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Goethes unheimliche Begegnung zwischen Hanau und Gelnhausen

Zum 185. Todestag:


War Goethe ein UFO-Zeuge?

Johann Wolfgang von Goethe, Detailansicht aus dem Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, 1828.

Hanau (Deutschland) – Vor 185 Jahren verstarb Johann Wolfgang


von Goethe. Neben seinen zahlreichen Werken, ist der
Dichterfürst auch als Philosoph und Wissenschaftler bekannt. Im
dritten Teil seiner Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“,
berichtet Goethe von seinen Erlebnissen bis 1775.
Im zweiten Band über seine Studienzeit in Thüringen findet sich
auch ein Bericht über eine Sichtung, die sie im heutigen Kontext
sicherlich in den Bereich grenzwissenschaftlicher Phänomene
fallen würde.
Tatsächlich wurde Goethes Sichtung schon früh von Forschern als
historische UFO-Sichtung gedeutet.

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Goethes unheimliche Begegnung zwischen Hanau und Gelnhausen

Im Herbst 1765 war der junge Goethe mit der Postkutsche von Frankfurt nach
Leipzig unterwegs, wo er sein Jurastudium beginnen wollte, als es zu folgendem von
Goethe selbst ausführlich beschrieben Vorfall kam:

„Wir waren zur Allerheiligen-Pforte hinausgefahren und hatten bald Hanau hinter
uns, da ich denn zu Gegenden gelangte, die durch ihre Neuheit meine
Aufmerksamkeit erregten, wenn sie auch in der jetzigen Jahreszeit wenig
Erfreuliches darboten.

Ein anhaltender Regen hatte die Wege äußerst verdorben, welche überhaupt noch
nicht in den guten Stand gesetzt waren, in welchem wir sie nachmals finden; und
unsere Reise war daher weder angenehm noch glücklich.

Doch verdankte ich dieser feuchten Witterung den Anblick eines Naturphänomens,
das wohl höchst selten sein mag; denn ich habe nichts Ähnliches jemals wieder
gesehen, noch auch von Anderen, dass sie es gewahrt hätten, vernommen.

Wir fuhren nämlich zwischen Hanau und Gellenhausen bei Nachtzeit eine Anhöhe
hinauf, und wollten, ob es gleich finster war, doch lieber zu Fuße gehen, als uns der
Gefahr und Beschwerlichkeit dieser Wegstrecke aussetzen.

Auf einmal sah ich an der rechten Seite des Wegs, in einer Tiefe eine Art von
wundersam erleuchtetes Amphitheater. Es blinkten nämlich in einem
trichterförmigen Raume unzählige Lichtchen stufenweise über einander, und
leuchteten so lebhaft, dass das Auge davon geblendet wurde. Was aber den Blick
noch mehr verwirrte, war, dass sie nicht etwa still saßen, sondern hin und wieder
hüpften, sowohl von oben nach unten, als umgekehrt und nach allen Seiten.

Die meisten jedoch blieben ruhig und flimmerten fort. Nur höchst ungern ließ ich
mich von diesem Schauspiel abrufen, das ich genauer zu beobachten gewünscht
hätte.

Auf Befragen wollte der Postillon zwar von einer solchen Erscheinung nichts wissen,
sagte aber, dass in der Nähe sich ein alter Steinbruch befinde, dessen mittlere
Vertiefung mit Wasser angefüllt sei. Ob dieses nun ein Pandämonium von Irrlichtern
oder eine Gesellschaft von leuchtenden Geschöpfen gewesen, will ich nicht
entscheiden.“

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Goethes unheimliche Begegnung zwischen Hanau und Gelnhausen

Was Goethe damals zwischen Hanau und Gelnhausen beobachtet und später
beschrieben hatte, widersetzt sich bis heute und im gerade auch im zeitlichen
Kontext einer eindeutigen rationalen Erklärung.

Denn selbst, wenn man die trichterförmige Anordnung der Lichter mit der vom
Postkutscher beschriebenen wassergefüllten Vertiefung im Steinbruch zu erklären
versucht, erklärt sich daraus nicht das blendendhelle wechselhafte Lichterspiel.
Schließlich war elektrisches Licht – und nach einem derartigen Ein- und Ausschalten
von Lichtern klingt die Beschreibung – noch gar nicht erfunden.

Handelt es sich hierbei also um ein Phänomen, das wir heute wohlmöglich als UFO-
Sichtung bezeichnen würden? Tatsächlich wurde Goethes Schilderung schon früh von
UFO-Forschern in einem entsprechenden Kontext interpretiert. Das bekannteste
Beispiel hierfür ist die Fallsammlung des französischen UFO-Pioniers Jaques Vallée
„Chronique des apparitions extraterrestres“ (Passport to Magonia) von 1969.

Später nutzte Vallée Goethes Sichtung u.a. um mit dieser und anderen historischen
und damals noch Naturgeistern zugeschriebenen Beschreibungen exotischer
Phänomene, seine Theorie zu stützen, nach der UFO-Erscheinungen nicht
zwangsläufig außerirdischer sondern viel mehr interdimensionaler Natur sein
könnten.

Jenseits aller Deutungen betrachtet, ist der Bericht des Dichterfürsten zunächst
einmal auf keinen Fall eine „UFO-Sichtung“ im eigentlichen Sinn, da Goethe eben
kein „fliegendes Objekt“ beschreibt. Lediglich die Formbeschreibung als
amphitheater- und damit am ehesten wohl rund bzw. trichterförmig, sowie die für die
damalige Zeit ungewöhnliche und blendend helle „Beleuchtung“, suggeriert zunächst
eine Verbindung zum modernen UFO-Phänomen.

Wenn überhaupt, so schildert Goethe also bestenfalls eine sogenannte


Nahbegegnung der ersten Art (Close Encounter, First Kind = CE-1) und damit die
Sichtung eines unidentifizierten (Flug-?)Objekts – bzw. dessen vermeintliche
Landung – aus weniger als 500 Metern Entfernung.

Ob es auch zu einer Wechselwirkung der „Erscheinung“ mit der Umgebung kommt,


geht aus Goethes Bericht nicht hervor.

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Goethes unheimliche Begegnung zwischen Hanau und Gelnhausen

Leuchtkäfer in einem Wald bei Nürnberg, Aufnahmedauer 30 Sekunden.

Gegen diese Interpretation regte sich erwartungsgemäß auch schon früh Widerstand
von Seiten der UFO-Kritikergemeinde und UFO-Skeptikern. Sie weisen auf den
Umstand hin, dass Goethe mit der Sichtungsumgebung nicht vertraut war und
erklären, wie etwa der kritische französische UFO-Forscher Patrick Gross, das
Lichterspiel mit dem Paarungsflug von Leuchtkäfer-Haufen, in denen die
(flugunfähigen)Weibchen mehr oder weniger bewegungslos verharren und von
Ansammlungen zahlreicher Männchen in sprunghaften Bewegungen umflogen
werden.

Ob die beschriebenen Witterungsbedingungen und herbstliche Jahreszeit der


Sichtung, sowie die Leuchtkraft der Leuchtkäfer tatsächlich die offenbar selbst für
den ausgewiesen naturinteressierten jungen Goethe eine derart rätselhafte wie
lichtstarke Erscheinung hervorbringen konnten, wie sie ihn zu obiger eindrucksvollen
Beschreibung veranlasste, bleibt sicherlich auch weiterhin Inhalt kontroverser
Diskussionen.

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