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Heinzmann GmbH & Co.

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Electric Drives

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HEINZMANN
Electric Drives

Wahl und Auslegung von elektrischen


Antrieben für Elektrofahrzeuge

Copyright 2013 by Heinzmann GmbH & Co. KG. All rights reserved.
This publication may not be reproduced by any means whatsoever or passed on to any third parties.

6552 Manual EA 13 008-d / 09-13


Vorwort

Vorwort
Die nachfolgenden Ausführungen entstanden im Rahmen einer studentischen Arbeit
im Hause Heinzmann. Die dort dargestellte Vorgehensweise kann exemplarisch zur
Auswahl und Auslegung eines elektrischen Antriebes für ein Fahrzeug dienen.
Wir weisen darauf hin, dass Heinzmann keine Gewähr für die dort dargestellte
Konzeption und Planung übernimmt. Dieses Beispiel kann aber als Orientierungshilfe
für jeden Interessierten nützlich sein.

HEINZMANN übernimmt keine Garantie, weder ausdrücklich


noch stillschweigend, dass die Beispiele, Daten oder sonstigen
Informationen in dieser Anleitung fehlerfrei sind, Industriestan­
dards entsprechen oder den Bedürfnissen irgendeiner besonde­
ren Anwendung genügen.
Alle Beispiele und Daten, sowie alle übrigen Informationen in
diesem Handbuch dienen ausschließlich dem Zweck der Unter­
weisung und dürfen nicht für spezielle Anwendung eingesetzt
werden, ohne dass der Anwender unabhängige Tests und Über­
prüfungen durchgeführt hat.
HEINZMANN lehnt ausdrücklich die stillschweigende Garantie
für die Marktfähigkeit oder die Eignung für einen speziellen
Zweck ab, auch für den Fall, dass HEINZMANN auf einen spezi­
ellen Zweck aufmerksam gemacht wurde oder dass im Hand­
buch auf einen speziellen Zweck hingewiesen wird.
HEINZMANN lehnt jede Haftung für mittelbare und unmittelbare
Schäden sowie für Begleit- und Folgeschäden ab, die sich aus
irgendeiner Verwendung der in diesem Handbuch enthaltenen
Beispiele, Daten oder sonstigen Informationen ergeben.
HEINZMANN übernimmt keine Gewähr für die Konzeption und Pla­
nung der technischen Gesamtanlage. Dies ist Sache des Betreibers
bzw. deren Planer und Fachingenieure. Es liegt auch in deren Ver­
antwortungsbereich zu überprüfen, ob die Leistungen unserer Gerä­
te dem angestrebten Zweck genügen. Der Betreiber ist auch für
eine ordnungsgemäße Inbetriebnahme der Gesamtanlage verant­
wortlich.
Die Beispiele, Daten und alle übrigen Informationen in diesem
Handbuch dienen ausschließlich dem Zweck der Unterweisung
und sollten für keine spezielle Anwendung eingesetzt werden,
ohne dass der Anwender unabhängige Tests und Überprüfungen
durchgeführt hat.
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Vorwort............................................................................................................................... 2
Symbolerklärungen............................................................................................................. 4
1. Einleitung - Grundlegende Überlegungen.......................................................................5
2. Berechnungen................................................................................................................ 6
2.1 Nenndrehzahl und Getriebeübersetzung..................................................................6
2.2 Moment des Motors.................................................................................................7
2.2.1 Roll- und Strömungswiderstand........................................................................7
2.2.2 Beschleunigung auf ebener Strecke.................................................................8
2.2.3 Steigfähigkeit....................................................................................................8
2.2.4 Bestimmung des Nenn- und Spitzenmoments..................................................9
3. Wahl des Motors / der Motoren.....................................................................................10
4. Wahl des Getriebes......................................................................................................10
5. Planung des Akkumulators............................................................................................11
6. Wahl des Motorreglers / der -regler..............................................................................12
7. Weitere Komponenten..................................................................................................14
8. Notwendige Sicherheitsmaßnahmen............................................................................15
9. Erstellung des Schaltplans + des Kabelbaums.............................................................16
10. Umsetzung................................................................................................................. 18
11. Anhang........................................................................................................................ 20
11.1 cr-Werte................................................................................................................ 20
11.2 Strömungswiderstandskoeffizienten (cw-Werte)...................................................20
11.3 Akkumulatoren......................................................................................................21
Symbolerklärungen

Symbolerklärungen

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 4


1. Einleitung - Grundlegende Überlegungen

1. Einleitung - Grundlegende Überlegungen


Um den passenden Antrieb (Motor, Getriebe und Regler) für ein geplantes Elektrofahrzeug
zu finden, sollten zuerst die Rahmenbedingungen und Anforderungen für den Antrieb über­
dacht und zusammengefasst werden:
 Wie groß sollen Nenn- bzw. Höchstgeschwindigkeit sein?
 Wie groß soll die Beschleunigung (aus dem Stand auf 100 km/h bzw. auf Höchstge­
schwindigkeit) sein?
 Wie oft und wie lange wird beschleunigt? Wie oft kommt das Höchstmoment
vor?
 Wie groß ist das Gewicht des Fahrzeugs, der Ladung und einem eventuellen An­
hänger mit Last?
 Soll das Fahrzeug mit einem Zentralantrieb, einem achsnahen Antrieb oder einem
direkten Radnabenantrieb getrieben werden?
 Falls Sie einen direkten Radnabenantrieb planen: Soll das Fahrzeug mit 2- oder
4-Radantrieb betrieben werden?
 Sollen die motorgetriebenen Räder mit einer Bremse ausgestattet sein?
 Bei Mittelmotor: Bremse am Getriebe oder an der angetriebenen Achse?
 Bei direktem Radnabenantrieb: über Bremse zwischen Getriebe und Radauf­
nahme.
 Alternativ: Bremse an den nicht getriebenen Rädern.
 Soll das Fahrzeug mit einem schaltbaren Getriebe ausgestattet sein?
 Wie groß soll die maximale Steigfähigkeit des Fahrzeugs sein?
 Bis zu welcher Bodenbeschaffenheit soll das Fahrzeug diese Steigung noch er­
klimmen können? (Straßenfahrzeug oder Offroadfahrzeug)
 Welche Geschwindigkeit bzw. Beschleunigung soll bei Steigungen noch möglich
sein?
 Welche Reichweite soll das Fahrzeug haben?

Aus all diesen Überlegungen ergeben sich schließlich Werte für den Nennbetriebspunkt
bzw. für die Grenzwerte des Antriebs.

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 5


2. Berechnungen

2. Berechnungen

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 6


2. Berechnungen

2.2 Moment des Motors


Bei der Bestimmung des Nennmoments des Motors, fließen
insbesondere die verschiedenen Betriebsarten des Antriebs
und die Häufigkeit dieser Betriebsarten mit ein.

2.2.1 Roll- und Strömungswiderstand


Im konstanten Fahrbetrieb auf ebener Strecke müssen
hauptsächlich der Roll- und der Strömungswiderstand be­
achtet werden. Diese müssen später auch additiv bei der Be­
schleunigung (2.2.2) und der Steigungsfahrt (2.2.3) berück­
sichtigt werden.

Rollwiderstand: Rollwiderstand:
Der Rollwiderstand ist abhängig von der Bodenbeschaffen­ Als Gesamtgewicht des Buggys
heit und der Form der Reifen. Generell gilt: (Fahrzeug + Fahrer) werden 275
kg veranschlagt. Um begrenzte
F r=m⋅g⋅c r Offroadfähigkeit zu ermöglichen,
wird cr = 0,05 gewählt. Hieraus
Hierbei ist m das Gewicht des beladenen Fahrzeugs, g die resultiert: Fr = 134,89N
Gravitationskonstante und cr der Rollwiderstandskoeffizient.

Strömungswiderstand: Strömungswiderstand:
Abhängig von der Geschwindigkeit, sowie von der Größe Die Widerstandskraft bei einer
und Form des Fahrzeugs, wirken die Luftmassen vor dem Frontfläche von etwa 1,5m² und
Fahrzeug als Widerstand. Der Strömungswiderstand ergibt einem cw-Wert von 0,6 liegt bei
Höchstgeschwindigkeit und
sich zu: Normbedingung, bei:
ρ⋅c w⋅A front⋅v 2 Fw = 160,55N
F w=
2
Der cw-Wert beschreibt die Aerodynamik des Fahrzeugs. Da
die Luftdichte ρLuft stark temperatur- und höhenabhängig ist,
empfiehlt es sich in den meisten Fällen unter Normbedin­
gung nach DIN 1343 zu rechnen:1
kg
ρ Luft =1,293 3 bei 0°C
m

1 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Luftdichte (Version 12:51, 29. Apr. 2011)


Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 7
2. Berechnungen
Benötigtes Moment: Benötigtes Moment:

Das benötigte Moment lässt sich über die Leistung bestim­ Die Benötigte Leistung ergibt
sich für diese Werte und mit
men: ηges=0,84 zu:
(F r + F w )⋅v n P = 5,35 kW
P= η ges
Somit wird ein Moment von
P P M = 8,52 Nm
M Motor = =
( ω n ) (2⋅π⋅n n)
benötigt um auf einem geraden
Hierbei ist ηges der Gesamtwirkungsgrad des Antriebs. Dieser ergibt unausgebauten Weg (bspw.
Sandweg) mit Höchstgeschwin­
sich im Wesentlichen aus dem Wirkungsgrad des Motors und des
digkeit zu fahren.
Getriebes:
η ges=η Motor⋅η Getriebe

2.2.2 Beschleunigung auf ebener Strecke Beschleunigung:

Die Energie, die zur Beschleunigung benötigt wird, berech­ Der Buggy soll aus dem Stand
in 5 Sekunden auf 50km/h be­
net sich zu: schleunigen. Somit ergibt sich
1 eine benötigte Leistung von
E a = ⋅m⋅(v 2end −v 2anfang )
2 Pa = 6,35 kW
mit vanfang = 0 : Und somit ein benötigtes Mo­
ment von
1
E a = ⋅m⋅v 2end Ma = 24,17 Nm
2
Der Leistungsbedarf ergibt sich daraus zu:
Ea
Pa=
Δ t a⋅η ges
Wobei Δt die Dauer der Beschleunigung ist. Das benötigte Mo­
ment ist also:
Pa Pa
M a = ω end = −1
( ) π ⋅n end [s ]
2

2.2.3 Steigfähigkeit Steigfähigkeit:


Das Buggy soll in der Lage sein,
Die Steigung einer Strecke wird üblicherweise in [%] angege­ Steigungen bis 15% zu erklim­
ben.1% bedeutet hierbei ein Höhenunterschied von 1m auf men. Somit ergibt sich eine Han­
100m Strecke. Der äquivalente Steigungswinkel ergibt sich gabtriebskraft von
zu: FHang = 400 N
a [%] und somit ein Moment von
α =arctan( )
100 % M = 12,66 Nm

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 8


2. Berechnungen
Die Hangabtriebskraft FHang, die der Antrieb aufbringen muss,
um das Fahrzeug eine Strecke mit einem Steigungswinkel α
befahren zu können, ist:
F Hang =m⋅g⋅sin (α )
Auch hier lässt sich das benötigte Moment über die Leistung
bestimmen:
F Hang⋅v n
M Motor =
( 2⋅π ⋅nn⋅η ges)
Darüber hinaus müssen additiv die Kräfte bzw. Momente aus
2.2.1 beachtet werden.
Das resultierende Moment kann je nach Anwendungsgebiet
des Fahrzeugs das Spitzenmoment Mpeak oder das Nennmo­
ment Mn sein.

Nenn- und Spitzenmoment:


2.2.4 Bestimmung des Nenn- und Spitzenmoments
Der Standardbetrieb des Buggys
Aus den Formeln in 2.2.1 – 2.2.3 und den Überlegungen be­ beinhaltet konstantes Fahren
züglich der typischen Betriebsarten kann nun das benötigte sowie Brems- und Beschleuni­
Nenn- und Spitzenmoment des Motors bestimmt werden. Die gungsbetrieb.
benötigte Motorleistung ergibt sich dabei zu: Somit sollte der Nennmoment
−1 des Motors bei etwa 8,6Nm und
P=M⋅ω =M⋅2⋅π ⋅n[ s ] der Spitzenmoment bei etwa
25Nm. Diese Werte sind be­
Falls Sie Ihr Fahrzeug mit mehreren Motoren planen, müs­
wusst leicht erhöht, um noch ein
sen die ermittelten Werte auf die Motoren aufgeteilt werden. gewisses Spiel übrigzulassen.
Da das Fahrzeug mit zwei direk­
ten Radnabenantrieb ausgerüs­
tet werden soll, muss jeder der
beiden Motoren die Hälfte des
Drehmoments liefern, also etwa
4,3 Nm als Nennmoment, sowie
12,5 Nm als Spitzenmoment.

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 9


3. Wahl des Motors / der Motoren

3. Wahl des Motors / der Motoren Wahl der Motoren:

Basierend auf den ermittelten Motorsolldaten kann nun ein Aufgrund der ermittelten Motor­
solldaten fällt die Wahl der Moto­
Antrieb, also der Motor mit Getriebe bestimmt werden. Falls ren auf zwei PMS 100 mit n =
Sie nicht direkt fündig werden, lohnt sich dennoch eine An­ 6000 min-1 und 48V Batterie­
frage, denn oft können wir Ihnen auch eine maßgeschneider­ spannung.
te Lösung anbieten.
Benötigte Motordaten für ein Angebot sind:
• Nenndrehmoment oder Nennleistung
• Batteriespannung
• Nenndrehzahl
• Nennbetriebsart/-en
Das Drehmoment und der benötigte Strom ergeben sich aus
diesen Angaben. In einigen Fällen, z.B. wenn die Nennbe­
triebsart nicht S1(Dauerbetrieb) ist, ist auch die Angabe des
Spitzenmoments von Interesse.

4. Wahl des Getriebes Wahl des Getriebes mit Motor:

Zusätzlich zu dem bereits ermittelten Übersetzungsverhält­ Die maximale Radialkraft tritt


voraussichtlich bei der Be­
nis, müssen bei der Wahl des Getriebes noch die Radial- schleunigung auf. Da das Fahr­
und Axialkräfte beachtet werden. Auch hier muss zwischen zeug innerhalb von 5 Sekunden
Nennbelastung und maximaler Belastung unterschieden wer­ auf eine Geschwindigkeit von
den. 50km/h beschleunigt werden soll,
ist somit:
In den meisten Fällen ist die Nennbelastung in radialer Rich­
a = 2,77 m/s
tung die durchschnittlich auf das Getriebe wirkende Gewicht
– d.h. bei einem direkten Radnabenantrieb das Gewicht, und die maximale Radialkraft:
dass auf dem angetriebenen Rad lastet. Die axiale Nennbe­ F = 3460N
lastung hängt hingegen stark von der Anwendung des Fahr­ Die maximale Axialkraft tritt vor­
zeugs ab. aussichtlich bei Kurvenfahrten
auf, wobei von einer maximalen
Die maximale Belastung sowohl in radialer, als auch in axia­ Querbeschleunigung von 5m/s
ler Richtung kommt je nach Anbringung des Motors und des ausgegangen wird.
Getriebes am Fahrzeug und je nach Anwendungsgebiet des Hieraus ergibt sich eine maxi­
Fahrzeugs bei Beschleunigungen, Bremsungen, Kurvenfahr­ male Axialkraft von:
ten, Fahren auf schräger Ebene, Fahrten auf sehr unebener
F = 1375N
Strecke oder ähnlichem vor.
Mit der zuvor gewählten Über­
Die Nennradialkraft ergibt sich aus der Gewichtskraft: setzung, den gewählten Motoren
und diesen weiteren Anforderun­
F nr =m g⋅g
gen fällt die Wahl auf ein PMSG
Mit mg als auf dem Getriebe liegendem Gewicht. 100-500 mit n = 6000 min-1, 48V
Batteriespannung und einer
Übersetzung von 1:7.

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 10


4. Wahl des Getriebes

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 11


5. Planung des Akkumulators
3) Welche Leistung muss die Batterie maximal liefern kön­ mit einer Kapazität von 50Ah
nen? Und für welchen Zeitraum? Aus dieser Überlegung er­ und geringer Selbstentladung.
Diese werden in Reihe geschal­
gibt sich der Maximalstrom, den der Akkumulator liefern kön­ tet, um so die 48V Versorgungs­
nen muss: spannung zu liefern.
P max
I max=
Un
4) Wie schwer und wie groß sollte der Akkumulator bevor­
zugt bzw. maximal sein?
Hieraus ergeben sich die gewünschte gravimetrische und die
volumetrische Energiedichte.

5) Welche Ladeeigenschaften sollte der Akkumulator aufwei­


sen (Schnellladefähig, Überladungs- und Tiefenentladungs­
unempfindlich, Anzahl der Ladezyklen, Rückspeisefähigkeit,
geringe Selbstentladung)
6) In welchem Temperaturbereich soll das Fahrzeug betrie­
ben werden? Wird der Akkumulator an einem Platz einge­
baut, an dem erhöhte Temperaturen auftreten können?
7) In welchem Preisbereich sollte der Akkumulator liegen?
Nach Beantwortung aller Fragen und Abwägung aller Bedin­
gung, sollten Sie die prinzipiell passenden Akkumulatortypen
auf ihre Eignung überprüfen und schließlich eine Wahl tref­
fen.

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 12


6. Wahl des Motorreglers / der -regler

6. Wahl des Motorreglers / der -regler Wahl der Motorregler:

Die Wahl des Motorreglers ist durch die Wahl der Versor­ Die beiden Motoren des Buggys
müssen jeweils von einem eige­
gungsspannung, des Motors und der Nenn- und Maximalleis­ nen Regler angesteuert werden,
tungen bereits stark beschränkt. die mit den 48V Batteriespan­
nung betrieben werden. Sie sol­
Um den am besten passenden Regler zu ermitteln, empfiehlt len benutzerseitig Eingänge für
es sich auch in diesem Schritt ein Soll / Kann Schema aufzu­ die Motorfreigabe, das Gaspedal
stellen und die Anforderungen für den Regler zusammenzu­ und den Rückwärtsgang, sowie
fassen. motorseitig Eingänge für den
RLS und den KTY Temperatur­
Insbesondere sollten Sie sich hierbei über die folgenden sensor der Motoren besitzen.
Punkte Gedanken machen: Die Regler müssen dazu in der
1) Wie soll der Motor betrieben werden? Drehzahl- (Speed Lage sein die geforderten Nenn-
Mode) oder drehmomentgeregelt (Torque Mode)? und Maximalleistungen zu lie­
fern und bezüglich der Maximal­
Die übliche Art die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs zu geschwindigkeit in Vorwärts-
steuern, ist per Pedal ein Drehmoment vorzugeben, mit dem und Rückwärtsrichtung parame­
trierbar sein.
die Motoren hochlaufen, bis sie dieses Drehmoment kon­
stant halten. Der von Heinzmann für die
PMS100 Motoren empfohlene

ACD4805 Regler erfüllt all diese


Anforderungen, daher wurde
dieser gewählt.

Überlegen Sie sich auch, ob das Fahrzeug über diese Diffe­


rentialfunktion hinaus aktive Fahrunterstützungsfunktionen
besitzen soll (bspw. bei Kurvenfahrten, ein höheres Moment
auf dem Rad auf der Kurvenaußenseite).
2) Über welche Schnittstellen soll der Regler (mit dem Fah­
rer, dem Motor oder anderen Geräten) kommunizieren?
• Wie viele analoge Ein- und Ausgänge soll der Regler
besitzen und für welche Funktionen (Temperatur, Soll­
geschwindigkeit, …)?
• Wie viele digitale Ein- und Ausgänge soll der Regler
besitzen und für welche Funktionen sind diese ge­
dacht (RLS, Resolver, ...)?
• Soll der Regler einen CAN Bus Anschluss besitzen?

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 13


6. Wahl des Motorreglers / der -regler
3) Welche dieser Schnittstellen soll in die Berechnung der
Motoransteuerung einfließen?

7. Weitere Komponenten Weitere Komponenten:

Da die Akkumulatoren des Antriebs zugleich die ganze Fahr­ Da der Buggy nicht für den öf­
fentlichen Verkehr vorgesehen
zeugelektrik versorgen, lohnt es sich direkt die weiteren ist und keine Nachtfahrt vorge­
Komponenten zu planen. Hierbei geht es nicht ausschließlich sehen ist, werden nicht benötig­
um die eigentlichen Verbraucher, sondern vor allem auch um te Funktionen wie Blinker, Ab­
die Versorgung und Steuerung dieser. Überlegen Sie sich für blend- oder Fernlicht nicht ein­
jeden einzelnen Verbraucher genau: gebaut.
Die Lichtanlage des Fahrzeugs
• Unter welcher Voraussetzung wird der Verbraucher besteht aus zwei LED-Tagfahr­
angeschaltet? lichtern auf der Frontseite sowie
einem LED-Rücklicht mit inte­
• Welche Versorgungsspannung benötigt der Verbrau­ griertem Bremslicht auf der
cher? Rückseite.
• Wie viel Leistung benötigt der Verbraucher? Während das Tagfahrlicht auto­
matisch mit dem Einschalten
Durch die Betrachtung aller Verbraucher erhalten Sie einen des Fahrzeugnetzes aktiviert
Überblick über die benötigten Schütze und Schalter, sowie wird, schaltet das Bremslicht
über alle benötigten Spannungsebenen mit den jeweils be­ durch einen Sensor am Brems­
pedal.
nötigten Leistungen. Überprüfen Sie, ob mehrere Verbrau­
cher zusammen geschaltet werden können und auf welche Als Warnsignal wird eine Hupe
Leistung die benötigten DC/DC-Wandler und Sicherungen montiert, deren Ansteuerung
über einen Taster an prominen­
ausgelegt werden müssen. ter Stelle am Pult geschieht.
Typische elektrische Verbraucher sind: Licht und Hupe werden über
einen 30W DC/DC Wandler
• Licht (Tagfahr-, Abblend-, Fern-, Rück-, Rückfahr-, 48V/12V versorgt, der im Pult
Brems-, Positions-, Blink-, Innenraumlicht, ...) mit verbaut wird.
• Signale (Hupe, Rundumleuchten, ...) Das Freischalten der Fahrzeug­
elektrik geschieht über einen
• Anzeigen (Geschwindigkeit, Batterieladestand, Kilo­ Schlüsselschalter am Pult. Dar­
meterstand, Temperatur und andere Regler- und Mo­ über hinaus kann der Fahrer
torrückmeldungen, …) über einen Dreiwegeschalter
zwischen zwei Vorwärtsge­
• Kühlung, Ventilatoren schwindigkeitsstufen und dem
Rückwärtsgang wählen.
Ein Tachometer und eine Batte­
riestandsanzeige geben wäh­
rend der Fahrt die wichtigsten
Daten wieder.

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 14


7. Weitere Komponenten
Da die Regler zusammen mit
den Akkumulatoren in einer ge­
schlossenen Reglerbox montiert
werden, sorgen vier seriellver­
schaltete 12V Lüfter für die nöti­
ge Kühlung. Diese werden sen­
sorlos betrieben und mit dem
Einschalten des Fahrzeugnetzes
aktiviert.

8. Notwendige Sicherheitsmaßnahmen Sicherheitsmaßnahme:

Neben den Sicherungen, als passive Sicherheitsmaßnah­ Ein Notausschalter am Boden


rechts neben den Beinen des
men, müssen Sie sich Gedanken über den Einbau und den Fahrers ermöglicht das augen­
Einbauort mindestens eines Notausschalters machen. blickliche Trennen des Akkumu­
lators von der Fahrzeugelektrik.
Die Notausschalter sind dafür gedacht, dass der Fahrer oder
auch ein Mitfahrer in Gefahrensituationen augenblicklich die
Batteriespannung von allen elektrischen Geräten trennen
kann.

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 15


9. Erstellung des Schaltplans + des Kabelbaums

9. Erstellung des Schaltplans + des Kabelbaums


Basierend auf den Daten der vorhergehenden Kapitel sollte nun ein Schaltplan erstellt
werden. Es lohnt sich hierbei, die Komponenten wenn möglich nach ihrer Position im Fahr­
zeug anzuordnen, da die folgende Erstellung des Kabelbaums somit erleichtert wird.
Vor der folgenden Erstellung des Kabelbaums sollten Sie sich zuerst einen groben, auf
den Schaltplan basierenden Überblick verschaffen. Überlegen Sie sich ob und wo Sie im
Fahrzeug ein Knoten- bzw. Verzweigungspunkt anlegen könnten, um die Kabelanzahl zu
verringern. Im Anschluss erstellen sie den Kabelbaum, der die Lage und die Länge der
Leiter, sowie die Anzahl der Litzen mit ihrer Leistungsauslegung enthält.

Beispiel:
Der Schaltplan des Buggys

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 16


9. Erstellung des Schaltplans + des Kabelbaums
Kabelbaum des Buggys:

Die Zusammenfassung der Kabel vom Pult zur Front und vom Pult zum Heck, ermöglicht die Einsparung von
2 Leitern bis zum Verdrahtungspunkt, da die 12V+ und 12V GND für Licht (vorne und hinten) erst dort aufge­
teilt werden.
Längen:
Notaus ↔ Heck: 700mm Heck ↔ Knotenpunkt: 1200mm
Knotenpunkt ↔ Pult: 600mm Knotenpunkt ↔ Front: 350mm

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 17


10. Umsetzung

10. Umsetzung
Für die Projektplanung und Umsetzung Ihres Projekts können wir Ihnen nun leider keinen
Ratschlag mehr geben. Stattdessen möchten wir Ihnen aber gerne im Folgenden ein paar
Bilder unseres umgebauten Buggys präsentieren.

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 18


10. Umsetzung

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihr Projekt und drücken Ihnen die Daumen.

Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 19


11. Anhang

11. Anhang
2
11.1 cr-Werte

cR Wälzkörper/Wälzkörperbahn

0,0005–0,001 Kugellager, Kugel und Lager aus gehärtetem Stahl

0,001–0,002 Eisenbahnrad auf Schiene

0,0035 Fahrradreifen auf Asphalt

0,006–0,010 Autoreifen auf Asphalt, Lkw

0,011–0,015 Autoreifen auf Asphalt, Pkw

0,01–0,02 Autoreifen auf Beton

0,020 Autoreifen auf Schotter

0,015–0,03 Autoreifen auf Kopfsteinpflaster

0,03–0,06 Autoreifen auf Schlaglochstrecke

0,045 Verbinderkette (Raupenfahrwerk, Leopard 2) auf fester Fahrbahn

0,050 Autoreifen auf Erdweg

0,04–0,08 Autoreifen auf festgefahrenem Sand

0,035–0,08 Gurtband (Raupenfahrwerk, Caterpillar Challenger und John Deere 8000T) auf Asphalt

0,2–0,4 Autoreifen auf losem Sand

3
11.2 Strömungswiderstandskoeffizienten (cw-Wer­
te)

cw Form

1,33 Halbkugelschale, konkave Seite, Fallschirm

1,1 runde Scheibe, quadratische Platte

0,8 LKW

0,78 Mensch, stehend

0,7 Motorrad, unverkleidet

0,6 Gleitschirm im Normalflug

0,55 Moderner Lkw-Sattelzug mit Aeropaket (40 t), Stand 2010

0,5 Cabrio offen, Motorrad verkleidet

2 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rollwiderstand (Version 10:30, 10. Apr. 2011)


3 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Strömungswiderstandskoeffizient (Version 18:25, 6. Apr. 2011)
Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 20
11. Anhang
0,45 Kugel (Re < 1,7 105)

0,18 Kugel (Re > 4,1 105)

0,4 Durchschnittlicher Roadster

0,34 Halbkugelschale, konvexe Seite

0,30 moderner, geschlossener PKW

0,186 stark optimiertes Fahrzeug

0,08 Tragflügel beim Flugzeug

0,05 Tropfenform, Stromlinienform

0,03 Pinguin

4
11.3 Akkumulatoren

Energiedichte Wirkungs­
Akkumulatortyp Besonderheit
(Wh/kg) grad

Bleiakkumulator 30 60–70%

Lithium-Ionen-Akkumulator 120–210 90% neuere Modelle schnellladefähig

Lithium-Polymer-Akkumulator 140 90%

Lithium-Eisen-Phosphat-Akkumula­
80-100 90% schnellladefähig, hochstromfähig
tor

Lithium-Titanat-Akkumulator 70–90 90–95% schnellladefähig

Natrium-Nickelchlorid-Akkumulator
100–120 80–90% 300 °C Betriebstemperatur
(Zebra-Batterie)

300 °C Betriebstemperatur, keine Selbst­


Natrium-Schwefel-Akkumulator 120-220 89%
entladung

sehr unempfindlich gegen Über- und Tie­


Nickel-Eisen-Akkumulator 40 65-70%
fenentladung

Nickel-Metallhydrid-Akkumulator 60–110 70%

Nickel-Wasserstoff-Akkumulator 60 75%

Nickel-Zink-Akkumulator 50 65%

4 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Akkumulator (Version 17:48, 2. Mai 2011 )


Wahl und Auslegung von elektrischen Antrieben für Elektrofahrzeuge 21