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Teil 1: Tierführer

Bestimmen mit dem Kosmos-Farbcode


Wirbeltiere

Säugetiere ........................................................................ S. 28

Vögel ................................................................................. S. 58

Reptilien ............................................................................ S. 178


Amphibien.......................................................................... S. 184
Fische ............................................................................... S. 194

Spuren und Zeichen .......................................................... S. 216

Wirbellose Tiere

Nicht-Gliederfüßer

Einzeller, Schwämme, Würmer.......................................... S. 228


Hohltiere............................................................................ S. 230
Weichtiere ........ ................................................................ S. 234
Muscheln............................................................................ S. 234
1........................................................................................................................
Schnecken S. 244
Ringelwürmer..................................................................... S. 254
Stachelhäuter ................................................................... S. 260
Gliederfüßer

Krebstiere.......................................................................... S. 262
Spinnentiere ...................................................................... S. 270
Spinnen ............................................................................. S. 270
Weberknechte ................................................................... S. 278
Milben ................................................................................S. 280
Tausendfüßer ................................................................... S. 282
Insekten..............................................................................S. 284
Urinsekten, Eintagsfliegen ................................................. S. 284
Libellen ...............................................................................S. 286
Heuschrecken ....................................................................S. 298
Fangschrecken, Ohrwürmer, Schaben ................................S. 304
: ..........................................................................................................
Wanzen .......... S. 306
Zikaden ............................................................. : ................S. 312
Blattläuse, Schildläuse ........................................................S. 314
Staubläuse, Fransenflügler u.a.................................................. S. 316
Netzflügler und Verwandte ..................................................S. 318
Schmetterlinge ...................................................................S. 322
Köcherfliegen .....................................................................S. 358
Zweiflügler ..........................................................................S. 360
Hautflügler ..........................................................................S. 372
Käfer...................................................................................S. 392
Bearbeitet und modifiziert von COLT
Mit 1389 Farbfotos von Adam (7), Ait-
ken/Silvestris (1), Angermayer (4), Beh-
rens (1), Bellmann (114), Brandl (11),
Braunstein (2), Bühl (2), Csordas (2),
Czihmmeck (2), Dalton/Silvestris (1),
Da-negger (19), Diedrich (16), Ewald
(5), Fey (2), Finn (12), Fürst (27), Fürst/
Stahl (4), Gomille (3), Göthel (1), Gra-
ner (20), Groß (26), Haupt (5), (Hecker
(36), Hinz (10), Hopf (9), Hortig (12),
Hüttenmoser (1), Jacobi (14), Janke
(68), Kage (1), Kerber (4), Klees (23),
König (52), Köster/Angermayer (1),
Kretschmer (33), Kretzschmar (2), Lab-
hardt (25), Lang (4), Layer (15), Lenz
(6), Limbrunner (114), Marktanner (28),
Mittermaier (1), Moosrainer (18), Nill
(38), Pfletschinger/Angermayer (59),
Pforr (97), Pott (4), Reinhard-Tierfoto
(21), Reinhard/Angermayer (3), Rei-
nichs (1), Rodenkirchen (26), Rohner
(4), Sauer (16), Schmidt (20),
Schrnidt/Angermayer (2), Schneider
(2), Schrempp (7), Schwammberger
(3), Synatzschke (32), Vogt (16), Wach-
mann (4), Wagner (3), Weber (9),
Wendl/Angermayer (4), Werle, B. (1),
Werle, L. (6), Wernicke (30), Willner, O.
(5), Willner, W, (56), Wothe (3),
Zeininger (125), Zepf (27), Ziesler/ „Der neue Kosmos-Tierführer" ist
Angermayer (1) ursprünglich erschienen unter der
ISBN 3-440-09575-4
14 Schwarzweißzeichnungen und 15
Farbzeichnungen von Wolfgang Lang
und 1 farbige Karte von Michaela Jäkle © 1996, Franckh-Kosmos Verlags-
Texte zu den Wirbeltieren: Prof. Dr. GmbH &Co., Stuttgart Alle Rechte
Wilfried Stichmann Texte zu der vorbehalten Lektorat: Rainer Gerstle,
Wirbellosen: Dr. Erich Kretzschmar Anne-Kathrin Janetzky Produktion:
Heiderose Stetter
Inhalt

Zu diesem Buch 6 Wirbellose Tiere……………228


Auswahl der Arten 7 Nicht-Gliederfüßer .......................... 228
Einzeller, Schwämme,
Bezugsrahmen: Mitteleuropa . . . 8 Würmer……………………………228
Hohltiere ……………………………230
Wirbeltiere ....... ........................ 10 Weichtiere............................................. 234
Säugetiere ......... ,.............................. 10 Ringelwürmer........................................ 254
Vögel ................................................. 13 Stachelhäuter ....................................... 260
Reptilien und Amphibien ............... 15
Fische ............................................... 16 Gliederfüßer 262
Krebstiere ............................................. 262
Wirbellose Tiere .......................... 18 Spinnentiere.......................................... 270
Gliederfüßer …………………………………..18 Tausendfüßer ....................................... 282
Insekten............................................. 18 Urinsekten, Eintagsfliegen . . . 284
Spinnentiere .................................... 24 Libellen ……………………………286
Krebstiere ......................................... 25 Heuschrecken ..................................... 298
Weichtiere .......................................... 25 Fangschrecken, Ohrwürmer,
Schnecken ...................................... 25 Schaben ............................................... 304
Muscheln ......................................... 25 Wanzen ............................................... 306
Rinqelwürmer .................................... 26 Zikaden ............................................... 312
Stachelhäuter ................................... 26 Blattläuse, Schildläuse ......................... 314
Staubläuse, Fransenflügler
Naturschutz und der Umgang u.a ............................................... 316
mit Tieren ....................................... 27 Netzflügler und Verwandte .. 318
Schmetterlinge...................................... 322
Verwendete Abkürzungen und Köcherfliegen........................................ 358
Symbole ......................................... 27 Zweiflügler .......................................... 360
Hautflügler. ........................................... 372
Käfer ,,., ............................................. 392
Bestimmungsteil……………28
Wirbeltiere…………………. ..28 Literaturhinweise ............................ 428
Säugetiere……………………… .28
Erklärung von Fachausdrücken . 429
Vögel .........................................58
Bildnachweis ..................................... 430
Reptilien …………………………178
Amphibien ……………………..184 Register ............................................. 433

Fische…………………………….194

Spuren und Zeichen 216


Säugetiere als Baumeister …….216
Spuren größerer Säugetiere…….216
Laich und Larven der
Amphibien ………………………..220
Vogelneste…………………………222
Bruthöhlen und :
Höhlenbrüter……………………….226
Zu diesem Buch

Angesichts der vielen Bücher, die jährlich auf delt es sich um Fakten, die möglicherweise
den Markt kommen, bedarf es schon einer den Zugang zu der betreffenden Art und das
Rechtfertigung: Wozu ein neuer Tierführer? Behalten erleichtern.
Das Konzept zu diesem Buch entstand bei Stützwissen nennt man in diesem Zusammen-
ungezählten Exkursionen sowohl mit natur- hang Kenntnisse, die nicht vorrangig auf die
kundlich interessierten „Amateuren" als auch Artbeschreibung abzielen und auch nicht un-
mit Studenten, die die Schule ohne nennens- bedingt auf die bedeutsamsten fachwissen-
werte Formenkenntnisse entließ. Es zeigte schaftlichen Details ausgerichtet sind, aber
sich immer wieder, daß es den meisten dafür etwas erhellen, was die betreffende Tier-
Exkursionsteilnehmern nicht darauf ankam, art auch für den Nicht-Biologen bemerkens-
eine Fülle morphologischer Details über die wert, merkwürdig oder kurzum interessant
beobachteten Arten zu erfahren, d.h. die in den macht.
Schulen früher einmal praktizierte Kopf- Stützwissen zu einzelnen Tierarten soll den
Schwanz-BioIgie wieder neu zu beleben. Ih- Naturfreund motivieren und ihm helfen, die
nen ging es vielmehr ganz schlicht und ein- bestimmten Arten leichter im Gedächtnis zu
fach darum, zu erfahren, worum es sich bei bewahren. Es soll etwas Besonderes über die
diesem oder jenem Tier handelt, und darum, jeweilige Art enthalten, was man mit der Art
künftig in der Lage zu sein, die betreffende Art verbindet und woran man sich erinnert, wenn
draußen wieder zuerkennen. Wenn dieser sie einem irgendwo und irgendwann einmal
Tierführer sich nicht darum bemüht, zu den wieder begegnet.
abgebildeten und kurz behandelten Tierarten Derartiges Stützwissen zu möglichst vielen
komprimierte Artmonographien durch heimischen Tierarten in Verbindung mit Natur-
Aufzählung möglichst vieler biologischer fotografien führender Naturfotografen anzu-
Daten zu liefern, sondern es vorzieht anders bieten, betrachten wir als die Besonderheit,
vorzugehen, dann entspricht das ebenfalls den Zweck und die Rechtfertigung dieses
dem Wunsch vieler Exkursionsteilnehmer. neuen Kosmos-Naturführers. Dabei kann es
Wir haben großen Wert darauf gelegt, die Ar- sich um Sachverhalte sehr unterschiedlicher
ten möglichst typisch zu dokumentieren, d.h. Art und Herkunft handeln. Soweit möglich
Naturfotografien auszuwählen, die die Arten in wurden die besondere Bedeutung der Tier-
ihrer spezifischen Haltung und ihrem Habitus arten für den Menschen herausgestellt und
zeigen, so daß das Wiedererkennen erleich- die enge Mensch-Natur-Beziehung unterstri-
tert wird. Einige wenige Stichworte zu den chen. Dabei kann z.B. der Name bereits Hin-
Kennzeichen, vor allem zu differenzierenden weise auf Merkmale des Erscheinungsbildes,
Merkmalen, sollen als Gedächtnisstütze die- der Lebensweise oder oft auch des Lebens-
nen. Unter dem Stichwort Verbreitung wird raumes bieten, wenn er nur wieder recht be-
kurz umrissen, wo man der Art möglicher- wußt geworden ist. In anderen Fällen faszi-
weise begegnen kann, manchmal auch, wie nieren die besonderen biologischen Eigen-
wahrscheinlich oder zufällig eine solche Be- arten oder aber historische Hintergründe des
gegnung angesichts der Häufigkeit oder Sel- Verhältnisses des Menschen zu bestimmten
tenheit der Art ist. Tierarten.
In der Rubrik Wissenswertes werden einige Die Hinweise auf weiterführende Literatur sol-
wenige Informationen über die jeweilige Art len dem Leser helfen, das durch die kurz
angeboten, die im Sinne des sogenannten gefaßten Anregungen für das Stützwissen ge-
Stützwissens ausgewählt wurden. Dabei han- weckte Interesse gegebenenfalls als Motiva-
tion für vertiefte Studien zu nutzen.
Auswahl der Arten

Trotz der großen Zahl der in diesem Kosmos- sind und auch von Land her beobachtet und
Tierführer behandelten Arten kann es sich nur bestimmt werden können. Das gilt auch für die
um eine Auswahl aus der Artenfülle handeln, rein marinen Vogelarten, allerdings nur be-
die es trotz des Artenrückgangs auch heute schränkt für die Meeressäuger. Die Anordnung
noch in Mitteleuropa gibt. Aufgenommen wur- der Arten folgt in diesem Buch dem Prinzip, mit
den nur mit bloßem Auge sichtbare, vorzugs- jenen Tieren zu beginnen, die besonders
weise auffällige und gut unterscheidbare Ar- auffällig und deshalb - zumindest dem
ten. Das bedeutet, daß die Säugetiere, Vögel, Namen nach - den meisten Menschen in
Reptilien und Amphibien vollständiger abge- Mitteleuropa bekannt sind. So weicht dieser
handelt wurden als die Fische und die Wirbel- Tierführer von der Regel ab, die Tierstämme
losen. Vor allem hinsichtlich dieser Tiergrup- und -klassen in evolutiver, d.h. in aufsteigen-
pen will der neue Kosmos-Naturführer keines der Folge von den Einzellern bis zu den jüng-
der speziellen Tierbestimmungsbücher erset- sten der höchstentwickelten Säugetierordnun-
zen. gen zu behandeln. Hier wird der umgekehrte
Vor allem bei den wirbellosen Tieren sind ver- Weg gewählt, so daß große, auffällige und -
wandte Arten einander oft so ähnlich, daß eine wenn schon nicht aus freier Wildbahn, dann
exakte Artbestimmung sehr aufwendig ist. doch aus Zoos, Wildgehegen und von Ab-
Manche Arten weisen keinerlei hervorste- bildungen - bekannte Arten den Reigen eröff-
chende Merkmale auf oder sind nur mit Hilfe nen und Vertreter der Wirbellosen ihn been-
der Lupe sicher zu unterscheiden. In solchen den.
Fällen begnügen sich selbst Fachbiologen, Besonders stark sind in diesem Tierführer die
erst recht aber Anfänger und Naturfreunde Vögel vertreten. Das ist vor allem auf den
meistens mit der Benennung der Gattung Artenreichtum der heimischen Brutvogelwelt
oder einer anderen höheren systematischen und die gute Unterscheidbarkeit der im Er-
Kategorie, gegebenenfalls sogar der Familie scheinungsbild und in ihrer Körpergröße zwi-
oder der Ordnung. Dieses ist übrigens einer schen Wintergoldhähnchen und Steinadler so
der Gründe, weshalb Biologiedidaktiker als mannigfaltigen Vogelarten zurückzuführen.
Aufgabe der Schule nicht die Vermittlung von Neben den heimischen Brutvögeln werden
Arten-, sondern von Formenkenntnis nennen. aber auch Durchzügler und Wintergäste aus
Und in der Tat: Wie zufrieden wäre mancher Nord- und Nordosteuropa berücksichtigt.
Hochschulbiologe, würden die Studienanfän- Viele dieser Gastvögel sind in Mitteleuropa
ger doch wenigstens eine Lederwanze als alljährlich zu beobachten und gehören außer-
Wanze und eine Rhododendronzikade als Zi- halb der Brutzeit zu den regelmäßig auftreten-
kade erkennen. den Arten. Einige von ihnen haben auch in
Bei ähnlichen, schwer unterscheidbaren Arten Mitteleuropa - oft nur sporadisch und in
wurden nach Möglichkeit jene ausgewählt, die Randbereichen - Brutvorkommen. In diesen
in Mitteleuropa am häufigsten bzw. am wei- Fällen gibt der Hinweis auf den Zeitraum, in-
testen verbreitet sind. Ständig im Wasser le- nerhalb dessen die Art in Mitteleuropa beob-
bende Arten wie Fische, Muscheln oder achtet werden kann, nicht das typische Bild
Krebstiere sind in diesem Bande nur mit ver- des Wintergastes oder des Durchzüglers wie-
gleichsweise wenigen typischen Repräsen- der. Andererseits verdecken in südlichen und
tanten einzelner systematischer Gruppen ver- westlichen Randbereichen überwinternde In-
treten. Das gilt in besonderem Maße auch für dividuen die Tatsache, daß es sich eigentlich
Stachelhäuter, Ringelwürmer, Niedere Wür- um Sommervögel handelt, die zum allergröß-
mer, Hohltiere und Schwämme. Dagegen sind ten Teil Mitteleuropa verlassen. Das ist bei der
Wasser-, Wat- und Sumpfvögel in größerer Interpretation des genannten Beobachtungs-
Zahl erfaßt, weil sie zum Teil recht auffällig zeitraums jeweils unbedingt zu bedenken!
Bezugsrahmen: Mitteleuropa

In diesem Buch werden die Tierarten Mittel- andere, oft noch weiter eingeschränkte. Aller-
europas behandelt. Es greift somit über dings können dabei auch zuvor in der jewei-
Deutschland hinaus und bezieht den Süden ligen Region nicht vertretene Biotoptypen ent-
Dänemarks, die Niederlande, Belgien und Lu- stehen, die im Laufe der Zeit artenreicher wer-
xemburg, Österreich sowie Teile Frankreichs den, zumindest reicher an Arten, die wandern
und der Schweiz, Tschechiens und Polens mit können oder leichter verschleppt werden. Man
ein (Bild 1).: denke nur an die Besiedlung von Baggerseen
Es handelt sich um Landschaften des kühl- und Talsperren, von Steinbrüchen, Halden
gemäßigten Klimaraums und der ursprünglich oder Sandgruben. Selbst „anrüchige" Orte wie
flächendeckenden sommergrünen Laub- die Schlammabsetzbecken von Kläranlagen,
mischwälder, in denen mit Ausnahme des öst- wo sich auf dem Zuge die Limikolen tummeln,
lichen Flächendrittels ursprünglich die Rotbu- und die Mülldeponien als fast unerschöpfliche
che dominierte. Nahrungsreservoire u.a. für verschiedene Mö-
Zur Beschreibung des Raumes, auf den sich wenarten geben als Biotope der urban-indu-
die Auswahl der Tierarten bezieht, gehört aber striellen Kulturlandschaft manchem Land-
mehr noch als der Hinweis auf die räumlichen strich sein spezifisches Gepräge. Ein weiterer
Gegebenheiten des Klimas und der ursprüng- Wandel der Tierwelt vollzieht sich, wenn zuvor
lichen Vegetation die Feststellung, daß es sich agrar und forstlich oder urban-industriell
um einen Raum handelt, in dem es außer genutzte Flächen nicht mehr genutzt werden
Teilen der Alpen und der Nord- und Ostsee und, sich selbst überlassen bleiben, d.h. wenn
wohl kaum einen Quadratkilometer Fläche Wiesen und Felder brach fallen, Kahlschläge
gibt, der in den letzten 5000 Jahren nicht mehr und Windwurfflächen der natürlichen
oder weniger grundlegend vom Menschen Sukzession überlassen, Sand- und
verändert wurde. Kiesgruben aufgelassen, Steinbrüche stillge-
Gegenstand dieses Buches ist demnach nicht legt werden, wenn sich Halden spontan be-
die Tierwelt von Natur-, sondern von Kultur- grünen und Industriegelände zu Ödland wird.
landschaften. Dabei handelt es sich noch weit Immer gibt es Pflanzen- und Tierarten, die aus
überwiegend um agrar und forstlich geprägte dem Wandel für sich Profit ziehen. Die Nut-
Landschaften, die in ihrer Struktur, ihren Bö- zungsaufgabe führt häufig, aber keineswegs
den und ihrer Pflanzen- und Tierwelt mehr immer zu einer artenreicheren Pflanzen- und
oder weniger stark vom Urzustand abweichen. Tierwelt.
Extensive. Landnutzungsformen früherer Jahr- Alle drei genannten Stufen der Entwicklung
hunderte, haben zwar reine Waldbewohner von Kulturlandschaften sind in Mitteleuropa
aus der Tierwelt zurückgedrängt, dafür aber anzutreffen:
anderen Tierarten die Besiedlung der nun • die agrar-forstlich geprägte Kulturlandschaft
lichteren, krautreicheren Lebensräume er- in vielen regional unterschiedlichen, jeweils
möglicht. Heute sind infolge der intensiven durch Bodenwert, Klima und agrarpolitische
Nutzung der landwirtschaftlichen Nutzflächen Rahmenbedingungen in ihrer Nutzungsin
die Lebensbedingungen der Tiere - zumin- tensität und Flächenausdehnung bestimm
dest in weiten Teilen - so einseitig und extrem, ten Formen;
daß viele dort zuvor eingewanderten Arten • die urban-industriell geprägte Kulturland
wieder verschwinden oder schon abgewan- schaft von der extrem naturfernen Groß
dert oder bereits ausgestorben sind. Immer stadtcity bis zum naturschutzwürdigen
stärker und schneller vollzieht sich in- Feuchtgebiet;
zwischen ein zweiter grundlegender Land- • jene Teile der Kulturlandschaft, aus denen
schaftswandel: von der agrar und forstlich zur sich der Mensch mit seinen Aktivitäten zu-
urban-industriell geprägten Kulturlandschaft. rückzieht und der Natur ganz oder zumin-
Siedlungs- und Industriegebiete fressen sich dest teilweise wieder freien Lauf läßt.
immer stärker in die Feldfluren und Wälder Auf alles menschliche Wirken hat die Natur
hinein, entziehen Pflanzen- und Tierarten die eine Antwort: Sie reagiert immer konstruktiv!
bestehenden Lebensbedingungen und bieten Doch wie artenreich oder artenarm die Bio-
Bild 1: Karte von Mitteleuropa in vielen Teilen der urban-industriellen Kultur-
landschaft gegenüber.
zönosen werden, hängt maßgeblich von So wird über die Ausgestaltung der Lebens-
der Art, der Flächenausdehnung und der räume durch den Menschen ganz maßgeblich
Dauer Eingriffe ab. Artenarmen das Bild der Tierwelt Mitteleuropas mitbe-
Lebensgemeinschaften der Kultursteppen in stimmt. Ganz entscheidend aber ist die Fähig-
den Börden, der standortfremden Fichten- keit vieler Tierarten, sich veränderten Lebens-
reinbestände in den Mitteltelgebirgen und
bedingungen anzupassen bzw. in anthropo-
der von Asphalt, Beton und Einheitsrasen
beherrschten Siedlungen stehen arten- genen Strukturen Elemente des ursprüngli-
reiche Lebensgemeinschaften sowohl in chen Lebensraumes wiederzuerkennen, wie
mosaikartig gegliederten agrar gegeprägten es z.B. der Flußregenpfeifer vermag, der vie-
Kulturlandschaften und plenterartig lerorts kaum noch auf dem Schotter der
bewirtschafteten Laubmischwäldern als auch Flüsse und Bäche, dafür aber auf Abraum-
halden und in Sand- und Kiesgruben brütet.
Ein weiterer Weg, über den der Mensch in Alles in allem ist die Tierwelt Mitteleuropas ein
Mitteleuropa besonders stark auf die Zusam- Produkt der Natur und des menschlichen Wir-
mensetzung der Tierwelt Einfluß genommen kens, wobei es oft schwer zu entscheiden ist,
hat, führt über die unbewußte Einschleppung welchem der beiden Faktoren die größere Be-
und die bewußte Einbürgerung von Pflanzen- deutung beizumessen ist.
und Tierarten.

Wirbeltiere

Säugetiere und Alttieren, sondern auch bei erwachsenen


Die Säugetierfauna Mitteleuropas ist ver- Tieren individuell erheblich variieren können.
gleichsweise artenarm. Von den 6000 Säuge- Das gilt sowohl bei der Kopf-Rumpf-Länge
tierarten, die heute auf der Erde leben, sind (KR) und der Schwanzlänge (S) als auch
nur ca. 90 Arten in Mitteleuropa heimisch oder ganz besonders beim Gewicht (G). Bei Arten,
so eingebürgert, daß sie zu festen Bestandtei- bei denen der Unterschied zwischen männ-
len einzelner Lebensgemeinschaften gewor- lichen und weiblichen Tieren sehr groß ist,
den sind. Nur 7 der 18 Säugetier-Ordnungen sind meistens 2 Zahlen genannt. Dabei be-
sind hier mit freilebenden Arten vertreten. Aus wegen sich die Weibchen im Bereich der
diesen 7 Ordnungen werden in diesem Buch niedrigeren, die Männchen im Bereich der
jeweils mehrere Vertreter vorgestellt: höheren Werte. Wo nur eine Zahl erscheint,
• aus der Ordnung der Paarhufer 10 Arten handelt es sich um einen Mittelwert. In
vom Wisent bis zum Reh; mehreren Besonderheiten unterscheiden sich
• aus der Ordnung der Raubtiere 15 Arten die Säugetiere von den übrigen Wirbeltieren.
vom Braunbär und der Kegelrobbe bis zum Dazu gehört vor allem, wie auch im Namen
Mauswiesel; schon angesprochen, die Ernährung der
• aus der Ordnung der Wale die 3 Arten Jungtiere mit dem Sekret von Milchdrüsen des
Schweinswal, Tümmler und Delphin; Weibchens. Aber auch die gleichmäßige
• aus der Ordnung der Hasentiere die 3 Arten Körpertemperatur ist ein Ausdruck hoher Ent-
Feldhase, Schneehase und Wildkaninchen; wicklung und Spezialisierung auf zuneh-
• aus der Ordnung der Nagetiere 23 Arten mende Unabhängigkeit von den wechselnden
vom Biber bis zur Zwergmaus; Umweltbedingungen. Diese sogenannte „Ho-
• aus der Ordnung der Fledermäuse 5 Arten; moiothermie" haben die Säugetiere mit den
• aus der Ordnung der Insektenfresser 9 Ar Vögeln gemeinsam. Bei den Winterschläfern
ten vom Igel bis zur Zwergspitzmaus. wird sie allerdings zeitweilig durch einen an-
Die Säugetiere als die nächsten Verwandten deren hochkomplizierten Thermostat-Mecha-
des Menschen sind uns in ihrem Bauplan so nismus außer Kraft gesetzt. Zur Wahrung
ähnlich und so vertraut, daß es keiner be- konstanter Körpertemperaturen trägt auch
sonderen Beschreibung ihrer Gestalt bedarf. das für die Säugetiere typische Haarkleid bei,
Zur Benennung ihrer Körperteile bedienen wir das bei den Walen allerdings zurückgebildet
uns in aller Regel der für den Menschen ge- ist. Ebenfalls nur die Wale scheren aus,
bräuchlichen Begriffe und ergänzen sie durch wenn man die Säugetiere mit einem Hinweis
jene, die wir auch bei den Haustieren be- auf die zwei Gliedmaßenpaare
nutzen. Die besonderen Bezeichnungen der charakterisieren will. Allerdings dienen die
Jägersprache werden in diesem Buche nur Vordergliedmaßen der Fledermäuse ähnlich
dann verwandt, wenn sie umgangssprachlich wie die der Vögel dem Fliegen. Nicht mit den
üblich und eindeutig sind. Bei allen Maßen Vögeln, sondern mit den Reptilien gemeinsam
und Gewichten ist zu bedenken, daß diese haben die Säugetiere ein Gebiß, das sich al-
nicht nur zwischen Jung- lerdings u.a. durch seine Differenziertheit
Übersicht über das System der Wirbeltiere. Auswahl unter Berücksichtigung der in
diesem Buch behandelten mitteleuropäischen Arten.

Klasse Ordnungen und Familien

Rundmäuler Neunaugen

Knorpelfische Haie
Rochen

Knochenfische Aalartige
Lachsartige
Karpfenartige
Welse
Dorschartige
Barschartige u. a.m.

Amphibien Schwanzlurche - Salamander und Molche


Froschlurche - Scheibenzüngler, Krötenfrösche, Kröten, Laubfrösche, Frösche

Reptilien Schildkröten
Echsen - Schleichen, Eidechsen
Schlangen - Nattern, Vipern

Vögel Seetaucher (z.B. Prachttaucher)


Lappentaucher (z.B. Haubentaucher)
Ruderfüßer - Tölpel, Kormorane
Schreitvögel - Reiher, Störche, Löffler
Flamingos
Entenvögel - Enten, Säger, Gänse, Schwäne
Greifvögel (z.B. Mäusebussard) Hühnervögel
(z.B. Rebhuhn) Kranichvögel - Kraniche,
Trappen, Rallen Möwen- und Watvögel (z.B.
Brachvogel) Taubenvögel (z.B. Ringeltaube)
Kuckucke Eulen (z.B. Waldkauz)
Nachtschwalben (z.B. Ziegenmelker) Segler
(z.B. Mauersegler)
Rackenvögel - Eisvögel, Bienenfresser, Racken, Wiedehopfe
Spechte (z.B. Buntspecht)
Singvögel/Sperlingsvögel - Lerchen, Schwalben, Pirole, Krähenvögel, Meisen,
Baumläufer, Kleiber, Wasseramseln, Zaunkönige, Drosseln, Grasmücken, Fliegen-
schnäpper, Braunellen, Stelzen, Seidenschwänze, Würger, Stare, Finken, Sperlinge,
Ammern

Saugetiere Insektenfresser - Igel, Maulwürfe, Spitzmäuse


Fledermäuse - Hufeisennasen, Glattnasen
Hasenartige (z.B. Feldhase)
Nagetiere - Biber, Schläfer, Hörnchen, Echte Mäuse, Hamster, Wühlmäuse
Raubtiere - Hunde, Katzen, Bären, Kleinbären, Marder, Robben Paarhufer -
Schweine, Rinder, Hirsche Unpaarhufer - Pferde Wale (z.B.Tümmler)
deutlich unterscheidet. Ein weiteres spezifi- Vertreter etlicher anderer Tiergruppen. Ein
sches Säugetier-Merkmal ist die im Vergleich Grund dafür ist bei den größeren, d.h. bei den
zu Vögeln und Reptilien drüsenreiche Haut. bejagten Arten, die größere Fluchtdistanz und
Im anatomischen Bau weist der Organismus die heimliche Lebensweise. Die meisten hei-
der Säugetiere vom differenzierten Gehirn und mischen Unpaarzeher und Raubtiere sind erst
vom Schädelskelett bis zum Urogenitalsystem infolge der Beunruhigung und Verfolgung
noch viele weitere Besonderheiten auf, die durch den Menschen zur nächtlichen Lebens-
hier, wo es um das äußere Erscheinungsbild weise übergegangen. Dagegen sind viele klei-
geht, aber unberücksichtigt bleiben können. nere Säugetierarten, die stets Jagdwild der
Zu den Säugetieren gehören die größten hei- Beutegreifer waren, schon immer, also von
mischen Tierarten, darunter der noch weit ver- Natur aus, dämmerungs- und nachtaktiv. Weil
breitete Rothirsch (männlich bis 3OOkg), in die Verfolgung und der Fang von Säugetieren
Ostmitteleuropa der Elch (männlich bis 500 zum Zweck der Bestimmung oder des
kg) und in Gehegen als ehemaliger Bewohner Nachweises bestimmter Arten nicht in Be-
unserer Wälder der Wisent (männlich bis 1000 tracht kommen, bleibt es meistens bei Zufalls-
kg). Dagegen sind die kleinsten Säugetiere beobachtungen. Wer allerdings häufiger mög-
ausgesprochene Winzlinge: Die Zwergmaus lichst früh morgens oder in der Abenddämme-
wiegt nur 5-8, die Zwergfledermaus 4-6 und rung unterwegs ist, bevorzugte Lebensräume
die Zwergspitzmaus gar nur 3-5 Gramm. der Tiere kennt und sich richtig in Wald, Feld
Unter den Säugetieren ist die Zahl der Arten, und Flur bewegt, wird auch Säugetierarten
die der Mensch bewußt in Mitteleuropa einge- begegnen, die viele Menschen nur aus Bü-
bürgert oder stärker verbreitet hat, ganz be- chern und Filmen kennen. Etliche Säugetier-
sonders groß. Bei den jüngsten Neubürgern Experten stellen zwar selbst keine Fallen auf,
wie Waschbär, Nutria und Bisamratte ist uns lassen aber andere - nämlich Eulen und
das auch durchaus vertraut, vielleicht auch Käuze - für sich jagen. Sie sammeln an ihnen
bei den jagdlich interessanten Arten wie Muff- bekannten Brut- und Ruheplätzen der
lon und Damhirsch. Aber wer denkt schon gefiederten nächtlichen Jäger regelmäßig die
daran, daß auch das Wildkaninchen ur- Speiballen, die Gewölle, auf und sind in der
sprünglich kein Mitteleuropäer war? Etliche Lage, nach den darin enthaltenen
Säugetierarten haben sich auf das Leben in Skelettresten, vor allem nach Schädel und Ge-
der Nachbarschaft des Menschen und auf die biß, die Art des jeweiligen Kleinsäugers genau
Nutzung der durch den Menschen zu bestimmen. So erhalten sie nicht nur einen
veränderten und zum Teil angereicherten Le- guten Überblick über die Kleinsäugerfauna
bensräume und ihrer Ressourcen eingestellt. des betreffenden Gebietes, sondern auch
Dazu gehören keineswegs nur Hausmäuse und Kenntnisse über Häufigkeit und Bestands-
Wanderratten, Eichhörnchen und Wildkanin- schwankungen.
chen, sondern auch Steinmarder mit beson- Ein anderer - an sich recht trauriger - Weg zur
derer Vorliebe für Automotoren, Füchse als Kenntnis der heimischen Tierwelt führt über
Nutznießer von Abfalleimern und Sieben- das Studium der Opfer des Straßenverkehrs.
schläfer als Bewohner von Vogelnistkästen. Neben den Igeln, die man die klassischen
Andere Arten finden sich dagegen nur schwer Leidtragenden unseres extrem verdichteten
mit der Beunruhigung der Landschaft durch Straßennetzes nennen kann und die jeder Au-
den Menschen und mit den veränderten Le- tofahrer kennt, sind bedauerlicherweise hin
bensbedingungen, zum Beispiel an verbauten und wieder auch alle anderen Säugetiere als
Fluß- und Bachufern, ab und sind deshalb so Verkehrstote plattgewalzt auf der Fahrbahn
selten geworden, daß sie wie der Fischotter oder angefahren und am Straßenrand ver-
längst auf der „Roten Liste" stehen. endet anzutreffen.
Säugetiere - von einigen wenigen wie Eich- Säugetierkenner beherrschen natürlich auch
hörnchen und Wildkaninchen einmal abge- etliche Methoden, um bestimmte Arten mit
sehen - begegnen dem Wanderer und Natur- Futter oder akustisch anzulocken oder - wie
freund in aller Regel seltener als Vögel und z.B. die Fledermäuse - dadurch nachzuwei-
sen, daß ihre Ultraschallrufe für den Men- nen. Im Herbst und im Frühjahr bietet der
schen hörbar gemacht werden. Vogelzug oft besonders eindrucksvolle Bilder,
etwa der Massenzug der Saatkrähen oder die
Vögel große Keil-Formation ziehender Kraniche. Im
Häufiger als alle anderen Wirbeltiere begeg- Winterhalbjahr faszinieren vor allem die An-
nen dem Naturfreund Vogelarten. Für viele sammlungen nordischer Wasservögel auf
Menschen, die Gärten besitzen oder gar „im Flüssen, Seen und an der Meeresküste den
Grünen" wohnen, gehören sie zu den stän- Beobachter.
digen Begleitern. Aber auch mitten in den Daß wir Vögel geradezu als allgegenwärtig
Städten sind einige Vogelarten stets gegen- erleben, verdanken wir vor allem der enormen
wärtig. Anpassungs- und Gewöhnungsfähigkeit zahl-
Da ist es nicht verwunderlich, daß sich die reicher Arten. Nur weil ursprüngliche Felsen-
Vögel unter allen Tiergruppen der stärksten und Gebirgsbewohner wie Hausrotschwanz,
Zuneigung des Menschen erfreuen. Ihr zum Mehlschwalbe und Turmfalke auch mit den
Teil recht konstrastreiches Gefieder und ihre „Kunstfelsen" unserer Städte und Dörfer Vor-
vielfältigen Rufe und Gesänge wecken Auf- lieb nehmen, weil ehemals scheue Waldbe-

Bild 2:
Bezeichnungen des
Vogelkörpers

merksamkeit und erleichtern die Bestimmung. wohner wie Schwarz- und Singdrossel zu Gar-
Ihre Flug- und Zugleistungen einerseits und tenvögeln wurden und noch vor wenigen
ihr erblich fixiertes, hochkompliziertes Fort- Jahrzehnten scheue Vogelarten mit großer
pflanzungsverhalten von der Balz über den Fluchtdistanz wie die Ringeltaube verstädter-
Nestbau, die Revierverteidigung bis zur Auf- ten und ihre Furcht vor dem Menschen na-
zucht der Jungen andererseits sichern ihnen hezu völlig ablegten, leben wir heute vielfach
Bewunderung und einen hohen Bekanntheits- mit freilebenden Vögeln in enger Gemein-
grad. Dazu tragen ganz maßgeblich auch Film schaft. Natürlich bringt der Mensch auch sei-
und Fernsehen bei, die der Vogelwelt in aller nen Teil zu deren Zustandekommen bei. Kei-
Regel mehr Raum geben als allen anderen ner Tiergruppe hat er schon so früh beson-
Tierklassen zusammen. Von den weltweit dere Sympathie bekundet und gesetzlichen
bekannten 8700 Vogelarten kommen rund Schutz angedeihen lassen wie den Vögeln,
300 (knapp 3,5 %) auch in Mitteleuropa vor, die - zumindest in Mitteleuropa - mit wenigen
zumindest wenn man neben den Brutvögeln Ausnahmen vor jeder Verfolgung sicher sind.
auch die Durchzügler, Wintergäste und Praktische Vogelschutzmaßnahmen am Haus
Invasionsvögel mit einrechnet. Vögeln kann und im Garten werden von Vogel- und Natur-
man zu allen Jahreszeiten begeg- schützern propagiert und von vielen Men-
sehen ausgeführt. Das beginnt bei der leider kannt und in der Körpergröße ähnlich sind.
vielfach übertriebenen Winterfütterung und Die verschiedenen Zusätze bedeuten: ~
führt über das Angebot von Nisthilfen und von etwa so groß wie, > größer als, » viel
für Vögel interessanten fruchttragenden Sträu- größer als, < kleiner als, « viel kleiner
chern und Bäumen bis zum Schutz der als.
Schwalbennester und dem Anbringen von Die Daten der zum Größenvergleich genann-
Niststeinen an Gebäuden. Die Zutraulichkeit ten Vogelarten, bei denen es sich natürlich nur
etlicher Vogelarten gestattet deren um grobe Richt- oder um gemittelte Werte
Beobachtung und Bestimmung bereits mit handeln kann, sind der hinteren Umschlag-
bloßem Auge. Ansonsten aber gehört das klappe dieses Buches zu entnehmen.
Fernglas zur Standardausrüstung jedes Vo- Innerhalb der angegebenen Zeiten kann mit
gelfreundes. Fernrohre oder Spektive können den betreffenden Arten in Mitteleuropa ge-
im freien Gelände, vor allem an der Meeres- rechnet werden. Dabei unterscheidet man
küste, an Seeufern, aber auch in Feuchtwie- grob zwischen Jahresvögeln (Jan.-Dez.), die
sengebieten sehr hilfreich sein (vgl. S. 1). Bei ganzjährig hier vorkommen, Sommervögeln
manchen Vogelarten setzt die sichere Be- (z.B. Apr.-Sept.), die hier brüten oder über-
stimmung das Erkennen recht unauffälliger sommern, den Winter aber anderswo verbrin-
differenzierender Merkmale voraus, die in den gen, und Wintervögeln (z.B. Nov.-Febr.), die
verschiedenen „Kleidern" sehr unterschied- anderswo den Sommer verbringen und brü-
lich ausgeprägt sein oder fehlen können. ten, und bei uns danach als Wintergäste er-
Männchen und Weibchen, erwachsene und scheinen.
junge Tiere sind bei vielen Vogelarten an der Obwohl z.B. auch bei Amphibien und bei Heu-
Färbung bzw. an der Zeichnung des Gefieders schrecken akustische Merkmale bei der Be-
zu unterscheiden. Außerdem kann eine zwei- stimmung der Arten hilfreich sind, haben bei
malige Mauser im Jahr bei ein und demselben den Vögeln Rufe und Gesänge für die Be-
Individuum zu unterschiedlichen Brut- und schäftigung mit den verschiedenen Arten die
Ruhekleidern bzw. Pracht- und Schlichtklei- mit Abstand größte Bedeutung. Gerade im
dern bzw. Sommer- und Winterkleidern füh- äußeren Erscheinungsbild oft sehr ähnliche
ren. Weil das Erscheinungsbild einer Vogelart Arten verfügen über unterschiedliche Ge-
in vielen Fällen erst durch mehrere Abbildun- sangsrepertoires, so daß sie akustisch leichter
gen vollständig dargestellt werden kann, die- zu unterscheiden sind als optisch. In diesem
ses aber hier nicht möglich ist, empfiehlt es Tierführer sind Vogelstimmen nur dann
sich, zusätzlich einen speziellen Vogelführer erwähnt, wenn sie sehr markant und mit
(z.B. den Kosmos-Naturführer „Die Vögel Eu- Worten hinsichtlich der Klangfarbe, des Stro-
ropas") zu benutzen. phenumfangs oder des Rhythmus gut zu be-
Bei der Beschreibung von Vogelarten werden schreiben sind. Zum Glück ist man heute nicht
zumeist Begriffe verwandt, die auch bei mehr auf die unzulänglichen Beschreibungen
Mensch und Säugetieren üblich sind; einige der Rufe und Gesänge mit Worten und Noten
weitere kommen hinzu. Worauf sie sich bezie- angewiesen. Heute lernt man die Vogelstim-
hen, zeigt Bild 2. men nach Tonaufzeichnungen vergleichs-
Die Kopfleiste der Texte zu den einzelnen Ar- weise leicht kennen, wobei CDs zur Zeit die
ten enthält zunächst die Länge (L) des be- Tonkassetten ablösen, denen ganze Serien
treffenden Vogels von der Schnabel- bis zur von Vogelstimmen-Schallplatten vorausgin-
Schwanzspitze. Bei einigen besonders lang- gen. Die Möglichkeiten, Vogelgesänge auf
schwänzigen Arten stehen hinter dem L zwei Band aufzunehmen und anschließend zu ver-
Zahlen: die erste für die Kopf-Rumpf-Länge, gleichen, werden obendrein ebenfalls immer
die zweite - durch ein + -Zeichen verbunden - vielfältiger und perfekter, so daß die Welt der
für die Schwanzlänge. - Um eine kurze, leicht Vogelkonzerte eigentlich immer mehr Men-
umsetzbare Information hinsichtlich der Größe schen vertraut werden könnte.
des behandelten Vogels zu geben, sind in der
Mitte der Kopfleiste Arten genannt, die be-
Doch eines bleibt dem am Vogelgesang inter-
essierten Naturfreund nicht erspart: Wer das
Vogelkonzert in voller Schönheit erleben will,
muß früh aufstehen. Von einem Punkt aus das
Erwachen der Vögel im Sinne einer „Vogel-
uhr" zu registrieren und zu hören, wie zuerst
der Hausrotschwanz, dann das Rotkehlchen,
etwas später Singdrossel und Amsel und wei-
tere Arten in den Chor einstimmen, gehört
nicht nur zu den schönsten Naturerlebnissen,
sondern ist auch ein sicherer und leicht be-
gehbarer Weg zum Kennenlernen der Vogel-
stimmen und deshalb gerade Anfängern zu
empfehlen.

Reptilien und Amphibien


Ein entscheidendes Merkmal, das diese bei-
den Wirbeltierklassen, die die Herpetofauna
bilden, scharf von den Klassen der Säugetiere
und Vögel absetzt, ist die Poikilothermie, die
wechselnde Körpertemperatur in Abhängig-
keit von der Wärme ihrer Umgebung. Die Um-
gebungstemperatur schränkt die Aktivitäts-
phasen der Reptilien und Amphibien in un-
seren Breiten stark ein. Bei kühlen Tempera-
turen fallen sie in eine Kältestarre, die im
Winterhalbjahr monatelang dauert und die
probate Überwinterungsform fast aller Wech-
selwarmen (poikilothermen) Tiere darstellt.
Vor allem auf die stark eingeschränkten Mög-
lichkeiten zur aktiven Entfaltung bei nach Nor-
den kürzer werdenden frostfreien Zeiträumen
ist es zurückzuführen, daß die mitteleuropäi-
sche Herpetofauna im Vergleich zu der süd-
licherer Regionen bereits ausgesprochen ar-
tenarm, diejenige Nordeuropas allerdings
noch artenärmer ist.
Während Amphibien (Lurche) und Reptilien
(Kriechtiere) darin übereinstimmen, daß sie
keine wärmeisolierende Körperhülle aufwei-
sen, unterscheiden sie sich in anderer Hin-
geht sehr grundlegend. Amphibien sind mit
wenigen Ausnahmen noch insofern voll vom
Bild 3: Vollständige Verwandlung (Me-
Wasser abhängig, als sich Laich und Larven
tamorphose) bei Amphibien: Vom Ei
im Wasser entwickeln (Bild 3). Aber auch die
über die Larvenstadien (Kaulquappen)
erwachsenen Tiere leben im oder am Wasser
zum fertigen Frosch.
bzw. im feuchten Boden und werden an Land
zumeist nur in Zeiten hoher Luftfeuchtigkeit,
d.h. in der Nacht oder nach Regenfällen aktiv.
ohne die Möglichkeit zum .Auftanken" bald
Bei normal trockener Luft verlieren sie
zugrunde gehen. Gerade die Durchlässigkeit
über die zarte Haut soviel Feuchtigkeit,
der Haut aber ist für die Amphibien lebens-
daß sie
wichtig. Sie ermöglicht die Hautatmung, die meisten Arten ihre beschalten Eier an ausge-
bei den Amphibien angesichts der noch we- sprochen trockenen Orten in den Sand oder in
nig funktionstüchtigen, sackartigen Lungen den Boden legen und von der Sonne aus-
unerläßlich ist. brüten lassen (Bild 4). Im Gegensatz zu den
Bei den Reptilien sind Differenzierung und Amphibien findet man auch die erwachsenen
Oberflächenvergrößerung der Lungen soweit Reptilien vorzugsweise an den wärmsten und
fortgeschritten, daß die Hautatmung entfallen trockensten Orten, z.B. an von der Sonne auf-
kann und eine Körperhülle aus Schuppen zu- geheizten Felsen, Felswänden und Gemäuer.
gleich auch die Wasserverluste minimiert. An Mit wenigen Ausnahmen sind Eidechsen und
die Stelle der drüsenreichen Amphibienhaut Schlangen im Mitteleuropa daher auf die wär-
tritt die drüsenfreie Haut der Eidechsen und meren Regionen beschränkt. Bereits südlich
Schlangen. Die Reptilien sind auch deshalb der Alpen nimmt die Zahl der Reptilienarten
die ersten echten Landbewohner, weil die deutlich zu; in manchen heißen Trockenge-
bieten stellen sie die artenreichste Wirbeltier-
klasse dar.
Neben der Giftbelastung und der damit ver-
bundenen Verarmung der Insektenwelt stellen
Schwund und Verschmutzung von Kleinge-
wässern die wichtigste Ursache für den Rück-
gang der Amphibien, die zunehmende Be-
schattung und Verdunkelung durch heran-
wachsende Sträucher und Bäume einen maß-
geblichen Grund für das Seltenerwerden von
Reptilien dar. Inzwischen aber hat die Bedro-
hung der Herpetofauna mancherlei Natur-
schutzaktivitäten ausgelöst. Tausende neuer
Kleingewässer haben die Lebensräume der
Amphibien wieder etwas ausgeweitet. Auch
die Anlage von Gartenteichen kann ein wert-
voller Beitrag zum Artenschutz sein, wenn
man deren natürliche, spontane Besiedlung
abwartet und sich nicht dazu verleiten läßt,
Laich, Larven oder erwachsene Tiere verbots-
widrig von draußen zu holen und einzusetzen.
Für Reptilien werden extensiv genutzte Trok-
kenrasen, Blockhalden, Felswände und ähn-
liche sonnig-warme Lebensstätten geschützt
und schattenfrei gehalten.

Fische
Die Artenkenntnis der allermeisten Natur-
freunde schließt interessanterweise die Fische
nicht mit ein. Sie scheinen den Freizeit-
anglern vorbehalten zu sein. Grund dafür ist
gewiß die Tatsache, daß sich die Fische im
Wasser meistens dem Blick des Beobachters
entziehen und daß sie nicht ohne weiteres
gefangen und wieder eingesetzt werden dür-
Bild 4: Direkte Entwicklung bei Repti- fen. Obendrein sind viele Arten einander sehr
lien: Vom Ei über kleinere Jungtiere zur ähnlich. Deshalb bringt dieser Tierführer im
erwachsenen Eidechse. Gegensatz
Bild 5: Körperteile eines Fisches

zu den anderen 4 Wirbeltierklassen die Fische speziellen Einrichtungen gibt. Natürlich kann
nur in einer kleinen Auswahl, die dem Angler der Naturfreund, der zappelnde Fische an der
nicht genügen kann. Angel oder im Netz ertragen kann, sich auch
Dabei handelt es sich bei unseren „Fischen" einmal einem Freizeitangler oder Berufsfi-
streng genommen im Sinne der modernen scher anschließen und sich mit dem Fang
Systematik um 3 Wirbeltierklassen: näher beschäftigen.
• die Rundmäuler, zu denen die Neunaugen Da die Fische zum Teil sehr spezielle Anforde-
gehören; rungen an die Wasserqualität, die Wassertem-
• die Knorpelfische mit den Haien und Ro peratur, den Sauerstoffgehalt, die Wasserbe-
chen; wegung, den Salzgehalt oder andere ökologi-
• die Knochenfische mit der weit überwiegen sche Gegebenheiten stellen, kann man schon
den Mehrzahl aller Fischarten. über den jeweiligen Lebensraum die Zahl der
Während man mit etwas Mühe und Geduld für die Bestimmung in Betracht kommenden
Süßwasserfische noch durchaus in ihrem na- Arten stärker eingrenzen, h der Kopfleiste zu
türlichen Lebensraum beobachten kann, be- den einzelnen Arten sind Längenmaße
steht dazu bei Meeresfischen kaum Gelegen- angegeben, die sich jeweils im normalen
heit. Einige Arten werden jedoch häufiger an Maximalbereich bewegen. Immer kann damit
den Strand geschwemmt, andere regelmäßig gerechnet werden, daß ab und zu noch
von den Fischern angelandet, so daß es größere Exemplare auftreten. Da Fische auch
durchaus Möglichkeiten gibt, sich mit den Ar- im Winter mehr oder weniger aktiv sind,
ten näher zu befassen. Dazu empfiehlt sich erscheint die Angabe bestimmter Beobach-
dann die Benutzung eines speziellen Natur- tungszeiträume wenig sinnvoll. Stattdessen ist
führers. die Laichzeit (LZ) genannt, innerhalb derer
Wer Fische in Bächen, Flüssen und Seen be- manche Fischarten am ehesten nahe der
obachten will, sollte ein Fernglas und viel Zeit Wasseroberfläche zu beobachten sind. Das
mitbringen. Geeignete Beobachtungsorte sind Grunderscheinungsbild eines Fisches mit den
z.B. Brücken über klaren Bächen oder Flüs- fast immer vorhandenen äußeren Organen,
sen. Hier halten sich bestimmte Fischarten vor allem mit den verschiedenen Flossen, ist in
besonders gern auf. Andere Arten kann man Bild 5 dargestellt. Lage, Größe und Form der
von unbewachsenen Ufern aus oder zwischen Flossen können von Art zu Art vielfältig
den Blättern der Schwimmblattgewächse be- variieren und stellen neben der Gesamtgestalt
obachten. Wer jedoch Gestalt und Bewe- und der Maul- und Schwanzform die besten
gungsweise verschiedener Fischarten wirklich Arterkennungsmerkmale dar. Die Färbung der
gründlich studieren will, der sollte eines der Fische dagegen ist individuell, örtlich und
Aquarien besuchen, die es in vielen Zoos und zeitlich oft sehr unterschiedlich und bei der
Bestimmung der Arten nicht immer hilfreich. Gebiet nicht ursprünglich heimischen Arten -
Angaben zur Häufigkeit und Verbreitung von in vielfältiger und regional unterschiedlicher
Fischarten sind oft nur eingeschränkt möglich, Weise verändert worden ist und auch heute
weil die Fischfauna der meisten Gewässer noch immer wieder vom Menschen beeinflußt
durch künstlichen Besatz - zum Teil mit im wird.

Wirbellose Tiere

Mit den Wirbellosen stellt sich eine auf den cher Anzahl gegliederter Extremitäten auf (al-
ersten Blick nahezu unüberblickbare Arten- lerdings sind bei vielen Arten die Extremitäten
und Formenfülle dar. Das Spektrum ist un- reduziert oder stark abgewandelt). Die Glie-
glaublich weitreichend, vom Pantoffeltierchen derfüßer werden grob unterteilt in die Klassen
bis zum Hummer und vom Strudelwum bis Insekten, Spinnentiere, Krebstiere, Hundertfü-
zum Maikäfer. Insgesamt verbergen sich min- ßer und Doppelfüßer.
destens 1,5 Millionen, nach manchen Schät-
zungen sogar mehr als 10 Millionen Tierarten Insekten
hinter dem Begriff „Wirbellose". Kein Mensch Insekten stellen die artenreichste Klasse aller
kann alle diese Tiere erkennen oder benen- Tiere. Bisher wurde weit über eine Million ver-
nen. Ziel dieses Buches ist es, die leicht er- schiedener Arten beschrieben, fast täglich
kennbaren und interessanten Arten aus Mittel- kommen neue hinzu. Gegenüber der un-
europa exemplarisch vorzustellen. Mit etwas glaublichen Formenfülle in den tropischen
Übung sollte es möglich sein, z.B. im Garten Regenwäldern nehmen sich die „nur" ca.
beobachtete wirbellose Tiere wenigstens ei- 30000 Arten in Mitteleuropa geradezu be-
ner der hier vorgestellten Gruppen zuzuord- scheiden aus. Doch in keinem Bestimmungs-
nen. Dabei hilft die Gesamtübersicht (Bild 6). buch nur für diese Region könnten alle diese
Natürlich mußte die Auswahl eng begrenzt Arten auch nur annähernd vollständig abge-
werden. Von einigen Gruppen der Wirbellosen handelt werden. Neben der Artenzahl über-
werden nur exemplarisch einzelne Arten vor- raschen die Insekten auch mit ungeheuren
gestellt, wie z.B. von den Einzellern, den Individuenzahlen. Ein einziges Bienenvolk
Schwämmen, den Rundwürmern, den Stru- kann aus mehr als 80000 Tieren bestehen.
delwürmern und den Fadenwürmern. Diese Auf einem Quadratmeter Rasen können bis zu
Arten bleiben dem normalen Beobachter im 60000 Springschwänze leben. Es gibt Schät-
allgemeinen verborgen und sind meist auch zungen, daß auf einem Hektar (10000 Qua-
nur sehr schwer zu bestimmen. Ein größerer dratmeter) Weideland bis zu 500 Millionen In-
Schwerpunkt wird vor allem au' die sekten leben.
Gliederfüßer (Arthropoda) und die Weichtiere Insekten sind unter Einbeziehung aller abwei-
(Mollusca) gelegt. Diese Tiere begegnen uns chenden Formen nicht ganz leicht zu charak-
auf Schritt und Tritt, viele Arten sind auch terisieren. Der Grundbauplan der ausgewach-
allgemein bekannt. Dennoch ist auch bei die- senen Tiere zeigt allerdings weitgehende
sen die Artenauswahl eng begrenzt. Übereinstimmung. Der Körper (Bild 7) ist in 3
Hauptabschnitte gegliedert: Kopf (Caput),
Gliederfüßer Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Der
Kopf trägt ein Paar Fühler (Antennen), die als
Der Tierstamm der Gliederfüßer {Arthropoda) Geruchs- und Tastsinnesorgane dienen, so-
weist als Gemeinsamkeit aller Arten ein Au- wie ein Paar Kornplexaugen, die wegen der
ßenskelett aus Chitin und eine unterschiedli- wabenartigen Linsen der vielen Einzelaugen
stark, sind aber auf einen Grundbauplan zu-
rückzuführen (Bild 8).
Das Bruststück besteht aus 3 Abschnitten, der
Vorder-, Mittel- und Hinterbrust. Jeder Brust-
abschnitt trägt 1 Beinpaar; Insekten haben
also 6 Beine und werden deshalb auch als
Hexapoda (= Sechsfüßer) bezeichnet. Die
Beine sind im typischen Fall in Hüfte, Schen-
kelring , Schenkel, Schiene und Fuß mit Kral-
len gegliedert (Bild 9). Von diesem Grundbau-
plan gibt es viele abgewandelte Formen; man

Bild 7: Körperteile eines Insekts (hier


eines Käfers)

auch Facettenaugen genannt werden. Viele


Insekten besitzen auf der Stirn zusätzlich 3
kleine Punktaugen. Die Mundwerkzeuge un-
terscheiden sich bei den einzelnen Insekten-
ordnungen je nach Ernährungsweise sehr

Bild 9: Insektenbein Kralle

denke nur an die Grabbeine der Maulwurfs-


grille, die Fangbeine der Gottesanbeterin oder
die Sprungbeine der Heuschrecken und
Flöhe.
Die meisten Insekten haben 2 Flügelpaare, die
an der Mittel- und Hinterbrust sitzen. Vertreter
einiger Ordnungen sine aber grundsätzlich
flügellos, z.B. die Springschwänze, Fischchen,
Flöhe und Tierläuse. Bei anderen sonst ge-
flügelten Ordnungen haben manchmal be-
stimmte Arten oder auch nur ein Geschlecht
dieser Art die Flügel zurückgebildet, z.B. man-
che Schmetterlingsweibchen. Manchmal sind
die Flügel auch vom Grundtyp abgewandelt,
Bild 8: Insektenkopf mit Mundwerkzeu-
am stärksten bei den Zweiflüglern, deren hin-
gen
Bild 10: Vom Ei zum Vollinsekt (Metamorphose). Unvollkommene Verwandlung:
Larvenstadien (Nymphen) ähnlich wie voll entwickeltes Insekt (oben). Vollkom-
mene Verwandlung: Über Larvenstadien und Puppe zum Vollinsekt (unten).

teres Flügelpaar zu den trommelschlegelarti- Hautflüglern, s. Bild 10). Die Larven werden
gen Schwingkölbchen (Halteren) umgewan- mit recht unterschiedlichen Namen benannt,
delt sind. z.B. Raupe bei den Schmetterlingen, Made
Der Hinterleib (Abdomen) besteht aus 11 Seg- bei den Fliegen oder Engerling bei manchen
menten, die aber nicht alle sichtbar sind. Käfern. Bei der unvollständigen Metamor-
Gliedmaßen finden sich hier nicht, viele Arten phose (z.B. bei den Heuschrecken, Wanzen
besitzen aber mehr oder weniger auffällige und Libellen) fehlt ein Puppenstadium. Hier
Hinterleibsanhänge (Cerci), z.B. die Eintags- ähneln die Larven in den meisten Fällen den
fliegen. ausgewachsenen Tieren, man spricht hier
Insekten entwickeln sich aus Eiern. Man unter- von Nymphen. Der Grundbauplan der Larven
scheidet 2 unterschiedliche Formen der Ent- kann sehr unterschiedlich sein, aber niemals
wicklung, die vollständige und die unvollstän- tragen Larven Flügel. Ein geflügeltes Insekt ist
dige Metamorphose. Die vollständige Meta- immer ausgewachsen.
morphose umfaßt Ei, Larve, Puppe und Imago Insgesamt kommen in Europa mehr als 30
(z.B. bei den Käfern, Schmetterlingen und Insektenordnungen vor. Einige der artenreich-
i

sten und allgemein bekannteren werden hier Formen des Zusammenlebens; man denke
kurz genannt. Eine ausführlichere Darstellung nur an die Staatenbildung bei Ameisen und
würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Bienen. Diese betreiben auch eine sehr inten-
Von den meisten Ordnungen wird in diesem sive Brutpflege. Dazu werden zum Teil sehr
Buch zumindest ein Vertreter vorgestellt. große und aufwendige Nester gebaut. Auch
solitär lebende Arten stellen zum Teil kompli-
Käfer zierte Nester unter Nutzung der verschieden-
Die größte Insektenordnung in Mitteleuropa sten Materialien her. Viele Arten sind Parasiten
und weltweit ist die Ordnung der Käfer (Co- oder parasitieren sogar die Larven schon pa-
leoptera, s. Bild 7). Bei uns kommen ca. 8000 rasitischer Arten.
verschiedene Arten in allen denkbaren Le-
bensräumen von der Küste bis ins Hochge- Schmetterlinge
birge und vom Gewässerboden bis in die Wip- Die Schmetterlinge (Lepidoptera = Schup-
fel der höchsten Bäume vor. Ein wichtiges penflügler, Bild 11) kommen in Mitteleuropa
Erkennungsmerkmal sind die zu harten mit fast 3500 Arten vor. Sie sind durch die mit
Schutzdecken umgewandelten Vorderflügel, Schuppen bedeckten Flügel recht gut charak-
die sog. Elytren. Die Hinterflügel sind häutig,
viele Arten können sehr gut fliegen. Dabei
werden die Vorderflügel meist seitlich abge-
spreizt. Es gibt allerdings auch zahlreicne
flugunfähige Arten. Käfer machen eine voll-
ständige Entwicklung durch. Aus den Eiern
schlüpfen Larven, die den ausgewachsenen
Tieren nicht ähnlich sehen. Für einige gibt es
sogar eigene Namen, wie Engerling, Mehl-
wurm oder Drahtwurm. Die meisten Larven
entwickeln sich innerhalb eines Jahres zum
Käfer. Bei einigen wenigen Arten dauert die
Larvalentwicklung im Extremfall über 10
Jahre, damit gehören sie bei und zu den In-
sekten mit dem höchsten Alter. Die Larven
verpuppen sich, aus der Puppe schlüpft
Bild 11: Körperteile eines Schmetter-
schließlich der fertige Käfer. Bei der großen
lings
Artenzahl gibt es unzählige Spezialisierungen
bei den Käfern, die vom Schwimmvermögen
vieler Wasserkäfer über die Leuchtorgane der terisiert und besitzen bis auf wenige Ausnah-
Leuchtkäfer bis hin zum Pilzezüchten bei den men einen langen Saugrüssel. Mit diesem
Kernkäfern reichen. können sie Nektar aus Blüten saugen. Man-
che Arten saugen auch an Pfützen auf Wald-
Hautflügler wegen, faulendem Obst und anderen verwe-
Ähnlich artenreich ist bei uns die Ordnung der senden Stoffen, einige nehmen überhaupt
Hautflügler {Hymenoptera), Bei den Hautflüg- keine Nahrung auf. Allgemein bekannt sind
lern werden zwei Unterordnungen unterschie- auch die Larven der Schmetterlinge, die Rau-
den: Die Apocrita mit der sprichwörtlichen pen (Bild 12). Sie schlüpfen aus den recht
„Wespentaille" (zu diesen gehören die Bienen, kleinen Eiern, die an oder in der Nähe der
Wespen und Ameisen) und die Symphyta, bei Futterpflanzen abgelegt werden, fressen meist
denen Brust und Hinterleib bret zusammen- Blätter oder andere Pflanzenteile und verpup-
sitzen. Fast alle Hautflügler besitzen 4 häutige pen sich nach mehreren Häutungen. Viele
Flügel, vor allem bei den Arbeiterinnen der Raupen sind sehr auffällig bunt, andere tragen
Ameisen sind diese aber vollständig zurück- Tarnfarben und ahmen z.B. kleine Zweige täu-
gebildet. Viele Arten zeigen bemerkenswerte schend echt nach. Aus den Puppen schlüpfen
sind ebenfalls leckend-saugende Mundwerk-
zeuge, die zum Teil sehr kompliziert gebaut
sind, wie etwa bei der Stubenfliege. Die mei-
sten Zweiflügler sind gute, zum Teil sehr
schnelle Flieger. Bei der Steuerung spielen
die zu hoch spezialisierten Organen umge-
wandelten Hinterflügel (Halteren = Schwing-
Bild 12: Körperteile einer Raupe
kölbchen) eine wichtige Rolle. Vor allem bei
einigen parasitisch in Fell oder Vogelgefieder
lebenden Arten (z.B. verschiedenen Lausflie-
die ausgewachsenen Falter, die sehr bunt ge- gen) können die Flügel aber auch vollständig
färbt sein können. Verbreitet sind auch die oder teilweise zurückgebildet sein.
unterschiedlichsten Tarntrachten und Warn-
oder Schrecktrachten. Im letzteren Fall wer- Wanzen
den bei Bedrohung plötzlich Augenflecken Die Wanzen haben gemeinhin einen schlech-
oder grell gefärbte Flügel- oder Körperpartien ten Ruf, der sich aber nur auf der Kenntnis der
präsentiert. Trotz der scheinbar so zerbrechli- Bettwanze gründet. Dabei ist diese die einzige
chen Flügel können viele Schmetterlinge er- von etwa 1000 mitteleuropäischen Arten, die
staunliche Flugleistungen vollbringen - man Blut saugt. Die meisten anderen Wanzen sau-
denke nur an den rasend schnellen Flug der gen Pflanzensäfte oder jagen Insekten und
Schwärmer oder die Wanderungen zahlrei- andere Wirbellose. Wanzen sind gut durch
cher Tagfalter, die über mehrere Tausend Kilo- den Bau ihrer Vorderflügel gekennzeichnet:
meter führen können. Dabei werden regel- Etwa zwei Drittel sind ledrig, das hintere Drittel
mäßig auch Hochgebirge und Meere über- aber häutig. Das kleinere zweite Flügelpaar ist
quert. Die oft verwendete Einteilung der insgesamt häutig. Eine Reihe von Wanzenar-
Schmetterlinge in „Tag"- und „Nachtfalter" ist ten lebt im Wasser, die meisten aber auf dem
genauso ungenau und systematisch wenig Land.
hilfreich wie die Unterscheidung von „Groß-"
und „Kleinschmetterlingen". Denn es gibt ge- Zikaden und Blattläuse
nauso am Tag fliegende „Nachtfalter" wie sehr Früher wurden die Zikaden und Blattläuse mit
kleine „Groß-" und ziemlich große „Klein- den Wanzen zur Ordnung der Gleichflügler
schmetterlinge". oder Pflanzensauger zusammengefaßt. Heute
sind die Wanzen abgetrennt, dennoch er-
Zweiflügler scheint die Ordnung sehr uneinheitlich. Hier-
Eine weitere sehr artenreiche Ordnung ist die her gehören auch die Schildläuse, die zu-
der Zweiflügler (Diptera) mit den Fliegen und mindest bei flüchtigem Hinsehen kaum als
Mücken. Die Vorderflügel sind häufig, ihre Tier erkannt werden. Vor allem die Blattläuse
Hinterflügel sind, wie oben schon erwähnt, zu haben komplizierte Entwicklungszyklen, bei
Schwingkölbchen umgewandelt. Zweiflügler denen sich geschlechtliche und unge-
durchlaufen ein vollkommene Verwandlung, schlechtliche Generationen abwechseln, zum
die Larven sind äußerst vielgestaltig. Am be- Teil auch verbunden mit einem Wechsel der
kanntesten sind wohl die „Maden" vieler Flie- Wirtspflanzen. Die Zikaden ähneln eher den
gen, die im Sprichwort „im Speck" leben. Viele Wanzen, sie zeichnen sich u.a. durch ihr
sind Parasiten; die Larven zahlreicher Arten Sprungvermögen aus.
entwickeln sich im Wasser. Grob werden die
Mücken mit fadenförmigen, sechs- oder Heuschrecken
mehrgiiedrigen Fühlern und die Fliegen mit oft Allgemein bekannt sind die Heuschrecken.
nur dreigliedrigen Fühlern unterschieden. Heute teilt man sie in die Ordnungen der
Viele Zweiflügler haben stechend-saugende Langfühlerschrecken und der Kurzfühler-
Mundwerkzeuge, man denke nur an die vielen schrecken ein. Langfühlerschrecken be-
Arten blutsaugender Mücken. Weit verbreitet sitzen Fühler, die mindestens so lang sind wie
ihr Körper. Das vordere Flügelpaar ist ledrig
und ziemlich schmal, das hintere häutig und
recht breit. Bei einigen Arten sind die Flügel
zurückgebildet, sie können nicht fliegen. Das
hintere Beinpaar ist zu kräftigen Sprungbei-
nen umgewandelt. Die Männchen können
durch Aneinanderreihen der Vorderflügel
Töne erzeugen. Die Gehörorgane liegen in
den Schienen der Vorderbeine. Die
Kurzfühlerschrecken besitzen Fühler, die
deutlich kürzer als der Körper sind. Sie
erzeugen Töne durch Reiben der Beine an
den Flügeln. Die Gehörorgane liegen an den
Seiten des ersten Hinterleibssegmentes. Die
meisten Kurzfühlerschrecken können sehr gut
Bild 13: Körperteile einer Spinne
fliegen, man denke nur an die Wanderheu-
schrecken, die auf ihren Wanderzügen ganze
Landstriche kahlfressen können. Bei vielen Ar-
ten sind die Hinterflügel bunt gefärbt. Alle derkörper tragen sie 6 Paare Gliedmaßen. Das
Heuschrecken haben eine unvollständige 1. Paar ist zu den Cheliceren, den Kiefer-
Entwicklung. Die aus den Eiern schlüpfenden klauen, das 2. Paar zu den Pedipalpen, den
Larven, die sich im Laufe des Wachstums Kiefertastern umgebildet. Die übrigen 4 Paare
mehrmals häuten, haben große Ähnlichkeit sind Laufbeine, ein wichtiges Unterschei-
mit den ausgewachsenen Tieren. Allerdings dungsmerkmal zu den Insekten. Der Hinterleib
besitzen sie niemals Flügel. trägt keine Gliedmaßen. Spinnentiere sind
niemals geflügelt (Bild 13).
Libellen
Zu den Libellen gehören einige unserer größ- Milben
ten Insekten. Sie haben nur kurze Fühler, aber Die artenreichste Gruppe der Spinnentiere
sehr große Augen. Die tagaktiven Libellen sind die Milben. Die meisten Arten sind sehr
sind von wenigen Ausnahmen abgesehen klein; am bekanntesten sind sicherlich die
sehr schnelle Flieger, die ihre Beute in der Luft Zecken. Trotz ihrer geringen Größe kommt
fangen. Ihre Entwicklung spielt sich im Wasser den Milben einer erhebliche Bedeutung im
ab. Die Eier werden ins Wasser, in Schlamm Naturhaushalt zu, sei es als Überträger von
oder Wasserpflanzen abgelegt. Aus ihnen Krankheiten oder als Zersetzer in der Laub-
schlüpfen Larven, die ebenfalls räuberisch im streu.
Wasser leben. Sie besitzen eine sogenannte
Fangmaske, mit denen die Beute ergriffen Spinnen
wird. Bei den großen Arten kann die Larvalent- Die eigentlichen Spinnen sind von den übri-
wicklung bis zu 4 Jahre dauern. gen Spinnentieren leicht an dem deutlich vom
Vorderkörper abgeschnürten Hinterkörper zu
Spinnentiere erkennen. Außerdem besitzen sie als typi-
Nach den Insekten sind die Spinnentiere mit sches Merkmal 3 Paare Spinnwarzen.
weit mehr als 3000 Arten bei uns die arten-
reichste Tiergruppe. Sie sind vor allem Land- Weberknechte
bewohner, die Wasserspinne und zahlreiche Die Weberknechte treten bei uns in ver-
Milben sind allerdings echte Wassertiere. gleichsweise geringer Artenzahl auf. Die mei-
Spinnentiere haben anders als die Insekten sten sind sehr langbeinig, es gibt aber auch
einen zweigeteilten Körperbau. Man unter- einige kurzbeinige Arten. Bei ihnen sind Vor-
scheidet bei ihnen den Vorderkörper (Kopf- der- und Hinterkörper zu einer. Einheit ver-
Brust-Stück) und den Hinterkörper. Am Vor- schmolzen.
Krebstiere allerdings nur mit einer Art, die Tintenfische
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu {Cephalopoda). Die meisten Arten leben im
den anderen Gliederfüßern ist die Tatsache, Meer, viele aber auch im Süßwasser und die
daß Krebstiere 2 Fühlerpaare besitzen. Da- Schnecken auch auf dem Land. So unter-
durch sind sie eindeutig charakterisiert. Die schiedlich Mollusken auch aussehen mögen,
meisten Arten atmen mit Kiemen und leben im gemeinsam haben sie im typischen Fall eine
Meer, eine gewisse Anzahl auch im Süßwas- Kalkschale (die stark reduziert sein kann) und
ser. Nur wenige Krebstiere sind wie die Asseln einen in Kopf, Fuß, Eingeweidesack und Man-
zum Landleben übergegangen; bei ihnen tel gegliederten Weichkörper. Das Gehäuse
wurden die Kiemen im Laufe der Evolutionen dient als Schutz für den Körper.
zu Luftatmungsorganen umgewandelt. Erwäh-
Schnecken
Bei den Schnecken lassen sich nach den At-
mungsorganen Vorderkiemer (Prosobran-
chia), Hinterkiemer (Ophistobranchia) und
Lungenschnecken (Pulmonata) unterschei-
den. Die Landschnecken und auch viele Süß-
wasserschnecken gehören zu den Lungen-
schnecken. Die Form des Gehäuses ist sehr
variabel, es kann napfförmig, hochgetürmt
oder fast völlig reduziert sein. Schnecken be-
wegen sich kriechend fort. Um auch auf rau-
hen Oberflächen im Sinne des Wortes rei-
bungslos voranzukommen, sondern sie aus
einer speziellen Drüse Schleim ab. Am Kopf
sitzen die Augen und 1 oder 2 Fühlerpaare.
Als Besonderheit sitzen die Augen der Land-
lungenschnecken an der Spitze eines Fühler-
paares, das eingezogen werden kann (Stiel-
augen). Im Schlund der Schnecken befindet
sich die Radula, die meist mit vielen, sehr
scharfen Zähnchen versehen ist (Bild 15).

Bild 14: Körperteile eines Krebses

nenswerte Ordnungen sind die Blattfuß-


krebse, ZU denen die Wasserflöhe gehören,
und die Ruderfußkrebse mit stark verlänger-
ten 1. Antennen. Zu den Zehnfüßigen Krebsen
gehören alle bekannten größeren Krebse und
Krabben (Bild 14).

Weichtiere
Bild 15: Körperteile einer Gehäuse-
Ein weiterer wichtiger Stamm sind die Weich-
schnecke
tiere oder Mollusken (Mollusca). Sie
sind nach den Gliedertieren der artenreichste
Tierstamm. In diesem Buch werden drei
Muscheln
Klassen der Weichtiere berücksichtigt, die
Muscheln leben ausschließlich im Wasser, die
Schnecken (Gastropoda), die Muscheln
meisten im Meer vom Strandbereich bis in die
{Bivalvia) und,
ches zahlreiche Borsten. Diese Vorsprünge
werden auch Parapodien oder Fußstummel
genannt. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß
sie wie der Mensch den roten Blutfarbstoff
Hämoglobin besitzen. Zu den Borstenwür-
mern gehören so bekannte Arten wie Watt-
wurm und Seeringelwurm Nicht minder
bekannt sind die Gürtelwürmer, zu denen die
Wenigborster und die Egel zu zählen sind.
Bekanntester Wenigborster ist der
Regenwurm als Prototyp eines Wurmes
schlechthin. Wenigborster besitzen nur sehr
wenige Borsten und sind Zwitter. Borstenlos
sind die Egel, von denen der Blutegel die
Bild 16: Körperteile einer Muschel bekannteste Art ist. Bei uns leben sie aus-
schließlich im Süßwasser.

Tiefsee, eine Reihe von Arten aber auch im Stachelhäuter


Brack- und Süßwasser. Kennzeichnend sind 2
Schalenklappen, die am oberen Rand durch Als letzter Stamm sollen hier die Stachelhäu-
das sogenannte Schloß miteinander verbun- ter (Echinodermata) kurz beschrieben wer-
den sind. Die Klappen werden durch sehr den. Sie sind ausschließlich Meeresbewohner.
kräftige Schließmuskeln zusammengehalten. Von allen anderen Tieren unterscneiden sie
Im Gegensatz zu den Schnecken haben die sich durch ihre fünfstrahlige Symmetrie. Am
Muscheln keinen Kopf, keine Radula und - bekanntesten sind sicherlich die Seesterne.
abgesehen von den Augen am Schalenrand - Sie können auf ihren Saugfüßchen
keine besonders entwickelten Sinnesorgane umherlaufen und mit großer Kraft die Schalen
(Bild 16). Die meisten Arten leben sessil oder von Muscheln auseinanderziehen, um diese
bewegen sich nur sehr langsam; einige kön- anschließend zu fressen. Die
nen allerdings durch den Ausstoß von Wasser Schlangensterne bewegen sich durch
auch überraschend schnell schwimmen. schlängelnde Bewegungen fort. Bei ihnen
sind die langen Arme deutlich gegen die Kör-
Ringelwürmer permitte abgesetzt.
Die Seeigel sind durch ihre meist kugelige
Vom Stamm der Ringelwürmer sind zunächst Form und die Stacheln unverkennbar. Es gibt
die Borstenwürmer (Polychaetä) erwähnens- aber auch stärker abweichende Formen wie
wert. Sie sind getrenntgeschlechtlich und tra- die Herzseeigel.
gen auf Vorsprüngen des Hautmuskelschlau-
Naturschutz und der Umgang mit Tieren

In diesem Buch werden in den meisten Fällen eine Becherlupe ist hier sehr hilfreich. Einge-
keine besonderen Hinweise auf die Seltenheit fangene Tiere sollten nach der Betrachtung
oder die Gefährdung bestimmter Arten, z.B. in umgehend am gleichen Ort wieder freigesetzt
Form der Angabe eines Rote-Liste-Status werden. Zu berücksichtigen ist auch, daß ver-
oder eines besonderen gesetzlichen Schutzes schiedene Arten unterschiedlich empfindlich
gemacht. Vielmehr gehen wir davon aus, daß sind. So sind Käfer sehr robuste Tiere, denen
alle Arten als so wertvoll und schutzwürdig während eines kurzen Aufenthaltes in einer
angesehen werden, daß man ihnen keinen Becherlupe oder einem Schnappdeckelgläs-
Schaden zufügt. Selbstverständlich müssen chen kaum Schaden zugefügt werden kann.
bei der Beobachtung und beim Fotografieren Anders sieht das z.B. bei Schmetterlingen
von Tieren einschlägige gesetzliche Bestim- aus, die besser nicht gefangen werden sollten.
mungen eingehalten werden. Mit In Naturschutzgebieten ist jedes Fangen von
entsprechenden Hilfsmitteln wie Fernglas und Tieren natürlich grundsätzlich verboten. Nur
Spektiv ausgerüstet, gelingt es meist, auch was man kennt, kann man auch schützen.
scheue Vogel- und Säugetierarten aus Möge dieses Buch dazu beitragen, daß viele
gebührender Entfernung zu beobachten. Pro- Naturfreunde möglichst viele Arten kennenler-
blematischer ist oft die Beobachtung und Be- nen - sie sollten allerdings beim Kennenler-
stimmung von Kleintieren. Eine Lupe oder nen schon an den Schutz denken.

Verwendete Abkürzungen und Symbole

D Durchmesser < kleiner als «:


G Gewicht viel kleiner als
H Höhe
KR Kopf-Rumpf-Länge Männchen
L Länge
L+ Gesamtlänge Weibchen
(Kopf-Rumpf + Schwanz)
LZ Laichzeit Monatsangabe
S Schwanzlänge
Sp Spannweite bei Vögeln, Reptilien, Amphibien und Wirbel-
losen = Beobachtungszeitraum in Mitteleu-
so groß wie ropa
>
größer als
>>
viel größer als bei Fischen = Laichzeit
Säugetiere

1 Wildschwein
Sus scrofa

KR 120-170cm S 15-30 cm G 40-


Vorkommen: In den Hochgebirgsregionen
vor allem an felsigen Steilhängen; in Mittel-
europa außer in den Alpen infolge Einbürge-
rung auch im Schwarzwald, in den Vogesen,
120 kg, vereinzelt bis 300 kg in der Schwäbischen Alb und im Elbsand-
Kennzeichen: Unverwechselbar; wegen der steingebirge.
dunklen Färbung in der Jägersprache als Wissenswertes: Die Gemsen imponieren
„Schwarzwild" bezeichnet. Vorkommen: In dem Wanderer durch ihr gewandtes Klettern
weiten Teilen Mitteleuropas noch heimisch; und Springen. Der Gamsbart ist kein Bart im
zeitweise stark wechselnde Bestandsdichte. üblichen Sinne; er stammt aus dem langen
Wissenswertes: Die Wildform unseres Nacken- und Rückenhaar des Winterfells. Im
Hausschweins ist eigentlich ein Waldbewoh- Gegensatz zu den Geweihen der Hirschver-
ner, profitiert aber offensichtlich von der Land- wandten werden die Hörner von Mufflon,
wirtschaft, vor allem vom expandierenden Gemse, Steinbock und Wisent nicht abgewor-
Maisanbau. Hier, aber auch in Kartoffel- und fen.
Getreidefeldern richten Wildschweine oft er-
hebliche Schäden an. Im Walde sind die Alles-

4
Alpensteinbock
fresser, die neben Wurzeln und Früchten, Grä- Capra ibex
sern und Kräutern auch Mäuse und Boden-
tiere verzehren, meistens unproblematisch. KR 115-140cm S 15cm G40-120kg
Die Frischlinge (1c) erblicken oft schon im Kennzeichen: Graubraune Fellfarbe; Hörner
Spätwinter das Licht der Welt. Sie sind dann in der männlichen Tiere bis über 1 m, die der
der Gefahr, durch unbelehrbare Skifahrer, die Weibchen bis zu 20 cm lang. Vorkommen: In
die gespurten Loipen verlassen, von den den Alpen in einzelnen wiedereingebürgerten
flüchtigen Bachen getrennt zu werden. Populationen insgesamt über 20 000 Tiere.
Wissenswertes: Die heute in den Alpen hei-
mischen Steinböcke verdanken ihre Existenz

2
Mufflon
Ovis ammon musimon der Tatsache, daß die Art während der extrem
starken Verfolgung in früheren Zeiten im italie-
KR 110-130cm S6-10cm G30- nischen Aostatal (Gran Paradiso) überlebte.
40kg Kennzeichen: Braun mit hellem
Sattelfleck; Widder mit großen, stark

5
Wisent
gekrümmten, Weibchen mit höchstens 18 Bison bonasus
cm langen, nicht gewundenen Hörnern, die
auch fehlen können. Vorkommen: KR 170-350 cm S 50-80
Ursprünglich in Korsika und Sardinien cm G400-1000 kg
beheimatet; in den Mittelgebirgen künstlich Kennzeichen: Gewaltige Gestalt; vorn höher
begründete Populationen. Wissenswertes: als hinten; relativ kurze Hörner. Vorkommen:
In Mitteleuropa gibt es heute erheblich Außer in Polen im Urwald von Bialowieza in
mehr Mufflons als auf den beiden etlichen Zoos und Wildparks.
Mittelmeerinseln, wo die Art infolge Wilderei Wissenswertes: Ursprünglich war die Art im
ernsthaft im Bestand bedroht ist. Bereich der sommergrünen Laubwälder Euro-
pas weit verbreitet. In den 20er Jahren wurden
Gemse die letzten wildlebenden Bestände ausgerot-

3 Rupicapra rupicapra

KR 100-120 cm S 5-8 cm G 30-50 kg


tet. Die Wisente in Bialowieza sind das Ergeb-
nis einer erfolgreichen Wiedereinbürgerung.
Von ihnen wiederum stammen fast alle Wi-
Kennzeichen: Gesichtszeichnung, Aalstrich sente ab, die an anderen Orten Osteuropas
auf dem Rücken und Bewegungsweise im fel- freigelassen wurden oder in unsere Wildparks
sigen Lebensraum; beide Geschlechter mit gelangten.
bis zu 20 cm langen Hörnern.
Säugetiere

Winter dunkelbraun; Geweihe der männlichen

1
Rothirsch
Cervus elaphus Tiere mit bis zu 8 Enden. Vorkommen:
Ursprünglich in Ostasien heimisch; seit Ende
KR 160-250 cm S 12-15 cm G 75-200 kg des vorigen Jahrhunderts auch in Europa
Kennzeichen: Größte heimische Wildart eingebürgert; inselartige Vorkommen u.a. in
nach dem Elch; im Sommer rotbraun, im Win- Schleswig-Holstein (Angeln), im Sauerland
ter graubraun; Spiegel hellgelb; ausgewach- (Arnsberger Wald), an der Weser bei
sene Hirsche mit Geweihen mit mehr als 8, Beverungen und am Oberrhein.
meistens mit 12, manchmal aber auch mit Wissenswertes: Diese kleine Hirschart er-
mehr als 20 Enden. weist sich in unserer Landschaft als sehr an-
Vorkommen: In großen zusammenhängen- passungsfähig, auch gegenüber Störungen
den Waldgebieten, vor allem im Bergland; frü- durch Erholungssuchende. Sie gelangte nicht
her viel weiter verbreitet. Wissenswertes: aus freier Wildbahn, sondern aus chinesi-
Das Röhren der Hirsche in der Brunftzeit schen Hirschgehegen nach Europa.
(Mitte September bis Anfang Oktober) gehört
zu den stimmungsvollsten

4
Reh
Herbstphänomenen. Die Winterfütterung des Capreolus capreolus
Rotwildes ist in der Regel unerläßlich, weil
infolge der Verkehrswege und der Zersiede- KR-120cm S2-3cm G 15-30kg
lung der Landschaft die Rudel nicht mehr wie Kennzeichen: Geringe Größe, weißer Spie-
früher im Winter die nahrungsreicheren Nie- gel und kaum erkennbarer kurzer Schwanz;
derungen aufsuchen können. Die Gewährlei- Geweih mit nur 4-6 Enden. Vorkommen:
stung angepaßter Rotwilddichten ist eine vor- Weit verbreitet und vielerorts recht häufig,
dringliche Aufgabe der Jagd, ohne die es den vor allem in der stark strukturierten
„König der Wälder" in Mitteleuropa schon Kulturlandschaft, sogar bis in die
längst nicht mehr gäbe. Stadtrandgebiete.
Wissenswertes: Erstaunlich ist die Anpas-
sungsfähigkeit der Rehe, deren Hauptfeinde

2
Damhirsch
Cervus dama streunende Hunde und die Autos auf unserem
gar zu dichten Straßennetz sind. Die im Mai/
KR 130-200 cm S 15-20 cm G 45-125 Juni geborenen Kitze (4b) fallen häufig den
kg Kennzeichen: In der Färbung sehr Mähmaschinen zum Opfer.
variabel, doch meistens rötlich braun mit
hellen Flecken; die Hirsche von August bis

5
Elch
April mit einem meist schaufeiförmigen Alces alces
Geweih. Vorkommen: In vielen
Waldgebieten, auch in Wald-Feld- KR -280 cm S 12 cm G - über 500 kg
Mosaiklandschaften; isolierte, zum Teil eng Kennzeichen: Gewaltige Größe; langbeinig;
begrenzte Vorkommen. Wissenswertes: vorn buckelartig überhöht. Vorkommen:
Damwild gelangte bereits im Mittelalter Nordeuropa, Baltikum, Ostpolen,
(vielleicht schon zur Römerzeit) aus Sowjetunion; in lichten Wäldern mit
Nordafrika und Kleinasien nach Europa. Weil Sümpfen und Seen; bekanntes Vorkommen
es sich besser als andere Hirscharten zur auf der Kurischen Nehrung. Wissenswertes:
Gatterhaltung eignet, wird es heute zuneh- Der Elch ist die größte Hirschart und
mend auch zur extensiven Grünlandnutzung kam nacheiszeitlich noch in weiten Teilen
verwandt. Mitteleuropas vor. Er lebt weniger gesellig
als die anderen Hirschverwandten. Als
Nahrung dienen ihm Blätter, Triebe und

3
Sikahirsch Cervus nippon
Rinde von Laubbäumen, vor allem von
KR 100-150cm S 11-15cm G40- Weiden, im Winter allerdings auch von Nadel-
70kg Kennzeichen: Im Sommer gehölzen.
hellbraun, im
Säugetiere

1
Seehund Schweinswal
Phoca vitulina

KR 150-200 cm G 75-200 kg
3 Phocoena phocoena

L-180cm
Kennzeichen: Rundlicher Kopf mit kurzer Kennzeichen: Kleinste Walart; Schnauze
Schnauze; V-förmig angeordnete Nasenöff- rundlich, Rückenflosse niedrig, aber breit.
nungen. Vorkommen: In den europäischen Küsten-
Vorkommen: Atlantik südwärts bis zum Är- gewässern, vor allem in Großbritannien.
melkanal; verbreitet in der Deutschen Bucht, Wissenswertes: Der Schweinswal ist auch
selten in der Ostsee. als Kleiner Tümmler und als Braunfisch be-
Wissenswertes: Die bekannteste Robbenart kannt. Er dringt nicht selten in den größeren
begegnet dem Feriengast nicht selten im Wat- Flüssen stromaufwärts vor und hält sich gern
tenmeer und auf Sandbänken. Der Seehund in flachen Meeresbuchten auf. Die Schweins-
ist ein vorzüglicher Schwimmer und Taucher, wal-Bestände sind - vor allem infolge Ge-
der bis zu 20 Minuten lang und bis zu 100 m wässerverschmutzung - stark zusammenge-
tief tauchen kann und sich dabei von Fischen, schrumpft.
Krebsen, Muscheln und Schnecken ernährt.
Im Mai oder Juni gebären die Weibchen ein,
selten zwei Junge, die schon weit entwickelt
sind und sofort ins Wasser gehen. Wegen ihrer
klagenden Rufe werden sie als „Heuler" be-
4 Tümmler
Tursiops truncatus

L -350 cm
zeichnet, vor allem wenn sie von der Mutter Kennzeichen: Größe; graue Ober- und hel-
getrennt sind. Zeitweilig ging der Bestand ra- lere Unterseite; kurzer „Schnabel".
pide zurück, erholte sich jedoch wieder leicht. Vorkommen: In allen europäischen Meeren
Bejagung, Störung durch Wassersportler und nordwärts bis zur Nordsee, nur selten auch in
Touristen und Gewässerverschmutzung stel- der Ostsee.
len für den Seehund die größten Gefahren dar. Wissenswertes: Der häufigste Delphin in
Der Bestand wird regelmäßig erfaßt, um not- europäischen Meeren ist zugleich auch der
falls den Schutz intensivieren zu können. bekannteste Star in den Delphinarien. Er lebt
meistens gesellig und zeigt sich oft gegen-
über Badenden überraschend zutraulich. Ein-

2 Kegelrobbe
Halichoerus grypus

KR 200-300 cm G 120-300 kg
drucksvoll sind seine Sprünge weit über die
Wasseroberfläche hinaus.

5
Kennzeichen: Auffallender Größenunter- Delphin
schied zwischen den Männchen und den viel Delphinus delphinus
kleineren Weibchen; kegelförmiger Kopf mit
langgestreckter Schnauze. Vorkommen: Zur L-200 cm G-75kg
Fortpflanzungszeit im Bereich der Britischen Kennzeichen: Helle Flankenzeichnung, in
Inseln, bei Island und in der östlichen der Vorderhälfte oft hellbraun überlagert; lan-
Ostsee; sonst auch gelegentlich in der ger, schmaler „Schnabel". Vorkommen: In
Deutschen Bucht und südwärts bis den warmen Meeren besonders weit
Spanien. verbreitet; gelegentlich auch in der Nordsee.
Wissenswertes: Im Gegensatz zum See- Wissenswertes: Delphine erfreuen oft die
hund bevorzugt die Kegelrobbe felsige Kü- Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, deren
sten. In der Paarungszeit verteidigen die Bugwelle sie folgen. Ihre Bewegungen und
Männchen ihren Harem, der 6-7 Weibchen Sprünge wirken elegant und verspielt. Manch-
umfaßt. Erst nach einem Monat verlassen die mal scheinen sie mit den Passagierschiffen
Jungtiere ihre Geburtsinseln und -Wippen, wo um die Wette schwimmen zu wollen, und das
sie solange 2- bis 3mal täglich gesäugt wer- mit Erfolg!
den.
Säugetiere

form aufweisen, z.B. das Einklemmen des

1
Fuchs
Vulpes vulpes Schwanzes zwischen den Hinterbeinen bei
Angst und das Knurren und Sträuben der
KR 70-80cm S 40cm G6-10kg Nackenhaare in aggressiver Stimmung.
Kennzeichen: Meistens rotbrauner, oft aber
auch sehr dunkler oder heller Pelz; mit langer

3
Luchs
buschiger Lunte. Felis lynx
Vorkommen: Sehr weit verbreitet und zum
Teil häufiger als vermutet; sowohl im Wald als KR 80-130 cm S 15-25 cm G 15-30 kg
auch in der Feldflur. Kennzeichen: Größer als Hauskatze; hoch-
Wissenswertes: Als Überträger der Tollwut beinig; mit kurzem Stummelschwanz, auffal-
ist der Fuchs ins Gerede gekommen. Weder lenden Pinselohren und Backenbart.
die früher praktizierte Begasung der B!aue Vorkommen: Früher in Mitteleuropa weit
noch der verstärkte Abschuß konnten der verbreitet, inzwischen ausgerottet, aber ver-
Seuche Einhalt gebieten; wirksamer scheinen einzelt versuchsweise wieder ausgesetzt (u.a.
Impfmaßnahmen (z.B. über Köder) zu sein. Im Bayerischer Wald, Schweiz); Restvorkommen
Schutz der Dunkelheit durchstreifen Füchse in Skandinavien, Osteuropa, in Spanien und
auch viele besiedelte Bereiche. Man hat sie auf dem Balkan.
schon Mülleimer kontrollieren und aus Hun- Wissenswertes: Unter den ausgerotteten
denäpfen fressen sehen. Dank scharfer Sinne großen Beutegreifern kommt der Luchs am
und ihrer sprichwörtlichen Intelligenz entzie- ehesten für eine Wiedereinbürgerung in Be-
hen sie sich geschickt der Verfolgung. Als tracht. Er frißt Aas und erbeutet Säugetiere
Einzelgänger bejagen sie jeweils bestimmte einschließlich Reh- und jungem oder schwa-
Reviere, die bis zu 100 ha groß, oft aber auch chem Rotwild. Ein Problem bei der Wiederein-
viel kleiner sein können. Tags und zur Auf- bürgerung stellt die beanspruchte Revier-
zucht der Jungen (1b) ziehen sie sich in Erd- größe dar; zumindest männliche Tiere haben
höhlen (Baue) zurück. Territorien von 100-300 km2 Größe. Ihre Lager
und Ruheplätze haben Luchse in Höhlen,
Felsspalten oder unter Wurzeltellern vom

2
Wolf
Winde geworfener Bäume. |
Canis lupus

4
KR 100-140 cm S 30-40 cm G 30-50 Wildkatze
kg Kennzeichen: Ähnlich einem sehr Felis silvestris
kräftigen Schäferhund; auffallend
hochbeinig und kurzohrig. KR 40-80 cm S 20-35 cm G 5-10 kg
Vorkommen: In Mitteleuropa ausgerottet; Kennzeichen: Ähnlich einer graubraunen,
Restbestände in Osteuropa, Skandinavien, dunkel getigerten Hauskatze; dicker, stumpf
Spanien und Italien; vereinzelte Wiederein- endender Schwanz.
wanderung nach Mitteleuropa möglich. Vorkommen: Noch verstreut in bewaldeten
Wissenswertes: Die vielfach furchterre- Mittelgebirgen; genaue Verbreitung nicht be-
gende Hauptfigur von Märchen und Ge- kannt, da oft mit Hauskatzen verwechselt.
schichten ergreift vor dem Menschen norma- Wissenswertes: Die Wildkatze und die
lerweise die Flucht. Wild- und Haustiere bis Stammform unserer Hauskatzen, die kle n-
hin zu Rotwild und Rindern aber können im asiatische Falbkatze, sind zwei Rassen ein
Winter gemeinsam jagenden Rudeln zur und derselben Art und daher miteinander
Beute werden. Durch nächtliches Heulen hal- fruchtbar zu kreuzen. Obwohl das in freier
ten Wölfe untereinander Kontakt. Inzwischen Wildbahn offenbar sehr selten geschieht, sind
hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß der beide einander oft sehr ähnlich. Trotz ganzjäh-
Wolf der alleinige Stammvater aller Hunde- riger Schonzeit schweben Wildkatzen ständig
rassen ist, die in ihrem Verhalten noch viele in der Gefahr, für streunende Hauskatzen ge-
Übereinstimmungen mit der wilden Stamm- halten und geschossen zu werden.
Säugetiere

3
Dachs
1
Braunbär
Ursus arctos Meles meles

KR 170-250 cm S 6-12 cm G 150-250 KR 60-75 cm S 15-18 cm G 10-20 kg


kg Kennzeichen: Unverwechselbar. Kennzeichen: Gedrungener Bau; kurzbei-
Vorkommen: Früher in Europa weit verbrei- nig; silbergrauer Pelz, weißer Kopf mit schwar-
teter Waldbewohner, heute nur noch in Nord- zen Längsstreifen von der Nase über Augen
und Osteuropa größere Bestände; jeweils we- und Ohren bis zum Nacken. Vorkommen:
niger als 100 Tiere in gebirgigen Rückzugs- Weit verbreitet, vor allem in mit Waldinseln
gebieten am Nordhang der Pyrenäen, im Tren- durchsetzten Agrarlandschaften.
tino, in den Abruzzen und in Spanien; hier Wissenswertes: Nach starken Verlusten in-
streng geschützt. folge der früheren Begasung der Baue als
Wissenswertes: Ob jemals in Mitteleuropa Maßnahme gegen die Tollwut stabilisieren
Bären wiedereingebürgert werden, ist noch sich die Dachsbestände jetzt vielerorts wieder.
nicht abzusehen. Als Allesfresser, die sowohl Im Winter hält er anstelle eines echten Winter-
Wurzeln und Früchte als auch Schnecken, In- schlafs nur eine Winterruhe, während der er
sekten, Kleinsäuger und Jungvögel verzehren, erheblich an Gewicht verliert. Dachsbauten
begnügen sie sich mit deutlich kleineren Ter- sind besonders weiträumig und tief und wer-
ritorien als gleich große reine Beutegreifer. An den von Generation zu Generation „vererbt".
Haustieren fallen ihnen nur frei weidende
Schafe und Ziegen zum Opfer. Den Winter

4
Fischotter
überstehen sie nicht durch einen Winterschlaf Lutra lutra
mit großen physiologischen Veränderungen,
sondern durch eine einfache, jederzeit zu un- KR 70-90 cm S 40-50 cm G10-12 kg
terbrechende Winterruhe, während derer so- Kennzeichen: Dunkelbraun, anliegend be-
gar die Jungen geboren werden: 1 -2 Junge je haart; kurzbeinig, Körper langgestreckt.
Wurf. Vorkommen: Wegen Verfolgung und Le-
bensraumzerstörung in Mitteleuropa nur noch
wenige gesicherte Vorkommen.

2
Waschbär
Procyon lotor Wissenswertes: Als auf den Fischfang spe-
zialisierter Beutegreifer ist der Fischotter ein
KR 45-65 cm S 20-30 cm G 4-8 kg ausgezeichneter Schwimmer und Taucher.
Kennzeichen: Größer als Hauskatze; graue Nach der Renaturierung von Gewässern
bis graubraune Fellfärbung; schwarze Ge- könnte es vermehrt zur Wiedereinbürgerung
sichtsmaske und schwarz-weiß geringelter dieser Art kommen.
Schwanz.
Vorkommen: Ursprünglich in Nordamerika
beheimatet; seit 1930 mehrfach aus Pelztier-
farmen entwichen und in Waldeck (Hessen)
bewußt ausgesetzt; inzwischen in Nordrhein-
5 Iltis
Mustela putonus

KR 35-45cm S 18cm G 0,8-1,6kg


Westfalen, Hessen und Thüringen fest einge- Kennzeichen: Helle Unterwolle läßt schwarz-
bürgert. braunen Pelz zweifarbig erscheinen; dunkel
Wissenswertes: Die nächtliche und heim- maskiertes weißes Gesicht. Vorkommen: In
liche Lebensweise des Waschbären macht es Mitteleuropa vor allem im Waldrandbereich
nahezu unmöglich, die einmal bewußt geför- und in Siedlungsnähe. Wissenswertes:
derte Faunenverfälschung wieder rückgängig Duftdrüsen am After des Iltis produzieren
zu machen. Die Art bevorzugt deutlich die ein übel riechendes Sekret, das der Art den
Gewässernähe, u.a. auch zum Waschen Namen „Stänker" einbrachte. Iltisse klettern
pflanzlicher Nahrung - ein angeborener Be- nur wenig, schwimmen aber dafür um so
wegungsablauf, auf den auch der Name Be- öfter. Frettchen, domestizierte Iltisse, werden
zug nimmt. zur Kaninchenjagd eingesetzt.
Säugetiere

Steinmarder Martes foina kleiner als die Marder; Fell oberseits braun,

1 KR 40-50 cm S 25 cm G 1,2-2,1 kg
unterseits weiß; im Winter rein weiß mit
schwarzer Schwanzspitze. Vorkommen:
Weit verbreitet von der Waldlichtung bis zur
Kennzeichen: Größe wie Hauskatze; Fär-
bung graubraun; auffälliger weißer Kehlfleck, Industriebrache, am häufigsten in der
der unten gegabelt ist. landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft,
Vorkommen: Weit verbreitet und zum Teil und hier vor allem in Gewässernähe.
recht häufig, vor allem im Ortsrandbereich Wissenswertes: Obwohl es auch klettern
und auf Einzelhöfen, aber auch im geschlos- kann, jagt das Hermelin in der Regel am Bo-
senen Wald. den. Dabei verschwindet es immer wieder ein-
Wissenswertes: Mehr Menschen haben mit mal in den unterirdischen Gängen der Scher-
Mardern zu tun, als man zunächst meinen mäuse; die Gangsysteme der kleineren Wühl-
möchte: Die einen erleben sie als Poltergeister mäuse smd ihm meistens zu eng. Als zu-
auf dem Dachboden, die anderen beklagen mindest teilweise tagaktiver Beutegreifer wird
sich über sie, weil sie ihnen das auf dem das Hermelin häufiger beobachtet als andere
Waldparkplatz geparkte Auto fahruntüchtig Marderarten. In seinem weißen Winterkleid
machten, indem sie von unten zwischen Kabel (3b) ist es in unserer oft schneearmen Winter-
und Gestänge vordrangen und Leitungen zer- landschaft eher auffällig als getarnt; dafür bie-
bissen. Ansonsten leben die Steinmarder ten die weißen, luftgefüllten Haare zumindest
recht zurückgezogen und nachtaktiv. Als ge- einen guten Kälteschutz. Im Mittelmeerraum
wandte und starke Beutegreifer machen sie und anderen wärmeren Landstrichen verfärbt
sich über Beute bis Rehkitzgröße her. In den sich das Hermelin im Winter gar nicht oder nur
Siedlungen stellen sie offensichtlich erfolg- unvollständig. Als unermüdlicher
reich den Ratten nach. Mäusejäger, der natürlich auch schon einmal
ein Wildkaninchen erbeutet, verdient es

2 Baummarder
Martes martes

KR40-50cm S25cm G 0,8-1,6kg


eigentlich ganzjährigen Schutz. Welche Rolle
die Feldmäuse im Leben der Hermeline oder
Großen Wiesel spielen, erkennt man daran,
daß in ausgesprochenen Mäusejahren der
Kennzeichen: Kleiner als der Steinmarder, Hermelinbestand zunimmt, um nach dem
mehr braun als grau; enger begrenzter, meist Zusammenbruch der Mäusepopulation
gelblicher Kehlfleck. ebenfalls wieder zu schrumpfen.
Vorkommen: Seltener als der Steinmarder,
meistens auf Waldgebiete beschränkt.
Wissenswertes: Im Gegensatz zum Stein-
marder ist der Baummarder eher als Kultur-
flüchter zu bezeichnen. Er hat einen großen
4 Mauswiesel
Mustela nivalis

KR11-24cm S6cm G 50-130 g


Aktionsradius und legt selbst größere Strek- Kennzeichen: Kleinste Raubtierart; Schwanz
ken oft in den Baumwipfeln zurück. Tags hält ohne schwarze Spitze; nur im Hochgebirge
er sich meistens in Baumhöhlen versteckt. und in Nordeuropa Umfärbung zum weißen
Sein Speiseplan reicht von Beeren und In- Winterkleid.
sekten über Mäuse und Kleinvögel bis zum Vorkommen: Wie Hermelin; noch häufiger
Eichhörnchen, das nach einer wilden Jagd auch in Gärten und Parks. Wissenswertes:
erbeutet wird. Es kann auch kleineren Nagern in deren
Gänge folgen. Die große Spanne bei den

3
Hermelin Größen- und Gewichtsdaten aller hier
Mustela erminea aufgeführten Marderverwandten erklärt sich
daraus, daß die männlichen Tiere durchweg
KR 22-32 cm S 8-10 cm G 120-350 g erheblich größer sind als die Weibchen .
Kennzeichen: Schlanker, kurzbeiniger und
Säugetiere

Teile der Erde gebracht; in Mitteleuropa vor

1
Feldhase
Lepus europaeus allem auf trockenen, leichten Böden; häufig
an Waldrändern, im Grün- und Wildland, an
KR 60-70 cm S 8-10 cm G 4-6 kg Dämmen und Deichen, selbst im Innern der
Kennzeichen: Gelb- bis rotbraun; Ohren Städte.
und Hinterbeine lang; Ohren überragen - Wissenswertes: Im Gegensatz zum Hasen
nach vorn gelegt - die Schnauzenspitze; bauen die Wildkaninchen unterirdische
deutlich größer als Wildkaninchen. Gangsysteme (Röhren, Baue, 2b), in die sie
Vorkommen: In Agrarlandschaften häufiger sich als schnell ermüdende Sprinter möglichst
als in Waldgebieten; allerdings in neuerer Zeit rasch zu flüchten versuchen. Ihre 5-8 Jungen,
infolge der Intensivlandwirtschaft stark rück- die nach 28-31 Tagen Tragzeit im Schutz des
läufig. Baues geboren werden, sind anfangs nackt
Wissenswertes: Fabeln, Märchen und Ge- und blind. Mit 4-6 Würfen je Jahr sorgen die
schichten haben den Hasen - nicht zuletzt Kaninchen für so reichlichen Nachwuchs, daß
auch in der Gestalt des Osterhasen - zum sie zum Inbegriff der Fruchtbarkeit wurden.
Lieblingstier vieler Kinder gemacht. Dank sei- Allerdings führt die in Wellen auftretende My-
ner hohen Vermehrungsrate und seiner der xomatose auch heute noch örtlich immer wie-
offenen Kultursteppe angepaßten Lebens- der zum Zusammenbruch der Kaninchenbe-
weise überstand er bislang den massiven Ver- stände; eine Resistenz scheint sich nur sehr
folgungsdruck der Beutegreifer und des Men- langsam auszubilden. - Die Wildkaninchen
schen, den mörderischen Straßenverkehr, die sind die Stammeltern aller unserer Hauska-
Störungen durch freilaufende Hunde und die ninchen, auch jener Rassen, die wie z.B. Ha-
Veränderung seines Lebensraumes durch die sen- und Widderkaninchen nur noch wenig
moderne Landwirtschaft. Ob ihm das auch in Ähnlichkeit mit den wilden Kaninchen haben.
Zukunft gelingt, hängt vom Schutz ab, den Durch die Einmischung andersfarbiger Haus-
man ihm angedeihen läßt. - Der Feldhase hat kaninchen kommt es unter den Wildkanin-
keinen unterirdischen Bau, sondern nur eine chen gelegentlich zur Ausbildung abweichen-
flache Mulde (Sasse). Seine jeweils 2-4 Jun- der - dunklerer oder hellerer - Farbschläge,
gen (1b), die nach 42-44 Tagen Tragzeit mit die örtlich auch sogar die Vorherrschaft er-
offenen Augen und komplettem Pelz zur Welt langen können.
kommen, sind von Anfang an den Unbilden
des Wetters und den Feinden ausgesetzt.
Schneehase
Nach weiterer Begattung während der Trag-
zeit können unterschiedlich alte Eimbryonen
ausgetragen v/erden (Superfoetation). - Sich
3 Lepus timidus

KR 53-58 cm S 5-6 cm G 2-4 kg


drückende Hasen machen sich nahezu un-
Kennzeichen: Größe zwischen Feldhase
sichtbar. Als Langstreckenläufer mit einem rei-
und Wildkaninchen; im Sommer graubraun
chen Verhaltensrepertoire vorn Hakenschla-
(3a), im Winter - zumindest in den Alpen und
gen bis zum Aus-der-Spur-Springen lassen
in Skandinavien -weiß (3b). Vorkommen: In
gesunde Hasen ihre Verfolger in der Regel
den Alpen vom Krummholzgürtel bis zur
hinter sich.
Schneegrenze; manchmal auch tiefer im
Kulturland im Lebensraum des Feldhasen

2
Wildkaninchen anzutreffen.
Oryctolagus cuniculus Wissenswertes: In Nordeuropa zieht sich
der Schneehase gegenwärtig weiter nord-
KR 35-45 cm S 5-7 cm G 1,7-2,5 kg wärts zurück, während der Feldhase nach-
Kennzeichen: Graubraunes Fell; Ohren und rückt. In der Größe, hinsichtlich der Länge
Hinterbeine deutlich kürzer als beim Feldha- seiner Ohren, aber auch bezüglich der
sen; Ohren immer aufgerichtet. Vorkommen: Grabfreudigkeit nimmt der Schneehase eine
Erst im Mittelalter aus Spanien nach Mittelstellung zwischen Feldhase und Wild-
Mitteleuropa und von hier aus in fast alle kaninchen ein.
Säugetiere

von manchen Züchtern einfach freigelassen

1
Biber
Castor fiber wurden. Nach strengen Wintern weisen die
Nutria häufig Erfrierungen an Schwänzen und
KR 80-90 cm S 30-40 cm G -30 kg Ohren auf.
Kennzeichen: Größter Nager Europas;

3
Schwanz abgeplattet, breit. Vorkommen: Bisamratte
Ehemals weit verbreitet; Restbestände an Ondatra zibethicus
der mittleren Elbe, der unteren Rhone, in
Polen und Südnorwegen; erfolgreiche KR 30-35 cm S25cm G 1-1,5 kg
Wiedereinbürgerungen u.a. an der Donau, am Kennzeichen: Eine extrem große, gedrun-
unteren Inn, im Elsaß und in Österreich. gene Wühlmaus mit fast körperlangem, seit-
Wissenswertes: Der Biber wurde in frühe- lich abeplattetem Schwanz. Vorkommen: Als
ren Jahrhunderten wegen seines wertvollen Pelztier von Nordamerika nach Europa
Pelzes, seines begehrten Fetts und zur Ab- gebracht; 1905 bei Prag in die Freiheit
wehr von Schäden verfolgt und weithin aus- gelangt; seither sich über ganz
gerottet. Neben Weichhölzern wie Pappeln Deutschland, Belgien und Frankreich aus-
und Weiden schneidet er auch Obstbäume in breitend.
charakteristischer Weise kegelförmig an und Wissenswertes: Die Art gilt als Beispiel für
fällt sie. Knospen, Rinde und dünne Zweige die schlimmen Folgen der Aussetzung frem-
dienen ihm als Nahrung. Äste werden in der Tierarten. Sie beschädigt mit ihren unter-
Dämme eingebaut, mit denen Fließgewässer irdischen Gängen Dämme und Deiche und
zu Weihern aufgestaut werden, oder zum Bau richtet auch in angrenzenden Kulturen und an
von Biberburgen verwandt, die das Wasser der Ufervegetation Schäden an. In England ist
bis zu 1,50 m überragen und im Innern trok- es gelungen, den Bisam wieder auszurotten,
kene Kammern aufweisen. Ähnliche Kammern in Mitteleuropa dagegen nicht, obwohl eigens
baut der Biber auch in den Ufern. Dort ver- Bisamfänger eingesetzt und für erlegte Tiere
schläft er den längsten Teil des Winters, ohne Prämien gezahlt wurden. In den Poldergebie-
daß seine Körpertemperatur wie beim eigent- ten bereitet das Vordringen des Bisams be-
lichen Winterschlaf stärker absinkt. sondere Probleme.

2
Nutria
Myocastcr coypus

KR 45-55 cm S 30-40 cm G 6-10 kg


4 Murmeltier
Marmota marmota

KR 45-60 cm S 13-18 cm G 4-6 kg


Kennzeichen: Biberähnlich, doch deutlich Kennzeichen: Ein hasengroßer Nager; ge-
kleiner; Schwanz rund; Schneidezähne immer drungene Gestalt; mit kurzen Ohren, die fast
sichtbar. völlig im Fell verborgen sind. Vorkommen:
Vorkommen: Ursprünglich aus Südamerika In den Alpen und Karpaten, in Höhenlagen
stammend; an Gewässern hier und dort Kolo- zwischen 1000 und 3000 m; in der
nien aus entwichenen oder freigelassenen Schwäbischen Alb, im Schwarzwald und im
Farmtieren; meistens nach strengeren Kälte- Bayerischen Wald eingebürgert.
perioden wieder erlöschend. Wissenswertes: Dem Bergwanderer fallen
Wissenswertes: Die Nutria, auch Sumpfbi- die Murmeltiere meistens durch ihre Warn-
ber genannt, ist an Land schwerfällig, im Was- pfiffe auf. Rasch verschwinden sie in ihren bis
ser dagegen als Schwimmer (2b) und Tau- zu 3 m tiefen Bauen, die im Sommer mit ge-
cher sehr gewandt. Ihre kurze Höhle gräbt sie trocknetem Nestmaterial ausgestattet werden
in das Ufer vegetationsreicher Gewässer. In den besonders gut ausgepolsterten Winter-
Nutriapelze waren zeitweilig hochmodern. bauen halten die Murmeltiere ihren 6monati-
Nachlassendes Kaufinteresse minderte den gen Winterschlaf, nachdem sie zuvor die Aus-
Wert der Pelze und der Tiere, die daraufhin gänge von innen verschlossen und abgedich-
tet haben.
Säugetiere

auch dann oft unentdeckt, wenn er als Nach-

1
Eichhörnchen
Sciurus vulgaris bar mit im Gebäude lebt. Von Oktober bis Mai
hält er hier oder in Erdbauten einen tiefen
KR 20-23 cm S 15-20 cm G 300-400 g Winterschlaf. In Nestern, Baumhöhlen und Vo-
Kennzeichen: Unverwechselbar. gelnistkästen schläft er nur über Tage im
Vorkommen: Mischwälder mit älterem Sommer; bei der Nistkastenkontrolle wird er
Baumbestand, auch größere Gärten, Parks noch am häufigsten entdeckt. Im Tagesquar-
und Friedhöfe. tier schlafen häufig mehrere Angehörige eines
Wissenswertes: Dank der verschiedenen Familienrudels dicht beisammen. Als Nahrung
Farbvarianten von Hell- über Rot- bis bevorzugt der Siebenschläfer Baumsamen,
Schwarzbraun, die durchaus nebeneinander Früchte, Rinde und Knospen von Bäumen und
vorkommen können, vermögen manche Park- Sträuchern. Er ist sehr ortstreu und bewohnt
besucher ihre oft handzahmen Tiere individu- meistens ein nur wenige Hektar großes Re-
ell zu unterscheiden. Die markanten Ohrbü- vier.
schel trägt das Eichhörnchen nur im Winter.
Dann ist auch der Schwanz am buschigsten.

3
Haselmaus
Er wird um den Körper gelegt, wenn sich Muscardinus aveilanarius
die Eichhörnchen zur Winterruhe in ihre
20-40cm großen Kobel zurückziehen und KR 8cm S7cm G 20-30 g
sich dann bei Eis und Schnee tagelang nicht Kennzeichen: Kleinster Bilch, nur mausgroß;
blicken lassen. Im übrigen dient der Schwanz gleichmäßig rötlichgelber Pelz; auch Schwanz
als Steuer, wenn sie stammauf- und stammab- dicht behaart.
wärts sausen und in hohem Sprung von ei- Vorkommen: In unterholzreichen Laub- und
nem Baum zum nächsten wechseln. Daß das Mischwäldern, vor allem auf feuchteren
Eichhörnchen neben Baumsamen und Früch- Standorten; auch in vergrasten, brombeerrei-
ten, Pilzen und Insekten gelegentlich auch Vo- chen Forstkulturen.
geleier und Jungvögel verzehrt, müssen die Wissenswertes: Dieser gewandte Kletterer
Naturfreunde ihm nun einmal nachsehen. Üb- hält sich vor allem im niedrigen Gebüsch und
rigens frißt es im Herbst nur einen kleinen Teil auf hohen Kräutern auf. Er baut aus Gräsern,
der Nüsse und Eicheln, die es einsammelt. Die Laub und Rindenfetzen kugelige Nester mit
meisten versteckt es in Baumhöhlen oder ver- einem Durchmesser von knapp 10 cm in
scharrt es im Boden. Ein gutes Gedächtnis 1/2-1 m Höhe über dem Boden. Sie haben
und der Geruchssinn helfen ihm, sie größten- einen seitlichen, meistens nur schwer
teils im Winter wiederzufinden. Die Grundtech- erkennbaren Eingang.
nik des Nüsseknackens ist angeboren; sie
wird durch Üben verfeinert.

4
Gartenschläfer
Eliomys quercinus

2
Sieben s chläfer
Glis glis KR 14cm S 11cm G 100g
Kennzeichen: Kleiner als Siebenschläfer;
KR 16cm S13cm G120g schwarzer Gesichtsstreilen um Auge und Ohr;
Kennzeichen: Größer als die beiden folgen- Wangen und Unterseite rein weiß.
den Buche (Schläfer), aber deutlich kleiner als Vorkommen: Im südlichen und mittleren Mit-
das Eichhörnchen; silbrig-grauer Pelz; große teleuropa in offenen, felsigen Biotopen, vor
Augen. allem in Wein- und Obstgärten, auch in Hütten
Vorkommen: Außer im Nordwesten in allen und Ställen.
Teilen Mitteleuropas heimisch; vorzugsweise Wissenswertes: Im Gegensatz zu den an-
ir Laubwäldern, Parks und Obstgärten, be- deren Buchen bevorzugt der Gartenschläfer
sonders in wärmeren Lagen. tierische Nahrung, z.B. Insekten und Schnek-
Wissenswertes: Als geselliges und nacht- ken, aber auch kleinere Lurche, Kriechtiere,
aktives Tierchen bleibt der Siebenschläfer Nager und Jungvögel.
Säugetiere

per; kräftiger als die Hausratte, meistens

1 Feldhamster
Cricetus cricetus braun.
Vorkommen: Weltweit verbreitet, obgleich
ursprünglich wohl in Ostasien beheimatet; die
KR 22-30 cm S 5-6 cm G -500 g
Kennzeichen: Meerschweinchenähnliche „Ratte" schlechthin, im Volksmund auch „Was-
Gestalt; zwischen brauner Ober- und schwar- serratte" genannt; besonders häufig auf Müll-
zer Unterseite markante weiße Felder; kurzer plätzen, in der Kanalisation, in Stallungen und
Stummelschwanz. Lagerräumen.
Vorkommen: Aus Steppengebieten Osteu- Wissenswertes: Die Wanderratte, die über-
ropas westwärts in die Kultursteppen Sach- wiegend nachtaktiv ist, lebt oft in Gebäuden
sens und Thüringens ausgreifendes Verbrei- und Abwasserkanälen, kann aber auch unter-
tungsgebiet; weiter westlich noch isolierte irdische Gangsysteme anlegen. Sie schwimmt
Vorkommen bis nach Belgien. häufiger und klettert seltener als die Hausratte.
Wissenswertes: Durch seine Vorratshaltung Die Wanderratte lebt meistens gesellig in Fa-
ist der Hamster allgemein bekannt. In seinen milienverbänden, in denen fremde Ratten
großen Backentaschen sammelt er seine nicht geduldet werden. Als Allesfresser be-
überwiegend aus Getreide bestehenden Win- schränkt sie sich nicht auf grüne Pflanzenteile,
tervorräte und trägt sie in seinen großen Bau. Samen, Früchte und Wurzeln, sondern frißt
Der besteht aus einem bis zu 10 m langen und neben Abfällen und Aas auch kleine Wirbel-
bis zu 2 m tief reichenden Gangsystem mit tiere bis Kaninchengröße. Als Krankheitsüber-
mehreren Eingängen und getrennter Schlaf- trägerin und Vorratsschädling muß die Wan-
und Vorratskammer. Hier lagert er bis zu 15 kg derratte nach wie vor intensiv oekämpft wer-
Vorräte. Von Oktober bis März hält der Ham- den. Dabei können Beutegreifer wie größere
ster seinen Winterschlaf, aus dem er etwa Eulen, Graureiher, vor allem aber Katzen und
wöchentlich erwacht, um von seinen Vorräten Hunde, Steinmarder und Iltisse sehr hilfreich
zu fressen. sein. Der Einsatz von Gift zur Rattenbekämp-
fung kann, vor allem wenn er zu leichtfertig

2 Ziesel
Citellus citellus

KR 18-23 cm S 6 cm G knapp 300 g


erfolgt, für Mensch und Haustiere gefährlich
sein. Besser ist es dagegen, die Ursache für
die starke Vermehrung oder Konzentration der
Ratten zu beheben.
Kennzeichen: Oberseits gelbgrau mit un-
deutlichen Flecken; rattengroß, aber kräftiger;
Aufrichten (Männchenmachen) bei Störung
oder Gefahr; schrilles Reifen. Vorkommen:
Auf Brach- und am Rande von Kulturland;
4 Hausratte
Rattus rattus

KR 20 cm S25cm G -250 g
zerstreutes Vorkommen von Bulgarien bis Kennzeichen: Schwanz länger als der Kör-
Polen und Tschechien. Wissenswertes: per; meist dunkler und graziler als die Wan-
Auch das Ziesel gräbt tiefe Baue und hält derratte.
darin seinen Winterschlaf. Es hat kleinere Vorkommen: Ebenfalls weltweit verbreitet;
Backentaschen als der Hamster; darin trägt wohl schon in frühgeschichtlicher Zeit im Ge-
es Futter in seinen Bau, um es dort zu folge des Menschen aus Südostasien nach
fressen. Auf seinem Speiseplan stehen Europa gelangt; häufiger auf Dachböden als
auch Feldfrüchte, weshalb es vielfach als in Kellern.
Schädling verfolgt wird. Wissenswertes: Die Konkurrenz der Wan-
derratte und die Abdichtung der Böden und

3
Wanderratte Lagerräume geben der Hausratte, der ge-
Rattus norvegicus fürchteten Krankheitsüberträgerin des Mittel-
alters (Pest), heute keine Chance mehr. Wahr-
KR 25 cm S20cm G-500 g scheinlich sind schon große Teile Mitteleuro-
Kennzeichen: Schwanz kürzer als der Kör- pas hausrattenfrei.
Säugetiere

Die Nager auf dieser Seite gehören zur Fami-

3
Schneemaus
lie der Wühlmäuse. Sie leben in selbstge- Microtus nivalis
wühlten unterirdischen Gängen und haben ei-
nen walzenförmig gedrungenen Körper und KR 11 cm S5cm G 48 g Kennzeichen:
kurzen Schwanz. Hellgraues Fell; relativ langer Schwanz und
lange Hinterfüße. Vorkommen: In den
Hochgebirgen oberhalb der Baumgrenze auf

1
Feldmaus
Microtus arvalis Almen und Geröll. Wissenswertes: Häufiger
als andere Wühlmäuse auch am Tage zu
KR 10cm S4cm G 20-40g beobachten.
Kennzeichen: Fließender Übergang zwi-
schen bräunlichgrauer Ober- und gelblich

4
Kurzohrmaus
grauer Unterseite; Fell kurzhaarig, weich; Oh- Pitymys subterraneus
ren deutlich sichtbar.
Vorkommen: In Mitteleuropa allgemein ver- KR 9cm S 3,5cm G 20 g
breitet; außer im Walde überall anzutreffen; Kennzeichen: Feldmausähnlich, jedoch
häufigste heimische Säugetierart. noch kleinere Augen und kürzere Ohren.
Wissenswertes: Die Feldmaus zeichnet sich Vorkommen: In Mitteleuropa - außer im
durch ein extremes Vermehrungspotential Norden - auf feuchtem Grünland und in lich-
aus. Ein Weibchen wirft im Jahr bis zu sechs- ten Laubwäldern; auch in Gärten.
mal jeweils bis zu 10 Junge, die erst nach 10 Wissenswertes: Die Kurzohrmaus ist eine
Tagen die Augen öffnen. Bereits 2 Tage später von mehreren einander sehr ähnlichen Klein-
können die Weibchen geschlechtsreif sein. wühlmaus-Arten. Sie lebt nahezu ständig un-
Theoretisch könnte ein Weibchen im Laufe ter der Erde und ernährt sich von Pflanzen-
eines Jahres mit Kindern und Kindeskindern wurzeln.
über 500 Nachkommen haben. Vermehrung
ist auch in milden Wintern möglich. Die Mas-

5
Ostschermaus
senvermehrung endet jeweils nach 3-5 Jah- Arvicola terrestris
ren mit einem Zusammenbruch des Feld-
mausbestandes. Eine große Zahl Mauselö- KR 16,5 cm S9cm G100-200 g
cher (ca. 3,5cm Durchmesser) und oberirdi- Kennzeichen: Doppelte Feldmaus-Größe;
scher Laufgänge deutet darauf hin, daß sich Schwanz halb so lang wie Kopf und Rumpf.
der Bestand auf den Gipfelpunkt zubewegt. Vorkommen: In Mitteleuropa sowohl an
Ufern als auch im Kulturland.

2
Erdmaus Wissenswertes: Viele Schermäuse schwim-
Microtus agrestis men und tauchen regelmäßig, fliehen zum
Wasser und graben Gänge in Steilufer; andere
KR 10cm S4cm G 30-40 g leben weit von Gewässern entfernt.
Kennzeichen: Der Feldmaus sehr ähnlich;
Fell etwas länger und rauher; Ohren in langen
Rötelmaus
Haaren kaum sichtbar.
Vorkommen: In ganz Mitteleuropa; vor allem
in feuchteren und kühleren Biotopen; Grün-
6 Clethhonomys glareolus

KR 10cm S5cm G 25 g
land, vegetationsreiche Kahlschläge und Kennzeichen: Größe wie Feldmaus, aber
Forstkulturen. längerer Schwanz; Fell rötlich braun.
Wissenswertes: Die Gangsysteme, die Ver- Vorkommen: Vegetationsreiche Wälder, Ge-
mehrungsfreudigkeit und der allerdings etwas büsche und Parks.
raschere Massenwechsel erinnern an die Wissenswertes: Die Art, die auch als Wald-
Feldmaus. Insgesamt aber ist die Erdmaus wühlmaus bezeichnet wird, klettert gut und
weniger stark auf die unterirdische Lebens- benagt Zweige. Sie ist leichter und häufiger zu
weise eingestellt. beobachten als andere.
Säugetiere

Die zur Ordnung der Nagetiere gehörige Fa- Vorkommen: Strenger an Wälder gebunden
milie der Echten Mäuse ist sehr artenreich. als die Waldmaus; im Westen in weiten Berei-
Zu ihr gehören auch die bereits auf Seite 46 chen fehlend.
behandelte Wander- und die Hausratte. Ge- Wissenswertes: Wie die Waldmaus so
meinsame Merkmale der Echten Mäuse sind kommt auch die Gelbhalsmaus im Winter ge-
lange Schwänze, spitzere Schnauzen, größere legentlich in die Gebäude. In der Kletterge-
Augen und Ohren als bei den Wühlmäusen. wandtheit und der Sprungweite übertrifft sie
die Waldmaus noch; man hat sie sogar in
Baumwipfeln angetroffen. Eicheln und Buch-

1
Hausmaus
Mus musculus eckern haben es ihr besonders angetan. Ihre
Vorräte deponiert sie nicht selten in Vogel-
KR 8-9 cm S 6-9 cm G 20-30 g nistkästen.
Kennzeichen: Westliche Rasse grau
(Schwanz so lang wie Kopf und Rumpf), öst-

4
Brandmaus
liche Rasse braun (Schwanz kürzer); muffiger Apodemus agrarius
„Mäusegeruch".
Vorkommen: Durch den Menschen weltweit KR 10cm S 7,5cm G 20 g
verschleppt; eng an Gebäude gebunden. Kennzeichen: Scharf abgesetzter schwarzer
Wissenswertes: Im Schutz von Dachböden Aalstrich vom Kopf bis zur Schwanzwurzel;
und Lagerräumen, Kellern und Ställen zieht Schwanz und Ohren kürzer als bei der Wald-
die Hausmaus ganzjährig ihren Nachwuchs und der Gelbhalsmaus. Vorkommen: Nur
groß. Ihre Nester baut sie aus zerfetzten Lum- im Nordosten geschlossene Verbreitung;
pen und Papier. Sie ist die Stammform der vorzugsweise in Randbereichen von
Weißen Labomaus, mit der sie den unange- Wäldern, Kulturland und Gewässern. ,
nehmen Geruch gemein hat. Wissenswertes: Die Art ist stärker tagaktiv
als die vorangehenden Langschwanzmäuse.

2
Waldmaus Sie scheint heute vielerorts deutlich seltener
Apodemus sylvaticus zu sein als in früheren Jahren.

KR 9cm S9cm G 25 g Kennzeichen:

5
Zwergmaus
Manchmal längsgestreckter Kehlfleck, aber Micromys minutus
kein geschlossenes Halsband; Schwanz so
lang wie Kopf und Rumpf. Vorkommen: KR 6cm S 6cm G 5-8 g
Sowohl in unterholzarmen Wäldern als Kennzeichen: Einer der kleinsten Nager;
auch in der offenen Feldflur, in Gärten und Schwanz als Greiforgan. Vorkommen: In
Parks; im Winter auch in Gebäuden; ganz Mitteleuropa, aber vorzugsweise in der
häufigste langschwänzige Maus. Ebene; in Vegetation aus hohen Gräsern
Wissenswertes: Der kleine, stets quickle- und Kräutern, örtlich auch in Getreidefeldern.
bendige Nager klettert gern und springt bis zu Wissenswertes: Die Zwergmaus vermag an
80 cm weit. Er frißt Samen und Früchte von Gras- und Getreidehalmen emporzuklettern.
Gräsern, Kräutern und Gehölzen und trägt sie Beim Abwärtsklettern hält sie sich mit dem
auch in seine Vorratskammer. Schwanz am Halm fest. Das kugelförmige
Nest (5b) der Zwergmaus hat einen Durch
Gelbhalsmaus messer von ca. 5-7 cm und zwei seitliche Ein

3 Apodemus flavicollis

KR 10cm S 11cm G 35 g
gänge; es steht an Gras- oder Getreidehal-
men bis zu 1,20 m hoch über dem Boden. Das
Nest für die Aufzucht der Jungen ist etwas
Kennzeichen: Größerer gelblicher Kehlfleck, größer und hat nur einen einzigen seitlichen
oft als breites Halsband; größer als die Wald- Eingang. ,
maus; Schwanz etwas länger als Kopf und
Rumpf.
Säugetiere

Fledermäuse Arten im Bestand gefährdet sind. Zu den


Von den weltweit rund 1000 Arten kommen Gründen für den rapiden Rückgang der Arten
nur 32 in Europa (22 in Mitteleuropa) vor. Sie in den letzten 40 Jahren gehören u.a. der
haben mit den bislang erwähnten Mäusen gar Verlust an Sommer- und Winterquartieren
nichts zu tun, gehören zu einer eigenen Ord- durch Verschluß der Einflugöffnungen und der
nung (Fiedertiere) und stehen den Insekten- Mangel an größeren Fluginsekten infolge In-
fressern näher als den Nagetieren. Unter den sektizideinsatz und Beseitigung von „Insek-
Säugetieren sind die Fledermäuse mit den tenbrutstätten". Dennoch sollen hier einige Ar-
meisten einmaligen und den bewundernswer- ten kurz aufgeführt werden:
testen Fähigkeiten ausgestattet: Sie sind als
einzige Säugetiere zu aktivem Flug fähig.

1
Zwergfledermaus
Dazu verfügen sie über eine dünne Flughaut, Pipistrellus pipistrellus
die sich vom Hals, den Körperseiten und dem
Schwanz unter Einbezug der kurzen Hinter- KR 4cm S 3cm Sp 20cm G 5 g Die
beine bis zu den Fingerspitzen erstreckt. Die kleinste heimische Fledermausart ist gern in
stark verlängerten Unterarm-, Mittelhand- und Siedlungsnähe und oft schon in den
Fingerknochen, die noch bis in Details den Abendstunden aktiv.
Grundbauplan der Säugerextrernität erkennen
lassen, sorgen für die Ausstreckung und Ver-

2
Braunes Langohr
steifung der Flügel. Sie haben mit der Ultra- Plecotus auritus
schall-Echopeilung ein einzigartiges Orientie-
rungsverfahren entwickelt: Das Echo ihrer kur- KR 5cm S 5cm Sp 25cm G 8g
zen, hochfrequenten Peillaute (30000 bis Diese Art, die durch extrem lange Ohren und
70000 Schwingungen je Sekunde) vermittelt langsamen Flug auffällt, startet erst nach Ein-
ihnen ein differenziertes Schallbild ihrer Um- bruch der Dunkelheit zum Jagdflug.
gebung. - Die jungen Fledermäuse werden
auch dann im Frühjahr geboren, wenn die

3
Fransenfleder m aus
Begattung schon im Herbst erfolgte, weil die
Myotis nattereri
Spermien während des Winterschlafs im Ute-
rus aufbewahrt werden und erst danach die
KR 5cm S 4cm Sp 25cm G 8g
Eizelle befruchten. Die meisten Fledermaus-
Sie kommt erst spät aus ihrem Versteck; sie
weibchen bringen im Jahr ein Junges zur
überwintert meistens in Höhlen.
Welt. Unter Ausschluß der Männchen erfolgen
Geburt und Aufzucht der Jungen in den aus

4
mehreren bis zahlreichen Weibchen gebilde- Abendsegler
Nyctalus noctula
ten „Wochenstuben". Die Jungen sind nackte
und blinde Nesthocker, die erst nach etwa 3
K R 7 c m S 5 c m S p 3 6 c m G 3 0 g Oft
Wochen flugfähig werden. - Nicht nur beim
schon am Nachmittag verläßt diese Art
Winter-, sondern auch beim regulären Tag-
Baumhöhlen und Mauerspalten und jagt zwi-
schlaf sinkt bei kühler Witterung die Körper-
schen Schwalben und Seglern mit einer Flug-
temperatur der Fledermäuse deutlich ab und
geschwindigkeit von bis zu 50 km/h nach
hilft so Energie zu sparen. Zwischen ihrem
Sommeraufenthalt und bestimmten traditio- Fluginsekten.
nellen Winterquartieren machen manche Fle-

5
dermausarten bestens orientiert mehrere 100 Kleine Hufeisennase
Kilometer lange Wanderungen. Nur für den Rhinolophus hipposideros
Spezialisten und in den Winterquartieren sind
die nachtaktiven Fledermäuse eindeutig KR 4cm S 3cm Sp 23cm G 7 g
unterscheidbar. Während des Winterschlafs Der namengebende häutige Nasenaufsatz
aber sollte jede Störung unterbleiben, zumal bündelt die Orientierungslaute. Beim Schlaf
in Mitteleuropa alle Fledermaus- liegen die Flügel wie ein Mantel über dem
Körper.
Säugetiere

lgel Erinaceus europaeus ausgepolsterte Nest. Maulwürfe gehören zu

I KR 26cm S3cm G 1 kg Kennzeichen:


Allgemein bekannt; es handelt sich um den
den geschützten Tierarten und dürfen auch in
Gärten nicht getötet werden.

Westigel, von dem sich der Ostigel Spitzmäuse


[Erinaceus concolor) durch weiße Kehle und haben mit den Echten Mäusen und den Wühl-
Brust unterscheidet. Vorkommen: Allgemein mäusen, die zu den Nagetieren gehören, nur
verbreitet; Waldränder, Hecken, Gebüsche, die Größe und - zumindest grob - Färbung
Gärten und Parks. Das Verbreitungsgebiet und Gestalt gemeinsam. Die Spitzmäuse ge-
des Ostigels beginnt im östlichsten Teil hören mit dem Igel und dem Maulwurf zu den
Mitteleuropas und überlappt sich nur auf Insektenfressern. Sie sind kleine Beutegreifer
einem schmalen Streifen mit dem des mit einer spitzen, rüsselartigen Schnauze und
Westigels, dessen Vorkommen auch das nadelspitzen Zähnchen. Die Familie der Spitz-
südliche Skandinavien abdeckt. mäuse ist mit 250 Arten außer in Australien,
Wissenswertes: Es ist erstaunlich, daß der Ozeanien und den polnahen Gebieten welt-
Igel trotz der enormen Verluste auf den Stra- weit verbreitet. 10 Arten kommen auch in Mit-
ßen in unserer vom Verkehr beherrschten Kul- teleuropa vor. Spitzmäuse lassen oft zwit-
turlandschaft bislang überlebt hat. Ob die schernde Laute hören.
Überwinterung zu kleiner, d.h. weniger als 500
g schwerer Igel in der Obhut des Menschen

3
Hausspitzmaus
sinnvoll ist, bleibt auch unter Experten um- Crocidura russula
stritten. Zweifellos sind das Liegenlassen von
Welklaub und Reisighaufen in den Gärten und KR 8cm S 4cm G 10 g
der Verzicht auf chemische Mittel zur Schäd- Kennzeichen: Graubraune Oberseite, flie-
lingsbekämpfung die besseren Beiträge zur ßend in die hellere Unterseite übergehend.
Igelhege. Vorkommen: Vor allem im Südwesten; vor-
zugsweise in milderen Landstrichen; gern
auch an und in Gebäuden.

2
Maulwurf
Talpa europaea

4
Wasserspitzmaus
KR 14cm S 2,5cm G 100g Neomys fodiens
Kennzeichen: Dunkles samtartiges Fell; wal-
zenförmiger Körper mit spitzer Schnauze und KR 8cm S 6,5cm G 1 6 g Kennzeichen:
ohne Hals; große schaufelartige Vorderfüße. Recht kräftige Tiere; grauschwarze Ober-
Vorkommen: In ganz Mitteleuropa auf Grün- und hellere Unterseite, scharf gegeneinander
land und Feldern, auch in Gärten. abgesetzt. Vorkommen: Weit verbreitet im
Wissenswertes: Der Maulwurf gilt als ein Uferbereich stehender und fließender
Paradebeispiel für eine hochspezialisierte Art. Gewässer aller Art. Wissenswertes: Die
|Von der Körpergestalt über die Grabschau- Wasserspitzmaus hält sich zur
feln, das dichte und strichfreie Fell bis hin zu Nahrungssuche überwiegend im Wasser auf.
den winzigen Augen erklären sich alle Be- Sie schwimmt gewandt und taucht bis zu 20
sonderheiten aus der Anpassung an die un- Sekunden lang. Der kleine, aber sehr effektive
terirdische Lebensweise. Das Gangsystem Beutegreifer macht sich nicht nur an Würmer
dient als Pirschpfad, von dem regelmäßig die und Schnecken heran, sondern stellt auch
dort eingedrungenen Würmer, Insektenlarven kleinen Fischen und Fröschen nach. Seine
und Schnecken abgesammelt werden. Über- Beute schleppt er bis in. ein geeignetes
schüssige Erde wird in Form von „Maulwurfs- Versteck, bevor er sie verzehrt. Reste von
haufen" an die Oberfläche befördert; unter Schneckengehäusen und Fisch- und Frosch-
einem besonders großen Haufen befindet sich skeletten, am Ufer vereinzelt angehäuft, deu-
meistens das mit Welklaub, Gräsern und Moos ten meistens auf Aktivitäten der Wasserspitz-
maus hin.
Säugetiere

scheinung beobachtet und als „Karawanen-

1
Waldspitzmaus
Sorex araneus bildung" beschrieben.

KR 7cm S 4,5cm G 1 0 g Kennzeichen:

4
Gartenspitzmaus
Rücken dunkelbraun, Flanken hellbraun, Crocidura suaveolens
Unterseite heller; jeweils deutlich
gegeneinander abgesetzt; knapp hausmaus- KR 6,5cm S 3,5cm G 8 g
groß. Kennzeichen: Ähnlich der Hausspitzmaus,
Vorkommen: In sehr unterschiedlichen offe- nur keine derart scharfe Farbabgrenzung.
nen und bewaldeten Lebensräumen; im äu- Vorkommen: Nur in Teilen des südlichen
ßersten Westen Mitteleuropas statt ihrer die Mitteleuropas; ähnliche Lebensräume wie
sehr ähnliche Schabrackenspitzmaus. Hausspitzmaus; agrares Kulturland; beson-
ders gern in Komposthaufen, aber auch in
Ställen und Kellern.

2
Zwergspitzmaus
Sorex minutus

5
Alpenspitzmaus
KR 5 cm S 4cm G 4,5 g Kennzeichen: Sorex alpinus
Deutlich kleiner als die Waldspitzmaus; relativ
längerer Schwanz. Vorkommen: In fast ganz KR 7 cm S 7 cm G 10 g Kennzeichen:
Europa in ähnlichen Lebensräumen Schwanz so lang wie der Körper; Farbe
heimisch wie die Waldspitzmaus, aber einheitlich dunkelgrau. Vorkommen: In den
meistens seltener. Wissenswertes: Die Alpen und in einigen Mittelgebirgen.
Zwergspitzmaus ist das kleinste Säugetier
Mitteleuropas. Sie erbeutet vor allem Insekten Spitzmäuse verteilen ihre kurzen Ruhepha-
und Schnecken, ihrer Körpergröße sen ziemlich gleichmäßig über den Tag und
entsprechend meistens kleinere Beutetiere die Nacht. Sie wechseln kurzfristig, oft etwa
als die anderen Spitzmausarten. Auch wenn stündlich, zwischen Ruhe und Aktivität. Und
sie keinem Beutegreifer zum Opfer fallen, das im Sommer ebenso wie im Winter - einen
werden Spitzmäuse in aller Regel nur 1 -1,5 Winterschlaf kennen sie nicht! Angesichts der
Jahre alt. Mit zwei Würfen bringt ein Weibchen tierischen Nahrung, der geringen Körper-
im Laufe seines Lebens rund 10-14 Junge zur größe und des schnellen Stoffumsatzes der
Welt. quicklebendigen Tierchen ist das schon er-
staunlich und problematisch zugleich, beläuft
sich doch der tägliche Nahrungsbedarf auf

3
Feldspitzmaus
Crocidura leucodon Insekten, Würmer und Weichtiere in Höhe des
eigenen Körpergewichtes. Ohne Nahrung ver-
KR 7,5cm S 3,5cm G 1 0 g hungern sie innerhalb weniger Stunden, z.B.
Kennzeichen: Graue Oberseite scharf von wenn sie in Lebendfallen geraten. Alle auf
der weißlichen Unterseite abgesetzt; Ohren Mäuse im weitesten Sinne spezialisierten
deutlich sichtbar. Greifvögel und Eulen schlagen auch Spitz-
Vorkommen: In Mitteleuropa weit verbreitet, mäuse, aber nur die Vögel fressen sie, die
fehlt im Norden; agrare Kulturlandschaft; im Säuger lassen sich meistens vom starken Mo-
Winter auch in Ställen und Kellern. schusgeruch abschrecken. Sie fangen zwar
Wissenswertes: Ein nicht alltägliches Ver- Spitzmäuse, verschmähen sie aber dann
halten zeigen Weibchen und Jungtiere, wenn doch. Angesichts der vielen Feinde konnten
sie - z.B. nach Störung - umziehen müssen. die Spitzmäuse nur durch ständige Wachsam-
Ein oder zwei Jungtiere halten sich mit den keit und ein Leben in dichter Bodenvegetation
Zähnchen an de' Schwanzwurzel der Mutter oder in Erdgängen überleben; das Klettern ist
fest, weitere Jungtiere in gleicherweise an der nicht ihre Sache und wird nur ausnahmsweise
Schwanzwurzel der Geschwister. Schon einmal beobachtet.
mehrfach wurde diese ungewöhnliche Er-
Vögel

gangspunkt für die Ansiedlung ganzer Mehl-

1 Rauchschwalbe
Hirundo rustica schwalbenkolonien.

3
L 15+4 cm bekannt Apr.-Okt. Uferschwalbe
Kennzeichen: Leichter Flug; dunkelblaue Riparia riparia
glänzende Oberseite; lange Schwanzspieße.
Vorkommen: In Dörfern und auf Gehöften. L 12 cm « Rauchschwalbe Apr.-Sept.
Wissenswertes: Der Rückgang der Rauch- Kennzeichen: Oberseits erdfarben braun,
schwalben hat viele Ursachen: verringertes unterseits weiß mit braunem Brustband;
Nahrungsangebot (Fluginsekten) durch Pesti- Schwanz nur leicht gegabelt. Vorkommen:
zideinsatz und Trockenlegung von Feuchtge- Nur noch punktuell oder gebietsweise; an
bieten, immer weniger Einflugmöglichkeiten Gewässern mit Steilufern sowie in Sand- und
an Gebäuden, Mangel an feuchtem lehmigen Kiesgruben. Wissenswertes: Die
Boden als Nistmaterial und zunehmende Ver- Uferschwalbe ist ein vorzügliches Beispiel für
luste auf dem Zug und in den tropischen die Farbanpassung einer Tierart an die
Überwinterungsgebieten. Als Frühlingsboten, Umgebung ihres Brutplatzes. Zahl und Größe
Glücksbringer und Symbole der Liebe bedeu- der Brutkolonien (3b) sind drastisch
ten die Schwalben dem Menschen mehr als zurückgegangen. Zur Anlage i h r e r N e s t e r ,
die meisten anderen Vögel. Die ihnen nachge- d i e s i c h a m E n d e e i n e s 60-100 cm
sagte Partnertreue gilt jedoch jeweils nur für langen Ganges mit querovaler Öffnung im
einen Sommer („Saisonehe"), und wenn dar- Boden befinden, brauchen die Ufer-,
über hinaus, dann deshalb, weil sich beide schwalben steile Abbruchufer (Prallhänge) an
Partner meist wieder zum vorjährigen Nest Flüssen oder Steilwände in Sand- oder Kies-
hingezogen fühlen. Auf die Vorliebe für dunkle abgrabungen. Durch Gewässerausbau und
Ecken im Gebäude, oft sogar im Qualm des Uferbefestigung wurden ihnen viele ursprüng-
Kamins, geht der Name „Rauchschwalbe" zu- liche Brutplätze genommen. Abgrabungen
rück. bieten meistens nur vorübergehend Ersatz. In-
zwischen aber nimmt die Bereitschaft der
Wasserbauer zu, Uferabschnitte von Flüssen

2 Mehlschwalbe
Delichon urbica

L 1 3 c m <Rauchschwalbe Apr.-Okt.
naturnäher zu gestalten und auch Uferabbrü-
che zuzulassen, so daß die Uferschwalben
wieder neue Chancen erhalten.
Kennzeichen: Unterseite weiß; Oberseite
blauschwarz mit weißem Bürzel; weniger stark

4
Felsenschwalbe
gegabelter Schwanz. Ptyonoprogne rupestris
Vorkommen: Außer in Dörfern auch in Klein-
städten und Stadtrandsiedlungen. L14cm < Rauchschwalbe März-Okt.
Wissenswertes: Im Gegensatz zu den Kennzeichen: Ähnlich der Uferschwalbe,
Rauchschwalben, die ihre halboffenen Nester aber ohne braunes Brustband; Schwanz nicht
(2a) meistens in den Gebäuden haben, bevor- gegabelt.
zugen die Mehlschwalben für ihre halbkuge- Vorkommen: An Felsen, in Schluchten und
ligen, fast geschlossenen Nester die Außen- in engen Flußtälern des Mittelmeerraumes,
wände unter den Dachvorsprüngen. Leider vereinzelt aber auch in Österreich, in der
werden noch immer Schwalben von übermä- Schweiz und in Bayern. Wissenswertes: Die
ßig reinlichen Hausbesitzern vertrieben oder Nester der Felsenschwalben sind den
durch Drähte von der Hauswand ferngehalten. napfförmigen Nestern der Rauchschwalben
Dabei wäre ein Kotbrett leicht angebracht. Wo ähnlich. Man findet sie an zerklüfteten
Schwalbennester wegen der Erschütterung Felsen und in schwer zugänglichen
durch LKW-Verkehr abstürzen, können im Felsspalten und Höhlen, neuerdings aber
Handel erhältliche Kunstnester hilfreich sein. auch schon einmal an Gebäuden und unter
Einzelne Kunstnester waren schon der Aus- Autobahnbrücken.
Vögel

sind, ist schwer zu entscheiden. Daß es die Art

1
Feldlerche
Alauda arvensis schon früher in Mitteleuropa gab, bezeugte
Conrad Gesner bereits im 16. Jahrhundert.
L 18cm »Sperling Febr.-Nov. Weil sie oft an Fußwegen gesehen werde,
Kennzeichen: Brauner Vogel mit dunkler ge- nannte er sie „Weglerche".
streifter Oberseite und Brust; markanter Sing-
flug.

3
Heidelerche
Vorkommen: Allgemein verbreitet auf land- Lullula arborea
wirtschaftlichen Nutzflächen, aber auch auf
Heiden, in Mooren, Dünen und auf größeren L 15cm —Sperling Febr.-Okt.
Kahlschlägen. Kennzeichen: Deutlich kleiner und kurz-
Wissenswertes: Die bekannten und vom schwänziger als die Feldlerche; Gesang mit
Menschen schon immer bewunderen Sing- weichen, klangvollen Trillern („lülülü") nicht
flüge (1b) dauern 2-3 Minuten, gelegentlich nur im Flug, sondern auch von Baumspitzen
aber auch eine Stunde lang. „Höher zu Dir" aus.
soll die Feldlerche singen, die im Volksmund Vorkommen: In Trockengebieten vor allem
auch als „Himmelssängerin" verehrt wird. Zu in Kiefernheiden, an Waldrändern und auf
Mariä Lichtmeß (2. Februar) sollte sie sich Kahlschlägen; allerdings nur noch sehr spo-
erstmalig vernehmen lassen. Beim Aufwärts- radisch.
steigen singt sie besonders intensiv, um - fast Wissenswertes: Das stimmungsvolle Du-
dem Auge entschwunden - im Singflug zu deln der Heidelerche gab früher vielen kar-
kreisen und zu rütteln. Beim Abstieg schießt gen, mit Gehölzen nur licht bewachsenen Ge-
sie die letzten 10-15 m stumm herab. Die In- genden ein besonderes Gepräge. Die Verän-
tensivierung der Landwirtschaft auf riesigen derung der Landschaftsstruktur durch höhere
Schlägen und unter Einbezug der Raine, der forstliche und landwirtschaftliche Nutzungsin-
Biozideinsatz und die Ausweitung des Mais- tensität ließ die Lebensräume der Art
anbaus haben neben anderen Faktoren dazu schrumpfen. Noch aber hört man hier und dort
beigetragen, daß dieser früher allgegenwär- bei Tag und oft auch bei Nacht das Lied der
tige Charaktervogel der Felder, Wiesen und Heidelerche, die im Singflug besonders weite
Weiden heute längst nicht mehr so zahlreich Spiralen zieht.
anzutreffen ist wie noch in der ersten Hälfte

4
des Jahrhunderts. Ohrenlerche
Eremophila alpestris

2
Haubenlerche
L 1 7c m Sperling Okt.-Apr.
Galerida cristata
Kennzeichen: Gelbliches Gesicht; Männ-
L 17cm >Sperling Jan.-Dez. chen (4a) mit schwarzen Flecken unter der
Kennzeichen: Der Feldlerche ähnlich, doch Kehle und auf den Wangen. Vorkommen:
mit auffälliger Haube; nur kurze Gesangsmo- Regelmäßiger Wintergast an den Küsten der
tive, meist vom Boden aus vorgetragen. südlichen Nord- und der westlichen Ostsee.
Vorkommen: Nur lokal verbreitet; meistens Wissenswertes: Während der Brutzeit leben
auf Bodenaushub in Siedlungsgebieten, an die Ohrenlerchen in baumlosen Tundren
Straßen, in Bahn- und Industriegelände; auf Nordeuropas, aber auch in baumarmen Ge-
Trockenstandorten mit wenig oder gar keiner birgslandschaften des Südens, z.B. auf dem
Vegetation. Balkan. Die aus dem Norden stammenden
Wissenswertes: Die Haubenlerche zieht Wintergäste, die oft mit nordischen Ammern
sich gegenwärtig aus weiten Teilen ihres mit- vergesellschaftet sind, halten sich meistens in
teleuropäischen Brutgebietes zurück, nach- niedriger Vegetation in Küstennähe auf. Sie
dem sie sich im vorigen Jahrhundert deutlich sind am Boden optimal getarnt und werden
ausbreitete. Ob Umweltveränderungen oder meist erst beim Auffliegen bemerkt.
Klimaschwankungen dafür ausschlaggebend
Vögel

1 Baumpieper
Anthus trivialis
3
Brachpieper
Anthus campesths

L 1 5 c m -Sperling Apr.-Sept. L 16cm —Sperling Apr.-Sept.


Kennzeichen: Lerchenähnlich, aber schlan- Kennzeichen: Schlank und langschwänzig
ker; kräftiger Gesang - von einer hohen Warte wie eine Stelze; mit ungestreifter Brust.
aus oder im Singflug vorgetragen - endet mit Vorkommen: In Sandgebieten, vornehmlich
„zia-zia-zia". in Wildland, nach der Brutzeit auch auf Fel-
Vorkommen: Vor allem auf Kahlschlägen mit dern und Wiesen; nur lokal verbreitet.
Birken- oder Weidenanflug oder mit jungen Wissenswertes: Vogelkundler beobachten
Kulturen; auch an Waldrändern, auf Waldlich- beim Brachpieper einen starken Bestands-
tungen und auf mit Gehölzen durchsetzten rückgang, der möglicherweise auf Biotop-
Heiden und Mooren (deutlicher Unterschied veränderungen zurückzuführen ist. Stickstoff-
zum Wiesenpieper); recht weit verbreitet. eintrag, der zur Eutrophierung und damit zur
Wissenswertes: Die Pieper sind mit den Verdrängung der früher kurzrasigen, schütte-
Stelzen verwandt und leben wie diese über- ren Magervegetation durch dichte Hochstau-
wiegend auf dem Boden. Hier brüten sie auch, den führt, spielt da wahrscheinlich eine wich-
vor allem auf Kahlschlägen mit allmählich auf- tige Rolle. Zum wellenförmigen Singflug kann
kommendem Strauchwuchs. Mit dem Rück- der Brachpieper von einer Warte oder vom
gang der Kahlschläge infolge des Übergangs Boden aus starten. Als Langstreckenzieher
zu naturnäheren kahlschlagfreien Waldbau- überwintert er südlich der Sahara in der
methoden verliert der Baumpieper für ihn Sahelzone.
wichtige Brutbiotope. Mit den Lerchen hat er
den Singflug gemeinsam, der ihn in 20-30 m

4
Wasserpieper
Höhe führt. Während der Baumpieper ziem- Anthus spinoletta
lich gerade aufsteigt, fliegt er bei der Landung
meistens etwas seitlich zum Ausgangspunkt L 16cm —Sperling Jan.-Dez.
zurück. Als Zugvogel wandert er regelmäßig Kennzeichen: Der einzige Pieper mit dunk-
bis nach Afrika, wo er sehr häufig im Savan- len Beinen; sonst anderen Pieperarten recht
nengürtel überwintert. ähnlich.
Vorkommen: Häufiger Brutvogel im Hoch-

2 Wiesenpieper
Anthus pratensis

L 1 5 c m ~ Sperling Jan.-Dez.
gebirge; im Winter aber auch regelmäßig in
Flußtälern, an Ufern von Seen und an der
Meeresküste.
Wissenswertes: Die Art tritt in Mitteleuropa
Kennzeichen: Vom Baumpieper vor allem in mindestens zwei auch im Gelände unter-
durch Biotop und Stimme unterschieden; mar- scheidbaren Rassen auf. Als Bergpieper (4a)
kanter Flugruf „ist-ist". ist sie Brutvogel oberhalb der Baumgrenze in
Vorkommen: Im offenen Gelände: auf nicht den Hochgebirgen und vereinzelt auch in den
zu trockenem Grünland, in Mooren, Heiden höheren Mittelgebirgen wie dem Harz. Als
und Dünen; in geeigneten Biotopen nicht sel- Strandpieper (4b) hat sie ihre Brutplätze an
ten. felsigen Küsten West- und Nordeuropas. Im
Wissenswertes: Der Wiesenpieper hat ei- Winterhalbjahr sind sowohl die helleren Berg-
nen Singflug mit feinen sirrenden Trillern. Da- ais auch die etwas dunkleren, vor allem unter-
bei steigt er in Spiralen oft steil aufwärts und seits dichter gestreiften Strandpieper auch im
kommt mit ausgestreckten Flügeln ebenfalls Binnenland und in tieferen Lagen anzutreffen.
steil herab („Fallschirm-Imponierbalz"). Auch An Schlafplätzen versammeln sich außerhalb
im Winter sind gelegentlich Wiesenpieper in der Brutzeit oft über 100 Wasserpieper, blei-
Mitteleuropa anzutreffen. Die Hauptüberwin- ben aber meistens unentdeckt, weil selbst
terungsgebiete aber liegen in den Mittelmeer- viele Ornithologen die verschiedenen Pieper-
ländern. arten nicht sicher unterscheiden können.
Vögel

im Tiefland, sonst nur noch punktuelle Vor-

1
Bachstelze
Motacilla alba kommen.
Wissenswertes: Die „Gelbe Bachstelze"
L 18cm >Sperling Febr.-Nov. wird wegen ihrer Vorliebe für Grünland und
Kennzeichen: Langschwänzig; schwarz, die Nachbarschaft des Weideviehs auch
weiß und grau gezeichnet; niemals gelbe Ge- „Viehstelze" und „Kuhstelze" genannt. Sie ni-
fiederanteile. stet am Boden. Ihr fast überall sehr auffälliger
Vorkommen: Ursprünglich an Bach- und Bestandsrückgang wira mit der Intensivierung
Flußufern; heute überall in der offenen Land- der Grünlandnutzung in Zusammenhang ge-
schaft; als Zivilisationsfolger zunehmend auch bracht.
in urban-industriellen Lebensräumen.
Wissenswertes: Alle Stelzen wippen mit ih- Gebirgsstelze Motacilla
rem langen Schwanz, der besonders auffällig
ist und ihnen auch den plattdeutschen Namen
„Wippstert" eintrug. Ein anderes, allen drei Ar-
3 cinerea

L 18cm >Sperling Jan.-Dez.


ten gemeinsames Merkmal ist der wellenför- Kennzeichen: Grauer Rücken, gelbe bis
mige Flug. Die Bachsstelze ist die am weitesten weiße Unterseite; nur im Bereich der
verbreitete und zugleich häufigste Stelzenart, Schwanzwurzel immer gelb. Vorkommen:
die in ganz Europa brütet und in den milderen Ursprünglich an Wildbächen mit
Teilen - selbst in Mitteleuropa - gelegentlich Abbruchufern und Schotterflächen in den
zu überwintern versucht. In Großbritannien ist Mittelgebirgen, inzwischen auch an anderen
sie in einer eigenen dunkleren Rasse ver- Fließgewässern und an Wehren und Brücken
treten, die als Trauerbachstelze bezeichnet sogar vereinzelt im Tiefland. Wissenswertes:
wird. Die Bachstelze nistet in Halbhöhlen und Die Gebirgsstelze - auch Bergstelze genannt
Nischen im Gemäuer, unter defekten Dach- - ist noch langschwänziger als die anderen
ziegeln und in Dachrinnen ebenso wie in Feis- Stelzenarten. Sie bevorzugt als Neststandort
und Baumhöhlen. Auffällig sind die vor allem Steilufer oder Nischen im Mauerwerk von
im Sommer und Herbst mehrere 100 Tiere Mühlen oder Brücken. Ihre Nahrung sucht sie
umfassenden Schlafgesellschaften, die Röh- meistens am Spülsaum. Oft sieht man, wie sie
richte oder Bäume, in den Städten aber auch nach Fluginsekten in die Luft springt und
oft bewachsene Mauern und vereinzelt sogar dabei auch rüttelt.
angestrahlte und mit aufgesetzten Reklame-
lettern besetzte Kaufhausfassaden als Schlaf-
platz anfliegen. 4 Seidenschwanz
i Bombycilla garrulus

L 18cm »Sperling Nov.-Febr.

2 Schafstelze
Motacilla flava

L 17c m >Sperling Apr.-Sept.


Kennzeichen: Auffällige Haube, schwarzes
Gesichtsmuster, brauner und grauer Rücken
und gelbes Schwanzende; trillernder Ruf.
Kennzeichen: Oberseits olivgrün, unterseits Vorkommen: Sehr unregelmäßiger Winter-
gelb; Gelbanteil am Kopf variiert bei den gast in Hecken, Gebüschen, Gärten und
Männchen der verschiedenen Rassen: vom Parks; Brutvogel auf Lichtungen nordischer
gelben Kopf der englischen bis zum schwarz- Nadel- und Birkenwälder. Wissenswertes: In
grauen Kopf mit hellem Unteraugenstreifen unregelmäßigen Abständen führen
der nordischen und zum grauen Kopf ohne Invasionen im Winter Zehntausende von
Augenstreifen der mitteleuropäischen Schaf- Seidenschwänzen nach Mitteleuropa, wo sie
stelzenrasse. über die noch vorhandenen Beeren - vor allem
Vorkommen: Zunächst vor allem im feuch- der Sträucher des Wilden Schneeballs -
ten Grünland, dann auch auf trockeneren Wie- herfallen und sich durch besondere
sen und Weiden und sogar in Feldfluren; seit Zutraulichkeit den Menschen gegenüber
den 60er Jahren stark rückläufig; verbreiteter auszeichnen.
Vögel

überraschend laut. Die Männchen bauen je-

1
Wasseramsel
Cinclus cinclus weils mehrere - meist 3-6 - Wahlnester, von
denen die Weibchen eines aussuchen. In be-
L 18cm «Star Jan.-Dez. Kennzeichen: sonders günstigen Lebensräumen zeigt der
Dunkles Gefieder mit weißem Latz; Zaunkönig eine deutliche Neigung zur Viel-
zaunkönigähnliche Gestalt, nur viel größer; weiberei. Etwa ein Fünftel aller Männchen hat
immer an Fließgewässern. Vorkommen: Vor zwei oder gar drei Weibchen. Vor allem nach
allem an schnell fließenden Bächen mit kalten Wintern, in denen viele Zaunkönige
permanenter Wasserführung und nicht zu sterben, kommt es auf reichen Nachwuchs an.
starker Verunreinigung; im mittleren Schon 1-2 Jahre danach sind die Winter-
Bergland in Höhenlagen über 200 m weit verluste meistens wieder ausgeglichen.
verbreitet; hier auch in Ortschaften.
Wissenswertes: Bei Erregung knickst die

3
Heckenbraunelle Prunella
Wasseramsel, zuckt mit den Flügeln und stelzt modularis
den Schwanz empor. Sie ähnelt darin dem
Zaunkönig. Die Wasseramsel ist der einzige L 1 5c m —Sperling Jan.-Dez.
Singvogel, der schwimmend und tauchend Kennzeichen: Brauner Vogel mit dunklen
seine Nahrung erbeutet, u.a. Köcher-, Eintags- Längsstreifen und grauer Brust und Kehle.
und Steinfliegenlarven, Krebstierchen, kleine Vorkommen: Gehölze, Hecken, Parks und
Wasserschnecken, aber auch Fischchen. Mit Gärten; neuerdings auch zunehmend in Raps-
pelzdunenartigem Gefieder, kurzen Flügeln und Maisfeldern.
und mit verschließbaren Nasenöffnungen ist Wissenswertes: Als Insektenfresser hat die
die Wasseramsel gut für diese spezialisierte Heckenbraunelle einen dünnen Schnabel,
Lebensweise gerüstet. Sie taucht 3-4 Sekun- wird aber dennoch immer wieder mit Sperlin-
den, manchmal auch 3- bis 4mal so lang, gen verwechselt, mit denen sie das schlicht-
schwimmt oder läßt sich mit der Strömung braune Gefieder gemeinsam hat. Bei dieser
treiben. Gern brütet sie an und unter Brücken; Art kann man zur Zeit sehr deutlich die Ein-
sie nimmt auch regelmäßig dort angebrachte wanderung aus den Randbereichen in das
Nisthilfen an. Innere der Städte beobachten; ihrer besonde-
ren Vorliebe für die Fichte kommt die augen-
blickliche Koniferen-Mode in den Gärten sehr

2
Zaunkönig
Troglodytes troglodytes gelegen.

L 9,5 cm winzig Jan.-Dez. Kennzeichen:

4
Alpenbraunelle
Ein kleiner brauner Vogel mit kurzem, oft Prunella colians
hochgestelztem Schwanz; huscht am Boden
und in niedrigem Gezweig wie eine Maus; L 18cm »Sperling Jan.-Dez.
überraschend laute Stimme. Vorkommen: Kennzeichen: Beschränkung auf alpine Le
Sehr häufige Art in Wäldern, Parks und bensräume; größer als Heckenbraunelle
Gärten, an Gräben und Ufern. weiße Kehle dunkel gefleckt; rostbraune Strei
Wissenswertes: Schon im Althochdeut- fen an den Flanken.
schen ist für unseren Winzling der Name „Ku- Vorkommen: In den Alpen von 1200m NN
ningilin" (Königlein) belegt; Gesner nennt ihn an aufwärts; in felsigem Gelände mit niedrige
„Dumeling" (Däumling). Er ist nach den Gold- und lückiger Vegetation aus Polsterpflanze!
hähnchen die kleinste heimische Vogelart. und Gräsern; häufig.
Von 75 Zaunkönig-Arten leben 74 in der Wissenswertes: Bei Ermangelung höhere
Neuen und nur eine in der Alten Welt. Der tag- Singwarten kann der lerchenartige Gesang
und dämmerungsaktive Vogel hält sich gern auch im Singflug vorgetragen werden. In
am Boden und in Bodennähe auf. Der Schlag Nest baut die Alpenbraunelle in Felsspalten
des Zaunkönigs, der schon in der ersten Mor- und Nischen, auch unter Steinen und über
gendämmerung zu vernehmen ist, schallt stehenden Grassoden.
Vögel

lerorts werden hohe Brutverluste registriert.

1 Rotkehlchen
Erithacus rubecula

L 1 4c m —Sperling Jan.-Dez.
Daß es heute am ehesten in als Naturschutz-
gebiete ausgewiesenen Feuchtwiesen ange-
troffen wird, hängt damit zusammen, daß hier
Kennzeichen: Oberseits olivbraun; Kehle extensive Nutzung noch eine gewisse Struk-
und Brust orangerot. turvielfalt zuläßt. - Das Nest befindet sich auf
Vorkommen: Sehr häutig und weit verbreite: dem Boden in Wiesen und Weiden, meistens
in Wäldern aller Art, auch in Gärten und in der Nachbarschaft eines Strauchs oder an-
Parks. derer höherer Vegetation. Zur Überwinterung
Wissenswertes: Der sehr melodische, et- fliegt das Braunkehlchen bis in die Savannen
was schwermütig wirkende Gesang ist in der und Grasländer Afrikas.
Morgen- und Abenddämmerung oft das erste
und das letzte Vogellied. Es ist bereits im Vor- Schwarzkehlchen Saxicola
frühling und auch noch im Herbst zu hören.
Die Strophen beginnen mit hohen spitzen Tö-
nen und fallen dann mit flötenden und trillern-
3 torquata

L 1 3 c m <Sperling März-Okt.
den Sequenzen wie plätschernd ab. Die gro- Kennzeichen: Männchen mit rostroter Brust
ßen Augen weisen das Rotkehlchen als däm- und Schwarz an Kopf und Kehle (Name!) so-
merungsaktiven Vogel aus. Den Gärtner be- wie mit weißen Flecken am Hals; Weibchen
gleitet der zutrauliche Vogel schon deshalb (3b) insgesamt matter gefärbt. Vorkommen:
sehr gern, weil er auf dem frisch bearbeiteten Spärlicher Brutvogel im westlichen
Boden allerlei Nahrung findet. - Gleich vier Mitteleuropa; meist auf gut besonnten und
verschiedene Vogelarten haben ihre deut- trockenen, karg bewachsenen Böden; in
schen Namen nach der jeweils auffällig unter- Sandgruben und auf Industrieödland, in Gin-
schiedlichen Färbung von Kehle und Brust sterheiden und Dünengebüsch.
erhalten. Sie gehören drei verschiedenen Gat- Wissenswertes: Sein Nest baut das
tungen an, werden aber trotzdem hier auf ei- Schwarzkehlchen in einer flachen Mulde am
ner Seite zusammengefaßt. Boden, meistens an Böschungen, immer nach
oben gut geschützt.

2
Braunkehlchen Saxicola

4
rubetra Blaukehlchen Luscinia
svecica
L 13cm <Sperling Apr.-Sept.
Kennzeichen: Weißer Überaugenstreifen; L 14cm —Sperling Apr.-Sept.
gelbbraune Kehle und Brust. Das Weibchen Kennzeichen: Männchen mit blauer Kehle,
(2b) ist etwas heller, hat einen nur angedeute- Weibchen mit schwarzem Halslatz; Schwanz
ten Überaugenstreifen und nur schwach er- mit kastanienbrauner Wurzel. Vorkommen:
kennbare Flügelflecken. Vorkommen: Nasse Standorte mit Wechsel von dichter
Möglichst extensiv genutzte, mit Vegetation und freiem Boden; nur sehr
Gebüschgruppen durchsetzte Wiesen; im punktuell in Naßabgrabungen, Teich-und
Bergland verbreiteter als in der Ebene; früher Stauanlagen mit Röhrichten und Hoch-
häufig, heute nur noch regional oder punktuell stauden.
anzutreffen. Wissenswertes: Neben der weißsternigen
Wissenswertes: Die Intensivierung der Tieflandrasse gibt es als Durchzügler aus
Grünlandnutzung seit den 50er Jahren hat die Skandinavien und neuerdings auch als sehr
Art aus weiten Teilen ihres ehemaligen Ver- seltenen Brutvogel in Alpen und Karpaten die
breitungsgebietes verdrängt. Frühe Mahd, rotsternige Rasse (mit rotem Punkt im blauen
Düngung, Melioration, Beseitigung von Flur- Kehlfleck). Das Blaukehlchen, das in seinen
gehölzen und insgesamt zunehmende Uni- Bewegungen stark an das Rotkehlchen erin-
formierung der Flur veränderten den Lebens- nert, hat einen sehr wohltönenden Gesang mit
raum zum Nachteil des Braunkehlcnens. Vie- vielerlei eingefügten Imitationen.
Vögel

ner kurzen Jagd auf vorüberfliegende Insek-

1 Nachtigall
Luscinia megarhynchos ten und kehren zum Ausgangspunkt oder zu
einer anderen Warte zurück. Der Trauerflie-
genschnäpper ist ein Nistplatzkonkurrent an-
L 1 7c m >Sperling Apr.-Sept.
Kennzeichen: Unscheinbar braunes Gefie- derer Höhlenbrüter, u.a. der Meisen.
der, braunroter Schwanz; wohltönender Ge-
sang, der nach einem wehmütigen Crescendo

3
Grauer Fliegenschnäpper
in einen schmetternden Schlag übergeht. Muscicapa striata
Vorkommen: Westlich einer Linie Nord-
ostungarn - Hamburg; in gebüschreichen L 14cm —Sperling Apr.-Sept.
Parks, mit Unterholz durchsetzten Eichen- Kennzeichen: Leichte Streifen auf der hellen
Hainbuchenwäldern, in Auenwäldern und Brust; aufrechte Sitzhaltung. Vorkommen:
feuchten Gehölzen. Gehöfte, Gärten, Parks. Wissenswertes:
Wissenswertes: Der beliebteste unter den Diese Art nimmt gern Halbhöhlen an, brütet
heimischen Sängern hat viele Dichter und aber auch an Gebäuden, nicht selten auf
Komponisten inspiriert. Durch Auslichten, d.h. Fensterbänken.
Ausholzen und Aufräumen, hat man die Nach-
tigall aus manchem Park vertrieben. Im Mai

4
Hausrotschwanz
vernimmt man ihren Gesang oft noch bei Tag Phoenicurus ochruros
und Nacht, vor allem in den Morgen- und
Abendstunden. Bei den Nachtsängern handelt L 14cm —Sperling März-Okt.
es sich vornehmlich um unverpaarte Männ- Kennzeichen: Beide Rotschwanz-Arten mit
chen. Ihr Nest baut die Nachtigall in dichter rotem Schwanz und Bürzel; der Hausrot-
Vegetation am Boden oder in Bodennähe. Ihr schwanz ist oberseits grau bis schwarz, sein
Revier verteidigt sie nicht nur gegen Artge- Weibchen (4b) schiefergrau. Vorkommen:
nossen, sondern auch gegenüber dem Spros- Weit verbreitet in Siedlungen und felsigem
ser, mit dem sie nahe verwandt ist. Das Gebiet, Gelände.
in dem beide Arten nebeneinander vorkom- Wissenswertes: Vor allen anderen Vögeln
men, ist allerdings auf die Grenzbereiche der stimmt er noch bei völliger Dunkelheit hoch
Areale beider Arten beschränkt. Der Sprosser auf dem Dachfirst seinen mit knirschenden
(Luscinia luscinia) ist der Nachtigall zum Lauten eingeleiteten Gesang an. Der Haus-
Verwechseln ähnlich; sein Gesang ist jedoch rotschwanz nistet meistens in Höhlen im
ohne das prägnante Crescendo. Er lebt Mauerwerk.
östlich der beschriebenen Grenzlinie. Bei
genauem Vergleich sind gewisse Unter-
schiede im Verhalten beider Arten zu erken-
nen: Der Sprosser kehrt 2 Wochen später ins
Brutgebiet zurück als die Nachtigall, bevor-
5 Gartenrotschwanz
Phoenicurus phoenicurus

L 14cm —Sperling Apr.-Sept.


zugt höhere Singwarten (bis 10m hoch) und
Kennzeichen: Männchen viel bunter als das
bewegt sich auch etwas anders.
der vorigen Art; Weibchen (5b) braun.
Vorkommen: Gärten, Parks und lichte Wäl-

2
Trauerfliegenschnäpper der, vor allem in der Ebene und im Hügel-
Ficedula hypoleuca land.
Wissenswertes: Der Bestandsrückgang die-
L 13cm <Sperling Apr.-Sept. ser Art scheint mit Trockenperioden in der
Kennzeichen: Dunkle Ober- und hellere Un- Sahelzone zusammenzufallen und ist mögli-
terseite; weiße Abzeichen an den Flügeln. cherweise auch auf Biozideinsatz im Brut-,
Vorkommen: Gärten, Parks, Wälder; fehlt im Durchzugs- und Überwinterungsgebiet zu-
äußersten Süden Mitteleuropas. rückzuführen. Der Gartenrotschwanz zieht
Wissenswertes: Beide Fliegenschnäpper- Baumhöhlen als Brutplatz den Mauerlöchern
Arten sitzen auffallend aufrecht, starten zu ei- vor. |
Vögel

mit halbmondförmigem weißem Brustring; vor

1
Steinschmätzer
Oenanthe oenanthe allem bei der Alpenrasse durch helle Feder-
säume zeitweilig grauschuppig wirkend.
L 1 5c m —Sperling Apr.-Okt. Vorkommen: Krummholzregion und Nadel-
Kennzeichen: Im Fluge Bürzel und wälder der Alpen und Voralpen; daneben ver-
Schwanzwurzel auffällig weiß, scharf gegen einzelt auch in den höheren Lagen der Mittel-
schwarze Schwanzendbinde abgesetzt; Weib- gebirge.
chen (1b). Wissenswertes: Die in Bergmooren und -
Vorkommen: Nur gebietsweise in baumar- heiden brütenden Ringdrosseln der nordi-
mem Gelände; auf Äcker begleitenden Lese- schen Rasse erscheinen außerhalb der Brut-
steinhaufen und Extensivweiden, auf felsig- zeit vereinzelt auch in Mitteleuropa, vor allem
steinigen Bergrücken, in Heiden und Dünen. im westlichen Teil.
Wissenswertes: Die Abnahme der Art im
Kulturland ist auf die zunehmende Nutzungs-

4
Wacholderdrossel
intensivierung und auf die Beseitigung unge- Turdus pilaris
nutzter Steinraine zurückzuführen. Allerdings
können Steinbrüche und Halden zu Ersatzbio- L 26cm ~ Amsel Jan.-Dez.
topen werden. Der Steinschmätzer huscht Kennzeichen: Die „bunteste" Drossel; kon-
rasch über den Boden und verharrt auf Stei- trastreiches Gefieder mit grauem Kopf, rost-
nen, die er als Sitzwarte nutzt. Er brütet in braunem Rücken, grauem Bürzel und schwar-
Höhlen und Gesteinsspalten. Während der zem, auffallend langem Schwanz.
Zugzeit ist er auch auf Wiesen und Feldern Vorkommen: In mit Pappelreihen, baumbe-
anzutreffen, wo er aber nicht brütet. standenen Bachufern und Feldgehölzen
durchsetzten Agrarlandschaften; nach der
Brutzeit auch im gehölzfreien Acker- und

2
Steinrötel Monticola saxatilis
Grünland.
L 19cm «Star Apr.-Sept. Wissenswertes: De durch ihre Gefiederfär-
Kennzeichen: Männchen mit schiefer- bung, durch schackernde Rufe und Flugge-
blauem Kopf; Weibchen (2b) braun, gebän- sang, vor allem aber durch ihr oft zahlreiches
derte Brust; beide mit orangerotem Schwanz Auftreten besonders auffällige Drosselart ist in
(Name!). Teilen Mitteleuropas erst seit 2-3 Jahrzehnten
Vorkommen: Sonnige Trockenbiotope, ge- Brutvogel: in Belgien seit 1967, in Luxemburg
büscharme Felshänge und Steinbrüche; von und den Niederlanden seit 1971, im Saarland
Weinbergen in der Ebene bis in über 2000m; seit 1972, in Hamburg seit 1966 und in West-
allerdings nur in der Südschweiz, in Ungarn falen seit 1944. Die Ausbreitung erfolgte im
und der Slowakei verbreiteter, sonst in den großen und ganzen von Osten nach Westen,
Alpen, Karpaten und Sudeten nur sporadi- meistens mit sprunghaften Neuansiedlungen
scher Brutvogel. und nachfolgender Auffüllung und Verdich-
Wissenswertes: Der Steinrötel ist meistens tung. Früher wurden diese Drosseln im
Einzelgänger. Er zeigt ein Schwanzzittern wie Winterhalbjahr auch bei uns zu
die Rotschwänze, knickst und zuckt mit den Zehntausenden gefangen und gegessen
Flügeln, singt auf Warten und steigt im Sing- („Krammetsvögel"). Die Ausbreitung ist
flug in die Luft empor. Den Winter verbringt er möglicherweise mit der Einstellung des
im tropischen Afrika. Vogelfangs und mit der Verbesserung des
Nahrungsangebots durch frühere Mahd der
Wiesen zu erklären. Die Wacholderdrossel
Ringdrossel

3 Turdus torquatus

L 24cm < Amsel Jan.-Dez.


brütet in kleinen Kolonien. Sie zeichnet sich
durch ein sehr aggressives Feindverhalten
aus. Beim „Hassen" auf Krähen werden nicht
Kennzeichen: Beide Geschlechter schwarz, nur vehemente Sturzflüge geflogen, sondern
nicht selten auch Kotspritzer eingesetzt.
Vögel

Singdrosseln Gehäuseschnecken zertrüm-

1
Amsel
Turdus merula mern. Dazu nehmen sie die Schnecken in den
Schnabel und schlagen sie seitwärts gegen
L 26cm bekannt Jan.-Dez. einen gewissermaßen als Amboß benutzten
Kennzeichen: Männchen schwarz, im Früh- Stein.
ling mit leuchtend gelbem Schnabel; Weib-
chen (1a) dunkelbraun, nur Kehle gefleckt;

3
Misteldrossel
melodischer Gesang, ohne Wiederholungen. Turdus viscivorus
Vorkommen: Ursprünglich in dichten Wäl-
dern; heute überall in Stadt und Land; sehr L 27cm > Amsel Febr.-Nov.
häufig; vereinzelt sogar in den baumarmen Kennzeichen: Gräulichbraune Oberseite
Zentren unserer Großstädte. Wissenswertes: und grobe rundliche Flecken auf der Unter-
Bis in unsere Zeit hinein ist die Amsel noch seite; am Boden aufrechte Haltung mit erho-
dabei, ihr Siedlungsgebiet auszudehnen und benem Kopf.
auch in Ost- und Südosteuropa immer weitere Vorkommen: Ältere Waldbestände; in
Städte zu erobern. In Süddeutschland Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nord-
besiedelte sie die Städte in der ersten, in rhein-Westfalen auch in Feldgehölzen und
Nord- und Ostdeutschland vor allem in der Parks.
zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Wissenswertes: Im Norden ist die Mistel-
Heute kann die Siedlungsdichte der Amsel drossel Zugvogel, im Westen und Süden Mit-
im Stadtgebiet bis zu zehnmal so hoch sein teleuropas teilweise schon Überwinterer, und
wie in den Wäldern. Nach der Gewöhnung an zwar mit zunehmender Tendenz. Nach Ge-
den Menschen kann sie die Vorteile der sangsbeginn im Februar verstummt sie oft be-
Stadt voll ausschöpfen: viele neue Nah- reits Ende März wieder. Seit der ersten Hälfte
rungsquellen, das günstigere Kleinklima im unseres Jahrhunderts nimmt die Art im nörd-
Winter, weniger Feinde. lichen Mitteleuropa zu und dringt in die offene
Agrarlandschaft und zögernd sogar in die
Städte ein.

2
Singdrossel
Turdus philomelos

L 23 cm « Amsel Febr.-Nov.
Kennzeichen: Braune Oberseite; Unterseite
heller, mit pfeilförmigen Flecken; Gesang mit
4 Rotdrossel
Turdus iiiacus

L 21cm -Star Okt.-März Kennzeichen:


sehr unterschiedlichen, fast immer mehrmals Braunes Gefieder mit rostroten Flanken und
wiederholten, kurzen Motiven; Flugruf „zipp". hellen Überaugenstreifen. Vorkommen: In
Vorkommen: In dichten Wäldern; mehr in Nordeuropa häufiger in Mitteleuropa nur
Nadel- als in Laubwäldern; zunehmend auch unregelmäßiger Brutvogel, aber sehr
in Parks und Gärten. zahlreicher Durchzügler; dann meist auf
Wissenswertes: Die Singdrossel begann Wiesen, Feldern und in Hecken.
100 Jahre nach der Amsel ebenfalls die Wissenswertes: Zwischen Mitte Oktober
Städte zu besiedeln, beschränkt sich jedoch und Mitte November ist oft ein echter Massen-
noch auf park- und gartenreiche Stadtteile. zug von Rotdrosseln zu beobachten. Die Ver-
Sie überwintert bereits im niederländisch-bel- weildauer der Rotdrossel, die auch Weindros-
gischen Küstenbereich und auf den Britischen sel genannt wird, ist meistens vom Angebot an
Inseln, vor allem jedoch im Mittelmeerraum. Beeren in Hecken und Gebüschen abhängig.
Das Singdrosselnest, das gelegentlich mehr- Die Rotdrossel fällt oft zusammen mit Wachol-
fach benutzt wird, zeichnet sich durch seine derdrosseln und Staren ein. Zum Überwintern
besondere Stabilität aus; die glatte Nestmulde aber können sich Rotdrosseln meistens nur
besteht aus einem Gemisch von Lehm und bei besonders milder Witterung und in klima-
zerkleinertem Holz. Bekannt sind die soge- tisch günstigen Lagen des küstennahen Tief-
nannten „Drosselschmieden" (2b), in denen landes entschließen.
Vögel

Wissenswertes: Die Namen „Klappergras-

1
Mönchsgrasm ü cke
Sylvia atricapilla mücke" oder „Müllerchen" beziehen sich auf
den lauteren, klappernden Gesangsteil. Der
L 14cm <Sperling Apr.-Okt. Name „Zaungrasmücke" gehört zu den vielen
Kennzeichen: Graubraun; Männchen mit Pflanzen- und Tiernamen, die ihre Träger in
schwarzer, Weibchen mit brauner Kopfplatte; den Grenzbereich, d.h. in Hecken und dichte
leiser und gequetschter Vorgesang, der in Randvegetation verweisen. Wie alle Grasmük-
laute, fragend ansteigende Flötentöne über- ken-Arten brütet auch die Klappergrasmücke
geht. auf oder dicht über dem Boden.
Vorkommen: Wälder, Gebüsche, Parks und
Gärten; weithin häufigste Grasmückenart.

4
Dorngrasmücke
Wissenswertes: Die Grasmücken sind bis Sylvia communis
auf den „Mönch" (Name zielt auf die schwarze
Kopfplatte) sehr unscheinbar gefärbt und oft L 14cm < Sperling Apr.-Okt.
am besten am Gesang zu unterscheiden. Kennzeichen: Schlicht graubraunes Gefie-
Während alle anderen Arten bis ins tropische der mit weißer Kehle und Kastanienbraun an
Afrika ziehen, überwintern die Mönchsgras- den Schwingen; gequetschter, kurzer Gesang,
mücken zum Teil bereits im Mittelmeerraum. der meistens von einer erhöhten Warte aus
Alle Grasmücken brüten in Sträuchern dicht vorgetragen wird und häufig in einen Singflug
über dem Boden und ernähren sich von In- übergeht, der dann etwas länger dauert.
sekten und anderen Gliederfüßern, manche Vorkommen: Agrarlandschaft mit Hecken,
im Herbst auch von Beeren. dorngebüschbestandenen Rainen und Wald-
rändern.
Wissensw ertes: Die Dorngrasmücke

2
Gartengrasmücke
Sylvia borin braucht eine strukturreiche Kulturlandschaft.
Der zeitweilige Zusammenbruch ihrer Brutbe-
L 14cm <Sperling Mai-Sept. stände in Teilen ihres Brutgebietes in den
Kennzeichen: Schlicht oliv-graubraun, ohne Jahren nach 1960 hat zweifellos mehrere Ur-
besondere Abzeichen; lange orgelnde Ge- sachen, zu denen außer den extremen Trok-
sangsstrophen. kenperioden in der Sahelzone vor allem die
Vorkommen: Waldränder, Hecken, Gebü- Ausräumung der Landschaft durch Flurberei-
sche und Parks; weit verbreitet, aber weniger nigung und die Intensivlandwirtschaft mit ih-
häufig als die Mönchsgrasmücke. rem Biozideinsatz gehören.
Wissenswertes: Diese Art entspricht dem

5
Bild von einer „Grassmücke" (Gras-Schmie- Sperbergrasmücke
ger), die sich durch die dichte Vegetation be- Sylvia nisorla
wegt, in ganz besonderer Weise. Wie die an-
deren Grasmückenarten ist sie normalerweise L 15cm —Sperling Apr.-Sept.
tags aktiv, auf dem Zuge ins afrikanische Win- Kennzeichen: Graubraune Oberseite, ge-
bänderte Brust; orgelnder Gesang mit kür-
terquartier jedoch nachts unterwegs.
zeren Motiven als bei der Gartengrasmücke;
häufig Balzflüge.

3
Klappergrasmücke
Vorkommen: Hecken und Dorngebüsch,
Sylvia curruca
Gehölze und Waldränder; allerdings nur im
östlichen Mitteleuropa westwärts bis zur Elbe;
L 13cm <Sperling Apr.-Okt.
dort sogar häufiger Brutvogel.
Kennzeichen: Schlicht graubraun mit dunk-
Wissenswertes: Diese größte heimische
len Wangen; leiser, schwätzender Vorgesang
Grasmücken-Art ist an ihrer sperberartig ge-
geht in wenig klangvolles Klappern (Reihung
bänderten Brust, die ihr auch den Namen ein-
eines Tones) über; kein Singflug.
getragen hat, leichter zu erkennen als die mei-
Vorkommen: Waldränder, Gebüsche, Hek-
sten ihrer Verwandten.
ken, Gärten, Parks; häufig und weit verbreitet.
Vögel

3
Drosselrohrsänger
1
Teichrohrsänger
Acrocephalus scirpaceus Acrocephalus arundinaceus

L 13cm <Sperling Mai-Sept. L 19cm »Sperling Mai-Sept.


Kennzeichen: Braune Ober- und bräunlich- Kennzeichen: Einzige deutlich größere hei-
weiße Unterseite, völlig ungestreift; Gesang mische Rohrsänger-Art; Färbung wie Teich-
hart, mit zwei- bis dreifacher Wiederholung rohrsänger; Gesang aber langsamer und be-
kurzer Motive: „tiri tiri tiri trek trek trek". tonter: „karre-karre-kitt-kitt-kitt...", weithin ver-
Vorkommen: In Schilfröhrichten, allerdings nehmbar.
nur noch gebietsweise. Wissenswertes: Die Vorkommen: Nur noch an wenigen größe-
Rohrsänger bauen kunstvolle napfartige ren Gewässern; in ausgedehnten Schilfbe-
Nester, die zwischen 3-4 Schilfhalmen ständen.
hängen, an denen sie befestigt sind. Das Wissenswertes: Die Trockenlegung von
Nistmaterial wird naß eingebaut. Der Feuchtgebieten, die zum Schrumpfen der
Teichrohrsänger lebt am Wasser und in des- Schilfbestände führte, ist wohl die Hauptur-
sen unmittelbarer Nachbarschaft; sein Nest sache dafür, daß der Drosselrohrsänger heute
steht nur selten über trockenem Grund. Ty- in weiten Teilen Mitteleuropas fehlt. Zahlreiche
pisch für mehrere Rohrsänger-Arten sind de- Vorkommen gibt es nur noch im Bereich der
ren gewandte Kletterbewegungen an den Seenplatten im Nordosten der Norddeutschen
Röhrichthalmen. Daß das Teichrohrsänger- Tiefebene sowie in den riesigen Schilfröhrich-
Männchen - vor allem zu Beginn der Brutzeit ten des Neusiedlersees.
- seinem Weibchen meistens auf Schritt und
Tritt folgt, ist offenbar nötig, damit sich die
Partner in der dichten Röhrichtvegetation
nicht verlieren. In den letzten Jahrzehnten ist
ein deutlicher Rückgang des Teichrohrsän-
4 Schilfrohrsänger
Acrocephalus schoenobaenus

13 cm < Sperling Apr.-Sept.


gers zu beobachten, der mit der Austrocknung
Kennzeichen: Verwaschene Streifen auf
vieler Röhrichte und dem weit verbreiteten
dem Rücken; heller Überaugenstreifen; Ge-
Schilfsterben zusammenhängen dürfte.
sang mit Trillern und aus anderen Gesängen
übernommenen Elementen. Vorkommen:

2
Sumpfrohrsänger Acrocephalus Röhrichte mit Weidengebüsch; nur noch
palustris
gebietsweise. Wissenswertes: Von 1960 bis
1985 - möglicherweise infolge von
L 1 3c m <Sperling Mai-Sept.
Dürreperioden in der Sahelzone - starke
Kennzeichen: Erscheinungsbild wie Teich-
Abnahme und Aufgabe vieler ehemaliger
rohrsänger, aber wohltönender und abwechs-
Siedlungsgebiete.
lungsreicher Gesang mit imitierten Elementen
aus den Gesängen anderer Arten.

5
Vorkommen: Hochstaudenfluren in Sümp- Seggenrohrsänger
fen und Gräben, vor allem auch nitrophile Acrocephalus paludicola
Hochstauden an Ackerrainen und Wegrän-
dern; häufig und verbreitet von der Ebene bis L 13cm <Sperling Mai-Sept.
ins Gebirge. Kennzeichen: Intensive Streifung des Rük-
Wissenswertes: Im Gegensatz zu den an- kens; helle Überaugen- und ein Scheitelstrei-
deren Rohrsängern hält der Sumpfrohrsänger fen.
meistens seine Bestandsstärke. Sein Lebens- Vorkommen: Offene Sümpfe und Seggen-
raum in der Feldflur und auf nährstoffreichen bestände; nur sehr seltener Brutvogel in Mit-
Standorten im Überschwemmungsbereich der teleuropa.
Flüsse ist weniger bedroht. Der Sumpfrohr- Wissenswertes: Vor der Westgrenze des
sänger wird aus gutem Grund immer häufiger Artareals, das den äußersten Nordosten
auch „Getreiderohrsänger" genannt. Mecklenburgs und Brandenburgs berührt,
gibt es nur unregelmäßige Einzelvorkommen.
Vögel
i
tet, hat der Fitis sein Nest unmittelbar am Bo-

1
Gelbspötter
Hippolais icterina den. Beide Arten neigen dazu, im Herbst noch
einmal - allerdings abgeschwächt und zu-
L 1 3 c m <Sperling Mai-Aug. rüchaltend - eine Gesangsphase einzulegen.
Kennzeichen: Oberseits grünlichgrau, unter- Der Zilpzalp versucht gelegentlich, in milden
seits gelb: bläuliche Beine; Gesang mit wohl- Lagen Mitteleuropas zu überwintern.
tönenden und knarrenden Lauten; kurze Mo-
tive mehrfach wiederholt. Vorkommen: In

4
Waldlaubsänger
Parks, auf Friedhöfen, in Gärten und lichten Phylloscopus sibilatrix
Wäldern mit viel Gebüsch und einzelnen
überragenden Bäumen; häufig, vor allem im L 13cm <Sperling Apr.-Sept.
Tiefland. Kennzeichen: Oberseits grünlichbraun;
Wissenswertes: Der Name verweist auf die gelbe Kehle und weißer Bauch; Gesang ein
Färbung und auf den Gesang. Ein Vogel „spot- schwermütiges „düh-düh-düh" (10- bis
tet", wenn er Gesangsmotive anderer Arten in 12mal) und eine Tonreihe, die in einen Triller
seinen Gesang aufnimmt. Sein Winterquartier übergeht: „sib-sib-sib-sirrr". Vorkommen:
hat der Gelbspötter in Afrika zwischen Äquator Vor allem in unterwuchsarmen Buchen-
und südlichem Wendekreis. Hallenwäldern mit einzelnen Buchen, die
tiefansetzende Äste aufweisen.
Wissenswertes: Am Rande des Rotbuchen-

2
Fitis Phylloscopus trochilus
areals besiedelt der Waldlaubsänger auch an-
L 11 cm «Sperling Apr.-Okt. dere naturnahe Laubmischwälder, teilweise
Kennzeichen: Oberseits grünlichbraun, un- auch mit höherem Kiefernanteil. Auffallend ist
terseits heller; gelbliche Beine; Gesang eine der Singflug, der im ersten Teil der Tonreihe
markante, abfallende Tonreihe. Vorkommen: wellig oder bogenförmig durch den unteren
Sehr häufig in aufgelockerten Wäldern, Stammbereich führt. Nach dem Landen auf
Schonungen, Feldgehölzen. einem anderen tiefen Ast folgt der Triller.
Wissenswertes: Die melodische, weiche

5
und etwas wehmütige Strophe hat der Volks- Feldschwirl
mund mit dem Vers unterlegt: „Bin ich doch Locustella naevia
froh, daß ich das Frühjahr noch einmal erlebt
hab." Der lautmalerische Name bezieht sich L 13cm <Sperling Apr.-Sept.
auf den Ruf ,.fit" oder „huid". Kennzeichen: Dem Schilfrohrsänger ähnli-
cher, sehr versteckt lebender Sänger; tags
und auch nachts lang anhaltendes heu-

3
Zilpzalp Phylloscopus collybita
schreckenähnliches Sirren. Vorkommen:
L 1 1 c m «Sperling März-Nov. Offene Flächen mit höherer krautiger
Kennzeichen: Aussehen wie Fitis, allerdings Vegetation und einzelnen Sträuchern; brach
dunkle Beine; Gesang aus dem Wechsel gefallene Wiesen und Felder,
zweier Töne: „Zilp-zalp-zilp-zalp". Ruderalflächen, vergraste Kahlschläge; ver-
Vorkommen: In allen lichteren Waldbiotopen breitet, jedoch gebietsweise fehlend.
vom Hochwald bis zum gehölzreichen Garten Wissenswertes: Außer dem Feldschwirl
und Park sehr häufig. brüten im östlichen Mitteleuropa mit zeitwei-
Wissenswertes: Zilpzalp und Fitis sind nahe ligen Vorstößen nach Westen auch der
miteinander verwandt und am ehesten am Schlag- und insgesamt lückenhaft verbreitet
Gesang zu unterscheiden. Es gibt allerdings der Rohrschwirl (5b). Der Gesang des Rohr-
„Mischsänger" mit Gesangsanteilen beider schwirls ähnelt dem des Feldschwirls. Die
Arten. Während der Zilpzalp dicht über dem wechselnde Lautstärke im lang andauernden
Boden in Efeu- oder Brombeergestrüpp brü- Schwirren ist darauf zurückzuführen, daß der
Vogel durch Kopfbewegungen in unterschied-
liche Richtungen singt.
i
Vögel

menkerne, die sie so schnell gar nicht öffnen

1
Kohlmeise
Parus major kann: Sie versteckt sie hinter Rindenspalten.
Die sehr ähnliche Weidenmeise (Parus mon-
L 14cm -Sperling Jan.-Dez. tanus) hat eine matte rußschwarze Kopfplatte;
Kennzeichen: Kopf auffällig schwarzweiß, einen hellen Flügelfleck und ruft breit „dääh-
Unterseite gelb mit schwarzem Bauchband; dääh-däh". Sie lebt vor allem in feuchten Wäl-
Ruf „zizidäh", häufiger „pink". Vorkommen: dern mit Weiden und anderen Weichhölzern,
In Wäldern, Gebüschen, Parks und Gärten; aber auch in naturnahen trockeneren Wald-
überall sehr häufig. Wissenswertes: Die beständen, sofern Totholz vorhanden ist. Im
größte und häufigste Meisenart ist fast Erscheinungsbild sind sich Weiden- und
überall anzutreffen. In Parks ist sie mit dem Sumpfmeise zum Verwechseln ähnlich, in Le-
Menschen als Futterspender oft so vertraut, bensraum und Gesang jedoch sehr unter-
daß sie bis auf die Hand kommt. Kunst- und schiedlich. Im Gegensatz zur Sumpfmeise
Naturhöhlen nimmt sie gleichermaßen gern zimmert die Weidenmeise ihre Nesthöhle
an, wenn die Öffnung einen Durchmesser selbst in morsches Holz.
von mindestens 32 mm hat. Die große Zahl
ungewöhnlicher Neststandorte -von der

4
Tannenmeise
Verkehrsampel bis zum Jalousiekasten - Parus ater
belegt die Flexibilität der Kohlmese ebenso
wie den Höhlenmangel in Städten und Dörfern. L 11cm «Sperling Jan.-Dez.
Kennzeichen: Schwarzer Kopf mit auffallen-
dem weißen Nackenfleck; Gesang rhythmisch

2
Blaumeise
Parus caeruleus „zizezizezize...".
Vorkommen: Häufige Art in Fichten-, aber
L 1 2 c m «Sperling Jan.-Dez. auch in Kiefern- und Mischwäldern, infolge
Kennzeichen: Blaues Farbmuster an Kopf der Koniferen-Mode auch zunehmend in Gär-
und Körper; blauer Schwanz; Ruf „tsitsitsitsi". ten und Parks.
Vorkommen: In Wäldern, Parks und Gärten Wissenswertes: Die kleinste mitteleuropäi-
unterschiedlichster Größe und Art, sofern Nist- sche Meisenart sucht Insekten und Spinnen
höhlen vorhanden sind. Wissenswertes: Die an dicht benadelten Zweigen, durch die sie
Blaumeise bewegt sich gewandter in den hindurchschlüpft und an denen sie auch zu
Zweigen als die Kohlmeise. Ihre geringere rütteln vermag.
Körpergröße gestattet ihr auch die Nutzung
von Nisthöhlen, deren Öffnung mit einem

5
Haubenmeise
Durchmesser von 28-30 mm für Parus cristatus
Kohlmeisen zu eng ist, so daß Konkurrenz
weitgehend vermieden wird. L 12cm «Sperling Jan.-Dez.
Kennzeichen: Schwarzweiß melierte Haube:
Sumpfmeise weißes Gesicht mit schwarzem Streifen hinter

3 Parus palustris

L 1 2 c m «Sperling Jan.-Dez.
dem Auge; Ruf „gürr".
Vorkommen: Häufig in Nadelwäldern, aber
auch in Mischwäldern und koniferenreicher
Kennzeichen: Glänzend schwarze Kappe; Gärten und Parks.
ruft zeternd rasch und kurz „pitsche-tsche- Wissenswertes: Die Häufigkeit der Hauben-
tsche-tsche...". meise hängt ganz maßgeblich davon ab, wie
Vorkommen: Häufig in Laubwäldern, selte- hoch der Totholzanteil in den Wäldern ist. Dort
ner in Gärten und Parks. Wissenswertes: zimmert sie sich meistens ihre Bruthöhle
Im Winter kommt auch diese Meisenart selbst. In weiten Landstrichen wurde die Art
gern zu den Futterplätzen in die Orte. erst heimisch, nachdem in stärkerem Aus
Unermüdlich holt sie Sonnenblu- maße Fichten- und Kiefernwälder begründet
wurden.
Vögel

1
Beutelmeise

3
Schwanzmeise
Aegithalos caudatus Remiz pendulinus

L 6+8cm < Sperling Jan.-Dez. L 11cm «Sperling März-Nov.


Kennzeichen: Unter den heimischen Klein- Kennzeichen: Schmutzig weißer Kopf mit
vögeln ist die Schwanzmeise die Art mit dem schwarzer Gesichtsmaske; brauner Rücken.
relativ längsten Schwanz (länger als Kopf und Vorkommen: Lichte Gehölze in Feuchtge-
Rumpf zusammen); ein zierlicher Vogel mit bieten, Weidengebüsche, Bruchwälder; mit
schwarz, weiß und rötlich gemustertem Ge- Gebüsch durchsetzte Röhrichte.
fieder; meistens von „serrp-serrp-serrp"-Ru- Wissenswertes: Über die durch Ost-
fen begleitet. deutschland verlaufende Westgrenze des
Vorkommen: Strukturreiche Wälder, Parks, durchgehend besiedelten Areals breitet sich
mit Dorngebüsch durchsetzte Gehölze; weit die Beutelmeise seit Jahren immer wieder und
verbreitet, aber mit geringer Siedlungsdichte; immer weiter westwärts aus. Einige der neuen,
im Winter oft in größeren Scharen. punktuell verteilten Brutplätze wurden wieder
Wissenswertes: In Europa leben verschie- aufgegeben; insgesamt aber scheint die Art
dene Rassen dieser Art, die auch im Gelände auch im Westen nach und nach Fuß zu fassen.
gut zu unterscheiden sind. In Mitteleuropa gibt Die Partnerbindung ist bei dieser Art schwä-
es die streifenköpfige Schwanzmeise mit wei- cher ausgebildet als bei den Echten Meisen:
ßem, von dunklen Seitenstreifen begrenztem Polygynie und Polyandrie sind keine Selten-
Scheitel. Die in Nord- und Nordosteuropa hei- heit. Besonders meisterhaft gefertigt ist das
mische Rasse hat einen schneeweißen Kopf stattliche Nest (3b), das wie ein großer stabiler
(1b); sie ist im Winter auch häufiger in Mittel- Beutel (Name!) aus Pappel- und Weidenhaa-
europa anzutreffen. Von den Echten Meisen ren aussieht und über eine kurze Röhre mit
unterscheidet sich die Schwanzmeise da- der Eingangsöffnung verbunden ist. Es hängt
durch, daß sie kein Höhlenbrüter ist, sondern meistens an den äußersten überhängender
ein sehr großes und kunstvolles Kugelnest Zweigen von Weiden und Pappeln und ist
aus Moosen und Flechten baut, das sie in der somit für kletternde Beutegreifer kaum er-
Regel niedrig in dichtem Dorngebüsch anlegt, reichbar.
manchmal aber auch in höheren Bäumen.

4
Kleiber

2
Bartmeise Sitta europaea
Panurus biarmicus
L 14cm —Sperling Jan.-Dez.
L 17cm >Sperling Jan.-Dez.
Kennzeichen: Kletterer mit blaugrauem
Kennzeichen: Oberseite und langer
Rücken, kurzem Schwanz und gedrungene
Schwanz braun; nur Männchen mit einem
Gestalt, der sich am Stamm sowohl auf- als
schwarzen Bartstreifen (Name!).
auch abwärts bewegen kann. Vorkommen:
Vorkommen: Nur punktuelle Vorkommen in
Häufig in Wäldern, Parks unc Gärten mit
großflächigen Schilfröhrichten.
älterem Laubbaumbestand unc Kunst- oder
Wissenswertes: Die Bartmeise hat sich in
Spechthöhlen. Wissenswertes: Gegen
den 60er und 70er Jahren in den riesigen
größere Brutplatz konkurrerten schützt sich
Schilfbeständen, die sich in Holland nach
der Kleiber da durch, daß er den Eingang
Trockenlegung der Ijsselmeerpolder bildeten,
der von ihm zu Brut genutzten Spechthöhle
stark vermehrt. Damals stellte sie sich im Win-
soweit verengt daß nur er selbst gerade
terhalbjahr an etlichen Gewässern in Mittel-
noch hineinpaßt Dazu klebt er im
europa ein. Die sich neu bildenden Brutvor-
Eingangsbereich (4b), aber auch sonst in
kommen waren zumeist nicht von langer
der Höhle an Unebenheiten Lehm und
Dauer. Das Nest der Bartmeise ist napfförmig
feuchte Erde, in die oft Pflanzen fasern
und steht im Röhricht meistens nur 10cm
eingearbeitet werden. Der Name „Kleiber"
über dem Wasser.
verweist auf den „Kleber".
Vögel

1 3
Wintergoldhähnchen Mauerläufer
Regulas regulus Tichodroma muraria

L 9cm winzig Jan.-Dez. Kennzeichen: L 1 7c m >Sperling Jan.-Dez.


Gelbe Kopfplatte, schwarz begrenzt; Kennzeichen: Oberseits grau mit auffällig
rundliche Gestalt; Gesang eine sehr feine, roten Flügeldecken, kurzem Schwanz und
hohe Tonreihe, die etwa 3 Sekunden lang ist runden Flügeln.
und auf- und abschwillt. Vorkommen: Vor Vorkommen: In den Pyrenäen, den Alpen
allem in Nadelwäldern und in und Voralpen, in den Karpaten und auf dem
koniferenreichen Parks. Wissenswertes: Die Balkan in Höhenlagen über 1000 m; in Fels-
Goldhähnchen sind die kleinsten Vögel regionen, meistens in Felsschluchten; überall
Europas. Ihr Körpergewicht beträgt 5 g. nur sporadisch.
Sowohl ihre feinen Stimmfühlungslaute als Wissenswertes: In Bayern und in der
auch ihre Gesangsstrophen sind so nahe an Schweiz wurden zeitweilig Mauerläufer als
der Obergrenze menschlichen Brutvögel und Wintergäste an Gebäuden be-
Hörvermögens, daß viele ältere Menschen obachtet. Sie sind sehr gewandte Aufwind-
sie nicht mehr hören. Die Goldhähnchen flieger und weniger gute Kletterer oder gar
wirken quicklebendig und sind immer in „Läufer" an senkrechten Felswänden.
Bewegung. Sie suchen vor allem die hängen-
den Fichtenzweige nach kleinen Insekten ab.
Schneebedeckte Zweige fliegen sie häufig
von unten her an und hängen bei der Nah-
rungssuche oft kopfunter. Diese Gewandtheit
4 Gartenbaumläufer
Certhia brachydactyla

L 1 3 c m <Sperling Jan.-Dez.
ist eine der Voraussetzungen dafür, daß das
Kennzeichen: Braun gestreifte Ober- und
Wintergoldhähnchen in Mitteleuropa das
helle Unterseite, bräunliche Flanken; Gesang
ganze Jahr über angetroffen werden kann und
hoch, rhythmisch abgesetzt „titt titt sitteroi-
sein Areal in Nordeuropa in den letzten Jahr-
titt".
zehnten noch weiter vergrößerte.
Vorkommen: Vor allem in älteren Laubwäl-
dern, aber auch in Parks und Gärten; fast

2
Sommergoldhähnchen überall häufig.
Regulus ignicapillus Wissenswertes: Der rindenfarbene Vogel,
der mit seinem Bogenschnabel Insekten und
L 9cm winzig März-Nov. Kennzeichen: Spinnen aus den Rindenspalten holt, klettert
Wie Wintergoldhähnchen, allerdings ein an den Stämmen stets nur aufwärts und fliegt
weißer, schwarz gesäumter Über- daher Stämme in der Regel an der Basis an.
augenstreifen; Gesang eine im Vergleich zum Er brütet vornehmlich in Spalten hinter abge-
Wintergoldhähnchen kürzere, zum Ende an- sprungener Rinde, aber auch in Nistkästen mit
schwellende Tonreihe. Scheitelstreifen des seitlichem Schlitz.
Weibchens (2b) mehr gelblich, der des Männ-
chens mehr orange.
Vorkommen: In Nadel- und Mischwäldern,
auch in Parks; weniger eng an Nadelbäume
gebunden als das Wintergoldhähnchen.
5 Waldbaumläufer
Certhia familiaris

L 1 3c m <Sperling Jan.-Dez.
Wissenswertes: Wie bereits die Namen an-
Kennzeichen: Kaum vom Gartenbaumläufe'
deuten, neigt das Sommergoldhähnchen
zu unterscheiden; keine bräunlichen Flanken
deutlicher als das Wintergoldhähnchen dazu,
als Gesang eine längere zwitschernde Stro-
Mitteleuropa im Winter zu verlassen. Verein-
phe, etwas an den Zaunkönig erinnernd.
zelt überwintert es in milden, von atlantischem
Vorkommen: Außer im Nordwesten allge-
Klima beeinflußten Landstrichen im Nordwe-
mein häufig; weniger im Stadtrandbereich, da
sten. Die Mehrzahl der Sommergoldhähnchen
für stärker im Bergland verbreitet; sowohl in
zieht ins westliche Mittelmeergebiet.
Laub- als auch in Nadelwäldern.
Vögel

1
Pirol Raubwürger
Oriolus oriolus

L 24cm < Amsel Mai-Sept.


3 Lanius excubitor

L 24cm < Amsel Jan.-Dez.


Kennzeichen: Männchen (1a) leuchtend Kennzeichen: Größter heimischer Würger;
gelb und schwarz, Weibchen (1b) unschein- hellgraue Oberseite von der Stirn bis zum
barer gelbgrün; lauter, flötender Gesang Bürzel; langer Schwanz. Vorkommen: In der
„düdlio". hecken- und gehölzreichen Kulturlandschaft
Vorkommen: In baumreichen Gärten, alten abnehmend; noch auf Kahlschlägen und
Obstgärten, Parks und reich strukturierten Waldlichtungen, allerdings mit großen
Laubmischwäldern; vor allem im Tiefland, Verbreitungslücken. Wissenswertes: Das
aber stets in geringer Siedlungsdichte. greifvogelartige Verhalten der Würger ist bei
Wissenswertes: Trotz seiner intensiven Fär- der größten Art besonders ausgeprägt. Der
bung bleibt der Pirol, der vor allem in Baum- Hakenschnabel ist gut erkennbar. Die
wipfeln lebt, oft unentdeckt. Auffälliger ist sein Beutetiere sind größer bis hin zu Lerchen-
Ruf, der bei den lautmalerischen Namen „Pi- und ausnahmsweise sogar zu Drosselgröße.
rol" und „Vogel Bülow" Pate stand. Als Fern- Man sieht den Raubwürger oft auf
wanderer, der ins tropische Afrika und süd- exponierten Warten oder im Rüttelflug. Er ist
wärts bis zur Kapprovinz zieht, kehrt er erst im Gegensatz zu den anderen Würgerarten
sehr spät zurück, weshalb man ihn auch den auch im Winter bei uns anzutreffen.
„Pfingstvogel" nennt. Sein Nest hängt wie ein
Körbchen in einer Astgabel, meistens relativ

4
Rotkopfwürger
hoch im Wipfel, nicht selten in Pappeln, die Lanius Senator
sonst bei den Singvögeln zum Nestbau nicht
besonders begehrt sind. L 18cm »Sperling Apr.-Sept.
Kennzeichen: Auffallende weiße Schulter-
flecken und roter Scheitel und Nacken.

2
Neuntöter Lanius collurio
Vorkommen: Vor allem im Mittelmeerraum;
L 18cm «Sperling Apr.-Sept. in Mitteleuropa nur inselartige und unregel-
Kennzeichen: Neben dem rotbraunen Rük- mäßige Brutvorkommen in ähnlichen Bioto-
ken (deshalb auch „Rotrückenwürger" ge- pen wie der Schwarzstirnwürger.
nannt) beim Männchen grauer Scheitel und
schwarze Gesichtsmaske. Vorkommen: An

5
Schwarzstirnwürger
Dornsträuchern reiche Hecken, Gehölze, Lanius minor
verbuschende Trockenrasen und
Industrieödflächen; vor allem in tieferen L 20cm <Star Mai-Sept. Kennzeichen:
Lagen; abnehmend. Wissenswertes: Ob Deutlich kleiner als der Raubwürger; diesem
„Neuntöter" oder „Dorndreher'' genannt, ähnlich, jedoch mit über die Stirn erweiterter
immer wird der für Singvögel ungewöhnliche schwarzer Gesichtsmaske. Vorkommen: Nur
Nahrungserwerb angesprochen. Sowohl im in Ost- und Südosteuropa regelmäßiger
Flug als auch am Boden jagt der Neuntöter Brutvogel in offenen, besonders warmen und
seine Beute, bei der es sich um Käfer, trockenen Landstrichen. Wissenswertes: In
Heuschrecken oder andere Insekten, aber der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
auch um junge Mäuse und ausnahmsweise siedelten sich Schwarzstirn- und
auch um Jungvögel handeln kann. Vor allem Rotkopfwürger in Zeiten stärkerer Kontinen-
die größeren Beutetiere werden auf Dornen talität des Klimas auch in einigen klimatisch
oder Stacheln aufgespießt. Dieses Verhalten bevorzugten Teilen Mitteleuropas an, zogen
gestattet einerseits eine gewisse Vor- sich aber in den 60er und 70er Jahren wieder
ratshaltung, andererseits ein leichteres Zer- rasch und vollständig zurück. Neuerdings ist
legen der Beute. mit einer erneuten Ausbreitung beider Arten
zu rechnen.
Vögel

1 Kolkrabe
Corvus corax

L 64cm »Bussard Jan.-Dez.


3
Nebelkrähe
Corvus corone cornix

L 47cm —Krähe Jan.-Dez.


Kennzeichen: Größe; kräftiger Schnabel; Kennzeichen: Rücken und Bauchseite grau,
Keilschwanz; häufig im Segelflug. sonst schwarz; Ruf wie der der Rabenkrähe.
Vorkommen: Sehr unterschiedliche halbof- Vorkommen: Entsprechend dem der Raben-
fene Landschaften; an Felsküsten, in Wäldern krähe, allerdings nur östlich der Elbe.
und Gehölzen bis ins Hochgebirge; im Nor- Wissenswertes: Die verschiedenen Rassen
den und Osten sowie in den Alpen ziemlich der als „Aaskrähe" bezeichneten Art sollen
häufig, im Westen in Ausbreitung begriffen. sich während der Eiszeit bei geographischer
Wissenswertes: Der eindrucksvolle „Wo- Isolation in den mediterranen Rückzugsge-
tansvogel" erfreute sich nicht immer des Re- bieten herausgebildet haben.
spekts der Menschen. Im vorigen und in der
ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wurde der
Kolkrabe nach intensiver Verfolgung ir weiten
Teilen des Tieflandes und in den westdeut-
schen Mittelgebirgen ausgerottet. Inzwischen
4 Saatkrähe
Corvus frugilegus

L 46cm —Krähe Jan.-Dez.


breitet er sich von Schleswig-Holstein und Kennzeichen: Weiße, grindige Schnabel-
Nord-Niedersachsen sowie von den nordost- wurzel; Rufe in längeren Abständen „kroah".
deutschen und polnischen Brutgebieten her Vorkommen: Agrarlandschaften mit Feldge-
wieder aus, zum Teil unterstützt durch künst- hölzen; zunehmend auch in Städten und Dör-
liche Ansiedlungen. Die Intelligenz und An- fern.
passungsfähigkeit dieses Großvogels gestat- Wissenswertes: Im Gegensatz zur Raben-
ten ihm auch die Nutzung der Ressourcen der und Nebelkrähe ist die Saatkrähe Kolonie-
Kulturlandschaft bis hin zur Mülldeponie. brüter. Die Brutkolonien (4b), die in Baum-
wipfeln oft viele Jahre am selben Ort beste-

2 Rabenkrähe
Corvus corone corone

L 47cm bekannt Jan.-Dez.


hen, haben früher oft Tausende von Nestern
umfaßt; heute sind es meist nur noch einige
Dutzend oder einige hundert. Zu Tausenden
aber kommen alljährlich osteuropäische Saat-
Kennzeichen: Einfarbig schwarzes Gefieder; krähen nach Mitteleuropa zum Überwintern.
Ruf gereiht „krah-krah-krah" (Name!).
Vorkommen: Außer im Innern großer Wald-
gebiete überall anzutreffen; in Westeuropa
und im Westteil Mitteleuropas sehr häufig.
Wissenswertes: Reiches Nahrungsangebot
5 Dohle
Corvus monedula

L 33cm —Taube Jan.-Dez.


u.a. durch Maisanbau und Großdeponien und Kennzeichen: Schwarz, jedoch grauer Nak-
Abbau der Fluchtdistanz gegenüber dem ken und graue Unterseite; Ruf „jack".
Menschen haben zu einer deutlichen Be- Vorkommen: Feldgehölze, Parks und
standszunahme geführt. Die Arealgrenzer ge- Ortschaften; mehr oder weniger häufig, je
genüber der Nebelkrähe sind relativ konstant. nach Angebot an Brutplätzen in Baumhöhlen
Die Rabenkrähe lebt südwestlich einer Linie oder Mauerlöchern und -nischen.
von der Lübecker Bucht bis zur Elbe bei Dres- Wissenswertes: Dohlen sind auch Kunst-
den in Westdeutschland, in den Benelux-Staa- kennern und Touristen vertraut. Viele histori-
ten, in Frankreich, England und auf der Iberi- sche Gebäude, vor allem Kirchen, Burgen und
schen Halbinsel. Die Nebelkrähe brütet in al- Schlösser, aber auch Stadtmauern und alte
len anderen Teilen Europas unter Einschluß Bürgerhäuser mit verwinkelten Dächern und
Irlands und Schottlands sowie Italiens samt Kaminen bieten den Dohlen Möglichkeiten zur
Korsika und Sardinien. Raben- und Nebel- Brut und manchmal sogar zur Bildung
krähe sind zwei Rassen einer einzigen Art. größerer Brutkolonien.
Vögel

Nadelwäldern; als Wintergast auch in der

1
Elster
Pica pica Ebene, sogar - auffallend vertraut - in Gärten
und Parks.
L 23+23cm «Krähe Jan.-Dez. Wissenswertes: Die Art kommt in verschie-
Kennzeichen: Mit schwarz-weißem Gefieder denen Rassen in den Nadelholzzonen der
und langem Schwanz; allgemein bekannt. Gebirge sowie von Südschweden bis zum Pa-
Vorkommen: Vor allem in der urbanindu- zifik vor. Bedingt durch die Ausdehnung des
striellen Landschaft sehr häufig; auch in der Fichtenanbaus breitet sich der Tannenhäher
Nachbarschaft von Dörfern und Gehöften. auch in den Hochlagen einiger Mittelgebirge
Wissenswertes: Die großen runden Nester aus. Durch das Verstecken von Koniferensa-
der Elster - „Kobel" genannt - sind sehr auf- men fördert er maßgeblich die .Anpflanzung"
fällig. Meistens gibt es deutlich mehr Nester und Ausbreitung der Waldbäume, vor allem
als Elstern-Brutpaare. Auch ohne Abschuß der Zirbelkiefer oder Arve.
von Elstern ist kein unbegrenztes Anwachsen
des Bestandes zu befürchter. Dafür sorgen

4
Alpendohle
bereits die Begrenztheit geeigneter Lebens- Pyrrhocorax graculus
räume, das Revierverhalten der Elstern und
deren Verdrängung durch Rabenkrähe und L 38cm > Taube Jan.-Dez.
Sperber. Kennzeichen: Schwarzes Gefieder, gelber
Schnabel, rote Beine.
Vorkommen: Im Hochgebirge oberhalb der

2
Eichelhäher
Garrulus glandarius Baumgrenze verbreitet; zur Nahrungssuche
auf Alpenmatten und Geröllfeldern, aber auch
L 34 cm ~ Taube Jan.-Dez. gern an alpinen Touristenzentren.
Kennzeichen: Rotbrauner Rumpf, weißer Wissenswertes: Viele Alpendohlen, die
Bürzel, schwarzer Schwanz; blauschwarze meist gesellig in Schwärmen leben, haben
Bänderung der Flügeldecke; Ruf laut und oft sich darauf eingestellt, sich von Abfällen der
wiederholt „rätsch". Touristen zu ernähren oder sich sogar füttern
Vorkommen: Häufig in Wäldern aller Art; mit zu lassen. Die Nester werden einzeln in unzu-
besonderer Vorliebe für Eichen, zunehmend gänglichen Felsspalten gebaut.
auch in Parks und Gärten. Wissenswertes:
Manche Tierfreunde nehmen dem Häher

5
Alpenkrähe
gelegentliche Nestplünderei übel. Aus Pyrrhocorax pyrrhocorax
ökologischer Sicht aber ist er ein sehr
wichtiger und schützenswerter Vogel. Da- L 40cm «Krähe Jan.-Dez.
durch, da3 jeder einzelne Eichelhäher im Kennzeichen: Glänzend schwarzes Gefie-
Herbst Tausende von Eicheln sammelt, zum der; Schnabel rot, lang und gebogen; rote
Teil auf Freiflächen in die Erde steckt und die Beine.
wenigsten im Winter wiederfindet, sind die Hä- Vorkommen: Selten und zerstreut; in Teilen
her die mit Abstand fleißigsten Eichenpflan- der Alpen und im Mittelmeerraum in felsigen
zer. Ŷ Gebirgen; in Irland, Wales und der Bretagne
sowie auf Mittelmeerinseln auch auf Felsen-
klippen an der Küste.

3
Tannenhäher
Nucifraga caryocatactes Wissenswertes: Das Verbreitungsgebiet der
Alpenkrähe ist stark aufgesplittert. Die einzel-
L 32cm —Taube Jan.-Dez. nen Populationen leben weit voneinander ent-
Kennzeichen: Dunkelbraunes Gefieder mit fernt. Trotz mancher Gemeinsamkeiten in
weißen Tropfen; Unterschwanzdecken weiß. Brutplatz- und Nahrungswahl schließt sich die
Vorkommen: Als Brutvogel in den Alpen ver- Alpenkrähe dem Menschen weniger gern
breitet, in den höheren Mittelgebirgen nur zer- an als die Alpendohle. Ihr Bestand ist rück-
streut; vorzugsweise in zirbelkiefernreichen läufig.
Vögel

bezeichnet werden. Oft als Gartenschädling

I
Star Stumus vulgaris
gescholten, löst sein örtlicher Bestandsrück-
L 22cm bekannt Jan.-Dez. gang in neuerer Zeit jedoch sofort Besorgnis
Kennzeichen: Gedrungene Gestalt; kurzer aus.
Schwanz; dunkel glänzendes Gefieder; im
Herbst und Winter mit weißen Tupfen („Perl-

3
Feldsperling
star"); im Sommer schlichter; beim schwat- Passer montanus
zenden Gesang auffallendes Flügelschlagen.
Vorkommen: Sowohl in Siedlungen als auch L 14cm <Sperling Jan.-Dez.
in der Agrarlandschaft sehr häufig; auch in Kennzeichen: Oberkopf kastanienbraun;
höhlenreichen Wäldern heimisch. auffallende dunkle Wangenflecken.
Wissenswertes: Der Star gilt als „Kirschen- Vorkommen: Häufiger als der Haussperling
dieb". Wenn er in großen Schwärmen in Obst- im ländlichen Umland, auch in Hecken und
gärten und Weinberge einfällt, kann er sich Feldgehölzen; weit verbreitet.
schon recht unbeliebt machen. Mit Flügge- Wissenswertes: Die Baumhöhlen und Nist-
werden der Jungen im Juni wachsen die kästen, in denen die Feldsperlinge brüten,
abendlichen Schlafgesellschaften an. Mas- werden bereits im Winter zuvor gern als
senschlafplätze können von mehreren hun- Schlaf höhlen benutzt und auf diese Art schon
derttausend Staren bevölkert sein. Der Einfall früh den Konkurrenten - vor allem den Meisen
der Stare ist dann ein eindrucksvolles Natur- - abgetrotzt.
schauspiel. Als oft jahrelang angeflogene
Schlafplätze dienen Schilfröhrichte, dichte

4
Steinsperling
Gehölze (manchmal auf den nicht zugängli- Petronia petronia
chen Autobahn-„Kleeblättern") und in den
Städten sogar efeubewachsene Hausfassa- L 14cm <Sperling Jan.-Dez.
den. Mehrheitlich verlassen uns die Stare im Kennzeichen: Braune Streifen an den Kopf-
Spätherbst; immer häufiger aber versuchen seiten; Männchen mit hellgelbem Kehlfleck.
sie zu überwintern, vornehmlich in den Städ- Vorkommen: Trockene Steppen- oder Fels-
ten. landschaften des Mittelmeerraumes; früher
auch vereinzelt in Mitteleuropa.

2
Haussperling Wissenswertes: Im vorigen Jahrhundert, in
Passer domesticus Thüringen und Bayern auch noch in der er-
sten Hälfte dieses Jahrhunderts, trat der Stein-
L 1 5 c m bekannt Jan.-Dez. sperling als seltener Brutvogel nördlich der
Kennzeichen: Das Männchen (2a) mit Alpen auf. Heute gilt er hier als ausgestorben,
schwarzer Kehle und grauem Scheitel; das möglicherweise aus klimatischen Gründen.
Weibchen (2b) schlichter, mit grauer Brust.
Vorkommen: Häufig bis sehr häufig überall,

5
Schneefink
wo Menschen leben.
Montifringilla nivaiis
Wissenswertes: Der Name „Sperling" geht
nicht - wie gelegentlich vermutet - auf das L 18cm »Sperling Jan.-Dez.
„Sperren", das Betteln der Jungvögel mit ge-
Kennzeichen: Oberseits braun, jedoch
öffnetem Schnabel, sondern auf einen goti- grauer Kopf und weiße Flügel. Vorkommen:
schen und althochdeutschen Namen zurück. Im Sommer und im Winter auf nackten
Die frühe Namengebung unterstreicht die be-
Felsen der Alpen; meist in mehr als 2000 m
sondere Vertrautheit des Menschen mit die- Höhe.
sem gefiederten Nachbarn! Obwohl nicht be- Wissenswertes: Unter den Hochgebirgsbe-
sonders „stimmbegabt", gehört unser liebevoll
wohnern ist der Schneefink ein extremer „Gip-
„Spatz" genannter Vogel zu den Singvögeln, felstürmer". Er hat in den Alpen schon in über
die insgesamt vielfach als „Sperlingsvögel" 3200 m Höhe gebrütet und hält dort auch in
eisigen Winterstürmen durch.
Vögel

1 3
Buchfink Grünling
Fringilla coelebs Chloris chloris

L 15cm —Sperling Jan.-Dez. L 15cm —Sperling Jan.-Dez.


Kennzeichen: Zwei weiße Flügelbinden; Kennzeichen: Männchen (3a) mit olivgrü-
Männchen (1 b) mit rotbrauner Brust und schie- nem, Weibchen (3b) mit graugrünem Gefie-
fergrauem Nacken; Weibchen (1a) hier heller der; gelbe Flügeldecken; Ruf gedehnt „düht".
bzw. weniger farbintensiv. Ruf „pink" (Fink). Vorkommen: Sehr häufig in Gärten, Parks,
Vorkommen: Überall, wo es Bäume gibt; von Feldgehölzen, an Waldrändern.
Gärten bis zu Wäldern aller Art; sehr häufig. Wissenswertes: Im Winter ist der Grünling
Wissenswertes: Mit über 10 Millionen Brut- einer der regelmäßigen Gäste an den Futter-
paaren ist der Buchfink die häufigste Vogelart häusern und zeichnet sich durch seine Zu-
Mitteleuropas. Sein markanter Schlag ist über- traulichkeit aus. Manche Gartenfreunde mö-
all so bekannt, daß ihm der Volksmund viele gen ihn nicht so gern, weil er zeitweilig mit
regional unterschiedliche Texte unterlegt. „Bin Vorliebe Blatt- und Blütenknospen zerbeißt. Im
ich nicht ein schöner Bräutigam" und „Ge- Herbst haben es ihm die Hagebutten angetan,
grüßest seist du, Maria" gehören zu den ver- vor allem die großen der Kartoffelrose. Geöff-
breitetsten. Außerhalb der Brutzeit sieht man nete Hagebutten mit ausgeklaubten Nüßchen
Buchfinken oft in riesigen Scharen auf Feldern gehen in aller Regel auf das Konto des Grün-
oder bei reicher Bucheckernmast auch in lings. Sein Nest baut er sehr versteckt in dich-
Wäldern. Dabei bilden sie oft mit anderen Fin- tem Gezweig, neuerdings aber auch vermehrt
ken und Ammern gemischte Schwärme. Zur an Gebäuden. Recht ungewöhnlich ist sein
Nahrungssuche halten sich die Buchfinken Singflug, in dem sich der Vogel ganz anders
meistens am Boden auf. Das halbkugelige bewegt als sonst und dabei wie eine Fleder-
Nest wird sehr kunstvoll aus Moosen und maus gaukelt.
Grashalmen aufgebaut und außen mit Flech-

4
ten und Spinnenfäden getarnt. Stieglitz
Carduelis carduelis

2 Bergfink
Fringilla montifringilla

L 15cm ~ Sperling Okt.-Apr.


L 1 2 c m «Sperling Jan.-Dez.
Kennzeichen: Kopf weißschwarz mit roter
Gesichtsmaske; gelbes Flügelband; Ruf
Kennzeichen: Orangefarbene Brust und „stieglitt" („Stieglitz").
Schultern; weißer Bürzel; quäkende Rufe; Vorkommen: Obstwiesen, Friedhöfe und
Männchen zur Brutzeit mit schwarzem Kopf Parks, Randbereiche von Wäldern aller Art;
und Rücken (2a), im Schlichtkleid dagegen regional sehr unterschiedliche Brutdichte.
mit bräunlichem und dunkel geschupptem Wissenswertes: Diese besonders vielfarbi-
Rücken (2b); Weibchen dem Buchfinkenweib- gen Finkenvögel bieten den schönsten An-
chen ähnlich. blick, wenn sich die Köpfe verblühter Disteln
Vorkommen: Zeitweilig in großen Schwär- unter dem Gewicht der „Distelfinken" neigen,
men; sowohl auf Feldern als auch in Wäldern; die aus ihnen die Samen herausziehen und
Wintergast. verspeisen. Aber auch die Samen anderer
Wissenswertes: Aus den Wäldern Skandi- Korbblütler werden besonders gern verzehrt,
naviens, Finnlands und Westsibiriens fallen oft im Winterhalbjahr auch Birken- und Erlensa-
Millionen von Bergfinken wintertags in Mittel- men. Als Käfigvogel war der Stieglitz frühet
europa ein. Sie erscheinen auch an Futter- sehr beliebt. Die Kinder hören gern die Ge-
häusern, vor allem aber in den Buchenwald- schichte, daß die Art deshalb so viele unter-
gebieten, sofern es reichlich Bucheckern gab. schiedliche Gefiederfarben habe, weil sie bei
Hier machen sie manchmal so gründlich rei- der Farbverteilung durcn den lieben Gott zu
nen Tisch, daß die von den Förstern erwartete spät erschien und von allen Farben nur noch
Naturverjüngung völlig ausfallen kann. die Reste bekam.
Vögel

braun; Männchen (3a) im Sommer mit blut-

1
Erlenzeisig
Spinus spinus roter Brust und Stirn (Name!). Vorkommen:
Hecken und Gebüsche; außer in der
L 12cm «Sperling Jan.-Dez. Agrarlandschaft auch im Siedlungsbereich,
Kennzeichen: Blaumeisengroß und quickle- auf Friedhöfen, in Parks und strauchreichen
bendig; Gefieder mit dunkleren Streifen auf Gärten; recht häufig. Wissenswertes: Nicht
gelblichem Grund; Männchen (1b) mit Baumsamen, sondern Samen von Kräutern
schwarzem Scheitel und Kinnfleck; außerhalb und Stauden sind die mit Abstand wichtigste
der Brutzeit meistens in größeren Trupps; ge- Nahrung des Bluthänflings. Daß er sich
wandt im Flug manövrierend oder an Erlen- früher, als noch mehr Hanf angebaut wurde,
zapfen hängend. auch über dessen Samen hermachte,
Vorkommen: Als Brutvogel mehr in den Na- dokumentiert der Name „Hänfling"
delwäldern des Berglandes; außerhalb der (hanfsamenfresser). Sein Nest baut er in
Brutzeit überall anzutreffen, vor allem in erlen- Hecken und Gebüschen in der Regel nur 1-2m
und birkenreichen Gebieten. über dem Boden. Chemische Unkraut-
Wissenswertes: Der Erlenzeisig ist ein sehr bekämpfung und Schwund der Ödlandflä-
unsteter Vogel, der mal hier und mal dort chen haben vielerorts zu einem deutlichen
brütet. Weil sein Nest in über 10m Höhe im Bestandsrückgang geführt. Neuerdings je-
Wipfel von Nadelbäumen nur schwer zu fin- doch scheint der Hänfling von der Flächen-
den ist, bleibt manche Brut unentdeckt. Im stillegung in der Landwirtschaft zu profitieren,
Volksmund gilt das Zeisignest sogar als un- vor allem dort, wo man Äcker einfach brach-
sichtbar. Um so leichter waren die Zeisige zu fallen läßt.
fangen; viele verbrachten früher den Rest ih-

4
res Lebens in engen Käfigen. Girlitz
Serinus serinus

2 Birkenzeisig
Acanthis flammea

L 13cm <Sperling Jan.-Dez.


L 1 2 c m «Sperling Febr.-Nov.
Kennzeichen: Auf gelblichem Grund dunk-
ler gestreift; auffallend gelber Bürzel; im Ge-
Kennzeichen: Graubraun gestreift; vom gensatz zum Erlenzeisig kein Gelb am
Hänfling durch schwarzen Kinnfleck und helle Schwanz.
Flügelbinde zu unterscheiden. Vorkommen: In gehölzdurchsetzter Kultur-
Vorkommen: Nadelwälder und Weiden-, Bir landschaft; häufig; vor allem in Gärten und
ken- und Erlengebüsche des Berglandes; zu Parks, aber auch in Obstwiesen und Wein-
nehmend auch in Gärten und Parks hinab bis bergen.
in das Tiefland. I Wissenswertes: Der Girlitz läßt sein lang
Wissenswertes: Die Art hat sich zunächst anhaltendes hohes Sirren besonders gern von
als Brutvogel in den Mittelgebirgen und in hohen Warten aus vernehmen. In Dörfern und
Küstennähe ausgebreitet; inzwischen aber Gartenstädten sind dies meistens Antennen.
geht sie weit über die Mittelgebirgsschwelle Telegrafenmasten und Dachfirste. Im Flug ruft
hinaus und bevorzugt hier immer stärker die er kürzer trillernd oder sonst zweisilbig „girlit"
Dörfer und den Randbereich der Städte. Au- (Name!). Ähnlich dem Grünling vollführt er
ßerdem kommen in unregelmäßigen Abstän- gelegentlich mit langer Strophe einen gau-
den Scharen der nordischen Birkenzeisig- kelnden Singflug. - Als Brutvogel ist der Girlitz
Rasse als Wintergäste nach Mitteleuropa. im Tiefland allgemein häufig, im Gebirge da-
gegen unregelmäßig verbreitet. Im Vergleich
zu anderen Arten ist er noch ein Neubürger in

3
Bluthänfling
Carduelis cannabina Mitteleuropa, der sich erst im vorigen Jahr-
hundert hier anzusiedeln begann und noch
L 1 3c m <Sperling Jan.-Dez. bis in unsere Zeit hinein hier und dort Verbrei-
Kennzeichen: Schwächer gestreift; Rücken tungslücken schließt.
Vögel

und leben möglicherweise zeitlebens in Dau-

1 Kernbeißer
Coccothraustes coccothraustes

L 18cm »Sperling Jan.-Dez.


erehe. Der Gesang ist relativ leise und des-
halb im Vogelkonzert leicht zu überhören. Un-
gewöhnlich ist, daß auch die Gimpel-Weib-
Kennzeichen: Größe; sehr kräftiger Schna- chen singen. - Der Name „Dompfaff" für den
bel; braune Oberseite, grauer Nacken, weißes Gimpel geht auf die schwarze Kappe und die
Flügelfeld; Ruf scharf „zick". Vorkommen: In kardinalsrote Brust zurück.
Laub- und Mischwäldern, Feldgehölzen
und Parks recht häufig, allerdings von Ort

3
Fichtenkreuzschnabel
zu Ort in stark wechselnder Loxia curvirostra
Siedlungsdichte.
Wissenswertes: Trotz seiner Nachbarschaft L 17cm >Sperling Jan.-Dez.
zum Menschen bleibt der Kernbeißer oft un- Kennzeichen: Männchen (3a) auffällig rot,
entdeckt, weil er sich mit Vorliebe in hohen Weibchen (3b) unscheinbarer oliv; Flügel und
Baumkronen versteckt hält. Zwischen 10 und Schwanz dunkel; ungewöhnlich „gekreuzter"
20 m hoch und meistens in Astquirlen in der Schnabel.
Nähe des Stammes baut er sein Nest. Baum- Vorkommen: In stark wechselnder Häufig-
samen, auch solche mit harten Schalen, sind keit - abhängig vom Zapfenangebot - in Na-
die Hauptnahrung des Kernbeißers, der sogar del-, vor allem Fichtenwäldern, und in konife-
Kirschkerne zu knacken vermag (Name!). Im renreichen Parks.
Winterhalbjahr bekommt man ihn häufiger zu Wissenswertes: Die sehr unstete Vogelart
sehen, weil er dann auch in Vogelfutterhäus- wird neuerdings regelmäßiger beobachtet
chen kommt und am Boden herabgefallene weil sie vielerorts häufiger und verstärkt reife
Baumsamen frißt. Fichtenzapfen vorfindet. Die reichere Zapfen-
mast wird als Folge verringerter Wasserver-
sorgung im Vorjahr durch Dürre und durch

2 Gimpel
Pyrrhula pyrrhula

L 15cm —Sperling Jan.-Dez.


immissionsbedingten Verlust von Feinwurzeln
erklärt. - Die Fichtenkreuzschnäbel als Nah-
rungsspezalisten sind zu einer unsteten Le-
Kennzeichen: Weißer Bürzel, schwarze bensweise gezwungen, weil sie an den ver-
Kappe; Männchen (2a) mit roter Brust; Ruf schiedenen Orten zeitweilig sehr viel, zeitwei-
klagend „düh". lig auch gar keine Nahrung finden. Die unge-
Vorkommen: In Wäldern aller Art, Gärten wöhnliche Brutzeit Februar/März unterstreicht
und Parks; überall sehr häufig; auch in Haus- ebenfalls die enge Bindung an die Fichte,
nähe und an Futterplätzen. Wissenswertes: deren Zapfen um diese Zeit reifen.
Die Ausbreitung von Nadelbaumarten in
Forsten und Gärten und von Stickstoff
liebenden Hochstauden an den Waldrändern
scheint die Zunahme dieser Art gefördert zu
4 Schneeammer
Plectrophenax nivalis

L 1 7c m >Sperling Okt.-Apr.
haben. Ihre sprichwörtliche, als Dummheit
ausgelegte Zutraulichkeit gegenüber dem Kennzeichen: Im Winter überwiegend weiß
Menschen („simpler Gimpel") erleichtert ihr bis sehr hell braun wirkend; im Flug mit
die Besiedlung der Städte, die neuerdings schwarzen Flügelspitzen. Vorkommen: Im
vielerorts beobachtet wird. Durch offenen Gelände in Küstennähe als häufiger
Nachahmung seines Rufs kann man den Gim- Wintergast aus Norweger und Island.
pel leichter anlocken und fangen als die mei- Wissenswertes: Während man die Schnee-
sten anderen Vogelarten. Früher verlor man- ammer im Winter an den Meeresküsten regel-
cher Gimpel auf diese Art seine Freiheit und mäßig und oft in großen Scharen antrifft, be-
wurde fortan im Käfig oder in der Voliere ge- gegnet man ihr schon wenige Kilometer ent-
halten. - Viele Gimpelpaare halten über die fernt landeinwärts nur noch sehr vereinzelt.
Brutzeit hinaus auch im Winter zusammen
Vögel

3
Orteten
1
Goldammer
Emberiza citrinella Emberiza hortulana

L 17cm >Sperling Jan.-Dez. L 1 7c m >Sperling Apr.-Sept.


Kennzeichen: Kopf und Unterseite gelb; Kennzeichen: Kopf und Brust grau; gelbe
Rücken Kastanienbraun gestreift; rotbrauner Kehle; sonst der Goldammer ähnlich, aber
Bürzel; Weibchen weniger lebhaft gelb mit ohne auffallend rotbrauner Bürzel. Männchen
mehr dunklen Streifen (1 b). Gleichförmig wie- (3b) auf der Bauchseite kontrastreicher.
derholte Liedstrophe: „zizizi-zieh", im Volks- Vorkommen: Warme, trockene, meist san-
mund „wie-wie-wie hab ich die lieb". dige Landstriche mit Getreidefeldern, die mit
Vorkommen: In Feldern und Wiesen, soweit Feldgehölzen oder Baumgruppen durchsetzt
einige Gehölze vorhanden sind; an Waldrän- sind; Heiden, Weinberge; nur noch punktuell,
dern; außerhalb der Brutzeit auch in der offe- durchweg selten.
nen Landschaft; sehr häufig. Wissenswertes: Der ungewöhnliche Name
Wissenswertes: Der Name „Goldammer" geht auf das Lateinische „Hortulana" (die Gar-
nimmt auf den hohen Anteil gelben und rötlich tenbewohnerin, die Gartenammer) zurück.
braunen Gefiedeis Bezug, durch den sich die Früher war der Ortolan weit verbreitet und galt
Gold- von der Grauammer unterscheidet. Als als Leckerbissen. Beethoven soll dem Orto-
Brutplatz bevorzugt sie Böschungen mit Gras- lan-Lied sein Motiv der S. Symphonie entlehnt
bulten und niedrigen Dornsträuchern. Dort haben: 3-5 gleich hohe Töne, an die sich ein
baut sie ihr Nest am Boden oder nur wenig tieferer anschließt (ti-ti-ti-ti-tüh). Die stärker
darüber im dichten Gestrüpp. Nach der Brut- kontinental und mediterran verbreitete Art lebt
zeit schließen sich die Goldammern mit Buch- in Mitteleuropa in vielen Bereichen am Rande
finken und anderen Finkenvögeln zu großen ihres Verbreitungsgebietes und reagiert sehr
Scharen zusammen, die gemeinsam durch heftig auf Klimaschwankungen und den aktu-
die Feldfluren ziehen. ellen Witterungsverlauf, aber auch auf Struk-
turverarmung ihres Brutgebietes. Hier ist vor
allem der Grund für den gegenwärtigen star-

2
Rohrammer
Emberiza schoeniclus ken Rückgang der Art und für die Preisgabe
früherer Brutgebiete in mehreren Teilen Mittel-
L 15crn —Sperling März-Okt. europas zu suchen.
Kennzeichen: Braun gemusterte Oberseite;
Schwanz außen weiß; Männchen (2a) zeit-
weilig mit auffälliger schwarzweißer Kopf-
zeichnung; stockende 5silbige Strophe: „Za-
ti-tai—zizi".
4 Grauammer
Emberiza calandra

L 18cm »Sperling Jan.-Dez.


Vorkommen: In Schilfröhrichten, soweit sie Kennzeichen: Größte heimische Ammer;
mit Weidengebüsch durchsetzt sind und nicht braunes, gestreiftes Gefieder; ohne Weiß am
ständig im Wasser stehen; an Flußufern, in Schwanz; kräftiger Schnabel. Vorkommen:
Streuwiesen, an Grabenrändern; recht häufig. Große offene Feldfluren und Wiesen mit
Wissenswertes: Der Volksmund meint mit einzelnen Gebüschen oder Tele-
dem Sprichwort „Er schimpft wie ein Rohr- grafenleitungen als Singwarte; noch regional
spatz" die Rohrammer, deren Gesang ein verbreitet, nicht häufig.
Tschilpen enthält, das stark an den Haussper- Wissenswertes: Große Grünlandflächen ei-
ling (Spatz) erinnert. Ihr Nest baut die Rohram- nerseits und fruchtbares Ackerland der Bör-
mer in üppiger krautiger Vegetation dicht über den andererseits waren früher die typischen
dem Boden, manchmal auch über Wasser. Lebensräume der Grauammer. Seit 1960 wird
Neuerdings brütet die Art vermehrt auch in ein rasanter Bestandsrückgang beobachtet.
Raps- und Getreidefeldern. Häufiger als früher für den sowohl klimatische Gründe als auch
versuchen Rohrammern hierzulande zu über- die steigende agrare Nutzungsintensität ver-
wintern. antwortlich gemacht werden.
Vögel

Alle auf dieser Seite vorgestellten Arten ge- Schnecken und nicht zuletzt Muscheln ganz
hören zu den Lappentauchern, die auf das oben auf seiner Speisekarte.
Tauchen und den Fischfang spezialisiert sind.
Statt der Schwimmhäute haben sie an den

3
Rothalstaucher
Zehen Schwimmlappen. Wenn sie ausnahms- Podiceps grisegena
weise einmal fliegen, wirken sie schwanzlos.
Auf dem Wasser heben sich zumindest Hau- L 43cm «Stockente Jan.-Dez.
ben- und Rothalstaucher von anderen Kennzeichen: Im Sommer rostroter Hals
Schwimmvögeln durch ihren langen, dünnen (Name!), weiße Wangen und schwarze Kappe;
Hals ab, der meistens senkrecht aufgerichtet im Winter grau mit weißen Wangen; deutlich
getragen wird. kleiner als Haubentaucher. Vorkommen:
Brutvogel vor allem im Ostseeküstenraum;
sonst Durchzügler und Gast an der Küste

1
Haubentaucher
Podiceps cristatus und auf Binnengewässern aller Art; ziemlich
selten.
L 48cm < Stockente Jan.-Dez. Wissenswertes: Die Wintergäste stammen
Kennzeichen: Zur Brutzeit mit auffallendem aus Osteuropa und Westsibirien. Die größeren
Kopfschmuck; im Winter weißer Kopf mit Lappentaucher-Arten jagen in der Regel län-
dunklem Scheitel. ger unter Wasser und in größerer Tiefe als die
Vorkommen: Seen, Talsperren, gestaute kleineren Arten: Zwergtaucher 1-2m tief und
Flußabschnitte; oft auch an der Küste; neu- 20 Sekunden lang, Rothalstaucher 3-4 m tief
erdings wieder ziemlich häufig. und 30 Sekunden lang, Haubentaucher 4-6 m
Wissenswertes: Ganzjährige Schonzeit hat tief und 45 Sekunden lang.
den Bestand der Haubentaucher deutlich an-
wachsen lassen. Ihre schwimmenden Nester
können sie auch auf Gewässern mit wech-
selndem Wasserstand - wie Talsperren -
bauen. Haubentaucher bei ihrer posenreichen
4 Schwarzhalstaucher
Podiceps nigricollis

L 30cm «Bläßhuhn Jan.-Dez.


Balz (1a) oder bei der Fütterung der Jungen Kennzeichen: Schwarzer Hals (Name!);
zu beobachten, ist heute wieder an den unter- gelbe Federbüschel an den Kopfseiten, aller-
schiedlichsten Gewässern möglich, zumal die dings nur im Brutkleid.
Fluchtdistanz vielerorts sehr gering geworden Vorkommen: Verstreut auf vegetationsrei-
ist. chen Gewässern brütend; vor allem im öst-
lichen und südlichen Mitteleuropa; stark im
Bestand schwankend; häufiger als Durchzüg-

2
Zwergtaucher
Tachybaptus ruficollis ler, selten als Überwinterer.

L 27cm > Amsel Jan.-Dez.


Kennzeichen: Klein, rundlich und kurzhal-
sig; heller Schnabelfleck; Balztriller „bi-bi-bi".
Vorkommen: Auf kleineren, vegetationsrei-
5 Ohrentaucher
Podiceps auritus

L 33cm «Bläßhuhn Sept.-Apr.


chen Weihern und Teichen; im Winter (2b) Kennzeichen: Rostbrauner Hals und gelbe
stärker auf Fließgewässern, auch in pflanzen- Federbüschel an den Kopfseiten („Ohren",
ärmeren Zonen; weit verbreitet, aber nicht ge- Name!), allerdings nur im Brutkleid; im Winter
rade zahlreich. Kopf oberseits schwarz, von Augenhöhe an
Wissenswertes: Der Haubentaucher ist un- weiß.
ser größter, der Zwergtaucher der kleinste Vorkommen: In Mitteleuropa nur Durchzüg-
Lappentaucher. Letzterer wirkt auf dem Was- ler und Wintergast; meistens an größeren Ge-
ser wie ein schwimmender brauner Federball. wässern, vor allem im Küstenbereich; nicht
Nur im Winter fängt er vornehm ich Fischchen, selten, aber meistens nur einzelne Exem-
sonst stehen Insekten, Krebschen, kleine plare.
Vögel

treffen; Brutkolonien jedoch nur an wenigen

1 Prachttaucher
Gavia arctica

L 62 cm > Stockente Sept.-Apr.


Orten.
Wissenswertes: Die in Mitteleuropa brüten-
den Kormorane kann man von den Brutvögeln
Kennzeichen: In Mitteleuropa fast nur im der Küsten Nordeuropas dadurch unterschei-
Winterkleid; dem Sterntaucher ähnlich; jedoch den, daß sie sich im Frühjahr für kurze Zeit am
gerader Schnabel, der im Gegensatz zum Hals mit weißen Schmuckfedern zieren. Alle
Kormorar meist waagerecht gehalten wird. Kormorane sind überaus gewandte Schwim-
Vorkommen: Als regelmäßiger, aber meist mer. Unter Wasser bewegen sie sich sowohl
vereinzelter Wintergast aus Skandinavien, durch rudernde Fuß- als auch durch Flügelbe-
Finnland und Westsibirien vor allem an der wegungen. Daß man sie an Land so häufig mit
Meeresküste, aber auch auf größeren Bin- halb ausgebreiteten Flügeln beim Trocknen
nengewässern. ihres Gefieders (3b) sieht, liegt daran, daß sie
Wissenswertes: Nur zur Brutzeit läßt der im Gegensatz zu vielen anderen Wasservö-
Prachttaucher seine bellenden und jodelnden geln keine Bürzeldrüsen haben, mit deren
Rufe vernehmen, die in der Einsamkeit und Talg sie die Federn einfetten könnten. Mit ei-
Stille nordischer Seen überraschen. Als vor- nem täglichen Nahrungsbedarf von 500-700
züglicher Schwimmer und Taucher, der bis zu g greifen sie nicht so intensiv in den Fischbe-
2 Minuten unter Wasser bleiben kann, legt er satz ein, wie teilweise behauptet wird. Die
auch auf dem Zuge Teile der Wanderstrecke nach 1970 wieder neu gegründeten Kolonien
schwimmend zurück. Interessant ist das soge- sollten unbedingt weiterhin geschützt bleiben.
nannte „Wasserlugen", bei dem die spezia- Nachdem man jahrhundertelang bestrebt war,
lisierten Fischjäger ihren Kopf in das Wasser die Kormorane auszurotten, hat sich inzwi-
eintauchen und nach Beute spähen. schen ein Bewußtseinswandel zu ihren Gun-
sten vollzogen. Der Name „Kormoran" ist aus
Corvus marinus (Meerrabe) zusammengezo-

2 Sterntaucher
Gavia stellata

L 58cm > Stockente Okt.-März


gen. In China wird er vereinzelt noch heute
zum Fischfang eingesetzt.

Kennzeichen: Im Winter dem Prachttaucher

4
Baßtölpel
ähnlich, jedoch mit schlankem, leicht aufge- Sula bassana
worfenem Schnabel.
Vorkommen: Wie der Prachttaucher Winter- L 91cm > Graugans Jan.-Dez.
gast aus Nord- und Nordosteuropa; seltener Kennzeichen: Doppelt möwengroßer, weißer
als der Prachttaucher im Binnenland, doch Seevogel mit schwarzen Flügelspitzen und
regelmäßig auf Küstengewässern. keilförmigem Schwanz.
Vorkommen: Reiner Meeresbewohner; oft
weit von den Küsten entfernt.

3
Kormoran
Phalacrocorax carbo Wissenswertes: Der Baßtölpel brütet in gro-
ßen Kolonien auf wenigen Felseninseln und
L 92cm > Graugans Jan.-Dez. auf Simsen felsiger Steilküsten Islands und
Kennzeichen: Erwachsene Tiere schwarz, Großbritanniens, neuerdings auch vereinzelt
mit weißem Abzeichen von den Wangen bis auf Helgoland. Die meisten bevölkern schotti-
zum Kinn; Jungtiere dunkelbraun, ohne Ab- sche Inseln, von denen einige wegen ihrer
zeichen am Kopf, aber mit heller Unterseite; Vogelkolonien weltbekannt sind (Bassrock).
auf dem Wasser wie Seetaucher tief einge- Die Flugmanöver des Baßtölpels sind überaus
taucht, aber mit schräg nach oben gerichte- eindrucksvoll. Fische werden durch senkrech-
tem Schnabel. tes Stoßtauchen aus oft über 30 m Höhe er-
Vorkommen: An der Meeresküste und auf beutet. Den Baßtölpel beim Fischfang zu be-
fischreichen Binnengewässern inzwischen obachten, gehört zu den schönsten Naturer-
wieder häufiger und teilweise zahlreich anzu- lebnissen.
i
Vögel

1 2
Graureiher Purpurreiher
Ardea cinerea Ardea purpurea

L 91 cm bekannt Jan.-Dez. Kennzeichen: L 79cm <Graureiher März-Okt.


Stattliche Größe; graue Oberseite; schwarzer Kennzeichen: Kleiner und dunkler als der
Streifen vom Auge bis in die herabhängenden Graureiher; Hals länger, schlangenartig be-
Schmuckfedern („Reiherfedern"); im übrigen wegt, rotbraun, schwarz gestreift.
Kopf und Hals weiß; im Flug mit Z-förmig Vorkommen: In größeren Schilfröhrichten:
zurückgelegtem Hals und den Schwanz selten; in den Niederlanden, Österreich und
überragenden Beinen. Vorkommen: Ungarn jeweils mehrere hundert, in Deutsch-
Neuerdings wieder häufiger Brutvogel; zum land und der Schweiz nur wenige Brutpaare
Beutefang an fischreichen Gewässern oder und diese nur unregelmäßig.
zur Mäusejagd auf Wiesen und Feldern; Wissenswertes: Die unterschiedliche Hals
Nester meistens in Kolonien in Wäldern und Rückenfärbung von Grau- und Purpurrei
unterschiedlichster Art. Wissenswertes: Daß her wird auch in den Namen angesprochen,
dieser Großvogel überlebte und nicht das wobei das „Purpur" wohl etwas übertrieben ist.
Schicksal anderer großer Beutegreifer teilt, Im Gegensatz zum Graureiher hält sich der
verdankt er wohl einem Hobby des Adels: Im Purpurreiher stärker in Röhrichten verborgen,
Mittelalter war er ein geschätztes Beizwild der wo er sowohl jagt als auch brütet. Den Winter
höheren Stände, und die sorgten auch dafür, verbringt er vor allem in den Steppengebieten
daß er ihnen für diesen Zweck erhalten blieb. Afrikas.
Bis in unser Jahrhundert hinein war es in
einigen großen Privatwäldern
Silberreiher
„Familientradition", die Reiher zu schützen.
Dennoch war der Reiherbestand
Mitteleuropa in der Mitte unseres Jahrhun-
in 3 Egretta alba

L 89cm ~ Graureiher Jan.-Dez.


derts infolge intensiver Verfolgung - vor allem Kennzeichen: Größer als die anderen wei-
an den Fischgewässern - stark geschrumpft. ßen Reiher; gelbe Schnabelwurzel; schwarze
Daß er heute wieder als weitgehend ungefähr- Füße.
det betrachtet werden kann, ist ein Ergebnis Vorkommen: Am Neusiedler See Brutvogel,
erfolgreichen Artenschutzes, zu dem auch die sonst in Mitteleuropa nur in Holland einzelne
nach und nach eingeführte ganzjährige Brüten, in Deutschland gelegentlicher Gast in
Schonzeit gehört. - Der Graureiher ist ein ty- dichten Schilfröhrichten.
pischer Koloniebrüter; Einzelhorste sind ver-
gleichsweise selten anzutreffen. Inzwischen

4
Seidenreiher
gibt es auch in Mitteleuropa wieder Kolonien
Egretta garzetta
mit weit über 100, an der Atlantikküste sogar
mit bis zu knapp 2000 Brutpaaren. Durch frü-
L 56cm «Graureiher Apr.-Okt.
hen Brutbeginn Ende Februar/März ist ge-
Kennzeichen: Klein; schneeweiß; schwarze
währleistet, daß die Jungen stark und schon
Beine und gelbe, im Frühling rötliche Füße.
recht erfahren in den Herbst und Winter ge-
Vorkommen: In Südfrankreich und im Mittel-
hen, den viele von ihnen weiter süd- und süd-
meerraum, vor allem im Südosten; in Mittel-
westlich in den Mittelmeerländern und in
europa Brutvogel in Ungarn, sonst nur selte-
Nordafrika verbringen. Den Nahrungsbedarf
ner Gast in Sümpfen und in der gebüschbe-
von täglich knapp 500 g decken die Grau-
wachsenen Verlandungszone von Seen.
reiher außerhalb der Brutzeit zu einem erheb-
Wissenswertes: Im Frühjahr bei der Heim-
lichen Teil durch den Fang von Wühlmäusen
kehr aus seinem Winterquartier aus Afrika
(1b). Schon aus diesem Grunde war es rich-
oder dem Mittelmeerraum scheint der Seiden-
tig, den früheren Namen „Fischreiher" dem
reiher gelegentlich über sein Brutgebiet „hin-
wissenschaftlichen Namen anzupassen und
auszuschießen" und auf diese Weise bis nach
durch „Graureiher" zu ersetzen.
Mitteleuropa zu gelangen.
Vögel

Vorkommen: Brut in Dörfern; Nahrungssu-

1 Große Rohrdommel
Botaurus stellaris

L 76cm «Graureiher Jan.-Dez.


che auf Feuchtgrünland, Acker- und Wiesen-
brache und an Teichen; Brutvogel nur in be-
stimmten, traditionell besiedelten Landschaf-
Kennzeichen: Plump wirkend; mit braun ge- ten bzw. Dörfern.
bändertem und geflecktem Gefieder. Wissenswertes: Für die Erhaltung keiner
Vorkommen: In großen Schilf- und Rohrkol- anderen Vogelart sind so aufwendige Anstren-
benbeständen; nur noch punktuell im nörd- gungen unternommen worden wie für den
lichen und nordöstlichen Mitteleuropa; meh- „Adebar", den „Träger" oder „Bringer" der
rere '00 Brutpaare in den Niederlanden und Neugeborenen, des Frühlings und des
in Mecklenburg. Glücks. Dennoch konnte dies den Rückgang
Wissenswertes: „Moorochse" nannte man der Weißstörche - zumal an den inselartigen
den nur selten auffliegenden und daher meist Brutplätzen westlich der Elbe - bestenfalls
unsichtbaren Rufer, dessen weithin hörbare verlangsamen. Über die Gründe dieser Ent-
dumpfe Stimme an ein im Sumpf versinken- wicklung wurde viel diskutiert und publiziert.
des Rind erinnert. Ihre optimale Farbanpas- Nahrungsmangel durch Melioration und Bio-
sung an das Röhricht ergänzt die Rohrdom- zideinsatz, Verluste durch Verdrahtung der
mel durch die sogenannte „Pfahlstellung", die Landschaft und Vergiftung und Abschuß wäh-
sie bei Gefahr einnimmt. Dazu richtet sie den rend der Winterreise wirken wahrscheinlich
Schnabel senkrecht empor und reckt sich so, zusammen. Das berühmte „Klappern" der
daß sie sich in die Linienführung der Halme Störche gehört sowohl zum Begrüßungszere-
einfügt. - Die Verwandtschaft mit den Reihern moniell der Partner als auch zum Abwehr-
unterstreicht die Rohrdommel durch ihre Z- verhalten gegenüber fremden Artgenossen.
förmige Halshaltung beim Flug. Allerdings Die Altvögel versorgen ihre Jungen nicht nur
erhebt sie sich viel seltener als die Reiher in mit Mäusen, Fröschen, Würmern und Insekten,
die Luft. Zerstörung und Beunruhigung der sondern tragen im Schlund auch Wasser her-
Lebensräume, aber auch strenge Winter dezi- bei.
mieren den Brutbestand dieser vor allem
nachts rufenden geheimnisvollen Vögel.

4
Schwarzstorch
Ciconia nigra

2
Zw e r g d om m e l
L 97cm > Graureiher März-Sept.
Ixobrychus minutus Kennzeichen: Größe; schwarz mit weißem
Bauch; Schnabel und Beine rot.
L 36cm <Bläßhuhn Apr.-Okt. Vorkommen: Größere naturnahe Waldge-
Kennzeichen: Kleinster Reiher; dunkle Kopf- biete mit Teichen und Sümpfen; selten.
oberseite; auffälliges helles Flügelfeld. Wissenswertes: Im Gegensatz zum men-
Vorkommen: Sehr zerstreute und zum Teil schenvertrauten Weißstorch ist der Schwarz-
nur unregelmäßige Brutvorkommen; auch in storch ein scheuer Waldbewohner mit schwer-
kleineren Schilfbeständen. Wissenswertes: punktartiger Verbreitung in Osteuropa und
Im Gegensatz zur Großen Rohrdommel, die Asien. An den meisten früheren Brutplätzen in
nicht selten hierzulande überwintert, zieht Mitteleuropa verschwand die Art bis etwa
die Zwergdommel früh und weit, zum Teil bis 1920. Seit Mitte dieses Jahrhunderts nimmt
Süd- und Ostafrika. Im Röhricht sitzt sie gern sie aber wieder zu und breitet sich aus, ob-
auf Halmen. wohl die Lebensbedingungen nicht unbedingt
besser geworden sind (Unruhe in den Wald-

3
Weißstorch gebieten durch Erholungsverkehr, Erschlie-
Ciconia ciconia ßung der Wälder und Verdichtung des Stra-
ßennetzes). Größtmöglicher Schutz vor Stö-
L 102cm »Graureiher Febr.-Okt. rungen ist zweifellos die beste Schutzmaß-
Kennzeichen: Größe; weiß mit schwarzen nahme für den Schwarzstorch.
Schwingen; Schnabel und Beine rot.
Vögel

Schnabel (Name!); im Flug (2c) mit ausge-

1 Kranich
Grus grus strecktem Hals.
Vorkommen: Gewässer mit Flachwasserzo-
nen und Röhrichten bzw. Ufergebüsch, weit
L 118cm »Graureiher Febr.-Nov.
Kennzeichen: Größe; im Flug ausgestreck- zerstreute Brutkolonien in den Niederlanden,
ter Hals und Beine; graues Gefieder; herab- Österreich und Ungarn; zusammen kaum
hängender schwärzlicher „Schwanz"; Flugrufe 1000 Brutpaare.
laut „gruh gruh" (wiss. Name!). Vorkommen: Wissenswertes: Die Löffler brüten in we-
Zur Brutzeit in Mooren, Sümpfen und nigen besonders geschützten Kolonien, u.a.
Bruchwäldern; sonst auf großen Wiesen und am Neusiedler See und auf Texel sowie in
Feldern, abends an Flachgewässern; neuerer Zeit zunehmend auch auf anderen
Brutvogel im nordöstlichen Mitteleuropa; sich holländischen Inseln. Ihre Nahrung, die aus
stabilisierende Bestände. Wissenswertes: Krebschen und Wasserinsekten, Kaulquappen
Die skandinavischen, deutschen und und kleinen Fischen, Schnecken und Mu-
polnischen Kraniche - insgesamt über 30000 scheln besteht, seihen sie aus dem flachen
Tiere - fliegen im Herbst auf einer nur 200- Wasser (2b). Dazu ist der löffeiförmige Schna-
300 km breiten „Flugschneise" nach bel, der durch seitliche Kopfbewegungen ge-
Südwesten und überwintern auf der Iberi- wandt eingesetzt wird, optimal geeignet. Die
schen Halbinsel, in Nordafrika, teilweise auch Nester der Löffler befinden sich im Schilfröh-
erst in Äthiopien. Die Flugschneise ist im We- richt auf umgeknicktem Pflanzenmaterial. Die
sten durch eine Linie Lübeck-Deventer-Ant- auch außerhalb der Brutzeit gesellig lebenden
werpen-Lille, im Osten durch eine Linie von Löffler fliegen zu mehreren meist in breiter
der Weichselmündung über die Oder zwi- Front und ziehen im Herbst bis in die Mittel-
schen Küstrin und Frankfurt, über Leipzig zum meerländer und manchmal noch über die Sa-
Main im Bereich der hessisch-bayerischen hara hinaus nach Süden.
Grenze zu beschreiben. Innerhalb dieser

3
Schneise kann man im Herbst die Keilforma- Flamingo
tionen („fliegende 1") der Kraniche erwarten. Phoenicopterus ruber
Vor dem Abzug im Oktober sammeln sich die
Kraniche an traditionellen Rastplätzen im Ost- L 127cm »Graureiher Kennzeichen:
seeküstengebiet, z.B. auf Rügen und Öland, Größe und Schlankheit; Gefieder weiß, rosa
am Bock und an der Müritz. - Im Volksmund angehaucht; Flügel schwarz und
werden die Kraniche auch als „Schneegänse" scharlachrot; extrem lange Beine und Hals.
bezeichnet, weil sie oft vor oder mit dem er- Vorkommen: Im Flachwasser brackiger Kü-
sten Kälteeinbruch in großen Verbänden stenlagunen und salzhaltiger Binnengewässer
durchziehen. Offenbar tragen intensive Bemü- des Mittelmeerraumes; in Mitieleuropa nur ge-
hungen um den Schutz dieser stattlichen legentlich als Gast, häufiger als Zooflüchtling.
Schreitvögel an den Brut- und Rastplätzen Wissenswertes: Flamingos gehören zu den
dazu bei, daß sich die Kranich bestände in apartesten und elegantesten Vögeln. Mit ih-
jüngster Zeit vergrößern und die Vorkommen rem nach unten abgewinkelten Schnabel sei-
zum Teil auch ausweiten. Kraniche leben hen sie Kleingetier aus dem Wasser. Die be-
überwiegend von pflanzlicher Nahrung, u.a. kanntesten Brutkolonien befinden sich in der
von Getreide, Erbsen, Bohnen und anderen Camargue und in Südspanien. Im Zwillbrok-
Feldfrüchten, sonst von Würmern, Schnecken ker Venn (Nordrhein-Westfalen) besteht eine
und Insekten. 10-15 Paare umfassende Brutkolonie des
Chile-Flamingos {Phoenicopterus chilensis),
der graue Beine mit rosafarbenen Gelenken
Löffler Platalea leucorodia
2 L 86cm < Graureiher Apr.-Sept.
Kennzeichen: Schneeweiß; löffeiförmiger
hat. Die Tiere überwintern an der Scheide-
mündung in Holland und kehren im Frühjahr
zurück.
Vögel

und benachbartem Grünland und Wintersaa-

1 Höckerschwan
Cygnus olor ten auch im Binnenland. Wissenswertes:
Der ruffreudigste unter den Schwänen
(Name!) stößt trompetende Laute aus, die
L 158cm bekannt Jan.-Dez.
Kennzeichen: Orangefarbener Schnabel mit über 1 km weit zu hören sind. Manche
schwarzem Höcker. Gewässer sind offenbar traditionelle Überwin-
Vorkommen: Sehr häufig verwildert auf Ge- terungsorte und werden sehr gezielt ange-
wässern aller Art, als Wildvogel auf größeren flogen, in den größeren Trupps dominieren oft
Seen im Nordosten; Park- und Wildvögel auch die noch nicht geschlechtsreifen Tiere. Die
vermischt und nicht mehr sicher unterscheid- Familien mit Jungen halten sich meistens et-
bar; auch an Meeresküsten. Wissenswertes: was stärker randlich oder gar getrennt von
Höckerschwäne lernt heute schon jedes den anderen Singschwänen auf. Die Partner
Kleinkind kennen. Auf fast allen bleiben das ganze Jahr über zusammen.
Parkgewässern sind die zutraulichen, oft auch Beide bauen gemeinsam das Nest und führen
ausgesprochen aufdringlichen Großvögel die gemeinsam die 3-6 Jungen. Die bekannte
Lieblinge der Besucher. Inzwischen wird be- Drohstellung des Höckerschwans gibt es bei
reits die starke Zunahme der Höckerschwäne den Singschwänen nicht.
beklagt und teilweise auch begrenzt, weil -
vor allem in Parks - Schäden an der Vegeta- Zwergschwan
tion und Verdrängung anderer Wasservogel-
arten unausbleiblich sind. Besonders kopf-
stark sind die Scharen der jugendlichen
3 Cygnus bewickii

L 120cm «Höckerschwan Nov.-März


Nichtbrüter; Höckerschwäne werden erst mit 3 Kennzeichen: Schwarzer Schnabel mit gel-
oder 4 Jahren geschlechtsreif. Während sie in ber Schnabelwurzel.
der Brutzeit gegenüber Artgenossen recht un- Vorkommen: Regelmäßiger Wintergast in
duldsam sind und als Wildvögel bis zu 1 km2 Küstennähe; nur selten im Binnenland.
große Reviere verteidigen, schließen sie sich Wissenswertes: Aus Nordrußland wandern
im Herbst oft zu Trupps zusammen. Im Winter diese kurzhalsigen, etwas kompakter wirken-
kommen sie gern in von Gewässern durch- den Schwäne über den Ladoga-See und den
flossene Städte, um sich dort füttern zu lassen. Finnischen Meerbusen an die Westküste Dä-
Der Start vom Wasser aus erfolgt immer ge- nemarks, zum Niederrhein und in die Nieder-
gen den Wind, oft durch Laufbewegungen mit lande, nach Südengland und in die Ca-
den Beinen unterstützt (1b). Tauchen können margue, wo sie feste Winterquartiere bezie-
die Schwäne nicht, aber dafür gründelnd mit hen.
dem langen Hals Wasserpflanzen noch in 1 m
Tiefe erreichen. Das schneeweiße Gefieder
und die anmutigen Halsbewegungen haben
den Schwan zum Inbegriff von Eleganz und
Schönheit werden lassen und ihm auch in der
4 Schwarzer Schwan
Cygnus atratus
L 145 cm < Höckerschwan Jan.-Dez.
Kennzeichen: Völlig schwarz, weiße Hand-
europäischen Kultur einen besonderen Rang schwingen nur im Fluge sichtbar.
gesichert. Vorkommen: Einzelne Tiere unregelmäßig
auf unterschiedlichsten Gewässern; immer

2
Singschwan Zoo- oder Parkteichflüchtlinge; keine dauer-
Cygnus cygnus hafte Ansiedlung.
Wissenswertes: Die Schwarzen Schwäne
L 150cm ~ Höckerschwan Nov.-März stammen ursprünglich aus Australien, wo sie
Kennzeichen: Gelber Schnabel mit schwar- in Kolonien dicht beisammen brüten. In Neu-
zer Spitze. seeland sind, sie seit 1864 eingebürgert; hier
Vorkommen: Im Norden in Küstennähe re- haben sie so stark zugenommen, daß der Be-
gelmäßiger und zum Teil zahlreicher Winter- stand heute reguliert werden muß.
gast; auf bestimmten Binnenseen, Altarmen
Vögel

Wissenswertes: Die meisten Saatgänse aus

1 Graugans
Anser anser

L 78cm ~ Hausgans Jan.-Dez.


dem riesigen eurasischen Brutgebiet über-
wintern in den europäischen Tiefländern zwi-
schen Holland und Polen. In der Regel sind es
Kennzeichen: Orangefarbener Schnabel; zwischen 200000 und 300000. Besonders
silbergraue Vorderflügel, besonders auffällig eindrucksvoll sind die abendlichen Flüge der
beim Auffliegen. großen Gänsescharen zu den Gewässern, auf
Vorkommen: Brutvogel in Sümpfen und im denen sie die Nacht verbringen.
Verlandungsgürtel von Seen; zur Nahrungs-
suche auch auf Wiesen und Feldern. Ur- Bläßgans Anser albifrons
sprüngliche Vorkommen im Norden und
Nordosten; nach Wiedereinbürgerung inzwi-
schen auch im Nordwesten schon zum Teil
3 L 68cm «Graugans Okt.-Apr.
Kennzeichen: Rötlicher Schnabel und weiße
häufig und weit verbreitet. Wissenswertes: Stirnblässe; schwarze Bauchstreifen.
Wie alle Gänse leben auch die Graugänse in Vorkommen: Brutvogel in der eurasischen
einer Dauer-Einehe. Männchen (Ganter) und Tundra von der Kanin- bis zur Taimyr-Halb-
Weibchen sind gleich gefärbt. Nur die insel; als Wintergast auf Grünland, vor allem in
Weibchen brüten, während die Männchen in Küstennähe.
Nestnähe Wache halten. Außerhalb der Wissenswertes: In den Niederlanden, am
Brutzeit sind alle Gänse sehr gesellig. Dann Niederrhein, am Dollart und im Ostseeküsten-
bilden oft Hunderte, manchmal auch gebiet weilt im Winter zeitweise bis zu einer
Tausende von Tieren riesige Herden. Dieses halben Million Bläßgänse und damit ein Groß-
kontaktfreudige Verhalten ist eine der wichtig- teil der gesamten Weltpopulation. Ungestörte
sten Voraussetzungen für die Domestikation. Nahrungsgründe in Mitteleuropa sind für
Unsere Hausgänse stammen von der Grau- diese nordischen Gänse überlebenswichtig.
gans ab und ähneln ihr auch noch in ihren Störungen verhindern die Aufnahme jener
„gang-gang-gang"-Rufen. Da sie sich auch Nahrungsmengen, die für den Aufbau von
bei abweichender Färbung bis hin zu schnee- Energiereserven für den Rückflug und die an-
weißem Gefieder mit den Angehörigen der schließende Brutzeit erforderlich sind. Des-
ursprünglichen Wildform bestens verstehen, halb wurden vor allem am Niederrhein
kommt es immer wieder zu Kreuzungen. Schutzgebiete für die nordischen Gänse ein-
Graugänse mit größeren weißen Gefiederpar- gerichtet und die Bejagung eingestellt. Die
tien sind das Resultat. Daß von „dummen Landwirte erhalten für die Flurschäden ein an-
Gänsen" keine Rede sein kann, weiß jeder, der gemessenes Entgelt.
sich etwas intensiver mit Haus- oder Wildgän-
sen befaßt hat. Bei den Römern galten sie als
klug und wachsam, und das nicht erst seit der
Rettung des Capitols durch Gänsegeschrei.
4 Streifengans
Anser indicus

L 74cm < Graugans Jan.-Dez.


Kennzeichen: Hellgrau; zwei schwarze

2 Saatgans
Anser fabalis

L 78cm —Graugans Okt.-März


Querbinden im Nacken.
Vorkommen: Vereinzelt an verschiedenen
Gewässern in Mitteleuropa; wohl immer als
Kennzeichen: Gelber Schnabel mit schwar- Gefangenschaftsflüchtling.
zer Zeichnung; braun, mit dunklerem Hals und Wissenswertes: Aus ihrem zentralasiati-
Kopf. sehen Brutgebiet wandert die Streifengans im
Vorkommen: Als Brutvogel der Taiga und Herbst nach Indien, Pakistan und Bangla-
Tundra West- und Ostsibiriens Wintergast vor desch. Die in Mitteleuropa, vor allem am Nie-
allem in Ost-, aber auch in anderen Teilen derrhein, beobachteten Tiere dürften alle aus
Deutschlands; dann auf Wiesen und Feldern Zoos und Parks entflogen sein.
in der Nachbarschaft größerer Gewässer.
Vögel

1 3
Weißwangengans Kanadagans
Branta leucopsis Branta canadensis

L 63cm »Stockente Okt.-Apr. L 96cm »Graugans Jan.-Dez.


Kennzeichen: Schwarz-Weiß-Färbung; wei- Kennzeichen: Kopf und Hals schwarz mit
ßes Gesicht (Name!). weißem Wangenfleck; brauner Rücken; größte
Vorkommen: Brutvögel von Nowaja Semlja Gänseart auf unseren Gewässern.
und weiteren Inseln der Barentssee als regel- Vorkommen: An Binnenseen, auch an klei-
mäßige und sehr zahlreiche Wintergäste im neren Gewässern; nicht selten auffallend ver-
Watt urd auf küstennahem Grünland, vor al- traut in Siedlungsnähe. Wissenswertes: Die
lem in Schleswig-Holstein, wo neuerdings aus Nordamerika stammende Art (Name!)
auch mehrere Paare gebrütet haben. wurde schon im 17. Jahr-hundert in England
Wissenswertes: Die Zahlen der Wintergäste und nach 1930 in Schweden eingebürgert. In
aus dem arktischen Rußland haben in den Mitteleuropa haben sich Kanadagänse von
letzten Jahren deutlich zugenommen. Mit über Parkteichen in die Freiheit abgesetzt. Die
70000 Individuen überwintert inzwischen die meisten hier beobachteten Tiere sind
Hälfte der gesamten Barentssee-Population Wintergäste aus Schweden.
im Bereich der Deutschen Bucht. Weitere
Brutgebiete der Weißwangengans sind auf

4
Brandgans
Grönland und Soitzbergen. Sie bevorzugt als Tadoma tadorna
Neststandort Klippen und Felsvorsprünge in
möglichst unmittelbarer Küstennähe und brü- L 64cm »Stockente Jan.-Dez.
tet nicht selten in kleinen Kolonien. Weil sie Kennzeichen: Überwiegend weiß mit dun-
wie eine Nonne ein schwarz-weißes Kleid kelgrünem Kopf und rotbraunem „Gürtel".
trägt, wird die Weißwangengans auch Non- Vorkommen: Küsten und küstennahe Ge-
nengans genannt. wässer, zunehmend häufiger auch im Binnen-
land, vor allem am Niederrhein.
Wissenswertes: Brand- und Nilgans sind

2
Ringelgans
Branta bernicla zwischen Gänsen und Enten einzuordnen.
Beide Partner sind - wie andere Gänse -
L 57 cm > Stockente Sept.-Mai einander ähnlich, aber so bunt wie sonst eher
Kennzeichen: Kleinste, dunkelste Gans mit die Enten. Die Brandgans brütet in Erdlöchern,
weißen Streifen an den Seiten des schwarzen gern in Kaninchenhöhlen. Im Juli/August
Halses (Name!); stark überwiegend die dun- kommen bis zu 100.000 Brandgänse zur Mau-
kelbäuchige Rasse. ser auf den Großen Knechtsand zwischen
Vorkommen: Brutgebiete dieser Rasse im Ems- und Wesermündung.
nordwestlichen Sibirien, vor allem auf der Tai-
myr-Halbinsel; zunehmend häufiger Winter-

5
Nilgans
gast in der Deutschen Bucht, vor allem in Alopochen aegyptiacus
Schleswig-Holstein; nur auf dem Meer und in
unmittelbarer Küstennähe. L 69cm «Graugans Jan.-Dez.
Wissenswertes: Sechs von zehn aller Kennzeichen: Plumper, großer Entenvogel;
dunkelbäuchigen Ringelgänse der Welt gelblichbraun; dunkle Ajgenumrandung.
kommen als Wintergäste nach Deutschland. Vorkommen: In England seit 200 Jahren
A|s reine Meeresgänse trinken sie - eingebürgert, in Holland seit 1969 wildlebend;
zumindest die Altvögel - sogar Salzwasser. deutliche Zunahme, vor allem am Niederrhein,
Als Nahrung bevorzugen sie Seegras und aber immer noch nur vereinzelt.
Queller, neuerdings aber auch zunehmend Wissenswertes: Die Nilgans ist einer der
Gräser und Wintergetreide. Insgesamt sind verbreitetsten Wasservögel Afrikas. Die Erst-
die verschiedenen Rassen der Ringelgans ansiedlung in Europa erfolgte mit mensch-
zirkumpolar verbreitet. licher Hilfe; seither breitet sich die Art aus.
Vögel

Wissenswertes: Bis zu welcher Tiefe unter

1
Stockente
Anas platyrhynchos Wasser pflanzliche und tierische Nahrung ge-
nutzt werden kann, hängt bei den Gründelen-
L 54cm bekannt Jan.-Dez. ten von der Länge des Halses ab. Die Krick-
Kennzeichen: Erpel im Prachtkleid mit glän- ente als kleinste Art ist vorzugsweise auf
zend grünem Kopf, braunroter Brust und Flachwasser und damit auf den ufernächsten
schwarzen „Schwanzlocken". Vorkommen: Bereich angewiesen. Stockenten und erst
An Gewässern aller Art; häufigste und recht Gänse und Schwäne sieht man oft etwas
verbreitetste Entenart. Wissenswertes: Die weiter vom Ufer entfernt gründeln. So wird
Stockente ist für viele Menschen die zugleich die Konkurrenz gemildert.
Wildente schlechthin; zugleich ist sie die
Stammform unserer Hausenten. Bastarde

3
Knäkente
zwischen Stock- und Hausenten sind auf Anas querquedula
vielen Parkteichen und Schloßgräben an-
zutreffen. Für alle Enten gilt, daß die Erpel die L 38cm -Bläßhuhn März-Okt.
längste Zeit des Jahres ein farbiges Kleid mit Kennzeichen: Kleine Entenart; Erpel mit auf-
artspezifischen „Abzeichen" auf den Flügeln fälligen weißen Streifen am Kopf.
und die Weibchen ein braunes, eher schlich- Vorkommen: Nur vereinzelt und unregelmä-
tes und unauffälliges Tarnkleid tragen. Die auf ßig Brutvogel an vegetationsreichen Gewäs-
der nebenstehenden und der folgenden Tafel sern; im gesamten mitteleuropäischen Raum
abgebildeten Entenarten haben mit der Stock- drastischer Rückgang.
ente gemeinsam, daß sie normalerweise nicht Wissenswertes: Die Knäkente gehört zu
tauchen, sondern „gründeln". Sie liegen höher den wenigen Langstreckenziehern unter den
auf dem Wasser als die tiefer einsinkenden heimischen Entenvögeln. Nur ein Bruchteil
Tauchenten. So können sie behende starten, überwintert in West- und Südeuropa, die
ohne auf dem Wasser zu laufen. Der Name Mehrzahl im tropischen Afrika. Ihren Namen
„Stockente" weist auf ihren bevorzugten Brut- hat die Art wegen ihrer schnarrenden Rufe.
platz in Baumhöhlen und in Kopfbäumen hin Die Nahrungsaufnahme erfolgt weniger durch
(1b). In den meisten Bundesländern ist die Gründeln unter Wasser als vielmehr dadurch,
Stockente die einzige Entenart, die noch be- daß Partikel von der Wasseroberfläche abge-
jagt werden darf. Häufig geschieht das beim pickt oder ausgeseiht werden.
„Entenstrich", d.h. bei den abendlichen Nah-
rungsflügen von den Rastgewässern auf das

4
Pfeifente
Land oder zu besonders ergiebigen Nah- Anas penelope
rungsgründen.
L 46cm «Stockente Sept.-Apr.

2
Krickente Kennzeichen: Erpel mit rotbraunem Kopf
Anas crecca und großer hellgelber Blesse; pfeifender Ruf
wie „huihu" (Name!).
L 35cm <Bläßhuhn Jan.-Dez. Vorkommen: Brutvogel an vegetationsrei-
Kennzeichen: Kleinste heimische Ente; Er- chen Gewässern in Nordeuropa und Nord-
pel mit grauem Rücken, weißen Flügelstreifen asien, nur unregelmäßig einzelne Paare in Mit-
und grünem „Spiegel" (Flügelabzeichen); teleuropa; Durchzügler und Wintergäste zu
Weibchen (2b) schlicht graubraun, aber Tausenden an unseren Küsten, auch einzeln
ebenfalls mit grünem Flügelspiegel; Ruf „kritt oder in Trupps auf Gewässern im Binnenland.
kritt" (Name!). Wissenswertes: Durch die markanten Riffe
Vorkommen: Flache Gewässer mit Verlan- der Männchen wird der Beobachter auch bei
dungszonen, Sümpfe, überschwemmte Wie- gemischten Entenscharen immer sehr schnell
sen; im Winter und auf dem Zug zahlreich und auf die Reifenten aufmerksam. Öfter als die
weit verbreitet; als Brutvogel jedoch viel selte- anderen Gründelenten sieht man die Reifen-
ner und nur örtlich verbreitet. ten auch auf Grünland in Küstennähe weiden.
Vögel

Jahren in Mitteleuropa und hat im Laufe die-

1 Löffelente
Anas clypeata

L 49cm < Stockente Jan.-Dez.


ses Jahrhunderts deutlich zugenommen, n
Süddeutschland konzentrieren sich im Som-
mer die Erpel, die bei der Gefiedermauser
Kennzeichen: Erpel mit grünem Kopf, weißer mehrere Wochen flugunfähig sind, an einigen
Brust und dunkelbraunen Flanken; beide Ge- wenigen Gewässern.
schlechter mit auffällig großem Löffelschnabel
(Name!). Weibchen (1b) schlicht gefärbt.
Vorkommen: Binnengewässer mit größeren
Verlandungszonen, Sümpfe; Brutvogel vor al-
lem im Tiefland; verbreiteter Durchzügler; nur
4 Mandarinente
Aix galericulata

L 43cm «Stockente Jan.-Dez.


vereinzelt als Wintergast. Wissenswertes: Kennzeichen: Ungewöhnliche Buntheit des
Der breite Löffelschnabel stellt einen Erpels durch hochgestellte braune „Segel" auf
speziell ausgebildeten und besonders den Flügeln und braunen Kopfschmuck;
funktionstüchtigen Seihapparat dar, mit Weibchen dagegen grau, mit hellen Flecken
dessen Hilfe im Wasser schwimmende tie- an der Brust.
rische und pflanzliche Organismen „ausge- Vorkommen: Ursprünglich Ostasien; in Eu-
siebt" werden können. ropa punktuell - vor allem in Südostengland -
eingebürgert; gelegentlich als Zoo- und Park-
flüchtling an mit Bäumen umstandenen ste-

2 Spießente
Anas acuta

L50+14cm -Stockente Jan.-Dez.


henden Gewässern.
Wissenswertes: Die Mandarinenten gelten
als die prächtigsten Enten der Welt. Eben das
Kennzeichen: Erpel auffallend hell und wurde ihnen zum Verhängnis. Vor allem aus
schlank; brauner Kopf mit weißem Halsstreif; China wurden sie zu Tausenden exportiert.
beide Geschlechter mit spießförmigem Heute sind die Mandarinenten in ihrem Ur-
Schwanz (Name!), beim Weibchen allerdings sprungsgebiet vielerorts vom Aussterben be-
nur angedeutet. droht. Dafür gibt es in England eine stabile
Vorkommen: Große Binnengewässer mit wildlebende Population. Auch in Mitteleuropa
ausgeprägter Zonierung; Moore und Sümpfe; mehren sich die Brüten freifliegender Manda-
Brüten in Finnland und Nordrußland, nur sehr rinenten an Waldseen und -teichen mit alten,
vereinzelt auch in Mitteleuropa; regelmäßig höhlenreichen Bäumen.
als Gast, vor allem im Norden.
Wissenswertes: Der lange Schwanzspieß
wird beim Schwimmen aufrecht getragen. Der
ebenfalls vergleichsweise lange Hals gestattet
es der Spießente, 50cm tief zu gründeln.
5 Kolbenente
Netta rufina

L 54cm —Stockente März-Nov.


Kennzeichen: Plump, dickköpfig; für eine

3
Schnatterente Tauchente ungewöhnlich hoch auf dem Was-
Anas strepera ser liegend; Erpel (5a) mit braunem Kopf und
auffallend rotem Schnabel, schwarzer Brust
L 50cm < Stockente Jan.-Dez. und weißen Flanken.
Kennzeichen: Erpel grau, mit schwarzem Vorkommen: Größere Seen mit Schilfröh-
„Heck"; Weibchen der Stockente sehr ähnlich, richt, in Mitteleuropa nur wenige Brutplätze:
aber mit weißem Spiegel. Vorkommen: Auf ein größeres Brutvorkommen am Bodensee;
flachen, vegetationsreichen Gewässern; hier und an den Ismaninger Teichen auch die
Brutgebiet von Weißrußland bis zur stärksten Konzentrationen außerhalb der Brut-
Mandschurei; in Mitteleuropa nur regional zeit; sonst meist unregelmäßiger Durchzügler.
kleinere Brutvorkommen; häufiger als Wissenswertes: Die Kolbenente hat sich
Durchzügler, nur selten als Überwinterer. erst in diesem Jahrhundert in Mitteleuropa als
Wissenswertes: Die Art brütet erst seit 100 Brutvogel angesiedelt.
Vögel

jedoch ohne Federschopf und mit hellgrauem

1 Reiherente
Aythya fuligula

L 43cm «Stockente Jan.-Dez.


Rücken; Weibchen (3a) mit weißem Ring um
die Schnabelwurzel.
Vorkommen: Brutvogel im hohen Norden
Kennzeichen: Erpelkleid mit scharfem aller drei Kontinente; als Wintergast sehr zahl-
Schwarz-Weiß-Kontrast; vom Kopf herabhäan- reich an der Meeresküste, viel seltener auf
gende „Reiherfedern" (Name!). Vorkommen: größeren Gewässern im Binnenland.
Auf stehenden und langsam fließenden Wissenswertes: Diese Tauchente mit ihrer
Gewässern nach der Stockente zweithäufigste deutlichen Bevorzugung der Meeresküste ist
Entenart. Wissenswertes: Wie alle besonders stark auf tierische Nahrung einge-
Tauchenten holt die Reiherente ihre stellt. Sie erreicht Muscheln und Krebschen,
überwiegend aus Tieren -oft aus indem sie bis zu 6 m tief taucht.
Wandermuscheln - bestehende Nahrung aus
ein bis mehrere Meter tiefem Wasser. Schon
beim Schwimmen tief im Wasser liegend,
taucht sie mühelos unter, um in der Regel
erst nach 15-20 Sekunden wieder auf der
4 Moorente
Aythya nyroca

L 4 1 c m >Bläßhuhn März-Nov.
Wasseroberfläche zu erscheinen. Die Rei- Kennzeichen: Erpel und Weibchen einander
herente ist zur Zeit „stark im Kommen". Vor ähnlich; beide durchgehend rotbraun; weiße
allem in den westlichen und südlichen Teilen Unterschwanzdecken.
Mitteleuropas breitet sie sich aus. Vielerorts Vorkommen: Brutgebiet von Polen und Un-
verdichten und vergrößern sich die Brutbe- garn aus südostwärts; in Mitteleuropa nur ein-
stände ganz erheblich. An den Meeresküsten, zelne und unregelmäßige Brutvorkommen;
auf größeren Seen und auf Talsperren trifft auch als Gast meist nur spärlich.
man nach der Brutzeit Reiherenten oft zu Tau- Wissenswertes: Sie neigt unter allen
senden an. Aythya-Arten am stärksten zu pflanzlicher
Kost und zur Besiedlung flacher und vegeta-

2 Tafelente
Aythya ferina

L 44cm «Stockente Jan.-Dez.


tionsreicher Gewässer mit minimalem Frei-
wasseranteil.

Kennzeichen: Erpel mit grauem Rücken,


braunem Kopf und schwarzer Brust.
Vorkommen: Auf größeren und kleineren
5 Schellente
Bucephala clangula

L 44cm «Stockente Jan.-Dez.


vegetationsreichen Seen und Weihern; als
Kennzeichen: Erpel mit weißem Fleck zwi-
Brutvogel, Durchzügler und Wintergast weit
schen Auge und Schnabelwurzel; Weibchen
verbreitet und zum Teil sehr häufig.
deutlich kleiner und mit braunem Kopf und
Wissenswertes: Auch diese Art hat sich seit
weißem Halsring.
der Mitte des vorigen Jahrhunderts stärker
Vorkommen: Brutgebiet von Skandinavien
nach Westen ausgebreitet und viele Brutplätze
und den Ostseeküstenländern an ostwärts; in
erst in den letzten 40 Jahren besetzt. Die Aus-
Mitteleuropa im Osten Brutvogel an waldge-
breitung und Zunahme von Reiher- und Tafel-
säumten Gewässern; häufiger Wintergast.
ente werden u.a. mit der verstärkten Eutro-
Wissenswertes: Der Name erinnert an das
phierung der Gewässer und dem erhöhten
besonders prägnante klingelnde Flugge-
Nahrungsangebot erklärt.
räusch der Schellerpel. Als ausgeprägter Höh-
lenbrüterin kommt dem Weibchen (5b) die

3
Bergente geringe Körpergröße zustatten. So kann sie
Aythya marila sogar in Schwarzspechthöhlen brüten. Durch
Aufhängen von Nistkästen hat man die Brut-
L 44cm «Stockente Sept.-Apr.
vorkommen der Art gefestigt und sogar aus-
Kennzeichen: Erpel der Reiherente ähnlich,
geweitet.
Vögel

meiden die Samtenten im Winterquartier mei-

1 L
Eiderente
Somateria mollissima

59cm > Stockente Jan.-Dez.


stens die bunt gemischten Trupps der an-
deren Entenarien. Dafür suchen sie offensicht-
lich bei der Brut gern die Nachbarschaft zu
Kennzeichen: Erpel (1a) schwarz-weiß; Brutkolonien von Möwen oder Seeschwalben,
Weibchen (1b) braun, intensiv gebändert; deren Wachsamkeit und Aggressivität gegen-
beide mit ungewöhnlichem Kopfprofil: eine über Beutegreifern auch ihre Sicherheit er-
Gerade von der Schnabelspitze bis zur Stirn. höht.
Vorkommen: Häufiger Brutvogel an den Kü- I
sten des Nordatlantiks einschließlich der

3
Trauerente
Nord- und Ostsee; als Wintergast im Küsten- Melanitta nigra
bereich sehr zahlreich, im Binnenland nur ver-
einzelt, aber zunehmend. Wissenswertes: L 48cm < Stockente Jan.-Dez.
Die Dunen und die Eier der Eiderente waren Kennzeichen: Erpel ganz schwarz; Weib-
in Island und Skandinavien früher sehr chen dunkelbraun mit helleren Wangen.
begehrt. Die Zunahme dieser typischen Vorkommen: Brutvogel im Norden Europas
Meeresente und die Ausweitung ihres und Asiens; in Mitteleuropa häufiger Winter-
Brutgebietes bis in die Niederlande seit An- und regelmäßiger Sommergast an den Kü-
fang unseres Jahrhunderts dürften auf ver- sten; weitaus seltener im Binnenland.
stärkten Schutz und Sammelverbote zurück- Wissenswertes: Meeresküsten, die die
zuführen sein. Als Nahrung bevorzugt die Ei- Trauerenten nach der Brutzeit bevorzugen.
derente Muscheln. Die massenhafte Vermeh- werden zur Brut selbst gemieden. Dann wer-
rung der Wandermuschel in einigen den Binnengewässer - zum Teil weit von der
Binnengewässern ist möglicherweise die Ur- Küste entfernt - aufgesucht. Die Trauerente
sache dafür, daß die Art immer häufiger und hält - im Gegensatz zur Samtente - beim
regelmäßiger auch im Binnenland mausert Tauchen die Flügel geschlossen. Mit ihr und
oder überwintert. Fast immer befinden sich der Samtente teilen viele Eiderenten das
unter den Opfern von Ölkatastrophen auf den Schicksal, auf dem Meer in Öllachen zu ge-
Meeren auch Eiderenten. Sie sind geschickte raten und mit ölverklebtem Gefieder zu ver-
Taucher, die scheinbar mühelos mit halb an- enden.
gehobenen Flügeln im Wasser verschwinden
und bis zu 1 Minute unter Wasser bleiben.

4
Eisente
Dabei können sie in Tiefen bis zu 10, im Ex-
Clangula hyemalis
tremfall sogar bis zu 20 m vordringen.
L 33 +20cm (bzw.+ 6 cm)

2 Samtente
Melanitta fusca

L 53cm < Stockente Jan.-Dez.


<Bläßhuhn Okt.-Apr.
Kennzeichen: Mit Weiß am Körper und
dunklen Flügeln ungewöhnliche Farbvertei-
lung; geringe Größe; Schwanzspieß des Er-
Kennzeichen: Erpel schwarz mit weißem pels,
Fleck am Flügel und unter dem Auge. Vorkommen: Brüten in der Arktis aller drei
Vorkommen: Das Brutgebiet erstreckt sich Kontinente; häufigste Entenart der Tundra;
von Norwegen bis Kamtschatka und weiter bis Überwinterung an den Meeresküsten; aus-
Nordamerika. In Mitteleuropa häufiger Winter- nahmsweise auf küstennahen Binnenseen.
gast an den Küsten, seltener an großen Bin- Wissenswertes: Die Ostsee ist für die Art
nenseen; an den Küsten auch häufig Über- weltweit das wichtigste Winterquartier. Hier
sommerer und Mausergäste. weilen zeitweise bis zu einer halben Million
Wissenswertes: Das Wasserlaufen beim Eisenten, die tauchend den Muscheln und
Starten ist bei der Samtente besonders ausge- Krebsen nachstellen und dabei bis über 30m
prägt. Beim Tauchen breitet sie oft die Flügel tief tauchen sollen. Es wurden Tauchzeiten
aus. Mit Artgenossen gern vergesellschaftet, von über 1 Minute ermittelt.
Vögel

1 Gänsesäger
Mergus merganser

L 66cm »Stockente Jan.-Dez.


2 Mittelsäger
Mergus serrator

L 57cm > Stockente Jan.-Dez.


Kennzeichen: Erpel weiß mit dunkelgrünem, Kennzeichen: Männchen (2b) mit Schopf,
Weibchen grau mit braunem Kopf und kleiner weißem Hals- und braun gemustertem Brust-
Haube. band; Weibchen (2a) ähnelt dem des Gänse-
Vorkommen: Zur Brut an bewaldeten Ufern sägers, allerdings geht die helle Färbung von
von Seen und Flüssen sowie an Küsten mit Kehle, Hals und Brust ineinander über.
Baumbestand. Im Norden aller drei Kontinente Vorkommen: Brutvogel im hohen Norden
verbreitet; davon getrennt verstreute, kleinere Europas, Asiens und Amerikas; kleinere Vor-
Brutvorkommen am nördlichen Alpenrand kommen auch im Ostseeküstengebiet mit
und in anderen Hochgebirgen. Häufiger Win- Tendenz zur Ausbreitung nach Süden. Als
tergast an den Küsten und auf größeren Bin- Wintergast meistens auf küstennahe Gewäs-
nengewässern. ser beschränkt.
Wissenswertes: Der Gänsesäger, die größte Wissenswertes: Der Mittelsäger erinnert in
unter den Säger-Arten, ist wie seine Verwand- etlichen Verhaltensweisen an den Gänsesä-
ten ein auf den Fischfang spezialisierter En- ger. Er bevorzug; jedoch etwas kleinere Fische
tenvogel. Mit ihren schlanken Schnäbeln, de- als dieser, jedoch größere als der Zwergsäger.
ren Ränder mit Hornzähnchen sägeartig Die unterschiedliche Körpergröße der 3 Sä-
(Name!) besetzt sind, halten die Säger die ger-Arten und die sich daraus ergebende Be-
glitschigen Fische fest. Sie wirken schlanker vorzugung unterschiedlich großer Beutefische
und gewandter als die anderen Entenvögel tragen zur Vermeidung von Nahrungskonkur-
und liegen besonders tief im Wasser. Manch- reiz zwischen den 3 Arten bei. Im Gegensatz
mal ist am Hinterkopf eine kleine abgesträubte zum Gänsesäger brütet der Mittelsäger am
Haube zu sehen. - Als Höhlenbrüter erweist Boden zwischen Steinen oder in dichter Vege-
sich der Gänsesäger als sehr flexibel. Außer tation in Wassernähe. Bei beiden Arten legen
Höhlen in alten Bäumen kommen für ihn gelegentlich 2 oder mehrere Weibchen ihre
durchaus auch Felshöhlen, Mauerlöcher und Eier in dasselbe Nest, so daß bis zu 56 Eier in
- zumindest in Skandinavien und Finnland - einem einzigen Nest gefunden wurden.
nicht genutzte Kamine in unbewohnten Fe

3
rienhäusern als Brutplatz in Betracht. Wo es Zwergsäger
an Höhlen mangelt, werden die Eier auch un- Mergus albellus
ter Baumwurzeln auf die Erde, auf Dachböden
oder in große Nistkästen gelegt. Viele Küken L 42cm >Bläßhuhn Okt.-Apr.
müssen bereits an ihrem ersten Lebenstag Kennzeichen: Männchen (3a) weiß mit
aus mehreren Metern Höhe in die Tiefe sprin schwarzer Zeichnung; Weibchen (3b) grau
gen und - geführt von der Mutter - weite mit braunem Oberkopf und weißen Wangen.
Wege bis zum rettenden Wasser zurücklegen. Vorkommen: Brutvorkommen im hohen
- Im Winterquartier erweisen sich die Gänse Norden Europas und Asiens; in Mitteleuropa
säger als perfekte Tauchfischer. Durch Was Wintergast. Zahlreicher im Bereich von Kü-
serlugen, d.h. Eintauchen des Gesichtes in stengewässern als auf Seen, Stauseen und
das Wasser, werden häufig die Fisch Altwassern des Binnenlandes.
schwärme zunächst geortet. Nicht selten tau Wissenswertes: Zur Brutzeit werden wald-
chen mehrere Gänsesäger synchron und trei umsäumte Gewässer bevorzugt, weil Baum-
ben die Fische nach Manier einer Treiberwehr höhlen als Brutplätze dienen. Im Winter ist von
auf das Ufer zu. Als Beute werden kleine, bis dieser Vorliebe nichts zu bemerken. Dennoch
10 cm lange Fische bevorzugt. Gänsesäger werden bestimmte Gewässer traditionell an-
haben nicht selten unter schmarotzenden Mö deren als Winterquartier vorgezogen, so daß
wen zu leiden, denen sie aber durch häufigen es z.B. in den Niederlanden mancherorts zu
Ortswechsel zu entgehen versuchen. größeren Ansammlungen kommt.
Vögel

und Südafrika überwintert. Am häufigsten zu

1
Mäusebussard
Buteo buteo beobachten und am leichtesten zu erkennen
ist er auf dem Zuge im September, wenn oft
L 53cm bekannt Jan.-Dez. etliche Tiere in Sichtkontakt nach Südwesten
Kennzeichen: Häufig im Segelflug kreisend; ziehen, abwechselnd vorangleiten und durch
breite Flügel, kurzer Hals und meistens breit kreisendes Segeln wieder an Höhe gewinnen.
gefächerter Schwanz; Gefiederfärbung sehr Der Name verweist auf die Lieblingsnahrung
variabel; als Ruf lautes katzenartiges Miauen dieses Beutegreifers, der Wespennester mit
(„Katzenaar"). den Füßen freischarrt und neben anderen In-
Vorkommen: Verbreitetste Greifvogelart, mit sekten auch kleine Wirbeltiere erbeutet.
Schwerpunkt in der mit Wald durchsetzten
Agrarlandschaft; braucht die offene Land-

3
Rotmilan
schaft zur Jagd und Bäume - meistens in Milvus milvus
Waldrandnähe - zur Brut. Wissenswertes:
Seit er ganzjährige Schonzeit genießt, ist der L 61 cm » Bussard Jan.-Dez.
Mäusebussard dem Menschen gegenüber Kennzeichen: Ein besonders eleganter Se-
sehr vertraut geworden. Fahrende Autos gelflieger mit deutlich gegabeltem Schwanz
werden toleriert; nicht selten sieht man und rostrot (Name!) gestreifter Unterseite.
einzelne ansitzende Tiere niedrig in Gehölzen Vorkommen: Nur in Teilen Mitteleuropas, vor
an Böschungen, nur wenige Meter vom allem in Ebenen und Flußtälern; dort örtlich
Straßenrand entfernt. Wie der Name richtig ausgesprochen häufig.
andeutet, stellen Mäuse die Hauptnahrung Wissenswertes: Segelnden und gaukeln-
dieses Bussards, der meistens braun, manch- den Milanen zuzusehen, ist ein ästhetisches
mal aber auch mehr oder weniger weiß (1a) Vergnügen, das bereits Dichter beflügelte,
gefärbt ist. Dabei handelt es sich um indivi- vom „König im Reich der Lüfte" zu sprechen.
duelle Farbvarianten ohne erkennbare geo- Ihre Speisekarte ist sehr abwechslungsreich
graphische Verbreitungsmuster. Keine Farb- zwischen Aas und meistens nicht gesunden
varianten in Richtung Weiß weisen Rauhfuß- Tieren von Hühner- und Hasengröße. Nach
bussarde (Buteo lagopus, 1d) auf, die als der Brutzeit suchen oft bis zu 50 oder gar 100
Wintergäste aus den Tundren des Nordpolar- Rotmilane über längere Zeit gleichbleibende
gebietes nach Mitteleuropa kommen. Sie sind Schlafplätze auf.
vor allem am hellen Schwanz mit seiner
schwarzen Schwanzendbinde zu erkennen. Schwarzmilan

2
Wespenbussa r d
Pernis apivorus 4 Milvus migrans

L 55cm -Bussard Apr.-Okt.


L 56cm > Bussard März-Okt.
Kennzeichen: Schlanker als der Mäusebus-
Kennzeichen: Weniger tief gegabelter
sard mit taubenartig vorgestrecktem Kopf und
Schwanz; insgesamt dunkler (Name!) und et-
längerem, enger angelegtem Schwanz; Se-
was kleiner als der Rotmilan. Vorkommen:
gelflug, aber auch oft dicht über und auf dem
Weltweit sehr häufig und zum Teil in
Boden, manchmal geschickt laufend.
menschlichen Siedlungen; in Mitteleuropa
Vorkommen: In mosaikartig aus Wald und
seltener als der Rotmilan, im Nordwesten
waldfreien Flächen aufgebauten Landschaf-
fehlend.
ten; mehr in der Ebene als in den Mittelge-
Wissenswertes: Während die Rotmilane
birgen; insgesamt viel seltener als der Mäu-
Mitteleuropa nur zum Teil im Winter verlassen,
sebussard.
überwintern die Schwarzmilane fast durchweg
Wissenswertes: Im Gegensatz zum Mäuse-
in Afrika südlich der Sahara. Sie ernähren sich
bussard ist der Wespenbussard ein ausge-
im übrigen zu einem erheblichen Teil von zu-
prägter Langstreckenzieher, der in Äquatorial-
meist toten oder kranken Fischen und halten
sich deshalb vorzugsweise an Flüssen und
Seen auf.
Vögel

berpaare erreichen meistens nur ein Fünftel


1 Habicht
Accipiter gentilis

L 53 cm ~ Bussard Jan.-Dez.
der Größe von Habichtsjagdgebieten. Wo sie
erscheinen, versetzen sie die Kleinvögel in
helle Erregung; keine Greifvogelart löst bei
Kennzeichen: Längerer Schwanz, kürzere den Singvögeln vergleichbar starke und lang-
und breitere und dadurch stärker gerundete andauernde Rufreaktionen aus. Die neuerli-
Flügel als bei Bussarden. Altvögel dunkel che Erholung der zeitweilig von der Auslö-
graubraun, unterseits gebändert. schung bedrohten Sperberbestände dürfte
Vorkommen: Brutvogel im Randbereich von sowohl mit dem Jagdverbot als auch mit ei-
Waldgebieten; zur Jagd vor allem in reich nem zurückhaltenderen Umgang mit Pestizi-
strukturierten Landschaften; neuerdings auch den, vor allem auch mit dem DDT-Verbot, zu
wieder in Stadtrandbereichen. erklären sein.
Wissenswertes: Habichte leben monogam
und sind sehr reviertreu, wechseln allerdings
3
Rohrweihe
innerhalb des Reviers nicht selten die Horste. Circus aeruginosus
Das Jagdgebiet eines Brutpaars ist im Mittel
2
30-50 km groß. Als Ansitz- und Überra- L 53cm —Bussard März-Okt.
schungsjäger ist er für den Beobachter viel Kennzeichen: Flügelhaltung beim Segeln
seltener sichtbar als die Bussarde. Das Männ- und Gleiten bei allen Weihen V-artig; größer
chen ist etwa ein Drittel kleiner als das Weib- als andere Weihen; Flügel breiter und ge-
chen und somit nur gut krähengroß („Terzel"). rundeter; Schwanz wirkt kürzer. Vorkommen:
Es bevorzugt kleinere, bis taubengroße, das In Röhrichten, aber auch in Getreidefeldern
Weibchen dagegen bis hühnergroße Beute- und Grünland; im Norden häufiger als im
tiere. Das brütende und seine Jungen bewa- Süden; große Verbreitungslücken.
chende Weibchen und die Nestlinge werden Wissenswertes: Diese Art ist deutlich stär-
vom Männchen mit Nahrung versorgt. Erst ker an Wasser und Feuchtgebiete gebunden
wenn die Jungen größer geworden sind, als die anderen Weihen-Arten. Ihr Nest steht
schaltet sich auch das Weibchen wieder in meistens im Röhricht über Wasser. Am Wasser
den Beuteerwerb ein. i lebende Tiere, vor allem Vogelküken, bilden
ihre Hauptnahrung während der Brutzeit.
2 L
Sperber
Accipiter nisus

33cm —Taube Jan.-Dez.


Wiesenweihe

Kennzeichen: Geringere Größe als Habicht;


jedoch Sperberweibchen fast so groß wie Ha-
bichtmännchen; Weibchen unterseits mit
4 Circus pygargus

grauer, Männchen (2a) mit rotbrauner Bände- L 44cm < Krähe Apr.-Sept. Kennzeichen:
rung („Sperberung"). Männchen hellgrau mit schwarzen
Vorkommen: Brütet vorzugsweise in mittel- Flügelspitzen; Weibchen braun mit weißem
alten Nadelholzbeständen, jagt dagegen vor Bürzel.
allem in abwechslungsreicher Kulturland- Vorkommen: Seltener Brutvogel in Mooren
schaft, im Winter sogar in Dörfern und im und Feuchtwiesen, neuerdings in einigen
Stadtrandbereich. großflächigen Ackerbaugebieten (Börden).
Wissenswertes: Die im jeweiligen Lebens- Wissenswertes: Sehr ähnlich ist die etwas
raum häufigsten Kleinvögel (bis Taubengröße) größere Kornweihe (Circus cyaneus, 4b), die
stellen in der Regel die wichtigste Beute die- noch stärker an Moore gebunden ist, aber
ser Art, bei der - wie beim Habicht - die auch Heiden und Dünengebiete bewohnt. Die
Männchen deutlich kleiner sind als die Weib- Wiesenweihe überwintert in Afrika, die Korn-
chen und auch im Schnitt die kleineren Beute- weihe dagegen auch in Mitteleuropa, wo sie
tiere bevorzugen. Die Jagdreviere der Sper- dann gelegentlich auch in großen Ackerbau-
und Grünlandgebieten angetroffen wird, in de-
nen sie zur Brutzeit nicht vorkommt.
Vögel

Steinadler Aquila gel in Meeresnähe und an entlegenen Binnen-

1 chrysaetos

L 82cm —Adler Jan.-Dez.


seen; Horst in Mitteleuropa in hohen Bäumen,
in Skandinavien meistens in Felswänden.
Wissenswertes: Der Seeadler jagt vorzugs-
Kennzeichen: Größe; herrlicher Anblick weise an Binnenseen und erbeutet dort bis
beim Segel- und Gleitflug; aufgebogene mehrere Kilogramm schwere Fische, aber
Handschwingen und schwach gerundeter auch Vögel bis Graureiher- und Gänsegröße.
Schwanz; alte Tiere fast einfarbig dunkel- Schwimmvögel werden oft geschlagen, nach-
braun. dem sie nach mehrfachem Untertauchen stark
Vorkommen: Felsregion und Gebirgswälder, ermattet sind. Wenn die Gewässer vereisen,
im Winter auch in tieferen Lagen; nach star- jagt der Seeadler auch über Land. Er gerät
kem Rückgang neuerdings Erholung; in den dann vielfach bis tief in das Binnenland, wo
Alpen wohl wieder über 200 Paare. sein Erscheinen bei den Vogelkundlern mei-
Wissenswertes: Hoch am Himmel krei- stens viel Aufsehen erregt. Nach starkem Be-
sende Steinadler markieren auf diese Art ihr standsrückgang scheint sich das Vorkommen
Revier. Gejagt wird im niedrigen Suchflug der Art gegenwärtig zu stabilisieren.
oder vom Ansitz aus. Als Beute kommen Säu-
ger bis hin zu jungen Schafen, Gemsen und

3
Fischadler
Rotwildkälbern in Betracht. Die Berichte über Pandion haliaetus
Schäden am Weidevieh halten objektiver Prü-
fung meistens nicht stand. Ihre Horste haben L 55cm —Bussard Apr.-Sept.
die in Dauerehe lebenden Steinadler meistens Kennzeichen: Kopf (mit angedeuteter
in unzugänglichen Felswänden, in Skandina- Haube) und Bauch weiß; auffällige schwarze
vien und Schottland auch in höheren Bäumen. Flecken an den „Handgelenken".
In früheren Jahrhunderten lebte die Art auch Vorkommen: In der Nähe größerer Gewäs-
in den Waldgebieten der Mittelgebirge, wo sie ser, vorzugsweise an Fischteichen; als Brutvo-
allerdings restlos ausgerottet wurde. - Dabei gel mit einem mit über 100 Paaren gesicher-
begegnete der Mensch den Adlern eigentlich ten Bestand nur im Nordosten; in der Zugzeit
mit einer gewissen Hochachtung. Schon Assy- auch in anderen Teilen Mitteleuropas.
rer und Babylonier verehrten sie als heilige Wissenswertes: Eindrucksvolle Jagdbilder
Tiere. Als Urbild stolzer Kraft finden wir Adler bietet der Fischadler, wenn er sich mit vorge-
heute noch als Wappentiere in Deutschland, streckten Fängen ins Wasser stürzt und mit
Österreich, Rußland und in den USA und - einem stattlichen Fisch als Beute wieder auf-
zumindest in Gemeindewappen - noch weit taucht (3a).
darüber hinaus. Das Hieroglyphenbild des
Adlers nimmt im ägyptischen Alphabet die
erste Stelle ein und geht fließend in unser
heutiges A über, wobei der linke Schrägstrich
für den Rücken und Schwanz, der rechte für
4 Gänsegeier
Gyps fulvus

L 100cm >Adler Febr.-Nov.


Brust und Füße und die Spitze für den Kopf Kennzeichen: Gewaltige Größe; kurzer, ge-
stehen. rade abgeschnittener Schwanz; helle Hals-
krause.

2 Seeadler
Haliaeetus albicilla

L 76cm —Adler Jan.-Dez.


Vorkommen: Karst- und Steppengebiete
Südeuropas; in Deutschland als Brutvogel
ausgestorben; als Gast in den Ostalpen.
Wissenswertes: Klimaänderung war wohl
Kennzeichen: Größe und keilförmiger, kur- die Hauptursache für den Rückzug dieser
zer Schwanz, der bei Altvögeln weiß ist; breite, wärmeliebenden Art aus Mitteleuropa. Bei ge-
auffallend großflächige Flügel, im Segelflug änderter Viehhaltung steht den Geiern viel-
kaum gewinkelt. Vorkommen: Im Nordosten fach auch nicht mehr hinreichend Aas grö-
seltener Brutvo- ßerer Haustiere als Nahrung zur Verfügung.
Vögel

erweist sich der Baumfalke als besonders

1
Turmfalke
Falco tinnunculus flugfreudig, wandert er doch als Langstrek-
kenzieher bis in das südliche Afrika. Zur Über-
L 34cm —Taube Jan.-Dez. raschung der Vogelkundler nutzt dieser Falke
Kennzeichen: Spitze Flügel und langer neuerdings neben Nestern und Nestunterla-
Schwanz; Rüttelflug, dabei Kopf nach unten gen anderer Vögel in Baumgruppen und Feld-
gerichtet und Schwanz gefächert; rotbrauner gehölzen auch solche in Gittermasten in weit-
Rücken; nur Männchen (1a) mit blaugrauem hin baumfreien Bördelandschaften.
Kopf und Schwanz, Weibchen (1b) und Junge
deutlich gebändert.

3
Wanderfalke
Vorkommen: In allen offenen Landschaften Falco peregrinus
sowie in Städten und Dörfern; besonders oft
an Straßenrändern zu beobachten. L 43cm < Krähe Apr.-Okt.
Wissenswertes: Diese zum Teil vor, zum Teil Kennzeichen: Größte heimische, deutlich
nach dem Mäusebussard häufigste Greifvo- massiger wirkende Falkenart; mit breitem
gelart Mitteleuropas ist außerordentlich an- schwarzem Bartstreifen, der sich deutlich vom
passungsfähig. Sie brütet in Bäumen - vor weißen Kinn und Kropf absetzt; im Gleitflug
allem in alten Krähen- und Elsterrnestern - pfeilförmig, beim Kreisen jedoch mit breiteren
ebenso wie auf Felsen, auf Türmen und an Flügeln und gefächertem Schwanz.
Hochhäusern. Turmfalken im Rüttelflug kann Vorkommen: Als seltener Brutvogel in mit
man über Bracheflächen inmitten der Städte, Felsen oder Altholzbeständen durchsetzten
aber auch in der Weite des Grünlandes und abwechslungsreichen Landschaften im Süden
der Ackerflächen der Börden beobachten. Au- und Osten, neuerdings auch wieder im Nord-
tofahrer staunen über seine „Nervenstärke", westen Mitteleuropas.
wenn er unmittelbar neben vorbei rasenden Wissenswertes: Der Wanderfalke zeigt bei-
Autos im Gezweig des Randgrüns sitzt oder spielhaft, wie eine von der Ausrottung be-
gar über dem Mittelstreifen rüttelt. Der Turm- drohte Vogelart von intensiven Schutzmaß-
falken-Bestand ist - offenbar in Abhängigkeit nahmen profitieren und sich wieder ausbrei-
von der wechselnden Mäusedichte - deutli- ten kann. Mit Brüten auf Kirchtürmen, Schorn-
chen Schwankungen unterworfen. steinen und Fabrikbauten hat dieser
traditionsreiche Beizvogel erste Schritte in ei-

2 Baumfalke nen für die Art völlig neuen Lebensraum voll-


Falco subbuteo zogen. Dennoch brüten von dieser weltweit
verbreiteten Art in Mitteleuropa heute erst wie-
L 34cm —Taube Apr.-Okt. der kaum mehr als 400 Paare.
Kennzeichen: Mit seinen langen, sichelför-
migen Flügeln an große Segler erinnernd;
dunkler Kopf und deutliche Bartstreifen; rot-
braune Schenkel („Hosen"). Vorkommen:
Nur regional in offenen, mit Gehölzen
4 Merlin
Falco columbarius

L 30cm «Taube Sept.-Apr.


durchsetzten Agrarlandschaften; eine Kennzeichen: Kleinster Falke Europas; un-
mancherorts seltene und gefährdete Art. terseits braun gestreift; Männchen oberseits
Wissenswertes: Der Flug des Baumfalken graublau, Weibchen dunkelbraun.
zeichnet sich durch besondere Schnelligkeit, Vorkommen: Regelmäßiger, aber immer nur
Leichtigkeit und Eleganz aus. Unter den heimi- vereinzelter Wintergast und Durchzügler in
schen Greifvögeln ist diese Art der ausdau- der offenen Agrarlandschaft.
erndste Flieger, der mit den Füßen gefangene Wissenswertes: Der Merlin brütet in der
Libellen sogar im Fluge zum Schnabel führt Taiga und Waldtundra Nordeuropas teils auf
und verspeist. Unter den Vögeln sind ausge- Bäumen, teils auf dem Boden. Er jagt vorzugs-
rechnet gewandte Flieger wie Schwalben und weise in Bodennähe, bei uns vor allem auf
Segler die bevorzugte Beute. Auch zur Zugzeit Kleinvogelschwärme aus Lerchen und Finken.
Vögel

„Bück den Rück" übersetzt. Die starengroßen

1
Rebhuhn
Perdix perdix Vögel halten sich meist in dichter Vegetation
auf und sind nur schwer zum Auffliegen zu
L 30cm «Taube Jan.-Dez. bewegen. Sie traten offensichtlich auch früher
Kennzeichen: Rundliche, gedrungene Ge- - in biblischer Zeit-schon invasionsartig, d.h.
stalt; kurzer rotbrauner Schwanz; rostfarbener in stark schwankender Zahl auf. Doch heute
Kopf und grauer Hals; Hahn mit hufeisen- bleiben sie vielerorts ganz aus, was sowohl
förmigem braunem Brustfleck. Vorkommen: auf die Intensivierung des Ackerbaus als auch
Offene Agrarlandschaften, Heiden und auf die starke Bejagung im Süden zurück-
Brachland, vor allem in der Ebene, aber auch geführt wird. Die Wachtel ist nämlich der ein-
in Mittelgebirgslagen; weit verbreitet, doch zige Zugvogel unter den Hühnervögeln und
seit Jahren stark rückläufig. Wissenswertes: überwintert vor allem südlich des Mittelmee-
Das Rebhuhn braucht eine kleinstrukturierte res, zum Teil südlich der Sahara.
Agrarlandschaft mit Rainen, Bracheflächen,
Hecken und Gebüschen sowie mit artenreicher

3
Steinhuhn
Wildkrautflora. Alles das aber vermag der Alectohs graeca
moderne Ackerbau mit seinen vergrößerten
Schlägen nicht zu bieten. Die Art reagiert mit L 34cm —Taube Jan.-Dez.
drastischem Rückgang bis hin zum völligen Kennzeichen: Roter Schnabel und rote
Verschwinden. Ob die agrarpolitisch Füße; weißer Kehlfleck mit schwarzer Begren-
geforderte Flächenstillegung diese Ent- zung.
wicklung aufzuhalten vermag, muß sich erst Vorkommen: In den Alpen, zumeist ober-
noch zeigen. Die Ortsttreue der Rebhuhnket- halb der Waldgrenze; vor allem auf steinigen
ten, (Familienverbände, 1a) und der Völker, zu Steilhängen; manchmal auch in lichten Wäl-
denen sich im Winter oft mehrere Ketten zu- dern und im Winter auch in tieferen Lagen.
sammenschließen, erschwert die Wiederbe- Wissenswertes: Früher war das Steinhuhn
siedlung von Landstrichen, aus denen die Art in den Alpen offenbar häufiger und weiter
einmal verschwand. - Rebhühner halten sich verbreitet; heute gibt es nur noch wenige nen-
vorzugsweise am Boden auf, rennen und nenswerte Vorkommen. Auffällig sind die ge-
drücken sich sehr effektiv, weil ihre Gefieder- reihten Rufe: „Witt-witt-witt". Der Gesang des
farbe dem Boden optimal angepaßt ist. Der Hahns steigert sich innerhalb der Strophe in
Name malt den schnarrenden Ruf des Hahnes der Laustärke und im Tempo zu einem harten
in der Dämmerung oder die „ripriprip"-Rufe Staccato.
auffliegender Ketten nach, hat auf jeden Fall
mit Weinreben nichts zu tun.

4
Alpenschneehuhn
Lagopus mutus

2
Wachtet
Coturnix coturnix L 36cm > Taube Jan.-Dez.
Kennzeichen: Weiße Flügel; Rumpf im Win-
L 18cm «Star Apr.-Sept. ter weiß (4a), im Sommer braun (4b).
Kennzeichen: Gestalt wie ein Rebhuhn, Vorkommen: In den Alpen weit oberhalb der
doch viel kleiner; sandbraunes, gestreiftes Baumgrenze; auf steinigen Hängen, zwischen
Gefieder; Hahn mit dunklem Kehlband. Felsen und Krummholzgebüsch; in den Hoch-
Vorkommen: Vor allem in Getreidefeldern, lagen weiter verbreitet.
aber auch im Grün- und Weideland; ziemlich Wissenswertes: Die Art lebt außer in den
selten. Hochgebirgen auch im hohen Norden Euro-
Wissenswertes: Selbst dort, wo sie noch pas, u.a. auf Spitzbergen und Island, in Nord-
regelmäßig vorkommt, wird die Wachtel nur skandinavien und Schottland. Mit ihrem wei-
selten einmal gesehen. Ihr Ruf aber ist auch ßen Winter- und bräunlichen Sommergefieder
heute noch gelegentlich zu hören; er ist drei- sind die Schneehühner farblich der Umge-
silbig und wurde u.a. mit der Aufforderung bung jeweils gut angepaßt.
Vögel

zentralen Mitteleuropa bereits ausgestorben.

1
Auerhuhn
Tetrao urogallus Wissenswertes: Mit der Verbuschung der
Heideflächen nach Aufgabe der Weide- und
L m. 90, w. 64 cm «Truthahn Jan.- Holznutzung kam es in den ehemaligen
Dez. Heide- und Moorgebieten der Ebene im Laufe
des 19. Jahrhunderts zu einer heute fast un-
Kennzeichen: Hahn (1a) dunkel rußbraun, vorstellbaren Zunahme des Birkhuhns. Aber
Henne (1b) braun; beide durch Größe und schon in den ersten Jahrzehnten unseres
breit gefächerten, runden Schwanz unver- Jahrhunderts brachen die Bestände zusam-
wechselbar. men. Nur noch selten kann man hier, eher
Vorkommen: In naturnahen, ungestörten schon in den Alpen die posenreiche und ge-
Nadel- und Mischwäldern des Alpen- und Vor- räuschvolle Balz der Hähne miterleben.
alpenraums noch etliche Balz- und Brutplätze;
in den Mittelgebirgen nur noch Restbestände

3
Haselhuhn
oder schon ausgestorben. Wissenswertes: Bonasa bonasia
Nur sehr ruhige, im äußersten Falle extensiv
bewirtschaftete Wälder mit L männl.36, weibl.34 cm >Taube Jan.-
beerenstrauchreicher Bodenvegetation, mit Dez. Kennzeichen: Geringe Größe; braunes
zum Teil unbewachsenem, steinigem Boden, Gefieder; gefächerter Schwanz mit
mit Ameisenhügeln und mit Wasserstellen er- schwarzer Endbinde.
füllen die sehr spezifischen Ansprüche dieser Vorkommen: In dichten, gestuften und auch
größten mitteleuropäischen Hühnervögel. Der im übrigen strukturreichen Laub- und Misch-
Rückgang und das Erlöschen der Auerwildbe- wäldern, vor allem im Süden.
stände in weiten Teilen Mitteleuropas sind auf Wissenswertes: Die Niederwaldwirtschaft
die Intensivierung der Forstwirtschaft und die hat das Haselhuhn gefördert, die Umwand-
Zunahme des Tourismus, vor allem des Ski- lung naturnaher Laubwälder in altersgleiche
langlaufs und der Abfahrten querfeldein durch Fichtenreinbestände es dagegen vertrieben.
die Wälder, zurückzuführen. Wiedereinbürge- Zusammen mit Schnee-, Auer- und Birkhuhn
rungsversuche haben nur dort Aussicht auf gehört das Haselhuhn zu den Rauhfußhüh-
Erfolg, wo der Lebensraum angemessen ist. nern, deren Läufe und Füße mehr oder we-
Die Nahrung des Auerhuhns besteht im niger stark von Federn bedeckt sind.
Herbst überwiegend aus Beeren, im Winter

4
aus Nadeln, im Frühjahr aus Knospen. Magen- Fasan
steinchen werden in großer Zahl - im Herbst Phasianus colchicus
bis zu 50 g - aufgenommen. Der kurze Balz-
gesang mit seinen knappenden und schlei- L männl.80, weibl.60cm >Haushuhn
fenden Lauten ist viel leiser, als man bei der Jan.-Dez. Kennzeichen: Langer Schwanz;
Größe der Hähne annehmen möchte. Hahn (4a) mit buntem, meistens
kupferfarbenem Gefieder; Henne (4b)
erdfarben braun. Vorkommen: Am

2 Birkhuhn
Tetrao tetrix

L männl.58, weibl.42 cm ~Haushuhn


zahlreichsten in mit Feldgehölzen, Hecken,
Wiesen und Feldern abwechslungsreich
gegliederten Kulturlandschaften, möglichst
noch mit Schilfröhrichten und
Jan.-Dez. Kennzeichen: Hahn (2a) mit
Weidengebüschen durchsetzt.
glänzend schwarzem, Henne (2b) mit
Wissenswertes: Als Jagdwild wurde der Fa-
braunem Gefieder; Schwanz des Hahns
san vielerorts fest eingebürgert. In manchen
leierförmig, der Henne eingekerbt.
Revieren aber wird er nach strengen Wintern
Vorkommen: Im Hochgebirge nahe der
immer wieder neu ausgesetzt. Sein Name er-
Waldgrenze in aufgelockerten Baumbestän-
innert an den Phasis, einen Fluß in Kleinasien,
den mit möglichst vielgestaltigen Strukturen;
von dem bereits die Argonauten die Art nach
im Tiefland vor allem in den weiten Heide- und
Griechenland geholt haben sollen.
Moorgebieten; außer in den Alpen überall
vom Aussterben bedroht; im westlichen und
Vögel

so zahm, daß sie sich von den Besjchern

1
BIäßhuhn Fulica atra
füttern lassen. Sie können über Seerosenblät-
L 38cm bekannt Jan.-Dez. ter laufen, aber auch im Gezweig der Uferge-
Kennzeichen: Schwarzes Gefieder und hölze klettern. Die Altvögel tragen Futter im
weiße Stirnplatte (Blesse). Vorkommen: Schnabel, nach dem die Jungen (2b) picken.
Häufige Art auf allen Gewässern, Etwas nicht Alltägliches gehört bei den Teich-
ausgenommen sehr kleine. Wissenswertes: hühnern zur Normalität: Die Jungen aus dem
Die Art profitiert von der Eutrophierung vieler Erstgelege beteiligen sich an der Fütterung
Gewässer. Obendrein ist sie so ihrer Geschwister aus der Zweitbrut.
anpassungsfähig, daß sie örtlich gegenüber
dem Menschen sehr zutraulich wird und

3
Wasserralle
sogar Parkteiche besiedeln und nur wenige Rallus aquaticus
Meter von den Anglern entfernt am Teichufer
brüten kann. Im Winterhalbjahr sieht man auf L 28cm > Amsel März-Nov.
größeren Gewässern oft Tausende von Bläß- Kennzeichen: Sehr selten zu sehen; um so
hühnern in zeitweilig - vor allem bei Gefahr - auffälliger die grunzenden und quiekenden
sehr dichten Schwärmen. Das Bläßhuhn liegt Rufe und Rufreihen; Gefieder oberseits oliv-
beim Schwimmen hoch im Wasser und taucht braun, Flanken schwarz-weiß gebändert.
mit einem Kopfsprung unter. Seine Nahrungs- Vorkommen: In dichten Röhrichten, Seg-
gründe sind vor allem dort, wo das Wasser genreden und Weidengebüschen; in gewäs-
weniger als 2-3 m tief ist. Wandermuscheln serreichen Landschaften weiter verbreitet, je-
(Dreissena) werden oft erst nach dem Auftau- doch meistens in geringer Bestandsdichte.
chen verspeist und die Schalenreste an das Wissenswertes: Schauerliche Rufe in der
Ufer oder auf den Eisrand gelegt. Als Alles- Nacht, die schon manchen Wanderer er-
fresser gehen die Bläßhühner allerdings auch schreckt haben, können die Revier- und Balz-
auf ufernahe Wiesen und Wintersaaten und gesänge dieser kleinen Ralle gewesen sein,
fressen Teile von Halmen und Blättern. die selbst erfahrene Vogelkundler nur selten
zu Gesicht bekommen. Am ehesten zeigt sie
sich außerhalb der Brutzeit schon einmal in

2
Teichhuhn
Gallinula chloropus niedrigerer und lichterer Ufervegetation.

L 33cm «Bläßhuhn Jan.-Dez.

4
Wachtelkönig
Kennzeichen: Dunkel graubraunes Gefieder Crex crex
und rote Stirnplatte; grüne Beine; weiße Unter-
schwanzdecken bei gestelztem Schwanz sehr L 27cm > Amsel Apr.-Okt.
auffällig. Kennzeichen: „Crex-Crex"-Rufe als sicher-
Vorkommen: Auf Gewässern aller Art, auch ste und am ehesten registrierbare Hinweise
auf sehr kleinen; weit verbreitet, aber nie ver- auf die nur selten sichtbare Art; Gefieder un-
gleichbar große Ansammlungen wie beim scheinbar grau und bräunlich. Vorkommen:
Bläßhuhn. In stark wechselnder Zahl in
Wissenswertes: Teich- und Bläßhuhn, im Extensivgrünland, aber örtlich auch in Ge-
Volksmund oft gemeinsam „Wasserhühn- treide- und Hackfruchtfeldern; vor allem im
chen" genannt, gehören zur Familie der Ral- Norden und Osten, aber auch dort nur regio-
len, die nur entfernt hühnerähnliche Boden- nal und oft sehr unregelmäßig.
vögel sind. Obwohl sie Wasserbewohner sind, Wissenswertes: Nach ihrer Rückkehr aus
haben sie keine Schwimmhäute, sondern dem tropischen Afrika kann die Art in einem
freie, besonders lange Vorderzehen. Vogel- Janr hier, im anderen dort durch ihre schnar-
kundler sprechen in Anspielung auf die tat- renden Rufe auffallen und im nächsten Jahr
sächliche Verwandtschaft oft von Teich- und schon wieder fehlen. Etwas größer als die
Bläßrallen. Teichhühner sind in den Parks oft Wachtel, aber oft gemeinsam mit dieser ein-
treffend, wurde sie „Wachtelkönig" genannt.
Vögel

1 3
Großtrappe Säbelschnabler
Otis tarda Recurvirostra avosetta

L män.102, weib.80cm »Truthahn Jan.- L 43cm < Krähe März-Nov.


Dez. Kennzeichen: Größe, Gestalt und Kennzeichen: Weißes Gefieder, mit ober-
Bewegungsweise machen die Art seits schwarzem Muster; langer, aufwärts ge-
unverwechselbar. bogener Schnabel.
Vorkommen: Nur noch in einigen wenigen Vorkommen: Flachgewässer im Küstenbe-
weiträumigen, offenen Ackerbaugebieten, reich, vor allem an der Nord-, aber auch an
Steppen- und Wiesenlandschaften Ost- der Ostsee; hier recht häufig anzutreffen; in
deutschlands, Österreichs und Ungarns; ins- geringerer Zahl in Steppengebieten Ungarns
gesamt stark schrumpfende Bestände. und im Burgenland.
Wissenswertes: Weltweit gibt es nur noch Wissenswertes: Nach starker Abnahme im
rund 10000 Großtrappen, davon gut ein Vier- vorigen Jahrhundert nimmt der Säbelschnab-
tel in Ungarn und nur noch einige hundert in ler seit den 20er Jahren deutlich zu und weitet
Deutschland und Österreich. Ursachen für den seine Brutgebiete aus. In nicht zu strengen
Rückgang sind die Intensivierung der Land- Wintern bleiben viele Tiere an der deutschen
wirtschaft und die Verinselung der Landschaft Nordseeküste zurück. Auf Schlick und auf
durch Straßen- und Wegebau. Nur noch in Sandbänken trippeln sie eilig umher, waten im
großen Schutzgebieten findet der bis zu 15 kg flachen Wasser und schwimmen auch regel-
schwere stattliche Vogel genügend weitläufi- mäßig. Kleine wirbellose Tiere seihen die Sä-
gen und ungestörten Lebensraum. belschnäbler aus dem Wasser, indem sie den
abwärtsgebogenen Teil des Schnabels etwas
öffnen und mit seitlich pendelnden Kopfbe-

2
Austernfischer
wegungen Schlick und Wasser passieren las-
Haematopus ostralegus
sen. Als Brutplätze bevorzugen die Säbel-
L 43cm < Krähe Jan.-Dez. schnäbler flache Meeresbuchten und die
Kennzeichen: Ein schwarz-weiß-roter Vogel; Mündungsgebiete der großen Flüsse mit ihren
schwarz sind Kopf und Latz, weiß die Unter- Strandwiesen. Bei Bedrohung der Küken ver-
seite, rot Schnabel und Beine. Vorkommen: leitet der Altvogel sehr intensiv.
Sehr häufig an den Küsten und in den
Marschen der Nordsee, weniger im
Ostseeküstengebiet; vereinzelt, aber immer
häufiger auch im Binnenland, zumindest im
4 Stelzenläufer
Himantopus himantopus

L 38cm »Taube Apr.-Okt.


Norden.
Wissenswertes: Überall im Nordseeküsten- Kennzeichen: Ungewöhnlich lange, rötliche
gebiet beherrschen die Austernfischer mit ih- Beine („Stelzen"); oberseits schwarzes, unter-
ren Scharen und hellen Rufen die Szene. Je seits weißes Gefieder.
nach Gezeiten zwischen Watt und Marschen Vorkommen: In flachen Süßgewässern und
pendelnd, überfliegen sie auch die Siedlun- Sümpfen, in Mitteleuropa sehr selten, nur in
gen und Badestrände. Besonders auffällig ist den Niederlanden mehrere, sonst nur einzelne
das Balzverhalten mit den Trillerturnieren, bei und unregelmäßige Bruten. Wissenswertes:
denen mehrere Vögel mit vorgestrecktem Der Stelzenläufer ist ein Vogel aller wärmeren
Hals und abwärtsgerichtetem Schnabel um- Teile der Erde und bei uns eher eine
einander herumtrippeln. Als Nahrung dienen Ausnahmeerscheinung. Im Süden brütet er
dem Austernfischer vor allem Herzmuscheln oft kolonieartig auf kleinen Inseln oder am
und andere Muschelarten ähnlicher Größe, Rande von Süßwasserlagunen. Mit seinen
aber kaum die Austern. Nachts findet er übri- langen Beinen watet er oft bauchtief im
gens die Muscheln, nach denen er mit leicht Wasser, schwimmt aber nur ausgesprochen
geöffnetem Schnabel im Sand stochert, dank selten. Im Winter setzt er sich bis in das tropi-
seines empfindlichen Tastsinnes. sche Afrika ab.
Vögel

Die auf dieser Seite behandelten Arten ge- sucht, die naturgemäß nicht gerade sehr zahl-
hören zur Familie der Regenpfeifer, bei denen reich sind. Dabei handelt es sich zumeist um
es sich um kleine bis mittelgroße Watvögel Sekundärbiotope, wie z.B. die Schlammab-
(Limikolen) mit relativ kurzen Beinen und setzbecken von Kläranlagen.
Schnäbeln handelt.

3
Seeregenpfeifer
Charadrius alexandrinus

1
Flußregenpfeifer
Charadrius dubius
L 1 6 c m >Sperling Apr.-Sept.
L 15cm —Sperling Apr.-Sept. Kennzeichen: Schwarzes Brustband nur an-
Kennzeichen: Rücken braun; Brustband gedeutet bzw. in der Mitte unterbrochen.
und Gesichtsmaske schwarz; weißer Streifen Vorkommen: Noch stärker an die Meeres-
über dem schwarzen Stirnband. küste gebunden; fehlt im Binnenland auch zur
Vorkommen: Flüsse mit Schotterbänken, zu- Zugzeit nahezu vollständig. Wissenswertes:
mindest teilweise mit Wasser geflutete Sand- Die Bindung an vegetationsarme Sand-
und Kiesgruben; Abraumhalden und Indu- und Schlickflächen und die unmittelbare
striebrachen, sofern Wasser in der Nähe ist. Nähe des Meerwassers begrenzt den
Wissenswertes: Der Flußregenpfeifer ist ein Lebensraum des Seeregenpfeifers sowohl
Binnenlandbewohner und zugleich eine Art, zur Brut- als auch zur Zugzeit.
die sich in erstaunlicher Weise auf vom Men-
schen grundlegend umgestaltete Biotope ein-

4
Goldregenpfeif e r
stellt. Nur knapp ein Zehntel aller Brutpaare Pluvialis apricaria
bewohnt heute noch die ursprünglichen Le-
bensräume an Bächen und Flüssen, die zu- L 28cm > Amsel Jan.-Dez.
meist nach Wasserbau-Maßnahmen und in- Kennzeichen: Federn der Oberseite dunkel-
folge Störungen aufgegeben wurden. Gäbe es braun, goldgelb gesäumt; im Brutkleid unter-
keine Sand- und Kiesgruben, Halden und an- seits schwarz.
dere vegetationsarme Sekundärbiotope, wäre Vorkommen: Tundren und Hochmoore; zu
es um den Flußregenpfeifer schlecht bestellt. Tausenden als Gäste im Wattenmeer.
Sogar auf kiesbedeckten Flachdächern von Wissenswertes: Die gut unterscheidbare,
Wohnhäusern und Garagen hat man schon früher in den Hochmooren im Nordwesten
Regenpfeifer-Nester gefunden. häufige südliche Rasse ist unmittelbar vom
Aussterben bedroht. Angehörige der nördli-

2
Sandregenpfeifer chen Rasse kommen hingegen alljährlich in
Charadrius hiaticula riesigen Scharen an unsere Küsten und in
kleineren Trupps auch ins Binnenland.
L 1 9 c m »Sperling März-Okt.
Kennzeichen: Etwas größer als Flußregen-

5
Kiebitz
pfeifer; kein weißer Streifen über dem schwar- Vanellus vanellus
zen Stirnband.
Vorkommen: Auf unbewachsenen oder L 3 1 c m <Taube Jan.-Dez.
kurzrasigen Flächen an der Küste weit ver- Kennzeichen: Haube; schwarzer Brust-
breitet; im Binnenland nur auf dem Zug. schild; metallisch glänzende Oberseite.
Wissenswertes: Der Sandregenpfeifer ist Vorkommen: Wiesen, vor allem Feuchtwie-
stärker als seine Verwandten sowohl tags als sen, aber auch Felder; weit verbreitet.
auch nachts aktiv. Er trippelt so schnell über Wissenswertes: Mit seinem taumelnden
den Sand oder den Schlamm, daß das Balzflug und seinen hellen „Kiewitt"-Rufen
menschliche Auge die sich bewegenden (Name!) gehört der Kiebitz in den Grünland-
Beine gar nicht mehr erfaßt. Im Binnenland gebieten - vor allem in der Ebene - zu den
werden zur Rast regelmäßig bestimmte Frühlingsboten. Die wuchtelnden Geräusche
Schlamm- und Flachwasserflächen aufge- bringt er mit den Flügeln hervor.
Vögel

rotbraune Unterseite unterschieden; abwärts

1
Alpenstrandläufer
Calidris alpina gebogener Schnabel.
Vorkommen: Nur als Gast an unseren Kü-
L 18cm »Sperling Jan.-Dez. sten; auf dem Herbstzug häufiger als im Früh-
Kennzeichen: Zur Brutzeit (1a) mit großem ling; oft gerneinsam mit Alpenstrandläufern.
schwarzem Bauchfleck und oberseits rost- Wissenswertes: Als Brutvögel der Tundren
braun; sonst (1b) unterseits weiß und ober- Ostsibiriens wandern Sichelstrandläufer zum
seits graubraun, Flügelbinde und Bürzel weiß. Teil an der Eismeerküste, zum Teil über die
Vorkommen: Häufiger Brutvogel in Nordeu- Ostsee westwärts nach Nordwesteuropa und
ropa; seltener in Küstennähe im nördlichen von dort südwärts nach Westafrika.
Mitteleuropa; nur vereinzelt im Binnenland; als
Gast an den Küsten in riesigen Scharen, die

4
Sanderling
oft an manövrierende Starenschwärme erin-
nern; in kleineren Trupps auch im Binnen- Calidris alba
land.
Wissenswertes: Die häufigste Strandläufer- L 20cm <Star Jan.-Dez.
Art ist zirkumpolar verbreitet und tritt an den
Küsten sowohl als regelmäßiger Übersomme- Kennzeichen: Relativ kurzer Schnabel; im
rer als auch als sehr häufiger Durchzügler und Winter weißlich mit schwarzen Schultern; im
Wintergast auf. Sie fasziniert den Beobachter Sommer braun, dunkler geschuppt, mit wei-
durch ihren rasanten Flug und die Flugma- ßem Bauch.
növer riesiger Schwärme, aber auch durch die Vorkommen: Als Durchzügler und als Win-
schnellen Bewegungen am Boden. tergast aus den Tundren der Arktis regelmäßig
an unseren Küsten, vor allem nahe der Bran-
dung; nur selten im Binnenland.

2
Zwergstrandläufer
Calidris minuta Wissenswertes: Sanderlinge fallen oft da-
durch auf, daß sie den am Strande auflau-
L 1 4 c m <Sperling Apr.-Okt. fenden Wellen geschickt ausweichen und so-
Kennzeichen: Ähnlich dem Alpenstrandläu- fort wieder dem ablaufenden Wasser folgen,
fer, jedoch deutlich kleiner; V-Zeichnung auf um dabei angespülte Krebschen und kleine
dem Rücken. Muscheln abzusammeln.
Vorkommen: Brutvögel der Arktis; regelmä-
ßige, aber nicht sehr zahlreiche Durchzügler

5
Knutt Calidris canutus
an Schlick- und Sandküsten; auch auf
Schlammflächen im Binnenland. L 26cm —Amsel Jan.-Dez.
Wissenswertes: Es handelt sich um die Kennzeichen: Größer und fülliger als San-
kleinste Strandläufer-Art, die sich oft anderen derling und Strandläufer; im Sommer (5a)
Watvögeln - vor allem Alpenstrandläufern - rostbraun, im Winter hellgrau. Vorkommen:
anschließt, sich aber meistens noch zutrau- Brutvogel in arktischen Tundren; häufiger
licher verhält als diese. Nach nächtlichem Zug Gast an der Nordsee, weniger häufig an der
erscheinen Zwergstrandläufer manchmal zur Ostsee; zu allen Jahreszeiten -mit Maximum
Überraschung der Vogelkundler sogar auf im August - auf den Schlickflächen im Watt.
einzelnen kleinen Schlammflächen im Bin- Wissenswertes: Knutts sind oft sehr zahl-
nenland. reich und bei Flut besonders dicht vergesell-
schaftet. Bei Ebbe breiten sie sich dann wie-
der im Watt aus. Aufenthalt und Nahrungs-

3
Sichelstrandläufer
Calidris ferruginea suche im Watt der Deutschen Bucht sind für
diese Vögel lebenswichtig, weil sie sich hier
L 19cm «Star Apr.-Sept. die Energiereserven für die weiten Wander-
Kennzeichen: Dem Alpenstrandläufer im wege zwischen Afrika und dem Polargebiet
Winterkleid sehr ähnlich, im Sommer durch zulegen.
Vögel

1 3
Kampfläufer Waldschnepfe
Philomachus pugnax Scolopax rusticola

L m.28, w.24 cm > Amsel März-Okt. L 34cm —Taube März-Nov.


Kennzeichen: Männchen im Schlichtkleid Kennzeichen: Deutlich größer als die Be-
und Weibchen immer mit schuppig gemu- kassine; Gefieder mit ähnlichem Tarneffekt;
stertem Gefieder; Brutkleid der Männchen un- Scheitel quer gebändert. Vorkommen: Der
verwechselbar durch die Halskrause, die weiß, einzige Waldbewohner unter den heimischen
schwarz, gelb oder braun sein kann. Wat- und speziell Schnepfenvögeln;
Vorkommen: In Feuchtwiesen, Sümpfen und vorzugsweise in lichten Laubwäldern mit
Mooren im Norden noch Brutvogel, jedoch Bächen und Quellmulden. Wissenswertes:
starke Bestandsabnahme; regelmäßiger Der Schnepfenstrich, der abendliche
Durchzügler an den Küsten und im Binnen- Balzflug des Schnepfenmännchens mit
land. seinen quorrenden und puitzenden Rufen, ist
Wissenswertes: Der Federschmuck der ein besonders markantes Frühlingsphänomen.
Männchen variiert in Färbung und Muster in- Die Jagd auf die balzende Waldschnepfe hat
dividuell sehr stark. Im Mai balzen die Männ- eine lange Tradition; sie wird für den
chen an zumeist traditionellen Plätzen unter Rückgang der Art mitverantwortlich gemacht.
auffälligen Bewegungen, Gefieder- und Kör- Der „Vogel mit dem langen Gesicht" ist
perhaltungen. Hier wählen die Weibchen ihre überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv,
Partner aus und fordern sie zur Begattung auf. geht aber auch tags der Nahrungssuche
Zu einer echten Paarbildung mit Partnerbin- nach. Die heimliche Lebensweise in möglichst
dung kommt es nicht. dichter Deckung und die hervorragende Tar-
nung sind die Gründe dafür, daß die Wald-
schnepfe - abgesehen vom Strich - so selten

2
Bekassine
Gallinago gallinago gesehen wird. Auch das Nest mit seinen 4
Eiern und das regungslos auf dem Nest ver-
L 26cm ~ Amsel März-Nov. harrende Weibchen sind außerordentlich
Kennzeichen: Langer gerader Schnabel; schwer zu entdecken. Schon nach 10 Tagen
Gefieder braun mit einer Musterung, die opti- können Jungvögel eine kurze Strecke fliegen.
male Tarnung gewährleistet; auf dem Kopf
dunklere Längsstreifen. Vorkommen:

4
Steinwälzer
Feuchtwiesen, Sümpfe und Moore; nur Arenaria interpes
regional verbreitet. Wissenswertes: Die Balz
der Bekassinen ist von auffälligen Rund- und L 23cm >Star Jan.-Dez.
Sturzflügen und von Vokal- und Kennzeichen: Kastanienbrauner Rücken,
Instrumentallauten begleitet. Vokal wird das schwarzes Brustband und ungewöhnliches
oft gereihte „Tücke-tücke" hervorgebracht, Gesichtsmuster.
instrumental das bekannte Meckern, das der Vorkommen: Häufiger Durchzügler und sel-
Bekassine auch den volkstümlichen Namen tener Überwinterer an Watt-, Sand- und Fel-
„Himmelsziege" eintrug. Es kommt beim senküsten; gern an Spülsäumen und Mu-
Abwärtsgleiten durch das Vibrieren der schelbänken.
abgespreizten Schwanzfedern zustande. Wissenswertes: Ihren Namen verdankt die
Bekassinen drücken sich unter Ausnutzung Art einer auffälligen Verhaltensweise beim
der Deckung besonders effektiv. Sie fliegen Nahrungserwerb. Sie sucht nämlich nach ver-
oft erst unmittelbar vor den Füßen des deckter Beute, vor allem nach Krebschen und
Menschen oder dem Fang des Hundes auf, Muscheln, indem Steine, Muscheln und Tang
um sich dann im schnellen Zickzackflug zu umgedreht werden. Dazu wird der Schnabel
entfernen. Die im Boden lebenden Beutetiere unter den Rand des jeweiligen Objektes ge-
werden übrigens mit Hilfe von Tastsinneszel- steckt, das mit einer ruckartigen Kopfbewe-
len an der Schnabelspitze wahrgenommen. gung umgedreht oder weiterbefördert wird.
I
Vögel

1 Uferschnepfe
Limosa limosa

L 41cm «Krähe März-Okt.


3
Brachvogel
Numenius arquata

L 57cm ~ Haushuhn Febr.-Nov.


Kennzeichen: Lange Beine; langer, gerader Kennzeichen: Größe; lange Beine und ab-
Schnabel; schwarzer Schwanz, im Fluge wärts gebogener langer Schnabel.
weiße Flügelstreifen. Vorkommen: Im Norden Mitteleuropas in
Vorkommen: Im Norden noch ziemlich weit Mooren, Heiden, Feuchtwiesen und Dünen
verbreitet, vor allem in den Marschen, aber noch weit verbreitet, aber in sinkender Zahl;
auch sonst in Feuchtwiesen; im Osten selte- an den Küsten in großen Scharen zu Gast.
ner. Wissenswertes: Der Brachvogel ist als In-
Wissenswertes: Ursprünglich in Heide- und dikatorart (Zeigerart) für den Feuchtwiesen-
Moorgebieten beheimatet, hat sich die Ufer- schutz in den letzten Jahren sehr bekannt
schnepfe auf extensiv genutzte, feuchte Wie- geworden. Drainung und Grünlandumbruch
sen umgestellt und dadurch ihr Brutgebiet haben ihn vielerorts vertrieben. Aber auch
sogar teilweise erweitert. Intensive Grünland- Düngung und intensivere Nutzung des Grün-
nutzung mit Düngung und früher Mahd aber landes führen längerfristig zum Verschwinden
bedroht heute den Fortbestand der Art vor der Art, auch wenn sie anfangs noch Brutver-
allem in küstenferneren Gebieten. Eindrucks- suche unternimmt; es wird dort nicht genü-
voll ist der Balzflug des Männchens, das sich gend Nachwuchs groß. Nur die Ausweisung
steil in die Luft erhebt, dort pendelnd hin und von Feuchtwiesenkomplexen als Naturschutz-
her fliegt und schließlich taumelnd herab- gebiete kann das Überleben des Brachvogels
stürzt. Dabei ist sein „grutto-grutto" weithin sichern, dessen melodische Balzstrophen zu
vernehmbar, dem die Art ihren holländischen den stimmungsvollsten Melodien heimischer
Namen „Grutto" verdankt. Krähen, Elstern und Landschaften gehören. - An den Küsten in
Möwen werden von den Uferschnepfen heftig geringer Zahl, aber auch im Binnenland zieht
attackiert und vertrieben. Vom Frühsommer an als sehr ähnliche Art der aus Sibirien stam-
versammeln sie sich oft allabendlich in großer mende Regenbrachvogel (Numenius phaeo-
Zahl, um gemeinsam in flachen Gewässern pus) durch, der etwas kleiner ist und einen
stehend die Nacht zu verbringen. weniger stark gebogenen Schnabel hat.

2 L
Pfuhlschnepfe
Limosa lapponica

38cm »Taube Jan.-Dez.


4 Rotschenkel
Tringa totanus

L 28 cm > AmseI März-0kt.


Kennzeichen: Ähnlich der Uferschnepfe, Kennzeichen: Lange rote Beine (Name!); im
aber leicht aufwärts gebogener Schnabel, ge- Fluge hinteres Drittel der Flügel weiß.
bänderter Schwanz und kein Flügelstreif. Vorkommen: Feuchtwiesen und Moore in
Vorkommen: Häufiger Gast aus der Arktis; den Fluß- und Küstenmarschen; hier noch
Tausende zur Mauser im Hochsommer m zum Teil häufig; im Binnenland dagegen
nordfriesischen Wattenmeer, zur Überwinte- schon seit Jahren auf dem Rückzug.
rung vor allem vor der westfriesischen Küste. Wissenswertes: Die Art macht in der Weite
Wissenswertes: Viele Pfuhlschnepfen zie- der Marschen durch ihr langgezogenes „tüht"
hen bis an die Mittelmeerküsten, an die afrika- auf sich aufmerksam, das auch in melodi-
nische Atlantikküste, aber auch an den Persi- schen, sanft abfallenden Tonreihen wieder-
schen Golf; andere überwintern im Bereich kehrt und beim holländischen Artnamen
der südlichen Nordsee. Für riesige Scharen „Tureluur" Pate stand. Benachbart brütende
von Pfuhlschnepfen ist das Wattenmeer in der Rotschenkel greifen potentielle Nesträuber
Deutschen Bucht zumindest eine bedeutsame gemeinsam an und vertreiben sie. Nach der
Zwischenstation mit reichem Nahrungsange- Brutzeit schließen sich die Rotschenkel oft zu
bot während der weltweiten Wanderung. größeren Trupps zusammen.
Vögel

unterseits dunklen Flügeln erkennbar; weißer

1 Dunkler Wasserläufer
Tringa erythropus

L 31cm < Taube Apr.-Sept.


Bürzel nicht bis zum Hinterrücken verlängert;
dunkle Beine, die im Fluge den Schwanz
kaum überragen.
Kennzeichen: Rötliche Beine, im Fluge deut- Vorkommen: Seltener Brutvogel im nord-
lich über den Schwanz hinausgehend; im östlichen Mitteleuropa in Bruchwäldern und
Sommer schwärzlicher, im Winter grauer Rük- verbuschten Mooren; sonst regelmäßiger
ken, noch etwas heller als der Grünschenkel. Durchzügler an unterschiedlichsten Gewäs-
Vorkommen: Durchzügler aus dem hohen sern des Binnenlandes. Wissenswertes: Im
Norden Skandinaviens und Westsibiriens; Durchzugsgebiet kann die ausgesprochen
häufig im Wattenmeeer und Brackwasser, we- einzelgängerisch wirkende Art hier und dort
niger häufig im Binnenland an seichten Ufern länger verweilen, nicht selten sogar
und in überschwemmten Wiesen. überwintern. Viele Waldwasserläufer
Wissenswertes: Die Art wird wegen ihrer wandern bis südlich des Äquators. -Der dem
roten Beine auch als „Großer Rotschenkel" Waldwasserläufer sehr ähnliche
bezeichnet. Sie unterscheidet sich jedoch Bruchwasserläufer (Tringa glareola, 3b) hat
deutlich durch das Fehlen des beim Rot- helle Unterflügel und wirkt in seinem insge-
schenkel im Fluge sichtbaren weißen Flügel- samt mehr bräunlichen Gefieder weniger kon-
feldes und durch die Stimme. Der Dunkle trastreich. Er zieht sich gegenwärtig als Brut-
Wasserläufer schwimmt häufiger als Rot- vogel offenbar auch aus Schleswig-Holstein
schenkel und andere Wasserläufer-Arten. und Dänemark zurück, nachdem er zuvor be-
reits südlichere Brutplätze aufgab. Als Durch-
zügler ist er im Binnenland noch immer recht

2 Grünschenkel
Tringa nebularia

L 31cm < Taube Apr.-Sept.


häufig und zum Teil auch in Trupps anzu-
treffen. Der Bruchwasserläufer verläßt Mittel-
europa immer, überquert meistens das Mittel-
Kennzeichen: Beine lang, grünlich; kein Flü- meer und die Sahara und verbringt den Winter
gelstreif; Bürzel weiß und groß, nach vorn bis weit verstreut in Afrika.
zu den Schultern, im Fluge sehr auffällig; Ruf
ähnlich dem des Grünspechts. Vorkommen:

4
Flußuferläufer
Durchzügler aus Skandinavien und Actitis hypoleucos
Westsibirien; zahlreich an den Küsten;
regelmäßig auch an Flüssen und Binnenge- L 20cm <Star Apr.-Okt.
wässern, allerdings meist in geringer Zahl. Kennzeichen: Geringe Größe; Schwanzwip-
Wissenswertes: Nach dem nächtlichen Zug pen und schnell trippelnder Lauf an der Was-
erscheinen Grünschenkel oft völlig überra- serlinie; braune Ober- und weiße Unterseite;
schend an den unterschiedlichsten, zum Teil kein Bürzelfleck.
auch kleinen Gewässern im Binnenland. Im Vorkommen: Als Brutvogel nur sehr zer-
Abflug fallen sie durch ihre lauten Rufreihen streut an naturnahen Fluß- und Seeufern; als
auf, die wie „kück-kück-kück" klingen und Durchzügler sehr häufig an unterschiedlich-
sich manchmal überschlagen. Zur Nahrungs- sten Gewässern.
suche bevorzugen sie seichtes Wasser, in Wissenswertes: Das helle „hidi-hidi-hidi",
dem sie mit hastigen Bewegungen hin und mit dem die Flußuferläufer einzeln oder in
her laufen, stochern und nach kleinen Fischen kleinen Trupps mit zuckenden Flügelschlägen
schnappen. und kurzem Gleitflug dicht über dem Wasser
dahinsausen, ist im Sommer - vor allem in der
Waldwasserläufer Abenddämmerung - fast an allen Gewässern

3 Tringa ochropus

L 23cm >Star Jan.-Dez.


zu vernehmen. Brutnachweise sind bei dieser
Art offenbar sehr schwer zu erbringen, und
dies nicht nur, weil sie an verbauten Ufern nur
Kennzeichen: Im Fluge an den ober- und noch wenige geeignete Brutplätze findet.
Vögel
i

deutlich kleinere Möwenart ist die Zwerg-

1
Lachmöwe
Larus ridibundus möwe, die im Flug an den unterseits dunklen
Flügeln zu erkennen ist. Sie brütet nur sehr
L 37cm bekannt Jan.-Dez. selten und unregelmäßig in Mitteleuropa, er-
Kennzeichen: Brutkleid (1a) mit schwarz- scheint aber sowohl an den Küsten als auch
brauner Gesichtsmaske; außerhalb der Brut- an Binnengewässern hin und wieder als
zeit (1b) nur ein dunkler Fleck hinter dem Durchzügler,
Auge; Altvögel mit weißem Schwanz, Jung-
vögel mit schwarzer Schwanzendbinde.

3
Silbermöwe
Vorkommen: Große Brutkolonien an vegeta- Larus argentatus
tionsreichen Gewässern, sowohl im Binnen-
land als auch an der Küste; zur Nahrungs- L 56cm bekannt Jan.-Dez.
suche an Gewässern aller Art, auf frisch bear- Kennzeichen: Häufigste Großmöwe der
beiteten Feldern und Mülldeponien. Meeresküsten; Rücken und Flügel hellgrau;
Wissenswertes: Obwohl schon immer häu- schwarzweiße Musterung der Flügelspitzen;
figste Möwenart im Binnenland, hat sich die Jungvögel (3b) im 1. Winter erdbraun, im 2.
Lachmöwe erst in den letzten Jahrzehnten so Winter graubraun.
stark ausgebreitet und vermehrt, daß sie - Vorkommen: Zum Teil große Kolonien in Dü-
zumindest außerhalb der Brutzeit - von den nen, auf Kies- und Felsenstränden und auf
Parkteichen bis zu den Talsperren an nahezu grasigen Flächen; nach der Brutzeit zuneh-
sämtlichen Gewässern das Bild der Vogelwelt mend auch im Binnenland. Wissenswertes:
mitprägt. Die starke Zunahme der Art steht im Die Sommerfrischler an unseren Küsten
Zusammenhang mit der Eutrophierung der kennen sie; die meisten von ihnen haben sie
gesamten Landschaft, vor allem auch mit dem schon gefüttert. Ihr enger Anschluß an den
enormen Nahrungsangebot auf den großen Menschen, an Fischereischiffe, Häfen und
Zentraldeponien. Dort sieht man fast immer Mülldeponien garantiert der Silbermöwe
große Möwenschwärme kreisen, in denen die ganzjährig ein Leben ohne Nahrungsmangel.
Lachmöwen vorherrschen. Ob sie ihren Na- Allerdings bedroht sie selbst nunmehr bei
men wegen ihres Rufes oder wegen ihrer Vor- ihrer starken Vermehrung durch Fressen von
liebe für Binnengewässer (Lache; engl. lake = Eiern und Jungvögeln die Existenz anderer
See) tragen, kann hier nicht entschieden wer- Seevogelarten.
den.

2 Schwarzkopfmöwe
Larus melanocephalus 4 Heringsmöwe
Larus fuscus

L 53cm < Silbermöwe Jan.-Dez.


L 39cm > Lachmöwe März-Okt. Kennzeichen: Bei der nördlichen Rasse
Kennzeichen: Der Lachmöwe ähnlich, der Rückengefieder schwärzlich, bei der südli-
sie sich oft anschließt; im Brutkleid Kopf und chen dunkelgrau; sonst - vor allem auch
Nacken schwarz, Handschwingen ohne Jungvögel - der Silbermöwe ähnlich.
schwarze Spitzen. Vorkommen: Wie Silbermöwe, aber sehr viel
Vorkommen: Wie Lachmöwe, doch sehr viel weniger zahlreich und im Binnenland meist
seltener; brütet vereinzelt auch im Außenbe- nur selten zu Gast.
reich von Sturm- und Lachmöwenkolonien. Wissenswertes: Bei der Heringsmöwe ist
Wissenswertes: Diese nicht ganz leicht von ebenfalls eine Bestandszunahme zu beob-
der Lachmöwe unterscheidbare Art nimmt achten, aber nicht so stark wie bei der Silber-
neuerdings zu, so daß es sich schon lohnt, in möwe. Das mag daran liegen, daß sie in gerin-
den Möwenschwärmen nach ihr Ausschau zu gerem Maße das Nahrungsangebot der Depo-
halten. Die Affinität zur Lachmöwe ist so groß, nien nutzt und möglicherweise auch der Kon-
daß es sogar hin und wieder zu Mischpaaren kurrenz der Silbermöwe am Nistplatz nicht
kommt. - Eine weitere schwarzköpfige, aber immer gewachsen ist.
Vögel

1
Sturmmöwe Dreizehenmöwe

L
Larus canus

41cm > Lachmöwe Jan.-Dez.


3 Rissa tridactyla

L40cm > Lachmöwe Jan.-Dez.


Kennzeichen: Schnabel und Beine grünlich- Kennzeichen: Flügelspitzen als durchge-
gelb; deutlich kleiner als Silbermöwe. hend schwarzes Dreieck; Beine schwarz.
Vorkommen: Brutvogel an den Küsten, vor Vorkommen: In Mitteleuropa nur Brutvogel
allem im Ostseeküstenraum, vereinzelt auch auf Helgoland, sonst regelmäßiger Gast an
im Binnenland; hier jedoch neuerdings als der Nordsee-, seltener der Ostseeküste.
Wintergast immer zahlreicher. Wissenswertes: Das offene Meer ist der Le-
Wissenswertes: Die Sturmmöwe ist weniger bensraum dieser Möwenart, die nur zur Brut
stark an die Küsten gebunden als die Silber- an die nord- und westeuropäischen Küsten
möwe. Kleine Brutkolonien und Einzelbruten kommt. Steil zum Meer abfallende Felsen, die
bestehen vielerorts im Binnenlande, oft im meistens auch anderen Seevögeln zur Brut
Randbereich von Lachmöwenkolonien. dienen (Vogelfelsen), sind die bevorzugten
Große, mehrere 100 Brutpaare umfassende Brutplätze. Dort stehen oft mehrere zehntau-
Sturmmöwenkolonien aber gibt es nur an den send Nester dicht an dicht auf schmalen Fels-
Küsten. Wie bei der Lach- und der Silbermöwe bändern und Vorsprüngen (3a). In der ersten
sind auch bei der Sturmmöwe in den letzten Hälfte unseres Jahrhunderts begannen Drei-
Jahrzehnten eine deutliche Bestandszunahme zehenmöwen damit, auch auf Dächern und
und eine verstärkte Neigung zum Überwintern Fenstersimsen küstennaher Gebäude zu brü-
im Binnenland zu beobachten. Vor allem die ten. Die stets in absturzgefährdeter Position
großen Mülldeponien werden meistens ge- heranwachsenden Jungvögel bleiben bis zur
meinsam mit den beiden anderen Möwenar- vollen Flugfähigkeit, d.h. über 40 Tage, im
ten angeflogen. Nest. Im Gegensatz zu den anderen Möwenar-
ten, die meistens 3 Eier je Gelege haben,
sind es bei der Dreizehenmöwe in der Regel

2
Mantelmöwe
Larus marinus 2, die auffallend kreiseiförmig und dadurch
vor dem Wegrollen besser geschützt sind.
L 68cm »Silbermöwe Jan.-Dez.
Kennzeichen: Flügel und Rücken schwarz;

4
Schmarotzerraubmöwe
hell fleischfarbene Beine; tiefe Stimme; viel Stercorarius parasiticus
größer als die Silbermöwe. Vorkommen:
Brutvogel an felsigen und sandigen Küsten L48cm «Silbermöwe Apr.-Nov.
Nord- und Westeuropas; an unseren Küsten Kennzeichen: Braune Möwe mit verlänger-
ganzjährig als Gast, aber immer weniger tem mittleren Steuerfederpaar, das spitz ist
zahlreich als Silber-, Sturm- und und die übrigen Schwanzfedern um 9 cm
Lachmöwe. überragt.
Wissenswertes: Diese besonders groß und Vorkommen: Als Brutvogel der Arktis regel-
wild wirkende Möwe erbeutet zwar gelegent- mäßiger, aber nicht sehr zahlreicher Durch-
lich junge Enten und Kaninchen, nutzt aber zügler, vor allen an der Nordseeküste.
vor allem die Abfälle der Fischerei und der Wissenswertes: Alle 6 Arten der Familie der
Mülldeponien und kommt auch bis in die See- Raubmöwen, die in der Arktis und Antarktis
häfen und -Städte. Das Binnenland allerdings brüten, sind Beutegreifer und Schmarotzer.
wird weitgehend gemieden. In ihrem schwe- Während des Durchzugs und als Übersomme-
ren, langsamen Flug erinnert die Mantelmöwe rer begegnet man an der Nordseeküste am
eher an einen Graureiher als an die anderen häufigsten der Schmarotzerraubmöwe, die
Möwenarten, mit denen sie meistens verge- sich während des Zuges vor allem von Fi-
sellschaftet ist. Nicht selten handelt es sich schen ernährt, die sie anderen kleinen Möwen
dabei um Einzelvögel, manchmal um kleine, und Seeschwalben abjagt. Dabei fällt sie
lockere Trupps. durch ihre rasanten Sturzflüge auf.
Vögel

len und Bioziden begründet. Auch die Beun-

1
Flußseeschwalbe
Sterna hirundo ruhigung der Brutplätze auf Inseln und San-
den durch den Menschen dürfte sich nachtei-
L35cm < Lachmöwe Apr.-Okt. lig auf die Brutbestände auswirken.
Kennzeichen: Wie alle Seeschwalben-Arten
Brandseeschwalbe
schlank, schmalflügelig und sehr gewandt; mit
spitzem, im Fluge abwärts gewandten Schna-
bel sowie mit gegabeltem Schwanz; diese Art
3 Sterna sandvicensis
im Sommer von der nächsten unterscheidbar
am orangefarbenen Schnabel mit schwarzer L41cm > Lachmöwe Apr.-Okt.
Spitze. Kennzeichen: Größer als Fluß- und Küsten-
Vorkommen: Verbreitet an Flachküsten, schwalbe; schwarzer Schnabel mit gelber
aber nur noch sehr vereinzelt auf naturnahen Spitze.
Fluß- und Seeufern brütend. Wissenswertes: Vorkommen: Wie die Küstenseeschwalbe
In den kleinen Kolonien befinden sich die stark an die Meeresküsten, vor allem an die
Nester oft 20-50m voneinander entfernt, in Nordseeküste gebunden; brütet in nur we-
den oft mehrere hundert oder gar tausend nigen, aber dafür sehr großen Kolonien.
Paare umfassenden großen Kolonien Wissenswertes: Die Belastung der Küsten-
manchmal bis auf einen knappen Meter dicht gewässer durch Biozide hat zeitweilig zu ei-
an dicht. Auch beim Fischfang sind die nem starken Rückgang dieser Art - vor allem
Vögel ausgesprochen gesellig und nicht in ihren wichtigsten Brutgebieten vor der hol-
selten auch mit anderen Seeschwalben-Arten ländischen Küste - geführt. Inzwischen erho-
vergesellschaftet. Kleine, nahe der Was- len sich die Bestände. Neuerdings breitet sich
seroberfläche schwimmende Fische werden die Brandseeschwalbe sogar im Ostseekü-
durch Stoßtauchen erbeutet. stengebiet weiter aus. Das Stoßtauchen spielt
beim Beuteerwerb dieser Art eine besonders
große Rolle. Diese ganz besonders gesellig

2
Küstenseeschwalbe
brütenden und auch jagenden Seeschwalben
können sich rasch über reichen Fischgründen
Sterna paradisaea versammeln, weil sie ihre Artgenossen beob-
achten und dorthin fliegen, wo diese offen-
L37cm ~ Lachmöwe Apr.-Okt.
sichtlich besonders erfolgreich sind.
Kennzeichen: Im Sommer Schnabel bis zur
Spitze blutrot; sonst der Flußseeschwalbe

4
Lachseeschwalbe
sehr ähnlich.
Vorkommen: Wie Flußseeschwalbe und fast
Gelochelidon nilotica
so zahlreich wie diese, aber in Mitteleuropa
L38cm ~ Lachmöwe Apr.-Sept.
nicht im Binnenland.
Kennzeichen: Ähnlich der Brandsee-
Wissenswertes: Die Küstenseeschwalben
schwalbe; Schnabel völlig schwarz.
greifen in ihren Brutkolonien Feinde gemein-
Vorkommen: Nur noch selten als Brutvogel
sam mit besonders aggressiven Sturzflügen
und Gast an Sandküsten und noch seltener
an, hacken auf sie ein und bespritzen sie nicht
und punktueller auf Sand- und Schotterbän-
selten mit Kot. Auf dem Zug in die Winterquar-
ken an Flüssen und Binnenseen.
tiere legen sie extrem lange Strecken zurück
Wissenswertes: Diese als Brutvogel in allen
und gelangen dabei regelmäßig bis zu den
Teilen der Erde beheimatete Art hatte in Mittel-
Küsten Südafrikas und Südamerikas sowie in
europa wohl immer nur wenige, oft weit von-
die Packeiszone der Antarktis. Bei verschie-
einander entfernte Brutplätze, die in diesem
denen Seeschwalben-Arten wurde beobach-
Jahrhundert allerdings größtenteils aufgege-
tet, daß Altvögel ihren Jungen Wasser zur
ben wurden. Im Gegensatz zur Brandsee-
Kühlung bringen. Der Rückgang mehrerer
schwalbe erbeutet die Lachseeschwalbe
Seeschwalben-Arten wird teils mit der Zu-
überwiegend kleine Landtiere wie Ameisen,
nahme nesträuberischer Möwen, teils mit der
Zweiflügler, Käfer und Raupen.
Belastung der Beutefische mit Schwermetal-
Vögel

Vorkommen: An Steilküsten des Nordens; in

1
Zwergseeschwalbe
Sterna albifrons Mitteleuropa nur in wenigen Paaren auf Hel-
goland; reiner Meeresbewohner.
L22cm -Star Apr.-Sept. Wissenswertes: In den großen Kolonien an
Kennzeichen: Kleinste Seeschwalben-Art; den Felsküsten der nordischen Meere leben
gelber Schnabel und gelbe Beine; weiße oft mehrere tausend Brutpaare auf dichtem
Stirn. Raum beisammen. Wie bei den Lummen tritt
Vorkommen: Kleine Brutkolonien an der die Geschlechtsreife erst mit 4-6 Jahren ein.
holländischen und deutschen Nordseeküste Beim Fischfang auf dem Meer legen sie meist
(zusammen weniger als 2000 Paare) auf ve- mehrere Fische quer in den Schnabel, zu-
getationsarmen Sand- und Kiesbänken; selte- mindest wenn sie damit ihre Jungen füttern
ner Brutvogel an der Ostseeküste. wollen.
Wissenswertes: Diese kleine, gerade gut
mauerseglergroße Seeschwalbe überwintert
im tropischen und im südlichen Afrika. Früher
brütete sie auch vereinzelt im Binnenland;
4 Trottellumme
Uria aalge

L43cm < Krähe Jan.-Dez.


heute sind diese Vorkommen längst erlo-
schen. Starke Fluten während der Brutzeit Kennzeichen: Wie beim Tordalk mit dunkler
können die einzige Jahresbrut ganzer Ko- Ober- und heller Unterseite, jedoch schlanke-
lonien zunichte machen. Durch rücksichtslo- rer Hals und Schnabel.
ses Laufen und Verweilen außerhalb der Ba- Vorkommen: Zur Nahrungssuche auf dem
destrände wird der Bruterfolg ebenfalls ge- Meer, zur Brut an steilen Felsküsten des Nord-
schmälert. Die meisten Zwergseeschwalben atlantiks und Nordpazifiks; in Mitteleuropa nur
brüten heute in Naturschutzgebieten. ein einziges - allerdings kopfstarkes - Vor-
kommen auf Helgoland. Wissenswertes:
Die Lummen sind exzellente Schwimmer und

2
Trauerseeschwalbe
Taucher, aber schlechte Flieger und Läufer an
Land. Unterwasser setzen sie ihre Flügel zur
Chlidonias niger Fortbewegung ein. Die Lummen brüten dicht
beisammen auf schmalen Felsbändern und -
L25cm —Amsel Apr.-Sept. vorsprüngen; jedes Paar hat nur 1 Ei.
Kennzeichen: Binnenland-Bewohnerin mit
schwarzem Kopf und Körper. Vorkommen:
Eutrophe, vegetationsreiche Flachgewässer
in den Niederungen; nur noch an wenigen
Stellen; starker Rückgang. Wissenswertes:
5 Papageitaucher
Fratercula arctica

L32cm -Taube Okt.-März


Von allen Seeschwalben-Arten ist die
Kennzeichen: Papageiartig buntes Muster
Trauerseeschwalbe am regelmäßigsten
auf dem ungewöhnlich geformten Schnabel
einzeln oder in kleinen Trupps im Binnenland
(Name!).
an Seen und Flüssen anzutreffen, zumindest
Vorkommen: Riesige Brutkolonien in der
als Durchzügler. An den wenigen noch
Arktis, vor allem an grasbewachsenen Berg-
erhalten gebliebenen Brutplätzen baut sie
hängen und Klippen unmittelbar am Meer; an
ihre Nester dicht über der Wasserfläche auf
der Nordsee als Gast, jedoch selten in Kü-
Bulten, häufig auch auf den Schwimmblättern
stennähe.
der Seerose.
Wissenswertes: Im Gegensatz zu den bei-
den vorangehenden Alken ist der Papagei-

3
Tordalk taucher Höhlenbrüter. Sein Nest ist bis 1 m tief
Alca torda in einer selbstgegrabenen oder von Kanin-
chen gebauten Höhle, die von dem Männchen
L41cm «Krähe Jan.-Dez. verteidigt wird.
Kennzeichen: Im Vergleich zur Trottellumme
dickköpfiger und dickschnäbeliger; hoher
Schnabel mit weißem Streifen.
Vögel

der Haustaube zum Verwechseln ähnlich.

1
Straßentaube
Columba livia Vorkommen: In Wäldern, Gehölzen und
Parks; seltener als die anderen Taubenarten,
L±34cm bekannt Jan.-Dez. jedoch Zunahme bei Angebot von Nisthöh-
Kennzeichen: Verschiedene Farbtöne und len.
Abzeichen von wildfarben Grau bis Schwärz- Wissenswertes: Der Name dieser Art ver-
lich und Gelbbraun. weist darauf, daß sie in Höhlen brütet, be-
Vorkommen: Mit Ausnahme von Streusied- sonders gern in solchen, die der Schwarz-
lungen und manchen Dörfern in fast allen specht gemeißelt hat. Ihr Ruf ist monoton und
bebauten Bereichen; die Ausgangsform (Fel- dumpf „o-uo, o-uo...".
sentaube, 1b) nur in Süd- und Westeuropa.
Wissenswertes: Die Tauben haben einen

4
Turteltaube
großen Kropf, in dem die aus abgestoßenen Streptopelia turtur
Epithelzellen entstehende Kropfmilch gebildet
wird. Aus dem Kropf werden die Jungen er- L28cm « Haustaube Apr.-Sept.
nährt, die als anfangs nackte und blinde Nest- Kennzeichen: Geringe Größe; rostbrauner
hocker 3-4 Wochen im meist sehr dürftig ge- Rücken schwarz geschuppt. Vorkommen: In
bauten Nest bleiben. Meistens sind es 2 Wäldern und Feldgehölzen, zunehmend
Junge, die aus schneeweißen Eiern schlüpfen. auch in Parks und großen Gärten.
Als Straßentauben werden verwilderte Haus- Wissenswertes: Die Turteltauben, ein Inbe-
tauben bezeichnet, die ihrerseits von der Fel- griff der Liebenden, lassen ihre „Turr-turr-turr"-
sentaube abstammen. Sie sind heute weltweit Rufe, denen sie ihren deutschen wie den wis-
verbreitet und stellen wegen ihrer Nähe zum senschaftlichen Artnamen verdanken, mei-
Menschen, wegen ihres Kots und ihrer Parasi- stens gereiht viele Male nacheinander ver-
ten in vielen Siedlungen ein hygienisches Pro- nehmen. Sie sind die zugfreudigsten unter
blem dar. allen heimischen Taubenarten und wandern
bis nach Afrika.

2
Ringeltaube

5
Columba palumbus Türkentaube
Streptopelia decaocto
L40cm »Haustaube Jan.-Dez.
Kennzeichen: Größe; weißer Halsring L28cm «Haustaube Jan.-Dez.
(Name!); 5- bis 6silbiger Nestruf. Kennzeichen: Hellbraune Oberseite ohne
Vorkommen: Wälder, Gehölze, Parks und dunkle Schuppung; schwarzer Nackenring;
Gärten; zur Nahrungssuche auf Feldern; seit auffallend langer Schwanz. Vorkommen:
Jahren starke Zunahme. Wissenswertes: Aus Südosteuropa eingewandert; heute vor
Ringeltauben sine heute anders als früher allem in Städten, aber auch in vielen Dörfern
keine Seltenheiten mehr. Trotz Zunahme heimisch, aber unterschiedlich zahlreich.
von Rabenkrähen und Elstern, die mit Vorliebe Wissenswertes: Die Türkentaube ist eine
Taubengelege plündern, nehmen die Neubürgerin in Mitteleuropa. 1946 wurde die
Ringeltauben weiter zu. Offensichtlich erste Brut in Rosenheim, 1947 in Soest/West-
bekommt ihnen das Stadtleben besonders falen registriert. Seitdem hat sich die Art na-
gut. Ihre Distanz gegenüber dem Menschen hezu über ganz Europa (mit Ausnahme des
haben sie stark abgebaut. höchsten Nordens und des Südwestens) aus-
gebreitet und die Besiedlung stark verdichtet.
Hohltaube Ihr penetranter dreisilbiger Ruf („gu-güh-gu")

3 Columba oenas

L33cm —Haustaube Jan.-Dez.


ist in allen Städten nahezu ganzjährig und
zeitweilig vom frühesten Morgengrauen an zu
vernehmen.
Kennzeichen: Ohne Weiß im Gefieder und
ohne ausgeprägte „Armbinde"; Farbschlägen
Vögel

1
Kuckuck Bienenfresser
Cuculus canorus

L33cm -Taube Apr.-Sept.


3 Merops apiaster

L28cm >Amsel Apr.-Sept.


Kennzeichen: Oberseite und Brust grau, Un- Kennzeichen: Schwalbenartiger Flug; lange
terseite sperberartig gebändert. Vorkommen: Schwanzspieße gut erkennbar; ungewöhnlich
Verbreitet in Wäldern und Feldgehölzen, bunte Gefiederfärbung; weithin hörbare Rufe:
aber auch in Sumpf- und Dünenlandschaften. „krüt".
Wissenswertes: Jedes Kind kennt ihn, zu- Vorkommen: Verbreitet in Süd- und Süd-
mindest seinen Ruf; sein Erscheinungsbild ist osteuropa; von dort zunehmend häufiger Vor-
schon weit weniger bekannt. Daß der Kuckuck stöße nach Mitteleuropa; gebüschdurchsetzte
seine Eie' in fremde Nester legt - vor allem in offene Landschaften mit sandigen Steilhän-
die von Bachstelzen, Wiesenpiepern, Hecken- gen, z.B. Sandgruben.
braunellen, Grasmücken und Rohrsängern-, Wissenswertes: Wenn bei der Heimkehr
ist in unserer Vogelwelt einzigartig. Das macht des Bienenfressers aus Zentral- und Südafrika
den Brutparasiten zu einem merkwürdigen günstiges Wetter herrscht, schießt er auf dem
Sonderling, dem der Volksmund allerlei Fä- Zuge gelegentlich über das Ziel hinaus und
higkeiten angedichtet hat: Sein Ruf verrät gelangt so nach Mitteleuropa. In einzelnen
Wohlstand, manchmal auch die Lebenserwar- Jahren siedelt er sich dann hier und dort -
tung. Lieder besingen ihn als Frühlingsboten. meistens in Sandgruben - an, doch schon im
Kleinvögel attackieren ihn, nicht weil sie ihn nächsten Jahr erwartet man ihn hier vergeb-
als Brutparasiten wiedererkennen, sondern lich. Größere Fluginsekten, vor allem Hautflüg-
weil er dem Sperber ähnlich sieht, auf den sie ler wie Bienen (Name!) und Wespen, erbeutet
angeborenermaßen aggressiv reagieren. er im kurzen Jagdflug, zu dem er von einer
möglichst hohen Warte aus startet. Dabei ist
der Bienenfresser stets recht gesellig. Auch

2
Wiedehopf
Upupa epops die Nichtbrüter halten sich gern in den Brutko-
lonien auf und machen sich sogar als Helfer
L28cm > Amsel Apr.-Sept. bei der Aufzucht der Jungen nützlich. Die
Kennzeichen: Bekannt durch seine Haube; Bruthöhlen werden meistens jährlich neu über
schmetterlingsartiger Flatterflug; auffällige 1,50m tief in möglichst steile Sandwände oder
schwarz-weiß quergebänderte Schwingen Uferböschungen gegraben.
und Schwanz.

4
Vorkommen: In Mitteleuropa nur vereinzelt Blauracke
im Osten und Süden; in den Mittelmeerlän- Coracias garrulus
dern weit verbreitet; offene gehölzdurchsetzte
Landschaften. L31cm < Taube März-Okt.
Wissenswertes: „Hopfe" hüpfen (Name!). Kennzeichen: Azurblaues Gefieder, nur
Wiedehopfe halten sich überwiegend auf dem Rücken rostbraun.
Boden auf, wo sie nach Insekten und deren Vorkommen: Wechsel von alten Wäldern
Larven suchen, vor allem nach Grillen und und mit Einzelbäumen durchsetzte Agrarland-
Laufkäfern, Raupen und Engerlingen. Der Ruf schaften; vereinzelt, nur im Osten.
ist ein gedämpftes „Upupup", das im wissen- Wissenswertes: Die Blauracke brütet - re-
schaftlichen Gattungsnamen wiederkehrt. Als gional unterschiedlich - entweder in Ast- und
Brutplatz wählt der Wiedehopf Baum- oder Spechthöhlen oder in selbstgegrabenen Erd-
Fels- bzw. Mauerhöhlen. Seine Jungen weh- höhlen und Mauerlöchern. Der Rückgang und
ren Feinde durch lautes Fauchen und durch das vollständige Verschwinden der früher wei-
Verspritzen des Enddarminhaltes bei gleich- ter verbreiteten Art sind wohl vorrangig auf die
zeitigem Austreten eines übelriechenden Bür- Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft
zeldrüsensekrets ab. und den Rückgang größerer Fluginsekten zu-
rückzuführen.
Vögel

an unverbauten Bächen und Flüssen immer

1 Ziegenmelker
Caprimulgus europaeus

L27cm —Amsel Apr.-Okt.


wieder neu entstehen. Die Trübung und der
Mangel an Fischen in verschmutzten Gewäs-
sern und das Fenlen geeigneter Brutplätze
Kennzeichen: Gefieder graubraun, gespren- sind für den Rückgang der Art vorrangig ver-
kelt und gebändert („Rindenmuster"); nachts antwortlich. Kaum zu glauben aber wahr ist,
oft minutenlanger schnurrender Balzgesang. daß es immer noch Menschen gibt, die dem
Vorkommen: Nur lokal in Mooren, Heiden „Fischereikonkurrenten" mit Rattenfallen
und lichten Wäldern, vor allem in Kiefernbe- nachsiellen.
ständen.
Wissenswertes: Mit seinen Balzflügen, sei-

3
Mauersegler
nem Schnurren und Flügelklatschen in der Apus apus
Abenddämmerung und in der Nacht wirkt der
Ziegenmelker schon etwas unheimlich. Be- L 1 7 c m >Rauchschwalbe Mai-Aug.
reits Plinius hat ihm die Tätigkeit angedichtet, Kennzeichen: Rasanter Flug; lange, sichel-
die sich in seinem deutschen wie in seinem förmige Flügel; schrille Rufe „srieh".
wissenschaftlichen Namen widerspiegelt. Vorkommen: In allen Orten, sogar im Zen-
Große Augen, riesiger Rachen und hervor- trum der Großstädte verbreitet; am zahlreich-
ragende Tarnwirkung des Gefieders kenn- sten in Städten mit historischem Kern, mit Tür-
zeichnen diesen nächtlichen Insektenjäger, men, alten Giebeln und verwinkelten Dächern,
der tags gern in Längsrichtung auf einem Ast die Nistplätze bieten.
sitzt und deshalb meistens nicht wahrgenom- Wissenswertes: ,Apus" heißt übersetzt „der
men wird. Der Ziegenmelker, der auch „Nacht- Fußlose". Wirklich fußlos sind die Mauersegler
schwalbe" genannt wird, legt seine Eier auf zwar nicht, aber ihre Füße sind so stark ver-
den nackten Boden. Er verläßt uns schon kümmert, daß sie sich zwar zum Hängen, aber
Ende August oder Anfang September und kaum noch zum Laufen eignen. Um so faszi-
kehrt erst im Mai wieder zurück. nierender ist die Flugkunst, die den Seglern
nicht nur die Beherrschung des Luftraums zur
Insektenjagd, sondern auch das Trinken im

2 Eisvogel
Alcedo atthis

L 1 7 c m >Sperling Jan.-Dez.
Fluge, die Begattung und zeitweilig das nächt-
liche Ruhen hoch in der Luft gestattet. Die
Ähnlichkeit der Segler mit den Schwalben hat
Kennzeichen: Ein farbenprächtiger Vogel keine verwandtschaftlichen Gründe, sondern
mit metallisch blaugrün glänzender Oberseite ist das Ergebnis gleicher Anpassung an die
und dolchförmigem Schnabel; schneller ge- Erfordernisse der Jagd auf Fluginsekten.
radliniger Flug über das Wasser.

4
Vorkommen: Weit, aber doch nur lückenhaft Alpensegler
verbreitet an stehenden und fließenden Ge- Apus melba
wässern.
Wissenswertes: Nicht auf das Eis, sondern L 2 1 c m »Rauchschwalbe Apr.-Okt.
auf den metallischen Glanz des Eisens nimmt Kennzeichen: Größe; braunes Gefieder; tril-
der Name „Eisvogel" Bezug. Eis kostet in lernder Ruf.
strengen Wintern vielen Eisvögeln das Leben; Vorkommen: In Felsspalten, ausnahms-
die Farben und der Metallglanz des Gefieders weise auch in Gebäuden; nur im Süden.
lassen den Eisvogel etwas fremd und exotisch Wissenswertes: Die Art weilt erheblich län-
erscheinen. Rüttelnd oder von einem Zweig ger im Brutgebiet als der Mauersegler. Zum
aus stürzt er sich ins Wasser, um kleine Fische Nestbau bevorzugt sie noch deutlicher den
oder Insekten zu erbeuten. Außer einem durch Ursprungsbiotop, nämlich Spalten in steilen
Gewässerverschmutzung nicht allzu stark be- Felswänden, gegenüber Öffnungen in den Dä-
lasteten Fischbesatz braucht der Eisvogel fri- chern hoher Gebäude, wo man sie allerdings
sche Steilufer, wie sie in Form von Prallhängen auch schon antreffen kann.
Vögel

nie in Nadelwäldern; viel seltener als der

1
Buntspecht
Dendrocopus major Buntspecht, regional fehlend.
Wissenswertes: Die dem Buntspecht - vor
L23cm >Star Jan.-Dez. Kennzeichen: allem im Jugendkleid - recht ähnliche Art fällt
Von anderen Spechten durch großen weißen vor allem im Frühling durch ihre quäkenden
Schulterfleck und schwarzen Scheitel Rufe auf, mit denen sich die Partner finden.
unterschieden; Männchen mit Rot am Gemäß der geringeren Körpergröße haben
Hinterkopf, Jungvögel mit roter Kappe. die Bruthöhlen des Mittelspechtes, die sich
Vorkommen: Sehr häufig in Wäldern, Feld- immer in krankem Holz befinden, nur einen
gehölzen, Gärten und Parks. Durchmesser von 3-4,5 cm.
Wissenswertes: Die häufigste und bekann-
teste Spechtart zeigt prägnant alle Specht- Dreizehenspecht
merkmale: den kräftigen Meißelschnabel, die
Kletterfüße mit 2 nach vorn und 2 nach hinten
gerichteten Zehen, den Stützschwanz mit stei-
3 Picoides tridactylus

L22cm -Star Jan.-Dez.


fen Schwanzfedern und die Fähigkeit zum Kennzeichen: Fast völlig schwarze Schwin-
Baumklettern und zum Eigenbau von Nisthöh- gen und Wangen; Rücken weiß gestreift oder
len auch in Stämmen gesunder Bäume. Als gefleckt; ohne jegliches Rot. Vorkommen:
Gast an Vogelfutterhäusern und als oft be- Nur in Bergfichtenwäldern der östlichen
sonders zutraulicher Parkbewohner ist der Alpen und des Böhmerwaldes sowie in
Buntspecht den Menschen als der Specht Skandinavien.
schlechthin vertraut. Häufig sind seine „kix- Wissenswertes: Der Dreizehenspecht zeigt
kix"-Rufe zu vernehmen, noch bekannter sind sich nur höchst selten einmal außerhalb sei-
die Trommelwirbel, mit denen Männchen und nes Brutgebietes. Er braucht zur Brut und zur
Weibchen, die oft abwechselnd trommeln, mit- Nahrungssuche naturnahe, an Totholz reiche,
einander Kontakt aufnehmen. Die „Zimmer- alte Fichtenwälder.
leute des Waldes" fertigen ihre Bruthöhle, die
ein elliptisches Einflugloch von 4,5-5,5cm
Größe hat, in 2-3 Wochen harter Arbeit. Die
Nahrung des Buntspechts ist vielseitig, be-
steht aber vor allem aus Larven holzbewoh-
4 Kleinspecht
Dendrocopus minor

L 1 5 c m —Sperling Jan.-Dez.
nender Käfer- und Schmetterlingsarten und Kennzeichen: Geringe Körpergröße;
aus Samen von Fichten und Kiefern. Die Lar- schwarz-weiße Bänderung der Oberseite; Un-
ven erbeutet er, indem er Löcher in die Rinde terseite ohne Rot; Ruf wie beim Buntspecht,
schlägt, Rindenstücke ablöst, seine Zunge bis aber schwächer „kick".
zu 4cm über die Schnabelspitze vorschnellen Vorkommen: Laub- und Mischwälder, Feld-
läßt und damit seine Beute aus dem Holz oder gehölze und Parks; gern in Weichholzauen.
aus Rindenspalten zieht. Besonders interes- Wissenswertes: Der kleinste europäische
sant sind die Spechtschmieden (1c), in denen Specht sucht seine Nahrung auch an dünnen
Zapfen von Nadelbäumen festgekeilt werden, Ästen. Er ist ein eifriger Höhlenzimmerer, ar-
um sie besser bei der Ausbeute der Samen beitet aber fast immer nur an totem, faulem
bearbeiten zu können. Holz. Seine Höhlen haben einen Durchmesser
von nur 3cm. Oft fällt er durch seine helle

2
Mittelspecht Rufreihe auf, die wie „kikikikik" klingt und an
Dendrocopus medius die Rufreihe des Turmfalken erinnert. Anson-
sten lebt der Zwergspecht recht heimlich und
L22cm -Star Jar.-Dez. zurückgezogen, so daß er wohl oft unbemerkt
Kennzeichen: Rote Kappe und etwas klei- bleibt. Im Herbst und im Winter sieht man ihn
nere weiße Schulterflecken als beim Bunt- manchmal mit Meisen in deren buntgemisch-
specht. Vorkommen: Vor allem in Eichen- ten Schwärmen durch die Wälder und Parks
und fast ziehen.
Vögel

vernimmt, so selten hört man sein Trommeln.

1
Schwarzspecht
Dryocopus martius Obwohl er selbst Höhlen zimmern kann, be-
nutzt er doch mit Vorliebe fremde Höhlen, die
L46cm —Krähe Jan.-Dez. er fertig vorfindet. Der Durchmesser des Flug-
Kennzeichen: Größte heimische Spechtart; loches liegt dann in der Regel bei 6,0-6,5cm.
schwarzes Gefieder; Ruf schallend „kliöh".
Vorkommen: Größere Waldgebiete mit Alt-

3
Grauspecht
holzbeständen; vor allem in Buchenwäldern, Picus canus
aber auch im Nadelwald; nur lokal verbreitet.
Wissenswertes: Von allen heimischen L27cm > Amsel Jan.-Dez.
Spechten trommelt der Schwarzspecht am Kennzeichen: Kleiner als Grünspecht, mit
lautesten. Sein 2 Sekunden langer Trommel- dem eine gewisse Ähnlichkeit besteht; jedoch
wirbel besteht aus 30-35 Einzelschlägen. Er Kopf, Hals und Unterseite grau: nur Stirn und
dient vor allem der Reviermarkierung. Für den vordere Kopfhälfte rot.
Bau der Nisthöhle, der sich über einen knap- Vorkommen: Im Vergleich zum Grünspecht
pen Monat erstreckt, werden Rotbuchen be- stärker in Laubwäldern des Berglandes als in
vorzugt, die einen Stammdurchmesser von der Ebene vertreten.
mindestens 45 cm haben. Die Nisthöhlen be- Wissenswertes: Während der Grünspecht
finden sich meistens unterhalb des untersten selten trommelt, läßt der Grauspecht ein an-
größeren Astes einer starken Rotbuche; sie haltendes Trommeln vernehmen. Seine Ruf-
sind senkrecht elliptisch mit einer ca. 13cm x reihe beginnt ähnlich der des Grünspechtes,
8,5cm großen Einflugöffnung. Wo im Laufe wird aber zum Schluß langsamer und klingt
der Jahre mehr Höhlen gezimmert wurden, als mit einzelnen absinkenden Tönen aus.
die Schwarzspechte benötigen, profitieren an-
dere Höhlenbrüter, vor allem die Hohltauben

4
Wendehals
und Dohlen. Neben den Höhlen findet man Jynx torquilla
auch Hackspuren, tiefe Löcher, die der Specht
auf der Suche nach Insektenlarven gemeißelt L 16cm >Sperling Apr.-Sept.
hat (1b). Kennzeichen: Gefieder rindenartig gefärbt
und gemustert.
Vorkommen: Nur regional noch in lichten

2
Grünspecht
Picus viridis Wäldern, Parks, Streuobstwiesen, Gärten.
Wissenswertes: Der bekannte und vom
L32cm —Taube Jan.-Dez. Volksmund auch politisch verwandte Name
Kennzeichen: Oberseite olivgrün, Bürzel nimmt auf die langsamen, schlangenartigen
gelb, Unterseite gelbgrün; Rot von der Stirn Kopfbewegungen Bezug, die bei der Balz und
bis zum Nacken; wiehernde Rufreihe „glück- beim Drohen ausgeführt werden. Obwohl Er-
glückglück...". scheinungsbild und Lebensweise den Wende-
Vorkommen: Mit Feldgehölzen durchsetzte hals eher kleineren Singvögeln ähneln lassen,
agrare Kulturlandschaft; Parks; verbreitet. weisen ihn Füße und Stützschwanz als Specht
Wissenswertes: Grün- und Grauspecht aus. Nahrung sucht er allerdings vorwiegend
werden wegen ihres häufigen Aufenthaltes am am Boden; Ameisen spielen bei ihm wie bei
Boden als „Erdspechte" bezeichnet. Ameisen den „Erdspechten" eine wichtige Rolle. Seine
bilden - zumindest im Sommer - ihre Haupt- Nisthöhle fertigt er nicht selber an. Er greift
nahrung. Der Grünspecht sucht gezielt nach immer auf Specht- oder andere Baumhöhlen,
Ameisenhaufen und Ameisennestern an Weg- nicht selten auch auf künstliche Nisthöhlen
rändern und Böschungen sowie nach Amei- zurück, deren Flugloch einen Durchmesser
sen unter Welklaub und im Erdreich. Unge- zwischen 4 und 5cm haben sollte. Nachdem
wöhnlich für einen Specht sind die hüpfenden der Wendehals in der Mitte unseres Jahrhun-
Bewegungen auf dem Boden. So oft und derts noch einmal häufiger wurde, geht der
schallend man seine lachenden Rufreihen Bestand seit etwa 1955 immer weiter zurück.
Vögel

nähe - stramm aufrecht stehend in niedrigen

1
Uhu Bubo bubo
Nadelbäumen. Im Winter bilden sich oft
L68cm »Bussard Jan.-Dez. Schlafgemeinschaften mit 20, 30 und auch
Kennzeichen: Größte Eulenart; Eulengesicht noch mehr Waldohreulen, die man aus näch-
und Federohren. ster Nähe beobachten kann. Am Nest kann die
Vorkommen: Lokal in den Alpen und den Eule auch dem Menschen gegenüber sehr
Mittelgebirgen; zum Teil Restbestände, zum aggressiv reagieren.
Teil erfolgreiche Wiederansiedlung; in Struk-
tur- und nahrungsreichen Landschaften, mög-

3
Sumpfohreule
lichst mit Felsen als Brutplatz. Asio flammeus
Wissenswertes: Sowohl der deutsche als
auch der wissenschaftliche Name beschrei- L38cm »Taube Jan.-Dez.
ben die monotonen, nicht besonders lauten Kennzeichen: Gefieder mehr gelbbraun;
Rufreihen des Uhus, des Inbegriffs der Nacht- Bauch deutlich heller als die Brust; weniger
vögel in Märchen und gruseligen Geschich- gut erkennbare Federohren; häufig am Boden
ten. Teils im vorigen, teils in der ersten Hälfte sitzend.
unseres Jahrhunderts ausgerottet, ist er dank Vorkommen: Nur sehr punktuell in offenen
Schutz und Wiedereinbürgerung seit den 70er Heide-, Dünen-, Moor- und Sumpflandschaf-
Jahren wieder auf dem Vormarsch. Drähte ten; vor allem im Norden. Wissenswertes:
und Straßenverkehr kosten leider vielen Uhus Am weihenartigen Flug (3b) dicht über dem
das Leben. Andere moderne Einrichtungen Boden im offenen Gelände ist die oft schon
wie z.B. große Mülldeponien mit ihren Ratten tags und in der Dämmerung aktive Sumpf-
und großen Vogelschwärmen bescheren ihm von der Waldohreule trotz äußerlicher
einen reich gedeckten Tisch. Früher nutzte Ähnlichkeiten gut zu unterscheiden. Ihr Nest
man in Gefangenschaft gehaltene Uhus für hat sie in der Bodenvegetation, wo sie sich zu
die Hüttenjagd, bei der Krähen- und Greif- Fuß und mit Flugsprüngen recht gewandt zu
vögel aus einer Hütte heraus geschossen wur- bewegen vermag. Sowohl ihr Brutbestand (in
den, wenn sie den davor frei sitzenden „Hüt- Mitteleuropa auch in guten Jahren keine 1000
ten-Uhu" attackierten. Paare) als auch ihre winterlichen Einflüge sind
je nach Nahrungs-, d.h. Mäuseangebot, von
Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich groß.

2
Waldohreule
Asio otus

4
Zwergohreule
L35cm —Taube Jan.-Dez. Otus scops
Kennzeichen: Eine mittelgroße Eulenart mit
langen, dunklen, bei Erregung aufgerichteten L 1 9cm <Star Apr.-Okt.
Federohren; einzelne dumpfe Rufe „Huh" im Kennzeichen: Kleinste Eule mit deutlichen
Abstand von 4-5 Sekunden. Vorkommen: Federohren; Gefieder graubraun marmoriert.
Verbreitet in der mit Wald durchsetzten Vorkommen: Gärten, Parks, Obstwiesen; vor
Kulturlandschaft; außerhalb der Brutzeit allem im Süden und Südosten; selten.
gelegentlich in kleinen Trupps auch in Parks Wissenswertes: Diese vergleichsweise sehr
und auf Friedhöfen. Wissenswertes: Je nach kleine Eule ist ein ausgeprägter Zugvogel, der
Dichte des Mäusebestandes tritt auch die in der afrikanischen Savanne überwintert. Ihre
Waldohreule mehr oder weniger zahlreich Hauptnahrung sind größere Insekten, d.h. Kä-
auf. Allerdings stehen neben Mäusen auch fer, Heuschrecken und Schmetterlinge, die in
Vögel und Insekten auf ihrer Speisekarte. südlichen, wärmeren Landschaften häufig
Die Jungen verlassen ihr Nest in der Regel sind. Darauf dürfte zurückzuführen sein, daß
schon lange, bevor sie wirklich flügge werden die Zwergohreule bereits im südlichen Mittel-
(2b). Tags ruht die Waldohreule - manchmal europa die Nordgrenze ihrer Verbreitung er-
frei, meistens in Stamm- reicht.
Vögel

plündern und vereinzelt sogar Amphibien aus

1 Schleiereule
Tyto alba

L34cm —Taube Jan.-Dez.


dem Wasser holen. Der Waldkauz brütet in
Baumhöhlen, in die er sich meistens auch
tagsüber zurückzieht. Auf diese Weise entgeht
Kennzeichen: Helles Gefieder; herzförmiges er am sichersten dem unentwegten Warnen
Gesicht. und auch den Attacken mancher Singvögel,
Vorkommen: Nur noch verstreut in Dörfern die ihn sofort verraten, wenn sie ihn tags nahe
mit geeigneten Gebäuden als Brutplatz und am Stamm auf einem Zweig sitzend entdek-
strukturreichen, offenen Flächen als Jagdge- ken. |
biet.
Wissenswertes: Kirchtürme einerseits und Steinkauz
Dachböden von Bauernhöfen und Scheunen
andererseits sind die bevorzugten Brutplätze
und Aufenthaltsorte der Schleiereule während
3 Athene noctua

L23cm <Star Jan.-Dez. Kennzeichen:


des Tages. Jagdmöglichkeit auf Tennen und in Klein und rundlich wirkend; Rückengefieder
Scheunen ist bei längerwährender Schnee- gefleckt; dunkle Streifen unmittelbar über den
lage für die ursprünglich nur weiter südlich Augen. Vorkommen: Dorfränder, vor allem
verbreitete Art Voraussetzung zum Überleben Niederungen mit kopfbaumbestandenem
(1 b). Weil immer mehr Türme und Böden ab- Grünland; nur noch stellenweise verbreitet.
gedichtet werden, gerät die Schleiereule zu- Wissenswertes: Wer etwas für den Schutz
nehmend in Bedrängnis. Bauern und Küster der stark gefährdeten Steinkäuze tun will, der
können effektiven Artenschutz betreiben, sollte Kopfbäume erhalten und vermehren, vor
wenn sie die „Ulenfluchten" geöffnet halten allem in Bachtälern und an Wiesen und Wei-
oder auf Böden große Nistkästen anbringen. den. Aber auch in den Höhlen alter Obst-
In den dunkelsten Nächten spüren Schleier- bäume bezieht der kleine Kauz gern sein
eulen die ihnen als Hauptnahrung dienenden Quartier. Wo Mangel an Naturhöhlen besteht,
Mäuse übrigens nach deren Stimmen auf. nimmt er auch die ihm von Vogelschützern
angebotenen Spezialnistkästen an. Der Stein-

2 Waldkauz
Stryx aluco

L38cm »Taube Jan.-Dez.


kauz sitzt häufiger auch tags und relativ früh in
der Abenddämmerung vor seiner Bruthöhle.
Wenn er sich beunruhigt fühlt, knickst er wie
ein Rotkehlchen, um schließlich niedrig über
Kennzeichen: Großer, runder Kopf ohne Fe- dem Boden wellenförmig ein Stück weiter-
derohren; grau- oder rotbraunes Gefieder mit zufliegen. Auf seiner Speisekarte stehen ne-
Streifen oder Flecken; Ruf „ki-wick". ben Mäusen auch Insekten und Schnecken.
Vorkommen: Vor allem in Altholzbeständen,
auch in größeren Gärten und Parks; häufig.

4
Rauhfußkauz
Wissenswertes: Der klangvoll okarinaartige Aegolius funereus
Balzgesang, der mit „huuh" beginnt und nach
einer deutlichen Pause mit einem Tremolo en- L26cm —Amsel Jan.-Dez.
det, ist in Film und Fernsehen das bevorzugte Kennzeichen: Gegenüber dem Steinkauz
Begleitgeräusch für nächtliche, spanrungsge- größerer Kopf und helleres Gesicht.
ladene Szenen. Auch weil der Waldkauz die Vorkommen: In den Alpen und inselartig in
häufigste heimische Eulenart ist, dürfte seine den Mittelgebirgen; vor allem in Fichtenwäl-
Strophe bekannter sein als die anderen Eu- dern; nur regional verbreitet.
lenstimmen. Der Waldkauz ist unter den Eulen Wissenswertes: Heute sind mehr Brutplätze
der vielseitigste Jäger, dessen Speiseplan dieser Art bekannt als noch vor wenigen Jah-
sich nicht nur auf Mäuse beschränkt, sondern ren. Das kann auf intensivere Nachforschung,
auch Säuger bis Eichhorn- und Vögel bis Krä- aber auch auf ein gezieltes Angebot an Nist-
hengröße mit einschließt. Er kann Vögel im kästen zurückzuführen sein.
Flug schlagen, Nester von Höhlenbrütern
Reptilien

Die meisten Reptilien bevorzugen die son-

3
Mauereidechse
nig-warmen Teile der Erde. Von den wellweit Lacerta muraiis
5500 Arten kommen nur knapp 5 % in Europa
vor, wo die Artenzahl von den Mittelmeerlän- L-19cm März-Okt.
dern nordwärts weiter rapide schrumpft. In Kennzeichen: Schlank; spitz auslaufender
Mitteleuropa bleibt noch ein gutes Dutzend Schwanz; bräunliche oder graue Grundfär-
übrig mit Schwerpunkt in der wärmeren Hälfte, bung; sehr variabel.
d.h. südlich des Mains. Offene Biotope mit Vorkommen: Nur noch an wenigen beson-
nährstoffarmen, nur extensiv genutzten Böden ders warmen Orten Süddeutschlands; Ge-
beheimaten die meisten Reptilienarten. Ge- steinsfluren, Weinberge, Steinbrüche; in Süd-
rade sie aber verändern sich rasch bei inten- europa auch an Hauswänden (Name).
siverer landwirtschaftlicher Nutzung oder Auf- Wissenswertes: Die Art stellt sehr spezielle
forstung. Kein Wunder, daß die Reptilien über- Ansprüche an ihren Lebensraum. In Deutsch-
all in Mitteleuropa auf dem Rückzug sind! land ist sie stark gefährdet.

1
Waldeidechse

4
Smaragdeidechse
Lacerta vivipara Lacerta viridis

L bis 16 cm März-Okt. Kennzeichen: L-40cm März-Okt.


Braun mit hellen und dunklen Flecken und Kennzeichen: Größe; grüne Grundfärbung.
Streifen; kleinste heimische Eidechsenart. Vorkommen: In Mitteleuropa vor allem im
Vorkommen: Abweichend von den oben be- Oberrheingraben; steinige Offenbiotope.
schriebenen Ansprüchen in sehr unterschied- Wissenswertes: Die Art ist in nacheiszeit-
lichen, auch in feuchteren Biotopen heimisch; lichen Wärmezeiten nordwärts bis in die Mark
nordwärts bis zum Polarkreis. Brandenburg vorgedrungen. Die Vorkommen
Wissenswertes: Nur die auch als Berg- und in den einzelnen Wärmeinseln aber sind in-
Mooreidechse bekannte Waldeidechse und zwischen fast alle wieder erloschen. Die Sma-
die Kreuzotter besiedeln derart kühle und ragdeidechse ist die größte und schönste Ei-
feuchte Lebensräume. Beiden gemeinsam ist, dechsenart Mitteleuropas, zugleich aber auch
daß sie Junge gebären, die sich gleich bei der die flinkeste und scheueste. In der Paarungs-
Geburt der Eihülle entledigen und wie ver- zeit sind die Kehle und die Kopfseiten des
kleinerte Abbilder der Älteren erscheinen. Männchens blau getönt. Der Schwanz ist oft
mehr als doppelt so lang wie der Kopf und
Rumpf zusammen.

2
Zauneidechse
Lacerta agilis

5
Blindschleiche
L-22cm März-Okt. Anguis fragilis
Vorkommen: In Mitteleuropa weit verbreitet;
besiedelt die unterschiedlichsten Lebens- L-50cm Febr.-Okt.
räume, als Kulturfolger in Parks und Gärten. Kennzeichen: Graubraun, oft metallisch
Kennzeichen: Relativ plump und kurz- glänzend; schlangenähnliche Gestalt.
schwänzig; Männchen (2a) lebhaft grün, Vorkommen: In ganz Mitteleuropa verbreitet;
Weibchen (2b) braun mit schwarzen Flecken; auf sonnigen Lichtungen und in Säumen von
dunklerer Bereich längs der Rückenlinie. Hecken und Gebüschen. Wissenswertes:
Wissenswertes: Wie die meisten Reptilien Diese beinlose Echse unterscheidet sich von
läßt auch die Zauneidechse die in lockeren Scnlangen durch ihre glatten, glänzenden
Boden abgelegten, mit einer Kalkschale um- Schuppen und die beweglichen Augenlider.
hüllten Eier (5-14) von der Sonne bebrüten. Wie andere Eidechsen vermag sie ihren
Je nach Bodenart und Witterung schlüpfen die Schwanz beim Zugriff eines Feindes
Jungen nach 8-10 Wochen. abzuwerfen; er regeneriert, aber erreicht
selten die alte Stärke und Form.
Reptilien

Kreuzotter

1 3
Rotwangenschildkröte
Pseudemys scripta Vipera berus

L-25cm März-Okt. L-80cm März-Okt.


Kennzeichen: Dunkelbraun bis oliv gefärbt; Kennzeichen: Dunkles Zickzackband
rote Flecken hinter den Augen (Name!); gelbe (Kreuzmuster, Name!) auf dem Rücken.
Streifen am Kopf. Vorkommen: Ähnlich wie Waldeidechse; vor
Vorkommen: In Gewässern der Städte und allem in Heide- und Moorgebieten im Norden;
Ballungsräume; meistens nur vorübergehend nordwärts bis zum Polarkreis, in den Alpen bis
eingebürgen; ursprünglich in Nordamerika zur Baumgrenze.
beheimatet. Wissenswertes: Die Kreuzotter, die einzige
Wissenswertes: Diese Art wäre schon heimische Giftschlange, ist eine der Ursachen
längst ein fester und häufiger Bestandteil der für die Schlangenfurcht vieler Menschen,
mitteleuropäischen Fauna, wenn sie sich unter auch jener, die sie niemals zu Gesicht be-
den hier herrschenden Verhältnissen in Frei- kamen. Eigentlich ist sie Einzelgängerin, doch
heit vermehren könnte. Das scheint nicht der den Winter können zahlreiche Tiere in Erd-
Fall zu sein! So handelt es sich bei den Rot- höhlen oder unter Stubben oder Reisig dicht
wangenschildkröten, die man in Teichen und gedrängt gemeinsam verbringen. Wie alle
Weihern sieht, wohl durchweg um Tiere, die in wechselwarmen Tiere fallen die Kreuzottern in
Zoogeschäften gekauft und von „Tierfreun- eine Winterstarre. Als Beute dienen ihnen vor
den" kürzere oder längere Zeit gehalten wur- allem Mäuse, seltener Frösche und Eidech-
den. Als man schließlich ihrer überdrüssig sen. Das ihnen mit dem Biß injizierte Gift führt
war, entledigte man sich ihrer kurzerhand am in Minutenschnelle zum Herzstillstand. Das
nächsten Gewässer. Beutetier wird als Ganzes mit dem Kopf voran
verschlungen. Auf Menschen wirkt der Biß
nicht unbedingt tödlich, doch ist schnelle ärzt-

2
Europäische Sumpfschildkröte
liche Hilfe in jedem Falle wichtig! Verfolgung
Emys orbicularis
und Tötung von Kreuzottern sind unsinnig und
L-40cm Apr.-Okt. obendrein gesetzeswidrig.
Kennzeichen: Dunkelbraune Grundfärbung;

4
kleine hellere Flecken. Aspisviper
Vorkommen: An stehenden Gewässern un-
terschiedlicher Art; ursprünglich wohl nur an Vipera aspis i
Altarmen, Seen und Teichen im Süden; heute L-80cm Apr.-Okt.
durch Aussetzung auch an vielen anderen Kennzeichen: Gedrungener Körper; stärker
Orten, auch im Norden. Die Sumpfschildkröte abgesetzter Kopf; kontrastreiche, aber sehr
trägt an Fingern und Zehen Schwimmhäute. variable Färbung.
Ihr Schwanz ist halb bis zwei Drittel so lang Vorkommen: Früher im südlichen Schwarz-
wie der Panzer. wald; ansonsten in Südwest-Europa; gern auf
Wissenswertes: „Schildkrötenstraßen" ver- sonnigen Felsen und Gesteinshalden.
raten die Gegenwart dieser Art an einem Ge- Wissenswertes: Die Art ist neben der Kreuz-
wässer. Sie kommen dadurch zustande, daß otter die zweite Giftschlange in Mitteleuropa,
die Tiere ihre Sonnenplätze immer wieder auf die für den Menschen gefährlich werden kann.
demselben Wege ansteuern. Die freilebenden Die Aspisviper gilt allerdings als ziemlich
Scnildkröten sind sehr umsichtig und scheu. träge und als weniger angriffslustig. Sie ist
Sie fliehen vor dem Menschen schon auf sowohl tags als auch nachts aktiv und ernährt
große Entfernung und bleiben minutenlang sich vorzugsweise von Mäusen und Eidech-
untergetaucht. An sonnigen Stellen legt das sen. Der Name „Viper" (von lat. vivipara) kenn-
Weibchen seine 3-12 Eier in eine bis zu 10 cm zeichnet sie als lebendgebärende Schlangen-
tiefe Grube. Je nach Witterung dauert es bis art, die meistens zwischen 4 und 16 Junge zur
zu 100 Tage, bis die Jungen schlüpfen. Welt bringt.
Reptilien

Wasserlinie streckt. Weil sie - ohnehin schon

1
Ringelnatter
Natrix natrix auf Wärmeinseln begrenzt - besonders natur-
nahe Gewässerabschnitte beansprucht, ist
L-150 cm März-Okt. ihre Zukunft in Mitteleuropa höchst ungewiß.
Kennzeichen: Eine große, dunkle Schlange
mit zwei gelben sichelförmigen Nackenflek-

3
Schlingnatter
ken, als „Mondflecken'' bezeichnet; bei der Coronella austriaca
westlichen Unterart (Barrenringelnatter) weiße
oder auch keine Mondflecken. Vorkommen: L-70cm Apr.-Okt.
In ganz Europa bis Mitte Skandinavien; Kennzeichen: Geringe Größe; Männchen
unterschiedliche Biotope, vor allem oberseits braun, Weibchen grau; glatte
Bruchwiesen und Auenwälder; häufigste Schuppen („Glattnatter"); dunkle Längsstrei-
Schlangenart in Deutschland. fen am Kopf; dunkler Nackenfleck.
Wissenswertes: Alle vier auf dieser Seite Vorkommen: Weiter verbreitet, am häufig-
behandelten Nattern sind für den Menschen sten im Rhein-Main-Gebiet; vor allem an war-
harmlos. Der Name „Natter" geht auf das la- men, südexponierten Hängen mit einem
teinische „natrix" (Wasserschlange) zurück. Wechsel von Gebüsch und gebüschfreien Flä-
Die Ringelnatter ist in der Tat eng an das chen; Waldränder und Säume.
Wasser gebunden und eine gute Schwimme- Wissenswertes: Die Schlingnatter gehört
rin. Auf ihrer Beuteliste stehen Fische, Frösche wie die Kreuzotter, die Blindschleiche und die
und Molche oben an. Zum „Aufheizen" sucht Waldeidechse zu den ebendgebärenden
sie regelmäßig bestimmte Sonnenplätze auf. Reptilien. Sie flieht vor dem Menschen mei-
Das Weibchen legt meistens um die 20 Eier stens nicht, sondern verharrt regungslos. Ge-
tief in verrottendes Pflanzenmaterial und nutzt gen das Ergreifen wehrt sie sich mit schmerz-
dabei die Wärme von Kompost- und Laub-, haften, aber völlig ungefährlichen Bissen. Ihr
sogar von Mist- und Sägemehlhaufen. Die Name nimmt auf eine Jagdmethode Bezug,
Ringelnatter flieht vor dem Menschen. In die bei der die Beutetiere mit dem Maul gepackt
Enge getrieben zischt sie und scheidet ein und durch Umschlingen mit dem Körper ge-
stinkendes Sekret aus; manchmal stellt sie tötet werden.
sich auch tot.

4
Äskulapnatter
Elaphe longissima

2
Würfelnatter
Natrix tessellata
L-160 cm Apr.-Sept.
L-100 cm Apr.-Sept. Kennzeichen: Größte Schlangenart Mitteleu-
Kennzeichen: Grundfarbe grau oder braun; ropas; schlank; oberseits braune Schuppen;
auf dem Rücken dunklere würfelartige Flek- unterseits rahmfarben.
ken (Name!). Vorkommen: In Deutschland nur bei Schlan-
Vorkommen: In Deutschland nur an klima- genbad im Taunus, im südlichen Odenwald,
tisch günstigen Orten am Mittelrhein mit sei- bei Lörrach und bei Passau. Wissenswertes:
nen Zuflüssen, an der Donau bei Passau und Mäuse und Jungvögel werden durch
an der Elbe bei Meißen; immer an Gewässern; Umschlingen getötet. Die Äskulapnatter
sehr selten und vom Aussterben bedroht; in klettert geschickt in Bäumen und Sträuchern.
Südeuropa jedoch häufig. Wissenswertes: Sie ist die heilige Schlange, das Symboltier
Noch stärker an das Wasser gebunden als des Äskulap, des Gottes der Heilkunst. In
die Ringel- ist die Würtel- natter, die nur diesem Zusammenhang begegnet sie uns
selten einmal außerhalb des Wassers auch heute noch - sich dekorativ um einen
angetroffen und deshalb auch „Seeschlange" Stab windend. Nach Ansicht anderer Forscher
genannt wird. Sie lauert im Wasser auf Beute, soll es sich dabei nicht um die Äskulapnatter,
indem sie nur die weit vorn liegenden sondern um den parasitischen Medinawurm
Nasenöffnungen und Augen über die handeln.
Amphibien

Die Schwanzlurche haben wie alle Lurche und Mückenlarven lebten. Den Winter verbrin-
eine schuppenfreie, drüsig-feuchte Haut. Die gen sie an frostgeschützten Orten unter Laub
sechs in Mitteleuropa heimischen Arten ge- oder Baumstubben, in Erdhöhlen und manch-
hören allesamt zur Familie „Molche und Sala- mal auch im Schlamm auf dem Grund von
mander" (Salamandridae). Während bei den Gewässern.
4 Molcharten der Schwanz seitlich abgeflacht
ist, sind bei den beiden Salamanderarten Kör- Kammolch
per und Schwanz drehrund.
3 Triturus cristatus
L-16cm Febr.-Nov.
i

1
Teichmolch Kennzeichen: Größe; dunkelbraune Fär-
Triturus vulgaris bung; schwarze Flecken; Männchen (3a) zeit-
weilig mit einem kamrnartigen Hautsaum über
L -11 cm Febr.-Nov. Rücken und Schwanz (Name!). Vorkommen:
Kennzeichen: Auf der hell- bis orangegel- Trotz weiter Verbreitung die seltenste
ben Bauchseite beim Männchen (1b) größere heimische Molchart; stärker besonnte,
runde, schwärzliche Flecken, beim Weibchen wärmere Gewässer, die mindestens 50-
kleinere, bandartig angeordnete Tüpfel. 100cm tief sind; vor allem im Flachland.
Vorkommen: Am weitesten verbreitete hei- Wissenswertes: Im Gegensatz zu den an-
mische Molchart; Gewässer aller Art, vor allem deren Molcharten, die auch in kühleren und
kleine und flache. stärker beschatteten Gewässern bewaldeter
Wissenswertes: Voraussetzung dafür, daß und daher weniger chemiebelasteter Land-
der Teichmolch ein Gewässer zum Laichen striche laichen, ist der Kammolch auf die of-
nutzt, sind Unterwasserpflanzen, an deren fene Landschaft angewiesen. Seine Laich-
Blättern die 100-200 Eier abgelegt werden. plätze liegen meist weiter voneinander ent-
Bis um die Juni-Juli-Wende haben die er- fernt. Jeder Verlust eines Laichgewässers
wachsenen Tiere meistens die Gewässer ver- wiegt daher beim Kammolch besonders
lassen (1c); ein Teil allerdings überwintert schwer. Nur intensiver Schutz des Lebens-
auch dort. In neu angelegten Gartenteichen ist raumes und des Wassers vor dem Eintrag von
der Teichmolch oft einer der ersten Neusied- Bioziden und verschiedenen anderen Fremd-
ler. Selbst in wassergefüllten Radspuren auf stoffen kann den Fortbestand unserer statt-
Waldwegen ist er im Frühling und Frühsom- lichsten Molchart auf Dauer gewährleisten.
mer ziemlich regelmäßig anzutreffen.

4
Fadenmolch

2
Bergmolch Triturus helveticus
Triturus alpestris
L-9cm Febr.-Nov.
L-12cm Febr.-Nov. Kennzeichen: Bauchseite mit einer unge-
Kennzeichen: Bauchseite orangerot bis fleckten gelben Mittelzone und weißlichen
gelb; nur im Übergangsbereich zwischen Seiten; beim Männchen Schwanz fadenförmig
Bauch und Rücken und im Kehlbereich kleine verlängert (Name!).
dunkle Flecken. Vorkommen: Im westlichen Mitteleuropa;
Vorkommen: Die häufigste Molchart in Mit- vor allem in den Mittelgebirgen, nur sehen im
teleuropa; anspruchsloser Nutzer selbst klein- Flachland.
ster Gewässer, stärker als der Teichmolch Wissenswertes: Dieser kleinste heimische
auch im Bergland verbreitet; gern in kühleren Molch t r i t t häufig zusammen mit dem Berg-
Waldweihern. molch in kühlen Quellmulden und beschatte-
Wissenswertes: Ab Juni sind Bergmolche ten Waldtümpeln auf. Sein Bestand ist offen-
oft mehrere hundert Meter weit von ihren bar gesichert. Wie alle Molche legt auch der
Laichgewässern entfernt anzutreffen. Hier er- Fadenmolch seine zahlreichen Eier einzeln an
beuten sie Insekten und kleine Würmer, wäh- Wasserpflanzen ab.
rend sie zuvor überwiegend von Wasserflöhen
Amphibien

ser völlig unabhängig. Eine größere Zahl zu-

1
Feuersalamander
Salamandra salamandra vor mit Kiemen ausgestatteter Larven wird da-
für schon in frühem Entwicklungsstadium im
L-20cm Febr.-Nov. Mutterleib resorbiert. Angesichts der niedri-
Kennzeichen: Schwarz-gelb gefleckt oder gen Wassertemperatur und der häufig reißend
längs gestreift; größte und auffälligste heimi- schnellen Wasserbewegung ist die vorgeburt-
sche Lurchart. liche Weiterentwicklung der Larven zu fertigen
Vorkommen: Weit verbreitet, vor allem in Jungtieren eine entscheidende Vorausset-
den Mittelgebirgen; in quellen- und bachrei- zung für die Besiedlung dieses extremen Le-
chen Laubwaldgebieten. Wissenswertes: bensraumes.
Feuersalamander sind individuell erkennbar,
weil das Fleckenmuster keines Tieres Gelbbauchunke
vollständig dem eines anderen gleicht. Auch
bleibt das Muster trotz der Häutungen
lebenslang unverändert. So konnte man die
3 Bombina variegata

L-5cm Apr.-Sept.
Größe des Jahreslebensraumes und das mit Kennzeichen: Geringe Größe; oberseits
über 20 Jahren enorm hohe Lebensalter bräunlich, unterseits gelb mit blauschwarzen
einzelner Tiere ermitteln. Für den Salamander Flecken.
selbst ist die auffällige Färbung bedeutsam, Vorkommen: Weit verstreute Populationen
weil sie es seinen Feinden erleichtert, aus zumeist in Sekundärbiolopen wie Steinbrü-
unangenehmen Erfahrungen mit derart chen, Sand-, Kies- und Tongruben mit flachen,
gefärbten Tieren zu lernen. Das Hautsekret vegetationsarmen Gewässern.
verdirbt den Verfolgern den Appetit und verur- Wissenswertes: Die Art hält sich überwie-
sacht nach Berührung auch beim Menschen - gend im Wasser auf und kann deshalb von
vor allem an den Schleimhäuten - starke Rei- Austrocknung ungefährdet tagaktiv sein. An
zung. Von März bis Mai setzen die Weibchen Land nimmt sie bei Gefahr eine Schreckstel-
bereits aus dem Ei geschlüpfte, ca. 3 cm lange lung ein, bei der die Schockfarbe der Bauch-
Larven in das kühle Wasser kleiner Bäche und seite sichtbar ist. Als Laichbiotop werden auch
Waldtümpel. Nur bei Regen nach längerer kleinste Wasseransammlungen genutzt.
Trockenperiode ist das sonst nur nachts aktive
„Regenmännchen" auch noch morgens un-

4
Rotbauchunke
terwegs. Bombina bombina

2
Alpensalamander L -5 cm Apr.-Sept.
Salamandra atra Kennzeichen: Im Gegensatz zur vorigen Art
Bauch meistens rot-schwarz gefleckt mit hö-
L-15cm Mai-Sept. herem Schwarzanteil; Übergänge zwischen
Kennzeichen: Ein schwarzer Salamander. beiden Arten.
Vorkommen: In den Alpen; von hochgelege- Vorkommen: Im Gegensatz zur Gelbbauch-
nen Berglaubwäldern bis zu Geröllhalden und unke (Berglandunke) vorzugsweise im Tief-
Matten zwischen 2500 und 3000 m. land; in ähnlichen Biotopen; ebenfalls nur
Wissenswertes: An die Bedingungen sei- noch Einzelvorkommen. Wissenswertes: Die
nes alpinen Lebensraumes ist der Alpensala- Stimme dieser Art ist lauter als die ihrer
mander in höchst bewundernswerter Weise Verwandten, im Klang und in der Tonfolge
angepaßt. Er ist nicht nur wie mehrere andere aber ähnlich. Der Name „Unke" wird leicht
Lurche lebendgebärend (vivipar), sondern mit den im Sekundenintervall vernehmbaren
bringt sogar statt einer größeren Zahl ans „ung-ung-ung"-Rufen in Zusammenhang
Wasser gebundener Larven 2 (!) fast 5cm gebracht, wird aber im Althochdeutschen für
lange, sofort an Land aktive Jungtiere zur Welt. „Schlange" verwandt und hat offensichtlich
Sie atmen wie die Erwachsenen sofort mit einen Bedeutungswandel durchgemacht.
Hilfe ihrer Lungen und sind dadurch vom Was-
Amphibien

schaften, auch auf Kulturland, soweit Laichge-

1 Geburtshelferkröte
Alytes obstetricans

L-4,5 cm März-Okt.
wässer vorhanden.
Wissenswertes: Die Art ist recht scheu, lebt
heimlich und nachtaktiv. Sie kann sich auf
Kennzeichen: Geringe Größe; graubraune lockerem Boden schnell und manchmal bis zu
Grundfärbung; meistens mit dunkleren Flek- 1 m tief eingraben (2b). Das erfolgt rückwärts
ken und rötlich getönten kleinen Warzen. mit Hilfe der Grabschaufeln an den Hinter-
Vorkommen: Nur im Westen; gebietsweise füßen. Wenn die Knoblauchkröte verfolgt wird,
recht zahlreich; vor allem in Steinbrüchen und scheidet sie über die Haut ein knoblauchähn-
Abgrabungen mit Flachgewässern und mög- lich riechendes Sekret aus (Name!), bläht sich
lichst dicht benachbartem Gestein, Schotter, auf, erhebt sich auch manchmal auf die Hin-
Fels- oder Mauerritzen. terbeine und versucht ihren Verfolger anzu-
Wissenswertes: Dieser kleinste heimische springen. In das Wasser begibt sie sich nur
Froschlurch ist mit den Unken verwandt zur Paarung.
(Scheibenzüngler). Bekannt ist vor altem sein
Ruf, der an den Klang eines mit dem Finger- Laubfrosch
nagel angezupften Weinglases oder auch fer-
nen Glockengeläuts („Glockenfrosch") erin-
nert. Der in Mauerfugen oder unter Steinen
3 Hyla arborea

L -5 cm März-Sept.
verborgene Rufer („Steinklinke") ist danach Kennzeichen: Kräftig grüne Färbung, die
nur schwer zu orten. So bekommt man die sich rasch in gelbliche, bräunliche oder graue
nachtaktive Art nur selten zu Gesicht. - Der Töne verwandeln kann; schwarzer Streifen
Name „Geburtshelferkröte" verweist auf die von der Flanke zum Auge. Vorkommen:
hochentwickelte Brutfürsorge dieses ausge- Ursprünglich weit verbreitet, heute mit
prägten Landbewohners. Selbst die Paarung großen Verbreitungslücken; Waldränder,
vollzieht sich auf dem Lande. Dabei umklam- Gebüsche, Feuchtwiesen und Sümpfe.
mert das Männchen das Weibchen zunächst Wissenswertes: Der Laubfrosch klettert als
in der Lendengegend, später weiter vorn, ja einzige heimische Lurchart geschickt an
am Hals. Die aus der Kloake austretenden Hochstauden, Sträuchern und Bäumen empor
Laichschnüre mit meistens nur 20-50 Eiern und sitzt oft - farblich hervorragend angepaßt
legt sich das Männchen um die Hinterbeine - kaum auffindbar auf Zweigen und Laub
und trägt sie 2-3 Wochen lang an Land mit (Name!). Mit Haftscheiben an den Zehen kann
sich umher. Erst kurz vor dem Schlüpfen der er selbst auf der glattesten Unterlage senk-
Larven sucht das Männchen das Wasser auf. recht emporklettern. Von April bis Juni ver-
Auf diese Weise ist der Laich optimal gegen nimmt man jeweils in der ersten Nachthälfte
Freßfeinde und sich ungünstig verändernde das kräftige „äpp äpp äpp ..." der Männchen,
Umweltbedingungen geschützt. Die Weibchen die sich in dieser Zeit in der Nähe der Laich-
setzen mehrmals im Laufe des Sommers gewässer aufhalten. Danach können sie sich
Laichschnüre ab; die Paarungsrufe erklingen mehrere hundert Meter weit davon entfernen.
3-4 Monate lang. Die Weibchen setzen bis zu 10 kleine Laich-
klumpen ab, die in etwa die Form und die

2 Knoblauchkröte Größe einer Walnuß haben und jeweils um die


Pelobates fuscus 25 Eier beinhalten. Je Weibchen ist somit nur
mit etwa 150-300 Eiern zu rechnen. - Die
L-8cm Apr.-Sept. Zeiten, da Kinder Laubfrösche als Wetterpro-
Kennzeichen: Oberseits hellbraune bis pheten in Einmachgläsern hielten, sind inzwi-
grünlich graue Grundfärbung; mit großen oliv- schen vorbei: Einmal aus Gründen des Tier-
braunen Flecken von individuell unterschiedli- schutzes; zum anderen wegen des starken
cher Ausdehnung und Verteilung. Rückgangs der Art, die heute strengen gesetz-
Vorkommen: Nur regional in Sandgebieten lichen Schutz genießt.
des Flachlandes; in Dünen und Heideland-
Amphibien

1 Erdkröte
Bufo bufo

L m. 8 cm, w. 14 cm März-Okt.
2 Kreuzkröte
Bufo calamita

L-8cm Apr.-Okt.
Kennzeichen: Oberseite in verschiedenen Kennzeichen: Gelber Längsstreifen auf der
Brauntönen; Haut besonders warzig; große, Rückenmitte.
nahezu halbmondförmige Drüsen über dem Vorkommen: Weit verbreitet, mit größeren
Ohrbereich. Verbreitungslücken; auf leichten, vor allem
Vorkommen: Räumlich und ökologisch weit sandigen Böden; Dünen, Sand- und Kiesgru-
verbreitet; auch in der Kulturlandschaft, sofern ben, Industriebrache.
Teiche, Weiher, Gräben usw. vorhanden sind; Wissenswertes: Die Kreuzkröte lebt vor-
häufigste Krötenart. zugsweise in warmen, trockenen Biotopen mit
Wissenswertes: Die 3 auf dieser Seite be- lockerer und niedriger Vegetation. Sie hüpft
handelten Echten Kröten der Gattung Bufo nicht, sondern läuft wie eine Maus. In lockere
unterscheiden sich von den Fröschen und der Böden kann sich die Kreuzkröte überra-
Knoblauchkröte durch die warzenförmigen Er- schend schnell eingraben. In einer selbstge-
hebungen auf ihrer Haut und von den Schei- grabenen Erdhöhle überdauert sie den Winter
benzünglern durch ihre querliegende spaltför- in einer Kältestarre, aus der sie etwas später
mige Pupille. Die Erdkröte ist jedem Auto- erwacht als die Erdkröte. Die Männchen (2a)
fahrer schon einmal begegnet, zumindest auf suchen oft nur wenige Zentimeter tiefe Pfützen
den Warnschildern „Krötenwanderung" oder auf. Ihre knarrenden Rufe sind die lautesten
plattgefahren auf dem Asphalt. Neben der Töne, die heimische Amphibien hervorbrin-
Verfüllung und Vergiftung von Gewässern gen. Die Paarungszeit der Kreuzkröte beginnt
stellt das dichte mitteleuropäische Straßen- im April und zieht sich manchmal bis in den
netz die größte Gefahr für die Erdkröte dar. Sommer hin. Die von den Weibchen oft in
Daß die Art bislang überlebt hat und noch nur 10 cm tiefe Wasserlachen abgesetzten 1
immer recht häufig ist, verdanken wir außer bis 2 m langen Laichschnüre können 2000-
deren Anspruchslosigkeit auch den verschie- 3000 Eier enthalten. Wenn die Lachen nicht
denen Krötenschutzmaßnahmen: den Kröten- vorzeitig austrocknen, schlüpfen nach 6 bis 7
zäunen, manchem Krötentunnel, vor allem Wochen die Larven.
aber den unermüdlichen Helfern, die die Krö-
ten einsammeln und über die Straßen brin-

3
Wechselkröte
gen. Erdkröten sind extrem ortstreu. Sie Bufo viridis
können sich zwar bis zu 4 km von ihrem
Laichgewässer entfernen, kehren aber L-9cm Apr.-Sept.
dennoch zum Ort ihrer Geburt zurück, auch Kennzeichen: Auf hellgrauem Untergrund
wenn sie dabei viele Gefahren zu überwinden große grüne Flecken („Grüne Kröte").
haben. Ab Mitte März verlassen sie ihre Vorkommen: In Mitteleuropa nur regional
Winterverstecke in Erdhöhlen, unter auf leichten warmen Böden; in Weinbergen
Baumwurzeln und tiefem Laub und wandern und Abgrabungen, vor allem im Südteil; in
zielstrebig auf ihr Laichgewässer zu. Weil die steppenartigen Landschaften Südosteuropas
kleineren Männchen (1c) 4- bis 6mal recht häufig.
zahlreicher sind als die Weibchen, versuchen Wissenswertes: Wie die vorige Art kann
sie schon unterwegs eine Partnerin zu sich auch die Wechselkröte rasch eingraben.
ergattern. Sie umklammern die Weibchen Anders als diese aber ist sie mit langen Hinter-
und lassen sich von ihnen ein Stück des Wegs beinen zu weiten Sprüngen fähig. Ihre Fär-
zum Laichgewässer tragen. Aus den bis 4 m bung macht sie zu einem der schönsten hei-
langen und bis zu 6000 Eier bergenden Laich- mischen Lurche. Überraschend klangvoll ist
schnüren schlüpfen schwarze Kaulquappen. die Stimme des Männchens (3b): ein lautes,
Sie entwickeln sich zu 1 cm langen Jungkrö- hohes Trillern, das mehrere hundert Meter weit
ten, die im Juni oder Juli ihr Laichgewässer vernehmbar ist.
verlassen.
Amphibien

Grünfrösche Gärten; häufigste Froschart in Mitteleuropa.

1 Rana esculenta = Wasserfrosch


(Teichfrosch), 1a Rana lessonae =
Tümpelfrosch
Wissenswertes: Die Häufigkeit und weite
Verbreitung des Grasfrosches dürfen nicht
darüber hinwegtäuschen, daß die Bestände
(Kleiner Wasserfrosch), 1b Rana auch dieser Art stark geschrumpft sind. Die
ridibunda = Seefrosch, 1 c,d
Ursachen sind vielgestaltig: Austrocknung der
Landschaft, Verfüllung und Verschmutzung
L-15cm Apr.-Nov. von Wasserstellen, Vergiftung des Wassers mit
Kennzeichen: Grasgrün bis braungrün mit Bioziden u.a.m. Schon ab Februar/März -
dunklen Flecken; Schallblasen hinter den also viel früher als die Grünfrösche - erwacht
Mundwinkeln; Seefrosch bis 15cm, Wasser- der Grasfrosch aus seiner Winterstarre. Das
frosch bis 10 cm, Tümpelfrosch bis 7 cm. Männchen läßt zur Paarungszeit ein ver-
Vorkommen: Weit verbreitet in vegetations- gleichsweise leises, knurrend-grunzendes
reichen Teichen, breiten Gräben, Abgra- Quaken vernehmen. Ähnlich wie bei der Erd-
bungsgewässern; der Seefrosch vor allem in kröte gibt es beim Grasfrosch viel mehr Männ-
Altwassern, Seen und größeren Teichen. chen als Weibchen und das Bestreben der
Wissenswertes: Erst in neuerer Zeit hat sich Männchen, sich frühzeitig ein Weibchen durch
herausgestellt, daß der Wasserfrosch ein Umklammern zu sichern. Nach dem Ablai-
Kreuzungsprodukt des Seefrosches mit dem chen verlassen zuerst die Weibchen, später
Tümpelfrosch ist. Auch heute noch kommt es bis Ende April die Männchen die Laichge-
regelmäßig zur Bastardierung. Deshalb und wässer, um dann auf dem Land (Name!) unter
wegen ihrer Gemeinsamkeiten im Aussehen Umständen kilometerweit umherzustreifen.
und in der Lebensweise werden hier die 3
Formen gemeinsam vorgestellt. - Alle 3 Grün-

3
Springfrosch
frösche sind eng an Gewässer gebunden, Rana dalmatina
weilen ganzjährig in deren Nähe und fliehen
bei Gefahr mit einem Sprung ins Wasser. Nicht L-8cm Febr.-Nov.
selten sieht man sie auf Teich- und Seerosen- Kennzeichen: Ähnlich dem Grasfrosch, aber
blättern oder unmittelbar unter der Wasser- spitze Schnauze und sehr lange Hinterbeine.
oberfläche, nur die vorgewölbten Augen über Vorkommen: In Mitteleuropa vor allem im
der Wasserlinie. Aus dieser Position können Süden, sonst inselartige Verbreitung; gern in
sie vorüberfliegende Insekten mit einem Laubmischwäldern; seltenste Art.
Sprung erbeuten. - Erst relativ spät kommen Wissenswertes: Mit seinen Hinterbeinen,
die Grünfrösche aus dem Schlamm der Ge- die länger sind als die von Gras- und Moor-
wässer an die Oberfläche. Ab Mai vernimmt frosch, macht er bis zu 2 m weite Sprünge
man ihre lauten Rufkonzerte. Die Männchen - (Name!).
deutlich kleiner als die Weibchen - bieten mit
ihren seitlichen hellgrauen Schallblasen (1b,
1d) einen eindrucksvollen Anblick.
4 Moorfrosch
Rana arvalis

2 Grasfrosch L-7cm März-Nov.


Rana temporaria Kennzeichen: Ähnlich dem Grasfrosch, aber
spitzerer Kopf; Männchen zur Paarungszeit oft
L-10cm Febr.-Nov. hellblau gefärbt.
Kennzeichen: Stumpfer Kopf; unterschied- Vorkommen: In nicht zu stark versauerten
liche Brauntöne; dunkler Fleck in der Ohr- Mooren und Sümpfen (Name!) sowie den sie
gegend; zusammen mit den beiden folgenden umgebenden Feuchtwiesen; nur regional ver-
Arten den „Braunfröschen" zugeordnet. breitet.
Vorkommen: In kleinsten und größeren Ge- Wissenswertes: Weitere Versauerung der
wässern aller Art; vor allem in Feuchtwiesen, Gewässer durch „sauren Regen" scheint die
an Gräben, in Laubwaldgebieten, aber auch in Entwicklung des Laichs zu gefährden.
Fische

mit erstaunlichen Sprüngen selbst Strom-

1
Bachneunauge
Lampetra planen schnellen und Wehre. An den Laichplätzen,
vor allem Kiesbänke im schnell fließenden
L -20 cm LZ März-Juni Wasser des Oberlaufs, werden Gruben ausge-
hoben und die hineingelegten Eier wieder mit
Kennzeichen: Wurmförmige Gestalt; blei- dem ausgehobenen Kies bedeckt. Die Jung-
stiftstark; endständiger Saugmund; miteinan- tiere schlüpfen je nach Wassertemperatur
der verbundene Rücken- und Afterflosse als nach 70-200 Tagen und wandern nach 2- bis
schmaler Saum. 3jährigem Süßwasseraufenthalt ins Meer zu-
Vorkommen: Oberlauf von Bächen und klei- rück. Die erwachsenen Lachse nehmen im
nen Flüssen im Nord- und Ostseebereich. Süßwasser keinerlei Nahrung auf; die meisten
Wissenswertes: Die urtümliche Tiergruppe, machen während ihres Lebens nur eine ein-
zu der die Neunaugen gehören, wird heute als zige Laichwanderung flußaufwärts.
eigene Klasse (Rundmäuler, Cyclostomata)
von den Knorpel- und Knochenfischen abge-

3
Bach- und Regenbogenforelle
grenzt. Zusammen mit zahlreichen fossilen Salmo trutta und S. gairdneri
Formen rechnet man sie zu den „Kieferlosen"
(Agnatha), die statt des bei Fischen üblichen L -50 (70) cm LZ Sept.-Febr. bzw. Dez.-
Kieferskeletts als erwachsene Tiere nur eine Mai Kennzeichen: Stumpfer Kopf mit
runde Saugscheibe mit Hornzähnchen aus- weiter Mundspalte; Bachforelle (3a)
bilden. „Neunaugen" werden sie wegen der 9 meistens mit schwarzen und roten,
Punkte an jeder Körperseite genannt: 7 äu- Regenbogenforelle (3b) mit vielen schwarzen
ßere Kiemenöffnungen, 1 Auge und die Na- Tupfen. Vorkommen: Kühle und
sengrube. Die zahn- und augenlosen Larven sauerstoffreiche Fließgewässer und Seen;
leben 3-5 Jahre im Schlamm und verwandeln Regenbogenforelle Wirtschaftsfisch aus
sich dann zum geschlechtsreifen Neunauge, Nordamerika, in Europa erst seit 1880.
das niemals Nahrung aufnimmt und nach Wissenswertes: Beide Forellenarten wer-
dem Ablaichen stirbt. den häufig ausgesetzt. Sie fressen Kleintiere
aller Art und springen auch nach Fluginsek-
ten. Regenbogenforellen werden vor allem in

2
Lachs
Salmo salar Fischzuchtanlagen gehalten und nehmen
auch totes Futter.
L-120 cm LZ Okt.-Febr. Kennzeichen:
Strahlenlose „Fettflosse" zwischen Rücken-

4
Äsche
und Afterflosse als Kennzeichen aller Thymallus thymallus
Forellenverwandten; kleiner, spitzer Kopf mit
bis hinter die Augen reichender L-50cm LZ März-Juni Kennzeichen:
Mundspalte; auffallend kleine Schuppen'. Graugrüne Färbung mit wenigen schwarzen
Vorkommen: Küstengewässer von Atlantik, Flecken; auffallend hohe und lange
Nord- und Ostsee; in den Flüssen aufstei- Rückenflosse. Vorkommen: Vor allem in
gend; in Mitteleuropa heute nur noch sehr sauerstoffreichen Fließgewässern; durch
vereinzelt. Verschmutzung und Verbauung der Flüsse
Wissenswertes: Gewässerverschmutzung im Bestand stark rückläufig.
und Flußverbauung haben den Lachs aus gro- Wissensw ertes: Die „Äschenregion"
ßen Teilen seines ehemals weiten Verbrei- schließt sich flußabwärts an die „Forellenre-
tungsgebietes verdrängt. Die Ergebnisse jüng- gion" an. Die Äsche ist ein hervorragender
ster intensiver Schutzmaßnahmen - z.B. am Speisefisch. Die Bestände werden zum Teil
Rhein und seinen Nebenflüssen - lassen aber durch in Fischzuchianlagen herangezogene
auf eine Trendwende hoffen. Die erwachsenen Setzlinge gestützt. Der thymianähnliche Ge-
Lachse wandern nach 1 - bis 3jähriger Wachs- ruch führte zum wissenschaftlichen Namen.
tumsphase im Meer während des Spätsom-
mers stromaufwärts und überwinden dabei
Fische

und Sauerstoffmangel in noch stärkerem

1
Karpfen
Cyprinus carpio Maße als andere anpassungsfähige Karpfenfi-
sche. Der Schlamm des Gewässerbodens ist
L-80cm LZ Mai-Juli ihr Rückzugsort sowohl im Winter als auch bei
Kennzeichen: Hochrückiger Körper; 4 Bart- sehr niedrigen Wasserständen in Trockenzei-
fäden an der Oberlippe; große Schuppen; ten.
Schwanzflosse deutlich zweizipfelig.
Vorkommen: Ursprünglich aus Asien stam-

4
Giebel
mend; schon im späten Mittelalter wichtigster Carassius auratus gibelio
Teichfisch in ganz Europa; in warmen, vegeta-
tionsreichen Gewässern mit sandigem oder L-40cm LZ Mai-Juni
schlammigem Grund. Kennzeichen: Der Karausche ähnlich, aber
Wissenswertes: Man unterscheidet meh- kein Fleck auf der Schwanzwurzel; Silber-
rere Zuchtformen, u.a. den Schuppenkarpfen glanz.
mit normalem Schuppenkleid, den Spiegel- Vorkommen: Ursprünglich in Asien behei-
karpfen mit wenigen unregelmäßig verteilten matet; heute in weiten Teilen Europas; ähnlich
Schuppen und den fast nackten Lederkarpfen den Vorkommen der Karausche.
mit höchstens wenigen Schuppen. Der Karp- Wissenswertes: Wegen seiner Anspruchs-
fen ist überwiegend Pflanzenfresser, nimmt losigkeit und seines im Vergleich zur Karau-
aber auch Bodentiere auf. sche schnelleren Wachstums wurde der Gie-
bel vielerorts eingebürgert. Er breite; sich
selbst weiter aus, kreuzt sich auch mit ver-

2
Schleie
Tinca tinca wandten Arten und neigt zu Farbvarietäten.
Eine nahe verwandte Unterart ist der aus
L-60cm LZ Mai-Juli China und Ostsibirien stammende Goldfisch
Kennzeichen: Gedrungener Körper; kaum (Carassius auratus auratus, 4b), der sich als
gebuchtete Schwanzflosse; je ein Bartfaden in Bewohner von Zierteichen großer Beliebtheit
den Mundwinkeln; kleine Schuppen. erfreut, aber inzwischen - zumindest in Stadt-
Vorkommen: In wärmeren, vegetationsrei- randbereichen - auch in alle möglichen freien
chen Gewässern; Beifisch in Karpfenteichen, Gewässer gelangt, wo ein Weibchen mehrere
weit verbreitet. 100000 Eier ablaichen kann.
Wissenswertes: Tags hält sich die Schleie

5
einzeln und sehr vorsichtig am Grund des Graskarpfen
Gewässers auf. Bodentiere und Pflanzen die- Ctenopharyngodon idella
nen ihr als Nahrung. Erst in der Dämmerung
wird sie voll aktiv. Den Winter über verbirgt sie L - 10 0c m
sich weitgehend bewegungslos im Schlamm Kennzeichen: Dunkelgrüne Färbung mit
des Gewässerbodens. Netzzeichnung durch dunkle Umrandung der
einzelnen Schuppen; gestrecktere Gestalt.
Vorkommen: Ursprünglich im Amur und in

3
Karausche
Carassius carassius verschiedenen nordchinesischen Gewässern;
heute auch in Europa.
L-50cm LZ Mai-Juni Wissenswertes: Die Art nimmt mit sehr un-
Kennzeichen: Hochrückig mit kleinem Kopf; terschiedlichen Wassertemperaturen und Ge-
keine Bartfäden; dunkler Fleck auf der wässertiefen Vorlieb. Sie wird erst seit gut 30
Schwanzwurzel. Jahren auch in Mitteleuropa in Fischzucht-
Vorkommen: Weit verbreitet, vielerorts aus- anlagen gehalten, u.a. mit Gras und Klee ge-
gesetzt; vor allem in flachen, warmen und füttert und dabei bis zu 50 kg schwer. Die
vegetationsreichen Gewässern. Verbreitung in naturnahe Gewässer muß un-
Wissenswertes: Die Karausche ist sehr an- terbunden werden, weil durch sie die Vegeta-
spruchslos und erträgt Wasserverschmutzung tion stark geschädigt werden kann.
Fische

vermehrt wieder in Gewässer zurückgebracht

1
Plötze
Rutilus rutilus worden, die sie früher bereits besiedelte. Die-
ser kleine, gesellige Fisch klebt seine Eier
L-30cm LZ Apr.-Mai ring- oder spiralförmig an die Stengel von
Kennzeichen: Grauer Rücken, zum Bauch Wasserpflanzen. Bis zum Schlüpfen der Brut
hin silbriger werdend; rote Iris („Rotauge") als nach etwa 10-12 Tagen werden die Eier vom
Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Männchen bewacht.
sehr ähnlichen Rotfeder. Vorkommen: In
Mitteleuropa in den meisten stehenden und

4
Elritze Phoxinus phoxinus
langsam fließenden Gewässern.
Wissenswertes: Die Plötze ist ein Schwarm- L-12cm LZ Apr.-Juni Kennzeichen:
fisch, der tags im tieferen Wasser, nachts mehr Körper torpedoförmig, fast drehrund; Maul
in Ufernähe steht, im Winter jedoch durchweg endständig; Färbung sehr variabel; Männchen
tieferes Wasser bevorzugt. Ein Weibchen legt zur Laichzeit dunkler gefärbt und mit rötlichem
bis über 100000 Eier ab. Der Laich wird an Bauch. Vorkommen: Verbreitet in klaren,
Wasserpflanzen geklebt, wo auch die frisch sauerstoffreichen Fließgewässern und Seen,
geschlüpften Jungen mit Klebdrüsen einige vor allem mit kiesigem Untergrund.
Tage haften. Die Plötze ernährt sich als Alles- Wissenswertes: Dieser kleine Schwarm-
fresser und dient ihrerseits den Raubfischen fisch bevorzugt oberflächennahes Wasser.
und zahlreichen fischjagenden Vögeln als Zum Laichen wandert er oft ein Stück flußauf-
Nahrung. wärts. Er laicht häufiger an Steinen als an
Pflanzen und zeigt auch dabei Vorliebe für

2
Rotfeder Geselligkeit und flaches Wasser. Als Nahrung
Scardinius erythrophthalmus bevorzugt er Kleinkrebse.

L-30cm LZ Apr.-Mai

5
Bitterling
Kennzeichen: Färbung wie Plötze, ein- Rhodeus sericeus
schließlich roter Rücken-, After- und Bauch-
flossen; allerdings Augen nicht rötlich, son- L-9cm LZ Apr.-Juni
dern goldglänzend. Kennzeichen: Körper hochrückig, seitlich
Vorkommen: Wie die Plötze weit verbreitet; abgeflacht; Maul endständig; Männchen zur
relativ anspruchslos. Laichzeit von der Kehle bis zum Bauch röt-
Wissenswertes: Auch die Rotfeder ist ein lich.
Schwarmfisch. Sie hält sich vor allem ober- Vorkommen: In Teichen, Weihern und trägen
flächennah an vegetationsreichen Ufern auf. Fließgewässern, nur soweit es dort Teich- oder
Ebenso wie die Plötze wird sie von Anglern Malermuscheln gibt.
zwar häufig gefangen, wegen ihres grätenrei- Wissenswertes: Der Bitterling betreibt eine
chen Fleisches aber weniger geschätzt als komplizierte Brutfürsorge und fällt damit voll-
andere Arten. ends aus dem Rahmen seiner Karpfen-Ver-
wandtschaft. Mit Hilfe einer 5 cm langen Le-
Moderlieschen

3
geröhre gibt das Weibchen jeweils 2, nach
Leucaspius delineatus und nach bis zu 40 Eier zwischen die Kiemen
einer der genannten Muschelarten. Auch die
L-10cm LZ Apr.-Juni Kennzeichen: nach 3 Wochen schlüpfenden Jungfischchen
Ein Kleinfisch mit torpedoförmiger Gestalt; bleiben zunächst noch - vor Feinden ge-
Maul steil nach oben gerichtet. Vorkommen: schützt - in der Kiemenhöhle der Muschel, bis
Vom Rhein ostwärts vor allem in kleineren sie den Inhalt ihres Dottersacks aufgebraucht
stehenden und langsam fließenden haben und sich selbständig ernähren müs-
Gewässern. Wissenswertes: In neuerer sen.
Zeit ist die Art
Fische

Blei Abramis brama Vorkommen: In Europa nördlich der Alpen

1 L-50cm LZ Mai-Juli
Kennzeichen: Seitlich stark abgeflachter
in schnell fließenden Gewässern; in Seen nur
in der Nähe der Einflüsse. Wissenswertes:
Der Hasel fällt unter den Karpfenfischen als
Körper; Hochrückigkeit; Körper nur 3mal so ausgezeichneter Schwimmer auf. Man sieht
lang wie hoch; Oberseite bleigrau (Name!). ihn in strömenden Bächen und Flüssen in
Vorkommen: Meistens in größeren stehen- Schwärmen meistens oberflächennah. Als
den Gewässern und in langsam fließender, Nahrung nimmt der Hasel Plankton und
Flüssen; nördlich der Alpen verbreitet. kleine Boden- und Wassertiere auf, vor allem
Wissenswertes: Der Blei - auch Brachsen auch Insekten, die auf das Wasser fallen.
genannt - lebt während der Laichzeit als
Schwarmfisch im flachen, vegetationsreichen

4
Aland
Wasser in Ufernähe. Mit vorstülpbarem Mund Leuciscus idus
durchwühlt er den schlammigen Gewässer-
grund nach Insektenlarven, Kleinkrebsen, L-60cm LZ Apr.-Juni Kennzeichen:
Würmern und Weichtieren. Dabei hinterläßt er Hochrückig und seitlich leicht abgeplattet;
die sogenannten „Brachsenlöcher". Später im Oberseite grauschwarz, zu den Flanken und
Jahr lebt er in kleineren Gruppen, um im Win- zum Bauch heller und silbriger werdend;
ter wieder größere Schwärme zu bilden und Brust-, Bauch- und Afterflossen rötlich.
ins tiefere Wasser abzuwandern. Vorkommen: Meistens in größeren Fließge-
wässern und Seen; nördlich der Alpen ver-
breitet.

2
Gründling
Gobio gobio Wissenswertes: Zur Laichzeit ziehen Aland-
Schwärme in den Flüssen oft längere Strek-
L-20cm LZ Mai-Juni ken aufwärts. Sie laichen an sandigen und
Kennzeichen: Körper walzenförmig; 2 kurze kiesigen Ufern, wo die Weibchen ihre Eier an
Bartfäden; Flanken mit einer Längsreihe dunk- Steinen und Pflanzen anheften. Danach wan-
ler Flecken. dern sie wieder abwärts in ruhigeres Wasser.
Vorkommen: Überwegend in Fließgewäs- Die Art wird auch als Orfe bezeichnet und in
sern, sowohl in schneller als auch in träge der Goldvarietät als Bioindikator in Schö-
fließenden; auch in klaren Seen mit sandig- nungsteiche von Kläranlagen eingesetzt.
kiesigem Grund; weit verbreitet.
Wissenswertes: Als typischer Flußfisch geht

5
Döbel
der Gründling bis in die Äschen- und die Leuciscus cephalus
Forellenregion Sein Name kennzeichnet ihn
als Bodenfisch. Er lebt in der Regel gesellig. L-50cm LZ Apr.-Juni Kennzeichen:
Daß er kein zwingend auf sauerstoffreiche Fast drehrunder Körper mit breitem,
Fließgewässer angewiesener Spezialist ist, dickem Kopf („Dickkopf"); große
beweist die Tatsache, daß er vorübergehende graubraune Schuppen mit dunklerem Rand
Wasserverschmutzung und Sauerstoffarmut (Netzmuster).
erträgt und sogar im Brackwasser der Ostsee Vorkommen: In fließenden, seltener in ste-
leben kann. henden Gewässern; insgesamt sehr weit ver-
breitet.
Hasel Wissenswertes: Der Döbel, der auch als

3 Leuciscus leuciscus

L-25cm LZ März-Mai Kennzeichen:


Aitel bekannt ist, entwickelt sich im Laufe
seines Lebens vom planktonfressenden
Schwarmfisch zum recht räuberischen Einzel-
Langgestreckter, kaum seitlich abgeplatteter gänger, der auch kleine Fische nicht ver-
Körper; kleiner Kopf; Brust-, Bauch- und schmäht.
Afterflossen gelborange.
Fische

Schlammpeitzger dadurch, daß er an der

1
Schmerle
Noemacheilus barbartulus Wasseroberfläche Luft schluckt, deren Sauer-
stoff im stark gefalteten Darm von den Blut-
L-15cm LZ März-Mai Kennzeichen: gefäßen der Darmschleimhaut aufgenommen
Körper mit starkem Schleimüberzug; 4 wird. Durch diese Darmatmung wird die üb-
Bartfäden vorn und 2 in den Mundwinkeln; liche Kiemenatmung wirksam unterstützt. Vor
Färbung graubraun mit dunklerer Gewitter schnappt der Schlammpeitzger oder
Marmorierung. Schlammbeißer besonders intensiv nach Luft,
Vorkommen: In kleineren Fließgewässern weshalb er auch „Wetterfisch" genannt wird.
mit klarem Wasser und kiesigem oder felsi-
gem Grund: weit verbreitet. Wissenswertes: Steinbeißer
6 Bartfäden oder Barteln gehören zu den
Artmerkmalen der Schmerle, die auch als
Bachschmerle und als Bartgrundel bekannt
3 Cobitis taenia

L-12cm LZ Apr.-Juni Kennzeichen:


ist. In ihnen sind Geschmacksnerven Fleckenreihen an den Körperseiten; sechs
konzentriert. Die Schmerlen schwimmen kurze Bartfäden. Vorkommen: In stehenden
langsam über den Gewässergrund und „ta- und langsam fließenden Gewässern mit
sten" dabei mit ihren Barteln die Umgebung schlammigem oder sandigem Grund; nur
ab. So können sie sich trotz kleiner Augen und regiona verbreitet. Wissenswertes: Der
eingeschränkten Sehvermögens zumindest Steinbeißer gräbt sich gern über Tage bis auf
geschmacklich ein gutes „Bild" von ihrer Um- den Kopf im Sand oder Schlamm ein. Nachts
gebung machen. Die Barteln sind ein wichti- wird er dafür umso aktiver. Die Nahrung wird
ges Hilfsmittel bei der Nahrungssuche unter vor allem mit den Barteln ertastet.
und zwischen den Steinen, wo sich dieser
standorttreue Bodenfisch mit Vorliebe aufhält.

4
Wels
Im übrigen teilt er seinen Lebensraum weitge- Silurus glanis
hend mit der Bachforelle. Insektenlarven,
Kleinkrebse und Fischlaich, nach denen die L-200cm LZ Mai-Juli Kennzeichen:
Schmerle im kalten, klaren Wasser oft länger Körper schuppenlos und schleimig; sehr
suchen muß, bilden ihre Hauptnahrung. Daß breite Mundspalte; 2 lange Bartfäden auf
man sie vergleichsweise selten zu sehen be- dem Ober-, 4 kürzere auf dem Unterkiefer;
kommt, ist darauf zurückzuführen, daß sie sich besonders lange Afterflosse. Vorkommen: In
tags meistens versteckt hält und erst in der größeren Seen und tieferen Flüssen; durch
Dämmerung freier umherschwimmt. Aussetzen heute weiter verbreitet als
ursprünglich. Wissenswertes: Der Wels, ein

2
Schlammpeitzger nachtakliver Bodenfisch, nält gleich mehrere
Misgurnus fossilis Rekorde: Mit dem Hausen {Huso huso) ist er
die größte europäische Fischart mit Riesen
L-30cm LZ Apr.-Juni Kennzeichen: von über 3 m Länge und 300 kg Gewicht.
Breites schwarzbraunes Längsband, von Altersangaben von mehreren hundert Jahren
hellerem Untergrund flankiert; oben und entspringen zweifellos der Phantasie der
unten begrenzt von dunklen Längsstreifen; Angler. Daß er außer Fischen auch
am Oberkiefer 6, am Unterkiefer 4 Bartfäden. wasserbewohnende Vögel und Säugetiere
Vorkommen: Meist in flachen, stehenden frißt, ist vielfach belegt. Die Zahl der Eier ist
Gewässern mit schlammigem Grund. zumindest tendentiell mit dem Körpergewicht
Wissenswertes: Der Schlamm (Name!) der Weibchen korreliert. Man rechnet 30000
spielt eine große Rolle im Leben dieser Art. Eier je kg. Sie werden zwischen dichter
Dorthin zieht sie sich über Tag zurück, darin Vegetation in eine Bodenmulde abgesetzt
vergräbt sie sich im Winter und bei Wasser- und vom Männchen durch Fächeln mit
mangel. Dem Sauerstoffmangel begegnet der Frischwasser versorgt.
Fische

1
Aal Flußbarsch
Anguilla anguilla

L m. bis 50, w. bis 150cm LZ


3 Perca fluviatilis

L-40cm LZ März-Juni Kennzeichen:


Frühjahr Kennzeichen: Bekannt; Hochrückig; 2 Rückenflossen; markante
schlangenähnliche Gestalt mit langem Färbung mit 6-9 dunkleren Querbändern
Flossensaum. Vorkommen: Weit verbreitet in und rötlichen Bauch- und Afterflossen.
fast allen Teilen Europas; im Küstenbereich Vorkommen: Weit verbreitet in trägen Flüs-
und fast allen Flußgebieten. sen, in Weihern und Seen. Wissenswertes:
Wissenswertes: Der fast 20jährige Lebens- Dieser sehr standorttreue Raubfisch bildet je
weg der Aale beginnt im Sargassomeer, dop- nach Lebensraum - Freiwasser, Tiefenwasser
pelt soweit von den europäischen als von den oder Vegetationszone -deutlich
amerikanischen Küsten entfernt. Als durch- unterscheidbare Farbtypen aus. Nicht selten
sichtige, weidenblattförmige „Glasaale" errei- jagen mehrere Barsche gemeinsam und
chen sie nach 3 Jahren Ostwanderung rund treiben ihre Beutefische zu Pulks zusammen.
6cm groß die europäischen Küsten, beginnen Im Lauf ihres Lebens wandeln sie sich immer
sich zu pigmentieren und wandern soweit wie ausgeprägter von Schwarmfischen zu
möglich in Flüssen und Bächen aufwärts. In Einzelgängern.
den 7-10, manchmal bis 15 Jahren ihres Süß-
wasseraufenthaltes wachsen sie und legen

4
Kaulbarsch
Fettreserven an. Wenn sie danach flußabwärts Gymnocephalus cernua
wandern, sind sie die fettesten Fische, die in
unseren Gewässern gefangen werden. Er- L-25cm LZ März-Mai Kennzeichen:
staunliche Leistungen vollbringen die Aale - Gedrungener Körper; dicker, stumpfer Kopf
überwiegend nachts - beim Überwinden von (Kaul = dick, kugelig, gerundet); lange,
Hindernissen. Und doch setzen ihnen Wasser- ungeteilte Rückenflosse. Vorkommen:
bauwerke und extreme Gewässerverschmut- Tieflandflüsse, Seen und Haffe; weit
zung unnatürliche Grenzen. Deshalb werden verbreitet; gegenüber Wasserverschmutzung
Jungaale oft tief im Binnenland künstlich aus- relativ unempfindlich. Wissenswertes:
gebracht. Diese Barschart hält sich bevorzugt in
tieferen Gewässern in Bodennähe auf,
manchmal in großer Zahl.

2
Hecht
Esox lucius

5
Zander
L-120 cm LZ Febr.-Mai Stizostedion lucioperca
Kennzeichen: Entenschnabelförmige
Schnauze mit kräftiger Bezahnung; weit nach L - über 100 cm LZ Apr.-Mai
hinten verlagerte Rückenflosse. Vorkommen: Kennzeichen: Hechtähnlicher Barsch; Kiefer
In Seen und langsam fließenden Flüssen mit kleinen Bürsten- und großen Fangzähnen;
weit verbreitet; häufig ausgesetzt. allerdings zwei fast gleich lange Rückenflos-
Wissenswertes: Der Hecht ist Inbegriff des sen.
Raubfisches. Er lauert dicht an der Wasser- Vorkommen: In Flüssen, Seen, großen Wei-
oberfläche unbeweglich auf seine Beute. hern; heute durch künstlichen Besatz auch im
Große Exemplare erbeuten außer Fischen Westen verbreitet.
auch Kleinsäuger und junge Schwimmvögel. Wissenswertes: Der Zander ist ein einzeln
Zum Ablaichen bevorzugt der Hecht Flachge- jagender Raubfisch der Freiwasserbereiche,
wässer in überschwemmten Auenwiesen, die der meistens erst in der Abenddämmerung
ihm aber infolge Flußeindeichung und -ver- richtig aktiv wird. Er jagt vor allem kleine Fi-
bauung nicht mehr hinreichend zur Verfügung sche. Als Speisefisch ist der Zander sehr be-
stehen. liebt.
Fische

1
Groppe Cottus gobio Dreistacheliger Stichl i ng

L-15cm LZ Febr.-Mai Kennzeichen:


Körper schuppenlos und keulenförmig; Kopf
3 Gasterosteus aculeatus

L-10cm LZ März-Juli Kennzeichen:


und Vorderkörper breit, leicht abgeplattet; Auf dem Rücken 3 bewegliche Stacheln
große Brustflossen. Vorkommen: In (Name: Stichling!); After- und Bauchflossen
sauberen Forellenbächen mit sandig- mit je 1 Stachel; Rückenflosse weit nach
kiesigem Untergrund; auch in klaren kühlen hinten versetzt. Vorkommen: Vom kleinen
Bergseen; selten. Wissenswertes: Die Wassergraben und Weiher bis zu den
Groppe oder Koppe gehört zu den Küstengewässern; allgemein verbreitet.
gefährdeten Fischarten der Forellenregion. Wissenswertes: Stichlinge kannten, fingen
Sie leidet nicht nur unter Ge- und hielten früher die Kinder überall in Mittel-
wässerverschmutzung, sondern auch unter europa. Heute gibt es bereits Stichlinglose Re-
der Versauerung der Gewässer durch bach- gionen: eine Folge zumindest zeitweiliger in-
nahen Fichtenanbau und durch sauren Re- tensiver Wasserverschmutzung oder -Vergif-
gen. Auf ihrer Speisekarte stehen auch Laich tung. - In der Schule dient der Dreistachelige
und Jungfische der Forelle. Deshalb ist sie bei Stchling als Paradebeispiel für angeborene
etlichen Anglern unbeliebt; allerdings wird ihr Reaktionsketten. Das Männchen baut ein Bo-
Schaden meistens übertrieben. Die vom dennest aus Filanzenfasern und Algenfäden
Weibchen in Klumpen abgesetzten orange- und lockt mit seinem Zickzacktanz ein Weib-
farbenen Eier werden bis zum Schlüpfen der chen hinein. Nach der Eiablage werden die
Larven vom Männchen bewacht und durch Eier besamt. Der Vorgang wiederholt sich mit
Fächeln mit den Brustflossen mit Frischwasser demselben und auch mit anderen Weibchen,
versorgt. bis schließlich um die 500 Eier im Nest sind.
Von nun an betreut das Stichlingmännchen,
dessen Kehle, Brust und Bauch zur Laichzeit

2
Quappe
Lota Iota hellrot leuchten, sein Gelege (3b), indem es
Frischwasser herbeifächelt und Feinde vehe-
L-100 cm LZ Nov.-März Kennzeichen: ment vertreibt. - Die in Küstengewässern le-
Langgestreckter Körper, walzenförmig; ein benden Dreistacheligen Stichlinge wandern
langer Bartfaden am Unterkiefer, je ein kurzer zum Laichen ins Süßwasser. Die Süßwasser-
an den Nasenöffnungen. Vorkommen: In bewohner dagegen sind sehr ortstreu.
sehr unterschiedlichen fließenden und
stehenden Gewässern; auch in

4
Zwergstichling Pungitius
Brackwasser; dennoch deutlicher Bestands- pungitius
rückgang.
Wissenswertes: Unter den Dorschfischen L-8cm LZ Apr.-Aug.
ist die Quappe die einzige Süßwasserart. Sie Kennzeichen: Ein Kleinfisch mit meist 9-10
ist nachtaktiv und bevorzugt den Gewässer- kleinen, beweglichen Stacheln auf dem Rük-
grund. Zu ihren Laichplätzen unternehmen die ken, deshalb vielfach auch Neunstacheliger
Quappen meistens kürzere Wanderungen. Die Stichling genannt; Männchen zur Laichzeit
bis zu 3 Millionen Eier, die ein einziges Weib- mehr oder weniger durchgehend schwarz.
chen produziert, enthalten Ölkugeln, die es Vorkommen: Vor allem in kleinen Teichen
ihnen gestatten, frei im Wasser zu schweben, und Weihern, Gräben und Wasserlöchern wie
aufgrund der winterlichen Laichzeit nicht sel- z.B. Bombentrichtern; seltener.
ten unter dem Eis. Bei Wassertemperaturen Wissenswertes: Diese Art ist scheuer und
von 0,5 bis 5 °C beläuft sich die Brutdauer auf häufiger am Gewässerboden als ihre etwas
2 bis 2 Monate. Regional sind für die größeren Verwandten. Denen ähnelt sie in ih-
Quappe auch die Namen Rutte und Trüsche rer Lebensweise. Die Jungen leben jedoch
gebräuchlich. nicht wie bei der anderen Art in Schwärmen.
Fische

Die 4 auf dieser Tafel abgebildeten Arten Wissenswertes: Die Dornhai-Weibchen sind
(Haie und Rochen) gehören zu den Knorpelfi- 18-22 Monate trächtig. In jedem Eileiter be-
schen {Chondrichthyes). Sie unterscheiden findet sich eine durchsichtige Hornkapsel mit
sich von den übrigen Fischen, die außer dem 1 -6 Eiern, aus denen bereits im Mutterleib die
auf S. 194 abgebildeten Bachneunauge alle- Jungen schlüpfen. Ein Wurf umfaßt 4-8 Jung-
samt Knochenfische (Osteichthyes) sind, tiere, die zum Zeitpunkt der Geburt schon
durch das F:ehlen von Knochen als Skelett- 20-30cm lang sind. Während ihres Lebens
substanz. Haie und Rochen haben jeweils 5-7 legen sie auf ihren Wanderungen weite Strek-
Kiemenspalten und ein unterständiges Maul. ken zurück. Dabei treten sie oft in Hunderte
Sie haben keine Schwimmblase. von Individuen starken Schwärmen auf und
agen - oft gemeinsam - Heringe und Dor-
sche.

1
Kleingefleckter Katzenhai
Scyliorhinus canicula

3
Glattrochen
L-80cm LZ Frühjahr Raja batis
Kennzeichen: Körper langgestreckt und
schlank; Nasenlappen und Maul auf der Kopf- L -200 cm LZ Spätherbst/Winter
unterseite; 5 Paar kleine Kiemenspalten; Kennzeichen: Größte einheimische Rochen-
Oberseite auffällig klein gefleckt. art; spitzwinkliges Maul. Vorkommen:
Vorkommen: In der Nordsee; vor allem auf Nordostatlantik mit Nordsee und
algenbewachsenen Sandbänken. westlicher Ostsee; auf Sand- und
Wissenswertes: Beim Kleingefleckten Kat- Schlammgrund, meist in 100-200m Tiefe.
zenhai gibt es - wie bei allen Haien - eine Wissenswertes: Glattrochen können bis zu
innere Besamung. Diese wird dadurch ermög- 2,5 m lang und bis zu 100 kg schwer werden.
licht, daß die Bauchflossen zum Teil zum Pe- Die außergewöhnlich großen Eierkapseln
nis umgewandelt sind. Zur Paarung wandern können 24 cm lang sein.
die Kleingefleckten Katzenhaie ins tiefere, zum
Laichen ins flache Wasser. Dort legen die
Weibchen in Meeresalgenrasen je 18-20 rund
6cm lange Eier (1b) ab. Sie werden mit den 4
langen, biegsamen Haftfäden an Algen oder
4 Sternrochen
Raja radiata

L-100 cm
Steinen befestigt. Erst nach einer Brutdauer Kennzeichen: Stumpfwinkliges Maul; Rük-
von 9-11 Monaten schlüpfen daraus die kenseite mit 12 bis 19 großen Dornen; Körper-
Junghaie, die sogleich 10 cm lang sind. - Der umriß rautenförmig.
Kleingefleckte Katzenhai ist dämmerungs- Vorkommen: Nordatlantik mit nördlicher
und nachtaktiv und jagt vor allem am Meeres- Nord- und westlicher Ostsee; meist in 50 bis
grund. Schnecken, Muscheln, Krebse und Fi- 100 m Tiefe.
sche bilden seine Hauptnahrung. Wissenswertes: Die Art bevorzugt Wasser-
temperaturen unter 10:C. Ihre 5-6 cm langen

2 Dornhai und 4-5 cm breiten, leeren Eikapseln findet


Squalus acanthias man an Flachstränden häufig angeschwemmt.
Die Jungen sind beim Ausschlüpfen knapp
L-100cm lebendgebärend 10 cm lang und werden bereits fortpflan-
Kennzeichen: Langgestreckter Körper; spit- zungsfähig, wenn sie eine Größe von etwa 30
zes Maul; Schwanzflosse mit großem, nicht bis 40 cm erreicht haben. Der Sternrochen
eingekerbtem Oberlappen; Oberseite grau lebt auf Meeresgründen sehr unterschiedli-
oder bräunlich, mit unregelmäßig verteilten cher Beschaffenheit und wurde bereits in sehr
weißlichen Flecken. großer Tiefe (1000 m) nachgewiesen. Als Nah-
Vorkommen: Häufigste Haiart im Nordostat- rung bevorzugt er kleine Bodentiere, vor allem
lantik; auch in der Nordsee; Grundfisch auf Würmer, Krabben und Garnelen, aber auch
schlammigen Meeresböden. kleine Fische.
Fische

fen Wasser ablaichen, steigen zur Oberfläche

1
Hering
Clupea harengus empor und wandern dann mit der Strömung.
Nach 3 Wochen - je nach Wassertemperatur
L-40cm LZ unterschiedlich früher oder später - schlüpfen die 5 mm lan-
Kennzeichen: Silbrige Färbung; Unterkiefer gen Larven.
vorstehend; Kiemendeckel ohne Radiärstrei-
fen.

4
Aalmutter
Vorkommen: Nordatlantik; vor allem im Mi- Zoarces viviparus
schungsbereich von arktischer kalter Strö-
mung und warmem Golfstrom. L-50cm lebendgebärend
Wissenswertes: Heringsschwärme können Kennzeichen: Schlangenförmig; großer,
überwältigend groß sein und mehrere Millio- schuppenloser Kopf; durchgehender Saum
nen Tiere umfassen. Im gesamten Atlantik zwi- aus Rücken-, Schwanz- und Afterflosse.
schen der amerikanischen Ost- und der euro- Vorkommen: Nordatlantik bis Nord- und
päischen Westküste werden alljährlich 2-3 westliche Ostsee; bis in Brackwasser der
Millionen Tonnen Heringe gefangen. Innerhalb Flußmündungsbereiche. Wissenswertes:
des großen Verbreitungsgebietes unterschei- Nach der Paarung im August/September
det man mehrere Rassen mit spezifischen kommt es zu einer inneren Befruchtung und
Laichplätzen und -zeiten sowie entsprechen- zu einer 4monatigen Tragzeit. Das Weibchen
den Wanderbewegungen. bringt zwischen 30 und 400 Junge zur Welt,
die bei der Geburt ca. 4cm lang sind und an
junge Aale erinnern (Name!).

2
Dorsch
Gadus morhua

5
Große Schlangennadel
L -über 1 m LZ Frühjahr Kennzeichen: Entelurus aequo reus
Unterstandiges Maul; langer Bartfaden am
Kinn; helle Seitenlinie. Vorkommen: Im L-55cm LZ Juni-Juli
gesamten Nordatlantik; weite Wanderungen Kennzeichen: Stabförmiger Körper; langes
zwischen Nahrungs- und Laichgebieten. röhrenförmiges Maul; silbrige Querstreifen am
Wissenswertes: Der geschlechtsreife gesamten Körper.
Dorsch wird Kabeljau genannt. Je nach Größe Vorkommen: Nordsee; zeitweilig küstennah
setzt ein Weibchen bis zu 5 Millionen Eier frei zwischen Algen und Seegras.
ins Wasser ab. Schwärme mit älteren Tieren Wissenswertes: Das Weibchen gibt den
folgen oft den Schwärmen der Heringe, die Laich bei der Paarung dem Männchen, das
ihre wichtigste Beute darstellen. Ähnlich wie die Eier an seine Bauchseite heftet und bis
beim Hering gibt es mehrere Rassen mit un- zum Schlüpfen mit sich umherträgt.
terschiedlichem Wander- und Laichverhalten.

6
Langschnauziges Seepferdchen
Hippocampus ramulosus

3
Schellfisch
Melanogrammus aeglefinus
L-12cm LZ Mai-Juli
L-80cm LZ März-Mai Kennzeichen: Kennzeichen: Pferdeartiger Kopf (Name!)
Wie beim Dorsch 3 dicht benachbarte spitzwinklig abgebogen; Greifschwanz.
Rückenflossen, die erste spitz und am Vorkommen: Im Flachwasser zwischen Al-
höchsten; schwarzer Fleck unterhalb der gen und Seegras; in der südlichen Nordsee
ersten Rückenflosse. nur selten angetroffen.
Vorkommen: Vor allem in der nördlichen Wissenswertes: Die Männchen haben eine,
Nordsee. bis auf eine kleine Öffnung geschlossene
Wissenswertes: Die Eier, von denen die Bruttasche. Darin entwickeln sich die Eier.
Schellfisch-Weibchen mehrere 100000 im tie- Nach 4-5 Wochen bringt es voll entwickelte
Junge zur Welt.
Fische

1 4
Roter Knurrhahn Seehase
Trigla lucerna Cyclopterus lumpus

L -60 cm LZ Frühsommer Kennzeichen: L-50cm LZ Febr.-Mai Kennzeichen:


Kegelförmiger Körper; großer Kopf, mit Körper rundlich mit zwei Dornenreihen,
Hautknochen gepanzert; Färbung variabel: schuppenlos; Rückenkamm; Bauchflossen
Kopf rötlich, Oberseite rot oder braun mit zu einer breiten Saugscheibe umgebildet.
dunklen Querbinden. Vorkommen: Nordsee; Vorkommen: Nord- und Ostsee; Bodenfisch
vor allem als Jungfisch in Küstennähe. über felsigem Grund.
Wissenswertes: Die Art schwimmt gewandt Wissenswertes: Der Seehase kann sich mit
und springt oft weit über die Wasseroberflä- Hilfe seiner Saugscheibe am Felsen veran-
che hinaus. Seinen Namen verdankt der kern. Er frißt vor allem Kleinkrebse und Rip-
Knurrhann dumpfen, knurrenden Geräuschen. penquallen. Zwischen Februar und Mai wan-
Diese kommen dadurch zustande, daß mit dern die laichbereiten Tiere in flache Küsten-
Hilfe von Muskeln die Schwimmblase in gewässer, wo man sie paarweise antrifft. Die
Schwingungen versetzt wird. Die fingerförmi- Weibchen setzen rund 200000 Eier ab, die
gen Strahlen der Brustflossen werden als zunächst gelbrot, später grünlich sind, und
Tast- und als Schreitorgane benutzt. wandern danach wieder ins tiefere Wasser
zurück. Die Männchen beschützen die Laich-
klumpen und versorgen ihn mit herangefä-

2
Seeskorpion
Myoxocephalus scorpius cheltem Wasser. Während die Männchen den
Laich versorgen, nehmen sie keine Nahrung
L-50cm LZ Okt.-März Kennzeichen: auf und sterben nach dem Ausschlüpfen der
Großer, breiter Kopf; kegelförmiger Körper; Jungfische. Deshalb findet man sie am Strand
Brustflossen fächerartig vergrößert. häufig angespült. Als Speisefisch ist der See-
Vorkommen: Nordsee, bis in das Brackwas- hase nicht sehr beliebt, dagegen kommt sein
ser der Flußmündungen; auch in der Ostsee. schwarzgefärbter, geräucherter Rogen als
Wissenswertes: Das Männchen bewacht „Deutscher Kaviar" in den Handel.
die an Steinen oder Algen im Klumpen abge-
setzten Eier rund 5 Wochen lang. Vorausge-

5
Steinpicker
gangen ist eine innere Befruchtung, bei der
das Männchen das Weibchen mit seinen gro-
Agonus cataphractus
ßen, rauhen Brust- und Bauchflossen festhält.
L -15 cm LZ Febr.-Apr. Kennzeichen:
Butterfisch

3 Pholis gunnellus

L-30cm LZ Nov.-März Kennzeichen:


Körper langgestreckt, mit Buckel,
vollständig mit gezähnten Knochenschildern
gepanzert; Kopf breit, flach, unterseits mit
vielen kurzen Bartfäden; Maul mit 2 Paar
Körper seitlich abgeflacht, schlank; Haut Stacheln.
sehr schleimig; 9-13 dunkle, weiß Vorkommen: In der Nord- und der west-
gesäumte Flecken längs der Rückenlinie. lichen Ostsee über Schlamm- und Sand-
Vorkommen: Nord- und Ostsee; Bodenfisch grund.
auf Sand-, Schlamm- und Felsgrund. Wissenswertes: Dieser typische Grundfisch
Wissenswertes: Männchen und Weibchen gräbt sich gern im Boden ein oder versteckt
bewachen gemeinsam die zu einem großen sich zwischen Steinen und Geröll. Die Ent-
Klumpen zusammengeballten Eier rund 2 Mo- wicklungszeit des Laichs ist extrem lang; sie
nate lang und nehmen während dieser Zeit beläuft sich auf 10-11 Monate. In den Winter-
keine Nahrung zu sich. monaten dringt der Steinpicker nicht selten
bis in den Mündungsbereich der großen
Flüsse vor. Ansonsten bevorzugt er den tiefe-
ren (bis zu 500 m tiefen) Meeresboden.
Fische

Alle 5 auf dieser Seite behandelten Arten sind

3
Kliesche
Plattfische, die als Larven zunächst normal im Limanda limanda
Wasser schwimmen. Erst im Laufe der Ent-
wicklung beginnen sie sich auf eine Seite zu L -30cm LZ Jan.-Aug. Kennzeichen:
legen. Eine Körperseite wird zur pigmentierten Körper seitlich zusammengedrückt, oval;
Oberseite, zu der hin auch das zweite Auge meistens rechte Körperseite als Oberseite mit
wandert (Augenseite). Die andere Körperseite, brauner Grundfarbe und dunklen, seltener
die dem Boden aufliegt, ist die meist farblose bräunlichen Punkten. Vorkommen: Vor allem
Blindseite. Alle Plattfische sind Bodenbewoh- in küstennahen Bereichen der Nordsee
ner, die sich von Krebsen, Würmern, Muscheln einer der häufigsten Plattfische; auch in der
und kleinen Fischen ernähren. Ostsee. Wissenswertes: Die lange
Laichperiode erklärt sich daraus, daß die

1
Steinbutt Kliesche vor der französischen Küste schon
im Januar, weiter im Norden aber erst viel
Psetta maxima später zu laichen beginnt. Die Kliesche
ähnelt in Lebensweise und
L -80 cm LZ Apr.-Aug. Kennzeichen: Nahrungsspektrum der Scholle.
Körper seitlich zusammengedrückt, fast
kreisrund; linke Seite als Oberseite mit großen

4
Flunder
Knochenhöckern. Vorkommen: Platichthys flesus
Küstennahe Bereiche der Nord- und der
Ostsee. L-40cm LZ Febr.-Mai Kennzeichen:
Wissenswertes: Ein Steinbutt-Weibchen Der Scholle ähnlich; dornige Hautwarzen
legt zwischen 10 und 15 Millionen Eier ab, die entlang der Seitenlinie. Vorkommen: Nord-
mit einem Öltropfen frei im Wasser schweben. und Ostsee; stärkere Neigung zum
Wenn sie etwa 2-3cm lang sind, gehen die Brackwasser und zum Aufstieg in die großen
anfangs frei schwimmenden Jungfischchen Flüsse (z.B. Rhein). Wissenswertes: Die
zum Bodenleben über. Dann sind sie 4-6 Mo- Flunder ist der sprichwörtliche Plattfisch.
nate alt. Obwohl sie Flachwasser und in der Bis zu einem Drittel der Individuen kann
Jugend die Küstennähe bevorzugen, gehen abweichend von der Norm abgeplattet sein
sie später gelegentlich auch in eine Tiefe von („Linksflundern"). Bastarde zwischen
bis zu 50-80 m. Schollen und Flundern kommen gelegentlich
vor.

2
Scholle
Pleuronectes platessa

5
Seezunge
Solea solea
L-60cm LZ Nov.-Juni Kennzeichen:
Körper seitlich zusammengedrückt, oval; L-50 CM LZ Apr.-Juli
rechte Seite als Oberseite mit dem Kennzeichen: Körper mit zungenförmiger
Untergrund angepaßter, variabler Grundfarbe Gestalt (Name!).
und orangefarbenen Punkten; spitzes Maul. Vorkommen: Nord- und Ostsee; über Sand
Vorkommen: Nordsee, aber auch Brackwas- und Schlamm; im Sommer in Küstennähe und
ser der Flußmündungen; westliche Ostsee; im Brackwasser der Flußmündungen.
vor allem auf Sand- und Schillgrund. Wissenswertes: Die Seezungen halten sich
Wissenswertes: Man unterscheidet ver- oft mehr oder weniger stark vergraben auf
schiedene Rassen, die zu unterschiedlichen dem Meeresboden auf, um erst nachts auf die
Zeiten laichen und auch bestimmte äußerliche Jagd nach Bodentieren und kleinen Fischen
Merkmale haben. Die Scholle kann sich na- zu gehen. Sie gehören mit einigen anderen
hezu unsichtbar machen, indem sie ihren Kör- Plattfischen zu den bedeutsamsten Speisefi-
per durch kräftige Flossenschläge mit Sand schen, zu deren Schutz die Nordseekonven-
und Steinchen bedeckt. tion Mindestmaße für den Fang festsetzt.
Säugetiere als Baumeister

jedoch mehr kegelförmig und stets nur aus

1 Wildkaninchen
(vgl. S. 40)

Die bekanntesten Säugetierbaue sind die


kraut gern Pflanzenmaterial, meistens aus
Schilf-, Binsen- und Seggenstengeln erbaut.
Auch hier liegen die Eingänge unter Wasser.
Höhlen der Wildkaninchen, die selbst gele- Bisamburgen werden vor allem im Winter be-
gentlich in Gärten, Parks und auf Friedhöfen wohnt. Ansonsten nutzt die Art auch reine
anzutreffen sind. Von den Kaninchen bevor- Erdbauten als Unterschlupf.
zugt werden trocken-warme, leichte Böden
mit lockerem Strauchbewuchs in hügeligem
Gelände. Dort bauen sie ihre oft weit ver-
zweigten Gangsysteme, die bis über 2m tief
reichen können. Sie bestehen aus Haupt- und
5 Zwergmaus
(vgl. S. 50)

Die knapp faustgroßen Sommernester


Nebenröhren, die zu Wohnkesseln führen. der Zwergmaus findet man in bis zu 1,20 m
Höhe im Getreide, in hohen Gräsern und
Schilfbeständen. Als Nestgerüst dienen

2 Fuchs
(vgl. S. 34)

Die größeren Fuchsbaue, die manchmal


zersplissene Blätter, die noch mit der Pflanze
verbunden sind, die das Nest trägt. Innen ist
es mit zerkleinertem Pflanzenmaterial
über 20 Röhren aufweisen, gehen auf den ausgepolstert. Die Schlafnester haben zwei
Dachs als Baumeister zurück. Der Fuchs hat seitliche Öffnungen, die etwas größeren
sie nur übernommen und meistens weiter Wurfnester nur eine. Im Winter sucht die
ausgebaut. Solche Baue werden manchmal Zwergmaus in Erdlöchern oder unter
von Fuchs und Dachs gemeinsam bewohnt; Reisighaufen Unterschlupf.
dort herrscht offensichtlich „Burgfriede".
Größere Bauanlagen ziehen immer wieder

6
Eichhörnchen
Füchse an, so daß manche über Jahrzehnte (vgl. S. 44)
benutzt werden. Die vom Fuchs selbst
gegrabenen Höhlen sind zunächst viel Sein rundes Nest, das einen Durchmesser
einfachere, kurze Gänge, die erst im Laufe von 30-40 cm hat und außen aus
der Jahre erweitert werden. abgenagten Zweigen - meistens mit welken
Blättern -besteht, wird im Volksmund als
„Kobel" bezeichnet. Es ist innen mit Gräsern

3
Biber
(vgl. S. 42) und Moosen ausgepolstert. Typisch ist der
Standort der Eichhornkobel im oberen Drittel
Die intensivste Bautätigkeit aller des Baumes in einer Astgabel in Stammnähe.
Säugetiere entfaltet der Biber, der nicht nur Ein Tier hat in seinem Revier oft mehrere
Dämme und Kanäle errichtet und durch Nester, von denen eines im Zentrum des
Aufstau von Fließgewässern ganze Territoriums gegen Artgenossen verteidigt
Tallandschaften umgestalten kann, sondern wird.
auch markante Burgen baut. Sie können bis
1,50 m hoch aus Ästen und Schilf
aufgeschichtet und mit Schlamm abgedichtet
sein. Die Zugänge befinden sich unter
Wasser und steigen schräg nach oben zu
7 Haselmaus
(vgl. S. 44)

Wenn das kunstvolle kugelige Nest der


den trocken liegenden Wohn- und Brut- Haselmaus frei steht, ist es in dichtem
kammern an. Gestrüpp meistens nur 1 bis 2 m hoch über
dem Boden angebracht. Bei Nutzung von
Baumhöhlen oder Nistkästen klettert die

4 Bisamratte
(vgl. S. 42)

Den Biberburgen entfernt ähnliche Bauten


Haselmaus jedoch gelegentlich auch über
10m hoch. Die Schlafnester sind knapp, die
Wurfnester über 10 cm groß; sie bestehen
gehen auf die Bisamratte zurück. außen aus Gras, Blättern und Baststreifen
Bisamburgen, die ebenfalls über 1 m hoch und sind innen mit zerkleinertem
sein können, sind Pflanzenmaterial ausgepolstert.
Spuren größerer Säugetiere

delgehölze wirken oft heckenartig geschoren.

1 Fegestelle

5
Malbaum
Wenn Rehböcke im April ihr neu geschobe-
nes Geweih vom Bast befreien, dann schlagen Sogenannte Malbäume findet man in der
sie damit gegen federnde und biegsame Nachbarschaft von nassen, schlammigen
Stämmchen junger Waldbäume und Sträu- Stellen, wo sich die Wildschweine suhlen und
cher. Während der Brunftzeit im Juli und Au- anschließend durch Scheuern an glatten
gust setzen sie beim Fegen und Schlagen Stämmen wieder reinigen. Auf diese Art trei-
Duftmarken mit Hilfe der Stirndrüsen und mar- ben sie Körperpflege und entledigen sich da-
kieren so ihr Revier. Die an den Gehölzen in bei auch eines Teils ihrer Parasiten.
1-2m Höhe hervorgerufene Rindenablösung
führt zu Wuchsanomalien, meistens zum Ab-

6
sterben der Pflanze. Baumfällung

Wenn der Biber einen Baum fällt, setzt er

2 Schälung
seine oberen Nagezähne quer zum Stamm
wie einen Hobel an. Mit seinem
kegelförmigen Anschnitt sieht der Stamm so
aus, als hätte ihn ein Holzfäller mit der Axt
Schalschäden durch Ablösung der Rinde bis bearbeitet. Bei den Bäumen, die bis zu einem
zum Holzkörper werden vor allem durch Rot- Durchmesser von mehr als 20 cm gefällt
wild, aber auch durch Dam-, Sika- und Muffel- werden, handelt es sich zumeist um
wild verursacht. Betroffen sind vor allem junge Weichhölzer wie Weiden, Pappeln, Birken und
Bäume im Stangenholzalter. Die Rindenverlet- Erlen.
zungen ziehen bei der Fichte lebenslang
nachwirkende Fäulnisschäden nach sich. Bei
überhöhten Wildbeständen können aber auch
Buchen- und Kiefernwälder stark geschädigt
und zum Absterben gebracht werden.
7 Umbrochenes Grünland

Hier waren Wildschweine am Werk, die beim

3 Nagespuren
Wühlen nach Wurzeln und Bodentieren den
Boden mit ihrem versteiften „Rüssel" aufge-
wühlt haben.

Neben den Hasen können auch Wildkanin-


chen und Mäuse glattrindigen Gehölzen arg
zusetzen, indem sie die Rinde fleckenweise
oder rund um den Stamm abnagen. Stamm-
umfassende Nageschäden führen in der Re-
8 Plätzstelle

gel zum Absterben der Pflanze. Das Scharren des Rehs mit den Vorderhufen
wird als „platzen" bezeichnet. Der Rehbock
platzt in der Brunftzeit, das Rehwild allgemein

4 Wildverbiß
vor dem Hinlegen und bei der Nahrungssu-
che, vor allem wenn Schnee liegt.

Der Verbiß junger Forstplanzen, d.h. das Ab-


äsen von Blättern, Nadeln, Knospen und Trie-
ben durch Rotwild, aber ebenso auch durch
9 Wildwechsel
Reh-, Dam-, Sika- und Muffelwild kann kata-
strophale Ausmaße annehmen, wenn der Fast alle größeren Säugetiere bewegen sich
Wildbestand stark überhöht oder das Nah- keineswegs frei in ihrem Lebensraum, son-
rungsangebot insgesamt zu gering ist. dern fast immer nur auf bestimmten, häufig
Durch Verbiß der Spitzentriebe wird nicht benutzten Raden, den Wildwechseln. Dieser
selten der Höhenwuchs der Gehölze Wildwechsel stammt von Rehen.
unterbunden. Na-
Laich und Larven der Amphibien

Die Amphibien (Lurche) sind nicht nur zum Froschlurchen dagegen innen sind, erinnern
Schutz gegen Austrocknung an Wasser und sie eher an Fische als an die eigenen Eltern. In
Orte hoher Luftfeuchtigkeit gebunden, sie be- besonders kalten Gewässern und in Höhen-
nötigen auch fast ausnahmslos das Wasser lagen, in denen die Dauer der warmen Jahres-
zur Fortpflanzung. zeit zur vollen Entwicklung und zur Umwand-
Die Männchen haben kein Begattungsorgan. lung der Larven nicht ausreicht, können Am-
Bei den Schwanzlurchen werden die Körper- phibien als Larven überwintern und dabei so-
öffnungen gegeneinander gepreßt oder die gar - wie z.B. im Falle des Bergmolchs - zur
Spermien in Form einer Kapsel (Spermato- Geschlechtsreife gelangen. Dieses Phänomen
phore) vom Weibchen übernommen. Bei den wird in der Fachsprache als Neotenie be-
Froschlurchen wird der Laich beim Austritt aus zeichnet.
dem Körper des Weibchens vom Männchen Die Kaulquappen der Erdkröte (5) bilden
besamt. dichte Schwärme. Sie sind schwarz und ha-
Die Schwanzlurche kleben ihre Eier einzeln an ben ein gerade nach hinten gerichtetes Kie-
Blätter von Wasserpflanzen; bei den Salaman- menloch auf der linken Körperseite. Der
dern erfolgt allerdings die Entwicklung bis zur Schwanz der Grasfrosch-Kaulquappe (6)
Larve bzw. bis zum Jungtier im Körper des nimmt höchstens zwei Drittel der Gesamt-
Weibchens. Die Froschlurche geben ihre Eier körperlänge ein. Das Kiemenloch ist auf der
in der Regel als zusammenhängende Laich- linken Seite des Rumpfes und nach hinten
klumpen oder Laichschnüre ab. Die gallertig und aufwärts gerichtet. Die Larven der eigent-
verquollenen Eihüllen sorgen für den Zusam- lichen Froscharten (Gattung Rana) sind ein-
menhalt. ander recht ähnlich.
Bei der Erdkröte (1) kann die Laichschnur Lage und Ausrichtung des Kiemenlochs des
bis zu 4 m lang sein und 4000-6000 Eier Laubfrosch (7) entsprechen den Rana-Ar-
umfassen. Das Weibchen wickelt sie um Was- ten. Abweichend ist der vorn bis in die Höhe
serpflanzen oder um Äste, die im Wasser lie- der Augen reichende Schwanz-Hautsaum.
gen. Während sich bei den Froschlurchen zu Be-
Der Grasfrosch (2) setzt im flachen Wasser ginn der Umwandlung zum erwachsenen
einen etwa 10cm großen, bis zu 4000 Eier Frosch bzw. zur Kröte (Metamorphose) zuerst
enthaltenden Laichklumpen ab, der sein Volu- die Hinterbeine ausbilden, sind es bei den
men durch Wasseraufnahme deutlich vergrö- Schwanzlurchen zuerst die Vorderbeine.
ßert. Schon bald darauf steigt der Laichklum- Beim Feuersalamander (8) aber ist alles
pen an die Wasseroberfläche empor. Hier ist anders. Die Übergabe der Spermatophore er-
das Wasser normalerweise wärmer, allerdings folgt an Land oder im Wasser, die Geburt der
im Februar/März die Gefahr noch nicht auszu- 15-50 Larven - wie das Schlüpfen der Kaul-
schließen, daß bei erneuter Eisbildung die quappen aus dem Ei - im Wasser. Die Feuer-
oberflächennächsten Eier einfrieren und ab- salamander-Larven tragen wie die Molch-Lar-
sterben. ven zahlreiche äußere Kiemen. Sie sind an
Das Kammolch-Weibchen wickelt seine über einem gelben Fleck am Beinansatz und an
100 Eier einzeln in submerse Blättchen oder ihren sofort gut ausgebildeten Gliedmaßen zu
andere Pflanzenteile ein. In ihnen entwickeln erkennen. Trotzdem bleiben sie noch 2-3 Mo-
sich - dank der Transparenz der Eihüllen gut nate im Wasser, bis sie sich verwandeln und
sichtbar - relativ rasch die Embryonen (3). an Land gehen.
Die als Kaulquappen bekannten Larven der Nimmt der Feuersalamander schon wegen
Amphibien sehen, wenn sie die Eihüllen ge- seiner lebendgeborenen Larven (Viviparie)
sprengt haben, ganz anders aus als die er- eine Sonderstellung unter den Amphibien ein,
wachsenen Artgenossen. Sie haben keine Ex- so legt der Alpensalamander noch eins drauf.
tremitäten, dafür aber einen Ruderschwanz Sein Weibchen gebiert nicht Larven, sondern
mit hohem Flossensaum. Mit ihren Kiemen, zwei vollständig entwickelte und sogleich lun-
die bei den Schwanzlurchen wie bei der genatmende Jungtiere. Er ist praktisch vom
Molch-Larve (4) außen sichtbar, bei den Wasser unabhängig.
Vogelnester

FluBregenpfeifer (vgl. S. Nestes zugedeckt werden, nach einiger Zeit

1 146)

Sein Nest ist auf dem nackten Boden


bräunlich gefärbt und recht gut getarnt sind.

zwischen Steinen und meist nur spärlicher


Vegetation nur schwer zu finden. Es ist eine
flache Mulde, die manchmal mit einigen
5 Teichhuhn
(vgl. S. 142)

Teichhuhnnester kann man sowohl in der


Halmen, Steinchen oder Muschelschalen Ufervegetation dicht über dem Wasser als
ausgelegt wird. In der Regel umfaßt das auch etwas höher im Ufergebüsch antreffen.
Gelege 4 weißliche bis rostfarbene Eier mit Sie sind aus verflochtenem Pflanzenmaterial
kleinen Punkten und Flecken. recht stabil gebaut; die Nestmulde ist mit fei-
nen Halmen ausgelegt. Das Gelege besteht
aus 8-10 Eiern, die auf hellgrauem bis grün-

2 Kiebitz
(vgl. S. 146)

Der Kiebitz bevorzugt zur Brut kurzrasige


lichem Grund rotbraun getupft sind.

6
Singdrossel
Wiesen und Weiden, noch unbestellte Felder (vgl. S. 74)
und Äcker mit gerade auflaufender Wintersaat.
Als Nest dreht er eine flache Mulde in den Als einen wohlgeformten Napf aus
Boden. Von Fall zu Fall verwendet er Gräsern, Würzelchen, Welklaub und Moosen,
Nistmaterial oder verzichtet ganz darauf. Im der innen mit Lehm oder Holzmulm gehärtet
Abstand von 1-2 Tagen legt der Kiebitz in der und geglättet ist, kann man das
Regel 4 gelbbraune bis braunolive Eier mit Singdrosselnest beschreiben. Man findet es
dunkleren Punkten, Flecken oder auch noch im Winter gut erhalten in niedrigen
Strichellinien. Sie sind durch Walzen und Bäumen und Sträuchern. Die 4-6 Eier sind
Abschleppen gefährdet. stahlblau und nur sparsam getupft.

3
Stockente
(vgl. S. 120)

Die Neststandorte der Stockente sind sehr


7 Graureiher
(vgl. S. 108)

Reiherhorste haben oft einen


unterschiedlich: einmal am Boden in dichter Durchmesser von über 1 m und sind nur
Vegetation, zum anderen in Baumhöhlen, in ausnahmsweise einzeln, in der Regel in
Kopfbäumen, Astgabeln und alten Baumne- Kolonien anzutreffen. Als Nistmaterial dienen
stern anderer Vögel. Das Weibchen baut eine Äste und Zweige, für den Innenausbau auch
Mulde aus Pflanzenmaterial und polstert sie feineres Pflanzenmaterial. Im Laufe der Zeit
mit Halmen, Dunen und Federn aus. Die 8-10 wachsen die jährlich wiederbenutzten Horste
grünlichen Eier werden vor Brutbeginn und durch ständigen Ausbau sowohl in die Höhe
beim Verlassen des Nestes mit Dunen abge- als auch in die Breite.
deckt.

8
Habicht

4 Haubentaucher (vgl. S. 132)


(vgl. S. 104)
Hoch in Bäumen - meistens in
Beide Partner schichten meistens im Stammnähe -baut das Habicht-Pärchen seinen
lockeren Röhricht oder in Schwimmblattrasen großen, groben Horst aus totem Geäst. Er
einen Haufen aus feuchtem wird mit belaubten bzw. benadelten Zweigen
Pflanzenmaterial auf, der oft frei schwimmt. ausgelegt, die während der Brutzeit an den
Die faulen Pflanzenstoffe geben dem Nest Horsträndern immer wieder erneuert oder
Auftrieb und erhöhen möglicherweise auch ergänzt werden. Daran ist in der Regel ein
die Nesttemperatur. In jedem Falle sorgen sie besetzter Habichthorst zu erkennen.
dafür, daß die anfangs nahezu weißen Eier,
die beim Verlassen des
Vogelnester

daß es an der äußersten Spitze eines dünnen

1 Elster
(vgl. S. 92)

Elsternkobel gehören schon wegen ihrer


Zweiges hängt. Oft handelt es sich um Wei-
denäste, die sich neigen, so daß das Nest nur
noch 1-2m von der Wasseroberfläche ent-
runden Form und ihrer Größe zu den fernt ist. Aus Fasern und Halmen fertigt das
bekanntesten Vogelnestern. Sparrige Zweige Beutelmeisen-Pärchen innerhalb von 2 Wo-
bilden hier die Unterlage für eine haubenartige chen zunächst eine hängende Schleife. Dann
Überdachung aus lockerem Geäst, das ergänzt es auf der einen Seite den birnen-
meistens von Dornsträuchem stammt. Der förmigen Beutel, auf der anderen Seite die
eigentliche Brutnapf ist mit einer Lehmschicht schräg nach unten gerichtete Eingangsröhre.
ausgekleidet, in die feine Würzelchen, Mit Durchmessern von 12 und 20 cm übertrifft
Pflanzenfasern und Haare eingearbeitet sind. das Beutelmeisennest noch das große und
Der seitliche Eingang des Elsternkobels ist kunstvolle Nest der Schwanzmeise. Die dicke
vom Boden aus meistens nicht zu erkennen. Außenverkleidung besteht aus einem Filz u.a.
Die Elstern brüten nur einmal im Jahr im April, aus der Pflanzenwolle von Weiden- und Pap-
haben aber gelegentlich noch relativ spät im pelsamen.
Jahr Nachgelege.

2 Schwanzmeise
(vgl. S. 84)
5 Teichrohrsänger
(vgl. S. 78)

Der Teichrohrsänger brütet vorzugsweise


Diese besonders kunstvoll gebauten in reinen Röhrichten. Er hängt sein Nest
Nester findet man meistens in dichtem überaus geschickt zwischen 2-4 aufrecht
Gebüsch nur wenige Meter über dem Boden. stehenden Schilfhalmen auf, meistens nur 1
Ein solches geschlossenes, meist eiförmiges m über dem Wasserspiegel. Das etwa 6cm
Nest hat immerhin einen Durchmesser von 10- tiefe, zylinder-förmige Körbchen besteht aus
12 cm und einen seitlichen Eingang. Als Blättern und Halmen von Schilf, Binsen,
Nistmaterialien dienen Moose, wollige Seggen sowie aus Moosen. Als
Pflanzenstoffe, Haare und Spinnweben, die Füllmaterialien dienen Samenhaare und
zu einem dichten Gespinst miteinander Spinnweben. Wenn das Nest an jungen
verfilzt werden. Die helle, fast weiße äußere Schilfhalmen befestigt ist, kommt es vor, daß
Verkleidung paßt das Nest hervorragend der es von den wachsenden Halmen em-
Umgebung an. Die 8-10 Eier erscheinen porgehoben wird.
weiß; nur bei näherem Hinsehen sind feine
rostrote Flecken erkennbar.

6
Mehlschwalbe
(vgl. S. 58)
Fitis (vgl. S. 80)
3 Die Laubsänger gehören zu den Arten,
die am oder dicht über dem Boden brüten. Die
Wie die Rauch- und
Felsenschwalben, so bauen auch die
Mehlschwalben Nester aus Lehmerde, die mit
die

Nester sind überdacht und mit einem Speichel vermischt und mit einigen Hälmchen
seitlichen Eingang versehen. Das durchsetzt ist. Das Besondere der viertel- bis
Fitisweibchen baut allein und verwendet vor halbkugeligen Mehlschwalbennester ist, daß
allem Gräser, Stengel und Moos, bringt aber sie oben immer an eine Wand stoßen und
auch morsche Holzstückchen und kleine daß dadurch nur ein etwa 4 cm breites,
Wurzeln mit ein. ovales Einflugloch frei bleibt. Ursprünglich
an Felsen und Klippen, sind inzwischen die
„Kunstfelsen" unserer Kulturlandschaft der

4 Beutelmeise
(vgl. S. 84) bevorzugte Neststandort. Im Gegensatz zu
den Rauchschwalben, die in Gebäuden
brüten, bauen die Mehlschwalben ihre Nester
Das perfekteste Beutelnest unterscheidet
sich vom Nest der Schwanzmeise schon unter Dachvorsprüngen außen an Gebäuden.
dadurch,
Bruthöhlen und Höhlenbrüter

Baumläufer weisen einen Schlitz an der den

1 Buntspecht
(vgl. S. 170)

Der Bauherr, in diesem Falle der


Stamm berührenden Seite auf, so daß der
stammaufwärts laufende Vogel leicht hinein-
schlüpfen kann.
Buntspecht, meißelt im Laufe der Jahre
Bruthöhlen über den Eigenbedarf hinaus. Grauer Fliegenschnäpper
Hier sind Fledermäuse die Nutznießer.
Buntspechthöhlen findet man vor allem in
kernfaulen Bäumen und in Weichhölzern. Sie
6 (vgl. S. 70)

Diese Art wählt sehr unterschiedliche


haben ein rundes Einflugloch mit etwa 5cm Neststandorte. Nur etwas nischenartig
Durchmesser, einen kleinen Gang und eine müssen sie sein. So findet man
bis zu 30 cm tiefe und bis zu 15 cm breite Grauschnäppernester in weit geöffneten
Brutkammer. Asthöhlen, hinter Rindenspalten und an von
Efeu oder Lianen dicht umwachsenen
Stämmen ebenso wie an Hauswänden,

2 Kleiber
(vgl. S. 84)

Hier waren zuvor andere Mieter. Der


Spalieren, auf Fensterbänken und in eigens
für Halbhöhlenbrüter
Nistkästen.
aufgehängten

Kleiber hat die Bruthöhle übernommen und


das Einflugloch seinen Körpermaßen
angepaßt, indem er es rundum mit lehmiger
Erde verklebte (Kleiber = Kleber).
7 Hausrotschwanz (vgl. S.70)

3
Steinkauz
(vgl.S. 176) Als typischer Halbhöhlenbrüter nimmt der
Hausrotschwanz außer den für ihn aufge-
Der Steinkauz bevorzugt Baumhöhlen, hängten Kunsthöhlen an Hauswänden auch
vor allem solche in Kopfweiden und alten Mauerlöcher an Gebäuden und natürliche
Obstbäumen, manchmal auch in Felsspalten als Nistplätze an.
Mauerlöchern, nimmt aber auch eigens für ihn
konstruierte künstliche Nisthilfen an.

8
Uferschwalbe
(vgl. S. 58)

4 Kohlmeise
(vgl. S. 82)

Von Spechthöhlen bis zu Briefkästen und


Steilhänge an Prallufern von Bächen
und Flüssen und in Sand- und Kiesgruben
sind geeignete Orte für Brutkolonien der Ufer-
Löchern in Metallrohren von Ampelanlagen schwalbe, die mit Schnabel und Füßen einen
gibt es wohl kaum einen Typ von bis zu 80cm tiefen Gang mit einem Durch-
Hohlräumen, in dem nicht bereits Kohlmeisen messer von etwa 5 cm in den Boden gräbt. An
gebrütet haben. Auch künstliche Nisthilfen wie dessen Ende befindet sich in einer Mulde das
dieser Holzbetonkasten werden gern mit Halmen und Federn ausgelegte Nest.
angenommen. Das Einflugloch muß einen
Mindestdurchmesser von etwa 32 mm haben.

9
Eisvogel
(vgl.S. 168)

5 Gartenbaumläufer
(vgl. S. 86)

Die beiden heimischen Baumläuferarten


Vorzugsweise in Steilwänden unmittelbar
am Bach- oder Flußufer, manchmal auch
etwas davon entfernt, baut der Eisvogel seine
sind Spaltenbrüter. Sie nisten vorzugsweise Brutröhre, die etwa dieselben Maße aufweist
hinter lockerer, abstehender Rinde oder in wie die der Uferschwalbe. Kotflecken und
Holzspalten an durch Wind- oder Gewölle aus Gräten und Schuppen von
Schneebruch geschädigten Bäumen. Fischen unter dem Einflugloch und unter
Nistkästen speziell für benachbarten Sitzplätzen weisen darauf hin,
daß die Brutröhre besetzt ist.
Einzeller, Schwämme, Würmer

1 Polypenlaus
Kerona polyporum

L-0,2 mm
4
Milchweiße Planarie
Dendrocoelum lacteum

L-25mm Jan.-Dez.
Kennzeichen: Nierenförmiger Einzeller, mit Kennzeichen: Milchweiß gefärbt, abgestutz-
vielen Wimpern. tes Kopfende, 2 Augen. Vorkommen: Lebt in
Vorkommen: Lebt an verschiedenen Arten stehenden und fließenden Gewässern.
von Süßwasserpolypen. Wissenswertes: Typischer Strudelwurm, mit
Wissenswertes: Einer der wenigen Einzeller wimpernbesetzter Unterseite. Die gleitende
mit deutschem Namen. Er ist aber kein Parasit, Fortbewegung kommt durch Wimpernschlag
sondern verzehrt Nahrungsreste der Polypen. zustande. Sie können mit besonderen Drüsen
Er gehört wie die Pantoffeltierchen zu den Schleim produzieren, der von den über 150
Wimpertierchen. Andere bekannte Gruppen heimischen Arten unterschiedlich genutzt
der Einzeller sind z.B. die Amöben und die wird, z.B. als Schutz vor Austrocknung, zum
Sonnentierchen. Beutefang oder zur Feindabwehr.

2
Bohrschwa m m
Cliona celata

Jan.-Dez.
5 Fadenwurm
Klasse Nematodes

L je nach Art wenige mm bis > 1 m


Kennzeichen: Goldgelb, manchmal orange Kennzeichen: Fadenartig, weißlich gefärbt.
gefärbt. Vorkommen: Im Erdboden und schlammi-
Vorkommen: In Schalen von Mollusken oder gen Gewässergrund, sowohl im Süßwasser
in Kalkgestein, zu finden am Spülsaum oder wie im Meer.
im Watt. Wissenswertes: Extrem artenreiche Klasse
Wissenswertes: Meist wird man nicht die mit mehr als 100000 Arten, manche Schät-
Bohrschwämme, sondern nur die Spuren ihrer zungen gehen sogar von mehreren Millionen
Tätigkeit sehen, und zwar als bis zu 3 mm Arten aus. Der Körper ist langgestreckt und
durchmessende Löcher in Schalen von Mee- ungegliedert. Viele Fadenwürmer leben auch
resmuscheln und -Schnecken (2b). Der parasitär. Zu den bekanntesten Parasiten beim
Schwamm schafft sich ein Höhlensystem, das Menschen gehören die Trichine Trichinella
er mit seinem Körper durchzieht. So braucht spiralis und der Spulwurm Ascaris lumbri-
er kein eigenes Skelett herzustellen. Aus den coides. Ein häufiger Pflanzenparasit ist Tylen-
Löchern ragen meist kleine Teile des chus tritici, das Weizenälchen.
Schwammes hervor. Von dort werden Nah-
rungspartikel und Atemwasser in den Körper

6
Rädertier
gestrudelt. Asplanchna spec.

SüBwasserschwamm Spongilla L 0,4-1,2 mm

3 lacustris

Jan.-Dez.
Kennzeichen: Durchsichtig, blasenförmiger
Körper.
Vorkommen: Im Plankton von Weihern und
Kennzeichen: Meist verzweigt, in stark strö- Seen.
mendem Wasser, krustig, starker Geruch. Wissenswertes: Rädertiere sind mikrosko-
Vorkommen: In Flüssen, Seen und Teichen pisch kleine Rundwürmer, die wegen ihrer ge-
auf Baumwurzeln und Steinen. ringen Größe oft für Einzeller gehalten werden.
Wissenswertes: Im Süßwasser kommen im Es handelt sich aber um Vielzeller, deren Kör-
Vergleich zum Meer nur relativ wenige per in Kopf, Rumpf und Fuß gegliedert ist und
Schwammarten vor. Die Art lebt oft mit sym- bei denen verschiedene Organsysteme aus-
biontischen Algen zusammen und ist durch gebildet sind.
sie häufig grün gefärbt.
Hohltiere

kommt. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht ge-

1 Ohrenqualle
Aurelia aurita

D 10-40 cm Jan.-Dez. Kennzeichen:


ring, denn die Fangfäden der Qualle durch-
dringen einen Wasserraum von mehreren Ku-
bikmetern. Auch am Strand sind die Nessel-
Um das Zentrum des Schirmes sind 4 zellen noch nach Stunden gefährlich. Eine
halbkreisförmige Strukturen („Ohren"), die weitere an der Nordseeküste sehr häufige,
Geschlechtsorgane der Qualle, angeordnet. stark resselnde Art ist die Blaue Nesselqualle
Vorkommen: In Nord- und westlicher Ostsee {Cyanea lamarcki), die nur einen Durchmes-
häufig, auch im Mittelmeer. Wissenswertes: ser vor 15-20 cm hat.
Quallen lassen sich häufig im Meer treiben,
oft in großen Schwärmen. Sie können aber
auch aktiv mit der Glocke voran schwimmen.
Dazu kontrahieren sie den Körper ruckartig
und dehnen ihn genauso wieder aus. Die
4 Blumenkohlqualle
Rhizostoma octopus

D-60cm Jan.-Dez.
Nahrung besteht hauptsächlich aus Kennzeichen: Hochgewölbter Schirm, bläu-
Plankton, manchmal auch aus Krebsen und lich oder milchig weiß gefärbt. Keine Tenta-
kleinen Fischen. keln am Rand. Unter dem Schirm krause, blu-
menkohlartige Lappen.
Vorkommen: In Nord- und Ostsee, vor allem

2 Kompaßqualle
Chrysaora hysoscella

D 15-30 cm Jan.-Dez. Kennzeichen:


im Herbst in Küstennähe. Wissenswertes:
Eine Art, die nicht nesselt. Sie gehört zur
Familie der Wurzelmundquallen, die keine
Unverkennbar durch 16 braune Winkel tentakelartigen Anhänge zwischen den
auf dem geblichen Schirm. Vorkommen: Mundarmen besitzen. Sie wird auch Blaue
Nordsee, Atlantik und Mittelmeer. Lungenqualle genannt. Durch feine Poren in
Wissenswertes: Quallen sind die ge- den 8 teilweise verwachsenen Mundlappen
schlechtliche Generation der Nesseltiere. Aus wird bis zu 0,5mm durchmessendes Plankton
den Eiern schlüpfen die sogenannten Planula- aufgesogen. Wie alle Quallen besteht sie zu
Larven, die bewimpert sind. Sie schwimmen ca. 98% aus Wasser.
zunächst frei umher, heften sich dann aber auf
einer festen Unterlage an. Aus ihnen wachsen
dann Polypen mit Fangarmen als unge-
schlechtliche Generation heran (ähnlich Süß-
wasserpolyp). Durch Querteilung entstehen
5 Meerstachelbeere
Pleurobrachia pileus

D-3cm Jan.-Dez.
aus diesen mehrere, zunächst winzige Qual- Kennzeichen: Etwa weintraubengroß,
len. durchscheinend, mit 8 Längsstreifen. 2 lange
Fangfäden ohne Nessel-, aber mit Klebezel-

3
Feuerqualle len.
Cyanea capillata Vorkommen: An den Küsten von Nord- und
Ostsee manchmal massenhaft.
D 20-50 (-100) cm Jan.-Dez. Wissenswertes: Häufigster bei uns zu beob-
Kennzeichen: Schirm meist rötlich bis braun achtender Vertreter der Rippenquallen (Cte-
oder orange, über 1000 Tentakeln. nophora), auch Kugelrippenqualle oder See-
Vorkommen: Nordsee und Atlantik. stachelbeere genannt, die im Gegensatz zu
Wissenswertes: Als Feuerquallen werden den meisten der vorstehend aufgeführten Ar-
mehrere stark nesselnde Quallenarten be- ten Zwitter sind und sich nur geschlechtlich
zeichnet, die mit ihren Nesselzellen oft stun- fortpflanzen. Sie ernähren sich von Plankton,
denlang brennenden Schmerz verursachen das an den klebrigen Fangfäden hängen-
können, wenn man mit ihnen in Berührung bleibt. Die Längsstreifen werden durch wim-
pernbesetzte Plättchen gebildet, die der Fort-
bewegung dienen.
Hohltiere

vor allem mit Kohlendioxid (aus der Atmung)

1
Pferdeaktinie Actinia
equina versorgt. Mit ihren Tentakeln fängt die Wachs-
rose aber auch Fische und andere Tiere.
L-7cm Jan.-Dez.
Kennzeichen: Rot, an dunklen Standorten

3
Grüner Süßwasserpolyp
auch rotbraun bis grün, die bis zu 192 Tenta- Hydra viridis
keln (bei jüngeren Tieren weniger) sind in 6
Kreisen angeordnet. L 1-1,5 cm
Vorkommen: Vor allem an Felsen in Nord- Kennzeichen: Schlauchförmiger, innen hoh-
see und Atlantik, aber auch an Buhnen, Stein- ler Körper mit 6-12 Fangarmen (kürzer als der
schüttungen, Hafenmauern usw. zu finden. Körper), grün gefärbt. Vorkommen: In
Wissenswertes: Bei Niedrigwasser ziehen Stillgewässern. Wissenswertes: Die
sich die Tiere zusammen (1a) und überdau- Fangarme oder Tentakeln enthalten
ern halbkugelig die Trockenperiode. Bei ent- Nesselkapseln, mit denen die Beutetiere, z.B.
sprechender Luftfeuchtigkeit können sie meh- Wasserflöhe, gelähmt werden.
rere Tage außerhalb des Wassers überleben. Süßwasserpolypen vermehren sich oft unge-
Sie sind nicht völlig bewegungsunfähig, son- schlechtlich durch Knospung. Die Knospen
dern können sehr langsam kriechend ihren wachsen zu kleinen Polypen heran, die sich
Standort verändern. Ihre Beute fangen sie dann vom Körper ablösen. Unter bestimmten
ähnlich wie die Quallen mit Hilfe von Nes- Bedingungen vermehren sie sich auch ge-
selzellen an den Tentakeln. Und wie diese schlechtlich, wobei aus den Eiern fertig ent-
gehören auch die Blumentiere (Anthozoa) wickelte, kleine Polypen schlüpfen. Mit ihrer
zum Stamm der Nesseltiere. Viele Nesseltiere Fußscheibe können sie auch langsam krie-
haben in ihrem Lebenszyklus ein den Quallen chen. Die grüne Farbe beruht auf symbion-
ähnliches Medusenstadium, die Blumentiere tischen Grünalgen (vgl. Wachsrose).
aber nicht. Sie können sich durch Teilung un-
geschlechtlich vermehren. Bei geschlechtli-

4
Seerinde
cher Vermehrung verläuft die Entwicklung Mernbranipora membranacea
vom Ei über ein freischwimmendes Larven-
stadium zum fertigen Tier. Die Pferdeaktinie Einzeltier ca. 0,5 mm, Kolonie -20cm
bringt sogar lebende Nachkommen zur Welt. Kennzeichen: Grauweiße, dünne Krusten
mit netzartiger Struktur.
Vorkommen: Auf festen Unterlagen wie Mu-

2
Wachsrose
Anemonia viridis schelschalen, Krebspanzern, Schiffsrümpfen
und Tangen zu finden.
D-12cm Wissenswertes: Die Seerinde gehört zu den
Kennzeichen: Meist graugrün, oft mit violet- Moostierchen (Bryozoa). Was man zunächst
ten Tentakelspitzen; die etwa 200 Tentakeln mit bloßem Auge erkennt, ist eine Kolonie (4a)
sind verglichen mit denen der Pferdeaktinie aus Tausenden von Einzeltieren (4b), die je
lang und dünn. weils nur etwa einen halben Millimeter groß
Vorkommen: Vor allem auf Steinen und Fel- sind. Sie sitzen in nahezu rechteckigen Ge-
sen, in Gezeitentümpeln. Wissenswertes: häusen. Mit Hilfe einer sogenannten Tentakel
Tiere, die in tieferem Wasser leben, wo es krone filtrieren sie feinste Nahrungspartikel
entsprechend dunkler ist, sind weiß gefärbt. aus dem Wasser. Die Tentakeln können einge-
Die Grünfärbung ist auf Grünalgen zogen und die Öffnung der Wohnkapsel mit
zurückzuführen, die im Unterhautgewebe der einem Deckel verschlossen werden. Die Tiere
Wachsrosen leben. Hier haben wir es mit können sich sowohl ungeschlechtlich durch
einer Symbiose zu tun. Die Algen stellen vor Knospung als auch geschlechtlich fortpflan-
allem Kohlenhydrate her, die der Wachsrose zen. Sie sind Zwitter, nach der Selbstbefruch-
als Zusatznahrung willkommen sind. Die tung reift die Larve zunächst im Elterntier
Algen werden von der Wachsrose heran. j
Weichtiere

Vorkommen: Weit verbreitet in Mittelge-

1
Wandermuschel
Dreissena polymorpha birgsbächen und -flüssen in der gesamten
Holarktis, heute aber vielerorts selten, in
L 2-4 cm Jan.-Dez. Deutschland nur noch Restvorkommen.
Kennzeichen: Gelbbraun mit dunkelbrau- Wissenswertes: Fluß-Perlmuscheln sind
nen Streifen, Schalen mehr oder weniger drei- heute überall stark gefährdet, in vielen Berei-
eckig, deshalb auch Dreiecksmuschel ge- chen Mitteleuropas sogar schon ausgestor-
nannt (wie auch das Sägezähnchen, s. näch- ben. Ursachen sind Ausbau und Verschmut-
ste Seite). zung von Fließgewässern, der Bau von Fisch-
Vorkommen: Ursprünglich heimisch im Ein- teichen, Perlräuberei und der Saure Regen.
zugsbereich des Schwarzen und Kaspischen Die Tiere können über 100 Jahre alt werden.
Meeres. Von dort aus wurden in den vergan- Erst mit etwa 20 Jahren werden sie ge-
genen Jahrzehnten weite Teile Europas besie- schlechtsreif. Ein Weibchen kann in einer Fort-
delt (Wandermuschel!), wohl vor allem durch pflanzungsperiode mehrere Millionen Larven
den Transport mit Schiffen. Heute ist sie bei absetzen. Die meisten gehen bald zugrunde,
uns in vielen Flüssen, Seen und Kanälen zu denn sie können nur überleben, wenn sie in
finden. die Kiemen von Forellen oder Lachsen ge-
Wissenswertes: Mit hornartigen Sekretfä- langen. Dort entwickeln sie sich parasitisch zu
den (Byssusfäden) aus eine' Fußdrüse heften winzigen, nur einen halben Millimeter großen
sich Wandermuscheln an Steinen, Pfählen Jungmuscheln. Nach einigen Wochen verlas-
und oft auch an den Spundwänden von Kanä- sen sie die Fische, die weitere Entwicklung
len fest. Aus den im freien Wasser befruchte- erfolgt dann im Bachboden. Fluß-Perlmu-
ten Eiern schlüpfen Schwimmlarven, die sich scheln ummanteln Fremdkörper mit Perlmutt;
nach einigen Wochen am Untergrund fest- nach mehreren Jahrzehnten können so
setzen. In vielen Gewässern spielen sie heute schöne Perlen entstehen.
eine wichtige Rolle als Nahrung von Wasser-
vögeln, insbesondere für Tauchenten wie die

4
Große Teichmuschel
Reiher- und die Tafelente. Diese können über Anodonta cygnea
2000 Wandermuscheln pro Tag fressen.
L -20 (-26) cm Jan.-Dez. Kennzeichen:
Dünnwandige, bräunlich gefärbte Schale,

2
Erbsenmusc h el
Pisidium spec. Innenseite mit starkem Perlmuttglanz.
Vorkommen: In Stillgewässern Europas.
L-10mm Jan.-Dez. Wissenswertes: Die größten heimischen
Kennzeichen: Klein, braun oder gelblich- Muscheln sind Zwitter, die Brutpflege betrei-
weiß gefärbt. ben. Die Befruchtung findet anders als bei der
Vorkommen: Weit verbreitet in stehenden Wandermuschel im Mantelraum statt. Die bis
und fließenden Gewässern. Wissenswertes: ZJ 600000 nur etwa 0,3 mm großen Larven
Die kleinen Muscheln kommen in den leben anfangs zwischen den Brutkiemen und
verschiedensten Gewässertypen vor, sind werden erst im folgenden Frühjahr ausgesto-
aber meist nur bei genauer Suche zu finden. ßen. Sie heften sich an Fische und leben zu-
Im Mitteleuropa leben etwa 20 verschiedene nächst parasitisch. Wie die Malermuscheln
Arten, die nur sehr schwer zu bestimmen (Gattung Unio) dienen Teichmuscheln auch
sind. als Laichplatz des Bitterlings (s.S. 198). Ähn-
lich ist die Gemeine Teichmuschel Anodonta
Fluß-Perlmuschel anatina, die vor allem in langsam fließenden

3 Margaritifera margaritifera

L-15cm Jan.-Dez.
Gewässern vorkommt. Wie alle Muscheln
spielen sie eine bedeutende Rolle bei der
Reinhaltung der Gewässer: Ein Tier kann pro
Kennzeichen: Schalen schwarz, langge- Stunde mehr als 20 Liter Wasser filtrieren.
streckt, nierenförmig, mit flachem Wirbel.
Weichtiere

meter in den Boden eingegraben. Sie können

1
Miesmuschel
Mytilus edulis in einer Stunde bis zu 7 Liter Wasser filtern.

L6-8(-11)cm Jan.-Dez. Kennzeichen: Scheidenm u schel


Schwarzblau bis braunoliv gefärbt,
ungleichseitig dreieckige Form. Innenseite
silberweiß mit dunkelblauem Rand.
3 Ensis siliqua

L-23cm Jan.-Dez.
Vorkommen: Weit verbreitet im Nordatlantik Kennzeichen: Sehr lange und schmale
und Nordpazifik, von der Gezeitenzone bis Schalen, leicht gebogen, Ober- und Unterrand
etwa 50 m Tiefe. nicht parallel.
Wissenswertes: Eine der bekanntesten Mu- Vorkommen: Von Norwegen bis ins Mittel-
schelarten überhaupt, u.a. auch deshalb, weil meer verbreitet, lebt vor allem in Feinsand; an
sie häufig gegessen wird. Miesmuscheln le- der Nordsee relativ selten. Wissenswertes:
ben auf festem Untergrund wie Steinen, Pfäh- Größte der bei uns vorkommenden Arten der
len (1b) und anderen Muschelschalen. Hier Gatturg Ensis (Scheidenoder
heften sie sich - wie schon bei den Wander- Schwertmuscheln). Sie leben in Röhren im
muscheln erwähnt - mit dem Byssus, einem in Boden nahe unter der Oberfläche, und zwar
einer Drüse erzeugten Eiweißstoff, fest. Mu- mit dem Hinterende nach oben. Sie können
schelbänke bestehen aus großen Mengen von sich mit Hilfe ihres Fußes bei Beunruhigung
Miesmuscheln, die sich gegenseitig mit ihren tiefer in die Röhre zurückziehen. Fast
Byssusfäden festhalten. So können sie den genauso lang ist die seltenere Große Schei-
Strömungen standhalten. Einzelne Muscheln denmuschel (Ensis ensis). Sie unterscheidet
werden oft an Land gespült oder versinken im sich von der Scheidenmuschel durch ihre
Boden. Die Fortpflanzung erfolgt durch Ab- stärker gebogene Schale.
gabe von Eiern und Spermien direkt ins Was-
ser. Aus den befruchteten Eizellen entwickeln

4
Amerikanische Schwertmuschel
sich zunächst planktische Larven, die sich Ensis directus
nach etwa 4 Wochen dann auf geeignetem
Untergrund anheften. An günstigen Stellen L-17cm Jan.-Dez.
können sich mitunter 10000 und mehr Tiere Kennzeichen: Langes und schmales Ge-
auf einem Quadratmeter ansiedeln. Das ist häuse ähnlich der vorigen Art, Ober- und Un-
nicht weiter verwunderlich, denn ein Weib- terrand aber nahezu parallel. Vorkommen:
chen kann in jedem Jahr viele Millionen Eier Ursprünglich vor der Ostküste Nordamerikas,
erzeugen. Entsprechend groß ist allerdings seit 1979 auch in der Nordsee; Schalen heute
auch die Anzahl der Freßfeinde, und nur ein oft massenhaft am Strand zu finden.
winziger Bruchteil der Muscheln erreicht das Wissenswertes: Vermutlich wurden 1978
Höchstalter von 10 Jahren. Im Wattenmeer Larven mit Ballastwasser aus Nordamerika in
werden in jedem Jahr mehrere 10000 Tonnen die Nordsee verschleppt. Offensichtlich gab
Miesmuscheln gefischt. es hier für die Art ideale Lebensbedingungen,
denn die Tiere vermehrten sich nahezu explo-
sionsartig und besiedeln heute das gesamte

2
Islandmuschel
Arctica islandica Wattenmeer von Dänemark bis Holland. Viel-
fach ist d e Amerikanische Schwertmuschel
L-12cm Jan.-Dez. heute die häufigste Art der Gattung. Da sie in
Kennzeichen: Schalen dick, fast kreisrund, flacherem Wasser als die heimischen Arten
braunschwarz gefärbt, innen weiß, manchmal lebt, gab es offensichtlich keine Konkurrenten.
auch rosa getönt. Mit ihrem Fuß graben sich diese Muscheln bis
Vorkommen: Im Atlantik und in der Nord- zu 1 m tief in Sandböden ein. Dazu schieben
und Ostsee. sie zunächst den Fuß voran, dann ziehen sie
Wissenswertes: Islandmuscheln leben ab- die Schale nach.
wechselnd auf dem Grund und einige Zenti-
Weichtiere

3
Sägezähnchen

1
Auster
Ostrea edulis Donax vittatus

L-15cm Jan.-Dez. L 2-4 cm Jan.-Dez.


Kennzeichen: Sehr große, dickwandige Kennzeichen: Schale grünlich, gelblich oder
Schalen mit blättriger Struktur, am Strand oft braun, innen oft intensiv violett gefärbt. Auf der
auch glattgeschliffen. Meist braun, oft auch mit Innenseite ist der Unterrand der Schale fein
rosa, grünen, roten oder violetten Flecken, In- gezähnt (Name!), ein Merkmal, das man leicht
nenseite perlmuttartig glänzend. mit dem Fingernagel prüfen kann.
Vorkommen: An allen europäischen Küsten Vorkommen: In Sand- und Schlickböden
außer im Norden und in der Ostsee, bei uns von Nordsee, Atlantik und Mittelmeer, Schalen
heute selten. Der Salzgehalt muß mindestens am Strand oft sehr häufig. Wissenswertes:
19%o betragen. Wegen der charakteristischen Schalenform
Wissenswertes: Austern haben als Nah- wird die Art oft auch Dreiecksmuschel
rungsmittel eine erhebliche Bedeutung. Die genannt (nicht zu verwechseln mit der
meisten natürlichen Austernbänke sind längst Wandermuschel, s.S.234). Als ober-
ausgebeutet, deshalb werden sie schon seit flächennah lebende Art passiert es den Tieren
langer Zeit gezüchtet. Dazu werden den Lar- häufig, daß sie von der Strömung freigelegt
ven künstliche Anheftungsstellen (1b) gebo- werden. Mit ihrem großen Fuß können sie sich
ten. Sie können auch trockenfallende Stellen innerhalb weniger Sekunden wieder vollstän-
besiedeln. Austern sind im Gegensatz zu den dig eingraben.
meisten anderen Muscheln Zwitter, sie können
mehr als 2 Millionen Eier pro Jahr produzie-

4
Pfeffermuschel
ren. Die Jungtiere werden nach einiger Zeit
Scrobicularia plana
abgenommen und an günstigen Stellen zur
weiteren Entwicklung ausgelegt. Austern kön-
L-6cm Jan.-Dez.
nen bis zu 30 Jahre alt werden, man erntet sie
Kennzeichen: Recht dünne Schalen, grau,
meist schon im Alter von 3 oder 4 Jahren.
z.T. mit gelblicher Haut, am Strand meist weiß.
Wirbel fast in der Mitte.

2 Kammuschel
Pecten maximus
Vorkommen: Auf schlammigen Böden in At-
lantik und Kordsee, auch in westlicher Ostsee
und im Mittelmeer, meist in der Gezeitenzone.
L-15cm Jan.-Dez.
Wissenswertes: Reffermuscheln wurden
Kennzeichen: Sehr charakteristisch durch
früher auch gegessen, der Name weist auf
dreieckige Fortsätze vor und hinter dem Wir-
einen scharfen Beigeschmack hin. Sie leben
bel, Klappen ungleich - eine gewölbt, eine
etwa 5 bis 15 cm tief im Wattboden in kleinen,
flach. Die obere, flache Klappe ist meist weiß
mit Wasser gefüllten Höhlen. Mit dem kräftigen
mit rot-brauner Zeichnung, die untere Klappe
Grabfuß können auch sie sich schnell wieder
ist braungelb.
eingraben, wenn sie freigespült werden. Die
Vorkommen: Häufig im Atlantik, in der Nord-
Muscheln besitzen 2 Siphonen zum Ein- bzw.
see selten.
Ausströmen von Wasser mit Nahrungs- bzw.
Wissenswertes: Kammuscheln können gut
Abfallpartikeln. Der Eintrömsipho wird über
sehen; am Rand des Mantels sitzen zahlreiche
30 cm lang und bei der Nahrungsaufnahme
Linsenaugen (2b), mit denen sie auch Feinde
mehrere Zentimeter weit auf den Boden aus-
wie Seesterne erkennen können. Sie verlas-
gefahren. Dabei entstehen typische sternför-
sen dann mit erstaunlicher Geschwindigkeit
mige Muster, die z.B. im Watt auf das Vor-
fluchtartig ihren Standort, indem sie Wasser
kommen der Art hinweisen. Der Ausström-
aus der Schale pressen (Rückstoßprinzip). Im
sipho mündet normalerweise mehrere Zen-
Mittelmeer findet man recht häufig die nahe
timeter vom Einströmsipho entfernt. Auf diese
verwandte Jakobs-Pilgermuschel (Pecten ja-
Weise wird das Einströmen von Abfallstoffen
cobeus).
verhindert.
Weichtiere

Mundlappen, mit denen die Muscheln den Bo-

1 Eßbare Herzmuschel
Cerastoderma edule den abtasten.

4
L-5cm Jan.-Dez. Rote Bohne
Kennzeichen: Schale weiß bis bräunlich mit Macoma baltica
bis zu 28 Rippen.
Vorkommen: Eine der häufigsten Arten an L-3cm Jan.-Dez.
den Stränden von Nord- und Ostsee; lebt in Kennzeichen: Mit ihrer glänzend rot gefärb-
Sand und Schlick bis etwa 10m Wassertiefe. ten Innenseite ist sie eine der attraktivsten
Wissenswertes: Bei uns eine der dominie- Arten für Muschelsammler. Die Oberseite ist
renden Arten, oft zu Hunderten auf nur einem rot mit weißen Bändern, oft auch weiß oder
Quadratmeter Wattboden. Erwachsene Herz- gelblich gefärbt.
muscheln pumpen pro Tag etwa 10 I Wasser Vorkommen: Weit verbreitet in Atlantik,
durch ihre Kiemen; nach Hochrechnungen fil- Nordsee und westlicher Ostsee.
trieren alle Herzmuscheln des Wattenmeeres Wissenswertes: Der wissenschaftliche
zusammen mehrere hundert Milliarden Liter Name und der ebenfalls gebräuchliche Name
Wasser pro Tag! Herzmuscheln können bis zu Baltische Tellmuschel weisen auf das Vorkom-
9 Jahre alt werden. Allerdings verhindert das men in der Ostsee hin. Die Tiere leben meist in
meist eine Vielzahl von Feinden - von der Tiefen bis zu 10m dicht unter der Bodenober-
Wellhornschnecke bis zur Silbermöwe. Au- fläche, oft mehrere Hundert auf einem Qua-
sternfischer können pro Tag über 300 Herz- dratmeter. Mit ihrem langen Sipho saugen sie
muscheln verzehren. Nahrungspartikel ein. Dabei entstehen stern-
förmige Fraßspuren ähnlich denen der Ref-
fermuschel. Vermutlich fressen sie vor allem

2 Teppichmuschel
Venerupis rhomboides

L-4,5 cm Jan.-Dez.
Bakterien und Wimpertierchen von der Bo-
denoberfläche. Oft werden Teile des Siphos
von Krabben oder Plattfischen erbeutet. Auch
für Meeresenten wie Eider- oder Trauerenten
Kennzeichen: Eckig wirkende Schale, mit
stellen Rote Bohnen eine wichtige Nahrungs-
feinen, vom Wirbel ausgehenden Radiärstrah-
quelle dar.
len und konzentrischen Ringen. Vorkommen:
Vor allem in Sandböden. Wissenswertes:
Eine schön gezeichnete Art, von der man
aber nur vergleichsweise selten intakte
Schalen am Strand findet.
5 Bunte Trogmuschel
Mactra corallina

L4-6cm Jan.-Dez.
Kennzeichen: Mit hellen, strahlenförmig vom

3
Nußmuschel
Wirbel aus verlaufenden Streifen.
Nucula nucleus
Vorkommen: In Sand- oder Schlickböden in
Nordsee, Atlantik und Mittelmeer; Schalen oft
L - 13 mm Jan. - Dez. Kennzeichen:
in großer Zahl an Sandstrand.
Umriß dreieckig, meist gelblich oder braun.
Wissenswertes: Die strahlenförmigen Strei-
Vorkommen: In Sand und Schlickböden.
fen haben der Art auch den Namen Strahlen-
Wissenswertes: Eine von mehreren Nuß-
körbchen eingebracht. Da die Muscheln nur
muschel-Arten der Nordsee, von denen einige
kurze Siphone haben, leben sie knapp unter
in sehr großer Individuenzahl vorkommen und
der Bodenoberfläche. Die Befruchtung erfolgt
eine wichtige Nahrungsquelle für Bodenfi-
außerhalb des Körpers. Aus den Eiern schlüp-
sche, z.B. Schollen, darstellen. Sie haben
fen sogenannte Veliger-Larven. Diese ähneln
keine Siphonen, sondern strudeln Wasser mit
den Muscheln zunächst nicht und schwimmen
Hilfe von Wimpern in die Mantelhöhle und zu
frei im Meer herum. Erst nach dem Festsetzen
den Kiemen. Zur Nahrungsaufnahme dienen
an einem günstigen Ort entwickeln sie sich zu
vor allem mit Wimpern besetzte Fortsätze der
Jungmuscheln.
i
Weichtiere

4
Venusmuschel Abgestutzte Klaffmuschel

1 Venus striatula

L-3,5 cm Jan.-Dez.
Mya truncata

L-7,5 cm Jan.-Dez.
Kennzeichen: Schalen gelblich bis braun Kennzeichen: Ähnlich der Sandklaffmu-
mit vielen konzentrischen Rippen, Wirbel schel, Hinterende aber gerade abgestutzt. Die
leicht nach vorn gebogen. Vorkommen: In Schalenhinterränder klaffen bei der intakten
Sandböden von Atlantik und Nordsee bis zu Muschel auffällig auseinander. Vorkommen:
400 m Wassertiefe. Wissenswertes: In Weichböden von Atlantik und Nord- und
Venusmuscheln können ihre Schalen lange Ostsee, im Wattenmeer oft auch
Zeit fest geschlossen halten. Sie sollen bis vergesellschaftet mit der Sandklaffmuschel.
zu 18 Tage unversehrt im Magen von Wissenswertes: Im Gegensatz zur Sand-
Seesternen überleben können und von klaffmuschel können die Abgestutzten Klaff-
diesen als unverdaulicher Brocken oft muscheln ihren kürzeren Sipho vollständig
wieder ausgeschieden werden. einziehen.

5
Rauhe Bohrmuschel

2
Artemismuschel
Dosinia exolata Zirfaea crispata

L-6cm Jan.-Dez. L-9cm Jan.-Dez.


Kennzeichen: Schale fast kreisrund mit Kennzeichen: Gehäuse vorn spitz, hinten
leicht nach vorn gebogenem Wirbel, weißlich abgerundet, weiß. Der vordere Abschnitt ist
oder gelblich gefärbt. stark strukturiert und dient beim Einbohren als
Vorkommen: Atlantik, Nordsee und Mittei- Raspel.
meer. Vorkommen: Im Nordatlantik und in Nord-
Wissenswertes: Ähnlich wie bei den folgen- und Ostsee.
den Arten sind auch bei der Artemismuschel Wissenswertes: Die Art bohrt in Ton, wei-
die Siphonen miteinander verwachsen. Sie cherem Gestein, in Torf und in Holz bis zu
graben sich tief in den Boden ein und leben 15cm lange Gänge. Diese entstehen, indem
vom Flachwasserbereich bis in 100 m Was- sich die Tiere um ihre Längsachse drehen und
sertiefe. sich so in das betreffende Material einbohren
(5b).

3
Sandklaff m u schel
Mya arenaria

6
Amerikanische Bohrmuschel
Petricola pholadiformis
L-10 (-15) cm Jan.-Dez.
Kennzeichen: Schalen weiß, elliptisch mit L-7cm Jan.-Dez.
konzentrischen Streifen. Im Wattenmeer die Kennzeichen: Schalen langgestreckt und
größten Muscheln. dünnwandig, mit strahligen Rippen.
Vorkommen: Weit verbreitet in schlammigen Vorkommen: Atlantik, Nord- und Ostsee,
und sandigen Böden. Mittelmeer.
Wissenswertes: Die Tiere stecken bis zu Wissenswertes: Eine weitere Art aus Nord-
40 cm tief im Boden. Entsprechend lang ist amerika, die schon im letzten Jahrhundert Eu-
der Siphonalschlauch, in dem Ein- und Aus- ropa erreicht und sich seitdem sehr stark aus-
strömsipho gemeinsam liegen. Der Schlauch gebreitet hat. Die Tiere bohren sich durch
ist so groß, daß er nicht komplett in das Ge- Bewegung ihrer mit scharfen, dornigen
häuse zurückgezogen werden kann. Bei aus- Schuppen besetzten Schalen in toniges und
gewachsenen Tieren sind Körper und Sipho kalkhaltiges Gestein, manchmal auch durch
so groß, daß sie nicht in die geschlossenen Holz. Die Verbindung zum freien Wasser wird
Schalen hineinpassen. Die Schalen klaffen über den Sipho gehalten.
deshalb auseinander.
Weichtiere

1
Strandschnecke Littorina

3
Turmschnecke
littorea Turritella communis

H-2,5 (-4) cm Jan.-Dez. Kennzeichen: H-5cm Jan.-Dez.


Gehäuse dickschalig mit großem letztem Kennzeichen: Sehr schlankes, spitzes, turm-
Umgang. Grau oder braun, Mündung innen förmiges Gehäuse mit bis zu 19 Umgängen,
braun, kein Nabel. Vorkommen: Auf Felsen, rötlich, gelblich oder braun; bei uns unver-
Buhnen, Steinen, Muschelschalen und wechselbar.
Seegras an den Küsten von Atlantik, Nordsee Vorkommen: Nordsee, Atlantik und Mittel-
und westlicher Ostsee, auch im westlichen meer, in Tiefen von 30-200 Meter.
Mittelmeer. Wissenswertes: Eine Art der Wissenswertes: Turmschnecken verbringen
Gezeitenzone, die sehr gesellig lebt; oft die meiste Zeit ihres Lebens eingegraben an
besiedeln mehrere hundert Tiere einen einer Stelle. Im Gegensatz zu den vorher be-
Quadratmeter. Sie können ihr Gehäuse mit schriebenen Arten strudeln sie ihre Nahrung
einem Deckel fest verschließen und so ein; ihre Radula ist deshalb auch nur sehr
tagelang auf dem Trockenen überleben. Sie klein ausgebildet. Die Tiere leben sehr gesel-
ernähren sich überwiegend von Algen, die lig, man hat schon mehr als 200 auf einem
mit Hilfe der Radula („Raspelzunge") Quadratmeter gezählt.
geraspelt werden. Strandschnecken dienen
einer Vielzahl von Vögeln, vor allem Möwen,

4
Netzreusenschnecke
als Nahrung. Sie können bis zu 10 Jahre alt Hinia reticulata
werden.
H-3,5 cm Jan.-Dez.
Kennzeichen: Dicke Schale, meist bräunlich

2
Wattschnecke
Hydrobia ulvae gefärbt mit dunkleren Binden, Oberfläche mit
netzartiger Struktur, Gehäuse spitz zulaufend.
H 6-8 mm Jan.-Dez. Vorkommen: An europäischen Küsten ver-
Kennzeichen: Sehr klein, braun mit spitzem, breitet.
glattem Gehäuse, bis zu 7 Umgänge. Das Ge- Wissenswertes: Auch der wissenschaftliche
häuse ist mit einem Kalkdeckel verschließbar. Name weist auf die interessant strukturierte
Vorkommen: Im Flachwasser in Nord- und Oberfläche hin (lat. reticulum = Netz). Die
Ostsee und im Atlantik. Wissenswertes: Tiere sind überwiegend Aasfresser und kön-
Wattschnecken kommen im Wattenmeer oft nen ihre Nahrung aus bis zu 30m Entfernung
in ungeheuren Mengen vor, oft sind es viele mit ihrem chemischen Sinn wahrnehmen.
tausend, manchmal sogar zehntausende von Manchmal fressen sie auch lebende Beute.
Individuen auf nur einem Quadratmeter Hauptfeinde der Netzreusenschnecke sind
Boden. Um sie zu entdecken, muß man Seesterne.
allerdings genau hinschauen, denn wenn ihr
Lebensraum trockenfällt, graben sie sich etwa

5
Wendeltreppe
1 cm tief ein. Bei der nächsten Flut kommen Epitonium clathrus
sie dann wieder heraus. Die Tiere ernähren
sich vor allem von Kieselalgen, die vom H -4 cm Jan.-Dez.
Untergrund abgeweidet werden, daneben Kennzeichen: Eine turmförmige Art mit mar-
auch von Algen und Bakterien. Dabei kanten Rippen, meist rötlich gefärbt, am
hinterlassen sie typische Spuren (2b). Auch Strand allerdings weiß.
sie bilden eine wichtige Nahrungsgrundlage Vorkommen: Nordsee, Atlantikküsten und
für viele Räuber im Watt. Oft werden Hundert- Mittelmeer.
tausende von Schnecken an den Strand ge- Wissenswertes: Räuberische Art, die bei
spült. Dort können sie in ihrem dicht ver- der Nahrungssuche auch im Boden wühlt. Die
schlossenen Gehäuse bis zu 5 Tage auf dem schönen Gehäuse sind ein begehrtes Sam-
Trockenen überleben. melobjekt bei vielen Strandwanderern.
Weichtiere

1 Pelikanfuß
Aporrhais pes-pelecani

H -5 cm Jan.-Dez.
3
Glänzende Nabelschnecke
Lunatia alderi

L-1,8 cm Jan.-Dez.
Kennzeichen: Turmartiges, sehr dickscha- Kennzeichen: Kugeliges Gehäuse mit en-
liges Gehäuse. Mündung der ausgewachse- gem Nabel, meist gelblich gefärbt.
nen Tiere mit sehr auffälligen, spitzen Fort- Vorkommen: Von der Nordsee bis in das
sätzen, von denen sich sowohl der deutsche Mittelmeer verbreitet.
wie der wissenschaftliche Name ableitet. Wissenswertes: Viel häufiger als die Nabel-
Vorkommen: Atlantik, Nord- und westliche schnecken selbst und ihre Gehäuse findet
Ostsee, häufig im Mittelmeer. man Spuren, die auf ihr Vorkommen hindeu-
Wissenswertes: Die Fortsätze am Schalen- ten - nämlich angebohrte Schalen von Mu-
rand der Pelikanfüße variieren stark in Form scheln und anderen Schnecken (3b). Glän-
und Größe. Bei Jungtieren fehlen sie ganz. zende Nabelschnecken und ihre Verwandten
Auch bei alten Fundstücken am Strand sind sind Räuber, die mit ihrem Fuß andere Weich-
sie oft völlig abgeschliffen, so daß die Art nicht tiere festhalten und manchmal sogar mit ei-
immer sofort richtig angesprochen wird. nem Band aus Schleim regelrecht fesseln.
Dann bohren sie mit ihrer Radula ein Loch in
deren Schale. Dazu brauchen sie mehrere
Wellhornschnecke Buccinum
2 undatum

L -11 cm Jan.-Dez.
Stunden. Durch das kreisrunde Bohrloch stül-
pen sie dann ihren rüsselartigen Mundbereich
und fressen ihr Opfer aus. Dieser Vorgang
Kennzeichen: Sehr große Schnecke, Ge- kann je nach Größe des Beutetieres mehrere
häuse meist bräunlich mit zahlreichen wel- Tage dauern.
ligen Längs- (lat. unda = Welle) und spiraligen
Querrippen. Kein Nabel, das Gehäuse kann
mit einem Deckel verschlossen werden. Am
Strand findet man häufig auch die charak-
4 Sepia
Sepia officinalis

teristischen Laichballen (2b), deren einzelne L-30cm Jan.-Dez.


Kapseln bis zu 1000 Eier enthalten können. Kennzeichen: Zehnarmiger Tintenfisch mit 8
Vorkommen: Nordatlantik, Nord- und west- kürzeren und 2 langen Armen. Färbung sehr
liche Ostsee, Mittelmeer, vom Flachwasser bis variabel; die Tiere können schnell ihre Farbe
in Tiefen von über 1000m. Wissenswertes: ändern und sich so der Umgebung anpassen.
Wellhornschnecken spielen als Aasfresser Große Augen, auffälliger Flossensaum, der
eine wichtige Rolle, ernähren sich aber auch beim Schwimmen wellenförmig geschlagen
zum großen Teil von Muscheln. Die Nahrung wird.
wird mit Hilfe des gut entwickelten Vorkommen: Atlantik, Nordsee und Mittel-
Geruchssinns aufgespürt. Haben sie eine meer.
Muschel entdeckt, warten sie, bis diese ihre Wissenswertes: Eine lebende Sepia wird
Schalen öffnet. Dann stoßen sie ihren man wohl meist nur im Aquarium sehen. Häu-
scharten Mündungsrand in den Spalt und fig findet man am Strand aber den sogenann-
zerschneiden dabei meist die Schließ- ten Schulp (4b), eine Kalkschale, die auf dem
muskeln der Muschel, die ihre Schalen nun Rücken unter der Haut liegt. Dieser wird häu-
nicht mehr schließen kann. Dann beginnt die fig auch als Wetzstein für Wellensittiche und
Wellhornschnecke, die Muschel aufzufressen. andere Stubenvögel verwendet. Seltener als
Die Wellhornschnecke selbst steht auf dem den der Wellhornschnecke findet man gele-
Speiseplan verschiedener Fische. Aus diesem gentlich auch den Laich der Sepia am Strand
Grund wird sie auch sehr gern als Köder beim (4c). Die schwarzen Kapseln, die die Eier ent-
Fischfang benutzt. Die leeren Gehäuse dienen halten, werden vom Weibchen an Seegras
häufig größeren Einsiedlerkrebsen (siehe S. oder Tang befestigt. Aus den Eiern schlüpfen
266) als Unterkunft. vollständig entwickelte Jungtiere.
Weichtiere

lich an klimatische Verhältnisse angepaßt. Da

1 Weinbergschnecke
Helix pomatia jeweils verschiedene Formen Vorteile haben,
werden einerseits die Überlebenschancen der
Art verbessert, andererseits auch der Poly-
Gehäuse-50 mm März-Okt.
Kennzeichen: Sehr großes, kugelförmiges morphismus erhalten.
Gehäuse mit meist 5 Umgängen, weißlich bis
dunkelbraun, undeutlich gebändert.

3
Garten-Bänderschnecke
Vorkommen: Als wärmeliebende Art in Mit- Cepaea hortensis
tel- und Südeuropa vor allem in Gebieten mit
Kalkuntergrund. Gehäuse -25 mm März-Okt.
Wissenswertes: Die Art gilt als Kulturfolger; Kennzeichen: Wie Hain-Bänderschnecke,
sehr günstige Lebensräume sind z.B. Wein- Mündung aber hell. Bei beiden Arten kommen
berge mit Lesesteinmauern. Durch Verschlep- auch rosafarbene oder reingelbe Tiere vor.
pung kann man sie auch auf kalkärmeren Vorkommen: Wie Hain-Bänderschnecke, oft
Böden finden. Durch Flurbereinigung und Pe- kommen beide Arten gemeinsam vor, deshalb
stizideinsatz sind Weinbergschnecken heute ist bei der Bestimmung Sorgfalt geboten.
bedroht. Die Tiere können sehr alt werden, in Wissenswertes: Hain- und Garten-Bänder-
der Natur 5-8, in Gefangenschaft bis 30 schnecke sind neben anderen Arten eine
Jahre! Sie sind Zwitter; die bis zu 60 Eier wichtige Nahrung der Singdrossel. Oft findet
werden nach der Paarung (1c) in eine selbst- man sogenannte „Drosselschmieden". Als
gegrabene Erdhöhle abgelegt (1b). Die Hal- Amboß wird ein Stein genutzt, an dem die
tung von Weinbergschnecken zu Speisezwek- Gehäuse aufgeschlagen werden. Dort kann
ken ist schon seit der Römerzeit bekannt. Ins- man Dutzende von zerschlagenen Schnek-
gesamt werden heute ca. 15 Arten der Gat- kenhäusern finden. Beide Arten werden häu-
tung Helix genutzt; die Tiere werden fast fig auch als „Schnirkelschnecken" bezeichnet.
ausschließlich im Freiland gesammelt, da eine Sie ernähren sich von verschiedensten krau-
Massenzucht bisher nicht gelungen ist. Dies tigen Pflanzen.
kann lokal zur Bedrohung zu stark genutzter
Populationen führen.

4 Bernsteinschnecke
Succinea putris

2 Hain-Bänderschnecke
Cepaea nemoralis

Gehäuse-25 mm März-Okt.
Gehäuse 13-30 mm März - Okt.
Kennzeichen: Durchscheinendes, bern-
steingelbes Gehäuse mit 3-4 Umgängen.
Kennzeichen: Gehäuse gelb mit variabler Vorkommen: Typische Art feuchter Hoch-
brauner Streifung, Mündung dunkel. staudenfluren, oft in Gewässernähe.
Vorkommen: Weit verbreitet in West- und Wissenswertes: Regelmäßig kommen Indi-
Mitteleuropa, oft auch in Gärten. Besonders viduen mit stark angeschwollenen Fühlern vor,
häufig in feuchteren Hochstaudenfluren mit die auf den Befall von Fühlermaden, das sind
Brennesseln. parasitische Saugwürmer der Gattung Leuco-
Wissenswertes: Die außerordentliche Viel- chloridium, zurückzuführen sind. Die Bern-
falt an verschieden gefärbten Individuen einer steinschnecken dienen als Zwischenwirte für
Art nennt man Polymorphismus (= Vielgestal- die Saugwürmer. Endwirte sind Singvögel, in
tigkeit). Hain- und Garten-Bänderschnecke deren Darm die Saugwürmer dann leben.
gehören hinsichtlich ihrer Färbung zu den va- Bernsteinschnecken können bis zu 2 Jahre alt
riabelsten Landschnecken überhaupt. Die un- werden. Nach der Befruchtung werden bis zu
terschiedliche Färbung hat gewisse Vorteile: 150 Eier in gallertigen Laichballen abgelegt.
So werden von Drosseln (s.u.) im Frühjahr Daraus schlüpfen die Jungschnecken nach
mehr hell gefärbte, im Sommer hingegen dun- etwa 2 Wochen. Verwandt ist die Schlanke
kel gefärbte Individuen erbeutet. Offensicht- Bernsteinschnecke Oxyloma elegans, die
lich sind einzelne Formen auch unterschied- eng an Gewässer gebunden ist.
Weichtiere

gewässern oder sogar Brackwasser. In fast

1 Spitzschlammschnecke
Lymnaea stagnalis

Gehäuse-60 mm März-Nov. i
ganz Europa.
Wissenswertes: Eine der häufigen Süßwas-
serlungenschnecken. Wie bei den meisten
Kennzeichen: Einfarbig braun, Gehäuse verwandten Arten variieren Form und Größe
sehr spitz. des Gehäuses in Abhängigkeit verschiedener
Vorkommen: In Pflanzenreichen Stillgewäs- Umweltfaktoren wie Wassertemperatur, Strö-
ser jeder Größe. mung, Wasserchemie usw. Mit ihrer Zunge,
Wissenswertes: Die größte und häufigste der sogenannten Radula, raspeln die
der bei uns vorkommenden Schlammschnek- Schlammschnecken Algen von Steinen, Holz
ken gehört zu den Süßwasserlungenschnek- und den Blättern von Wasserpflanzen ab.
ken. Diese müssen immer wieder zur Sauer- Auch weiche Pflanzenteile werden gefressen.
stoffaufnahme zur Wasseroberfläche auftau-
chen. Die Tiere können mit der Fußsohle nach

4
Tellerschnecke
oben auf einem Schleimband unter der Was- Planorbis planorbis
seroberfläche kriechen. Die Art wird sehr häu-
fig auch in Gartenteichen angesiedelt, wo sie L 14-20 mm Jan.-Dez. Kennzeichen:
sich unter günstigen Bedingungen gut ver- Flaches, dunkelbraunes bis gelbliches
mehrt. Die Schnecken legen Laichschnüre an Gehäuse, an der Oberseite der Umgänge
Wasserpflanzen und Steine, aus denen nach scharf gekielt. Mehrere ähnliche Arten.
ca. 3 Wochen der Nachwuchs schlüpft. Vorkommen: Eine häufige und verbreitete
Art in stehenden, oft schlammigen Gewäs-
sern.

2 Posthornschnecke
Planorbarius corneus

Gehäuse-30 mm März-Nov.
Wissenswertes: Die Tiere fressen Detritus
und weiden Algen an der Unterseite des Was-
serspiegels ab. Sie können auch zeitweiliges
Kennzeichen: Gehäuse dunkelbraun bis Trockenfallen der Gewässer überleben. Kön-
schwarz, spiralig aufgerolIt. Vorkommen: In nen sie im Winter in zugefrorenen Gewässern
ganz Europa in Stillgewässern. nicht zum Luftholen an die Oberfläche ge-
Wissenswertes: Bekannteste Art der Teller- langen, gehen sie zur Wasseratmung über.
schnecken, die als einzige unserer Schnek- Dabei arbeitet das Lungergefäßnetz dann
ken durch Hämoglobin rot gefärbtes Blut be- ähnlich wie eine Kieme.
sitzen. Dieser Blutfarbstoff ist auch wesentli-
cher Bestandteil des menschlichen Blutes. Da
er eine hohe Sauerstoffbindefähigkeit hat,
können die Tiere auch in recht sauerstoff-
5 Sumpfdeckelschnecke
Viviparus viviparus

L 30-40 mm Jan.-Dez. Kennzeichen:


armen Gewässern überleben. Als Lungen-
schnecke holt auch sie regelmäßig an der Gehäuse braungelb bis oliv mit 3
Wasseroberfläche Luft. Überwintert im dunkelbraunen Bändern, mit Deckel auf dem
Schlamm. Fuß (5b).
Vorkommen: In Flüssen verbreitet, in Mittel-
europa aber gefährdet.

3
Ohr-Schlammschnecke
Radix auricularia Wissenswertes: Die Tiere atmen im Gegen-
satz zu den meisten anderen heimischen Süß-
L 25-30 mm wasserschnecken nicht mit Lungen, sondern
Kennzeichen: Der letzte Umgang des Ge- mit kammförmigen Kiemen. Mit Hilfe des Dek-
häuses ist stark ohrförmig verbreitert. Dadurch kels können sie ihr Gehäuse fest verschließen
ist das Gehäuse fast immer so breit wie hoch. (5b). Der wissenschaftliche Name weist auf
Vorkommen: Überwiegend in pflanzenrei- die Tatsache hin, daß die Sumpfdeckel-
chen, stehenden Gewässern, seltener in Fließ- schnecken lebende Junge zur Welt bringen.
Weichtiere

und Aas, jagen aber auch sehr erfolgreich

1
Rote Wegschnecke Arion rufus
andere Nacktschnecken. Sie können 2-3
L-15cm März-Nov. Jahre alt werden. Ihre fast glasklaren Eier le-
Kennzeichen: Rot, braun oder schwarz, sehr gen sie im Herbst ab. Ein Gelege kann bis zu
selten auch weiß gefärbt, Fußsaum meist rot 200 Eier umfassen.
bis bräunlich, großes Atemloch auf der rech-
ten Seite, ohne Gehäuse. Vorkommen: Sehr

3
Wurmnacktschnecke
häufige und weit verbreitete Art, regelmäßig Boettgerilla pallens
selbst in sehr kleinen Gärten anzutreffen.
Wissenswertes: Wohl die bekannteste hei- L -3-4 cm Febr.-Nov.
mische Nacktschnecke. Wie bei den Bänder- Kennzeichen: Gräulichweiß, mit blaugrauem
schnecken (s. S. 248) findet man eine außer- Kopf- und Schwanzende. Langgestreckt, von
ordentliche Variabilität in der Färbung. Der dünner, wurmförmiger Gestalt. Vorkommen:
Name „Nacktschnecke" leitet sich von der Tat- Vor allem an feuchten Stellen in Wäldern,
sache ab, daß sie kein Gehäuse trägt. Somit Parks und Gärten. Wissenswertes: Die Art
ist auch kein Eingeweidesack vorhanden, und wurde 1957 erstmals in Deutschland
der Körper besteht praktisch nur aus dem Fuß. entdeckt und stammt ursprünglich aus dem
Vorfahren der Nacktschnecken waren aber Kaukasus. Wahrscheinlich wurde sie
gehäusetragende Arten. Dies kann man dar- unabsichtlich nach Mitteleuropa
aus schließen, daß man bei der Familie der eingeschleppt und hat sich inzwischen weit
Wegschnecken noch Kalkkörner, bei den ausgebreitet. Die Tiere ernähren sich von den
Schnegeln (s.u.) sogar noch eine dünne Kalk- Eiern anderer Schneckenarten, deren Lege-
platte unter dem Mantelschild findet. Werden höhlen sie ausfressen. Besonders mögen sie
die Tiere beunruhigt, ziehen sie sich zusam- die Eier von Wegschnecken und sind somit -
men (1b). Sie fressen überwiegend Pflanzen, jedenfalls aus Sicht des Gärtners - eine sehr
aber auch frisches Aas und Kot. Bei der Paa- nützliche Art.
rung liegen die Partner halbkreisförmig zu-
sammen. Die kugeligen Eier werden in die

4
Genetzte Ackerschnecke
Erde abgelegt; man findet sie manchmal beim
Deroceras reticulatum
Umgraben im Garten.
L-4-6 cm Febr.-Nov.

2
Großer Schnegel Kennzeichen: Hellbraun, beige oder grau,
Limax maxim us mit netzartiger, dunkler Zeichnung, die vor al-
lem bei dunklen Tieren nicht immer deutlich
L-20cm März-Nov. hervortritt.
Kennzeichen: Einfarbig grauer Fuß, Körper Vorkommen: Feuchtigkeitsliebende Art; weit
graugrün bis graubraun mit schwarzen Flek- verbreitet in Wäldern, Hecken und Gärten.
ken und Streifen, manchmal sehr dunkel ge- Wissenswertes: Eine bei Gartenbesitzern
färbt, Fußsohle einfarbig weiß. Atemloch auf ganz und gar nicht beliebte Art. In feuchten
der rechten Seite. Jahren kann es zur Massenentwicklung kom-
Vorkommen: In Wäldern und Hecken, zu- men, in deren Folge dann erhebliche Verluste
nehmend auch in Parks und Gärten in West- an Kulturpflanzen in Gärten auftreten können.
und Südeuropa; manchmal auch in Kellern zu Die Tiere sind nachtaktiv und halten sich tags-
finden. über unter Steinen, Holz oder Laub auf. Einer
Wissenswertes: Die schönste heimische ihrer wichtigsten Freßfeinde ist der Igel. Sehr
Nacktschnecke, die sich derzeit offensichtlich ähnlich, aber seltener sind die Einfarbige Ak-
ausbreitet und im Bestand zunimmt. Oft wird kerschnecke Deroceras agreste und die Ver-
sie auch als Große Egelschnecke oder Tiger- kannte Ackerschnecke Deroceras lothari.
schnegel bezeichnet. Die Tiere fressen Pilze Letztere wurde erst 1971 beschrieben und ist
nur durch anatomische Untersuchungen ein-
deutig bestimmbar.
Ringelwürmer

Vorkommen: Wärmeliebende Art, bei uns

1
Schlammröh r enwurm
Tubifex tubifex nur in Kompost- und Dunghaufen.
Wissenswertes: Kompostwürmer fressen
L-8,5 cm Jan.-Dez. pro Tag etwa die Hälfte ihres eigenen Körper-
Kennzeichen: Durchscheinend, Blut und gewichtes an frischen Kompostabfällen und
Darmtrakt meist gut erkennbar. Vorkommen: sorgen so sehr intensiv für die Humusbildung.
Das Vorkommen der Art zeigt starke Deshalb werden sie gezielt in Komposthaufen
Wasserverschmutzung an. Lebensraum sind angesiedelt (sogenannter Wurmkompost).
z.B. Abwasserkanäle und stark verschlammte
Gewässerböden. Wissenswertes: Die Art

4
kann sich im Abwasser massenhaft Blutegel
vermehren. Man hat auf einem Quadratmeter Hirudo medicinalis
Gewässerboden bis zu 1 Million Individuen
L-15cm Jan.-Dez.
gezählt! Die Tiere leben in Röhren, aus
Kennzeichen: Rücken meist dunkel, z.T. mit
denen das Hinterende herausragt. Über den
bräunlicher Zeichnung, Bauchseite gelblich,
Darm nehmen sie Sauerstoff auf, ohne den
dunkel gefleckt.
sie sogar gewisse Zeit überleben können. Die
Vorkommen: In dicht bewachsenen Stillge-
Rotfärbung wird durch den auch beim
wässern verbreitet, aber meist selten.
Menschen vorkommenden Blutfarbstoff
Wissenswertes: Der größte heimische Ver-
Hämoglobin bewirkt. Aquarianer nutzen
treter der Egel ist durch die Tatsache bekannt,
Tubifex als Fischfutter.
daß er das Blut von Säugetieren saugt. In
kurzer Zeit können Blutegel eine Blutmenge

2
Gemeiner Regenw u rm aufnehmen, die als Nahrungsvorrat für ein
Lumbricus terrestris Jahr ausreicht. Früher wurden sie in der Medi-
zin zum Aderlaß eingesetzt. Die Tiere sondern
L 8-30 cm Jan.-Dez. beim Biß ein gerinnungshemmendes Sekret
Kennzeichen: Typische Wurmgestalt, rot- ab, wodurch die Wunde lange nachblutet.
braun gefärbt. „Gürtel" vom 32.-37. Segment.
Vorkommen: Weltweit verbreitete Art.

5
Fischegel
Wissenswertes: Der bekannteste Ringel-
Piscicola geometra
wurm, der als einzige der fast 40 heimischen
Arten regelmäßig auch tagsüber an der Ober- L1-5 cm
fläche erscheint. Lebensraum ist der Boden, Kennzeichen:
wo die Regenwürmer in bis zu metertiefen
Vorkommen: In Tümpeln, Seen und Flüs-
Gängen leben. Unter einem Hektar Boden-
sen.
fläche können bis zu 500000 Individuen vor-
Wissenswertes: Fischegel saugen Fischblut
kommen. Sie ernähren sich von abgestorbe-
und können davon bis zu 150 mm3 aufneh-
nen Pflanzenteilen, vor allem Fallaub. Ihr Kot,
men. Beim Befall durch mehrere Egel kann
der in kleinen Haufen meist an den Öffnungen
dies im Extremfall zum Tod des Fisches durch
der Gänge ausgeschieden wird (2b), ist prak-
Blutverlust führen.
tisch nichts anderes als Humus. So überneh-
men Regenwürmer in unseren Ökosystemen

6
eine sehr wichtige Rolle im Stoffkreislauf. Pferdeegel
Haemopis sanguisuga

3
Kompostwurm
L-10cm
Eisenia foetida
Kennzeichen:
Vorkommen: Sehr häufig in verschieden-
L 5-8 cm März-Okt.
sten Gewässern, oft auch in leicht verschmutz-
Kennzeichen: Rot gestreift, Zwischenseg-
tem Wasser zu finden.
mentfurchen hell, gelbliche Schwanzspitze,
Wissenswertes: Räuberisch; frißt u.a. Insek-
unangenehm riechend.
tenlarven, Kaulquappen, Schnecken, Würmer.
Ringelwürmer

Vorkommen: In Nord- und Ostsee, eine sehr

1
Wattwurm
Arenicola marina häufige Art im Watt.
Wissenswertes: Ähnlich häufig wie der
L 10-30 (-40) cm Wattwurm, allerdings ohne die auffälligen Kot-
Kennzeichen: Hellbraun bis schwarz ge- häufchen. Während der Wattwurm eher an ei-
färbt, mehr als 100 Segmente. Vorkommen: nen Regenwurm erinnert, ähneln Seeringel-
Im Wattenmeer sehr häufig. Wissenswertes: würmer bei flüchtigem Hinsehen etwas einem
Der Wattwurm ist das Charaktertier des Watts Tausendfüßer, denn sie tragen auf beiden Kör-
- jeder Wattbesucher hat vielleicht nicht den perseiten zahlreiche Stummelfüßchen (3b),
Wurm, aber doch seine Kothäufchen (1b) sogenannte Parapodien. Die Tiere leben im
schon einmal gesehen. Diese liegen an der Wattboden in verzweigten Gangsystemen mit
Öffnung der U-förmigen Wohnröhre, die bis zu mehreren Ausgängen. Von hier aus weiden
30cm tief in den Boden reicht. Zum Fressen sie die Bodenoberfläche ab und hinterlassen
streckt der Wurm bei Flut seinen Kopf aus dabei ähnliche Spuren wie die Reffermu-
dem Gang heraus. Er frißt Sand; die scheln.
eigentliche Nahrung sind Mikroorganismen
und organische Stoffe, die im Sand enthalten

4
Opalwurm
sind. Man hat ausgerechnet, daß Wattwürmer Nephthys hombergi
pro Jahr und Hektar etwa 4000 Tonnen Sand
bewegen. Wattwürmer leben in unvorstellbarer L-10 (-20) cm
Anzahl im Watt - bis zu 50 Tiere/m2 oder bis Kennzeichen: Hell gefärbt, glänzend
400000 Würmer/ha. Damit sind sie die (Name).
wichtigste Nahrungsgrundlage für die Millionen Vorkommen: Atlantik, Nord- und westliche
von Watvögeln, die alljährlich im Watt rasten. Ostsee, Mittelmeer; viel seltener als Watt- und
Auch Krebse und Fische fressen Wattwürmer. Seeringelwurm.
Ein weiterer Name - Köderwurm - weist auf Wissenswertes: Der Opalwurm hat kein
seine Nutzung als Köder beim Angeln hin. ausgebautes Gangsystem, sondern kriecht
An der Nordsee kann man ihn zu diesem auf der Suche nach Beute in 4-10 cm Tiefe
Zweck in manchen Angelgeschäften kaufen, durch den Wattboden. Er ernährt sich u.a. von
wo die Würmer in Aquarien gehalten werden. Algenresten und anderen im Boden lebenden
Würmern. Die Tiere haben keine Augen.

2
Wattringelwurm
Autobytus prolifer

5
Kotpillenwurm
Heteromastus filiformis
L-3cm
Kennzeichen: Ein kleiner Borstenwurm mit 4 L-10cm
Augen und 5 Fühlern. Kennzeichen: Sehr dünn, max. \ mm, rot
Vorkommen: In Nordsee, Atlantik und Mittel- gefärbt.
meer in Tang oder am Boden. Vorkommen: Nordseewatt.
Wissenswertes: Die Weibchen treiben mit Wissenswertes: Die Tiere fallen vor allem
ihren Laichballen oft im Plankton, auch die durch ihre kleinen, charakteristischen Haufen
frisch geschlüpften Jungtiere tragen sie noch (5b) auf, von denen sich auch ihr Name ab-
einige Zeit. leitet. Auch diese Art lebt in einem Gang-
system; die Sandkörner der Wände sind durch
Seeringelwurm Schleim verklebt. Kotpillenwürmer kommen

3 Nereis virens

L6-12cm
vor allem im weichen Schlickwatt vor, wo meh-
rere tausend Tiere auf einem Quadratmeter
leben können. Der erfahrene Wattwanderer
Kennzeichen: Blaugrün bis Braun, stark wird durch ihr Massenauftreten vor Stellen ge-
schillernd. warnt, an denen man leicht im Boden ein-
sinken kann.
Ringelwürmer

Pygospiowurm führt werden. Bäumchen-Röhrenwürmer le-

1 Pygospio elegans ben meist in kleinen Kolonien; manchmal


kann man auch einen richtigen „Wald" von
Röhren entdecken. Vor allem nach Stürmen
L 1-2,5 cm
Kennzeichen: Klein, blaßbraun gefärbt. werden viele Röhren freigespült.
Vorkommen: In Nord- und Ostsee. Vor allem

3
im Mischwatt verbreitete und stellenweise Dreikantwurm
sehr häufige Art. Pomatoceros triqueter
Wissenswertes: An günstigen Stellen kann
die Art in ungeheuren Mengen auftreten; bis L 1,5-5 cm Jan.-Dez.
zu 20000 Individuen können einen Quadrat- Kennzeichen: Kalkweiße Wohnröhre mit
meter bewohnen. Die Tiere leben in Röhren Grat (Name!), Filterapparat in vielen Farben,
mit einem Durchmesser von bis zu 1 mm (1 b), oft rot, blau oder gelb.
die bis etwa 10 cm tief in den Boden reichen. Vorkommen: An Schiffsrümpfen, auf Scha-
Auch bei dieser Art sind die Sandkörner an len von Weichtieren, Holzbauten, großen Tan-
den Röhrenwänden fest mit Schleim verklebt. gen usw.
Bei Massenauftreten erwecken freigespülte Wissenswertes: Die Tiere setzen sich nach
Röhrenenden den Eindruck eines Rasens. Am Beendigung eines schwimmenden Larven-
Kopf des Wurmes befinden sich zwei Tentakel, stadiums an geeigneter Unterlage fest und
mit denen er bei der Nahrungsaufnahme den bauen aus Kalkausscheidungen ihre meist
Wattboden abtastet. So muß er seine Wohn- gewundene Wohnröhre (3b), die bis zu 12cm
röhre nicht verlassen. Über Wimpern wird die lang sein kann. Sie strecken zur Nahrungsauf-
Nahrung zur Mundöffnung transportiert. Auch nahme nur ihren bunten Tentakelkranz aus
bei der Fortpflanzung kommt der Röhre eine der Röhre. Mit den Tentakeln w'rd die Plank-
Bedeutung zu. Damit die Eier nicht verdriftet tonnahrung herbeigestrudelt. Ein Tentakel
werden, werden sie in Paketen an die Innen- kann die Wohnröhre als Deckel verschließen.
wand geklebt. Die Larven leben nur kurze Zeit
im freien Wasser. Dann leben auch sie im

4
Posthörnchenwurm
Boden. Spirorbis spirorbis

L-5mm Jan.-Dez.

2
Bäumchen-Röhrenwurm
Lanice conchilega Kennzeichen: Kalkweiß, klein, posthornartig
gewunden (Name!).
L-30cm Jan.-Dez. Vorkommen: Atlantik, Nord- und Ostsee.
Kennzeichen: Rötlich oder braun, Kopfbe- Wissenswertes: Am auffälligsten sind die
reich mit vielen Tentakeln. Vorkommen: In kleinen Kalkröhren auf dunklen Tangen (4b)
sandigen Wattböden, Nordsee und Atlantik. Sie werden aber auch auf Holz, Steinen, Mu-
Wissenswertes: Die Tiere leben in selbstge- schelschalen und anderem festen Untergrund
bauten Wohnröhren (2a) aus Sandkörnern, angelegt. Manchmal kommen sie in großer
Steinchen und kleinen Stücken von Schnek- Mengen vor. Die Entwicklung verläuft ähnlich
ken- und Muschelschalen. Diese werden mit wie beim Dreikantwurm. Mit ihren Tentakeln
Hilfe der Tentakeln zum Kopf geführt, wo sie die nicht bunt pigmentiert sind, werden feine
mit einem klebrigen Drüsensekret umgeben Nahrungspartikel aus dem Wasser gefiltert
werden. Dann wird das Baumaterial an geeig- und dem Mund zugeführt. Auch Posthörn-
neter Stelle eingefügt. Am Ende der Röhre chenwürmer können ihre Wohnröhre mit ei-
wird schließlich aus Sandkörnern die „Baum- nem deckelartigen Tentakel verschließen. Die
krone" angebracht. Sie steht senkrecht zur Tiere sind Zwitter, die Eier werden in die
Strömung; in ihr können sich Nahrungspar- Wohnröhre abgelegt. Die Larven bleiben nach
tikel verlangen, die dann vom Wurm mit Hilfe dem Schlüpfen zunächst in der Röhre und
der Tentakeln abgelesen und zum Mund ge- setzen sich dann nach einiger Zeit auf geeig-
netem Untergrund fest.
Stachelhäuter

Vorkommen: Nordsee und westliche Ost-

1
Gemeiner Seestern
Asterias rubens see.
Wissenswertes: Lebende Strandseeigel
D-30 (-50) cm Jan.-Dez. Kennzeichen: (3b) findet man nur selten, regelmäßig aber
5 kräftige Arme, meist rötlichbraun gefärbt; die grünen oder braunen, aus zahlreichen
es kommen aber auch grüne, gelbliche oder Kalkplatten bestehenden Gehäuse (3a).
violette Tiere vor. Vorkommen: In Nord- Manchmal sind sie noch mit Stacheln besetzt.
und Ostsee und im Atlantik, auf Hartböden Die Tiere weiden vor allem Algen von Seegras
bis 200 m Tiefe. Unmittelbar an der Küste und Tang ab, können aber auch Muscheln
nur auf Buhnen, Seezeichen u.a. fressen, indem sie die Schalenbänder durch-
Wissenswertes: Vielleicht der bekannteste nagen. Die Befruchtung der Eier findet im
Seestern, weil er regelmäßig am Spülsaum zu freien Wasser statt. Zunächst schlüpfen
finden ist. Am Strand werden meist nur kleine Schwimmlarven, die sich nach einigen Wo-
Exemplare angeschwemmt. Ausgewachsene chen in Seeigel umwandeln.
Tiere messen manchmal mehr als im im
Durchmesser. Hauptnahrung der Seesterne

4
Zwergseeigel
sind Schnecken und Muscheln, vor allem Echinocyamus pusillus
Miesmuscheln. Mit ihren muskulösen, mit
zahlreichen Saugfüßchen besetzten Armen D 6-10 mm Jan.-Dez. Kennzeichen:
können sie geschlossene Muschelschalen Weiß, klein und flach, mit fünf-strahligem
ausenanderziehen. In den entstehenden Sternmuster auf der Oberseite. Vorkommen:
Spalt schieben sie ihren ausstülpbaren Magen Nordsee, westliche Ostsee, Atlantik und
und beginnen mit der Verdauung. Mittelmeer. Am Spülsaum durch gezielte
Suche im Schill zu finden. Wissenswertes:
Lebt im Sand dicht unter der Oberfläche

2
Gemusterter Schlangenstern
Ophiura textura unterhalb der Gezeitenzone. Die Tiere
ernähren sich vor allem von Kieselalgen und
D-25cm Jan.-Dez. kleinen Sandlückenbewohnern.
Kennzeichen: Rötlich bis bräunlich gefärbt,
runde Körperscheibe mit dünnen, bis 10cm

5
Herzseeigel
langen Armen. Echinocardium cordatum
Vorkommen: Auf Sandböden in Nordsee,
Atlantik und Mittelmeer bis ca. 200 m Tiefe. L-50mm Jan.-Dez.
Am Strand meist kleine Tiere. Kennzeichen: Panzer meist weiß, Stacheln
Wissenswertes: Schlangensterne wandern bräunlichgelb.
auf dem Boden umher und weiden die Ober- Vorkommen: Nordsee, nordwestliche Ost-
fläche regelrecht ab. Als Nahrung dienen Kie- see, Atlantik und Mittelmeer. Wissenswertes:
selalgen, auf den Boden abgesunkene Plank- Gehört wie die vorstehende Art zu den
tonorganismen, kleine Mollusken usw. Oft in sogenannten irregulären Seeigeln, da ihr
großer Zahl auf engstem Raum zu finden. Körper nicht den typischen fünfstrahligen
Ähnlich, aber mit dünneren, stärker bestachel- Aufbau der Stachelhäuter zeigt. Vielmehr kann
ten Armen ist der Zerbrechliche Schlangen- man eine zweiseitige Symmetrie und auch
stern Ophiotrix fragilis. ein Vorder- und Hinterende erkennen. Die
Stacheln sind sehr kurz und fühlen sich
Strandseeigel pelzig an. Die Schalen sind recht dünn und

3 Psammechinus miliaris

D 25-45 mm Jan.-Dez. Kennzeichen:


zerbrechlich, so daß man nur selten vollstän-
dig unbeschädigte Stücke findet. Herzseeigel
leben eingegraben in Weichböden. Sie kön-
Schale grünlich oder bräunlich, Spitze der nen sich auch im Boden fortbewegen. Um
Stacheln violett. atmen zu können, legen sie Röhren an, durch
die mit Wimpern Wasser transportiert wird.
Krebstiere

beinen Kiemen, die ständig feucht gehalten

1
Gemeiner Wasserfloh
Daphnia pulex werden müssen. Deshalb kommen sie auch
meist an feuchteren Orten vor, z.B. in Fallaub,
L m. 1,8 mm, w. 4 mm Apr.-Okt. Komposthaufen und feuchten Kellern. Andere
Kennzeichen: Rundlich, zart, durchschei- landbewohnende Asseln atmen mit Tracheen.
nende Schale gelblich, bräunlich oder grün- Die Jungtiere entwickeln sich wie bei den
lich, lange Antennen. Vorkommen: In Wasserasseln in einem Brutbeutel. Hauptnah-
stehenden Gewässern. Wissenswertes: rung sind verrottende Pflanzenteile.
Einer der häufigsten Vertreter der bei uns mit
mehr als 80 Arten vorkommenden

4
Mauerassel
Blattfußkrebse. Dieser Name leitet sich von Oniscus asellus
den blattförmigen Extremitäten ab, die dazu
dienen, Nahrung, z.B. Algen, her- L-18mm Jan.-Dez.
anzustrudeln. Zur Fortbewegung wird das 2. Kennzeichen: Grundfärbung dunkelgrau,
Antennenpaar genutzt. Der Name Wasserfloh mit hellen Rückenflecken. Vorkommen: An
kommt von den hüpfenden Bewegungen, die feuchten, dunklen Orten, z.B. in Fallaub,
durch Schläge mit den Antennen erzeugt wer- unter Steinen oder unter gefällten
den. Die meisten Wasserflöhe leben in kleinen Baumstämmen.
Stillgewässern, aber auch in den Uferzonen Wissenswertes: Ähnlich häufig wie die Kel-
größerer Seen. Sie pflanzen sich sowohl ge- lerassel, oft gemeinsam mit dieser.
schlechtlich als auch durch Jungfernzeugung
fort. Nach der Befruchtung legen die Weib-

5
Kugelassel
chen Dauereier, die überwintern. Armadillidium vulgare

L 10-16mm Jan.-Dez. Kennzeichen:

2
Wasserassel
Asellus aquaticus Körper hochgewölbt, bei uns 5 ähnliche
Arten.
L m. -12 mm, w. -8 mm Jan.-Dez. Vorkommen: In Laubwäldern unter Steinen,
Kennzeichen: Abgeflachter Körper, Grund- Laub und im Moos.
färbung grau, mit helleren Flecken. Wissenswertes: Die Tiere werden häufig
Vorkommen: In allen Gewässertypen in Eu- auch als Rollasseln bezeichnet. Beide Namen
ropa, mit Ausnahme der Iberischen Halbinsel. beziehen sich auf ein für diese Asseln ty-
Wissenswertes: Lebt in fast allen Gewässer- pisches Verhalten. Bei Bedrohung rollen sie
typen. Wichtig ist das Vorhandensein von ver- sich zu einer Kugel zusammen.
rottendem Pflanzenmaterial. Man findet die

6
Tiere meist am Gewässergrund zwischen Fall- Bachflohkrebs
laub, zu dessen Abbau sie beitragen. Wasser- Gammarus pulex
asseln betreiben Brutpflege; die Jungtiere
bleiben längere Zeit im Brutsack des Weib- L-15 (-20) mm Jan.-Dez.
chens. Kennzeichen: Körper seitlich abgeplattet,
grau oder hellbraun.
Vorkommen: Häufig in Bächen und Flüssen.

3
Kellerassel
Porcellio scaber aber auch in Seen des Hügellandes.
Wissenswertes: Bachflohkrebse ernähren
L-18mm Jan.-Dez. sich vor allem von zersetzenden Pflanzentei-
Kennzeichen: Grauschwarz oder braun, 7 len. Häufig findet man Männchen und Weib-
Laufbeinpaare, geknickte Antennen. chen aneinandergeklammert. Die Weibchen
Vorkommen: Häufig an feuchten, dunklen legen bis zu 100 Eier in eine Brutkammer auf
Plätzen in ganz Europa. Wissenswertes: der Bauchseite ab, in der sich die Jungtiere
Kellerasseln sind landbewohnende Krebse. entwickeln. Die Tiere gehören mit zur wichtig-
Sie haben an den Hinter- sten Nahrung bachbewohnender Fische.
Krebstiere

tennen breiten sie seitlich aus, was ein Ab-

1
Flußkrebs
Astacus astacus sinken in die Tiefe stark verlangsamt.

L -20 (-25) cm

3
Amerikanischer Flußkrebs
Kennzeichen: 1,. Beinpaar mit kräftigen Oronectes limosus
Scheren; lange Fühler, Färbung grau oder
braun. L-12cm
Vorkommen: In sauberen Bächen und Flüs- Kennzeichen: Rote Querbinden auf dem
sen Mittel- und Nordeuropas. Hinterleib; Körperfärbung braun-grünlich.
Wissenswertes: Größter heimischer Süß- Vorkommen: Ursprünglich aus Nordame-
wasserkrebs, auch Edelkrebs genannt. Früher rika, heute in Flüssen und Kanälen, aber auch
in sauberen Fließgewässern weit verbreitet in Stillgewässern in Mitteleuropa weit verbrei-
und häufig, heute aber sehr selten. Hauptur- tet.
sache für das Verschwinden ist die durch den Wissenswertes: Die Art wurde seit 1890
Pilz Aphanomyces astaci verursachte eingebürgert und kommt auch in mäßig ver-
„Krebspest". Heute sind auch viele ehemalige schmutzten Gewässern vor. Zur Nahrung ge-
Krebsbäche verschmutzt. Früher wurde der hören u.a. Schnecken, Würmer und auch Aas.
Flußkrebs auch häufig als Delikatesse gefan- Im Gegensatz zur vorstehenden Art ist der
gen. Die Tiere sind Allesfresser und ernähren Amerikanische Flußkrebs gegen die Krebs-
sich von Schnecken, Muscheln, Aas usw. pest immun. Eine weitere ausgesetzte Art ist
Hauptsächlich sind sie dämmerungs- und der Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus) aus
nachtaktiv. Südosteuropa.

4
Wollhandkrabbe

2
Hüpferling
Cyclops spec. Eriocheir sinensis

L 1,5-3 mm L-8cm Jan.-Dez.


Kennzeichen: Klein, mit auffälligen Fühlern Kennzeichen: Braun oder olivgrün, Sche-
und Schwanzanhängen. Vorkommen: In renhand der Männchen (4a) mit dichter, pel-
unterschiedlichsten Stillgewässern. ziger Behaarung (Name!). Vorkommen:
Wissenswertes: Hüpferlinge oder Ruderfuß- Ursprünglich aus Ostasien, heute in vielen
krebse sind bei uns mit mehr als 100 Arten Flüssen eingebürgert, auch im Wattenmeer zu
verbreitet. Sie leben in allen Typen von Stillge- finden.
wässern, einige Arten sogar in wassergefüll- Wissenswertes: Wollhandkrabben leben in
ten Fahrspuren oder Baumlöchern. Die Arten selbstgegrabenen Wohnröhren in Uferbö-
der Gattung Cyclops bewegen sich mit ruck- schungen. Bei häufigem Auftreten können sie
artigen Bewegungen fort, was der ganzen Uferabschnitte zum Einsturz bringen. Pro-
Ordnung den deutschen Namen „Hüpfer- bleme können sie auch in Fischernetzen und
linge" gab. Die hüpfende Fortbewegung Reusen bereiten. Häufig geraten sie dort hin-
kommt durch das Schlagen der ersten Anten- ein und fressen dann die mitgefangenen Fi-
nen zustande. Trotz der geringen Größe kann sche. Besonders interessant ist das Fortpflan-
man anhand dieser typischen Fortbewe- zungsverhalten der Art. Die Paarung findet im
gungsweise Hüpferlinge in Wasserproben mit Bereich von Flußmündungen, die Eiablage im
Kleinkrebsen von anderen Artengruppen un- Meer statt. Die Eier werden vom Weibchen am
terscheiden. Zur genauen Bestimmung ist vor Hinterleib befestigt und bis zum Schlüpfen der
allem der Bau der Fühler und Anzahl und Larven umhergetragen. Danach sterben die
Anordnung der Schwanzanhänge wichtig. Zur Mütter. Die Jungtiere wandern von dort im
gleichen Ordnung (Copepoda) gehören da- Alter von 2 Jahren wieder flußaufwärts. Nach
neben auch die Schwebekrebschen der Gat- 4-5 Jahren werden sie geschlechtsreif, um
tung Diaptomus. Ihre körperlangen ersten An- dann zur Fortpflanzung wieder zum Meer zu-
rückzuwandern.
Krebstiere

Strandkrabbe. Endglieder des letzten Bein-

1
Einsiedlerkrebs
Pagurus bernhardus paares auffällig blattförmig verbreitert.
Vorkommen: Von der Nordsee bis ins Mittel-
L-10cm Jan.-Dez. meer verbreitet, häufig angespült am Strand
Kennzeichen: Hinterleib spiralig gekrümmt, zu finden.
weichhäutig, deshalb nur in leeren Schnek- Wissenswertes: Mit Hilfe ihrer Ruderbeine
kenhäusern zu finden. können die Tiere auch schwimmen. Die Art
Vorkommen: An europäischen Küsten von kommt von der Gezeitenzone bis in 300 m
der Ostsee bis zum Mittelmeer. Tiefe vor. Im Kutterbeifang ist sie oft sehr zahl-
Wissenswertes: Im Gegensatz zu den nach- reich zu finden.
folgenden Arten haben Einsiedlerkrebse ei-
nen ungeschützten, weichen Hinterleib. Des-

4
Strandkrabbe
halb leben sie in leeren Schneckenhäusern, Carcinus maenas
aus denen nur der Vorderkörper mit Beinen
und Scheren herausschaut. Bei Bedrohung L - 6cm B-8 cm J an. -Dez .
ziehen sie sich ganz in das Haus zurück und Kennzeichen: Oberseite braun, gelblich
verschließen die Öffnung mit ihren Scheren. oder grünlich, oft mit Flecken, Unterseite hell
Oft beziehen sie als Jungtiere zunächst ein gefärbt. Der Panzer ist vorn deutlich breiter als
nur wenige Millimeter großes Gehäuse, z.B. hinten. Das erste der 5 Schreitbeinpaare trägt
von der Wattschnecke. Mit zunehmender sehr große, das zweite Beinpaar deutlich klei-
Größe müssen sie immer wieder in größere nere Scheren.
Schneckenhäuser „umziehen", bis schließlich Vorkommen: An allen europäischen Küsten,
nur noch das Gehäuse der Wellhornschnecke sowohl an felsigen Abschnitten wie auch auf
als Unterkunft ausreicht. Der Wechsel von ei- Schlick- und Sandböden; sehr häufige Art.
nem zu klein gewordenen zu einem größeren Wissenswertes: Die Tiere leben räuberisch
Schneckenhaus gehört zu den gefährlichsten und erbeuten Schnecken, Krebse und Fische,
Momenten im Leben eines Einsiedlerkrebses, öfter auch eigene Artgenossen. Aas wird
da sie dann leicht Feinden zum Opfer fallen. ebenfalls regelmäßig gefressen. Sie selbst
sind besonders nach der Häutung gefährdet,
wenn der Panzer noch weich ist und kaum

2
Schlickkrebs
Corophium volutator Schutz bietet. Sie werden in diesem Zustand
auch als „Butterkrebse" bezeichnet. Strand-
L 8-1 Omm Jan.-Dez. krabben können recht schnell laufen. Dabei
Kennzeichen: Sehr kleiner Krebs, langge- bewegen sie sich meist seitlich fort. Daher
streckt, mit kräftigem, stark verlängertem 2. auch der Name Dwarslöper (= Querläufer).
Antennenpaar.

5
Vorkommen: Im Wattenmeer sehr häufig, Taschenkrebs
auch an anderen europäischen Küsten. Cancer pagurus
Wissenswertes: Die Tiere leben in unge-
heurer Zahl in 3-4 cm tiefen, U-förmigen Gän- L-12cm B-30cm Jan.-Dez.
gen im Wattboden, maximal 40000 Tiere/m2. Kennzeichen: Oberseite braun oder rötlich.
Im Winter graben sie sich tiefer in den Boden Unterseite gelblicn gefärbt, queroval.
ein, um dem Frost zu entgehen. Charakte- Vorkommen: Nordsee, Atlantik und Mittel-
ristische Spuren 2a. meer, vor allem an steinigen Felsküsten, auch
auf Sandböden.
Wissenswertes: Auch diese Art lebt räube-
Schwimmkrabbe

3 Liocarcinus holsatus

L-4cm Jan.-Dez.
risch. Mit ihren mächtigen Scheren können sie
problemlos die Schalen von Muscheln.
Schnecken und Krebsen knacken. Die Tiere
Kennzeichen: Grünlich, rötlich, grau oder können recht alt werden, erst nach 5-6 Jahren
braun gefärbt, Panzer sehr ähnlich dem der werden sie geschlechtsreif.
Krebstiere

1 Hummer
Homarus gammarus

L-50cm Jan.-Dez.
3
Seepocke Semibalanus
balanoides

D 1-1,5 cm
Kennzeichen: Größter heimischer Krebs, mit Kennzeichen: Körper umgeben von 6 wei-
gewaltigen, ungleich großen Scheren am 1. ßen, scharfkantigen Kalkplatten sowie zwei
Beinpaar. Färbung blauschwarz; die Rotfär- Paaren Verschlußplatten in der Mitte.
bung entsteht erst beim Kochen. Vorkommen: Atlantik, Nordsee und westli-
Vorkommen: Lebt an Felsküsten von Nord- che Ostsee, Mittelmeer. Die Tiere leben auf
see, Atlantik und Mittelmeer in Spalten und den unterschiedlichsten festen Untergründen,
kleinen Höhlen; in Deutschland nur bei Hel- von Felsen, Holzpfählen (3a) und Bojen bis
goland. hin zu Muschelschalen, Krebspanzern und so-
Wissenswertes: Mit seiner großen „Knack- gar Walen.
schere" kann ein Hummer problemlos Mu- Wissenswertes: Seepocken gehören zu
schelschalen zerbrechen; mit der kleineren den Krebstieren, auch wenn sie äußerlich
Schere werden dann Fleischstücke abgeris- überhaupt keine Ähnlichkeit mit den vorher
sen und in die Mundöffnung gesteckt. Auch beschriebenen Krebsen haben. Da sie eine
kleinere Krebse, Würmer und Aas gehören zu festsitzende Lebensweise entwickelt haben,
seinem Nahrungsspektrum. Hummern in wurden Kopf und Beine zum Teil zurückge-
Aquarien werden oft die Scheren mit Draht bildet. Aus den Rumpfbeinen entwickelten
fixiert, damit sie sich und andere Aquarien- sich fächerartige Organe, die die Nahrung aus
bewohner nicht verletzen. Wie alle Zehnfuß- dem Wasser filtern. Die hier beschriebene Art
krebse besitzt er zwei Fühlerpaare, die auch lebt an der oberen Gezeitenzone. Fallen die
Antennen genannt werden. Mit ihnen ertastet Tiere bei Ebbe trocken, schließen sie ihr Kalk-
er die Umgebung. Die Tiere werden in Hum- gehäuse fest zu. So vermeiden sie Wasser-
merkörben gefangen und vermarktet. verluste. Die Tiere sind Zwitter, die sich wech-
selseitig befruchten. Zur Paarung wird ein zum
Begattungsorgan umgewandelter Rankenfuß

2 Nordsee-Garnele
Crangon crangon

L m. -4,5 cm, w. -8,5 cm Jan.-Dez.


zu einem benachbarten Artgenossen ausge-
streckt.

Kennzeichen: Körper langgestreckt, 2. An-

4
Entenmuschel
tennenpaar sehr lang und dünn, am Hinter- Lepas anatifera
ende mit Schwanzfächer. Färbung variabel;
die Tiere können ihre Farbe auch ändern. L-15CM (davon 10 cm Stiel) Jan.-Dez.
Vorkommen: Nord- und Ostsee Kennzeichen: Muschelartige Schale aus
Wissenswertes: Überall werden im Sommer fünf Kalkplatten, weiß oder grau gefärbt.
an der Nordseeküste Krabben angeboten, Vorkommen: Auf Treibgut, Bojen, Tangen
doch wenn man es genau nimmt, werden hier und anderem Untergrund in der offenen See.
überhaupt keine Krabben verkauft. Gemeint Es lohnt sich, z.B. am Strand angetriebenes
sind Nordseegarnelen, auch noch bekannt Holz auf das Vorkommen der Art zu unter-
unter Namen wie Porre oder Granat. Die Tiere suchen.
haben eine wirtschaftliche Bedeutung; in Wissenswertes: Entenmuscheln sind nah
Deutschland werden ca. 20000 Tonnen Nord- mit den Seepocken verwandt; beide gehören
seegarnelen pro Jahr gefangen. Dazu werden zu den Rankenfüßern. Auch bei ihnen findet
spezielle Schleppnetze, sogenannte Baum- man eine stark abgewandelte Gestalt. Sie sit-
kurren, verwendet, die an beiden Seiten des zen nicht direkt mit der Schale auf dem Unter-
Krabbenkutters ins Wasser gelassen werden. grund, sondern auf einem ca. 10 cm langen
Die Garnelen ernähren sich von Algen, Wür- Stiel. Mit Hilfe der Rankenfüße strudeln sie
mern, Schnecken, Flohkrebsen und anderen Wasser und darin enthaltene Nahrungspar-
Kleintieren. tikel herbei.
Spinnentiere

kelbraun mit schwarzen Winkelflecken auf

1
Gartenkreuzspinne
Araneus diadematus dem Hinterleib.
Vorkommen: Weit verbreitete Art, vor allem
L-17mm Aug.-Okt. in Häusern, Garagen und Ställen.
Kennzeichen: Sehr variabel gefärbt, mit auf- Wissenswertes: Die häufigste Spinne, die in
fälligem, weißem Kreuz auf dem Hinterleib, Gebäuden vorkommt, wird wie 3 ähnliche Ar-
Männchen deutlich kleiner als Weibchen. ten oft auch als Hausspinne bezeichnet. Die
Vorkommen: Sehr weit verbreitet an Wald- Beine können bis zu dreimal so lang wie der
rändern, in Hecken usw., oft auch in Gärten Körper sein, was den Tieren ein imposantes
und manchmal in großen Gewächshäusern. Aussehen verleiht. Sie bauen ein dichtes Ge-
Wissenswertes: Mehr als 50 Arten von Rad- spinst mit Fangfäden in Zimmerecken, Ni-
netzspinnen leben bei uns; die Gartenkreuz- schen usw. Nachts streifen sie oft weit umher.
spinne ist sicherlich die bekannteste von ih- Verirren sie sich dann z.B. in ein Waschbek-
nen. Die großen Netze (1a) findet man meist ken, an dessen glatten Wänden sie nicht em-
in einer Höhe von 1,5-2,5 m in Sträuchern und porlaufen können, sorgen sie beim Zähne-
Bäumen, manchmal auch in Gewächshäu- putzen dann für den sprichwörtlichen
sern. Die Netze dienen dem Beutefang. Dabei „Schreck in der Morgenstunde". Ihr häufiges
lauert die Gartenkreuzspinne oft mitten im Vorkommen in Kellern und Wohnungen macht
Netz, während die meisten anderen Arten in sie neben den Kreuzspinnen wohl zu den be-
einem Versteck sitzen. Über einen Signalfa- kanntesten heimischen Spinnen. Sie sind
den bekommt sie die Information, wenn sich ganzjährig aktiv und sollten in Häusern als
eine Beute im Netz verfängt. nützliche Mitbewohner angesehen werden,
denn sie ernähren sich vor allem von Flieger
und Mücken.

2
Streckerspinne
Tetragnatha extensa

4
Wasserspinne
L-11mm Mai-Aug. Argyroneta aquatica
Kennzeichen: Sehr schlank, mit großen, dor-
nenbesetzten Cheliceren. Vorderkörper gelb- L-15mm Jan.-Dez.
braun, Hinterleib gelbgrün. Mehrere ähnliche Kennzeichen: Vorderkörper grau, Hinterleit
Arten. braun gefärbt.
Vorkommen: Lebt zwischen Gräsern in Bo- Vorkommen: Weit verbreitet im nördlicher
dennähe, fast immer in der Nähe von Ge- Europa und Asien, aber nicht sehr häufig.
wässern. Wissenswertes: Einzige wasserbewoh
Wissenswertes: Die Spinnen der Familie nende Spinne. Da sie keine Kiemen besitzt
der Streckerspinnen (Tetragnathidae) sind muß Atemluft von der Oberfläche beschafft
nach ihrem Verhalten benannt: Sie strecken werden. Dazu streckt sie das Hinterleibsende
häufig die Vorder- und Hinterbeine lang nach aus dem Wasser und taucht ruckartig ab. Da-
vorn bzw. hinten, so daß man sie kaum ent- bei bleibt eine Luftblase haften, die mit den
decken kann. Die Netze unterscheiden sich Hinterbeinen festgehalten wird. Diese trans-
von denen der Radnetzspinnen durch die of- portiert die Spinne entlang eines Wegfadens
fene Nabe, haben also quasi ein Loch in der zu einem zuvor gesponnenen, engmaschigen
Mitte. Die Weibchen stellen weiße, flockige Netz, unter dem die Luftblase freigelassen
Eikokons her, die an Grashalmen und Pflan- wird. Diesen Vorgang wiederholt sie einige
zenstengeln befestigt werden. Male, und das Netz wölbt sich durch die Luft
glockenartig auf. So entsteht eine Art „Tau-
Winkelspinne cherglocke" (4a), in der die Spinne lebt. Von

3 Tegenaria atrica

L-18mm Jan.-Dez.
Zeit zu Zeit steigt sie nach oben, um ihren
Luftvorrat zu ergänzen. Zu ihrer Nahrung ge-
hören vor allem Kleinkrebse und Larven von
Kennzeichen: Groß, mit langen Beinen, dun- Wasserinsekten.
i
Spinnentiere

werden bis zum Selbständigwerden vom

1
Waldwolfspinne
Pardosa lugubris Weibchen bewacht.

L-10mm Mai-Nov.

3
Gerandete Jagdspinne
Kennzeichen: Dunkelbraun mit hellem Strei- Dolomedes fimbriatus
fen auf der Oberseite des Kopfbruststücks.
Vorkommen: Vor allem im Laub in Wäldern, L-22mm Mai-Aug.
Parks oder Hecken weit verbreitet. Häufigste Kennzeichen: Groß und langbeinig, dunkel-
von ca. 30 zum Teil sehr ähnlichen Arten. braun mit charakteristischen hellen Streifen.
Wissenswertes: Wolfsspinnen sind boden- Vorkommen: Weit verbreitet in europäischen
bewohnende Spinnen, die gut sehen können Feuchtgebieten, oft an Gewässerufern,
und ihre Beute laufend blitzschnell überwäl- manchmal auch auf Feuchtwiesen.
tigen. Sie tragen den Kokon (1a) und dann Wissenswertes: Eine der größten heimi-
ihre Jungen (1b) auf dem Rücken. Alle Spin- schen Spinnen; wie die verwandte Raub-
nen Desitzen 8 Beine, niemals aber Flügel. Am spinne eine Jagdspinne, die keine Netze baut.
Kopf befinden sich meist 8 Punktaugen. Die Die Tiere leben immer in der Nähe von Ge-
kräftigen Kieferklauen (Cheliceren) bestehen wässern und können unter Nutzung der Ober-
aus einem Grundglied und einer kräftigen, flächenspannung auch auf der Wasserober-
zahnartigen Klaue zum Ergreifen der Beute. fläche laufen (3a). Bei Gefahr tauchen sie
Die Kiefertaster (Pedipalpen) urtersuchen die sogar unter. Jagdspinnen überwältigen auch
Beute und spielen auch eine wichtige Rolle größere Beutetiere und fangen sogar Jung-
bei der Balz. Die Beute wird mit den Kiefer- fische und -frösche. Die Beute wird durch das
klauen gebissen, dabei wird lähmendes Gift Gift der Spinne in wenigen Sekunden getötet.
injiziert. Dann geben die Spinnen Verdau- an Land gebracht und dort gefressen.
ungssaft ab, der das Opfer zersetzt. Der so
entstandene Brei wird aufgesaugt; es bleiben

4
Baldachinsp i nne
nur Chitinreste zurück. Bei uns heimische Linyphia spec.
Spinnen sind für Menschen harmlos.
L 5-7 mm Aug.-Okt.
Kennzeichen: Dunkelbraun mit heller Rük-

2
Raubspinne
Pisaura mirabilis kenzeichnung, schlank und langbeinig. Sehr
typische und auffällige Netze (4b).
L-14mm Mai-Juli Vorkommen: Sehr häufig an Wald- und
Kennzeichen: Variabel gefärbt, braun bis Wegrändern, in Gärten. Wissenswertes: Bei
grau mit charakteristischer Rückenzeichnung uns zahlreiche, oft sehr ähnliche Arten, die
(2a). nur von Spezialisten zu bestimmen sind. Die
Vorkommen: An Waldrändern und Hecken, Tiere lauern mit dem Rücken nach unten
oft in Hochstaudenfluren. Wissenswertes: unter ihren im Spätsommer und Frühherbst
Die langbeinigen Spinnen lassen sich oft sehr auffälligen Netzen. Diese werden meist
beim Sonnenbad auf Brennnesseln in niedrigen Gebüschen, sehr häufig z.B. in
beobachten. Die Art zeigt eine interessante Heidekraut und Cotoneaster angelegt.
Fortpflanzungsbiologie. Das Männchen Fliegende Insekten werden durch die
bringt dem Weibchen ein „Brautgeschenk", zahlreichen Fäden zum Absturz gebracht und
z.B. in Form einer eingesponnenen Fliege, fallen auf ein teppichartiges, dichtes
dar. Nimmt das Weibchen die Fliege an, Gewebe. Durch dieses greift die Spinne von
nutzt das Männchen die Gelegenheit zur unten ihre Beute. Die Färbung ist als An-
Kopulation. Das Weibchen trägt zwei Wochen passung an dieses Verhalten zu deuten. Für
einen kugelförmigen, weiß oder hellgrau ge- Feinde erscheint die Spinne so vor dem hellen
färbten Eikokon mit sich herum (2b). Vor dem Himmel hell und vor dem dunklen Boden
Schlüpfen der Jungtiere webt sie ein Gespinst, dunkel. Würde sie auf dem Netz sitzen, wäre
in das der Kokon abgelegt wird. Die Jungen sie jeweils sehr auffällig gefärbt.
Spinnentiere

Vorkommen: Weit verbreitete Art, oft in Mau-

1 Sektorenspinne
Zygiella x-notata

L 6-11mm Juli-Dez.
erspalten, unter Steinen und unter loser
Baumrinde. Häufig in Wäldern.
Wissenswertes: Gespinste gelegentlich an
Kennzeichen: Graubraun, Rücken schwarz, Fenstern zu finden (Name!). Es handelt sich
Hinterleib silbrig glänzend mit schwarzer, um ein Trichternetz mit daran anschließender
blattartiger Zeichnung. Wohnröhre, in der sich die Spinne verbirgt.
Vorkommen: Weit verbreitete Kulturfolger, Die Weibchen spinnen sich nach der Befruch-
oft auch an der Außenseite von Gebäuden zu tung mit ca. 100 Eiern ein. Sie sterben nach
finden. Die Art kommt häufig in Ortschaften dem Schlüpfen der Jungen und dienen dieser
vor. Dort webt sie ihr Netz in Fenstern, Zäunen als erste Nahrung.
usw.
Wissenswertes: Der Narre leitet sich von
dem typischen Netz mit 2 Sektoren ohne
Fangfäden ab (1b). Von hier aus führt der
Signalfaden zum Versteck in einer Spalte oder
4 Zebraspringspinne
Salticus scenius

L-6mm Apr.-Okt.
Mauerritze. Kennzeichen: Charakteristisch schwarz-
weiß gezeichnet, sehr großes mittleres Au-
genpaar.

2 Zitterspinne
Pholcus phalangioides

L -11 mm Jan.-Dez.
Vorkommen: Weit verbreiteter Kulturfolger.
Jagt an sonnigen Hauswänden, Baikonen und
Mauern. Manchmal kann man sie sogar im
Kennzeichen: Sehr lange dünne Beine, ähn- Winter in Häusern finden. Abseits von Gebäu-
lich einem Weberknecht, hellgrau oder -braun den auf Mauern, größeren Steinen und an
mit undeutlicher, dunkler Zeichnung. Felswänden.
Vorkommen: In Mittel- und Südeuropa ver- Wissenswertes: Wohl die bekannteste von
breitet, bei uns nur in Gebäuden. über 70 bei uns vorkommenden Arten von
Wissenswertes: Zitterspinnen weben unre- Springspinnen {Salticidae). Mit ihren im Ver-
gelmäßige Netze, die unter der Decke hängen. gleich zu anderen Spinnen sehr großen Au-
Ihr Name leitet sich von dem Verhalten ab, bei gen - das vordere Paar wirkt gerade zu wie ein
Gefahr durch Bewegungen das Netz zum Teleobjektiv - können sie sehr gut sehen,
Schwingen zu bringen. Dadurch wird die schleichen sich an ihre Opfer an, springen auf
Spinne fast unsichtbar. Die Tiere hängen wie sie und lähmen sie durch einen Biß. Ein sack-
die Baldachinspinnen mit dem Rücken nach artiges Wohngespinst dient als Schutz für die
unten im Netz. Das Weibchen transportiert die Eier und vor schlechter Witterung. Die Tier
etwa 20 hellrosa gefärbten Eier bis zum zeigen ein hochinteressantes Balzverhalten
Schlupf der Jungen mit den Cheliceren. Damit bei dem regelrechte Tänze aufgeführt werden,
sie keine Eier verliert, werden sie zuvor mit die jeweils artspezifiscne Elemente enthalten.
einigen Fäden zusammengesponnen. Nahe Die in Mitteleuropa vorkommenden Arten
verwandt ist Pholcus opilionides mit sehr von Springspinnen zeigen alle ähnliche
ähnlicher Lebensweise. Die Tiere sind aber Verhaltensweisen wie die hier vorgestellte Art.
nur etwa halb so groß wie Zitterspinnen, die Allerdings leben nur wenige an oder in
Eier sind grau gefärbt. Gebäuden; die meisten kann man in Wäldern
und Wiesen finden. Erwähnenswert ist die
Fensterspinne Gattung Pellenes, von der einige Arten in

3 Amaurobius fenestralis

L-11mm Jan.-Dez.
Schneckenhäusern überwintern. Das machen
auch die Ameisenspringspinnen
(Myrmarachne formicaria), die Ameisen
Kennzeichen: Vorderkörper braun, Hinter- nachahmen und so wohl besser vor
leib braungelb mit schwarzem Fleck, Beine Freßfeinden geschützt sind, die schon
hellbraun, dunkel geringelt. einmal schlechte Erfahrungen mit Ameisen
gemacht haben.
Spinnentiere

1
Veränderliche Krabbenspinne Wespenspinne
Misumena vatia

L-10mm Mai-Juli
3 Argiope bruennichi

L m.-6 mm, w.-20 mm Juli-Sept.


Kennzeichen: Weibchen weiß, gelb oder Kennzeichen: Weibchen durch die schwarz-
grün, Männchen braun mit braun-weiß ge- weiß-gelbe Zeichnung bei uns unverwechsel-
streiftem Hinterleib, nur 4 mm lang. bar; die viel kleineren Männchen sind unauf-
Vorkommen: In blütenreichen Landschaf- fällig bräunlich gefärbt. Unterseite (3b) mit
ten. gelben Längsstreifen.
Wissenswertes: Die Weibchen können ihre Vorkommen: Auf Wiesen, an Wegrainen, in
Farbe ändern; sie lauern dann auf Blüten, die Hochstaudenfluren und auch Gärten, wenn es
ihrer Körperfarbe gleichen. Dabei sind sie für reichlich Heuschrecken gibt.
anfliegende Insekten wie auch für Freßfeinde Wissenswertes: Die manchmal auch als Ze-
praktisch unsichtbar (1b). Der Farbwechsel braspinne bezeichnete Art stammt Ursprung-
geschieht durch die Verlagerung von Farb- lieh aus dem Mittelmeerraum und galt lange
stoffen aus der Außenhaut in das Körperin- Zeit als wärmeliebend. In den letzten Jahren
nere und umgekehrt. Die Spinnen können die hat sie sich aber rasch ausgebreitet und
jeweilige Blütenfarbe sehen. Die Männchen kommt auch in klimatisch sehr rauhen Ge-
können ihre Farbe nicht verändern. Zahlreiche bieten wie z.B. in den Hochlagen des Erz
verwandte Arten sind zum Teil sehr prächtig gebirges oder dem Alpenvorland vor. Im
gezeichnet. Allen gemeinsam ist das krabben- Ruhrgebiet kann man sie inzwischen sogar
ähnliche Aussehen, bedingt durch die stark inmitten der Großstädte antreffen. Viel wichti-
verlängerten vorderen Beinpaare. Wie Krab- ger als die Temperatur scheint das ausrei-
ben können sie auch seit- und rückwärts lau- chende Vorkommen von Heuschrecken zu
fen. sein, die zur Hauptbeute gehören. Sie werden
in den dicht über dem Boden gespannten

2
Röhrenspinne Netzen gefangen, die durch ein zickzackför-
Eresus niger miges, weißes Gespinstband, das sogenannte
Stabiliment (3a), auffallen. Dieses dient nicht
L-16mm Jan.-Dez. der Stabilisierung des Netzes, sondern der
Kennzeichen: Männchen (2a) prächtig ge- Tarnung der Spinne.
zeichnet, Kopfbruststück schwarz, Hinterleib
leuchtend rot mit 4 großen und 2 kleinen

4
Labyrinthspinne
schwarzen Flecken, Beine schwarz-weiß.
Agelena labyrinthica
Weibchen (2b) schwarz. Vorkommen: Vor
allem in Sandgebieten; wärmeliebende Art.
L-15mm Juli-Aug.
Wissenswertes: Röhrenspinnen leben ge-
Kennzeichen: Grau mit bräunlicher
sellig. Ihr Gespinst endet in einer Röhre, die
Zeichnung auf Thorax und Abdomen,
bis zu 10 cm in den Erdboden reicht. Hier
auffällig große Spinnwarzen.
leben die Weibchen; die Männchen verlassen
Vorkommen: Weit verbreitet in trockener,
die Röhren nach der Geschlechtsreife und
niedriger Vegetation.
suchen eine Partnerin. Die Weibchen, die viel
Wissenswertes: Das Trichternetz mit einen
größer sind als die Männchen, werden erst mit
Labyrinth an Fangfäden wird dicht über dem
3 Jahren geschlechtsreif. Sie bewachen den
Boden gebaut und kann bis zu einem halben
Eikokon in der Erdröhre. Dort überwintern
Meter breit sein. Die Spinne lauert in ihrer
auch die Jungspinnen. Das Weibchen stirbt
Wohnröhre auf Beute. Dort wird auch der Ei-
und wird dann von den Jungen aufgefressen.
beute' befestigt, der über 100 Eier enthalten
Die Art ist bei uns sehr selten, im Mittelmeer-
kann (4b). Dieser wird vom Weibchen oft noch
raum hingegen verhältnismäßig häufig anzu-
mit Laubstreu getarnt. Bei Gefahr kann sie die
treffen.
Wohnröhre durch einen „Hinterausgang" ver-
lassen.
Spinnentiere

ßend die jetzt schütz- und wehrlose Schnecke

1
Weberknecht
Phalangium opilio aufzufressen.

L-9mm Juni-Nov.

4
Brettkanker Trogulus tricarinatus
Kennzeichen: Hellgrau mit dunkler Zeich-
nung, sehr lange Beine. Vorkommen: Sehr L-6mm Jan.-Dez.
weit verbreitet, hält sich meist in dichtem Kennzeichen: Eng mit dem Weberknecht
Pflanzenwuchs auf. Wissenswertes: verwandt, diesem aber recht unähnlich. Der
Weberknechte werden oft für Spinnen Körper ist brettartig abgeflacht (Name), die
gehalten, unterscheiden sich aber in Beine verglichen mit einem Weberknecht kurz
wesentlichen Merkmalen. Im Gegensatz zu und kräftig.
den Spinnen besitzen sie einen einteiligen Vorkommen: Überwiegend Waldbewohner,
Körper und nur ein Augenpaar. Da sie keine lebt in der Streuschicht, häufiger auf kalkhalti-
Spinnwarzen haben, können sie auch keine gem Untergrund.
Netze weben. Sie sind überwiegend nacht- Wissenswertes: Aufgrund seiner Körper-
aktiv und Allesfresser, die weder Aas noch form kann der Brettkanker sich problemlos
Pflanzenteile verschmähen. Die Beine sind zwischen Blättern bewegen. Auch er ist ein
sehr lang und zerbrechlich, bei Gefahr kön- Schneckenjäger und kann mit seinem nach
nen sie von manchen Arten sogar leicht abge- vorn schmaler werdenden Körper auch in die
worfen werden. Ähnlich wie abgeworfene Ei- engeren Windungen von Schneckenhäusern
dechsenschwänze zucken die Beine noch ei- eindringen, die er vollständig leerfrißt, ohne
nige Zeit, um den Feind zu irritieren. sie zu beschädigen. Sein häufigeres Vorkom-
men auf Kalk ist möglicherweise mit dem dort
größeren Schneckenreichtum zu erklären.

2
Weberknecht
Leiobunum limbatum

5
Bücherskorpion
L-6mm Juli-Dez. Chelifer cancroides
Kennzeichen: Rötlich, Weibchen bunt ge-
scheckt, sehr langbeinig (2. Beinpaar bis L 2-4,5 mm Jan.-Dez. Kennzeichen:
50 mm). Skorpionsähnlich, aber ohne den
Vorkommen: Meist an Mauern oder Fels- giftstachelbewehrten, schwanzfermigen
wänden in Wäldern. Abschnitt des Hinterleibs. Vorkommen: Fast
Wissenswertes: Die Tiere leben gesellig. weltweit verbreitet, meist in Vogelnestern
Bei Bedrohung führen sie mit dem Körper oder unter trockener Baumrinde, aber auch in
schwingende Bewegungen aus, ähnlich wie Häusern. Wissenswertes: Da der Körper
die Zitterspinnen. stark abgeflacht ist, können die Tiere sich
auch in engen Spalten bewegen und so
selbst zwischen Buchseiten Milben und

3
Schneckenkanker
Ischyropsalis hellwigi Staubläuse jagen. Ähnliche Arten der
Pseudoskorpione ( ca. 30 in Mitteleuropa)
L-9mm Juli-Okt. leben in der Laubstreu oder in Moospolstern,
Kennzeichen: Glänzend schwarz gefärbt, wo sie Milben, aber auch Springschwänze
mit gewaltigen Kieferklauen, die mit einer und andere sehr kleine Insekten jagen. Diese
Länge von ca. 10 mm größer sind als der werden mit den mit Giftdrüsen ausgestatteten
gesamte Körper. Scheren gepackt. Manche Arten klammern
Vorkommen: Bevorzugt in feuchteren Wäl- sich an den Beinen von Fliegen fest und
dern der Mittelgebirgslagen. lassen sich so über weite Strecken
Wissenswertes: Schneckenkanker fressen transportieren. Viele Arten zeigen ein
- wie ihr Name besagt - vor allem Gehäuse- interessantes Balzverhalten, dabei werden so-
schnecken. Mit ihren kräftigen Kieferklauen gar regelrechte Balztänze aufgeführt.
zerbrechen sie die Gehäuse, um anschlie-
Spinnentiere

Vorkommen: In Stillgewässern.

1
Holzbock
Ixodes ricinus Wissenswertes: Wassermilben leben räu-
berisch und erbeuten vor allem Insektenlarven
L -2,5 (m.-4 mm; vollgesogen (1b) -12 und Kleinkrebse, die gepackt und ausgeso-
mm) Mai-Okt. gen werden. Die Larven parasitieren auf Was-
Kennzeichen: Dunkel rotbraun, 8 Beine. serinsekten oder deren Larven.
Vorkommen: Weit verbreitet, besonders
häufig in feuchteren Wäldern mit ausgepräg-

4
Kugelwassermilbe
ter Strauch- und Krautschicht. Hydrachna spec.
Wissenswertes: Nur die Weibchen lauern
auf Blättern oder Zweigspitzen auf Warmblü- L -3 mm
ter, auf die sie sich in geeignetem Augenblick Kennzeichen: Rotbraun mit hochgewölbtem
fallen lassen. Sie saugen 5-14 Tage lang Blut. Körper.
Dieses ist zwar lästig, die wahren Probleme für Vorkommen: Oft in kleinen Stillgewässern.
die Menschen resultieren aber aus der Tat- Wissenswertes: Die Tiere können gut
sache, daß diese Zecken dabei mit Frühsom- schwimmen und sind nicht selten. Die zahl-
mer-Meningo-Encephalitis (FSME; eine Art reichen, sehr schwer zu bestimmenden Arten
von Hirnhautentzündung) und Borreliose von Wassermilben sind neben der Wasser-
(eine bakterielle Infektion) zwei gefährliche spinne die einzigen Spinnentiere, die vollstän-
Krankheiten übertragen. Deshalb sollte man in dig im Wasser leben. Sehr auffällig sind auch
Zeckengebieten möglichst geschlossene Klei- die leuchtend roten Arten der Gattung Hydro-
dung tragen, sich mit Mückenschutzmitteln droma.
einreiben und z.B. nach einer Waldwande-
rung den Körper auf Zecken absuchen und

5
Hausstaubmilbe
diese gegebenenfalls entfernen. Hierzu gibt es
Dermatophagoides spec.
detaillierte Informationen in allen Apotheken.
L-0,4 mm Jan.-Dez.

2
Samtmilbe Kennzeichen: Mikroskopisch klein; Arten
Eutrombidium spec. nur von Spezialisten unterscheidbar.
Vorkommen: In Matratzen, Teppichen, So-
L -2,5 mm (4 mm) März-Okt. fas.
Kennzeichen: Körper und Beine leuchtend Wissenswertes: Die Tiere fressen vor allem
rot gefärbt. Pilze, die auf Haarschuppen wachsen. Ihre
Vorkommen: Lebt auf unterschiedlichen Körperausscheidungen können bei empfindli-
Pflanzen, u.a. auf Obstbäumen. chen Personen allergische Reaktionen bis hin
Wissenswertes: Zu den größten und auf- zu asthmatischen Anfällen auslösen.
fälligsten Raubmilben gehören die Samtmil-
ben. Sie werden von Gärtnern als sehr nütz-

6
Gallmilbe
lich angesehen, da sie u.a. Schadmilben, Lar-
Eriophyes spec.
ven von Fransenflüglern und sogar Blattläuse
jagen. Sie laufen dabei recht schnell auf dem L -0,2 mm
Boden und auf Blättern umher. Die Weibchen Kennzeichen: Mikroskopisch klein; auffällig
überwintern im Fallaub und legen im Frühjahr sind die Gallen (s.u.).
ihre Eier im Boden ab. Vorkommen: Auf den verschiedensten Blät-
tern; die einzelnen Arten sind wirtsspezifisch.
Wassermilbe

3 Piona spec.

L -3 mm
Wissenswertes: Vor allem auf Laubbäumen
findet man oft stiftförmige Wucherungen, die
meist rot oder gelb sind. Diese Wucherungen
werden durch Gallmilben hervorgerufen, die
Kennzeichen: Bunt gefärbt, kugelige Gestalt Pflanzenzellen aussaugen und dabei Enzyme
mit 8 Beinen. abgeben, die die Gallbildung auslösen.
Tausendfüßer

schwarz mit unterschiedlicher, brauner, roter

1 Brauner Steinläufer
Lithobius forficatus

L-32mm Jan.-Dez.
oder gelber Zeichnung. Vorkommen: In
lichten Wäldern, an Waldrändern und auch
Trockenrasen unter Steinen; fehlt im Norden
Kennzeichen: Dunkel rotbraun, 15 Bein- Mitteleuropas. Wissenswertes: Verhalten
paare, lange Fühler. wie vorige Art. Saftkugler ernähren sich
Vorkommen: Häufig unter Steinen, Rinde von verrottenden Pflanzenteilen. Sie
und in der Laubstreu zu finden. gehören wie die Tausendfüßer zu den
Wissenswertes: Junge Hundertfüßer haben Doppelfüßern mit zwei Beinpaaren pro
nur 7 Beinpaare, die Zahl nimmt bei jeder Körpersegment.
Häutung zu. Alle Hundertfüßer haben nur 1
Beinpaar pro Körpersegment. Jagt Insekten,

5
Schnurfüßer Schizophyllum
Regenwürmer usw., die mit einem Giftbiß ge- rutilans
lähmt werden. Der verwandte, im Mittelmeer-
raum heimische Skolopender (Scolopendra L-35mm Jan.-Dez.
cingulata) wird bis zu 10cm lang und kann Kennzeichen: Glänzend braunschwarz, zwei
auch Menschen sehr empfindlich beißen. Die Beinpaare je Körpersegment. Vorkommen:
Giftigkeit des Bisses wird wie die eines Wes- Vor allem im Fallaub in Wäldern sehr
penstiches beurteilt, kann aber im Einzelfall häufig.
auch heftigere Reaktionen hervorrufen. Wissenswertes: Es gibt bei uns ca. 50 Arten
von Schnurfüßem, die nur sehr schwer zu
bestimmen sind. Sie sind die wahren „Tau-

2
Gemeiner Erdläufer
Geophilus longicornus sendfüßer", auch wenn sie nur maximal 130
Beinpaare besitzen. Sie ernähren sich vor al-
L-40mm Jan.-Dez. lem von verrottendem Pflanzenmaterial.
Kennzeichen: Lang und dünn mit bis zu 57
Beinpaaren, gelblichbraun gefärbt.

6
Bandfüßer Polydesmus angustus
Vorkommen: Überall am Erdboden zu fin-
den, oft unter Steinen oder Holzstücken. L-20mm Jan.-Dez.
Wissenswertes: Lebt wie mehrere ähnliche Kennzeichen: Braun, zwei Beinpaare je Kör-
Arten, die auch bei uns vorkommen, räube- persegment, Seitenränder der Rückenschilde
risch. Zur Hauptbeute gehören Regenwürmer. deutlich nach außen verbreitert.
Vorkommen: Vor allem in der Laubstreu in

3
Gerandeter Saftkugler Laubwäldern, oft unter Steinen oder größeren
Glomeris marginata Holzstücken zu finden.
Wissenswertes: Bei uns 10 sehr ähnliche
L 6-20 mm Jan.-Dez. Arten. Die Weibchen bauen für die Eier ein
Kennzeichen: Schwarz glänzend, Segmente Erdnest.
mit gelblichem Hinterrand. Vorkommen: In
Laubwäldern in der Laubstreu oder unter

7
Zwergfüßer
Steinen. Wissenswertes: Bei Gefahr rollen
sich die Tiere zu einer Kugel zusammen; der
Scutigerella immaculata
Kopf befindet sich im Inneren der Kugel.
Zusätzlich können sie ein Wehrsekret
L -8 mm Jan.-Dez.
absondern.
Kennzeichen: Klein, weißlich gefärbt, 12
Segmente mit 12 Beinpaaren, keine Augen

4
Bunter Saftkugler Vorkommen: In der Laubstreu, feuchtigkeits-
Glomeris conspersa liebende Art.
Wissenswertes: Die Tiere leben meist unter
L 12-17 mm Jan.-Dez.
der Erdoberfläche und sind überwiegend
Kennzeichen: Sehr variabel gefärbt, Pflanzenfresser.
Urinsekten, Eintagsfliegen

lung bis zu 3 Jahre dauern kann, leben die

1
Silberfischchen
Lepisma saccharina ausgewachsenen Tiere mancher Arten nur
wenige Stunden, meist aber 2-4 Tage. Nach
L-12mm Jan.-Dez. dem Schlüpfen schwärmen sie oft in großer
Kennzeichen: Flügellos, silbrig-glänzend, Zahl in der Abenddämmerung. Dabei finden
drei Hinterleibsanhänge, Augen sehr klein. sich Männchen und Weibchen zur Paarung.
Vorkommen: Kosmopolit, Kulturfolger. Die Männchen sterben nach kurzer Zeit, die
Wissenswertes: Silberfischchen, wegen ih- Weibchen nach der Eiablage. Die meisten Ar-
rer Vorliebe für Kohlenhydrate auch als Zuk- ten legen ihre Eier in Fließgewässer ab, die
kergast bezeichnet, sind Kulturfolger, die bei hier gezeigte Art kommt wie einige andere
uns nur in Häusern vorkommen, z.B. in Spei- auch in Stillgewässern vor.
sekammern, Badezimmern usw. Die Tiere sind
völlig harmlos und nachtaktiv. Sie sind die

4
Eintagsfliegen-Larve
bekanntesten Vertreter der sog. Ur-Insekten, Ephemera spec.
die unter dem Namen Apterygota (= Flügel-
lose) zusammengefaßt werden und zu denen Die Larven von Ephemera graben
auch die Springschwänze (s.u.) gehören. Gänge in den Gewässergrund. Sie tragen
Tracheenkiemen am Hinterleib und besitzen
von Ausnahmen abgesehen 3 Anhänge. Viele

2
Springschwanz
Isotoma spec. Arten reagieren empfindlich auf
Gewässerverschmutzung, so daß sie als
L -3 mm Zeigerorganismen zur Bestimmung der
Kennzeichen: Winzig, grünlich-schwarz. biologischen Gewässergüte von
Vorkommen: Im Waldboden und in Moos- Fließgewässern herangezogen werden.
polstern, auch auf Schnee. Wissenswertes:
Springschwänze gehören im Boden mit zu

5
Steinfliege
den wichtigsten Zersetzern von Laub und Perlodes spec.
anderen abgestorbenen Pflanzenteilen.
Obwohl flügellos sind zumindest die Arten der L-28mm Apr.-Juli
höheren Schichten der Laubstreu mit Hilfe Kennzeichen: Bräunlich gefärbt, 4 fast
ihrer sogenannten Sprunggabel sehr gleich große Flügel, 2 Schwanzanhänge.
beweglich. Manche Arten leben im Winter auf Vorkommen: Vor allem in Mittelgebirgen in
Schnee und ernähren sich von kleinsten und an Bächen weit verbreitet.
Pflanzenresten oder wie der berühmte Glet- Wissenswertes: Die ausgewachsenen Tiere
scherfloh von den Pollen der Nadelbäume. sind recht unauffällig; da sie meist in der Nähe
Einige Arten wie der Schwarze Wasserspring- von Fließgewässern vorkommen, bezeichnet
schwanz Podura aquatica (2b) leben auch man sie auch als Uferfliegen. Die mehr als 100
auf der Oberfläche von Kleinstgewässern. mitteleuropäischen Arten sind nur von Spezia-
listen zu unterscheiden, ein sehr wichtiges
Gemeine Eintagsfliege Bestimmungsmerkmal ist die Aderung der

3 Ephemera danica

L-24mm Sp-45mm Mai-Aug.


Vorderflügel.

Steinfliegen-Larve
Kennzeichen: Körper braun mit 3 bis zu
4cm langen Anhängen, Flügel bräunlich mit
dunklen Flecken, Vorderflügel mehr als dop-
6 Mit ihrer abgeflachten Gestalt sind sie gut
pelt so groß wie die Hinterflügel. an das Leben in schnellfließendem Wasser
Vorkommen: Weite Teile Europas, vor allem angepaßt. Im Gegensatz zu den
in Mittelgebirgslagen. Eintagsfliegen-Larven haben sie nur 2
Wissenswertes: Typische Vertreterin der Schwanzanhänge. Auch Tracheenkiemen
Eintagsfliegen. Während die Larvalentwick- findet man selten; sie nehmen den Sauerstoff
über die Körperoberfläche auf.
Libellen

Nordasien. Eine unserer häufigsten Libellen-

1
Blauflügel-Pra c htlibelle
Calopteryx virgo arten, die an fast allen Gewässertypen vor-
kommt.
L 35-40 mm Sp 60-70 mm Mai-Sept. Wissenswertes: Oft sind Große Pechlibellen
Kennzeichen: Körper blaugrün, metallisch die ersten Libellen, die sich an neu ange-
glänzend, Männchen mit blaugrünen oder legten Gartenteichen einfinden. Das Verhalten
blauen Flügeln, Weibchen mit bräunlichen bei der Eiablage unterscheidet sich von den
Flügeln. übrigen Schlankjungfern durch die Tatsache,
Vorkommen: Nur in der Nähe von sauer- daß das Weibchen die Eier ohne die Beglei-
stoffreichen, sauberen Fließgewässern, des- tung des Männchens in Wasserpflanzen ab-
halb meist in den Mittelgebirgen anzutreffen. legt.
Wissenswertes: Die Art ist durch die Ver-
schmutzung von Fließgewässern bedroht. Das

4
Frühe Adonislibelle
Verhalten ist ähnlich der folgenden Art. Pyrrhosoma nymphula

L-35mm Sp-45mm Apr.-Aug.

2
Gebänderte Prachtlibelle
Calopteryx splendens Kennzeichen: Männchen (4b) mit überwie-
gend rotem Hinterleib, ab dem 7. Segment mit
L-50mm Sp-70mm Juni-Sept. schwarzer Zeichnung. Weibchen mit mehr
Kennzeichen: Körper des Männchens blau, Schwarz. Beine immer schwarz gefärbt.
metallisch glänzend, Flügel mit breiter, blau- Vorkommen: In Europa weit verbreitet an
grüner Binde. Weibchen metallisch grün, Flü- vegetationsreichen Kleingewässern, oft auch
gel grünlich. an Gartenteichen.
Vorkommen: Im Gegensatz zur vorigen Art Wissenswertes: Eine der bei uns am frü-
an langsam fließenden Bächen und Flüssen in hesten im Jahr erscheinenden Libellenarten.
ganz Europa. Trotz der auffälligen Färbung sind diese Libel-
Wissenswertes: Sitzen die Tiere in der Ufer- len meist nur im Flug zu entdecken, da sie
vegetation, sind sie nicht leicht zu entdecken. sich sonst in dichtem Pflanzenwuchs verstek-
Im Flug fallen vor allem die Männchen sofort ken. Ihr Name bezieht sich auf das rot blü-
auf. Sie besetzen Reviere, die sie immer wie- hende Adonisröschen, das wiederum nach
der mit einem eigenartigen Schwirrflug ab- Adonis benannt ist. Adonis war nach der grie-
grenzen. Dringen fremde Artgenossen in das chischen Mythologie ein Geliebter der Göttin
Revier ein, werden sie von den Revierinha- Aphrodite. Deren Gemahl Ares verwandelte
bern angegriffen. Interessant ist auch das Paa- sich in einen Eber und tötete aus Eifersucht
rungsverhalten. Die Männchen zeigen einflie- Adonis bei einer Jagd. Aus jedem Blutstropfen
genden Weibchen zunächst die Unterseite ist dann ein Adonisröschen geworden.
des Hinterleibes. Dann führen sie im Flug ei-
nen Balztanz vor, an den die Paarung an-

5
Späte Adonislibe ll e
schließt. Das Weibchen fliegt dann zum Eiab- Ceriagrion tenellum
lageplatz und legt die Eier in schwimmende
Pflanzenteile ab. Dabei taucht es manchmal L 30-35mm Sp 40-45mm Juni-Sept.
ganz unter. Die Männchen verteidigen inzwi- Kennzeichen: Ähnlich der Frühen Adonisli-
schen wieder ihr Revier. belle, aber beide Geschlechter leicht an den
hellroten Beinen zu erkennen. Vorkommen:
Große Pechlibe l le Westeuropäische Art, vor allem in Moor-

3 Ischnura elegans

L-28mm Sp 35-40 mm Mai-Sept.


und Heidegewässern. Wissenswertes: Die
Art ist leider in weiten Teilen ihres
Verbreitungsgebietes durch den Verlust ihrer
Kennzeichen: Hinterleib schwarz, 8. Hinter- Lebensräume stark gefährdet. Die Eier
leibssegment leuchtend blau gefärbt. werden in Binsenstengel abgelegt, die
Vorkommen: Weit verbreitet in Europa und Larven leben in Torfmoospolstern.
Libellen

1 Weidenjungfer Vorkommen: Vor allem an Gewässern mit


Chalcolestes viridis ausgeprägter Schwimmblatt-Vegetation (Horn-
blatt, Tausendblatt usw.). Wissenswertes:
L-45mm Sp-60mm Juli-Okt. Die Art hat ihr Verbreitungsgebiet in den
Kennzeichen: Körper grünmetallisch bis letzten Jahren ganz erheblich vergrößert. Ein
kupferfarben, Flügelmal einfarbig hellbraun. Zusammenhang mit Klimaveränderungen wird
Vorkommen: Weit verbreitet in Mittel- und diskutiert, ist aber nicht gesichert. Die besten
Südeuropa. Lebensraum sind von Erlen und Chancen die Tiere zu beobachten hat man,
Weiden gesäumte Weiher. Wissenswertes: wenn man mit einem Fernglas
Bemerkenswert ist vor allem die Schwimmblätter absucht. Die Eiablage erfolgt
Fortpflanzungsbiologie dieser Art. Die Eier in schwimmende Pflanzenteile (3a).
werden in über die Wasseroberfläche rei-
chende Zweige der Bäume eingebohrt (1b).

4
Großes Granatauge
Die Rinde schwillt an den Eiablagestellen Erythromma najas
meist leicht an. Die von Mitte August bis Mitte
Oktober abgelegten Eier können auch sehr L-35mm Sp 45-50 mm Mai-Sept.
harte Fröste überstehen. Im Frühjahr schlüpft Kennzeichen: Augen rot, Brustseiten beim
zunächst eine 2 mm lange sogenannte Pro- Männchen (4a) blau, beim Weibchen grün, 9.
larve, die sich ins Wasser fallen läßt und sich und 10. Hinterleibssegment beim Männchen
dort weiterentwickelt. Nach zehnmaliger Häu- einfarbig blau.
tung schlüpfen die Weidenjungfern dann Vorkommen: An Stillgewässern mit ausge-
schließlich im Juli. dehnter Schwimmblattvegetation. Oft sitzen
die Tiere auf Seerosenblättern.
Wissenswertes: Man unterscheidet 2 Unter-

2
Gemeine Binsenjungfer
Lestes sponsa Ordnungen der Libellen, die Großlibellen
{Anisoptera) und die Kleinlibellen (Zygop-
L-35mm Sp 40-45 mm Juni-Okt. tera). Das Große Granatauge ist eine typische
Kennzeichen: Grundfärbung grünmetallisch Kleinlibelle. Diese kann man leicht am dün-
mit kupferfarbenem Glanz, Brust der Männ- nen, streichholzartigen Hinterleib erkennen.
chen sowie erstes und hintere Hinterleibsseg- Wenn die Kleinlibellen ruhen, legen sie ihre
mente hellblau. Flügel dachartig über dem Hinterleib zusam-
Vorkommen: Vor allem an Gewässern mit men. Eine Ausnahme machen die Teichjung-
dichtem Bewuchs an Binsen, Teichschachtel- fern (Lestidae), die ihre Flügel schräg nach
halm usw., auch an Gewässern, die zeitweilig hinten abspreizen. Wie alle Libellen hat auch
austrocknen. das Große Granatauge im Vergleich zu an-
Wissenswertes: Wie ihre Verwandten aus deren Insekten sehr große Augen (4b), die bei
der Familie der Teichjungfern spreizen die Ge- dieser Art durch die Färbung besonders auf-
meinen Binsenjungfern ihre Flügel meist seit- fallen. Diese Facettenaugen sind aus vielen
lich ab, wenn sie auf einem Zweig oder Schilf- tausend Einzelaugen zusammengesetzt, von
halm ruhen (vgl. mit anderen Kleinlibellen). denen jedes nur einen winzigen Teil der Um-
gebung abbildet. Die Teilbilder ergeben das
Gesamtbild; man spricht auch von einem zu-
Kleines Granatauge

3 Erythromma virens

L-30mm Sp 35-40mm Juni-Sept.


sammengesetzten Auge. Große Granataugen
legen ihre Eier bevorzugt in die Stengel von
Teichrose, Weißer Seerose und Laichkräutern
Kennzeichen: Augen rot, Brustseiten blau, 8. ab. Dazu landet das Paar auf einem
Hinterleibssegment beim Männchen (3b) seit- Schwimmblatt und klettert dann rückwärts bis
lich blau (bei der folgenden Art schwarz), 9. zu einem halben Meter unter Wasser. Dort
blau und 10. blau mit schwarzer X-Zeichnung; können sie über 30 Minuten bleiben, wobei
Weibchen sehr ähnlich dem Großen Granat- das Weibchen die Eier in den Stengel ein-
auge. sticht.
Libellen

Zeichnung auf dem 2. Hinterleibssegment,

1
Hufeisenazurjungfer
Coenagrion puella die aber in Form und Größe variiert.

L 35-40 mm Sp-50mm Mai-Sept.

3
Becherazurjungfer
Kennzeichen: Männchen (1a) hellblau und Enallagma cyathigerum
schwarz gefärbt, auf dem 2. Hinterleibsseg-
ment ein „U"- bzw. hufeisenförmiges schwar- L 30-35 mm Sp-45mm Mai-Sept.
zes Mal (Name!). Weibchen überwiegend Kennzeichen: Männchen blau-schwarz ge-
schwarz mit grünlicher, seltener bläulicher färbt, auf dem 2. Hinterleibssegment mit
Zeichnung. schwarzer Zeichnung, die an einen gestielten
Vorkommen: An fast allen Gewässertypen Becher erinnert.
mit Ausnahme von schnell fließenden Bächen Vorkommen: An vielen Gewässertypen, be-
und Flüssen, regelmäßig auch an Gartentei- vorzugt an großen Stillgewässern.
chen. Wissenswertes: Die Weibchen gehen bei
Wissenswertes: Die Hufeisenazurjungfer ist der Eiablage oft unter Wasser, dabei koppeln
die häufigste der 6 heimischen Arten von sich die Männchen ab. Nach dem Auftauchen
Azurjungfern der Gattung Coenagrion und wird das Weibchen erneut vom Männchen ge-
eine der bei uns häufigsten Libellen über- packt; gemeinsam fliegen sie zum nächsten
haupt. Die ausgewachsenen Tiere schlüpfen Eiablageplatz.
etwa Anfang Mai und haben eine Lebenser-
wartung von ca. 4 Wochen. Da aber nicht alle

4
Gemeine Winterlibelle
Tiere zeitgleich schlüpfen, kann man die Art Sympecma fusca
bis Ende August beobachten. Zur Paarung
greifen die Männchen die Weibchen hinter L-35mm Sp-45mm Juli-Mai
dem Kopf mit ihren Hinterleibszangen. Die Kennzeichen: Hellbraun mit
Weibchen nehmen den Samen aus der vom dunkelbrauner, kupfern glänzender
Männchen vor der Paarungssuche gefüllten Zeichnung. Vorkommen: An Gewässer mit
Samentasche. Dazu biegen sie den Hinterleib ausgedehnten Röhrichten, vor allem im
weit vor. Diese Haltung bezeichnet man als Flachland. Wissenswertes: Als einzige
Paarungsrad. Die Weibchen stechen die Eier heimische Libellen überwintern
in verschiedene Wasserpflanzen ein (1c). Da- Winterlibellen als voll entwickelte Tiere. Sie
bei werden sie ständig vom Männchen be- sitzen dann fern vom Wasser in
gleitet und nach wie vor mit den Hinterleibs- Schlupfwinkeln. Oft werden sie schon an
zangen festgehalten. So verhindern sie die warmen Februartagen aktiv und kehren
Paarung des Weibchens mit anderen Männ- Anfang April zu ihren Brutgewässern zurück.
chen. Die Entwicklungszeit der Eier beträgt je Keine andere Art fliegt so früh im Jahr. Anfang
nach den örtlichen Bedingungen zwischen 2 Juni sterben die Tiere, doch schon im August
und 5 Wochen. Die Larven überwintern. schlüpfen die Tiere der nächsten Generation,
die im Oktober ihr Winterquartier aufsuchen.

2
Fledermausazurjungfer
Coenagrion pulchellum

5
Kleinlibellenlarve
Hufeisenazurjungfer
L30-35mm Sp-50mm Mai-Juli
Kennzeichen: Männchen im Vergleich zu Wissenswertes: Kleinlibellenlarven
anderen Azurjungfern mit mehr Schwarz am sind langgestreckt und schlank.
Hinterleib. Charakteristisch sind 3 verhältnismäßig
Vorkommen: Weit verbreitet an stehenden große, blattförmig Fortsätze am Hinterende.
Gewässer mit Schwimmblattvegetation, aber Diese dienen der Fortbewegung und der
große Verbreitungslücken. Wissenswertes: Atmung. Die Entwicklung der Larven geht im
Namengebend ist eine -mit Phantasie Vergleich zu vielen Großlibellen recht
betrachtet - fledermausartige schnell, denn im nächsten Frühjahr oder
Frühsommer erfolgt die Umwandlung zum
Imago.
Libellen

teristisch blau-grün-schwarz gefärbt, Weib-

1
Große Königslibelle
Anax imperator chen ohne Blau.
Vorkommen: Weit verbreitet an allen Stilige-
L -80 mm Sp -110 mm Mai-Sept. wässern, bevorzugt aber an kleineren Gewäs-
Kennzeichen: Brustseiten blaugrün, Hinter- sern, oft auch an Gartenteichen.
leib blau mit schwarzer Zeichnung. Wissenswertes: Die häufigste der 8 bei uns
Vorkommen: Weit verbreitet in Europa, vor vorkommenden Arten der Gattung Aeshna.
allem an nährstoff- und Pflanzenreichen Wei- Nach dem Schlupf ab Mitte Juni zunächst
hern und Altwässern. mehrere Wochen fernab von Gewässern ja-
Wissenswertes: Große Königslibellen sind gend, oft in Wäldern. Ab August zur Fortpflan-
tatsächlich die größten heimischen Libellen zung wieder am Wasser. Die Larvalentwick-
und die „Herrscher der Lüfte" über unseren lung dauert 2 Jahre.
Gewässern. Das besagt auch der wissen-
schaftliche Name (lat. anax = Herr, imperator

4
Braune Mosaikjungfer
= Herrscher). An warmen Sommertagen kann Aeshna grandis
man die Männchen oft stundenlang über dem
Wasser fliegen sehen, ohne daß sie sich ein- L-80mm Sp-105mm Juli-Okt.
mal niedersetzen. Großlibellen sind wesent- Kennzeichen: Einzige heimische Großlibelle
lich kräftiger gebaut als die Kleinlibellen, die mit goldbraun gefärbten Flügeln, Körper
Flügel werden in der Ruhe im allgemeinen braun, Brust mit gelben Seitenstreifen, Männ-
waagerecht ausgebreitet. Die Weibchen wer- chen mit hellblauen, Weibchen mit gelblichen
den bei der Eiablage nicht von den Männchen Seitenflecken am Hinterleib. Vorkommen:
festgehalten. Die Weibchen setzen sich auf An größeren Weihern und Seen,
Wasserpflanzen wie Hornblatt-, Laichkraut- Verbreitung sehr ungleichmäßig, in
oder Tausendblatt-Arten und stechen die Eier Norddeutschland häufiger. Wissenswertes:
in dicke Stengel ein. Dabei tauchen sie mit Die Eier werden in abgstorbene
dem Hinterleib unter Wasser. Mit den Flügeln Pflanzenteile oder sogar morsches Holz
balancieren sie Bewegungen der schwanken- abgelegt, wo sie zunächst überwintern. Die
den Wasserpflanzen aus. Entwicklung bis zur ausgewachsenen Li-
belle dauert bis zu 3 Jahre.

2
Großlibellenlarve Anax
imperator

5
Herbst-Mosaikjungfer
Aeshna mixta
Wissenswertes: Die Larven der
Großlibellen sind viel kräftiger gebaut als die L-64mm Sp-85mm Juli-Nov.
Kleinlibellenlarven. Sie tragen keine Kennzeichen: Kleinste bei uns vorkom-
blattförmigen Hinterleibsanhänge. Die mende Mosaikjungfer, Brust braun mit gelben
Fortbewegung erfolgt bei ihnen nach dem Seitenstreifen, Hinterleib schwarz, beim Männ-
Rückstoßprinzip, indem sie Wasser aus dem chen mit blauen, beim Weibchen mit gelben
Enddarm herauspressen. Libellenlarven leben Seitenflecken.
räuberisch. Mit ihrer Fangmaske, die blitzartig Vorkommen: An allen möglichen Stillgewäs-
nach vorn geschleudert werden kann, sern vom Fischteich bis zum Moorsee, wenn
erbeuten sie alle möglichen ein gewisser Pflanzenreichtum gegeben ist.
Wasserlebewesen. Die Larven der großen Li- Wissenswertes: Die Art erscheint als letzte
bellenarten können selbst kleine Fische, Mol- der Mosaikjungfern und fliegt bis weit in den
che und Kaulquappen überwältigen. Herbst hinein. Die Tiere fliegen oft sehr hoch
über ihrem Gewässer und werden dabei wie
Blaugrüne Mosaikjungfer

3
andere Großlibellen auch oft Beute von
Aeshna cyanea Baumfalken, die mit blitzschnellen und
artistischen Flugmanövern auf die Libellen
L-80mm Sp-110mm Juni-Nov. hinabstoßen.
Kennzeichen: Sehr groß, Männchen charak-
Libellen

Vorkommen: Eine häufige Art, die

1 Vierfleck
Libellula quadrimaculata bevorzugt an Gewässern
vegetationsarmen Ufern lebt.
Wissenswertes: Wegen der Färbung auf
mit

L-50mm Sp-85mm Mai-Juli


Kennzeichen: Eindeutig gekennzeichnet den ersten Blick dem Plattbauch ähnlich, aber
durch einen dunklen Fleck an jedem Flügel- viel scnlanker und mit ungefleckten Hinter-
vorderrand (Name!). flügeln. An offenen Stellen in Ufernähe kann
Vorkommen: Holarktisch verbreitet, im Mit- man die Männchen häufig auf dem Boden
telmeerraum nur sehr lokal vorkommend. Lebt sitzen sehen, oft auch auf Wegen. Sie ver-
an Pflanzenreichen Stillgewässern, ist aber in teidigen Reviere von 10-50m Uferlänge. In
Mooren besonders häufig. Wissenswertes: Deutschland wurden drei weitere Arten der
Einer der häufigeren Vertreter der Familie Gattung nachgewiesen, alle sind aber sehr
der Segellibellen (Libelluli-dae). Zur selten.
Namensgebung haben die Flecken am
Vorderrand der Flügel beigetragen.

4
Zweigestreifte Quelljungfer
Kommt es zur Massenentwicklung, können Cordulegaster boltoni
Wanderschwärme aus Tausenden von Tieren
entstehen, die Hunderte von Kilometern flie- L-85mm Sp-125 mm Juni-Okt.
gen. Die entkräfteten Libellen werden dann Kennzeichen: Auffällig schwarz-gelb ge-
häufig von Vögeln gefressen. Als Auslöser für färbt, Augen grün.
die Wanderungen wird ein parasitischer Vorkommen: Vor allem an sauberen Mittel-
Saugwurm (Prostogonimus oratus) vermutet, gebirgsbächen verbreitet. Wissenswertes:
für den die Libellen Zwischenwirt, die Vögel Die Weibchen sind die größten heimischen
aber Endwirt sind. Libellen, noch größer als die Großen
Königslibellen. Durch Gewässer-
Verschmutzung ist die Art bei uns vielerorts

2
Plattbauch
Libellula depressa schon verschwunden. Die Tiere fliegen ver-
gleichsweise langsam. Sie setzen sich häufig
L 40-50 mm Sp 70-80 mm Mai-Aug. auf Pflanzen und lassen sich dann gut beob-
Kennzeichen: Hinterleib auffallend breit, bei achten. Die Larven leben eingegraben im
Männchen (2a) hellblau, bei Weibchen (2b) Bachgrund, nur die Fangmaske ragt heraus.
braun gefärbt. An der Hinterflügelbasis großer, Ihre Entwicklung dauert 3-5 Jahre.
schwarzbrauner Fleck.
Vorkommen: Bevorzugt an Gewässern mit

5
Kleine Moosjung fe r
wenig Pflanzenbewuchs, deshalb häufig Erst- Leucorrhinia dubia
besiedler von neu angelegten Kleingewäs-
sern. L-30-40 mm Sp 50-60 mm Mai-Aug.
Wissenswertes: Als Ansitzjäger sind Platt- Kennzeichen: Männchen schwarz mit roten
bäuche leicht zu beobachten. Immer wieder Flecken auf Thorax und Abdomen, Weibchen
setzen sich sich auf denselben Stein, Schilf- mit gelben Flecken. Pterostigmen (das sind
halm oder Ast am Ufer, von wo aus sie ihre die gefärbten Zellen an der Flügelvorder-
Jagdflüge starten. Beutetiere werden im Flug kante) schwarz.
mit den Beinen ergriffen und sofort verzehrt. Vorkommen: Hochmoorbewohner; verbrei-
tet in Nord- und Mitteleuropa und Nordasien.
Großer Blaupfeil Wissenswertes: Im Frühjahr die häufigste

3 Orthetrum cancellatum

L 45-50 mm Sp 75-90 mm Mai-Sept.


Libelle der Hochmoore und saurer, nährstoff-
armer Stillgewässer. Ähnlich ist die im glei-
chen Lebensraum vorkommende Nordische
Kennzeichen: Männchen (3a) mit hell- Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) mit ro-
blauem Hinterleib, letzte Segmente schwarz, ten Pterostigmen. Wie alle Moorlibellen durch
Weibchen (3b) gelb- bis braunschwarz. Zerstörung der Lebensräume gefährdet.
Libellen

Heidelibellen, die Beine einheitlich schwarz.

1
Gemeine Keiljungfer
Gomphus vulgatissimus Vorkommen: An Stillgewässern aller Art,
auch an Gartenteichen; in Europa und Klein-
L-55mm Sp60-70mm Mai-Juli asien.
Kennzeichen: Schwarz mit gelblichen bzw. Wissenswertes: Eine der häufigsten der ins-
grünlichen Flecken, Hinterleib keilförmig ver- gesamt 11 europäischen Arten der Heidelibel-
breitert, Beine einfarbig schwarz. len. Mit Ausnahme der Schwarzen Heideli-
Vorkommen: In sauberen Bächen und Flüs- belle (s.u.) ist der Hinterleib bei den Männ-
sen, auch an Brandungsufern von Seen; heute chen immer rot gefärbt. Die Weibchen sind
überall sehr selten. gelbbraun und nur schwer voneinander zu
Wissenswertes: Der wissenschaftliche unterscheiden. Die Eier werden ins Wasser
Name dieser Art deutet darauf hin, daß sie oder über feuchtem Boden am Ufer abgelegt
einst viel häufiger gewesen sein muß. Die und überwintern.
Tiere sind gegen Gewässerverschmutzung
äußerst empfindlich, und so verwundert es

4
Gebänderte Heidelibelle
nicht, daß die Gemeine Keiljungfer bei uns Sympetrum pedemontanum
heute in der Roten Liste in der Kategorie „vom
Aussterben bedroht" geführt wird. Häufiger ist L-35mm Sp 45-55 mm Juli-Okt.
die Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchel- Kennzeichen: Bei uns unverwechselbar (s.
lus) mit viel weniger Schwarz und ohne keil- Foto). Männchen mit rotem, Weibchen mit
förmigen Hinterleib. Die Art hat sich in den braunem Hinterleib.
letzten 50 Jahren in Mitteleuropa ausgebreitet Vorkommen: In Mitteleuropa sehr lückenhaft
und besiedelt bevorzugt Kiesgruben. an flachen, vegetationsreichen Stillgewäs-
sern.
Wissenswertes: Diese bei uns ursprünglich

2
Glänzende Smaragdlibelle
Somatochlora metallica sehr seltene Art breitet sich in den letzten
Jahren langsam aus. Trotz ihrer auffälligen
L-60mm Sp-75mm Juni-Sept. Färbung sind die Tiere am Boden oder in
Kennzeichen: Körper leuchtend grün mit dichter Vegetation nur schwer zu entdecken.
metallischem Glanz; einige ähnliche Arten.
Besonders leicht mit der Gemeinen Smaragd-

5
Schwarze Heide li belle
libelle (Cordulia aenea) zu verwechseln, mit Sympetrum danae
der sie auch gemeinsam vorkommt. Bestes
Unterscheidungsmerkmal bei den Männchen L-35mm Sp-55mm Juli-Nov.
ist die Verbreiterung des Hinterleibes, bei der Kennzeichen: Männchen ganz schwarz ge-
Glänzenden Smaragdlibelle in der Mitte, bei färbt, Weibchen ähnlich anderen Heidelibel-
der Gemeinen im letzten Drittel. Vorkommen: len.
Vor allem an stehenden Gewässern mit Vorkommen: In den gemäßigten Zonen der
baumbestandenen Ufern. Wissenswertes: Paläarktis weit verbreitet. Wissenswertes:
Das Weibchen biegt bei der Eiablage die Die Art kommt an den verschiedensten
beiden letzten Hinterleibssegmente Stillgewässern vor, besonders häufig aber an
senkrecht nach oben und schlägt im Flug Pflanzenreichen Moorgewässern. Hier löst sie
den Hinterleib in Algenwatten. Dabei werden im Spätsommer und Herbst die Kleine
die Eier abgestreift. Moosjungfer als häufigste Großlibellen-Art
ab. Die Tiere kann man sehr gut beobachten,
Blutrote Heidelibelle wenn sie sich z.B. auf Steiner sonnen. Nach

3 Sympetrum sanguineum

L 35-40 mm Sp 50-60 mm Juni-Okt.


dem Schlüpfen halten sich die Tiere erst
abseits vom Wasser auf. Nach etwa 2
Wochen kehren sie dorthin zurück, um sich
Kennzeichen: Männchen leuchtend rot, zu paaren. Die Eier werden in unter dem Was-
Weibchen gelbbraun gefärbt, ähnlich anderen serspiegel flutende Pflanzen „geworfen".
Heuschrecken

tenlappen des Halsschildes mit breitem wei-

1 Grünes Heupferd
Tettigonia viridissima

L 30-40 mm Juli-Okt.
ßen oder hellgrünen Rand. Vorkommen: In
dichtem Grasbewuchs stellenweise sehr
häufig.
Kennzeichen: Grasgrün mit langen Fühlern, Wissenswertes: Die Tiere leben sehr ver-
kräftigen Sprungbeinen, langen Flügeln. steckt und fallen meist durch ihren hohen,
Vorkommen: Weit verbreitet und örtlich sehr sirrenden Gesang auf. Bei Annäherung eines
häufig; lebt vor allem in Gebüschen. Menschen lasser sie sich auf den Boden fal-
Wissenswertes: Typische Langfühler- len und sind dann im Gras nur schwer zu
schrecke (Ordnung Ensifera). Bei diesen sind finden.
die Fühler mindestens so lang wie der Körper,
die Gehörorgane liegen in den Vorderbeinen.
Die Männchen (1a) zirpen mit Hilfe des Stridu-
lalionsorgans, das vom basalen Teil der Deck-
flügel gebildet wird. Zur Lauterzeugung wer-
4 Gemeine Eichenschrecke
Meconema thalassinum

L10-17mm Juli-Okt.
den die Flügel aneinander gerieben. Die Kennzeichen: Wie eine kleine Ausgabe des
Weibchen (1c) besitzen eine lange Legeröhre. Grünen Heupferds, Flügel nur halb so lang
Grüne Heupferde leben in Gebüsch, höherem wie der Hinterleib. Weibchen mit säbelförmig
Gestrüpp und Baumkronen. Sie können gut gebogener Legeröhre.
klettern, springen und fliegen. Die Nahrung Vorkommen: Weit verbreitet in Laubwäldern,
besteht vor allem aus Insekten, die mit kräf- auch in Gärten und Parks. Wissenswertes:
tigen Kiefern gepackt werden. Vom großen Obwohl recht häufig, bekommt man sie
Kopf (1b) leitet sich der Name Heu„pferd" ab. selten zu Gesicht, da sie nachtaktive
Die Männchen rufen in milden Sommernäch- Baumbewohner sind. Am ehesten sind die
ten sehr ausdauernd und sind 50 m weit zu Weibchen im Herbst bei der Eiablage an
hören. Das ähnliche Zwitscherheupferd (T. Baumstämmen zu beobachten. Manchmal
cantans) ersetzt das Grüne Heupferd in findet man sie in Waldnähe auch in Balkon-
feuchteren Bereichen und im Bergland. Beide kästen der höheren Etagen von Wohnhäusern.
Arten können aber auch gemeinsam vorkom- Die Männchen besitzen kein Stridulationsor-
men. Ihr Gesang ist sehr verschieden. gan. Sie locken die Weibchen an, indem sie
mit den Hinterbeinen auf einem Blatt trom-
Gewöhnliche Strauchschrecke
2
meln. Das Trommeln ist nur etwa 1 m weit
Pholidoptera griseoaptera hörbar. Auch sie fressen Insekten wie Blatt-
läuse und kleine Raupen.
L13-18mm Juli-Nov. Kennzeichen:
Meist graubraun, Bauch gelb. Seitenlappen
des Halsschildes mit sehr schmalem,
weißem Rand. Weibchen 2b. Vorkommen:
An Waldrändern, in Gebüschen, Hecken,
5 Punktierte Zartschrecke
Leptophyes punctatissima

L 10-17mm Juli-Okt.
auch in Parks und Gärten. Wissenswertes: Kennzeichen: Grün mit dunkelroter Punktie-
Lebt sehr versteckt und fällt vor allem durch rung.
die scharfen „zrit"-Rufe auf, die man auch Vorkommen: Kulturfolger, vor allem in Ge-
nachts hören kann. Allesfresser, die neben büschen in Gärten und Parks.
Pflanzen auch Raupen, Blattläuse und Wissenswertes: Diese Art hat in den letzter
andere Insekten verzehren. Jahren ihr Verbreitungsgebiet weit ausge-
dehnt, und das, obwohl die Tiere flugunfähig
Roesels Beißschrecke
3
sind. Während sie im Gebüsch sehr schwer zu
Metrioptera roeselii entdecken sind und ihr Gesang wegen der
hohen Frequenzen für Menschen auch nicht
L-20mm Juli-Okt. hörbar ist, kann man sie doch leicht mit einem
Kennzeichen: Grünlich oder bräunlich, Sei- Ultraschalldetektor ausmachen.
Heuschrecken

breitet, heute nur noch in Südeuropa häufig.

1
Warzenbeißer Decticus
verrucivorus Wissenswertes: Maulwurfsgrillen graben
Gänge in lockeren Böden. Zur Brutzeit grabt
L 25-40mm Juli-Okt. das Weibchen eine Höhle, die mit Speichel
Kennzeichen: Grün, mit schwarzen Flecken verfestigt wird. Es bewacht die Eier und zu-
auf den langen Flügeln. Vorkommen: Weit nächst auch die Jungtiere. Die Entwicklungs-
verbreitet in Wiesen, Heiden und an dauer in Mitteleuropa beträgt 2 Jahre. Maul-
Waldrändern. Wissenswertes: Eine große, wurfsgrillen ernähren sich außer von Wurzeln
tagaktive Art, lebt überwiegend auf dem auch von im Boden lebenden Wirbellosen;
Boden oder in sehr niedriger Vegetation. Wie deshalb sind sie nicht, wie früher angenom-
viele andere Heuschrecken-Arten durch men, als schädlich anzusehen. Die Art spielt in
Intensivierung der Landwirtschaft bedroht und Südeuropa eine wichtige Rolle als Nahrung
enorm im Bestand zurückgegangen. Die des Wiedehopfs und anderer Tiere.
Weibchen (1a) legen mit Hilfe der langen
Legeröhre etwa 50 Eier einzeln im Boden

4
Heimchen
ab. Früher ließ man die Tiere mit ihren Acneta domestica
kräftigen Kiefern Warzen abbeißen und die
Wunden durch den Magensaft verätzen - mit L 15-20 mm Jan.-Dez. Kennzeichen:
dieser Methode sollen gute Erfolge erzielt Wie eine kleine Feldgrille aber
worden sein. überwiegend braun gefärbt, mit langen
Hinterleibsanhängen.
Vorkommen: Ursprünglich in Nordafrika und

2 Feldgrille
Gryllus campestris

L 20-25mm Mai-Juni Kennzeichen:


Südwestasien, heute in ganz Europa.
Wissenswertes: Heimchen oder Hausgrillen
sind Kulturfolger, die man bei uns ganzjährig
Glänzend schwarz mit massigem Kopf, in Gebäuden antreffen kann, vor allem in
Deckflügel mit gelblicher Binde. Schwimmbädern, Heizungskellern usw. Sie
Vorkommen: Lebt in trockenen Gegenden sind leicht zu züchten und werden in
an sonnigen Hängen, Feldrainen usw. In den Zoofachgeschaffen als Nahrung z.B. für
letzten Jahren leider immer seltener. Vögel und Reptilien angeboten, häufig
Wissenswertes: Die Feldgrille ist die frü- entkommen einzelne Tiere. Im Sommer
heste Heuschrecke im Jahr. Die Männchen können sie auch bei uns im Freien
fallen durch ihren lauten Gesang auf. Dabei überleben. Nachts können die Männchen
sitzen sie vor ihrer selbstgegrabenen Erd- stundenlang singen, was vielen Menschen
höhle, die etwa 40cm lang ist und bis zu lästig ist. Heimchen fressen alle möglichen
30 cm unter die Erdoberfläche führen kann. organischen Substanzen.
Feldgrillen reagieren sehr empfindlich auf Er-
schütterungen; die Männchen verstummen
bei Annäherung eines Menschen sofort. Bei
Gefahr verschwinden sie in ihren Höhlen. Sie
5 Gemeine Dornschrecke
Tetrix undulata

L 8-11mm Jan.-Dez.
sind überwiegend nachtaktive Einzelgänger,
die sich bevorzugt von Pflanzen ernähren. Kennzeichen: Meist graubraun oder braun
gelb, mit von der Seite deutlich gewölbten
Rückenschild.

3
Maulwurfsgrille
Vorkommen: Auf Waldwiesen und -lichtun-
Gryllotalpa gryllotalpa
gen, auch auf grasbewachsenen Halden.
L-50mm Mai-Okt. Wissenswertes: Dornschrecken (bei uns
Kennzeichen: Groß, braun, Vorderbeine zu ähnliche Arten) zeichnen sich durch ein auf-
Grabschaufeln umgebildet, Halsschild groß, fälliges, nach hinten verlängertes Halsschild
lange Hinterleibsanhänge. aus, das über das Ende des Hinterleibs hin-
Vorkommen: Früher selbst in Gärten ver- ausragen kann. Sie singen nicht; ihnen fehlen
sowohl Hör- wie Lauterzeugungsorgane.
Heuschrecken

am Gesang zu erkennen, der an einen schnell

1
Nachtigall-Grashüpfer
Chorthippus biguttulus tickenden Wecker erinnert. Das hat ihr in Hol-
land den Namen „Wekkertje" eingebracht.
L 13-22mm Juli-Nov. Kennzeichen:
Überwiegend graubraun, aber sehr
variabel; es kommen auch grüne oder rote
Tiere vor.
4 Alpine Gebirgsschrecke
Miramella alpina

Vorkommen: Weit verbreitet auf Wiesen, L m. -23 mm, w. -31 mm Juni-Sept.


Weiden, Böschungen und sogar in Gärten. Kennzeichen: Glänzend grün gefärbt, mit
Wissenswertes: Früher wurden Nachtigall-, schwarzen Längsstreifen auf den Seiten des
Brauner und Verkannter Grashüpfer zu einer Halsschildes. Hinterschenkel unterseits rot.
Art zusammengefaßt. Erst 1920 wurden sie als Vorkommen: In Mitteleuropa in den Alpen
3 Arten erkannt, die sich vor allem durch den und im Schwarzwald in Höhen zwischen etwa
Gesang unterscheiden. Für besonders Inter- 1000 m und 2800 m.
essierte empfiehlt sich der Kauf einer CD mit Wissenswertes: Bevorzugter Lebensraum
Heuschreckenstimmen. der Art sind feuchte Wiesen und Quellfluren
mit Beständen der Pestwurz, auf deren
großen Blättern die Heuschrecken leben

2
Gemeiner Grashüpfer
Chorthippus parallelus und die sie auch fressen.

L 13-22mm Juli-Okt. ,

5
Blauflügel-Ödlandschrecke
Kennzeichen: Sehr variabel gefärbt, meist Oedipoda caerulescens
grün mit Brauntönen.
Vorkommen: Gemeine Grashüpfer stellen L 16-28mm Juli-Okt.
nur geringe Ansprüche an ihren Lebensraum; Kennzeichen: Braun oder grau mit dunkler
man kann sie praktisch auf allen Wiesentypen Bänderung, Hinterflügel himmelblau mit
bis über 2000 m Höhe antreffen. Wie die oben schwarzer Binde.
beschriebene Art können auch sie auf wenig Vorkommen: Weit verbreitet auf Trocken-
gemähten Wiesen in Hausgärten überleben. rasen, in Heiden und Steppen. Bei uns geht
Wissenswertes: Bei uns eine der häufigsten die Art wegen der Zerstörung ihrer
Kurzfühlerschrecken (Caelifera), die, wie der Lebensräume leider stark zurück.
Name besagt, wesentlich kürzere Fühler als Wissenswertes: Diese trockenheitsliebende
der Körper haben. Sie erzeugen ihr Zirpen mit Art ist wegen ihrer Tarnfärbung fast nur beim
Deckflügel und Hinterschenkel, vergleichbar Auffliegen (5b) zu entdecken. Sie erzeugt kein
mit der Tonerzeugung bei einer Geige (vgl. Fluggeräusch.
Langfühlerschrecken). Das Tympanalorgan,
das Gehörorgan der Kurzfühlerschrecken,

6
Schnarrheuschrecke
liegt auf den Seiten des ersten Hinterleibs- Psophus stridulus
segmentes.
L 23-28 mm Juli-Okt. Kennzeichen:
Körper graubraun mit helleren Flecken,

3
Bunter Grashüpfer
Omocestus viridulus Hinterflügel leuchtend rot mit schwarzer
Spitze.
L d -17mm, 9 -24mm Juni-Okt. Vorkommen: Vor allem in Trockenrasen in
Kennzeichen: Variabel gefärbt; die Tiere Südeuropa, im Norden meist selten.
können grün, braun, rötlich oder gelblich, oft Wissenswertes: Die Männchen fliegen im
auch bunt gescheckt sein. Gegensatz zu den Weibchen sehr gut; im Flug
Vorkommen: Eine sehr weit verbreitete Art, erzeugen sie ein schnarrendes Geräusch.
die auf Wiesen von der Küste bis in 2500m Beim Abflug (6b) leuchten die roten Hinter-
Höhe vorkommt. flügel auf. Beides dient wohl dazu, Feinde zu
Wissenswertes: Am einfachsten ist die Art erschrecken.
Fangschrecken, Ohrwürmer, Schaben

sind Allesfresser; im Garten kann man ihnen

1
Gottesanbeterin
Mantis religiosa mit einem mit Stroh vollgestopften Blumentopf
ein Versteck anbieten. Sie gehören zu den
L m. -55mm, w. -70mm Juli—Sept. wenigen Insekten, die Brutpflege betreiben.
Kennzeichen: Groß, schlank, mit kleinem, Die Weibchen (2b) bewachen und wenden
dreieckigen Kopf. Einfarbig hellgrün, oder die Eier, auch die Larven werden eine Zeitlang
auch gelbbraun (1a) gefärbt. Vorkommen: bewacht.
Wärmeliebende Art; im Mittelmeerraum weit
verbreitet, nördlich der Alpen nur in klimatisch

3
Orientalische Küchenschabe
bevorzugten Gegenden (z.B. Blatta orientalis
Kaiserstuhlgebiet). Dort in sehr warmen Wie-
sen und Ödland, durch Intensivlandwirtschaft L 19-30 mm Jan.-Dez. Kennzeichen:
und Flurbereinigung stark gefährdet. Dunkelbraun bis schwarz, Weibchen nur
Wissenswertes: Bei uns einzige Art der ca. mit Stummelflügeln. Vorkommen: Weltweit
1800 Arten umfassenden, vor allem in den verschleppt. Wissenswertes: Diese Art ist
Tropen verbreiteten Familie der Fangschrek- die ungeliebte Kakerlake, die bei uns nur in
ken. Gottesanbeterinnen sind Tagtiere, die Gebäuden vorkommt. Die lichtscheuen Tiere
sich rein optisch orientieren. Die Vorderglied- sind nachtaktiv. Sie sind Allesfresser, die
maßen sind zu dornenbewehrten Fangbeinen Nahrungsmittel verderben und Krankheiten
umgebildet und werden vor der Brust zusam- übertragen können. Da sie Stinkdrüsen
mengelegt (Name!). Sie werden blitzartig nach haben, wird man ihre Anwesenheit bald am
vorn geschnellt, wenn ein Beutetier in Reich- Geruch bemerken.
weite kommt. Messungen haben ergeben, daß
dieses nur ca. 20 Millisekunden dauert. Die

4
Deutsche Schabe
Flügel werden nur bei Gefahr benutzt. Gottes- Blatella germanica
anbeterinnen sind dadurch bekannt gewor-
den, daß Weibchen die Männchen nach der L-15mm Jan.-Dez.
Paarung auffressen sollen. Dies macht bio- Kennzeichen: Bräunlich, Halsschild mit 2
logisch keinen Sinn; Freilandbeobachtungen schwarzen Längsstreifen. Vorkommen:
bestätigen das Überleben der Männchen. Weltweit verschleppt. Wissenswertes: Die
Wahrscheinlich werden sie nur bei ungün- Art, auch als Küchenschabe, Russe,
stigen Haltungsbedingungen ( ZU kleine Ter- Franzose oder Schwabe bezeichnet, stammt
rarien) gefressen. Die Eier werden in soge- trotz ihrer Namen vermutlich aus Asien. Man
nannten Ootheken abgelegt und durch ein findet die Tiere trotz intensiver Bekämpfung
schaumiges, aushärtendes Sekret geschützt. weltweit, bei uns vor allem in
Heizungskellern, Backstuben, Küchen usw.
Sie sind Allesfresser, die sehr schnell laufen

2
Ohrwurm
Forficula auricularia und klettern, aber nicht fliegen können.

L-16mm März-Okt.

5
Asiatische Großschabe
Kennzeichen: Braun gefärbt, mit kurzen Vor- Periplaneta austral-asiae
derflügeln, unter denen die kompliziert ge-
falteten Hinterflügel nur wenig hervorragen, L-40mm Jan.-Dez.
kräftige Hinterleibszangen. Vorkommen: Kennzeichen: Braun, Halsschild gelblich mit
Nahezu überall sehr häufig. schwarzem Rand und schwarzem Fleck.
Wissenswertes: Ohrwürmer waren gefürch- Vorkommen: Bei uns nur in Gebäuden.
tet, weil man ihnen nachsagte, ins mensch- Wissenswertes: Noch größer wird die Rie-
liche Ohr zu kriechen und das Trommelfell zu senschabe {Blaberus cranifer - 60 mm), die
durchbeißen. Das ist aber ein Märchen. Die wie die Asiatische Großschabe als Tierfutter
gefährlich aussehenden Hinterleibszangen und Labortier gezüchtet wird und gelegentlich
dienen wohl der Verteidigung. Ohrwürmer entweicht.
Wanzen

Vorderbeine zu Fangbeinen umgewandelt

1
Punktierte Ruderwanze
Corixa punctata Vorkommen: In Pflanzenreichen Stillgewäs-
sern.
L 13-15 mm Jan.-Okt. Kennzeichen: Wissenswertes: Wegen der Körperform
Länglich-ovaler Körper, Halsschild mit bis zu auch Wassernadel genannt. Lauert zwischen
20 Querlinien, Deckflügel gelb-braun Wasserpflanzen kopfunter auf vorbeischwim-
gesprenkelt. Vorkommen: In Stillgewässern. mende Beute, die mit den blitzartig vorschnel-
Wissenswertes: Die Hinterbeine tragen lenden Fangbeinen ergriffen wird. Die Fang-
kräftige Borsten und dienen als Ruder. Die technik der Gottesanbeterin. Sie schwimmen
Männchen vieler Arten können durch das Rei- nur selten; zum Ortswechsel klettern sie zwi-
ben der Vorderbeine über die Kopfkante zir- schen den Wasserpflanzen oder laufen mit
pende Laute erzeugen. Das hat ihnen den den hinteren Beinpaaren über den Grund.
Namen „Wasserzikade" eingebracht.

5
Schwimmwanze
llyocoris cimieoides

2
Rückenschwimmer
Notonecta glauca
L 12-15 mm Jan.-Dez. Kennzeichen:
L 14-17 mm Jan.-Okt. Kennzeichen: Körper oval, abgeflacht, Deckflügel
Langgestreckt mit aufgewölbtem Rücken dunkelbraun oder oliv gefärbt. Vorkommen:
und flacher, behaarter Bauchseite. In Stillgewässern. Wissenswertes: Gute
Hinterbeine verlängert, mit Schwimmborsten, Schwimmer, mit langen Borsten vor allem
schwimmt auf dem Rücken. Vorkommen: In an den Hinterbeinen; Vorderbeine zu
Stillgewässern, oft die ersten Tiere, die Fangbeinen umgewandelt. Kein Atemrohr,
Gartenteiche besiedeln. Wissenswertes: schwimmen sie zum Luftholen an die
Der Luftvorrat wird im Gegensatz zu den Oberfläche. Stechen empfindlich.
Ruderwanzen am Bauch transportiert. Die
Tiere können sehr schmerzhaft stechen und

6
Teichläufer
werden deshalb auch als „Wasserbienen" Hydrometra stagnorum
bezeichnet.
L 9-12 mm
Kennzeichen: Dünner, langgestreckter Kör-

3
Wasserskorpion
Nepa rubra per mit langen dünnen Beinen und Fühlern.
Vorkommen: Am Ufer stehender Gewässer.
L-38mm Jan.-Dez. Wissenswertes: Die Tiere stelzen meist
Kennzeichen: Körper breit und flach, mit langsam auf der Wasseroberfläche zwischen
langem Atemrohr, braun gefärbt. Wasserpflanzen auf Beutesuche umher.
Vorkommen: Weit verbreitet in stehenden
Gewässern, meist im Bodenschlamm.

7
Wasserläufer
Wissenswertes: Der Name leitet sich von Gerris lacustris
den zu Fangbeinen umgebildeten Vorderbei-
nen ab; mit Skorpionen sind sie nicht ver- L-13mm März-Nov.
wandt. Sie lauern in Stillgewässern auf dem Kennzeichen: Langgestreckt mit 4 langen
Grund zwischen Pflanzen auf Beute. Beinen, Vorderbeine kürzer, dunkelbraun.
Vorkommen: Auf der Wasseroberfläche ste-
hender Gewässer.

4
Stabwanze
Ranatra linearis Wissenswertes: Durch Ausnutzung der
Oberflächenspannung des Wassers könnt
L-70mm Jan.-Dez. die Tiere auf dem Wasser laufen. Den Antrieb
Kennzeichen: Langgestreckter, stabförmiger liefert das mittlere Beinpaar, die Hinterbeine
braungelber Körper. Sehr langes Atemrohr, steuern. Mit den Vorderbeinen wird die
Beute. ins Wasser gefallene Insekten,
festgehalten.
Wanzen

schwarz-rot gefärbte Art, aber mit weißen Flü-

1
Rote Mordwanze Rhinocoris
iracundus gelflecken.
Vorkommen: In sonnigen, warmen
L 14-18 mm Mai-Sept. Kennzeichen: Wiesen, im Norden recht selten.
Auffallend schwarz-rot gefärbt, langer, Wissenswertes: Lebt vor allem an Schwal-
säbelartig gebogener Rüssel. Vorkommen: benwurz, aber auch an Löwenzahn und
Eine wärmeliebende Art, die in Mitteleuropa Kratzdisteln. Läuft wie die meisten übrigen
vor allem im Süden in Wiesen, Gebüschen Arten häufig am Boden herum und saugt
usw. vorkommt. Wissenswertes: Beute der Pflanzensafte. Die Paarung erfolgt wie bei
Mordwanzen sind Insekten, die mit den vielen Wanzen in entgegengesetzter
Vorderbeinen festgehalten und mit Hilfe des Stellung.
langen Rüssels ausgesaugt werden. Mit dem
Rüssel können sie durch Reiben über eine

4
Spitzling
Rinne zwischen den Vorderhüften auch Aelia acuminata
zirpende Laute erzeugen. Mordwanzen
gehören zu der großen Familie der L 8 -1 0 mm
Raubwanzen mit über 3000 Arten. Die Kennzeichen: Auffallend langgestreckter,
meisten kommen in den Tropen vor. Die zugespitzter Kopf (Name!). Gelblichweiß mit
Gattung Rhinocoris ist bei uns mit 3 weiteren braunen Streifen auf der Oberseite.
Arten vertreten, die sich vor allem in der Vorkommen: Vor allem auf Wiesen an ver-
Schwarz-Rot-Färbung voneinander unter- schiedenen Gräsern.
scheiden. Wissenswertes: Früher galt die Art als Ge-
treideschädling, deshalb auch der ebenfalls
gebräuchliche Name Getreidespitzwanze. Die

2
Gemeine Feuerwanze
Pyrrhocoris apterus Tiere besitzen Dornen an den Hinterschienen,
die über Riefen am Hinterleib gerieben wer-
L 10-12 mm Apr.-Okt. Kennzeichen: den. So können sie Laute erzeugen. Heute
Körperumriß oval, auffällig schwarz-rot kommt es offensichtlich nicht mehr zu mas-
gezeichnet, Flügel meist nicht voll entwickelt. senhaftem Auftreten.
Vorkommen: In Europa, Nordafrika, Nord-
asien und Mittelamerika weit veroreitete Art.

5
Streifenwanze
Wissenswertes: Die sehr geselligen Tiere Graphosoma lineatum
(2 b) leben in großer Zahl an Linden, seltener
auch an Robinien. Sie ernähren sich vor allem L-10mm Mai-Aug.
von den Früchten der Linde, saugen aber Kennzeichen: Rot mit schwarzen Streifen, in
auch Baumsäfte und oft auch an toten In- Mitteleuropa unverwechselbar. Vorkommen:
sekten. Die Weibchen sondern Sexuallock- Süd- und Mitteleuropa, Westasien. Die Tiere
stoffe ab, die von den Männchen erkannt wer- sind vor allem im Mittelmeerraum sehr
den. Eine Feuerwanzenpaarung kann einen häufig. Bei uns bevorzugen sie warme
ganzen Tag dauern. Die ausgewachsenen Böschungen und Wiesen an Südhängen, wo
Tiere überwintern. Bei uns kommen nur 2 Ar- sie meist auf blühenden Doldenblütlern wie
ten aus der Familie der Feuerwanzen vor; es Wiesenkerbel und Bärenklau zu finden sind.
gibt allerdings einige recht ähnlich gezeich- Wissenswertes: Die farbenprächtigste der
nete Bodenwanzen. bei uns vorkommenden Baumwanzen Signali-
siert mit ihrer auffälligen Färbung ihre Unge-
Ritterwanze nießbarkeit. So ist die Art vor Freßfeinden ge-

3 Lygaeus equestris

L11-12mm Apr.-Sept.
schützt. Sie saugt an den oben genannten
Pflanzen. Den Larven fehlt die rote Farbe, das
Streifenmuster ist aber schon zu erkennen. Sie
Kennzeichen: Eine weitere überwiegend werden nach dem Schlüpfen zunächst für
einige Zeit von der Mutter bewacht.
Wanzen

(Miridae). Der Name Weichwanzen bezieht

1
Rotbeinige Baumwanze
Pentatoma rufipes sich auf die sehr dünne und weiche Panze-
rung der Tiere, der Name Blindwanzen auf
L13-15mm Juni-Nov. Kennzeichen: das Fehlen der Punktaugen (Ocellen). Die
Dunkelbraun mit rötlichen Beinen, Wanzen sind aber nicht blind, denn die Kom-
Hinterleib mit schwarz-weiß-rot ge- plexaugen sind voll funktionsfähig. Weichwan-
zeichnetem Saum. Spitze des Schildes mit zen leben auf den unterschiedlichsten Pflan-
orangefarbenem Fleck. Vorkommen: Eine zen und saugen deren Säfte.
häufige Baumwanze; fast überall in Wäldern,
Hecken, Parks und Gärten.

4
Gemeine Wiesenwanze
Wissenswertes: Die Tiere leben auf den Lygus pratensis
verschiedensten Baumarten wie Ahorn, Linde
usw., in Gärten auch auf Obstbäumen. Hier L 5,8-7,3 mm Mai-Okt. Kennzeichen:
saugen sie gerne an Früchten. Daneben er- Rötlich, gelblich oder braun, Schildchen
nähren sie sich auch von toten Insekten. Sie ungezeichnet. Vorkommen: Weit verbreitet
werden vom Licht angelockt und fliegen und häufig. Wissenswertes: Eine sehr
nachts gelegentlich in Häuser. Die Larven häufige Weichwanze, die u.a. auf
überwintern im Unterschied zu anderen Brennesseln lebt und unter Baumrinde
Baumwanzen, bei denen die voll entwickelten überwintert.
Tiere den Winter überdauern. Bei uns zahl-
reiche weitere der mit weltweit 6000 Arten

5
Grüne Stinkwanze
sehr großen Wanzenfamilie. Palomena prasina

L 12-14 mm Apr.-Nov. Kennzeichen:

2
Lederwanze
Coreus marginatus Im Frühjahr und Sommer grün, verfärbt
sich im Herbst braun. Vorkommen: Auf
L10-16 mm Apr.-Okt. Kennzeichen: Wiesen, in Hecken, an Waldrändern usw.
Dunkelbraune, kräftige Wanze mit 4gliedrigen Wissenswertes: Eine häufige Art, die unter
Fühlern, das letzte Fühlerglied ist schwarz Baumrinde oder in der Laubstreu überwintert.
gefärbt. Die Weibchen legen im Juni und Juli bis zu
Vorkommen: Auf feuchteren Böden, oft auf 100 Eier in mehreren Gelegen auf der Ober-
Ampferarten. seite von Blättern ab. Zur Paarungszeit kön-
Wissenswertes: Die Art wird auch als nen sie tiefe Laute erzeugen. Die Stinkdrüsen
Saum- oder Randwanze bezeichnet. Der dienen wie bei vielen anderen Wanzen zur
Name leitet sich von den breiten Hinterleibs- Feindabwehr.
rändern ab. Die Tiere leben vor allem auf
Ampfer und Brombeeren, an deren Früchten Kohlwanze
sie saugen.

Weichwanze
6 Eurydema oleraceum

L 5-7,5 mm Mai-Okt.

3 Stenodema laevigatum

L 8-9 mm Apr.-Okt.
Kennzeichen: Sehr vielgestaltig, überwie-
gend schwarz mit roten, gelben oder weißen
Flecken unterschiedlicher Ausdehnung.
Kennzeichen: Langgestreckter Körper, Vorkommen: Weit verbreitet und häufig.
bräunlich oder grünlich; viele ähnliche Arten. Wissenswertes: Die Tiere leben vor
Vorkommen: Weit verbreitet, vor allem auf allem an Kreuzblütlern, regelmäßig auch
Gräsern. an Kohlpflanzen in Gärten. Oft werden an den
Wissenswertes: Eine sehr häufige Vertre- Blättern die Eier abgelegt (6a). Im Herbst
terin der mit weltweit über 6000 Arten größten verschwindet die farbige Zeichnung, nach
Wanzenfamilie, der Weich- oder Blindwanzen der Überwinterung wirken die Tiere fast
schwarz.
Zikaden

1 Blutzikade
Cercopis vulnerata
Vorkommen: Weit verbreitet, besondes
häufig vor allem in der Nähe feuchterer Wäl-
der auf Bäumen, in Hocnstaudenfluren, Wie-
L 8-10 mm Apr.-Okt. sen usw.
Kennzeichen: Stromlinienförmig, Vorderflü- Wissenswertes: Der wissenschaftliche Gat-
gel schwarz-rot, Augen klein, Fühler kurz. tungsname leitet sich vom griechischen Wort
Vorkommen: Auf Wiesen, an Waldrändern, für Schaum (= aphros, Aphrodite = die
Hecken und in Gärten. Schaumgeborene) ab. Die Art ist keineswegs
Wissenswertes: Auffällige Schaumzikade, an Erlen gebunden, sondern frißt an vielen
deren Schaumnester man nicht so leicht fin- verschiedenen Pflanzenarten.
det wie bei der folgenden Art, denn sie be-
finden sich unter der Erde an Wurzeln von

4
Büffelzirpe
krautigen Pflanzen. Dort überwintern auch die Stictocephalus bisonia
Larven. Sie durchlaufen während ihrer Ent-
wicklung 5 verschiedene Larvenstadien. Aus- L 6-8mm Juli-Sept.
gewachsene Tiere kann man häufig auf Grä- Kennzeichen: Leuchtend grün gefärbt, kräf-
sern und Sträuchern antreffen. Es gibt 3 ähn- tige, seitlich gerichtete Halsschilddornen
liche Arten, die sich von der Blutzikade durch (Name) und breiter, nach hinten gerichteter
die nicht so stark geschwungene rote Binde Fortsatz; bei uns unverwechselbar.
am Flügelende unterscheiden. Alle sind bei Vorkommen: Noch lokal in Mitteleuropa, in
uns viel seltener als die Blutzikade. Wie die Ausbreitung begriffen.
meisten Zikaden können sie mit Hilfe ihrer Wissenswertes: Die Art stammt ursprüng-
Hinterbeine recht weit springen. lich aus Nordamerika und wurde nach Europa
verschleppt. Sie gehört zur Familie der Buk-
kelzirpen (Membracidae), die mit über 3000

2 Wiesenschaumzikade
Philaenus spumarius

L 5-7 mm Juli-Okt.
Arten vor allem in den "Popen verbreitet ist.
Kennzeichnend ist ein hoch aufgewölbtes
Halsschild, das bei den tropischen Formen oft
Kennzeichen: Kleiner als die vorige Art, aber kompliziert gebaute und sehr bizarre An-
mit ähnlichem Körperbau, sehr variabel ge- hänge trägt. Sehr auffällige Anhänge tragt
färbt, rötlich, bräunlich, grünlich, oft mit dunk- auch die Larve (4a).
ler Zeichnung.
Vorkommen: Weit verbreitet auf Wiesen,

5
Rhododendronzikade
Hochstaudenfluren usw. Die Art hat keine spe- Graphocephala fennahi
ziellen Ansprüche und wurde schon auf mehr
als 170 Pflanzenarten nachgewiesen. L 8-9mm Juli-Okt.
Wissenswertes: Die bekannteste heimische Kennzeichen: Sehr auffällig gefärbt, Körper
Zikade, vor allem wegen des Schaumes (2a), und Flügel oberseits intensiv grün mit roten
der als Kuckucksspeichel bezeichnet wird. Streifen, Unterseite und Kopf gelb-grün,
Diesen erzeugen die Larven (2b), indem sie schwarzer Streifen am Kopf. Vorkommen:
eine aus dem After austretende Flüssigkeit mit Weit verbreitet in Nordamerika, eingebürgert
Luft „aufblasen". Der Schaum dient als Schutz in Teilen Europas. Die Tiere leben bevorzugt
vor Austrocknung und vor Feinden. auf verschiedenen Rhododen-dron-Arten und
sind deshalb vor allem in Gärten und Parks
Erlenschaumzikade Aphrophora anzutreffen. Wissenswertes: Die ersten

3 alni

L-12mm Apr.-Okt.
Exemplare dieses Neubürgers in unserer
Fauna wurden vermutlich um 1930 nach
Südengland eingeschleppt. Seit etwa 1970
Kennzeichen: Bräunlich oder grau, am Vor- kommt die Art auch auf dem europäischen
derflügelrand dunkel begrenzte, helle Flek- Festland vor und hat sich seitdem sehr weit
ken. verbreitet.
Blattläuse, Schildläuse

Vorkommen: Weit verbreitet, oft in Gärten.

1
Schwarze Bohnenlaus
Aphis fabae Wissenswertes: Sie befallen oft Apfel-
bäume, dort, wo Baumsäfte austreten. Sie
L 2-3 mm Apr.-Okt. überwintern an den Wurzeln der Bäume.
Kennzeichen: Klein, birnenförmiger Körper,
Färbung schwarz oder grün. Vorkommen:

3
Fichtengallaus
Typische und sehr häufige Blattlaus,
regelmäßig auch in Gärten. Wissenswertes: Sacchiphantes viridis
Es kommen eine grüne und eine schwarze
Farbvariante vor. Blattläuse zeigen oft L2mm Apr.-Okt.
komplizierte Lebenszyklen mit geflügelten Kennzeichen: Schwarzbraun, ohne Sipho-
und ungeflügelten Tieren. Schwarze nen.
Bohnenläuse überwintern als Eier auf Sträu- Vorkommen: Auf Nadelgehölzen.
chern; im Sommer leben sie auf Bohnen, Rü- Wissenswertes: Die Art gehört zu einer auf
ben und anderen Pflanzen. Die Frühjahrsge- Nadelbäume spezialisierten Familie. Die Tiere
neration besteht aus flügellosen Weibchen, erzeugen zapfenartige Gallen an den Trieben,
die durch Jungfernzeugung (Parthenogenese) die wegen ihres Aussehens als Ananasgallen
viele Nachkommen haben. Diese Weibchen
bezeichnet werden (3a). Sie sind anfangs
sind lebendgebärend. Blattläuse saugen
grün und öffnen sich im Sommer, um die
Pflanzensäfte. Die Wirtspflanzen können bei
Läuse (3c) zu entlassen. Dann färben sie sich
starkem Befall extrem geschädigt werden. Ein
braun und verholzen. Die folgenden Gene-
weiteres Problem ist die Übertragung von
rationen erzeugen keine Gallen und leben auf
Pflanzenviren. Allerdings sorgen zahlreiche
verschiedenen Nadelhölzern.
Feinde, vor allem von Marienkäfern und
Schlupfwespen, aber auch Blattlauslöwen (s.

4
S. 318) dafür, daß sich ihre Vermehrung in Reblaus
Viteus vitifolii
Grenzen hält. Die Siphonen der Blattläuse
sondern wachsumhüllte Blutzellen ab, die
L-0,8 mm
möglicherweise die Mundwerkzeuge der Räu-
Kennzeichen: Sehr klein, gelbgrün; selten
ber verkleben. Häufig sondern die Blattläuse
geflügelte Tiere.
überschüssigen Zucker als Honigtau ab, der
Vorkommen: Ursprünglich aus Nordame-
einigen Ameisenarten als Nahrung dient. Sie
rika, heute in Europa verbreitet.
„melken" Blattläuse, indem sie den Hinterleib
Wissenswertes: Kommt in 2 Erscheinungs-
betrillern. Als Gegenleistung verteidigen sie
formen, den Gall- und Wurzelläusen, vor. In
die Blattläuse gegen Freßfeinde. Selbst Men-
Mitteleuropa fast nur als Wurzelläuse. Gefähr-
schen verzehren den Zuckersaft von Blatt-
licher Rebenschädling.
läusen als sogenannten Tannenhonig (Nadel-
bäume erzeugen keinen Nektar!), der von Tan-

5
nenblattläusen abgeschieden und von Honig- Kommaschildlaus
bienen gesammelt wird. Häufiger kommen Lepidosaphes ulmi
Autofahrer mit Honigtau in Berührung, und
zwar als klebrige Tröpfchen auf Lack und L 1,8-3,5 mm Apr.-Okt. Kennzeichen:
Scheiben des Autos, wenn es an einem Som- Die braunen, flügel- und beinlosen Weibchen
mertag unter befallenen Bäumen stand. sind kaum als Tiere zu erkennen, die weißen,
mückenähnlichen Männchen besitzen nur 2
Flügel. Vorkommen: Kosmopolitisch

2
Blutlaus
verbreitet. Wissenswertes: Als
Eriosoma lanigerum
Schildläuse werden verschiedene Familien
von Blattläusen mit ausgeprägtem
L 2-3 mm Apr.-Okt.
Geschlechtsdimorphismus zusammengefaßt.
Kennzeichen: Purpurbraun gefärbt, Körper
Die Weibchen scheiden harte oder
mit weißer, wachsartiger Wolle bedeckt.
wachsartige Strukturen ab, die den Tieren
den Namen gaben.
Staubläuse, Fransenflügler u.a.

auf Schwalben, kommen oft viele Flöhe vor

1
Staublaus
Ordnung Psocoptera (im Bild 3b Vogelfloh Ceratophyllus spec).

L-5mm Jan.-Dez.

4
Kopflaus
Kennzeichen: Klein, breiter Kopf, Flügel Pediculus humanus
(wenn vorhanden) mit reduzierter Aderung,
meist braun gefärbt. L -4 mm Jan.-Dez.
Vorkommen: Auf Baumrinde, in Gebäuden. Kennzeichen: Klein, flügellos, abgeplattet
Wissenswertes: Von der Ordnung der Klammerfüße mit einer einklappbaren Kralle.
Staubläuse sind weltweit über 2000 Arten be- Vorkommen: Weltweit verbreitet.
kannt. Viele leben als Rindenläuse auf Baum- Wissenswertes: Dieser Blutsauger ist einer
rinde, einige in Häusern, so die bekannte Bü- der unangenehmsten Parasiten beim
cherlaus. Diese winzigen, bis maximal 1,4 mm Menschen. Offensichtlich nimmt der
langen, in beiden Geschlechtern flügellosen Kopflausbefall in letzter Zeit auch bei uns
Tiere leben zwischen Buchseiten. Dort werden wieder zu. Die Einstichstellen jucken stark;
sie vom Bücherskorpion gejagt. die Tiere können auch gefährliche
Krankheiten übertragen. Ein Weibchen kann
bis zu 300 Eier (sogenannte Nissen)

2 Fransenflügler
Parthenothrips dracenae

L-1,5 mm Mai-Sept.
ablegen, aus denen schon nach Tagen die
Larven schlüpfen.

5
Kennzeichen: Dunkel gefärbt, Flügel mit lan- Karpfenlaus
gen, borstenförmigen Haaren, letztes Fußglied Argulus foliaceus
mit Haftorgan.
Vorkommen: Nahezu überall. L-8,5 mm Jan.-Dez.
Wissenswertes: Die Fransenflügler oder Kennzeichen: Abgeflacht; der rundliche
Blasenfüße sind eine Ordnung kleiner Insek- Panzer verbirgt Antennen und Augen.
ten mit zum Teil stark reduzierten Flügeln. Sie Vorkommen: In Stillgewässern, vor allem auf
können relativ schlecht fliegen, werden aber Karpfen-, seltener auf anderen Fischen.
durch den Wind weit verfrachtet. Da sie Pflan- Wissenswertes: Bei dieser Art handelt es
zensäfte saugen, können sie bei Massenauf- sich trotz des Namens nicht um eine Laus
treten schädlich werden, auch übertragen sondern um einen parasitischen Krebs! Sie
einige Arten Pflanzenkrankheiten. Hierher ge- wird hier wegen der analogen Lebensweise
hören auch die Getreideblasenfüße (Limo- abgehandelt. Als Blutsauger schädigen sie
thrips cerealium), bekannt als „Gewitterflie- den Wirt kaum; allerdings werden die Saug-
gen" oder „Gewitterwürmchen", die im Hoch- stellen oft mit Pilzen infiziert.
sommer oft in riesiger Zahl erscheinen.
Federlinge Ordnung Mallophaga

3
Hundefloh
Ctenocephalides canis 6 L-8mm Jan.-Dez.
Kennzeichen: Klein, flügellos, mit Klammer-
L-2mm Jan.-Dez. beinen. Färbung oft der Farbe des Wirtes ent-
Kennzeichen: Braun, seitlich stark abge- sprechend.
flacht, flügellos, mit langen Sprungbeinen. Vorkommen: Auf Vögeln. Wissenswertes:
Vorkommen: Weltweit verbreitet auf ver- Turmfalken-Federling (Lae-mobothrion
schiedenen Säugetierer, auch Menschen. tinnunculi, 6a) und Tauben-Fe-derling
Wissenswertes: Flöhe sind Parasiten, die (Columbicola columbae, 6b) reprä-
sich vom Blut ihrer Wirte ernähren. Dabei kön- sentieren hier die Gruppe der Beißläuse, die
nen sie Krankheiten übertragen. Tropische größtenteils auf Vögeln leben und Federn und
Rattenflöhe sind Überträger der Pest. Auch auf Hautschuppen fressen. Einige Arten auf Säu-
den ebenfalls warmblütigen Vögeln, vor allem getieren werden als Haarlinge bezeichnet.
Netzflügler und Verwandte

den Libellen. Dabei legen sie nur selten große

1 Gemeine Florfliege
Chrysopa perla Strecken zurück. Wenn die Tiere irgendwo ru-
hen, werden die Flügel dachförmig über dem
Hinterleib zusammengelegt. Sie ernähren sich
L-10mm Sp 25-30 mm Mai-Okt.
Kennzeichen: Grün gefärbt; Augen gold- von Blattläusen und anderen kleineren Insek-
glänzend, lange, dünne Fühler. Der Name ten. Sie sind vor allem in der Dämmerung und
Flor„fliege" ist etwas irreführend, denn die auch nachts aktiv und werden deshalb auch
Tiere haben 2 Flügelpaare und nicht nur eines als „Nachtlibelle" bezeichnet. Bemerkenswert
wie die Fliegen. ist die Lebensweise der Larven, der Ameisen-
Vorkommen: Weit verbreitet in Europa; in löwen (2b). Diese leben nur in Sandböden.
Wäldern, Gärten, Parks usw. Bei uns ca. 20 Darin bauen sie kleine Trichter (2d), an deren
zum Teil sehr ähnliche Arten. Grund sie sich eingraben und auf Beute lau-
Wissenswertes: Die Florfliegen, wegen ihrer ern. Nur die kräftigen Zangen ragen etwas
schönen Augen oft auch Goldaugen genannt, heraus. Geraten Ameisen über den Rand des
sind sicherlich die bekanntesten Netzflügler, Trichters, fallen sie hinein und können im
da sie häufig in Häusern, vor allem auf Dach- nachrutschenden Sand nicht mehr heraus-
böden, überwintern. Sie sind dann durch den klettern. Falls sie doch zu entkommen versu-
Farbstoff Karotin rötlich verfärbt. Im Frühjahr chen, schleudern die Ameisenlöwen Sand in
werden sie wieder grün. Die Tiere sind meist die Höhe, so daß sie erneut abrutschen. Die
in der Dämmerung aktiv. Mit ihren langen Füh- Ameisenlöwen ergreifen sie mit ihren Zangen,
lern tasten sie nach Nahrung. Florfliegen sind injizieren zunächst ein lähmendes Gift, dann
ausgeprägte Blattlausjäger. Ihre Eier legen sie ein Verdauungssekret und saugen ihre Opfer
auf dünnen Stielen in der Nähe von Blatt- aus (2c). Die leere Hülle wird dann vom Amei-
lauskolonien ab (1b). Die Larven (1c), die senlöwen aus dem Trichter geschleudert.
oberflächlich an die Larven von Marienkäfern
erinnern, ernähren sich von Blattläusen und

3
Bachhaft
werden oft auch als Blattlauslöwen bezeich- Osmylus chrysops
net. Häufig tarnen sich die Blattlauslöwen mit
den Überresten ihrer Opfer, so daß sie wie ein L12-17mm Sp40-50mm Mai-Aug.
kleiner Abfallhaufen wirken. Dieses Verhalten Kennzeichen: Flügel mit dunklen Flecken,
scheint sie vor allem vor den Ameisen zu zahlreiche Flügeladern, in Ruhe ähnlich wie
verbergen, die die Blattlauskolonie betreuen. bei der Florfliege dachförmig über dem Kör-
Neuerdings werden Florfliegen auch zur bio- per zusammengelegt.
logischen Schädlingsbekämpfung gezüchtet. Vorkommen: In Gewässernähe, nicht
häufig.

2 Ameisenjungfer
Myrmeleon formicarius

L-35mm Sp-80mm Mai-Aug.


Wissenswertes: Die Tiere sind dämme-
rungsaktiv und leben räuberisch. Ihre Haupt-
beute sind andere Insekten. Tagsüber sitzen
sie auf Pflanzen, an Brücken usw. Das Weib-
Kennzeichen: Schlank mit großen, unge- chen legt die Eier an Blättern ab. Nach ca. 3
fleckten Flügeln, Körper braun gefärbt. Fühler Wochen schlüpfen die Larven, die sich immer
kurz, ar der Spitze verdickt. Vorkommen: In in Ufernähe aufhalten. Sie werden bis zu
weiten Teilen Europas, häufiger im 20 mm groß und besitzen am Hinterleib ein
Mittelmeerraum. Man findet die Tiere an ausstülpbares, mit Haken versehenes Haftor-
Sandstränden, Birnendünen, Sandheiden gan. Sie sind ebenfalls Räuber. Mit ihren kräf-
usw. tigen, nach außen gebogenen Saugzangen
Wissenswertes: Auf den ersten Blick ähneln packen sie vor allem Mückenlarven. Sie über-
ausgewachsene Ameisenjungfern (2a) Libel- wintern an Land und verpuppen sich im dar-
len. An den kurzen, keulenförmiger Fühlern auffolgenden Frühjahr in einem Gespinstko-
kann man sie aber leicht erkennen. Auch ihre kon. Nach etwa 2 Wochen schlüpfen die
langsame Flugweise unterscheidet sie von Bachhafte.
Netzflügler und Verwandte

1
Libellen-Schmetterlingshaft

3
Skorpionsfliege
Libelloides coccajus Panorpa communis

L 20-25 mm Sp 45-55 mm Juni-Juli L-20mm Sp~32mm Mai-Sept.


Kennzeichen: Flügel mit auffällig schwarz- Kennzeichen: Auf den ersten Blick schna-
gelber Zeichnung, Körper schwarz, Fühler kenähnlich, mit schnabelartig ausgezogenem
lang, geknöpft (1b). Männchen mit auffälligen Kopf und nach oben gebogenem Hinterleib.
Hinterleibsanhängen. Beim ähnlichen Flügel stark schwarzbraun gefleckt.
Schmetterlingshaft Libelloides longicornis Vorkommen: Weit verbreitet in Wäldern
(1a) ist die Flügeladerung gelb statt wie bei Hecken usw., manchmal auch in Gärten.
der erstgenannten Art schwarz. Ein weiteres Wissenswertes: Die lang ausgezogenen
Unterscheidungsmerkmal ist der runde Fleck Mundwerkzeuge gaben der Ordnung den
auf den Hinterflügeln. deutschen Namen Schnabelhafte. Die Art hat
Vorkommen: Sehr wärmeliebende Art, die in ihren Namen vom nach oben gekrümmten
Mitteleuropa nur an wenigen Orten vor- Hinterleib der Männchen mit dicken
kommt. Greifzangen (3a). Sie können damit aber
Wissenswertes: Schmetterlingshafte sind nicht stechen. Mit den Zangen werden die
kräftiger gebaut als die Ameisenjungfern und Weibchen (3b) bei der Paarung gegriffen. Um
meist tagaktiv. Sie sind gute Flieger und er- das Weibchen „gefügig" zu machen, sondert
nähren sich von Insekten, die sie im Flug das Männchen einen Sekrettropfen ab, der
fangen. Setzen sie sich in die Sonne, breiten vom Weibchen gefressen wird - quasi ein
sie ihre Flügel meist aus (1b). In der Ruhe- Brautgeschenk. Die Eier werden ins Erdreich
stellung werden diese aber dachziegelartig abgelegt; hier leben auch die raupenähnlichen
über dem Körper zusammengelegt (1a). Die Larven. Imago und Larven leben räuberisch
Larven haben Ähnlichkeit mit Ameisenlöwen, und ernähren sich von kleineren Insekten.
bauen aber keine Trichter. Sie leben am Bo- ,
den, oft unter Steinen, und jagen dort Wirbel-
lose. Im Mittelmeerraum gibt es mehrere ver-

4
Kamelhalsfliege
wandte Arten, wo man sie oft recht häufig Raphidia notata
antreffen kann.
L-30mm Sp-30mm Apr.-Aug.
Kennzeichen: Braunschwarz mit stark ge-

2
Schneehaft
Boreus westwoodi äderten Flügeln, Vorderbrust stark verlängert,
2 Adern im dunklen Pterostigma.
L 3-4 mm Vorkommen: In Nord- und Mitteleuropa an
Kennzeichen: Flügellos, mit schnabelartig Waldrändern, Hecken, Gebüschen usw. 11
ausgezogenem Kopf, lange Hinterbeine. ähnliche Arten in Mitteleuropa.
Vorkommen: Auf Gletschern und ewigem Wissenswertes: Ihren Namen verdanken
Schnee. die Tiere der stark verlängerten Vorderbrust
Wissenswertes: Der Schneehaft, auch Win- (Insekten haben keinen Hals!) und der typi-
terhaft oder Schneefloh genannt, gehört wie schen Kopfhaltung. Sie sitzen im Sommer
die Skorpionsfliegen zu den Schnabelfliegen häufig auf der Rinde von Bäumen, wo sie
oder Schnabelhaften. Mit den langen Hinter- schnell umherlaufen. Sie leben räuberisch
beinen, mit denen sie sich auch springend und fressen Insekteneier und -larven, Blatt-
fortbewegen, erinnern die Tiere an Heu- lause, Rüsselkäfer und andere Insekten. Die
schrecken. Die Schneehafte suchen auf Larven sind langgestreckt und abgeflacht. Sie
Schnee und Eis nach toten Insekten, die sie leben in Spalten und Käfergängen in der
mit einem Verdauungssekret zunächst auflö- Baumrinde und können gut rückwärts laufen.
sen und dann aufsaugen. Auch Moos wird von Sie vertilgen dort viele Insekten sowie deren
ihnen gefressen. Ein naher Verwandter ist der Eier und Larven und werden als nützlich im
Gletscherfloh Boreus hyemalis. Sinne der biologischen Schädlingsbekämpf-
fung angesehen.
Schmetterlinge

Federgeistchen nehmen können. So sind sie in der Lage,

1 Pterophorus pentadactyla

L-17mm Sp-34mm Mai-Aug.


jagenden Fledermäusen zu entkommen.
Welt-weit soll es über 30000 Zünslerarten
geben; die meisten davon in den Tropen.
Kennzeichen: Schneeweiß, unverkennbar. Damit sind sie eine der größten Familien der
Vorkommen: Überall in der offenen Land- sog. Klein-Schmetterlinge.
schaft, auch in Gärten.
Wissenswertes: Das Federgeistchen gehört

4
Brennesselzünsler
zu den auffälligsten Kleinschmetterlingen. Die Eurrhypara hortulata
Vorderflügel sind 2-, die Hinterflügel 3fach
gespalten (pentadactylus = „Fünffinger"). Die L-10mm Sp 18 mm Juni-Aug.
so entstehenden Zipfel sind noch einmal stark Kennzeichen: Körper gelb mit dunklen Flek-
gefiedert. So wirken sie wie Vogelfedern ken, Flügel weiß mit zahlreichen schwarzen
(Name!). Die Raupen ernähren sich vor allem Flecken, Basis der Vorderflügel gelb.
von Acker- und Zaunwinde, aber auch von Vorkommen: Häufig vor allem an Hecken
Klee, Rosen, Schlehen u.a. Bei uns weitere und Waldrändern in Brennesselbeständen
verwandte Arten, die auch Federmotten ge- und Gebüschen.
nannt werden. Wissenswertes: Die zunächst grünlich und
später gelbrosafarbene Raupe (4b) frißt
zusammengerollten Blättern von Brennesseln.

2
Kleidermotte
Tineola bisse/Hella Ziest und anderen Lippenblütlern.

L-8mm Sp 12 mm Mai-Sept.

5
Holunderzünsler
Kennzeichen: Goldglänzend, fadenförmige Phlyctaenia coronata
Fühler.
Vorkommen: Weltweit verbreitet in Textilien. L-11mm Sp26mm Mai-Aug.
Wissenswertes: Die Weibchen legen bis zu Kennzeichen: Graubraun mit goldenen
100 kleine weiße Eier auf Wolle oder Pelzen Schimmer; auffällige weiße Flügelflecken.
ab, aus denen nach etwa 2 Wochen die ma- Vorkommen: In Hecken, Gärten, an Weg-
denähnlichen Raupen schlüpfen. Diese kön- rainen usw.
nen Gewebe großflächig zerstören. Unter gün- Wissenswertes: Die weißlichen Raupen mit
stigen Bedingungen entwickeln sie sich inner- grünen Längsstreifen fressen vor allem an Ho-
halb von 3 Monaten zu ausgewachsenen Fal- lunder, Flieder, Liguster und anderen Sträu-
tern (inklusive Puppenstadium). So kann bei ehern.
lange hängender Kleidung ein Massenbefall
ajftreten, der nicht bemerkt wird. Die Falter

6
Laichkrautzünsler
nehmen keine Nahrung auf. Nymphula nymphaeata

L -10mm Sp-25mm Mai-Aug.

3
Nesselzünsler
Pleuroptya ruralis Kennzeichen: Weiß mit abwechslungsrei-
cher brauner Bänderung der Flügel, faden-
L-19mm Sp-40mm Juni-Aug. förmige Fühler.
Kennzeichen: Flügel und Körper hellbraun Vorkommen: An langsam fließenden
mit dunkelbrauner und grauer Zeichnung. oder Stillgewässern mit Laichkräutern.
Vorkommen: Weit verbreitet in Europa. Wissenswertes: Interessant ist die
Wissenswertes: Sehr häufige Art, gelegent- aquatische Lebensweise der Raupen (6b),
lich auch am Tag zu beobachten. Nachts kom- die unter Wasser an Laichkrautblättern
men sie oft zu Lichtquellen. Wie alle Zünsler fressen. Sie atmen in jungen Stadien
besitzen sie an der Basis des Abdomens ein ausschließlich über die Haut, erst später mit
paariges Hörorgan (Tympanalorgan), mit dem Hilfe der Tracheen. Die Verpuppung erfolgt
sie die Ortungsrufe von Fledermäusen wahr- in einem luftgefüllien Köcher unter Wasser.
Schmetterlinge

1
Weidenbohrer

3
Blutströpfchen
Cossus cossus Zygaena filipendulae

L-40mm Sp-80mm Mai-Aug. L-18mm Sp-38mm Juni-Aug.


Kennzeichen: Grauweiß mit schwarzer Stri- Kennzeichen: Flügel glänzend blauschwarz
chelung; Weibchen größer als Männchen. mit 6 paarweise angeordneten, blutroten
Vorkommen: Weit verbreitet in Europa, in Flecken.
Auwäldern, an Waldrändern, aber auch in Vorkommen: Auf unterschiedlichsten Wie-
Gärten. sentypen in ganz Europa; häufigste Art dieser
Wissenswertes: Der Name dieses Falters Gattung.
bezieht sich auf die großen Raupen (1b), die Wissenswertes: Der Name bezieht sich auf
in Weiden, aber auch in Pappeln und Ka- die Flecken auf den Vorderflügeln. Auch die
stanien meterlange Fraßgänge erzeugen. Da- Hinterflügel sind intensiv rot gefärbt. Eine
durch können Bäume so stark geschädigt Reihe ähnlicher Arten, die sich vor allem
werden, daß sie umknicken. Ihre Entwicklung durch Anzahl und Anordnung der Flecken un-
dauert 2, manchmal sogar 4 Jahre. So ge- terscheiden, werden mit dem Biutströpfchen
hören Weidenbohrer zu den Schmetterlingen zur Familie der Widderchen {Zygaenidae) zu-
mit dem höchsten Alter. Auffällig ist ein von sammengefaßt. Dieser Name bezieht sich auf
den Raupen ausgehender Essiggeruch, der die keulenförmig verdickten Fühler. Die Tiere
ein sicherer Hinweis auf das Vorkommen der sind tagaktiv. Bei Bedrohung durch Feinde
Tiere ist. Die Raupe galt im alten Rom als sondern sie ein übelriechendes Sekret ab. Die
besondere Delikatesse. Der Weidenbohrer ge- auffällige Färbung ist als Warntracht aufzu-
hört zu den Kleinschmetterlingen (s. vorige fassen. Die grüne, schwarz gefleckte Raupe
Seite) und ist der größte Vertreter dieser (3b) lebt an krautigen Pflanzen, vor allem an
Gruppe. Schmetterlingsblütlern; bei uns gehört Horn-
klee zur bevorzugten Nahrung. Die gelbe, per-
gamentartige Puppenhülle kann man an Gra -

2
Hopfenwurzelbohrer
halmen finden. Die Falter saugen vor allem
Hepialus humuli
Disteln, Kletten, Dost und Flockenblumen. Auf
L-35mm Sp-60mm Mai-Aug. Blüten sitzen die Falter mit nach vorn ge-
Kennzeichen: Brauner Körper; Männchen streckten Fühlern und dachförmig gehaltenen
(2b) mit weißen, Weibchen (2a) mit gelblich- Flügeln.
braunen Flügeln, Weibchen deutlich größer

4
als Männchen. Grünwidderchen Procris
Vorkommen: In feuchteren Wäldern in wei- statices
ten Teilen der Paläarktis. Wissenswertes:
Die Art wird auch als Geistermotte, L-14mm Sp-28mm Mai-Aug.
Hopfenmotte oder Hopfenspinner bezeichnet. Kennzeichen: Vorderflügel grün mit metal-
Die Männchen führen eine Art Balzflug vor, lischem Glanz, Hinterflügel grau. Einige
um die Weibchen zur Paarung anzuregen. ähnliche Arten.
Nach der Befruchtung streuen sie die Eier im Vorkommen: Eine Art der Waldlichtungen
Flug regelrecht aus. Als Futterpflanze der und feuchten Wiesen, wo sie sehr häufig auf-
unterirdisch lebenden Raupen dienen nicht treten kann.
nur die Wurzeln von Hopfen, sondern auch die Wissenswertes: In der Ruhestellung legen
von Sauerampfer, Huflattich, Löwenzahn und die Falter die Flügel wie alle Widderchen
vielen anderen Kräutern. In Hopfenkulturen dachartig zusammen. Sie sind wie ihre Ver-
können die Raupen bei Massenentwicklung wandten tagaktiv und besuchen Blüten. Die
gelegentlich Schäden anrichten. Sie leben Raupen ernähren sich vor allem von Sauer-
länger als 2 Jahre und verpuppen sich in der ampfer und anderen Ampferarten. Sie über~
Erde in einem röhren-artigen Gespinst. wintern und verpuppen sich in einem weichen
Gespinst auf der Erde.
Schmetterlinge

Vorkommen: Weit verbreitet in den Laubwäl-

1
Traubenkirschen-Gespinstmotte
Yponomeuta evonymella dern mit Eichenbeständen in Europa und
Kleinasien.
L-10 mm Sp-25mm Mai-Aug. Wissenswertes: Während es recht schwie-
Kennzeichen: Schneeweiß mit vielen klei- rig ist, die Falter zu beobachten - sie halten
nen schwarzen Flecken. Mehrere verwandte sich meist in den Baumwipfeln auf und
Arten sind äußerlich kaum unterscheidbar, die schwärmen erst in der Dämmerung -, sind die
Raupen leben aber auf anderen Futterpflan- Fraßspuren der Raupen bei Massenentwick-
zen. lung unübersehbar. Dann können ganze Be-
Vorkommen: Häufig in Gärten, an Waldrän- stände kahlgefressen werden. Die Raupen
dern, in Parks und in Hecken. fressen zunächst Knospen und dann Blätter.
Wissenswertes: Viel auffälliger als die Fal- Sie verpuppen sich zwischen zusammenge-
ter, die sich tagsüber verstecken und dabei sponnenen Blättern. Bei Massenauftreten ste-
die Flügel dachförmig anlegen, sind die Rau- hen nicht genug Blätter zur Verfügung, dann
pen (1b), die im Mai und Juni in dichten findet die Verpuppung an der Rinde oder am
Gespinsten vor allem auf Traubenkirschen le- Boden statt. Eichenwicklerraupen sind ein
ben. Die schleierartigen Gespinste (1c) kön- wichtiger Bestandteil der
nen bei Massenvermehrung einen ganzen Aufzuchtnahrung von Meisen und anderen
Baum überziehen, der dann meist auch völlig Vogelarten. Auch viele andere Feinde
kahlgefressen wird. Auch die Verpuppung der wie Laufkäfer, Waldameisen,
Raupen erfolgt im Gespinst. Schlupfwespen und Raupenfliegen ernähren
sich von ihnen.

2
Apfelwickler
Cydia pomonella

4
Hornissensch w ärmer
Sesia apiformis
L 7-9 mm Sp 14-24 mm Mai-Okt.
Kennzeichen: Mit gelbbraunen und schwar- L-20mm Sp-45mm Mai-Juli
zen Querbinden auf den grauen Vorderflü- Kennzeichen: Körper wespenähnlich
geln, Hinterflügel bräunlich. Vorkommen: schwarz-gelb gefärbt, Flügel glasig durch-
Sehr häufig in Obstgärten, Streuobstwiesen sichtig.
usw.; heute weltweit in allen Vorkommen: Vor allem in Auwäldern und
Apfelanbaugebieten zu finden. Pappelalleen in weiten Teilen Europas
Wissenswertes: Die Raupe (2b) lebt im und Nordasiens, meist nicht häufig.
Fruchtfleisch von Äpfeln, aber auch von Bir- Wissenswertes: Der deutsche Name ist
nen, Quitten, Pfirsichen, Kirschen und einigen etwas verwirrend, da es sich hier nicht um
anderen Obstarten. Das Vorkommen der Art einen Schwärmer, sondern um einen
wird vor allem durch klimatische Faktoren und Glasflügler handelt. Der
Parasiten beeinflußt. Ernsthafte wirtschaftliche Homissenschwärmer oder vielleicht besser
Schäden durch Massenvermehrung sind nur Hornissenglasflügler ist der größte heimische
selten. Die Raupen verpuppen sich in Ritzen Vertreter dieser Gruppe. Mit der
in der Baumrinde, am Boden oder sogar in Körperfärbung und den unbeschuppten
Apfelkisten. Die Falter fliegen in 2 Genera- Flügeln ähneln die Falter Wespen. So sind
tionen im Jahr. sie vor Freßfeinden, z.B. Vögeln, gut
geschützt. Der schnelle Flug erinnert
Grüner Eichenwickler allerdings an Schwärmer. Die Falter sind

3 Tortrix viridana

L-11mm Sp 18-25 mm Mai-Aug.


tagaktiv, aber nicht leicht zu entdecken. Die
Raupen leben in Bohrgängen unter der
Rinde von Pappeln und überwintern
Kennzeichen: Grüne Vorder- und grau- zweimal. Bei uns kommen eine Reihe
braune Hinterflügel, jeweils mit weißem weiterer, deutlich kleinerer Glasflügler Arten
Saum. vor, die nicht leicht zu bestimmen sind.
Einige von ihnen, wie der Johannisbeerglas-
flügler, kommen auch in Gärten vor und
können Beerensträucher schädigen.
Schmetterlinge

1
Großer Gabelschwanz

3
Kleines Nachtpfauenauge
Cerura vinula Saturnia pavonia

L-30mm Sp 55-75 mm Apr.—Juli L-45mm Sp-60mm Apr.-Mai


Kennzeichen: Gelbweiß mit grauschwarzer Kennzeichen: Weibchen (3b) grau mit
Linienzeichnung. brau-ner Zeichnung, Männchen (3a)
Vorkommen: Paläarktisch verbreitet, vor al- gelbbraun mit brauner Zeichnung, beide mit
lem in Pappel- und Weidenbeständen. je einem Au-genfleck auf allen 4 Flügeln.
Wissenswertes: Besonders auffällig sind Vorkommen: In weiten Teilen der Paläarktis
die großen, bis zu 70mm langen grünen Rau- in Heidegebieten und lichten Kiefernwäldern.
pen mit schwarzer Zeichnung (1b). Am Hinter- Wissenswertes: Starke
ende haben sie eine „Schwanzgabel", der Geschlechtsunterschiede. Mit ihren
Kopf trägt einen purpurroten Rand und federartigen Fühlern können die Männchen
schwarze Augenflecken. Bei Gefahr wird der wie andere Arten auch die von den Weibchen
Kopf zur Abschreckung von Feinden ange- abgegebenen Sexuallock-Stoffe (Pheromone)
hoben. Aus einer Drüse körnen sie eine Flüs- über eine Entfernung von mehreren
sigkeit versprühen, die Ameisensäure enthält. Kilometern wahrnehmen. Die Raupen (3c)
Als Nahrung dienen ihr Blätter von Weiden sind zunächst grün, dann schwarz-grün
und Pappeln. Wenn die Falter tagsüber an gemustert und ausgewachsen grün mit
einem Ast ruhen, strecken sie oft die Vorder- gelben Warzen mit schwarzen Borsten. Sie
beine nach vorn („Streckfuß", 1a). fressen vor allem an Besenheide und Heidel-
beere, aber auch an vielen anderen Sträu-
ehern. Sie verpuppen sich im Herbst in einem

2
Mondvogel
Phaiera bucephala großen, flaschenförmigen Kokon an ihrer Fut-
terpflanze. Die Falter schlüpfen im folgenden
L-32mm Sp-60mm Mai-Juli Frühjahr und fressen nicht.
Kennzeichen: Vorderflügel grau mit silber-
nen Schuppen, ar der Spitze mit hellbraunem

4
Eichenprozessionsspinner
Fleck, Hinterflügel einfarbig beigeweiß. Kopf Thaumetopoea processionea
ebenfalls hellbraun.
Vorkommen: Weit verbreitet in der Paläarktis L-18mm Sp 29-35 mm Juli-Sept.
in Laubwäldern und Parks vom Flachland bis Kennzeichen: Unscheinbar graubraun ge-
etwa 1600 m Höhe. färbt, mit braunen Linien auf den Flügeln.
Wissenswertes: Die Färbung von Kopf und Vorkommen: Mittel- und Westeuropa, in
Flügelspitzen bewirkt eine hervorragende Tar- Wäldern mit Eichenbeständen.
nung, gleicht der Mondvogel in Ruhestellung Wissenswertes: Die Eier werden auf der
doch einem abgebrochenen Zweigstückchen, Rinde von Eichen abgelegt; die Eier über-
wobei die hellen Flecken die Bruchstellen vor- wintern. Die giftig behaarten Raupen (4a) le-
täuschen. Manchmal wird die Art auch Mond- ben tagsüber in Gespinsten und wandern in
fleck genannt. Die Falter fliegen in der Nacht der Dämmerung in langen Reihen zum Fres-
häufig Lichtquellen an und gelangen so sen (4b). Am nächsten Morgen kehren sie in
manchmal auch in Häuser. Sie nehmen keine gleicher Weise zu ihrem Gespinst zurück. Die
Nahrung auf. Die auffälligen Raupen kann Haare sind mit Widerhaken versehen und bre-
man häufig auf Hasel, Weiden, Birken und chen leicht ab; sie können bei Menschen
vielen anderen Laubgehölzen finden. Sie wer- Hautausschlag oder sogar schmerzhafte Ent-
den bis zu 6cm lang, der Kopf ist schwarz und zündungen hervorrufen. Zahlreiche
trägt ein gelbes V. Der Körper ist schwarz-gelb abgebrochene Haare im Gespinst dienen
gefärbt und weiß behaart. Die Raupen leben in als Schutz vor Freßfeinden. Sehr bekannt
Gruppen zusammen, die auch gemeinsam sind auch die Gespinste des vor allem im
den Futterplatz wechseln. Sie verpuppen sich Mittelmeerraum überall verbreiteten
im Herbst in der Erde. Kiefernprozessionsspinners
(Thaumetopoea pinivora). Seine Raupen
überwintern auch im gemeinsamen Nest.
Schmetterlinge
i

auf den Flügeln, Färbung aber sehr variabel.

1
Birkenspinner
Endromis versicolora Vorkommen: In Laubwäldern, Gärten usw.
Wissenswertes: Die Weibchen legen die
L-39mm Sp-90mm Mä rz -Mai Eier in ringförmigen Gelegen um Zweige,
Kennzeichen: Lebhaft gezeichnete, braun- wor-auf sich der Name bezieht. Die gesellig-
weiß-schwarz gefärbte Flügel. Vorkommen: lebenden Raupen (3b) sind sehr bunt, mit
In Laubmischwäldern; lebt bevorzugt in hell-blauen, orangefarbenen, schwarzen und
lichten Birkenwäldern. Wissenswertes: Eine weißen Streifen. Sie ernähren sich vom Laub
Art mit deutlichem Ge- verschiedener Obstbäume, wo sie manchmal
schlechtsdimorphismus, die Weibchen sind großen Schaden anrichten können, fressen
viel größer als die Männchen. Die Falter neh- aber auch an Schlehen, Weiden u.a.
men keine Nahrung auf. Die Männchen fliegen
auch tagsüber auf der Suche nach Weibchen,

4
Eichenspinner
die dann meist im Wipfelbereich der Bäume Lasiocamoa quercus
sitzen. Sie sondern einen Lockstoff ab, den die
Männchen über große Entfernungen wahr- L-37 mm Sp-80mm Mai-Aug.
nehmen können. Die Raupen leben vor allem Kennzeichen: Männchen (4b) kastanien-
auf Birken, aber auch auf Erlen und Linden. braun mit gelbem Flügelband, Weibchen (4a)
Sie verpuppen sich in einem schwarzen Ge- heller ockergelb, Zeichnung nicht so deutlich,
spinst auf der Erde. Die Puppe überwintert, die viel größer als die Männchen. Vorkommen:
Falter schlüpfen sehr früh im Jahr. Laubwälder, Heiden, Moore.
Wissenswertes: Nach der Kupferglucke die
größte der bei uns vorkommenden Glucken

2
Kupferglucke
Gastropacha quercifolia Auch bei dieser Art fliegen die Männchen
tagsüber im Zickzack hin und her, um die
L-43mm Sp-82mm Mai-Sept. Sexuallockstoffe der Weibchen wahrzuneh-
Kennzeichen: Bräunlich mit violettem men. Die schwarzbraunen, gelblich behaarten
Schimmer, im Süden gelbbraun. Weibchen Raupen werden bis zu 75 mm lang. Sie sind
fast doppelt so groß wie die Männchen. polyphag, d.h., sie ernähren sich von vielen
Vorkommen: Europa und nördliches Asien verschiedenen Pflanzen, u.a. von Heidekraut,
bis nach Japan, in der Kulturlandschaft. Brombeeren und Heidelbeeren. Ihre Entwick-
Wissenswertes: Die Falter tarnen sich durch lung verläuft langsam; in klimatisch ungün-
eine ungewöhnliche Ruhestellung: Die Vor- stigen Gebieten überwintern sie zweimal.
derflügel werden dachartig über dem Körper
zusammengelegt, die Hinterflügel treten seit-

5
Sichelspinner
lich darunter hervor. So wirken sie wie ein Drepana falcataha
trockenes Buchenblatt, was durch die Fär-
bung verstärkt wird. Die Raupen leben an L-18mm Sp-36mm Apr.-Aug.
Obstbäumen und Salweiden. Früher galten sie Kennzeichen: Grundfarbe bräunlich oder
als Schädlinge in Obstplantagen, heute ist die grau, Hinterflügel oft sehr hell, Spitzen der
Art aber recht selten geworden. Die Eier wer- Vorderflügel sichelartig nach außen gebogen.
den einzeln oder in kleinen Gruppen auf Blatt- Vorkommen: Wälder, Parks, Hecken usw.
unterseiten abgelegt. Die graubraunen Rau- Wissenswertes: Häufigster Vertreter der
pen überwintern und verpuppen sich in einem Sichelspinner (Drepanidae). Wegen der oft
schwarzen Kokon auf der Baumrinde. sehr hellen Färbung wird er auch als
Weißer Sichelflügel, wegen einer der
Ringelspinner Hauptfutterpflanzen auch als Birkensichler

3 Malacosoma neustria

L<-20rnm Sp-82mm Mai-Sept.


bezeichnet. Sie haben ein zugespitztes
Hinterende und sind grün mit braunem
Rücken. Charakteristisch ist ihre Ruhehaltung
Kennzeichen: Hellbraun mit dunklen Linien mit erhobenem Vorder- und Hinterende.
Schmetterlinge

4
Gamma-Eu e Autographa

1
Goldafter
Euproctis chrysorrhoea gamma

L-22mm Sp-38mm Juni-Aug. L-20mm Sp-40mm Mai-Okt.


Kennzeichen: Schneeweiß, Hinterleib über- Kennzeichen: Vorderflügel braun, variabel
wiegend braungelb. gezeichnet, charakteristisch ist das Gamma-
Vorkommen: In Laubwäldern, Gärten usw. förmige Mal. Hinterflügel graubraun gefärbt.
Wissenswertes: Eine der häufigsten Arten Vorkommen: Nahezu überall.
der Familie der Schadspinner, die alle auf- Wissenswertes: Eine der wenigen an Tag
fällige, bunte und stark behaarte Raupen ha- fliegenden Eulen. Alljährlich wandern sie aus
ben. Oft stehen die Haare in bürstenartigen den Subtropen in großer Zahl nach Norden
Büscheln. Häufig sind sie wie beim Goldafter und legen dabei mehrere tausend Kilometer
giftig. Deshalb werden sie von Vögeln mit Aus- zurück. Im Sommer vermehren sie sich hier,
nahme des Kuckucks gemieden. Die Raupen im Herbst fliegen die Nachkommen wieder
(1b) sind gesellig und leben in Obstbäumen, nach Süden. Die Falter saugen an vielen Blü-
Eichen und anderen Laubbäumen. Sie spin- tenpflanzen, z.B. Disteln. In Gärten besuchen
nen gemeinsam feste Nester an Zweigenden, sie Sommerflieder und Blumen in Balkonkä-
in denen sie überwintern. Als Schutz vor Fein- sten. Auch die bis zu 40 mm langen Raupen
den spinnen sie ihre giftigen Haare mit ein. sind nicht wählerisch und kommen an den
unterschiedlichsten krautigen Pflanzen vor.

2
Nonne

5
Lymantria monacha Weiden-Kahneule Baris
chlorana
L-27mm Sp-55mm Juli-Sept.
Kennzeichen: Weiß; Vorderflügel mit schwar- L-8mm Sp-20mm Mai-Aug.
zen Zickzackbändern, Hinterflügel grau. Kennzeichen: Vorderflügel grün, Hinterflügel
Vorkommen: Vor allem in Nadelwäldern. weiß.
Wissenswertes: Die Raupen sind schwarz Vorkommen: In der Nähe von Feuchtgebie-
mit einem großen, hellgrauen Fleck auf dem ten.
Rücken. Hauptnahrung sind Fichtennadeln, Wissenswertes: Die Raupen fressen in zu
die meist nachts gefressen werden. Als Jung- sammengesponnen Zweigspitzen verschiede-
raupen leben sie gesellig, später einzeln. Vor ner Weidenarten.
allem in Fichtenmonokulturen können sie bei
Massenentwicklung enorme Schäden verur-

6
Zweipunkt-Schilfeule
sachen. Auch andere Nadel- und Laubbäume Archanara geminipunctata
können als Futterpflanzen dienen.
L -16 mm Sp 27-33 mm Mai-Sept.
Kennzeichen: Hellbraun oder rötlichbraun

3
Saat-Eule
Agrotis segetum gefärbter Falter; 2 weiße Punkte auf den Vor-
derflügeln.
L-21mm Sp-40mm Mai-Okt. Vorkommen: Verbreitet in Feuchtgebieten.
Kennzeichen: Sehr variabel gezeichnet; Wissenswertes: Die Raupen leben in den
Grundfarbe der Vorderflügel braun, Hinterflü- Stengeln des Schilfes (6a) und ernähren sich
gel perlmuttartig glänzend. Vorkommen: vom Mark. Sie können in Gegenden mit gro-
Sehr weit verbreitet. Wissenswertes: Eine ßen Schilfflächen sehr häufig sein, treten aber
sehr häufige Art aus der Familie der nur lokal auf. Verwandte Arten ernähren sich
Eulenfalter (Noctuidae). Die Raupen sind z.B. von Rohr- und Igelkolben, Sumpfschwert-
polyphag und ernähren sich von den Wurzeln lilie und Seggen. Oft sind die Raupen auf eine
krautiger Pflanzen. In Gärten und auf Feldern Pflanzenart spezialisiert. Leider werden die
können sie erhebliche Ernteausfälle meisten Schilfeulen mit der Zerstörung kleiner
verursachen. Feuchtgebiete immer seltener.
Schmetterlinge

falter und einer der größten bei uns vorkom-

1
Kieferneule
Panolis flammea menden Schmetterlinge überhaupt. Heute lei-
der sehr selten. Die Raupen entwickeln sich
L-21mm Sp-38mm März-Juni auf Pappeln, Eschen (darauf weist der wissen-
Kennzeichen: Vorderflügel rötlich oder grau schaftliche Artname hin: Fraxinus = Esche),
mit weißem Makel, Hinterflügel braun. Birken u.a. Die Falter schlüpfen je nach geo-
Vorkommen: In lichten Kiefernwäldern. graphischer Lage von Juli bis Oktober.
Wissenswertes: Dieser Falter wird oft auch
als Forleule bezeichnet. Die Falter erscheinen

4
Rotes Ordensband
früh im Jahr und fliegen manchmal auch tags- Catocala nupta
über. Die Raupen fressen Kiefernnadeln im
Wipfelbereich. Alle Eulen zeichnen sich durch L-40mm Sp-78mm Juli-Okt.
ein besonderes Hörorgan, das Tympanalor- Kennzeichen: Eine große Eule; Vorderflügel
gan, aus. Von allen Schmetterlingen haben dunkelbraun mit schwarzen und braunen Li-
nur noch Zünsler und Spanner ein solches nien. Hinterflügel rot mit 2 schwarzen Bän-
Organ entwickelt. Sie können damit die Ultra- dem.
schallrufe von Fledermäusen, ihren größten Vorkommen: Weit verbreitet.
Feinden, wahrnehmen. Haben sie einen Or- Wissenswertes: Eine häufige Art, die man
tungsruf von Fledermäusen registriert, lassen tagsüber auch an Hauswänden finden kann.
sie sich einfach fallen und haben so eine Allerdings sind die Tiere gut getarnt, da sie die
Chance zu entkommen. auffälligen Hinterflügel unter den mit einer
Tarnzeichnung versehenen Vorderflügeln ver-
bergen. Bei Störungen breiten sie die Vorder-

2
Hausmutter
Noctua pronuba flügel aus. So kommt die auffällige Rotfärbung
plötzlich zum Vorschein, was Freßfeinde irri-
L-30mm Sp-60mm Mai-Okt. tieren dürfte. Diesen Moment nutzen die Falter
Kennzeichen: Vorderflügel braun, variabel zum Entkommen. Rote Ordensbänder kom-
gezeichnet, Hinterflügel gelb mit schmalem, men selten zum Licht; man kann sie aber auf
schwarzem Band. gärendem Fallobst, an dem sie gern saugen,
Vorkommen: Paläarktisch verbreitet und beobachten. Die Raupen (4b) leben auf Wei-
häufig, nahezu überall zu finden. den und Pappeln.
Wissenswertes: Da sich diese Art oft in Häu-

5
ser verfliegt, hat sie den Namen Hausmutter Messingeule
erhalten. Vom wissenschaftlichen Gattungsna- Diachrysia chrysitis
men Noctua leitet sich der Name für die Fami-
lie der Eulenfalter (Noctuidae) ab. Die bis zu L-20mm Sp-36mm Mai-Sept.
55 mm langen Raupen leben an den verschie- Kennzeichen: Grundfarbe braun, Vorderflü-
densten krautigen Pflanzen. Regelmäßig kann gel mit 2 breiten, grünlich glänzenden Bän-
man sie auch in Gärten antreffen, wo sie in dern, Hinterflügel einfarbig braun.
Gemüsekulturen nicht so gern gesehen sind. Vorkommen: Weit verbreitet; in Parks, an
Waldrändern. Lichtungen, in Gärten usw.
Wissenswertes: Die meisten dieser mit

3
Blaues Ordensband
Catocala fraxini 40000 Arten größten Schmetterlingsfamilie
sind eher unscheinbar braun oder grau ge-
L-48mm Sp-95mm Juli-Okt. färbt. In Europa kommen ca. 1000 Arten vor.
Kennzeichen: Grau mit schwarzer und wei- Vielfach sehen sich die Arten sehr ähnlich; zu
ßer Zeichnung. Die schwarzen Hinterflügel mit einer genauen Bestimmung sind manchmal
breitem, blaßblauem Band. Vorkommen: In sogar anatomische Untersuchungen notwen-
weiten Teilen der Paläarktis, vor allem in der dig. Die Raupen fressen an Lippenblütlern wie
Nähe von Pappelbeständen. Taubnessel und Hohlzahn, aber auch an Nat-
Wissenswertes: Größter heimischer Eulen- ternkopf, Wegerich, Löwenzahn u.a.
Schmetterlinge

flügel gelb mit braunschwarzen Flecken, Hin-

1
Zimtbär
Phragmatobia fuliginosa terflügel rot mit schwarzen Flecken,
Körper braun; 4b von unten.
L13-19mm Sp27-40mm Mai-Aug. Vorkommen: Auf Waldwiesen und Heiden.
Kennzeichen: Zimtbraune Vorderflügel Wissenswertes: Eine östliche und südliche
(Name!), Hinterflügel leuchtend rot mit Art, relativ selten. Die Raupen fressen an Lab-
schwarzer Zeichnung. kraut, Beifuß, Wegerich sowie verschieden
Vorkommen: Weit verbreitet und häufig, u.a. Sträuchern. Sie sind dunkelgrau mit grauen
auf Wiesen und Brachland bis 3000 m Höhe. und rostfarbenen Haaren.
Wissenswertes: Wird oft auch Rostbär ge-
nannt. Die Zeichnung gilt als Warnfärbung, die

5
Brauner Bär
Tiere werden von Vögeln wegen ihres offen- Arctia caja
sichtlich schlechten Geschmacks wieder aus-
gespuckt. Es gibt 2 Generationen von April bis L 22-37 mm Sp 50-68 mm Juni-Aug.
Juni und Juli bis September. Raupen der 2. Kennzeichen: Vorderflügel sehr
Generation überwintern. Sie verpuppen sich variabel braunweiß gemustert, Hinterflügel
unter Steinen, in Spalten und auf dem Boden. orangerot mit blauen Flecken.
Vorkommen: Nahezu überall anzutreffen.
Wissenswertes: Sehr markant mit auffälliger

2
Gelbe Tigerm o tte
Spilarctia lutea Warntracht. Die Raupen (5b) sind wie bei al-
len Bärenspinnern zottelig behaart (Name!).
L 17-24 mm Sp 38-45 mm Mai-Juli Bei vielen Arten gibt es als Schutz giftige
Kennzeichen: Flügel und Hinterleib gelb mit Haare. Bei Gefahr rollen die Raupen sich
schwarzen Flecken. ein. Ein Weibchen kann über 1000 Eier legen.
Vorkommen: Fast überall anzutreffen. Die Raupen leben auf verschiedenen
Wissenswertes: Wird wegen einer der Sträuchern wie Himbeere, Heidelbeere und
Hauptfutterpflanzen der Raupen auch als Ho- Schlehe. Sie überwintern und verpuppen sich
lunderbär bezeichnet. Bei Gefahr präsentieren erst im nächsten Frühjahr. Die Falter sind
die Tiere wie die folgende Art ihren gelben- variabel gefärbt; die größten Abweichungen
schwarzen Hinterleib, der Feinde vor der Un- zeigt die Form lutescens, bei der das Rot
genießbarkeit warnen soll (s.o.). der Hinterflügel durch Gelb ersetzt ist.

6
Weiße Tigermotte Schönbär

3 Spilosoma menthastri

L18-24mm Sp36-46mm Mai-Juli


Callimorpha dominula

L21-28mm Sp46-58mm Juni-Juli


Kennzeichen: Wie Gelbe Tigermotte, aber Kennzeichen: Vorderflügel schwarz mit me-
Flügel weiß mit schwarzen Flecken. tallischem Glanz, gelben und weißen
Vorkommen: Fast überall anzutreffen. Flecken, Hinterflügel rot mit schwarzen
Wissenswertes: Die Art wird auch als Min- Flecken. Vorkommen: Sehr lokal, feuchte
zenbär (wissenschaftlicher Artname Mentha = Wälder. Wissenswertes: Einer der wenigen
Minze) bezeichnet. Die dunkelbraunen, lang Bärenspinner mit voll ausgebildeten
behaarten Raupen sind aber polyphag und Mundwerkzeugen. Wegen seiner Färbung
fressen z.B. an Brennesseln, Löwenzahn und wird er auch als Spanische Fahne
Taubnesseln. Auch in Gärten anzutreffen. bezeichnet. Dieser Name wird häufig auch
für den ähnlichen Russischen Bären
{Euplagia quadripunetaria) verwendet. Er ist

4
Purpurbär
Rhyparia purpurata berühmt wegen der Massenansammlungen
von Faltern in einigen Tälern Südeuropas,
L-26mm Sp-54mm Juni-Juli z.B. dem „Tal der Schmetterlinge"
Kennzeichen: Sehr variabel gefärbt; Vorder- (Petaloudes) auf der griechischen Ägäis-Insel
Rhodos.
Schmetterlinge

und gelben Bändern. Zeichnung ist

1
Purpurspanner
Lythria purpurata variabel. Vorkommen: Paläarktisch
verbreitet; auch in Gärten und Obstplantagen.
L-15mm Sp-30mm Apr.-Aug. Wissenswertes: Die Art galt früher als
Kennzeichen: Vorderflügel olivbraun mit Schädling an Stachel- und Johannisbeeren;
meist 3 purpurrot gefärbten Bändern. Hinter- heute selten. Die Raupen zeigen ein ähnliches
flügel gelb mit dunkler Basis. Vorkommen: Färbungsmuster wie die Falter, die Puppen
Überwiegend in Gebieten mit kalkarmen, sind schwarz mit gelbweißen Streifen.
sandigen Böden. Wissenswertes: Spanner
sind meist kleine bis mittelgroße

4
Harlekin
Schmetterlinge, die mit ausgebreiteten Flügeln Calospilos sylvata
wie Tagfalter ruhen. Zahlreiche Spanner sind
bunt gefärbt, andere sehr unscheinbar und L-16mm Sp 30-38 mm Mai-Aug.
einander so ähnlich, daß nur eine Kennzeichen: Körper gelb mit schwarzen
Genitalpräparation Aufschluß über die Punkten, Flügel weiß mit grauen, schwarzen
Artzugehörigkeit liefert. Ihren Namen trägt die und gelbbraunen Flecken. Vorkommen:
Familie von der Fortbewegungsweise der Meist in feuchteren Wäldern.
Raupen. Deren mittlere Bauchfüße sind fast Wissenswertes: Die Falter sitzen tagsüber
völlig zurückgebildet; die Fortbewegung er- auf Stämmen, Blättern usw. Ihre Färbung erin-
folgt nur mit den 3 Beinpaaren an der Brust nert an Vogelkot, dadurch sind sie gut ge-
und den 2 Beinpaaren am Hinterende. Wenn schützt. Von der Färbung leitet sich auch der
die Raupe langgestreckt ist, zieht sie die Hin- Name „Vogeldreck" ab, der jedoch der Schön-
terbeine an die vorderen heran, der Körper heit des Schmetterlings nicht gerecht wird.
bildet einen Halbkreis. Dann erfolgt das
„Spannen", die Raupe streckt den Körper so-

5
Holunderspanner
weit, wie es nur geht. Dann werden die hinte-
Ourapteryx sambucaria
ren Beinpaare wieder herangezogen usw.
L-30mm Sp-50mm Mai-Aug.

2
Großer Frostspanner Kennzeichen: Gelblichweiß mit zarten brau-
Erannis defoliaria nen Linien auf den Flügeln, Hinterflügel
schwalbenschwanzähnlich ausgezogen.
L-26mm Sp-41mm Sept.-Dez. Vorkommen: An Waldrändern, Hecken usw.
Kennzeichen: Sehr variabel, Vorderflügel Wissenswertes: Einer der größten heimi-
weiß- oder braungelb mit schwarzem Mittel- schen Spanner, wegen seiner Hinterflügel
fleck und dunklen Querbändern, Hinterflügel auch Nachtschwalbenschwanz genannt.
grauweiß.
Vorkommen: Fast überall zu finden.

6
Birkenspanner
Wissenswertes: Der Große Frostspanner
Biston betularia
gehört mit einigen verwandten Arten zu den
wenigen Schmetterlingen, die im Winter selbst
L-32mm Sp-60mm Mai-Aug.
bei Schneelage fliegen. Die flügellosen Weib-
Kennzeichen: Flügel weiß mit schwarzer
chen (2b) klettern auf Bäumen umher. Die Art
Zeichnung oder dunkel rußschwarz gefärbt.
ist als Obstbaumschädling gefürchtet, da die
Vorkommen: In Wäldern, Gärten usw.
Raupen (2c) bei Massenentwicklung ganze
Wissenswertes: Bekannt geworden ist die-
Bestände kahlfressen können.
ser Falter wegen seiner schwarzen Form, die
im vergangenen Jahrhundert in englischen
Stachelbeerspanner

3 Abraxas grossularista

L-21 mm Sp-45mm Juli-Aug.


Industriegebieten zum erstenmal erschien
und sehr häufig wurde. Die Zunahme wurde
als Anpassung an eine rußverschmutzte Um-
welt gedeutet und ging als Paradebeispiel der
Kennzeichen: Weiß mit schwarzer Fleckung
Evolution in Schulbücher ein.
Schmetterlinge

schwarz mit blauem Mittelstreif, unverkenn-

1
Windenschwärmer
Agrius convolvuli bar.
Vorkommen: Tropisches Afrika mit Mada-
L-50mm Sp-120 mm Mai-Okt. gaskar; wandert bis nach Mitteleuropa und
Kennzeichen: Ähnlich wie der Liguster- Asien, manchmal bis zum Polarkreis.
schwärmer gefärbt, aber ohne die rosafarbe- Wissenswertes: Einer der spektakulärsten
nen Hinterflügel. bei uns vorkommenden Schmetterlinge. Sie
Vorkommen: Tropische Art, weit verbreitet in wandern alljährlich in wechselnder Zahl aus
Afrika, Südasien und Australien. den Tropen bei uns ein, überstehen den Win-
Wissenswertes: Windenschwärmer wan- ter aber nicht. Namengebend ist die toten-
dern in jedem Jahr in unterschiedlicher Zahl kopfähnliche Zeichnung auf dem Bruststück.
nach Norden. Sie sind hervorragende Flieger Die Raupe (3b) ist bis zu 90 mm lang, gelb
mit im Vergleich zu anderen Schmetterlingen oder braun mit grünlichen Streifen und einem
sehr langen, schmalen Flügeln. In der Ruhe S-förmig gebogenen Hinterleibsanhang. Sie
werden die Flügel nach hinten gelegt, was lebt auf Nachtschattengewächsen, vor allem
ihnen ein pfeilartiges Aussehen gibt. Durch Bocksdorn und Kartoffeln. Die Falter dringen
die Tarnfärbung kann man sie nur schwer manchmal in Bienenstöcke ein und stechen
entdecken. Die Falter haben einen sehr lan- mit ihrem kräftigen Rüssel die Waben an, um
gen Rüssel (etwa 10 cm) und können dement- Nektar zu saugen. Oft werden sie dabei von
sprechend an Blüten mit den längsten Röhren den Bienen getötet. Bei Gefahr können sie
saugen, z.B. an Tabak. In Gärten besuchen sie zirpende Töne erzeugen.
gern Phlox. Die Raupen (1a) leben bevorzugt
an Ackerwinde. Sie sind braun oder grün ge-
färbt mit schwarzen Seitenflecken. Die bis zu
60mm großen Puppen (1c) liegen in einer
4 Ligusterschwärmer
Sphinx ligustri

Kammer unter der Erde. L-50mm Sp-120mm Mai-Juli


Kennzeichen: Vorderflügel dunkelbraun mit
schwarzer Zeichnung, Vorderrand oft grau,

2 Kiefernschwärmer
Hyloicus pinastri

L-45mm Sp-80mm Mai-Juli


Hinterflügel und -leib rosa mit schwarzer
Bänderung.
Vorkommen: Paläarktisch verbreitet, oft in
Kennzeichen: Vorderflügel grau mit schwar- Gärten.
zer Zeichnung, Hinterflügel dunkelgrau, Brust- Wissenswertes: Bei uns häufigster großer
stück mit 2 schwarzen Längsstreifen. Schwärmer. Öfter als den Falter sieht man die
Vorkommen: Weit verbreitet in Europa; in auffälligen Raupen (4b). Sie sind grün gefärbt
trockenen Nadel-, insbesondere Kiefernwäl- und tragen an den Seiten rote und weiße
dern; recht häufig. Streifen. Am Hinterende befindet sich ein ge-
Wissenswertes: Die Art wird auch Tannen- bogener Dorn. Da zu ihren Hauptfutterpflan-
pfeil genannt. Die Raupen sind grün mit wei- zen Liguster und Flieder gehören, trifft man sie
ßen Längsstreifen und leben an verschiede- häufig in Gärten an, selbst in ständig gestutz-
nen Nadelbäumen. Sie fressen auch tagsüber. ten Ligusterhecken der Vorgärten. Die Eier
Die Falter suchen mit Einbruch der Dämme- werden auf der Blattunterseite abgelegt. Lei-
rung stark duftende Blüten auf. Sie ruhen tags- der werden die Raupen von manchen
über gut getarnt auf Rinde, manchmal auch Garten-besitzern völlig grundlos getötet. Da
an Hauswänden. sie meist einzeln auftreten, besteht kein Grund
für eine Bekämpfung. Charakteristisch für
viele Schwärmerraupen ist die aufrechte

3
Totenköpf
Acherontia atropos Haltung des Oberkörpers in Ruhestellung
(wie bei einer Sphinx, daher der
L-60mm Sp-120mm Juni-Okt. wissenschaftliche Gattungsname). Die Puppe
Kennzeichen: Sehr groß, Hinterleib gelb- überwintert tief in der Erde.
Schmetterlinge

gelbem Band, Hinterflügel rot mit schwarzen

1 Abendpfauenauge
Smerinthus ocellata Bändern und einem weißen Basalfleck.
Vorkommen: Weit verbreitet in Mittel- und
Südeuropa, in Asien bis nach Indien; vor al-
L-44mm Sp-80mm Mai-Aug.
Kennzeichen: Vorderflügel grau mit ausge- lem in warmen Sandgebieten.
dehnter, brauner Zeichnung, Hinterflügel gelb- Wissenswertes: Eine früher häufige Art, de-
rot mit großem, schwarz und weiß eingefaßten ren auffällig schwarz-weiß-rot gefärbte Raupe
blauen Augenfleck. (3b) an verschiedenen Wolfsmilcharten, vor
Vorkommen: Weit verbreitet in Laubwäldern, allem aber der Zypressenwolfsmilch, zu fin-
Gärten und Parks. den ist. Die Färbung ist als Warntracht aufzu-
Wissenswertes: Die Flügel werden in Ruhe- fassen. Als Falter sehr ähnlich ist der Lab-
haltung nicht wie bei den meisten Schwär- krautschwärmer (Hyles gallii), dessen Raupe
mern über dem Körper zusammengelegt, son- aber anders gefärbt ist.
dern seitlich abgestreckt. Die Augenflecken

4
bleiben verborgen. Wird der Falter z.B. durch Mittlerer Weinschwärmer
einen Vogel gestört, zieht er die Vorderflügel Deilephila elpenor
rasch nach vorn und zeigt die Augenflecken.
Außerdem bewegt er den Hinterleib auf und L T 32mm Sp-60mm Mai-Aug.
ab. Der Rüssel ist bei dieser Art verkümmert. Kennzeichen: Vorderflügel und Körper oliv
Die Raupen leben auf verschiedenen Laubge- und weinrot gefärbt, Hinterflügel rot, an der
hölzen wie Weiden und Pappeln als auch auf Basis schwarz.
Obstbäumen. Sie werden bis zu 80 mm lang, Vorkommen: Paläarktisch verbreitet.
sind grün mit weißen Schrägstreifen an den Wissenswertes: Ein bei uns häufiger und
Seiten. Das für Schwärmerraupen charakte- weit verbreiteter Schwärmer, der durch seine
ristische Hörn ist blaugrün gefärbt. schöne Färbung auffällt. Die Falter fliegen oft
schon in der Dämmerung und besuchen mit

2 Pappelschwärmer Vorliebe Geißblattblüten. Die Raupen (4b)


Laothoe populi fressen vor allem an Labkraut, Weidenrös-
chen, Fuchsien und Wein. Sie sind meist
L-45mm Sp-90mm Mai-Aug. braun und haben an den Seiten der Brust
Kennzeichen: Graubraun mit dunkelbrauner auffällige Augenflecken. Das Hörn am Hinter-
Zeichnung. Basis der Hinterflügel rostrot ge- ende ist recht kurz. Die Verpuppung findet in
färbt. der Erde statt, die Puppe überwintert. Manch-
Vorkommen: Überall in Pappelbeständen. mal findet man Schwärmerpuppen beim Um-
Wissenswertes: Auch Pappelschwärmer graben im Garten.
nehmen keine Nahrung auf. Verglichen mit

5
anderen Schwärmern sind sie eher schlechte Taubenschwänzchen
Flieger. Oft kommen sie zum Licht. Wenn sie Macroglossum stellatarum
ruhen, spreizen auch sie die Flügel seitlich ab,
die Hinterflügel ragen vorn unter den Vorder- L-24mm Sp 40-50 mm Mai-Okt.
flügeln hervor. Bei Gefahr wird der rote Fleck Kennzeichen: Vorderflügel braun, Hinterflü-
auf den Hinterflügeln präsentiert. Die Raupe gel gelblich, charakteristische Hinterleibs-
ähnelt der Raupe des Abendpfauenauges, hat Zeichnung.
aber ein grünes Hörn und lebt auf verschie- Vorkommen: Weit verbreitet, oft in Gärten.
denen Pappel- und Weidenarten. Wissenswertes: Die Art wandert alljährlich
aus dem Süden ein und gelangt dabei bis
Wolfsmilchschwärmer zum Polarkreis. Häufig tagsüber zu beobach-

3 Hyles euphorbiae

L-35mm Sp-75mm Mai-Aug.


ten, saugt gern auch an Balkonblumen wie
Verbenen, Geranien usw. „Steht" mit rasend
schnellem Flügelschlag (5a) vor den Blüten
Kennzeichen: Vorderflügel braungrün mit und kann sogar rückwärts fliegen.
Schmetterlinge

breitet. Die Falter kommen auf allen Wiesen-

1 Ockergelber Dickkopffalter
Thymelicus sylvestris

L-15mm Sp-30mm Juni-Aug.


typen außer auf ständig gemähten Rasenflä-
chen vor.
Wissenswertes: Einer der häufigsten Ver-
Kennzeichen: Flügel oberseits rostbraun mit treter der artenreichen Familie der Augenfalter
schmalem, schwarzem Rand, Flügelunterseite {Satyridae). Fast alle sind bräunlich gefärbt
ockergelb. und besitzen einen oder mehrere Augenflek-
Vorkommen: Auf Wiesen, Böschungen, ken. Dieser Flecken sollen Vögel vom emp-
Waldlichtungen mit vielen Blumen. findlichen Körper der Schmetterlinge ablenk-
Wissenswertes: Die Tiere schwirren ständig ken. Die Raupen ernähren sich von Rispen-
in Bodennähe von Blüte zu Blüte, nur sehr gräsern.
selten ruhen sie einmal auf einem Blatt. Die
Eier werden an den Blattscheiden von Grä-

4
Mauerfuchs
sern abgelegt; die Raupen leben an Gräsern Lasiommata megera
in tütenartigen, aus Blättern zusammenge-
sponnenen Verstecken. Die Familie der Dick- L-20mm Sp 40-52 mm Apr.-Sept.
kopffalter (Hesperiidae) erinnert an Nachtfal- Kennzeichen: Flügel leuchtend orange und
ter, ist aber tagaktiv und wird deshalb in fast braun, mit schwarzen, weißgekernten Augen-
allen Schmetterlingsbüchern mit den Tagfal- flecken; Augenfleck auf der Unterseite des
tern behandelt. Bestimmte anatomische Merk- Vorderflügels auffallend groß (4b).
male der Raupen weisen allerdings auf eine Vorkommen: Eine Art der offenen Land-
Verwandtschaft mit den Kleinschmetterlingen schaff, wärmeliebend.
hin. Wissenswertes: Der Name leitet sich von
dem Verhalten der Falter ab, die sich gern auf

2
Kommafalter Steinen oder Mauern sonnen. Die
Hesperia comma Männchen fliegen ein Revier ab, das gegen
Artgenossen verteidigt wird. Die grüne
L-16mm Sp-30mm Juni-Sept. Raupe mit hellen Seitenstreifen ernährt sich
Kennzeichen: Flügel braun, auf den Vorder- von verschiedenen Gräsern. Die Puppe ist
flügeln ein kommaförmiger Fleck. Die Flügel- ebenfalls grasgrün gefärbt.
unterseite ist olivgrün mit silbrigen Flecken.
Vorkommen: Eine weitverbreitete Art, die lo-

5
Kleiner Heufalter
kal auf Kalkböden vorkommt.
Coenonympha pamphilus
Wissenswertes: Die Raupen leben an den
verschiedensten Grasarten. Sie verbergen L-16mm Sp-34mm Mai-Okt.
sich in Röhren aus zusammengesponnenen Kennzeichen: Oberseite gelborange, Unter-
Grashalmen. Sehr ähnlich ist der häufigere seite der Hinterflügel mit schwarzem Augen-
Rostfarbige Dickkopffalter (Ochlodes vena- fleck mit weißem Zentrum. Vorkommen:
tus). Paläarktisch verbreitet. Wissenswertes:
Dieser kleine Augenfalter kommt fast

3
Großes Ochsenauge immer mit dem Ochsenauge zusammen vor.
Maniola jurtina Da auch die Arten der Gattung Colias als
Heufalter bezeichnet werden, sollte man für
L-28mm Sp-55mm Juni-Sept. die hier vorgestellte Art vielleicht besser den
Kennzeichen: Oberseite (3a) dunkelbraun, auch gebräuchlichen Namen
an der Spitze der Vorderflügel ein schwarzer Wiesenvögelchen verwenden. Die kleinen,
Augenfleck mit hellem Zentrum. Die Weibchen grünen Raupen besitzen eine
haben auf dem Vorderflügel eine breite, gelb- Schwanzgabel und fressen an
lichbraune Binde. verschiedenen Gräsern. Drei ähnliche,
Vorkommen: Von den Kanaren über Nord- allerdings bei uns deutlich seltenere Arten
afrika und Europa bis nach Mittelasien ver- tragen mehrere Augenflecken auf der
Unterseite der Hinterflügel.
Schmetterlinge

gen. Von Baumsäften, überreifen Früchten

1
Mohrenfalter
Erebia medusa und scharfriechenden Stoffen werden sie an-
gelockt. Die Männchen patroullieren an Wald-
L 23-24 mm Sp 40-48 mm Mai-Aug. wegen oft auf der Suche nach Weibchen auf
Kennzeichen: Oberseite dunkelbraun; an und ab. In den letzten Jahrzehnten wurde der
den Flügelrändern orange umrandete, Bestand dieser schönen Schmetterlinge bei
schwarze Augenflecken mit weißem Punkt in uns immer kleiner; erst in den letzten Jahren
der Mitte. Flügelunterseite ähnlich. deutet sich eine langsame Bestandserholung
Vorkommen: Auf Wiesen in Waldnähe, vor an. Die Raupen leben auf Weiden und Birken.
allem in den Mittelgebirgen.
Wissenswertes: Die dunkle Färbung der

4
C-Falter Polygonia c-album
Mohrenfalter-Arten, die meist in Gebirgen
oder in Skandinavien vorkommen, wird als L-25mm Sp-52mm Mai-Okt.
Anpassung gedeutet, besser Sonnenenergie Kennzeichen: Oberseite braunorange mit
speichern zu können. Die Sonnenstrahlen dunkelbraunen Flecken (4a). Auf der Unter-
werden auf den dunklen Flügeln kaum reflek- seite der Hinterflügel das namengebende
tiert und können so gut zum Erwärmen des weiße, C-förmige Zeichen (4b), Flügelränder
Tieres genutzt werden. erscheinen ausgefranst. Vorkommen: Eine
Art der Auwälder und Waldränder, wo die
Hauptfutterpflanzen der Raupen -

2
Schachbrett
Melanargia galathea Brennesseln, Johannisbeeren und Hopfen -
häufig sind.
L23-28mm Sp45-55mm Mai-Aug. Wissenswertes: In den letzten Jahren häu-
Kennzeichen: Schachbrettartig schwarz- figer auch in Gärten, wo sie z.B. an Sommer-
weiß gefleckte Flügeloberseite Unterseite mit flieder und Fetthenne oder auch an überrei-
augenförmigen Flecken. Vorkommen: An fem Obst saugen. Mit zusammengelegten Flü-
Waldlichtungen und -wegen, aber auch auf geln erinnern sie an ein trockenes Blatt.
blumenreichen Wiesen anzutreffen, vor
allem in den Mittelgebirgen.

5
Tagpfauenauge
Wissenswertes: Die Art wird oft auch als Inachis io
Damenbrett bezeichnet. Die Färbung ist varia-
bel, manche Tiere habe eine mehr gelbliche L-35mm Sp-65mm Jan.-Dez.
Grundfarbe. Die grünen Raupen fressen an Kennzeichen: Rötlich braun, alle 4 Flügel mit
verschiedenen Gräsern, z.B. an Honiggras, großen, rot-gelb-blauen Augenflecken.
Lieschgras, Knäuelgras oder Schwingel. Vorkommen: Überall häufig.
Wissenswertes: Einer der häufigsten heimi-
schen Tagfalter, der auch in Gärten oft zahl-

3
Trauermantel
Nymphalis antiopa reich anzutreffen ist. Die Falter ruhen mit zu-
sammengelegten Flügeln und
L-45mm Sp-75mm Juni-Okt. präsentieren die Augenflecken bei
Kennzeichen: Schwarzbraune Flügel mit Störungen. Die Weibchen legen die Eier (5c)
gelbem Rand, davor eine Reihe schwarz ein- oft zu mehreren Hundert an Brennesseln ab.
gefaßter blauer Flecken. Vorkommen: An Die schwarzen Raupen (5b) leben gesellig.
Waldrändern, Lichtungen und Schneisen; Sie zeigen sich frei, denn sie sind durch
in weiten Teilen der Nordhalbkugel. ihre Stacheln und die Brennesseln
Wissenswertes: Der Trauermantel gehört geschützt. Die Stürzpuppen (5d) sind
wie die folgenden Arten zur weltweit verbreite- entweder grün oder graubraun gefärbt. Die
ten Familie der Edelfalter (Nymphalidae), von Falter überwintern oft in Kellern oder auf
denen ca. 70 Arten in Europa vorkommen. Dachböden. In beheizten Räumen gehen sie
Trauermäntel findet man eher in höheren La- meist zugrunde, da ihr Energievorrat wegen
größerer Aktivität schnell aufgebraucht ist.
Schmetterlinge

saugen neben Blütennektar auch an Fallobst

1
Kleiner Fuchs
Aglais urticae und austretenden Baumsäften.

3
Distelfalter
L-28mm Sp-55mm Mai-Okt.
Vanessa cardui
Kennzeichen: Flügel rotbraun mit blau-
schwarzer Binde, Vorderflügel schwarz-weiß- L-31mm Sp-60mm Mai-Okt.
gelb gefleckt. Hinterflügel an der Basis mit Kennzeichen: Oberseite (3b) gelbbraun mit
ausgedehnter Schwarzfärbung. Vorkommen: weißgefleckter, schwarzer Flügelspitze. Unter-
Nahezu überall von der Meeresküste bis in seite der Hinterflügel mit Augenflecken (3a).
3000 m Höhe. Wissenswertes: Erscheint im Vorkommen: Mit Ausnahme von Sudame-
Frühling als einer der ersten Schmetterlinge. rika weltweit verbreitet. Außer im Waldesinne-
Sie überwintern als Kulturfolger wie die ren nahezu überall anzutreffen.
Tagpfauenaugen in großer Zahl in Gebäuden Wissenswertes: Ein weiterer ausgesproche-
und sind auch in Großstädten sehr häufig ner Wanderfalter, der wie der Admiral in jedem
anzutreffen. Die Raupen leben ebenfalls Jahr aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika
gesellig auf Brennesseln. Der gelbe nach Mittel- und Nordeuropa einfliegt und
Längsstreifen unterscheidet sie von den dessen Nachkommen im Herbst wieder zu-
Raupen der Landkärtchen und Tagpfau- rückziehen. Nachweise auf Island zeigen, daß
enaugen. Die Stürzpuppe ist graubraun mit dabei auch das offene Meer überflogen wird.
goldenen Flecken. Nördliche Populationen Die Raupen fressen einzeln, bevorzugt an Di-
wandern; man kann an günstigen Tagen beim steln, aber auch an Kletten und Brennesseln.
Urlaub auf einer Nordseeinsel Hunderte von Auch sie fressen in zusammengesponnenen
Kleinen Füchsen zusammen mit Distelfaltern Blättern. Auch die Falter bevorzugt an Disteln,
und Admirälen niedrig über die Wellen der wo sie ausgiebig an den Blüten saugen. Man
Nordsee fliegen sehen. Der überall viel selte- kann sie aber auch an vielen anderen Blüten
nere Große Fuchs {Nymphalis polychloros) und an Fallobst antreffen.
ist ähnlich gefärbt, ihm fehlt aber die schwarze
Basis der Hinterflügel. Er ist nahe mit dem

4
Landkärtchen
Trauermantel verwandt. Araschnia levana

L-19mm Sp-40mm Apr.-Aug.

2
Admiral Vanessa atalanta
Kennzeichen: Frühjahrsgeneration gelb-
L-30mm Sp-60mm Mai-Okt. braun mit weißen Flecken, Sommergeneration
Kennzeichen: Braunschwarz mit leuchtend braunschwarz mit weißgelber und roter Zeich-
rotem Band auf den Vorderflügeln und gleich- nung. Beide Formen zeigen auf der Flügel-
farbigem Hinterflügelrand; an der Spitze der unterseite das namengebende „Landkarten-
Vorderflügel weiße Flecken. Unterseite (2a). Muster" (4c).
Vorkommen: Überall in der westlichen Pa- Vorkommen: In weiten Teilen der Paläarktis;
läarktis sowie in Nord- und Mittelamerika. gern in der Nähe feuchter Wälder.
Wissenswertes: Ein ausgeprägter Wander- Wissenswertes: Die Art zeigt einen
falter, der alljährlich aus dem Mittelmeerraum ausgeprägten Saisondimorphismus
bei uns einfliegt. Einige Tiere erreichen sogar (unterschiedliches Aussehen der Frühjahrs-
den Polarkreis. Die Nachkommen der „Ein- 4a, und Sommergeneration, 4b). Die
wanderer" ziehen im Herbst wieder nach Sü- Raupen fressen vor allem an
den, wo sie auch überwintern. Bei uns gelingt Brennesselbeständen in feuchteren
ihnen eine Überwinterung aus klimatischen Wäldern. Die Entwicklung der beiden
Gründen nur äußerst selten. Die Raupen fres- Formen wird durch die Tageslänge
sen an Brennesseln, sind dort aber kaum zu beeinflußt. Im Laborversuch kann man durch
beobachten, da sie einzeln zwischen zusam- künstliche Veränderung der Tageslänge aus
mengesponnenen Blättern leben. Die Falter den Puppen auch im Frühjahr die
Sommerform und im Sornmer die
Frühjahrsform schlüpfen lassen.
Schmetterlinge

Vorkommen: Vor allem in feuchten Laub-

1
Großer Schillerfalter
Apatura ins und Auwäldern.
Wissenswertes: Eine Art, die häufiger Blü-
L - 41 m m S p-8 0 m m J u ni -A u g. ten besucht und deshalb leichter als die vor-
Kennzeichen: Braun mit weißen Flecken her beschriebenen zu beobachten ist. In Süd-
und Binden. Die Oberseite der Männchen europa kommt recht häufig der ähnliche Blau-
schillert bei bestimmtem Lichteinfall blauvio- schwarze Eisvogel (Limenitis reducta) vor.
lett (1a), Flügelunterseite mit großem Augen-
fleck (1b).

4
Kaisermantel
Vorkommen: In Laubmisch- und Auwäldern Argynnis paphia
bis ca. 1500 m Höhe, oft in Wassernähe.
Wissenswertes: Fliegt meist auf Höhe der L-39mm Sp-80mm Juni-Aug.
Baumwipfel, deshalb nur selten zu sehen. Die Kennzeichen: Männchen rotbraun, Weib-
besten Beobachtungschancen hat man auf chen gelbbraun gefärbt. Zahlreiche dunkle
feuchten Waldwegen, wo die Falter an nasser Flecken und Bänder auf den Flügeln.
Erde, an Exkrementen und an Aas saugen. Die Vorkommen: Vor allem in den Laubwäldern
Asphaltierung von Waldwegen kann für sie der Mittelgebirge auf Wiesen und Lichtungen.
schädlich sein. Die Weibchen saugen Honig- Wissenswertes: Größter heimischer Perl-
tau und austretende Baumsäfte. Die grünen muttfalter (allerdings ohne die typischen Perl-
Raupen haben durch zwe| Kopffortsätze ein muttflecken auf. den Flügelunterseiten). Die
schneckenartiges Aussehen. Sie fressen vor Falter saugen an Disteln, Wasserdost, Zwerg
allem an Salweiden, seltener auch an anderen holunder und anderen Blütenpflanzen, die
Weiden- und Pappelarten. Vom nah verwand- Männchen auch auf nassen Waldwegen und
ten Kleinen Schillerfalter (Apatura ilia), gibt es Tierkot. Die Raupen fressen an Veilchenarten.
auch eine rotschillernde Form. Das Schillern
wird durch Strukturfarben erzeugt. Je nach

5
Veilchen-Scheckenfalter
Lichteinfall unterschiedliche Farben. Euphydryas canthia

2 Großer Eisvogel
Limenitis populi

L-38mm Sp-75mm Juni-Aug.


L-24mm Sp 35-45 mm Mai-Aug.
Kennzeichen: Oberseite weiß mit braunen
und rötlichen Binden und Flecken.
Vorkommen: In den Alpen und Voralpen.
Kennzeichen: Oberseite braun mit oran- Wissenswertes: Lebt vor allem auf Berg-
geroten, weißen und schwarzen Flecken, beim wiesen, aber auch in lockeren Latschenbe-
größeren Weibchen (2b) deutlicher ausge- ständen.
prägt als beim Männchen (2a). Unterseite leb-
haft schwarz, weiß, grau und gelblich.

6
Gemeiner Scheckenfalter
Vorkommen: In Laubwäldern, nicht häufig. Mellicta athalia
Wissenswertes: Bewohnt ähnliche Lebens-
räume und zeigt ähnliches Verhalten wie der L-22mm Sp-38mm Mai-Aug.
Große Schillerfalter. Hat man das Glück, eine Kennzeichen: Rotbraun mit ausgedehnter,
der beiden Arten zu sehen, kann man auch dunkelbrauner Zeichnung. Vorkommen: Vor
auf die andere hoffen. Die Männchen ver- allem auf Waldwiesen oder Wiesen in
treiben Artgenossen mit heftigen Angriffen. Waldnähe zu finden. Wissenswertes:
Wegen der Raupennahrung auch

3
Kleiner Eisvogel Wachtelweizen-Scheckenfalter genannt.
Limenitis camilla Einer der häufigsten heimischen
Scheckenfalter, die sich sehr ähnlich sehen
L-33mm Sp 50-60 mm Juni-Aug. und nicht leicht zu bestimmen sind. Erschwe-
Kennzeichen: Oberseite schwarz-braun mit rend kommt eine große Variabilität der Zeich-
weißer Binde, Unterseite ähnlich voriger Art. nung hinzu.
Schmetterlinge

Schwalbenschwanz dort auf die Weibchen. Die Eier werden vor

1 Papilio machaon

L-45mm Sp-80mm Apr.-Aug.


allem auf krüppelige Schlehen und Weich-
selkirschen abgelegt. Die Raupen verpuppen
sich im Herbst und überwintern in einem Ge-
Kennzeichen: Grundfarbe gelb, mit schwar- spinst am Zweig. Bei uns nur eine Generation,
zen Binden und Flecken; Hinterflügel laufen in am Mittelmeer zwei. Die Falter können unter
Schwanzfortsätzen aus (Name!) und tragen Ausnutzung der Thermik minutenlang ohne
ein blaues Band und rötliche Flecken. Bei uns Flügelschlag segeln (Name).
unverwechselbar, ähnliche Arten im Mittel-
meerraum. Apollofalter
Vorkommen: Europa ohne den hohen Nor-
den, bevorzugt auf blütenreichern Ödland
oder Magerwiesen. In Mitteleuropa heute fast
3 Pamassius apollo

L-50mm Sp-90mm Juni-Sept.


überall selten oder verschwunden, in den letz- Kennzeichen: Vorderflügel mit schwarzen
ten Jahren aber offensichtlich leicht positive Flecken, Hinterflügel mit auffälligen, schwarz-
Bestandsentwicklung. weiß-roten Augenflecken. Vorkommen: In
Wissenswertes: Wie der Segelfalter ein Ver- den meisten europäischen Gebirgen bis über
treter der vor allem in den Tropen weit ver- 3000 m Höhe. Wissenswertes: Die Art
breiteten und artenreichen Familie der Ritter- bekam ihren wissenschaftlichen Namen nach
falter {Papilionidae). Viele Arten sind ausge- dem Parnaß-Gebirge in Griechenland und
zeichnete, schnelle und ausdauernde Flieger. dem griechischen Gott Apoll. Nur eine
Schwalbenschwänze legen ihre Eier an Dol- Generation; die Raupen fressen überwiegend
denblütlern ab, gelegentlich auch an Gewürz- die Weiße Fetthenne {Sedum album). Die
pflanzen oder Möhren in Gemüsegärten. Lei- Raupe ist schwarz mit orangefarbenen
der werden die auffälligen Raupen (1a) dann Flecken und besitzt ebenfalls die typische
immer wieder als „Schädlinge" getötet, was Nackengabel. Die langsan fliegenden Falter
jeder Vernunft entbehrt und bei dieser ge- suchen gern violette Bluten auf. In weiten
schützten Art auch einen Gesetzesverstoß Teilen des Verbreitungsgebietes, insbesondere
darstellt. Da die Eier einzeln abgelegt werden, außerhalb der Alpen, ist die Art heute bedroht.
treten die Raupen nie massenhaft auf. Neben
der auffälligen Färbung besitzt die Schwal-

4
Schwarzer Apollo
benschwanz-Raupe wie alle Raupen der Rit- Parnassius mnemosyne
terfalter eine Nackengabel (Osmaterium), die
bei Gefahr ausgestülpt wird und Feinde er- L-32mm Sp-60mm Mai-Juli
schrecken soll. Drüsen an der Nackengabel Kennzeichen: Kleiner als Apollo, ohne
produzieren unangenehm riechende Stoffe. Rot, deshalb mehr an einen Weißling
erinnernd, insgesamt aber deutlich dunkler
gefärbt. Vorkommen: Europäische Gebirge

2
Segelfalter
Iphiclides podalirius und südliches Skandinavien, sehr lokal auch in
einigen Mittelgebirgen wie Harz und
L-45mm Sp-80mm Mai-Juli Schwäbische Alb. Wissenswertes: Die Art
Kennzeichen: Neben dem Apollo größter steigt im Gebirge nicht so hoch hinauf wie
heimischer Tagfalter, unverkennbar. der Apollo und der nahe verwandte
Vorkommen: Vor ailem in Südeuropa; in Mit- Hochalpen-Apollo (P. phoebus). Die Raupe
teleuropa nur an Wärmeinseln, z.B. Franken- frißt bei schönem Wetter an Lerchensporn
alb. (Corydalis). Sie sieht der Raupe des
Wissenswertes: In Mitteleuropa heute sel- Apollo sehr ähnlich. Die Puppe l
ten. Segelfalter bevorzugen sonnige, felsige, bemerkenswert, denn der Schwarze Apollo ist
trockene Hänge mit Schlehe, Felsenbirne und der einzige Tagfalter, der sich oberirdisch in
Obstbäumen. Die Männchen versammeln sich einem dichten, festgesponnenen Kokon ver-
zur Paarungszeit an Hügelkuppen und warten puppt.
Schmetterlinge

nefeldern. Diese Pflanzen sind bevorzugte

1
Großer Kohlweißling
Pieris brassicae Nahrung der Raupen.

L-34mm Sp-70mm Apr.-Okt.

4
Postillon Colias crocea
Kennzeichen: Oberseite weiß mit schwarzen
Vorderflügelspitzen, Vorderflügel der Weib- L-28mm 3p 45-52 mm Apr.-Nov.
chen zusätzlich mit 2 schwarzen Flecken, Un- Kennzeichen: Ähnlich der vorigen Art, Flü-
terseite gelblichweiß. Vorkommen: Überall geloberseite aber orangerot gefärbt.
anzutreffen. Wissenswertes: Einer der Vorkommen: Überall in offenem
bekanntesten Schmetterlinge. Besonders Gelände, bei uns nicht bodenständig.
häufig in Gärten, da die Raupen (1a) an Wissenswertes: Eine wärmeliebende Art,
verschiedenen Kreuzblütiern fressen. Dazu die unregelmäßig weit nach Norden
gehören auch die kultivierten Kohlsorten, wo wandert; daher auch der weitere Name
sie bei Massenauftreten große Schäden Wandergelbling.
anrichten können. Die Raupen werden häufig
von Schlupfwespen (Apanteles glomeratus)

5
Zitronenfalter
parasitiert. Diese fressen die Raupe von Gonepteryx rhamni
innen her auf und verpuppen sich in gelben
Kokons außen an ihrem Körper. Diese L-30mm Sp-60mm Jan.-Dez.
Kokons werden oft als „Raupeneier" Kennzeichen: Männchen (5a) zitronengelb,
bezeichnet. Weibchen (5b) gelbgrün gefärbt. In der Flü-
gelmitte bei beiden Geschlechtern orangefar-

2
Aurorafalter bener Fleck.
Anthocharis cardamines Vorkommen: Weit verbreitet, vor allem an
Waldrändern, Feldgehölzen u.ä.
L-25mm Sp-45mm Apr.-Juni Wissenswertes: Die Falter fliegen sehr früh
Kennzeichen: Männchen durch orangefar- im Jahr. Sie setzen sich schon im Juli zur
bene und weiße Vorderflügel unverwechsel- Ruhe, fliegen dann aber teilweise noch
bar. Hinterflügel beider Geschlechter unter- einmal im Herbst. Sie überwintern frei an
seits gelbgrün gezeichnet. Vorkommen: Sträuchen und erinnern in Ruhestellung an
Besonders häufig auf Wiesen mit viel Blätter. Die Raupe lebt vor allem am
Wiesenschaumkraut anzutreffen. Faulbaum (Rhamnus), worauf der
Wissenswertes: Der Name leitet sich von wissenschaftliche Artname hinweist.
der Flügelfärbung der Männchen ab: Aurora
ist die Göttin der Morgenröte. Die Raupen Baumweißling
fressen an verschiedenen Kreuzblütlern.

Goldene Acht
6 Aporia crataegi

3
L-35mm Sp-68mm Mai-Juli
Colias hyale Kennzeichen: Flügel weiß mit deutlich
hervortretenden, braun oder schwarz
L-27mm Sp 44-50 mm Mai-Okt. beschuppten Adern.
Kennzeichen: Männchen hellgelb, Weib- Vorkommen: In offenem Gelände, Auen und
chen weißgelb; Flügel mit schwarzer Rand- Gärten, wärmeliebende Art.
binde, Vorderflügel oberseits mit schwarzem Wissenswertes: Früher kamen
Fleck, Hinterflügel unterseits mit 2 goldgelben, Baumweißlinge manchmal massenhaft in
aneinanderstoßenden Pingen (Name!). Obstplantagen vor und galten sogar als
Vorkommen: Weit verbreitet in offenem Ge- schädlich. Heute sind sie bei uns nur noch
lände mit Wiesen und Weiden; bei uns im selten zu beobachten. Zu den
Süden und Osten häufiger. Wissenswertes: Hauptfutterpflanzen der Raupen gehören
Die auch Heufalter genannte Art fliegt Schlehen, Kirschen und Weißdorn, manchmal
gern über Klee- und Luzer- auch Birne, Apfel und Vogelbeere.
Schmetterlinge

Vorkommen: Weit verbreitet, vor allem auf

1
Dukatenfalter
Heodes virgaureae Magerrasen mit Wundklee. Wissenswertes:
Die früher recht häufige Art ist durch
L-20mm Sp-42mm Juni-Aug. Lebensraumverluste, vor allem durch
Kennzeichen: Männchen leuchtend rotgold Überdüngung, heute gefährdet.
mit schwarzen Flügelrändern, Weibchen
orange mit schwarzen Flecken und weitge-

4
Faulbaumbläuling
hend dunklen Hinterflügeln. Vorkommen:
Weit verbreitet, vor allem in trockeneren Celastnna argiolus
Wiesen und an Waldrändern der
Mittelgebirge bis in den subalpinen Bereich. L-12mm Sp-28mm Apr.-Sept.
Wissenswertes: Ein Bläuling aus der Kennzeichen: Beide Geschlechter oberseits
Gruppe der Feuerfalter, deren Männchen himmelblau, Weibchen mit dunklem Rand.
mehr oder weniger rot gefärbt sind. Die Eier Vorkommen: An Waldrändern und Waldwe-
werden an Ampfer abgelegt. Daran fressen gen in feuchteren Wäldern. Wissenswertes:
auch die nachtaktiven, grünen Raupen. Ähn- Die Raupen fressen vor allern an Faulbaum,
lich sieht der Große Feuerfalter {Lycaena dis- auch an Efeu, Pfaffenhütchen und anderen
par) aus. Sträuchern. Die Jungraupen fressen Blüten
und Blütenknospen, die älteren vor allem

2
Gemeiner Bläuiing Blätter.
Polyommatus icarus

5
Enzian-Ameisenbläuling
L-18mm Sp-35mm Mai-Sept. Maculinea alcon
Kennzeichen: Männchen (2a) mit auf der
Oberseite hellblauen Flügeln mit dünnem, L-11mm Sp-20mm Juli-Aug.
schwarzen, von weißen Fransen gesäumtem Kennzeichen: Oberseite beim Männchen
Rand. Weibchen (2b) braun mit orangefarbe- blau mit schwarzen Flügelrändern, beim
nen Flecken auf den Hinterflügeln. Weibchen graubraun. Unterseite bräunlich mit
Vorkommen: Einer der häufigsten Tagfalter schwarzen Flecken.
auf fast allen Wiesentypen. Wissenswertes: Vorkommen: In Trockenrasen, Pfeifengras-
Oft wird er auch als Hauhechelbläuling wiesen und Feuchtheiden mit Enzian.
bezeichnet, wobei aber auch andere Wissenswertes: Die Jungraupen
Schmetterlingsblütler wie Klee-, Hornklee-, fressen zunächst an den Blüten
Schneckenklee- und andere Arten als verschiedener Enzian-Arten. Nach der
Raupenfutterpflanzen dienen. Die Familie der ersten Häutung sondern sie ein Sekret ab,
Bläulinge (Lycaenidae) ist vielgestaltig und das Ameisen anlockt. Von diesen werden sie
umfaßt neben den eigentlichen Bläulingen in die Nester getragen und gefüttert.
auch die Zipfel- und Feuerfalter. Typisch ist ein
Geschlechtsdimorphismus, bei dem die

6
Brombeerzipfelfalter
Männchen meist sehr bunt, die Weibchen
Callophrys rubi
aber unscheinbar gefärbt sind. In Europa
kommen ca. 100 verschiedene Arten vor; ihre
L-17mm Sp-28mm März-Aug.
Unterscheidung ist manchmal sehr schwierig.
Kennzeichen: Unverwechselbar durch die
leuchtend grüne Unterseite. Vorkommen:

3
Zwergbläuling Weit verbreitet, vor allem an Waldrändern
und -lichtungen. Wissenswertes: Trotz der
Cupido minimus scheinbar auffälligen Färbung schwer zu
entdecken, wenn die Falter mit
L-7mm Sp10-16mm Mai-Sept. zusammengelegten Flügeln im Blattwerk
Kennzeichen: Dunkelbraune Oberseite, sitzen. Die Raupen fressen an Blau-
beim Männchen blau bestäubt, Unterseite mit beeren, Stechginster, Ginster, Geißklee und
schwarzen Flecken. Kreuzdorn, aber nicht an Brombeeren.
Köcherfliegen

Vorkommen: Weit verbreitet in Europa und

1
Köcherfliege
Limnephilus spec. Asien, in der Nähe von Fließgewässern.
Wissenswertes: Die ausgewachsenen
L 9-15 mm Sp 22-40 mm Mai-Nov. Tiere schwärmen im Gegensatz zu den
Kennzeichen: Erscheinen nachtfalterähn- meisten anderen Köcherfliegen am Tag. Die
lich, meist bräunlich oder grau, mit langen bis zu 20mm langen Larven (2b) leben am
Fühlern. Körper und Flügel dicht behaart. Grund von schnell fließenden Gewässern.
Vorkommen: Weit verbreitet in Europa und Sie bauen keine Köcher, sondern Gespinste
Asien; in der Nähe von Gewässern. zwischen Steinen. Arten ohne Köcher
Wissenswertes: Die Köcherfliegen sind eine verpuppen sich im Gewässergrund. Eine
gut abgegrenzte Insektenordnung, von der Besonderheit sind die selbstgesponnenen
etwa 300 Arten in Mitteleuropa vorkommen. Fangnetze, die zum Nahrungserwerb
30 Arten gehören zur Gattung Limnephilus. dienen. Die Larven fressen die im Netz
Äußerlich ähneln sie den Kleinschmetterlin- haftenden Nahrungspartikel.
gen, einige Arten können mit diesen verwech-
selt werden. Den Köcherfliegen fehlt jedoch

3
Köcherfliege
der aufgerollte Saugrüssel. Die Flügel sind Chaetopteryx villosa
nicht beschuppt, sondern behaart. Die Haare
lassen sich von den Flügeln nicht so leicht L-5-10mm Sp 13-26mm Sept.-Jan.
abwischen wie die Schuppen der Schmetter- Kennzeichen: Bräunlich, kurze, breite Flü-
linge. Die Vorderflügel sind vergleichsweise gel.
schmal, die Hinterflügel breiter und weniger Vorkommen: In schnellfließenden
behaart. Die Flügel werden in Ruhestellung Bächen, vor allem im Bergland.
meist dachartig über dem Körper zusammen- Wissenswertes: Meist halten sich
gelegt. Die Fühler sind oft so lang wie der Köcherfliegen in Gewässernähe auf, da sie
Körper, manchmal sogar noch länger. Viel be- nacht- oder dämmerungsaktiv sind,
kannter als die ausgewachsenen Tiere sind bekommt man sie selten zu sehen. Nachts
die Köcherfliegenlarven (1b). Je nach Art werden viele Arten vom Licht angelockt.
bauen sie ihre Köcher aus Sand, kleinen
Steinchen, Holzstücken, Pflanzenresten oder

4
Köcherfliege
Muschel- und Schneckenschalen. Während
Halesus tesselatus
manche Arten auf bestimmte Baumaterialien
spezialisiert sind, nutzen viele Limnephilus-
L-11-18mm Sp 36-50 mm Sept.-Okt.
Arten die unterschiedlichsten Baustoffe. Die
Kennzeichen: Flügel mit dunklen, hell ge-
Larven erzeugen ein klebriges Gespinst, an
säumten Streifen.
dem die Baumaterialien befestigt werden.
Vorkommen: Pflanzenreiche Gewässer.
Wenn sie wachsen, wird der Köcher entspre-
Wissenswertes: Die ausgewachsenen Tiere
chend vergrößert. Er ist an beiden Seiten of-
schwärmen in oft großer Zahl über der Was-
fen, damit Wasser hindurchfließen kann und
seroberfläche. Dort werden sie häufig von Fle-
die Larve so mit Hilfe feiner Tracheenkiemen
dermäusen und Vögeln erbeutet. Die Larven
am Hinterleib Sauerstoff aufnehmen kann. Die
dienen vor allem Fischen als Nahrung.
Larven verpuppen sich im Köcher, der vorher
am Boden oder an Steinen befestigt wird.

5
Große Wassermotte
Phryganea grandis

2
Köcherfliege
Hydropsyche spec.
L-25mm Sp 40-60 mm Mai-Aug.
Kennzeichen: Flügel grau, braun gefleckt.
L12-14mm Sp-35mm Mai-Okt.
Vorkommen: In stehenden Gewässern.
Kennzeichen: Unscheinbar hellbraun ge-
Wissenswertes: Die Larven bauen den
färbt, mit langen Fühlern; mehrere schwer un-
Köcher aus auf gleiche L