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Als der Artillerieverein den Wasserturm

Der Wasserturm 1937 übernahm, mussten 5000 Säcke


Schutt aus dem Verlies abtransportiert
Der Wasserturm ist Bestandteil der werden, bis der ursprüngliche Boden, ca.
mittelalterlichen Stadtbefestigung von 80 cm über dem normalen Wasserstand
Luzern und wurde vermutlich um die Jahre der Reuss wieder hergestellt war.
1290-1300, also noch in der Bei dieser Gelegenheit wurde erfolglos
Habsburgerzeit, erbaut. nach dem Grundstein des Turmes gesucht.
Ein unregelmässiges Achteck von 4,4 - 5 m Auch das Gerücht, wonach ein
Seitenlänge bildet den Grundriss und gibt unterirdischer Fluchtgang unter dem
dem Wasserturm seine einzigartige Form. Wasserturm bestanden haben soll, konnte
Der Umfang des Turmes beträgt 39 m, die nicht bestätigt werden.
Höhe 34,5 m.
Der Wasserturm diente während seines
700-jährigen Bestehens verschiedenartigen
Zwecken.
Als dominierender Beobachtungsposten
erlaubte er die Überwachung der Schifffahrt
im Luzerner Seebecken.
Zusammen mit der Hof- und der
Kapellbrücke bildete er das
Verteidigungswerk der Stadt zur Seeseite
hin und seine Besatzung hätte im Notfall
wohl lange Widerstand leisten können.
Seit dem 14. Jahrhundert diente der Turm
mehrmals als Archiv. Erst 1919 wurde das
Stadtarchiv endgültig aus dem Turm
entfernt.
In der heutigen Turmstube wurden der
Staatsschatz und die Kriegsbeute
aufbewahrt.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts diente
der Turm als Gefängnis. Die Delinquenten
konnten im Turm der üblichen
Verhörmethode, der Folter unterzogen
werden.

Das Verlies

Der unterste Raum des Turmes, das


Verlies, diente im Mittelalter als
ausbruchsicheres Gefängnis. Es ist nur
durch eine kreisrunde Öffnung im
Scheitelpunkt des Gewölbes zugänglich.
Die Gefangenen wurden auf einem Knebel
sitzend an einem Seil hinabgelassen und
nach Verbüssung ihrer Strafe wieder
hochgezogen. Die Öffnung konnte mit
einem Stein verschlossen werden, wodurch
im Verlies absolute Dunkelheit herrschte.
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Die Wendeltreppe Die Rüstkammer

Die Wendeltreppe macht mit total 76 Unmittelbar über dem Verlies befindet sich
Stufen die oberen Räume des Turmes die Rüstkammer, in der heute die
zugänglich. Sie ist komplett in die Mauer umfangreiche Waffensammlung des
des Turmes eingebaut, welche am Fusse Artillerievereins ausgestellt ist. Die
des Turmes eine Dicke von 4,5 m aufweist. einzelnen Exponate der Waffensammlung
Je höher man steigt, desto niedriger wird sind im kürzlich erschienenen Waffenbuch
das Treppenhaus. des AVL beschrieben.
Noch heute müssen alle Waren, die im Bei den Ausbauarbeiten durch den
Turm benötigt werden, über diese Treppe Artillerieverein wurden 1937 Reste eines
hoch getragen werden. Eine spürbare Graffito freigelegt. Das Wandgemälde stellt
Erleichterung brachte das Jahr 1968 als Kreuzigung und Kreuzabnahme oder
eine Wasserleitung und die WC-Anlage im Grablegung Christi dar und dürfte aus den
Turm eingebaut wurden. 16. Jahrhundert stammen. Man glaubte,
Glücklicherweise hat der Wasserturm den dass solche Bilder den Gefangenen Trost
Brand der Kapellbrücke am 18. August spenden und dass nach Folterungen der
1993 weitgehend unbeschadet Anblick beruhigend auf sie einwirken
überstanden. Im Stiegenhaus muss würde.
während der Feuersbrunst eine enorme
Hitze geherrscht haben, denn vom kräftigen
Seil, das als "Handlauf" diente, blieb nur
Asche zurück.
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Die Geheimkammer Die Artillerie-Stube

Im Jahre 1758 wurde entdeckt, dass ein Die Artillerie-Stube ist der niedrigste, aber
Teil des im Wasserturm aufbewahrten auch der hellste Raum im Wasserturm. Hier
Luzerner Staatsschatzes verschwunden treffen sich die Artilleristen zum
war. gemütlichen Zusammensein und zu
Zwei untreue Staatsbedienstete hatten sich Besprechungen. Ebenfalls können hier
durch ein Loch im Dachboden Zugang zur unsere Gäste und die Besucher des
Schatzkammer verschafft. Über mehrere Turmes bewirtet werden.
Jahre hinweg hatten sie Münzen aus Sechs Doppelfenster erhellen den Raum.
Truhen und Behältern entfernt und die Das siebte Fenster ist schon im frühen
geöffneten Säcke mit Steinen und Sand Mittelalter zugemauert und die so
wieder aufgefüllt. Die Diebe und einige ihrer entstandene Nische mit einer Eisentüre
Komplizen bezahlten ihre Tat mit dem verschlossen worden. Dieses sehenswerte
Leben, soweit sie sich nicht durch Flucht Zeugnis der Handwerkskunst wurde aus
ins Ausland ihrer Strafe entziehen konnten. unzähligen Blechstücken
Um den Staatsschatz besser zu schützen, zusammengeschmiedet und dürfte ein Alter
wurde 1759 in der Rüstkammer ein von 500-600 Jahren aufweisen.
Gewölbe eingezogen und damit die
Geheimkammer geschaffen, die durch den
Fussboden der Artilleriestube zugänglich
ist. Die Geheimkammer war in
Vergessenheit geraten und wurde erst im
Jahr 1937 wiederentdeckt. In der Mitte ist
sie 78 cm hoch. Am äusseren Rand kann
ein mittelgrosser Mann aufrecht stehen.
Leider war die Geheimkammer bei ihrer
Wiederentdeckung vollständig leer.
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Die Laube

Einen überwältigenden Eindruck auf den


Besucher macht der imposante Dachstock
des Wasserturmes. Der mächtige
Mittelpfosten trägt die Hauptlast des
pyramidenförmigen Daches. Eine
Untersuchung ergab, dass die für den
Dachstock verwendeten Balken im Jahre
1339 geschlagen wurden. Vermutlich
verfügte der Wasserturm also in den ersten
Jahren seines Bestehens über eine offene
Zinne.
Mit der Pfostenwinde konnten in früherer
Zeit Waren ausserhalb des Turmes auf den
Dachboden gehievt werden.
Die Bretterverschalung ragt rund um den
Turm 1 m über das Mauerwerk hinaus und
verfügt über 15 Aussparungen, die sich mit
Läden schliessen lassen.
Oberhalb befinden sich die Nistkästen der
Alpenseglerkolonie, die seit ca. 1890 den
Wasserturm bewohnt. Die Zugvögel treffen
in der Regel Anfangs April in ihrem
Sommerquartier ein und verlassen es nach
Aufzucht der Jungvögel Ende September.
Vor den Alpenseglern wurde der
Wasserturm auch von Störchen als
Nistplatz benutzt. Das Storchennest, das
die Krönung der Turmspitze bildet wurde
leider 1887 verlassen und blieb seither
unbewohnt.

Die Angaben wurden der Webpage


www.avluzern.ch entnommen und stammen
vor allem aus dem Buch des
Artillerievereins Luzern „Der Wasserturm in
Luzern“.

2017a/mh