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Aurispo – Eine hochintegrierte Plattform zur Dauerüberwachung von Vitaldaten Aurispo – A highly integrated permanent-monitoring-platform for vi- tal parameters

Erik Jung, Alexander Hilgarth, Ulf Oestermann, Matias Minkus, Rolf Aschenrenner, Herbert Reichl Fraunhofer-IZM, Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin, erik.jung@izm.fraunhofer.de

Kurzfassung

Vorgestellt wird das medizinische Mikrosystem „Aurispo“ zur nichtinvasiven Überwachung mehrerer Vitalparameter wie z.B. Puls, Temperatur und Blutsauerstoffsättigung. „Aurispo“ ist ein energieautarkes drahtloses Sensorsystem, das aufgrund seines geringen Volumens in ein Hörgerätgehäuse integriert werden kann. „Aurispo“ leitet die erfassten Vital- daten direkt an eine Basisstation weiter. Hierbei kann es sich um einen PC oder ein Smartphone handeln. Ziel von „Au- rispo“ ist die nahtlose Integration in eine Plattform zur ganzheitlichen Überwachung von Vitalparametern.

Abstract

We present "Aurispo", a medical microsystem for non-invasive monitoring of multiple vital parameters such as pulse, temperature and blood oxygen saturation. It is a self-sufficient wireless sensor system that can be integrated due to its low volume in an hearing aid housing. “Aurispo” transmits the collected vital data directly to a base station. This can be either a PC or a smartphone. Aurispo's goal is the seamless integration into a platform for comprehensive monitoring of vital parameters.

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Einleitung

  • 1.1 Motivation

Unser Gesundheitssystem steht vor der Aufgabe, bei gleich bleibendem Personalbudget eine immer größer werdende Zahl an Patienten zu betreuen. Um weiterhin eine hohe Qualität bei der Betreuung von Patienten zu gewährleisten, ist eine erhebliche Effizienzsteigerung bei voraussichtlich gleich bleibender Zahl des betreuenden Personals unaus- weichlich. Es ist naheliegend, die Fortschritte auf dem Gebiet der Mikrosystemtechnik zur Steigerung der Be- treuungseffizienz zu nutzen. Die demographische Entwick- lung, insbesondere in den Industriestaaten, begründet eine dramatische Zunahme der Anzahl chronisch erkrankter Menschen. Sowohl chronisch Kranke, als auch Patienten der Akut- und Notfallmedizin profitieren von einem Per- manentmonitoring ihrer Vitaldaten. Diese Rundumüber- wachung wird allerdings nur akzeptiert werden, wenn die verwendeten Gerätschaften klein, leicht und robust sind sowie ihren Träger nicht als krank oder alt stigmatisie-

ren[1].

  • 1.2 Verwendung von Mikrosystemtechnik

Der verwendeten Mikrosystemtechnik inhärent ist eine hohe Zuverlässigkeit, da mit der im Vergleich geringeren Größe auch eine geringere mechanische Beanspruchung einhergeht. Gleichfalls haben kleinere Systeme tendenziell einen niedrigeren Energieverbrauch, was in einer längeren Standzeit resultiert. Als augenscheinlichster Punkt ergibt

sich durch die Verwendung von Mikrosystemtechnik eine miniaturisierte Bauform und somit eine potentiell höhere Akzeptanz beim Anwender. Realisiert wird „Aurispo“ als Ultra-Low-Power Entwurf unter Zuhilfenahme fortgeschrittener Aufbau- und Verbin- dungstechnik. Zur Entwicklung und Evaluierung des Funk- trakts von „Aurispo“ dient die Plattform „Uniplan“. „Unip- lan“ ermöglicht den modularen Austausch von Funktrans- ceivern oder Übertragungsprotokollen in der Entwick- lungsphase einer Schaltung. Die Herausforderung bei „Aurispo“ bestand in der Realisierung einer präzisen Messschaltung bei gleichzeitig minimalem Energiebedarf. Die Plattform wird in zwei Ausführungen realisiert. Die erste Ausführung erfolgt als Tischgerät. Sie dient aus- schließlich als Entwicklungsumgebung für die Hard- und Software. Experimentelle Modifikationen an der Hardware können hier aufgrund der geringen Integrationsdichte leicht durchgeführt werden. Das Entwicklungsboard ist bereits mit einer ausreichenden Anzahl an Messabgriffen und Brücken ausgestattet, so dass ein Messaufbau un- kompliziert eingerichtet und schnell modifiziert werden kann. Die zweite Ausführung erfolgte als mobiles Gerät. In die- sem Aufbau wird „Aurispo“ zur Evaluierung der mit dem Tischgerät entwickelten Software eingesetzt. Die Hardwa- replattform basiert auf einem Derivat des Texas Instru- ments MSP430 Mikrocontrollers. Der Mikrocontroller eignet sich aufgrund seiner Leistungsfähigkeit zur Reali- sierung einer Signalfilterung via Embedded Software[2]. Hierdurch entfällt ein Großteil der analogen Filterkompo-

nenten. Insbesondere kann somit auf die Verwendung von Kondensatoren mit relativ großen Kapazitäten verzichtet werden, welche aufgrund der bei der Pulsoximetrie inter- essierenden Frequenzen von weniger als 10 Hz benötigt würden. In Ihrer Kombination ermöglichen die Plattformen „Uni- plan“ und „Aurispo“, Übertragungsprotokolle für den Bereich der medizinischen Vitaldatenübertragung samt seiner Implementierung auf seine Energiebilanz hin zu untersuchen.

  • 2 Systemaufbau von Aurispo

    • 2.1 Konzeption der Aurispo-Plattform

Ein „Aurispo“-System besteht aus einer Basisstation sowie einem oder mehrerer Mobilteile. Basisstation und Mobil- teile kommunizieren via Kurzstreckenfunk miteinander.

nenten. Insbesondere kann somit auf die Verwendung von Kondensatoren mit relativ großen Kapazitäten verzichtet werden, welche

Bild 1 Sternförmige Netztopologie der „Aurispo“- Plattform

Die Mobilteile sind drahtlose Sensormodule, die ein An- wender bzw. mehrere Anwender am Körper tragen. Über eine Funkstrecke in der Größenordnung der Abdeckung eines PANs (Personal Area Network, Funkstrecke ca. 10 m) werden die vom Sensorsystem erfassten Daten an die Basisstation weitergeleitet. Die Übertragung erfolgt unmit- telbar, d.h. eine Datenvorhaltung in den Mobilteilen findet nicht statt. Die Basisstation ist der zentrale Netzwerkkno- ten, der die erfassten Vitaldaten vorhält und gegebenen- falls bei Bedarf zur Verfügung stellt. Realisiert werden kann die Basisstation beispielsweise durch ein Mobiltele- fon, PDA oder PC, sofern für dieses Gerät eine entspre- chende RF-Hardware für die genutzte Kurzstreckenfunk- technologie vorhanden ist. Unter Zuhilfenahme der „Unip- lan“-Plattform kann eine Vielzahl an möglichen Funksys- temen für den Kurzstreckenfunk ausgetestet werden. Die konkrete Implementierung umfasst den Bluetooth- Standard sowie proprietäre Funktelegramme. Ein Weiter- leiten von Netzwerkpaketen über mehrere Mobilteile hin- weg ist aufgrund der dadurch zu erwartenden schlechteren Energiebilanz zunächst nicht vorgesehen. Ein solches Routing erfordert ein „Idle-Listening“ etwaiger Netzwerk- knoten. Hierbei verursacht auch vergebliches Mithören einen Energieverbrauch. Dennoch sollen zukünftig darüber hinaus weitere existie- rende Systeme der Kurzstreckenkommunikation bezüglich deren Tauglichkeit für die „Aurispo“-Plattform untersucht werden. Von Interesse sind hierbei ZigBee[3], Nanonet[4], Z-Wave[5], ANT[6] und Lösungen mit UWB als Träger- verfahren.

  • 2.2 Aurispo-Entwicklungsumgebung

In der Entwicklungsumgebung wird die Funktion der Ba- sisstation durch eine „Aurispo“-Basisplatine übernommen. Die „Aurispo“-Basisplatine sowie deren mobiles Gegens- tück sind weitgehend analog zueinander aufgebaut. Die mobile Variante hat im Vergleich die kleineren Abmes- sungen. Hier wurden Schaltungskomponenten der Basis- platine durch funktional identische, jedoch kleiner gehäus- te Komponenten ersetzt. Der Systemaufbau des „Aurispo“- Mobilteils enthält im Vergleich zur „Aurispo“-Basis- platine nur ein einziges RF-Modul.

nenten. Insbesondere kann somit auf die Verwendung von Kondensatoren mit relativ großen Kapazitäten verzichtet werden, welche

Bild 2 Systemaufbau der „Aurispo“-Basisplatine

  • 3 Verwendete Komponenten

    • 3.1 Sensorik

Beiden Ausführungen gemein sind die verwendeten Sen- sorkomponenten. Bei den Pulsoximetriesensoren handelt es sich um handelsübliche Komponenten aus dem Medi- zinbedarf. Für die „Aurispo“-Basisplatine wurde der Fin- gerclip-Sensor des „ChipOx“-Evaluation-Kits[7] mit Mi- nimed-Stecker verwendet. Für die mobile Variante kam ein handelsüblicher Ohrclip-Sensor[8] zum Einsatz, bei dem als einzige Modifikation auf eine Steckverbindung verzichtet wurde, um so die Integrationsdichte zu erhöhen. Zur Temperaturmessung wurde ein MLX90614 von Mele- xis vorgesehen[9]. Dieser IR-Temperatursensor vereint in seinem Gehäuse sowohl das eigentliche Sensorelement als auch die zur Signalkonditionierung erforderliche Elektro- nik. Darüber hinaus verfügt der MLX90614 über einen digitalen Ausgang und wird bei „Aurispo“ über die I 2 C- Schnittstelle eingebunden.

  • 3.2 Mikrocontroller

Für die Entwicklungsumgebung der „Aurispo“-Plattform

kommen zwei Derivate des MSP430 zum Einsatz. Für die „Aurispo“-Basisplatine ist der MSP430FG437 vorgese- hen[10]. Dieser IC steht in einem QFP80 Gehäuse zur Verfügung und belegt eine Platinenfläche von 196 mm 2 . Für die mobile Ausführung von „Aurispo“ ist der MSP430FG4619 vorgesehen[11]. Dieser Baustein wird in seinem 113-Pin-BGA-Microstar Gehäuse verbaut und benötigt 49 mm 2 .

1 2 Bild 3 Röntgenaufnahme MSP430FG437
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Bild 3 Röntgenaufnahme MSP430FG437

Eine Röntgenaufnahme des MSP40FG437 demonstriert ein mögliches Einsparpotential bei einem zukünftigen Aufbau. In Bild 3 kennzeichnet die Fläche 1 das Die des MSP430FG437. Die Fläche mit der Kennzeichnung 2 stellt die Chipfläche des Dies eines MSP430FG4619 gegenüber. Bild 3 illustriert, dass nach Enthäusung und nachfolgender Flip-Chip-Montage das Einsparpotential bei dem Derivat FG437 größer ist als beim Derivat FG4619. Die Program- mierung, sowohl der Basisplatine als auch der mobilen Variante, erfolgt über ein JTAG-Interface. Auf Steckver- binder wurde in diesem Zusammenhang zugunsten einer höheren Integrationsdichte verzichtet. Stattdessen erfolgt die Programmierung über Programmiernadeln, die nur zum Zeitpunkt des Programmierens aufgesetzt werden.

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RF-Module

Die vorliegende „Aurispo“-Basisplatine wurde so entwor- fen, dass damit zwei verschiedene Typen von Funktrans- ceivern auf ihre Eignung hin überprüft werden können. Der zum Einen verwendete RF-Baustein LMX9838 (Na- tional Semiconductor)[12] stellt eine „schlüsselfertige“ Lösung für den Bluetooth Standard dar. Bei geringem Schaltungs- und Programmieraufwand kann eine Anbin- dung an handelsübliche Bluetooth Geräte erfolgen. Dies sind vorrangig Mobiltelefone, PDAs oder Bluetooth- befähigte PCs. Die vom LMX9838 beanspruchte Platinenf- läche incl. externer Beschaltung beträgt etwa 240 mm 2

(0402-Komponenten, einseitige Bestückung, incl. Anten- ne). Der alternativ verwendete RF-Baustein CC2500 (Te- xas Instruments / Chipcon)[13] zeichnet sich durch seinen geringeren Platzbedarf aus. Der IC steht in einem QFN20- Gehäuse (4 x 4 mm 2 ) zur Verfügung und benötigt mit seiner externen Beschaltung weniger als 100 mm 2 Plati- nen-fläche (0402-Komponenten, einseitige Bestückung, keine Antenne). Soll hierbei kein Antennendraht verwen- det sondern eine Chipantenne auf der Platine mit integriert werden, so sind etwa 50 mm 2 hinzuzurechenen.

3.4

Energieversorgung

Als Energiequelle verwendet „Aurispo“ einen Lithium- Ionen-Akku. Aufgrund des geringen Platzbedarfs der Ladelogik wurde diese auch in den Systemaufbau der mobilen Variante mit einbezogen. Realisiert wird die

Ladelogik mit dem Lade-IC BQ24020 von Texas Instru- ments[14]. Der Schaltungsentwurf erfolgte so, dass alle

aktiven Komponenten mit einer einzigen Betriebsspan- nung betrieben werden. Diese wird durch den Spannungs- regler TPS71202 von Texas Instruments[15] bereitges- tellt. Die Auswahl fiel hiermit auf einen Regler mit dua- lem Ausgang, um die bestehende Schaltung auf eine un- komplizierte Art und Weise zum Betrieb mit zwei Be- triebsspannungen modifizieren zu können. Mit einem solchen zukünftigen Entwurf sollen eventuelle Energie- einsparungen durch die Auftrennung in Analogteil- und Digitalteilversorgung in dieser konkreten Schaltung un- tersucht werden.

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Literatur

[1] Töpper, Helma: Handy Connection, Interaction De- sign Institute Ivrea, Diplomarbeit, 2004

[2] Texas Instruments: A Single-Chip Pulsoximeter De- sign Using the MSP430, SLAA274, Application Note,

2005

[3] ZigBee Alliance: ZigBee Specification, 2007

[4] Nanotron: Factsheet_nanoLOC-NA5TR1, Pro- duktbroschüre, 2009

[5] Zensys: ZW0301 Z-Wave Single Chip, Datenblatt,

2007

[6] Nordic Semiconductor: nRF24AP2 product specifica- tion, Datenblatt, 2009

[7] Envitec: ChipOx Dev. Kit Integration Manual, Daten- blatt, 2007

[8] Envitec: ES-3227 STD, Produktbroschüre [9] Melexis: MLX90614, Datenblatt, 2008 [10] Texas Instruments: MSP430FG43x Mixed Signal Microcontroller, SLAS380B, Datenblatt, 2007 [11] Texas Instruments: MSP430xG461x Mixed Signal Microcontroller, SLAS508G, Datenblatt, 2007 [12] National Semiconductor: LMX9838 Bluetooth Serial Port Module, Datenblatt, 2007 [13] Texas Instruments: CC2500 Low-Cost Low-Power 2.4 GHz RF Transceiver, SWRS040C, Datenblatt,

2009

[14] Texas Instruments: BQ24020 SINGLE-CHIP, LI- ION AND LI-POL CHARGER IC, SLUS549D, Datenblatt, 2006

[15] Texas Instruments: TPS71202 Dual 250 mA Output Low-Dropout Linear Regulator, SBVS049C, Daten Blatt, 2005