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Die wichtigsten Fachbegriffe für

(angehende) Erzieherinnen und Erzieher

Von A wie
Angebot
bis Z wie
Zielformulierung
Die wichtigsten Fachbegriffe
Einleitung
Liebe Leserin, lieber Leser,

du hast schon lange nach einem kompakten, aber informativem Fachwörterbuch für Theo-
rie und Praxis gesucht? Dann hat deine Suche nun ein Ende! Nachfolgend findest du viele
wichtige Fachbegriffe für Pädagogen in alphabetischer Reihenfolge. Jeder Begriff wird klar
definiert, ausführlich und verständlich erklärt sowie wann immer es möglich ist mit praxis-
nahen Beispielen näher erläutert.

So kannst du das E-Book „Fachbegriffe für (angehende) Erzieherinnen und Erzieher“ ganz
vielseitig und individuell während der schulischen Ausbildung verwenden, aber auch für die
praktische pädagogische Arbeit in Krippen, Kindergärten, Horten oder Jugendeinrichtungen
nutzen .

Wir wünschen dir viel Spaß mit deinem neuen E-Book!

Dein Team von erzieherin-ausbildung.de

Herausgeber: erzieherin-ausbildung.de
Version: 1.0
Gestaltung: Hinterland, Büro für visuelle Kommunikation
Copyright: erzieherin-ausbildung.de 2017
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A

Die wichtigsten Fachbegriffe


A

Angebot, geführte Tätigkeit


Ein pädagogisches Angebot ist im Gegensatz zum Freispiel eine zielgerichtete, geplante
Tätigkeit, welche von der Fachkraft angeleitet und/oder moderiert wird. Ein Angebot be-
steht aus mehreren Phasen und wird in der Regel mit einer Kleingruppe durchgeführt. Die
teilnehmenden Kinder kann die pädagogische Fachkraft bewusst auswählen.

Während der pädagogischen Ausbildung müssen Angebote schriftlich geplant werden. Die
Planungen enthalten Informationen zu den Inhalten des Angebotes, meist werden diese in
Form einer Sachanalyse zusammengefasst. Wichtig ist zudem die Zielformulierung, denn
mit jedem Angebot sollen von den Teilnehmern vorher festgelegte Grob- und Feinziele er-
reicht werden.

Die Zielformulierung kann sich zum Beispiel auf den motorischen, sozialen, emotionalen
oder kognitiven Bereich beziehen und sollte konkrete Aussagen zu den Kompetenzberei-
chen enthalten, die durch das jeweilige Angebot gefördert werden sollen, also die Ich-Kom-
petenz, die Sozial-Kompetenz und die Sach-Kompetenz.

Die Ziele müssen positiv formuliert werden und so allgemein, dass möglichst alle teilneh-
menden Kinder diese Ziele auch erreichen können.

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Aktives Zuhören

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Das Aktive Zuhören war zunächst ein wichtiger Bestandteil der von dem US-amerikanischen
Psychotherapeuten entwickelten klientenzentrierten Psychotherapie. Der Fokus liegt dabei
auf der gefühlsbetonten Ebene innerhalb der Kommunikation. So erfährt der Gesprächs-
partner Wertschätzung und fühlt sich besser verstanden, denn Missverständnisse kommen
seltener vor.

Wichtige Methoden beim aktiven Zuhören sind emphatische Nachfragen und der Gebrauch
von Ich-Botschaften anstelle von häufig anklagenden Du-Botschaften. Außerdem soll der
Gesprächspartner, in den meisten Fällen das Kind, durch den Dialog angeregt werden, selbst
Lösungen für Probleme zu finden und sein eigenes Verhalten zu reflektieren.
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Dialogbeispiel: Ein Kind kommt zu seiner Erzieherin und beschwert sich über ein anderes,
welches ihm ein Spielzeug weggenommen hat.

Erzieherin: „Habe ich das richtig verstanden, dass Paul dir ohne zu fragen das Auto wegge-
nommen hat?“
Kind: „Ja. Ich habe nur kurz nicht hingesehen.“
Erzieherin: „Das war bestimmt ein blödes Gefühl für dich, oder? Das Auto ist ja sehr beliebt
und oft spielen schon die Vorschulkinder damit, wenn du morgens kommst.“
Kind: „Genau. Das ist total gemein.“
Erzieherin: „Ich kann deinen Ärger gut verstehen. Was können wir tun, damit du heute doch
noch einen schönen Tag im Kindergarten hast?“
Kind: „Der Paul soll mir das Auto zurückgeben. Aber der hört mir gar nicht zu, wenn ich ihm
das sage.“
Erzieherin: „Also brauchst du meine Hilfe?“
Kind: „Ja, du sollst bitte dem Paul sagen, dass ich zuerst dran war.“
Erzieherin: „Ok, dann lass uns mal schauen, wo Paul mit dem Auto ist.“

Autismus
Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die vor allem den sozial-emotionalen Bereich be-
trifft. Autismus ist angeboren und kann nicht geheilt werden. Häufig, aber nicht immer,
haben Autisten geistige Beeinträchtigungen.

Viele Autisten ziehen sich komplett in sich selbst zurück, sprechen nicht oder selten, wieder-
holen zwanghaft bestimmte Bewegungsabläufe oder Worte und Sätze. Es gibt unterschied-
liche Formen von Autismus, beispielsweise das Asperger-Syndrom oder den sogenannten
„frühkindlichen Autismus“. Bei letzterem fällt vor allem die verzögerte Sprachentwicklung
auf, Menschen, bei denen ein Asperger Syndrom diagnostiziert wird, haben vor allem mo-
torische Schwierigkeiten. Erste Auffälligkeiten im Hinblick auf den frühkindlichen Autis-
mus treten bereits ab dem 10. Lebensmonat auf, während beim Asperger-Syndrom fallen

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in der Regel erst ab dem 4. Lebensjahr einschlägige Verhaltensweisen auf. Insgesamt ist

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sowohl die kognitive als auch die emotionale Empathie bei Autisten eingeschränkt. Sie ha-
ben Schwierigkeiten, mit anderen Menschen angemessen zu kommunizieren überzeugen
stattdessen eine auffällige Objektfixiertheit. Einige Autisten zeigen Inselbegabungen und
sind überdurchschnittlich intelligent.

Autonomiephase
Die Autonomiephase des Kleinkindes wurde früher als Trotzphase bezeichnet. Weil dieser
Begriff aber negativ besetzt ist, sprechen Entwicklungspsychologen heute von der Auto-
nomiephase. Oft ist die Autonomiephase eng mit der Sprachentwicklung verknüpft und be-
ginnt daher mit etwas 18 Monaten, wenn das Kind bereits einige Worte sprechen kann und A
beginnt, Fragen zu stellen. Werden diese mit „Nein“ beantwortet, empfinden viele Kinder
negative Gefühle wie Wut und Enttäuschung. Weil Kleinkinder Mechanismen zur Selbstre-
gulierung erst lernen müssen, kommt es dann häufig zu Gefühlsausbrüchen wie Schreiat-
tacken. Viele Kinder toben so heftig, dass sie sich auf den Biden werfen oder Gegenstände
schmeißen.

Auch die Erfahrung, dass ein Kind aufgrund seiner motorischen Entwicklung viele Vorhaben
noch nicht umsetzen kann und daher immer wieder an seine Grenzen stößt, kann Frust-
und Trotzreaktionen auslösen. Durch eine wertschätzende Ansprache können Eltern und
Bezugspersonen Kinder in akuten Trotzmomenten ablenken und auffangen. Auch das Spie-
geln von Emotionen, das Spenden von Trost sowie ein genereller Gebrauch von kurzen Sät-
zen helfen Kindern, mit den eigenen Gefühlen besser umgehen zu lernen. Sinnvoll ist es,
dem Kind zwar seine Grenzen aufzuzeigen, ihm aber auch Erfolgserlebnisse zu ermöglichen,
indem es sich selbst ausprobieren darf.

Beispiel: Das Kind möchte sich selbst seine Schuhe anziehen, bevor es das Haus verlässt.
Dazu braucht es mehr Zeit als seine Mutter, also steht die Familie morgens früher auf, damit
kein Stress aufkommt.

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B

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B

Beobachtung
Die Beobachtung ist eine wichtige Methode in der pädagogischen Arbeit und geht jeder
Beurteilung oder Planung voraus. Es gibt mehrere Formen der Beobachtung:

• Bei der freien Beobachtung richtet sich der Blick bewusst auf eine bestimmte Situation,
ohne dass zuvor ein Beobachtungsziel festgelegt wurde oder irgendwelche Kategorien
berücksichtigt werden.
• Die systematische bzw. gezielte Beobachtung dient einem bestimmten Zweck, wird
schriftlich festgehalten, findet innerhalb eines festgelegten zeitlichen Rahmens statt
und ist an festgelegte Kriterien geknüpft.
• Bei der verdeckten Beobachtung wissen die beobachteten Personen nicht, dass sie be-
obachtet werden. Bei der offenen Beobachtung wird ihnen dies vorher mitgeteilt. Zudem
wird zwischen der aktiven und der passiven Beobachtung unterschieden.

Ein weiteres, standardisiertes Beobachtungsverfahren stellt die Nutzung von Beobach-


tungsbögen dar, in denen bestimmte Verhaltensweisen oder Fähigkeiten abgefragt wer-
den. Die bekanntesten Beobachtungsbögen im Kindergartenbereich sind PERIK (Positive
Entwicklung und Resilienz im Kindergartenalltag) und SELDAK (Sprachentwicklung und Li-

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teracy bei deutschsprachig aufgewachsen Kindern) bzw. SISMIK (Sprachverhalten und Inte-

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resse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen).

Gerade bei der freien oder gezielten Beobachtung kann es zu subjektiven Wahrnehmungs-
fehlern kommen. Die häufigsten Beobachtungsfehler sind:

• Halo-Effekt: Der Beobachter bewertet die Gesamtsituation oder eine dominierende Cha-
raktereigenschaft einer Person.
• Milde-Effekt: Der Beobachter tendiert dazu eine Situation nicht streng genug zu bewer-
ten.
• Primacy-Effekt: Nur der erste Eindruck wird berücksichtigt
• Projektion: Der Beobachter interpretiert eigene Wünsche, Erfahrungen, Erwartungen
oder Probleme in die jeweilige Situation hinein. B
• Selektivität: Nur bestimmte Reize werden wahrgenommen.

Auch Vorurteile oder subjektive Voraussetzungen wie Stimmungen, Emotionen, Erwartun-


gen usw. verfälschen ein Beobachtungsergebnis.

Begabung, Hochbegabung
Ab einem IQ von 130 gilt ein Mensch als hochbegabt. Zudem zeigen Hochbegabte in der
Regel eine hohe Motivation und Lerngeschwindigkeit, verfügen über ein hohes Entwick-
lungsniveau und können gut abstrahieren. Aber: Gerade hochbegabte Kinder und Jugendli-
che können ihre Fähigkeiten nur entfalten, wenn sie entsprechend gefördert werden und
Wertschätzung erhalten.

Zunächst fallen besonders begabte Kinder im Kindergarten oder in Schule oft negativ auf.
Weil sie sich langweilen und gleichzeitig nicht anders sein wollen als Gleichaltrige, sind sie
häufig rebellisch, aggressiv oder spielen den „Klassenclown“.

Erste Anzeichen für eine Hochbegabung können sich schon bei Kleinkindern zeigen. Diese
sind oft im Hinblick auf ihre Sprachentwicklung Gleichaltrigen weit voraus. Sie stellen viele
Fragen, beschäftigen sich intensiv mit Dingen, die sie interessieren und suchen den Kontakt
zu Erwachsenen oder älteren Kindern.

Behinderung
Als behindert gilt ein Mensch, der unter einer Beeinträchtigung der Wahrnehmung, der
Sprache, des Denkens, des Verhaltens, des Lernens und/oder der Bewegung aufgrund einer
Schädigung vor, nach oder während der Geburt leidet.

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Für den Grad de Behinderung gibt es in Deutschland feste Maßzahlen. An diesen orientiert

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sich unter anderem das Recht auf staatliche Leistungen oder Vergünstigungen. Nach Bun-
dessozialhilfegesetz gilt ein Mensch als schwerbehindert, wenn der Grad der Behinderung
50 % oder mehr beträgt.

Beispiel: Der Verlust einer Hand entspricht einem Grad der Behinderung von 55 %.

Bildung
Der Bildungsbegriff ist sehr schwer eindeutig zu definieren. Im Laufe der Geschichte hat
Bildung einen immer höheren Stellenwert in der Gesellschaft eingenommen, wie Bildung
erlangt wird und ob ein Mensch überhaupt durch einen anderen „gebildet“ werden kann ob B
er dies allein selbst erreicht, wird immer wieder diskutiert.

In unserer Gesellschaft soll Bildung dafür sorgen, dass Menschen ihren Platz darin finden,
Normen und Werte mittragen und ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in Frieden und
Freiheit führen können.

Einige Definitionen von Bildung sprechen von „der Formung des Menschen“ unter Berück-
sichtigung von physischen, geistigen, kulturellen und sozialen Aspekten. Der Begriff be-
zieht sich einerseits auf den Bildungsprozess, als auch auf den Zustand (Ein Mensch ist
„gebildet“.).

Im Zusammenhang mit der heute vorherrschenden Ansicht, dass lebenslanges Lernen sinn-
voll und möglich ist, wird Bildung als lebensbegleitender Prozess der Persönlichkeitsent-
wicklung angesehen. Alle modernen Bildungstheorien gehen davon aus, dass Bildung mit
einem reflektierten Umgang mit sich selbst und der Umwelt einhergeht und ein aktiver
Prozess ist. Daher sprechen Pädagogen auch von der Selbstbildung des Kindes: Ein Kind
kann nicht durch Eltern, Erzieher oder Lehrer gebildet werden, es bildet sich selbst, wenn
die notwendigen Voraussetzungen (z.B. eine zum Lernen anregende Umgebung, altersge-
rechte Medien usw.) dafür geschaffen werden.

Bilingual
Die bilinguale Erziehung sorgt dafür, dass ein Kind zwei Sprachen gleichzeitig erwirbt. Dabei
geht es aber nicht um das schulische Lernen, sondern um den natürlichen Spracherwerb
zweier Muttersprachen. Dies geschieht, wenn beispielsweise Mutter und Vater eine unter-
schiedliche Muttersprache haben und diese ausschließlich Inder Interaktion mit Ihrem Kind
verwenden.

Wenn die erste Sprache gefestigt ist und dann erst die zweite Sprache erlernt wird, spracht
man von einem Zweitspracherwerb.

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Davon abgesehen gilt auch die nicht-institutionelle Heranführung an eine zweite Sprache

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in Kindergarten oder Grundschule als bilinguale Erziehung, wenn die zweite Sprache im
Alltag benutzt wird (zum Beispiel durch das Immersionsprinzip und das „Eine-Person-ei-
ne-Sprache-Konzept“).

Wird eine Sprache hingegen systematisch gelehrt wie in der Schule üblich, so gilt das als
Fremdsprachenerwerb und fällt nicht unter eine bilinguale Erziehung.

Bindungstheorie
Jeder Mensch hat das Bedürfnis, enge und intensive Beziehungen zu seinen Bezugsperso-
nen aufzubauen. Eine sichere Bindung ist die Voraussetzung für eine gesunde und alters- B
gerechte Entwicklung und wirkt sich positiv auf die Persönlichkeitsbildung aus.

Die Bindungsforschung wurde maßgeblich von dem britischen Kinderpsychater John BOWL-
BY geprägt, sowie später von der kanadisch-amerikanischen Psychologin Mary AINSWORTH
und dem Schotten James ROBERTSON.

Bindung ist eine enge und emotionale Beziehung zwischen den Menschen, die besonders
für Babys und Kleinkinder eine wichtige Bedeutung hat. Nur ein sicher gebundenes Kind,
welches sich darauf verlassen kann, dass es jederzeit von seinen Bezugspersonen Liebe,
Trost und emotionale Zuwendung erhält, ist bereit seine Umwelt zu erkunden, selbstbe-
wusst zu interagieren und ein altersgerechtes Explorationsverhalten zu zeigen.

In der Pädagogik unterscheidet man vier Bindungstypen:

1. Das sicher gebundene Kind kann seinen Gefühlen Ausdruck verleihen, zeigt ein altersge-
rechtes Explorationsverhalten und verhält sich Fremden gegenüber zurückhaltend. Es lässt
sich schnell durch seine Bezugspersonen beruhigen, wenn es ängstlich oder traurig ist.

2. Eine unsicher-vermeidende Bindung ist geprägt durch ein kontaktvermeidendes Verhal-


ten des Kindes. Es zeigt wenig emotionale Regung, wirkt introvertiert und beschäftigt sich
lieber alleine als mit anderen Kindern oder Erwachsenen. Die Bezugsperson kann unsicher
gebundene Kinder schlecht beruhigen und sie stehen unter Dauerstress, wenn sie Angst
haben oder traurig sind.

3. Unsicher-ambivalent gebundene Kinder verhalten sich widersprüchlich ihren Bezugs-


personen gegenüber. Sie reagieren extrem emotional auf eine Trennung, fassen nur sehr
schwer Vertrauen zu fremden Personen und lassen sich auch von ihren Bezugspersonen
nur schwer beruhigen. Auch diese Kinder sind über einen längeren Zeitraum hinweg einem
hohen Stresslevel ausgesetzt, wenn es zu Konflikten kommt.

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4. Kennzeichen des desorganisierten Bundungstyps sind bizarre Verhaltensweisen in

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Stresssituationen. Sie erstarren, schaukeln, drehen sich in Kreis oder zeigen andere stereo-
type Bewegungen. Kinder, die dieses Bindungsverhalten zeigen, sind dauerhaft komplett
überfordert, angespannt, aggressiv und hilflos.

Eine derartige Bindungsstörung liegt vor, wenn ein Kind von seiner Bezugsperson misshan-
delt wird. Es ist emotional abhängig und hat gleichzeitig große Angst vor der Person, die es
versorgt.

Die Bindungstheorie spielt eine große Rolle bei der Eingewöhnung von Kindern in die Krippe
oder in den Kindergarten. Nur wenn es einer pädagogischen Fachkraft gelingt, eine stabile
Bindung zu ihren Schützlingen aufzubauen, werden diese Kinder spielen, lernen und sich
weiterentwickeln. Eine sichere Bindung ermöglicht es Kindern, angstfrei ihre Umgebung B
zu erkunden, Freundschaften zu schließen und sich emotionalen Herausforderungen und
Konflikten zu stellen.

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C

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C

Charakter
Die persönlichen Kompetenzen und Eigenschaften formen den Charakter eines Menschen.
Auch das Verhalten und das Temperament beeinflussen diesen.

In der aristotelischen Ethik und ebenso in der modernen Psychologie ist es abhängig vom
Charakter, inwieweit der Mensch ein moralisches Verhalten zeigen kann.

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D

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D

Demokratie
Da wir in einer demokratischen Gesellschaft leben und die damit verknüpften Normen und
Werte bereits den Jüngsten vermitteln möchten, damit diese früh verinnerlicht werden,
müssen demokratische Grundprinzipien schon in der Kita ein fester Bestandteil des tägli-
chen Miteinander sein. In den Kita-Gesetzen taucht dieser Aspekt daher auch auf, häufig im
Zusammenhang mit dem Begriff Partizipation.

Die Kinder sollen zu eigenständigen Individuen erzogen werden, die in der Lage sind sich
eine Meinung zu bilden und wichtige Entscheidung selbst zu treffen. Gleichzeitig müssen
sie lernen, dass in einer demokratischen Gesellschaft der Wille der Mehrheit entscheidet
und der Einzelne diese Entscheidung akzeptieren muss. In einer Demokratie gelten Gesetze
und Regeln, an die sich jeder halten muss, damit ein friedliches Miteinander möglich ist.

Indem die Kinder in möglichst viele Entscheidungsprozesse den Kita-Alltag betreffend mit
einbezogen werden erfahren sie, dass man ihre Wünsche und Bedürfnisse ernst nimmt. Die
pädagogischen Fachkräfte sind Ansprechpartner, Bildungs- und Lernbegleiter und wichtige
Bezugspersonen, aber nicht, wie zu früheren Zeiten, Autoritäts- und Respektspersonen.

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Mögliche Methoden, die zu einem demokratischeren Miteinander beitragen, können zum

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Beispiel Kinderkonferenzen oder Projekte sein, die von den Kindern initiiert werden.

Dyskalkulie
Eine Dyskalkulie ist eine Rechenschwäche. Fünf bis sieben Prozent der Menschen sind be-
troffen. Wer eine Dyskalkulie hat, kann mit dem Zahlenbegriff nichts anfangen und Rechen-
operationen nur zählend durchführen, also zum Beispiel, indem eine Summe anhand der
Finger zusammengezählt wird. Betroffene brauchen also immer eine konkrete Veranschau-
lichung, damit sie zu einem Ergebnis erlangen. Abstrakte Rechenmechanismen können Sie
zwar auswendig lernen, aber nicht auf eine konkrete Aufgabe anwenden.
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Meistens wird eine Dyskalkulie erst im Schulalter erkannt, aber auch im Kindergarten kön-
nen aufmerksame Fachkräfte schon erste Anzeichen erkennen. Aufmerksam sollte man
werden, wenn ein Vorschulkind Schwierigkeiten mit dem Ablesen der Uhr hat, Mengen und
Zahlen nicht zuordnen kann und Probleme damit hat, Verhältnisangaben wie „kleiner“, „grö-
ßer“, „mehr“ und weniger zu verstehen. Eine gesicherte Diagnose kann aber nur ein Kinder-
und Jugendpsychologe stellen.

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E

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E

Egozentrismus
Der Begriff „kindlicher Egozentrismus“ stammt von Jean PIAGET und bezeichneten das Un-
vermögen von jüngeren Kindern, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Empathie
müssen Kinder erst lernen. Auch verstehen Babys und Kleinkinder noch nicht, dass Men-
schen und Gegenstände weiterhin existieren, auch wenn diese gerade nicht in Sichtweite
sind. Der Säugling begreift noch nicht einmal, dass seine Hände und Füße zu seinem Körper
gehören.

Später ist der Mensch dann in der Lage, die Perspektive eines anderen einzunehmen und
sich in seine Lage zu versetzen. Das ist jedoch emotional und kognitiv eine große Heraus-
forderung. Zunächst werden die eigenen Wünsche und Bedürfnisse auf andere projiziert.

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Eingewöhnung
Die Eingewöhnung in die Krippe oder in den Kindergarten kann für Kinder und für Eltern
eine große Herausforderung sein. Doch auch den pädagogischen Fachkräften kommt in die-
sem Zusammenhang eine wichtige Bedeutung zu, denn sie müssen das Vertrauen der Kin-
der und deren Eltern gewinnen, um zu einer Bezugsperson zu werden.

Besonders wichtig ist eine kindgerechte und bedürfnisorientierte Eingewöhnung für Klein-
kinder. Diesen fällt es in der Regel schwerer sich von Mutter oder Vater zu lösen als Kindern
über drei Jahren. Der Grund dafür ist die noch engere Bindung von Babys und Kleinkindern
zu ihren wichtigsten Bezugspersonen.
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Der Eingewöhnungsprozess ist deshalb besonders wichtig im Hinblick auf das spätere
Verhalten von Kindern und ihre weiteren Entwicklung in der Einrichtung. Nur dann, wenn
die Eingewöhnung gelingt, sich das Kind von seinen Eltern lösen und eine vertrauensvolle
Bindung zu einer neuen Bezugsperson aufbauen kann, wird es sich in der Krippe oder im
Kindergarten wohl fühlen und die Spiel- und Lernangebote dort gewinnbringend für sich
nutzen können.

In einigen Einrichtungen erfolgt die Eingewöhnung ganz individuell, in anderen orientiert


man sich an von Pädagogen und Entwicklungspsychologen konzipierten Eingewöhnungs-
modellen.

Die bekanntesten Eingewöhnungsmodelle sind des Berliner Modell und das Münchener Ein-
gewöhnungsmodell.

Hier die beiden Modelle in der Übersicht:


Das Berliner Model ist in 5 Phasen gegliedert.

1. Phase: Information der Eltern, wie sie im Hinblick auf die Eingewöhnung mitarbeiten
können und sollten.

2. Phase: Die eigentliche Erstphase der Eingewöhnung dauert drei Tage. In dieser Zeit
verbringt das Kind täglich ein bis zwei Stunden gemeinsam ist einer Bezugsperson in der
Einrichtung. Diese fungiert als „sicherer Hafen“ und signalisiert dem Kind, dass es in Ruhe
seine Umgebung erkunden kann. Gleichzeitig verhält sich die Bezugsperson eher passiv, so
dass die pädagogische Fachkraft eine erste Bindung zum Kind aufbauen kann, indem sie
Kontakt aufnimmt, Spielangebote macht usw.

3. Phase: Am 4. Tag erfolgt der erste Trennungsversuch. Lässt sich das Kind von der päda-
gogischen Fachkraft beruhigen, kann die Trennung bis zu 30 Minuten dauern. Lässt es sich
nicht beruhigen, kehrt die Bezugsperson nach etwa drei Minuten zurück. Mit dem nächsten
Trennungsversuch wird dann eine Woche gewartet und der Eingewöhnungsprozess verlän-
gert sich um zwei bis drei Wochen.

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4. Phase: Der Zeitraum, in der das Kind von der Bezugsperson getrennt ist, wird zeitlich

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immer weiter ausgedehnt. Die 4. Phase wird auch als Stabilisierungsphase bezeichnet.

5. Phase: In der Schlussphase kann die Bezugsperson die Kita verlassen, sollte aber nich
jederzeit erreichbar sein. Akzeptiert das Kind die Erzieherin als Bezugsperson und lässt sich
jederzeit von ihr trösten, gilt die Eingewöhnung als abgeschlossen.

Das Münchener Modell bezieht noch stärker als das Berliner Modell Erkenntnisse aus der
Transitionsforschung mit ein. Zudem spielt die Kindergruppe, in die das Kind eingewöhnt
werden soll, eine größere Rolle. Doch auch beim Münchener Modell wird die Eingewöhnung
in unterschiedlichen Phasen durchlaufen:

1. Phase: Die Eingewöhnung wird intern vorbereitet und den Eltern erläutert. Anschließend E
verbringen Kind und Bezugsperson eine Woche in der Kita. In dieser Zeit versuchen die
Fachkräfte herauszufinden, welche Interessen und charakterlichen Eigenschaften das je-
weilige Kind hat und was sie tun können, um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern.

Weitere Phasen: Am sechsten Tag findet frühestens der erste Trennungsversuch statt.
Lässt sich das Kind beruhigen, wird die Trennungszeit in den darauffolgenden Tagen aus-
gedehnt. Während der gesamten Eingewöhnung finden regelmäßige Elterngespräche statt,
um die Erziehungspartnerschaft und das gegenseitige Vertrauensverhältnis zwischen Be-
zugsperson, Kind und pädagogischer Fachkraft zu stärken.

Entwicklungsbereiche
Folgende Entwicklungsbereiche gibt es:

• Grobmotorik (Bewegung und Koordination von Kopf, Armen, Beinen, Becken, Rücken)
• Feinmotorik (Fingerfertigkeit und Mimik)
• Soziale Entwicklung
• Emotionale Entwicklung
• Psychomotorik (das Zusammenwirken zwischen Motorik und der Psyche)
• Sensumotorik (die Fähigkeit, Bewegungen aufgrund von Sinnesrückmeldungen
zu steuern)
• Sprachentwicklung
• Kognitive Entwicklung (Denkentwicklung)
• Moralische Entwicklung

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Entwicklungspsychologie
In der Entwicklungspsychologie wird der gesamte kindliche Entwicklungsverlauf erklärt und
beschrieben, sowie die Veränderungen in den einzelnen Entwicklungsbereichen und die
Möglichkeit der pädagogischen Einflussnahme. Jean PIAGET und Leif ERIKSON gehören zu
den bekanntesten Entwicklungspsychologen.

Entwicklungsfaktoren
Drei Faktoren beeinflussen die Entwicklung eines Menschen maßgeblich:
E
• Endogene Faktoren (Erbanlagen)
• Exogene Faktoren (Umwelteinflüsse durch das soziale Umfeld,
die Erziehungsmethoden usw.)
• Autogene Faktoren (Individuelle Faktoren der Selbststeuerung, also z.B. die Art
und Weise, wie sich ein Kind von sich heraus mit seiner Umwelt auseinandersetzt)

Erziehung
Erziehung wird definiert als absichtsvolle Handlung, die durch Verwendung von Erziehungs-
mitteln und Erziehungsmethoden Kindern und Jugendlichen dabei helfen soll, in die Gesell-
schaft hineinzuwachsen, ihre Persönlichkeit zu festigen und zu selbstständigen, mündigen
Menschen zu werden.

Erziehung ist also kein Selbstzweck, sondern sollte immer das Wohl und die Interessen des
zu Erziehenden berücksichtigen.

Erziehung geschieht auf vielen Beziehungsebenen und beinhaltet:

• personale Verhältnisse
(Beziehung zwischen Eltern und Kind, zwischen Kind und Erzieherin usw.)
• interaktive Verhältnisse
(Kind/Jugendlicher in Beziehung zu Gleichaltrigen/Freunden, „Peer-Group“)
• generationsbezogene Verhältnisse
(Beziehung mehrerer Generationen untereinander, z.B. Eltern, Großeltern und Kind).

Erziehungsmethoden
Erziehungsmethoden bzw. Erziehungsmittel werden bewusst eingesetzt, um ein bestimm-
tes Erziehungsziel zu erreichen. Man unterscheidet zunächst grob zwischen unterstützen-

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den Methoden (Belohnung, Lob, Ermutigung), die ein gewünschtes Verhalten positiv ver-

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stärken und wirkenden Erziehungsmitteln (Strafe, Ermahnung), die dazu führen sollen, dass
ein nicht erwünschtes Verhalten nicht länger gezeigt wird.

Erziehungsstile
Erziehungsstile nach LEWIN/LIPPIT/WHITE:

1. autoritär: Der Erzieher trifft alle Entscheidungen allein, kontrolliert, ordnet an, weist zu-
recht

2. demokratisch: Erzieher und zu Erziehender begegnen sich auf Augenhöhe, Entscheidun- E


gen werden gemeinsam getroffen, Erzieher unterstützt, ermutigt und lobt, Kritik ist konst-
ruktiv und niemals personenbezogen

3. laissez-faire: Gezielte Erziehung findet nicht statt, der Erzieher macht keine Vorgaben
und mischt sich nicht in Entscheidungsprozesse ein. Auch Regeln werden nicht aufgestellt
und eingefordert.

ELDER ergänzte noch drei weitere Erziehungsstile, nämlich den permissiver Erziehungsstil
(gemäßigter laissez-faire-Stil), den egalitären Erziehungsstil (ähnlich dem demokratischen
Erziehungsstil, Erzieher und zu Erziehender sind absolut gleich gestellt) und den negieren-
den Erziehungsstil (Der Erzieher hat kein Interesse an der Entwicklung des zu Erziehenden,
Erziehung findet nicht statt).

Im Alltag lassen sich die Erziehungsstile nur schwer voneinander abgrenzen, meist wer-
den bewusst oder unbewusst Mischformen angewendet. Studien haben aber gezeigt, dass
sich Kinder, die überwiegend demokratisch erzogen werden, besonders gut entwickeln. Sie
lernen von Anfang an, dass Erwachsene sie mit ihren Bedürfnissen, Ideen und Interessen
ernst nehmen und entwickeln ein gesundes Maß an Selbstvertrauen. Zudem verhalten sich
demokratisch erzogene Kinder sehr sozial.

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F

Die wichtigsten Fachbegriffe


F

Freispiel
Das Freispiel gehört zu den wichtigsten pädagogischen Phasen in Krippen und Kindergär-
ten. Es ist gekennzeichnet dadurch, dass das Kind selbst entscheidet, wo, mit wem und
womit es sich beschäftigt – und zwar auch, wie lange.

Die pädagogische Fachkraft übernimmt die Freispielführung und sorgt dafür, dass:

• die Kinder eine Umgebung vorfinden, die anregend ist und dem Alter und dem Entwick-
lungsstand der Kinder entspricht,
• die Kinder sich wohl und geborgen fühlen,
• die Kinder dazu in die Lage versetzt werden, Konflikte möglichst eigenständig zu lösen,
• die Kinder Spielimpulse erhalten (wenn dies notwendig ist)

Freinet-Pädagogik
Die Pädagogik von Célestin FREINET (1896 – 1966, gehörte zu den Reformpädagogen) wur-
de ursprünglich für den Unterricht in Grundschulen entwickelt. Heute arbeiten aber auch
viele Kindergärten in Anlehnung an Freinets Grundsätze.

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Die wichtigsten Aspekte der FREINET-Pädagogik sind:

Die wichtigsten Fachbegriffe


• Die Kinder werden in alle alltäglichen Arbeiten wie Waschen, Kochen, Gartenarbeit usw.
mit einbezogen.
• Um bestimmte Aufgaben übernehmen zu können oder Zugang zu „besonderen“ Räum-
lichkeiten zu haben, erwerbe die Kinder „Diplome“ oder „Führerscheine“. So werden ihre
Kompetenzen gestärkt, die Kinder fühlen sich ernst genommen und wertgeschätzt.
• Die pädagogischen Fachkraft kümmert sich darum, eine anregende Lernumgebung zu
schaffen, verzichtet aber auf organisierte Lernkonzepte. Selbstaktives, kindzentriertes
und entdeckendes Lernen steht im Fokus der Freinet-Pädagogik.

Freispielanregung, Freispielimpuls F
Eine Freispielanregung bzw. ein Freispielimpuls wird den Kindern kommentar- und bedin-
gungslos während der Freispielphase zur Verfügung gestellt. Häufig handelt es sich um
sogenanntes „wertfreies“ Material wie zum Beispiel leere Pappkartons oder Naturmateriali-
en. Diese Dinge sind nicht nur einfach zu beschaffen und/oder kostenlos zu haben, sie sind
auch nicht auf einen bestimmten Verwendungszweck beschränkt wie viele Spielzeuge. Die
Kinder können ihrer Phantasie freien Lauf lassen und selbst bestimmen, wie und wo sie das
ihnen zur Verfügung gestellte Material nutzen.

Um zu erkennen, welcher Freispielimpuls sich in welcher Situation eignet, muss die pädago-
gische Fachkraft ihre Kindergruppe oder einzelne Kinder gezielt beobachten.

Frühförderung
Frühförderung ist der allgemeine Begriff für die Diagnostik und Forderung bei entwick-
lungsauffälligen Kindern bis zur Einschulung, also für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren. Auch
die Beratung von Eltern und Fachkräften ist in jede Frühfördermaßnahme integriert. Die
Frühförderung kann teilweise auch in den Kitas selbst erfolgen, häufig in Form von Ergo-,
Moto- und Logopädie oder in Form von allgemeinen Sprachangeboten für Kinder mit und
ohne Migrationshintergrund. Frühförderung sollte immer möglichst ganzheitlich erfolgen.
Um eine sichere Diagnose und anschließend therapeutische Angebote für ihr Kind zu erhal-
ten, können Eltern sich an ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) wenden. Dieses speziellen
Kliniken sind in jedem Landkreis zu finden.

Funktionsräume
Funktionsräume spielen vor allem in Einrichtungen mit einem offenen oder teiloffenen Kon-
zept eine wichtige Rolle, werden aber auch in anderen Kindergärten immer beliebter, weil
sie den Kindern mehr Möglichkeiten bieten als kleine und nicht störungsfreie Funktionsbe-

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reiche innerhalb der Gruppenräume. Anstatt einer Puppenecke, einem Malbereich und Baue-

Die wichtigsten Fachbegriffe


cke bieten sich je nach räumlicher Aufteilung zum Beispiel folgende Funktionsräume an:

• Atelier
• Ruheraum
• Rollenspielraum
• Spieleraum
• Forscher- und Entdeckerraum
• Computerraum
• Lernwerkstatt
• Toberaum
• Musikraum
• Bibliothek usw. F

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G

Die wichtigsten Fachbegriffe


G

Gruppe
Eine Gruppe besteht aus mehr als zwei Personen und fühlt sich zusammengehörig.
Weitere Merkmale einer Gruppe sind:

• Es gibt häufige, direkte Kontakte untereinander


• Die Gruppe stellt eigene Regeln auf oder einigt sich auf gemeinsame Regeln
• Die Gruppe hat gemeinsame Ziele
• Die einzelnen Gruppenmitglieder beeinflussen sich gegenseitig
• In größeren Gruppen wie beispielsweise im Kindergarten oder in der Schule bilden sich
schnell Untergruppen

In der Pädagogik und in der Soziologie unterscheidet man zwischen unterschiedlichen Grup-
penarten:

In einer formellen Gruppe (Schulklasse, Arbeitsteam usw.) ist die Gruppenzusammenfas-


sung organisatorisch vorgegeben. Die Aufgaben und Ziele von formellen Gruppen sind klar
definiert und oft sogar schriftlich fixiert. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist zeitlich be-
grenzt, zum Bespiel für die Dauer des Unterrichtes oder der Arbeitszeit.

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Eine informelle Gruppe findet sich spontan und aus eigener Initiative heraus zusammen.

Die wichtigsten Fachbegriffe


Es gibt keine schriftlichen Normen oder Regeln.

Homogene Gruppen haben viele Gemeinsamkeiten wie beispielsweise Alter, Interessen, Bil-
dungs- und/oder Entwicklungsstand, Herkunft usw., während heterogene Gruppen hinge-
gen nur wenige gemeinsame Merkmale aufweisen.

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H

Die wichtigsten Fachbegriffe


H

Heilpädagogik
Als Heilpädagogik wird die therapeutische Arbeit mit psychisch beeinträchtigten oder geis-
tig behinderten Kindern bezeichnet. Es gibt starke Überschneidungen mit der Behinderten-
pädagogik. Diese besteht aus sechs Teilbereichen, nämlich:

• Geistigbehindertenpädagogik
• Körperbehindertenpädagogik
• Lernbehindertenpädagogik
• Sprachbehindertenpädagogik
• Schwerhörigenpädagogik
• Sehbehindertenpädagogik

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I

Die wichtigsten Fachbegriffe


I

Inklusion
Inklusion ist ein Begriff aus der Soziologie und beschreibt die Einbeziehung aller Menschen
in die Gesellschaft. Das Gegenteil wäre eine Exklusion.

In der Pädagogik hat sich in den letzten Jahren der Begriff „Inklusive Pädagogik“ durch-
gesetzt. Der Ansatz beschreibt die Anerkennung und Wertschätzung von Diversität, also
Unterschiedlichkeit, innerhalb einer Gesellschaft. Konkret ist gemeint, dass alle Menschen
unabhängig von Merkmalen wie Herkunft und Religion, aber auch Intelligenz und Entwick-
lungsstand zusammen leben, unterrichtet und gefördert werden sollen. Die Konsequenz
daraus wäre beispielsweise, dass Förderschulen abgeschafft und die in Deutschland prakti-
zierte „Sonderpädagogik“ komplett reformiert werden müsste.

Im Gegensatz zur Integration geht man in der Inklusion noch einen Schritt weiter: Man lernt
und lebt nicht nur gemeinsam nebeneinander, sondern miteinander.

In der schulischen und pädagogischen Praxis wird Inklusion immer häufiger praktiziert, aber
der Ansatz hat auch viele Kritiker. Es fehlt an finanziellen Mitteln, qualifizierten Fachkräften
und unbürokratischen Konzepten, die in der Praxis wirklich umsetzbar sind.

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Intelligenz

Die wichtigsten Fachbegriffe


Der Begriff „Intelligenz“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Verstand“ und „Ein-
sicht“. Die Intelligenz ist ein Teil der Persönlichkeit und beeinflusst die individuelle Entwick-
lung des Menschen. Heute definiert man Intelligenz als Fähigkeit, komplexe Sachverhalte
in verschiedenen Situationen auf emotionaler, kognitiver und sozialer Ebene bewältigen zu
können.

Intelligenzquotient (IQ)
Der Intelligenzquotient kann durch standardisierte Intelligenztests ermittelt werden. Ein
IQ von 100 gilt als Durchschnittswert, ein IQ von unter 70 als sehr niedrig und von mehr
I
als 140 als sehr hoch. Der IQ an sich sagt jedoch wenig darüber aus, ob ein Mensch erfolg-
reich oder glücklich wird. Ach die Intelligenztests als Solches, die früher bei allen Schülern
durchgeführt wurden, stehen heute in der Kritik. Dennoch sind sie häufig Bestandteil einer
pädagogischen und/oder medizinischen Diagnostik.

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J

Die wichtigsten Fachbegriffe


J

Jugendalter
Das Jugendalter wird auch Adoleszenz genannt. In der Pädagogik bezeichnen diese Begriffe
die Lebensphase zwischen dem 11. und dem 25. Lebensjahr. Die Adoleszenz ist noch ein-
mal unterteilt in verschiedene Phasen:

• Vorpubertät (ca. 12. bis 14. Lebensjahr)


• Pubertät (ca. 14. bis 18. Lebensjahr)
• Späte Adoleszenz (ca. 18. bis 21. Lebensjahr)
• Junge Erwachsene (ca. 21 bis 25. Lebensjahr)

Das Jugendalter ist heute geprägt durch eine überwiegend liberale Erziehung durch das
Elternhaus, die früher einsetzende Pubertät bei gleichzeitig längerer Dauer von Schulzeit
und beruflicher Ausbildung und den wirtschaftlichen Einfluss von Jugendlichen und deren
Art zu leben (Jugendkulturen).

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K

Die wichtigsten Fachbegriffe


K

Kindergartengesetz
Da Bildung Ländersache ist, hat jedes Bundesland ein eigenes Kindergartengesetz. 1999
beschloss das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine weitrei-
chende und umfangreiche Qualitätsoffensive, die mit zahlreichen Initiativen der einzelnen
Länder einherging, um die Bildungs- und Betreuungsqualität in vorschulischen Einrichtun-
gen zu verbessern. Heute haben alle Krippen und Kitas einen Bildungs- und Erziehungsan-
spruch, der gesetzlich verankert ist. Je nach Alter der zu betreuenden Kinder werden in den
Kindergartengesetzen verschiedene Bildungsbereiche angesprochen, wie zum Beispiel:

• Sprache
• Musik
• Bewegung und Motorik
• Mathematik und Naturwissenschaften
• Sozial- und Selbstkompetenz
• Gesunde Ernährung
• Umwelt und Nachhaltigkeit

Grundlage und Ziel aller Kindergartengesetze ist eine Professionalisierung der frühkindli-
chen Betreuung, die Anregung kindlicher Lernprozesse sowie die Begleitung, Dokumenta-

28
tion und Förderung der Persönlichkeitsentwicklung unter Berücksichtigung pädagogischer

Die wichtigsten Fachbegriffe


Prinzipien und in Kooperation mit den Eltern, mit anderen Institutionen und natürlich in
erster Linie mit dem Kind selbst.

Die Rolle der pädagogischen Fachkräfte wird als Lern- und Entwicklungsbegleiter definiert.

Kompetenzmodell
Das Kompetenzmodell im pädagogischen Zusammenhang wurde von Heinrich ROTH entwi-
ckelt. Dieser entscheidet zwischen Selbstkompetenz, Sachkompetenz und Sozialkompetenz
als wichtige Schlüsselfertigkeiten in allen Bereichen.
K
Zur Selbstkompetenz (auch Ich-Kompetenz genannt), gehören Fähigkeiten wie das Aus-
drücken der eignen Gefühle und Bedürfnisse, das Treffen von Entscheidungen sowie das
Erlernen von Frustrationstoleranz.
Die Sozialkompetenz umfasst Fähigkeiten wie Empathie, Kontaktaufnahme, die Bereit-
schaft, sich in eine Gruppe einzufügen und deren Regeln zu befolgen.

Die Sachkompetenz setzt voraus, dass Sachwissen vorhanden ist, Abläufe beherrscht wer-
den und die Fähigkeit besteht, sachgemäß mit Gegenständen umzugehen.

Konditionierung
In der Pädagogik unterscheidet man zwischen der „Klassischen Konditionierung“ und der
„Operante Konditionierung“.

Bei der Klassischen Konditionierung handelt es sich um eine behavioristische Lerntheorie,


die von dem Psychologen Iwan PAWLOW begründet wurde. Sie besagt, dass einer angebore-
nen, natürlichen Reaktion durch einen Lernprozess eine neue Reaktion hinzugefügt werden
kann.

Die klassische Konditionierung ist also ein Reiz-Reaktions-Lernschema. Der zunächst neu-
trale Reiz, ruft keine Reaktion hervor, muss aber wahrgenommen werden. Im Versuch wird
der neutrale Reiz an eine angeborene Reaktion gekoppelt, zum Beispiel eine Angstreaktion.

Folgendes Beispiel kann das Prinzip der Klassischen Konditionierung erläutern:

In den Kriegsjahren mussten sich die Menschen in Luftschutzbunker retten, sobald laute Si-
renen einen Bombenangriff ankündigten. Die lauten Bomben lösten Angst aus. Bereits nach
zweimaligem Hören des Alarmgeräusches wurde dieses unbewusst mit den Schrecken der
Bomben assoziiert und die Sirene alleine reichte aus, um eine Angstreaktion hervorzurufen.
Menschen, die keine derartige Erfahrungen gemacht haben, reagieren neutral auf Alarmsi-

29
renen. Zeitzeugen hingegen haben heute noch Angst, wenn sie Sirenen hören und fühlen

Die wichtigsten Fachbegriffe


sich an die Schrecken der Kriegsjahre erinnert.

Das Beispiel zeigt, wie ein neutraler Reiz (Alarmsirene) an eine erlernte Reaktion (Angst)
gekoppelt wird. Die klassische Konditionierung wird vor allem eingesetzt, um Tiere zu trai-
nieren, funktioniert aber auch beim Menschen.

Insgesamt besteht die Klassische Konditionierung aus drei Phasen:

1. Phase: Kontrollphase
Der neutrale Reiz (Sirene) ruft keine Reaktion hervor.
Der unbedingte Reiz (Bomben) ruft aber eine unbedingte Reaktion hervor (Angst).
K
2. Phase: Lernphase
Es folgt eine mehrmalige Kopplung des neutralen Reizes (Sirene) und des unbedingten Rei-
zes (Bomben). Die Reaktion ist Angst.

3. Phase: Lernergebnis
Der ehemals neutrale Reiz (Sirene) wird zu einem bedingten Reiz und löst eine bedingte
Reaktion aus (Angst).

Bei der Operanten Konditionierung nach SKINNER wird ein erwünschtes Verhalten ver-
stärkt, beispielsweise durch eine Belohnung. So erreicht man, sodass die gezeigte Verhal-
tensweise häufiger oder intensiver auftritt. Gleichzeitig lässt sich durch die Operante Kon-
ditionierung auch erreichen, dass ein negatives Verhalten nicht mehr gezeigt wird, zum
Beispiel durch Bestrafung.

Konzept, Konzeption (pädagogisch)


In der pädagogischen Konzeption wird festgelegt, wie die tägliche pädagogische Arbeit in
einer sozialpädagogischen Einrichtung theoretisch und praktisch ausgerichtet ist. Einher-
gehend mit der Professionalisierung der vorschulischen Betreuung und dem in allen Kin-
dergartengesetzen der einzelnen Länder enthaltenen Aspekt der Qualitätssicherung sind
Krippen und Kitas dazu angehalten, ein schriftliches Konzept zu erarbeiten. Dieses gilt als
pädagogischer Leitfaden und sollte Eltern, dem Träger sowie allen Interessenten öffentlich
zugänglich sein.

Ein Konzept enthält strukturelle und organisatorische Angaben zur jeweiligen Einrichtung,
zu den Räumlichkeiten und zum pädagogischen Personal, aber vor allem Informationen zur
alltäglichen Arbeit und zu den pädagogischen Schwerpunkten. In der Konzeption werden
auch die pädagogischen Ansätze beschrieben und erklärt, an denen sich die Fachkräfte

30
orientieren. Im Idealfall werden alle Bildungsbereiche, die das jeweilige Kinderbetreuungs-

Die wichtigsten Fachbegriffe


gesetz beinhaltet, angesprochen und erläutert sowie weitere Aspekte wie Elternarbeit, Ko-
operationen und spezielle Angebote angesprochen.

Zudem dient das Konzept nicht zuletzt als Werbung für eine Einrichtung.

31
L

Die wichtigsten Fachbegriffe


L

Legasthenie
Legasthenie ist eine Lese- und Rechtschreibschwäche, die aber nicht durch eine gemin-
derte Intelligenzleistung zu erklären ist. Die Störung des Erwerbes der Schriftsprache kann
bereits im Vorschulalter diagnostiziert werden, oft zeigen betroffene Kinder aber erst in
der Grundschule Auffälligkeiten. Sie lesen nur langsam und haben Probleme, die einzelnen
Buchstaben als Ganzes wahrzunehmen. Beim Schreiben werden Buchstaben verdreht oder
Silben ausgelassen.

Später fällt das sinnentnehmende Lesen schwer, längere und komplexere Texte werden nur
schwer verstanden.

Lernen
Lernen erfolgt durch Erfahrung und aktives Tun, zum Beispiel, indem ein Kind Dinge auspro-
biert (Lernen durch Versuch und Irrtum). Das Lernen an sich kann nicht direkt beobachtet
werden, führt jedoch zu einer Verhaltensänderung.

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Lernprozess in Gang zu setzen, typische Möglich-

Die wichtigsten Fachbegriffe


keiten des Lernens sind:

• die gezielte Aneignung von Wissen (z.B. in der Schule)


• Anpassung an eine neue Situation
• Verstehen und Begreifen
• Lernen durch Beobachtung und Nachahmung eines Lernvorbildes (Lernen am Modell)
• Gezieltes Üben und Wiederholen
• Regellernen
• Lernen durch Einsicht

Lerntypen L
Wie Menschen am besten lernen, ist unterschiedlich. Der Lernerfolg ist neben der Motivati-
on auch davon abhängig, welche Methode gewählt wird, um etwas zu lernen.

Man unterscheidet vier Lerntypen:

1. Der auditive Lerntyp: Lernen durch das Gehör


Der auditive Lerntyp kann Informationen besonders leicht aufnehmen und Erklärungen auch
ohne visuelle Unterstützung schnell verstehen. Er lernt am besten mithilfe von Audio-CDs
oder, indem er anderen Zuhört. Inhalte auswendig zu lernen liegt dem auditiven Lerntypen
und es hilft ihm, wenn er beim Lernen Selbstgespräche führt oder sich die Lerninhalte laut
vorsagt.

2. Der visuelle Lerntyp: Lernen durch das Sehen


Der visuelle Lerntyp braucht Bilder und Grafiken, um Lerninhalte zu verstehen und aufzu-
nehmen. Wichtige Hilfsmittel für den visuellen Lerntypen sind Bücher, Mind-Maps, Lernpos-
ter, Videos und Lernkarteien.

3. Der kommunikative Lerntyp: Lernen durch Kommunikation


Der kommunikative Lerntyp lernt besonders gut, in dem er mit anderen diskutiert und Ge-
spräche führt. Er braucht den Austausch mit anderen, daher sind Lerngruppen, Diskussions-
runden, und Frage-Antwort-Spiele für den kommunikativen Lerntypen gute Möglichkeiten,
um den gewünschten Lernerfolg zu erzielen.

4. Der motorische Lerntyp: Lernen durch Bewegung


Der motorische Lerntyp lernt am besten durch das eigene Tun. Er muss Dinge anfassen
und ausprobieren, um diese verstehen zu können. Gemäß dem Motto „learning bis doing“
profitiert der motorische Lerntyp von Experimenten, Rollenspielen und der Möglichkeit, sich
beim Lernen zu bewegen.

33
M

Die wichtigsten Fachbegriffe


M

Medien
Medien ist ein Sammelbegriff für alle Kommunikationsmittel, die eine große Reichweite ha-
ben und von vielen Menschen genutzt werden, wie zum Beispiel das Fernsehen, das Radio
und die Presse, sowie heute das Internet.

Jugendliche und Kinder werden heute vor allem von sozialen Netzwerken beeinflusst. Den
richtigen Umgang mit Medien zu lernen gilt als wichtig, damit Heranwachsende in der Lage
sind sich eine differenzierte Meinung zu politischen und gesellschaftlichen Fragen zu bil-
den. Aber auch der Medienkonsument an sich sollte reflektiert werden sowie die Gefahren,
die im Internet lauern. Daher werden in Schulen, aber auch in vorschulischen Einrichtungen
immer häufiger Angebote geschaffen, die Medienkompetenz vermitteln sollen.

Menschenbild
Das Bild vom Menschen und vom Kind als zu Erziehenden hat maßgeblichen Einfluss auf die
moderne Pädagogik. Heute sieht man das Kind nicht als kleinen Erwachsenen, aber auch
nicht als defizitäres Wesen, welchem von außen Wissen und soziale Fähigkeiten „einge-
trichtert“ werden können.

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Das Kind, wie der Mensch allgemein, ist von sich aus neugierig und lernbereit, will seine

Die wichtigsten Fachbegriffe


Umwelt erkunden und sich weiterentwickeln.

Das heutige Bild vom Kind ist geprägt von vier Grundannahmen:

1. Das Kind ist grundsätzlich gut und lernbereit


Diese Annahme geht auf ROUSSEAU zurück. Der Philosoph und Pädagoge ging davon aus,
dass der Erzieher nur dafür sorgen muss, das sich das Gute im Kind entfalten und weiterent-
wickeln kann. Das Kind strebt von sich aus nach Erkenntnis und Wahrheit.

2. Das Kind ist ein aktiver Wissenschaftler


PIAGET glaubte, dass das Kind sich selbstständig und mithilfe der eigenen Erfahrungen
immer komplexere Denkstrukturen aneignet. Das Kind ist damit Akteur seiner Entwicklung. M
3. Das Kind sozialisiert sich selbst
Soziologen wie HURRELMANN zeigten, dass Kinder sich selbst sozialisieren, indem sie mit
ihrer Umwelt und deren spezifischen Anforderungen interagieren. Durch die Erfordernis,
sich ständig mit der eigenen Umwelt auseinandersetzen zu müssen, wird ein lebenslanger
Lernprozess in Gang gesetzt.

4. Das Kind reift ohne Einfluss von außen heran


Weil die wichtigsten Stadien der menschlichen Entwicklung wie das Laufen, Sprechen und
Denken in allen Kulturen ähnlich ablaufen und von außen nicht oder in nur sehr geringem
Maße beeinflusst werden können, sehen Reifungstheoretiker es als erwiesen an, dass die
Erziehung weniger Einfluss nehmen kann als geglaubt.

Mobbing
Unter Mobbing zusammengefasst werden alle gezielten Handlungen, die eine Gruppe von
Menschen regelmäßig und wiederholt gegen einen Einzelnen unternimmt, um diesen zu
schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen.

Zunächst wurde der Begriff vor allem in Zusammenhang mit entsprechenden Vorfällen am
Arbeitsplatz benutzt, heute wird er jedoch auch verwendet, wenn es um gezielte Attacken
in der Schule oder in der Anonymität des Internets geht (Cyber-Mobbing).

Mobbing-Opfer leiden psychisch und physisch unter der Situation. In besonders schweren
Fällen kann es zu Selbstmorden kommen, wenn sich die Opfer nicht aus ihrer Rolle befrei-
en können und sich Hilfe suchen. Die Täter fühlen sich oft sicher, weil sie gemeinsam mit
anderen agieren und so auch sicherstellen wollen, nicht selbst zur Zielscheibe zu werden.

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Montessori-Pädagogik

Die wichtigsten Fachbegriffe


Die Montessori-Pädagogik basiert auf den Ideen der italienischen Kinderärztin und Re-
formpädagogin Maria MONTESSORI (1870 – 1952).

Montessori gehörte zu den ersten Frauen in Italien, die Medizin studieren und promovieren
durften.

Leitspruch Maria Montessoris, die einen Großteil Ihres Lebens sozial benachteiligten Kin-
dern gewidmet hat, ist „Hilf mir, es selbst zu tun.“
Denn der Grundsatz der Montessoripädagogik ist, dass Kinder sich nach einem inneren Bau-
plan entwickeln und lediglich durch altersgerechte sind ansprechendes Material gefördert
werden können und nicht durch Erziehung und Unterricht im klassischem Sinn. Daher be-
M
steht die Rolle der Pädagogin darin, Material zur Verfügung zu stellen, welches das Kind
dazu anregt sich selbstständig damit zu befassen und individuelle Lernfortschritte zu ma-
chen.

Die Montessoripädagogik ist daher ein kindzentrierter pädagogischer Ansatz, der heute
noch sehr aktuell ist.

Weitere Merkmale der Pädagogik Maria Montessoris sind:

• die Integration behinderter Kinder


• die Heranführung auch jüngerer Kinder an die Naturwissenschaften
• das Erlernen lebenspraktischer Fähigkeiten, die jedes Kind im Alltag benötigt
• die Unterteilung der Kindheit in drei Stadien
(0 bis 6 Jahre, 6 bis 12 Jahre und 12 bis 18 Jahre)
• die Entwicklung von eigenem Lernmaterial für Sprache, Mathematik,
für die kosmische Erziehung und für lebenspraktische Übungen

Moralentwicklung
Bereits PIAGET stellet einige Thesen zur Moralentwicklung des Menschen auf, der bekann-
teste Forscher auf diesem Gebiet ist aber Lawrence KOHLBERG.

Nach Kohlberg gibt es sechs Stufen der Moralentwicklung, die alle nacheinander durchlau-
fen werden müssen.

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1. Ebene: Präkonventionelle Moral

Die wichtigsten Fachbegriffe


In dieser ersten Stufe, in der sich die meisten Kinder unter neun Jahren befinden, handelt
der Mensch nur deshalb nach bestimmten moralischen Normen, weil ihm andernfalls Nach-
teile drohen.

1. Stufe: Heterogene Stufe:


Das Kind hält sich an Regeln, weil deren Missachtung sanktioniert wird. Es werden nur eige-
ne Interessen berücksichtigt.

2. Stufe: Stufe des Individualismus:


Das Kind handelt teilweise nicht mehr ausschließlich egozentrisch, es gesteht anderen ihre
Bedürfnisse zu und ist in der Lage, auf diese einzugehen, wenn es auch selbst daraus einen
Nutzen zieht. („Ich helfe dir, wenn du mir dafür auch hilfst.) M
2. Ebene: Konventionelle Moral
Auf dieser Eben befinden sich Jugendliche, aber auch die meisten Erwachsenen.

1. Stufe: Stufe gegenseitiger interpersoneller Erwartungen:


Der Mensch ist sich der Erwartungen anderer bewusst und beginnt auf diese einzugehen.

2. Stufe: Stufe des sozialen Systems und Gewissens:


Das Individuum versteht die Notwendigkeit von sozialen Normen und einer moralischen
Ordnung, die den individuellen Bedürfnissen übergeordnet ist. Das moralische Urteil orien-
tiert sich in dieser Stufe häufig an Institutionen.

3. Ebene: Postkonventionelle Moral


Diese Ebene erreichen nur einige Erwachsene über 20 Jahren.

1. Stufe: Stufe des Sozialvertrags


Der Mensch reflektiert gesellschaftliche Normen und Werte. Es wird abgewägt zwischen
einem Gesetz und dem persönlichen Handeln, durch das ein Gesetz eventuell befruchten
werden könnte, welches moralisch aber notwendig ist.

2. Stufe: Stufe universeller ethischer Prinzipien


Der Mensch kann sich uneingeschränkt in andere hinein versetzen und deren Beweggründe
verstehen. Im Idealfall ist er in der Lage, sich in alle an einer Situation Beteiligten hineinzu-
versetzen und sein eigenes Handeln danach auszurichten.

Wichtig zum Verständnis: Kohlbergs Stufenmodell beschreibt lediglich kognitive Fähigkei-


ten und klammert emotionale oder praktische Fähigkeiten aus. Das heißt: Ein Mensch be-
findet sich zwar möglicherweise auf der höchsten Stufe der Moralentwicklung, ist jedoch
emotional nicht oder nicht in jeder Situation in der Lage, sein Handeln danach auszurichten
was moralisch richtig wäre.

37
Motivation

Die wichtigsten Fachbegriffe


Innere oder äußere Faktoren, die Menschen antreiben und in ihrem Tun bestärken werden
Motivation gennant. In der Pädagogik wird zwischen intrinsischer und extrinsischer Moti-
vation unterschieden. Die intrinsische Motivation kommt von inneren heraus und entsteht
ohne Verstärkung durch die Umwelt. Die kindliche Neugier, der Spaß am Spiel und das Be-
dürfnis nach Exploration sind intrinsisch motiviert. Zur extrinsischen Motivation gehören
zum Beispiel Belohnungen, Lob usw.

38
N

Die wichtigsten Fachbegriffe


N

Normen
Man unterscheidet zwischen der „statistischen Norm“ und der „idealen Norm“.

Die statistische Norm bezieht sich auf den Durchschnitt, auf etwas, das besonders oft vor-
kommt.

Bei der idealen Norm handelt es sich um ein gesellschaftlich erwünschte Verhaltensweise,
die auch kulturell oder religiös beeinflusst sein kann. Über gesellschaftliche Normen und
Werte herrscht ein Konsens und von jedem Individuum, welches in in der jeweiligen Gesell-
schaft lebt, wird erwartet sich an den idealen Normen zu orientieren.

39
O

Die wichtigsten Fachbegriffe


O

Offenes Konzept
Beim offenen Konzept werden die Gruppenstrukturen in vorschulischen Einrichtungen ganz
oder teilweise aufgelöst. Die Kinder bewegen sich frei im ganzen Gebäude und können die
Funktionsräume nutzen. Neben einem Bewegungsraum stehen je nach Konzept und Plat-
zangebot ganz unterschiedliche Räume zur Verfügung, beispielsweise ein Rollenspielraum,
ein Atelier oder Kreativraum, ein Raum für Gesellschaftsspiele, ein Raum zum Forschen, ein
Vorschulraum usw.

Auch das Frühstück findet gleitend statt, so dass den Kindern in Ihrem Freispiel wirklich
sehr viel Autonomie zugestanden wird. Damit das offene Konzept pädagogisch sinnvoll um-
gesetzt werden kann, muss das Personal den Alltag gut organisieren und vor allem viel
miteinander kommunizieren.

40
P

Die wichtigsten Fachbegriffe


P

Partizipation
Partizipation bedeutet Mitbestimmung und Mitgestaltung und ist ein wichtiges demokrati-
sches Grundrecht. Auch in der Pädagogik spiet die Partizipation eine große Rolle, Erziehung
wird heute zunehmend demokratisiert. Kinder sollen so oft wie möglich in Entscheidungen
mit einbezogen werden.

Methoden, mit denen Partizipation praktisch umgesetzt werden können, sind zum Beispiel
Kinderkonferenzen oder Abstimmungen über Aktivitäten, Anschaffungen usw.

Pädagogik/Pädagoge
Der Begriff „Pädagogik“ ist ein anderer Begriff für Erziehungswissenschaften. Diese bein-
halten vier Komponenten, welche sich gegenseitig beeinflussen:

• das Lebensalter (die verschiedenen Entwicklungsstadien vom Säugling über das Klein-
kindalter bis zum Schulalter, die Jugend und da erwachsen werden)
• die verschiedenen Institutionen (Familie, Krippe, Kindergarten, Schule, Heime, Institutio-
nen der Berufsbildung, der Fort- und Weiterbildung und der Erwachsenenbildung)

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• Krisen und Problemfelder (Integration, interkulturelle Erziehung, …)

Die wichtigsten Fachbegriffe


• Zielfestlegung (Pädagogik ist immer zielgerichtet. Wichtige übergeordnete Erziehungs-
ziele sind zum Beispiel politische Mündigkeit und Selbstbestimmung)

Als Pädagogen werden heute Fachkräfte bezeichnet, die in Fach- und Hochschulen ausge-
bildet wurden. Pädagogen haben die Aufgabe, in schulischen und außerschulischen Insti-
tutionen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung zu betreuen, zu bilden, zu erziehen,
zu unterrichten und zu bewerten. Der Begriff „Pädagoge“ ist altgriechisch und bedeutet
„Knabenführer“. Der Pädagoge hatte in der Antike die Aufgabe, die Söhne wohlhabender
und adeliger Familien zu beaufsichtigen und zu unterrichten.

Peer-Group P
Eine Peer-Group bezeichnet eine Gruppe von Kinder oder Jugendlichen gleichen Alters. Die
Mitglieder der Gruppe, auch Clique genannt, orientieren sich aneinander, geben sich Halt
und Geborgenheit. Die Gruppe hat häufig eigene Interessen, handelt nach selbst definier-
ten Normen und Werten und beeinflusst das Verhalten der einzelnen Gruppenmitglieder. Al-
lerdings kann gerade bei Jugendlichen der Anpassungsdruck groß sein, weil jeder zur gerade
besonders angesehenen Gruppe gehören möchte.

Piaget, Jean
Der schweizer Entwicklungspsychologe Jean PIAGET (1896 – 1980) gilt als Pionier der kog-
nitiven Entwicklungsforschung.

Sein kognitives Entwicklungsmodell gilt bis heute als eines der wichtigsten Grundlagen-
modelle in der Pädagogik. Es beschreibt vier Stadien der kognitiven Entwicklung, die jeder
Mensch durchläuft neble er das Erwachsenenalter erreicht hat.

Die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Kind sich aneignet, sind nach Piaget die „Assimilation“
und die „Akkomodation“.

Bei der Assimilation wird eine neue Erfahrung an ein bereits vorhandenes Schema ange-
passt.

Beispiel: Das Kind weiß, wie man mit einem Buch umgeht. Wenn es sich nun mit einer Zeit-
schrift beschäftigt, wird es sich mit dieser ähnlich beschäftigen wie mit dem Buch.

Bei der Akkomodation muss das vorhandene Schema erweitert werden, damit ein Lernpro-
zess stattfinden kann, weil die jeweilige Situation dies erfordert.

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Beispiel: Ein Baustein wird vom Kind zunächst für etwas Essbares gehalten und in den Mund

Die wichtigsten Fachbegriffe


genommen. Es stellt aber fest, dass der Baustein nicht in das Schema für Nahrung passt und
es lernt, dass Bausteine nicht essbar sind. Das vorhandene Schema muss also erweitert
werden oder aber ein ganz neues Schema entsteht.

1. Stadium der Sensomotorischen Intelligenz (0 – 2 Jahre)


Der Säugling verfügt zunächst nur über angeborene Reflexe. Durch Beobachtung und durch
ständige Wiederholung lernt das Baby nach und nach seinen Körper gezielt zu koordinieren.
Es greift nach Gegenständen, untersucht diese mit dem Mund und entdeckt sich selbst.
Gegenstände werden fallen gelassen, gezogen, geworfen und von allen Seiten betrachtet.
Auf diese Weise begreift das Kind, dass sich eine Verknüpfung wischen Mittel und Zweck
herstellen lässt.
P
Mit etwa 12 Monaten hat es gelernt, dass Dinge (und auch Menschen) trotzdem noch da
sind, auch wenn Sie aus dem Blickfeld verschwinden. Dieses Prinzip nennt Piaget „Objekt-
permanenz“. In diesem Alter kann das Mind zudem erstmals zwischen sich und der Umwelt
unterscheiden. Durch das sogenannte Übungsspiel, der vorherrschenden Spielform in dieser
Phase, erweitern die Kinder Wissen und lernen sich selbst und ihre Umwelt besser kennen.

2. Stadium der Präoperationalen Intelligenz (2 – 7 Jahre)


Bis etwa zum 4. Lebensjahr befindet sich das Kind in der Stufe des „vorbegrifflichen“ oder
„symbolischen“ Denkens. Dies geschieht durch die schrittweise Aneignung von Sprache,
denn das Wort wird zum Symbol für einen konkreten Gegenstand. Aus dieser Fähigkeit he-
raus entwickelt sich das „Symbolspiel“. Der Baustein wird zum Telefon und der Kochlöffel
dient als Schlaginstrument.

Zwischen dem 4. und 7. Lebensjahr befindet sich das Kind in der Stufe des „anschaulichen
Denkens“. Das Kind entwickelt ein Regelbewusstsein und erweitert zunehmende seine
sprachlichen Fähigkeiten. Am Ende des präoperationalen Stadiums wird der kindliche Ego-
zentrismus überwunden.

3. Stadium der Konkret-operationalen Intelligenz (7 – 12 Jahre)


Weiterhin ist das Begreifen an konkrete Erfahrungen gebunden. Anschaulichkeit ist wichtig,
damit ein Kind altersgerecht lernen kann. Es ist aber nun in der Lage, Gegenstände und Vor-
gänge auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu betrachten und zu bewerten. Damit gewinnen
kognitive Prozesse an Komplexität. Auch ein reflektiertes und vorausschauendes Handeln
ist nun möglich. Das Kind ist zudem in der Lage, logische Schlussfolgerungen aufzustellen.

4. Stadium der Formal-operationalen Intelligenz (ab 12 Jahre)


In diesem Stadium ist es dem Jugendlichen möglich, auch abstrakte Inhalte zu begreifen und
zu bewerten. Er kann Hypothesen aufstellen aufstellen und sich gedanklich mit Problemen
auseinandersetzen. Die höchste Form des logischen Denkens ist damit erreicht.

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Praxisanleitung

Die wichtigsten Fachbegriffe


Eine Praxisanleitung übernimmt die praktische Betreuung von Praktikanten in sozialpäd-
agogischen Einrichtungen. Welche Qualifikationen eine Praxisanleitung haben sollte, legt
in der Regel die ausbildende Fachschule fest. Häufig wird verlangt, dass es sich bei der
Praxisanleitung entweder um eine Erzieherin/einen Erzieher handeln muss oder aber ein
sozialpädagogisches Studium absolviert worden sein muss. Auch Berufserfahrung ist in der
Regel ein Kriterium, welches die Praxisanleitung mitbringen muss.

Zu den Aufgaben der Praxisanleitung gehören unter anderem Reflektionsgespräche mit


der Praktikantin/dem Praktikanten sowie die Zusammenarbeit mit den Ausbildungslehrern.
Zudem muss die Praxisanleitung auch regelmäßig eine Leistungsbeurteilung vornehmen.
P
Projekt, Projektarbeit
Die Projektarbeit ist ein wichtiger Bestandteil des situationsorientierten Ansatzes und
spielte schon in der Reformpädagogik eine wichtige Rolle. In den meisten Konzeptionen hat
die Projektarbeit daher heute Einzug gehalten. Wichtig ist, dass die Initiative für ein Projekt
von den Kindern ausgeht, damit sich die Projektarbeit mit den Prinzipien der Partizipation
vereinbaren lassen.

Auch die Planung und Umsetzung des Projektes sollte in die Hand der Kinder gelegt wer-
den. Daher ist es wichtig, dass regelmässig vor und nach den Projekteinheiten die Möglich-
keit besteht, Ideen und Wünsche zu äußern sowie den bisherigen Verlaufs des Projektes zu
reflektieren.

Jedes Projekt besteht aus mehreren Projektphasen. Zunächst werden Ideen für mögliche
Projekte gesammelt. Diese äußern die Kinder entweder selbst, oder die pädagogischen
Fachkräfte entwickeln die Projektideen anhand von Beobachtungen der Kinder. Auch ak-
tuelle Ereignisse, welche die Kinder bewegen, wie zum Beispiel eine Baustelle vor dem
Kindergarten, können Anlass für die Planung und Durchführung eines Projektes sein.

Nachdem die Entscheidung für ein Projekt oder mehrere Projekte gefallen ist, folgt die
Durchführungsphase mit den einzelnen Projekteinheiten sowie einem Projekthöhepunkt.
Letzterer, oft eine Ausstellung der Projektergebnisse, ein Ausflug oder der Besuch eines
„Experten“, ist häufig auch der Projektabschluss.

Wichtig ist, dass die pädagogischen Fachkräfte bei der Durchführung des Projektes nur as-
sistieren und so häufig wie möglich die Rolle eines Moderators einnehmen, während die
Kinder aktiv werden um Ihre Ideen umzusetzen.

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Weitere wichtige Prinzipien der Projektarbeit sind Freiwilligkeit, Transparenz, Wertschät-

Die wichtigsten Fachbegriffe


zung, Prozessorientierung und Ergebnispräsentation.

Die pädagogischen Fachkräfte sollten nach Beendigung des Projektes im Team eine Aus-
wertung vornehmen, um die Projektarbeit zukünftig noch besser gestalten zu können.

Psychomotorik
Unter dem Begriff wird das Zusammenwirken von psychischen Befindlichkeiten und der
Motorik verstanden. Da Kinder ihre Umwelt durch Bewegung erfahren und emotionale und
soziale Erfahrungen durch die Motorik verarbeiten, können psychomotorische Förderange-
bote Kindern helfen, sich altersgerecht zu entwickeln. P

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Q

Die wichtigsten Fachbegriffe


Q

Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung


Da pädagogische Einrichtungen sich heute aufgrund der veränderten Gesetzeslage, aber
auch wegen gesellschaftlicher Wandlungsprozesse an höheren Qualitätsstandards orientie-
ren müssen als früher, muss eine Qualitätssicherung stattfinden.

Bereiche, die von einem modernen Qualitätsmanagement im Sozial- und Gesundheitsbe-


reich profitieren sind zum Beispiel die Ausstattung, das Personal, die Öffentlichkeitsarbeit,
die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen usw.

Maßnahmen, die insbesondere in Krippen und Kitas zur Qualitätssicherung beitragen


können:

• (Weiter-) Qualifizierung der Fachkräfte durch Fort- und Weiterbildungen


• regelmäßige Teambesprechungen
• Elternbefragungen
• Transparenz in der täglichen Arbeit
• Weiterentwickelnd des pädagogischen Konzeptes
• Investitionen in die Ausstattung einer Einrichtung
• Supervisionen, die durch qualifizierte externe Anbieter durchgeführt werden

46
R

Die wichtigsten Fachbegriffe


R

Reggio-Pädagogik
Der Begriff „Reggio-Pädagogik“ ist angelehnt an an die pädagogischen Prinzipien, die erst-
mals für die Kindertagesstätten in der italienischen Stadt Reggio nell’Emilia entwickelt und
umgesetzt wurden.

Seit den 1970er-Jahren gilt dort das Prinzip, dass viele Institutionen gemeinsam mit Eltern,
Lehrern und Erziehern Hand in Hand arbeiten, wenn es um die bestmögliche pädagogische
Förderung geht. Die Reggio-Pädagogik wird als kommunale Aufgabe angesehen. Wichtige
Merkmale sind:

• Partizipation und Transparenz sowie die Einbeziehung der Eltern


in die pädagogische Arbeit
• die Vermeidung defizitorientierter Sichtweisen
• Projektarbeit
• die Unterstützung und Anregung von Selbstbildungsprozessen
der Kinder durch die Erzieher
• die Dokumentation der individuellen Lern- und Entwicklungsfortschritte
• die besondere Schwerpunktsetzung auf die Gestaltung von Räumen
(der Raum wird „dritter Erzieher“ genannt)

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Regelspiel

Die wichtigsten Fachbegriffe


Im Gegensatz zum freien Spiel müssen beim Regelspiel feste Regeln eingehalten werden.
Zu den Regelspielen gehören zum Beispiel Gesellschaftsspiele, Bewegungsspiele und
Kreisspiele. Regelspiele werden gemeinsam mit anderen gespielt, also mindestens zu zweit
und es gilt, sich nach einem vorgegebenen Ablauf zu richten. Die meisten Kinder sind etwa
mit drei Jahren in der Lage, sich an einfachen Regelspielen zu beteiligen.

Rolle
Rollen sind Verhaltenserwartungen, die von außen an jemanden heran getragen werden und
die eng mit der jeweiligen Position verknüpft sind. Man unterscheidet zwischen formellen
R
und informellen Rollen. Eine formelle Rolle und die damit verbundene Erwartungshaltung
(zum Beispiel die Rolle als Mutter, Lehrerin, Erzieherin) ist gekoppelt an eine gesellschaftli-
che Position. Eine informelle Rolle (beispielsweise der Klassenclown, der Sündenbock, das
Mobbing-Opfer) entsteht aus einer wenig zu beeinflussenden Eigendynamik heraus.

Jeder Mensch nimmt viele verschiedene Rollen gleichzeitig ein. Diese Tatsache führt häufig
zu Konflikten.

Rollenkonflikt
Man unterscheidet zwischen dem „Intrarollenkonflikt“ und dem „Interrollenkonflikt“. Beide
Rollenkonflikte betreffen nahezu jeden Menschen einmal oder mehrfach während seines
Lebens, weil jeder durchgängig mehrere Rollen gleichzeitig besetzt. So ist eine Frau, die ein
Kind bekommt, gleichzeitig Mutter, aber auch Partnerin, Arbeitnehmerin und selbst das Kind
ihrer Eltern.

Der Intrarollenkonflikt bezeichnet die widersprüchlichen Erwartungen an eine Person, mit


denen sie innerhalb einer Rolle konfrontiert ist. (Beispiel: Innerhalb der Mutterrolle muss
eine Frau einfühlsam und liebevoll sein, aber auch Grenzen setzen können und Regeln auf-
stellen.)

Beim Interrollenkonflikt geht es um das Konfliktpotenzial, wenn jemand mehrere Rollen be-
setzt, die mit konträren Verhaltenserwartungen oder moralische Ansichten verknüpft sind

Beispiel: Zu Hause soll ein Mann ein liebevoller Vater sein, im Job aber ein knallharter Ge-
schäftsmann.

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Rollenspiel

Die wichtigsten Fachbegriffe


Ein Rollenspiel ist eine spielerische Auseinandersetzung mit sozialen Rollen, aber auch Er-
lebnissen und Interessen. Die Spielenden können die Rollen von Tieren, Menschen oder
fiktiven Gestalten einnehmen und so Ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Da Sprache und Kommunikation wichtige Bestandteile des Rollenspiels sind, können Kinder
in der Regel erst ab einem Alter ab 2,5 Jahren aktiv daran teilhaben. Doch auch kognitive
Fähigkeiten werden benötigt, denn ein Kind muss seine Rolle kennen und annehmen sowie
fähig sein, die Rolle auch eine gewisse Zeit lang durchzuhalten. Mit etwa fünf Jahren sind
Kinder in der Lage, ihr Spiel und dessen Verlauf genau zu planen.

Rollenspiele sind aus pädagogischer Sicht wichtig:


R
1. Durch das Rollenspiel setzt sich das Kind mit der Welt der Erwachsene auseinander, aber
auch mit sozialen Rollen, Berufen und Dingen, die es bewegen.
2. Rollenspiele helfen Kindern Empathie zu entwickeln und sich in andere Menschen hinein-
versetzen.
3. Im Rollenspiel lernt dass Kind soziales Handeln, weil es Kompromisse eingehen muss,
Ideen und Vorschläge äußern kann und sich an Absprachen halten sollte.
4. Durch seine Rolle fällt es dem Kind leichter, sich an Regeln zu gewöhnen und diese ein-
zuhalten.
5. Rollenspiele helfen Kinder, Ängste abzubauen und negative wie positive Erlebnisse zu
verarbeiten.
6. Innere Konflikte kann das Kind in einem Rollenspiel verarbeiten, weil es zum Beispiel in
seiner Rolle als „unartiges Kind“ fluchen darf, dies in der Realität aber verboten ist.
7. Rollenspiele verbessern die Ausdrucks- und Sprachfähigkeit von Kindern und helfen gera-
de schüchternen Mädchen und Jungen, leichter mit anderen in Kontakt zu treten.

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S

Die wichtigsten Fachbegriffe


S

Schulfähigkeit/Schulreife
Als Schulfähigkeit wird die Summe aller kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten
bezeichnet, die ein Kind zum Schulbesuch befähigt. Der Begriff „Schulreife“ ist veraltet, weil
körperliche Reifungsprozesse nur einen Bruchteil der für den Schulbesuch notwendigen
Aspekte ausmachen.

Eine Prognose im Hinblick auf die Schulfähigkeit geben Kinderärzte und das Gesundheits-
amt ab, die teilweise standardisierte Testverfahren anwenden. Zunehmenden werden aber
auch die Ansichten des pädagogischen Fachpersonals in die Bewertung der Schulfähigkeit
mit einbezogen.

Selbstbildungsprozess
Die moderne Pädagogik geht davon aus, dass jeder Mensch ein intrinsisches Interesse dar-
an hat, zu lernen und seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Daher hat sich auch der Bil-
dungsbegriff gewandelt: Bildung gilt als nicht vermittelbar, Wissen kann einem Kind nicht
„eingetrichtert“ werden. Eltern und Pädagogen können lediglich Selbstbildungprozesse an-
regen, indem sie das Kind motivieren und ermutigen, seine Umwelt zu entdecken und Neu-

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es auszuprobieren. Zudem müssen sie dafür sorgen, dass das Kind sich mit altersgerechten

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Material auseinandersetzen kann, welches die Phantasie und die Kreativität anregt, sowie
soziale und kognitive Lernprozesse in Gang setzt. Grundsätzlich gilt: Der Mensch lernt am
besten durch eigenes Tun.

Sexualpädagogik
Die Sexualpädagogik ist ein Teilbereich der Erziehungswissenschaften und dient dazu,
ganzheitliche Konzepte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu entwickeln, mit deren
Hilfe sich altersgerecht Themen wie Sexualentwicklung, Prävention sexuellen Missbrauchs
oder Homosexualität vermitteln lassen.
S
Sexualentwicklung
In der Wissenschaft wird unterschieden zwischen kindlicher und erwachsener Sexualität.
Bereits Säuglinge entdecken in spielerischer Form ihre Geschlechtsteile, im Vorschulalter
beschäftigen sich Kinder häufig mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern, indem
sie zum Beispiel „Doktospiele“ mit Gleichaltrigen spielen. In der Pubertät verändert sich der
Körper stark und das hormonelle Chaos kann die Heranwachsenden belasten.

Sinne
Mithilfe seiner fünf Sinne ist es dem Menschen möglich seine Umwelt wahrzunehmen.

1. Sehsinn: Mit den Augen wies die visuelle Wahrnehmung möglich


2. Hörsinn: Mit den Ohren ist die auditive Wahrnehmung möglich
3. Tastsinn: Mit der Haut ist die taktile Wahrnehmung möglich
4. Geschmackssinn: Mit der Zunge ist die gustatorische Wahrnehmung möglich
5. Geruchssinn: Mit der Nase ist die olfaktorische Wahrnehmung möglich

Seine Sinne einzusetzen und die über die Sinne wahrgenommenen Eindrücke zu erkennen,
zu filtern und zu deuten muss der Mensch erst lernen.

Heute gelten noch vier weitere Sinne als wichtig, um sich in seiner Umwelt zurechtzufin-
den, nämlich:

• der Temperatursinn
• der Gleichgewichtssinn
• das Schmerzempfinden und
• die Körperempfindung

Einige Tiere haben noch weitere Sinne, welche sie einsetzen können.

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Situationsorientierter Ansatz

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Der situationsorientierte Ansatz ist kindzentriert und ganzheitlich. Das bedeutet, dass die
Lebensumstände der Kinder, ihr soziales Umfeld und ihre ganz individuellen Interessen und
Erlebnisse einen wichtigen Stellenwert in der täglichen pädagogischen Arbeit einnehmen.
Es geht beim situationsorientierten Ansatz nicht darum, im Voraus pädagogische Angebote
und Konzepte zu erstellen, sondern eben situativ und individuell zu handeln. Die Stärken
und Fähigkeiten jedes Kindes sowie dessen Rolle innerhalb der Gruppe stehen im Mittel-
punkt.

Sprachentwicklungsstörungen
S
Folgende Sprachstörungen, Sprechstörungen, Lautbildungsfehler und Redeflussstörungen
sind besonders weit verbreitet:

Aphrasie: Betroffenen ist es nicht möglich, ganze Sätze zu bilden


Aphasie: Das Sprachverständnis ist gestört, ebenso das Sprachvermögen. Grund ist nicht
mangelnde Intelligenz, sondern eine Schädigung des zentralen Nervensystems.
Mutismus: psychisch bedingte Sprachunfähigkeit oder Folge von Gehörlosigkeit
Dysgrammatismus: fehlerhafter Satzbau
Echolalie: Automatisierte Wiederholung von Lauten (bei Säuglingen) oder von Gehörtem.
Tritt häufig bei Autisten und geistig behinderten Menschen auf.
Lalophobie: Angst, zu sprechen, besonders aufgrund von Sprachstörungen
wie dem Stottern
Eigensprache: Selbst entwickelte Sprache bei kleinen Kindern, unter Zwillingen
und bei geistig Behinderten
Poltern: überhastetes Reden, Auslassen von Silben
Sigmatismus: Lispeln, fehlerhafte Lautsprache von Zischlauten
Dyslalie: Bestimmte Laute können nicht ausgesprochen werden
Kappazismus: Falsche Lautbildung; oft werden einige Laute durch andere ersetzt
(„Tuchen“ anstatt „Kuchen“)
Tachyphemie: Stottern

Stigmatisierung
Die Stigmatisierung ist ein Prozess, bei dem innerhalb einer Gesellschaft bestimmte Merk-
male einer Person auf eine Personengruppe übertragen werden. Die Betroffenen werden zu
einer Randgruppe und verinnerlichen die ihnen zugeschriebenen Merkmale oft irgendwann
selbst handeln dementsprechend („Ich bin nun mal der ungebildete Ausländer, von dem alle
glauben, er sei kriminell – was habe ich schon zu verlieren?“).

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T

Die wichtigsten Fachbegriffe


T

Tic-Störung
Bei einer Tic-Störung kommt es zu einer ständigen Wiederholung bestimmter motorischer
Verhaltensweisen oder Lautäußerungen (motorische und vokale bzw. phonetische Tics). Zu
den häufigsten einfachen motorischen Tics gehörte zum Beispiel das Augenblinzeln, bei
den Vokalen Tics tritt beispielsweise das Räuspern oder Hüsteln oft auf. Die Ausprägung
der Störung kann ganz unterschiedlich sein, ebenso die Häufigkeit. Manchmal gibt es auch
konkrete Auslöser für die Tics, wie zum Beispiel Stress.

Oft gehen Tic-Störungen mit Verhaltensauffälligkeiten einher wie zum Beispiel Hyperakti-
vität oder Impulsivität. Eine spezielle Form der Tic-Störung ist das Tourette-Syndrom. Die
ersten Symptome der Tic-Störung zeigen sich oft im Grundschulalter, ab dem 14. Lebens-
jahr verschwinden sie oft ohne Therapie von alleine. Letztere ist ohnehin nur in schwereren
Fällen notwendig. Trotzdem leiden viele Kinder und Jugendliche unter ihren Tics, weil ande-
re sie darauf ansprechen oder sie deshalb ärgern.

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U

Die wichtigsten Fachbegriffe


U

Urvertrauen
Das Urvertrauen bezeichnet nach ERIKSON das Vertrauen des Kindes während der ersten
Lebensmonaten in seine Bezugsperson, die ihm Geborgenheit und Sicherheit vermittelt.
Fehlt das Urvertrauen, kann das zu emotionalen und sozialen Störungen in der kindlichen
Entwicklung führen.

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V

Die wichtigsten Fachbegriffe


V

Verhaltensauffälligkeit
Als auffällig gilt ein Verhalten, wenn es sich, zunächst ohne Bewertung, von den Erwartun-
gen oder den bisherigen Erfahrungen derjenigen Person, welche das Verhalten bewertet,
unterscheidet. Der Situationsbezug ist immer wichtig, um eine Bewertung des gezeigten
Verhaltens vornehmen zu können. Grundsätzlich gilt: Verhaltensauffälligkeiten, die länger
als sechs Monate andauern, gelten als behandlungsbedürftig.

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W

Die wichtigsten Fachbegriffe


W

Waldkindergarten
Das Konzept des Waldkindergartens stammt aus Nordeuropa und ist eng an die Naturpäd-
agogik angelegt. Die pädagogischen Arbeit findet in Waldkindergärten nicht in geschlosse-
nen Räumen statt, sondern an einem Fixpunkt im Wald oder in einem Park. Die Kinder befin-
den sich in der Regel ausschließlich im Freien, es sei denn ein Unwetter oder unzumutbare
klimatische Bedingungen lassen dies nicht zu.

Der pädagogische Schwerpunkt in einem Waldkindergarten liegt auf der Bewegung- und
Gesundheitserziehung sowie auf dem Aufbau einer besonderen Beziehung zu Natur und
Umwelt. Zudem lernen die Kinder, sich größtenteils ohne vorgefertigtes Spielzeug zu be-
schäftigen, was die Kreativität fördert.

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Waldorf-Pädagogik

Die wichtigsten Fachbegriffe


Die Waldorfpädagogik geht auf Rufolf STEINER (1861 – 1925) zurück und orientiert sich
an dessen anthroposophischer Lehre. Die Anthroposophie ist eine spirituell-esoterische
Weltanschauung, die unterschiedliche Lebensbereiche wie die Kunst, die Medizin, die Wirt-
schaft und das soziale Miteinander beeinflusst. Der erste Waldorfkindergarten entstand
1926 in Stuttgart.

Die Waldorfpädagogik wird heute in vielen Kindergärten und Schulen umgesetzt. vorschu-
lische Einrichtungen, die sich an Rudolf Steiners Lehren orientieren, weisen unter anderem
folgende Merkmale auf:

• Ein Schwerpunkt wird auf künstlerische und handwerkliche Tätigkeiten gelegt. Auch die
W
Erzieher sind dazu angehalten, sich vorbildhaft in ihr Tun zu vertiefen. Sie weben, häkeln
oder stricken, während die Kinder dem Freispiel nachgehen.
• Das Spielzeug ist einfach gehalten und besteht größtenteils aus Naturmaterialien wie
Wolle, Holz und Filz.
• Der Tagesablauf ist sehr rhythmisch strukturiert und gliedert sich in verschiedene Pha-
sen wie dem Freispiel, künstlerischen Aktivitäten oder dem Vorlesen eines Märchens.
• Die von Rudolf Steiner entwickelte Bewegungskunst „Eurythmie“ wird regelmäßig in den
Wochenplan integriert. Die tänzerischen Bewegungen sollen den Kindern helfen, Seele
und Geist gesund zu erhalten und sich zu entspannen.
• Die Raumgestaltung in Waldorfkindergärten ist themenbezogenen und wird daher an die
aktuellen Inhalte angepasst.

Freie Waldorfschulen unterscheiden sich sehr deutlich von Regelschulen. Dort werden größ-
tenteils keine Noten vergeben. Zudem bearbeiten die Schüler über einen längeren Zeitraum
hinweg ein Thema (Epochenunterricht). Die Eurythmie sowie kreative und handwerkliche
Projekte sind wichtige Bestandteile des Lehrplans. Dennoch besteht auch an Waldorfschu-
len grundsätzlich die Möglichkeit stattlich anerkannte Abschlüsse wie die mittlere Reife
und das Abitur zu absolvieren.

Kritiker bezeichnen die Waldorfpädagogik als weltfremd und weisen darauf hin, Waldorf-
schüler würden zu wenig auf die Anforderungen des Lebens außerhalb der Schule vorbe-
reitet.

In Einrichtungen, die nach der Lehre Steiners arbeiten, wird häufig ein großes Engagement
von den Eltern erwartet. Zudem müssen oft höhere Gebühren bezahlt werden als in Regel-
schulen und Kitas in anderer Trägerschaft.

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Z

Die wichtigsten Fachbegriffe


Z

Ziel (pädagogisches)
Erziehung ist nicht Selbstzweck, sondern dient dazu einem Menschen zu einem selbststän-
digen, selbstbestimmten und sozialem Leben innerhalb einer Gesellschaft zu verhelfen. Ne-
ben diesem großen Ziel aller pädagogischen Bemühungen sollte jedes erzieherische Han-
deln zielgerichtet sein und den zu Erziehenden in seiner individuellen Entwicklung voran
bringen oder ihm helfen seine Persönlichkeit zu stärken.

Zielformulierung
Pädagogische Arbeit ist nicht willkürlich sondern verläuft, wenn Sie professionell durchge-
führt wird, zielorientiert. Der Zielformulierung kommt vor allem in der schriftlichen Ausar-
beitung eines Angebotes oder eines Projektes eine große Bedeutung zu.

Grundsätzlich gilt: Das Erreichen eines pädagogisches Ziele muss überprüfbar sein. Zudem
gliedert sich die Zielsetzung in der Regel in Grob- und Feinziele.

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Weitere Aspekte der Zielformulierung:

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• Ziele werden in ganzen Sätzen formuliert.
• Der Lernende wird als Aktiver beschrieben.
• Ziele sind immer positiv formuliert.
• Jedes Ziel lässt eine erzieherische Absicht erkennen und beinhaltet einen Lernfortschritt.
• Jedes Ziel lässt sich einem der drei Kompetenzbereiche Ich-Kompetenz, Sach-Kompetenz
und Sozial-Kompetenz zuordnen

Beispielformulierung: Die Kinder erweitern ihr Wissen über Dinosaurier, indem sie deren
Aussehen genau beschreiben. (Ich-Kompetenz und Sach-Kompetenz)

Die Kinder entwickeln gemeinsam Regeln für das tägliche Miteinander, indem sie abwech- Z
selnd Ideen einbringen und diese diskutieren. (Sozial-Kompetenz)

Zufallstechnik
Bei der Zufallstechnik steht nicht fest, wie das Ergebnis eines kreativen Prozesses am Ende
aussehen wird, weil sich dieser nicht oder nur wenig beeinflussen lässt. Zu den Zufallstech-
niken gehören beispielsweise die Murmeltechnik, Druck- und Spritztechniken und andere
Kreativtechniken. Aufgrund der einfachen Handhabung werden Zufallstechniken auch ger-
ne in der kreativen Arbeit mit Kleinkindern unter drei Jahren eingesetzt.

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