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Guss aus Kupfer und

Kupferlegierungen

Technische Richtlinien

Bundesverband
der Deutschen
Gießerei-Industrie (BDG)
Impressum

Herausgeber
Bundesverband der Deutschen
Gießerei-Industrie
Sohnstraße 70
40237 Düsseldorf
Tel: 02 11 /6871 - 0
Fax: 02 11 /6871 – 364
www.bdguss.de

Deutsches Kupferinstitut
Am Bonneshof 5
40474 Düsseldorf
Tel: 0211/4796 - 300
Fax: 0211/4796 - 310
www.kupferinstitut.de

Titelfotos
Kemper, MMG

Überarbeitet durch
Theodor Buschenhenke
Dr. Franz Josef Feikus
Rudolf Heigl
Marc-Aurel Hett
Guido Jerusalem
Frank Leistritz
Bernhard Lucas
Ursula Maiworm
Albrecht Schupp
Pascal Steinküller
Dr. Ladji Tikana
Michael von Samson

Überarbeitete Fassung April 2011

2
VORWORT

Diese Technischen Richtlinien für den Formguss aus Kupfer und Kupferlegierungen sind
in erster Linie für den Anwender, Konstruktions- und Fertigungsingenieur bestimmt und sollen
mithelfen, ihm die Zusammenarbeit mit dem Gießereifachmann und dem Metallurgen zu erleich-
tern. Damit dienen diese Richtlinien der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung.

Das bereits seit Jahrtausenden von der Menschheit verwendete Kupfer weist sehr günstige Ge-
brauchseigenschaften auf. Der Metallurgie und der Metallkunde ist es gelungen, die vorteilhaf-
ten Grundeigenschaften des Kupfers durch Legieren mit anderen Metallen zu verändern und
den vielfältigen funktionellen Anforderungen der modernen Technik anzupassen.

Die Auswahl der Legierungen und der dafür geeigneten Gießverfahren richtet sich - werkstoff-
und gießgerechte Konstruktion vorausgesetzt - in erster Linie nach der Funktion und Beanspru-
chung des gegossenen Bauteils. Es ist daher zweckmäßig, wenn sich der Konstrukteur so früh-
zeitig wie möglich mit der ausführenden Gießerei in Verbindung setzt.

Die Formgebung durch Gießen nach allen bekannten Gießverfahren ermöglicht dabei in vie-
len Fällen eine technisch wie wirtschaftlich gleichermaßen günstige Herstellung der benötig-
ten Bau- und Konstruktionselemente, sei es als Einzelstück oder in großen Stückzahlen für die
Serienfertigung.

Der Konstrukteur, der in die Einzelheiten gehen muss und der für das Bauteil verantwortlich ist,
wird dieser Broschüre viele Möglichkeiten und Hinweise für das Konstruieren mit Kupfer-Guss-
werkstoffen entnehmen können.

Der Gießer andererseits wird den Technischen Richtlinien wertvolle Hinweise für die tägliche
Praxis entnehmen können.

Düsseldorf, im April 2011

Die herausgebenden Institutionen erteilen gerne weitere Auskünfte.

Bundesverband der Deutschen Deutsches


Gießerei-Industrie (BDG) Kupferinstitut (DKI)

3
1 Kupfer-Gusswerkstoffe 8
1.1 Allgemeines 8
1.2 Legierungsgruppen und Kennzeichnung 8
1.3 Beschreibung der Legierungen 8
1.3.1 Kupfer und Kupfer-Chrom-Gusslegierung 9
1.3.2 Kupfer-Zink-Gusslegierungen 9
1.3.3 Kupfer-Zinn-Gusslegierungen 10
1.3.4 Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierungen 10
1.3.5 Kupfer-Zinn-Blei-Gusslegierungen 11
1.3.6 Kupfer-Aluminium-Gusslegierungen 11
1.3.7 Kupfer-Mangan-Aluminium-Gusslegierung 12
1.3.8 Kupfer-Nickel-Gusslegierungen 12
1.3.9 Nicht nach DIN EN 1982 genormte Gusslegierungen 12
1.4 Werkstoffeigenschaften 14
1.4.1 Physikalische Eigenschaften 14
1.4.2 Mechanische Eigenschaften bei zügiger Beanspruchung 14
1.4.3 Mechanische Eigenschaften bei zyklischer Beanspruchung 17
1.4.4 Werkstoffverhalten bei hohen Temperaturen 18
1.4.5 Werkstoffverhalten bei tiefen Temperaturen 18
1.4.6 Korrosionseigenschaften 18
1.5 Anwendungsbereiche der Werkstoffe 21
1.5.1 Armaturen 21
1.5.2 Gleitwerkstoffe und Getriebeteile 21
1.5.3 Konstruktionswerkstoffe 24
1.5.4 Leitwerkstoffe 24

2 Form- und Gießverfahren 26


2.1 Sandgießverfahren 28
2.2 Kokillengießverfahren 29
2.2.1 Schwerkraft-Kokillengießverfahren 29
2.2.2 Niederdruck-Kokillengießverfahren 29
2.2.3 Schleuder-Kokillengießverfahren 29
2.3 Stranggießverfahren 30
2.4 Druckgießverfahren 30
2.5 Feingießverfahren 31
2.6 Herstellung und Verwendung von Sandkernen 31

3 Wärmebehandlung von Gussstücken aus


Kupferwerkstoffen 32
4 Werkstoff- und gießgerechte Konstruktion 34
4.1 Allgemeines 34
4.2 Teilung 34
4.3 Speiserflächen und Anschnittleisten 34
4.4 Wanddicken, Übergänge, Verrippungen 36
4.5 Aushebeschrägen, Auswerferaugen 38
4.6 Bohrungen, Durchbrüche 38

4
INHALT

4.7 Kerne 40
4.8 Hinterschneidungen/Schieber 40
4.9 Schriftzeichen 40
4.10 Bearbeitungszugaben 41
4.11 Schwindmaße 42
4.12 Toleranzen 42
4.12.1 Einhaltbare Toleranzen (erzielbare Genauigkeit) 44
4.12.2 Allgemeintoleranzen 44
4.12.3 Form- und Lagetoleranzen 46
4.12.4 Tolerierung Strangguss 46

5 Prozesssimulation zur Bauteil- und Werkzeugauslegung 50


5.1 Zielsetzungen der gießtechnischen Simulation 50
5.2 Mathematische und physikalische Modelle 50
5.3 Aufbau der Programme 50
5.4 Ablaufbeschreibung der Simulationsrechnung 51
5.5 Simulation in der Lebensdauervorhersage 52
5.6 Technische und organisatorische Integration 52

6 Spanabhebende Bearbeitung 54

7 Oberflächenbehandlung 55

8 Verbindungstechnik 56
8.1 Löten 56
8.2 Schweißen 56
8.3 Kleben 57
8.4 Pressen 57

9 Qualität 58
9.1 Werkstoff, Gefüge, mechanische Eigenschaften, Oberfläche 58
9.1.1 Chemische Zusammensetzung 58
9.1.2 Gefüge 58
9.1.3 Mechanische Eigenschaften 58
9.1.4 Rissprüfung (Farbeindringverfahren) 58
9.1.5 Druckdichtheitsprüfung 58
9.1.6 Oberflächenrauheit von Gussstücken 59
9.2 Prozessfähigkeit 59
9.3 Rückverfolgbarkeit 59
9.4 Beispiele für Kennzeichnungsarten 60

10 Schrifttum 62
10.1 Literaturnachweis 62
10.2 Normen 62
10.3 Richtlinien (Merkblätter) und Schriften des BDG und VDG 64
10.4 Schriften des DKI 64

5
6
Werkbild Grohe AG

7
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

1.1 Allgemeines Weitere Elemente wie Eisen, Mangan, Silicium 1.2 Legierungsgruppen und
Kupfer und Kupferlegierungen sind als hoch- usw. werden zulegiert, um die Eigenschaften Kennzeichnung
wertige Gusswerkstoffe bekannt. Die Mate- speziellen Anforderungen anzupassen: Kupfer und Kupfer-Legierungen sind wie folgt
rialkosten von Kupfer-Gusswerkstoffen sind > Erhöhung der statischen Festigkeit, in Gruppen eingeteilt:
vergleichsweise hoch. Kupfer-Gusswerkstoffe Warmfestigkeit und Festigkeit unter
werden hauptsächlich dann verwendet, wenn zyklischer Beanspruchung; > Kupfer, Kupfer-Chrom
besondere physikalische Eigenschaften allein > Erhöhung der Härte und des > Kupfer-Zink
oder in Kombination mit mechanisch-technolo- Verschleißwiderstandes; > Kupfer-Zinn
gischen Eigenschaften gefordert werden. Die > Erzielen einer ausgezeichneten > Kupfer-Zinn-Zink
herausragenden Eigenschaften des unlegierten Korrosionsbeständigkeit; > Kupfer-Zinn-Blei
Kupfers sind sehr gute elektrische und Wärme- > Verbesserung der Beständigkeit > Kupfer-Aluminium
leitfähigkeit, gute Verarbeitungseigenschaften, gegenüber Erosions- und > Kupfer-Mangan-Aluminium
z. B. für die Verbindungstechnik, bei gleichzei- Kavitationsbeanspruchungen; > Kupfer-Nickel
tiger guter Korrosionsbeständigkeit. Anderer- > Einstellen guter Gleiteigenschaften und
seits ist die Festigkeit und Härte von Guss aus > in einigen Fällen auch um verbesserte Die Einteilung der Kupfer-Gusswerkstoffe re-
unlegiertem Kupfer vergleichsweise gering. In Gießeigenschaften zu erreichen. gelt auch die DIN EN 1982. Sie spezifiziert:
Abgrenzung zum unlegierten Kupfer zeichnen
sich die Kupfer-Gusslegierungen durch höhere Die Anwendungen der Kupfer-Gusswerkstof- > die chemische Zusammensetzung
Festigkeitswerte, durch eine ausgezeichnete fe konzentrieren sich im Wesentlichen auf die der Werkstoffe,
Korrosionsbeständigkeit und durch gute Ver- folgenden drei Bereiche: > die zu gewährleistenden
schleißeigenschaften, einige Kupfer-Gusslegie- > Werkstoff für Leitzwecke Werkstoffeigenschaften
rungen auch durch gute Gleiteigenschaften aus, > Gleitwerkstoff und (Zugfestigkeit, 0,2-Dehngrenze,
allerdings bei verminderter Leitfähigkeit. > Konstruktionswerkstoff für Bruchdehnung, Brinellhärte und
korrosionsbeanspruchte Teile. elektrische Leitfähigkeit) und
Die breite Verwendung von Kupfer-Gusswerk- > sie gibt Hinweise zur Gussstückprüfung
stoffen ist auf die einzigartige Kombination ver- Die Norm DIN EN 1982 legt eine große An- und Kennzeichnung.
schiedener Eigenschaften in Verbindung mit zahl verschiedener Gusslegierungen auf Kup-
vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten durch ferbasis für die genannten Bereiche fest. Eines Bei den historisch gewachsenen Bezeichnun-
Gießen zurückzuführen. der Ziele dieser Broschüre ist es, dem Kon- gen „Bronze“, „Messing“ und „Rotguss“ ist dar-
strukteur wie auch dem Anwender die Aus- auf zu achten, dass mit dem Begriff „Bronze“
Durch das Legieren von Kupfer mit den Ele- wahl des optimalen Gusswerkstoffs für seinen ausschließlich Kupfer-Zinn-Legierungen, mit
menten Zinn, Zink, Aluminium, Blei, Nickel und spezifischen Anwendungsfall zu erleichtern. dem Begriff „Messing“ ausschließlich Kupfer-
Chrom einzeln oder in Kombination lassen sich Die Gusshersteller verfügen über Erfahrungen Zink-Legierungen und mit dem Begriff „Rotguss“
hohe Festigkeitswerte, gute Gleit- oder Spa- über die Bewährung der von ihnen gelieferten ausschließlich Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierun-
nungseigenschaften oder eine gute Korrosions- Gusswerkstoffe, die für den Anwender emp- gen belegt werden. Für Lieferspezifikationen
beständigkeit erzielen. Diese Verbesserungen fehlenswert sind. und auf Zeichnungen sind die genormten Be-
gehen allerdings teilweise auf Kosten einer ver- zeichnungen zu verwenden.
minderten Leitfähigkeit, Lötbarkeit und Dukti-
lität. Die Hauptlegierungselemente bestimmen 1.3 Beschreibung der Legierungen
die wichtigsten Legierungsgruppen, die in der Nachfolgend werden die genormten Kupfer-
DIN EN 1982 festgelegt sind. Gusslegierungen stichwortartig beschrieben
mit Hinweisen auf Besonderheiten. Auf die in
den Tabellen aufgeführten Gießverfahren wird
nur im Bedarfsfall Bezug genommen. Die Le-
gierungen werden auch nach nicht in der Norm
genannten Gießverfahren verarbeitet.

8
Tabelle 1a: Geeignete Gießverfahren für Kupfer und die Kupferchromlegierung

1.3.1 Kupfer und Kupfer- Separat davon stehen die zwei Legierungen Sie werden für Metallwaren, Beschläge und
Chrom-Gusslegierung CuZn15As-C und CuZn16Si4-C. Armaturen verwendet.
In dieser Gruppe sind ein unlegierter Kupfer- Die Kupfer-Zink-Gusslegierungen werden
gusswerkstoff und eine aushärtbare Kupfer- in der Regel als Konstruktionswerkstoffe ein- CuZn33Pb2-C
Chrom-Gusslegierung enthalten. gesetzt. Einige Kupfer-Zink-Gusslegierungen > Standardwerkstoff für Sandgussstücke
verwendet man auch als Leitwerkstoffe, wenn > Einsatz für Armaturen und Gehäuse
Diese Werkstoffe werden vor allem wegen ih- die Anforderungen an die Leitfähigkeit nicht > Einsatz für Konstruktionsteile
rer guten Leitfähigkeit eingesetzt. In der DIN sehr hoch sind. > auch für Leitzwecke.
EN 1982 sind für Kokillenguss eine (Mindest- Bei Kupfer-Zink-Legierungen liegt das Er-
leitfähigkeit 55 MS/m) und für Sandguss ent- starrungsintervall in der Spanne von 850 – Die hochfesten aluminiumlegierten Kupfer-Zink-
sprechend 3 Kupfersorten A, B und C mit 940  °C. Dieses niedrige Temperaturniveau Gusslegierungen erhalten durch Zugabe von
Mindestleitfähigkeitswerten von 50 MS/m, macht es möglich, dass die Kupfer-Zink-Le- mindestens zwei der Elemente Al, Mn, Fe, Si
45 MS/m bzw. 32 MS/m genormt. Zur Erhö- gierungen im Druckgießverfahren verarbeitet und/oder Ni die hohen Festigkeitswerte. Dabei
hung der Warmfestigkeit wird dem Werkstoff werden können. wirken die Elemente Al, Mn, Si, Fe und Sn wie
mit der niedrigsten elektrischen Leitfähigkeit Zink und verschieben im Zustandsdiagramm
häufig Zink oder Zinn zugegeben. Die bleilegierten Kupfer-Zink-Gusslegierungen die Phasengrenze der β-Mischkristalle zu hö-
Zur Einhaltung geforderter Mindestwerte sind heren Kupfergehalten und schränken den Be-
der elektrischen Leitfähigkeit sind die Verun- > gut gießbar, reich der α-Mischkristalle ein. Nur Nickel wirkt
reinigungen und Beimengungen des unlegier- > korrosionsbeständig, wie Kupfer und verbreitert im Zustandsschau-
ten Kupfers sorgfältig zu kontrollieren. Anforde- > gut bearbeitbar und bild den Bereich der homogenen Legierungen
rungen an Schweißbarkeit bzw. Hartlötbarkeit > kostengünstig. bestehend aus α-Mischkristallen.
sind in der Bestellung anzugeben.

Bei höheren Anforderungen an die Festigkeit


und gleichzeitig hohen Anforderungen an die
elektrische Leitfähigkeit wird der aushärtbare
Werkstoff CuCr1-C verwendet. Im ausgehärte-
ten Zustand lässt sich – verglichen mit unlegier-
tem Kupfer – eine 5-fach höhere 0,2%-Dehn-
grenze erreichen während die elektrische
Leitfähigkeit um etwa 10 % sinkt.

1.3.2 Kupfer-Zink-Gusslegierungen
Die Gruppe der Kupfer-Zink-Gusslegierungen,
Tabelle 1b, lässt sich in drei Untergruppen
unterteilen:
> Kupfer-Zink-Gusslegierungen
(bleifrei) und
> gut spanbare Kupfer-Zink-
Gusslegierungen (bleihaltig) und
> hochfeste, legierte Gusswerkstoffe
(CuZn mit Al, Si, Mn, …).

Tabelle 1b: Geeignete Gießverfahren


für Kupfer-Zink-Legierungen

9
Tabelle 1c: Geeignete Gießverfahren
für Kupfer-Zinn-Legierungen

CuZn25Al5Mn4Fe3-C/CuZn34Mn3Al2Fe1-C/ Weitere siliciumhaltige CuZn-Legierungen, wie CuSn12-C


CuZn35Mn2Al1Fe1-C: z. B. CuZn10Si3 (noch nicht genormt) sind für > Standardlegierung für Gleitzwecke
> Al-Zusatz (erzeugt hohen Anteil an den Trinkwasserbereich entwickelt worden.
β-Mischkristall) hat festigkeitssteigernde CuSn11Pb2-C
Wirkung (Zinkäquivalent Al:Zn = 1:6) 1.3.3 Kupfer-Zinn-Gusslegierungen > für Gleitzwecke
> Mn-Zusatz stabilisiert die β-Phase In der DIN EN 1982 werden unter der Gruppe (mit Notlaufeigenschaften)
der Kupfer-Zinn-Gusslegierungen fünf verschie- > Gleitelemente (Buchsen,
CuZn25Al5Mn4Fe3-C dene Legierungen aufgeführt, Tabelle 1c. Alle Lagerschalen und Gleitleisten)
> hohe statische Festigkeit zeichnen sich durch eine hohe Korrosionsbe-
> neigt zur Spannungsriss- und/oder zur ständigkeit aus und werden auch für Gleit­ CuSn12Ni2-C (Detailinformationen zum Einsatz
selektiven Korrosion (Entzinkung) zwecke eingesetzt. im Stranggießverfahren sind [8] zu entnehmen)
> höhere 0,2%-Dehngrenze und/oder
CuZn37Al1-C/CuZn38Al-C CuSn10-C höhere Dauerfestigkeitswerte
> Verwendung als Konstruktions- und > weich, hohe Bruchdehnung > erhöhte Verschleißbeständigkeit
Leitwerkstoffe im Maschinenbau > Hauptanwendung korrosionsbeständige > Langlebigkeit
> Verwendung in der Elektrotechnik und Armaturen, Pumpengehäuse und > Einsatz für Schnecken- und
Feinmechanik Pumpenlaufräder Schraubenradkränze, Spindelmuttern
> Bevorzugt im Kokillenguss mit > Einsatz in korrosiven Brauchwässern > Einsatz für hochbeanspruchte Armaturen
Stahlkernen eingesetzt oder Meerwasser sowie für Pumpen- und Turbinenteile

Die arsenhaltige Legierung CuZn15As-C hat CuSn11P-C 1.3.4 Kupfer-Zinn-Zink-


folgende Charakteristika > Phosphor steigert die Härte und Gusslegierungen
> gute Seewasserbeständigkeit Festigkeit Diese Werkstoffe zeichnen sich durch ­folgende
> gute Lötbarkeit (Einsatz im Schiffbau > hohe P-Gehalte (> 1%) setzen die Eigenschaften aus:
für Lötflansche) Bruchdehnung stark herab > gute Gießbarkeit
> relativ gute elektrische Leitfähigkeit von > verbreitete Verwendung in > gute Ver- und Bearbeitbarkeit
15 MS/m (⇒Verwendung für Leitzwecke) Großbritannien > Temperaturbeständigkeit < 225°C
> wegen der Formstoff-Reaktionen in > Korrosionsbeständigkeit
Die siliciumhaltige Legierung CuZn16Si4-C hat Deutschland kaum verwendet > Gleiteigenschaften
sich aufgrund folgender Charakteristika für kor- > Langlebigkeit
rosionsbeanspruchte Teile sehr bewährt:
> Verfestigung des α-Messing wird durch
feindisperse Silicium-Ausscheidungen
erzeugt,
> sehr gut gießbarer Konstruktionswerkstoff
(⇒ dünnwandige Gussstücke)
> günstige Festigkeitseigenschaften,
> gute Korrosionsbeständigkeit (auch
in Meerwasser; bedingt beständig in
Meerwasser über ca. 30 °C)
> Eignung für das Druckgieß- und
Kokillengießverfahren
> Grenze im Eisengehalt beachten!
Fe bildet leicht harte und spröde
Einschlüsse (Eisensilizide)
Tabelle 1d: Geeignete Gießverfahren für Kupfer-Zinn-Zink-Legierungen

10
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

Tabelle 1e: Geeignete Gießverfahren für Kupfer-Zinn-Blei-Legierungen

Aus diesen Eigenschaften ergeben sich die An- > ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit ne gute Korrosionsbeständigkeit aus. Die Legie-
wendungen in folgenden Bereichen: > sehr gute Bearbeitungseigenschaften rungen lassen sich sowohl im Sandgieß- und die
> hochfunktionelle Bauteile > qualitativ hochwertige Ventile, Fittings meisten Legierungen auch im Schleuder- oder
> Trinkwasserinstallationen und Rohrleitungsarmaturen Stranggießverfahren fertigen, Tabelle 1e. Die
CuSn5Zn5Pb2-C: Standardlegierung > für Armaturen-, Wasserpumpen- und Gehalte der Legierungselemente Blei und Zinn
für Trinkwasseranwendungen mit guten Wassermessergehäuse stehen in einer voneinander abhängigen Menge.
Gießeigenschaften > Kunstguss (kleine/große Abmessungen) Aus metallurgischen Gründen wird mit zuneh-
> Konstruktionswerkstoff in der Industrie > druckdichte Gussstücke mendem Bleigehalt der Zinngehalt reduziert.
CuSn5Zn5Pb5-C: Standardlegierung
für Industrie- und CuSn7Zn4Pb7-C CuSn5Pb9-C
Maschinenbauanwendungen mit guten > Verarbeitung im Schleuder- und > Einsatz für Gleitzwecke, insbesondere für
Gießeigenschaften Stranggießverfahren kleine Lagerbuchsen und Gleitlager
> bei entsprechendem Bleigehalt guter > Einsatz für Gleitlager und -buchsen > für Gleitlager mit Weißmetall-Laufflächen
Gleitwerkstoff (gute Notlaufeigenschaften) (Automobilindustrie)

CuSn3Zn8Pb5-C CuSn7Zn2Pb3-C CuSn10Pb10-C/CuSn7Pb15-C/CuSn5Pb20-C


> Konstruktionswerkstoff > bevorzugt im Schleuder- und Strangguss > mit steigendem Bleigehalt wird der
> preisgünstigste Legierung verarbeitet Werkstoff weicher
> gute Korrosionsbeständigkeit > Standard-Gleitwerkstoff im allgemeinen > mit steigendem Bleigehalt werden Gleit-
(besser als CuZn-Legierungen) Maschinenbau (Gleitlager/Gleitbuchsen) und Notlaufeigenschaften verbessert
> beständig gegenüber Trink- und > für Gleitlager in Kontakt mit gehärteten > Einsatz für Gleitlager mit höheren
Brauchwässern und ungehärteten Wellen Flächendrücken und höheren
> gute Warm- und Dauerfestigkeit Gleitgeschwindigkeiten
> Einsatzbereich: Warmwasser-, CuSn7ZnPb3-C > Legierung mit Bleigehalten von 18 %
Niederdruckdampfarmaturen > Konstruktionswerkstoff bis 23 % gießtechnisch schwer
> hohe Festigkeits- und Dehnungswerte zu beherrschen (Stranggießen
CuSn5Zn5Pb2-C (wenn zulässiger Nickelgehalt voll ausgenommen)
> Standardlegierung mit guten ausgeschöpft wird)
Gießeigenschaften > gut druckdicht gießbar 1.3.6 Kupfer-Aluminium-Gusslegierungen
> hohe Festigkeit Die technische Bedeutung der Kupfer-Alumini-
> ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit 1.3.5 Kupfer-Zinn-Blei-Gusslegierungen um-Gusslegierungen, Tabelle 1f, als Konstruk-
> sehr gute Bearbeitungseigenschaften Die Werkstoffgruppe zeichnet sich durch über- tionswerkstoffe ist beachtlich groß und zuneh-
> qualitativ hochwertige Ventile, Fittings ragende Gleiteigenschaften und auch durch ei- mend. Sie zeichnen sich aus durch:
und Rohrleitungsarmaturen
> für Armaturen-, Wasserpumpen- und
Wassermessergehäuse
> Kunstguss (kleine/große Abmessungen)
> druckdichte Gussstücke

CuSn5Zn5Pb5-C
> Standardlegierung mit guten
Gießeigenschaften
> hohe Festigkeit

Tabelle 1f: Geeignete Gießverfahren


für Kupfer-Aluminium-Legierungen

11
Tabelle 1h: Geeignete Gießverfahren für
Kupfer-Nickel-Legierungen

> gute Eignung bei tiefsten und hohen


Temperaturen

CuNi30Cr2FeMnSi-C
> hochfeste Legierung
Tabelle 1g: Geeignete Gießverfahren für die Kupfer-Mangan-Aluminium-Legierung > Cr-Zusatz zur Festigkeitssteigerung
> Kupfer-Nickel-Mischkristall löst bei
hohen Temperaturen viel Chrom. Bei der
> hohe Duktilität (ähnlich den Kupfer-Zinn- CuAl10Ni3Fe2/CuAl10Fe5Ni5-C/ Abkühlung des Gussstückes zerfällt der
Gusslegierungen) CuAl11Fe6Ni6-C Mischkristall in 2 Mischkristalle, deren
> hohe Festigkeit (ähnlich den hochfesten > Verarbeitung im Sand-, Kokillen-, Cr-Gehalte voneinander verschieden
Kupfer-Zink-Gusslegierungen) Schleuder- und Stranggießverfahren sind. Durch feindisperse Ausscheidungen
> hohe Festigkeit unter zyklischer > meerwasserbeständig (in kaltem und wird der Werkstoff verfestigt, ohne
Beanspruchung warmem Meerwasser), wenn Al-Gehalt dass sich die Korrosionsbeständigkeit
> gute Korrosionsbeständigkeit ≤ 8,5% + ½ Ni-Gehalt verschlechtert
> gute Eignung bei > hohe Festigkeit mit zunehmendem
Korrosionsbeanspruchung + Al-Gehalt CuNi30Fe1NbSi-C
schwingender Beanspruchung > bis etwa 250 °C einsetzbar > Silicium Anteil zur Festigkeitssteigerung
> Einsatz für Schiffspropeller > Niob Anteil zur Verbesserung der
Kupfer-Aluminium-Gusslegierungen sind gieß- > gut mit den Stählen S235 und S275 Schweißeignung
technisch mit großer Sorgfalt zu handhaben. verschweißbar
Geringe Veränderungen in der Legierungs- > CuAl10Fe5Ni5-C für Guss-Schweiß- 1.3.9 Nicht nach DIN EN 1982
zusammensetzung haben deutliche Verän- Konstruktionen besonders geeignet, genormte Gusslegierungen
derungen der mechanischen Eigenschaften da analysengleiche Halbzeuge Zu den Kupfer-Gusslegierungen mit den höch-
zur Folge. (Bleche, Ronden) gefertigt werden sten Festigkeitswerten zählen die aushärtba-
ren Kupfer-Beryllium-Gusslegierungen. Bei
CuAl9-C 1.3.7 Kupfer-Mangan-Aluminium- der Herstellung und Verarbeitung von Werk-
> meerwasserbeständig Gusslegierung stoffen, die Beryllium enthalten, ist zu beach-
> korrosionsbeständig gegenüber Tabelle 1g macht Angaben zur einzigen ge- ten, dass Beryllium-Dämpfe und einatembare
Schwefel- und Essigsäure normten Kupfer-Mangan-Aluminium-Gusslegie- Schleifstäube die Gesundheit massiv schädi-
> Einsatz im Schiffbau rung. Die Legierung CuMn11Al8Fe3Ni3-C wird gen (⇒ Berylliose). In der Metallmatrix gelö-
> Apparatebau vornehmlich für Schiffspropeller eingesetzt und stes Beryllium ist dagegen ungefährlich. Sie
> chemische Industrie (Beizanlagen) ist vor allem in Großbritannien verbreitet. werden bei besonders hohen Anforderungen
an die Wärmeleitfähigkeit verwendet. Kupfer-
CuAl10Fe2-C 1.3.8 Kupfer-Nickel-Gusslegierungen Beryllium-Gusslegierungen sind unmagnetisch
> Fe-Zusatz zur Anhebung der Kupfer-Nickel-Gusslegierungen werden für den und rostfrei. Tabelle 1i gibt die chemische Zu-
Festigkeitswerte Schiffbau und die Off-Shore-Technik vergos- sammensetzung des Werkstoffs an.
> Fe-Zusatz für Kornfeinung sen. Die genormten Legierungen sind in Ta-
> konstante Festigkeitswerte im belle 1h aufgeführt.
Temperaturbereich -200 °C bis +200 °C
> gute Korrosionsbeständigkeit für Kupfer-Nickel-Gusslegierungen zeichnen sich
mechanisch hoch beanspruchte aus durch
Bauteile im Maschinen- und Apparatebau > Meerwasser- und Erosionsbeständigkeit
> nicht in chloridhaltigen Medien (Erosionsbeständigkeit nimmt mit Tabelle 1i: Chemische Zusammensetzung der
einzusetzen steigendem Nickelgehalt zu) Kupfer-Beryllium-Legierung (Angaben in Masse-%)

12
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

Ziehsteinhalter, verwendet in
Drahtziehmaschinen

WERKBILD PIAD Piel & Adey GMBH & CO. KG

13
Tabelle 2: Physikali-
sche Eigenschaften
der Kupfer-Gusslegie-
rungen 1.4 Werkstoffeigenschaften 1.4.2 Mechanische Eigenschaften bei
1.4.1 Physikalische Eigenschaften zügiger Beanspruchung
Besonders hervortretend bei den physikali- Bild 1 gibt einen Überblick über die Spannen
schen Eigenschaften einiger Kupfer-Gusswerk- der in der DIN EN 1982 spezifizierten stati-
stoffe sind die hohe elektrische Leitfähigkeit schen mechanischen Eigenschaften (Mindest-
und Wärmeleitfähigkeit, siehe Tabelle 2. Da- werte) bei zügiger Beanspruchung (statischer
her haben neben Kupfer und der Kupfer-Chrom- Zugversuch).
Legierung weiterhin die CuZn-Legierungen als
Leitwerkstoffe eine technische Bedeutung. Die Detailangaben zu den einzelnen Legierungen
Dichte liegt je nach Legierung zwischen 7,5 – sind in Tabelle 3 enthalten, in der die Wer-
9,0 g/cm3, die spezifische Wärmekapazität zwi- te differenziert nach den Gießverfahren auf-
schen 0,36 – 0,46 J g-1 K-1. gelistet sind.

(a) 0,2%-Dehngrenze (b) Zugfestigkeit

(c) Bruchdehnung (d) Härte

Bild 1: Spanne der in der DIN EN 1982 spezifizierten mechanischen Kennwerte für die Legierungsgruppen (Mindestwerte)

14
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

Tabelle 3: Mindestwerte
der mechanischen
Eigenschaften (statischer
Zugversuch – 0,2%-Dehn-
grenze, Zugfestigkeit,
Bruchdehnung, Brinell­
härte) für Kupfer und Kup-
fer-Legierungen

15
Tabelle 3 (Fortsetzung):
Mindestwerte der mecha-
nischen Eigenschaften
(statischer Zugversuch –
0,2%-Dehngrenze, Zugfe-
stigkeit, Bruchdehnung,
Brinell­härte) für Kupfer
und Kupfer-Legierungen

16
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

In Tabelle 3i sind die mechanischen


Kennwerte der nicht genormten Kupfer-
Beryllium-Gusslegierungen aufgeführt.

Tabelle 3i: Mechanische


Kennwerte der Kupfer-
Beryllium-Legierung

1.4.3 Mechanische Eigenschaften bei reichend dimensionierte Bauteile können in der ermittelte Schwingfestigkeitswerte sind für die
zyklischer Beanspruchung Praxis durch Dauerbrüche ausfallen. Die Schwing- Bauteilberechnung unter Vorbehalt zu verwen-
Für die Auslegung eines Bauteils bei zyklischer Be- festigkeit ist eine Eigenschaft, die durch ein feh- den. An Bauteilen ermittelte Schwingfestigkeits-
anspruchung ist die Schwingfestigkeit neben den lerarmes Gefüge begünstigt wird: Volumendefi- werte (Betriebsfestigkeit) sind Probestabwerten
einzuhaltenden statischen mechanischen Kenn- zite (Poren und Lunker) sowie nichtmetallische vorzuziehen. Wichtig ist anzumerken, dass auch
werten (0,2%-Dehngrenze, Zugfestigkeit, Bruch- Einschlüsse im Bauteil setzen die Schwingfestig- bei mehr als 2*106 Schwingspielen die Schwing-
dehnung) von entscheidender Bedeutung. Unzu- keit herab. An separat gegossenen Probekörpern festigkeit noch geringfügig abfällt, somit keine
„Dauerfestigkeit“ existiert [7]. Bei Werkstoffen
auf Kupferbasis wird daher zur klareren Kenn-
zeichnung die Spannungsamplitude zusammen
mit der Lastwechselzahl angegeben.
Eine unter zyklischer Last zusätzlich aufge-
brachte Korrosionsbeanspruchung verschärft die
Belastung und erhöht damit das Ausfallrisiko.

In der Tabelle 4 sind Biegewechselfestigkeits-


werte für Guss aus Kupferlegierungen aus ver-
schiedenen Quellen zusammengestellt (zur In-
formation):
Quellen: DIN 1707; ASM International: Handbook Copper and
Copper Alloys; Copper Development Association (UK): http://
www.copperinfo.co.uk/design-and-manufacture/downloads/
pub-42-copper-and-copper-alloy-castings.pdf; Copper Deve-
lopment Association Inc. (USA): http://www.copper.org/re-
sources/properties/db/CDAPropertiesSelectionServlet.
jsp?mode=basichttp://www.copper.org/resources/proper-
ties/db/CDAPropertiesSelectionServlet.jsp?mode=basic

Tabelle 4: Biegewechselfestigkeit von


Kupfer-Gusslegierungen an Luft
(bzw. in wässriger Lösung 3% NaCl)

17
(a) (b)

(e) (f)

Bild 2: Beispiele für mechanische Kennwerte von Kupfer-Gusswerkstoffen aus dem Warmzugversuch (informativ) (Quelle: [1])

1.4.4 Werkstoffverhalten bei hohen gute Oxidations- und Zunderbeständig­ Aufgrund der Vielzahl an Parametern, die den
Temperaturen keit bis 700 °C (dichte Oxidhaut) Korrosionsangriff bestimmen, können keine all-
Kupfer-Gusswerkstoffe verzeichnen mit steigen- > CuNi mit bis zu 10% Ni: Einsatzbereich gemeingültigen Kennwerte angegeben werden.
der Temperatur einen Abfall der Festigkeitswer- max. 300 °C; ab 200 °C Beginn Es ist zu empfehlen das Korrosionsverhalten
te, siehe Bilder 2a – 2h. Oberhalb einer Grenz- Entfestigungsvorgänge unter den gegebenen Bedingungen mit aus-
temperatur, die von der Beanspruchungsdauer > CuNi mit 30% Ni: Einsatzbereich gewählten Kupfer-Gusslegierungen vorab zu
abhängt, setzen Entfestigungsvorgänge ein. max. 350 °C; ab 350 °C Beginn untersuchen. Für die Werkstoffauswahl stel-
Kriechdaten von Kupfer-Gusswerkstoffen lie- Entfestigungsvorgänge len der Gusslieferant oder das DKI und der
gen nur unvollständig vor, häufig mit nicht ver- BDG weiterführendes Informationsmaterial
gleichbaren Zuständen oder für nicht genorm- 1.4.5 Werkstoffverhalten bei tiefen zur Verfügung.
te Legierungen. Temperaturen
Kupfer-Gusswerkstoffe sind ausgezeichnete Kupfer und Kupfer-Chrom
Eigenschaften der Werkstoffgruppen bei ho- Tieftemperatur-Werkstoffe. Aus dem RT-Zug- > sehr gut beständig in Industrie-, Land-
hen Temperaturen im Überblick versuch ermittelte Kennwerte bleiben auch bei und Meeresatmosphäre (Kupfer läuft
> Cu-C (unlegiertes Kupfer): tiefsten Temperaturen erhalten. Eine beson- zunächst braun, dann schwarz an und
Festigkeitsabfall bei T > 150 °C; ab dere Eignung weisen CuCr-Legierungen und bildet schließlich eine wasserunlösliche
150 °C Beginn Entfestigungsvorgänge reines Kupfer auf. Sie haben sich als ausge- grüne Patina). Lackierung oder
> CuCr1-C: hohe Festigkeitswerte bis 350 zeichnete Tieftemperaturwerkstoffe bewährt galvanischer Überzug erforderlich, wenn
°C (bei 80% der Leitfähigkeit von Cu-C) (Einsatz in der Kältetechnik, z. B. Heliumver- der Metallglanz erhalten bleiben soll
> CuZn: Einsatzbereich max. 225 – 250 °C; flüssigung), Tabelle 5. Die Festigkeitswerte > beständig in Trink- und Brauchwasser;
ab 140 °C Beginn Entfestigungsvorgänge und Kerbschlagzähigkeit fallen in der Nähe des kritische Strömungsgeschwindigkeit:
> CuSn und CuSnZn: Einsatzbereich absoluten Nullpunktes leicht ab. 2,0 m/s; Abtragsrate steigt, wenn
max. 225 °C; ab 150 °C Beginn Wasser Kohlensäure und Sauerstoff
Entfestigungsvorgänge 1.4.6 Korrosionseigenschaften enthält
> CuSnPb: Einsatzbereich max. Kupfer und seine Legierungen sind „gut“ bis > bedingt beständig gegenüber
327 °C (Schmelzpunkt Blei); bei „hervorragend“ korrosionsbeständig. Es beste- Meerwasser: deutlich höhere Abtragsrate,
Gleitlagern ist zu beachten, dass die hen allerdings Unterschiede, die durch die Ge- kritische Strömungsgeschwindigkeit:
Oberflächentemperatur nicht höher fügeausbildung der Werkstoffgruppen sowie 1,2 m/s
liegen darf! durch unterschiedlich hohe Gehalte an Be- > sehr gut beständig (bei RT) in
> CuAl: Einsatzbereich max. 250 °C ; ab gleitelementen in den Legierungen begrün- sauerstofffreien, nicht oxidierenden
200 °C Beginn Entfestigungsvorgänge; det sind. Säuren und neutralen Salzlösungen;

18
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

(c) (d)

(g) (h)

luftgesättigte Agenzien erhöhen die Kupfer-Zink-Legierungen Bildung von korrosionshemmenden


Korrosionsrate beträchtlich Die Korrosionsbeständigkeit wird in einem ho- Oxiddeckschichten; dadurch sind
> beständig in Medien unter Entwicklung hen Maß vom Zinkgehalt bestimmt: heterogene Legierungen teilweise
von Wasserstoff > Zn < 37,5%: homogenes α-Gefüge (kfz- beständiger als homogene Werkstoffe
> bedingt beständig gegenüber wässrigen Gitter); Korrosionsverhalten ähnlich wie vom gleichen Grundtyp
Lösungen von Cyaniden, Halogeniden Kupfer; beständig gegenüber Wässern, > Zn > 20%: Auftreten der selektiven
und Ammoniak Dampf, verschiedenen Salzlösungen und Korrosion = Entzinkung (gemeinsame
> unbeständig in SO2-haltiger Atmosphäre vielen organischen Flüssigkeiten Auflösung von Cu und Zn und
> unbeständig in oxidierenden Säuren > Zn 37,5% – 46%: heterogenes (α+β)- nachfolgende Abscheidung von Cu);
(Abtrag > 2 mm/Jahr) Gefüge (β: krz-Gitter); β-Phase wird mit Auftreten der β-Phase (Zn > 37 %)
> unbeständig gegenüber Salpetersäure; bevorzugt angegriffen; Zusätze sprunghafter Anstieg der Entzinkung;
Konzentration von 0,1% HNO3 ist bereits von Al, As, Fe, Mn, Pb und Si relevant bei bleihaltigen CuZn-
kritisch sowie Ni, P und S begünstigen die Legierungen (Armaturen-Messing) in

Tabelle 5: Mechanische Kennwerte von Kupfergusslegierungen bei tiefen Temperaturen (informativ)

19
Tabelle 6: Hochtemperatur-Oxidations­
beständigkeit an reiner Luft

sauerstoffhaltigen wässrigen Medien; Kupfer-Zinn- Blei-Legierungen Kupfer-Nickel-Gusslegierungen


die Entzinkungsneigung steigt, wenn > Korrosionsbeständigkeit ähnlich wie die > Gefüge der Werkstoffgruppe homogen;
die Cl-- und SO42-- Konzentration über CuSn-Gusswerkstoffe Ni passiviert Cu, Fe verstärkt Haftung
50 mg/l liegt > Pb-Gehalte von 6% – 10%: Beständigkeit des Oxidfilms
> Zn > 15%: erhöhte Anfälligkeit zur gegen schwache Säuren, z. B. Essig- und > beständig gegenüber Meerwasser und
Spannungsrisskorrosion (Angriff z.B. Phosphorsäure sonstigen chloridhaltigen Wässern und
durch Ammoniak, Schwefeldioxid oder > Pb-Gehalte von 6% – 10%: Angriff durch Solen
Nitrite) Salz-, Schwefel- und Salpetersäure sowie > keine Spannungsrisskorrosion
> Zn > 40%: deutlich beständiger von konzentrierten alkalischen Lösungen > Korrosionsbeständigkeit ist besser als
gegenüber H2S-haltigen Medien als > Blei-Zusätze setzen die die des unlegierten Kupfers
unlegiertes Kupfer Kavitationsbeständigkeit stark herab > unbeständig gegen oxidierende Säuren
(Salpetersäure, Chromsäure), gegen
Kupfer-Zinn-Legierungen Kupfer-Aluminium-Legierungen oxidierende Salze in saurer Lösung und
> hervorragend beständig gegenüber > ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit gegen Eisen-(III)-Salzen
atmosphärischen Einflüssen; (Ursache: Kopplung der
Korrosionsbeständigkeit nimmt mit Sn- Korrosionsbeständigkeit von Kupfer Die Oxidationsneigung nimmt mit steigender
Gehalt zu (zunehmend dichte und feste mit der sich rasch bildenden, dichten, Temperatur zu. Tabelle 6 gibt einen Überblick
Oxidschicht) korrosionshemmenden Al2O3 –Schicht) zur Hochtemperatur-Oxidationsbeständigkeit
> gut beständig gegenüber Kohlensäure > geringer Korrosionswiderstand der verschiedenen Werkstoffgruppen.
und salzhaltigen Grubenwässern; gegenüber stark sauren Medien (
SO2 und CO2 beeinträchtigen die Salpetersäure)
Korrosionsbeständigkeit nicht > Zusätze von Fe, Ni, Mn erhöhen die
> beständig gegenüber Meerwasser Korrosionsbeständigkeit (fördern
(Anwendungen im Schiffbau, für die Bildung der schwerlöslichen
Armaturen, Pumpengehäuse, Leit-, Lauf Oxidschichten); Al, Ni sowie Fe können
und Schaufelräder in Seewasserpumpen) δ2-Ausscheidungen bilden, die ähnliches
> beständig gegenüber Sulfidlaugen (Papier- Potenzial wie der α-Mischkristall haben,
und Zuckerindustrie) umhüllen das β-Gefüge; ⇒ vermeiden
> beständig gegenüber verdünnter selektive Korrosion des Al aus dem
Schwefelsäure β-Korn („Entaluminierung“)
> beständig gegenüber Bodenkorrosion > CuAl-Gusslegierungen mit Fe und Ni:
(aber Angriff in chloridhaltigen Böden) beständig gegenüber industriellen
> beständig gegenüber Baustoffen Abwässern, Meerwasser
(aber Rissbildung in ammoniakhaltigen > CuAl-Gusslegierungen mit Fe und Ni:
Baustoffen möglich) beständig gegenüber leicht sauren bis
schwach alkalischen Salzlösungen
Kupfer-Zinn-Zink-Legierungen (Sulfit- und Bleichlaugen,
> Korrosionsbeständigkeit ähnlich wie die Kalisalzlösungen), organischen
CuSn-Gusswerkstoffe (u. a. Essigsäure), reduzierenden oder
leicht oxidierenden Mineralsäuren
(z. B. gegenüber 10%-iger Salzsäure,
Flusssäure, 1%-iger Phosphorsäure und
konzentrierter Schwefelsäure)
> Beständigkeit gegenüber aggressiver,
meeresnaher oder SO2-haltiger
Industrieatmosphäre

20
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

Systemtrenner für den


Trinkwasserschutz

Gleitwerkstoffe, die den Gefügetypen A und


1.5 Anwendungsbereiche der Werkstoffe B zuzurechnen sind, haben meist geringe bis
Die Produktion von Gussstücken aus Kupfer mittlere Zugfestigkeits- und Dehngrenzenwer-

WERKBILD Gebr. KEmper GMBH & Co. KG


und Kupferlegierungen verteilt sich in Bezug te; sie können daher nur geringe bis mittlere
auf ihre Anwendungsbereiche wie folgt: Lasten übertragen. Die Eigenschaften zahlrei-
cher Gleitwerkstoffe hängen jedoch nicht nur
> Armaturen (60% der Gussproduktion) von der Zusammensetzung, sondern auch ent-
> Gleitwerkstoffe (30% der Gussproduktion) scheidend vom Gießverfahren ab. So werden
> Konstruktionswerkstoffe zum Beispiel am Werkstoff CuSn12-C durch
(ca. 5% der Gussproduktion) das Schleuder- oder Stranggießverfahren die
> Leitwerkstoffe Festigkeits-, Gleit- und Verschleißeigenschaf-
(ca. 4% der Gussproduktion) ten gegenüber Sandguss entscheidend ver-
bessert. Bei großen Wanddicken besteht ein
1.5.1 Armaturen Festigkeitsprofil: In der Regel sind die Wer-
Folgende Einsatzbereiche bei den Armaturen Die Werkstoffgruppen mit heterogenem Ge- te in den Außenschichten höher als in der
(auch Fittings) werden unterschieden: fügeaufbau Kernzone.
> Armaturen für die Gas-, Wasser- und > CuSn-Gusslegierungen,
Sanitärinstallation aus CuZn-Legierungen > CuSnZn-Gusslegierungen und Einige der zur Gefügegruppe B zuzuordnenden
(Messing) im Kokillenguss > CuSnPb-Gusslegierungen Gleitwerkstoffe sind für das Verbundgießver-
> Armaturen mit hohen Korrosions­ haben sich gut für die Herstellung von Gleitla- fahren geeignet. Durch Verbundguss – meist
beanspruchungen aus CuSnZn- gern, Gleitleisten, Gleitklötzen, Zahnrädern und auf festen Stahlstützschalen – wird die Dauer-
Legierungen (Rotguss) ausschließlich Schneckenradkränzen bewährt. Grob skizziert schwingfestigkeit des Gleitlagers entscheidend
im Sandgießverfahren lassen sich Gleitwerkstoffe entsprechend der gesteigert, so dass Verbundgusslagerschalen
> dünnwandige Armaturen (geringer Gefügeausbildung in die nachstehend genann- sehr hohe schwellende oder pulsierende Kräf-
Produktionsanteil) aus CuZn-Legierungen ten drei Gefügetypen einteilen: te aufnehmen können.
(Messing) im Druckgießverfahren
A Gefüge bestehend aus weicher Grundmas- Gleitwerkstoffe des Gefügetyps C haben eine
1.5.2 Gleitwerkstoffe und Getriebeteile se mit harten Gefügeeinlagerungen mittlere bis hohe Festigkeit und Härte.
Folgende Einsatzbereiche mit Gießverfahren B Gefüge aus einem harten Gerüst und wei-
werden bei den Gleitwerkstoffen und Getrie- chen Bestandteilen In den Tabelle 7 wird ein Überblick über die Ein-
beteilen unterschieden: C Gefüge, die hinsichtlich Festigkeit und Här- satzmöglichkeiten von Gleitwerkstoffen in Kom-
> Gleitlagerbuchsen im Schleuder- und te einen einheitlichen homogenen oder he- bination mit dem Gleitpartner für unterschied-
Stranggießverfahren terogenen Aufbau haben liche Beanspruchungszustände gegeben.
> Lagerschalen im Schleuder- und
Stranggießverfahren
> Gleitleisten im Schleuder- und
Stranggießverfahren
> auf Gleitung beanspruchte Gussstücke
mit komplexer Geometrie im Sandguss
> Schneckenradkränze, Schneckenräder
und Schraubenräder im Schleuder- und
Stranggießverfahren

Tabelle 7: Vergleich der Einsatzmöglichkeiten von


Gleitwerkstoffen für unterschiedliche Beanspru-
chungszustände (Schleuderguss/Strangguss)

21
Dreh- und Frästeile aus
Bronzestrangguss
WERKBILD Wieland-Werke AG

Tabelle 8 enthält weitere Angaben zu den Gleit- > für gehärtete und ungehärtete Wellen Leichte Kantenpressungen können von diesem
eigenschaften verschiedener Kupfer-Gleitwerk- > für Wellen aus nichtrostendem Stahl oder Werkstoff aufgenommen werden. Die Einsatz-
stoffe. Bronze bereiche der Legierung sind:
CuSnPb-Gusslegierungen > für hochbeanspruchte Kalanderwalzen, > Stellleisten
Die CuSnPb-Gusslegierungen, die mit steigen- Müllereimaschinen-, Zementmühlen, > Gleitsteine
dem Bleigehalt dem Idealtyp des Gefügetyps Wasserpumpen, Schleifmaschinen und > Grund- und Stopfbuchsen
B nahekommen, gehören zu den besten Gleit- Werkzeugmaschinen > Zylindereinsätze
werkstoffen. > für Warm- und Kaltwalzgerüste > Spindelmuttern
Als Massivguss sind CuSnPb-Gusslegierun- > im Fahrzeugbau für Kurbel-, Nocken- und > Kuppelstücke
gen unempfindlich gegen Kantenpressungen. Getriebewellen > Friktionsscheiben
Als zu bevorzugende Schleuder- und Strang- > für Wasser- und Schmierstoffpumpen > Wellenbezüge
gusswerkstoffe sind alle nach DIN EN 1982 ge- > sowie als Pleuel- und
normten Legierungen der Gruppe einsetzbar. Kolbenbolzenbuchsen
Die CuSn7Pb15-C weist die günstigsten Gieß- CuSn-Gusslegierungen
eigenschaften auf und wird daher als bevorzug- Mit Ausnahme von CuSn5Pb9-C werden die Der Gefügeaufbau der CuSn-Gusslegierungen
ter Lagerwerkstoff eingesetzt (vgl. ­Tabellen 7 CuSnPb-Gusslegierungen auch im Verbund- ist ebenfalls dem Gefügetyp A zuzuordnen. Das
und 8). guss verarbeitet. Gefüge von CuSn11Pb2-C (sandgegossen) be-
Die CuSnPb-Gusslegierungen haben sehr gute steht aus der weichen α-Phase mit einer Härte
Notlaufeigenschaften und sind auch für Wasser- CuSnZn-Gusslegierungen von etwa 60 HBW, während das eingebettete
schmierung geeignet. Wegen des höheren Blei- Die CuSnZn-Gusslegierungen sind ebenfalls be- Eutektoid, bestehend aus δ- und β-Phase und
gehaltes ist die Unempfindlichkeit gegen Kan- währte Gleitwerkstoffe. Sie sind dem Gefügetyp Kupferphosphid, eine Härte von 250 HBW auf-
tenpressung bei diesen Legierungen sehr groß, A zuzuordnen, wobei der α-Gefügebestandteil weist. Durch die höhere Erstarrungsgeschwin-
jedoch liegen die Festigkeiten und damit auch die als Grundmasse relativ weich ist. digkeit im Schleuder- und Strangguss wird
Tragfähigkeit im unteren Bereich. Innerhalb die- nicht nur der Anteil an Eutektoid vergrößert,
ser Legierungsgruppe kann die ­CuSn10Pb10-C Die Legierung CuSn7Zn4Pb7-C ist als univer- sondern gleichzeitig die gesamte Gefügeaus-
die größten Lasten aufnehmen. seller Gleitwerkstoff für den Maschinenbau bildung gefeint. Die Legierung ­CuSn12Ni2-C
Der Legierungstyp neigt bei höheren Blei- anzusehen. Er ist kostengünstiger als Kupfer- ist abweichend von den Legierungen dieser
gehalten bei der Verarbeitung im Schleuder- Zinn-Gusslegierungen und hat wegen seines Gruppe dem Gefügetyp C zuzuordnen.
guss zu Seigerungen, die sich an der Oberflä- Bleigehaltes von mindestens 6 % gute Notlauf-
che zeigen können, wodurch die Funktionalität eigenschaften. Der Gleitstoff kann wegen sei- CuSn-Gusslegierungen werden eingesetzt für:
jedoch nicht beeinträchtigt wird. ner je nach Herstellungsverfahren geringen > Gleitlager
Die höher bleihaltigen Legierungen werden als Härte von 65 bis 75 HB bei niedrigen Belas­ > Herstellung von Getriebeteilen
Lager eingesetzt: tungen auch gegen ungehärtete Wellen laufen.
Für ausgesprochene Gleitzwecke zur Verbes-
serung der Notlaufeigenschaften oder des Ver-
haltens bei Mischreibungsverhältnissen ist ein
Bleizusatz günstig. Schneckenradkränze wer-
den zur Vermeidung des „pitting“ aus bleifreien
Werkstoffen mit Nickel-Zusatz gefertigt.

Tabelle 8: Eigenschaften und Anwendungshin-


weise verschiedener Gleitwerkstoffe

22
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

WERKBILD Gebr. KEmper GMBH & Co. KG

Verschneidearmatur

Die CuSn11Pb2-C (als Schleuder- oder Strang- liche Festlegungen können für die Anwendung Schlag und wechselnde Belastungen. Sie wi-
guss) wird eingesetzt für: bei Schneckenrädern zur Korngröße des Werk- derstehen hohen spezifischen Belastungen,
> Kurbelwellen- und Kniehebellager stoffs gemacht werden. wenn eine Zwangsschmierung vorgesehen ist
> Kranlager und Spindelmuttern Detailinformationen zum Einsatz der Legierung und der Gegenlaufwerkstoff eine hohe Ober-
> Gleitplatten, Gleitleisten und CuSn12Ni2-C im Stranggießverfahren sind [8] flächenhärte und sehr gute Oberflächengüte
Führungsschienen zu entnehmen. besitzt. Der Gefahr einer Kantenpressung, die
bei sehr hoher Last immer besteht, wird durch
Die CuSn12Ni2-C wird bevorzugt eingesetzt CuAl-Gusslegierungen Erhöhung der Steifigkeit der Konstruktion be-
für: Die CuAl-Gusslegierungen (bevorzugt CuAl- gegnet. Dies kann durch Verringerung der La-
> Getriebeteile jeglicher Art 10Fe5Ni5-C und CuAl11Fe6Ni6-C) gehören gerbreite oder Vergrößerung des Lagerdurch-
> Schneckenradkränze ebenfalls zum Gefügetyp C. Sie haben ein messers erfolgen. Anwendungsbeispiele sind
> Schneckenräder schlechtes Notlaufverhalten und sind nur bei Druckmuttern für Spindeln und Schneckenrä-
> Schraubenräder einwandfreier Schmierung zu verwenden. Sie der für den Getriebebau bei niedrigen Umlauf-
Durch den Nickelzusatz wird bei dieser Legie- sind geeignet für hohe statische und dyna- geschwindigkeiten.
rung, verglichen mit der bleihaltigen Variante, mische Belastungen bei geringer Gleitbean-
die Festigkeit um etwa 10% gesteigert. Zusätz- spruchung und sind unempfindlich gegen Stoß,

23
Pumpenlaufrad
aus Bronze
WERKBILD HUNDT & WEBER GmbH

1.5.3 Konstruktionswerkstoffe Kupfer-Nickel-Gusslegierungen Hinweise auf die Eignung für die Herstellung
Kupfergusswerkstoffe werden als Konstruk- Folgende Einsatzgebiete der CuNi-Gusslegie- druckdichter Gussstücke gibt Tabelle 9.
tionswerkstoff eingesetzt, wenn mehrere der rungen bieten sich wegen ihrer guten Korro-
nachfolgend aufgeführten Eigenschaften in sionsbeständigkeit an: 1.5.4 Leitwerkstoffe
Kombination gefordert werden: > Schiffbau, Wasserbau Hierunter fallen Konstruktionswerkstoffe, de-
> hohe Festigkeiten unter zügiger/ > Lebensmittel- und Getränke-Industrie ren elektrische Leitfähigkeit bestimmte Werte
zyklischer Belastung, > Chemische Industrie, Raffinerien einhält. In erster Linie sind dies die unlegierten
> hohe Kriechfestigkeit > Kraftwerke Kupfergusssorten mit elektrischen Leitfähig-
> hohe Korrosionsbeständigkeit, > Meerwasser-Entsalzungsanlagen keiten über 55 MS/m im Kokillenguss und im
> Zähigkeit bei tiefen Temperaturen > Fittings, Armaturen, Pumpen, Rührwerke, Sandguss 50 MS/m (Sorte A). Aus ihnen wer-
> sowie eine hohe elektrische Leitfähigkeit Messgeräte, Abfüllorgane den Bauteile jeglicher Art gegossen:
und/oder magnetisches Verhalten. > Kältetechnik (hohe Zähigkeit bei tiefen > Schalter
Temperatur) > Stromzuführungen
Kupfer-Zink-Gusslegierungen > Kontakte/ Kontaktbacken
Für kleinere Gussstücke mit komplexer Geo- Druckdichtheit > Elektrodenhalter/ Elektrodenarme
metrie sind bevorzugt die gut gießbaren Le- Druckdichte Gussstücke über 25 bar Be- > Kurzschlussringe
gierungen CuZn38Al-C und CuZn39Pb1Al-C triebsdruck lassen sich mit dem Kokillengieß-
im Kokillenguss anzuwenden. verfahren wie auch mit dem Sandgießverfah- Werden höhere Festigkeitsanforderungen ge-
ren fertigen. (Anmerkung: Erläuterungen zur stellt, müssen geringere Leitfähigkeiten in Kauf
Kupfer-Aluminium-Gusslegierungen Druckdichtheitsprüfung liefert Kapitel 9.1.5) genommen werden (nach DIN EN 1982 mindes­
Basierend auf ihren besonderen Eigenschaften Bei Betriebsdrücken über 25 bar sind die tens 45 MS/m). Der aushärtbare, mit Chrom le-
(Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit, …) wer- hochfesten CuAl-Gusslegierungen und die gierte Werkstoff CuCr1-C eignet sich z. B. für
den die CuAl-Gusswerkstoffe bevorzugt ein- hochfesten CuZn-Gusslegierungen mit weite- > Hochspannungsschalterteile,
gesetzt für: ren Legierungszusätzen am besten geeignet. > wassergekühlte Elektrodenarme an
> Schiffspropeller Schweißstraßen,
> Gehäuse Nachfolgend aufgeführte Legierungen mit brei- > Punktschweißelektroden,
> Laufräder und sonstige Teile von tem Erstarrungsintervall sind schwieriger zu > Spannbacken für
Wasserturbinen und Pumpen gießen. Sie erfordern eine angepasste kon- Stumpfschweißmaschinen.
> Armaturen – auch für Heißdampf struktive Gestaltung der Gusstücke.
> Hydraulikteile/ Ventilsitze > CuSn- und CuSnZn-Legierungen: Die In der Elektrotechnik werden verschiedene Kup-
> Druckstücke, Verschleißteile, Zerspanung der in der Regel dichten fer-Zink-Gusslegierungen für Leitzwecke verwen-
Kupplungskegel, Schleifringe Gusshaut sollte auf ein Minimum det. Da Begleitelemente bereits bei geringen Ge-
> Umformwerkzeuge reduziert werden. halten die Leitwerte der Kupferlegierungen stark
> CuSnZn- und CuSnPb-Legierungen: Eine herabsetzen, ist der gewünschte Leitwertbereich
mögliche Gussporosität wird durch einen in der Bestellung zu nennen. Folgende Kupfer-
entsprechend höheren Bleianteil in der Zink-Gusslegierungen (einschl. Angabe der Leit-
Legierung gemindert. Dadurch werden fähigkeitswerte) werden bevorzugt eingesetzt:
die Mikrolunker teilweise geschlossen. > CuZn15As-C 15 MS/m
> CuSn-Gusslegierungen: Durch einen > CuZn33Pb2-C 10–14 MS/m
2%igen Nickelzusatz werden sie > CuZn38Al-C 12 MS/m
hinsichtlich Ihrer Druckdichtheit
verbessert.
> CuNi10Fe1Mn1-C: Die Legierung
ist schwierig zu gießen, hat aber ein
Potenzial zur Herstellung druckdichter
Gussstücke.

24
1 Kupfer-Gusswerkstoffe

WERKBILD HUNDT & WEBER GmbH


Kühlergehäuse

Für Anwendungsfälle, in denen ein hoher elek- Der Werkstoff Cu-C, Sorte C (elektrische Leit- Als weitere Werkstoffgruppe für erhöhte An-
trischer Widerstand (= geringe elektrische Leit- fähigkeit 32 MS/m) wird vor allem für kompak- forderungen an die Wärmeleitfähigkeit wer-
fähigkeit) gefordert wird, das trifft für Kompo- te und große Gussstücke in der stahlproduzie- den die nicht genormten hochfesten Kupfer-
nenten zu, die bei Bewegung im Magnetfeld ein renden Industrie z. B. für Hochofen-Kühlkästen, Beryllium-Gusslegierungen sowie CuCr1-C
möglichst kleines Sekundärfeld aufbauen sollen, Blasformen, Sauerstofflanzen und Hochofen- eingesetzt. Sie werden für Plunger (Kolben)
eignen sich die Legierungen der Gruppe CuAl. Armaturen verwendet. in Druckgießmaschinen sowie für thermisch
In der Elektrotechnik werden bevorzugt hoch beanspruchte metallische Dauerformen
Die Werkstoffe mit einer hohen elektrischen die Sandgusssorten A und B oder der im Ko- (Kokillen) verwendet.
Leitfähigkeit besitzen gleichzeitig auch eine ho- killengießverfahren verarbeitete Werkstoff Cu-
he Wärmeleitfähigkeit. Daher eignen sich diese C-GM verwendet.
Werkstoffe für Anwendungen, bei denen eine
gute Wärmeübertragung gefordert wird: Die Sorte A mit der höchsten Wärmeleitfähig-
> Kühlkästen keit wird als Werkstoff für Stranggießkokillen
> Blasformen eingesetzt.
> Kühlerdeckel
> Zylinderköpfe

Tabelle 9: Eignung von Kupfer-


Gusslegierungen für die Herstel-
lung druckdichter Bauteile aus
Sandguss
Dünne Querschnitte: 2–20 mm
Dicke Querschnitte: > 20 mm

25
WERKBILD Matthies Druckguss GmbH & CO. KG

26
2 Form- und Gießverfahren
2 Form- und GieSSverfahren

Tabelle 10: Vergleich Einsatzbereiche


der Form- und Gießverfahren

Den kürzesten Weg vom Rohmetall zum ferti- Für die Formgebung durch Gießen können für
gen Produkt bietet das Gießen. Allen gießtech- die Kupfergusslegierungen die gleichen Ver-
nischen Verfahren ist gemeinsam, dass eine fahren angewendet werden wie für die Eisen-
Form herzustellen ist, in welche das Metall ein- oder die anderen NE-Metall-Gusswerkstoffe.
gegossen wird und in der es erstarrt. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen
werden fast ausschließlich das Sand-, Kokillen-,
Bild 3 gibt einen Überblick über serienübli- Schleuder-, Strang- oder Druckgießverfahren
che Gieß- und Formverfahren für Kupfergussle- benutzt. (Siehe auch „Technische Richtlinien -
gierungen. Grundsätzlich ist zu unterscheiden Druckguss“ und „Technische Richtlinien - Alu-
zwischen Verfahren, die mit „verlorenen“ For- minium-Sand- und -Kokillenguss“)
men arbeiten, welche nach jedem Guss zer-
stört werden (z. B. Grünsandverfahren) und Die Tabelle 10 gibt eine Übersicht über die
Dauerformen, mit denen eine große Anzahl von verschiedenen Form- und Gießverfahren mit
Gussstücken hergestellt werden (z. B. Kokil- Richtangaben über Stückgewichte und Min-
lenguss). Mit dem Stranggießverfahren wer- deststückzahlen.
den keine endkonturnahen Bauteile sondern
Formate hergestellt.

Die Wahl des am besten geeigneten Verfahrens


wird maßgeblich bestimmt von technischen GIESSVERFAHREN
Faktoren (z. B. Festigkeitsanforderungen, Bau-
teilgestalt, Größe, Gewicht, Stückzahl). Für die
verschiedenen Gießverfahren lassen sich dann
die Fertigungskosten errechnen, die in der Re-
gel über die Wahl des Gießverfahrens entschei-
den. Wichtig in der Gesamtkostenbetrachtung
ist es, insbesondere beim Vergleich konkurrie- Verlorene Formen Dauerformen
render Fertigungsverfahren, die gesamten Her-
stellungskosten bis zum einsatzbereiten Bauteil
zu betrachten. In der Regel lassen sich mit den Druckguss
Gießverfahren bei einer werkstoff- und gießge-
rechten Gestaltung Einsparungen bei den fol- Dauermodelle Verlorene Kokillenguss
Modelle
genden Bearbeitungsschritten mechanische
Strangguss
Bearbeitung/ Fügetechnik erzielen.

Grünsand­-Formen Lost-Foam Schwerkraft-


Vor diesem Hintergrund ist dem Konstrukteur Kokillenguss
zu empfehlen, sich so früh wie möglich mit ei-
nem erfahrenen Gießer in Verbindung zu set- organisch Niederdruck-
zen. Allgemein gilt, je komplexer ein Bauteil gebundene Formen Feinguss
Kokillenguss
ist, desto wirtschaftlicher kann es mit Gieß-
verfahren gefertigt werden. Der Einsatz des
Schleuder-
für die Serie infrage kommenden Gießverfah- Kokillenguss
rens kann durch eine Prozess-FMEA (Fehler-
möglichkeiten und Einfluss-Analyse) abgesi-
chert werden.
Bild 3: Übersicht über die Form- und Gießverfahren für Kupferlegierungen

27
WERKBILDER Gebr. KEmper GMBH & Co. KG
Kern- und Formherstellung

2.1 Sandgießverfahren formguss) erfolgen. Nach Entfernen des Mo- delle kann die Maßgenauigkeit der Gussstüc-
Beim Sandgießverfahren werden Verfahrens- dells wird durch das Zusammenlegen der Form- ke gesteuert werden (vergleiche auch Kapitel
varianten nach dem jeweils verwendeten Bin- hälften der Hohlraum erzeugt, in den das Metall 3.10 Bearbeitungszugaben und 3.12 Toleran-
der unterschieden: eingegossen werden kann. zen). Bei entsprechender Auslegung ist es mög-
Nach dem Zement-Formverfahren, bei lich die Genauigkeit von Kokillengussstücken
> Ton (Bentonit) zusammen mit Wasser dem die Bindung des Quarzsandes mit Ze- zu erreichen oder sogar zu überbieten (Kernpa-
oder ment erfolgt, werden z. B. Schiffspropeller ketverfahren). Im Allgemeinen liegt die Maßge-
> organische Harze (z. B. Polyurethan, gegossen. nauigkeit aber unterhalb der der Dauerformver-
Furanharz). Alternativ zum Grünsandverfahren kann fahren. Gleiches gilt für die Oberflächengüte,
an Stelle des tongebundenen Formsandes die ebenfalls unter denen der Kokillen- oder
Darüber hinaus finden weitere anorganische auch mit kunstharzgebundenem Sand gear- Sonderformverfahren liegt. Durch Anwen-
Bindersysteme Verwendung. beitet werden. Die abgießfähige Festigkeit des dung besonders feiner Formsande oder spe-
Formsandes wird dabei über eine chemische zieller Schlichten lässt sich die Oberflächen-
Als Formgrundstoff wird – von Ausnahmen ab- Reaktion erreicht. güte verbessern.
gesehen – Quarzsand verwendet.
In Verbindung mit Kernen bieten die Sandgieß- Bedingt durch die geringere Erstarrungsge-
Das Verfahren, bei dem mit Bentonit als Bin- verfahren sehr weitreichende Konstruktions- schwindigkeit im Sandguss lassen sich im
der gearbeitet wird, wird in der Gießereipra- möglichkeiten. Es ist möglich Gussstücke mit Vergleich zum Kokillenguss nicht ganz so ho-
xis als Grünsandverfahren bezeichnet. Formen mehr als 2 m Raumdiagonale zu erzeugen. Hin- he Festigkeitswerte erreichen. Ein deutliches
werden erzeugt, indem der Formsand (tonmi- sichtlich der Stückzahlen reicht die Bandbrei- Steigerungspotenzial besteht aber durch den
neralumhüllter Quarzsand) auf eine Modellplat- te von der Einzelstückfertigung bis zu Serien lokalen Einsatz von Kühlkörpern oder Eingieß-
te in einem Kasten oder auch kastenlos aufge- in größter Stückzahl. teilen. Diese Kühlkörper werden gezielt in Be-
bracht und anschließend verdichtet wird. Die reichen positioniert, in denen höhere Anfor-
Verdichtung des Formsandes kann von Hand Über den Grad der Mechanisierung des Form- derungen an die mechanischen Eigenschaften
(Handformguss) oder maschinell (Maschinen- verfahrens sowie über die Güteklasse der Mo- gestellt werden.

28
2 Form- und GieSSverfahren
WERKBILDER ED. Fitscher GMBH & Co. KG

Fertigungsablauf Schleuderguss

2.2 Kokillengießverfahren Wie Sandgussstücke sind auch Kokillenguss- chenden Gussstücken und Seriengrößen lässt
Die Formen, Kokillen genannt, bestehen vor- stücke uneingeschränkt warmbehandlungsfä- sich auch das Niederdruck-Kokillengießverfah-
nehmlich aus Stählen mit hoher Temperatur- hig, schweißgeeignet und dekorativ anodisch ren weitgehend mechanisieren.
wechselbeständigkeit. Auch Gusseisen und oxidierbar, wenn die hierfür geeigneten Legie-
Kupferlegierungen werden verwendet. Beste- rungen gewählt werden. 2.2.3 Schleuder-Kokillengießverfahren
hen Kokille und Kerne aus Stahl, so spricht Das Schleuder-Kokillengießverfahren lässt sich
man von einer Vollkokille. Werden Sandkerne 2.2.2 Niederdruck-Kokillen­gießverfahren vorteilhaft zur Herstellung von dickwandigen
eingelegt, spricht man von einer Halbkokille. Diese Technologie stellt eine Variante des Kokil- Büchsen und Rohren aus Kupfergusslegierun-
Die Formfüllung geschieht vornehmlich mittels lengießverfahrens dar. Während beim oben be- gen anwenden. Bei diesem Verfahren wird das
Schwerkraft. Das Niederdruckgießverfahren ist schriebenen Kokillengießverfahren die Formfül- flüssige Metall in eine sich drehende rohrför-
eine Variante des Kokillengießverfahrens. lung mittels Schwerkraft erfolgt, geschieht dies mige Kokille mit horizontal liegender oder ver-
beim Niederdruck-Kokillengießverfahren durch tikal stehender Längsachse eingefüllt.
2.2.1 Schwerkraft-Kokillengießverfahren einen geringen Überdruck von etwa 0,3 – 0,7
Mit dem Kokillengießverfahren lassen sich bar. Dazu wird ein druckdichter Gießofen über Auf hydraulisch geführten Schleudergießma-
maßgenaue Gussstücke mit guter Oberflä- ein Steigrohr mit der darüber angeordneten schinen mit gekühlten Dauerkokillen werden
chenbeschaffenheit herstellen. Die relativ Kokille verbunden. Durch eine Druckerhöhung unter Ausnutzung einer hohen Zentrifugalbe-
schnelle Erstarrung beim Kokillengießverfah- steigt der Metallspiegel durch das Steigrohr von schleunigung Gussprodukte gefertigt, die höch-
ren ergibt gegenüber dem Standard-Sandguss unten in den Formhohlraum. Damit wird eine sten Ansprüchen genügen. Durch hohe Zentri-
günstigere mechanische Werkstoffkennwerte. ruhige Formfüllung und bei geeigneter Guss- fugalkräfte entsteht ein dichtes, feinkörniges
Unter Berücksichtigung der Werkzeugkosten stückgestalt eine gute Speisung erzielt. Vor- Gefüge mit sehr guten mechanischen Eigen-
können breit gespannte Seriengrößen abge- teilhaft sind die mit dem Prinzip verbundene schaften. Die Werkstoffauswahl ist sorgfältig
deckt werden. ruhige Metallzuführung und der geringe Kreis- mit dem Gießer abzustimmen.
Die Kokillen (=Formen) werden aus Warm- laufanteil. Die relativ lange Erstarrungszeit und
arbeitsstählen oder hochfesten Kupfer-Legie- damit zeitliche Beanspruchung des teuren Gieß-
rungen gefertigt. aggregates senkt die Produktivität. Bei entspre-

29
WERKBILD KS Gleitlager GmbH
Stranggussprofile

2.3 Stranggießverfahren stoffeigenschaften. Eine Prüfung der Druck- Beispiele für mögliche Querschnitte von Pro-
Das Stranggießverfahren ist das bevorzugte dichtheit ist aufgrund des Gefügeaufbaus nicht filen gibt Bild 4.
Verfahren zur kontinuierlichen Produktion von zwingend erforderlich.
Rohren, Stangen und Profilen. 2.4 Druckgießverfahren
Beim Druckgießverfahren wird flüssiges Metall
Die Schmelze erfährt in wassergekühlten, kup- unter hohem Druck und mit großer Geschwin-
fer- oder stahlummantelten Grafitkokillen ih- digkeit in Dauerformen aus Warmarbeitsstahl
re Formgebung. gegossen. Werkstoffseitig ist der Druckguss
Das Abziehen des gegossenen Stranges fast ausschließlich auf CuZn-Legierungen ein-
geschieht meist nicht gleichförmig, sondern geschränkt, die mit einer Gießtemperatur von
in Stop and Go Schritten. Man unterschei- 900 – 1000 °C verarbeitet werden. Die ho-
det zwischen vertikalem und horizontalem he Gießtemperatur begrenzt die Lebensdauer
Strangguss. Beim Vertikalguss benötigt man der Druckgießformen. Bei den anderen Kupfer-
eine große Bauhöhe für große Stranglängen. gusswerkstoffen liegen die Gießtemperaturen
Der Nachteil der Horizontalverfahren liegt in noch höher, woraus sich eine weitere Reduzie-
der bei größeren Strangdurchmessern mögli- rung der Formenstandzeit ergibt.
chen Verformung und Entmischung des noch Neben den Gusskomponenten aus CuZn-
heißen und schweren Stranges unter Einfluss Legierungen wird Reinkupfer zur Herstellung
der Schwerkraft. Die benötigte Einzellänge wird von Rotoren für Elektromotoren im Druckgieß-
durch eine mitlaufende Säge während des Ab- verfahren verarbeitet.
ziehens vom Strang abgetrennt.
Da in ähnlicher Weise wie beim Schleuder-
gießverfahren eine gerichtete und schnelle Er- Bild 4: Beispiele für im Strang-
starrung erfolgt, ergibt sich ein regelmäßiger gießverfahren herstellbare Pro-
Gefügeaufbau mit guten mechanischen Werk- filquerschnitte

30
2 Form- und GieSSverfahren

WERKBILDER ED. Fitscher GMBH & Co. KG


Fertigungsablauf Stranggießverfahren

Tabelle 11: Übersicht Kernherstellungsverfahren

Durch die Verwendung von Stahlkernen und Diese Wachsmodelle werden dann durch mehr- von Kernen ist mit erhöhten Kosten verbunden.
Schiebern ergeben sich weitreichende Gestal- maliges Tauchen in einen Keramikschlicker mit Die nachstehende Übersicht in Tabelle 11 gibt
tungsmöglichkeiten. anschließendem „Besanden“ und Trocknen mit einen zusammenfassenden Überblick über die
Wegen der hohen Strömungsgeschwindig- einer Keramikschale überzogen. Das Wachs wichtigsten Kernfertigungsverfahren.
keiten bei der Formfüllung können Sandkerne wird anschließend ausgeschmolzen und die
im Druckgießverfahren allerdings nicht einge- Formen werden bei etwa l.000 °C gebrannt. Als Formgrundstoff wird allgemein Quarzsand
setzt werden. Die Gusslegierung wird in die noch heiße Form verwendet. Motivation für die Entwicklung der
gegossen; dadurch werden feinste Konturen anorganischen Verfahren ist die geringere Ar-
2.5 Feingießverfahren exakt wiedergegeben, und sehr dünne Wände beitsplatz- und Umweltbelastung. Darüber hin-
Das Feingießen nach dem Wachsausschmelz- und Querschnitte sind gießbar. Die Genauigkeit aus können sich weitere technische Vorteile
verfahren ist gekennzeichnet durch die Herstel- und Oberflächenbeschaffenheit der Gussstüc- wie eine geringere Gasentwicklung beim Ab-
lung von einteiligen, keramischen Schalenfor- ke ist sehr gut. Über die erzielbaren Genauig- guss ergeben. Jede Kernherstellungsmethode
men. Damit entfällt die Form-(Modell-)Teilung keiten gibt die BDG-Richtlinie P 690 „Feinguss“ hat ihre besonderen verfahrens- und anwen-
und damit auch die hierdurch verursachten To- Auskunft. dungstechnischen Merkmale, die auf die un-
leranzen und Grate. terschiedlichen Anforderungen (z. B. erforder-
2.6 Herstellung und Verwendung liche Stückzahl, Kernfestigkeit, Kernzerfall, …)
Für jede herzustellende Form und damit auch von Sandkernen entwickelt worden sind. Für besondere Anfor-
für jedes Gussstück ist ein Wachsmodell er- Mit Hilfe von in die Form eingelegten Kernen las- derungen stehen weitere Techniken zur Verfü-
forderlich. Diese Modelle werden ähnlich wie sen sich Hohlräume, Kanäle, Durchbrüche und gung. Die neuen in der Entwicklung befindli-
Kunststoff-Spritzgussstücke mittels Wachs- Hinterschneidungen gießtechnisch erzeugen. chen thermisch aushärtenden anorganischen
spritzmaschinen in Metallformen hergestellt. Verfahren erfordern u. U. alternative Formstof-
Die Wachsmodelle werden einzeln (bei großen Kerne sollten nur dann verwendet werden, fe (synthetische Sande), um optimale Oberflä-
Stücken) oder zu mehreren als Gießtrauben mit wenn dies aus Formgebungsgründen erforder- chengüten erzielen zu können.
dem ebenfalls aus Wachs gefertigten Gießsy- lich ist. Auf eine sichere Positionierung der Ker-
stem verschweißt. ne in der Form ist zu achten. Die Verwendung

31
3 Wärmebehandlung von Gussstücken
aus Kupferwerkstoffen

Eine Wärmebehandlung kann aus folgenden


Gründen vorgenommen werden:

> Zum Abbau von Spannungen, die infolge


rascher Erstarrung in der Form, durch
schroffes Abschrecken nach dem Gießen
oder bei spanender Bearbeitung der Guss-
stücke entstehen (Spannungsarmglühen).
> Zur Steigerung der Festigkeitswerte
oder zur Verbesserung der Duktilität
(Homogenisieren).
> Zum Vorwärmen von Gussstücken, an
denen Schweiß- oder Lötarbeiten ausge-
führt werden sollen.

Art und Zeitpunkt der Wärmebehandlung rich-


ten sich nach der Legierungszusammenset-
zung, dem Gießverfahren, der Wanddicke/ dem
Gussstückgewicht und dem jeweils beabsich-
tigten Zweck, siehe Tabelle 12. Vor der Be-
arbeitung erfolgt ein Spannungsarmglühen,
werkstoffabhängig bei 200 bis 730 °C – von
Fall zu Fall auch zwischen einzelnen Bearbei-
tungsstufen (z. B. vor dem letzten Spanen).
Grundsätzlich besteht ein Zusammenhang zwi-
schen Zeit und Temperatur, d. h., ein gleiches
Ergebnis lässt sich mit kurzer Zeit und hoher
Temperatur (wird in Durchlauföfen genutzt)
wie auch mit langer Zeit und niedriger Tem-
peratur erzielen.

Die Zeiten hängen zudem ab:


> vom Ofen (Temperaturverteilung,
Temperaturgleichmäßigkeit),
> von der Anzahl der Teile im Ofen
und der Chargierung sowie
> von der Größe bzw. der Masse der
einzelnen Teile.

Die Durchführung der Wärmebehandlung er-


folgt in der Regel in der Gießerei, die über die
notwendige Erfahrung verfügt.
Hinsichtlich der Kosten für die Wärmebe-
handlung ist zu beachten, dass vor allem die
Lösungsglühbehandlung sehr energieintensiv
ist und damit hohe Kosten verursacht.

32
3 Wärmebehandlung von Gussstücken aus Kupferwerkstoffen

Tabelle 12: Übersicht


über die Wärmebe-
handlungsparame-
ter differenziert nach
Werkstoffgruppen

WERKBILD Grohe AG

33
4 Werkstoff- und gießgerechte
Konstruktion

4.1 Allgemeines Darüber hinaus bestehen weitere Möglich- In Sonderfällen kann es aus technischen und
Nach Vorgabe des funktionsbestimmten An- keiten, die Dichtheit des Gussgefüges zu op- wirtschaftlichen Gründen zweckmäßig sein,
forderungsprofils (Lastenheft) sind zur gieß- timieren: von Guss-Schweiß-Konstruktionen Gebrauch
technischen Auslegung von Bauteilen folgende > Erstarrungslenkung durch Anlegen von zu machen. Dabei stehen Bauteile aus Kupfer-
grundlegende Punkte vom Konstrukteur in Zu- Kühlkörpern (Kühleisen) im Sandguss Aluminium-Legierungen im Vordergrund des
sammenarbeit mit dem Gießer zu klären: > Erstarrungslenkung durch Temperierung Interesses. Aus sandgegossenen Kupfer-Alu-
> Welches Fertigungsverfahren ist für (Kühlen/Heizen) der Kokille minium-Gussstücken fertigt man z. B. Pumpen-
das Bauteil das technisch am besten laufräder und Gehäuse für Pumpen als Guss-
geeignete und wirtschaftlich günstigste? Die Modelleinrichtungen bzw. Kokillen haben Schweiß-Konstruktion. Es lassen sich auch
> Welcher Werkstoff in Kombination einen hohen Anteil an den Fertigungskosten. Guss-Verbund-Schweißkonstruktionen, d. h.
mit dem Fertigungsverfahren Zur optimalen Werkzeuggestaltung sind fol- Verbindungen von Gusswerkstoffen mit Knet-
(=Gießverfahren) kann das gende Punkte zu beachten: werkstoffen, z. B. Stahlblechen, herstellen.
Anforderungsprofil am besten erfüllen? > möglichst keine Hinterschneidungen
> möglichst ungehinderte Schwindung/ Die Gussstückkonstruktion soll in enger Ab-
Diese grundlegende Klärung erfordert einen Gussstückkontraktion stimmung mit dem Gießer erfolgen.
großen Erfahrungshorizont. Im Idealfall sollten > zweckmäßige Anordnung der Formteilung
verfahrensspezifische Vorteile möglichst be- > ausreichend große Kernlagerung 4.2 Teilung
reits vor der endgültigen Festlegung der Bau- > Versteifung großer Flächen durch Verrip- Die Teilungsebene einer Sandform oder Kokille
teilgeometrie berücksichtigt werden. Folgende pung soll so einfach wie möglich gestaltet werden.
Punkte sollten stets geprüft und berücksich- > Beachtung des Schwindmaßes (siehe Ka- Der Teilungsverlauf am Gussstück soll geradli-
tigt werden: pitel 4.11) nig sein und nicht durch Flächen gehen, deren
1. Wirtschaftlich > ausreichend große Aushebeschrägen (sie- Aussehen durch Abschleifen des Teilungsgra-
2. Funktions- und beanspruchungsoptimiert he Kapitel 4.5) tes beeinträchtigt werden könnte.
3. Gießverfahrens- und werkstoffoptimiert Häufig erlaubt die Konstruktion des Guss-
4. Modell- und formoptimiert Zur Berücksichtigung der spezifischen Belan- stücks keinen ebenen Teilungsverlauf. Auftrag-
5. Putz- und bearbeitungsoptimiert ge der Kupfer-Gusslegierungen sollten bei der geber und Gießer sollten gemeinsam versuchen,
6. Prüfgerecht Konstruktion der Bauteile folgende Punkte be- die einfachste und damit auch wirtschaftlich-
7. Formschön achtet werden: ste Lösung zu finden.
> wenn die Option besteht, auf
Die bei der Erstarrung auftretende Volumen- Druckbeanspruchung auslegen 4.3 Speiserflächen und Anschnittleisten
kontraktion (bei den Kupfergusslegierungen be- > zur Minimierung lokaler Speiserflächen und Anschnittleisten sind not-
trägt sie etwa 5 – 7%) und dadurch entstehen- Belastungsspitzen Krafteinwirkung auf wendig, um eine optimale Formfüllung und Er-
de Speisungsdefizite können durch gelenkte große Querschnittsbereiche verteilen starrung zu gewährleisten.
Erstarrung in einem hohen Maße aufgefangen (z. B. Verwendung von Eingießteilen und
werden. Dazu sind folgende Grundvorausset- Gewindeeinsätzen) Das Putzen und Entgraten von Gussstücken
zungen zu erfüllen: (Entfernen von Graten, des Speiser- und An-
> Materialanhäufungen möglichst schnittsystems, …) verursacht Kosten. Bei der
vermeiden, Knotenpunkte auflösen Konstruktion sollten daher folgende Punkte be-
> Wanddicken sollten zum Speiser hin achtet werden:
größer werden Ebene Flächen konstruieren, Innen- und
> Keine scharfen Wandstärkenübergänge Außenflächen müssen für die Putzwerkzeuge
> Querschnittsabstufungen sollten mit der gut zugänglich sein.
Modulrechnung präzise ermittelt werden
(Gießer mit einbeziehen!) Die Beispiele in Bild 5 zeigen, wie man durch
geringfügige konstruktive Änderungen wirt-
schaftlicher und besser putzen kann:

34
4 Werkstoff- und gieSSgerechte Konstruktion

a) ungünstig b) günstig

c) ungünstig d) günstig

e) ungünstig f) günstig

g) ungünstig h) günstig

Bild 5: Beispiele für konstruktive Änderungen zur Optimierung des Abtrennens von Anschnitten und Speisern

35
Tabelle 13: Erreichbare Wanddicken für
die verschiedenen Gießverfahren

4.4 Wanddicken, Übergänge,


Verrippungen
Um optimale Bauteileigenschaften zu erzielen,
sollten die Wandstärken nur so dick wie nötig
ausgelegt werden. Die spezifische Festigkeit
ist umso geringer, je dicker die Wand ist. Wand-
dickenübergänge sollten so ausgelegt werden,
dass die Wanddicken zum Speiser hin zuneh-
men. Dadurch wird eine optimale Speisung in
allen Querschnitten des Bauteils erreicht und
schrumpfungsbedingte Porositäten minimiert.
Durch gießtechnische Maßnahmen (z. B. Anle-
gen von Kühlkörpern) kann die Erstarrung ge-
zielt beeinflusst werden.

Die kleinstmögliche Wanddicke wird bestimmt


von:
> der Größe des Gussstückes,
> dem Gießverfahren und
> der Legierung.

Die Tabelle 13 gibt einen Überblick über die Bild 6: Zusammenhang zwischen Wanddicke und Außendurchmesser für stranggegossene Hohlprofile
erzielbaren Wanddicken für die verschiedenen
Gießverfahren.

Für die Fertigung von Hohlprofilen im Strang-


gießverfahren gibt Bild 6 einen Überblick über
mögliche Wanddicken in Abhängigkeit vom Au-
ßendurchmesser.

Nachfolgend sind einige Konstruktionsbeispie-


le mit gießtechnisch optimierten Lösungen (für
den Formguss) aufgeführt: Bild 7a: ungünstige Konstruktion mit großer Wandstärke und der Gefahr von Defektbildungen
(„poröse Stellen“)

schlecht: gut:
X-Knotenpunkt H-Knotenpunkt

Bild 7b: Auflösung der großen Wandstärke durch Bild 7c: Knotenpunkt nicht
verrippte Konstruktion einziehen

36
4 Werkstoff- und gieSSgerechte Konstruktion

a) ungünstig b) günstig

c) ungünstig d) günstig

Bild 8: Vermeidung von Materialanhäufungen


e) oder von zu großen Wanddicken

37
Bild 9: Vermeidung von
Formspitzen

a) ungünstig b) günstig

Weiterhin ist es wichtig, dass Übergänge all- schläge für Sandformen. Weiterhin werden in der Augen verstärkt. Das bringt neben einer höhe-
mählich erfolgen und in den Ecken ausgerun- DIN EN ISO 8062 Ausformschrägen definiert. ren Festigkeit und Steifigkeit auch Vorteile bei
det werden. Die Ausbildung solcher Übergän- Es ist geplant zukünftig in der ­DIN EN ISO der spanenden Bearbeitung, da nur die Augen-
ge und Hohlkehlen sind in den Bildern 9 und 8062-3 einen Anhang mit Zahlenangaben für flächen bearbeitet werden müssen.
10 skizziert. Ausformschrägen in Abhängigkeit der jewei- Demgegenüber lassen sich beim Kokillen-
ligen Fertigungsverfahren (Sand-, Kokillen-, gießen durch die Verwendung genau geführter
4.5 Aushebeschrägen, Auswerferaugen Druck- und Feinguss) zu ergänzen. Details stan- Stahlkerne kleine Bohrungen und Sacklöcher
Beim Sandgießen muss ein einwandfreies Aus- den bei Drucklegung der vorliegenden Schrift gießen. Der Durchmesser muss in einem aus-
heben des Modells ohne Beschädigung der noch nicht fest. reichenden Verhältnis zur Länge der Bohrung
sehr empfindlichen Sandform möglich sein. stehen, siehe Tabelle 14, die Formschräge der
Dazu sind an den Modellwerkzeugen Form- 4.6 Bohrungen, Durchbrüche Kerne muss ausreichend sein.
schrägen vorzusehen, Formschrägen kleiner Beim Sandgießen muss man sich in der Re-
als 2° sind unbedingt zu vermeiden! gel auf das Eingießen durchgehender und ge- Falls die Funktion des Gussstückes eine Ab-
Beim Kokillenguss entstehen durch die Er- nügend großer Bohrungen und Durchbrüche stufung des Bohrungsdurchmessers zulässt,
starrung des Metalls Schrumpfkräfte, die es beschränken. Bei zu geringen Durchmessern sollte diese Möglichkeit ausgenutzt werden.
nötig machen, Abzugsflächen und Formeinsät- kann die erforderliche Kernlagerung nicht rea- Dadurch wird die Betriebssicherheit der Gieß-
ze der Kokillen mit Schrägen zu versehen, um lisiert und damit keine ausreichende Genauig- form erhöht, siehe Bild 11.
den Abguss einwandfrei aus der Form entneh- keit gewährleistet werden.
men zu können. Die Konizität richtet sich nach Kritische Schrumpfkräfte bei großen Lochab-
der Gestalt des Gussstücks. Es ist zu berücksichtigen, dass die Ränder von ständen und relativ dünnem Kern fängt man
Auch Sandkerne erfordern Aushebeschrä- Durchbrüchen bei hoher Belastung mit Span- zweckmäßig durch Anordnung besonderer
gen, um sie fehlerfrei aus dem Kernkasten ent- nungsspitzen behaftet sein können, die Rissbil- „Stützflächen“ zwischen diesen Bohrungen
nehmen zu können. dungen verursachen können. Dem kann durch ab, siehe Bild 12.
Bezüglich der Formschrägen für Gussstücke Anbringung von Wülsten entgegengewirkt wer-
findet man in der DIN EN ISO 10135 Zeichnungs­ den. In größeren ebenen Flächen werden Boh- Gestaltungsbeispiele von Augen und Wülsten
angaben und in der DIN EN 12890 Wertevor- rungen am besten ein- oder beidseitig durch zeigt Bild 13.

a) b) c)

Bild 10: Beispiele richtig ausgelegter Querschnittsübergänge

38
4 Werkstoff- und gieSSgerechte Konstruktion

Tabelle 14: Emp-


fohlene Grenzwerte
(Durchmesser und
Länge) für gegos-
sene Bohrungen

a) ungünstig

a) ungünstig b) günstig
b) günstig

Bild 11: Abstufung bei gegossenen Bohrungen Bild 12: Stützflächen zum Abfangen der
Schrumpfkräfte bei Bohrungen

a) schlecht, da kein Wulst b) gut, da Bohrung einseitig durch Wulst

c) ungünstig d) günstig

Bild 13: Gestaltung von Augen und Wülsten

39
a) mit Kern b) ohne Kern, naturgeformt c) ungünstig d) besser: kann bei
Kokillenguss ohne Sand-
kern gegossen werden

Bild 14: Beispiele zur Vermeidung von Sandkernen

4.7 Kerne 4.8 Hinterschneidungen/ Schieber > Schieber können hydraulisch oder
Eine möglichst einfache Formteilung ohne Ab- Generell sollten vom Gussstückkonstrukteur mechanisch bewegt werden
stufungen oder seitliche Durchbrüche liegt im Konturen vermieden werden, die beim Ent- > es ist eine Anordnung in Richtung der
Interesse von Gießerei und Abnehmer. Bild 14 formen eine Hinterschneidung bilden und so- Formöffnung (senkrecht zur Formteilung)
zeigt einige Beispiele wie Sandkerne vermie- mit nur kompliziert oder gar nicht entform- anzustreben
den, vereinfacht oder deren Anzahl minimiert bar sind. > seitliche Schieber können parallel zur
werden können. Formteilung auch schräg zu diesen
Sollte dies nicht möglich sein, besteht die Mög- oder in einem bestimmten Winkel zur
Bei Gussstücken mit Sandkernen ist beson- lichkeit aufwändige, möglicherweise auch kom- Formteilung angeordnet werden, wenn
ders darauf zu achten, dass ausreichend und plexe geteilte Schieber in der Form einzusetzen. genügend Platz vorhanden ist
genügend große Austrittsöffnungen am Guss- Bild 16 gibt ein Beispiel, wie ein mehrteiliger > ineinandergreifende Schieber sind
stück vorhanden sind, um Schieber über eine Konstruktionsanpassung störanfällig und nach Möglichkeit zu
> eine gute Lagerung des Kernes in der durch einen einfachen Schieber ersetzt wer- vermeiden
Form zu erreichen und den kann. > die Genauigkeit eines Lochabstandes
> das Abführen der Gießgase beim Abguss ist am größten, wenn die betreffenden
sicherzustellen sowie Komplizierte Bauelemente mit nicht formbaren Bohrungskerne in derselben
> das einwandfreie Entfernen des Hohlräumen lassen sich vielfach in zwei einfa- Formhälfte oder in demselben Schieber
Kernsandes aus dem Gussstück zu che Gussstücke unterteilen, die anschließend untergebracht werden
ermöglichen. zusammengefügt werden müssen. Eine beson-
dere Eignung weisen hier Kupfer-Aluminium- 4.9 Schriftzeichen
Bei manchen Gussstücken mit mehreren Hohl- Gusslegierungen auf. Warenzeichen, Ziffern, Einstellmarken, Verzie-
räumen ist es oft durch entsprechende Ver- rungen und dergl. können auf Außen- und In-
bindung der Hohlräume miteinander möglich, Für die Verwendung von Schiebern (auch Stahl- nenflächen von Gussstücken – bei Beachtung
die Anzahl der Sandkerne zu verringern, sie- kern oder Kernzug) in Kokillen ist folgendes der nachfolgenden Richtlinien – fertig mitge-
he Bild 15. wichtig: gossen werden.
Die Ausführung nach Bild 17 a ist die ge-
bräuchlichste, da sie den geringsten Aufwand
an Zeit und Kosten beim Anfertigen des Mo-
dells und der Kokille verursacht. Beim Sand-
gussmodell wird das Schriftzeichen aufgesetzt,
während es in die Kokille vertieft eingearbei-
tet wird. Das Schriftzeichen muss so ange-
bracht werden, dass keine Hinterschneidung
entsteht. Diese Ausführung ist gegenüber dem
einströmenden Gießmetall am wenigsten emp-
findlich.

a) schlecht, 2 Kerne b) gut, 1 Kern und bessere Lagerung Bild 15: Konstruktionsbeispiele
zur Reduzierung der erforderlichen
Anzahl an Kernen

40
4 Werkstoff- und gieSSgerechte Konstruktion

a) b) c)
a) ungünstig b) besser

Bild 16: Eliminierung eines mehrteiligen Schiebers durch Überarbeitung Bild 17: Ausführung mitgegossener Schriftzeichen
der Bauteilgeometrie

Bei Gussstücken, auf deren Oberfläche her- 4.10 Bearbeitungszugaben Die DIN EN ISO 8062 (DIN 1680, gilt nicht für
vorstehende Schriftzeichen stören würden Neben der Maßgenauigkeit wird die Bear- Neukonstruktionen) macht allgemeine Anga-
oder beschriftete Flächen bearbeitet bzw. ge- beitungszugabe von folgenden Größen be- ben über Bearbeitungszugaben. Wird die Bear-
schliffen werden müssen, sind die erhabenen stimmt: beitungszugabe minimiert, so begünstigt dies
Schriftzeichen entsprechend Bild 17 b ver- auch die Dichtspeisung, den Materialeinsatz
senkt anzuordnen. > Formverfahren, und Zerspanungsaufwand.
Die Ausführung nach Bild 17 c ist sehr teu- > Schwindungsverhalten der
er. Zudem sind die in der Form erhaben stehen- Gusslegierung, Den Zusammenhang zwischen Bearbeitungs-
den Gravuren der Gefahr der Beschädigung und > Werkstückgröße, zugaben und Allgemeintoleranzen erläutert
des starken Verschleißes ausgesetzt. > Art der Wärmebehandlung. Bild 18.

a) Außenmaß b) Innenmaß

BZ = Bearbeitungszugabe; Ao = oberes Maß; Au = unteres Maß; T = Toleranz (Allgemeintoleranz);


Btmin = Mindest-Bearbeitungsstufe

Bild 18: Zusammenhang zwischen Bearbeitungszugabe und Allgemeintoleranz

41
Tabelle 15a: Erforderli-
che Bearbeitungszugaben
nach DIN EN ISO 8062-3

Die Tabellen 15a und b enthalten die Bearbei- 4.12 Toleranzen > Schwindungsverhalten des Gussstücks in
tungszugaben für den Sand-, Kokillen-, Druck- Die Maßgenauigkeit von Sandgussstücken und der Form
und Feinguss nach DIN EN ISO 8062. von Konturen, die über Sandkerne abgebildet > Größe und Komplexität des Gussstücks
werden (dies gilt auch für den Kokillenguss) > Schwindung der Gusslegierung
Grundsätzlich ist zu beachten, dass der Gieße- ist verfahrensabhängig: > Dicke der Wandungen und Lage
rei nicht nur die Rohteilzeichnung/-daten für > Maschinengeformter Sandguss ist der betreffenden Partie zur
die Herstellung des Gussstücks, sondern auch maßgenauer als handgeformter. Schwindungsrichtung
die Fertigteilzeichnung/-daten des Werkstücks > Maschinell hergestellte Kerne sind > Art und Lagerung der Kerne
zur Verfügung gestellt werden soll. genauer als handgefertigte. (Kernmarken)
> Metallkernkästen gestatten ein > Spiel der Kerne und Schieber in ihren
4.11 Schwindmaße genaueres Arbeiten als Holzkernkästen. Führungen
Die Schwindmaße sind stark von der Gussle- > Zustand und Abnutzungsgrad des
gierung sowie von der Bauteilkonstruktion ab- Die Modell- und Kokillentoleranzen und die to- Modells und der Dauerform
hängig. Daher können nur Richtwerte angege- lerierten Maße bzw. Allgemeintoleranzen (Ma-
ben werden. Die DIN EN 12890 macht dazu ße ohne Toleranzangabe) sind zwar unabhängig Die größere Genauigkeit ist stets bei Maßen
entsprechende Angaben. Die in der Norm voneinander festgelegt, müssen aber einander zu erzielen, deren Begrenzungsflächen inner-
angegebenen Richtwerte sind in Tabelle 16 zugeordnet werden. halb einer Formhälfte liegen (formgebunde-
aufgeführt, erweitert um Spannen für kon- ne Maße) und nicht durch die Teilung (nicht
struktionsbedingte Abweichungen: Bei sehr Empfehlung: Von einer einseitigen Gussstück- formgebundene Maße) beeinflusst werden,
langen, dünnen Gussstücken mit ungehinder- tolerierung ist abzusehen. siehe Bild 19.
ter Schwindung sind die Schwindmaße größer,
bei behinderter Schwindung z. B. durch Absät- Über die oben genannten Faktoren hinaus wird Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen
ze oder Hinterschneidungen sind die Schwind- die Maßgenauigkeit von folgenden Faktoren tolerierten Maßen und Allgemeintoleranzen.
maße kleiner. beeinflusst: Bei tolerierten Maßen sind die einhaltbaren
Toleranzen, d. h. die erzielbaren Genauigkei-
ten, zu berücksichtigen.

Der Strangguss ist hinsichtlich der Toleranzen


gesondert zu betrachten.

Tabelle 15b: Typische, er-


forderliche Bearbeitungs-
zugaben für Rohgussstüc-
ke aus Kupferlegierungen
(nach DIN EN ISO 8062-3)

42
4 Werkstoff- und gieSSgerechte Konstruktion

Tabelle 16: Schwindmaße


für Kupfergusswerkstoffe

a)

b)

Bild 19: (a) formgebundene Maße, (b) nicht formgebundene Maße

43
Tabelle 17: Einhaltbare
Toleranzen für Druckguss-
Rohteile aus Kupferlegie-
rungen

4.12.1 Einhaltbare Toleranzen verfahren lassen sich durch spezielle, aufwän- > Toleranzgrade für die
(erzielbare Genauigkeit) dige Maßnahmen noch engere Toleranzen ein- Großserienfertigung, Tabelle 18a
Über erzielbare Genauigkeiten gibt es vom Ver- halten. Hier ist jedoch die Absprache mit der > Toleranzgrade für Einzelfertigung oder
ein Deutscher Giessereifachleute (VDG) auf- Gießerei zwingend erforderlich. Kleinserien von Rohgussstücken,
gestellte Festlegungen, siehe Tabelle 17 für Tabelle 18b
Druckguss-Rohteile aus Kupferlegierungen. 4.12.2 Allgemeintoleranzen > Gusstoleranzen als Zahlenwerte,
Die Allgemeintoleranzen sind umfassend in DIN Tabelle 18c
Die Teile werden entsprechend ihrer Raumdia- EN ISO 8062 festgelegt. Die Norm gilt für Neu-
gonale (Erläuterung der Raumdiagonale siehe konstruktionen ab 2008. Anmerkung zur Tabelle 18a:
Bild 20) in Größenklassen eingeteilt. Die Raum- Die angegebenen Toleranzgrade können übli-
diagonale ergibt sich aus: Für ältere Konstruktionen vor 2008 enthält die cherweise bei Großserienfertigung von Guss-
DIN 1680, Teile 1 und 2 das Grundsätzliche stücken eingehalten werden und wenn Ferti-
über Allgemeintoleranzen sowie Angaben über gungsfaktoren, die sich auf die Maßgenauigkeit
die Berücksichtigung der Formschrägen. des Gussstückes auswirken, voll beherrscht wer-
Diese einhaltbaren Toleranzen (erzielbare Ge- den. Die unter Feinguss aufgeführten Grade sind
nauigkeit) sind bei der Festlegung von tole- Ebenfalls für ältere Konstruktionen sind die All- in Abhängigkeit vom Größtmaß zu wählen.
rierten Maßen zu berücksichtigen. Erhöhte An- gemeintoleranzen für Längen- und Dickenmaße
sprüche an die Maßgenauigkeit setzten einen in DIN 1687, Teil 1 für den Kupfer-Sandguss, in Für komplizierte Gussstücke wird ein Grad grö-
entsprechend höheren Aufwand für die Kokil- DIN 1687, Teil 3 für den Kupfer-Kokillenguss ßer empfohlen.
len/Druckgussformen und für die Fertigung und in DIN 1687, Teil 4 für den Kupfer-Druck-
voraus. Nicht zuletzt aus Kostengründen soll- guss aufgeführt. Anmerkung zur Tabelle 18b:
ten daher allgemein nur funktionsnotwendige Die Werte in dieser Tabelle gelten allgemein für
Genauigkeiten gefordert werden; so genau wie Die DIN EN ISO 8062 enthält ausschließlich Nennmaße über 25 mm. Für kleinere Abmes-
notwendig, so grob wie möglich. Bei allen Gieß- für Sandguss: sungen können üblicherweise aus wirtschaft-
lichen und praktischen Gründen engere Tole-
ranzen wie folgt festgelegt werden:
Nennmaß bis 10 mm: drei Grade enger
Nennmaß 10 bis 16 mm: zwei Grade enger
Nennmaß 16 bis 25 mm: ein Grad enger

Anmerkung zur Tabelle 18 c:


Für Wanddicken gilt der nächsthöhere Grad.

Bild 20: Erläuterung der Raumdiagonale „prismatischer Hüllkörper“

44
4 Werkstoff- und gieSSgerechte Konstruktion

Tabelle 18b: Typische Maßtoleranzgrade


für Kleinserien- oder Einzelfertigung von
Rohgussstücken aus Kupferlegierungen

Tabelle 18a: Typische Maßtoleranzgrade für


die Großserienfertigung von Rohgussstücken
aus Kupferlegierungen

Tabelle 18c: Längenmaßtoleranzen des Gussstückes (DCT)

45
Tabelle 19a:
Toleranzmaße für
Kupfer-Strangguss:
Rundstangen und
Büchsen aus Kup-
fer-Zinn, Kupfer-Zinn-
Zink, Kupfer-Zinn-Blei
(nur zur Information)

Tabelle 19b:
Toleranzmaße für
Kupfer-Strangguss:
Rundstangen und
Büchsen aus Kupfer-
Zink-Legierungen
(+ Mn, Fe, Al) (nur
zur Information)

Tabelle 19c:
Toleranzmaße für
Kupfer-Strangguss:
Rundstangen und
Büchsen aus Kupfer-
Aluminium-Legierun-
gen (nur zur Informa-
tion)

4.12.3 Form- und Lagetoleranzen


Mit Form- und Lagetoleranzen können Zeich-
nungen oft sowohl funktions- als auch ferti-
gungsgerecht erstellt werden. Für Form- und
Lagetoleranzen muss zunächst ein Bezugssys­
tem definiert werden. Idealerweise liegt dies
in einer Formhälfte. Der Gießer sollte seine
Form nach diesem Bezugssystem auslegen.
Die Form- und Lagetoleranzen sind mit dem
Gießer abzustimmen.

4.12.4 Tolerierung Strangguss


Toleranzen für den Strangguss werden in Tabel-
le 19 ausgeführt. Die angegebenen Werte sind
informativ und als Richtwerte anzusehen.

Im Strangguss gelten legierungsabhängige To-


leranzen für Geradheit (Bild 21a), Verwindung
(Bild 21b) sowie Mittenversatz für Rundhohl- Tabelle 19d: Toleranzmaße für Kupfer-Strangguss: Profile (Vollmaterial) und Hohlprofile aus
stangen. Kupfer-Zinn-, Kupfer-Zinn-Zink- und Kupfer-Zinn-Blei-Legierungen (nur zur Information),

46
4 Werkstoff- und gieSSgerechte Konstruktion

WERKBILD Hundt & Weber GMBH


Pumpengehäuse

Bild 21a: Definition der Geradheit

Bild 21b: Definition der Verwindung für Hohlprofile und


Stangen (nach DIN EN 12163)

47
Schiffspropeller

48
49
WERKBILD Mecklenburger Metallguss GMBH
5 Prozesssimulation zur Bauteil- und
Werkzeugauslegung

Die gießtechnische Simulation ist heute eine 5.2 Mathematische und physikalische nen und dem Steigerungsverhalten von ein-
akzeptierte und zuverlässige Technik, mit der Modelle zelnen Legierungselementen, die zu einer Ver-
der gesamte Entwicklungsprozess eines Bau- Bei der gießtechnischen Simulation wird mit schiebung einzelner Phasenanteile oder sogar
teils bis hin zur Gießwerkzeug- und Prozes- Hilfe von numerischen Methoden der gesam- zu neuen Phasen führen können. Die Berech-
sauslegung begleitet wird. te Gießprozess möglichst realitätsnah abge- nung erfolgt für jeden Zeitschnitt und in jedem
Die zunehmende Integration der gießtech- bildet, d. h. modelliert. Volumenelement.
nischen Simulation in die virtuelle Entwick- Die numerische Simulation nutzt für die
lung, verknüpft mit anderen CAE-Techniken, Berechnung der einzelnen Prozessschritte ver- Porositäten:
wie der FE-Analyse, hilft bei der Umsetzung schiedene mathematische Modelle. Die Mechanismen für die Bildung von Porosi-
von Forderungen nach immer komplexer wer- Folgende Modelle haben sich etabliert: täten sind Speisungsdefizite des schwinden-
denden Bauteilen. Seit vielen Jahren wird da- den Werkstoffes während der Erstarrung und
mit die Bauteilentwicklung bei der Erstellung Formfüllung bzw. Gießvorgang die Ausscheidung von Gasporen. Porositäts-
gießgerechter Konstruktionen unterstützt und Die Modellierung der Formfüllung bzw. des modelle in den gießtechnischen Simulations-
die Auslegung der Gießprozesse vorhersagbar Gießvorgangs erfolgt unter Verwendung der programmen berücksichtigen diese Bildungs-
und sicherer gemacht. Für den Bauteilentwick- dreidimensionalen Navier-Stokes’schen Diffe- mechanismen.
ler treten die neuen Möglichkeiten zur Simula- rentialgleichungen, die mit der Fourier’schen
tion von lokalen Bauteileigenschaften immer Wärmeleitungsgleichung gekoppelt gelöst wer- Lokale Bauteileigenschaften:
stärker in den Vordergrund, um die noch vor- den müssen. Aus der Berechnung der Gefügeausbildung im
handenen Werkstoffpotenziale in der Konstruk- Bauteil können mit dem gießtechnischen Simu-
tion auszuschöpfen. Erstarrung: lationsprogramm quantitative Aussagen zu loka-
Zum Modellieren der Erstarrung wird die len Bauteileigenschaften abgeleitet werden.
5.1 Zielsetzungen der gießtechnischen Fourier’sche Wärmeleitungsgleichung ver-
Simulation wendet, unter Berücksichtigung der Wärme- 5.3 Aufbau der Programme
> Unterstützung bei der gießgerechten übergänge zwischen Gussstück und Form bzw. Die gießtechnischen Simulationsprogramme
Entwicklung von Bauteilen Formstoff, Gussstück und Kühleisen, Form und sind wie alle Programme zur numerischen Si-
> Bereitstellen von lokalen Kühlkanälen sowie Form und Umgebung. mulation in drei Hauptbereiche gegliedert.
Bauteileigenschaften zur optimalen > Preprocessing: Modellierung
Ausnutzung des Werkstoffpotenzials Gusseigenspannungen und Verzug: von Gussstück und Gießsystem.
und Verbesserung von Aussagen zur Die dreidimensionale Modellierung der Entste- Schnittstellen zu CAD und
Lebensdauervorhersage hung von Eigenspannungen und Verzug erfolgt FE-Programmen
> Auslegung der Gießwerkzeuge unter Berücksichtigung des realen, nicht line- > Mainprocessing: Eingabe der Prozess-
> die Erkennung und Vermeidung von aren Werkstoffverhaltens. Bei dünnwandigen, und Berechnungsparameter und
Gussfehlern vor ihrem Auftreten in der flächigen Bauteilen muss das Gleiten des Bau- Durchführung der Berechnung mit dem
Gussstückproduktion und /oder teils entlang der Werkzeugoberfläche während Lösungsprogramm, dem Solver
> die Planung der Optimierung der des Abkühlens in der Gießform im Rechenmo- > Postprocessing: Auswertung der
Gussproduktion dell berücksichtigt werden. Dies wird durch In- Simulationsergebnisse, FE-Schnittstellen
tegration eines Kontaktalgorithmus in die Be-
rechnung realisiert. Datenbank:
Bestandteil der gießtechnischen Simulations-
Lokale Gefüge: programme ist eine umfangreiche Datenbank
Mit Mikromodellen kann die Bildung von Ge- mit den thermophysikalischen und thermome-
fügen berechnet werden. Die Berechnung der chanischen Materialdaten für die bei der Be-
Gefüge erfolgt auf der Grundlage der Legie- rechnung relevanten Werkstoffe wie Gussle-
rungszusammensetzung aus den Gleichge- gierungen, Formstoffe usw.
wichtsphasen, der Kinetik, mit der einzelne
Phasen bei einer Temperatur wachsen kön-

50
5 Prozesssimulation zur Bauteil- und Werkzeugauslegung
WERKBILD PIAD Piel & Adey GMBH & CO. KG

Zahnstange, verwendet
in der Medizintechnik

Verfahrensspezifische Module: Das im jeweiligen Programm angewandte nu- > E


 rstarrung: Darstellung der
In den heute verfügbaren Softwarepaketen merische Lösungsverfahren bestimmt die Art Temperaturen, Wärmezentren,
zur gießtechnischen Simulation sind verfah- der Vernetzung. Bei der Finite Volumen Me- Wärmehaushalt von Kokillen und Kernen
rensspezifische Module enthalten, mit denen thode können die Netze vollständig automa- usw.
man in die Lage versetzt wird, die unterschied- tisch erzeugt werden, bei der Finite Elemente Kriteriumsergebnisse: Erstarrungszeiten,
lichen Gießverfahren mit ihren spezifischen Methode werden die Netze automatisch ge- Abkühlraten, Porositäten, Nachspeisung,
Prozessabläufen und Parametern genau ab- neriert, die in der Regel von Hand nachgear- Niyama-Kriterium, Fraction Solid,
zubilden. beitet werden. thermischer Modul usw.
Damit ist die Bauteilentwicklung in einem sehr > Eigenspannungen: Darstellung
frühen Stadium des Projekts in der Lage, mit Der zeitliche Prozessablauf und die Prozess­ der Spannungsverteilung bei
gießtechnischer Simulation das geeignete parameter für den zu berechnenden Gießpro- Raumtemperatur (mit allen
Gießverfahren auszuwählen. zess müssen festgelegt werden und in das Spannungskomponenten), Darstellung
Programm als Randbedingungen für die Be- der Ursachen der Spannungen,
5.4 Ablaufbeschreibung der rechnung eingegeben werden. Die geschieht Wärmespannungen in Dauerformen
Simulationsrechnung interaktiv in den entsprechenden Eingabefen- (Kokillen)
Basis für die Simulation ist die 3D-Geometrie stern. > Verzug: Darstellung des Gesamtverzuges
des Rohgussstücks oder die Geometrie des fer- durch eine verformte Darstellung des
tig bearbeiteten Teiles, welche dann um die Be- Sind die Eingaben abgeschlossen wird die Be- Bauteils sowie der ausgewerteten
arbeitungszugaben ergänzt werden muss. rechnung gestartet. Es kann nun der Prozess­ Verschiebungen.
Falls keine 3D-Geometrie vorhanden ist, ablauf mit seinen einzelnen Teilen wie der > Gefüge: Gefügeverteilungen,
muss diese aus den Zeichnungen des Bauteils Formfüllung, der Erstarrung, der Berechnung wie Dendritenarmabstand und
erstellt werden. von Eigenspannungen und lokalen Eigenschaf- stöchiometrische Phasen werden
Geometrien des Angusssystems, der Spei- ten berechnet werden. Die Rechenzeit für sol- ermittelt.
ser und der Temperierung des Werkzeugs wer- che Berechnungen hängt von mehreren Fakto- > Porositäten: Die Ergebnisse der
den abhängig von dem Projektfortschritt eben- ren ab und kann mit leistungsfähigen PC’s von Berechnung geben Aufschluss über die
falls in das Simulationsmodell aufgenommen. einer Stunde bis zu einigen Tagen reichen. Mit lokale Verteilung und Größe der Poren im
Der Detaillierungsgrad des Gesamtmodells dem Einsatz der Clustertechnik können diese Gussstück.
hängt von der Verfügbarkeit der Daten und Zeiten auch auf Minuten und Stunden redu- > Lokale Bauteileigenschaften:
des Zeitpunkts, zu dem die erste Simulation ziert werden. quantitative Aussagen zur lokalen
durchgeführt werden soll, ab (siehe organisa- Bauteileigenschaften, wie Zugfestigkeit,
torische Integration). Nach erfolgter Berechnung wird die Ergebnis­ 0,2%-Dehngrenze, Dehnung.
auswertung mit dem Postprocessor durchge-
Die 3D-Daten werden über eine Schnittstelle in führt. Ausgehend von diesen Ergebnissen über die
den Preprocessor des Simulationsprogramms Hier werden die Ergebnisse der einzelnen Bauteilqualität und die Prozessabläufe werden
übernommen. Im Preprocessor des Programms Prozessschritte in entsprechenden Ansichten Maßnahmen abgeleitet, die dann in weiteren
wird das gesamte Modell, bestehend aus Roh- und Schnitten durch Bilder und Filme in 3D vi- Iterationsschleifen erneut berechnet und auf
gussstück, Angusssystem, Speiser und falls sualisiert. Kritische Bereiche im Bauteil werden ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.
vorhanden die Werkzeugsegmente mit Tempe- mit Kriteriumsfunktionen abgebildet.
rierkanälen zusammengestellt. Für die nach-
folgende Berechnung muss das gesamte Mo- Die Berechnung liefert Ergebnisse zur:
dell vernetzt werden. > Formfüllung: Darstellung der
Temperaturen, Strömungs­geschwin­
digkeiten und Drücke
Kriteriumsergebnisse: Füllzeit,
Formerosion usw.

51
5.5 Simulation in der Hierzu empfiehlt es sich, nachfolgende Fra-
Lebensdauervorhersage gestellungen zu klären und verbindlich fest-
Die Ergebnisse der Gefügeberechnung, der zulegen:
Berechnung der Gusseigenspannungen und > In welchen Fällen wird simuliert?
der lokalen Bauteileigenschaften können über > Welche Ressourcen werden in welchem
Schnittstellen auf FE-Modelle der Lebensdau- Umfang eingesetzt?
erberechnung übertragen werden und verbes- > Integration der gießtechnischen
sern so die Aussagefähigkeit dieser Berech- Simulation: Wann wird mit der Simulation
nungen wesentlich. begonnen?

5.6 Technische und organisatorische Empfohlen wird diese schon mit dem ersten
Integration 3D-Bauteildesign durchzuführen, um in diesem
Dem frühzeitigen Einbinden der gießtechni- sehr frühen Stadium der Bauteilentwicklung er-
schen Simulation in die Bauteilentwicklungs- ste Erkenntnisse über das gießtechnische Ver-
kette kommt eine große Bedeutung zu. Nur halten des Bauteils zu erhalten und mögliche
so kann das gesamte Potenzial der Möglich- Problembereiche konstruktiv zu verändern. Zu
keiten in die Entwicklung der Bauteile und in diesem Zeitpunkt kann eine solche sehr schnell
die Prozessplanung einfließen, damit Maßnah- durchzuführende Erstarrungssimulation für die
men aus den Ergebnissen eingeleitet und um- Absicherung des späteren Fertigungsprozes-
gesetzt werden. ses sehr hilfreich sein.
Die technische Integration erfolgt über > Wann und von wem werden die
Schnittstellen, mit deren Hilfe die Informatio- Ergebnisse ausgewertet?
nen aus der gießtechnischen Simulation auf > Wem werden die Ergebnisse zur weiteren
andere CAE-Programme zur weiteren Verwen- Verwendung zur Verfügung gestellt?
dung transferiert werden können. Die Schaf- > Welche Maßnahmen werden auf Grund
fung von organisatorischen Strukturen zur In- der Simulation zur Durchführung
tegration der gießtechnischen Simulation ist freigegeben?
ein weiterer wichtiger Aspekt. > Wer gibt Maßnahmen frei und wer ist für
Es sind Fragestellungen, sowohl für den deren Umsetzung zuständig?
internen Ablauf von Simulationsprojekten in > Wie wird dokumentiert und berichtet?
den Gießereien und bei den Gussstückendab-
nehmern, als auch in der Kooperation dersel- Diese Punkte sollen dafür sensibilisieren, dass
ben miteinander zu klären. mit den technischen Möglichkeiten der Simula-
Die organisatorische Einbindung der tion eine große Menge an zusätzlichen Informa-
gießtechnischen Simulation in die QS-Syste- tionen geschaffen wird. Diese können nur dann
me wird heute von Unternehmen erfolgreich erfolgreich genutzt werden, wenn auch eine In-
praktiziert. tegration dieser Technologie in die Organisati-
onsstrukturen der Unternehmen erfolgt.

52
5 Prozesssimulation zur Bauteil- und Werkzeugauslegung

WERKBILD Gebr. KEmper GMBH & Co. KG

Simulation Formfüllung und Erstarrung

53
6 Spanabhebende Bearbeitung

Die Zerspanungseigenschaften der Kupfer-


gusslegierungen haben einen wesentlichen
Einfluss auf die Höhe der Bearbeitungs- und
damit der Herstellkosten. Nachfolgende Zer-
spanungsgruppen werden definiert:

I sehr gut zerspanbare Kupferwerkstoffe


Cu-Legierungen mit > 2% Blei
(CuSn-, CuSnPb, CuSnZn- und
CuZn-Gusslegierungen): bilden
kurze bröckelnde Späne, sehr hohe
Werkzeugstandzeiten

II gut bis mäßig zerspanbare


Kupferwerkstoffe
CuSn-, CuSnZn-, CuZn-Legierungen ohne
Blei (höhere Festigkeit als Werkstoffe in
Zerspanungsklasse I)

III mäßig bis schwer zerspanbare


Kupferwerkstoffe
> hochfeste CuAl-, CuNi- und CuZn-
Gusslegierungen: bilden kurz brechende
Späne, aber wegen der großen Härte
hoher Werkzeugverschleiß
> rein-Cu, CuCr: bilden extrem lange
Wendelspäne
> CuZn15As-C bildet extrem lange
Wendelspäne

Weitere Detailangaben zur Zerspanung ent-


hält der Informationsdruck des Deutschen
Kupferinstitutes: „i.18 – Richtwerte für die
spanende Bearbeitung von Kupfer und Kup-
ferlegierungen“.

Tabelle 20:
Einteilung der Kupfer-
Gusslegierungen nach
Zerspanungsklassen

54
7 Oberflächenbehandlung

Tabelle 21: Übersicht Oberflä-


chenbeschichtungsverfahren
für Kupfergusswerkstoffe

Nach dem Abguss erfolgt zur Verbesserung


der Oberfläche eine Reihe von Nachbehand-
lungsverfahren. Diese Verfahren werden an-
gewendet, um das Gussstück von Graten und
gießtechnisch bedingten Fremdstoffen zu be-
freien (Gussputzen).
Für Gussstücke, die dekorativen Anforde-
rungen genügen müssen, z. B. Armaturen (Ba-
dezimmer-Armaturen), sind folgende Punkte
besonders zu beachten:
Die Grundregeln der Oberflächenbehand-
lung sind bereits bei der Gussstück- und Form-
konstruktion zu beachten.
Die Güte der Oberflächenbeschichtung
hängt dann in starkem Maße von der sorgfältig
aufeinander abgestimmten Abfolge der Vor- und
Endbehandlungsschritte sowie deren sicheren
technischen Beherrschung ab. Es kann erfor-
derlich sein, dass mehrere Vorbehandlungs-
schritte durchgeführt werden müssen, bevor
die Endschicht aufgebracht werden kann.

Tabelle 21 gibt einen Überblick über die unter-


schiedlichen Behandlungsverfahren. Die me-
chanische und chemische Behandlung werden
in der Regel als Vorbehandlungsschritte durch-
geführt. Tabelle 22 gibt eine qualitative Bewer-
tung der Kupfer-Gusswerkstoffe hinsichtlich
einer Anwendbarkeit für verschiedene Ober-
flächenbehandlungsverfahren.
Neben den genannten Verfahren existiert
eine Vielzahl weiterer Oberflächenbehand-
lungs- und -beschichtungstechnologien. Auf
eine weiterführende Auflistung und Erläute-
rung wurde aber verzichtet, um die Übersicht-
lichkeit der Darstellung zu erhalten.
Details zu den Beschichtungsverfahren
bietet der DKI-Informationsdruck „i.023 Me-
chanische, chemische und elektrische Ober-
flächenbehandlung von Kupfer und Kupferle-
gierungen“.

Tabelle 22: Eignung der Kupfer-


Gusswerkstoffe für unterschiedliche
Oberflächenbehandlungsverfahren.

55
8 Verbindungstechnik

Bei den Verbindungsverfahren wird gemäß löten. Die Hartlötbarkeit ist nur dann ge- eingesetzt. Wegen der hohen Wärmeleitfähig-
T­ abelle 23 in lösbare und unlösbare Verbin- währleistet, wenn eine Wasserstoffaufnah- keit der Kupfer-Gusslegierungen müssen einige
dungen unterteilt. me beim Lötvorgang durch Schutzgas ver- zu verschweißende Bauteile auf ­500 -700 °C
Kupferlegierungen sind löt- wie auch hindert wird. Beim Hartlöten von ­CuCr1-C vorgewärmt werden.
schweißbar und klebgeeignet. Bei der Eignung kann ein Verlust an Festigkeit in Abhängig- > Bei nicht sauerstofffreiem Cu-C ist durch
der Kupferlegierungen zum Löten und Schwei- keit von Arbeitstemperatur und Dauer der eine Schutzgasabdeckung die Wasserstoff-
ßen bestehen deutliche Unterschiede, Tabel- Wärmeeinwirkung erfolgen. aufnahme aus der Atmosphäre zu verhin-
le 24. Klebeverfahren setzen sich in einigen > Die Kupfer-Zinn- und Kupfer-Zinn-Zink-Blei- dern (⇒ Wasserstoffkrankheit).
Anwendungsfällen durch. Sie eignen sich für Gusslegierungen verhalten sich beim Löten > Bei CuCr1-C kann das Schweißen nur im lö-
alle aufgeführten Werkstoffe. ähnlich wie Kupfer. Zu beachten ist, dass bei sungsgeglühten Zustand durchgeführt wer-
Nachfolgend werden Hinweise zum Löten, höheren Bleigehalten die Löttemperaturen den. In der Regel wird dieser Werkstoff nur
Schweißen und Pressen für die verschiedenen so niedrig zu halten sind, dass kein Blei aus- fertigungsgeschweißt.
Werkstoffgruppen gegeben. Details sind verschie- schmilzt. Mit steigendem Aluminiumgehalt > Das Schweißen von CuZn-Gusslegierungen
denen DKI-Informationsdrucken zu entnehmen. wird die Lötfähigkeit verschlechtert. ist schwierig, da Zink bereits ab 906 °C ver-
> Die Kupfer-Nickel-Gusslegierungen können dampft. Durch Siliciumzusätze im Schweiß-
8.1 Löten beim Löten wie Kupfer behandelt werden. zusatzwerkstoff wird die Zinkausdampfung
Die Lötverfahren werden eingeteilt in das Da bei Bauteilen aus diesen Legierungen eingedämmt. Punkt- und Stumpfschwei-
Weichlöten (Prozesstemperatur < 450 °C) und meist Meerwasserbeständigkeit gefordert ßungen sind möglich.
das Hartlöten (Prozesstemperatur > 450 °C). wird, ist die Korrosionsbeständigkeit ein > CuSn- und CuSnZn-Gusslegierungen wer-
Die Prozesstemperaturen liegen meist im Be- wichtiges Auswahlkriterium für das Lot. den nach dem WIG- und MIG-Verfahren unter
reich der Schmelzintervalle der Lote. > Die CuAl-Gusswerkstoffe sind wegen des Verwendung der Zusatzwerkstoffe S-CuSn6P
Die Weichlote sind nach DIN EN ISO 9453 Aluminiumgehaltes nur bedingt weich- und und S-CuSn12P geschweißt. Legierungen
und DIN 1707-100 genormt. hartlötbar. mit höheren Bleigehalten sind wegen der
Die Flussmittel beim Weichlöten nach DIN Ausschmelzgefahr nur bedingt schweißbar.
EN ISO 9454 wirken korrosiv und müssen nach Flussmittel für das Hartlöten von Kupferlegie- CuSnPb-Gusslegierungen werden wegen der
dem Lötvorgang sorgfältig entfernt werden. rungen sind nach DIN EN 1045 genormt. hohen Blei-Gehalte nicht geschweißt. Wider-
standsschweißungen an CuSn- und CuSnZn-
Hartlote sind nach DIN EN 1044 genormt. Sie 8.2 Schweißen Gusslegierungen sind möglich.
werden unterteilt in: Kupfer und Kupferlegierungen sind gut schweiß- > CuNi-Gusslegierungen können durch Le-
- Kupfer-Zink-Lote (Messinglote) und bar, jedoch bestehen Unterschiede zwischen gierungszusätze hinsichtlich ihrer Schweiß-
- Kupfer-Silber-Lote (Silberlote). den Legierungsgruppen. Das MIG- und das eignung entscheidend verbessert werden.
> Rein-Kupfer (Cu-C) lässt sich ausgezeichnet WIG-Schweißverfahren werden hauptsächlich Um die Korrosionsbeständigkeit sicherzu-
stellen, ist S-CuNi30Mn1FeTi als Schweiß-
zusatzwerkstoff bevorzugt einzusetzen. Wi-
derstandsschweißungen sind wegen der
geringen Wärmeleitfähigkeit dieser Legie-
rungen sehr gut möglich.
> Die CuAl-Gusslegierungen sind relativ gut
schweißbar. Zum Widerstandsschweißen
eignet sich diese Legierungsgruppe eben-
falls gut.

Schweißzusatzwerkstoffe für Kupfer und seine Le-


gierungen sind nach DIN EN ISO 24373 genormt.
Tabelle 23: Übersicht Daneben gibt es analysengleiche Schweißzusatz-
Verbindungstechniken werkstoffe für die Gusslegierungen, die insbeson-

56
8 Verbindungstechnik

Tabelle 24: Eignung


von Kupfer-Gusswerk-
stoffen für das Löten
und Schweißen

dere bei korrosionsbeanspruchten Schweißkon- behandelt werden. Die Bindefestigkeit und Al- nen müssen Pressfittings ein DVGW-Prüfzei-
struktionen zu verwenden sind. terungsbeständigkeit der Klebenaht hängen chen besitzen.
DIN 8552-3 enthält Richtlinien für die entscheidend von der sorgfältigen Reinigung Eine Zusammenstellung von Bestimmun-
Schweißnahtvorbereitung. und mechanischen bzw. chemischen Vorbe- gen und gültigen technischen Regeln für das
handlung der zu klebenden Flächen ab. Verbinden von Kupferrohren in Gas- und Was-
8.3 Kleben serinstallationen hat der DVGW im Arbeitsblatt
Das Kleben als Fügeverfahren ist auf Kup- 8.4 Pressen GW2 herausgegeben.
fer und seine Legierungen anwendbar, wobei Das Pressen gehört zu den unlösbaren Verbin-
durch Zusätze zum Klebstoff entweder eine dungsverfahren. Verbindungsstücke (Pressfit-
gute elektrische Leitung oder eine hohe Iso- tings) werden aus Kupfer, CuZn-Legierungen
lierwirkung der Klebschicht erreicht werden (Messing) oder CuSnZn-Legierungen (Rotguss)
kann. Die zu klebenden Flächen müssen vor- gefertigt. Für Trinkwasser- und Gasinstallatio-

57
9 Qualität

Die Technische Richtlinie beschreibt, wie Guss- eingesetzt, da der Aufwand für eine 9.1.4 Rissprüfung
stücke konstruiert werden sollen, damit diese Serienüberwachung zu hoch ist; (Farbeindringverfahren)
prozessfähig herstellbar sind. In diesem Kapi- die Porenverteilung kann mit dieser Eine Rissprüfung (auch Farbeindringprüfung)
tel werden die vom Kunden gestellten allgemei- Prüftechnik genau bestimmt werden kann zur Detektion von oberflächenoffenen
nen Spezifikationen zu Gefüge, Oberfläche oder > Probefräsung, Schliffe: Porenauswertung Fehlern bei Gussstücken aus nicht porösem
Bemustern behandelt. Weiterhin wird beschrie- (mikroskopisch) am vereinbarten Schliff Material angewandt werden. Zu diesen Feh-
ben wie die geforderten Eigenschaften in den entweder nach Vergleichstabellen, lern zählen zum Beispiel Risse, Überlappun-
Gießereien geprüft werden können. Grenzmustern oder durch gen, Falten und Poren.
rechnerunterstützte Bildanalyse
9.1 Werkstoff, Gefüge, mechanische Das Prinzip der Prüfung ist es, dass zunächst
Eigenschaften, Oberfläche Da die Volumendefizite in Gussstücken sto- ein sogenanntes Eindringmittel über einen zu
9.1.1 Chemische Zusammensetzung chastisch schwanken, geben die Verfahren nur prüfenden Bereich eines zuvor gereinigten und
Die chemische Zusammensetzung des Guss- einen Hinweis auf die auftretenden Porositä- getrockneten Gussstücks aufgebracht wird.
werkstoffs, die naturgemäß das Gefüge beein- ten für die einzelnen Gussstücke. Daher sind Das Eindringmittel entspricht einer gefärbten
flusst, wird in der Regel mit einem Funkenspek- auch Grenzmuster für die Porenbestimmung bzw. fluoreszierenden Flüssigkeit mit niedriger
trometer (F-OES) überprüft. problematisch. Viskosität, welche aufgrund der Kapillarwir-
kung auch in sehr feine Risse eindringen kann.
9.1.2 Gefüge Die rechnerische Simulation der Formfüllung Nach diesem Vorgang wird das Gussstück zwi-
Das Gussgefüge wird neben dem Werkstoff und Erstarrung für Gussstücke ist soweit ent- schengereinigt. Anschließend wird eine Schicht
maßgeblich von den Fertigungsbedingungen wickelt, dass bereits in der Konstruktionsphase Entwickler – eine saugfähige Flüssigkeit, wel-
sowie der Gussstückgeometrie beeinflusst. Bei porengefährdete Bereiche aufgezeigt werden. che das Eindringmittel aus den Rissen heraus-
Gussstücken mit höheren mechanischen Be- Durch geeignete Änderungen am Gussstück zieht – aufgebracht. Die Fehlstellen können
anspruchungen oder zur Schichtdickenbestim- und im Anschnittsystem lassen sich Gegen- dann beispielsweise in einem abgedunkelten
mung bei oberflächenveredelten Gussstücken maßnahmen bereits vor der Werkzeugherstel- Raum und unter Schwarzlicht sichtbar gemacht
werden metallografische Schliffe zur Beurtei- lung treffen und die Gefahr zur Porenbildung werden. Die optische Prüfung erfolgt mit dem
lung der Gefüge angefertigt. im Gussstück minimieren. bloßen Auge; ggf. können auch Vergrößerungs-
gläser oder kontrastverstärkende Brillen be-
Grundsätzlich sollen Gusstücke so konstruiert 9.1.3 Mechanische Eigenschaften nutzt werden.
werden, dass diese im Anwendungsfall mit den Zur Bestätigung der Konformität von Guss-
verfahrenstechnisch bedingten Gefügedefek- stücklosen werden die mechanischen Eigen- Weitere Angaben zu diesem Prüfverfahren sind
ten (Gasporositäten, Volumendefiziten) den Be- schaften im Zugversuch allgemein nach DIN der DIN EN 571-1 und der DIN EN 1371-1 zu
anspruchungen standhalten. Die BDG-Richtli- EN ISO 6892-1 an Proportionalstäben geprüft. entnehmen. Von der DIN EN 1371-1 sind ei-
nie P 211 zur Kennzeichnung von Porosität gibt Der Zugversuch liefert Werte zur Zugfestigkeit, nige Werkstoffgruppen ausgenommen. Grund
Hinweise, wie der Kunde Porenforderungen in Dehngrenze und Bruchdehnung. Die DIN EN dafür ist das Erstarrungsverhalten, das zu mög-
der Zeichnung definieren kann. 1982 regelt für den Sand-, Kokillen- und Strang- licher Fehlinterpretation führt.
guss spezifische Vorschriften zum Gießen und
Üblicherweise werden Teile im Hinblick auf Po- zur Entnahme der erforderlichen Probestäbe. 9.1.5 Druckdichtheitsprüfung
ren bei Fertigungsbeginn und während der Fer- Vorgaben zur Härteprüfung nach Brinell macht Die Druckdichtheitsprüfung kann bei Gussstüc-
tigung, je nach Anforderungen, statistisch oder die Norm DIN EN ISO 6506-1. ken angewendet werden, die Bestandteil eines
bis zu 100% geprüft durch: Bauteiles sind, das einem Innendruck ausge-
> Röntgen: schneller qualitativer Überblick, setzt ist. Es wird geprüft, ob Undichtheit auf-
bei dem jedoch nur mit hohem Aufwand tritt. Die Druckdichtheitsprüfung kann nach
die Porengröße und Anzahl bestimmt Absprache hydraulisch oder pneumatisch aus-
werden kann geführt werden.
> Computertomografie (CT-Röntgen):
vorwiegend in der Produktentwicklung

58
9 Qualität

Geteilte Kugelbüchse
WERKBILD Dillenberg GMBH

a) Hydraulische Prüfung fung entweder im Überdruck- oder im Vaku- 9.2 Prozessfähigkeit


Das Gussstück ist in geeigneter Weise dicht ab- umverfahren durchgeführt. Zum Nachweis der Der Prozessfähigkeitsnachweis erfolgt über die
zuschließen. Es wird dann über eine festgeleg- Undichtigkeit verwendet man ein auf das Prüf- vereinbarten Merkmale und Toleranzen.
te Zeitspanne einem definierten Wasserdruck gas (Helium) eingestelltes, massenspektrome-
ausgesetzt. Zeitspanne und Wasserdruck sind trisches Messsystem. Es gilt zu beachten:
zwischen Lieferant und Abnehmer zu verein- Der zu verwendende Prüfdruck und die zu- > Spezifische Merkmale müssen dem
baren. Gussstücke, die die Prüfung nicht be- lässige maximale Helium-Konzentration sind Gießer schon zum Angebotszeitpunkt
stehen, gelten als undicht. Bevorzugte Prüf- zwischen Lieferanten und Abnehmer abzu- bekannt sein
flüssigkeit ist Wasser. Nach Absprache sind stimmen. > Spezifische Merkmale müssen
auch andere Flüssigkeiten als Prüfflüssigkeit Für jedes Gussstück, bei dem der so ermit- gussgerecht toleriert sein.
zulässig. telte integrale Wert größer als der vereinbar-
te zulässige Grenzwert ist, gilt die Prüfung als Im Formguss gilt insbesondere, dass Maße
b) Pneumatische Prüfungen nicht bestanden. über die Formteilung, Schiebermaße oder Ker-
Blasenprüfung (Bubble Test): ne verfahrensbedingt nur mit höheren Toleran-
Das Gussstück ist in geeigneter Weise dicht 9.1.6 Oberflächenrauheit von zen zu fertigen sind. Diese Maße weisen auch
abzuschließen. Anschließend ist es bis in eine Gussstücken keinen Verlauf im Sinne der Prozessfähigkeit
Tiefe von maximal 150 mm in sauberes Wasser Die Oberfläche der Gussstücke ist beim Sand- auf, sondern schwanken von Abguss zu Ab-
zu tauchen und einem festgelegten pneuma- gießverfahren rauer als beim Kokillengießver- guss. Soll eine Prozessfähigkeit über solche
tischen Druck auszusetzen. Der Druck ist ei- fahren. Maße hergestellt werden, ist eine größere To-
ne festgelegte Zeitspanne aufrechtzuerhalten. leranzbemaßung notwendig.
Prüfdruck und Haltezeit sind zwischen Liefe- Zur Prüfung der Oberflächenrauheit werden
ranten und Abnehmer abzustimmen. Für jedes in der Regel keine Messwerte festgelegt, viel-
Gussstück, bei dem sich innerhalb der Halte- mehr ist auf Vergleichsmuster Bezug zu neh- 9.3 Rückverfolgbarkeit
zeit Blasen bilden und aufsteigen gilt, dass die men. Vergleichsmuster können andere oder Die Kennzeichnung der Gussstücke ist aus lo-
Prüfung nicht bestanden ist. ähnliche Teile sein, die auch den Werkzeug- gistischen Gründen und gesetzlichen Vorgaben
verschleiß bereits widerspiegeln. Es können sinnvoll. Die Identifikation von Gussstücken
Druckdifferenzprüfung: auch Grenzmuster der gegossenen Teile sein, kann nach DIN EN 10204 festgelegt werden.
Das zu prüfende Gussstück ist in geeigneter die jedoch mit zunehmendem Verschleiß der
Weise dicht abzuschließen und mit einem Refe- Modellwerkzeuge/Formen dann neu definiert Die Angabe/Darstellung folgender Kennzeich-
renzvolumen parallel zu schalten. Ist das Guss- werden müssen. Die betreffenden Flächen sind nungen kann beispielsweise vereinbart wer-
stück nicht zu 100% dicht, stellt sich zwischen genau zu bestimmen. den:
Gussstück und Referenzvolumen eine Druck- > Teilenummer, teilweise zzgl.
differenz ein. Die relative Druckänderung wird Wertvolle Hinweise sind beschrieben im VDG- Zeichnungsindex
dann mit einem geeigneten Messgerät erfasst. Merkblatt K 100 „Rauheit von Gussoberflä- > Hersteller-Land
Der einzustellende Prüfdruck und die zulässi- chen, Hinweise und Erläuterungen“. > Kennzeichen (Symbol) des Bestellers
ge relative Druckänderung sind zwischen Lie- oder endverbauenden Kunden
feranten und Abnehmern abzustimmen. Orientierende Angaben zur Rauheit von Guss­ > Kennzeichen (Symbol) des
Für jedes Gussstück, bei dem der ermittel- oberflächen liegen im Sandguss für Ra zwi- Gussstückherstellers
te Differenzdruckwert größer als der zugelas- schen 12,5 μm und 125 μm, bei Kokillenguss > Legierungsbezeichnung
sene Grenzwert ist, gilt die Prüfung als nicht zwischen 3,2 μm und 30 μm und im Feinguss > Nummer der Ofencharge
bestanden. zwischen1 µm und 7 µm. > Werkzeugnummer
Im Strangguss verarbeitete Kupfer-Alumini- > Fertigungsdatum des Gussstücks
Testgasprüfung (z. B. Heliumverfahren): um-Legierungen weisen verfahrensbedingt an
Das Gussstück ist in geeigneter Weise unter der Oberfläche umlaufende Schwindungsrisse Sicherheitsrelevante Bauteile erfordern mögli-
einer geschlossenen Haube dicht abzuschlie- auf. Durch erhöhte Bearbeitungszugaben wer- cherweise weitere Kennzeichnungen.
ßen. Je nach Nachweismethode wird die Prü- den diese Vertiefungen aufgefangen.

59
Wohnungs-Wasser-
zählerstrecke
WERKBILD Gebr. KEmper GMBH & Co. KG

Der Hersteller sollte auch im Eigeninteresse ei- zulassen. Das Etikettieren kann manuell mit
ne präzise Kennzeichnung der Teile anbringen. herkömmlichen Etikettiergeräten (Handaus-
Damit ist er in der Lage schnell und erfolgreich zeichner) oder automatisiert mit Labeldruckern
fehlerhafte Teile zu identifizieren. Hier wird die erfolgen. Es stehen diverse Etikettengrößen
Bedeutung der Identifizierbarkeit von Bautei- und -materialen sowie unterschiedlich stark
len zur Rückverfolgung bis zum jeweiligen Fer- haftende Klebstoffe zur Verfügung. In der Wahl
tigungsschritt deutlich. Eindeutige Identifika- der Beschriftung ist der Anwender relativ frei;
tion und präzise Rückverfolgbarkeit bzgl. des beschränkt wird diese lediglich durch die Grö-
Fertigungsdatums können helfen, wirtschaft- ße des gewählten Etiketts sowie durch die ge-
liche Schäden zu minimieren. wünschte Schriftgröße.

9.4 Beispiele für Kennzeichnungsarten Im Regelfall werden für kleine und mittlere Se-
Gegossene Schriftzüge und Gießdatumsstem- rien und für Teile ohne besonderen Anspruch
pel: Herkömmlich werden Beschriftungen an (z. B. Gehäuse) Monatsdatumsstempel ver-
Gussstücken direkt durch das Gießen reali- wendet. Für anspruchsvolle und dokumenta-
siert. Damit kann ein Großteil der oben genann- tionspflichtige Teile hat sich in der Praxis das
ten Kennzeichnungsvorgaben realisiert wer- manuelle Etikettieren mit Handauszeichnern
den. Unterschiedliche Ausführungen können bewährt. Eine komplette Rückverfolgbarkeit
zum Anbringen des Gießdatums angewendet über jeden Prozessschritt ist bei allen Verfah-
werden. Bewährt haben sich verschiedene Ar- ren nur bedingt oder sehr kostenaufwändig dar-
ten von in das Gießwerkzeug eingeschraubten stellbar (siehe hierzu auch Stellungnahme des
Datumsstempeln. Diese können abhängig vom Arbeitskreises QM im BDG zum Thema Rück-
erforderlichen Detaillierungsgrad Angaben zu verfolgbarkeit).
Jahr, Monat, Tag und Schicht beinhalten. Da-
zu sind dann jeweils ein bis zwei Datumsstem- Data Matrix Code: Die Größe des rechtecki-
pel vorzusehen. Voraussetzung dafür ist, dass gen 2D-Codes ist variabel. Die Symbolelemen-
konstruktiv im Gießwerkzeug, d. h. letztlich te sind quadratisch. Das Suchelement besteht
am Bauteil selbst ausreichend Platz für diese aus einer waagerechten und einer senkrechten
Schraubstempel zur Verfügung steht. Begrenzungslinie, die die Ecke beschreibt, die
bei der Lesung zur Orientierung dient. Größe-
Prägen und Drucken: Deutlich unabhängiger re Codes besitzen sogenannte Gitterausrich-
von der Bauteilgeometrie sind Kennzeichnun- tungsbalken. Das Auslesen ist in Stillstand und
gen, die nach dem Gießen angebracht werden. Bewegung möglich und richtungsunabhängig.
Als moderne Verfahren zur dauerhaften Kenn- Aufgebracht werden kann der Code direkt auf
zeichnung werden hier das Ritzprägen, das Na- das Gussstück oder auf ein Etikett oder einen
delprägen oder die Laserbeschriftung genannt. Beleg. Die Rekonstruktion des Dateninhaltes
Weniger haltbar, aber genauso gut geeignet ist selbst dann noch möglich, wenn bis zu 25%
sind Farbdruckverfahren. des Codes zerstört oder abgedeckt sind. Da-
ta Matrix ist bei AIM standardisiert, eine Spe-
Etikettieren: Neben den vorstehend genann- zifikation ist dort erhältlich.
ten „unverlierbaren“ Kennzeichnungen kann
auch der Einsatz von Beschriftungsetiket-
ten infrage kommen. Sinnvoll ist dies immer
dann, wenn die Größe eines Bauteils, seine
Geometrie oder der Wunsch des Kunden eine
Kennzeichnung mit anderen Verfahren nicht

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61
9 Qualität

WERKBILDER ED. Fitscher GMBH & Co. KG


10 Schrifttum

10.1 Literaturnachweis 10.2 Normen

[1] Arnoud; D.: The Elevated Temperature Pro- DIN EN 1981 Kupfer und Kupferlegierungen –
perties of Cast Copper Alloys, 1972, Incra Vorlegierungen
Project No 182 DIN EN 1982 Kupfer und Kupferlegierungen –
[2] Landolt-Börnstein IV Bd., Teil 2b, 1964, Blockmetalle und Gussstücke
S.720 DIN EN 1173 Kupfer und Kupferlegierungen –
[3] Copper Alloy Casting Design Reference Zustandsbezeichnungen
­Data and Foundry Design Requirements DIN EN 1412 Kupfer und Kupferlegierungen –
CDA Publication 76, 1970 Europäisches Werkstoffnummernsystem
[4] Standards Handbooks: Cast Products; ­Data DIN EN 1655 Kupfer und Kupferlegierungen –
Specifications /7, 1970 Konformitätserklärungen
[5] Arnoud, D.: Mechanical Properties of ­Some ISO 1190-1 Kupfer- und Kupferlegierungen
Cast Copper Alloys at Very Low Tempera- DIN EN 12163 Kupfer und Kupferlegierungen –
tures, Fonderie, 249, S. 431-457, 1966 Stangen zur allgemeinen Verwendung
[6] Schmidt: Vergleich einzelner Nichteisen- DIN EN 12164 Kupfer und Kupferlegierungen –
metalle – Gießverfahren Werkstatt u. Be- Stangen für die spanende Bearbeitung
trieb 111, 1978, S. 457/460 DIN 1680-1 Gussrohteile – Allgemeintoleran-
[7] Kaufmann, H.: Betriebsfestigkeit, konstru- zen und Bearbeitungszugaben – Teil 1: All-
ieren + giessen 32 (2007) S. 76-85 gemeines
[8] Nass, U.: „Tragfähigkeitssteigerung von DIN 1687-1 Gussrohteile aus Schwermetallle-
Schneckengetrieben durch Optimierung gierungen – Sandguss – Teil 1: Allgemein-
der Schneckenradbronze“ Dissertation, toleranzen, Bearbeitungszugaben
Ruhr-Universität Bochum, 1995, DIN 1687-3 Gussrohteile aus Schwermetall-
ISBN 3-89194-120-X legierungen – Kokillenguss – Teil 3: Allge-
meintoleranzen, Bearbeitungszugaben
DIN 1687-4 Gussrohteile aus Schwermetallle-
gierungen – Druckguss – Teil 4: Allgemein-
toleranzen, Bearbeitungszugaben
DIN EN ISO 8062-1 Geometrische Produktspe-
zifikation (GPS) – Maß-, Form- und Lageto-
leranzen für Formteile – Teil 1: Begriffe
DIN EN ISO 8062-3 Geometrische Produktspe-
zifikation (GPS) – Maß-, Form- und Lageto-
leranzen für Formteile – Teil 3: Allgemeine
Maß-, Form- und Lagetoleranzen und Bear-
beitungszugaben für Gussstücke
DIN EN ISO 6892-1 Metallische Werkstoffe –
Zugversuch – Teil 1: Prüfverfahren bei
Raumtemperatur
DIN EN ISO 6506-1 Metallische Werkstoffe –
Härteprüfung nach Brinell – Teil 1: Prüf-
verfahren
DIN EN ISO 2624 Kupfer und Kupferlegierungen
– Bestimmen der mittleren Korngröße

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63
10 Schrifttum

WERKBILD KS Gleitlager GmbH


10.3 Richtlinien (Merkblätter) und 10.4 Schriften des DKI DKI-Sonderdrucke
Schriften des BDG und VDG S.133 K
 onstruktive Gestaltung
Kupfer von Formgussstücken aus
BDG Richtlinie (VDG-Merkblatt) P 211: Volu- Chemische Färbungen von Kupfer Kupferwerkstoffen
mendefizite von Gusstücken aus Kupfer und Kupferlegierungen S.165 S
 chwermetall-Schleuder- und
und Kupfer-Legierungen -Strangguss – technische und
BDG Richtlinie (VDG-Merkblatt) P 378: Gießen DKI-Informationsdrucke** wirtschaftliche Möglichkeiten
von Probestäben aus Kupfer-Legierungen i.003 Löten von Kupfer und S.176 G
 rundlegende korrosionschemische
für Zugversuch (Sand- und Kokillenguss) Kupferlegierungen Eigenschaften von Kupferwerkstoffen
BDG Richtlinie (VDG-Merkblatt) P 379: Prü- i.004 Kupfer /Vorkommen, Gewinnung,
fung von Kupfer-Gusslegierungen, Werk- Eigenschaften, Verarbeitung,
stoffeigenschaften in größeren Wanddic- Verwendung
ken (Schleuderguss) i.005 Kupfer-Zink-Legierungen
BDG Richtlinie (VDG-Merkblatt) P 690: Fein- (Messing und Sondermessing)
gusstoleranzen i.006 Kupfer-Aluminium-Legierungen
BDG Richtlinie (VDG-Merkblatt) W 66: Sicher- i.007 Kleben von Kupfer und
heitsdatenblätter für Gussprodukte, Buntme- Kupferlegierungen
tallguss (Kupfer-, Nickel- und Zinkbasis) i.008 Niedriglegierte Kupferlegierungen
VDG-Fachbericht 39: Untersuchung der Zer- i.012 Schweißen von Kupfer und
spanbarkeit von Cu-Legierungen Kupferlegierungen
i.013 Kupfer-Nickel-Zink-Legierungen
(Neusilber)
i.014 Kupfer-Nickel-Legierungen
i.018 Richtwerte für spanende Bearbeitung
von Kupfer und Kupferlegierungen
i.019 Kupfer – Lebensmittel – Gesundheit
i.023 Mechanische, chemische
und elektrolytische
Oberflächenvorbehandlung
i.025 Kupfer-Zinn-, Kupfer-Zinn-Zink- und
Kupfer-Zinn-Blei-Gusslegierungen
(Guss-Zinnbronze, Rotguss und Guss-
Zinn-Bleibronze)

64
10 Schrifttum

** DKI-Informationsdrucke, Die Wiedergabe der


DKI-Sonderdrucke, DKI- Auszüge aus den
Werkstoffdatenblätter und EN-Normen bzw. den
das DKI-Dienstleistungs- DIN-Normen erfolgt
und Verlagsverzeichnis mit Genehmigung des
werden in kleinen Mengen DIN Deutsches Institut
kostenlos abgegeben. für Normung e. V.
Maßgebend für die
Anwendung der Normen
ist deren Fassung
mit dem neuesten
Ausgabedatum, die bei
der Beuth Verlag GmbH
(Berlin) www.beuth.de
erhältlich sind.
WERKBILDEr PIAD Piel & Adey GMBH & CO. KG
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WERKBILDEr PIAD Piel & Adey GMBH & CO. KG
Bundesverband
der Deutschen
Gießerei-Industrie (BDG)

Sohnstraße 70
40237 Düsseldorf
Internet: www.bdguss.de

Telefon: +49 (0)2 11/68 71-0


Telefax: +49 (0)2 11/68 71-3 38
E-mail: infozentrum@bdguss.de