf, oxidierende rem oder wechselndem chemischen gung ( Versprödungsbereiche bei 700 bis
Salzlösungen und schwache Säuren. Sie Angriff durch Säuren oder Laugen hat sich 900 und bei 400 bis 600 °C) sind diese
werden deshalb für Gussteile höherer die Sorte G 5CrNiMoNb18-10 (W-Nr. Werkstoffe einem Lösungsglühen bei
Festigkeit, die rostträge sein müssen, 1.4581) bewährt, so beispielsweise bei etwa 1 100 °C mit raschem Abschrecken
verwendet. Pumpen und Armaturen. in Wasser oder vergleichbaren Medien zu
unterziehen. Zum Erzielen einer höheren
Im Feinguss kommen bevorzugt die Sor- Wird außer hoher Korrosionsbeständig- Festigkeit sind absichtliche Versprödun-
ten G 22CrNi17 (W-Nr. 1.4059), G 9Cr- keit auch hohe Härte und/oder hohe Ver- gen um 500 °C möglich, die jedoch zu
Mo17-1 (Sonderwerkstoff) und G 4Cr- schleißfestigkeit gefordert (zum Beispiel einer deutlich geringeren Duktilität und
Ni13-4 (W.-Nr. 1.4317) im vergüteten Zu- an Sitzen von Ventilen oder Schiebern in schlechterer Korrosionsbeständigkeit füh-
stand zur Anwendung. Die Erstgenannte Armaturen), dann sind Hartlegierungen zu ren.
hat ihr bevorzugtes Anwendungsgebiet verwenden.
bei Teilen, die gegen Luftfeuchte, Dampf, Die am häufigsten zur Anwendung kom-
Wasser und häufiges Handhaben bestän- Bei sehr hoher dynamischer Beanspru- menden Werkstoffe, wie G 2CrNiMoN22-
dig sein sollen. Die zweite Legierung chung und daraus resultierender Kriech- 5-3 (W-Nr. 1.4470) oder G 2CrNIMoCu-
kommt vorzugsweise für optische, me- gefahr können die austenitischen Stähle N25-6-3-3 (W-Nr. 1.4517), sind in der DIN
dizinische und andere Messgeräte im nicht verwendet werden. Es sind dann die EN 10283 „Korrosionsbeständiger Stahl-
Temperaturbereich bis 500 °C zum Ein- im Vakuum erschmolzenen Ni- und Co- guss“ genormt. e nach Anforderungs-
satz. Weitere Anwendungsgebiete sind Basislegierungen einzusetzen. profil an die Korrosionseigenschaften
hitze- und verschleißbeständige Armatu- kann zwischen den Standard- und den
renteile sowie hochfeste korrosionsbe- Bauteile aus austenitischen Stählen sind Superduplex-Werkstoffen unterschieden
ständige und Salzwasser beständige gut dafür geeignet, mit solchen aus Al- werden.
Bauteile. Basislegierungen zusammengebaut zu
werden, weil wegen der geringen n- Die für das Korrosionsverhalten entschei-
VIII. Nichtrostende austenitische Stähle terschiede in den Spannungspotentialen denden Elemente werden in Form einer
praktisch keine galvanische Elementbil- Wirksumme („Pitting Corrosion esis-
Die austenitischen Stähle sind je nach Le-
dung auftritt. tance E uivalent - P E „), die einen Zu-
gierungstyp rost-, säure-, hitze- und/oder
zunderbeständig bis etwa 900 °C (Ver-
sprödungsbereich beachten ). Sie weisen
hohe Duktilitätswerte auf und sind kaltzäh
bis etwa -190 °C. Als austenitische Werk-
stoffe sind sie nicht härt- oder vergütbar
und nicht oder nur schwach magnetisier-
bar. Da sie kaltverfestigen, sind sie
schwieriger zu bearbeiten als andere
Stähle gleicher Festigkeit. In Partien, die
zum Beispiel durch Schnittkräfte, Druck,
Schlag oder Biegen kaltverfestigt werden, Bild 54: Verschluss latte für den Fahrzeugbau aus Stahlfeinguss der Sorte G 5CrNi19-10
wandelt das Gefüge um und wird schwach (W.-Nr. 1.4308), Gr tma etwa 160 mm, Gewicht: 300 g (Bild: N , Neukirchen)

22
3.5 Nickel- und Cobalt-Basis-
legierungen
I. Hochkorrosionsbeständige Legie-
rungen
In Fällen, in denen die Korrosionsbestän-
digkeit der austenitischen Stähle nicht
(mehr) ausreicht, werden Nickel- und Co-
balt-Basislegierungen verwendet, von
denen hier je ein Typ als Vorzugslegie-
rung für den Feinguss genannt ist: GNi-
Cr20Mo15 und GCoCr28Mo. Diese Werk-
stoffe haben ein austenitisches Grund- Bild 56: Feingussrohlinge Im lantate für die
gefüge, sind nichtmagnetisierbar und noch edizintechnik aus einer CoCr o-Legierung
etwas schwieriger zu bearbeiten als die gemä AST F75 (Bild: Buderus, oers)
Bild 55: Turbinenschaufeln für denAirbus A380
nach dem Vakuum-Differenzdruck-Verfahren austenitischen Stähle. m Werkstoffe 2.4670) und die GNiCr16Co8AlTi (Son-
gefertigt (Bild: 1zu1 rotot en, Dormbirn) dieser Art optimal auszuwählen, ist es derwerkstoff). Verbindliche Zeitstandwerte
erforderlich, dass sich Feingussbezieher nennt der Feingießer, mit dem auch vor-
sammenhang zwischen der Lochfraßbe- und Feingießer detailliert abstimmen. her die Abnahmebedingungen zu verein-
ständigkeit und der ehemaligen Zusam- baren sind.
mensetzung herstellt, zusammengefasst. Die Cobaltlegierungen haben ihr Haupt-
anwendungsgebiet in der medizinischen edoch auch bei niedrigen Betriebstem-
P E Cr 3,3Mo 16N (1) Implantattechnik (Bild 56). Sie kommen peraturen empfehlen sich diese Legie-
wegen ihrer guten Körperverträglichkeit rungen für dynamisch und statisch hoch
(Massenanteile von Cr, Mo und N in ) bei Hüft- und Kniegelenkimplantaten so- belastete, korrosionsbeständige Maschi-
wie bei metallischem Zahnersatz (Dental- nen- und Geräteteile, an deren Kriechfes-
X. Hitze- und zunderbeständige Stähle
guss) zum Einsatz. tigkeit hohe Anforderungen gestellt wer-
Bei Temperaturen über 500 bis 600 °C den. Die hochwarmfesten Legierungen
sind hitzebeständige Stähle erforderlich. II. Hochwarmfeste offen erschmolzene
bieten somit auch für „normale“ Betriebs-
Sie sind, bedingt durch ihre hohen Chrom- Legierungen (Co-Basislegierungen)
temperaturen die Voraussetzung, Bautei-
gehalte, je nach Legierungszusammen- Die offen erschmolzenen hochwarmfes- le kleiner, mit geringeren Wanddicken und
setzung, beständig gegen verzundernde ten Werkstoffe sind gegen heiße Medien damit leichter, also wirtschaftlicher, zu
Gase. Es kommen sowohl ferritische als (Dämpfe, Gase) beständig. Werte für die konstruieren und zu bauen.
auch austenitische Stähle zum Einsatz. Zeitdehngrenze und Zeitstandfestigkeit
Bei allen austenitischen Stählen ist zu be- werden auf Anfrage vom jeweiligen Fein- Für stengel- und monokristallin erstarrte
achten, dass sie in bestimmten Tempe- gießer genannt. Wegen ihrer guten Kriech- Feingussteile sind besondere, in der Ta-
raturbereichen verspröden (können) und festigkeit können sie auch für statisch und belle nicht aufgeführte Legierungen er-
bei entsprechend hoher Beanspruchung dynamisch hochbeanspruchte Bauteile forderlich. Ein solcher Bedarf ist mit dem-
nicht kriechfest sind. bei niedrigen Betriebstemperaturen Ver- jenigen Feingießer zu besprechen, der
wendung finden. darauf eingerichtet ist, diese Legierungen
bliche Feingusslegierungen dieser zu schmelzen, zu gießen und gerichtet
Werkstoffsorte sind der G 40CrSi13 Neben den unter 3.4 beschriebenen Stahl- erstarren zu lassen.
(W.Nr. 1.4729) und der G 40CrNiSi25-20 sorten kommen für Turbolader- und Gas-
(W-Nr. 1.4848), die für fenteile, Apparate turbinenteile die Co-Basislegierung GCo- 3.6 Gusseisen
und stationäre Gasmotoren sowie Ver- Cr25NiW und die spezielle Leitschaufel-
brennungsmotoren Einsatz finden. Gusseisen gehört nicht zu den meist ge-
und -ringelegierung GCoCr-20Ni20W (W-
Nr. 2.4989) zum Einsatz (Bild 55). nutzten Feingusswerkstoffen. Die Ver-
XI. Hochwarmfeste offen erschmolzene wendung ist aber prinzipiell möglich. Guss-
Stähle III. Hochwarmfeste vakuumerschmolzene eisen mit Lamellengraphit (alt: GG, neu:
Die offen erschmolzenen hochwarmfes- Legierungen (Ni-Basislegierungen) G L) wird verwendet, wenn gute Gleit-
ten Werkstoffe sind gegen heiße Medien Die große dynamische Belastbarkeit bei und Notlaufeigenschaften oder ein hohes
(Dämpfe, Gase) beständig. Werte für die hohen Temperaturen wird bei diesen Ni- Dämpfungsvermögen gegenüber Schwin-
Zeitdehngrenze und Zeitstandfestigkeit ckel-Basislegierungen durch Ausschei- gungen gefordert werden. Bevorzugt wird
werden auf Anfrage vom jeweiligen Fein- dungshärten erreicht. Die Metalle, die dies hier die Legierung EN-G L-250 (W-Nr.
gießer genannt. Wegen ihrer guten Kriech- über intermetallische Verbindungen be- EN- L1040) genutzt. Wird zusätzlich zu
festigkeit können sie auch für statisch und wirken, sind Aluminium und Titan. Wegen den genannten, typischen Eigenschaften
dynamisch hochbeanspruchte Bauteile bei der Affinität zu Sauerstoff muss unter von unlegiertem Gusseisen auch Korro-
niedrigen Betriebstemperaturen Verwen- Luftabschluss geschmolzen und gegossen sionsbeständigkeit gefordert, so kommt
dung finden. werden, also unter Vakuum oder Schutz- das austenitische Gusseisen G LA-
gas. Als Austenite sind die hochwarmfes- NiCu-Cr15-6-2 (W-Nr. EN- l3011) zum
Bevorzugte Stahlgusslegierungen sind Einsatz. Es ist nicht magnetisierbar und
ten Legierungen kaltverfestigend und dem-
der G 20CrCoMo12-21 (W.-Nr. 1.4912) hat eine hohe Wärmeausdehnung.
entsprechend schwierig zu bearbeiten.
und der G 15CrNiCo21-20-20 (W-Nr.
1.4957), die für Turbinenbauteile, Bren- Diese Legierungen sind ursprünglich für Aus Gusseisen mit Kugelgraphit (alt GGG,
nereinsätze, Vorkammern, Strebenhal- Gasturbinenschaufeln in Flugtriebwerken neu: G S) werden solche Bauteile fein-
tern, Leitschaufeln und Nachverbren- entwickelt worden. Inzwischen werden sie gegossen, an die neben Gleit-, Notlauf-
nungsteile zum Einsatz kommen. Für auch für otoren von Abgas-Turboladern und/oder Dämpfungseigenschaften au-
Turbolader- und Gasturbinenteile sowie und Schaufeln von stationären und be- ßerdem höhere Anforderungen an die
Leitschaufeln werden hier auch spezielle weglichen Frischgas-Turbinen verwendet. Zähigkeit und Festigkeit gestellt werden.
Co-Legierungen (siehe Kapitel 3.5) ein- Bevorzugte Feingusslegierungen dieser Eine hier eingesetzte Legierung ist die
gesetzt. Gruppe sind die GNiCr12Al6MoNb (W-Nr. EN-G S-400-15 (W-Nr. EN- S1030).

23
3.7 Aluminium-Basislegie- 3.8 Titan und Titan-Basisle-
rungen gierungen
Wegen seiner geringen Dichte und der
guten mechanischen Eigenschaften wird Titanlegierungen wurden 1954 erstmalig
Aluminiumfeinguss vor allem in der Elek- in den SA im Feinguss vergossen. Titan
tro- und Elektronikindustrie eingesetzt. als reaktives Metall mit hoher Schmelz-
Das Gleiche gilt für Flugzeugbau und für temperatur kann nur unter Luftabschluss,
Geräte, die aus Handhabungsgründen also im Vakuum, erschmolzen und ver-
leicht sein müssen 13, 14 . gossen werden. Die Wärmebehandlung
und auch ein eventuelles Schweißen er-
Im Vergleich zum Druckguss zeichnet sich
Bild 57: Gehäuse für einen Flugk r er, Abmes- folgen unter Schutzgas. Die hohe eakti-
Feinguss durch ein dichteres Gefüge, die sungen: 900 x 600 x 400 mm, mit einem aus
definierten elektrischen und thermischen vität des Titans erfordert ein Schmelzen
mehreren Einzelteilen aufgebautem SLS- o- nach der Skull-Melting-Technik im Vaku-
Leitwerte sowie relativ niedrige Werk- dell aus der Legierung EN AC-AlSi7 g0,6 (W.-
zeugkosten aus. Hinzu kommt, dass Fein- umlichtbogenofen. Wegen der für Titan
Nr. EN AC-42200) nach dem HE remium-
guss praktisch keine Aushebeschrägen Casting gefertigt (Bild: Tital, Bestwig) üblichen eaktionszone, die durch Beizen
erfordert und wesentlich kompliziertere entfernt werden muss, lassen sich die für
Konstruktionen ermöglicht. Wenn Druck- dern genormte Hüttenlegierung mit sehr Feinguss üblichen Wandstärketoleranzen
gießen und Feingießen für ein bestimmtes guten Gieß- und Korrosionseigenschaf- wegen der Notwendigkeit des Beizens
Teil in Frage kommen, lohnt sich aus die- ten. Sie ist druckdicht, unempfindlich ge- schwierig erreichen. Es kann bei den Maß-
sen Gründen eine Vergleichskalkulation gen Spannungsrisskorrosion, seewasser- toleranzen praktisch nur der Genauig-
mit Blick auf die Werkzeugkosten dann, beständig, anodisch oxidierbar und lässt keitsgrad T1 nach VDG- erkblatt 690
wenn es sich um relativ kleine Stückzah- sich sehr gut schweißen und gut polieren. 7 angewendet werden.
len handelt. Zwar kann wegen der sons- Produkte aus dieser Legierung werden
tigen Einflussgrößen keine feste Grenz- farblos oder farbig und für technische Titan und seine Legierungen sind weit-
kostenstückzahl angegeben werden, aber Zwecke auch schwarz anodisiert geliefert. gehend beständig gegen freie Chlorionen,
bis etwa 1000 Stück wird meist Feingie- Sie findet Einsatz bei Teilen für die Elek- oxidierende und reduzierende Säuren so-
ßen wirtschaftlicher sein. tro- und Elektronikindustrie sowie im Flug- wie unempfindlich gegenüber Lochfraß,
Nicht nur die Druckgießform, auch die da- körper- und Zellenbau. um nur einige Beispiele zu nennen. Da-
ran eventuell notwendigen nderungen Die EN AC-AlCu4MgTi (W.-Nr. EN AC- raus ergeben sich zahlreiche Anwendun-
sind sehr aufwändig. Daher hat es sich 21000) kommt sowohl kalt- als auch gen unter anderem in der chemischen und
bewährt, für geplante Druckgussgroßse- warmausgelagert zum Einsatz, wenn an der Lebensmittel verarbeitenden Indus-
rien die Vor- und Versuchsserien fein- die gefertigten Teile höhere Ansprüche trie, aber auch für Implantate in der Hu-
zugießen. Wenn die mit den Feinguss- gestellt werden. Die EN AC-AlMg3(a) (W.- manmedizin.
teilen durchgeführten Testreihen abge- Nr. EN AC-51100) zeichnet sich bereits
schlossen sind, kann nahezu risikolos auf im Gusszustand durch eine sehr gute Die günstige spezifische Festigkeit wird
Druckgießen übergegangen werden. besonders bei Bauteilen für die Luft- und
Korrosionsbeständigkeit gegen Meer-
wasser, schwach alkalische Medien und aumfahrt sowie enn- und Sportwagen
m galvanische Elementbildung zu ver- umfangreich genutzt. Titan ist je nach Le-
meiden, werden Bauteile aus Al-Basis- Witterungseinflüsse aus.
gierungstyp bis maximal 550 °C einsetz-
legierungen vorteilhaft mit solchen aus bar. Gleich den austenitischen Werkstof-
Wenn es auf weitere Gewichtsredzierung
austenitischen Stählen und austeniti- fen verfestigt Titan kalt, was beim Bearbei-
ankommt, kann auch Magnesium feinge-
schen Legierungen zusammenmontiert. ten zu berücksichtigen ist.
gossen werden. Allerdings ist hier aus
Die EN AC-AlSi7Mg0,6 (W.-Nr. EN AC- Wirtschaftlichkeitsgründen, wegen der
42200) im warmausgelagerten Zustand ist aufwändigeren Fertigungstechnologie Alle Gussteile werden aus kommerziellen
die Standardlegierung für Feingussteile, und schlechteren Gießbarkeit, zu prüfen, Halbzeuglegierungen hergestellt. bliche
die gut gieß- und schweißbar ist. Diese ob nicht, wie in den meisten Fällen, eine Legierungen im Feinguss sind die G-Ti2
Legierung ist eine in vielen Industrielän- Al-Basislegierung günstiger ist. (W.-Nr. 3.7031) , GTi3 (W-Nr. 3.705) und

Bilder AL

Bild 58: Feingussteil Housing für Fluggeräte aus dem Werkstoff EN AC-AlSi7 g0,6 wa (W.-Nr. EN AC-42200) nach dem S HIA-Verfahren
gefertigt, Abmessungen: Dmr. 410 x 200 mm, Gewicht: 7400 g (links)
Bild 59: Elektronikgehäuse für die Luftfahrt aus dem Werkstoff EN AC-AlSi7 g0,6 wa (W.-Nr. EN AC-42200), Abmessungen: 600 x 250 x
165 mm, Gewicht: 3200 g ( itte)
Bild 60: um engehäuse für Triebwerk aus dem Werkstoff EN AC-AlSi5Cu1 wa (W.-Nr. EN AC-45300) nach dem S HIA-Verfahren gefertigt
(rechts) (Alle Bilder: Zollern, Soest)

24
die G-TiAl6V4 (W.-Nr. 3.7165), die die
größte wirtschaftliche Bedeutung hat. Bei
höheren Einsatztemperaturen kommt zu-
nehmend auch die Legierung G-TiAl-
6Sn2Zr4Mo2Si (W.-Nr. 3.7145) nach DIN
17865 zur Anwendung. Die in den Guss-
teilen erzielten Eigenschaften liegen auf ei-
nem dem Halbzeug vergleichbaren Niveau.

Die hohe Festigkeit des Titans gegen-


über Aluminium und der geringe E-Modul
gegenüber Stahl machen ein ichten der
gegossenen Teile schwierig. Mit spezi-
Bild 61: Fingergelenk-Im lantate für die
ellen Lehren aus Stählen mit ausgewähl-
edizintechnik aus k r ervertäglichem
ten Ausdehnungskoeffizienten kann aber Titanfeinguss (N , Neukirchen)
bei der Wärmebehandlung das Gussteil
durch Kriechen auf Maß gebracht werden. Bild 62: Strator aus Titanfeinguss für Flug-
zeugturbine mit angegossenen robestü-
TiAl-Titanaluminide cken und 2 mm dicken Schaufeln, Werkstoff:
GTiAl6V4 (W.-Nr. 3.7264), Dmr. 570 mm, Ge-
Ti-Al-Legierungen (TiAl) sind ein High- wicht: 18 500 g (Bild: Tital, Bestwig) (oben)
Tech-Werkstoff für Hochtemperaturan-
wendungen. Die TiAl-Aluminide bilden
eine Familie von intermetallischen Werk-
stoffen, welche durch eine niedrige Dich- Bild 63: S iralgehäuse für eine Flugturbine
te, gute Hochtemperatureigenschaften, aus GTiAl6V4 (W.-Nr. 3.7264) nach dem
einen guten Korrosionswiderstand und uick-Cast-Verfahren gefertigt, Dmr. 450 mm
(Bild: Tital, Bestwig) (links)
hervorragende Kriecheigenschaften ge-
kennzeichnet sind (Tabellen 2 und 3).
Damit besitzen sie ein großes Potential den. Legierungen der letzten Generation raturen und die charakteristische eakti-
zur Anwendung in Bereichen, die bisher zeigen sehr attraktive Eigenschaften für vität von TiAl erfordern jedoch speziell
von Nickelbasis-Superlegierungen domi- die Herstellung von Turbinenschaufeln angepasste Schmelzprozesse und che-
niert wurden. (Bild 64) oder Turboladerrädern (Bild 65). misch und thermisch stabile Keramik-
Durch eine starke Gewichtsreduktion von formschalen.
Limitierungen des Werkstoffeinsatzes auf bis zu 50 steigen die Ansprechzeiten
Grund der niedrigen Duktilität bei aum- von beweglichen Komponenten, wodurch Titanfeingießereien sind darauf einge-
temperatur wurden bereits durch die Ent- Leistung und Energieeffizienz deutlich richtet, auch Zirkonium und dessen Le-
wicklung neuer Legierungen überwun- verbessert werden. Hohe Schmelztempe- gierungen zu vergießen.

Tabelle 2: Dichte und Schmelztem eratur der technisch ange-


wandten TiAl-Aluminiden

Legierung Chemische Dichte Li uidus- Erfinder


Zusammensetzung tem eratur
g cm C

TNB-V2 Ti-45Al-10Nb-0.2B 4,2 1550 GKSS


TNB-V5 Ti-45Al-5Nb-0.2C-0.2B 4,0 1530 GKSS
GE48-2-2 Ti-48Al-2Cr-2N 3,9 1500 - 1520 GE
1
GKSS - Forschungszentrum Geesthacht GmbH Bild 64: Turbinenschaufel aus TiAl-Aluminiden (Bild: ACCESS, Aachen)
2
GE - General Electrics

Tabelle 3: Die wichtigen mechanischen Eigenschaften der TiAl-


Aluminiden
echanische Eigenschaften TNB-V2 TNB-V5 GE48-2-2
Streckgrenze bei T MPa 1050 600 310-385
Streckgrenze bei HT MPa 800 570 335
(800°C) (700°C) (760°C)
Festigkeit bei T MPa 1080 780 410-445
Festigkeit bei HT MPa 830 740 475
(800°C) (700°C) (760°C)
Dehnung bei T 1,0 0,5 0,6
Dehnung bei HT 5,0 1,75 5,1
(800°C) (700°C) (760°C)
Kriecheigenschaften s-1 6,00E-09 8,13E-10 5,50E-08
T:800°C, T:700°C, T:760°C,
p:250MPa p:300MPa p:138MPa
T - aumtemperatur
HT - Hochtemperatur Bild 65: Turbinenlaufräder aus TiAl-Aluminiden (Bild: ACCESS, Aachen)

25
3.9 Kupfer- und Cu-Basis-
Legierungen
Kupferlegierungen zeigen je nach Zusam-
mensetzung unterschiedliche Eigen-
schaften. In Verbindung mit Aluminium
und Eisen entsteht ein Werkstoff, der eine
hochfeste Korrosionsbeständigkeit ge-
genüber Meerwasser zeigt. Typische Ein-
satzgebiete sind Pumpenteile, Schiffs-
propeller, Ventilgehäuse, Heißdampfarma-
turen, Hydraulikteile, wassergekühlte Aus-
puffteile, Schiffsanbauten, Knetarme für
die chemische Industrie, Wärmetauscher,
sowie Gleit- und Druckstücke. Diese Le-
gierungen besitzen auch gute Abrieb- und
Verschleißfestigkeit, weiterhin sind sie nicht-
magnetisch. Feingussteile aus Kupfer Bild 67: Schaufelrad für den Landmaschinen-
und Kupfer-Basislegierungen werden zu- bau aus G-CuZn15Si4-C (W.-Nr. CC761S), Ab-
dem bevorzugt von der Elektro- und Elek- messungen: Dmr. 170 x 30 mm, Gewicht 410 g
tronikindustrie verwendet, die bestrebt (oben links)
sind, immer kleiner und leichter zu bau-
en. Im Feinguss kommt vor allem die Kup- Bild 68: Schaltfinger für Elektronik aus G-
fer-Aluminium-Legierung CuAl10Fe5Ni5- CuZn34Al2-C (W.-Nr. CC764S), Abmessun-
C (W-Nr. CC333G) (entspricht der DIN- gen 50 x 40 x 20 mm, Gewicht. 43 g (oben
Sorte CuAl10Ni) zum Einsatz. rechts)

Kupfer-Zinn-Legierungen zeichnen sich


durch hohe Dehnungseigenschaften, Kor- Bild 69: Führungsstück für den Fahrzeugbau
rosions- und Meerwasserbeständigkeit, aus G-CuZn35Al1 (W.-Nr. CC765S); Abmes-
sowie gute Kavitationsbeständigkeit aus. sungen. 90 x 60 x 40 mm, Gewicht: 250 g
(unten rechts) (Alle Bilder: ZGV)
Weiterhin besitzen sie gute Gleit- und
Dämpfungseigenschaften. Die CuSn10-C
3.10 Nachdichten II. Heißisostatisches Pressen
(W-Nr. CC480K) und CuSn12-C (W-Nr.
CC483K) sind hier bevorzugte Feingussle- Beim HIP-Verfahren („Hippen“) werden
gierungen. Die günstigen technologischen Wird in besonderen Fällen eine Steige- die zu behandelnden Feingussstücke in
Eigenschaften werden ferner für Textil- rung der Gefügedichtheit gefordert, so einem Autoklaven unter Schutzgas (Ar-
maschinen- und Armaturenteile genutzt. können die Werkstücke imprägniert oder gon) hohen Drücken und Temperaturen
heißisostatisch gepresst werden. ausgesetzt, zum Beispiel bei Stählen und
Cu-Zink-Basislegierungen sind wegen Ni-Basis-Legierungen bis 1500 bar und
ihrer guten Gleiteigenschaften und ihrer über 900 °C. Dabei werden die Poren
Korrosionsbeständigkeit außerdem für I. Imprägnieren
durch Fließen des Werkstoffs im Mikro-
Teile geeignet, die reibendem Verschleiß Hierbei erfolgt das Abdichten von Poro- bereich unter gleichzeitigem „Verschwei-
und/oder chemischem Angriff zum Bei- sitäten durch Tränken der Gussteile mit ßen“ der Porenwände geschlossen. Das
spiel durch Meerwasser ausgesetzt sind. zum Beispiel flüssigen Kunststoffen oder HIP-Verfahren kommt bei eingeschlosse-
So wird die Sorte CuZn16Si4-C (W-Nr. Mitteln auf Wasserglasbasis. Das Impräg- nen Poren zur Anwendung. Grundsätzlich
CC761S) beispielsweise für Kompassteile nieren erfolgt nach der Vakuum/Druck- ist das Verfahren für alle Feingusswerk-
verwendet, bei denen es auf völlige Nicht- methode, die ein optimales Infiltrieren des stoffe einsetzbar. Das Hippen erfordert
magnetisierbarkeit ankommt. Abdichtmittels sichert. Die Druckver- eine nachfolgende Wärmebehandlung,
dichtung durch Imprägnieren kommt bei weshalb die Wärmebehandlung des
Kupfer-Zink-Legierungen zeichnen sich
offenen Oberflächenfehlern zur Anwen- Gussteils generell nach diesem Prozess
durch eine besonders gute Gießbarkeit für
dünnwandige Teile aus, sie besitzen eben- dung. erfolgen sollte.
falls gute Korrosionseigenschaften. Typi-
sche Anwendungsgebiete sind kompli-
zierte Armaturen mit geringen Wanddicken. Informationsmaterial der Zentrale für Gussverwendung
unter e-mail:zgv@bdguss.de und Tel. (02 11) 6871-223
Die Vielfalt der Gusswerkstoffe mit ihren unterschiedlichen Eigenschafts-
profilen ist groß. Erst die richtige Werkstoff- und Verfahrensauswahl und eine
gieß- und anwendungsgerechte Gussteilkonstruktion ermöglichen es, die
Vorteile eines Gussteils voll auszuschöpfen. Die ZGV-Zentrale für Gussver-
wendung hat für die wichtigsten Fragen und Problemstellungen bei der

Werkstoffauswahl, Gusskonstruktion und Gussanwendung


Sonderdrucke und Werkstoffmonographien, die auf Anfrage zur Klärung
bestehender Fragen zu diesen Themen zur Verfügung gestellt werden:
Bild 66: Gehäuse mit integriertem Hohlleiter
für die HF-Technik, Werkstoff CuZn16Si4-C Fordern Sie das Lieferverzeichnis unter e-mail: zgv@bdguss.de an!
(EN CC761S),Abmessungen: 110 x 95 x 60 mm,
Gewicht 795 g (Bild: ZGV)

26
4 Konstruieren und 4.1 Wirtschaftlichkeit 4.2 Konstruktive Aspekte
Gestalten In jedem Fall gilt die Faustregel: e kom-
plizierter ein Werkstück und/oder je schwie-
4.2.1 Außenkontur
riger es zu bearbeiten ist, desto wirtschaft- Das Feingießen ermöglicht, wie schon
Feingießen erweitert die Freiheit des kon-
licher ist es, feinzugießen. Beste Wirt- mehrfach erwähnt, die Herstellung sehr
struktiven Gestaltens außerordentlich. Es
schaftlichkeit und optimale Gestalt wer- komplexer und filigraner Bauteile. Für die
sind sehr kompliziert und komplex ausge-
den jeweils so erreicht. optimale Ausnutzung dieser Möglichkei-
führte Werkstücke mit geringen Wand-
ten sind folgende egeln zu beachten.
dicken, hoher Oberflächengüte und engen
Der Konstrukteur lässt das im Blickpunkt
Maßtoleranzen herstellbar. Zusammen mit I. Räumlich gekrümmte Flächen
stehende Teil vor seinem geistigen Auge
der Werkstoffvielfalt werden für Konstruk-
sozusagen „schrumpfen“ beziehungswei- äumlich gekrümmte Flächen lassen sich
tionsaufgaben der verschiedensten Art mit
se abmagern, um so die kleinstmögliche, im Feingießverfahren genau und formtreu
Feinguss oft neue, vor allem aber wirt-
noch vertretbare Gestalt (Form, Kontur) zu reproduzieren. Die Wirtschaftlichkeit ist
schaftliche Lösungen gefunden.
erreichen. Er vermeidet Materialanhäu- dadurch gegeben, dass der dafür notwen-
Ein unter allen technischen und wirtschaft- fungen und schroffe uerschnittsüber- dige hohe Bearbeitungsaufwand nur ein-
lichen Gesichtspunkten optimal gestalte- gänge, verringert sinnvoll Wanddicken, mal, nämlich beim Herstellen des Werk-
tes Feingussteil setzt den engen Kontakt sieht Aussparungen vor und nutzt die ho- zeuges, erforderlich ist.
zwischen dem Gestaltenden und dem Fein- hen technologischen Werte feingegosse-
gießer voraus: hier die konstruktiven For- ner Werkstoffe. Hierzu kommen heute II. Teilefamilien
derungen, dort die fertigungstechnischen verstärkt die computerunterstützten Tech- Bei entsprechender Konstruktion können
Möglichkeiten. Das Ergebnis einer solchen niken zum Einsatz, auf die unter Punkt sogenannte Teilefamilien gebildet wer-
Zusammenarbeit sind anwendungstech- 4.3 eingegangen wird. den, wenn es für ähnliche Teile möglich
nisch optimierte Bauteile, hergestellt mit ist, mit einem Werkzeug und mehreren
möglichst geringem Fertigungsaufwand. Besonders geeignet ist für die Herstellung auswechselbaren Kernschiebern zu ar-
Gestaltende in diesem Sinne sind Kon- kosten- und masseoptimierter Gussteile beiten. Die Werkzeugkosten verringern
strukteure und Entwicklungsingenieure, auch die bionisch orientierte Bauteilge- sich dadurch spürbar (Bilder 70 und 71).
betriebliche Führungskräfte sowie tech- staltung 16 .
nische Kaufleute und Einkäufer, die neue Andererseits kommt es aber auch zum
und rationelle Wege suchen, wirtschaftlich Die allgemeinen Preis bestimmenden Fak- Beispiel bei Elektronikgehäusen vor (Bild
zu fertigen. toren werden unter Kapitel 5 dargelegt. 72), dass alle Details ein- und angegos-
Im Wesentlichen werden sie gebildet sen werden, die für mehrere, ähnliche Ein-
Trotz aller Freizügigkeit beim Konstruie- aus Stückzahlen pro Gießeinheit, Sperrig- bausätze gebraucht werden. Im Einzelfall
ren in Feinguss empfiehlt es sich im Inte- keitsgrad, Werkstoff, Toleranzen sowie werden sie selten alle genutzt. Das betreffen-
resse verbesserter Wirtschaftlichkeit, den Abnahmekriterien. de Gussstück ist dann aber vielseitig ver-
einige Hinweise zu beachten, um den Fer-
tigungsaufwand möglichst niedrig zu hal-
ten. Damit werden einerseits die physika-
lischen Gesetzmäßigkeiten beim Gießen
sowie der Arbeitablauf vom Werkzeug bis
zum Gussstück berücksichtigt, anderer-
seits zeigen sie weitere Potenziale auf,
die mit dem Feingießen zu erreichen sind.
Ein „richtig“ konstruiertes Feingussteil
sollte demnach folgenden Gesichtspunk-
ten gerecht werden:
- wirtschaftlich,
- funktions- und beanspruchungsgerecht,
- feingießgerecht,
- bearbeitungsgerecht, Bild 71: Zangeneinsätze für den Werkzeugbau Bild 72: Elektronikgehäuse aus EN AC-AlSi7-
- montagegerecht, aus G51CrV4 (W.-Nr. 1.8159) (Bild: Buderus, g.0,3 wa (W.-Nr. ENAC-42100),Abmessungen:
- formschön. oers) 330 x 280 x 240 mm, Gewicht: 5 400 g (Bild:
Zollern, Soest)

Bild 70: e nach den betrieblichen Anforde-


rungen (z. b. Turbolader, ältetechnik) wer-
den Verdichterräder aus Al- und Ti-Basis-
Legierungen feingegossen, a e bis etwa
Dmr. 900 mm, Gewicht bis rund 35 kg (Bild:
Tital, Bestwig) Bild 73: Bildung von Teilefamilien durch verschiedene ernschieberausführungen

27
4.2.2 Innenkontur und Hinter-
schneidungen
Die hochentwickelte Kerntechnik des
Feingießverfahrens bietet bei Innenkon-
turen und Hinterschneidungen vielfältige
Möglichkeiten zum kostengünstigen Ge-
stalten. So können oft mehrere Konstruk-
tionselemente zu einem Teil „aus einem
Guss“ zusammengefasst werden, womit
aufwändige Passungsarbeiten und das
Zusammenfügen samt Montageeinrich-
tungen eingespart werden. Es könnten
Innenkonturen ausgebildet werden, die
auf andere Weise nicht oder nur schwierig
herzustellen sind. Hierfür werden Hand-
einlagen, Kernschieber und/oder Einlege-
kerne im Werkzeug verwendet. Auch kön-
nen Modelle aus einzelnen Elementen zu-
sammengebaut werden. Von den Möglich-
keiten, die nachfolgend beschrieben wer-
Bild 79: Verschluss für W-Schiebedach, für die Vorserie einteilig aus Vergütungsstahl
den, kommt in Abhängigkeit von der Bau-
feingegossen, Abmessungen: Dmr. 29 x 50 mm, Gewicht: 90 g (Bild: Buderus, oers) teilgestalt die jeweils wirtschaftlichste zum
Einsatz.

I. Kernschieber und Handeinlagen


Wenn es die darzustellende Kontur er-
laubt, werden im Werkzeug Kernschieber
und/oder Handeinlagen vorgesehen und
wenn möglich, die Kernschieber automa-
tisch entformt. Oft müssen sie jedoch von
Hand gezogen werden, was besonders
bei Gehäusen mit vielfach hinterschnitte-
nen Innenkonturen erforderlich ist (siehe
auch Kapitel 2.1). Können die Kernschie-
ber durch Drehen entformt werden, so
lassen sich auch kreisförmige Hinter-
Bild 78: elkmaschinengehäuse, Werkstoff BIld 80: Hüftschalen-Im lantatteil aus Titan schneidungen ausbilden (Bild 83).
G 5CrNiNb18-9 (W.-Nr. 1.4552), Abmessun- oder Ti-Basislegierung mit angegossenen Ge-
gen: Dmr. 84 x 47 mm, Gewicht: 520 g (Bild: windesegmenten, Abmessungen: Dmr. 47 x
Buderus, oers) 26 mm, Gewicht: 31 g (Bild: Tital, Bestwig)

Bild 81: Baumaschinenteil mit vor- Bild 82: ändelhülse für Elektrowerkzeug aus G16 nCr5 Bild 83: urvenstück (rechts geschnitten) aus
gegossener Verzahnung und ände- (W.-Nr. 1.7131),Abmessungen: Dmr. 46 29 x 35 mm, Gewicht: G16Cr o4 (W.-Nr. 1.7242), dessen odelle mit
lung, Werkstoff G 5CrNi o-Nb18-10 123 g (Beide Bilder: ZGV) Hilfe drehbarer ernschieber hergestellt werden,
(W.-Nr. 1.4581), Abmessungen: Dmr. Abmessungen: 40 x 18 x 14 mm, Gewicht 20 g
22 x Dmr. 9 x 59 mm, Gewicht: 44 g (Bild: Feinguss Blank, iedlingen)

29
Bild 84: Feingussteil (unten links), dessen Innenraum am Wachs- Bild 85: Gasturbinenschaufel (links) aus einer warmfesten Nickel-
modell (unten rechts) durch einen wasserl slichen ern (hellgrün) Basislegierung und Schnitt durch dieses Teil ( itte), dessen schma-
abgeformt wird (oben) (Bild: Schubert Salzer, Lobenstein) le ühlkanäle durch keramische erne (rechts) abgeformt werden,
Abmessungen: 205 x 115 x 110 mm, Gewicht: 4,1 kg (Bild: Doncasters)

II. Wasserlösliche Kerne V. Zusammengesetzte Modelle VI. Gekrümmte Kanäle


Für nicht zu enge Innenkonturen können In anderen Fällen bietet sich das Zusam-
Können gekrümmte Kanäle konstruktiv so
wasserlösliche Kerne verwendet werden, mensetzen von Modellteilen an. Mit Hilfe
von Passmarken werden sie exakt zu- gestaltet werden, dass sie mit Kernschie-
für die allerdings je ein weiteres Werkzeug
benötigt wird. Sie werden in das Modell- sammengefügt und verbunden, wodurch bern im Werkzeug herzustellen sind, so
werkzeug eingelegt und mit dem nicht die hinterschnittenen Konturen entste- ist dies besonders wirtschaftlich.
wasserlöslichen Modellwerkstoff um- hen, wie beim Leitring im Bild 87. Diese
spritzt. Wird der Kern dann im Wasserbad Art zu verfahren ist oft auch wirtschaft- In allen anderen Fällen müssen wasser-
herausgelöst, entsteht die gewünschte lich, wenn symmetrische Modelle aus zwei lösliche oder keramische Kerne verwen-
Innenkontur. Diese Art der Kerntechnik oder mehreren gleichen Modellteilen zu- det werden, wofür jeweils ein Werkzeug
wird unter anderem bei Hydraulikteilen sammengesetzt werden können, weil nur für ihre Herstellung benötigt wird (Bilder
angewendet (Bild 84).Voraussetzung ist, ein (Teil-)Werkzeug benötigt wird. 88 und 89).
dass die entstandenen Hohlräume beim
Aufbringen der keramischen Schalenform
ordnungsgemäß ausgefüllt werden kön-
nen.

III. Keramische Kerne


Für enge und/oder kompliziert gestaltete,
hinterschnittene Gussteilhohlräume, die
vom keramischen Formstoff bei der Form-
herstellung nicht erreicht oder ausgefüllt
werden können, kommen keramische
Kerne zum Einsatz. Sie werden fertig ge-
brannt in das Werkzeug eingelegt und
verbleiben im Gegensatz zu den was-
serlöslichen Kernen bis nach dem Abguss
in der Gießform.
Bild 86: Z linderko f für einen Dieselmotor aus Cr o-legiertem Vergütungsstahlguss ( it-
Keramische Kerne sind für den Feingie-
te), dessen Ausschmelzmodell mit Hilfe von wasserl slichen (grün) und keramischen (wei )
ßer Zulieferteile, die meist lange Lieferzei- ernen hergestellt wurde. (Bild: ZGV)
ten haben. Dies ist bei der Terminplanung
zu berücksichtigen. Obwohl sie hohen
Aufwand bedingen, rechtfertigt das damit
Erreichte die höheren Kosten. So sind die
Innenkonturen von Triebwerkschaufeln
(Bild 85) gar nicht anders herzustellen.

IV. Kombinierte Kerntechnik


Bei Gussteilen mit vielgestaltigen Innen-
konturen und Hinterschneidungen werden
mehrere Kerntechniken gleichzeitig ange-
wendet. Ein Beispiel mit keramischen und Bild 87: Zweiteiliges Ausschmelzmodell (links und itte) für einen Turbinenlaufring (rechts)
wasserlöslichen Kernen ist im Bild 86 zu aus einem hitzebeständigen hoch legierten Edelstahl, Abmessungen: Dmr. 230 x 58 mm, Ge-
sehen. wicht: 3150 g (Bild: Buderus, oers)

30
4.2.3 Funktions- und beanspruchungs-
gerechte Gussteilgestaltung
Oft besteht die Möglichkeit, wegen des
großen Gestaltungsfreiraumes beim Fein-
guss, mehrere bisher gefügte Teile wirt-
schaftlich zu einem Gussteil zusammen-
zufassen. Bezüglich der Ausführung der
Gusskonstruktion müssen dabei bestimm-
te egeln beachtet werden, die nachfol-
gend beschrieben werden.

I. Integralgussausführung
Bild 88: Verschiedene glichkeiten zum Gestalten von gekrümmten anälen bei fein-
gegossenen Gussteilen Werden mehrere Konstruktionselemente,
die bisher beispielsweise durch Schwei-
ßen, Schrauben und Löten zusammen-
gefügt werden mussten, zu einem Fein-
gussteil zusammengefasst, so entsteht
ein Integralgussteil aus einem Guss (Bild
90). Das erhöht nicht nur die Funktions-
sicherheit, zum Beispiel, wenn Schwin-
gungen auftreten, sondern ist auch noch
besonders wirtschaftlich, da Werkzeug-
kosten und Bearbeitungskosten reduziert
werden können.

Mit dem mstellen einer mehrteiligen


Montage- in eine einteilige Feingusskons-
truktion ist gleichzeitig die Möglichkeit ge-
geben, einen wesentlich besser geeig-
Bild 89: Ansicht und Schnitt durch einen Saugk r er für ein h draulisches Aggregat aus dem neten, aber teureren Werkstoff zu ver-
Werkstoff EN-AC-AlSi7 g0,3 (W.-Nr. EN AC-42100), Abmessungen: 77 x 35 x 34 mm, Ge- wenden und dennoch einen Kostenvorteil
wicht: 70 g, dessen eng dimensionierte Innenkonturen mit einem keramischen ern ausge-
bildet werden. (Bild: Feinguss Blank, iedlingen) zu erreichen.

II. Eingießteile
Das Eingießen von Teilen erfolgt üblicher-
weise so, dass Teile aus höher schmel-
zenden Metallen mit Metall niedrigeren
Schmelzpunktes umgossen werden, das
beim Erkalten aufschrumpft (Bild 91). Die
Eingießteile müssen wie folgt beschaffen
sein:
- sie müssen (verfahrens- und gussle-
gierungsbedingt) aus hitzebeständi-
Bild 90: Bandklammerwerkzeug für eine Ver ackungsmaschine, Werkstoff G15CrNi6 (W.-Nr. gen Werkstoffen bestehen,
1.5919), Abmessungen: 35 x 47 x 68 mm, Gewicht: 300 g (Einteilig feingegossen (rechts) sind
die Herstellkosten gegenüber früherer Fügekonstruktion (links) um 72 niedriger ) (Bild: ZGV)
- sie müssen sich im Werkzeug und in
der Formkeramik arretieren lassen,
- sie müssen so gestaltet sein, dass
sich das um sie herum fließende Me-
tall mit ihnen formschlüssig verbindet.

III. Kerbwirkungen
Nicht nur der Konstrukteur ist bestrebt,
Kerbwirkungen zu vermeiden, sondern
auch der Feingießer, denn scharfe Kerben
(Aufheizkanten) stören beim Gießen (Bild
92). Ein mit möglichst großen adien ver-
sehenes Gussteil weist im Kraftfluss ge-
ringere Spannungsgefälle auf und wird
dadurch funktionssicherer.

Bild 91: Gehäuseober- und -unterteil, rechts mit drei eingegossenen, feingegossenen Gewinde- Die Feingussoberfläche weist die gleiche
büchsen aus G 40CrNiSi25-20, (W.-Nr. 1.4848), Werkstoff: EN-AC-AlSi7 g0,3 (W.-Nr. ENAC-42100), Kerbunempfindlichkeit auf wie eine feinst-
Abmessungen: Dmr. 165 x 155 bzw. 70 mm, Gewicht: 715 bzw. 800 g (Bild: Zollern; Soest) bearbeitete Fläche.

31
Bild 92: Feingie gerechte verrundete Gestaltung einer Gabel zur Vermeidung von Aufheizkanten Bild 94: Elektronikgehäuse aus dem Werkstoff
EN AC-AlSi7 g0,3 wa (W.-Nr. EN AC-42100) mit
Au en- und Innenverri ung für Leiter latten-
Tabelle 4: glichkeiten zur Vermeidung von überh hten Beans ruchungen führungen, a e 330 x 280 x 240 mm, Gewicht
eines Feingie teils 5400 g (Bild: Zollern, Soest)

Zu hohe mechanische Wahl eines Werkstoffs höherer Festigkeit


Beanspruchung
Zu hoher Verschleiß Härten (zum Beispiel Nitrieren, Einsatzhärten)
oder Wahl eines verschleißbeständigen
Werkstoffs
oder einer geeigneten Beschichtung
„Fressen Wahl eines Werkstoffs mit Notlaufeigenschaften
oder einer anderen Werkstoffpaarung
Kriechen Wahl eines kriechfesten Werkstoffs
nerwarteter korrosiver Angriff Wahl eines nichtrostenden, korrosions- oder
(zum Beispiel in den Tropen) säurebeständigen Werkstoffs
Auftreten zu hoher oder zu Wahl eines hitzebeständigen, warmfesten oder
niedriger Temperaturen kaltzähen Werkstoffs
Auftreten „harter Strahlung Wahl eines Co- und Ta-armen Werkstoffs
Zu hohe elektromagnetische Wahl eines weichmagnetischen Stahls
Beanspruchung oder eines nichtmagnetisierbaren Werkstoffs

Bild 95: Feingegossene eku eratoren für


Industrie fen mit sehr dünner Verri ung
aus hochhitzebeständigen Stählen und Ni-
ckellegierungen, die ents rechend ihrer
Beständigkeit gegen die rozessmedien
zum Einsatz kommen (Bild: D rrenberg,
Engelskirchen)

4.2.4 Feingießgerechte Gestaltung


Lunker (gießbedingte Einfallstellen) ent-
stehen beim Erstarren flüssiger Metalle
Bild 93: Feingie gerecht günstige i engestaltung mit nach au en abnehmenden i en- naturgesetzlich nach den egeln der Er-
abmessungen
starrungsschrumpfung bei der Abkühlung.
IV. Höhere Beanspruchung V. Kühlrippen Die Aufgabe des Gießers besteht darin,
sie durch geeignete Maßnahmen aus
Bei Neu- und Weiterentwicklungen kommt Kühlrippen sollten nach außen abneh- dem Gussteil heraus in die Anschnitte zu
es immer wieder vor, dass die später auf- mende uerschnitte aufweisen: dies verlegen, die abgetrennt werden. Aus
tretenden Beanspruchungen noch nicht verbessert nicht nur die Gießbarkeit, Kostengründen kommt es vor, dass der
genau bekannt oder höher sind als er- sondern auch den Wärmefluss (Bild 93). Feingussbezieher auch definierte Lunker
wartet. Dann ist es meist ohne weiteres zulässt, weil sie entweder an unkritischen
möglich, einen besser geeigneten Werk- Zudem können Verrippungen auch funk- Stellen auftreten oder durch nachfolgen-
stoff zu vergießen, ohne dass das Werk- tionelle Aufgaben haben, die sich im Fein- des spanendes Bearbeiten entfernt wer-
zeug für die Herstellung der Modelle ge- guss bereits in vielen Fällen gießtech- den. Das ist jedoch mit dem Feingießer
ändert werden muss. Zudem bestehen in nisch realisieren lassen (Bild 94 bis 96). ausdrücklich zu vereinbaren.
vielen Fällen Möglichkeiten der gezielten
Eigenschaftsverbesserung durch Wärme-
behandlung und/oder Beschichtungen. In
solchen und ähnlichen Fällen sollte der
Feingießer ebenfalls um seinen sachkun-
digen at befragt werden (Tabelle 4).
Vielfach gehören diese Aufgaben mit zum
Leistungsangebot der Feingießerei oder Bild 96: Gie tech-
nisch roblemlos
werden in Kooperation mit betreffenden m glich, i en-
Partnern realisiert. unterbrechungen

32
Das „ideale Gussteil“ ist dadurch ge-
kennzeichnet, dass seine uerschnitte
vom Anschnitt nach den entfernteren Par-
tien abnehmen, so dass die Erstarrung
in umgekehrter ichtung zum Anschnitt
erfolgen kann. Dem idealen Gussteil
nahe kommen solche, die annähernd
gleiche Wanddicken aufweisen und dem
Gießer die Möglichkeit bieten, sie gieß-
gerecht „anzuschneiden“ (Bild 97). Die Bild 97: Drillhaken für den Drahtbinder einer Heu- und Stroh-Hochdruck resse, mit dem
sich hieraus ergebenden gießtechnischen Stahldraht von 2 mm Dmr. verdrillt wird, Werkstoff: Vergütungsstahlguss, Länge: 80 mm
und feingussspezifischen Konstruktions-
hinweise sind nachfolgend dargelegt.

I. Scharfe Innenkanten
Scharfe Innenkanten und Kerben sind un-
günstig beim Gießen, da sie wie „Aufheiz-
kanten“ wirken und es dadurch zu Poro-
sitäten kommen kann. Es ist deshalb
erforderlich, adien und/oder Hohlkehlen
vorzusehen. Sie sollten etwa 20 der
Wanddicke, bei dünnwandigen Teilen
mindestens 0,3 bis 0,5 mm ausmachen.
(Bild 98).

II. Knotenpunkte
Knotenpunkte sollten so gestaltet wer-
den, dass keine scharfen Innenkanten
und Materialanhäufungen entstehen. Des-
halb sind auch schräg und parallel zuein-
ander stehende Wände möglichst recht-
winklig miteinander zu verbinden (Bild 99).

III. Anschnitte
Für die Anschnitte sollte möglichst je eine
geeignete ebene Außenfläche am dick-
sten uerschnitt vorgesehen sein, um sie
später kostengünstig entfernen zu können.
Diese Anschnittflächen können nicht als
Mess- oder Bezugspunkte für nachfolgen-
des Bearbeiten dienen (Bild 100 und 101). Bild 98: glichkeiten zur Vermeidung scharfer Innen- und Au enkanten

Bild 99: Gie technisch m gliche, günstige und ungünstige Formen der notengestaltung Bild 100: onstruktive Gestaltungsm glich-
bei Feingussteilen keiten von Anschnittflächen

33
IV. Form- und Aushebeschrägen
Form- und Aushebeschrägen sind nur in
Ausnahmefällen erforderlich. Nur bei sehr
langen Innenkonturen oder ähnlichen Guss-
teilbereichen ist eine geringe Konizität
beziehungsweise Schräge vorzusehen
(Bild 102).

V. Löcher und Schlitze


Durchgehende und geschlossene Lö-
Bild 101: onstruktive Gestaltungsm glichkeiten von Feingussteilen unter Berücksichti-
cher, Kanäle und Schlitze sind dann be-
gung der Anschnittrichtung
sonders wirtschaftlich mitzugießen, wenn
dies ohne keramische Kerne erfolgen
kann, dazu sind die im VDG- erkblatt
690 genannten Werte einzuhalten.

Werden durchgehende Löcher und Schlit-


ze so gestaltet, dass sie mit einem unge-
teilten Kernschieber ausgebildet werden
können, so ist dies vorteilhaft. Sacklöcher
und geschlossene Schlitze sind unten
auszurunden (Bilder 103 bis 105). Bei Al-
und Ti-Legierungen sind Sacklöcher zu
vermeiden. m Schlitze ohne keramische
Kerne ausbilden zu können, ist das Ver-
hältnis b : t beziehungsweise b : l nach
Tabelle 5 einzuhalten. Das Maß S kann
beliebig gewählt werden.

Bild 102: Aushebeschrägen sind bei Feinguss nur bei extrem langen onturen erforderlich.

Tabelle 5: ichtwerte für das Vorgie en von L chern und anälen (links)
und Schlitzen (rechts) beim Feingie verfahren (nach VDG- erkblatt 690)
L cher und anäle Schlitze u. ä.
bzw.o. ä. gr te Länge bzw. Tiefe Breite gr te Tiefe
durchgehend Sackloch offen geschlossen
d mm L t b mm l t
≥ 2 bis 4 1xd 0,6 x d ≥ 2 bis 4 1 x b
1,0 x b
4 bis 6 2xd 1,0 x d 4 bis 6 2 x b
6 bis 10 3xd 1,6 x d 6 bis 10 3 x b 1,6 x b
10 4xd 2,0 x d 10 4xb 2,0 x b

Bild 104: Ausführungen für einen offenen


(links) und geschlossenen Schlitz (rechts)
bei Feingussteilen

Bild 105: Vorgegossene Indexl cherr (links)


Bild 103: Gestaltungsm glichkeiten für Durchgangs- (oben) und Sacklochbohrungen (un- und Steckerdurchbrüche an einem Elektro-
ten) bei Feingusserzeugnissen nikgehäuse aus Al-Feinguss (rechts)

34
Bild 106: Gie technisch günstige Gestal-
tung eines Flansches

Oft ist es mit konstruktiven Maßnahmen


leicht möglich, eine wirtschaftliche und
fertigungstechnisch günstige Gussteil- Bild 107: gliche L sungen für die konstruktive Beseitigung von asseanhäufungen bei
gestalt zu erreichen, wie die Beispiele in Feingussteilen
den Bildern 106 bis 108 zeigen. Die Ver-
einheitlichung der Wanddicken und Ver-
meidung von Masseanhäufungen sind
nicht nur gießtechnisch günstig, sondern
führen auch zu einer leichteren Gusskon-
struktion.

VI. Ebene Flächen


elativ große ebene Flächen sind zwar
zu gießen, sollten jedoch vermieden wer-
den, weil sie nur mit höherem Aufwand
Bild 108: Gie technisch günstige Gestaltung eines Hohlz linderteil

Bild 110: aterials arende on-


struktion durch zweiseitige Ver-
ri ung des Gussteils
Bild 109: glichkeiten für asseeins arung durch gie technisch günstige Verri ung
links: Diagonalverri ung rechts: uerverri ung

auszuführen sind. Sie sollten deshalb


„gegliedert“, also verrippt, ausgespart
oder durchbrochen werden. Das erleich-
tert das Gießen, erhöht bei entsprechen-
der Ausführung die Gestaltfestigkeit des
Bauteils und vermindert oft das Gewicht
(Bild 109 bis 111).

Bild 111: Aus gie technischer Sicht ist die Wabenverri ung Bild 112: Diverse Turbinenräder, bei denen die dünnen Flügel im Fein-
die beste L sung guss mitgegossen wurden (Bild: Zollern, Sigmaringen)

35
VII. Mindest-Wanddicken
Die Mindest-Wanddicken sollten üblicher-
weise etwa 1,5 bis 2 mm betragen. Die
Gießbarkeit von Wänden geringerer Dicke
ist abhängig von ihrer Größe und dem
Gusswerkstoff. Ferner ist von Einfluss, in
welchem mfang die betreffende Fläche mit
Partien dickeren uerschnitts verbunden
oder ob sie verrippt ist. So sind für partielle
Flächen folgende Wanddicken s möglich:
- mit Fe-, Ni-, Co- und Ti-Basis-Legie-
rungen s 0,8 bis 1,0 mm,
- mit Al- und Cu-Basis-Legierungen
s 0,8 mm.
Das Gießen solch geringer Wanddicken
erfordert einen erhöhten Aufwand. Es
sollte deshalb rechtzeitig eine Abstim-
mung mit dem Feingießer erfolgen (Bilder
112 und 113).
Bild 113: odellturbinen für odellflugzeuge (links) aus GNiCr13Al6 oNb, Gewicht: 220 g,
VIII. Messerkanten am Gussteil die mit extrem dünnen Wanddicken im Feinguss gefertigt wurden (Bild: Zollern, Sigmaringen)
Messer- und scharfe Kanten können we-
gen der Oberflächenspannung flüssiger
Metalle nicht gegossen werden. Sie müs-
sen deshalb ein Aufmaß erhalten und spa-
nend fertig bearbeitet werden (Bild 114).

IX. Messerkanten im Werkzeug


Würden im Werkzeug oder am Kernschie-
ber Messerkanten entstehen, beispiels-
weise weil Bohrungen unterschiedlichen
Durchmessers tangential aufeinander-
stoßen, dann müssen für diese Werk-
Bild 114: glichkeiten zur s anenden Fertigung von scharfen anten an Feingussteilen
stückbereiche wasserlösliche oder kerami-
sche Kerne verwendet werden. Sind sol-
che uerschnittsübergänge jedoch funk-
tionsbedingt nicht erforderlich, so erlaubt
oft eine leicht geänderte Konstruktion,
Kernschieber zu verwenden, was beson-
ders wirtschaftlich ist (Bild 115).

4.2.5 Bearbeitungsgerechte Gestal-


tung
Feingussteile werden oft einbaufertig ge-
gossen. Wenn das wegen zu enger Tole-
ranzen nicht möglich ist, müssen sie spa-
nend fertig bearbeitet werden. Sach-
gemäßes Konstruieren erleichtert das Be- Bild 115: glichkeiten zur Vermeidung von esserkanten im Formwerkzeug
arbeiten, vermindert damit den Aufwand
und erhöht die Wirtschaftlichkeit. Vor- und
Endbearbeitung sowie Montageleistun-
gen gehören heute zum Leistungsange-
bot der Feingießereien.

Folgende Aspekte sind aus Sicht der


spanenden Bearbeitung von Gussteilen
zu berücksichtigen:

I. Freistiche
Freistiche sollten so gestaltet werden,
dass ein wasserlöslicher oder kerami-
scher Kern nicht erforderlich wird. Hierbei
ist die Entformungsrichtung in der Modell-
spritzmaschine zu beachten, das heißt,
der Freistich bestimmt die Entformungs-
richtung, wie aus der Graphik im Bild 116 Bild 116: Gestaltungsm glichkeiten von Freistichen an Feingussteilen
hervorgeht. oben: umlaufende Freistiche unten: gerade Freistiche

36
4.3 Computergestütztes Ge-
stalten
Zunehmender Zeit- und Kostendruck in
der Bauteilentwicklung und der hohe Ent-
wicklungsstand der CAE-Techniken ha-
ben dazu geführt, dass der Bauteilent-
wicklungsprozess zunehmend über CAD-
Daten-Modelle abgewickelt wird. Die
Feingießereien unterstützen ihre Kunden
bei der Bauteilerstellung mit ihren gieß-
spezifischen und ihrem verfahrensspezi-
fischen Wissen, was beim Feingießen
einen besonderen Einfluss ausübt. Die
Gießereien sind so neben der gießtech-
nischen Aufbereitung der üblichen Zeich- Bild 120: Gehäuse für W-Automatikgetriebe aus EN AC-AlSi7 g0,6 (W.-Nr. EN AC-42200)
(rechts), werkzeuglos unter Nutzung des CAD-Datenmodells hergestellt nach dem uick-
nungsunterlagen auch in der Lage, mit 3D- Cast-Verfahren mit generativ aufgebauten Stereolithogra hie(SL)- odellen, Abmessungen:
CAD-Modellen zu arbeiten, was bei der 480 x 360 x 400 mm, Gewicht: 18 000 g (Bild: Tital, Bestwig)
Nutzung von apid-Prototyping-Techni-
ken sogar zwingende Voraussetzung ist, adien, undungen, ippen usw. örtliche II. Werkzeugentwicklung
denn die dort genutzten generativen Ferti- Spannungsspitzen abbauen. Außerdem
gungstechniken erfordern die Verfügbar- können die gießtechnischen Anpassun- Das CAD-Datenmodell des Bauteils lässt
keit eines 3D-CAD-Datensatzes des gen der Gusskonstruktion (Schrägen, a- sich nicht nur zur gießgerechten Anpas-
Gussteils (Volumenmodell), was von der dien, Hinterschneidungen usw.) relativ sung der Bauteilkonstruktion nutzen, son-
Feingießerei sowohl zur Anfertigung der schnell von der Gießerei in das CAD-Mo- dern auch zur Gestaltung des Spritzwerk-
Modelle in werkzeuglosen Schichtaufbau- dell des Bauteils eingearbeitet werden. zeuges (Bild 122). Neben dem Festlegen
verfahren, als auch zur Entwicklung und von Aushebeschrägen, Teilungen u. ä.
Bionisch gestaltete Bauteile, die sich werden auch Kerne, Formteile und andere
Fertigung der Modellspritzformen genutzt
durch ein Optimum in der Spannungsver- konstruktive Aspekte der Werkzeugge-
werden kann (Bilder 120 bis 122). Zudem
teilung und damit größtmögliche Belast- staltung berücksichtigt und an die Auf-
können die heute verfügbaren virtuellen
barkeit des Bauteils auszeichnen, sind spannung der Maschine angepasst.
Techniken auch zur wirtschaftlichen und
meist komplexe Konstruktionen mit ver-
schnelleren Entwicklung von Feingusstei-
winkelten und verdrehten Konturen. Diese
len und zur ualitätssicherung eingesetzt Strukturen lassen sich vielfach wegen Des Weiteren findet das CAD-Modell
werden. Die möglichst durchgängige Nut- ihrer Komplexität nur durch Formgießen Eingang in die CNC-Maschinensteuerung
zung von 3D-CAD-Daten bringt erheb- fertigen. Auf Grund der hohen Gestal- der Bearbeitungsmaschine zur Anferti-
liche Zeiteinsparungen, denn diese Daten tungsfreiheit ist das Feingießen beson- gung der Formenkonturen und zur virtu-
finden wie oben schon angedeutet in ders für die Fertigung bionisch gestalteter ellen berprüfung der Bearbeitungsschrit-
vielen Bereichen Anwendung, die nach- Bauteile besonders geeignet. Mehr Infor- te und sorgt so dafür, dass ein ualitativ
folgend beschrieben werden. mationen zur Herstellung bionischer Guss- einwandfreies Modell und damit Gussteil
teile enthält die uelle 15 . herstellbar ist.
Weiterführende Informationen zur com-
puterunterstützten Bauteilentwicklung im
Feinguss sind in 8 enthalten.

I. Gussteilentwicklung
Hier bietet sich der Einsatz computerun-
terstützter Entwicklungstechniken an,
denn, wie an anderer Stelle schon aus-
geführt, lassen sich im Feinguss wie bei
kaum einen anderem Verfahren hoch- a) b)
komplexe und filigrane Gusskörper fer-
tigen, die an ihren Belastungsfall optimiert
ausgelegt werden können. Mit der Finite- c) d)
Elemente-Methode (FEM) lassen sich
Schwachstellen bereits im CAD-Entwurf
ermitteln und verschiedene Konstruk-
tionsvarianten objektiv beurteilen. Durch
iterative Topologieoptimierung lässt sich
hier bereits vor der Anfertigung teurer
Werkzeuge und Vorserienteile eine kraft-
flussgerechte Konstruktion des Bauteils
entwickeln . Da die Feingussteile sehr Bild 121: rotot enfertigung nach dem Vakuum-Differenzdruck-Verfahren (VDD) mit durch-
komplex sind, sind hierfür bedeutend gehender Nutzung der CAD-Daten am Beis iel des Feingussteils für einen elektronisch
mehr Iterationsschritte erforderlich als bei steuerbaren Saugregelmodul für Schraubenkom ressoren (Bild: 1zu1 rotot en, Dornbirn)
einfachen geometrischen Körpern, was a) CAD-Datenmodell des Gussteils
wirtschaftlich nur rechentechnisch zu b) Wachsmodell mit keramischem ern (wei ), das in einer Siliconform gefertigt wurde, de-
ren Formgebung über ein SL- odell erfolgte
realisieren ist. Zudem lassen sich durch c) verlorenes FD - odel im VDD-Verfahren gefertigt
Anpassen konstruktiver Elemente, wie d) bearbeitetes Feingussteil

38
III. Rapid Prototyping und Rapid Manu- Von Interesse ist diese Vorgehensweise V. Überprüfung des Gießprozesses
facturing auch dann, wenn im Vorserienstadium, Nutzen lässt sich zudem der CAD-Daten-
Auf das apid Prototyping und apid Ma- beispielsweise für eine spätere Druck- satz zur Fertigungsprozessoptimierung in
nufacturing von Feingussteilen wurden gussfertigung, die ursprüngliche Kon- der Gießerei. Am Computer kann mit Hilfe
bereits unter Kapitel 2.4 ausführlich ein- struktion überprüft, optimiert und geän- entsprechender Softwarepakete die Her-
gegangen. Die zeitlich schnellere mset- dert werden muss. Da so die erforder- stellbarkeit des Gussteils simuliert und bei
zung von Neukonstruktionen als Marketing- lichen nderungen und Anpassungen Bedarf verbessert werden. Es existieren
instrument bei vertretbaren Kosten ist bereits vor der Gießwerkzeugfertigung Lösungen zur präzisen Vorhersage der zu
ohne CAD-Datennutzung nicht möglich. erfolgen können, lassen sich Zeit und erwartenden Formfüllungs- und Erstar-
Dieser Datensatz wird zur werkzeuglo- Kosten im Werkzeugbau einsparen. Das rungsvorgänge (Bild 123), der Gefügeum-
sen Herstellung von Wachsmodellen oder ist auch dann von Vorteil, wenn es sich wandlungen und Eigenschaftsverteilung
Muttermodellen für die Vorserienwerk- um kleine Serien mit hohem nderungs- im erstarrten Zustand sowie zu den Verfor-
zeugfertigung in Feingießereien einge- aufwand oder Projekte mit hohen Ent- mungen und Eigenspannungen, die im
setzt, die zur Prototypenfertigung von Fein- wicklungskosten handelt. ohgussteil zu erwarten sind.
gussteilen in Serien ualität zum Einsatz
IV. Vorhersage der Gussteileigen- m solche Projekte erfolgreich durch-
kommen (Bild 121). Wegen der Einsparun-
schaften führen zu können, ist ein enger Kontakt
gen der Werkzeugbearbeitungskosten ist
diese Vorgehensweise oft sehr wirtschaft- Für höher belastete Bauteile sind Festig- zwischen Konstrukteur und Feingießer
lich, aber vor allem zeitlich viel schneller. keitsversuche und rechnerische Festig- bereits in den frühen Stadien der Bauteil-
keitsnachweise zu führen. Mit Hilfe des entwicklung erforderlich, damit bereits von
Das Feingießen ist verfahrensbedingt ein CAD-Datensatzes lassen spezielle Soft- vornherein die gießtechnischen Aspekte
Serienverfahren. Durch die Anfertigung warelösungen heute bereits auch virtuell der Bauteilgestaltung entsprechende Be-
von für die Serienfertigung unattraktiven hochgradig die zu erwartenden Festig- rücksichtigung finden können. Die Gie-
Stückzahlen (1 bis 50) lassen sich im a- keiten auf Basis einer Ermittlung örtlicher ßereien verfügen über das dafür erforder-
pid Manufacturing mit Hilfe generativer Spannungsverläufe vorhersagen und kön- liche Datenmanagement, das den not-
Schichtaufbauverfahren und des 3D- nen damit bereits im Bauteilentwicklungs- wendigen Austausch der CAD-Daten zwi-
Datensatzes des Bauteiles werkzeuglos prozess Berücksichtigung finden. Hierfür schen Kunden, Feingießerei, Modell- und
zu oft günstigen Bedingungen auch Klein- kommen die entsprechend gültigen e- Werkzeugbau ermöglicht, und das für die
serien fertigen. gelwerke zur Anwendung. Bauteilentwicklung erforderliche gieß-
technische Wissenspotenzial. Der Kun-
de sollte sich deshalb möglichst frühzeitig
an die Gießerei wenden.

a)

d)

Bild 122: CAD-Datenmodell aus der Gussteilkonstruktion (links) und daraus Bild 123: Vorhersage der Tem eraturverteilung im Gie -
abgeleitete Ausschmelzmodell-Werkzeugentwicklung in der Feingie erei metall während der Formfüllung (oben) und im Gussteil
mit nigra hics N 4 bei der Erstarrung (unten) zum Zeit unkt einer 50 igen
Formfüllung und Erstarrungszeit

39
5 Preisbestimmende VI. Abnahmebedingungen
Besondere Güteanforderungen und Ab-
Faktoren nahmevorschriften erfordern meist auch
zusätzliche Maßnahmen in der Gießerei.
Feinguss ist, wie bereits mehrfach ange- Sie gehen damit naturgemäß in die Her-
sprochen, eine in vielen Fällen wirtschaft- stellkosten und damit in die Preise ein.
liche Lösung zur Teilefertigung, da es ein Die erforderlichen Prüf- und Abnahme-
langlebiges Erzeugnis ist, wo durch den vorschriften sind deshalb mit dem Fein-
endabmessungsnahen, oberflächensau- gießer zu vereinbaren und müssen geklärt
beren Gusszustand Bearbeitungsgänge, sein, bevor die Fertigung beginnt.
Fügeprozesse, Logistikleistungen und Grundlage für die Abnahme der Feinguss-
Nachbehandlungsschritte eingespart wer- Bild 124: Landekla enstrukturteil für Flugge-
rät aus dem Werkstoff EN AC-AlSi7 g0,6 wa erzeugnisse sind die Prüfspezifikationen,
den können. Zudem lassen sich über die (W.-Nr. EN AC-42200) nach dem S HIA-Ver- die im Allgemeinen vom Besteller erstellt
Nutzung generativer Verfahren (siehe fahren gefertigt, Abmessungen: 700 x 420 x werden und gemäß den geltenden Vor-
Kapitel 2.4) im Prototypen- und Kleinse- 125 mm, Gewicht: 12 300 g (Bild: Zollern, Soest) schriften mit den Feingießereien in Prüf-
rienbereich Werkzeugkosten einsparen. anweisungen umgesetzt werden. Es ge-
IV. Werkstoff nügt also nicht, Feingussteile nur mit der
Weitere Aspekte, die die Wirtschaftlichkeit Beim Feinguss liegt der Kostenschwer- Angabe „Abnahme nach EN 10204“ in
der Feingussfertigung beeinflussen kön- punkt bei den Arbeitszeiten und den Auftrag zu geben, weil dadurch der Ab-
nen, sind im Folgenden beschrieben. Formstoffen. Die Art des Werkstoffes nahmeumfang nicht hinreichend genug de-
beeinflusst deshalb den Preis nur bei finiert ist. Erst bei Nennung einer Liefer-
I. Stückzahlen und/oder Abnahmevorschrift ist der Fein-
hoch legierten Stählen, Cobalt-, Kupfer-,
e größer die Stückzahl insgesamt ist, Nickel- und Titan-Basislegierungen. Bei gießer in der Lage, den geforderten Prüf-
hergestellt in einer oder mehreren Se- umfang anzubieten.
Bauteilen gleichen Legierungstyps sind
rien, desto niedriger sind die anteiligen die Preisunterschiede für ein bestimm- Wird also vom Besteller eine Abnahme ge-
Werkzeugkosten je Stück. Möglich sind
tes Gussteil nur gering. wünscht, so ist das bereits bei der Bestel-
auch die werkzeuglose Fertigung mit Hilfe
lung zu vereinbaren. Diese Vereinbarungen
generativer Verfahren, die ein apid Pro- Werden jedoch Werkstoffe höchster ua- beziehen sich dann auf die Art der Proben-
totyping und apid Tooling ab Losgröße lität im Vakuum erschmolzen und im Va- nahme, den Prüfumfang und auf die Prü-
Eins ermöglichen, worauf ausführlich im kuum vergossen, so rechtfertigen die da- fung. Dabei ist es ratsam, die entsprechen-
Kapitel 2.4 berichtet wird. mit erzielten hohen Gebrauchswerte den den Normen für die Technischen Lieferbe-
Die in einer Serie herzustellende Stück- höheren Aufwand. Die Aufpreise betra- dingungen heranzuziehen, die im Anhang,
zahl bestimmt, inwieweit das Spritzen der gen etwa 10 bis 120 , bezogen auf einen Seite 47 aufgeführt sind. Die Kosten für
unlegierten, offen erschmolzenen Stahl. gewünschte Abnahmen sind vom Be-
Modelle, der Zusammenbau, das Tren-
nen, Schleifen und gegebenenfalls ich- steller zu tragen.
V. Toleranzen
ten mechanisiert werden können. Trotz Feingussteile aus Aluminiumlegierungen
des Aufwandes für das Mechanisieren Auch bei Feinguss beeinflussen vorge- werden nach DIN 1559-1 und -4 und sol-
vermindern die dadurch eingesparten Zei- schriebene Toleranzen den Preis spürbar. che aus Stahl-Nickel- und Cobaltlegie-
ten den Stückpreis beachtlich. Es ist deshalb sinnvoll, keine Toleranz rungen nach DIN EN 2103 abgenommen.
enger zu wählen, als es der Zweck erfor- Ausländische Normen, wie zum Beispiel
II. Sperrigkeitsgrad und Stückzahlen dert. Erfahrungsgemäß werden dem Fein- IL-C-6021 H und IL 21180 C, sowie die
e mehr Modelle zu einer Gießeinheit, der gießer oft Maßtoleranzen genannt, die Abnahmevorschrift AI 3380 kommen
sogenannten Traube, zusammengefasst ursprünglich aus der spanenden Ferti- ebenfalls zur Anwendung. Ausländische
werden können, desto günstiger ist der gung stammen und so eng gar nicht ge- Normen können auch Grundlage zur Lie-
Stückpreis. Dies wird beeinflusst vom braucht werden. Es bringt Preisvorteile, ferung von Feingussteilen sein.
Sperrigkeitsgrad der Teile, womit der sie den verfahrenstechnischen Möglich-
keiten des Feingießers anzupassen. VII. Günstige Preise
aum gemeint ist, den sie in der Gießform
einnehmen. Daher wird ein kompaktes Der geringste Aufwand wird durch detail-
Feingussteil meist billiger sein als ein Für die Toleranzen der Werkstoffanalysen liertes Abstimmen zwischen Besteller und
sperriges mit dem gleichen Gewicht. Der gilt das nur dann, wenn die allgemein ge- Feingießer erreicht. Das sollte rechtzeitig
Sperrigkeitsgrad wird aber auch davon normten Elemente eingeschränkt werden geschehen, also bevor die Werkzeuge
beeinflusst, ob ein Gussteil aus gieß- müssen, was jedoch nur selten vorkommt. angefertigt werden. Aber auch später
technischen Gründen ein- oder mehrfach kann das Gießen noch durch oft nur ge-
angeschnitten werden muss. Der Einfluss ringfügig erscheinende nderungen er-
des Sperrigkeitsgrades ist einer der Grün- leichtert werden. So lassen sich meist
de, warum es bei Feinguss nicht möglich Werkstoffkosten und Gussteilpreise sen-
ist, Preise je Gewichtseinheit, sogenannte ken und/oder die Funktionssicherheit und
„Kilopreise“, zu nennen. Standzeit der Gussteile erhöhen.
VIII. Richtpreise
III. Kerne Für die Projektkalkulationen und als Orien-
Wasserlösliche und keramische Kerne tierungshilfe werden vom Feingießer auf
bieten vielfältige Möglichkeiten für die Wunsch ichtpreise genannt. Für wertana-
wirtschaftliche Formgebung, erfordern aber lytische Vergleiche ist es jedoch unerläss-
auch entsprechenden Aufwand. Wenn es lich, einschließlich der Abnahme- und Prüf-
konstruktiv möglich ist, ohne sie auszukom- Bild 125: Glashalter für die Installationstech- kosten alle erforderlichen Daten zu erfas-
men, verringern sich jeweils Stückpreis und nik aus dem Werkstoff: G2CrNi o17-12-2 sen und exakt zu kalkulieren. Nur so ist es
Werkzeugkosten beträchtlich. (W.-Nr. 1.4404) (Bild: Buderus, oers) möglich, verbindliche Preise zu nennen.

40
6 Schweißen an Fein- 6.1 Stahlguss 6.1.2 Typische Schweißverfahren

gussbauteilen 6.1.1 Grundlagen


In den letzten ahren erfolgte ein m-
bruch bei den Schweißverfahren. Durch
Produktionsschweißungen an Feinguss- nter den Gusswerkstoffen zeichnet sich die Herstellung von Fülldrähten für das
teilen sind sicherlich nicht die egel, je- Stahlguss durch seine gute Schweiß- etallschutzgasschwei en (MSG)
doch auch nicht wegzudenken, insbe- barkeit aus. Dieser besondere Vorteil der konnte die Angebotspalette an den ver-
sondere dann, wenn die Stückgewichte Erzeugnisform Stahlguss kann bei der schiedensten Schweißzusatzwerkstoffen
größer werden. Die hohe Vielfalt der An- konstruktiven Gestaltung von hoch bean- deutlich erhöht werden. Für diese Drähte
forderungen an Oberflächen und Volumen- spruchten Bauteilen vorteilhaft ausgenutzt kommen kostengünstige Standardgrund-
güten, an die Geometrie und die Maßhal- werkstoffe zum Einsatz. Durch Einbringen
werden. Das gilt auch für den Stahlfein-
tigkeit der Feingussprodukte zwingt dazu, der verschiedensten Legierungselemente
guss.
immer häufiger konstruktive Veränderun- in Pulverform entsteht ein Draht mit genau
gen vorzunehmen oder aber Oberflächen- definierter Zusammensetzung. Hierdurch
und Volumengüten zu verbessern. Hierzu I. Schweißeignung wurde der Anteil an Schweißelektroden
ist es unumgänglich, Verfahren anzuwen- Feingussteile aus Stahllegierungen zeich- für das E-Handschweißen deutlich redu-
den, wie zum Beispiel das Schweißen, da- nen sich unter anderem in Abhängig- ziert.
mit auch die Wirtschaftlichkeit gewähr- keit der chemischen Zusammensetzung
leistet bleibt. durch Ihre gleichmäßigen mechanischen Stark verbreitetet ist inzwischen, auf
Eigenschaften in allen ichtungen als gut Grund der Größe der Bereiche, die durch
Nach den gängigen egelwerken, zum Schweißen instandgesetzt werden müs-
Beispiel der DIN EN 1559 „Gießerei- schweißbar aus. Die Schweißeignung
sen, das Wolfram-lnertgas-Schwei ver-
wesen, Technische Lieferbedingungen“, wird im Wesentlichen durch die Eigen-
fahren (WIG) und das Laserschwei en.
ist das Schweißen an Stahl- und Alu- schaftsänderungen in der Wärmeeinfluss-
Auch Kombinationsverfahren, wie das
miniumgussteilen grundsätzlich erlaubt zone (WEZ) bestimmt, die ihrerseits bei Laserh bridschwei en, werden genutzt.
und als Produktionsschweißung definiert. gegebener chemischer Zusammenset- Mit diesem Verfahren lassen sich die Vor-
Das Produktionsschweißen schließt defi- zung durch die Wanddicke sowie die teile vom Lichtbogen- und Laserschwei-
nitionsgemäß die Begriffe Fertigungs- und Schweißparameter, zum Beispiel Vor- ßen verbinden. Das Prinzip ist einfach:
Verbindungsschweißen ein. wärm- und Zwischenlagentemperatur, und/ Beim Laserhybridsystem trifft die mit Licht-
nter angemessener Berücksichtigung oder Wärmeeinbringen bedeutend beein- geschwindigkeit transportierte Energie
des Werkstoffs und der Form des Guss- flussen kann. des Laserstrahls mit dem Plasma des
teils sind Produktionsschweißungen so Lichtbogens zusammen. Sie wirken gleich-
durchzuführen, dass die im Schweißwerk- II. Schweißvorbereitung zeitig in dieselbe Schweißzone und ver-
stoff und in der Wärmeeinflusszone rele- Die zum Schweißen vorbereiteten Berei- stärken ihre Wirkung.
vanten Eigenschaftswerte den Anforde- che sind grundsätzlich durch eine Sicht-
rungen an die Eigenschaften des Grund- Ein Multitalent für Auftrags- und Verbin-
prüfung zu beurteilen, wenn möglich zu-
werkstoffs ausreichend entsprechen. Die dungsschweißungen oder auch für das
sätzlich mittels der Farbeindring- oder
Bereiche, wo Produktionsschweißungen Beseitigen partieller Poren, Schwindungs-
Magnetpulverprüfung. fehler usw. ist das Laserschweißen von
durchgeführt werden sollen, sind so vorzu-
bereiten und zu prüfen, dass eine einwand- Die Kriterien für die Beurteilung der Hand. Dieses Verfahren kommt bevorzugt
freie Schweißung sichergestellt ist. Die zum Einsatz, wenn kleinste Schweißun-
Schweißbereiche sollten mindestens den-
Dokumentation dieser Bereiche kann ver- gen notwendig sind, die möglichst ohne
jenigen des Gussteils beziehungsweise der
einbart werden (Auszug aus DIN EN 1559). Maßverzug vollzogen werden müssen.
betreffenden Gussteilzone entsprechen.
Ebenso bedarf es der Vereinbarung zwi- Im Allgemeinen sollten jedoch verschärfte Neben dem Handlaserschweißen mit
schen Kunde und Lieferant/Hersteller, Kriterien angelegt werden. Lineare Anzei- einem ND: AG-Laser (die Buchstaben
Schweißverfahrens-Prüfungen zum Bei- gen, die auf isse schließen lassen, sind stehen für Neodym - ttrium - Aluminium
spiel nach DIN EN 288-3 oder Schweißer- grundsätzlich zu beseitigen. - Granat) sind auch automatische Verfah-
ualifikation nach IS 9606-1 zu verlan- ren heute im Einsatz. Mit diesem Verfah-
gen zum Nachweis, dass der Hersteller Zu beachten ist, dass die zum Schweißen ren sind alle Feingusswerkstoffe außer
die Produktionsschweißungen korrekt aus- vorbereitete Mulde oder Schweißflanke Gusseisen gut schweißbar.
führen kann, gegebenenfalls in Verbin- vor dem Schweißen frei von Schmutz, l
dung mit einer Wärmebehandlung nach oder Prüfmittelresten ist.
dem Schweißen.
III. Vorgaben und Regelwerke für das
Schweißen
Die Schweißzusatzwerkstoffhersteller
informieren auf den Schweißzusatzwerk-
stoffverpackungen (zum Beispiel bei E-
Hand-Elektroden) umfangreich über Strom-
stärke, Stromart oder Vorwärmtempe-
raturen. Zusätzlich können viele wichtige
Informationen aus den Herstellerkatalo-
gen entnommen werden. Da die meisten
Stahlgusssorten in egelwerken ent-
halten sind, zum Beispiel in DIN EN Bild 127: Einteilig gegossene Schwinggabeln
Bild 126: Feingegossene Landekla e für den für Füllstandsmessung aus dem Werkstoff G -
10283, erhält der Anwender auch hier die 2CrNi o18-14-3 (W.-Nr. 1.3952),Abmessungen:
Airbus A 340 Träger (links) aus EN AC-AlSi-
7 g0,6 (W.-Nr: EN AC-42200), ohr und Wagen notwendigen Informationen, die für eine 106 x 38 mm, Gewicht: 78 g (oben) und 23 x 64
(rechts) aus G-TiAl6V4 (Bild Tital, Bestwig) fachgerechte Schweißung notwendig sind. mm, 35 g (unten) (Bild: Zollern, Sigmaringen)

41
6.1.3 Thermische Behandlung vor 6.2 Aluminium strom unter Argon als Schutzgas ange-
und nach dem Schweißen wandt. Produktionsschweißungen lassen
6.2.1 Grundlagen sich zuverlässig bei allen gängigen Fein-
e nach Art und Größe der Schweißungen gusslegierungen mit dieser Technik durch-
wird niedrig legierter bis martensitischer Im Allgemeinen lässt sich Aluminium führen. ualitativ verbesserte Ergebnisse
Vergütungsstahl entweder in geglühtem schweißen. Das Metall weist jedoch,
bei Schweißungen an Gussteilen werden
oder vergütetem Zustand geschweißt. verglichen mit den Schweißeigenschaf-
heute mit dem Einsatz von Argon/Helium-
Sofern im geglühten Zustand geschweißt ten von Stahl, zahlreiche Spezialcharak-
Gasgemischen erzielt.
wird, muss danach die Vergütung er- teristika auf. Insbesondere der Sauberkeit
folgen. Andererseits ist es möglich, dass kommt hohe Bedeutung zu. Der Schmelz- WIG-Schwei en von Aluminiumwerk-
vor dem Schweißen angelassen oder punkt der auf der Aluminiumoberfläche stoffen mit Gleichstrom wird vorzugsweise
entspannt wird. Hierbei ist zu beachten, befindlichen Oxidschicht beträgt gegen-
bei voll mechanisierten oder automati-
dass die Anlass-/Spannungsarmglüh- über dem Metall selbst gut das Dreifache
schen Schweißungen eingesetzt. Als
temperatur etwa 20 bis 30 °C unterhalb (rund 2050 °C). Diese Schicht, die auch
Schutzgas fungiert Helium. Instandset-
der gewählten Anlasstemperatur liegt, als Elektroisolierung fungiert, erschwert
daher die aupenbildung auf der Fugen- zungsarbeiten können heute mit diesem
damit die eingestellten mechanisch-tech-
oberfläche. Die Oxidschicht ist ausge- Verfahren in guter ualität an großen,
nologischen Werte nicht verändert wer-
sprochen hart und zäh, und die absplit- dickwandigen Aluminiumbauteilen durch-
den.
ternden Partikel können beim Schweißen geführt werden, da hier das Schweißen
Austenitischer Stahlguss wird grund- leicht in das Schmelzbad geraten und ohne Vorwärmung möglich ist.
sätzlich im abgeschreckten Zustand ge- Schweißnahtfehler oder Oxideinschlüsse
schweißt. Bezüglich eines erneuten verursachen. Bei einer stärkeren Oxid- Automatisierte Schweißvorgänge lassen
Lösungsglühens nach dem Schweißen schicht, insbesondere bei gleichzeitig sich heute vorteilhaft in Verbindung mit ent-
muss unterschieden werden in die ansteigender Temperatur und Luftfeuch- sprechenden Spann- und Positioniervor-
Standard-Austenite mit C-Gehalten bis tigkeit, wird die Oberfläche porig und ab- richtungen mit der Laserstrahlschwei -
0,07 ohne Niob-/Titanzusätze und in sorbiert Feuchtigkeit aus der mge- technik an Gussteilen durchführen.
die Gruppe der Austenite mit C-Gehalten bungsluft. Mit dieser Feuchtigkeit gelangt
0,03 oder mit Niob-Titan stabilisiert. Wasserstoff in die Schweißnaht und ver- Die Elektroden für das WIG-Schweißen
Grund hierfür ist beispielsweise die Ge- ursacht die Entstehung von Poren. Aus bestehen aus Wolfram oder aus Wolfram
fahr von interkristalliner Korrosion in der diesem Grunde sollte die Oxidschicht vor mit Beimengungen oxidischer Zusätze.
Wärmeeinflusszone, die durch chemi- dem Schweißen mechanisch oder che- Die Elektrodenwerkstoffe sind in DIN EN
schen Angriff entlang der Korngrenzen misch entfernt werden. 26848 genormt.
entstehen kann. Hierbei wird das Gefüge
aufgelockert und der metallische Zusam- Grundsätzlich ist nach dem Schweißen Argon ist das Standardschutzgas für nor-
menhang gestört. eine Wärmebehandlung gemäß der Werk- male Schweißaufgaben. Argon/Helium
stoff-Spezifikationen der Gussteile durch- (Gasgemisch) wird überall dort einge-
Bei den Standard-Austeniten scheidet zuführen. Hinweise zur Schweißbarkeit setzt, wo erhöhte Anforderungen an die
sich durch das hohe Wärmeeinbringen der einzelnen Legierungen sind in der Schweißnaht ualität gestellt werden (DIN
beim Schweißen Chromcarbid aus. Der Norm DIN EN 1706 hinterlegt. 32 526 beziehungsweise DIN EN 439).
Chrommindestgehalt für die Passivierung
der Oberfläche in der Matrix nahe den 6.2.2 Typische Schweißverfahren Im Allgemeinen ist artgleicher Zusatz-
Korngrenzenbereichen wird unterschrit- werkstoff zu verwenden. Zusatzwerkstoffe
ten und es entsteht interkristalline Korro- Das Wolfram-Inert-Gasschwei en werden als relativ dünne nackte Drähte
sion. m dies zu verhindern, werden häu- (WIG) ist das wichtigste Schmelz- (1,6 oder 2,4 mm, auch 3,2 Dmr.) verwen-
fig sogenannte Low-Carbon-Austenite schweißverfahren zum Fügen von Alu- det, die als Stäbe oder aufgespult geliefert
oder Niob- und Titanvarianten eingesetzt. minium und dessen Legierungen. Es wird werden. Der Draht muss vor Schmutz und
Hierdurch können längere Verweilzeiten eine nicht abschmelzende Elektrode aus Feuchtigkeit geschützt werden, da Ver-
im kritischen Temperaturbereich zwischen Wolfram verwendet. Der blanke Zusatz- unreinigungen die ualität der Schweiß-
600 und 700 °C gefahrlos durchlaufen draht muss gesondert zugeführt werden. verbindung herabsetzen. Mit geschältem
werden, oder es erfolgt ein Post Weld Dieses Verfahren wird im Allgemeinen für Draht ist das Gefüge der Schweißnaht zu
Heat Treatment, ein Lösungsglühen. das Freihandschweißen mit Wechsel- verbessern.

Bild 128: Bearbeitete und olierte nie-Im lantate aus CoCr o-Legie- Bild 129: nochenklammern für die edizintechnik aus Co-Basisle-
rung gemä AST F75 (Bild: Buderus, oers) gierung, Abmessungen: 25 x 13 x 4 mm, Gewicht: 3 g (Bild: Zoll-
ern, Sigmaringen)

42
7 Wärmebehandlung Die nachfolgend beschriebenen wichtig-
sten Wärmebehandlungsverfahren be-
ziehungsweise -schritte können je nach
Feingussteile können in vielen Fällen un-
Werkstoffgruppe oder Gussteilkategorie
behandelt zum Einsatz kommen. Sie
teilweise entfallen oder werden mitein-
werden bei Bedarf und bei bestimmten ander kombiniert. Eine bersicht der Tem-
Werkstoffen zur Erzielung der geforderten peraturlagen beim Wärmebehandeln von
Eigenschaften aber auch wärmebehan- unlegiertem Stahlguss wird im Bild132
delt. Werkstoffspezifisch können unter- gegeben.
schiedliche Wärmebehandlungen erfor-
Bild 130: Fertig bearbeitetes Bauteil Link derlich sein. Diese erfordern deshalb eine 7.1.2 Vorbereitendes Wärmebe-
aus Titanfeinguss im einbaufähigen Zustand spezielle Vereinbarung zwischen dem handeln
(Bild: Tital, Bestwig) Kunden und der betreffenden Gießerei.
Zu den vorbereitenden Wärmebehand-
6.2.3 Schweißnahtvorbereitung lungsverfahren gehören unter anderem
7.1 Stahlguss das Diffusionsglühen, das Normalglühen,
Die Schweißnahtvorbereitung bedarf ei- das Weichglühen und das Spannungs-
ner sorgfältigen Ausführung. Die auszu- Stahlguss wird mit wenigen Ausnahmen
immer wärmebehandelt. Dabei werden armglühen. Angestrebt werden die im Fol-
bessernden Gussteiloberflächen sind genden aufgeführten Ziele:
mechanisch von Oxydhäuten zu befreien. folgende Ziele angestrebt:
Schmutz, l oder Prüfmittelreste sind - Vermindern der erstarrungsbedingten - Ausgleich von Kristallseigerungen,
ebenfalls zu entfernen. Bei großen, dick- Seigerungen (hauptsächlich bei grö- - feineres Ausgangsgefüge für ein
wandigen Gussteilen ist ein Vorwärmen ßeren Gieß uerschnitten), nachfolgendes Vergüten,
zu empfehlen, um Bindefehler, Porosi-
täten und Spannungen zu vermeiden. - Kornfeinen des relativ grobkörnigen Er- - Senken des isikos der issbildung
Vorwärmtemperaturen bis etwa 250 °C starrungsgefüges bei umwandlungs- beim thermischen Bearbeiten wie
werden angewendet. fähigen Sorten, Brennschneiden oder Fugenhobeln,
- Erzielen der legierungsabhängigen - Erleichtern des spanenden Vorbear-
6.2.4 Schweißerqualifikation beitens, zum Beispiel zum Verringern
Werkstoffeigenschaften durch uali-
Käufer und Hersteller werden darauf auf- tätsbestimmendes Wärmebehandeln. der maßgebenden Wanddicken, damit
merksam gemacht, dass nur zugelassene das Durchvergüten begünstigt wird.
Verfahren und entsprechend ualifizierte 7.1.1 Grundlagen
Schweißer eingesetzt werden dürfen.
7.1.3 Qualitätsbestimmendes Wär-
Schweißerprüfungen können nach DIN Im Vergleich zu den umgeformten Stählen
mebehandeln
EN 287 oder DIN 29591 durchgeführt sind die Haltezeiten beim Wärmebehan- Die Art der ualitätsbestimmenden Wär-
werden. Die Vorschriften des Hauptver- deln von Stahlguss im Allgemeinen länger, mebehandlung ist in der egel in Nor-
bandes der gewerblichen Berufsgenos- was dem gewünschten Diffusionsaus- men, normähnlichen egelwerken und/
senschaften sind einzuhalten. gleich der Seigerungszonen sowie den oder Kundenvorschriften spezifiziert. Hier-
meist größeren Wanddicken entgegen- zu gehören beispielsweise das Normal-
Die beim Schutzgasschweißen mit hohen kommt. Im brigen besteht bezüglich der glühen (Normalisieren), Härten, Vergüten
Stromstärken besonders hohe V-Strah- legierungstechnisch erforderlichen Wär- und Spannungsarmglühen. Zur Gewähr-
lungsintensität des Lichtbogens und die mebehandlungsschritte zwischen umge- leistung der erwarteten Eigenschaften
relativ hohen Leerlaufspannungen erfor- sind einige stahlgussspezifische Beson-
formtem und gegossenem Stahl kein
dern gegenüber dem offenen Lichtbo- derheiten zu beachten, die sich im We-
grundsätzlicher nterschied.
genschweißen verstärkte Schutzmaßnah- sentlichen aus der freien Gestaltungs-
men für den Schweißer. Der Augenschutz Die Ofeneinrichtungen zum Wärmebe- möglichkeit von Stahlgussteilen ergeben:
sowie Körperschutz und eine wirksame handeln sind in der Mehrzahl leicht isoliert
Absaugung für Gase und Dämpfe sind - Die Gestalt des Gussteile muss ein
und werden über eine Vielzahl gleich- gegebenenfalls erforderliches Ab-
wichtige Aspekte beim Lichtbogenschwei-
mäßig verteilter, vorwiegend rechnerge- schrecken in einem Flüssigkeitsbad
ßen.
steuerter Kleinbrenner beheizt. Dies ge- zulassen. Neben schroffen Wand-
Weitere Informationen sind in 19, 20 ent- währleistet das exakte Einhalten der Auf- dickenübergängen müssen auch
halten heiz- und Abkühlkurven und während der schlecht zugängliche Innenräume be-
Haltezeit eine gleichmäßige Temperatur- achtet werden.
verteilung im Ofen, auch bei stark wech-
- Die angestrebten Eigenschaften kön-
selnder Belegungsdichte.
nen im Allgemeinen nur bis zu den in
Kurze Wege zu den Abschreckbädern be- den Normen oder normähnlichen e-
günstigen das Einhalten einer gleichmä- gelwerken aufgeführten maßgeblichen
ßigen Abschrecktemperatur am ganzen Wanddicken erwartet werden.
Gussteil. Mögliche Maßabweichungen - Die vom Konstrukteur festgelegte
durch Verzug oder Verzundern der Ober- Werkstoffsorte muss bezüglich der
fläche werden durch entsprechende Maß- erwarteten Eigenschaften mit der
nahmen wie zum Beispiel Auflagen im maßgeblichen Wanddicke bezie-
Glühofen oder Maßzugaben kontrolliert. hungsweise mit der erreichbaren Ab-
Bild 131: Das rismengehäuse für Telesko Da üblicherweise nicht in Schutzgasat- kühlgeschwindigkeit abgestimmt sein.
aus Aluminiumfeinguss verbindet an-
s ruchsvolle Geometrie mit hoher ber-
mosphäre wärmebehandelt wird, weist die Abgekühlt wird üblicherweise im Was-
flächengüte und Leichtbau (Bild: Feinguss andschicht meist eine legierungsab- ser- oder lbad sowie an bewegter
Blank, iedlingen) hängige Entkohlungszone auf. oder ruhender Luft.
.
43
- Die Werkstoffspezifikation darf nicht ein weiteres Anlassglühen durchgeführt. 7.2 Aluminium
überbestimmt sein, zum Beispiel Wenn dabei die Abkühlrate höchstens
durch zu enge Spannen bei den Wär- 25 °C/h beträgt, kann auf ein zusätz- 7.2.1 Grundlagen
mebehandlungstemperaturen bei ge- liches Spannungsarmglühen verzichtet
gebenen Mindestwerten für die me- werden. Die Eigenschaften bestimmter Aluminium-
chanischen Eigenschaften. gusslegierungen können nach dem Gie-
Bei ungleichen Werkstoffpaarungen, die ßen durch eine Wärmebehandlung ver-
Die werkstofftechnischen Zielsetzungen unter anderem bei Konstruktionsschwei- bessert werden. Sie wird vor der mecha-
für die wichtigsten Werkstoffgruppen lau- ßungen auftreten können, müssen die nischen Bearbeitung am ohguss durch-
ten: Glühtemperaturen werkstoffgerecht an- geführt. Die Art der Wärmebehandlung rich-
gepasst werden. Für bestimmte Anwen- tet sich nach der verwendeten Legierung
- Feinkörniges Schwarz-Weiß-Gefüge dungsbereiche, wie beispielsweise warm- und der beabsichtigten Wirkung. Ihre Durch-
(Ferrit-Perlit) bei un- bis niedriglegier- fester Stahlguss, sind die entsprechenden führung setzt deshalb genaue Kenntnis-
tem Stahlguss, erzielt durch ein Nor- egelwerke zu beachten. Eine erneute se der vorhandenen Möglichkeiten und
malglühen, ualitätsbestimmende Wärmebehand- der geeigneten Methoden voraus, eben-
- Möglichst 100 Vergütungsgefüge lung nach dem Schweißen ist nur in Aus- so praktische Erfahrungen und geeignete
(angelassener Martensit und unterer nahmefällen üblich, wie beispielsweise Einrichtungen.
Bainit) bei niedrig bis hoch legiertem bei Werkstoffen mit Sondereigenschaf-
Vergütungsstahlguss zum Gewähr- ten (kaltzäh, hochkorrosionsbeständig). In Folgende Varianten der Wärmebehand-
leisten des gewünschten Festigkeits- diesen Fällen kann bei Fertigungs- lung sind im Bereich des Aluminiumgus-
/Zähigkeits-Verhältnisses. Dazu sind schweißungen der in den betreffenden ses verbreitet:
mindestens zwei Wärmebehandlungs- Normen beschriebene Dokumentations-
- T4: Lösungsgeglüht und kaltausge-
schritte erforderlich: Härten und An- nachweis entfallen.
lagert,
lassen,
- T5: Kontrollierte Abkühlung nach dem
- Möglichst ausscheidungsfreies aus- 7.1.5 Ausscheidungshärten
Guss und warmausgelagert oder über-
tenitisches oder austenitisch-ferriti- Ein Ausscheidungshärten kann bei der altert,
sches Gefüge bei den umwandlungs- Verwendung von mikrolegiertem Vergü- - T6: Lösungsgeglüht und vollständig
freien hoch legierten Stahlgusssor- tungsstahlguss sowie bei martensiti- warmausgelagert,
ten, erreicht durch ein Lösungsglü- schem, austenitischem und austenitisch- - T7: Lösungsgeglüht und überaltert
hen mit nachfolgendem Abschrecken, ferritischem Stahlguss, der über Sonder- (stabilisierter Zustand).
- Nach umfangreichem spanenden Be- elemente wie Kupfer und Niob ausschei-
arbeiten kann unter mständen ein dungshärtbar ist, angewendet werden. Bei der T4-, T6- und T7-Behandlung wer-
Spannungsarmglühen empfehlens- Diese Sonderelemente werden nach ei- den die Gussteile einem Lösungsglühen
wert sein. nem Lösungsglühen über eine weitere unterzogen, anschließend abgeschreckt
thermische Behandlung, üblicherweise und danach kalt- oder warmausgelagert.
7.1.4 Wärmebehandeln von Ferti- im unteren Temperaturbereich des Anlas- Bei der T5-Wärmebehandlung werden die
sens, gezielt ausgeschieden und können Gussteile aus der Gießhitze kontrolliert
gungs- und Konstruktions-
so zu einer beachtlichen Festigkeitsstei- abgekühlt und ohne ein Lösungsglühen
schweißungen warmausgelagert.
gerung bei vertretbarer Zähigkeitsminde-
Bei un-, mittel- und hoch legierten ferritisch- rung führen. Bei den hoch legierten korro-
martensitischen Stahlgusssorten wird sionsbeständigen Stahlgusssorten ist zu- Die werkstoffseitig notwendige Vorausset-
üblicherweise nach dem Schweißen zum sätzlich ein Abfall der Korrosionsbestän- zung, dass eine Legierung wärmebehan-
Härte- und Eigenspannungsausgleich digkeit zu beachten. delt werden kann, ist das Vorhandensein
von Legierungsbestandteilen, die mit Alu-
minium aushärtbare Phasen bilden und/
oder bei hoher Temperatur im Aluminium-
mischkristall eine größere Löslichkeit be-
sitzen als bei niedriger Temperatur. Sol-
che Bestandteile sind zum Beispiel Kup-
fer, Magnesium oder Silicium (Bild 133).

7.2.2 Qualitätsbestimmendes Wär-


mebehandeln

I. T6-Wärmebehandlung
Die T6-Wärmebehandlung, früher auch
als Aushärtung bezeichnet, ist die weitaus
wichtigste Wärmebehandlung beim Alumi-
niumfeinguss. Während für viele Anwen-
dungsfälle die im Gusszustand erreich-
baren Festigkeitswerte genügen, werden
für hoch beanspruchte Gussteile aushärt-
bare Legierungen eingesetzt. Mit diesen
Legierungen lassen sich aufgrund ihrer
speziellen Zusammensetzung durch eine
Bild 132: Tem eraturlagen der verschiedenen Wärmebehandlungsverfahren für unlegierten
T6-Wärmebehandlung die höchsten bei
Stahlguss im Eisen- ohlenstoff-Diagramm
A1 - mwandlungstem eratur Austenit - erlit (Linie - S) Aluminiumguss möglichen Festigkeits-
A3- mwandlungstem eratur Ferrit - Austenit (Linie G - S) werte erzielen. Die EN AC-AlSi7Mg03 (W.-

44
Bild 133: Einfluss der Tem eratur auf die Bild 134: Eckblock für Laserstrahlumlenkung Bild 135: Tem eraturverlauf bei der Aushär-
L slichkeit verschiedener Legierungsbe- aus EN AC-AlSi7 g0,6 (W.-Nr. EN AC-42200), tung von Feingussteilen aus Aluminium
standteile im Aluminium Abmessungen: 260 x 280 x 230 mm, Gewicht:
3600 g (Bild: Zollern Sigmaringen)

Nr. EN AC-42100) und EN AC-AlSi7Mg06 Durch das Abschrecken in Wasser wird der Warmauslagerung. Sie wird gezielt
(W.-Nr. EN AC-42200) sind typische Legie- der Gefügezustand, der sich beim Lö- länger und /oder bei höherer Temperatur
rungen, die T6 wärmebehandelt und im sungsglühen eingestellt hat, bei aum- durchgeführt. Dadurch fällt die Festigkeit
Feinguss häufig eingesetzt werden. temperatur eingefroren. Dabei entstehen, wieder ab und die Dehnung steigt an. Bei
wie bereits erwähnt, übersättigte Aluminium- Bauteilen, die im Betrieb höheren Tempe-
Mit einem Erhöhen der mechanischen Fes- mischkristalle, die aushärtungsfähig sind. raturen ausgesetzt sind, stabilisiert das
tigkeit ist immer ein Anstieg der Härte ver- die mechanischen Eigenschaften. Die
Mit Wasser als Abschreckmedium lassen sonst erfolgende sogenannte beralte-
bunden. Das Wesentliche ist jedoch nicht
sich die höchsten Abkühlraten erzielen. rung wird vorweggenommen.
das Erhöhen der Härte, sondern die Stei-
Es wird bei der Wärmebehandlung von
gerung von Streckgrenze, Zugfestigkeit und
Gussteilen am häufigsten angewendet. Für III. T4-Wärmebehandlung
dynamischer Festigkeit.
das Abschrecken muss eine ausreichen-
de Wassermenge zur Verfügung stehen, Bei der T4-Wärmebehandlung werden die
Die T6-Wärmebehandlung selbst erfolgt Gussteile lösungsgeglüht und abge-
da andernfalls die Teile beim Tauchen
allgemein in drei Arbeitsstufen (Bild 135): schreckt. Abweichend von der T6- oder
größtenteils nur vom Wasserdampf um-
- Lösungsglühen, geben sind, wodurch der Abschreckeffekt T7-Behandlung findet das Auslagern der
- Abschrecken, ungenügend ausfällt. Zusatzmittel wie Gussteile dann aber bei aumtemperatur
A ua-Tenside verbessern die Abschreck- statt und man spricht vom Kaltauslagern.
- Warmauslagern. bedingungen speziell für große verzugs- Diese Kaltauslagerung erfolgt selbsttätig
Die anzuwendenden Temperaturen und gefährdete, dünnwandige Feingussteile. und ist nach etwa zehn Tagen abgeschlos-
Glühzeiten sind legierungsabhängig. icht- sen (legierungsabhängig). Kaltausgehär-
Manche Gussteile sind jedoch so ungüns- tete Legierungen enthalten Cu und/oder
werte sind den Legierungspezifikationen tig gestaltet, dass sie während des Ab-
zu entnehmen 21, 22 . Zn als Legierungsbestandteile. Diese Le-
schreckens starke Eigenspannungen auf- gierungen werden im Feingießverfahren
bauen und zum Verziehen neigen. Solche allerdings nur selten verwendet.
Beim L sungsglühen bei 480 bis 540 °C Gussteile müssen nach dem Abschrecken
(siehe auch Angaben in Werkstoffleis- gerichtet werden. IV. Entspannen, Stabilisieren, Weich-
tungsblättern) sollen jene Gefüge- bezie-
Die Zeit zwischen dem ffnen des Lö- glühen
hungsweise Legierungsbestandteile, die
eine Aushärtung bewirken, vollständig in sungsglühofens und dem Abschrecken Diese Wärmebehandlung wird in der
Lösung gebracht werden. Es ist darauf zu muss so kurz wie möglich sein. Als icht- Praxis verhältnismäßig selten angewen-
achten, dass die vorgeschriebene, ange- wert gilt etwa 10 Sekunden. Nur bei Ein- det. Einzelheiten sollten jeweils mit einer
gebene Höchstgrenze nicht überschritten haltung dieser Zeit kann mit einem opti- erfahrenen Gießerei besprochen werden.
wird, weil sonst bereits niedrig schmelzen- malen Aushärtungseffekt gerechnet wer-
de, eutektische Legierungsbestandteile den. V. Selbstaushärtung
anschmelzen können und die Gussteile nmittelbar nach dem Abschrecken sind Es gibt einige Aluminiumgusslegierungen,
dadurch unbrauchbar werden. Wird die die Teile zunächst noch weich und dehn- die bereits durch Lagerung bei aumtem-
angegebene Lösungstemperatur unter- bar. Eventuell erforderliche ichtarbeiten peratur einen Festigkeits- und Härtean-
schritten, kann der Aushärtungseffekt sind in diesem Stadium auszuführen. stieg durch Kaltaushärtung zeigen, auch
nicht erreicht werden. Das Lösungsglü- ohne dass aus der Gießhitze kontrolliert
hen muss deshalb unbedingt in einem re- Durch das Warmauslagern werden meta- abgekühlt wurde (Vergleiche T4-Wärme-
gelbaren Ofen mit Luftumwälzung vorge- stabile Phasen im Kristallgitter ausge- behandlung). Dieser Effekt wird als Selbst-
nommen werden. schieden. Dadurch steigen die Streck- aushärtung bezeichnet. Dazu gehört zum
grenze, Festigkeit und Härte, während Beispiel die Legierung EN AC-AlZn5Mg
Die Festigkeit der Gussteile ist während die Dehnung abfällt. Die Ausscheidungen (W.-Nr. EN AC-71000). Festigkeitsprüfun-
des Lösungsglühens sehr gering. Daher sind im Lichtmikroskop nicht sichtbar. gen sind frühestens nach 8 Tagen durch-
muss durch entsprechende Vorrichtungen zuführen. Die Festigkeitswerte können
vermieden werden, dass die Gussteile II. T7-Wärmebehandlung sich aber auch noch nach Monaten, teil-
auf Biegung oder Druck beansprucht Die T7-Wärmebehandlung ist der T6-Be- weise ahren ändern, was die Verwen-
werden. Sie dürfen deshalb keinesfalls handlung ähnlich. Der nterschied be- dung der selbstaushärtenden Legierungen
aufeinander liegen. steht lediglich in der Dauer und Temperatur problematisch macht.

45
Anhang
Normen und Richtlinien
Die Normen und ichtlinien für die Fein- schaffung von Gussteilen vereinfacht und teur, Gießer sowie Modell- und Werkzeug-
gusswerkstoffe und deren Anwendung sichergestellt, dass die gelieferten Bautei- bauer, das große Leistungsvermögen des
bieten eine Fülle an Informationen und le den Anforderungen des Konstrukteurs Feingießens als Fertigungsverfahren auch
Hinweisen für den Konstrukteur und Guss- entsprechen. Durch die Definition der Anfor- wirtschaftlich optimal zu nutzen. Die Anwen-
anwender. Durch sie lassen sich die An- derungen und Grenzen, in denen bestimmte dung der betreffenden Normen, ichtlinien
forderungen und Eigenschaften an ein ualitätsmerkmale schwanken dürfen, oder Spezifikationen ist somit ein wichtiger
spezifisches Bauteil definieren. Durch die werden die Kosten im Kern beeinflusst. Hier Baustein zur konstruktiven Lösung unter
Nutzung dieser Normen wird die Beschaf- ermöglicht der Dialog zwischen Konstruk- Nutzung des Feingießverfahrens.

Werkstoffnormen und Technische Lieferbedingungen


Die Werkstoffpalette für den Feinguss Werkstoffgru e National Euro äisch International SA
überstreicht alle wichtigen technischen (DIN) (EN) (IS )1 (AST )1
Gusswerkstoffe. Diese sind national nach
DIN (deutsche Normung) oder DIN EN Stahlguss für allgemeine Anwendungen DIN EN 10293 DIN EN 10293 ISO 3755 ASTM A 27
(europäische Normung) und international ISO 9477
zusätzlich zur E -Normung nach IS ge- ISO 14737
normt. Vielfach kommen im internatio- Hitzebeständiger Stahlguss DIN EN 10295 DIN EN 10295 ISO 11973 ASTM A 297
nalen Handel auch die amerikanischen ASTM A 351
Normen (AST ) zur Anwendung.
Korrosionsbeständiger Stahlguss DIN EN 10283 DIN EN 10283 ISO 11972 ASTM A 743
Die Werkstoffe können entweder durch ASTM A 744
Kurzzeichen oder durch Nummern defi-
Kaltzäher Stahlguss ASTM A 352
niert werden. Kurzzeichen dürfen sowohl
für genormte als auch nicht genormte Austenitischer Manganstahlguss ISO 13521 A128/A128M
Gusswerkstoffe angewendet werden. Die Gussstücke aus Titan- und Titanlegierungen DIN 17865 ASTM B367
Werkstoffnummern sind nur für die ge-
normten Werkstoffe anwendbar. Einige Aluminium- und Aluminiumlegierungen - DIN EN 1706 DIN EN 1706 ISO 3522 ASTM B618
Gussstücke (Investment
Gusswerkstoffe werden nach ihrer chemi- casting)
schen Zusammensetzung bezeichnet, wie
Kupfer- und Kupferlegierungen - DIN EN 1982 DIN EN 1982 ISO 197-4 ASTM B824
beispielsweise die Stahlgusssorten. Blockmetalle und Gussstücke (Part 4)

In der folgenden Tabelle sind die derzeit Magnesium- und Magnesiumlegierungen - DIN EN 1753 DIN EN 1753 ISO 16220 ASTM B80
Blockmetalle und Gussstücke
genormten beziehungsweise nicht ge-
normten Werkstoffsorten aufgeführt und Gießereiwesen - Technische DIN EN 1559 DIN EN 1559
spezifische Normen für die Gussteile an- Lieferbedingungen

gegeben, die für Feinguss im Speziellen Teil 1: Allgemeines ISO 4990


(steel casting)
gelten. Grundsätzlich sollte die aktuellste Teil 2: Stahl
Ausgabe dieser Normen Anwendung fin- Teil 4: Aluminium
den. Teil 5: Magnesium

Geometrische Produktspezifikationen (GPS) DIN EN ISO DIN EN ISO DIN EN ISO


Neben den Technischen Lieferbedingun- - Maß-, Form- und Lagetoleranzen für 8062 8062 8062
gen für die Gusswerkstoffe (siehe Tabelle Formteile
rechts) gelten verfahrensbedingt für Fein- Teil 1 - 3
gussteile spezielle Technische Lieferbe- Visual examination of the surface condition of ISO 19959
dingungen, Maßtoleranzen, Oberflächen- investment castings - Steel, nickel alloys and
genauigkeiten und Bearbeitungszuga- cobalt alloys

ben, die in den VDG- erkblättern der 1


Werkstoffe entsprechen nur zum Teil denen der DIN und DIN EN-Normung
Tabelle rechts unten enthalten sind. Diese
befinden sich in ständiger berarbei- VDG- erkblatt Bezeichnung (Bezug der VDG-Merk-
tung, so dass die jeweils aktuelle Fas- P 690 Feinguss - Maßtoleranzen, Oberflächen, Bearbeitungszugaben blätter über e-mail:
sung Anwendung finden sollte. P 695 Technische Lieferbedingungen für Feingussstücke infozentrum@vdg.de).

Informationen zu den nationalen Normen anderer Länder unter:


Australien: www.standards.com.au Indien: www.bis.org.in S anien: www.aenor.es
Belgien: www.ibn.be Italien: www.uni.com Südafrika: www.sabs.co.za
Canada: www.scc.ca a an: www. isc.org
Dänemark: www.ds.dk Niederlande: www.nen.nl
Deutschland: www.din.de Norwegen: www.standard.no Länderübergreifende Normen:
Finnland: www.sfs.fi sterreich: www.on-norm.at
Frankreich: www.afnor.fr Schweden: www.sis.se Internationale Normen: www.iso.ch
Gro britannien: www.bsi-global.com Schweiz: www.snv.ch Euro äische Normen: www.cenorm.be

46
Allgemeine Prüfverfahren Zugversuch ( T) ISO 6892, DIN EN 10002-12
Zugversuch (HT) ISO 783, DIN EN 10002-5
Für die Prüfung der mechanisch-techno- Brinellhärte DIN EN ISO 6506-1
logischen Kennwerte sind die jeweils Vickershärte DIN EN ISO 6507-1
aktuellen Fassungen der Normen anzu- ockwellhärte DIN EN ISO 6507-1

wenden. Härte- mwertung ISO 4964, DIN 50150


erbschlagarbeit (Cha -V) ISO 148, DIN EN 10045-1, DIN 50115
mlaufbiegeversuch DIN 50113
Zeitstandversuch Zug DIN EN 10291
Innendruckversuch DIN 50104

Spezielle Prüfverfahren Inhalt Norm


berfläche DIN EN 1370: Gießereiwesen - Prüfung der Oberflächenrauheit mit Hilfe von Vergleichsmustern
(spezielle Angaben zur Oberflächengenauigkeit für Feingussteile siehe VDG-Merkblatt P 960)
Für die Prüfung der mechanisch-techno- agnet ulver rüfung DIN EN 1369: Gießereiwesen Magnetpulverprüfung
logischen Kennwerte sind die jeweils Eindring rüfung DIN EN 1371-1: Gießereiwesen - Eindringprüfung - Teil 1: Sand-, Schwerkraftkokillen- und
Niederdruckkokillen-Gussstücke
aktuellen Fassungen der Normen anzu-
ltraschall rüfung DIN EN 12680: Gießereiwesen - ltraschallprüfung
wenden. Durchstrahlungs rüfung DIN EN 12681: Gießereiwesen Durchstrahlungsprüfung
VDG-Merkblatt P 541

Weiterführende Literatur
1 Hauschild, E.: Feingießen - Geschicht- DIN EN 12 454. Sonderdruck, ZGV Gießereiwesen: Nichteisenmetallguss,
liche Entwicklung und heutige Herstel- Düsseldorf. Beuth-Verlag, Berlin.
lung. konstruieren giessen 18 (1993) 7 Feinguss: Maßtoleranzen, Oberflächen, 14 Hesse, W,: Aluminium-Werkstoff-Daten-
H. 2, S. 11 - 17. Bearbeitungszugaben. VDG-Merkblatt blätter. Aluminium-Verlag, Düsseldorf.
2 Gabriel, .: Aluminium-Feinguss wirt- P 690, VDG Düsseldorf. 15 Konstruieren wie die Natur - Gussteile
schaftlich konstruieren (mit Sonderteil wachsen wie Bäume und Knochen.
8 apid Prototyping für Feingussteile. The- Sonderdruck, ZGV Düsseldorf.
SOPHIA-Verfahren) konstruieren menteil in: konstruieren giessen 30
giessen 21 (1996) H. 1, S. 4 - 10. 16 Gießgerechtes Konstruieren. Sonder-
(2005) H. 1, S. 2 - 17.
druck, ZGV Düsseldorf.
3 Liesner, C., u. . Gerke-Cantow: Alumi- 9 Generative Fertigungsverfahren - a- 17 ichtig Guss bestellen - Bei der Kon-
nium-Feinguss nach dem HE O Pre- pid Technologien/ apid Prototyping - struktion fängt es an. Sonderdruck,
mium Casting-Verfahren. konstruieren Grundlagen, Begriffe, ualitätskenn- ZGV Düsseldorf.
giessen 27 (2002) H. 2, S. 41 - 44. größen, Liefervereinbarungen. VDI- 18 Die wirtschaftliche Gusskonstruktion -
4 Zerstörungsfreie Gussteilprüfung: Mag- ichtlinie Nr. 3404. Grundregeln für das gießgerechte Ge-
net- und Eindringprüfverfahren, Durch- 10 Stahlguss: Herstellung - Eigenschaf- stalten. Merkblatt, ZGV Düsseldorf.
strahlungsprüfung. Sonderdruck, ZGV ten - Anwendungen . Sonderdruck, 19 Aluminium-Taschenbuch, Aluminium-
Düsseldorf. ZGV Düsseldorf. Verlag, Düsseldorf.
5 Technische Lieferbedingungen für 20 Aluminium-Merkblatt V 2, Herausgeber:
11 Hauschild, E.: Stahlfeinguss - Möglich-
Feinguss. VDG- Merkblatt P 695, VDG Aluminium-Zentrale, Düsseldorf.
keiten und Grenzen. konstruieren
Düsseldorf. 21 Aluminium-Gusslegierungen. Heraus-
giessen 18 (1993) H. 2, 18 - 22.
6 Europäische Normung: Prüfung der geber: Vereinigung Deutscher Schmelz-
12 DIN-Taschenbuch Nr. 455, Band 1:
Oberflächenrauheit mit Hilfe von Ver- hütten, Düsseldorf.
Gießereiwesen: Gusseisen und Stahl-
gleichsmustern - DIN EN 1370 und Vi- 22 Aluminium-Merkblatt: Werkstoffe W8.-
guss, Beuth-Verlag, Berlin.
suelle Bestimmung von Oberflächen- Herausgeber: Aluminium-Zentrale, Düs-
fehlern an Stahl-Sand-Gussstücken 13 DIN-Taschenbuch Nr. 455, Band 2: seldorf.
-

Bild 136: Lagergehäuse für Turbolader aus G25Cr o4 (W.-Nr. 1.7218) mit eramikkern (wei ) gefertigt, Abmessungen: 125 x 200 mm,
Gewicht: 4 200 g (links) (Bild: Zollern, Sigmaringen)
Bild 137: reuzklemme, bestehend aus vier Feingussteilen aus G 5CrNi o16-5 (W.-Nr. 1.4405) zur Fixierung des noten unktes und Befestigung
von Glasscheiben für die Au enfassade vom em inski-Hotel in ünchen (rechts) (Bild: D rrenberg, Engelskirchen)

47
Glossar
Gebräuchliche Bezeichnung Weitere Bezeichnungen englische Bezeichnung
1
Feingießverfahren Feingussverfahren Investment casting process,
shell mold process
Wachsausschmelzverfahren2 Modellausschmelzverfahren, mit Verwendung Lost wax process
von ausschmelzbaren Modellen als
Modellwerkstoff
Keramikformverfahren Präzisionsgussverfahren Shaw process, ceramic mold process
Kompaktformverfahren Gipsguss, Gipsgussverfahren, Küvettenguss, Block mold process
Küvettenformverfahren, Blockformverfahren,
Küvette3 Keramikform mit hitzebeständigem Block mold
Muffel4 Formkasten bzw. mit hitzebeständiger
zylindrischer Formhülse
Modelltraube Kompletter Ausschmelzmodell-Einguss- Pattern assembly
Verbund
Formschlicker Aufschlämmung feingemahlener feuerfester Slurry, suspension
Stoffe und Binder als Tauchmasse für
Keramikschalenbildung um Wachsmodelle
Ausschmelzmodell Modellwerkstoffe sind z.B.: Heat-disposable pattern,
Feingusswachs, Wachs, Polystyrol(PS), Investment wax
Polyethylen(PE),Polymethylmetacrylat(PMMA)
Verlorene Modelle Ausschmelzmodelle Loast pattern
Wachsmodelle Wax pattern
Wachsspritzform Matrize zur Herstellung der Wax injection mould
Ausschmelzmodelle
Feingussbinder Wässrige Tauchmasse für Schalenformen, Binder for investment casting process
flüssiges Bindemittel zur Herstellung von
Schalenformen
Feingussrohteil Feingussstück im Gusszustand (unbearbeitet) nfinished investment casting,
raw investment casting,
ndressed investment casting
Feingussteil Gussstück nach dem Feingießverfahren in Investment casting
keramischer Schalenform gefertigt
apid Prototyping 5 Schnelle Herstellung von Prototypen, apid Prototyping( P),
generierende Prozessketten solid freeform modeling(SFM)
apid Manufacturing 6 Schnelle Produktion von Bauteilen apid Manufacturing
Individual Manufacturing 6 Individuelle Herstellung von Bauteilen( ust in Individual Manufacturing
time).
Flexible Manufacturing Flexible Herstellung von Bauteilen Flexible Manufacturing
Lasersintern, selektives 3D-Herstellung von Ausschmelzmodellen aus Selective laser sintering(SLS)
Lasersintern(SLS) hochpolymeren Pulvern
n. b. 3D-Herstellung von Ausschmelzmodellen aus Fused deposition Modelling(FDM),
strang- oder fadenförmigen Hochpolymeren Fused layer modeling(FLM)
3D-Wachsdrucker 3D-Herstellung von Ausschmelzmodellen aus Multi- et Modelling(M M)
granulierten Hochpolymeren
3D-Drucker 3D-Herstellung von Ausschmelzmodellen aus 3D-Printing(3DP)
Pulvern mittels Bindern
n. b. 3D-Herstellung von Ausschmelzmodellen aus Poly- et Modelling(P M)
flüssigen, breiförmigen Polymergemischen
SFM-Verfahren Formgebung ohne Formwerkzeuge Solid-Freeform-Modelling
1
Nach dem Sprachgebrauch der deutschen Feingießereien: Herstellung von Gussteilen unter Verwendung von in Wachsmodellspritzformen
hergestellten Wachsmodellen aus speziellen Feingusswachsen und keramischen Formschalen
2
Verwendung von Wachs als Modellwerkstoff
3
wird häufig beim Schmuckguss verwendet
4
wird ausschließlich beim Dentalguss verwendet
5
Schnelle Herstellung von Prototypen prinzipiell nach allen technischen Möglichkeiten. Im Allgemeinen Spachgebrauch sind aber damit die
„generierenden“ Prozessketten gemeint. Die Eigenschaften des Prototypbauteils entsprechen nicht unbedingt den geforderten Eigenschaften
des Serienbauteils.
6
Die Bauteileigenschaften entsprechen den geforderten Eigenschaften.

48
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Titelfotos: TITAL; Titelgestaltung D. Brandenburg (BDG) · Feb. 2015

Bundesverband
der Deutschen
Gießerei-Industrie (BDG)

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40549 Düsseldorf
Internet: www.bdguss.de

Telefon: +49 (0)2 11/68 71-0


Telefax: +49 (0)2 11/68 71-3 33
E-mail: info@bdguss.de