Sie sind auf Seite 1von 3

Bernhard Schlinks Roman “Der Vorleser” erschien im Jahr 1995 und erzählt die

Geschichte der Beziehung von Michael Berg und die ältere Frau Hanna Schmitz.
Inmitten ihres Altersunterschiedes, Hannas mysteriöse Vergangenheit und
Nachkriegsdeutschland, versuchen die beiden Komfort zu finden.  Im Textauszug S. 75-
78 wird verdeutlicht, dass obwohl die Beziehung zwischen beide sehr problematisch
und ungeordnet ist, sind die beiden verlorenen Seelen die ein Weg herausfinden um
Geborgenheit und Liebe in dieser Beziehung zu finden. 

Das Buch enthält 3 Teilen. In dem ersten Teil erzählt Michael über den Anfang seine
Beziehung mit Hanna. Michael ist 15 Jahre alt und sie treffen sich zum ersten Mal in
einem Schultag, indem Michael krank wurde und Hanna ihm hilft nach Hause zu
kommen. Seine Mutter zwingt ihn Hanna zu besuchen, um ihr zu bedanken, und als er
dort geht, seht er unabsichtlich die Frau am Umkleiden. Er rennt weg, aber hält sie am
Kopf. Er besucht sie ein zweites Mal, und Hanna erkennt sein sexuelles Verlangen, und
beide baden zusammen zum ersten Mal. Danach entwickelt sich die Beziehung, und sie
treffen sich jede Woche, fast jeden Tag. Michael beginnt dann Bücher, der er für Schule
lesen soll, für Hanna zu vorlesen. Ihre Zeit zusammen enthalt vieles Vorlesen und Sex.
Am Ende des ersten Teils verschwindet Hanna. In dem zweiten Teil erzählt Michael
über einige Jahre später, wenn er Jura studiert. Er geht als Beobachter zu einem Prozess
gegen Nazi-Verbrechen, und er sieht Hanna nochmal, die eine der Angeklagten ist.
Nach einer Zeit wird es für Michael klar, dass Hanna ihr vorgeworfenes Verbrechen
nicht tun konnte, da sie Analphabetin ist, was ihm nur in dieser Zeit klar werdet. Jedoch
erzählt er es dem Richter nicht und Hanna wird zur Haft verurteilt. Im dritten Teil des
Buchs wird erzählt von einige Jahre später, wenn Michael fängt an Kassetten nach
Hanna im Gefängnis zu schicken indem er ihr Bücher vorliest. Hanna schickt ihn zurück
ein Brief einige Monate später, und Michael freut sich, dass sie schreiben und lesen
kann. Eine Woche vor Hannas Freilassung besucht er sie und er stellt sich zur
Verfügung, um ihr zu helfen, aber sie erhängt sich im Gefängnis den Tag vor ihre
Entlassung. 

Um ihre Beziehung zu verstehen und zu analysieren sind die Kapiteln des ersten Teil
am meisten wichtig. In dem Kapitel 16, Michael erzählt über wie er nie Hanna zufällig
trifft. Sie geht auch viel ins Kino und dann reden sie über die Filme, die sie beide schon
gesehen haben. In eine Zeit fühlt sich Hanna unterdrückt und Michael weiße nicht
warum, aber nachdem die Frau wieder normal schien, baden sie zusammen. Als
Michael danach ins Schwimmbad geht, taucht plötzlich Hanna dort auf, und er fragt
sich was sie im Schwimmbad macht. Als er aufsteht um zu ihr gehen, blickt er kurz weg
und Hanna verschwindet. 

Die Erzählperspektive der Geschichte ist eine Personale Erzählhaltung, denn der Leser
kennt nur Michaels Perspektive an seine eigenen Erinnerungen. Die erzählzeit des
Kapitel 16 ist von ungefähr 10 Minuten, und die erzählte Zeit ist von ungefähr ein
Monat. Allerdings, im Buch gibt es auch vielen Zeitsprüngen, denn es handelt sich um
verschiedene Erinnerung von Michael, der seine Geschichte von der Zukunft erzählt.
Deswegen werden am meistens die Innerer Monologen von dem Jungen erzählt und der
Leser erfährt Hannas Aussagen nur durch Michaels Erinnerung. In der Textstelle von S.
75-78 wird besonders deutlich, wie dominant Hanna ist in der Beziehung der beiden.
Hanna nennt Michael „Jungchen” (vgl. S. 75 z. 12) und es zeigt, dass sie ihm nur als ein
Kind sieht, also, dass sie auch mehr Macht über ihm hat. In der Stelle „Wir hatten keine
gemeinsame Lebenswelt, sondern sie gab mir in ihrem Leben den Platz, den sie mir
geben wollte. Damit hatte ich mich zu begnügen” (S. 75 z. 3ff) wird Hannas Dominanz
auch deutlich, denn Michael erkennt, dass die Frau komplett Kontrolle über ihn hat,
jedoch akzeptiert er, dass die Beziehung so funktioniert, denn er liebt ihre Zeit
zusammen. Hanna hatte aber Kontrolle auch über seine Gedanken und seine Idee von
ihr, er wurde nur wissen und denken was sie wollte, dass er dachte und wusste,
hauptsächlich um ihren Analphabetismus zu verheimlichen. Deswegen wird auch Hanna
als geheimnisvoll und zurückweisend beschrieben: „Ich habe nie erfahren, was Hanna
machte, wenn sie weder arbeitete noch wir zusammen waren. Fragte ich danach, wies
sie meine Frage zurück” (S.75 z. 1ff). Dies fügte auch zu einer emotionalen
Distanzierung zwischen beiden, indem Hanna Michael nicht erlaubte ihr besser zu
kennenlernen. Allerdings erkennt Michael, dass Hanna sich unterdrückt fühlt und
beschreibt sie in eine Phase als „launisch und herrisch und zugleich spürbar unter einem
Druck, der sie (…) quälte und empfindlich, verletzlich machte“ (S. 76 z. 22ff). Wenn er
sie aber darüber nachfragt, gebt sie auch keine Antwort, er wusste dann nie, wie er
behandeln sollte „[...] versuchte, für sie dazusein und sie zugleich in Ruhe zu lassen” (S.
76 z. 29f). Daraus hatten sie eine sehr problematische Beziehung, indem eine
mangelhafte Kommunikation zwischen ihnen stattfindet und beiden konnten nie ihre
Gefühle wirklich äußern. Jedoch liebte Michael ihre Zeit zusammen und er wollte sie
immer treffen. Es ist auch zu erkennen, dass obwohl Hanna die erwachsene und die
Dominant in der Beziehung ist, zeigt sie auch eine kindlichere und naiver Seite ihre
Person in dieses Textauszug. In S.75 Zeile 18ff, zum Beispiel, erzählt Hanna ein
Kinderreim „ [...] sie nahm den kleinen Finger ihrer Linken zwischen den rechten
Daumen und Zeigefinger, »sonst ißt er sie ganz allein auf.«”. Sie ging auch oft ins Kino
„ [...] im Kino, wohin sie, wie sagte, gerne und oft ging” (S. 75 z.22f) und  hatte keine
Kriterium über was sie schauen wollte, „Sie ging eigentümlich wahllos ins Kino und
sah alles, vom deutschen Kriegs und Heimatfilm über den Wildwestfilm bis zur
Nouvelle vague” (S. 76 z. 4ff). Dies wiesen auf zu ihr Analphabetismus: sie geht
einfach ins Kino und orientiert sich durch die Aushangfotos und Plakaten, denn sie kann
die Reklamen nicht lesen. Im Gegenteil zu Hanna und ihre Kinderreime, ist Michael gut
gebildet und wollte „Krieg und Frieden” mit ihr lesen, ein sehr anspruchsvoller Roman.
In diesem Teil sind dann die Rollen umgekehrt, Hanna ist die kindliche in der
Beziehung, und Michael der hoch gebildete. Er fühlte sich auch besser mit Hanna als
mit den Freunden seinem Alter. In Hannas Wohnung fühlte er sich wie ein Erwachsener
und konnte dieses Gefühl nirgendwo finden. In der Stelle „Ich war benommen. Im
Schwimmbad drang das Geschrei der spielenden und planschenden Kinder an mein Ohr,
als komme es aus ferner Ferne.” (S. 77 z. 24ff) werden diese Gefühle auch deutlich,
denn der Autor beschreibt die Geräusche der Kinder als sie sehr fern von Michael sind,
um zu zeigen, dass er fühlt sich nicht mehr als ein Kind nachdem er Zeit mit Hanna
verbringt, und für ihm jetzt sind die Gespräche der Personen ihrem älter „lächerlich und
nichtig“ (S. 77 z.30) . Deswegen fühlt er sich auch verloren im Schwimmbad mit seinen
Freunden: „ging ich durch die Welt, als gehöre sie nicht zu mir“ (S. 77 z.26f). Um die
Atmosphäre in Hannas Wohnung zu beschrieben, benutzt Michael „sommerliche
Schwüle” (S. 77 z.7) und „klebte in der heißen, feuchten Luft an ihrem schwitzenden
Körper” (S. 77 z.12f), die wirken zu die Idee einer sehr erotische Atmosphäre, den
Michael liebte und zudem er fast süchtig war. Im Gegenteil beschreibt er die Tage im
Schwimmbad mit „chlorige, milchige Wasser“ (S. 77 z.27f), die zeigen Michaels
Abneigung gegen seine Nachmittage im Schwimmbad. Allerdings erinnert sich Michael
genau an seiner Zeit mit Hanna, aber nicht so sehr an seiner Zeit mit anderem
Bekannten, was zeigt wie Hanna eine viel größere Bedeutung für ihn hatte, auch wenn
sie Geheimnisse vor ihm hat. Am Ende geht auch Hanna zum Schwimmbad, und es ist
das erste Mal, dass sie Michael nachverfolgt, und nicht umgekehrt. „ [...] als ich
aufblickte und sie sah. Sie stand zwanzig bis dreißig Meter entfernt, in Shorts und
offener, in der Taille geknoteter Bluse, und schaute zu mir herüber. Ich schaute zurück.
Ich konnte über die Entfernung den Ausdruck ihres Gesichts nicht lesen.” (S. 78 z.5-9).
Die Distanz zwischen Hanna und Michael im Schwimmbad symbolisiert die emotionale
Distanz zwischen beide in der Beziehung. Die Frau aber stand dort, in einem Ort indem
sie nie mit Michael war, um diese Distanz zu brechen. Ihre Anwesenheit am
Schwimmbad bedeutete ein Versuch von ihrer Seite, um Michael zu kennenlernen und
um zu erlauben, dass er sie kennenlernt. An ihre Wohnung gab es nichts mehr als Sex
und Vorlesen, aber im Schwimmbad, zeigte Hanna, dass sie mehr als das mit Michael
erleben möchte. Am Ende konnte sie es aber nicht brechen und sie hatte zu viel Angst
sich selbst, ihre Vergangenheit und ihr Analphabetismus zu zeigen, dass sie einfach
weggegangen ist, und ist komplett von Michaels Leben verschwunden. 

So kann man insgesamt sagen, dass Hanna und Michael ineinander Geborgenheit
gefunden haben, obwohl sie sehr verschiedenen Personen sind, die eine problematische
Beziehung führten. Michael fühlte sich wie ein Erwachsene und zufrieden mit seiner
Zeit mit Hanna, auch wenn sie ihn nicht alles über ihr Leben erzählte, und obwohl man
Hannas Gefühle und Gedanken nicht genau weißt, wird es deutlich, dass sie ihre Zeit
zusammen auch genießte, denn sie konnte über ihre Probleme vergessen und einfach
mit dem Jungen Sex haben und Bücher für ihr vorgelesen zu haben. Obwohl ihre Zeit
zusammen nicht lang dauerte, spielt die Beziehung eine sehr bedeutende Rolle in seinen
Leben, und die beiden haben diese Zeit zusammen nie vergessen.