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Bauern stoppen Pläne für mehr Freihandel


Bundesrat Schneider-Ammann erleidet mit seiner Agrarpolitik im Nationalrat eine Niederlage.

Christoph Aebischer

Artikel zum Thema

Nationalrat will Freihandel


nicht mit Agrarpolitik
vermischen

Der Bauernverband hat die Kraftprobe mit


dem Bundesrat gewonnen. Der Nationalrat
weist die umstrittene Gesamtschau zur
Agrarpolitik zurück. Mehr...
1|3 Der Nationalrat hat am Montag die umstrittene Gesamtschau zur Agrarpolitik - . 22:42
zurückgewiesen. Bauernverbandspräsident Markus Ritter spricht an der Session.
(4. Juni 2018) Bild: Alessandro della Valle/Keystone (3 Bilder)
SVP ist sauer wegen
Agrarpolitik
Für den Bauernpräsidenten Markus Ritter war am Montag schon Erntezeit. Der Video Statt mehr Staat wird die
Nationalrat wies die Gesamtschau zur mittelfristigen Weiterentwicklung der Landwirtschaft liberaler. Die Bauern wettern.
Agrarpolitik mit 108 zu 74 Stimmen bei sieben Enthaltungen an den Bundesrat Ebenso über «kaum noch zu erfüllende
zurück. Der Bericht, den der Bundesrat vergangenen November präsentierte, stellt Umweltschutzvorschriften». Mehr...
01.11.2017
den hohen Grenzschutz zur Disposition. Importzölle und Kontingente sollten
zugunsten offener Märkte reduziert werden. Für Bauernpräsident und CVP-
Nationalrat Markus Ritter ist das unzumutbar. «Sollten die in der Gesamtschau
Agroscope: Umbaupläne vorerst
formulierten Ziele umgesetzt werden, würde dies innert zehn Jahren zum Aus von
gestoppt
Tausenden von Landwirtschaftsbetrieben führen», warnte er.
Strategielos und schädlich für die Forschung:
Nachdem Ritter in den letzten Monaten zuweilen den wütenden Volkstribun gab, der Mit diesen Worten haben Nationalratsmit-
glieder die geplante Reorganisation der
das Gespräch mit dem Bundesrat verweigerte, blieb er am vergangenen Montag
landwirtschaftlichen Forschungsanstalt
ausgesprochen zurückhaltend. Selbst in den fünf Minuten am Rednerpult als Agroscope kritisiert. Der Rat verlangt mit
Sprecher der CVP-Fraktion argumentierte er dezidiert zwar, aber ruhig. Die übrige grosser Mehrheit, dass der Bundesrat das
Zeit verfolgte er die knapp zweistündige Debatte aus der zweithintersten Reihe, Projekt sistiert. Er beschloss am Montag mit
konzentriert über seinen Laptop gebeugt. Ganz der umsichtige Bauer fuhr Ritter die141 zu 34 Stimmen bei 2 Enthaltungen, eine
entsprechende Motion seiner
Ernte seiner halbjährigen Kampagne gegen die Gesamtschau ins Trockene. Erst am
Wirtschaftskommission anzunehmen. Die
Schluss streckte er kurz und verhalten nur die Arme in die Höhe. Stärker konnte der
Wissenschaftskommission des Nationalrates
Kontrast zum eben noch emotionalen Schlagabtausch kaum ausfallen. hatte Ende Mai eine ähnliche Motion
beschlossen. Die Kommission argumentiert,
Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, der sich gegen Ende sie erachte es als wichtig, die entstandene
Verunsicherung über die Zukunft von
seiner Amtszeit in diese Auseinandersetzung mit den Bauern stürzte, zeigte sich
Agroscope einzudämmen und damit auch einer
darob trotz sich abzeichnender Niederlage erleichtert. Er erinnerte erneut daran, Abwanderung von Mitarbeitenden
dass der Wohlstand der Schweiz vom Erfolg der exportbasierten Wirtschaft abhänge. entgegenzuwirken. (SDA)
Wenn sie prosperiere, könne sich die Schweiz auch die finanzielle Unterstützung der
Bauern leisten. In diesem Kontext müsse man die bundesrätliche Absicht lesen, dass
auch die Landwirtschaft mit offeneren Märkte rechnen müsse. Die Gesamtschau Die Redaktion auf Twitter
zeige auf, wie stark die Schweiz im internationalen Kontext ihre Landwirte schütze.
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Neue Freihandelsabkommen seien ohne Abstriche im Agrarbereich kaum mehr dem Kurznachrichtendienst.
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Andere Fronten verdeckt

1 von 2 05.06.18, 01:44


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Nun, wo sich der Pulverdampf des Duells Schneider-Ammann gegen Ritter etwas
Blog
verflüchtigte, wurden die anderen Fronten wieder sichtbarer, welche die
Landwirtschaftspolitik durchziehen. Umweltpolitiker in den Reihen der Grünen, der
Sozialdemokraten und der Grünliberalen fordern eine umweltfreundlichere
Landwirtschaft. Sie wollen endlich vorwärtsmachen und lehnten darum die
Rückweisung ab. Verschiedene Volksinitiativen, etwa die Trinkwasserinitiative,
verlangten ebensolche Kurskorrekturen. Vor deren radikalen Forderungen fürchten
sich wiederum die Bauern. Eine andere Front verläuft mitten durch die Bürgerlichen.
Während die einen den Schutz der Landwirtschaft hochhalten, pochen die anderen –
Freisinn und Grünliberale – auf offenere Grenzen und mehr Markt.

Sieg der Protektionisten

Am Ende setzten sich aber die Protektionisten durch. Konkret gewonnen ist mit
dieser Rückweisung vorerst wenig. Verbindlich ist einzig der Auftrag an den
Bundesrat, einen Zusatzbericht zu verfassen. In ihm soll dieser darlegen, wie sich der
heutige Grenzschutz im Agrar- und Ernährungssektor auswirkt.

Der Nationalrat möchte, dass Agrar- und Freihandelspolitik künftig getrennt


voneinander betrachtet werden. Zudem sei die Ausarbeitung der Agrarpolitik für die
Jahre 2022+ auf die Ergebnisse der Abstimmungen zu den hängigen Volksinitiativen
abzustimmen. Das Parlament solle erst danach über die Landwirtschaftspolitik
befinden. Dennoch dürfe die Rückweisung deren Zeitplan nicht zu stark verzögern,
betonten verschiedene Sprecher.

Zwar sind all diese Anträge für den Bundesrat rechtlich nicht bindend. Dazu wäre ein
weiterer parlamentarischer Vorstoss notwendig, den National- und Ständerat
überweisen müssten. Unbestritten errang der Stratege Ritter dank der Unterstützung
von SVP, CVP und BDP aber einen wichtigen Sieg. Er wird ihn zu nutzen wissen –
spätestens, wenn der Bundesrat neue Freihandelsabkommen oder die Botschaft zur
Agrarpolitik 2022+ vorlegen wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2018, 23:18 Uhr

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Fernziel sind billigere Nahrungsmittel

Am 1. November 2017 präsentierte der Bundesrat seine Gesamtschau zur mittelfristigen


Weiterentwicklung der Agrarpolitik. Was als Diskussionsgrundlage gedacht war, warf sofort
hohe Wellen und endete mit einem Eklat: Der Schweizer Bauernverband (SBV) verweigerte
jegliche Diskussion, das 85 Seiten starke Papier gehöre «geschreddert». Verärgert haben den
SBV die bundesrätlichen Gedankenspiele, wie sich ein begrenzter Abbau von Zollschranken und
anderen Schutzmassnahmen auf die Landwirtschaft auswirken würde.

Eines der Szenarien bezieht sich explizit auf ein mögliches Freihandelsabkommen mit der
südamerikanischen Mercosur-Zollunion. Über ein solches wird derzeit verhandelt. Als Fernziel
möchte der Bundesrat die Preisdifferenz von landwirtschaftlichen Erzeugnissen gegenüber dem
Ausland um 30 bis 50 Prozent senken, wie er im Bericht schreibt. Der Bund stützt die knapp 52
000 Bauernbetriebe heute mit jährlich 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen und mit einem
Grenzschutz (zum Beispiel Importzölle) im Gegenwert von 3,5 Milliarden Franken. Die
Rahmenbedingungen definiert jeweils ein vierjähriger Zahlungsrahmen. Die nächste Periode
beginnt 2022. Im Herbst 2019 will der Bundesrat die Botschaft dazu vorlegen. Das letzte Wort
hat das Parlament. (cab)

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