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Rechtsquellen der Fiqhnormen

1.1 Hauptquellen
Quran (al-quran; wörtl. Lesung)
Sunna (as-sunna; wörtl. Gewohnheit)
Authentische Überlieferung von Worten und Handlungen des Gesandten Muhammad (s.a.w.s.)
Diese Rechtsquellen sind unveränderlich und allgemeingültig für alle Muslime, alle Zeiten und alle Orte.

1.2 Ergänzende Quellen bzw. Schari'a-Modi


den Hauptquellen grundsätzlich untergeordnet. nicht unveränderlich und nicht allgemeingültig,stellen den
flexiblen Bereich des islamischen Rechts dar.
kommen nur zur Anwendung, wenn die zu behandelnde Angelegenheit weder im Quran noch in der Sunna
erwähnt ist.
• Konsens (Idschma; wörtl. Übereinkunft, Übereinstimmung)
• Analogieschluss (Qiyas; wörtl. Vergleich, Analogie)
• Rechtsableitung aufgrund von Nützlichkeitserwägungen (Istislah; wörtl. kultivieren, verbessern)
• Rechtsableitung aufgrund eines Vernunfturteils (Istihsan; wörtl. für besser halten)
• Verkehrssitte ('Urf; wörtl. Tradition, Brauch, Gewohnheit)
Andere Modi:
• Fatwas und Aussagen von Prophetengefährten
• Gesetze früherer Religionen und anderer Gesellschaftssysteme
• Istishab (wörtl. mitnehmen, begleiten) – das Aufrechterhalten eines früheren Zustandes oder einer
früheren Regelung, solange man keinen Beweis dafür hat, dass sich etwas darin geändert hat

1.3 Kategorien der Fiqh-Quellen (Hukm)


zwei Kategorien:
Qat'i-Normen (qat'i; wörtl. bestimmt, definitiv, endgültig)
Zanni-Normen (zanni; wörtl. wahrscheinlich)

1.3.1 Qat'i-Normen
Darunter versteht man Fiqh-Normen (Hukm), die auf eindeutigen und unveränderbaren Schari'a-Texten aus
Quran und der authentischen Sunna beruhen und keiner Interpretation bedürfen.
Über die Verbindlichkeit und die Verpflichtung zur Einhaltung dieser Fiqh-Normen besteht allgemeiner
Konsens unter allen Rechtsgelehrten.
z.B.:
• die Pflicht zum Gebet (as-Salah) und zur Zakat
• die Pflicht zur Hadsch (al-Hadsch)
• die Pflicht zum Fasten (as-Siyam)
• das Zinsverbot
• die Beurteilung der Taten nach den Absichten

1.3.2 Zanni-Normen
Fiqh-Normen (Hukm), die Fiqh-Gelehrte von nicht eindeutigen Texten aus Quran und Sunna oder durch
selbstständige Urteilsfindung (Idschtihad) mit Hilfe der Schari'a-Modi ableiten.
regeln vorrangig Bereiche, die in Quran und Sunna nicht eindeutig, nicht detailliert oder aber gar nicht
angesprochen werden.
Nur in diesen Bereichen haben die Fiqh-Wissenschaftler die Möglichkeit, Vorschriften zu ergänzen.
Innerhalb dieser begrenzten Arbeitsbereiche ist es somit möglich, dass verschiedene Fiqh-Gelehrte durch eigene
Interpretation bei der gleichen Fragestellung zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen konnten.
Das war die Grundlage für die Entstehung der verschiedenen Rechtsschulen (madhhab).
Zanni-Normen werden werden nach dem Modus der Interpretation und der zugrundeliegenden Rechtsquelle in
zwei Gruppen unterteilt:
Zanni-Normen, die von Fiqh-Gelehrten aus nicht eindeutigen Schari'a-Texten aus Quran und Sunna abgeleitet
werden; d.h. aus Rechtsquellen, die mehrere Interpretationen zulassen und deswegen von den verschiedenen
Fiqh-Gelehrten unterschiedlich ausgelegt werden können.
Zanni-Normen, die von Fiqh-Gelehrten durch Idschtihad hergeleitet werden; d.h. Herleitung durch eigene
Urteilsfindung und ohne eindeutige Rechtsquelle mit Hilfe der Schari'a-Modi.

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2 Die rituelle Reinheit (at-Tahara)

2.1 Das Wasser


Wasser zur rituellen Waschung muss folgende Eigenschaften besitzen:
es muss rein sein (tahir): Gegenstände und Personen, die mit diesem Wasser in Berührung kommen, bleiben
rituell rein. Unreine Gegenstände können mit diesem Wasser nicht rituell rein werden.
es muss reinigend sein (mutahhir): rituell unreine Gegenstände und Personen können mit diesem Wasser rituell
rein werden.
Der Fachbegriff für Wasser, dass diese beiden Eigenschaften "rein und reinigend" hat, nennt man tahur.

2.1.1 Rein und reinigend (tahur)


(1) Natürliches Wasser: Regenwasser, Quellwasser, Flusswasser, Seewasser, Meerwasser, geschmolzener
Schnee und Hagel
(2) Wasser, das kleine Mengen reiner wasserunlöslicher Substanzen enthält, die weder Farbe, Geschmack
noch Geruch verändern.
(3) Wasser, das kleine Mengen unreiner wasserunlöslicher Substanzen enthält, die weder Farbe,
Geschmack noch Geruch verändern.
Nach Imam Abu Hanifa ist dieses Wasser nur rein.
Imam Asch-Schafi'i betrachtet dieses Wasser als tahur, wenn die Wassermenge mindestens ca. 160 l beträgt.

2.1.2 Rein und nicht reinigend (tahir)


(1) Benutztes Wasser: Wasser, dass bei Wudu oder Ghusl vom Körper abtropft und mit nichts rituell
Unreinem in Berührung kommt; darf nicht mehr zur Waschung verwendet werden, ist also nicht mehr
reinigend, aber rein
(2) Wasser, das kleine Mengen reiner wasserlöslicher Substanzen enthält, die Farbe, Geschmack oder
Geruch verändern
Imam Malik und Imam Asch-Schafi'i werten dieses Wasser als tahir
Imam Abu Hanifa als tahur
(3) Reste von Trinkwasser: Trinkwasser von Menschen und Tieren (außer von Hunden und
Schweinen), das nach dem Trinken im Gefäß bleibt
Imam Abu Hanifa wertet Trinkwasserreste von Raubtieren, Raubvögeln, Eseln oder Mauleseln als unrein

2.1.3 unrein
Wasser, das unreine Substanzen enthält, die Farbe, Geschmack oder Geruch verändern
übriggebliebenes Trinkwasser von Hunden und Schweinen

2.2 Rituell unreine Substanzen bzw. Tiere (an-Nadschasa)

2.2.1 Definition
Rituell unreine Substanzen bzw. Tiere, welche Personen bzw. Gegenstände durch direkte Berührung rituell
verunreinigen.
Wiedererlangung der rituellen Reinheit: Entfernung der Nadschasa von Körper, Kleidung bzw. Gegenständen
und anschließende Reinigung mit Wasser.

2.2.2 Rituell unreine Substanzen bzw. Tiere


(1) Urin und Exkremente von Menschen und Tieren: nach Imam Ibn Hanbal und Imam Asch-Schafi'i
zählen Urin und Exkremente von Tieren, deren Fleisch verzehrt werdn darf, nicht dazu
(2) Vorflüssigkeit (madhi)
(3) Nachtropfen (Wadi)
(4) größere Blutflecken
(5) Schweine und Hunde: nach Imam Malik ist der Hund und dessen Speichel rein, da Allah ta'ala die
Jagdbeute des Hundes für den Verzehr erlaubt hat.
Nach Imam Abu Hanifa ist nur der Speichel des Hundes unrein.
(6) Erbrochenes
(7) Verstorbenes und Verendetes: dazu gehören nicht: menschliche Leichen, tote Heuschrecken, verendete
Fische und verendete Tiere, die keinen Blutkreislauf haben
(8) alkoholische Getränke: (nach den meisten Gelehrten)

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2.3 Verhaltensregeln bei der Verrichtung der Notdurft
(1) Keine Gegenstände mitnehmen, auf denen der Name Allahs steht
(2) Das Sprechen eines Bittgebetes vor dem Betreten der Toilette
Audhu billahi minasch-schaitani radjimm, bismi-llahi rrahmani rrahim, allahumma inni a'udhu bika
minal-khubthi wal khabaith wa a'udhu bika rabbi an yahdurun.
(3) Das Betreten der Toilette mit dem linken Fuß zuerst
(4) Das Verlassen der Toilette mit dem rechten Fuß zuerst und mit den Worten: ghufranak
(5) keine Unterhaltung auf der Toilette führen (außer in zwingenden Fällen)
(6) Verrichtung der Notdurft nach Möglichkeit nicht in Richtung Kaaba
(7) Verrichtung der Notdurft nicht auf offener Straße und nicht im Schatten (weil sich Menschen im
Sommer dort bevorzugt aufhalten)
(8) Verrichtung der Nordurft nicht in Tierbehausungen
(9) nicht stehend urinieren (Verunreinigung der Kleider bzw. Körperteile)
(10) Reinigung der Ausscheidungsorgane mit Wasser und bevorzugt mit der linken Hand; ist kein
Wasser vorhanden, mit festen Gegenständen (z.B. Toilettenpapier)
(11) gründliche Reinigung der Hände mit Wasser und Seife

2.4 Rituell unreine Zustände

2.4.1 Die Menstruation (al-Haid)


Definition:
Rechtsterminologie: Haid ist das Blut, das während der Menstruation fließt.
Dauer:
lt. Imam Abu Hanifa: 3 bis 10 Tage
lt. Imam Asch-Schafi'i: 1 bis 15 Tage
alles, was länger dauert, gilt nicht als Menstruation (Æ istihada)
Verbotene Handlungen:
wichtig: angeführte Höchstdauer beachten!
(1) Verrichtung des rituellen Gebets (Gebete müssen nicht nachgeholt werden)
(2) Fasten im Monat ramadan und freiwilliges Fasten (muss nachgeholt werden)
(3) Geschlechtsverkehr
(4) Das rituelle Umrunden der Kaaba (Tawaf) während Hadsch umd Umra
(5) Berühren und Rezitieren des Quran (außer Quranverse in Bittgebeten)
(6) Längeres Verweilen in der Moschee
Nach Beendigung bzw. Überschreitung der Höchstdauer der Blutung werden all diese Einschränkungen wieder
aufgehoben. Auch im Zustand der istihada (alle Blutungen außerhalb der Menstruation bei Zyklusstörungen....)
müssen alle rituellen gottesdienstlichen Handlungen durchgeführt werden.

2.4.2 Der Wochenfluss (an-Nifas)


Blutung nach der Entbindung
Höchstdauer:
40 Tage (nach Imam Asch-Schafi'i 60 Tage)
Blutungen die länger dauern Æ istihada
gleiche Einschränkungen im Zustand des Wochenflusses wie während der Menstruation

2.4.3 Rituelle Unreinheit (al-Dschanaba)


Definition:
Zustand, der durch folgende Handlungen verursacht wird:
(1) Geschlechtsakt (direkte Berührung der Geschlechtsorgane)
(2) Samenerguss (im Schlaf- oder Wachzustand)
Eine Person, die sich in diesem Zustand befindet, bezeichnet man als "dschunub"
Verbotene Handlungen:
(1) Verrichtung der rituellen Gebete
(2) Rituelles Umrunden der Kaabe (Tawaf) während Hadsch und Umra
(3) Berühren und Rezitieren des Quran (außer Quranverse in Bittgebeten)
(4) längeres Verweilen in der Moschee

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2.5 Durchführen der Rituellen Reinigung
Um vom Zustand der rituellen Unreinheit in den Zustand der rituellen Reinheit zu gelangen, ist die
Durchführung der vorgeschriebenen rituellen Reinigung erforderlich.

2.5.1 Die rituelle Ganzwaschung (al-Ghusl)


Waschung des gesamten Körpers mit Wasser, das "rein und reinigend" ist
Pflicht:
(1) nach einem Samenerguss, begleitet von Lust und Erregung (im Schlaf und Wachzustand); nach einem
Samenerguss ohne Lust und Erregung (durch Krankheit,...) ist nur nach Imam asch-Schafi'i die
Ganzwaschung erforderlich
(2) nach dem Geschlechtsakt (unmittelbare Berührung beider Geschlechtsorgane)
(3) nach dem Ende der Menstruation (Haid) und nach dem Ende des Wochenflusses (Nifas)
(4) bei verstorbenen Muslimen: Ganzwaschung des Leichnams sollte von einem Muslim gleichen
Geschlechts durchgeführt werden. Märtyrer, die im Kampf auf dem Wege Allahs fielen, werden ohne
rituelle Ganzwaschung beerdigt.
(5) bei der Konversion zum Islam: unmittelbat nach Ablegung des Glaubensbekenntnisses (Schahada)
muss rituelle Ganzwaschung durchgeführt werden
Sunna:
(1) am Freitag vor dem Gemeinschaftsgebet
(2) an den beiden Festtagen ('Id-ul-Fitr und 'Id-ul-Adha)
(3) für Personen, die den Leichnam eines Verstorbenen gewaschen haben
(4) beim Eintritt in den Zustand der Weihe (Ihram) bei der Hadsch und Umra
(5) nach dem Betreten der Stadt Mekka
(6) vor dem Aufenthalt in Arafat am 9.Dhul-Hidscha

2.5.1.1 Pflichtteile (Rukn) der rituellen Ganzwaschung


(1) die Absicht: muss vor der Durchführung gefasst werden; bei fehlender Absicht wird Ghusk nur als
gewöhnliche Reinigung gewertet – führt somit nicht zur rituellen Reinheit
(2) Waschung des gesamten Körpers in beliebiger Reihenfolge
(3) Ausspülen von Mund und Nase (nach Imam Abu Hanifa Æ nach den anderen Gelehrten ist beides
keine Pflicht, sondern Sunna

2.5.1.2 Sunna-Teile der rituellen Ganzwaschung (Ghusl)


(1) Tasmiya: mit Basmalah beginnen
(2) dreimaliges Waschen der Hände
(3) entfernen von Nadschasa
(4) Verrichtung von Wudu
(5) dreimaliges Waschen aller Körperteile (rechts beginnend)
(6) Übergießen des gesamten Körpers mit reichlich Wasser
(7) gründliche Reinigung der Finger- und Zehenzwischenräume, der Haare, Achselhöhlen, des Nabels, der
Ohren
(8) leichtes Abreiben des gewaschenen Körpers
(9) Durchführung der Waschung ohne zeitliche Unterbrechung

2.5.2 Die rituelle Gebetswaschung (al-Wudu')


Definition:
Waschung bestimmter Körperteile mit "reinem und reinigendem" Wasser (tahur)
Pflicht (Fard):
(1) bei Istihada: in diesem Zustand muss Wudu grundsätzlich vor jedem Gebet erneuert werden
sofern keine rituelle Reinheit mehr vorliegt:
(2) vor der Verrichtung von Fard- und Sunnagebeten
(3) vor dem Umrunden der Kaaba (Tawaf)
(4) vor der Berührung des Quran Æ nur wenige Gelehrte erlauben die Berührung des Quran ohne Wudu.
Die Quranrezitation ist jedoch nach allen Gelehrten ohne Wudu erlaubt.

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Sunna:
(1) vor der Erwähnung oder Lobpreisung Allahs
(2) vor dem Schlafengehen
(3) zu Beginn der Ganzwaschung
(4) vor jedem Pflicht- oder Sunnagebet

2.5.2.1 Pflichtteile (Rukn) der rituellen Gebetswaschung


basierend auf dem Quran:
(1) Waschung des Gesichts
(2) Waschung der Hände bis zu den Ellenbogen
(3) Benetzung des Kopfes
nach den Imamen Ibn Hanbal und Malik muss der gesamte Kopf mit nassen Händen überstrichen
werden
nach den Imamen Abu Hanifa und Asch-Schafi'i muss nur ein Teil des Kopfes mit nassen Händen
überstrichen werden
(4) Waschung der Füße bis zu den Knöcheln
basierend auf der Sunna:
(1) Absicht
die Absicht gilt nur nach den Imamen Malik, Ibn Hanbal und Asch-Schafi'i als Pflicht
(2) Einhalten der richtigen Reihenfolge (Gesicht, Hände und Arme, Kopf, Füße)
Pflicht nach den Imamen Asch-Schafi'i und Ibn Hanbal
Sunna nach den Imamen Malik und Abu Hanifa
(3) leichte Reibung der gewaschenen Körperteile
nur nach Imam Malik
(4) Durchführung der Waschung ohne zeitliche Unterbrechung
nach den Imamen Malik und Ibn Hanbal

2.5.2.2 Sunna-Teile der rituellen Gebetswaschung (Wudu)


(1) Tasmiya: Aussprechen der Basmalah
(2) Zähneputzen mit dem Siwak (bzw. Zahnbürste und Zahnpasta)
(3) dreimaliges Waschen der Hände zu Beginn der Gebetswaschung
(4) dreimaliges Ausspülen des Mundes und der Nase mit der rechten Hand und Säuberung der Nase mit
der linken Hand
(5) Waschen der Finger- und Zehenzwischenräume
(6) Waschen des Bartes
(7) alles rechtsbeginnend
(8) leichtes Reiben der gewaschenen Körperteile
nach Imam Malik ist dies Pflicht-Teil der Gebetswaschung
(9) Durchführung der Waschung ohne zeitliche Unterbrechung (nach Abu Hanifa und Asch-Schafi'i)
(10) Überstreichen der Ohren mit nassen Händen
(11) Sprechen des folgenden Bittgebetes nach Beendigung der Gebetswaschung:
Aschhadu an-la-ilaha illa-llah wahdahu la-scharika-lah, wa-asch-hadu anna muhammadan abduhu
wa-rasuluh.
(12) Verrichten des Wudu-Gebetes nach Beendigung der Gebetswaschung (2 Rak'a)

2.5.2.3 Annullierung der rituellen Gebetswaschung


(1) Ausscheidung von Urin, Exkrementen, Madhi und Wadi, sowie bei Blähungen (Windeln wechseln
macht Wudu nicht ungültig!)
(2) Tiefschlaf im Liegen
(3) Wahnsinn, Bewusstlosigkeit oder Geistesabwesenheit durch Trunkenheit bzw. Medikamente
Nach einigen Gelehrten:
(1) direkte Berührung des eigenen Geschlechtsorgans mit bloßer Hand (nach Imam Asch-Schafi'i und
Imam Ibn Hanbal
(2) größerer Blutverlust durch Verletzungen oder Nasenbluten (nach Imam Abu Hanifa)
(3) Erbrechen (außer in ganz geringer Menge) – nur nach Imam Abu Hanifa

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(4) Berührung oder Händeschütteln mit einer Person des jeweils anderen Geschlechts (außer bei jenen
Personen, mit denen eine Ehe ausgeschlossen ist).
Nur nach Imam Asch-Schafi'i. Nach Imam Malik und Imam Ibn Hanbal hebt nur die lustvolle
Berührung die Gebetswaschung auf.
(5) Lachen während der Verrichtung des Gebets
nur nach Imam Abu Hanifa; nach den übrigen Rechtsschulen wird nur das Gebet, nicht aber Wudu
ungültig
(6) Zweifel
Wenn man Zweifel bezüglich Blähungen hegt, geht man davon aus, dass man noch Wudu hat, es sei
denn, man hörte ein Geräusch oder nahm Geruch wahr.
Wenn man Zweifel hat, ob man die Gebetswaschung durchgeführt hat oder nicht, muss man sie zur
Sicherheit durchführen.

2.5.3 Die rituelle Benetzung (al-Mash)


Ausnahmeregelung in Ausnahmesituationen für die rituelle Reinigung
2.5.3.1 Die rituelle Benetzung von Schuhen
Benetzung der Oberfläche der Schuhe
die Hand wird nur einmal über die Schuhe gezogen, auch wenn dabei der größte Teil trocken bleibt
jedes Mal wenn Wudu erneuert wird, muss auch Mash erneuert werden
Frist von Mash
Ortsansässige: dürfen Mash einen Tag und eine Nacht lang durchführen
Reisende: drei Tage und Nächte
Nach Ablauf der Mash-Frist oder wenn die Schuhe ausgezogen werden und Wudu noch gültig ist, muss man nur
die Füße waschen und nicht die gesamte Waschung erneuern.
Nach Imam Malik und Imam Ibn Hanbal muss die ganze Gebetswaschung erneuert werden, weil Wudu ohne
zeitliche Unterbrechung ein Pflichtteil ist.
Bedingung für die Erlaubnis von Mash
(1) die Schuhe müssen im Zustand der rituellen Gebetswaschung angezogen werden
(2) die Schuhe müssen sauber sein (wenn sie mit Unreinem behaftet sind, wird das Gebet ungültig)
(3) die Schuhe müssen bis über die Knöcheln reichen
(4) die Schuhe müssen wasserundurchlässig sein (nur nach Imam Asch-Schafi'i)
(5) die Schuhe müssen so stabil sein, dass ein Reisender sie drei Tage und ein Ortsansässiger einen Tag
lang ununterbrochen benutzen kann, ohne dass sie dabei aufreißen (nach Imam Schafi'i)
Mash wird ungültig bzw. darf nicht durchgeführt werden:
(1) nach Ablauf der Frist
nach Imam Malik gibt es keine Frist
(2) wenn man einen oder beide Schuhe auszieht
(3) beim Ghusl

2.5.3.2 Die rituelle Benetzung der Socken


Die Socken werden beim Mash genauso gehandhabt wie die Schuhe
Bedingungen für die Erlaubnis zur Durchführung von Mash:
Die Socken müssen so dick sein, dass man mit ihnen (ohne Schuhe) laufen kann, ohne dass sie dabei zerreißen.
(Nur nach Imam Schafi'i)

2.5.3.3 Die rituelle Benetzung von Verbänden


Wenn direkter Kontakt der Verletzung mit Wasser aus medizinischen Gründen nicht möglich bzw. nicht
erwünscht ist, darf an diesem Körperteil bei Wudu und Ghusl Mash durchgeführt werden. Diese Ausnahme
besteht nur solange die medizinische Indikation besteht.

2.5.4 Die rituelle Reinigung mit Erde (at-Tayammum)


Rechtsterminologie: "Das Aufsuchen von reiner Erde, um sie unter Einhaltung bestimmter Regeln als Ersatz für
Wasser bei der rituellen Waschung zu verwenden."
Definition von "guter (reiner) Erde"
alle Materialien, die aus der Erde stammen, wie Sand, Stein, Zement, Erde,...
nach Imam Asch-Schafi'i darf Tayammum nur mit Erde oder staubigem Sand vollzogen werden

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2.5.4.1 Bedingungen für die Erlaubnis von Tayammum
(1) Wassermangel
akuter Wassermangel liegt vor, wenn
- kein Wasser auffindbar ist, unabhängig davon, ob man auf Reisen ist oder nicht
Ausnahme:
Sollte Wasser in einer bestimmten entfernung vorhanden sein, ist man verpflichtet, dieses Wasser zu
holen, um damit die rituellen Waschungen durchzuführen.
Diese Entfernung beträgt:
1 Meile (1,85 km) nach Imam Abu Hanifa
1,5 Meilen (2,8 km) nach Imam Asch-Schafi'i
2 Meilen (3,7 km) nach Imam Malik
- Wasser nicht in ausreichender Menge vorhanden ist
darunter versteht man sowenig Wasser, dass die vorhandene Menge nur noch als Trinkwasservorrat
reicht (für Mensch und Tier)
indirekter Wassermangel kiegt vor, wenn
- Wasser in ausreichender Menge vorhanden ist, dieses aber aus zwingenden Gründen nicht benutzt
werden kann bzw. darf (z.B. bei Krankheit, starken Schmerzen und extremer Kälte) – sehr kaltes
Wasser sollte man zuerst versuchen zu erwärmen, erst nach dem vergeblichen Versuch ist Tayammum
zulässig
- Wasser in ausreichender Menge in zumutbarer Entfernung vorhanden ist, dieses Wasser aber nur
unter Gefahr für Leib und Leben erreicht werden kann (z.B. Wasserstelle ist von feinden besetzt oder
Hilfsmittel zum Wasserschöpfen fehlen)
(2) Zeitmangel
akuter Zeitmangel liegt vor, wenn die Gefahr besteht, ein Pflichtgebet (Fard) in der vorgeschriebenen
Zeit zu versäumen

2.5.4.2 Durchführung von Tayammum


(1) Absicht
man fasst innerlich die Absicht, Tayammum als Ersatz für die rituelle Waschung durchzuführen
(2) Tasmiya
das Aussprechen der Basmalah
(3) man schlägt mit den Innenseiten der Hände ein- oder zweimal leicht auf die reine Erde und säubert die
Hände anschließend mit Staub
(4) man streicht dann mit der linken Hand über die rechte Hand
nach Imam Abu Hanifa und Imam Asch-Schafi'i müssen die Hände bis zu den Ellenbogen überstrichen
werden
(5) dann streicht man mit beiden Händen über das Gesicht

2.5.4.3 Handlungen, die mit Tayammum durchgeführt werden dürfen


Tayammum ersetzt die rituelle Waschung, d.h. man darf:
(1) das Gebet verrichten
(2) die Kaaba umrunden
(3) den Quran berühren oder rezitieren

2.5.4.4 Annullierung des Tayammum


(1) durch alles, was auch Wudu ungültig macht
(2) wenn die Bedingungen für Tayammum nicht mehr vorliegen (z.B. Wasser in ausreichender Menge
gefunden wird oder man wieder in der Lage ist, dieses zu benutzen)
Wenn man mit Tayammum ein Fard-Gebet verrichtet hat und danach Wasser findet, so braucht man das
Gebet nicht zu wiederholen.
Ghusl muss jedoch mit Wasser nachgeholt werden.

2.6 Allgemeine Verhaltensregeln (sunan-ul-fitra)

Sunna muakkada
Handlung, die der Gesandte Allahs (s.a.s.) meistens praktizierte, obwohl es nicht vorgeschrieben war. Wer sie

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nicht befolgt, sündigt nicht, wer sie ausübt, wird dafür von Allah belohnt.
1. Beschneidung bei Jungen (nach den meisten Gelehrten Pflicht)
lt. Imam Schafi'i am 7.Tag nach der Geburt bevorzugt
2. das entfernen der Scham- und Achselhaare
3. Kürzen der Finger- und Zehennägel
4. Stutzen des Schnurrbartes
5. Pflege des Vollbartes
6. Tragen eines Vollbartes
Der Gesandte Muhammad (s.a.s.) sagte: "Fünf Sachen gehören zur natürlichen Veranlagung des
Menschen: Das Entfernen der Schamhaare, die Beschneidung, das Stutzen des Schnurrbartes, das
Zupfen der Achselhaare und das Kürzen der Nägel." (Al Buchari, Muslim, Abu Dawud, At-Tirmidhi,
Ibn Madscha, An-Nisai)
7. weiße Haare sollen nicht entfernt werden (färben möglich)
8. das Parfümieren des Körpers und der Kleider

3 Das rituelle Gebet (as-Salah)


Pflicht – Stütze der Religion
die erste gottesdienstliche Handlung, die Allah vorgeschrieben hat und die erste, worüber die Muslime am
Jüngsten Tag Rechenschaft ablegen müssen
siehe: [2:238-239]; [19:59]; [107:4-5]
Der Gesandte Allahs (s.a.s.) betont die Wichtigkeit des Gebets: "Wenn einFluss an der Haustür eines von
euch wäre, und er darin jeden Tag fünfmal baden würde, würde von seinem Schmutz überhaupt etwas
zurückbleiben?" Sie sagten: "Nein, oh Gesandter Allahs." Er (s.a.s.) sagte: "So ist es auch mit den fünf
Gebeten, Allah tilgt mit ihnen die Sünden." (Al-Buchari und Muslim)
Es gibt viele Aussprüche des Gesandten Allahs (s.a.s.), dass die Unterlassung des Gebets dem Unglauben (Kufr)
gleichkommt.
Die Prophetengefährten und Gelehrten sind sich darin einig, dass man ungläubig wird und vom Glauben abfällt,
wenn man die Pflicht zum Gebet verleugnet, das Gebet verachtet oder darüber spottet.
Wer jedoch das Gebet aus Nachlässigkeit unterlässt, ohne es zu leugnen, ist nach Mehrheit der Gelehrten eun
Frevler (Fasiq) und muss zur rituellen Reue (Tauba) aufgefordert werden.

3.1 Die festgesetzten Gebetszeiten


"Das Verrichten des Gebetes ist den Gläubigen als Verpflichtung zu festgesetzten Zeiten auferlegt."
[4:103]
Die Pflichtgebete
• Frühgebet: Salat-ul-Fadschr: vom ersten Morgenlicht bis Sonnenaufgang
Asch-Schafi’i: zu Beginn
Abu Hanifa: gegen Ende der Zeit
• Mittagsgebet: Salat-uz-Zuhr: wenn Sonne im Zenit steht bis zum Zeitpunkt, wenn Schatten eines
Gegenstandes der Länge des Gegenstandes entspricht
zu Beginn (Sunna)
• Nachmittagsgebet: (Salat-ul-‘Asr): Ende Zeit Mittagsgebet bis Sonnenuntergang
zu Beginn (Sunna)
• Abendgebet: (Salat-ul-Maghrib): Sonnenuntergang bis Verschwinden der Abendröte
zu Beginn (Sunna)
• Nachtgebet: (Salat-ul-Ishaa): vom Verschwinden der Abendröte bis Frühgebet
Mitternacht (Sunna)
wenn man verschläft oder vergisst muss man das Gebet sofor nach Erinnern bzw. Aufwachen nachholen
es widerspricht der Sunna, ein freiwilliges Gebet nach dem Pflichtteil des Früh- und Nachmittagsgebetes zu
verrichten (außer Tahiyat-ul-Masdschid, wenn man zu spät in die Moschee kommt, dann erst nach dem Gebet)

3.2 Der Gebetsruf


Adhan: Ankündigung des Beginns der Gebetszeit
Iqama: zweiter Gebetsruf, unmittelbar vor Beginn des Gebets in der Moschee (nach hayya alal-falah wird
zweimal qad qamatis salah eingefügt)
Adhan und Iqama sind Sunna muakkada.
Nach Imam Malik sind Adhan und Iqama beim gemeinschaftsgebet in der Moschee Pflicht.
Es ist Sunna, dem Adhan zuzuhören und leise nachzusprechen. Bei hayya alas-salah und hayya alal-falah
antwortet man mit la hawla wa la quwatta illa billah
zwischen Adhan und Iqama spricht man Bittgebete
auch wenn man zu spät betet, sollte man beim Nachholen Adhan und Iqama sprechen

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Frauen müssen Adhan und Iqama nicht ausrufen

3.3 Voraussetzungen für das Gebet


Voraussetzungen, dass Gebet Pflicht ist:
• Muslim sein
• zurechnungsfähig sein
• man muss Pubertät erreicht haben
Voraussetzung zur Verrichtung des Gebets
• Anbruch der Gebetszeit
• Rituelle Reinheit des Körpers, der Kleidung, des Gebetsplatzes
• Wudu
• Bedeckung der Aurah
• Einnehmen der Gebetsrichtung (Qibla)

3.3.1 Pflichtteile des Gebets


1. Absicht (Niyya)
2. Allahu Akbar (Takbirat-ul-Ihram)
3. Stehen (al-Qiyam)
4. Al-Fatiha
5. Verbeugung (Ruku)
6. Aufrichten nach Ruku (ar-Raf’)
7. Niederwerfung (Sudschud) – Nase, Stirn, Hände, Knie und Zehen berühren den Boden (je Raka 2 x)
8. letztes Sitzen (al Qu’ud ul-Achir) Æ at-Taschahhud
9. Gruß (as-Salam)
10. Einhaltung dieser Reihenfolge

3.3.2 Sunnateile des Gebets


1. Heben der Hände beim Takbirat-ul-Ihram
2. Hände auf oder unter die Brust legen
3. Du’a-ul-Istiftah (Subhanaka-llahumma....)
4. Istiadha und Tasmiya
5. At-Tamin (Amin nach Al-Fatiha)
6. weiterer Qurantext nach Al-Fatiha bei den ersten beiden Rakat
7. At-Takbir bei jeder Positionsveränderung (außer Punkt 9)
8. Lobpreisung Allahs im Ruku
9. Anrufung Allahs beim Aufrichten (sami’allah liman hamidah...)
10. Lobpreisung Allahs bei der Niederwerfung
11. Zwischen beiden Niederwerfungen Du’a um Vergebung
12. erster Taschahhud
13. nach dem letzten Sitzen: Salawat al-Ibrahimiya
14. Sprechen von Bittgebeten vor dem Salam
15. Lobpreisung Allahs nach Beendigung des Gebets mit Salam

3.3.3 Unerwünschte Handlungen


1. Unterlassung eines Sunnateils
2. Spielen an der Kleidung oder am Körper
3. Richten des Blicks in den Himmel, Schließen der Augen
4. Tragen von Kleidern oder Beten an Plätzen, die vom Gebet ablenken könnten
5. Beten auf Friedhöfen, Metzgereien, Schlachthöfen, Müllplätzen, Straße, Bad, auf dem Dach der Kaaba
6. Beten in schmutzigen Kleidern
7. Berühren des Bodens mit den Ellenbogen bei der Niederwerfung
8. direktes Nebeneinanderstellen der Füße (sollen leicht gespreizt sein)
9. bei zweiter Raka: 2.Sure soll im Quran nach der stehen, die in der 1.Raka rezitiert wurde)
10. Sudschud auf Kopftuch oder Hut, die zwischen Stirn und Boden geraten sind
11. Hin- und Herschwanken
12. Gähnen
13. Beten, wenn Essen bereits auf dem Tisch steht
14. Beten bei Harn.- und Stuhldrang
15. Beten bei großer Müdigkeit
16. Beten hinter einer Reihe, die nicht vollständig ist oder eine Lücke hat

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3.3.4 Erlaubte Handlungen
1. Weinen oder Seufzen
2. Drehen des Kopfes (nur im Notfall) Æ Gebet wird ungültig, wenn Oberkörper aus der Gebetsrichtung
weggedreht wird
3. Töten eines gefährlichen Tieres (Schlange oder Skorpion) ohne Unterbrechung des Gebetes
4. Zurücklegen von höchstens drei Schritten (im Notfall)
5. Das Tragen von kleinen Kindern und Säuglingen
6. Korrigieren des Imam bei Fehler
Männer sagen Subhanallah, Frauen klatschen
7. Benutzen eines Qurans, um daraus zu lesen (nach Imam Malik und Asch-Schafi’i)
8. Unterbechung des Gebets in folgenden Fällen:
- um ein gefährliches Tier zu töten
- um dem Ruf der eltern zu folgen, wenn durch Verzögerung Schaden zu befürchten ist
- um Hilferuf zu antworten (z.B. Ausbruch von feuer)
- um Schaden abzuwenden von Menschen und eigentum
- bei Harn- oder Stuhldrang

3.3.5 Handlungen, die das Gebet annullieren


1. Unterlassung einer Voraussetzung oder eines Pflichtteils
2. Essen oder Trinken während des Gebets
3. Vorsätzliches Sprechen von Worten, die nicht zum gebet gehören
4. absichtliche oder unabsichtliche Bewegungen, die nicht mit dem Gebet zusammenhängen
5. lautes Lachen
6. fehlerhafte Rezitation, wenn dadurch der Inhalt der rezitierten Verse eine andere Bedeutung erhält oder
Unglauben ausdrückz
7. bei Betenden, die einem Imam folgen:
- zeitliche Verzögerung um zwei Pflicht-Teile
- zeitlich vorschnelle Durchführung (schneller als Imam)
8. Korrektur eines Imams durch Mamun, der nicht hinter ihm betet Æ Gebet des Mamun wird ungültig;
lässt der Imam sich von einem Mamun korrigieren, der nicht hinter ihm betet, wird auch sein Gebet
ungültig

3.4 Freitagsgebet (Salat-ul-Dschum’a)


• Pflicht für jeden Muslim, der Pubertät erreicht hat. geistig gesund, sesshaft, männlich und in der Lage
ist, zur Moschee zu kommen
• keine Pflicht für Frauen, Kinder, Reisende, Kranke und Pflegekräfte, die ihre Patienten nicht alleine
lassen können, bei akuter Gefahr und extrem schlechten Witterungsverhältnissen
• wird zur Zeit des Mittagsgebets verrichtet, beginnt mit Khutba
Bedingungen für Freitagsgebet
1. Gemeinschaft (Dschama’a)
Größe der Gemeinschaft wird verschieden definiert:
nach allgemeiner Auffassung ab 3 Muslimen, ohne Imam
Imam Asch Schafi’i: ab 40 sesshaften Personen
nach Imam Malik: ab 12 Personen, ohne Imam
2. Gebet muss an besiedelten Orten stattfinden (Asch-Schafi’i), da für Reisende keine Pflicht
Die Freitags-Predigt (al-Khutba)
• Predigt ist Pflicht-Teil des Freitagsgebets
• Predigt wird im Stehen abgehalten; sie muss vor dem freitagsgebet und nach Beginn der Zeit des
Mittagsgebetes stattfinden
• zwei Teile – zwischen erstem und zweitem Teil sitzt der Imam kurz
• keine Pause zwischen Khutba und Gebet
• Predigt soll in der Sprache sein, die von der Mehrheit der Anwesenden verstanden wird
Pflicht-Teile der Freitags-Khutba
• Lobpreisung Allahs (zumindest 1x Alhamdulillah)
• Rezitation eines kurzen Teiles aus dem Quran
• Bittgebet für den Propheten (allahumma salli wa-sallim ‘ala sayyidina muhammad)
• Du’a für die Gläubigen und Ermahnung zur Frömmigkeit (Taqwa)
Verhaltensregeln für den Freitag
• Sunna, Ghusl durchzuführen
• Sunna, Nägel zu schneiden, Zähne zu putzen, gute Kleider anzuziehen und diese zu parfümieren

10
• Sunna, an diesem Tag viele Bittgebete zu sprechen und für den Propheten (s.a.s.) die Gnade und den
Frieden Allahs zu erbitten (allahumma salli wa-sallim ‘ala sayyidina muhammad)
• Sunna, die Sure 18 (Al-Kahf) zu rezitieren
• Sunna, viel im Quran zu lesen und an die Armen zu spenden
Verhaltensregeln für das Gebet und die Khutba
• auf dem Weg in die Moschee oft Takbir sprechen
• in der Moschee nicht nach vorn drängen und sich nicht zwischen zwei bereits Sitzende setzen
• nicht vor Betenden laufen (gilt für alle Gebete)
• nach Möglichkeit 1.Reihe Æ frühzeitig erscheinen
• man muss schweigen, sobald Imam mit Khutba beginnt und ihm konzentriert zuhören
• bei der Erwähnung des Namens des Propheten Muhammad immer den Satz “allahumma salli wa-sallim
‘ala sayyidina muhammad” hinzufügen
• nach dem Freitagsgebet ein Sunna-gebet mit 4 Rakat beten
• nach dem Adhan 2 Rakat (Tahiyat-ul-masdschid)

3.5 Das Totengebet (Salat-ul-Dschanaza)


Besonderheiten des Totengebets:
1. fard kifaya
2. Gebet enthält 4 Takbirat (Heben der Hände + Allahu akbar), wird im Stehen ohne Ruku und
Sudschud verrichtet
3. Leiche muss vor Gemeinde aufgebahrt sein (nicht bei Imam Asch-Schafi’i und Imam Ibn Hanbal, da
der Prophet (s.a.s.) auch das Totengebet für jene sprach, die in entfernten Ländern verstarben
4. der Tote darf kein Schahid sein Æ jemand, der im Kampf für Allah stirbt, wird weder rituell
gewaschen noch wird für sie das Totengebet verrichtet
Verrichtung des Totengebets:
1. bei Totengebet gelten gleiche Voraussetzungen wie für jedes Gebet
2. Imam beginnt das Gebet mit erstem Takbir Æ Gemeinde folgt ihm, jeder rezitiert leise Al-Fatiha
3. Imam spricht zweiten Takbir Æ Gemeinde folgt ihm, jeder rezitiert leise das Bittgebet “al-Salawat al-
Ibrahimiya”
4. Imam spricht dritten Takbir -- > Gemeinde folgt ihm dabei, jeder spricht leise ein Du’a für den Toten.
(Bitte um Vergebung, dass der Tote ins Paradies kommt, vor der Prüfung im Grab bewahrt wird,...)
5. vierter Takbir Æ Gemeinde folgt, jeder spricht leise ein Bittgebet für sich selbst und die Gesamtheit
der Muslime
6. Der Imam und die Gemeinde wenden ihr Gesicht nur nach rechts und beenden somit das Gebet mit
dem Pflicht-Salam

3.6 Sunna-Gebete

3.6.1 Das Witr-Gebet (salat-ul witr)


Sunna muakkada
nach Imam Abu Hanifa Pflicht (wadschib)
Zeit des Witr-Gebets
zwischen Ischaa und Fadschr, soll als letztes Gebet vor dem Schlafengehen verrichtet werden
Anzahl der Raka und Verrichtung
1,3,5,7,9 oder 11 Rakat; die übliche Form ist 3 Rakat
entweder alle drei rakat hintereinander und dann Salam, oder 2 und 1
in der letzten Raka spricht man das Du’a-ul-Qunut, entweder vor oder nach dem Ruku

3.6.2 Gebete vor und nach den Pflicht-Gebeten


Fadschr: 2 vorher
Zuhr: 2 oder 4 vorher oder nachher
‘Asr: 2 oder 4 vorher
Maghrib: zwei nachher, nach Imam Ibn Hanbal und Asch-Schafi’i zusätzlich 2 vorher
Ischaa: 4 vorher und 2 oder 4 nachher

3.6.3 Das Duha-Gebet


2,4 oder 8 Rakat
seine Zeit beginnt, wenn die Sonne ca. 1 ½ Meter über dem Horizont steht – Ende, bevor Sonne im Zenit steht!

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3.6.4 Gebet um die richtige Eingebung (Salat-ul-Istikhara)
man bitte Allah um die richtige eingebung, wenn man in einer wichtigen Situation die bessere Entscheidung
treffen möchte

3.6.5 Das Gebet bei Sonnen- und Mondfinsternis (Salat-ul-Kusuf wal-Khusuf)


dieses Gebet soll in Gemeinschaft verrichtet werden
Zeit: vom Beginn der Sonnen/Mondfinsternis bis zu deren Ende
besteht aus 2 Rakat
der Quran wird hörbar rezitiert und danach eine Predigt gehalten, in der Allah häufig um Verzeihung gebeten
wird
Verrichtung einer Raka:
nach Al-Fatiha wird längerer Abschnitt aus dem Quran rezitiert, danach bleibt man länger als sonst im Ruku,
nach dem Aufrichten erneut Rezitation aus dem Quran (kürzer als zuvor), erneut Ruku (kürzer als zuvor), auch
die zweimalige Niederwerfung erfolgt länger als normal
Æ das einzige Gebet, das zwei Ruku pro Raka hat

3.6.6 Das Gebet für die Bitte um Vergebung (Salat-ut-Tawba)


Gebet besteht aus 2 Rakat, soll nach dem Begehen einer Sünde verrichtet werden

3.6.7 Gebet um Regen (Salat-ul-Istisqa)


2 Rakat, wird in Dürrezeiten gebetet
kein Adhan, keine Iqama
Imam rezitiert hörbar nach Al-Fatiha Sure Al-A’la und in der 2.Raka Sure Al-Ghaschiya
nach dem Gebet Predigt in zwei Teilen (nach Ibn Hanbal einteilig) und Du’a

3.6.8 Tarawih-Gebet
zusätzliches Gebet im Ramadan nach dem Ischaa-Gebet Æ Qiyamu-Ramadan
Sunna muakkada für Männer und Frauen
zwischen Ischaa und Fadschr
besteht aus 8 Rakat, die paarweise in Gemeinschaft verrichtet werden

3.6.9 Tahadschud-Gebet
tahadschud bedeutet “nächtliches Aufstehen” Æ Qiyam-ul-Layl
zwischen Ischaa und Fadschr, am besten ist das letzte Drittel der Nacht
entsprechend der Sunna nicht mehr als 11 Rakat
Regeln für das Tahadschud-Gebet
• Absicht dafür vor dem Schlafengehen
• man beginnt mit zwei kürzeren rakat, dann betet man soviel, wie man will
• man hört auf, wenn man müde oder schläfrig wird
• nicht übertreiben, nur so lange beten, wie man dazu in der Lage ist
• Du’a

3.6.10 Das Festgebet (Salat-ul-‘Id)


bei ‘Id-ul-Fitr (Ende Ramadan) und ‘Id-ul-Adha (Opferfest)
nach den meisten Gelehrten Sunna muakkada
Abu Hanifa: Wadschib
Ibn Hanbal: Fard kifaya
besteht aus 2 Raka, ohne Adhan und Iqama, danach Predigt in 2Teilen
wie normales Gebet – jedoch in 1.Raka, nach Takbirat-ul-Ihram Æ 7 Takbirat, in der 2.Raka, nach dem
Aufstehen und vor der Quranrezitation Æ 5 Takbirat
nach Abu Hanifa: 1.Raka nach Takbirat-ul-Ihram Æ 3 Takbirat, in der 2.Raka nach der Quranrezitation Æ 3
Takbirat
‘Id-ul-Fitr: Zeit des Festgebets (Sunna): wenn Sonne 6 m über dem Horizont steht bis Mittag
‘Id-ul-Adha: wenn Sonne 3 m über dem Horizont steht bis Mittag
Festgebet soll von ALLEN Gläubigen (Frauen, Männer, Kinder) verrichtet werden
wie freitags Æ Körper pflegen, saubere und gute Kleidung, viel Takbirat sprechen, viele Du’a: “Allahu akbar,
allahu akbar, la illaha illa-llah, allahu akbar, allahu akbar, wa-li-llahil-hamd”
Sunna: bei ‘Id-ul-Fitr vor dem Festgebet essen, bei ‘Id-ul-Adha nach dem Gebet essen

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3.7 Verschiedene Punkte zum Gebet

3.7.1 Das Gemeinschafsgebet (Salat-ul-Dschama’a)


Einstufung
1. Imam Ibn Hanbal: Fard-‘Ain (Pflicht für jeden Muslim)
2. die meisten Gelehrten: Fard kifaya
3. Abu Hanifa: Sunna muakkada, jedoch keine Pflicht Æ darf aber nicht grundlos unterlassen werden
Bestimmungen
1. in der Moschee (Sunna); Frauen können daran teilnehmen – nach Sunna aber daheim
2. Gemeinschaftsgebet der Frauen: wenn Imam Frau, so steht sie in Mitte der 1.Reihe
nach Abu Hanifa und Malik ist es erlaubt, aber makruh, dass Frau Gebet leitet
3. Sunna, auch versäumte Gebete in Gemeinschaft nachzuholen
4. Gemeinschaft bereits ab 2 Personen Æ eine davon übernimmt Leitung
5. Imam muss folgende Bedingungen erfüllen:
- männlicher Muslim
- muss Pubertät erreicht haben
- geistig zurechnungsfähig sein
- frei von Krankheiten, die Wudu beeinträchtigen könnten
- den Quran gut rezitieren können
6. wenn außerhalb der Moschee kein Imam vorhanden, leitet derjenige das Gebet, der am besten Quran
rezitieren kann (wenn gleich, zuerst der Frömmere, dann der Ältere)
7. Gemeinschaftsgebet mit 2 Personen: Imam steht links; wenn mehr als zwei Æ hinter Imam; vorne
Männer, dann Kinder, dann Frauen
8. Imam soll bei Länge der Quranrezitation auf Schwächere Rücksicht nehmen
9. Ansicht des Mamun muss Absicht des Imam entsprechen (gleiches Gebet)
10. verboten, dass Mamun den Gebetshandlungen vorauseilt; zeitgleich Æ makruh; SunnaÆ Mamun
wartet, bis Imam eine Gebetshandlung komplett vollzogen hat, dann folgt er
11. betet jemand einzeln und trifft danach auf Gemeinschaftsgebet, ist es Sunna, das Gebet zu
wiederholen (wird als Sunna-gebet gerechnet)
12. muss der Mamun Gemeinschaftsgebet verlassen (zwingender Grund), darf er das Gebet allein zu
ende verrichten
13. Beteiligung an Gemeinschaftsgebet, das durch TV oder Radio übertragen wird, ist nicht zulässig Æ
Mamun und Imam müssen am selben Ort sein
14. Muss Imam Gemeinschaftsgebet verlassen, tritt ein Mamun nach vorne, um Gebet zu Ende zu leiten
15. unerwünscht, dass ein Imam das Gebet leitet, wenn die Gruppe ihn icht mag
16. wenn man zu spät kommt und letzte Reihe ist komplett, darf man nicht alleine dahinter stehen Æ man
muss jemanden aus der letzten Reihe ein Stück nach hintenziehen, um eine neue letzte Reihe zu
bilden
eine Frau darf alleine hinter den Reihen der Männer stehen
Männer und Frauen bilden auf keinen Fall gemischte Reihen
17. kommt man zu spät und Gebet hat schon begonnen, gilt eine Raka als durchgeführ, wenn man mit
Imam die Ruku dieser Raka erreichtÆ Raka gilt als nicht durchgeführt, wenn Imam sich bereits von
ruku erhoben hat
18. kommt man zu spät, muss man die entgangenen Rakt nachholen
19. Teilnahme nicht Pflicht bei schlechter Witterung,Krankheit, Altersschwäche, aus anderen
zwingenden Gründen

3.7.2 Das Reisegebet


1. Verkürzung des Gebets (Qasr) ist Sunna muakkada (Reiseziel mehr als 90 km vom ständigen
Wohnort entfernt)
2. Qasr beginnt, sobald man ständigen Wohnort verlassen hat
3. Verkürzung des Gebets darf am Zielort nach meisten Gelehrten bis zu 4 Tagen durchgeführt werden,
wenn Aufenthaltsdauer bekannt ist (wenn unbekannt, bis zur Abreise)
nach Abu Hanifa bis 15 Tage, wenn Dauer bekannt
4. darf nicht mehr durchgeführt werden, sobald man an ständigen Wohnort zurückgekehrt ist
5. Verkürzung des Zuhr-, ‘Asr – und Ischaa-Gebets auf 2 Rakat, Fadschr und Maghrib werden nicht
verkürzt
Sunna-Gebete werden nicht durchgeführt (außer Fadschr und Witr)
6. Reisende dürfen als Mamun hinter Imam beten und dabei Gebet vollständig verrichten. Reisender
darf als Imam Gebet leiten, ortsansässige Mamun müssen die fehlenden rakat nach Salam des Imam
nachholen
7. Im Notfall darf man Gebet in Fahrzeugen (Auto, Flugzeug, Schiff) verrichten, nach Möglichkeit

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Qibla einhalten

3.7.3 Zusammenlegen von 2 Gebeten (al-Dscham’)


Dscham’ Taqdim: Zusammenlegung und zeitliches Vorziehen Æ Zuhr und ‘Asr in Zeit des Zuhr-Gebets;
Maghrib und Ischaa un Zeit des Maghrib
Dscham’ Taachir: Zusammenlegen und zeitliches Verschieben Æ Zuhr und ‘Asr in Zeit des ‘Asr-Gebets;
Maghrib und Ischaa in Zeit des Ischaa-Gebets
Erlaubnis zum Zusammenlegen:
1. in Arafat und Muzdalifa während der Hadsch (mit Verkürzung)
2. auf Reisen (Dscham’ Taqdim oder Dscham’ Taachir)
3. bei schlechter Witterung beim Gemeinschaftsgebet in der Moschee
4. in zwingenden Notfällen und bei Krankheit
- in nichtislamischen Ländern kann Dscham’ erlaubt werden, wenn am Arbeitsplatz keine
Möglichkeit zum Verrichten des Gebets besteht Æ man muss sich aber bemühen, eine
Möglichkeit zu finden (bzw. anderen Arbeitsplatz)
- in Ländern, in denen die Zeit des Ischaa-Gebets sehr spät anbricht (nördl.Breiten im Sommer)
Æ hier darf man Maghrib und Ischaa zusammen verrichten, um Beschwerlichkeiten zu
vermeiden
- nach Abu Hanifa darf Dscham’ nur während der Hadsch durchgeführt werden

3.7.4 Das Gebet des Kranken


wenn man die Gebetshandlungen aus gesundheitlichen Gründen nicht oder nur eingeschränkt vollziehen kann,
muss man je nach Möglichkeit die Bewegungen zumindest andeutungsweise vollziehen (sitzend, liegend, mit
den Augen, in Gedanken)
Pflicht besteht für alle Muslime, die geistig noch dazu in der Lage sind, die Gebetstexte zu sprechen oder zu
denken

3.7.5 Nachholen von versäumten Gebeten (al-Qadaa)


1. Gebete, die absichtlich unterlassen werden, müssen vollständig nachgeholt werdn, nachdem man
bereut hat
2. bei weniger als 5 versäumten Gebeten werden diese entsprechend der zeitlichen Reihefolge
nachgeholt; Reihenfolge darf aufgrund des Gemeinschaftsgebets unterbrochen werden
3. versäumte Gebet während Menstruation und Wochenbett müssen nicht nachgeholt werden
4. geistig kranke und Bewusstlose müssen Gebet nicht nachholen, wenn dieser Zustand eine ganze
Gebetszeit oder mehr andauert

3.7.6 Niederwerfung des Versehens (Sudschud-us-Sahu)


besteht aus zwei Niederwerfungen
Beispiele für mögliche Fehler:
• Salam vor Ende des Gebets Æ Gebet wird unmittelbar danach vervollständigt und
• Betender ist sich nicht sicher, wieviel Rakat er gebetet hat Æ er geht von der niedrigeren Zahl aus,
vervollständigt das Gebet
• es werden mehr Rakat als vorgeschrieben verrichtet
in diesen Fällen ist Sudschud-us-Sahu Pflicht

in folgenden Fällen ist Sudschud-us-Sahu Sunna:


• der Betende vergisst eine Sunna-Handlung
• der Betende vergisst nach der 2.Raka das erste Sitzen und will aufstehen
zwei Möglichkeiten:
- wenn man noch sitzt bzw. näher zur Sitzstellung ist, geht man in Sitzstellung zurück
- wenn man bereits steht bleibt man stehen

Durchführung von Sudschud-us-Sahu


vor dem Salam: man rezitiert Taschahhud, Salawat al-Ibrahimiya, Du’a, dann Allahu akbar und zwei
Niederwerfungen, dann Salam
nach dem Salam: man rezitiert Taschahhud, Salam nach rechts, Allahu akbar, zwei Niederwerfungen,
nochmals Taschahhud, Salawat al-Ibrahimiya, Du’a, Salam nach rechts und links
Verschiedenes dazu:
• wer trotz Fehlers absichtlich keinen Sudschud-us-Sahu macht, muss Gebet wiederholen
• wer Sudschud-us-Sahu vergisst und sich erst später daran erinnert, muss Gebet nicht nachholen

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• wenn beim Gemeinschaftsgebet nur der Mamun einen Fehler macht, muss kein Sudschud-us-Sahu
durchgeführt werden
• wenn Imam Fehler macht, muss der Sudschud-us-Sahu von Imam und Gemeinde durchgeführt werden
• wenn Imam darauf vergisst, muss ein Mamun ihn darauf aufmerksam machen
• wenn Imam vergisst und trotz Ermahnung nicht Sudschud-us-Sahu macht, muss Mamun diesen alleine
durchführen

3.7.7 Niederwerfung bei der Quranrezitation (Sudschud-ut-Tilawa)


eine Niederwerfung
nach Imam Abu Hanifa Pflicht, nach den anderen gefährten Sunna
bei:
Sure Al-A’araf 7:206
Ar-Ra’d 13:15
An-Nahl 16:50
Al-Isra’ 17:107
Maryam 19:58
Al-Hadsch 22:18
Al-Hadsch 22:77 (nur nach Imam Asch-Schafi’i)
Al-Furqan 25:60
As-Sadschda 32:15
Sad 38:24 (nach Imam Asch-Schafi’i nicht Sudschud-ut-Tilawa, sondern Sudschud-usch-Schukr)
Fussilat 41:37
An-Nadschm 53:62
Al-Inschiqaq 84:21
Al-‘Alaq 96:19
die Verse von Sudschud-ut-Tilawa sind meist mit “Sadschda” am Rand gekennzeichnet
nach Imam Asch-Schafi’i wird Gebet ungültig, wenn man während Rezitation im Gebet bei Sure Sad Sudschud-
ut-Tilawa praktiziert
Voraussetzung
Wudu
Qibla
Bedeckung der Aurah
Durchführung
Allahu akbar, Hände in Höhe der Schultern, dann direkt in die Niederwerfung, in der man Bittgebete spricht,
Allahu akbar, Oberkörper heben

3.7.8 Die Moschee (al-Masdschid)


Die Moschee ist das Haus Allahs, man ist also beim Moscheebesuch Allahs Gast.
Verhaltensregeln:
1. auf dem Weg in die Moschee Du’a sprechen
2. Moschee mit rechtem Fuß zuerst betreten
3. vor dem Hinsetzen 2 Raka beten (Tahiyat-ul-Masdschid)
4. in der Moschee auf Sauberkeit achten
5. vor dem Besuch weder Knoblauch noch Zwiebel essen
6. nicht laut sprechen, auch Quran soll nicht zu laut rezitiert werden
7. so oft wie möglich in Moschee gehen

4 Das Fasten (As-Siyam)


Definition: rituelles Fasten ist absichtliche und bewusste Enthaltsamkeit des Körpers von allen Handlungen, die
das Fasten ungültig machen, in der Zeit vom ersten Morgenlicht bis Sonnenuntergang
eine der fünf Säulen
Einführung des Fastens:
1.Phase: das freiwillige Fasten wurde empfohlen; durch Speisung eines Bedürftigen konnte man die
Empfehlung zum Fasten erfüllen
2.Phase: Fasten wurde zur Pflicht; Reisende und Kranke durften aussetzen und nachfasten
3.Phase: Erleichterung folgte, da essen, trinken, Geschlechtsverkehr zwischen Sonnenuntergang und erstem
Morgenlicht erlaubt wurde Æ in 1. und 2.Phase war dies nur bis zum Schlafengehen erlaubt, zwischen
Aufstehen und Fastenbeginn nicht mehr
nach allen Gelehrten fällt derjenige vom Glauben ab, der die Notwendigkeit des Pflicht-Fastens abstreitet

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4.1 Ramadan-Beginn und Ramadan-Ende
Ramadan ist der 9.Monat des islamischen Mondkalenders.
zwei Methoden zur Bestimmung des Beginns:
1. durch Sichtung
bei Sichtung des Ramadan-Neumondes kurz vor Sonnenuntergang am 29.Scha’ban beginnt am
folgenden Tag der Ramadan; Einsatz von Teleskopen erlaubt
zur Festlegung des Beginns genügt es, wenn ein einziger vertrauenswürdiger Muslim den Ramadan-
Neumond sichtet
Sichtung ist Fad kifaya
2. durch Berechnung
wenn Sichtung wegen schlechter Witterungsverhältnisse nicht möglich, berechnet man Monat
Scha’ban mit 30 Tagen und beginnt dann mit dem Fasten
Ramadan-Ende
1. durch Sichtung
bei Sichtung des Schawwal-Neumondes am 29.Ramadan endet der Ramadan am nächsten Tag Æ von
2 vertrauenswürdigen Muslimen
2. durch Berechnung
ist Sichtung nicht möglich endet der Ramadan nach 30 Tagen

• meiste Gelehrte vertreten die Ansicht, dass alle Muslime weltweit gemeinsam Fastenmonat beginnen
und beenden sollen
• für Festlegung genügt Sichtung in irgendeinem Land
• Berechnung mit modernen Methoden:
- Befürworter: gewährleisten den Sinn der Sichtung
- Gegner: gottesdienstliche Handlungen sollen ausschließlich nach authentischen Texten
praktiziert werden Æ Sichtung des Neumondes

4.2 Voraussetzung des Fastens (Schurut-us-Siyam)


Voraussetung zur Pflicht:
• man muss Muslim sein
• muss zurechnungsfähig sein
• muss Pubertät erreicht haben
• muss fähig sein, das Fasten zu ertragen
Kinder, alte Menschen, Kranke und geistig Behinderte unterliegen nicht dieser Pflicht
Kinder ab 7 Jahren sollen mit dem Fasten vertraut gemacht und stufenweise daran gewöhnt werden
Voraussetzung zur Gültigkeit
• man muss Muslim sein
• Kinder Æ müssen über Unterscheidungsvermögen verfügen
• Frauen Æ müssen rituell rein sein
• Fasten an den erlaubten Tagen

4.3 Pflicht-Teile des Fastens (Arkan-us-Siyam)


1. Absicht
beim Pflichtfasten: Absicht wird zwischen Abend und erstem Morgenlicht gefasst
beim freiwilligen Fasten: Absicht zwischen Abend des Vortages und Mittag
2. Enthaltsamkeit von allen Handlungen, die das Fasten brechen
a) orale Zuführung von Substanzen (essen, trinken, rauchen)
b) Zuführung von nährhaltigen Substanzen auf andere Weise (Infusion); Spritzen und
Medikamente ohne Nährwert annullieren das Fasten nicht
c) absichtliches Erbrechen
d) Selbstbefriedigung (Samenerguss im Schlaf beeinträchtigt das Fasten nicht)
e) Geschlechtsverkehr
Das absichtliche Vollziehen dieser Handlungen macht das Fasten ungültig. Die Übertretung von a.) aus
Vergesslichkeit oder Versehen macht das Fasten nicht ungültig.

4.4 Ausnahmeregeln für das Fasten


1. Menstruierende und Wöchnerinnen dürfen nicht fasten; versäumte Tage müssen nachgeholt werden.
Frauen im Zustand der Istihada dürfen fasten
2. Reisende und Kranke dürfen aussetzen Æ versäumte Tage müssen nachgeholt werden. Ausnahme für
Reisende gilt nur, wenn Abreise vom Wohnort vor dem Morgenlicht erfolgt

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3. Schwangere und Stillende dürfen aussetzen, wenn Bedenken für die Gesundheit besteht Æ nachholen
4. alte Menschen und chronisch Kranke Æ müssen nicht nachholen, jedoch für jeden Tag einen Armen
speisen
5. geistig Behinderte und Kinder, die Pubertät noch nicht erreicht haben

4.5 Folgen bei Nichtbeachtung der Fastenpflicht


1. Muslime, die aus Vergesslichkeit essen oder trinken fasten den Tag zu Ende und müssen diesen Tag
nicht nachfasten
2. Muslime, die versehentlich das Fasten zu spät beginnen oder zu früh beenden müssen diesen Tag
nachholen, haben aber keine Kaffara (Sühne) zu leisten
3. Bewusstlose Æ nachfasten, keine Kaffara
4. beim vorsätzlichen Brechen des Fasten im Ramadan: Fasten nachholen, keine Kaffara, da diese
Sünde so schwer ist, dass sie durch nichts gesühnt werden kann und deshalb von Allah sehr hart
bestraft wird
5. Muslime, die das Fasten im Ramadan durch Geschlechtsverkehr brechen, müssen den Tag zu Ende
fasten
Männer müssen zusätzlich Kaffara leisten (nach Imam Abu Hanifa auch Frauen)

4.6 Nachholen von Fastentagen (Qadaa-us-Siyam)


• versäumte Fastentage können vom Ende des Ramadans bis zum Beginn des nächsten Ramadans
nachgeholt werden
• es ist wünschenswert, die Tage hintereinander nachzuholen
• wenn man versäumte Tage ohne zwingenden Grund nicht bis zum nächsten ramadan nachgeholt hat,
muss man diese Tage danach nachholen und Kaffara (je Tag Speisung eines Bedürftigen) leisten
• stirbt man und man hat diese Tage ohne zwingende Gründe nicht nachgeholt, zählt das Versäumnis als
Sünde Æ wünschenswert, dass nächste Verwandte und Erben die tage des Verstorbenen nachholen

4.7 Erlaubtes während des Fastens (Mubahat-us-Siyam)


1. vollständiges Eintauchen des Körpers in Wasser
2. Gebrauch von Augen-, Ohren- und Nasentropfen, Khul, Hautcreme, Hautöl
3. Ausspülen von Mund und Nase, Zahnpflege mit Zahnbürste und Paste oder Siwak (versehentliches
Schlucken von etwas Wasser beeinträchtigt das Fasten nicht)
4. Küssen oder Streicheln des Ehepartners, wenn man sich kontrollieren kann
5. Blutentnahme, Blutspende, Aderlass
6. Darmeinlauf
7. Einatmen von Staub und Riechen von Parfüm
8. Abschmecken von Mahlzeiten (ausspucken!)
9. Schlucken des eigenen Speichels
10. Beginn des Fastens im Zustand der Dschanaba (Pflicht von Ghusl und Fadschr-gebet vor
Sonnenaufgang)

4.8 Verhaltensregeln beim Fasten (Adab-us-Siyam)


1. Suhur: Mahlzeit zwischen Mitternacht und Morgenlicht
2. Sofortiges Fastenbrechen nach Sonnenuntergang
nach Sunna mit ungerader Zahl von Datteln, wenn nicht vorhanden mit Wasser Æ danach verrichtet
man Maghrib-Gebet, danach wird gegessen
3. Du’a vor und nach dem Essen
4. Unterlassung sämtlicher Handlungen, die Sinn des Fastens zuwiderlaufen
Schulung des Charakters, Stärkung der Gottesfurcht Æ Enthaltsamkeit mit allen fünf Sinnen
nichts Schlechtes tun, sehen, hören, sprechen, denken
5. Häufiges Rezitieren des Quran und Verrichtung guter Taten
6. Beachtung der Sunna-Gebote, insbesondere Tarawih-Gebet, Itikaf
7. Putzen der Zähne mit Siwak
8. erlaubte Handlungen während des Fastens sollten nur in Notfällen durchgeführt werden
(Abschmecken von Essen, Ghusl nach Morgenlicht, Blutspende,...)
9. Essen und Trinken bis kurz vor Anbruch des Morgenlichts

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4.9 Arten des Fastens

4.9.1 Pflichtfasten im Ramadan

4.9.2 Fasten als Gelübde


Ablegen eines Schwurs mit Bedingung widerspricht der Sunna; wer jedoch Gelübde ablegt, eine gewisse Zeit zu
fasten, muss dies auch tun

4.9.3 Fasten als Sühne (Kaffara)


verschiedene Möglichkeiten, immer die Erstgenannte zuerst, wenn diese nicht möglich ist, die nächste ...
1. Kaffara für versehentlichen Totschlag:
wenn Toter Muslim: - Befreiung eines gläubigen Sklaven
- Zahlung von Blutgeld
wenn Toter Feind: - Befreiung eines gläubigen Sklaven
- zweimonatiges ununterbrochenes Fasten
2. Kaffara für vorsätzliches Fastenbechen durch Geschlechtsverkehr:
- Freilassung eines Sklaven
- zweimonatiges ununterbrochenes Fasten
- Speisung von 60 Bedürftigen
3. Kaffara für Meineid:
- dreitägiges Fasten
- Speisung von 10 Bedürftigen
4. Kaffara als Ausgleich für denjenigen, der kein Tier opfern kann:
- 3tägiges Fasten während der Hadsch UND
- 7tägiges Fasten nach der Rückkehr
5. Kaffara für Zihar
Sitte der vorislamischen Araber, die sich von ihren Frauen mit den Worten “du bist mir wie der
Rücken meiner Mutter” scheiden ließen
- Befreiung eines Sklaven
- zweimonatiges ununterbrochenes Fasten
- Speisung von 60 Bedürftigen

4.9.4 Verbotenes Fasten


1. Fasten am 1.Tag von ‘Id-ul-Fitr und am 1.Tag von ‘Id-ul-Adha
2. Fasten an den Taschriq-Tagen (2., 3. und 4. Tag des Opferfestes)
3. eintägiges Fasten am Freitag (außer man fastet auch am Donnerstag oder Samstag)
4. eintägiges Fasten am Samstag (außer man fastet auch einen Tag davor oder danach)
5. Fasten in der 2.Hälfte des Scha’ban Æ ausgenommen ist gewohnheitsmäßiges Fasten (z.B. am
Montag und Donnerstag)
6. Fasten am 30.Scha’ban
7. Fasten während der Hadsch am Tag von Arafat (wenn man sich in Arafat befindet)
8. Sunna-Fasten für Frauen ohne Zustimmung des Ehemannes
9. mehrtägiges ununterbrochenes Fasten
10. ständiges Fasten über einen längeren Zeitraum hinweg
11. Fasten für Menstruierende und Wöchnerinnen
12. Fasten für Kranke, reisende, Stillende, Schwangere und alte Menschen ist unerwünscht, wenn es die
Gesundheit beeinträchtigt

4.9.5 Sunna-Fasten
1. Fasten an 6 Tagen im Schawwal
2. Fasten an den ersten 9 Tagen von Dhul-Hidscha
3. Fasten am Tag von Arafat für jene, die nicht an Hadsch teilnehmen
4. Fasten im Muharram
5. Fasten am Aschura-Tag (10.Muharram)
6. Fasten jeden Montag und Donnerstag
7. Fasten an 3 Tagen im Monat (13., 14., 15.)
8. Fasten an abwechselnden Tagen
9. das häufige Fasten im 1., 7., 11., und 12. Monat (Muharram, Radschab, Dhul-Qada, Dhul-Hidscha)
10. häufiges Fasten im Monat Scha’ban
beim Sunna-Fasten ist die Unterbrechung des Fastens während des Tages erlaubt; man sollte diesen Tag dann
aber nachholen

18
4.10 Das Tarawih-Gebet
zur Zeit des Propheten (s.a.s.) und nach seinem Tod verrichteten die Gefährten das Tarawih-Gebet wahlweise in
der Moschee oder zu Hause
Umar Ibn-al-Khattab ließ das Tarawih-Gebet täglich in der Moschee verrichten
Die Anzahl der Raka beträgt nach der Sunna nicht mehr als 8 (+ 3 Witr)
Hanafitenund die meisten Hanbaliten beten heute 20 Raka beim Tarawih-Gebet

4.11 Lailat-ul-Qadr
beste Nacht des Jahres; eine der ungeraden Nächte der letzten 10 Nächte des Ramadans
nach den meisten Gelehrten die Nacht des 27.Ramadans (also Nacht von 26. auf 27.)

4.12 Das Zurückziehen in die Moschee (al-I’tikaf)


Zurückziehen in die Moschee, um sich völlig dem Gottesdienst zu widmen
Muhammad (s.a.s.) zog sich bis zu seinem Tod die letzten 10 Tage des Ramadan in die Moschee zurück, im
Jahr seines Todes übte er 20 Tage I’tikaf
Voraussetzungen
- man muss Muslim sein
- man muss rituell rein sein
- Absicht für I’tikaf fassen
während des I’tikaf verlässt man Moschee nur für Notfälle (Beerdigung oder Krankenbesuch ist kein Notfall)
gemäß Sunna vollzieht Mann I’tikaf ind er Moschee, Frau zieht sich im Haus zurück
man soll während dieser Zeit
- nur Gutes sprechen,
- viel Quran lesen,
- freiwillige Gebete verrichten
- Du’a sprechen
- Allah um vergebung bitten
- um Gnade und Frieden für Muhammad (s.a.s.) bitten
Ehepartner dürfen während dieser zeit keinen Geschlechtsverkehr haben

5 Die Zakat
Definition im Quran:
1. genau festgelegter Anteil der Vermögensmasse, dessen Abgabe an bestimmte Personengruppen von
Allah befohlen wurde
2. Zakat als aktive Handlung des vorgeschriebenen Abgebens
eine der fünf Pflicht-Teile (Rukn) des Islam
soziale Pflichtabgabe, Zakatempfänger haben Rechtsanspruch darauf (ökonomisches Recht der Armen)
jeder Muslim, der Pflicht zur Zakat leugnet, fällt vom Glauben ab
Die Zakat vermehrt das Vermögen vor Allah, während das Zinsnehmen (Riba) es vermindert
Vorschrift zur Entrichtung bereits in Mekka erlassen, zum ersten Mal in Medina praktiziert

5.1 Ziele der Zakat


• gottesdienstliche Handlung, wird im Quran 28 mal erwähnt (z.B.: 2:43, 4:162, 5:55, 21:73)
• wichtigstes Ziel ist bewusste Durchführung der vorgeschriebenen gottesdienstlichen Handlung
• Rechtsanspruch der Bedürftigen auf Eugentum der Zakat-Zahlungspflichtigen Æ konstituierendes
Element der Finanz- und Sozialordnung des islamischen Staates
• Streben nach sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit
• gerechte Einkommensverteilung

5.1.1 Ökonomische und moralische Auswirkungen auf Zakatpflichtige


• Schutz vor negativen Charaktereigenschaften (59:09)
• verantwortungsbewusster Umgang mit Vermögen (2:274; 3:133-134)
• Schutz vor Überbewertung des Diesseits (34:39)

5.1.2 Ökonomische und moralische Auswirkungen auf Zakatempfänger


• Befreiung von materieller Abhängigkeit Æ Hilfe zum Lebensunterhalt
• Schutz vor negativen Charaktereigenschaften (Neid, Missgunst, Hass)

19
5.1.3 Ökonomische und moralische Auswirkungen auf die Gesellschaft
• Sozialfürsorge auf Basis der Gleichheit (nicht Bittsteller und Spender, sondern gleichberechtigte
Partner)
Peinlichkeiten des hiesigen Systems werden vermieden wie z.B.:
- Abhängigkeit von Laune und Großmut des Spenders
- Verletzung der Gefühle des Empfängers
Verpflichtung zur Dankbarkeit gegenüber dem Spender
• Förderung des sozialen Friedens Æ durch Pflicht zur Umverteilung werden soziale Unterschiede
verringert; Sozialneid wird vorgebeugt
• Schaffung von Arbeitsplätzen Æ Zakatbeamte
• Förderung der Konjunktur Æ um durch Investitionen Gewinn zu erzielen, um allmählicher Abnahme
des Vermögens durch Zakat-Pflicht entgegenzuwirken; ständige Umverteilung fördert Geldumlauf;
Æ Unterstützung der Armen führt zur Steigerung deren Kaufkraft und damit Ankurbelung der
Konjunktur
• Förderung der Ethik und Moral
- Vorbeugung gegen Unzucht durch Recht auf Zakat für minderbemittelte Ehewillige
- Vorbeugung gegen Bettelei
- Vorbeugung gegen Kurzschlusshandlungen wegen sozialer Missstände
- Vorbeugung gegen Abstieg ins kriminelle Milieu wegen sozialer Not
- Vorbeugung gegen Streit und Unfrieden wegen sozialer Unterschiede
• Unterstützung der kommunalen Selbstverwaltung
Zakat wird dort verteilt, wo sie eingezogen wird

5.2 Voraussetzungen der Zakat


Voraussetzung, die Person zakatpflichtig machen
• muss Muslim sein
• man muss Pubertät erreicht haben
• zurechnungsfähig sein (für Minderjährige und gesitig behinderte verwaltet Wali das Vermögen)
Voraussetzungen, die Vermögensmasse zakatpflichtig machen
• Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt Æ als zakatpflichtige Eigentümer gelten nur
natürliche Personen
• Wachstumsfähigkeit Æ muss vermehrungsfähig sein, Gewinn abwerfen
• Überschreiten des Nisab
Æ Nisab definiert das Minimum an Vermögensmasse, ab dem Zakat-Pflicht beginnt
Nisab ist unterschiedlich je nach Vermögenswert (Immobilien, Viehbestand, Gold,..)
Vor Vergleich des Vermögenswertes mit festgelegtem Nisab darf Folgendes abgezogen werden:
- Ausgaben für Grundbedürfnisse, Aus- u. Weiterbildung, Berufstätigkeit
- Ausgaben für Tilgung von Schulden
Æ Abzüge dienen nur zur Feststellung des Nisab; zur Berechnung der Zakat wird Gesamtvermögen
herangezogen
• Fälligkeit der Abgabepflicht
für unterschiedliche Vermögenswerte – unterschiedliche Abgabetermine
z.B.: Viehzucht, Handel Æ ein Mondjahr nach Erwerb
Gewinne aus Landwirtschaft und Bodenschätzen Æ sofort zakatpflichtig

5.3 Zakatpflichtige Vermögenswerte

5.3.1 Zakat auf Viehbestand


Voraussetzungen, die Viehbestand zakatpflichtig machen
• Überschreiten des Nisab
je nach Tierart unterschiedlich
• Fälligkeit der Abgabefrist Æ einmal pro Mondjahr
• Überschreiten des Mindestbesitzzeitraumes (mind. 1 Jahr)
• Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
• Nutzart der Tiere Æ nur Weidetiere unterliegen der Zakatpflicht
gemästete und regelmäßig gefütterte Tiere sind nicht zakatpflichtig, da Zakat von deren Verkaufserlös
entrichtet wird
Beispiele:
Zakat auf Schafe:

20
Nisab 40 Tiere
40 – 120 Tiere Æ Zakat 1 Schaf (weiblich)
121 – 200 Tiere Æ 2 Schafe
201 – 299 Tiere Æ 3 Schafe ...
Zakat auf Rinder:
Nisab 30 Tiere
30 Æ ein 1jähriger Bulle
40 Æ eine zweijährige Kuh
60 Æ zwei 1jährige Bullen
70 Æ zwei 1jährige Bullen und eine zweijährige Kuh
80 Æ zwei 2jährige Kühe ....
Zakat auf andere Tiere:
• frei weidende Zuchtpferde: ohne Nisab zakatpflichtig; pro Pferd 2,5% des aktuellen Schätzwertes
Pferde, die nicht für den Handel bestimmt sind, unterliegen nicht der Zakatpflicht
• Kamele: Nisab 5 Tiere; für die ersten 24 Tiere wird Zakat mit anderen Tieren entrichtet; z.B. Schafe
• andere frei weidende Tiere: zakatpflichtig; nach meisten Gelehretn 2,5% des Gesamtwertes der Tiere
Zakat auf Tiere mit mehreren Besitzern:
verschiedene Ansichten der Gelehrten
Abu Hanifa: jeder Eigentümer muss mit seinem Anteil den Nisab überschreiten
Asch-Schafi’i: Nisab wird für alle Tiere gemeinsam festgelegt; Anteil auf Eigentümer aufgeteilt, wenn folgende
Bedingungen erfüllt sind:
- gemeinsame Unterbringung
- Mindestdauer der gemeinsmaen Unterbringung, Versorgung und Pflege 1 Jahr
- Gesamtzahl der Tiere muss Nisab überschreiten
- alle Eigentümer müssen Voraussetzungen erfüllen, die zakatpflichtig machen
Bedingungen für Tiere, die als Zakat entrichtet werden:
• Unversehrtheit (nicht alt oder krank)
• vorgeschriebenes Geschlecht muss eingehalten werden
• vorgeschriebenes Alter
• durchschnittliche Qualität

5.3.2 Zakat auf tierische Produke


Zakat auf Honig: nach Ibn Hanbal und Abu Hanifa Zakatpflicht; 10% des Produktes bzw. Verkaufswertes,
abzüglich Unkosten für Erhaltung der Tiere Æ kein Nisab
Zakat auf andere tierische Produkte: (Fleisch, Milch, Seide, Eier, Wolle,...) Æ wird durch Qiyas zum Honig
festgelegt; also 10% des Verkaufswertes, wenn nicht bereits Zakat für die Tiere bezahlt wurde

5.3.3 Zakat in der Landwirtschaft


siehe [6:141]
und folgenden Hadith:
“Und von dem, das durch Regen, Wasserquellen oder Gießbäche getränkt wird, sollt ihr ein Zehntel (als Zakat)
geben. Von dem Bewässerten jedoch die Hälfte des Zehntels (also 5%)” (überliefert von allen 6, außer Muslim)
5.3.3.1 Zakat auf landwirtschaftliche Produkte
alle Erträge, die durch Bodenbestellung und Ackerbauerzielt wurden, sind zakatpflichtig
Voraussetzungen:
• Überschreiten des Nisab Æ 653 kg
• Fälligkeit der Abgabepflicht (sofort zakatpflichtig)
• Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
Zakat für landwirtschaftliche Produkte abhängig von jeweiligen Produktionsbedingungen:
• 10% von allen Erträgen, wenn nichts investiert wurde (z.B. natürliche Bewässerung)
• 5% von allen Erträgen bei künstlicher Bewässerung
• 7,5%, wenn halbes Jahr künstlich bewässert wurde
bei Erträgen aus künstlich bewässerten Feldern dürfen Kosten für Bewässerung nicht abgezogen werden
5.3.3.2 Zakat für landwirtschaftlich genutztes Pachtland
Gewinne und Erträge zakatpflichtig; Bestimmungen hängen von Zahlungsmodus ab
wenn gegen Abgabe bestimmten Ertragsanteils verpachtet:
Eigentümer und Pächter sind getrennt zakatpflichtig, wenn sie Nisab erreichen
nach Asch-Schafi’i: gemeinsam zakatpflichtig
wenn Land gegen bestimmten Betrag verpachtet:

21
getrennt zakatpflichtig, wenn sie Nisab erreichen
Pächter entrichtet Zakat für Erträge, Verpächter für Pachteinnahmen

5.3.4 Zakat für Lohn, Gehalt und Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit
nach meisten Gelehrten zakatpflichtig
Voraussetzungen, die diese Einnahmen zakatpflichtig machen
1. Überschreiten des Nisab: wenn Einnahmen aktuellen Wert von 85 g Gold übersteigt
2. Fälligkeit der Abgabefrist Æ entweder 1x pro Jahr oder sofort
3. Überschreiten des Mindestbesitzzeitraumes Æ nur bei jährlicher Zahlung muss man 1 Jahr im Besitz
sein
4. Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
Die Zakat beträgt dan 2,5 % der Gesamteinnahmen

5.3.5 Zakat auf Bodenschätze


alle Bodenschätze sind zakatpflichtig
Voraussetzungen, die Bodenschätze zakatpflichtig machen
1. Überschreiten des Nisab (nach Abu Hanifa kein Nisab); nach den meisten Gelehrten entspricht der
Nisab dem Nisab von Silber oder Gold
2. Fälligkeit der Abgabefrist Æ sofort nach Förderung
3. Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
nach Abu Hanifa: 20% des Produktes bzw. Verkaufswertes
nach meisten anderen Gelehrten 2,5%

5.3.6 Zakat auf Aktien


Aktien-Handel ist erlaubt, da keine Zinsgewinne erzielt werden
Voraussetzungen, die Aktien zakatpflichtig machen
1. Überschreiten des Nisab Æ aktueller Wert von 85g Gold
2. Fälligkeit der Abgabefrist Æ 1 Mondjahr
3. Überschreiten des Mindestzeitraumes (mind.1Jahr)
4. Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
Zakat beträgt 2,5% des aktuellen Marktwertes inkl. Gewinn; sollte AG bereits Zakat für diese Aktien gezahlt
haben, werden diese Aktien kein zweites Mal durch Zakat belastet

5.3.7 Zakat auf Wertpapiere


Handel mit Wertpapieren ist HARAM, weil Zinsgewinne erzielt werden
obwohl Handel verboten ist, besteht Zakatpflicht !!!
Voraussetzungen, die Aktien zakatpflichtig machen
1. Überschreiten des Nisab Æ aktueller Wert von 85g Gold
2. Fälligkeit der Abgabefrist Æ 1 Mondjahr (nach den meisten Gelehrten)
3. Überschreiten des Mindestzeitraumes (mind.1Jahr)
4. Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
2,5% des Nennwertes ohne Zinsen; Zinsen müssen an rechtmäßigen Eigentümer zurückerstattet werden, wenn
dieser nicht gefunden werden kann, werden Zinsen an Arme verteilt

5.3.8 Zakat auf Immobilien und Grundvermögen


nach meisten Gelehrten zakatpflichtig
Voraussetzungen, die solche Vermögenswerte zakatpflichtig machen
1. Überschreiten des Nisab Æ aktueller Wert von 85g Gold
2. Fälligkeit der Abgabefrist Æ unterschiedlich bei versch. Berechnungsmethoden
3. Überschreiten des Mindestbesitzzeitraumes Æ unterschiedlich bei versch. Berechnungsmethoden
4. Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
Methoden zur Berechnung:
• aktueller Marktwert und Gesamtgewinn werden addiert, von Gesamtsumme einmal pro Jahr 2,5%
Zakat
• nur vom Gesamtgewinn sofort 2,5%
• nur vom Gesamtgewinn einmal pro Jahr 5% (nach meisten Gelehrten bevorzugt)
• nur vom Gesamtgewinn einmal pro Jahr 10%

5.3.9 Zakat auf Gold und Silber


vgl: [9:34]

22
Voraussetzungen, die Gold und Silber zakatpflichtig machen
1. Überschreiten des Nisab Æ Nisab von Gold: aktueller Wert von 85g Gold; Nisab von Silber
entspricht aktuellem Wert von 595 g Silber
2. Fälligkeit der Abgabefrist Æ 1 Mondjahr
3. Überschreiten des Mindestzeitraumes (mind.1Jahr)
4. Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
Zakat für Gold und Silber beträgt 2,5% vom Gesamtwert

5.3.10 Zakat auf Kapitalvermögen


wird durch Qiyas zu Gold und Silber festgelegt
Voraussetzungen, die Kapitalvermögen zakatpflichtig machen
1. Überschreiten des Nisab Æ aktueller Wert von 85g Gold
2. Fälligkeit der Abgabefrist Æ 1 Mondjahr
3. Überschreiten des Mindestzeitraumes (mind.1Jahr)
4. Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
Zakat für Kapitalvermögen beträgt 2,5% vom Gesamtbetrag

5.3.11 Zakat für Schmuck und Dekorationsartikel


1. Dekorationsartikel aus Silber und Gold sind HARAM; unterliegen trotzdem der Zakatpflicht, weil
man vermeiden will, dass ihr Besitz missbraucht wird, um Zakat zu umgehen.
2,5% des aktuellen Gold- bzw. Silberwertes; sollte Marktwert des Gegenstandes höher sein, 2,5% des
Marktwertes des Gegenstandes
2. Schmuck für Männer, außer Silberringe, ist haram, trotzdem Zakatpflicht (siehe 1)
3. Schmuck für Frauen, außer Gold und Silber, ist zakatfrei
4. Gold- und Silberschmuck für Frauen ist halal
nach Imam Malik, Ibn Hanbal und Asch-Schafi’i zakatfrei; außer, er ist in großen Mengenvorhanden
nach Abu Hanifa zakatpflichtig, unterliegt den gleichen Bestimmungen wi eGold und Silber
5. Schmuck als Handelsware ist zakatpflichtig

5.3.12 Zakat auf Handelswaren


Voraussetzungen, die Handelswaren zakatpflichtig machen
1. Absicht: Kauf und Verkauf müssen mit der konkreten Absicht des Handels stattfinden
2. Überschreiten des Nisab Æ aktueller Wert von 85g Gold
3. Fälligkeit der Abgabefrist Æ 1 Mondjahr
4. Überschreiten des Mindestzeitraumes (mind.1Jahr)
5. Besitz, Eigentum, uneingeschränkte Verfügungsgewalt
6. Gewährleistung, dass Zakat nicht doppelt entrichtet wird Æ entweder für Ware oder für Erlös
Berechnung: aktueller Wert der Waren- und Lagerbestände, dazu wird flüssiges Kapital und Außenstände
addiert. Von dieser Summe werden 2,5% Zakat in Bargeld, Gold oder Silber entrichtet

5.4 Zakatberechtigte Personen


vgl.:[9:69]
1. Arme und Bedürftige: alle Personen, die nicht aus eigenen Mitteln oder eigene Arbeit den
Lebensunterhalt bestreiten können; haben kurz-, mittel- oder langfristig Anspruch auf Hilfe zum
Lebensunterhalt Æ Hilfe zur Selbsthilfe! ; empfehlenswert ist es daher, Projekte zu fördern
(Neuaufbau einer Existenzgrundlage, Investitionshilfe), die Ursachen der Bedürftigkeit dauerhaf
beseitigen
2. Mitarbeiter der Zakatbehörde: darunter fallen Personen, die mit der Einziehung und Verteilung der
Zakat beauftragt sind:
Zakat-Beauftragte:
- müssen volljährige Muslime sein, sie im Zakatrecht ausgebildet sind
- müssen angemessen entsprechend ihrer Qualifikation entlohnt werden
- dürfen in ihrer Funktion keine Geschenke annehmen (Bestechung)
- sollen ihre Klientel respektvoll behandeln, für sie Bittgebete sprechen, da Zakat gottesdienstliche
Handlung ist
3. die, deren Herzen gewonnen werden sollen: darunter fallen zwei Gruppen:
- einflussreiche Nichtmuslime, deren Abneigung gegenüber dem Islam vermindert und deren
Unterstützung erreicht werden soll
- einflussreiche neue Muslime, die im Islam gefestigt werden sollen, wenn sie aufgrund ihrer
Annahme des Islams finanzielle Nachteile in Kauf nehmen mussten
4. Freikauf von Sklaven

23
heute Freikauf von Kriegsgefangenen
5. Schuldner: jene, die unter Berücksichtigung der islamishen Bedingungen Kredit aufgenommen
haben und unverschuldet ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können.
a.) Kreditaufnahme zur Bestreitung des Lebensunterhaltes
Unterstützung zur Tilgung kann gewährt werden, wenn:
- Tilgung aus eigenen Mitteln nicht möglich
- Kredit für Erwerb von erlaubten Dingen verwendet wurde
- Kredit sofort oder binnen eines Jahres fällig ist
- Nichtrückzahlung mit Haft bedroht wird
Schulden gegenüber Allah wie Kaffara oder Gelübde werden nicht berücksichtigt
b.) Private Kredite zur Deckung der Unkosten für die Schlichtung von Streitigkeiten in der
islamischen Gesellschaft
c.) Private Kreditaufnahme zur Verbesserung der Infrastruktur der Kommune
d.) Tilgung der Schulden von Verstorbenen
e.) Vergabe von zinslosen Krediten an Privatpersonen
6. Auf dem Weg Allahs
Darunter fallen alle Personen, die auf dem Wege Allahs aktiv sind
Dschihad im Sinne von “Einsatz für die Sache Allahs mit allen erlaubten Mitteln und in allen
Gesellschaftsbereichen” wird heute meist ausgeklammert. Deshalb vertreten die meisten Gelehrten
die Ansicht, dass Zakat-Mittel für Personen auf dem Weg Allahs nicht für die Errichtung von
Schulen, Moscheen o.ä. verwendet werden dürfen
7. Reisende
jene, die auf einer Reise in finazielle Not geraten, unabhängig davon, ob sie daheim über genügend
Mittel verfügen
Unterstützung wird gewährt, wenn:
- sich Reisender in echter Notsituation befindet
- Zweck und Ziel der Reise halal sind
- sich der Reisende vergeblich bemühz hat, aus seiner Heimat zinslosen Kredit anzufordern
Auszahlung der Zakat
nach Imam Asch-Schafi’i: Zakat-Mittel sollen unter den berechtigten Gruppen gleichmäßig verteilt
werden, also je 12,5%
nach meisten anderen Gelehrten: Zakat muss nicht gleichmäßig verteilt werden
In besonderen Fällen kann die gesamte Zakat an nur eine Gruppe ausbezahlt werden. Die wichtigste
Gruppe ist die der Armen und der Bedürftigen, diese dürfen nicht ohne zwingende Gründe von der Zakat
ausgeschlossen werden.
Muslime in nicht-islamischen Staaten sollen ihre Zakat den Zakat-Berechtigten persönlich übergeben

5.5 Nicht-zakatberechtigte Personen


1. Nichtmuslime: Nicht-Muslime, feinde des Islam, Atheisten
ausgenommen sind jene, deren Herzen gewonnen werden sollen
Arme und bedürftige Nichtmuslime haben Anspruch auf Unterstützung, jedoch nicht aus der Zakat-
Kasse sondern durch Staatsmittel
2. Vermögende Muslime: alle, die über ausreichend eigene Mittel verfügen
ausgenommen sind:
- Mitarbeiter der Zakat-Verwaltungsbehörde
- Personen, die einen Kredit zur Deckung der Unkosten für die Schlichtung von Streitigkeiten
aufgenommen haben
- Personen, die einen Kredit zur Verbesserung der Infrastruktur der Gemeinde aufgenommen haben
- Mudschahidin, Kämpfer auf dem Weg Allahs
Kinder und Ehefrauen vermögender Männer erhalten keine Zakat, da Mann (Vater) für diese
unterhaltspflichtig ist
3. Arbeitsunwillige Muslime
jene, die sich trotz ausreichender Angebote auf dem Arbeitsmarkt weigern, eine Erwerbstätigkeit
aufzunehmen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen
ausgenommen sind jene, die trotz Erwerbstätigkeit ihren Unterhalt nicht aus eigenen Mitteln
bestreiten können
4. Muslime, die schwere Sünden begehen
jene, die öffentlich schwere Sünden (Abfall vom Glauben, Alkohol, Unzucht, Glücksspiel,
Bestechung) begehen und sich offen dazu bekennen
5. Verwandte Muslime
Männer dürfen keine Zakat an Verwandte zahlen, zu deren Unterhalt sie verpflichtet sind (Ehefrauen,
Kinder,Eltern)

24
Ausnahmen:
- Frauen dürfen Zakat zahlen an ihren Ehemann, die Kinder und alle anderen Verwandten, wenn
diese zakatberechtigt sind, weil Frauen prinzipiell nicht unterhaltspflichtig sind
- Männer dürfen Zakat zahlen an Verwandte, zu deren Unterhalt sie nicht verpflichtet sind
6. Familie des Gesandten Muhammad (s.a.s.)
Dazu zählen alle Angehörigen der Familie “Banu Haschim”
Nach Imam Asch-Schafi’i fallen darunter auch die Angehörigen der Familie “Abdul Muttaleb”
Diese Personen dürfen weder Zakat noch freiwillige Spenden nehmen
Ein Angehöriger dieser Familie darf jedoch seine Zakat an einen anderen zakatberechtigten
Familienangehörigen zahlen

5.6 Bestrafung bei Unterlassung der Zakat-Pflicht


Da Zakat eine der 5 Pflicht-Teiel des Islams ist und gottesdienstliche Handlung darstellt, gibt es für
Nichtbeachtung Strafen. Man unterscheidet zwischen der Bestrafung im Diesseits und im Jenseits. [9:34-35]
Bestrafung im Diesseits:
1. Bestrafung durch Allah
Der Prophet Muhammad (s.a.s.) sagte: “Jedes Volk, das die Zakat verweigert, wird von Allah durch
Dürre und Hungersnot bestraft.” (Al-Hakem)
2. Bestrafung durch die Verantwortlichen des islamischen Staates
Wenn eine Gruppe von Muslimen die Zakat verweigert, wird sie, wenn nötig, bekämpf, bis sie die
Zakat entrichtet

5.7 Fehler beim Entrichten der Zakat


Irrtümliche Zahlung der Zakat an nicht-zakatberechtigte Personen ist gültig; Zakat muss nicht nochmals
entrichtet werden.
Absichtliche bzw. fahrlässige Zahlung der Zakat an nichtberechtigte Personen ist ungültig Æ Zakat muss
nochmals entrichtet werden.
Ein nicht berechtigter Zakatempfänger muss die irrtümlich erhaltene Zakat unverzüglich zurückzahlen

5.8 Zakat-ul-Fitr
Pflicht für alle Muslime (Erwachsene und Kinder) und wird als Reinigung und Ausgleich für die Verfehlungen
während des Fastens im Ramadan angesehen.
Höhe dieser Zakat:
wird jedes Jahr neu festgelegt für jedes Land, entspricht dem Gegenwert für eine einfache Mahlzeit (z.B. 10 DM
1996)
Zeitpunkt der Abgabe:von Anfang bis Ende des Ramadans
Nisab: Nisab entspricht der Höhe der Mittel (Bargeld, Lebensmittel,...), die den Bedarf des Zakat-Pflichtigen
und seiner unterhaltsberechtigten Familienangehörigen am ‘Id-Tag decken, zuzüglich des Zakatbetrages.
Zakatberechtigte: diese Zakat darf auch an bedürftige Nicht-Muslime verteilt werden

5.9 Unterschiede zwischen Zakat und Steuern


1. Zakat ist eine ‘Ibada, eine religiöse Verpflichtung der Muslime Æ Steuer ist eine zivile Verpflichtung
für Muslime und Nicht-Muslime
2. Höhe und Nisab der Zakat sind unveränderbar endgültig festgelegt Æ Höhe und Erhebungsgrenze der
Steuer sind beliebig veränderbar
3. Zakat-Vorschriften sind universal und ewig gültig Æ Steuervorschriften sind örtlich und zeitlich
begrenzt gültig
4. Zakat ist eine Beziehung zwischen Mensch und Allah. Zakat wird freiwillig und ohne staatliche
Kontrolle entrichtet Æ Steuer ist eine rein weltliche Beziehung zwischen Bürger und Staat
5. Zakat verfolgt religiöse und gesellschaftliche Ziele Æ Steuer ausschließlich gesselschaftliche
6. Der Zakat-Pflicht unterliegen nur Vermögende Æ Steuerpflicht unterliegen alle
Gesellschaftsgruppen, sowohl Bedürftige als auch Vermögende (Lohnsteuer, Kfz-Steuer,
Mehrwertsteuer,...)
7. Nutznießer der Zakat sind in der Regel nur Arme und Bedürftige Æ Nutznießer sind alle
Gesellschaftsgruppen (Ausbau der Infrastruktur, Schulen, Straßen,...)

5.10 Allgemeine Bemerkungen


1. Voraussetzung zur Gültigkeit der Zakat ist die Niyya
2. Im islamischen Staat wird Zakat durch Zakat-Verwaltungsbehörde erhoben und an Zakatberechtigte
verteilt
3. In nichtislamischen Staaten sind die Muslime verpflichtet, ihre Zakat privat zu verteilen

25
4. Verteilung der Zakat erfolgt nur an Zakatberechtigte im Inland
Ausnahmen:
- wenn es keine Zakatberechtigten im Inland gibt, darf die Zakat im Ausland verteilt werden
- in zwingenden Notfällen (Krieg, Katastrophen,...) darf Zakat im Ausland verteilt werden
5. Fälligkeit der Abgabefrist ist zu beachten (jährlich zu entrichtete Zakat kann auch im Voraus bezahlt
werden)
6. Zakat kann in Sachwerten oder Bargeld erfolgen
7. Zakat-Pflicht verjährt nicht, muss für alle versäumten Jahre nachentrichtet werden
8. Zakatpflicht erlischt nicht mit dem Tode, Schulden müssen von der Erbmasse vor der Verteilung an
die Erben bezahlt werdn
9. Muslime, die versuchen, durch rechtsbeugung und andere Tricks die Zakat-Pflicht zu umgehen,
sündigen und werden hart dafür bestraft
10. Bei der Verteilung der Zakat sollte die Herkunft der Unterstützung nicht erwähnt werden, um die
Gefühle der Zakatempfänger nicht zu verletzen
11. Islamischer Staat kann unter folgenden Bedingungen neben der Zakat zusätzliche Steuern einheben:
- wenn die Zakatmittel zur Unterstützung der Armen und Bedürftigen nicht ausreichen
- wenn die Steuerbelastung gerecht unter den Vermögenden aufgeteilt wird
wenn Steuer ausschließlich den Belangen der Muslime dient
- wenn Zustimmung der entscheidungsgebenden Versammlung (Schura) des islamischen
Staatswesens vorliegt

6 Die Hadsch
Definition: Wallfahrt nach Mekka, um dort die vorgeschriebenen rituellen Handlungen zu vollziehen
eine der fünf Pflichtteile des Islams
Verrichtung der Hadsch darf nicht grundlos hinausgezögert werdn
Muslime, die sterben, ohne die Hadsch vollzogen zu haben, laden eine Sünde auf sich
jeder Muslim, der die Pflicht zur Hadsch leugnet, fällt om Islam ab

6.1 Vertretung bei der Hadsch


für Personen, die nicht oder nicht mehr in der Lage sind, die Hadsch persönlich zu erfüllen, kann Stellvertreter
dies Pflicht erfüllen
der Stellvertreter muss seine eigene Hadsch bereits vollzogen haben
1. Hadsch für Verstorbene
Nachkommen und Erben von Verstorbenen
2. Hadsch für Lebende
Alte und Kranke

6.2 Voraussetzungen der Hadsch


folgende Voraussetzungen machen die unverzügliche Verrichtung der Hadsch zur Pflicht:
1. man muss Muslim sein
2. man muss die Pubertät erreicht haben
3. manmuss gesundheitlich dazu in der Lage sein
4. Reiseweg nach Mekka muss frei von Gefahr für Leib und Seele sein
5. man muss über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (für die reise und die Familie daheim)
Finanzierung der Hadsch sollte aus halal-Mitteln erfolgen
es ist erlaubt, während der Hadsch Handel zu treiben
6. Frauen sollten in Begleitung ihres Ehemannes oder eines Mahram reisen
ist kein Mahram verfügbar, können Frauen auch in einer Gruppe reisen, die von vertrauenswürdigen
Frauen begleitet wird
Frauen dürfen die Pflicht zur Hadsch auch ohne Zustimmung des Ehemannes vollziehen, das sie eine
gottesdienstliche Pflicht ist

6.3 Die Miqat der Hadsch (Mawaqit-ul-Hadsch)


Miqat bezeichnet die festgelegten Zeitpunkte bzw. geographischen Punkte, ab denen die Hadsch-Riten beginnen
und die Gebote und Verbote des Ihram bzw. der Hadsch beachtet werden müssen.
Zeitliche Miqat (Al-Miqat az-Zamani)
darunter versteht man die Monate und Tage, in denen die rituellen Hadscch-Handlungen anfangen und
durchgeführt werden dürfen [2:197]
Die Hadsch-Monate sind: Schawwal, Dhul-Qi’da, Dhul-Hischa (10., 11. und 12.Monat)
Die Hadschzeit beginnt am 1.Schawwal und endet am 10.Dhul-Hidscha
Geographische Miqat (al-Miqat al-Makani)

26
jene Punkte, die von Pilgern nur nach Eintritt in den Ihram (Weihezustand) überschritten werden dürfen

6.4 Die Hadsch-Riten (Manasek-ul-Hadsch)


Die vorgeschriebenen Hadsch-Riten werden von verschiedenen Fiqh-Gelehrten unterschiedlich bewertet; man
unterscheidet:
- Pflicht-Teile (Rukn)
- Vorbedingungen zur Rechtsgültigkeit (Schartu Sihha)
- Wadschib-Teile
- Sunna-Teile
Unterlassung eines Pflichtteils:
macht die gesamte Hadsch UNGÜLTIG
- Als Sühne (Kaffara) gilt nach den meisten Gelehrten:
- Durchführung aller Hadsch-Riten bis zum Abschluss
- Opfern eines Kamels
- Wiederholung der Hadsch im Folgejahr (unabhängig ob Pflicht-Hadsch oder freiwillige Hadsch; nach
Abu Hanifa nur bei Pflicht-Hadsch)
Unterlassung bzw. Verletzung einer Vorbedingung zur Rechtsgültigkeit
verhindert den gültigen Beginn der Hadsch
Unterlassung bzw. Verletzung eines Wadschib-Teils
macht die Hadsch nicht ungültig,
als Kaffara muss ein Opfertier geopfert werden
Unterlassung bzw. Verletzung eines Sunna-Teils
macht die Hadsch nicht ungültig
keine Kaffara

6.4.1 Der Weihezustand (Al-Ihram)


Eintritt in den Ihram symbolisiert den Beginn der Hadsch-Riten
6.4.1.1 Sunnahandlungen vor Eintritt in den Ihram
zur physischen Vorbereitung ist es Sunna:
- die Nägel zu schneiden
- den Schnurrbart zu kürzen
- die Achsel- und Schamhaare zu entfernen
- die Ganzwaschung und die Gebetswaschung zu vollziehen
- den Körper zu parfümieren
- die Kleidung zu parfümieren
all diese Regeln gelten auch für Menstruierende und Wöchnerinnen
zur spirituellen Vorbereitung ist es Sunna:
- vor Eintritt in den Ihram verrichtet man ein Gebet mit zwei Rak’a
in der ersten raka rezitiert man nach Al Fatiha die Sure Al Kafirun, in der zweiten Raka Al-Ikhlas
6.4.1.2 Eintritt in den Ihram
1. Anlegen der Ihram-Kleidung
für Männer: 2 weiße Tücher, die keine Nähte aufweisen, ein Hüfttuch zum Bedecken des Unterkörpers
und ein Schultertuch zum Bedecken des Oberkörpers
für Frauen: normale islamische Kleidung
2. Absicht:
- zur Gültigkeit der Hadsch ist es Pflicht, die Absicht zu fassen. Sollte laut ausgesprochen werden.
Entsprechen der jeweiligen Hadsch-Art rezitiert man “Ifrad-ul-Hadsch”, “At-Tamattu’ fil-Hadsch”
oder “Al-Qiran fil-Hadsch”
falls man zum Eintritt in den Ihram noch nicht weiß, welche Art von Hadsch man durchführen will,
fasst man die allgemeine Absicht zur Hadsch
- das Fassen der Absicht ist Wadschib beim Erreichen des Miqat
Wallfahrer, die beim Erreichen des Miqat nicht in den Ihram treten bzw. nicht die Absicht fassen,
müssen als Kaffara ein Opfertier (Schaf) opfern, damit die Hadsch gültig bleibt
all diese Regeln gelten auch für Menstruierende und Wöchnerinnen
6.4.1.3 Sunna-Handlungen nach Eintritt in den Ihram
zur spirituellen Vorbereitung ist es Sunna:
- die Talbiya zu rezitieren (Sunna nach Asch-Schafi’i und Ahmad; Wadschib nach Abu Hanifa und
Malik)
Männer rezitieren hörbar, Frauen unhörbar

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bis zum ersten Bewerfen der großen Dschamra am 10.Dhul-Hidscha soll man die Talbiya so oft wie
möglich rezitieren
diese Regeln gelten auch für Menstruierende und Wöchnerinnen
6.4.1.4 Ihram-Vorschriften
nach Eintritt in den Ihram, d.h. während der gesamten Hadsch oder der ‘umra, müssen neben den allgemeinen
islamischen Verhaltensregeln die speziellen Ihram-Vorschriften beachtet werden
Erlaubte Handlungen im Ihram
1. erlaubte Körperpflege
- Waschen des Körpers mit unparfümierter Seife
- Kämmen der Haare
- Zahnpflege mit Zahnbürste oder Siwak
2. erlaubte Kleidung
- Tragen genähter Kleidung für Frauen
- Verschleierung des Gesichts (bei Männern und Frauen) NUR bei extremen Witterungsverhältnissen
(Sandsturm, extreme Kälte,...)
- Wechseln der Ihram-Kleidung
- Tragen von Geldbeutel, Ringen oder Sonnenschirm
3. Andere erlaubte Handlungen
- Blutentnahme
- Zahnbehandlung
- ärztliche Behandlung
- Töten gefährlicher Tiere (Schlangen, Skorpione, tollwütige Hunde,...)
Verbotene Handlungen im Ihram
1. Verbotenes Verhalten
- streiten
- kämpfen
2. Verbotene Kleidung:
für Männer: - genähte Kleidungsstücke
- parfümierte Kleidung
- Schuhe, die bis zu den Knöcheln bzw. darüber reichen
- Tragen einer Kopfbedeckung (Ausnahme: Gesichtsbedeckung im
Notfall) Æ die Übertretung dieses Verbots kann nur durch Fidya
(Tieropfer) gesühnt werden
für Frauen: - Tragen von Gesichtsschleier (Ausnahme s.o.)
- Handschuhe
- parfümierte Kleider
für im Ihram verstorbene Wallfahrer: - Parfümieren den Leichnams
- Parfümieren der Leichentücher
- Bedecken des Kopfes
3. Verbotene Körperpflege:
- Nägelschneiden
- Kopfhaare kürzen bzw. rasieren
- Parfümieren des Körpers
4. Jagdverbot
- Jagen von allen Tieren, ausgenommen Meerestiere
- Auftrag zur Jagd erteilen
Der Fang von Meerestieren ist erlaubt
der Verzehr von Wild, das von Personen erlegt wurde, die sich nicht im Ihram befinden, ist erlaubt
5. Verbotenes Verhalten zum anderen Geschlecht
- Verlobung
- Abschluss eines Ehevertrages für sich selbst oder andere
- Zeugenschaft bei Abschluss eines Ehevertrages
- Geschlechtsverkehr
- alle anderen intimen Kontakte
6.4.1.5 Verstoß gegen Ihram-Vorschriften
bei vorsätzlicher Übertretung ist Kaffara zu leisten
Kaffara für die Übertretung des Verbots von Geschlechtsverkehr
vorsätzliches Übertreten des Verbots hat abhängig vom Tatzeitpunkt unterschiedliche Konsequenzen die
Gültigkeit der Hadsch betreffend
unabhängig von der Gültigkeit aber abhängig vom Zeitpunkt sind unterschiedliche Kaffara zu leisten (von
beiden Beteiligten)

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- Übertretung VOR Verrichtung des fundamentalen Teils der Hadsch-Riten, dem Aufenthalt in Arafat,
macht die gesamte Hadsch ungültig
Kaffara nach den meisten Gelehrten:
* Durchführung aller Hadschc-Riten bis zum Abschluss
* Opfern eines Kamels
* Wiederholung der Hadsch im folgenden Jahr (nach Abu Hanifa nur bei Pflicht-Hadsch)
- Übertretung nach dem Aufenthalt in Arafat und vor dem ersten Tahallul, macht nach den meisten
Gelehrten die gesamte Hadsch ungültig (nicht nach Abu Hanifa)
gleiche Kaffara wie oben
- Übertretung nach dem ersten Tahallul macht die Hadsch nicht ungültig
Kaffara:
* nach Imam Asch-Schafi’i: ein Kamel
* nach Imam Malik: ein Schaf
Kaffara für die Übertretung des Jagdverbots
vorsätzliche Übertretung hat keine Auswirkung auf die Gültigkeit
Kaffara ist zu leisten (in dieser Reihenfolge, wenn 1. nicht geht, dann 2.....)
- Opfern eines Tieres
* nach Asch-Schafi’i: ein ähnliches wie das getötete Tier
* nach Abu Hanifa: ein gleichwertiges
- Speisung von Bedürftigen
kann man kein Opfertier besorgen Æ Geldstrafe, die dazu verwendet wird, Bedürftige und Arme zu speisen
- Fasten
kann man weder Opfertier besorgen noch Geldstrafe zahlen, muss man als Kaffara fasten Æ Anzahl der
Tage richtet sich nach Anzahl der Armen, die mit der Geldstrafe gespeist hätten werden können
für das versehentliche Töten eines Tieres leistet man gleiche Kaffara, es ist aber keine Sünde
Kaffara für Übertretung anderer Verbote
vorsätzliches Übertreten anderer Ihram-Verbote hat keine Auswirkung auf Gültigkeit der Hadsch
als Wiedergutmachung ist jedoch Kaffara zu leisten
wenn möglich 1., sonst 2., dann 3.
- Opfern eines Schafes
- dreitägiges Fasten
- Speisen von 6 Bedürftigen mit 3 Sa’ (ca. 6,5 kg) Datteln oder Gegenwert in Bargeld

6.4.2 Der Aufenthalt in Arafat (al-Wuquf fi ‘Arafat)


der Aufenthalt in der Ebene von ‘Arafat in der Nähe von Mekka ist der fundamentale Pflichtteil (Rukn) der
Hadsch
vorgeschriebene Zeit des Aufenthalts in Arafat:
Beginn: nach den meisten Gelehrten ab Mittag des 9.Dhul-Hidscha; nach Imam Ibn Hanbal ab Morgenlicht
dieses Tages
Ende: bis kurz vor dem Morgenlicht des 10.Dhul-Hidscha
ein Teil dieses Aufenthalts sollte nach Sonnenuntergang liegen, damit man sowohl zur Tages- als auch
Nachtzeit seine Pflicht erfüllt hat
Sunna-Handlungen und Verhaltensregeln in Arafat
- rituelle Reinheit (Ghusl)
- man soll seine Zeit mit Du’a, Istighfar und Dhikr verbringen
- keine nutzlosen Reden
- in Richtung Kaaba blicken
- man darf an diesem Tag nicht fasten
- Zuhr- und ‘Asr-Gebet werden verkürzt in der Zeit des Zuhr-Gebets verrichtet
Frauen im Zustand ritueller Unreinheit dürfen die Pflicht des “Aufenthalts in Arafat” erfüllen
Das ende des Aufenthalts in Arafat beginnt (nach Sunna) mit dem Aufbruch nach nach Muzdalifa nach
Sonnenuntergang am 9.Dhul-Hidscha. Die Strecke soll ohne Eile zurückgelegt werden, unterwegs spricht man
Talbiya und Bittgebete

6.4.3 Die Kaaba-Umrundungen (At-Tawaf)


4 Arten der Umrundungen bei Hadsch und ‘Umra
1. Tawaf-ul-Ifada Æ Tawaf des Verlassens von Arafat; auch
Tawaf-uz-ziyarah Æ Besuchs-Tawaf oder
Tawaf-ur-Rukn Æ Pflichtteils-Tawaf genannt
2. Tawaf-ul-Wada’ Æ Abschieds-Tawaf, auch
Tawaf-us-Sadar Æ Abfahrts-Tawaf genannt
3. Tawaf-ul-Qudum Æ Tawaf des Eintreffens für Hadsch ul-Ifrad und Hadsch-ul-Qiran

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Tawaf-ul-Umra Æ für Hadsch-ut-Tamattu’ und für Umra
4. Tawaf-at-Tatawu’ Æ freiwilliger Tawaf
6.4.3.1 Tawaf-Regeln
1. Voraussetzungen des Tawaf
- rituelle Reinheit des Körpers und der Kleidung
Frauen im zustand der Istihada dürfen den Tawaf vollziehen; (Menstruation bei Bedarf medikamentös
verschieben)
- Bedeckung der Aurah
2. Pflicht-Teile des Tawaf
- innerhalb des vorgeschriebenen Tawaf-Bereichs um die Kaaba; Tawaf ist ungültig, wenn man
zwischen der Kaaba und dem Hidschr Ismail (kleine halbrunde Mauer an der Seite der Kaaba) läuft, da
dieser Bereich zur Kaaba selbst gehört
- während der dafür vorgesehenen Zeit
- 7 komplette Umrundungen der Kaaba; tawaf beginnt beim Schwarzen Stein (al-Hadschar al-Aswad)
und endet auch dort
- entgegen dem Uhrzeigersinn
im normalen Schritttempo (wenn nicht anders aufgeführt); Kranke, Alte... dürfen getragen werden
- Verrichten eines Gebets im Anschluss an den Tawaf (Wadschib nach Abu Hanifa und Imam Malik,
nach den anderen Sunna)
Gebet besteht aus zwei raka, in 1.Raka Al-Kafirun, in 2.Raka Al-Ikhlas
3. Sunna-Teile des Tawaf
- nur für Männer: man führt Schultertuch des Ihram unter der rechten Achselhöhle durch und schlägt
die beiden Enden über die linke Schulter, so dass rechte Schulter frei und linke Schulter bedeckt ist
- für alle:
* Berühren und Küssen des Schwarzen Steins zu Beginn des Tawaf; wenn dies nicht möglich ist
deutet man mit der ausgestreckten rechten Hand ins seine Richtung
* Berühren der jemenitischen Ecke, der letzten Ecke vor dem Schwarzen Stein
* Lesen freiwilliger Du’a, Istighfar und Dhikr
* Durchführung des Tawaf ohne zeitliche Unterbrechung

6.4.4 Der Lauf zwischen Safa und Marwa (as-Sa’i)


Pflicht-Teil der Hadsch nach Ibn Hanbal, Asch-Schafi’i und Malik, nach Abu Hanifa Wadschib
wird praktiziert zum Gedenken an Hagar, der zweiten Ehefrau Abrahams, die zwischen diesen beiden Hügeln
auf der verzweifelten Suche nach Wasser für ihren Sohn Ismail hin und herlief; sie wiederholte den Lauf sieben
Mal; als sie entmutigt zu ihrem Sohn Ismail zurückkehrte, hatte Allah neben ihm die Quelle Zamzam aus der
Erde entspringen lassen
Safa und Marwa liegen in unmittelbarer Nähe der Kaaba und sind heute in den Gebäudekomplex der Al-
Masdschid Al-Haram miteinbezogen.
6.4.4.1 Voraussetzungen des Sa’i
1. Durchführung grundsätzlich nach einem Tawaf; bei Durchführung des Sa’i vor dem Tawaf muss nach
Abu Hanifa ein Opfertier geopfert werden
2. rituelle Reinheit erwünscht, aber keine Pflicht (kann also auch von Menstruierenden und
Wöchnerinnen durchgeführt werden)
6.4.4.2 Pflichtteile des Sa’i
1. gesamte Strecke muss 7 x durchlaufen werden; man beginnt bei Safa und endet bei Marwat (bei
falscher Durchführung lt. Abu Hanifa ein Opfertier)
2. der Sa’i muss auf der vorgeschriebenen Wegstrecke (ca. 420 m) vollzogen werden
6.4.4.3 Sunnateile des Sa’i
1. man besteigt den Hügel Safa und spricht eine Lobpreisung zu Allah in Richtung Kaaba
2. man vollzieht den Sa’i in normalem Schritttempo (zwischen beiden grünen Zeichen, die ursprüngliche
Senke zwischen den Hügeln bezeichnen, beschleunigen Männer ihre Schritte, Frauen nicht)
3. der Sa’i soll unmittelbar im Anschluss an den Tawaf vollzogen werdn
4. der gesamte Sa’i soll ohne zeitliche Unterbrechung erfolgen
5. häufiges Lesen von Du’a, Istighfar und Dhikr

6.4.5 Kürzen bzw. Rasieren der Kopfhaare (al-Halq aut-Taqsir)


das Kürzen bzw. Rasieren der Kopfhaare ist ein Pflichtteil der Hadsch nach Imam Schafi’i; nach den anderen
Gelehrten Wadschib

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Durchführung:
Männer Æ komplett rasieren
Frauen Æ kürzen, rasieren verboten
wann: Sunna: in Al Haram am 10.,11., 12. oder 13. Dhul-Hidscha

6.5 Die wichtigsten Hadsch-Arten


Hadsch-ul-Ifrad
Hadsch-ut-Tamattu’
Hadsch-ul-Qiran
Ablauf der Hadsch-Riten unterscheidet sich nur unwesentlich
die wichtigsten Hadsch-Riten
- al-Ihram (Weihezustand)
- Tawaf-ul-Qudum (Tawaf des Eintreffens)
- as-Sa’i (Lauf zwischen Safa und Marwa)
- Aufenthalt in Arafat
- Aufenthalt in Muzdalifa
- Kopfhaare kürzen bzw. rasieren
- Bewerfen der Dschamra
- Tawaf-ul-Ifada (Tawaf des Verlassens von Arafat)
- al-Hadyi (Opferung)
- Übernachtung in Mina
- Tawaf-ul-Wada’ (Abschieds-Tawaf)
die wichtigsten Umra-Riten
- al-Ihram
- Tawaf-ul-‘Umra
- as-Sa’i (Lauf zwischen Safa und Marwa)
- Kopfhaare kürzen bzw. rasieren
Annullierung der Hadsch
nur bei Übertretung des Verbots von Geschlechtsverkehr
Versäumnis der Hadsch
wenn man Aufenthalt in Arafat zwischen dem Mittag des 9.Dhul-Hidscha und dem Morgenlicht des 10.Dhul-
Hidscha verpasst
Æ sofortiges Beenden der Riten mit Tahallul – wird als Umra gewertet
bei Pflicht-Hadsch Wiederholung im nächsten Jahr
Verhinderung der Hadsch bzw Umra
wenn man an der Ausübung eines Pflichtteils verhindert wird
Ursache kann sein:
- extreme Witterungsverhältnisse
- Gefahr für Leib und Leben durch Feinde
- Krankheit
- höhere Gewalt (nach Imam Malik nur höhere Gewalt)
Æ Schlachten eines Opfertieres
Æ WH der Hadsch im nächsten Jahr

6.6 Chronologische Darstellung der Hadsch-Riten


1. Fassen der Absicht
2. Vorbereitung der Hadsch
- alle Schulden tilgen
- anvertraute Güter an Eigentümer zurückgeben
- Testament schreiben
- sich mit Eltern gut stellen
- von allen Sünden abwenden und aufrichtig bereuen
- Reise-Kosten und Unterhaltskosten auf halal-Weise besorgen
- gläubige Reisebegleiter auswählen
- sämtliche Handlungen und Bestimmungen der Hadsch erlernen
3. Abreise vom Wohnort
- 2-Rakat-Gebet und Du’a
4. Reise nach Mekka
Ankunft in Mekka
- Ghusl, man begibt sich zur Al-Masdschid al-Haram
- Absicht zum Tawaf
- küsst Schwarzen Stein

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5. Tawaf:
- Tawaf-ul-Qudum
- Beten von 2 Raka für den Tawaf
- Trinken von Zamzam
- Behalten des Ihram-Zustandes
- nach dem Tawaf wird KEIN Sa’i vollzogen, außer bei Hadsch-ut-Tamattu Æ Sa’i; Beenden der
Umra mit Tahallul, Beenden des Ihram-Zustandes)
6. 8.Dhul-Hidscha
- Tag der Einweisung
- nach Sonnenaufgang oder Nachmittag nach Mina
- Übernachtung in Mina
7. 9.Dhul-Hidscha
- Tag von Arafat
- Fadschr-Gebet in Mina
- nach Sonnenaufgang gehen Pilger nach Arafat
- Quranrezitationen, Du’a, Istighfar, Dhikr
- Verrichten von Zuhr- und Asr-Gebet zur Zeit des Zuhr verkürzt; Predigt in der Namira-Moschee
8. 9./10.Dhul-Hidscha
- nach Sonnenuntergang Richtung Muzdalifa
- Maghrib- und Ischaa-gebet in Zeit von Ischaa verkürzt
- Übernachtung
- Fadschr zu Beginn der Zeit
- steht in Al-Maschar Al-Haram zwischen Fadschr-Gebet und Aufbruch nach Mina
- kurz vor Sonnenaufgang von Muzdalifa nach Mina
9. 10.Dhul-Hidscha
- Übernachtung in Mina bis 12. oder 13.
- jeden Tag Bewerfen der Dschamra
- danach begibt man sich nach Mekka
10. Mekka
- Tawaf-ul-Wada’ (Abschieds-Tawaf)
- Verrichten von zwei Rakar für den Tawaf
- Trinken von Zamzam
- danach verlässt man Mekka

6.6.1 Besuch von Medina


Vor oder nach der Hadsch soll man auch Medina besuchen
Besuch des Grabes des Propheten (s.a.s.)
Gruß des Propheten (s.a.s.)
Bei Antritt der Reise fasst man Absicht
- die Propheten-Moschee
- das grab des Propheten (s.a.s.)
- die Gräbers einer Gefährten Abu Bakr (r.a.) und Omar (r.a.)
zu besuchen
Bei Ankunft in Medina:
- Ghusl
- man parfümiert sich
- legt gepflegte Kleidung an
- geht in Propheten-Moschee
- geht zur Ar-Rawda Asch-Scharifa (diese Stelle befindet sich zwischen Wand der Grabkammer und
dem Minbar des Propheten (s.a.s.) Æ 2 Rakat Tahiyat-ul-Masdschid
- dann zum Grab des Propheten, bleibt davor mit Rücken zur Qibla stehen, begrüßt den Propheten
(s.a.s.) mit “as salamu alaikum” und spricht Bittgebet für ihn
- dann bleibt man kurz vor den anderen Gräbern stehen, grüßt die Gefährten Abu Bakr und Imar mit as
salamu alaikum Æ keine Bittgebete
- dann wendet man sich in Richtung der Qibla und spricht Bittgebete für sich und die Muslime
Verboten ist:
- das Umrunden des Grabes des Propheten
- Äußerung von unangemessenen Emotionen am Grabe des Propheten (s.a.s), wie streicheln, küssen des
Grabes, schreien, lautes Weinen
- lautes Reden in der Umgebung des Grabes
Man soll in Medina auch die Gräber der anderen Gefährten und die Gräber der Märtyrer von Uhud besuchen

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6.7 al-Umra
Besuch der Kaaba und Verrichtung der vorgeschriebenen Riten
Umra ist sunna muakkada nach Abu Hanifa, Malik
Umra ist Pflicht nach Asch-Schafi’i und Ibn Hanbal
Umra kann zu jeder beliebigen Jahreszeit verrichtet werdn, ausgenommen zur Hadsch vom 9. bis 13. Dhul-
Hidscha
außer jenen Hadsch-Pilgern, die nur bis zum 12. in Hadsch bleiben, sie dürfen am 13. Umra vollziehen
Miqat: gleiche Bestimmungen wie bei Hadsch
Pflichtteile der Umra:
nach Imam Abu Hanifa:
- Tawaf ul-Umra
nach Imam Malik und Imam Ibn Hanbal:
- Ihram
- Tawaf-ul-Umra
- as-Sa’i
nach Imam Asch-Schafi’i zusätzlich:
- Rasieren bzw. Kürzen der Kopfhaare
- chronologische Durchführung der Riten
bezüglich Wadschib- und Sunnahandlungen gelten die gleichen Bestimmungen wie bei der Hadsch

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