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Binationale Ehen – Liebe zwischen den Kulturen

Geschrieben von: Petra Beispielhof

Urlaubsreisen, Arbeits- und Studienaufenthalte im Ausland, offene Grenzen. Mit steigender


Mobilität wird unsere Gesellschaft immer multikultureller. Bei jeder sechsten Eheschließung in
Deutschland stammt zumindest einer der Partner aus dem Ausland. Jedes fünfte Kind, das in
Deutschland geboren wird, hat zumindest ein ausländisches Elternteil.
Die Hürden der Bürokratie
„Unsere Liebe begann wie in einem exotischen Märchen. Im Ehealltag wurde mir schnell klar, wie
unterschiedlich wir eigentlich sind”, erzählt Charlotte Kerber. Sie hatte sich auf einer Reise nach
Kuba unsterblich in Raoul verliebt. Wieder zu Hause in München trat sie zum Kampf gegen die
Behörden an und setzte alles in Bewegung, um ihn nach Deutschland zu holen. Denn bevor ein
Deutscher und ein Partner aus dem außereuropäischen Ausland ein gemeinsames Leben
beginnen können, ist der Kampf gegen die Bürokratie zu bestehen.

Rechtlich unterstehen binationale Familien dem Ausländergesetz. Der ausländische Partner


genießt beschränktes Bürgerrecht: er darf nicht wählen und findet wegen fehlender
Sprachkenntnisse oder einer nicht anerkannten Ausbildung oft keinen Arbeitsplatz. Kleinigkeiten
wie gemeinsame Reisen ins Ausland werden plötzlich zum Problem. Wenn der Partner für jeden
Kurzurlaub ein Visum benötigt, vergeht die Reiselust.
Das Heimweh nach der Familie und der eigenen Kultur ist besonders am Anfang groß. Wenn das
Familieneinkommen beschränkt ist, bleibt der regelmäßige Heimaturlaub ein Traum. Der
Deutschkurs ist der erste Schritt zur Integration in der neuen Heimat und zur Unabhängigkeit
vom Partner, doch auch Kontakt zu Angehörigen der eigenen Kultur ist wichtig.
Probleme im Alltag
Zu den normalen partnerschaftlichen Problemen und den Schwierigkeiten, die sich aus dem
Ungleichgewicht in der Anfangszeit ergeben, kommen oft interkulturelle Probleme: Man spricht
in mancherlei Hinsicht unterschiedliche Sprachen. Auch das Thema Kindererziehung wird leicht
zum Kampf der Kulturen: Kann man einen Jungen, der in Deutschland aufwächst, eigentlich
Mustafa nennen? Und wer bestimmt die Religion der Kinder?
Zwei Sprachen – Zwei Kulturen
Zweisprachigkeit ist eine Chance, aber keinesfalls eine Selbstverständlichkeit in binationalen
Familien, denn ohne feste Regeln geht es nicht. Entscheidend für den Erfolg der bilingualen

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Erziehung ist, dass vom Kind die jeweilige Sprache einem bestimmten Elternteil zugeordnet
werden kann. Eine deutsche Mutter wird also Deutsch mit dem Kind sprechen, der
spanischsprachige Vater nur Spanisch. Kompliziert wird es, wenn das deutsche Elternteil die
Muttersprache des Partners nicht versteht, denn so entwickeln das ausländische Elternteil und
die Kinder eine Art Geheimsprache, die ein Familienmitglied ausgrenzt. Andererseits finden
Kinder nur schwer Zugang zu Kultur und Familie des nichtdeutschen Elternteils, wenn sie nicht
dessen Sprache erlernen.

Gekürzter Text auf der Basis von: https://www.familienhandbuch.de/familie-leben/partnerschaft/herausforderung-


konflikte/wodieliebehinfaelltbinationalefamilienindeutschl.php

Schreiben Sie einen Leserbrief an die Redaktion (ca. 180 Wörter). Gehen Sie dabei auf folgende
Punkte ein:

1. Was ist Ihre Meinung zu den im Text genannten Problemen? Fallen Ihnen weitere
Probleme ein?
2. Wo sehen Sie die Lösung dieser Probleme?
3. Welche Vorteile finden Sie in einer binationalen Familie?
4. Wie werden binationale Familien in Ihrem Heimatland betrachtet?

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