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Deutschmann, D., Parfant, M., Holzer, H.-P., Svehlik, M., Ivanic, G., Ebner, M., Weiglein, A.

(2014) Kindergerechtes Pilates als
Intervention zur Haltungsstabilisierung und Verbesserung von Wirbelsäulenfehlhaltungen bei SchülerInnen im Alter von 10-12
Jahren. In: 15. Kongress der Österreichischen Sportwissenschaftlichen Gesellschaft (27.-29.11.2014) - Book of Abstracts.
Werner, I. (Hrsg.). Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. S. 92-93.

KINDGERECHTES PILATES ALS INTERVENTION ZUR HALTUNGSSTABILISIERUNG UND VERBESSERUNG VON WIRBELSÄULENFEHLHALTUNGEN BEI SCHÜLERINNEN IM ALTER VON 10-12 JAHREN
Dietlind Deutschmann1, Manuel Parfant2, Hans-Peter Holzer3, Martin Svehlik4,
Gerd Ivanic5, Martin Ebner6, Andreas Weiglein7
1,7

4

1,3

Institut für Anatomie, Universitätsklinik für Kinderchirurgie, Medizinische Universität Graz; Institut
2,6
für Sportwissenschaft, Karl-Franzens-Universität Graz;
Institut für Informationssysteme und
5
Computer Medien, Technische Universität Graz; Abteilung für Orthopädie, Privatklinik Graz Ragnitz

EINLEITUNG: Wirbelsäulenbeschwerden zählen zu den häufigsten chronischen Krankheiten
unserer Bevölkerung. Die Anzahl der Schulkinder mit beginnenden Haltungsschäden ist
steigend (Latalski et al., 2013). Ziel der Studie ist, den Effekt eines regelmäßigen
Pilatesprogramms zur Stabilisation und Korrektur der Haltung aufzuzeigen. Welche Effekte
auf die Haltung entstehen u.a. in geschlechtsspezifischem Kontext?
METHODIK: Es nahmen 128 SchülerInnen (46 männl., 82 weibl.) aus zwei Schulen im Alter
von 10,77±0,30 Jahren teil. Die ProbandInnen wurden je nach Klassenzugehörigkeit in
Interventions- (IG) (n=77) und Kontrollgruppe (KG) (n=51) eingeteilt. Neben einem
Fragebogen zur körperlichen Aktivität (angelehnt an MoMo) und Muskelfunktionstests nach
Janda wurde die Wirbelsäulenform im Stand und in maximaler (Latero-)Flexion zu Beginn
(T1) und am Ende (T2) analysiert (Zebris CMS-System). Die Intervention fand im
Sportunterricht und zu Hause über 14 Monate statt. Das 10-minütige Programm war für
mind. drei Mal pro Woche konzipiert. Zur Motivation und Evaluation wurde eine iPhone-App
programmiert, die 17 Kinder nutzen konnten. Durch Fixieren des Geräts am Körper konnte
mittels Bewegungssensoren die Übungsart, Wiederholungszahl und Präzision aufgezeichnet
werden. Zur statistischen Analyse wurden mittels SPSS neben der deskriptiven Statistik von
T-, Mann-Whitney-U-, Wilcoxon- und Chi-Quadrat-Tests Gebrauch gemacht.
ERGEBNISSE: 26,8% der gesamten IG führten die Übungen im Mittel mind. drei Mal pro
Woche durch (IG3). Sie hatten keine Verkürzung der Muskulatur, aber eine Steigerung der
Muskelkraft (p=0,014) zu verzeichnen, während die Muskelverkürzung der Kinder mit
geringerer Übungsdurchführung anstieg (p=0,042) und sich ihre Muskelkraft nicht signifikant
veränderte. In der KG verkürzte sich die Muskulatur (p=0,001), während sich die Muskelkraft
verbesserte (p=0,021). Zwischen IG3 und KG konnte durchschnittlich kein signifikanter
Unterschied gefunden werden. Die Einzeltests zeigten z.T. signifikante Unterschiede – z.B.
wurde die Muskulatur im Bereich der BWS der IG3 kräftiger (p=0,017). In T1 gab es keine
geschlechtlichen Unterschiede in der Muskelkraft, allerdings wiesen die Mädchen (p=0,024)
eine weniger verkürzte Muskulatur auf. Auch in T2 waren die Mädchen geringer verkürzt
(IG3: p=0,010, KG: p=0,004). Im Gegensatz zur KG waren die Jungen der IG3 in T2 kräftiger
(p=0,008) als die Mädchen. 53% der App-User trainierten auf Grund der App öfter. Durch
regelmäßige Übungen entsprechend den Empfehlungen zeigte sich der Effekt der
verbesserten Muskelkraft und des Entgegenwirkens einer steigernden Muskelverkürzung.
DISKUSSION: Die inkonsequente Einhaltung der Bewegungsempfehlungen könnte einer der
Gründe für keine signifikanten Unterschiede in der Muskelfunktion zwischen IG und KG sein.
Die als Motivationsanreiz entwickelte App fand auf Grund der Vorgaben (Besitz eines
iPhones) zu geringen Einsatz. Hier könnte durch Adaptierung des Programms auf Android
ein größerer Personenkreis erreicht werden. Andererseits war mit Zugabe der App keine
Variation der Übungen möglich. Die „Klug&Fit“-Studie zeigte, dass sich Muskelverkürzungen
und -kraft im Alter von 10-12 Jahren verstärken und dass Jungen im Vergleich zu Mädchen
sowohl stärkere Muskelverkürzung als auch -kraft haben (Müller et al., 2008).

Deutschmann, D., Parfant, M., Holzer, H.-P., Svehlik, M., Ivanic, G., Ebner, M., Weiglein, A. (2014) Kindergerechtes Pilates als
Intervention zur Haltungsstabilisierung und Verbesserung von Wirbelsäulenfehlhaltungen bei SchülerInnen im Alter von 10-12
Jahren. In: 15. Kongress der Österreichischen Sportwissenschaftlichen Gesellschaft (27.-29.11.2014) - Book of Abstracts.
Werner, I. (Hrsg.). Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. S. 92-93.

LITERATUR
Latalski, M., Bylina, J., Fatyga, M., Repko, M., Filipovic, M.,& Jarosz, M.J., u.a. (2013). Risk factors of
postural defects in children at school age. Annals of Agricultural and Environmental Medicine, 20(3),
583–7.
Müller, E., Fastenbauer, V., & Redl, S. (2008). Klug & Fit online. Projektbericht. Salzburg:
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk).