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1 Buch des Fastens

2 Buch des Fastens

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ................................................................................................................................................................ 3

1: Vorzug des Fastens........................................................................................................................................ 4


2: Weisheit des Fastens ............................................................................................................... 4
3: Definition des Fastens .............................................................................................................. 5
4: Wer muss fasten?
4.1. Was ist das Urteil desjenigen, der ohne Grund das Fasten unterlässt? .............................. 5
5: Wie stellt man den Beginn Ramādans fest? .............................................................................. 7
5.1: Darf man den Eintritt des Monats Ramādan und sein Ende berechnen? .......................... 8
5.2: Beginnt man das Fasten alleine und beendet es alleine? ................................................. 9
5.3: Der Tag des Zweifels (Yawm ash-Shakk) ......................................................................... 9
5.4: Hat jedes Land eine eigene Sichtung? ............................................................................. 9
5.5: Was tut der Gefangene, welcher Ramādan nicht bestimmen kann? ...............................10
6: Urteile bzgl. derjenigen, welche am Anfang des Tages nicht fasteten wegen einem Grund,
welcher dann während des Tages verschwand ............................................................................10
7: Der Kranke in Ramādan .........................................................................................................11
7.1: Was tut derjenige, der permanent nicht fasten kann? ...................................................11

8 : Die Schwangere und Stillende ................................................................................................12


9 : Der Reisende in Ramādan ......................................................................................................13
10 : Frauen, welche ihre Periode (Hayd) oder Wochenbettblutungen (Nifās) haben ......................13
11: Niyyah (Absicht) ....................................................................................................................14
12: Was macht das Fasten ungültig? ............................................................................................15
13: Die Sühneleistung (Kaffārah) aufgrund des Beischlafs am Tag von Ramadān ..........................18
14: Unerwünschte Taten beim Fasten .........................................................................................19
15 : Empfohlene Taten beim Fasten ............................................................................................20
16: Freiwilliges Fasten .................................................................................................................23
17: I'tikāf ....................................................................................................................................25
3 Buch des Fastens

Vorwort

‫بسم الله الرحمن الرحيم‬


Dies ist ein Buch über die Urteile des Fastens, welche ich in Form von Beiträgen verfasste
im Telegramkanal (t.me/IlmNafi) und sodann zusammenfasste.

Ich bemühte mich, möglichst viele Angelegenheiten (auf arab. Masā'il genannt, Sg.
Mas'alah) in diesem Buch zu nennen und für die wichtigsten Masā'il die Beweise aus dem
Qur'ān und der Sunnah.

Der Aufbau des Buches und die Anordnung der Masā'il und Kapitel (Abwāb) sind in
Anlehnung an die Bücher des Fiqhs der Hanbalī-Madhhab, sodass die Meinungen in den
meisten Fällen der offiziellen Meinung der Madhhab entsprechen. Gelegentlich nannte ich
eine andere Meinung innerhalb der Madhhab, da sie näher am Beweis scheint und welche
einer der Shuyukh der heutigen Zeit bevorzugte und dies drückte ich mit meiner Aussage
aus: "..und dies ist eine Riwāyah von Imām Ahmad."

Noch seltener nannte ich eine Meinung, welche nicht innerhalb der Madhhab zu finden ist
und in solch einem Fall nannte ich jenen, welcher sie vertrat.

Meine Aufgabe war es im Wesentlichen nur, die Masā'il zusammenzutragen und die
Beweise zu nennen und ich nannte gelegentlich noch einige Zitate von Gelehrten, wenn
ich es für notwendig betrachtete. Ansonsten hielt ich mich zurück, meine eigene Meinung
zu äußern.

Ich bediente mich hauptsächlich folgenden Werken:

 Zād al-Mustaqni' mit der Erklärung von Shaykh Ahmad Jibrīl, Shaykh ibn al-
'Uthaymin und der Erklärung von Imām al-Bahūtī namens ar-Rawd al-Murbi'.
 Umdah al-Fiqh mit der Erklärung von Shaykh ibn Jibrīn.
 Fatāwā as-Siyām von Shaykh al-Muhaddith Sulaymān al-'Alwān.
 Hidāyah ar-Rāghib von Shaykh 'Uthmān an-Najdī.

Ich bitte Allāh, dieses Buch zu akzeptieren und den Gläubigen davon profitieren zu lassen
und Ihn bitte ich, dass Er mir meine Fehler verzeiht, wahrlich, er ist al-'Afuww al-Ghafūr.

Abū Muhammad al-Albānī,

1. Ramadān 1437
4 Buch des Fastens

1. Der Vorzug des Fastens


Der Vorzug des Fastens ist gewaltig, und es ist eine Säule des Islāms und gehört zu den
größten Taten. Allāh ‫ سبحانه و تعالى‬sagt in einem Hadīth Qudsī:

‫ َو َأَنَ َأ ْج ِزي ِب ِه‬،‫الص ْو ُم ِلي‬


َّ
"Das Fasten ist für Mich, und Ich werde es belohnen." (überliefert bei al-Bukhārī (1894),
Muslim (1151) u.a.)

Shaykh Ahmad Jibrīl ‫ حفظه الله‬sagte in der Erklärung dieses Hadīths:

"Allāh schrieb das Fasten und seine Entlohnung Sich Selber zu, um die Wichtigkeit des
Fastens zu zeigen, um eure Herzen und Gedanken darauf zu lenken, damit ihr diese
Angelegenheit der Anbetung ernst nehmt.

Deine Tage des Fastens sollten nicht wie gewöhnliche Tage sein, vor allem nicht im
Ramadān. Siyām (Fasten) ist Reinigung, es ist eine Universität der Taqwā.

Es ist Benehmen, es ist eine Schule, welche du wertschätzen musst. Stell dir die
Belohnung vor, deine Mutter und dein Vater werden nicht dazu imstande sein, dir an
jenem Tage zu helfen, doch dann kommt das Fasten an jenem Tag und hilft dir und
errettet dich. Wenn die Muslime diesen Vorzug des Fastens realisieren würden und wie
sehr Allāh es ehrte, indem Er es Sich Selbst zuschrieb und wie viel Belohnung darin
steckt, wenn wir diesen Wert begreifen würden, so würden wir uns vor Allāh
niederwerfen, Ihm dankend, dass er Fasten in diesem Monat zur Pflicht machte."

2. DIE WEISHEIT DES FASTENS


Der Muslim weiß, dass jeder Befehl Allāhs eine Weisheit hat. Wir ergeben uns seinen
Befehlen, selbst wenn wir nicht wissen, was die Weisheit dahinter ist. Beim Fasten
erwähnte Allāh im Qur'ān die Weisheit hinter dem Fasten, so sagte Er ‫تعالى‬:

َ ‫الص َيا ُم َك َما ُك ِت َب عَلَى ال َّ ِذ َين ِم ْن قَ ْب ِل ُك ْم لَ َعل َّ ُك ْم تَتَّ ُق‬


‫ون‬ ِ ‫ََي َأيُّهَا ال َّ ِذ َين أ َمنُوا ُك ِت َب عَلَ ْي ُك ُم‬
„O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch
vorgeschrieben war, auf daß ihr Taqwā erlangen möget." (2:183)

Taqwā bedeutet, einen Schutz (Wiqāyah) zwischen sich und der Strafe Allāhs zu stellen,
indem man die Befehle Allāhs ausführt und sich von Seinen Verboten fernhält.

Al-'Allāmah 'Abd ar-Rahmān as-Sa'dī ‫ رحمه الله‬schrieb in seinem Tafsīr zu dieser Āyah:

"Denn wahrlich, das Fasten ist von den größten Ursachen, welche Taqwā hervorbringen,
dann darin (im Fasten) ist die Ausführung vom Befehl Allāhs und das Meiden seines
Verbots. Von dem, worin sich Aspekte der Taqwā darin befinden, ist dass der Fastende
das unterlässt, was Allāh ihm verbat vom Essen, Trinken, Geschlechtsverkehr und
5 Buch des Fastens

ähnlichem, was die Seele begehrt, und er tut dies als Annäherung zu Allāh, hoffend auf
die Belohnung durch die Unterlassung, so ist dies von der Taqwā.

Und dazu gehört, dass der Fastende seinen Nafs darauf trainiert, dass er sich stets
bewusst ist, dass Allāh ‫ تعالى‬ihn stets beobachtet, sodass er das unterlässt, was seine
Seele begehrt, obwohl er dazu imstande ist, da er weiß, dass Allāh ihn stets im Blick hat.

Und dazu gehört, dass das Fasten die Wege des Shaytāns verengt, denn er fließt beim
Sohn Ādams durch die Adern. Also wird durch das Fasten sein Einfluss geschwächt und
dadurch werden die Sünden weniger. Und dazu gehört, dass der Fastende meistens
seinen Gehorsam vermehrt, und der Gehorsam ist von den Zügen der Taqwā. Und dazu
gehört, dass der Reiche, wenn er den Schmerz des Hungers spürt, Mitleid mit den
mittellosen Armen verspürt und dies ist ebenfalls von den Zügen der Taqwā."

Al-Imām ibn al-Qayyim ‫ رحمه الله‬sagte in seinem Meisterwerk Zād al-Mi'ād über das Fasten:

"Da das eigentliche Ziel des Fastens darin liegt, das innere Wesen des Menschen (Nafs)
von seinen Trieben in Zaum zu nehmen, um es darauf vorzubereiten nach dem zu
streben, worin sein höchstes Glück liegt, und es dazu zu bewegen es anzunehmen sich
von dem reinigen zu lassen, worin sein ewiges Leben liegt, seine Verhärtungen von
Hunger und Durst aufbrechen zu lassen, es an die Lebensumstände der vom Hunger
geplagten Armen zu erinnern und durch die Verengung der Wege der Nahrungsaufnahme
die Wege des Shaytāns im Menschen zu verengen.

Aus all diesen Gründen ist das Fasten das Zaumzeug jedes Gottesfürchtigen, das
schützende Schild jedes Streitenden und der Garten jedes Rechtschaffenen, der Allāh
nahesteht. Beim Herrn der Welten zählt das Fasten als Tat, obwohl der Fastende
eigentlich gar nichts tut – vielmehr lässt er ab: Von seinen Gelüsten. Er lässt also ab von
dem, was er liebt, aus Liebe zu Allāh!

Ferner ist es ein Geheimnis zwischen einem Knecht und seinem Herrn – denn die anderen
mögen zwar erkennen, dass man nach außen hin von dem ablässt, was das Fasten
bricht, aber ob man davon für Den ablässt, Den man anbetet, ist etwas das kein Mensch
zu erkennen vermag – und das ist das wirkliche Fasten!

Das Fasten hat (außerdem) einen erstaunlichen Einfluss darauf, Körper und Geist vor
dem Kontakt mit schädlichen Dingen zu bewahren und von wertlosen, ihre Gesundheit
beeinträchtigenden Dinge zu befreien."

3. DEFINITION DES FASTENS


 "Das Enthalten von bestimmten Dingen (welche das Fasten brechen),
 durchgeführt von bestimmten Personen (welche fasten müssen und keine
Entschuldigung haben),
 während einer bestimmten Zeit (von Fajr bis Maghrib)."

Mas’alah: Im 2. Jahr nach der Hijrah wurde das Fasten zur Pflicht. Ibn Hajar al-Asqalānī
sagte: "Im Monat Sha'ban."
6 Buch des Fastens

4. WER MUSS FASTEN ?


Das Fasten im Monat Ramadān ist Pflicht für jeden

 reifen,
 geistlich gesunden
 Muslim,
 welcher imstande ist, zu fasten.

Dementsprechend muss jemand, der die Pubertät nicht erreicht hat, nicht fasten.

Die Zeichen der Pubertät sind drei bzw. vier:

1. Das Wachsen von Schamwuchs und Achselhaaren


2. Das Sehen eines feuchten Traums
3. Das Erreichen von 15 Jahren (wenn 1+2 nicht eingetreten sind)
4. Menstruation (bei Frauen)

Ein Verrückter oder geistig Kranker muss nicht fasten, da der Stift von ihm gehoben ist.

Mas'alah: Wenn jemand vor Fajr, nachdem er die Niyyah fasste, ohnmächtig wird und er
erst nach Maghrib sein Bewusstsein erlangt, so ist das Fasten ungültig und man muss
den Tag nachholen. Wenn man jedoch einen Teil des Tages ohnmächtig ist und einen
anderen Teil bei Bewusstsein ist, so ist das Fasten gültig.

Mas'alah: Wenn jemand von Fajr bis Maghrib durchschläft, so ist sein Fasten gültig. Dies
gilt jedoch nur für jemanden, welcher seine Gebete nicht beabsichtigt unterlässt. Wenn
jemand schläft, da er sowieso nicht betet, so ist sein Fasten ungültig, da der Unterlasser
des Gebets ein Kāfir ist gemäß dem Konsens der Sahābah.

Ein Kāfir fastet nicht, denn selbst, wenn er fastet, so wird es nicht von ihm akzeptiert. Im
Jenseits wird er jedoch für das Unterlassen des Fastens bestraft, entsprechend der
Meinung vieler Gelehrter.

Die Ausgenommenen, welche vom Fasten befreit sind werden detailliert erklärt.

Dem Kind soll anbefohlen werden zu fasten, wenn es das Fasten aushalten kann, um sich
daran zu gewöhnen, wie es die Sahābah ‫ رضي الله عنهم‬mit ihren Kindern taten.

4.1. WAS IST DAS URTEIL DESJENIGEN, DER OHNE GRUND DAS FASTEN
UNTERLÄSST?
Diesbzgl. gibt es zwei Meinungen:

1. Dass er Kufr begeht, und dies ist die Aussage einer Gruppe der Salaf, u.a. Sa'īd
ibn Jubayr und es ist eine Riwāyah von Ahmad.
2. Er begeht keinen Kufr und dies ist die Aussage der Mehrheit der Gelehrten und die
offizielle Meinung der Hanbalī-Madhhab.
7 Buch des Fastens

5. WIE STELLT MAN DEN BEGINN DES RAMADĀN FEST?

Man stellt dies fest auf eine von zwei Arten:

1. Man sieht den Hilāl (Neumondsichel) von Ramadān am Ende des Monats Sha'bān,
d.h. am Maghrib nach dem 29. Sha'bān, denn Allāh ‫ تعالى‬sagte:

ۖ ‫فَ َمن َشهِدَ ِمن ُك ُم الشَّ ه َْر فَلْ َي ُص ْم ُه‬


"Wer also von euch während dieses Monats anwesend ist, der soll ihn fasten." (2:185)
Und der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫صوموا لرؤيته و أفطروا لرؤيته‬


"Fastet, wenn ihr ihn (Hilāl) seht, und beendet das Fasten, wenn ihr ihn (den nächsten Hilāl)
seht." (überliefert bei al-Bukhārī (1909) und Muslim (1081)

Mas'alah: Es ist empfohlen zu sagen: "Der Monat Ramadān", wie Allāh es im Qur'ān
sagte, jedoch ist es nicht makrūh, nur Ramadān zu sagen.

Es reicht die Aussage einer vertrauenswürdigen Person, welche ihn gesehen hat und dies
kann auch von einer Frau und einem Sklaven akzeptiert werden. Hier ist es eine
Bedingung, dass die Sehkraft dieser Person stark sein muss, denn wenn diese Bedingung
abwesend ist, so kann man von keiner vertrauenswürdigen Sichtung sprechen.

Der Beweis hierzu ist der Athar (Überlieferung) von 'Abdullāh ibn 'Umar ‫رضي الله عنهما‬,
welcher sagte:

‫ فَ َصا َم ُه َو َأ َم َر النَّ َاس ب ِِص َيا ِم ِه‬،ُ‫ فَأَ ْخبَ ْر ُت َر ُسو َل الل َّ ِه َصلَّى الل َّ ُه عَلَ ْي ِه َو َسل َّ َم َأ ِني َر َأيْ ُته‬،‫تَ َر َاءى النَّ ُاس الْه ََِل َل‬
"Die Leute hielten Ausschau nach dem Hilāl (Neumondsichel), so gab ich dem Gesandten
Allāhs ‫ ﷺ‬Bescheid, dass ich ihn sah, so fastete er daraufhin und befahl den Menschen das
Fasten an." (überliefert bei Abū Dāwud (2342) und in Sunan ad-Dārimī (1733); sahīh)

Wenn keiner den Hilāl sehen konnte, z.B. aufgrund von dichten Wolken oder ähnlichem,
so handelt man wie folgt:

2. Man vervollständigt den Monat Sha'bān mit dreißig Tagen, wie es uns der Prophet
‫ ﷺ‬befahl, dass wenn wir die Neumondsichel nicht sichten können, wir den Monat
Sha'bān mit dreißig Tagen vervollständigen sollen.

So sagte er ‫ﷺ‬:
8 Buch des Fastens

‫ فَا ْن غُب َِيي عَلَ ْي ُك ْم فَأَ ْك ِملُوا ِع َّد َة َش ْع َب َان ثَ ََل ِث َين‬،‫ َو َأفْ ِط ُروا ِل ُر ْؤيَتِ ِه‬،‫ُصو ُموا ِل ُر ْؤيَتِ ِه‬
ِ
"Fastet, wenn ihr ihn (den Hilāl) seht und beendet euer Fasten, wenn ihr ihn seht. Wenn er
für euch verborgen bleibt (d.h. man kann den Hilāl nicht sehen), so vervollständigt die
Spanne von Sha'bān auf dreißig Tage." (überliefert bei al-Bukhārī (1909)

Und bei einer Überlieferung bei an-Nasā'ī:

‫فَا ْن غُ َّم عَلَ ْي ُك ْم فَأَ ِت ُّموا َش ْع َب َان ثَ ََل ِث َين‬


ِ
"Wenn ihr durch Wolken (o.ä.) vom Sehen verhindert werdet, so vervollständigt Sha'bān mit
dreißig Tagen." (überliefert bei an-Nasā'ī (2128))
Am Tag nach dem 30. Sha'bān ist somit der erste Tag von Ramadān.

5.1. DARF MAN DEN EINTRITT DES MONATS RAMADĀN UND SEIN ENDE
BERECHNEN?

Nein, denn der Prophet ‫ ﷺ‬wies uns auf andere Methoden hin, wie wir den Eintritt des
Monats Ramadān feststellen. Alles darüber hinaus ist Irreleitung.

Shaykh al-Islām ibn Taymiyyah ‫ رحمه الله‬überliefert einen Ijmā der Gelehrten, dass dies
keine akzeptable Vorgangsweise ist und somit auch ungültig. Außerdem sagte er:

"Unser Din benötigt nicht, dass man schreibt und berechnet, wie es die Praxis der Leute
der Schrift ist."

Al-Hafidh ibn Rajab ‫ رحمه الله‬sagte:

"Unser Din benötigt keine Berechnungen und kein Schreiben, wie es die Leute der Schrift
tun zur Bestimmung ihrer Anbetungen durch die Laufbahn der Sonne und ihre
Berechnungen und unser Dīn ist, was den Zeitpunkt des Fastens angeht,
zusammenhängend mit dem, was mit den Augen gesehen werden kann und das ist die
Sichtung des Hilāl. Wenn wir von der Sicht verhindert sind, vervollständigen wir die
Spanne des Monats und wir benötigen keine Berechnung."

Die Problematik des Berechnens tritt beinahe jedes Jahr immer wieder auf und man fragt
sich: Warum sind die Muslime so sehr gespalten? Die einfache Antwort ist, dass jene,
welche sich für das Berechnen entscheiden, der Sunnah und dem Ijmā' widersprachen
und mit einer Methode kamen, welche zuvor nicht bekannt war. So ist jener, welcher den
Befolgern der Sunnah und des Ijmā' widerspricht, der wahre Spalter und ihm gebührt
keine Befolgung und kein Gehorsam, sodass man der Sunnah folgt, egal wo man ist,
selbst wenn man der einzige in der Stadt ist, welcher ihr folgt, denn wahrlich, die Ahl as-
Sunnah sind am Tag der Auferstehung die Glücklichsten aller Auferweckten.

Mas’alah: Es ist erlaubt, Teleskope zu benutzen, da dies lediglich eine Erleichterung der
Sichtung darstellt.
9 Buch des Fastens

5.2. BEGINNT MAN DAS FASTEN ALLEINE UND BEENDET ES ALLEINE?


Wenn man den Hilāl von Ramādan selber sichtet, so fastet man, auch wenn man dies
alleine tut, da z.B. die Aussage nicht als vertrauenswürdig eingestuft wurde. Wenn man
jedoch alleine den Hilāl von Shawwāl sieht, so bricht man nicht alleine das Fasten, denn
der Grundsatz ist, dass für den Beginn und das Ende eines jeden Monats zwei Zeugen
notwendig sind und es wird überliefert, dass der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫فَا ْن َشهِدَ َشا ِهدَ ِان فَ ُصو ُموا َو َأفْ ِط ُروا‬


ِ
"Wenn zwei Zeugen (den Neumond) bezeugen, so fastet und brecht euer Fasten." (Sunan an-Nasā'ī
(2116), Shaykh al-‘Alwān stufte ihn als ma’lul (makelhaft) ein.)

In diesem Hadith werden zwei Zeugen genannt für den Beginn und Anfang des Monats.
Der Beginn vom Ramadān ist jedoch von der Regel ausgenommen, da es hierin eine
authentische Überlieferung gibt von ibn 'Umar, welche bereits erwähnt wurde. Was das
Ende des Monats betrifft, so bleibt das Urteil unversehrt, da es nicht eingeschränkt
wurde, und es bleibt dabei, dass am Ende des Monats zwei Zeugen benötigt werden.

Wenn also zwei vertrauenswürdige Muslime den Neumond von Shawwāl gesehen haben,
so beruft man sich auf ihre Aussage und beendet das Fasten, auch wenn sie dem
Herrscher nicht davon berichtet haben, da dies keine Bedingung ist.

5.3. DER TAG DES ZWEIFELS (YAWM ASH-SHAKK)

Es ist verboten, ein oder zwei Tage vor Ramadān zu fasten, da dies der Tag des Zweifels
genannt wird; die Ausnahme ist jedoch, wenn es auf einen Tag fällt, welchen man
regelmäßig fastet, wie z.B. Montag und Donnerstag. Der Beweis ist der Hadīth, in
welchem der Gesandte Allāhs ‫ ﷺ‬sagte:

/ ‫ فَلْ َي ُص ْم ُه‬،‫ ا ََّل َر ُج ٌل َك َان ي َ ُصو ُم َص ْو ًما‬،‫ََل تَقَ َّد ُموا َر َمضَ َان ب َِص ْو ِم ي َ ْو ٍم َو ََل ي َ ْو َميْ ِن‬
ِ
"Fastet nicht vor Ramadān einen oder zwei Tage, außer jemand, der regelmäßig (ein Fasten)
gefastet hat, so soll er fasten." (überliefert bei al-Bukhārī (1914), Muslim (1082) u.a.)
Eine weitere Ausnahme ist, wenn man noch Tage vom letzten Ramadān nachholen muss,
dies ist ebenfalls erlaubt und fällt nicht unter das Verbot.

5.4. HAT JEDES LAND EINE EIGENE SICHTUNG?


Wenn in einem Land der Mond gesichtet wird, so müssen alle in diesem Land fasten, und
hierin sind sich die Gelehrten weitgehend einig. Laut den Hanābilah gilt die Sichtung
eines Landes für die ganze Ummah, sodass wenn in einem Land der Hilāl von Ramadān
gesehen wurde, die ganze Ummah fasten muss.

Diese Meinung ist stark, da diese Aussage des Propheten ‫ﷺ‬:


10 Buch des Fastens

"Fastet, wenn ihr ihn (den Hilāl) seht" allgemein ist und die gesamte Ummah damit
angesprochen ist.

Außerdem trägt diese Meinung zur Einigkeit der Ummah bei, was ein Ziel in der Sharī'iah
ist, sofern die Einigkeit nicht auf Falschheit beruht.

Mas'alah: Wenn man vor Fajr nicht wusste, dass es Ramadān ist und man es erst im
Laufe des Tages erfährt, so fastet man den Rest des Tages und holt diesen Tag nach.

5.5. WAS TUT DER GEFANGENE, WELCHER RAMADĀN NICHT BESTIMMEN KANN?
Wenn der Gefangene verwirrt ist in Bezug auf die Monate, so muss er sich anstrengen,
um den Ramadān zu bestimmen und darauf basierend fastet er. Wenn er nie erfahren
wird, ob er richtig lag oder nicht, so hat er seine Pflicht erledigt. Wenn ihm im Nachhinein
deutlich wird, wann wirklich Ramadān war, so gibt es hier zwei Fälle:

1. Wenn er Ramadān getroffen hat oder einen Monat danach, so ist sein Fasten
gültig, denn er hat entweder zur richtigen Zeit gefastet, oder er hat es
nachgeholt.
2. Wenn es sich jedoch herausstellt, dass er zu früh gefastet hat, so muss er die
Tage, die er zu früh gefastet hat, nachholen.

6. URTEILE BZGL. DERJENIGEN, WELCHE AM ANFANG DES TAGES NICHT


FASTETEN WEGEN EINEM GRUND, WELCHER DANN WÄHREND DES TAGES
VERSCHWAND

Wenn jemand den Anfang des Tages aufgrund eines legitimen Grundes nicht fastete und
dann während dieses Tages der Grund verschwindet, so gibt es verschiedene
Situationen:

 Wenn eine Frau während des Tages von ihrer Periode rein wird, so muss sie den
Tag nachholen, aber sie muss nicht den Rest des Tages fasten.
 Wenn ein Reisender, der nicht fastete, während des Tages von der Reise
zurückkommt, so gilt für ihn dasselbe: Er muss nicht den Rest des Tages fasten,
doch er muss den Tag nachholen.
 Dasselbe gilt für den Kranken, welcher während des Tages gesund wird.

Der Beweis für das Obengenannte ist, dass das Fasten des restlichen Tages überflüssig
ist, da man den Tag sowieso nachholt und es wird überliefert, dass 'Abdullāh ibn Mas'ūd
‫ رضي الله عنه‬sagte:

‫ فَلْ َيأْ ُك ْل أ ِخ َر ُه‬،‫َم ْن َأ َك َل َأ َّو َل النَّه َِار‬


"Wer am Anfang des Tages bereits gegessen hat, so soll er auch am Ende des Tages essen."
(Musannaf ibn Abī Shaybah)

Diese Meinung ist eine andere Riwāyah von Ahmad und ebenfalls die Meinung der
Shāfi'iyyah und eine Aussage von Mālik.
11 Buch des Fastens

Weitere Masā'il:

 Wenn ein Kāfir tagsüber im Ramadān den Islām annimmt, so fastet er für den
Rest des Tages und holt den Tag nach.
 Wenn ein Kind im Laufe des Tages in die Pubertät eintritt, so muss es den Rest
des Tages nicht fasten und es muss den Tag auch nicht nachholen.
 Wenn man erst im Laufe des Tages erfährt, dass heute der erste Tag von
Ramadān ist, so fastet man den Rest des Tages und holt den Tag nach.

7. DER KRANKE IN RAMADĀN

Krankheit ist von drei Arten:

1. Wenn die Krankheit durch das Fasten schlimmer wird oder die Heilung sich dadurch
verzögert, so ist es Sunnah, nicht zu fasten und den Tag nachzuholen, denn Allāh
‫ تعالى‬sagte:

‫فَ َم ْن َك َان ِمنْ ُك ْم َم ِريضً ا َأ ْو عَلَ ٰى َس َف ٍر فَ ِع َّد ٌة ِم ْن َأ ََّي ٍم ُأخ ََر‬


"Wer von euch jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, der soll eine (gleiche)
Anzahl von anderen Tagen (fasten)." (2:184)

2. Wenn durch das Fasten die Krankheit so schlimm wird, dass man sich in ernsthafte
Gefahr begibt, wie z.B. Tod oder extreme Erschwernis, so ist es Wājib (Pflicht), nicht
zu fasten, denn Allāh ‫ تعالى‬sagt:

‫َو ََل تَ ْق ُتلُوا َأنْ ُف َس ُك ْم ۚ ا َّن الل َّ َه َك َان ِب ُك ْم َر ِحي ًما‬


ِ
"Und tötet euch nicht selbst. Allāh ist gewiß Barmherzig gegen euch." (4:29)

3. Eine leichte Krankheit, welche durch das Fasten nicht beeinflusst wird, wie eine
Verletzung am Finger, leichte Erkältung und ähnliches.

Diese Form von Krankheit erlaubt einem nicht, das Fasten zu brechen.

Ob die Krankheit schadet, kann man in offensichtlichen Fällen selber feststellen.


Ansonsten erfolgt die Feststellung durch einen Arzt, selbst wenn er ein Kāfir ist.

7.1. WAS TUT DERJENIGE, DER PERMANENT NICHT FASTEN KANN?


Wenn jemand sehr alt ist und aufgrund seines hohen Alters nicht fasten kann, oder
jemand eine Krankheit hat, deren Heilung nicht erhofft wird und man deshalb nicht
fasten kann, so gibt es einen Ijmā' unter den Gelehrten, dass sie nicht fasten müssen,
denn Allāh ‫ تعالى‬sagte:
12 Buch des Fastens

ۚ ‫ََل يُ َك ِل ُف الل َّ ُه ن َ ْف ًسا ا ََّل ُو ْس َعهَا‬


ِ
"Allāh erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag." (2:286)

Da sie nicht fasten, müssen sie für jeden Tag einen Armen speisen („Fidyah“ genannt)
und dies ist die Meinung der Mehrheit der Gelehrten, denn 'Abdullāh ibn 'Abbās ‫رضي الله‬
‫ عنهما‬sagte über die folgende Āyah:

‫َوعَلَى ال َّ ِذ َين يُ ِطي ُقون َ ُه ِفدْ ي َ ٌة َط َعا ُم ِم ْس ِك ٍين‬


"Und denjenigen, die es zu leisten vermögen, ist als Ersatz die Speisung eines Armen
auferlegt." (2:184), dass hiermit der alte Mann und die alte Frau gemeint sind, welche
nicht fasten können, und stattdessen für jeden Tag einen Armen speisen sollen.

Außerdem wird überliefert, dass Anas ‫ رضي الله عنه‬, als er ein hohes Alter erreichte und
nicht mehr fasten konnte, ein Essen für 30 Arme vorbereitete. (Sunan ad-Darāqutnī)

Wenn man Weizen spendet, so gibt man ein Mudd (zwei Hände voll), was ca. 3/4 kg ist,
und wenn man etwas anderes spendet, dann ein halber Sā' (zwei Mudd), was ca. 1,2 kg
entspricht.

Mas'alah: Wenn jemand von dieser Kategorie auf der Reise ist, so muss er gemäß der
Hanbalī-Madhhab weder für die Tage auf der Reise Fidyah leisten noch diese Tage
nachholen aufgrund der Unfähigkeit dazu. Es ist jedoch sicherer, wenn man die Fidyah
leistet, denn der Grund zum Fastenbrechen ist bei ihm die Krankheit oder das hohe Alter
und nicht die Reise.

8. DIE SCHWANGERE UND STILLENDE

Wenn die Schwangere oder Stillende nicht fastet aus Angst um ihr Kind (Fötus oder zu
stillendes Kind), so ist dies selbstverständlich erlaubt. Sie holt ihr Fasten nach und der
Walī des Kindes (wie z.B. der Vater) muss für jeden Tag einen Armen speisen, aufgrund
der Aussage Allāhs ‫تعالى‬:

‫َو عَلَى ال َّ ِذ َين يُ ِطي ُقون َ ُه ِفدْ ي َ ٌة َط َعا ُم ِم ْس ِك ٍين‬


"Und denjenigen, die es zu leisten vermögen, ist als Ersatz die Speisung eines Armen
auferlegt." (2:184)

Nach vielen Gelehrten wurde das Urteil dieser Āyah aufgehoben, doch ibn 'Abbās war der
Ansicht, wie bereits genannt wurde, dass dies immer noch gilt für arme Menschen,
welche nicht fasten können und auch für Stillende und Schwangere, welche aus Furcht
um ihr Kind nicht fasten. (überliefert bei Abū Dāwud (2318) und al-Bukhārī (4505))
13 Buch des Fastens

Wenn sie jedoch aus Angst um sich selber nicht fasten oder zusätzlich noch aus Angst um
ihr Kind, so müssen sie nur nachholen und nicht Speise geben, da sie in diesem Fall wie
der Kranke sind, welcher um sich selbst fürchtet.

Weitere Masā'il:

 Es ist Pflicht, das Fasten zu brechen, wenn man es braucht, um jemanden das
Leben zu retten.
 Wenn einem erlaubt ist, das Fasten im Ramadān zu brechen, so darf man nichts
anderes darin fasten, wie z.B. freiwilliges Fasten oder aufgrund eines Schwures.

9. DER REISENDE IN RAMADĀN

Wenn man auf eine Reise geht zu einem erlaubten Ziel und die Distanz mindestens 83
km beträgt, so darf man das Fasten brechen, selbst wenn die Reise nicht anstrengend
ist. Wenn die Reise anstrengend ist, so ist es empfohlen, das Fasten zu brechen.

Wenn die Reise nicht anstrengend ist, so gibt es Meinungsverschiedenheit, was man am
besten tun soll. Qatādah ‫ رحمه الله‬sagte, dass man das tut, was für einen leichter ist, sei es,
dass man fastet oder das Fasten bricht, denn Allāh ‫ تعالى‬sagt:

‫يُ ِريدُ الل َّ ُه ِب ُك ُم الْي ُْس َر َو ََل يُ ِريدُ ِب ُك ُم الْ ُع ْس َر‬


"Allāh will für euch Erleichterung. und er will für euch nicht Erschwernis.." (2:185)

Mas'alah: Wenn jemand reist, damit er das Fasten brechen kann, so ist für ihn sowohl
die Reise als auch das Fastenbrechen verboten.

Mas'alah: Wenn man fastet und dann tagsüber auf Reise geht, so darf man das Fasten
erst brechen, wenn man die Ortschaft verlassen hat. Dies, da es keinen Beweis dafür
gibt, welcher auf die Erlaubnis des Fastenbrechens zuhause hinweist, und alle
Überlieferungen von den Sahābah, welche diese Bedeutung beinhalten, sind schwach.

Shaykh al-Muhaddith Sulaymān al-'Alwān ‫ فرج الله عنه‬sagte diesbzgl:

"Die Überlieferungen von Anas u.a. sind alle schwach und mudtaribah (d.h. sie
widersprechen sich gegenseitig) und nichts davon ist authentisch auf den Propheten ‫ﷺ‬
und die Sahābah zurückzuführen. Damit kann nicht argumentiert werden, denn es kann
sein, dass man doch nicht reisen will und das Reisen ist der Erlaubnisgrund für die
Erleichterung. Wie kann man also das Fasten abbrechen und nicht reisen?" (Fatāwā as-
Siyām S.11)

10. FRAUEN, WELCHE IHRE PERIODE (HAYD) HABEN ODER


WOCHENBETTBLUTUNGEN (NIFĀS)
Sie dürfen nicht fasten und sie müssen das Fasten nachholen. 'Āishah ‫ رضي الله عنها‬sagte:
14 Buch des Fastens

‫الص ََل ِة‬ ِ ‫ فَ َيأْ ُم ُرَنَ ِبقَضَ ا ِء‬،‫ ثُ َّم ن َْطه ُُر‬،‫ ُكنَّا ن َ ِح ُيض عَلَى َعهْ ِد َر ُسولِ الل َّ ِه َصلَّى الل َّ ُه عَلَ ْي ِه َو َسل َّ َم‬.
َّ ‫ َو ََل يَأْ ُم ُرَنَ ِبقَضَ ا ِء‬،‫الص َيا ِم‬
"Als wir unsere Periode zu Lebzeiten des Propheten ‫ ﷺ‬hatten und sodann rein wurden, befahl er
uns, das Fasten nachzuholen und er befahl uns nicht, das Gebet nachzuholen." (überliefert bei at-
Tirmidhī (787) mit diesem Wortlaut und bei al-Bukhārī (321), Muslim (335) u.a. mit ähnlichen
Wortlauten)
Imām at-Tirmidhī ‫ رحمه الله‬sagte:

"Dieser Hadīth ist Hasan (...). Und die Handlung ist gemäß diesem (Hadīth) bei den
Gelehrten und wir kennen unter ihnen keine Meinungsverschiedenheit darin, dass die
Menstruierende das Fasten nachholt und das Gebet nicht."

Mas'alah: Wenn die Frau eine Fehlgeburt erlitten hat und der Fötus eine Gestalt hatte
und mindestens 80 Tage alt war, so gilt für diese Frau, dass ihre Blutung als
Wochenbettblutung gezählt wird und sie nicht fasten darf und sie die Tage nachholen
muss.

Mas'alah: Selbst, wenn die Periode ganz kurz vor dem Iftār eintritt, muss der Tag
nachgeholt werden, denn sie macht das Fasten ungültig.

11. NIYYAH (Absicht)


Man muss für das Fasten die Niyyah in der Nacht vor Fajr gefasst haben, und man spricht
sie nicht aus, sondern man ist sich einfach bewusst, dass man am nächsten Tag fasten
wird.

Dies aufgrund des Hadīths:

‫الص َيا َم قَ ْب َل الْ َف ْج ِر فَ ََل ِص َيا َم ل َ ُه‬


ِ ِ ‫َم ْن ل َ ْم يُ ْج ِمع‬
"Wer die Absicht zum Fasten nicht vor der Morgendämmerung fasst, so hat er kein (gültiges)
Fasten." (überliefert bei at-Tirmidhī (730), Abū Dāwud (2454) u.a.; das Richtige ist, dass dies eine Aussage mehrerer Sahābah ist)
Shaykh Sulaymān al-'Alwān sagte:

"Das heißt nicht, dass man sich übermäßig anstrengt bei der Niyyah, sodass man in
Einflüsterungen fällt, denn das bloße Aufstehen zum Suhūr reicht als Niyyah für das
Fasten." (Fatāwā as-Siyām)

Einige Gelehrten erlaubten, dass man am Anfang vom Ramadān für den ganzen Monat
eine Niyyah fasst; wenn man jedoch einen oder mehrere Tage nicht fastet, wie z.B.
wegen einer Reise, und man danach wieder fastet, so benötigt dies eine neue Niyyah.
Dies ist ebenfalls eine Riwāyah von Imām Ahmad ‫رحمه الله‬.

Weitere Masā'il:

 Bei einem freiwilligen Fasten darf man die Niyyah auch tagsüber fassen, und dies
tat ebenfalls der Gesandte Allāhs ‫ﷺ‬. Ā'ishah ‫ رضي الله عنها‬sagte:
15 Buch des Fastens

." ‫ " ا َذ ْن َأ ُصو َم‬: ‫ قَا َل‬.‫ ََل‬: ‫ " ه َْل ِع ْندَ ُك ْم ِم ْن َط َعا ٍم ؟ " قُلْ ُت‬: ‫ فَقَا َل‬،‫ول الل َّ ِه َصلَّى الل َّ ُه عَلَ ْي ِه َو َسل َّ َم ي َ ْو ًما‬ ُ ‫َج َاء َر ُس‬
ِ ْ
‫ " ا َذ ْن ُأفْ ِط َر ال َي ْو َم َوقَدْ فَ َرضْ ُت‬: ‫ فَقَا َل‬. ‫ قَدْ ُأ ْه ِد َي لَنَا َحيْ ٌس‬،‫ ََي َر ُسو َل الل َّ ِه‬: ‫ فَ ُقلْ ُت‬،‫ َو َد َخ َل عَلَ َّي َم َّر ًة ُأخ َْرى‬: ‫قَال َ ْت‬
ِ
‫الص ْو َم‬
َّ ".
"Der Gesandte Allāhs ‫ ﷺ‬kam eines Tages und sagte: "Habt ihr was zu essen da?" Ich sagte:
"Nein."
Er sagte darauf: "Dann faste ich."
Sie sagte: "Er trat dann ein anderes Mal bei mir ein, so sagte ich: "O Gesandter Allāhs, uns
wurde Hays (eine Speise) geschenkt." So sagte er:
"Dann breche ich mein Fasten, und ich habe bereits das Fasten beabsichtigt." (überliefert bei an-
Nasā'ī (2330) und Muslim (1154))
Jedoch wird man nur ab dem Zeitpunkt der Niyyah belohnt.

Das Fasten von festgelegten Tagen wie 'Āshūrā' etc. benötigt genauso wie das
Pflichtfasten eine Niyyah vor Fajr. (Fatāwā as-Siyām von Shaykh al-‘Alwān)

 Wenn man während des Fastens beabsichtigt, das Fasten zu brechen, so ist es
gebrochen und man muss den Tag nachholen.

12. WAS MACHT DAS FASTEN UNGÜLTIG ?


Folgende Dinge machen das Fasten bei allen Gelehrten ungültig:

1. Essen und Trinken, und hierzu gehört auch das Rauchen und Spritzen, welche einen
Nährwert haben. Allāh ‫ تعالى‬sagte:

‫َو ُكلُوا َو ْاش َربُوا َحتَّ ٰى يَتَبَي َّ َن لَ ُك ُم الْ َخ ْيطُ ْ َاْلبْ َي ُض ِم َن الْ َخ ْيطِ ْ َاْل ْس َو ِد ِم َن الْ َف ْج ِر‬
"...und eßt und trinkt, bis sich für euch der weiße vom schwarzen Faden der
Morgendämmerung klar unterscheidet!" (2:187)

2. Der Geschlechtsverkehr. Allāh ‫ تعالى‬sagte :

ِ ‫ُأ ِح َّل لَ ُك ْم ل َ ْيلَ َة‬


ۚ ‫الص َيا ِم َّالرفَ ُث ال َ ٰى ِن َسائِ ُك ْم‬
ِ
"Erlaubt ist euch, in der Nacht des Fastens mit euren Frauen Beischlaf auszuüben." (2:187)

Dies weist drauf hin, dass es tagsüber verboten ist.

3. Das Eintreten der Periode.


16 Buch des Fastens

Folgende Dinge machen das Fasten ebenfalls ungültig:

4. Das absichtliche Erbrechen. Dies aufgrund des Hadīths:

‫ َو َم ِن ْاس َتقَ َاء َع ْمدً ا فَلْ َي ْقض‬،‫َم ْن َذ َرعَ ُه الْقَ ْي ُء فَلَيْ َس عَلَ ْي ِه قَضَ ا ٌء‬
"Wen das Erbrechen überkommt, so muss er nicht (das Fasten) nachholen, und wer mit
Absicht das Erbrechen hervorruft, so soll er nachholen." (überliefert bei at-Tirmidhī (720), Abū Dāwud (2380)
u.a.)

Den Hadīth stufte Imām al-Bukhārī als schwach ein, doch Imām at-Tirmidhī sagte, dass
die Gelehrten danach gehandelt haben, u.a. Sufyān ath-Thawrī, Ash-Shāfi'ī, Ahmad und
Ishāq. Manche überlieferten sogar einen Ijmā' (Konsens), jedoch ist dies nicht richtig, da
einige der Salaf hierin widersprachen.

5. Die Hijāmah (Schröpfen). Der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫َأفْ َط َر الْ َحاجِ ُم َوالْ َم ْح ُجو ُم‬


"Der Schröpfende und der Geschröpfte haben ihr Fasten gebrochen." (überliefert bei Abu Dawud (2367),
Ahmad (17112) u.a.; sahih)

Unter dasselbe Urteil fällt das Blutspenden, außer es wird eine geringe Blutprobe
entnommen.

6. Die Masturbation, sodass man ejakuliert. Wenn keine Ejakulation stattfindet, so


bricht es nicht das Fasten, doch es bleibt eine Sünde und man muss Tawbah (Reue)
machen.

7. Berühren einer Frau mit Gelüsten oder das wiederholte Anschauen, sodass Sperma
austritt.

Der Beweis für diese beiden Angelegenheiten ist der Hadīth Qudsī, in welchem Allāh ‫تعالى‬
über den Fastenden sagte:

‫يَتْ ُركُ َط َعا َم ُه َو َش َراب َ ُه َو َشه َْوتَ ُه ِم ْن َأ ْج ِلي‬


"Er unterlässt sein Essen, sein Trinken und seine Gelüste wegen Mir." (überliefert bei al-Bukhārī (1897),
Muslim (1151) u.a.)

Wer diese beiden Dinge tut, hat dementsprechend nicht seine Gelüste für Allāh
unterlassen, sondern er hat sie gestillt.

Was Lusttropfen angeht, so ist das Richtige, dass es das Fasten nicht bricht und dies ist
eine Riwāyah von Imām Ahmad.
17 Buch des Fastens

Weitere Masā'il:

 Wenn man sich Mund und Nase ausspült, so darf man dabei nicht übertreiben,
denn der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

َ ‫ ا ََّل َأ ْن تَ ُك‬،‫َو ََب ِل ْغ ِفي ِاَل ْس ِتنْشَ ِاق‬


‫ون َصائِ ًما‬
ِ
"...und wasche gründlich deine Nase, außer wenn du fastest." (überliefert bei Abū Dāwud (142), at-Tirmidhī
(788) u.a.; at-Tirmidhī sagte: "Dieser Hadīth ist hasan sahīh.")

Wenn jedoch ohne Absicht etwas in den Hals gelangt, so wird das Fasten nicht ungültig.

 Wenn man eine dieser Taten aus Vergesslichkeit tut oder dazu gezwungen wird,
so wird das Fasten nicht ungültig und man setzt das Fasten fort. Es wird von Ibn
'Abbās überliefert, dass der Gesandte Allāhs ‫ ﷺ‬sagte:

،‫ َو ِالن ْس َي َان‬،َ‫ا َّن الل َّ َه تَ َج َاو َز َع ْن ُأ َّم ِتي الْخ ََطأ‬


ِ
"Wahrlich, Allāh sah bei meiner Ummah über den Fehler und die Vergesslichkeit hinweg."
(überliefert bei ibn Mājah mit einem ähnlichen Wortlaut; ibn Hibbān und al-Hākim stuften ihn als Sahīh ein)

Manche stuften ihn als schwach ein, doch die Bedeutung wird gestärkt durch die Aussage
Allāhs ‫تعالى‬:

ۚ َ‫ََل يُ َك ِل ُف الل َّ ُه ن َ ْف ًسا ا ََّل ُو ْس َعهَا ۚ لَهَا َما َك َسبَ ْت َوعَلَ ْيهَا َما ا ْكت َ َسبَ ْت ۗ َربَّنَا ََل تُ َؤا ِخ ْذَنَ ان ن َّ ِسينَا َأ ْو َأخ َْطأَْن‬
ِ ِ
"Allāh erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag. Ihr kommt (nur) zu, was sie verdient
hat, und angelastet wird ihr (nur), was sie verdient hat. "Unser Herr, belange uns nicht, wenn wir
(etwas) vergessen oder einen Fehler begehen." (2:286)

Außerdem wird bzgl. dem versehentlichen Fastenbrechen ein expliziter Hadīth überliefert,
in welchem der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫ا َذا ن َ ِس َي فَأَ َك َل َو َش ِر َب فَلْ ُي ِت َّم َص ْو َم ُه ؛ فَان َّ َما َأ ْط َع َم ُه الل َّ ُه َو َسقَا ُه‬


ِ ِ
"Wenn jemand vergisst und sodann isst und trinkt, so soll er sein Fasten fortführen, denn
wahrlich, Allāh speiste und tränkte ihn." (überliefert bei al-Bukhārī (1933), Muslim (1155) u.a.)

 Wenn man versehentlich Staub oder eine Fliege verschluckt, so wird das Fasten
dadurch nicht ungültig.
 Wenn man zweifelt, ob die Morgendämmerung eingetreten ist und man deswegen
weiter isst, so ist das Fasten gültig, denn der Grundsatz ist, dass es Nacht ist. und
es ist noch keine Gewissheit eingetreten, dass der Tag angebrochen ist. Wenn
man jedoch zweifelt, ob der Sonnenuntergang eingetreten ist und man basierend
auf dem Zweifel das Fasten bricht, so muss man diesen Tag nachholen, denn der
18 Buch des Fastens

Grundsatz ist, dass es Tag ist, und es ist noch keine Gewissheit eingetreten, dass
die Nacht eintrat.

13. DIE SÜHNELEISTUNG (KAFFĀRAH) AUFGRUND DES BEISCHLAFS AM TAG


VON RAMADĀN
Wenn man ohne Entschuldigung das Fasten an einem Tag von Ramadān bricht, so begeht
man eine große Sünde und man muss den Tag nachholen, außer wenn man tagsüber im
Ramadān Geschlechtsverkehr hatte, denn dann muss man den Tag nachholen (Qadā')
und zusätzlich muss man noch eine Kaffārah leisten:

1. Einen gläubigen Sklaven befreien, welcher frei von Makeln ist, und wenn man dies
nicht kann, dann
2. muss man zwei Monate am Stück fasten. Man darf keinen einzigen Tag auslassen,
denn dann ist es notwendig, dass man wieder von vorne anfängt.

Ausgenommen sind Entschuldigungen, welche von der Sharī'ah berücksichtigt


werden, wie Hayd und Nifās bei Frauen, oder die beiden Festtage und die Tage des
Tashrīq, oder die Krankheit und das Reisen, sowohl für Männer als auch für Frauen,
jedoch unter der Bedingung, dass man nicht extra reist, um das Fasten brechen zu
können, denn in dem Fall bricht die Kontinuität ab und man muss vom Neuen
beginnen. Wenn man vom Anfang des Monats an fastet und der Monat nur 29 Tage
ist, so gilt dies als voller Monat. Wenn man jedoch mitten im Monat beginnt, so zählt
man 60 Tage. Wenn man dies nicht kann, dann
3. speist man sechzig Arme. Entweder gibt man jedem Armen ein Mudd (zwei Hände
voll) Weizen oder ein halben Sā'' (zwei Mudd) von etwas anderem, was ca. 1,2 kg
entspricht.

Wenn man nichts hat, so entfällt die Kaffārah. Wenn Allāh einem Reichtum gibt in
der Zukunft, so muss man es nicht nachholen, da die Pflicht von einem ihm entfallen
ist.

Der Beweis für die Kaffārah ist der Hadīth von Abū Hurayrah, welcher sagte:

‫ َوقَ ْع ُت‬: ‫ " َما ل َ َك ؟ " قَا َل‬: ‫ قَا َل‬.‫ هَلَ ْك ُت‬،‫ ََي َر ُسو َل الل َّ ِه‬: ‫ ا ْذ َج َاء ُه َر ُج ٌل فَقَا َل‬،‫وس ِع ْندَ النَّب ِِيي َصلَّى الل َّ ُه عَل َ ْي ِه َو َسل َّ َم‬ ٌ ُ‫بَيْنَ َما ن َ ْح ُن ُجل‬
ِ
‫ " فَه َْل ت َ ْس تَ ِطي ُع َأ ْن ت َُصو َم‬: ‫ قَا َل‬.‫ ََل‬: ‫ " ه َْل تَجِ دُ َرقَ َب ًة تُ ْع ِت ُقهَا ؟ " قَا َل‬: ‫ول الل َّ ِه َصلَّى الل َّ ُه عَلَ ْي ِه َو َسل َّ َم‬ ُ ‫ فَ َقا َل َر ُس‬.‫عَلَى ا ْم َر َأ ِتي َو َأَنَ َصائِ ٌم‬
‫ فَبَ ْينَا‬،‫ فَ َم َك َث النَّب ُِّيي َصلَّى الل َّ ُه عَل َ ْي ِه َو َسل َّ َم‬: ‫ قَا َل‬.‫ ََل‬: ‫ " فَه َْل تَجِ دُ ا ْط َعا َم ِس ِت َين ِم ْس ِكينًا ؟ " قَا َل‬: ‫ فَ َقا َل‬.‫ ََل‬: ‫شَ ه َْر ْي ِن ُمتَ َتا ِب َعي ِْن ؟ " قَا َل‬
ِ
" : ‫ قَا َل‬. َ‫ َأَن‬: ‫السائِ ُل ؟ " فَقَا َل‬ َّ ‫ " َأ ْي َن‬: ‫ قَا َل‬- ‫ الْ ِم ْكتَ ُل‬: ‫ َوالْ َع َر ُق‬- ‫ن َ ْح ُن عَلَى َذ ِل َك ُأ ِت َي النَّب ُِّيي َصلَّى الل َّ ُه عَل َ ْي ِه َو َسل َّ َم ِب َع َر ٍق ِفيهَا ت َ ْم ٌر‬
.‫ َأ ْه ُل بَي ٍْت َأفْقَ ُر ِم ْن َأ ْهلِ بَيْ ِتي‬- ‫ يُ ِريدُ الْ َح َّرتَي ِْن‬- ‫ َأعَلَى َأفْقَ َر ِم ِني ََي َر ُسو َل الل َّ ِه ؟ فَ َوالل َّ ِه َما بَي َْن ََلبَت َ ْيهَا‬: ‫ فَقَا َل َّالر ُج ُل‬." ‫خ ُْذهَا فَتَ َصد َّْق ِب ِه‬
‫ " َأ ْط ِع ْم ُه َأ ْهل َ َك‬: ‫فَضَ ِح َك النَّب ُِّيي َصلَّى الل َّ ُه عَلَ ْي ِه َو َسل َّ َم َحتَّى بَدَ ْت َأنْ َياب ُ ُه ثُ َّم قَا َل‬
„Während wir beim Propheten ‫ ﷺ‬saßen, kam ein Mann zu ihm und sagte: "O Gesandter Allāhs, ich gehe
zugrunde!" Der Prophet sagte: "Was ist mit dir passiert?"

Der Mann sagte: "Ich fiel über meine Frau her (und vollzog mit ihr den Geschlechtsverkehr), während ich noch
am Fasten war!"

Der Gesandte Allāhs ‫ ﷺ‬sagte dann zu ihm: "Kannst du einen Sklaven finden, den du freikaufen kannst?"

Der Mann entgegnete "Nein!" Der Prophet fragte:


19 Buch des Fastens

"Kannst du zwei Monate hintereinander fasten?"

Der Mann entgegnete: "Nein!" Der Prophet fragte:

"Kannst du sechzig arme Menschen speisen?"

Der Mann entgegnete: "Nein!"

Da ging der Prophet ‫ ﷺ‬für eine Weile weg. Während wir noch da warteten, kam der Prophet mit einem Kübel
voll Datteln zurück und sagte: "Wo ist der Fragende?" Der Mann sagte: "Ich!"

Und der Prophet sagte zu ihm: "Nimm diese Datteln und spende sie!"

Der Mann entgegnete: "Soll ich diese, o Gesandter Allāhs, einem anderen Menschen geben, der noch ärmer sein
soll als ich? Ich schwöre bei Allāh, dass es in der ganzen Wohngegend keine anderen Menschen gibt, die ärmer
sind als meine Familie!"

Da lachte der Prophet ‫ﷺ‬, dass man seine Eckzähne sehen konnte, und sagte:

"Dann speise damit deine Familie!" (überliefert bei al-Bukhārī (1936), Muslim (1111) u.a.)

Weitere Masā'il:

 Wenn man durch etwas anderes als durch Vaginal- oder Analverkehr zur
Ejakulation kommt, so muss man den Tag nachholen, jedoch keine Kaffārah
leisten.
 Wenn die Frau entschuldigt ist durch Unwissenheit, Vergesslichkeit oder Zwang,
so muss sie lediglich den Tag nachholen, jedoch keine Sühneleistung erbringen.
Wenn sie jedoch weiß, es absichtlich tut und nicht gezwungen wird, so muss sie
ebenfalls den Tag nachholen und die Kaffārah leisten.
 Wenn man an zwei verschiedenen Tagen das Fasten durch Geschlechtsverkehr
bricht, so obliegt es einem, zwei Sühneleistungen zu erbringen. Wenn man jedoch
am selben Tag zweimal Geschlechtsverkehr hat, so muss man nur für das erste
Mal eine Kaffārah leisten, denn das Fasten ist bereits gebrochen, und dies ist eine
Riwāyah von Imām Ahmad.
 Wenn der Reisende tagsüber nachhause ankommt und seine Frau an dem Tag von
der Periode rein wurde, so ist ihm der Geschlechtsverkehr mit ihr erlaubt und er
muss keine Sühneleistung erbringen, da wir bereits sagten, dass wenn man am
Anfang des Tages das Fasten brach aufgrund eines legitimen Grundes, man den
ganzen Tag die Erlaubnis hat, es zu brechen.
 Dies (die Verpflichtung der Kaffārah) gilt nur für den Tag von Ramadān aufgrund
seiner Heiligkeit; wenn man bspw. einen Tag außerhalb von Ramadān nachholt
und in ihm Geschlechtsverkehr hat, so muss man ihn lediglich nachholen und
keine Sühneleistung erbringen.

14. UNERWÜNSCHTE TATEN BEIM FASTEN

1. Speichel zu sammeln und ihn dann zu schlucken, da einige Gelehrte dies als
fastenbrechend betrachtet haben; um der Meinungsverschiedenheit zu entgehen,
sagen wir, dass es makrūh ist. Wenn man den Speichel aus dem Mund herausnimmt
und dann wieder in den Mund einführt und ihn schluckt, so bricht es das Fasten.
2. Es ist verboten für den Fastenden, Schleim zu schlucken, da es etwas Widerliches
ist; wenn man ihn schluckt, nachdem er den Mund erreicht hat, so sehen es die
20 Buch des Fastens

Hanābilah als fastenbrechend an. Auch wenn das Richtigere scheint, und Allāh weiß
es am besten, dass es das Fasten nicht bricht, so sollte man es auf jeden Fall
meiden, da es hierin Meinungsverschiedenheit gibt und es zusätzlich etwas
Widerliches ist. Stattdessen spuckt man den Schleim einfach aus.
3. Das Abschmecken von Essen ist während dem Fasten makrūh, außer wenn man es
aufgrund von Notwendigkeit tut, wie wenn man etwas kocht und schauen will, ob es
genug gesalzen ist.
4. Das Kauen bestimmter Substanzen unterscheidet sich:

a) Wenn es hart ist und nicht zerfällt und keinen Geschmack hat, so ist es
makrūh.
b) Wenn es im Mund zerfällt und einen Geschmack hat (wie die heutigen
Kaugummis), so bricht es das Fasten, wenn man den Speichel davon
schluckt.

5. Beim Küssen gibt es Meinungsverschiedenheit; es kann gesagt werden, dass es


makrūh ist, wenn es bei einem Gelüste hervorruft und die Gefahr besteht, dass dies
zum Fastenbrechen (durch Ejakulation oder darauffolgenden Geschlechtsverkehr)
führen kann. Wenn man jedoch mit genauer Sicherheit weiß, dass man deswegen
zur Ejakulation kommt, so ist es definitiv verboten.
6. Der Fastende muss besonders darauf achten, nicht zu lügen, zu beleidigen und zu
lästern, denn der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫َم ْن ل َ ْم يَدَ ْع قَ ْو َل ُّالز ِور َوالْ َع َم َل ِب ِه فَلَيْ َس ِلل َّ ِه َحا َج ٌة ِفي َأ ْن يَدَ َع َط َعا َم ُه َو َش َراب َ ُه‬
"Wer das falsche Wort und das Handeln danach nicht unterlässt, von dem verlangt Allāh nicht,
dass er auf sein Essen und Trinken verzichtet." (überliefert bei al-Bukhārī (1903) u.a.)
Ibn Battāl ‫ رحمه الله‬sagte:

"Das heißt nicht, dass ihm befohlen wird, sein Fasten aufzugeben, sondern es steht
vielmehr für eine Warnung vor dem falschen Wort und dem, was mit ihm erwähnt
wurde."

Es wird überliefert, dass einige der Salaf in Ramadān die Zeit in der Masjid verbrachten
und sagten: "Wir bewahren unser Fasten und lästern über keinen, und wir verrichten
keine Tat, welche unserem Fasten schadet."

Stattdessen soll man sich viel mit der Rezitation des Qur'āns beschäftigen, mit Dhikr,
Spenden und weiteren Taten des Gehorsams.

15. EMPFOHLENE TATEN BEIM FASTEN


Folgende Dinge sind beim Fasten empfohlen:

1. Wenn man beleidigt wird, so soll man laut sagen: "Ich faste." , aufgrund des
Hadīths:

‫ ا ِني ا ْم ُر ٌؤ َصائِ ٌم‬: ‫فَا ْن َساب َّ ُه َأ َح ٌد َأ ْو قَاتَلَ ُه فَلْ َي ُق ْل‬


ِ ِ
21 Buch des Fastens

"Wenn ihn (den Fastenden) jemand beleidigt oder bekämpfen will, so soll er sagen: "Ich faste".“
(überliefert bei al-Bukhari (1904) und Muslim (1151))

2. Es ist empfohlen, den Sahūr zu essen und ihn bis zum Ende der Nacht
aufzuschieben. Der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫الس ُح ِور بَ َر َك ًة‬


َّ ‫ت َ َس َّح ُروا ؛ فَ ِا َّن ِفي‬
"Nehmt den Suhūr ein, denn wahrlich, im Sahūr liegt Segen." (überliefert bei al-Bukhārī (1923), Muslim (1095) u.a.)
Der Beweis für das Aufschieben ist die Aussage von Zayd ibn Thābit, welcher sagte, dass
sie mit dem Propheten Suhūr aßen und danach zum Gebet aufstanden und dazwischen
war eine Zeitspanne, in welcher man fünfzig oder sechzig Āyāt rezitieren konnte.
(überliefert bei al-Bukhārī (1921) und Muslim (1097)

Seine Zeit beginnt in der Mitte der Nacht und hält bis zur Morgendämmerung an.

3. Es ist empfohlen, das Fasten früh zu brechen, sobald die Sonne untergegangen
ist, aufgrund der Aussage des Propheten ‫ﷺ‬:

‫ََل يَ َز ُال النَّ ُاس ِب َخيْ ٍر َما َع َّجلُوا الْ ِف ْط َر‬


"Den Menschen wird es wohlergehen, solange sie sich zum Fastenbrechen beeilen." (überliefert bei al-
Bukhārī (1957) und Muslim (1098))

Beim Fastenbrechen kann man das sagen, was überliefert wurde, und das Authentischste
hierin ist:

‫ َوثَبَ َت ْ َاْل ْج ُر ا ْن َش َاء الل َّ ُه‬،‫ َوابْتَل َّ ِت الْ ُع ُر ُوق‬،ُ‫الظ َمأ‬


َّ ‫َذه ََب‬
ِ
"Der Durst ist gestillt und die Adern sind feucht und die Belohnung ist, so Allāh will, gesichert." (überliefert bei
Abū Dāwud (2357)

Außerdem wird überliefert, dass von drei Personen das Bittgebet nicht abgelehnt wird
und dazu gehört der Fastende. (at-Tirmidhī (3598), Hadīth hasan)

Dementsprechend sollte der Fastende seinen Tag vor allem für Bittgebete für sich und die
Ummah nutzen.

Man kann das Fasten mit jeder erlaubten Nahrung brechen, jedoch ist es empfohlen, es
mit Datteln zu brechen, und wenn keine vorhanden sind, dann mit Wasser, denn der
Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫ فَا ْن ل َ ْم يَجِ دْ تَ ْم ًرا ؛ فَالْ َما ُء فَان َّ ُه َطه ٌُور‬،‫ا َذا َأفْ َط َر َأ َحدُ ُك ْم فَلْ ُي ْف ِط ْر عَلَى تَ ْم ٍر ؛ فَان َّ ُه بَ َر َك ٌة‬
ِ ِ ِ ِ
"Wenn einer von euch das Fasten bricht, so soll er es mit einer Dattel brechen, denn sie enthält Segen.
Wenn man keine Dattel findet, dann (bricht man es) mit Wasser, denn wahrlich, es ist rein." (überliefert bei
at-Tirmidhī (695), hasan sahīh)

4. Es ist empfohlen, die Fastentage direkt nach Ramadān am Stück nachzuholen


aufgrund der Aussage Allāhs:
22 Buch des Fastens

ۚ ‫فَ ْاست َ ِب ُقوا الْ َخيْ َر ِات‬


"So wetteifert nach den guten Dingen!" (2:148)

Und da das Fasten im Ramadān am Stück ist, so ist es empfohlen, ebenfalls am Stück
nachzufasten. Jedoch ist dies keine Pflicht und man kann die Tage getrennt fasten und
das Nachholen bis zum nächsten Ramadān aufschieben.

Verboten ist es, dass der nächste Ramadān eintritt und man die jeweiligen Tage nicht
nachgeholt hat ohne eine Entschuldigung. In diesem Fall muss man die Tage nach dem
nächsten Ramadān nachholen und zusätzlich für jeden Tag einen Armen speisen, wie dies
von ibn 'Abbās und Abū Hurayrah überliefert wird. (überliefert bei ad-Dārimī und ad-Dāraqutnī)

Wenn jemand ohne Grund Tage nicht nachgeholt hat und dann stirbt, so wird aus seinem
hinterlassenen Kapital für jeden Tag ein Armer gespeist, jedoch werden die Tage nicht für
ihn stellvertretend nachgeholt.

16. FREIWILLIGES FASTEN


1. Das beste Fasten ist das Fasten von Dāwūd ‫ عليه السالم‬, welcher jeden zweiten Tag
fastete; der Beweis ist die Aussage des Propheten ‫ ﷺ‬zu 'Abdullāh ibn 'Amr ‫رضي الله‬
‫عنهما‬:

َّ ‫فَ ُص ْم ي َ ْو ًما َو َأفْ ِط ْر ي َ ْو ًما فَ َذ ِل َك ِص َيا ُم د َُاو َد عَلَ ْي ِه‬


ِ ‫ َوه َُو َأفْضَ ُل‬،‫الس ََل ُم‬
‫الص َيا ِم‬
"Dann faste einen Tag und breche das Fasten am nächsten Tag, denn das ist das Fasten von
Dāwud ‫ عليه السالم‬, und es ist das beste Fasten." (überliefert bei al-Bukhārī (1976) und Muslim (1159))

2. Das beste Fasten nach dem Monat Ramadān ist der Monat Muharram, aufgrund
des Hadīths:

‫الص َيا ِم ب َ ْعدَ َر َمضَ َان ؛ َشه ُْر الل َّ ِه الْ ُم َح َّر ُم‬
ِ ‫َأفْضَ ُل‬
"Das beste Fasten nach dem Monat Ramadān ist das Fasten des Monats Allāhs al-Muharram."
(überliefert bei Muslim (1163))

Der vorzüglichste Tag im Monat Muharram ist der Tag von 'Āshūrā' und er hat einen
gewaltigen Vorzug. Der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫ َو ِص َيا ُم ي َ ْو ِم عَ ُاش َور َاء َأ ْحت َ ِس ُب عَلَى الل َّ ِه‬،‫الس نَ َة ال َّتِي ب َ ْعدَ ُه‬ َّ ‫ِص َيا ُم ي َ ْو ِم َع َرفَ َة َأ ْحت َ ِس ُب عَلَى الل َّ ِه َأ ْن يُ َك ِف َر‬
َّ ‫ َو‬،ُ‫الس نَ َة ال َّ ِتي قَ ْبلَه‬
‫الس نَ َة ال َّ ِتي قَ ْبلَ ُه‬
َّ ‫َأ ْن يُ َك ِف َر‬
"Was das Fasten am Tag von 'Arafah betrifft, so hoffe ich bei Allah, dass es das vorherige Jahr sühnt und das
kommende Jahr. Und was das Fasten von Āshūrā betrifft, so hoffe ich bei Allah, dass es das vorherige Jahr
sühnt." (überliefert bei Muslim (1162))

Es ist empfohlen, den neunten Tag ebenfalls zu fasten, wenn man 'Āshurā' fastet, da der
Prophet ‫ ﷺ‬sagte:
23 Buch des Fastens

‫يت الَى قَاب ٍِل ؛ َ َْل ُصو َم َّن التَّ ِاس َع‬
ُ ‫ل َ ِئ ْن ب َ ِق‬
ِ
"Wenn ich bis zum nächsten Jahr lebe, so werde ich ganz gewiss den neunten Tag auch fasten." (überliefert bei
Muslim (1134))

Shaykh al-Islām ibn Taymiyyah ‫ رحمه الله‬sagte:

"Er meint: Zusammen mit 'Āshūrā', und um sich von den Juden zu unterscheiden." (Al-
Majmū')

3. Da rechtschaffene Taten in den 10 Tagen von Dhul-Hijjah bei Allāh am


beliebtesten sind, so ist das Fasten in ihnen ebenfalls empfohlen. Der
vorzüglichste dieser Tage ist der Tag von 'Arafah, denn es tilgt die Sünden des
vorangegangenen und kommenden Jahres, wie aus dem vorangegangen Hadith zu
entnehmen ist. Das Fasten am Tag von 'Arafah ist jedoch nicht empfohlen für
jemanden, der auf Hajj ist, damit er sich kräftigen kann für Bittgebete und Dhikr,
und deswegen fastete der Prophet ‫ ﷺ‬nicht diesen Tag, als er auf der Abschiedshajj
war.

4. Es ist empfohlen, im Monat Shawwāl sechs Tage zu fasten und am besten ist es,
sie direkt nach 'Īd am Stück zu fasten. Der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫ َك َان َك ِص َيا ِم ال َّد ْه ِر‬، ٍ‫ ثُ َّم َأتْ َب َع ُه ِس تًّا ِم ْن َش َّوال‬،‫َم ْن َصا َم َر َمضَ َان‬
"Wer Ramadān fastet, und ihm daraufhin sechs Tage (Fasten) von Shawwāl folgen lässt, so ist es
so, wie wenn man das ganze Leben fasten würde." (überliefert bei Muslim (1164))

Die 'Ulamā sind sich einig, dass es empfohlen ist, zuerst die verpassten Tage
nachzuholen und dann die sechs Tage zu fasten. Sie sind sich jedoch uneinig darin, ob es
eine Pflicht ist. Das Richtige, und Allāh weiß es am besten ist, dass es gültig ist, wenn
man freiwillig fastet, bevor man die verpassten Tage nachgeholt hat und dies ist
ebenfalls eine Riwāyah von Imām Ahmad.

5. Es ist empfohlen, die drei weißen Tage zu fasten und diesbzgl. wird eine Menge an
Ahādīth überliefert. Die drei weißen Tage sind der 13., 14. und 15. eines jeden
Monats. Sie wurden so genannt, da ihre Nächte aufgrund des Monds sehr hell
sind. Der Vorzug vom Fasten von drei Tagen in jedem Monat ist gewaltig, denn
wer drei Tage in jedem Monat fastet, der ist so, als würde er das ganze Leben
fasten. Der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:

‫ فَه ََذا ِص َيا ُم ال َّد ْه ِر ُك ِل ِه‬،‫ َو َر َمضَ ُان الَى َر َمضَ َان‬،‫ثَ ََل ٌث ِم ْن ُك ِل َشهْ ٍر‬
ِ
"Drei Tage aus jedem Monat und Ramadān zu Ramadān, dies ist (wie) das Fasten der
gesamten Lebzeit." (überliefert bei Muslim (1162))
Dementsprechend muss man sich nicht auf die drei weißen Tage beschränken, sondern
man kann auch andere drei Tage fasten, um diesen Vorzug zu erreichen und die Gunst
Allāhs ist gewaltig.
24 Buch des Fastens

6. Es ist empfohlen, montags und donnerstags zu fasten. Der Prophet ‫ ﷺ‬wurde über
das Fasten am Montag befragt, so sagte er:

‫ َو ِفي ِه ُأنْ ِز َل عَلَ َّي‬،‫ِفي ِه ُو ِلدْ ُت‬


"An diesem Tag wurde ich geboren, und an ihm wurde auf mich herabgesandt." (überliefert bei Muslim (1162))
Und es wurde von 'Ā'ishah ‫ رضي الله عنها‬überliefert, dass der Prophet ‫ ﷺ‬den Montag und den
Donnerstag zum Fasten aussuchte. (überliefert bei Ahmad (24508) u.a.)

Die Ahādīth bzgl. dem Fasten am Donnerstag sind laut vielen Gelehrten schwach, doch
dies heißt nicht, dass es keine Sunnah ist, da die Salaf nach diesen Ahādīth gehandelt
haben und dies deutet darauf hin, dass das Fasten am Donnerstag vorgeschrieben ist.

Mas’alah: Wenn man freiwillig fastet, so ist man der Amīr (Befehlshaber) von sich
selber; man kann das Fasten abbrechen, wann man will, denn der Prophet ‫ ﷺ‬hat eines
Tages freiwillig gefastet, und nachdem 'Ā'ishah ihm sagte, dass es was zu essen gibt,
brach er sein Fasten, und der Hadith wurde bereits angeführt. (überliefert bei Muslim
(1154))

Folgende Tage sind verboten zu fasten:

1. Die beiden Festtage. Der Gesandte Allāhs ‫ ﷺ‬sagte:

‫ الْ ِف ْط ِر َو ْ َاْلضْ َحى‬: ‫َو ََل َص ْو َم ِفي ي َ ْو َميْ ِن‬


"Und es gibt kein Fasten an zwei Tagen: Der Tag des Fastenbrechens und das Opferfest." (überliefert
bei al-Bukhārī (1197))

2. Die Tage von Tashrīq, welche die drei Tage nach dem Opferfest sind. Der Beweis
ist die Aussage des Propheten ‫ﷺ‬:

‫َأ ََّي ُم الت َّ ْش ِر ِيق َأ ََّي ُم َأ ْك ٍل َو ُش ْر ٍب‬


"Die Tage des Tashrīq sind Tage des Essens und Trinkens." (überliefert bei Muslim (1141))

Ausnahme: Wenn man Hajj Tamattu' oder Qiran vollzieht, so darf man die Tage von
Tashrīq fasten, wenn man kein Opfertier hat. (überliefert bei al-Bukhārī (1997))

Es ist makrūh (verpönt), wie folgt zu fasten:

1. Den kompletten Monat von Rajab, denn hierin liegt eine Wiederbelebung einer
Rite der Jāhiliyyah. Wenn man jedoch einige Tage von ihm nicht fastet, so ist die
Karāhah (Verpöntheit) aufgehoben.

2. Den Tag von Jumu'ah soll man nicht zum Fasten auswählen, außer man fastet
noch einen Tag davor, oder einen Tag danach, denn der Prophet ‫ ﷺ‬sagte:
25 Buch des Fastens

‫ ا ََّل ي َ ْو ًما قَ ْبلَ ُه َأ ْو ب َ ْعدَ ُه‬،‫ََل ي َ ُصو َم َّن َأ َحدُ ُك ْم ي َ ْو َم الْ ُج ُم َع ِة‬
ِ
"Keiner von euch soll den Tag von Jumu'ah fasten, außer er fastet noch den Tag davor oder danach!"
(überliefert bei al-Bukhārī (1985) und Muslim (1144)

3. Al-Wisāl ist makrūh, und dies ist das Fasten von zwei Tagen oder mehr am Stück,
ohne das Fasten zum Iftār zu brechen. Das Aufschieben des Fastenbrechens bis
zum Suhūr ist nicht makrūh, jedoch ist es besser, wenn man es unterlässt.

17. I'TIKĀF
Es ist das Verbleiben in der Masjid zur Anbetung Allāhs und es ist empfohlen zu jeder
Zeit. Es wird nur dann zur Pflicht, wenn man diesbzgl. ein Nadhr (Gelübde) abgelegt hat.

Der Beweis dafür, dass es empfohlen ist, ist Allāhs ‫ تعالى‬Aussage:

ُّ ِ ‫َو َعهِدْ َنَ ِال َ ٰى ِا ْب َرا ِه َيم َوا ْس َما ِعي َل َأ ْن َطه َِرا بَيْ ِت َي ِل َّلطائِ ِف َين َوالْ َعا ِك ِف َين َوا ُّلركَّع‬
‫الس ُجو ِد‬
ِ
"Und Wir verpflichteten Ibrāhīm und Ismā'īl: "Reinigt Mein Haus für diejenigen, die den Tawāf
verrichten, und diejenigen, die I'tikāf vollziehen und die sich (vor Allāh) verbeugen und niederwerfen."
(2:125)

Und ein weiterer Beweis ist, dass der Prophet ‫ ﷺ‬es tat und zwar regelmäßig, und ebenso
seine Frauen mit ihm und auch nach ihm. (überliefert bei al-Bukhārī (2026), Muslim (1172) u.a.)

Es ist für Männer nur in einer Masjid erlaubt, in welcher das Gemeinschaftsgebet
verrichtet wird, denn das Gemeinschaftsgebet ist Pflicht und das Beten in einer Masjid, in
welcher es nicht verrichtet wird, würde zur Folge haben, dass man stets die Masjid für
das Gebet verlassen muss.

Außerdem ist es empfohlen, in einer Masjid I'tikāf zu machen, in welcher auch Jumu'ah
gebetet wird, damit man nicht aus der Masjid hinausgehen muss zum Jumu'ah-Gebet in
eine andere Masjid.

Es ist ebenfalls empfohlen für Frauen und gültig für sie in jeder Masjid, außer im
Gebetsbereich ihres Hauses. Es ist für sie jedoch nur dann erlaubt, wenn sie die Erlaubnis
ihres Walī oder Ehemanns haben, und wenn sichergestellt ist, dass es nicht zur Fitnah
kommt. Ibn Qudāmah al-Maqdisī ‫ رحمه الله‬sagte:

"Es steht der Frau nicht zu, ohne die Erlaubnis ihres Mannes I'tikāf zu machen." (Al-Kāfī,
Kitāb al-I'tikāf)

Es ist empfohlen, sich nur mit Angelegenheiten zu beschäftigen, welche einen näher zu
Allāh bringen und nicht mit unnötigen bzw. verbotenen Taten und Angelegenheiten,
welche einen nichts angehen und all dies macht den I'tikāf nicht ungültig.

Man darf die Masjid nur bei Notwendigkeit verlassen, wie zum Verrichten der Notdurft,
Duschen, und Essen und Trinken, wenn man dies nicht in der Moschee tun kann.
26 Buch des Fastens

Man kann die Bedingung (Shart) stellen beim I'tikāf, dass man einen Kranken besuchen
oder einer Janāzah beiwohnen wird.

Es ist nicht erlaubt, während des I'tikāf seine Frauen mit Gelüsten zu berühren; vor allem
der Geschlechtsverkehr ist strengst verboten, denn Allāh ‫ تعالى‬sagte:

‫ون ِفي الْ َم َساجِ ِد‬


َ ‫َو ََل تُ َب ِاش ُروه َُّن َو َأنْ ُت ْم عَا ِك ُف‬
"Und verkehrt nicht mit ihnen, während ihr euch (zur Andacht) in die Masājid zurückgezogen
habt!" (2:187)

Folgende Dinge machen den I'tikāf ungültig:


1. Riddah (Abfall vom Islām).
2. Die Periode bei Frauen.
3. Geschlechtsverkehr.
4. Die Masjid ohne Grund zu verlassen, sei es auch nur ganz kurz.
5. Das Verlieren des Verstandes aufgrund von Betrunkenheit.
6. Die entschlossene Absicht, den I'tikāf zu beenden.

I'tikāf ist auch außerhalb Ramadāns empfohlen und es ist hierbei keine Bedingung, dass
man währenddessen fastet.

Es ist besonders empfohlen, im Ramadān die letzten zehn Tage im I'tikāf zu verbringen;
man betritt die Masjid vor Maghrib in der 20. Nacht, und verlässt sie nach Maghrib in der
Nacht von 'Īd.

Man kann die Niyyah für I'tikāf auch für einen Teil des Tages machen, z.B. von ‘Asr bis
'Ishā', denn der I'tikāf hat keine Minimaldauer.

Ibn Hazm al-Andalūsī ‫ رحمه الله‬sagte:

"Der I'tikāf in der Sprache der Araber bedeutet das Bleiben. So ist das Bleiben in jeder
Masjid Allahs, des Erhabenen mit der Absicht, sich Ihm zu nähern, I'tikāf, sei es nur ein
kurzer Zeitraum, oder auch ein langer, denn der Qur'an und die Sunnah haben keine
Anzahl oder Zeit festlegt." (Al-Muhallā 5/179)