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Klassierung von Aluminiumwerkstoffen

Al-Mg 5xxx Getränkedosen


Unterscheidung zwischen Guss- und Knetlegierungen Al-Mg-Si 6xxx Strangpreßprodukte (Fensterrahmen)
Al-Zn-Mg 7xxx Luftfahrt
Aluminiumlegierungen werden abhängig vom Herstellungsverfahren zwei Al-Li 8xxx Luftfahrt
Hauptgruppen zugeordnet, den Knetlegierungen und den Gusslegierungen.
Nationale Varianten werden durch Buchstaben ergänzt. („A“ für europäische
Variante)

Knetlegierungen unterscheidet man in nicht aushärtbare und aushärtbare


Werkstoffe.

Nicht aushärtbare Knetlegierungen


typische Eigenschaften:
-Zugfestigkeit < 400 MPa
-gute Schweißbarkeit
-gute Korrosionsbeständigkeit
Legierungsbezeichnungen für Knetlegierungen (DIN EN 573)
Al (1XXX)
z.B. EN AW 6082 (bzw. EN AW- AlSiMgMn)
Anwendung: Elektronik
chemische Industrie
Verpackungsfolien
Europäische Norm Halbzeug
Bauwesen
Aluminium Vier Ziffern zur Darstellung
der Zusammensetzung
Al-Mn (3XXX)
Anwendung: Kochgeschirr
Getränkedosen
Die erste der insgesamt vier Ziffern in der Bezeichnung beschreibt die
Dächer
Legierungsgruppe:
Al-Mg (5XXX)
Anwendung: Druckbehälter
Bestandteile Bezeichnung Anwendungsbeispiele
Schiffsrumpf
Al 1xxx Elektrokabel, Kochfolie Architektur
Al-Cu 2xxx Luftfahrt
Al-Mn 3xxx Kochpfannen Problem: Korrosion (bei Mg > 3%)
Al-Si 4xxx Automobilkolben Entfestigung
Aushärtbare Knetlegierungen Bezeichnung der Gusslegierungen (DIN EN 1706)
typische Eigenschaften: Für Gussstücke, Masseln und Vorlegierungen gilt ein Bezeichnungssystem mit fünf
-Zugfestigkeit bis 700 MPa (hochfest) Ziffern:
-Neigung zu inhomogener Verformung
-Korrosionsanfälligkeit (Cu) z.B. EN AC 42100 (bzw. EN AC-AlSi7Mg0,3)
-ohne Cu gut schweißbar
C...Gusslegierungen Fünf Ziffern zur Darstellung
Al-Cu (2XXX) B...Werkstoff in Masseln der Zusammensetzung
Al-Cu-Mg (2XXX) (Flugzeugbaustrukturen) M...Vorlegierungen
Al-Mg-Si (6XXX) (Karosseriebau, Schiffsbau, Schienenfahrzeugbau)
Al-Zn-Mg (7XXX) (Raketengehäuse, Panzerplatten, Pionierbrücken) Die erste Ziffer gibt das Hauptlegierungselement an:
Al-Zn-Mg-Cu (7XXX) 2XXXX Kupfer
4XXXX Silizium
Anwendung: Luft- und Raumfahrtanwendungen, Automobilbereich 5XXXX Magnesium
7XXXX Zink
Bezeichnung der Werkstoffzustände: 8XXXX Zinn
9XXXX Vorlegierungen
Der Werkstoffzustand wird durch eine Kombination von Buchstaben und Ziffern
eindeutig charakterisiert. Hierbei bedeuten: Die zweite Ziffer gibt die Legierungsgruppe an:
21XXX AlCu
-O...weichgeglüht 41XXX AlSiMgTi
-H...kaltverfestigt ⇓
-T...wärmebehandelt T1...kontrollierte Abkühlung, kaltausgelagert 44XXX AlSi
T2.. kontrollierte Abkühlung, kaltumgeformt, 51XXX AlMg
kaltausgelagert 71XXX AlZnMg
T3...lösungsgeglüht, kaltumgeformt, kaltausgelagert
T4...lösungsgeglüht, kaltausgelagert
T5...kontrollierte Abkühlung, warmausgelagert Bezeichnung der Werkstoffzustände:
T6...lösungsgeglüht, warmausgelagert
T61.lösungsgeglüht, nicht vollständig warmausgelagert
(Unteralterung) Das Gießverfahren spielt eine wichtige Rolle und wird daher durch Buchstaben
T7...lösungsgeglüht, warmausgelagert (Überalterung) hinter der Legierungsnummer gekennzeichnet.
T8...lösungsgeglüht, kaltumgeformt, warmausgelagert
T9...lösungsgeglüht, warmausgelagert, kaltumgeformt
-S...Sandguss
-D...Druckguss
-K...Kokillenguss
Die Zustandsbezeichnung wird durch einen Bindestrich an die
-F ...Feinguss
Legierungsbezeichnung angehängt.
(z.B. EN AW- 6082-T6)
Der Werkstoffzustand wird durch eine Kombination von Buchstaben und Ziffern Härtungsmechanismen für RT-Anwendungen bei Al
eindeutig charakterisiert. Hierbei bedeuten:

-O...weichgeglüht Feinkornhärtung (Hall-Petch-Beziehung)


-H...kaltverfestigt
-T...wärmebehandelt (Wärmebehandlungszustände,
siehe Knetlegierungen)

Die Zustandsbezeichnung wird durch einen Bindestrich an die


Legierungsbezeichnung angehängt. (z.B. EN AC- 6082-T6)

Al-Si (4XXXX)
Beispiel:
-AlSi7 (Landeklappensegment)

Al-Si-Cu (4XXXX)
Beispiel:
-AlSi9Cu3 (Hinterachsgehäuse, Haushaltsgeräte, Motorenbau) Es gilt:
-AlSi12Cu1Mg1Ni2 (Kolben für Dieselmotoren)
-AlSi7Mg0,3 (Leichtfelgen) ∆σ = km meist gilt m=1
d 2
Al-Cu (2XXXX) Der Faktor m = 1/2 resultiert aus dem „Pile-up-Modell“, d.h. dem Aufstau der
Beispiel: Versetzungen an einer Korngrenze. Experi-mentelle Befunde zeigen 1/3 < m < 1
-AlCu4Ni2Mg1,5 (Dieselkolben)
-AlCu4,7Ag0,7Mg0,3 ∆σ...Festigkeitssteigerung k...Konstante
dmin...minimal zu erzielende Korngröße

Beispiel: typische Werte für Al

k = 0,04 MPa√m und dmin = 1µm liefert ∆σ = 40 MPa

Fazit:

Die Feinkornhärtung nach Hall-Petch spielt für die Aushärtung von


Aluminiumlegierungen bei Raumtemperatur nur eine unter-geordnete Rolle.
Kaltverfestigung Mischkristallverfestigung

Es gilt:
Es gilt:
1 3
∆σ = G ⋅ b ⋅ ρ ∆σ ∝ c 2 ⋅ ε 2 (MK-Härtung durch elastische Fehlpassung)

Die Festigkeitssteigerung ∆σ hängt sowohl von der Konzentra-tion als auch vom
Die Festigkeitssteigerung ∆σ ist proportional zur Wurzel aus der
Fehlpassungsparameter ε = ∆r/r0 der Fremd-atome ab.
Versetzungsdichte ρ.
∆σ...Festigkeitssteigerung
∆σ...Festigkeitssteigerung b... Burgersvektor
c......Fremdatomkonzentration
ρ.....Versetzungsdichte G...Schubmodul
ε......Fehlpassungsparameter (ε = ∆r/r0)
∆r....Differenz der Atomradien zwischen Matrix- und Fremdatom
Beispiel: typische Werte für Al (∆r = |r(Al) - r(Fremdatom)|)
r0.....Atomradius der Matrixatome (Al)
G = 25 GPa, b = 2,86 Å, ρ = 1015 m-2 liefert ∆σ = 200 MPa
Konsequenzen:
1. Die Konzentration an gelösten Frematomen sollte möglichst groß sein
Fazit:
Die Kaltverfestigung kann für die Aushärtung von Aluminium-legierungen bei 2. Es spielt keine Rolle, ob die Fremdatome zu groß oder zu klein sind,
entscheidend ist nur, daß der Betrag der Fehl-passung möglichst groß ist.
Raumtemperatur eine wichtige Rolle spielen.
3. Je größer jedoch die Fehlpassung, desto geringer ist die Löslichkeit für die
Fremdatome!
Anwendungsbeispiel:
Reinaluminiumdrähte in Starkstromleitungen 4. Da ∆σ ∼ c1/2, aber ∆σ ∼ ε3/2 gilt, ist der Einfluß der Fehlpassung entscheidend:
„Wenig schlecht passende Fremdatome sind günstiger als viele gut passende.“
Problem: wenig geeignete Legierungselemente (z.B. Mg) Beispiel: typische Werte für Al

Fazit: ∆σ = 200 MPa bis 400 MPa.


Die Mischkristallhärtung spielt bei Aluminiumlegierungen bei Raumtemperatur (Bsp.: Al-Zn-Mg: 7075-T6: σ0,2 = 500 MPa)
lediglich eine untergeordnete Rolle.

Ausscheidungshärtung Fazit:
Die Ausscheidungshärtung ist für Aluminiumlegierungen bei Raumtemperatur in
der Regel entscheidend.

Weitere mögliche Härtungsmechanismen


-Dispersionshärtung (Hochtemperaturanwendungen)
-martensitische Härtung (z.B. Stahl, Fe-Ni, Cu-Zn)
-„Härtung durch Textur“ (Ausnutzung der anisotropen Gefüge-eigenschaften)
-Verbundwerkstoffe (Faser- oder Partikelverstärkt)

Gemeinsames Prinzip:

Die Behinderung der Versetzungsbewegung durch unter-schiedliche Hindernisse


(z.B. Korngrenzen, Versetzungen, Fremdatome, Ausscheidungen, Dispersoide,
metastabile intermetallische Phasen, Fasern oder Partikel) bewirkt eine
Härtesteigerung durch Behinderung der plastischen Verformung.
Es gilt:

∆σ ∝ G ⋅ b (Orowanmechanismus)
(L − 2 ⋅ r )

∆σ...Festigkeitssteigerung r....Teilchenradius
L.....mittlerer Teilchenabstand G...Schubmodul
b......Burgers-Vektor

Die Festigkeitssteigerung ist abhängig vom Teilchenabstand, der Teilchengröße


und der Art der Phasengrenze zur Matrix.