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Zentralblatt fir Okkultismus. Monatsschrift zur Erforschung der gesamten Geheimwissenschaften. Schriftleiter: A. Grobe-Wutischky. Verlag: Max Altmann in Leipzig. Ersdiwint Anfang jedes Monats. Abonuementspreis fur Deutschland u, Oesterceich-Ungarn jahrlich M, 8.—, hr das Ausland Ht Manuskripte und Zasdhriften sind oa ridhten, : Sdiiitclir Heren Ar GrobesWutlseney in | fiche Rbbestetimg ecielgle git’ das, Abonmement Loutzsch-Lelpzig, Turnerstr. 5. als fir den nicisten Jabrgang stllschweigend yer~ Zuschriften olme belgelegte Retourmarke werden Tanger, ‘nach Mogiicikeit im Brietkesten. beantwortet, 0 Pig. tir die Die Sebriftleitung ist nur fir die von ihr unterzeich- Inseratprel ucten Artikel verantwortlich. Die eimzelnen Veriasser haben die in ilven Arbeiten niedergelegten Ansichten | Alle Geldsendungen sind an dle Yerlagsbuchhand- seibst zu vertretter. lung Max Altnraan in Lelpzig zu riciten, Vill. Jahrgang. Oktober 191 | Heft. Nachéruck aller Originalartikel verboten. Der Weltkrieg 1914. Eine Betrachtung Uber alte und neue Prophezeiungen. Von G. W. (Sehiud) Ueberblickt man die Prophezeiungen, die auf eine groBe Um- walzung hinweisen, als deren Anfang oder Kern ein furchtbarer Welt- krieg genannt wird, so findet man, daB sie sich mehr auf das Jahr 1913 zuspitzten. Das braucht nun nicht als ein schlimmer Fehler an- gesehen zu werden; denn das Jahr 1913 hat manches vorbereitet, und 1914 hat die Au ng geheimer Spannungen gebracht. Ueberdies haben eingeweihte Leute schon friiher darauf hin- gewiesen, da es nicht ratsam sei, sich an ein bestimmtes Jahr zu halten, da die gewaltigen Veranderungen nicht auf einen eng be- grenzten Zeitraum beschréinkt bleiben kénnten; wenn aber ein Hohe- punkt angegeben werden solle, so wiirde der auf die Zeit zwischen 1912—1917 fallen.*) Wer nun das Jahr 1914 als besonders bedeutsam ansehen will, findet immerhin Anhaltspunkte im ,,Zentralblatt fritherer Jahrgiinge; “denn es wurde wiederholt aus kabbalistiscl Rechnungen auf dieses Jahr hingewiesen, aus Rechnungen, denen das Leben des Kaisers Franz Joseph I. zugrunde liegt. Aber auch in dem Aufsatze fiber die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand (Z. f. O. VIII, Heft 1 und 2) ist dargelegt worden, daf das Jahr 1914 in her- vorragender Weise fiir das Schicksal Oesterreichs bedeutsam ist. Wenn dort, vor allem nach dem Horoskop auf das Sommersol- nspaltige Zeile. ) So G, W. Surya ,,Moderne Rosenkreuzer” und ,,Zentralblatt fiir Okkultis- IV. Bu, S. 464. Zentralblatt fir Okkultismmus, VEIT Jahre 2» | http:/ /dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0165 ai | © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 162 — stitium, nur verschiedene Andeutungen gemacht wurden und ein bestimmter Hinweis — der nach dem Horoskop sehr nahe lag — auf den Krieg unterblieb, so werden das alle zu wiirdigen wissen, die die Suggestibilitit weiter Kreise kennen und alles vorzeitige Bangemachen nicht gutheiBen. Wie aber fiir Oesterreich, so war auch schon seit langem fiir Deutschland das Jahr 1914 als kritisches bezeichnet worden, so Z. i. O. Bd. IV. S, 466, und zwar lag nach der dort ermittelten gesetz- miaBigen Verkniipfung von 1812—1871—1914 die Annahme cines fiir Deutschland siegreichen Krieges gegen Frankreich nahe. Und schlieBlich muBte auch England sich fiir dieses Jahr gefalit machen; denn der okkultistisch wohl orientierte Lord Balfour warnte Anfang 1910 vor der innerhalb der nachsten 4 Jahre drohenden Krise (Z. f. O. TUL Jahrg. S. 422), wozu die schon erwihnte Mahnung des Generals Gordon sehr gut pabt. Nachdem so Prophezeiungen fiir den genauen Zeitpunkt des gegenwartigen Weltbrandes angedeutet worden sind, mdgen auch noch einige erwihnt werden, die zwar nicht das Jahr angeben, wohl aber die Zeitverhiltnisse. Einen beachtenswerten Hinweis hierauf gab am Anfange des vorigen Jahrhunderts der franz he Landpfarrer Souffrant, der seine Zeitgenossen durch mehrere zutreifende Prophe- zeiungen in Erstaunen gesetzt und u. a. dann auch gesagt hat: ,,.Wenn die Wagen ohne Pferde fahren werden, wenn das Wort innerhalb emer Sekunde von einem Punkte der Welt zum andern gehen wird; wenn die Legitimisten so wenig zahlreich sein werden, daB sie sich im Schatten einer Eiche werden versammeln kénnen; wenn auch die besten Geister ratlos sind und nicht mehr wissen werden, was sie tun sollen, dann werden die groBen Ereignisse nahe sein. Man wird drei Ruie horen lebe die Soziale! Es lebe der Kaiser! Es lebe der Konig Es wird ein furchtbarer, aber rascher Augenblick sein. Die Pferde werden bis zum Leibe im Blute waten. Die Bosen werden sich gegen- seitig vernichten. Wenn alles verloren zu sein scheinen wird, wird alles gerettet sein. Der Konig wird yom Norden kommen und den Frieden bringen." (Z. f. O. VII. S. 610.) Diese Prophezeiung ist auch um deswillen sehr beachtenswer ot weil aus ihrem Zusammenhange auf eine Wiederkehr der Bourbonen hingewiesen wird, eine Még- lichkeit, die der gegenwartige Krieg sehr nahe geriickt hat. An an- derer Stelle (in einer eingehenden Wlirdigung aller auf den Weltkri und das Schicksal des deutschen Volkes bezugnelimenden Prophe- zeiungen*) ist auch auf Grund kabbalistischer Rechnung die hole Walrscheinlichkeit dieser Neuerung fiir 1914 dargelegt worden. *) Der Weltkrieg 1914 in der Propietie. Histor-psycholox. Wiirdigung aller auf den Weltkrieg und auf die Zukunft des deutschen Volkes gerichteten Vorhersagungen you A, Grobe-Wutiscliky. Verlag yon Max Altmann, Leipzig, Preis ca. 1.50 M. Erscheint Ende d. Monats. http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0166 = © Universitatsbibliothek Freiburg — 163 — Da somit die Aufmerksamkeit wieder auf ein bestimmtes Jahr gelenkt ist, mag noch cin Umstand erwihnt werden, woriiber auch im 4.1. O. Bd. VIL. S. 497 berichtet wurde. Darnach meldete am 20, De- eniber die ,,G Tagespost*, daB in Obersteiermark zahlreiche Seidenschwanze zugeflogen und weitergesegelt waren. Auf Grund zahlreicher Beobachtungen erkennt nun der Volksglaube darin die Toten- oder Kriegsv6égel; denn immer zeigten sie schwere Zeiten an, die innerhalb cines Jahres cintraten. Zum Schlusse will ich noch eine Anregung zum sorgfiltigen Studium der friiheren Jahrgiinge des ,,Zentralblattes fiir Okkultismus" geben, die cine erstaunliche Fiille von sehr beachtenswerten Prophe- zeiungen und von vorsichtig abwégenden kritischen Betrachtungen dariiber enthalten. Aus der kabbalistischen Zahlenfolge 1849—1871—1888—1913 schiof man schon seit langem, wie auch neuerdings die franzésische Sybille de Thebes verkiindete: Griindung des Reiches, Dreikaiser- jahr, Untergang des Reiches. (Z. f. O. Ill. Jahrg. 520.) Viel Beach- tung fanden auch die Mitteilungen BuBlers, die er in spiritistischen Sitzungen erhielt. Sie sind sehr tritbe und verkiindigen ein verdinder- tes, jammerlich zusammengeschrumpftes Deutschland (Z. f. O. IV. Jg. 462), eine Aufteilung Europas, die fast der Karte entsprach, die man nun in den Tornistern gefallener Franzosen fand, womit aber nictts fiir die wahrhaftige Vorbedeuturg beider gesagt sein soll. Noch mehr aber als dic ebenerwahnten Vorhersagungen sind in den letzten Jahren die auf die Schlacht am Birkenbaume beziigliclen Prophezeiungen genannt und auch im Z. f. O. VL Jahrg. S. 39. 288. 459) besprochen worden; nur wird cine griindliche Revision der dort angezogenen Deutungen nétig sein, worauf in der Broschiire tiber den Weltkrieg und das Schicksal des deutschen Volkes ausftihr- lich Riicksicht genommen worden ist. Demgegeniiber sind dic Mitteilmgen Biittners (Z f O. Bd. VII. S. 384) von ganz besonderer Bedeutung, weil sie sich teilweise schon in erstannlicher Weise bewalirheitet haben, sodaB es geraten erscheint. auch seinen Hinweisen auf vereitelte Anschiiige auf den Kaiser-Willielm-Kanal, auf cine Seeschlacht nérdlich vou Helgoland, nahe der Kiiste Schleswig-Holstei ferner auf die besondere Rolle Schlesiens, Sachsens und Polens erhéhte Beachitung zu schenken. Der Vollstandigkeit wegen sei noch an die angeblich uralten Prophe- zeiungen eines Ménches Malaclias erinnert, wonach nur Deutschland groBe Verluste zu beklagen héitte, alle anderen Staaten aber, auch Oesterreich, mii Vorteilen aus dem Kampfe hervorgingen (Z. f. O. Bd. VI. 548). So beachtenswert diese aber im allgemeinen sind (uw. a. plétzlicher Ausbruch des Krieg Degradierung von Paris und Wiederherstellung der Monarchie in Frankreich), so scheinen sie doch aus hier nicht weiter zu erGrternden QGriinden nicht in allen Finzel- 12* http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0167 © Universitatsbibliothek Freiburg — 164 — heiten zutreffend zu sein. Gott gebe es! Vielmehr wollen wir der schon mehrfach bewahrten Selierin de Ferriem vertrauen, die schon vor 15 Jahren Deutschlands Not, aber auch Deutschlands herr- lichen Sieg in einem lesenswerten Gedichte prophezcite (Z. i. O. IV. Bd. S. 635). Dann wird auch all das mehr zur Geltung kommen, was G. W. Surya Tréstliches in seiner Betrachtung ,£in Hoffnungs- stra! (Z. f. O. VI. Bd. S, 289) sagte. Im iibrigen darf wolil nochmals auf die schon erwahnten ausfiilrlichen Erérterungen iiber den Welt- krieg und Deutschlands Schicksal verwiesen werden. Denn darin ist nicht nur simtliches im ,,Z. f. O." verdffentlichte ein- schlagige Material verwendet worden, also nicht nur das hier an- gefilhrte, und auBerdem ist es gelungen, auch noch eine Anzahl wich- tiger, im Z. f. QO. noch nicht mitgeteilter Prophezeinngen zu Rate zu ziehen und so cin inbezug auf die brennenden Fragen der Zeit, aber auch fiir das Problem der Prophetie iiberhaupt sehr empfehlenswertes Buch zu_schaffen. Zum Problem des raumlichen Hellsehens. Von Robert Sigerus. (Schlub.) Offenbar leiten nun die Ausfiihrungen Prof. Ostwalds und Prof. Staudenmaiers zundchst wieder zu den vorerwihnten Theorien iiber die Ausscheidung des Empfindungsvermégens und den Fluidalkorper. Und weiter erinmert Staudenmaiers Energie- aussendung, die durch ein Glasgehduse hindurch eine Wage in Be- wegung setzt, an des Paracelsus Ausfihrungen iiber den ,syde~ rischen Leib“ oder ,,corpus spirituale“, der durch Mauern und Wiinde hindurchzugehen vermag. Hauptsactiich aber ist es klar, daB manche der Energiewirkungen, wie sie namentlich Staudenmaier yor Augen hat, nur unter der Voraussetzung denkbar sind. dafi der Wir- kende, um seine Energie genau bis zu der bestimmten Stelle im Raume zu dirigieren, an welcher die betreffende Wirkung yor sich gehen soll, in irgend einer Art ychischer, und zwar auch wahrnehmender bez empfindender, Verbindung mit seiner auss wiirde denn sonst z. B, eine magisch oder mediumis Person, die etwa in einer Ecke eines Saales steht, in kénnen, genau an der von ihr oder andern Personen voraus ten Stelle aus ,,ausgesendeter Energie irgend cinen beabsichtigten Gegenstand zu bilden und zu formen, d. h. also zu materialisieren? Mag nun eine solche ,,Energicaussendung“ als ,,Exteriorisation des Od* usw. bezeichnet werden, immerhin lieKe sie sicti, insofern sie eben auch mit Empfindung und Wahrnehmung cinhergeht, etwa mit dem Ausstrecken unserer Arme bei dem Tasten mit den Hinden oder mit dem Ausstrecken der gestielten Augen mancher Schneckenarten oder der bis zu 10 Meter langen Artne mancher Kopffiisler (Cephalo- trémenden Energie bleiben mu, Wie ch beanlagte getordorecurch http://dl.ub.uni-frelburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0168 © Universitatsbibliothek Freiburg — 165 — poda) vergleichen.*) Ein technisches Gegenstiick béte das elektrische Fernsehen, wobei freilich dic Drahtleitung, an deren Endpunkt der Aufnahmeapparat sich befindet, von vorncherein nur bis zu cinem und demselben Punkt festgelegt ist. Anderseits kénnte die Draht- Ieitung aber mit dem ,,Faden* verglichen werden, der, okkultistischen Anschauangen nach, den Fluidalkérper des Menschen mit dem physi schen Leib des Menschen verbindet. Tatsichlich hat Du Pret in dem Buche ,Die Entdeckung der Seele durch dic Geheimwissen- schaften® cingehend die Frage erértert, ob das riiumliche Fernschen nicht durch Entsendung des Astralleibes (Du Prel spricht dabei von ,,Doppelgingerei*) erklirt werden mit Und damit hat er sich sogar jener, durch Dr. Moll, ve Wasiclewsky wu. a. geteilien Anschauing genihert, die réumliches .Hellsehen* und réumliches «Fernsehen als zu ciner und derselben Gruppe von Phénomenen gehirig betrachtet. Allerdings erklirt Du Prel schlieklich, daft die Theorie des ,cinen Rattenschwanz dunkler Probleme bildenden Fernsehens noch nicht spruchreif sei. Doch gedenken wir jetzt noch dessen, in welcher Weise A. R. Wallace, der ja ein hervorragender Naturforscher war, sich zur Frage des réumlichen Hellsehens gestellt hat. In dem Buche ,,Die wissenschaitliche Ansicht des Uebernatiirlichen“ weist er in dem Ab- schnitt ,,Odische Kraft, tierischer Magnetismus und Hellsehen‘* auf cine Reihe von Beobachtungen, ,,welche beweisen, da’ gewisse Indi- viduen mit ungewéhnlichen Wahrnehmungskriiften begabt sind, welche zuweilen schon durch die gewohnlichen Sinne zur Entdeckung neuer Krifte in der Natur leiten, zuweilen aber auch auf eine Weise, welche keine ungewohnliche Kraft der gewéhnlichen Sinne erklaren wird, sondern das Vorhandensein gewisser Fihigkeiten im mensch- lichen Geiste von einer, der gewéhnlich sogenannten iibernatiirlichen Analogen, und der Wirksamkeit uncingekérperter Inteliigenzen zu- geschriebenen Natur in sich schlickt.* Unter Berufung auf den Medi- ziner und Chemiker Prof. Dr. W. Gregory, den Mediziner Prof. Dr. H. Mayo, den Mediziner Dr. J. Haddock u. A. teilt Wal- lace auch mehrere, zum Teil héchst auffallende und komplizierte Falle von Hellsehen mit. Einer der einfachsten, den Wallace als einen Fall von ,,cinfachem, direktem Hellsehen™ bezeichnet, ist der folgende. Verschiedene Personen kauiten namlich in irgend einem *) Vergl. hierzu auch den schon erwihuten Bericht tiber die Experimente der Wiener psychologischen Gesellschait® im ,Zentralblatt fir Okkultismus" (VIL Jahre. 6. Heit) betreifend erfolgreiche Versuche fiber die .,.Ver- legung des Empfindungsvermégens iiber den Kérper hinaus* und den ,,Fluidal- korper' *°) Derselben Ansicht hat Du Prel auch in dem .Die odische Exterioris des Menschen” betitelten Abschnitte des Buches ,Die Magic als Naturw schaft* Konzessionen gemacht, http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0169 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 166 — belicbigen Laden ,,cinige Dutzend gedruckter Mottos, dic sic in Nub- schalen steckten. Diese wurden in einen Sack getan und die (be- treffende) Hellsehende nalim nun eine NuBschale heraus und las das darin verborgene Motto. Dic Schale wurde dann gebfinet und geprtit, und Hunderte yon Motios wurden aui diese Weise richtig gelesen. Eines der derartig gelesenen Motto's enthielt achunducunzig Worte.* Was nun die uns hier besenders interessierenden theorctischen Bemerkungen Wallaces anbelangt, so hebt er zur st hervor, daB es wahrscheinlich noch andere und vielleicht unendlich mannig- faltigere Bewegungsarten des Aethers gibt, als dic durch dic Wissenschaft anerkannton. (Eine Ansicht, die durch die neucsten Acther-Forschungen und -Theorien wesentlich gestiitzt wird.) Es muB also, sagt der angeschene Naturforscher, auch zugegeben wer- den, dali cs passende Organisationen zum Empfang ihrer Eindriicke geben kann, und wahrscheinlich auch gibt. lim uneidlichen Univer- sum kan es unendliche Méglichkeiten der Eimpfindung geben, deren jede ebenso von allen iibrigen unterschieden ist, wie das Gesicht vom Geruch und Gehér, und ebenso faihig ist, die Sphire des Wissens ihres Besitzers und dic twicklung seines Verstandes zu erweitern, als dies der Sinn des Gesichts sein wiirde, wenn er erst den anderen Sinnen, die wir besitzen, hinzugefiigt wiirde. Wesen vott einer Athe- rischen Ordnung, wenn solche existieren, werden walirscheinlich einen oder mehrere Sinne der oben angedeuteten Art besitzen, welche ihnen eine vermehrte Einsicht in dic Konstitution des Universams und verhaltnismabig auch cine erhéhte Intelligenz verleihen werden. Jede ihrer Fihigkeiten wird entsprechend sein den Titigkeitsweisen des Aethers.* — Was nun die cigentliche Erklarung des réumichen Hell- sehens anbelangt. so auert sich Wallace folgendermaen: In der héheren Erscheinung des ....cinfachen Hellseliens* * wird der Geist bis zu cinem gowissen Grade frei von den Banden des Kérpers und nimmt durch andere Prozesse, als die der ge- gewéhnlichen Sinne, die Erscheinungen wahr. In dem noch hdheren hellsehenden Zustande, welcher ,..ecistiges Wandern* heiBt, verliBt der Geist den Kérper (bleibt jedoch nochdurch ein @therisches Bindeglied mit ihm verku‘dpit, durchdringt den Raum auf iede Entfertiung, verkelirt mit Personen in entfernten Liindern, wenn er nur irgend cinen Leitfaden hat. um sie unterscheiden zt kénnen, und kan (vielleicht durch Vermittelung ihrer Organisationen) Ereignisse wahrnehmen und beschireiben, welche rings um sie hervorgehen.*) *) Aus diesem Erklarungsversuch iiber das riumliche Hellsehen auf gré®ere Entiernung ist ersichtlich, wie leicht Hellschen mit Telepathie verwechselt werden kann. Sobald der scheinbare ,,Seher“ seine Wahrnehmungen durch Vermittelung einer andern Person macht, handelt es sich eben um Tulepathie und nicht um Hell- sehen. Vergl, meine Monographie ,,Die Telephatie™ (M, Altmann, Leipzig) S. 87 fi. getordorecurch http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0170 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 67 — So haben wir denn im Vorausgeschickten einen Blick auf man- cherlei hypothetische Ansiitze zur Lésung des Problems des riéum- lichen Hellschens geworfen. Dabei hat sich gezeigt, daB dies Problem offenbar mit sehr verschiedenen sonstigen Problemen zusammenhiingt und daB es noch iiberaus viel des Riitselhaften birgt. Letzteres zeigt ich namentlich auch, wenn man die Vorgiinge eines konkreten Falles niher betrachtet und zu erkliren versucht. Betrachten wir z. B. den durch Prof. Dr. Max Schottelius in der Zeitschrift ,,Kosmos* (Heft 12. Jahrgang 1913) unter dem Titel ,.£in Hellscher* veréffent- lichten Bericht. Der betreffende Hellseher, ein Israelit namens Lud- wig H., ist, wie Prof. Schottelius berichtet, imstande, den ilim unbekannten Inhalt zusammengefalteter Zettel, die in der fest ge- schlossenen Hand des Beobachters gehalten werden, oline weiteres zu lesen, als wenn der Inhalt offen vor scinem kérperlichen Auge liege. Es handelt sich also um Hellsehen in die Nahe, Der genannte Bericht- erstatter hat sich, wie er au icklich mitteilt, durch wiederholte Versuche von dieser merkwiirdigen Fahigkeit des fraglichen Indivi- duums fiberzeugt. Dies ist aber, wie er noch berichtet, auch von andern Seiten geschehen. Namentlich wurde mit Ludwig H. anliBlich einer, bei dem Grofherzoglichen Landgericht in Karlsruhe gepfloge- nen Strafsache in Folge Auftrages der Staatsanwaltschait durch den Arzt Dr. Hay mann (nachmals Arzt an der Binswanger'schen Hei! anstalt Bellevue-Konstanz) in gleicher Weise erfolgreich cxperimen- tiert, wie das durch Dr. Haymann erstattete, den betreffenden Gerichtsakten beiliegende amtliche Gutachten ausfiihrlich dartut. Die- selben Erhebingen wurden durch den Grofherzoglichen Bezirksarzt in Baden-Baden, Medizinalrat Dr. Neumann, ebenfalls von amts- wegen und gleichfalls in erfolgreicher Weise gepilogen und zwar, wie aus dem betreffenden gutachtlichen Bericht hervorgeht, in Gegen- wart des Staatsanwaltes. Endlich wurden, ebenfalls mit Erfolg, auch durch Gerichtsassessor Dr. P. Engler, Pfarrer Merta, Ober- lehrer G. Behringer. und Reallehrer Eisete Versuche mit Lud- wig H. angestellf. — Da die verschiedenen perimentatoren jed mal mehrere Zettel schrieben und daraus aufs Geratewohl einen wiillilten, oline hierbei dessen Inhalt zu kennen, so kann Telepathic nicht vorliegen. — Prof. Schottelius sagt schlieBlich: Diese init unsern heutigen Mitteln unerklirliche Tatsache ist festgestellt dureh drztliche Sachverstindige auf Grund ihrer unter Eid vor Ge- richt gemachten Aussagen, durch eine Anzahl einwandfreier glaub- wiitdiger Personen auf Grund ihrer schriftlich gemachten Mitteilungen und durch meine eigenen mit dem merkwiirdigen Menschen angestell- ten Versuche.* Der vorstehende Fall gehért (ebenso wie der friiher angeftihrte) mu den einfachsten Fallen des réaumlichen Hellsehens. Dennoch be- reitet es gro’e Schwierigkeiten, ihn auf irgend eine, auch psycho- http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0171 © Universitatsbibliothek Freiburg — 168 — physiologischen Anschauungen halhwegs entsprechende Weise zu er- klaren. Dr. Moll hat von seinem skeptischen Standpunkt aus gelegentlich hetreffend die Sinnesverlegung, die eine ge- wisse Aehnlichkeit mit dem Hellschen bictet", darauf hingewiesen, daB in manchen Pallen z. B. dio Haut statt des Auges imstande sein solle, Buchstaben zu lesen, wobei es sich um eine Reizing der Haut durch die Lichtstrahlen, und zwar sogar ohne direkte Beriihrung, handeln salle. Bei den mit Ludwig H, angestellten Hellseh- Experimenten hatten aber, laut der oben gemachten Mitteilungen, die Experimentatoren dic zu lesenden Zettel in ilven eigenen Handen. Es wire also die Erklarung dieses Hellsch-Experimentes auf Grund der im Vorausgeschickten erwdhnten verschiedenen Hypothesen zu ver- suchen. Und dies eben ist héchst schwierig. Oder gilt vielleicht itber- haupt beziiglich des riumlichen Hellschens der Ausspruch, den, wie ich schon erwahnte, Du Prel Ninsichtlich der von ihm als liches Fernsehen betrachteten Vorginge getan hat, niimlich, es sei die fragliche Theorie ,noch nicht spruchreif*? Zum Schlusse méchte ich im Hinblick auf die im Vora geschickten beriihrten Fragen des Od, der Exteriori: pfindungsvermégens, des Fluidal- oder Astralkérpers us einige. vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus mégliche Bemerkungen machen. Vor allem ist das Wesen der Materic iiberhaupt fiir dic Naturwissenschaft noch ein Rétsel. das z. B. auch durch die Ener- getik durchaus nicht definitiv gelést erscheint. Weiter sind dic psycho-physiologischer' Kenntnisse, wie dies scitens angesehener Psychophysiologen festgestellt wird, noch recht gering. Und die hier einschlagigen Forschungsresultate und Hypothesen stellen das seitens der Naturwissenschaft behauptete matericlle Substrat der psychischen Tatigkeit, beispielsweise des Gedéchtnisses, als cine durchaus nicht so feste, kompakte Ma dar, wie dies dice landliéufigen materialisti- schen Anschauungen vermuten lassen. Denn die Materic iiberhaupt wird ja seitens mancher neuerer F her als ..wirbelnder Aether™ (bezw. letzten Endes als Energie“) angeschen. Und die, dic Ganglien- zellen, z. B. des Gehirnes, bildenden, aus Atomen und schlieflich aus Elektronen zusammengesetzten Molekiile erscheinen in unaus- gesetzter innerer Bewegung begriffen, da neueren naturwissenschaftlichen Anschauungen nach die cinzelnen Atome als Systeme von ciner gewissen Anzahl positiver und negativer Elektro- nen angeschen werden, in denen die letzteren siimtlich oder zum Teil nach Art von Trabanten den Rest des betreffenden Systems um- kreisen. Durch den Stoffwechsel aber werden die Molekiile der Zellen fortwahrend zersetzt und wieder erneuert. Und diese, also unaufhérlich sich bewegende und sich dndernde Masse des materiellen Substrates bewahrt beispielsweise die Gedichtnisein- ation des Eim- getordorecurch http://dl.ub.uni-freibura.de/diglit/2b_okkultismus1914/0172 © Universitatsbibliothek Freiburg — 169 — driicke Jalirzelinte hindurch!*) Auf welche Weise ist dies méglich? Der Physiologe Prof. Dr. Ms Verworn beantwortet diese Frage folgendermaBen: ,,Wie bei der Schmetterlingsflamme cines Gas- brenners trots des fortwahrenden We s der Gasinolekiile doch die Gestalt und Zusammensetzung der Flamme dauernd dic gleiche bleibt, genau so ist es auch bei der lebendigen Zelle der Fall, trotz des an- dauernden Stoffwechsels, der sich in ihr vollzieht.“ Hieraus geht hervor, dali, wie gesagt, das seitens der Naturwissenschaft be- hauptete materielle Substrat der psychischen Tatigkeit keine so feste, keine so kompakte Masse ist, als vielfach angenommen wird. Diesem nach erscheinen dic obencerwahnten Anschauungen Du Prels, Wallaces, Prof. Ostwalds, Prof. Staudenmaiers wa auch fiir den Nicht-Okkultisten und Laien immerhin verstandlich. Und erscheint v: indlich, wenn behufs Erklarung des Hellsehens eben cine noch weniger feste organisicrte Materic oder Masse angenom- men wird. — Welcher Hypothese wir uns aber auch zuwenden inégen, icdenfalls werden wir das réumliche Hellsehen (das, nebenbei bemerkt, von Prof. Dr. A. Forel, Prof. Dr. M. Breiting, Dr. Richard Hennig u. a. als ,offene Frage angeschen wird) zu den wichtigsten Gebicten des Okkultismus zihlen m) sen. Ueber die supernormalen Phanomene der Levitation. Eine Studie von Dr. Gustay Edler von Gaj. Einzige autorisierte Uebersetzung aus dem Kroatischen bezw. Serbischen von Philipp M***, Edlem von Dominikovic. (SehluB.) So ist uns bekannt, daB das Wasser den Kérper eines lehenden Menschen trigt, wenn cr sich ganz starr verhalt, wie es jeder gute Schwimmer wei. Wenn wir uns auf den Riicken legen, wird uns das Wasser, besonders aber das Meer, wenn wir auch bewegungslos liegen, tragen. Da in diesem Falle ein Teil des Kopfes, sowie ein Teil des Kérpers iiber der Wasseroberfliche liegen, so ist darin ein unzweifelhafter Beweis vorhanden, daf der Kérper eines lebenden Menschen um einige Dekagramm leichter ist, als das verdriangte Wasser. Der tote Kérper aber sinkt zugrunde und erhebt sich erst dann, wenn sich infolge chemischer Prozesse in ihm Gase entwickeln, *) Man denke hier z B. an jenen, in der franzésischen ,.Revue" erwiilmten Patienten eines Pariser Augenarztcs, der mit einem (zwei oder drei Sekunden dauernden) Blick cine ganze Buchseite von OktavgréBe sich so cinzupragen ver- mag, da® er auf Grund semes visuellen i Jahren imstande ist, die gesehene Druckseite 2 lesen! Ist ein ,Hellsehen“ viel staunenswerter? nerungsbildes noch nacl wiederholen, sozusagen vorzu- http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0173 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 170 — welche dann den Kérper zur Oberiliiche heben. Nach dem Gesagten ist der lebende Kérper leichter und die Leiche schwerer, als das ver- drangte Quantum Wasser. E weiter bekannt, daB man an den medizinischen Fakultiten mir Herr Professor Joseph Ubt, Autor zahireicher Werke fiber Tierheilkunde und langiiihriger Professor an der Wirt- schaftsschule zu Krizevac, mitgeteilt hat), da die ache, ob ein Neugeborenes lebendig oder tot ist, auf die Weise konstatiert wird, daB man es ins Wasser legt. Sinkt nun der Kérper, so ist dies cin Beweis, daB das Neugeborene tot ist, schwimimt aber der Kérper auf der Oberflache, ist es cin Zeichen, daB es lebt.*) Auch dieses Experiment beweist, daB der tote mensch- liche Kérper schwererist alsder lebende Sehlieflich kann neben obigen Beweiscn fiir die Richtigkeit die- ser Voraussetzung auch die Tatsache dienen, daB es im Volke die allgemeine Ueberzeugung ist, da® der Kérper eines Toten schwerer ist als der eines lebenden Menschen, weil di Ucberzeugung gewi8 auf Erfahrun- gen beruht. Dak aber allgemeine Volksbeobachtun- gen zuverlaissig sind, wenn auch die Erklirungen vielleicht falsch sind, ist eine bekannte Tatsache. Nehmen wir's nur zum Beispiel, da das Volk nie aufgehért hat, an das Bestehen okkuiter Phinomene zu glauben, selbst dann nicht, als dieses Bestehen von der ganzen Wissenschaft verworfen wurde. Erst in neuester Zeit ist man zur Erkenntnis gekommen, da8 die Be- obachtungen des Volkes richtig und die der Wissenschaft falsch waren. Alle diese Erscheinungen, ebenso wie das Levitationsphiinomen, welches auch von der offiziellen Wissenschaft negiert wird, finden cine ganz natiirliche Erklarung in meiner eben vorgebrachten Levi- tationstheorie. Auch Dr. Karl du Prel nimmt in seinem im Jahre 1899 er- schienenen Werke ,,Die Magic als Naturwissenschaft' meine Hypo- these an, daB sich die Levitation auf die Polarisation des mensch- lichen Kérpers griindet, oder bescheidener, aber vielleicht auch wahr- haftiger gesagt, wiederholt er etwas entschiedener — obwohl er sich nicht in irgend welche weitere Darlegungen noch Beweise fiir die Rechtiertigung dieser seiner Behauptung einliit — den Gedanken, den er bereits im Jahre 1890 in seinem Werke ..Studien auf dem Ge- hbiete der Geheimwissenschaften", und zwar auf S. 7 mit folgenden *) Um diese Probe einwandérei ausfiihren zu kénnen, miiBte man freilich be- deutendere Mengen von Wasser bereit haben als das ibliche Badewas: denn bekauntlich ist erst yon einem gewissen Quantum ab das Wasser tragiahig. D. Sch. getordorecurch http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0174 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 71 — Worten ausgesprochen hatte: ..Da durch die menschlichen Nerven nachweisbar Elektrizitét strémt und die Schwete vermutlich nur auf einem Spezialgesetze der Elektrizitit beruht, so kénnte diese wohl modifiziert werden, wenn im magnetischen Akt fremde Elektrizitit auf einen Organisimus tiberstrémen sollte.“ Ich konstatiere, daB mir dieser Gedanke du Prels nicht be- kannt war, als ich im Jahre 1897 zur Idee kam, auf einem ahnlichen Grunde das Levitationsproblem zu lésen zu versuchen; wenn mir aber auch derselbe bekannt gewesen wire, so ist doch von diesem Ge- danken bis zum Priizisicren meiner Hypothese ein langer Weg, desto linger, da diesclbe nicht auf der Uebertragung einer fremden Elek- trizitét beruht, wie es der Fall wire, wenn mir dieser Gedanke du Prels als Direktive gedient hitte. nso cinleuchtend, wie das Levitationsproblem mittel der anklinschen unitiren Elektrizitéistheoric gelést wird, kann es auch mit Hilfe der dualistischen Elektrizititstheorie gelést werden, mit dem Unterschiede aber, dal diese Lésung komplizierter Wollen mir nun die geehrten Leser in diesen meinen Ausfiilirun- gen folgen. Durch Experimente der bereits erwélhnten Gelehrten Freih. von Reichenbach, de Rochas, Dr Luys, Dr LN. Jodko und Dr. Pogorjelskii ist cin exakter Beweis erbracht worden, dali Somnambule, zu denen jedenfalls auch spiritistische Medien, sowie alle Arten von Extatikern wihrend der Dauer ihres abnormalen Zustandes (der als somnambuler oder magnetischer Schlaf, ance, lethargischer, kataleptischer Schlaf, Extase usw. benannt d) zu ziihlen sind, ein Agens exteriorisieren, welches sich als iger unseres Empfindungsvermdgens, und zwar teilweise oder ich darstelit und welches sich schichtweise neben dem Kérper des Somnambulen ablagert. Dieses Agens wird ,Od* genamt: Dr. Pogorjelskij benannte dieses Agens wegen seiner Verwandt- schaft mit der Elektrizitiit .physiologische polare Energic™. Dr, Pogoriclskii*) hat durch exakte Experimente folgen- des bewiese: wi gain 1) Bei jeder Erzeugung von Elektrizitét entwickelt sich zugleich cine polare physiologische Energ’ Die statische Elektriz jedenfalls von einer erheblich reichlicheren Emanation dieser Energie begleitet, als die Stréme jeder anderen Elektrizitaét sind. 2) Folglich miissen bei jedem Elektrizitatsvorgang die Stréme der *) Psy he Studien XXVI. 1899, Heft 6—8! http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0175 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 172 — polaren physiologischen ergie cine nicht minder wichtige Rolle spielen, als die direkte Tatigkeit der statischen Elektrizitit. 3) Die therapeutische Wirksamkeit der auf den men: Organisnius gerichteten Elektrisation beruht walrs schlieBlich auf der physiologischen Energie, denn dic diirfte auf die organischen Gewebe nur als katalyti wirken. 4) Die polare physiologische Energie ist identisch mit dem Uni versalfluid der Alten, mit dem astralen Einfluf nach Paracelsus, der Lebenskraft nach Maxwell, Archiius nach van Helmont, der anima- lischen Elektrizitét nach Puységur, Od nach Reichenbach, Meta- organismus nach Hellenbach, dem Astralkérper der Spiritisten usw. 5) Die Uebertragung der physiologischen polaren Energie vom Operatenr auf das Objekt fithrt zu den Phiinomenen der Suggestion, Katalepsie, des Somnambulismus, der Lethargie usw. 6) Folglich muf die Lésung der Fragen betreffend dic Vorteile der verschiedenen therapeutischen Wirkungen der Franklinisation, der Galvanisation, der Faradisation usw. und ebenso derjenigen be- treffend die Anwendungsweisen dieser verschiedenen Agenticn unter der Form von Douchen, Badern, Massage oder betreffend dic Gestal- tung der Elektroden (als Pinsel, Spitzen, Platten usw.), s gen ir, die Lésung aller dieser Fragen nicht in der Elek’ (wie man bislang getan hat) gesucht werden, sondern in dem Studiurn der siologischen Energie. 7) Die Wirkung des elektrischen Stromes kann cine zweifache sein, entsprechend der Menge der physiologischen Energie, welche ihn begleitet: a) der Strom wirkt als Erregungsmittel, indem er die Dissoziation und Emanation der Energie weckt, welche der Kérper des Elektrisierten besitzt, und b) er wirkt als Regene- rater, indem er auf den Organismus einen neuen Vorrat von dieser durch den elektrischen Strom selbst erzeugten Elektrizitat iibertrigt. 8) Diese Tatsachen werden durch die erialtenen Photogramme ad oculos demonstriert: die statische Elektrizitét liefert Elek tro - gramme, wiahrend die physiologische Energie unter dem Einflu des erregenden Stromes Energogramme erzeugt und unter dem Einflu8 des regenerierenden Stromes Radio- oder Piknogramme her- vorbringt. 9. Die Méglichkeit, die Radiogramme selbst ohne Vakuum und ohne Hilfe von Strimen hoher Intensitat zu erzielen, beweist, da’ die X--Strahlen von Réntgen und die strahlende Mate- rie von Crookes nichts Anderes sind, als polare physiologische Energie. Exakte Beweise (durch die Reproduktion von Experimenten) fiir diese Behauptungen hat Dr. Pogorjelskij, wie ich es bereits vorher erwahnt habe, in seinem russischen Werke: ,Die Elektro- chlichen cheinlich —aus- ne Elektrizitat he Kraft ein- getordorecurch http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0176 © Universitatsbibliothek Freiburg — 173 — photosphaére und die Energographie als Beweise fiir die Existenz der physiologischen polaren Energie oder de og. tierischen Magnetismus und ihre Bedeutung fiir die medizinische und natur- historische Wissenschaft* geboten, auf welches Werk ich alle Leser verweise, die sich durch ihre eigenen Forschungen von dem Bestehen des Ods und seiner elektrischen Natur nicht iiberzeugt haben. Demzufolge glauben wir, da8 uns niemand wird vorwerfen kénnen, wir bewegten uns nicht in den Grenzen exakt bewiesener Tatsachen, wenn wir behaupten, da® dieses wahrend extatischer psychischer Zustinde sich exteriorisierende Agens, welches wir in Zukunft der Kiirze halber (aber auch Freiherrn von Reichenbach zu Ehren) ,Od* nennen werden, ganz verwandt mit der Elektriz oder besser gesagt, dafi dasselbe nur eine durch den tmerischlicten Organismus modifizierte Elektrizitit und daher mit allen Eigen- schaften sowohl der statischen wie auch der dynamischen Elektrizitit versehen ist. Wenn wir uns nun an dic dargelegte Zéllnersche Gravi- tationstheorie erinnern, so wiirden uns auf einmal alle Stufen der Levi- tation, von dem Gefiihle angefangen, welches einen begeisterten Menschen stirker und leichter macht, bis zu jenem, wo eine in Extase seelischer Begeisterung geratene Person sich in die Liifte er- hebt, erklirlich werden, sobald wir nach der Natur elektrischer Ge- setze aufstellen kénnten, dai diese Exteriorisation der physiologischen polaren Energie, d. i. des Ods, die wihrend solcher Zustiinde zu : Stande kommt, eine Verdénderung in den attraktiven Resultanten der statischen Elektrizitét des menschlichen Kérpers bewirken kénnte. Wie wir es schon vorher begriindet haben, hat der beriihmte Faraday schon im Jahre 1831 das Gesetz der sog. Induktionsstréme aufgestellt, nach welchem ein galvanischer Strom in einem nahen Drahte elcktrische Stréme von entgegengesetzter Richtung her- vorruft, und zwar, wenn der Strom zu flieBen beginnt, wenn er sich dem Drahte nahert und wenn seine Kraft steigt; daB da- gegen dieser Strom einen Strom von gleicher Richtung induziert, wenn er nachlaft oder zu flieBen aufhért, d. h. im ersteren Falle be- wirkt er eine diametrale Verinderung der Art elektrischer Stroéme im Verhiiltnis zum letzteren Falle. Da das Od“, wie bewiesen wurde, in héchstem Grade mit der Elektrizitét verwandt ist (und nach Dr. Pogorielskij ist es nichts An- deres, als durch den menschlichen Organismus modifizierte Elektriz tit), so werden gewi8 fiir dasselbe die gleichen Gesetze, wie fiir den Magneten walten, d. h. die wahrend der extatischen Zustinde auber- halb des materiellen menschlichen Kérpers aufgelagerten Odschichten werden solange in den Kérperteilchen Molekularstré6me yon ent- gegengesetzter Richtung induzieren, als sie es waren, wahrend sich http://dl-ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0177 ea nL © Universitatsbibliothek Freiburg DFG 174 — das Od in normaler Disposition, d. h. wihrend sich der Mensch in nor- malem Zustande befand (was dem Nachlassen oder dem Authdren ent- spricht), bis sich das Od exteric eren und infolge dessen dic von ihm reprisentierte elektrische Kraft steigern wird, und es werden dann in- folge des diametral entgegengesetzten elektrischen Verhiltnisses zuin normalen Verhaltnisse wéahrend fortdauernder Induktion auch die attraktiven Resultanten der statischen Elektrizitéit diametral entgegen- gesetzt veriindert werden, d. h. die statische Wechselwirkung zweier Ampérescher Molekularstr6me wird nicht mehr in der Einheit der Entfernung eine Attraktion in der Gré®e von 2a, sondern eine Repul- sion von der GréBe 24 betragen, welche Gréfe dann proportional mit der Intensitéit der Induktion, d. h. der Odexteriorisation steigen wird. Ich mache den Vorschlag, da®B diese Induktionsart analog der Magnet- und Voltainduktion ,Odoinduktion* benamnt werde. Somit haben wir also den Beweis erbracht, daB sich nach den bereits gefundenen Gesetzen der Elektrizitéit notwendig bei extati- schen Zustinden infolge der Exteriorisation des Odes die attraktive Kraft der Gravitation in gerader Proportion der Menge des exteriori- sierten Ods, d. i. der Héhe des extatis: Zustandes in eine ab- stobende Kraft wird umwandeln miissen; aber auch der Tatsache gemaB, da’ alle Nuancen der Levitation, von der geringstschatzigen Gewichtsverminderung bis zum Schweben, cheinungen sind, die vollstindig mit den Gesetzen der Gravitation im Einklange stchen und uns zugleich einen exakten Beweis fiir dic unbedingte Richtigkeit der Zéllnerschen Theorie liefern, nach welcher die Ursache der Gravi- tation in statischen Wirkungen der Elektrizitét enthalten ist. Bei dieser Gelegenheit ersuche icli alle die Herren Gelehrten, die sich von der Richtigkeit meiner Hypothese fiberzeugen michten, Som- nambule auf empfindlichen Wagen in magnetischen Schlaf zu ver- setzen und in regelméBigen Absiitzen das Gewicht des Somnambulen, sowie die Tiefe des Schlafes zu registrieren und die erzielten Resultate zu verdffentlichen; denn damit werden sie nicht nur mir einen groben Gefallen erweisen was selbstverstindlich nur Nebensache bleibt — sondern auch zur Erkenntinis eines der erhabensten und merkwiir- digsten Phinomene der menschlichen Natur viel beitragen. Hatha-Yoga und Raja-Yoga. Yoga-Uebungen. Von Dr, Grayell. IL agen nach Berechtigung und Anwendung von die Die ung der we Hatha-Yoga und dem ,kiniglichen Yoga“ fiir unsere Zeit resp. getordorecurch http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0178 © Universitatsbibliothek Freiburg — 175 — nachste Zukun:t wird allméhlich cine brennende werden. Denn j auch nur einigermafen Sachverstiindige mu8 erkennen, da8 wir hier den eigentlichen Schliissel der ganzen Menschheitsentwicklung in die Hand bekommen haben. Alles Andere war nur Vorbereitung. Es sind hauptséichlich zwei groBe Strémungen, die eine der beiden Uebungsarten vertreten: auf der einen Seite es die christ- liche Religion mit ihren Andachtsiibungen (Raja-Yoga), auf der andern die verschiedenen Richtungen, die man mit dem Namen ,,Neugedanke* bezeichnen kann, also z. B. Mazdaznan, Vegetarismus, Okkultis- mus usw. (Hatha-Yoga), Die erste wendet sich direkt an die ,Seele“, richtiger vielleicht das ,Ich“ und sucht alles von oben und durch Hinweis auf die héch- sten Krifte, also ,,Gott“ zu erreichen. Die zweite sieht zunichst von der Erreichung des ,,idheren Ich“ ab und versucht erst das niedere Ich zu kraftigen, und zwar infolge Durchdringung und Beherrschung der Spharen, die zwischen deni Absoluten und der Welt bestehen, nimlich Aethergebiet und Astralgebiet. Beide Richtungen haben ilre Berechtigung. Es fragt sich nur, welche man ii einem bestimmten Falle mit gréBerem Erfolge an- wenden soll. Es geniigt nicht zu denken, weil der religiése Weg der héhere und vollkommenere ist, miiBte er im einzelnen Falle auch immer der richtigere sein. Wenn ein frommer Katholik krank ist, wird er doch nicht so naiv sein, zu meinen, da8 er durch eine bestimmte Anzahl Ave Maria“ gesund werden wiirde. Das Gesundbeten hat manche Bedenken, und die ..christliche Wissenschait* (christian science) entbehrt einer issenschaftlichen Unterlage. Man darf auch von einem Fall nicht auf den andern schliefen und von einer Person auf die andere. Alle Menschen sind innerlich verschieden, und je nach der Hohe ihrer Ent- wicklung sind auch die Anwendungen verschieden, so gut wie ein physischer Kérper melir leisten oder aushalten kann wie ein andrer oder eine Kur jemand sehr gut tun kann, die dem anderen schlecht bekommt.*) Die Anhiinger der indischen Richtung empfehlen besonders Yoga-Uebungen, und manche modernen Biicher, die auf diesem Boden ) Ein katholischer Geistlicher behauptete mir gegeniiber, da die Gnade wohl dic Immoralitit bessern kone, iedoch nicht seinen krankhafien Zustand. Dies ist aber ganz unlogisch. Kraukheit berult stets auf einer Unvollkommenneit der Seele umd in letztem Grunde auf Immoralitiit. Ein vollkommener Mensch kénnte nie krank werden, und wenn die Gnade all mm, so muB sie auch eine Kraukheit heilen konnen. An diesem Beispiele erkent man die Enge des katholischen. Prin- zips, das nicht ausreicht. Die Gnade allein tut es nicht, sondern die Ausfiihrung, wie der Apostel Paulus an ciner bekannten Stelle sagt. Das Gebet aber gibt nur die Méglichkeit, der Versuchung zu widerstehen, aber noch nicht die wirkliche Ansfuhring (Gratta efficax), http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0179 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG = 6 = stehen, kénnen vielen Personen, die noch wenig geistig-moralisch entwickelt sind, groBen Schaden tun. Mir hat cinmal cin Brahmane, der aus Amerika kam, gesagt, da die meisten derer, die indische Atemiibungen (ohne Lehrer) gemacht hitten, sehr unangenehme Folgen gehabt hitten, bis zum Tode. Die Vertreter der Kirche betonen wieder die Notwendigkeit des fortwahrenden Betens und versprechen sich alles davon. Sie werden auch nicht irre, wenn man ihnen sagt, man bete schon scit vielen Jahren ohne Erfolg. Kommt einer zu einem katholischen Dorfpfarrer, dann sagt der ihm vielleicit, er solle jeden Tag ein Ave Maria beten, das helie sicherlich. Wenn der Betreffende dann sagt, das habe er getan, dann fragt der Pfarrer, wie viele Gebete er immer gebetet habe, und wenn jJener antwortet, eins, dann sagt er: ,,Ja, da sieht man’s ja! Hatten Sie immer zwei Ave gebetet, wiire alles anders geworden.“ Auf die Weise kann man natiirlich stets recht betalten. Man kann im allgemeinen sagen: Das Gebet, wie jede andere fromine Handlung, zieht die Gnade“ herab, d. h. eine geistige Kraft, die die Méglichkeit gewiilrt, besser zu werden. Allein durch die Gnade hat man noch nichts gewonnen, man muR mit der Gnade mitwitken. Daher mufi man mit der Andachtsiibung in schwereren Fallen Hathaiibungen verbinden, was die meisten ,frommen” Katholiken héchstens unbewuBt tun. Wenn jemand z. B. cine Wallfahrt macht, so iibt er unwillkiir- lich Hatha-Yoga*): langes Wandern mitAusstoBung der Kohlensiure durch lautes Beten, Fasten, Knien, bestimmte Armbewegungen (2. B. mit ausgebreiteten Armen), Singen, Beichten usw. Die Wunder von Lourdes und yon anderen Gnadenorten sind begreiflich, wenn man sich vergegenwartigt, da® eine durch alle méglichen Uebungen und Entbehrungen empfinglich gemachte Seele die gute Aura in sich auf- nimmt, die sich durch die Gebete dort bildet und an alle Gegenstiinde, besonders natiirlich an das Kultbild anhiingt. Ich selbst habe in *) Mankann sagen, das Hatha-Yosa festigt das niedere Ich, also den Egoismus. Wenn dies nicht gefestigt ist, entscht leicht Furcht und Angst, daher wendet sich die Seele an eine hdhere Macht. ,,.Die Furcht des Herr ist der Weisheit Anfang.” Olt ist es eben auch weniger Furcht vor Gott als vor den Ubein der Welt, dic weibliche Seelen zur Verzweiflung und damit Gott in die Arme oder ins Kl treiben. Auf der Grenze beider Arten stchen die BuBiibunyen, Asketentum, Ceise- lung usw., die friiher eine so groBe Rolle gespielt habeu. Man konnte daher drei Stuien anuelmen: natiirliche durch Hatha-Yoga, tbervatiirliche durch Mystik (Raya-Yoga) und gittliche durch Erkenntnis, dal das Ich die Gottheit enthilt und deshalb freiwillig aus Liebe auisteigen soll (Theosoplie); also entspriichen den beiden letzten Phasen das Christentum und das Indertum (at twam asi, alam Brab- ma_asmi). getordorecurch http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0180 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 177 — Lourdes meine Beobachtungen gemacht und gebe jenem Priester aus der Bretagne ganz recht, wenn er sagte: ,,Man fiihlt sich hier ganz anders wie wo anders; die ganze Atmosphiare ist verschieden.* Das sind Aetherschwingungen, die am Orte haften und ihn machen. Eine Einwirkung aus héheren Spharen, wenn dic nétige Auf- nahmefihigkeit, Glaube, Liebe und Hoffnung vorhanden ist. Der Glaube ist des Wunders liebstes Kind". Er durchtrankt den ganzen Kérper und macht ihn stark, wahrend der Zweifler schwach bleibt. Raja-Yoga beruht auf-Glauben. Wer nicht glaubt, kann nicht die feineren Schwingungen aufnehmen. Deshalb ist eine Religion so notwendig, ja mancher Fanatiker kann GroBes leisten, auch wenn er die absurdesten Dinge sich einbildet. Man lese die Geschichte der einzelnen Sekten der Religionsverfolgungen und der revolutioniren Bewegungen, und man wird staunen iiber diese gewaltige Macht, die zwar keine Berge versetzt, aber die Menschen in wunderbarer Weise stirkt. Die Wirkungen beruhen auf unbewuBtem Raja-Yoga. Die Seele steht mit dem ganzen Universum in Verbindung und zieht die kosmischen Krafte an, die ihrer Willensrichtung entsprechen. Es gibt 4 Arten von Aether, von denen jeder eine bestimmte Aufgabe hat. Die alten Mythologien sprechen in symbolischen Ausdriicken davon, wenn sie etwa von der himmlischen Kuh reden u. dergl. Denn dic Alten sahen, weil sie hellseherisch waren, die Aetherarten in groBen Gestalten, die ihnen wie ein Riese oder wie ein Tier erschienen, wie der Ozean oder das Feuer. Kein Wunder, wenn man daher von Reifriesen hért, von Wolkenkiihen, Widdern, Stieren, Léwen und ahulichen phanta: hen Bezeichnungen. Wenn die griechischen Hylozoisten das Urelement an- gaben, sprachen sie von Wasser, Luft oder Feuer, aus demselben Grunde, wie die Germanen vom Riesen Ymir oder der Kuh Audumen Sie erkannten als Dichter, was sie sehen konnten, einen Stoff, der ihnen, ie nachdem fliissig oder feurig oder gasférmig erschien, was ganz det Wahrheit entspricht. Diesen Stoffen aber entsprechen aknliche im menschlichen Or- ganismus, soweit der Aether in Betracht kommt. Daher spricht auch Heraklit von den verschiedenen Arten der Seelen, je nach der Misch- ung yon Wasser und Feuer. Charakter und Temperament wird da- durch bedingt. Ein feuriges Temperament verfiigt iiber eine ander Actherart wie ein phlegmatisches — womit ja auch die indische Lehre yon den Tatwas zusammenhiingt. Je nach der Beschaffenheit nun der Seele, d. h. richtiger der Grundstoffe, die sich allméhlich um das Ich gelagert haben, zieht man Nahrung aus dem unendlichen Kosmos. Dies ist Yoga, wenn es syste~ matisch geschieht. Wir haben im Gegensatz zu den Alten freil Zentralblatt fir Okkultismus. VIII. Jalrg- 3 http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0181. © Universitatsbibliothek Freiburg verabsiumt, weshalb der moderne Okkultismus allméhlich das Ver- lorene wieder zuriick zu erobern sucht. Die Zukunft der Kirchen wird wesentlich davon abhiingen, dali sic sich mit Eifer und Erfolg auf dieses Gebiet werfen und den einzel- nen Menschen angeben, was sie zu tun haben, um die Actherarten auszunutzen. *) Der Katholik ist in einer gliicklicheren Lage wie der Protestant. Letzterer kat im allgemeinen ungefiihr die Vorstellung des alten Testamentes, daB ,der liebe Gott iiber den Wolken thront, sich manchmal, wenn es ihm zu arg wird, in das Weltgetriebe einmischt, daB aber, wie es die moderne Wissenschaft angibt, sonst alles nach ewigen Gesetzen sich entwickelt. Der Katholik nimmt im Gegensat: dazu geheime Gebiete an, mit denen wir in Verbindung stehen. Da- her legt er auf Weihen und Aehnliches so groBes Gewicht. Er erkennt, daB hinter der sichtbaren Materie eine unsicktbare ist, wenn er z. B. vom ,,Element des Steines“ spricht. Er kann also leichter dazu kommen, Raja- und Hatha-Yoga zu kombinieren. Yoraussichtlich wird man spéater in Kléstern von geschulten Monchen wahre Wunder- kuren machen sehen, wenn die Kirche einmal erkannt hat, um was es sich handelt. Heute ist sie von der richtigen Erkenntnis noch weit entfernt. Ich will ein Beispiel anfiihren. Wenn heute ein Besessener die Hilfe der Kirche anruft, kann, wenn es der Bischof erlaubt, der Exorzis- mus angewandt werden. Allein dieser ist eine gefiihrliche Wafie. Unter Umstinden kann, wenn er wirksam ist, der Patient sterben, weil das Austreiben der Dimonen den Organismus zu sehr angreift. Hier wiren vorhergehende vorbereitende Hatha-Yoga-Uebungen angezeigt. Das Fasten ist z. B. eine solche, und die katliolische Kirche hat recht, dabei zu bleiben. Aber erst, wenn sie herausgebracht hat, wie man die Aetherarten nutzbringend anwendet und so etwa den Damonen den Schutz entzicht, wird sie vollen Erfolg haben. Das Fasten schwicht sic begreiflicherweise, da sie sich durch den Acther- teil der Nahrung stirken; abcr wenn sie stark angegriffen werden, geben sie sich auch mehr Miihe und kénnen sehr unangenehm werden, Mancher leidet heute, er wei nicht wodurch. Alles, was er an- fangt, hilft ihm nicht und er ist in allem erfolglos. WéiiBte er die rich- tige Art des Yoga-Trainings, kénnte er bald aufatmen. Die Aerzte miiBten anfangen, mehr Seelendrzte zu werden und miikten Okkultismus studieren, wie seinerzeit Paracelsus *) Das beste Werk iiber den Gegenstand ist das Lehrbuch zur Entwicklung der okkulten Krdfte im Menschen von K. Brandler-Pracht. Wer den Inhalt weiser Werke in sich aufnimmt und entsprechende Uebungen mit Vorsicht macht, wird gewift seine nicdere Natur allmablich in die Gewalt bekommen. Freilich lren meiner Ansicht nach dazu noch Andachtsiibungen, um ein Cle gewicht herzustellen, Als solehe meine ich die katholischen Andachten, Te getordorecurch http://dl.ub.uni-freibura.de/diglit/2b_okkultismus1914/0182 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 170 — und van Helmont, spiter Franz Hartmann, der eines Denkmals vielleicht wiirdiger wire als mancher der hochgelehrten Physiologen, die von iibersinnlichen Dingen nichts wissen und nichts wissen wollen, die entweder materialistisch sind oder dem grébsten Pantheismus, vulgo Monismus, huldigten, die aber von der Laienwelt hewundert und verehrt werden.*) Es ist ferner verstindlich, daB sich dic Materie innerlich ver- aindert, wenn sie von menschlicher Aura (vom Willen) bearbeitct wird. Hat jeder Mensch eine geistige Atmosphare um sich geschaffen, dann reagiert sie auch entsprechend. Jeder wei, welchen Unter- schied es fiir ihn macht, ob er einen Gegenstand beniitzt, den er lange gebraucht hat und der infolge dessen mit seiner Aura durchtriinkt ist, oder einen von fremder Aura bearbeiteten. Es ist begreiflich, daB unsere Vorfahren etwa auf ihr Schwert so gtoBe Liebe richieten und, wena sie starben, dasselbe auch im Jen- eits haben wollten. Ich vermute, da8 eine solche Waffe durch die darauf wahrend langer Zeit gerichteten Gedanken auch itherisch im Jenseits noch lange vorhalten konnte. Denn die Liebe starkte sic. Auch dic Zauberschwerter, wie der Tyrfing und alnliche, hatten ihre Wirkung durch die Wiinsche der Trager und die Verehrung der ande- ren. Nicht umsonst wurden auch heilige Speere der Gétter (d. h. doch wohl vergitterte, initiierte Menschen) in den Heiligtiimern oder Hei- ligen Hainen aufbewahrt, die von den Priestern im Kriege feierlich erhoben wurden und den Sieg brachten. Ihre Aura war machtig, wie heute cine hdlzerne Madonnenstatue an cinem Wallfahrtsort. Auch der Zauber, der sich an die Feldzcichen, Feldgeschreie usw. bis heute ankniipft, basiert darauf. Wenn es von den Angelsachsen z. B. heift: wordum and bordum ahéyon herecumbol, ,,mit Worten und Schilden erheben sie das Heerziehen“, so war dies gewissermafen ein reli- gidser Akt. Es war Hatha-Yoga und Raja-Yoga zugleich, Denn durch das Anschlagen der Schilde und das Rufen des heiligen Namens wur- den starke Schwingungen und Acthergebicte hervorgerufen. Die Mantrains beruhen ja alle darauf. Noch in der Bibeliiber- setzung des Ulfilas erkennt man allenthalben Mantrams, Zauber- *) Durch Anwendung des Acthers miiRte man so ziemlich alle Krankheiten heilen kénnen; aber erst milBte Aerztestand und Priesterstand wie im Altertum wieder eine Einheit bilden. Man sollte mit der Errichtung neupsychologischer Sana torien beginnen, wie sie Surya (Georgievite-Weizer in Graz) in seinem Er giehungsroman ,Moderne Rosenkreuzer® verlangt. Dieser Roman (bei Altmann in Leipzig erschienen) ist sehr gecignet zur Einfiihrung in die Heilung durch okkulie Mittel. Man hat auch Aetherstrahlapparate eriunden, die die Aetherstrahlen auffangen sollen und dic man in der Nahe des Bettes aufhiingt, resp. mit denen man Siriche ther den Kéiper macht. Ein solcher Apparat ist vom Erfinder H. Ot tin- wer in St. Gallen (Schweiz) zu beziehen. Ein andrer ist ,Radynamo™. 13* http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0183 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG priiche, die eine mystische Wirkung damals haben muften, weil dic Tone, richtig gestmgen, auf den Aether wirkten. Wir sind heute dagegen mehr abgestumpft; aber vielleicht is die Zeit nicht mehr iern, wo man eine richtigere Erkenntnis der Vor- giinge im Klangather haben wird. Mazdaznan hat mit seinen Harmonieiibungen ganz richtige alte Gepflogenheiten wieder ein- geltihrt, die in den alten Mithrasmysterien eine Rolle spielten. Das ist Hatha-Yoga. Der katholische Priester singt die alten Psalmenténe und alle ieierlichen Mantrams in festgesetzter Weise und erzielt dadurch eine gewisse Harmonisierung der Aethermassen im menschlichen Kérper. Ein groBer Redner bringt dieselbe Wirkung fertig. Ich habe selbst Neger aus dem innersten Afrika Mantr singen horen, die sich der Melodie nach in nichts von dem Singen der katholischen Geistlichen unterschieden.*) Der Unterschied also zwischen den beiden Arten von Yoga be- steht darin, da® der eine sich mehr an den Aether wendet, der andere an hoéhere Gebiete. Beide setzen aber einen gewissen Glauben vor- aus. iehung zum Glauben mii®te eine Hauptauigabe der Zu- kunft sein. Der Magier beherrscht durch seine Stéirke hohere Gebiete, aber der Laie mu8 glauben. »Dies ist cin Wunder, glaubet nun! heift es ja wohl im Faust. Unser Skeptizismus’macht schwach und krank, weil er keine innere Harmonisierung herbeifiiiren kann. Die Molekiile aber miissen har- monisch schwingen; Disharmonie ist Krankheit. Bes tigung von Krankheiten ist nar méglich durch Herstellung der Har- monie, Dies geschieht durch richtige Anwendung von Prana (Ga Llama). Das Geheimnis derselben wuBten friiher gewisse alte Priestergeschlechter. Heute wird es allmahlich enthiillt und damit cine véllige Um- wilzung bewirkt. Hatha-Yoga kann aber zur schy en Magic fiihren, wen das Ich nicht geliutert ist. Daher ist Vorsicht geboten. Die meisten der aus Amerika stammenden Vorschriften sind sehr be- denklich, weil sic auf ,Andacht* yerzichten, d. h. auf Religion, Ihr Erfolg im Publikum ist noch kein Beweis fiir ihre Giite. Manecher wird durch sie gliicklich und erfolgreich, aber mit der Zeit *) Jeder Mensch hat einen Grundton, den er kennen lernen muy er entspricht dem Tone eines Tierkreiszeichens, Die Harmonicithungen von Mazdaz- nan (wortiber man das trefiliche Buch von Detley Schulz nachlese) geben an, wie man durch bestimmie Intonierung der Vokale gewisse Wirkungen erzielt. Jedem Lant entspricht ein Gefthl, z. aunen usw. Es ist klar, daft solche systematisel: hetrichenen Uebungen Wirkungen erzeugen kénnen. In den Mysterien des Mithras urden alle miglichen ‘Tone von den Mitfeiernden angewendet. Man wird vielleicht bald wieder zu jhnlichen Feiern zuriickkehren, wenn man ihre Nitzlichkeit er- kannt hat. http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0184 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG = i = stellen sich starke Versuchungen cin, denen das nicht gelituterte Ich auf die Dauer nicht gewachisen ist (wie im okkulten Roman von Bul- wer ,,Zanoni* dargestellt wird). Demut ist daher cine Hauptbeding- ung des schlicBlichen Erfolgs. Wer glaubt, auf eigenen FiiBen zu stehen, der téuscht sich of Wer aber demiitig, fromm aufschaut zu ctwas Héherem, vor dem er sich beugt, der ordnet seinen inneren Rhythmus in verniinftiger Weis im Einklang mit dem Weltenrhythmus. Der Egoist idillt stets mit der Zeit in die Schlingen biser Kriifte.*) Wic es zwei Arten von Yoga gibt, so gibt es zwei Arten vou Ich, das kleine egoistische und das hélicre. Beides entspricht sich. Der Egoist schwingt gegen die Welt und der Altruist mit ihr. Der Idealist aber ist seiner Zeit voraus. Er ist am fibelsten daran, weil er meist gegen den Strom schwimmt und dadurch in Disharmonie mit seiner Umwelt komt. Aber er hat das Bewuftsein, da8 er auf einer hGheren Ebene schwingt und dab, wenn sein kleines Ich auch unterliegen sollte, doch das GroBe und Unsterbliche in ihm weiterlebt. Und so kann man zum SchiuB sagen, da heute die verschiedenen sich be- impfenden Richtungen zusammen die Wahrheit ergeben: man soll Hatha-Yoga treiben, aber dabei das kénigliche Yoga nicht vernach- gen. Man kann seinen physischen Kirper trainieren, aber man soll seine inneren K6érper ebenfalls systematisch iiben; man soll aber auch den héchsten Teil der Seele ausbilden durch Religion. Wer den Christusgeist in sich aufnimmt, der hat auch alle Kriifte der Natur. In Christus allein war volle Harmonie. Durch ihn kommt man zum groBen Unbekannten, den man Gott nennt. Wenige haben ihn erkannt. Aber die Wenigen haben in iiberschwengliche: Ausdriicken von ihm gesprochen. Die Vercinigang mit ihm geschieht aber durch Andacht, und von ihr sagt die hl Therese schon: »Wer Gott hat, dem fehlt nichts, Gott allein geniigt” ) Anfiingern im geistigen Leben empfehle ich die Uebungen, die ich in meiner kleinen Schrift gebe: ,Grunderfordernisse zum Studium der Geisteswissenschait™. Gut zu gebrauchen ist auch ,,Die magische Sieben yon Bondegeer, Uebungen findet man auch in meinem .,Aufstieg zur Gralsburg™ (Neue Lotusbliiten"), ferver in Steiners tefilicher Schrift .Wie erlangt man Kenntnis héherer Welten?", Hanisch, ,Atemiibungen* und ,,Wiedergeburt* M. Collins Wenn die Sonne nordwirts eeht', in den Werken von Ker ning, und den sogenanuten ,Lebeusbiichern® (Verlag von Engelhorn in Stuttgart), von Trine. Marden usw.; Pataujali: Yoga-Aphorismen, o°o 0 http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/zb_okkultismus1914/0185 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 182 — Die okkulte Bedeutung der Edelsteine. Von M, Lorenz, TIL, Griiner als alles Griine ist der Smaragd! Also spricht ein alter Magier in seinem sicbenfach versiegelten Buche! Das Griin des Smaragds ist griiner als irgend etwas Andres auf der Welt. Griiner als die Matten der Schweizer Alpen, griiner als das junge Laub, griiner als die hellgriinen Hopfenranken und griiner als der griinc Rhein an sonnenhellen Somimertagen! Dieses Griin aber ist nicht gleich da, — langsam, nach und nach entsteht es durch tausend und abertausend Jahre! Der Smaragd wird tief im SchoBe der Erde weil} geboren, und je mehr durch Umwiil- gungen im Erdinnern er der Oberiliche nahe kommt, je melir die Warme der Sonne bis zu ihm zu dringen vermag, desto griiner farbt er sich. Darum sind die Steine des Aequators griiner wie die aus Rufiland. Gefunden wird er schon als lewchtendes Prisma, und der Jinwelier kann nur eine Form geben, die dem schénen Sechs- eck entsprechen muf. In alten Zeiten galt der griine Smaragd seiner Farbe wegen als Augenheilmittel. Man legte kleine Perlen aus echtem Smaragd bei Entziindungen in die Augenwinkel, und bald war der Kranke geheilt! Als Amulett gegen Fallsucht und Kriimpfe ist noch heute der Sinaragd bekannt. Auf der Brust getragen schiitzt er vor dreitiigigent Weclisel- fieber, benimmt nervése Angstgefiihle, und... . mildert bissigen Humor! Auch gegen Dysenterien ist er cin Universalmittel, und schon sein licher Anblickt stillt das Blut bei Wunden und Ver- letzungen. Jedenfalls soll man ihn auf die Wunde legen, und die von ihm ausgehende Kihlung wird sich bald bemerklich machen, — In kleinen Kérnchen eingenommen wirkt er auch giinstig auf H&amor- rhoiden. — Ganz wunderbar ist die Wirkung des Smaragds auf die Giemiiter. — Gibt ein Liebender seiner Braut einen Smaragdring und wird er ihr untreu, so wandelt sich die Farbe des griinen F i das Fahlbraun welkender Herbstblatter. Heulende Gcister w: von dem Stein dem Treulosen in den Aetherraum nacii- geschickt. ~~ Kann er seinen Trager nicht vor Unheil schittzen, so zersplittert der Stein in seiner Verzweiflung in tausend Atome. — Hierzu zwei Beispiele, davon das erste selbst erlebt ist. Wir schicken voraus, dafi die in Brasilien gefundenen griinen Turmaline auch als Smaragden angesprochen werden. Sie sind stark magnetisch und haben die Geheimkraft, vor Gott und Menschen angenelim zu machen. Wenn man sie reibt, zichen sie sowohl Léselipapicr wie Eisen und http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0186 = © Universitatsbibliothek Freiburg — 183 — Federn an. Folgende Angelegenheit hat uns persénlich von dem Vor- handensein okkulter Krafte, oder doch wenigstens von Zusammen- hangen unerklarbarer Natur kréiftigst tiberzeugt. In cinem befreundeten Hause lebte cine sehr schéne und hoch- begabte jumge Dame, ihre Eltern waren gestorben, als sie ein kleines Kind war, und ihr Vormund hatte sie damals schon in sein Haus auf- genommen. Sic hatte verschiedene padagogische amina gemacht und eine angenchme gesicherte Staatsstellung erhalten. Durch Ver- mittelung cines Kollegen erhielt sie die Nachmittagsstelle einer Er- icherin im Hause eines vornehmen Bi der seiner beiden Tochter wegen nach Europa gekommen und fiir einige Jahre in der Stadt ansissig geworden war, in welcher die Dame lebte. Er selbst fuhr alle Jahre wieder einmal in seine Heimat und belie8 die Kinder unter dem Schutze seiner Schwester in der Stadt. Der Mann, der in seinem Lande eine hohe Stellung einnahm und den Titel Excellenz fiilirte, verlicbte sich sofort in die junge Erzieherin. Sie war kaum 20 Jahre alt, sehr hiibsch, sehr wohlerzogen und sehr charaktervoll. Alle seine Nachstellungen und Verfiihrungskiinste scheiterten an ihrer Festigkeit, trotzdem auch sie den Verfiihrer sehr lie) gewonnen hatte. Als er einsah, da bei ihrer eisernen Ehrenhaftigkeit fiir ihn keine Aussicht war, scin Spiel zu gewinnen, versuchte er es, indem er sich unter heiligen Eiden mit ihr verlobte, vorléufig, wie er sagte, bis er von der diesjihrigen Reise wiederkime, heimlich. Dann wollte er bei ihren Verwandten um ihre Hand anhalten. Bei diesem Verlibnis gab er ihr einen altertiimlich gefaBten goldnen Ring mit einem hell- leuchtenden Smaragd und sagte ihr: ,,So lange du diesen Stein hast, bist du meiner Treue sicher!“ Er selbst trug den gleichen Stein in einer Kravattermadel. Beide Steine waren friher eins gewesen, aber von ihm durch einen Juwelier geteilt worden, da ein so groBer Stein ihn nicht gefiel. Mit stiller Zuversicht und heiBer Liebe trug sie den Ring, und keine Stunde verging, wo sic des Heifigeliebten nicht in Trewe und Hingebung gedachte, wihrend er iiber den Ozean fuhr und in seinem Lande fast 1'/. Jahr blieb. Die Téchter waren in ein franzésisches Pensionat geschickt worden, und dic Schwester des Mannes mit ihrer alten Mutter nach Paris gezogen. Mit jeder Auslandspost erhielt sie Briefe von dem Freunde, oft Bilder, Schmuckstiicke und Ansichten der kiinitigen Heimat, ja sogar den ausfiihrlichen GrundriB des Hauses mit der Bezeichnung der Zimmer, die sie als seine Gattin bewohnen wiirde. Endlich nach 19 Monaten der Trennung kam die Drahtnach- richt, da® er in Lissabon angelangt sei, sich nach Paris begeben wiirde, und nach Riicksprache mit Mutter und Tochtern kiime und dic Hochzeit vorzubereiten sei. Freudestrahlend eréffmete die Braut nun ihren AngehGrigen und http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0187 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 184 — guten Freunden ihr Gliick. Alle Papicre, dic Aussteuer wurde bes denn am 16. Juni sollte die Vermihlung stattiinden Ihr Verhéiltnis zu ihrer Schule hatte sie bere’ auf des Mannes ausdriickliches Verlangen gelést. Als der Mann in Paris ankam, bekain die Braut die Nachricht. Am Abend jcnes Tages ging sie mit ihrem Vornund aus. be- suchiton cine befreundete Familie und machten mit dieser einen Spaziergang, wobei Iebhait von der bevorstchenden Hochzeit die Rede w Kurz che das iunge Madchen aus dem Hause ging und sich di Handschuh anzog, sah sic noch einmal mit Zértlichkeit auf ihren Ver- lobungsring, dessen griiner Stein ihr ganz besonders hell zu strahlen seliien. — Den ganzen Weg iiber dachte sie an dies Leuchten und sprach auch davon zu einer ihr sehr licben Verwandten. Heimgekelirt schloB sic die Haustiir auf. zog dabei zuerst am ganzen Abend den huh aus, — wie entgeistert lic sie den Schiiissel fallen, die ssung des Ringes war leer... - der Smaragd verscawunden. Sie drehte den Handschuh um und um, sie gingen noch cinmal den Weg zuriick, sie kelirten in der Wirtschaft ein, wo sie ein Glas Bier ge- trunken hatten, nirgends fand sich der Stein! ! — Und er fand si nie mehr. net, im Jahre vorher ich Aber andern Tages kam cin Brief des anders besonnen und die Verlobung Wir fiigen dieser nackten Tatsache nichts hina. Es ist cine all- tagliche Geschichte, aber das Verschwinden des Steins ist doch so wunderbar, daB man iiber diese Zusammenhiinge und Verbindungen doch stark zum Nachdenken gereizt wird. ine andre verbiirgte Tatsache, bei der sich cin Smaragd in Atome auiléste, wurde uns vor Jahren von cinem Nachbar mitgeteilt, der dic Sache erlebt hatte. Schuftes .... dal er sich als gelést zu betrachten sei! Damals standen wir allen okkulten Dingen schir skeptisch gegen- iiber und zuckten die Achseln fiber solche ,,Geschichten, — nach- gerade aber hat man doch erkennen gelernt, daB es vicle Dinge gibt, die sich nicht cinfach abtun, weil vor ig nicht erkliren lassen! Ein siiddeutscher Edelinann besa8 cinen Siegelring mit cine wundervollen Smaragd, in einer Ecke des Steins sah man schein- bar eine kleine defekte Stelle. In Siegellack gedriickt und mit der Lupe betrachtet, erschien an dieser Stelle cin ganz wunderbar kiins lerisch geschnittener Jiinglingskopf von klassischen Formen, Der Edelmann hatte oft erklart, wer ihm ein Dokument vorlege, mit diesem iegel unterfertigt, der bediirfe der Namensunterschrift des Herm nicht, dies Siegel gelte ciner Handschrift gleich, da er sich nie von dem Kleinod trenne. Nun starb der Edelmann plitzlich, nur sein Diener war bei ihm, seine Séhne beide der Heimat fern. Eine Eilnachricht rief sie herbei, http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/z>_okkultismus1914/0188 alee © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 18 — und sic fanden den Vater schon aufgebalirt auf dem Paradebette licgen. In dem tiberwiailtigenden Schmerze des plétzlichen Trauer- falles achicten die beiden Jiinglinge nicht darauf, daB an der Hand des Toten der Smaragdring felilte. — Der ungetreue Diener hatte ihn ab- gezogen, mit Hilfe cines Winkelkonsulenten cin Testament zu scinen Gunsten angefertigt und mit dem Siegel, von dem er wuBte, dab es den Erben gleich einer Unterschrift giilte, unterstempelt. In dem Drange der Ereignisse hatte der Diener aber verabsdiumt, den Ring wieder an den Finger seines toten Herrn zu stecken. Einer letztwilligen Verfiigung nach sollte das Testament des Verblichenen vor der Beisctzung eréffnet werden. Die Sihne und Briider sowie alle Freunde uid Verwandte, die zur Beerdigung ge- kommen waren, versanunelten sich in cinem Zimmer neben den Saal, wo die Leiche aufgebalirt im offenen Sarge lag) — Der Diener beniitzte die Zeit, wo sich alles im Nebenraum befand und der Ver- lesung des Testaments wartete, um den Ring doch noch wieder an den Finger seines toten Herrn zu praktizieren, --- Als er sich heran- schlich und die Hand ergriff, fiihlte er, da® dicse Hand weder starr noch kalt war. --- trotzdem suclite er mit bebenden Fingern den Ring an scinen Platz zu tun. Da richtete sich der Tote, der nur im Sta krampf gelegen hatte, plétzlich auf und sah den entsetzten Dien dessen Haare sich striiubten, an, — der Diener fiel mit gellendem Aufschrei zu Boden, dic Herren nebenan hatten diesen Schrei gehért und stiirzten herein! Nun erklarte sich alles, und das gefiilschte Testament wurde vernichtet, der Diener zur Bestrafung gezogen und der wiedererwachte Tote in sein Bett getragen. Als alles in Ordnung war, betrachtete der Wicdererstandene seinen Ring, — und gewalirte, der Stein war in Atome zerfallen. -- Eine Stunde spiiter starb der Edelmann ‘nun wirklich! Der Smaragd hatte sich aufgeldst, da scine Gegenwart den Erben nur Unheil bringen konnte, weil das Geheimnis des Sicgels einmal bekaunt geworden war. Es sei hier ganz besonders betont, daB man allen okkulten und mysteriésen Dingen gegen- tiber cin unverbriichliches Schweigen bewahren soll, wenn sie zum Heile und 2u dem Zweck fiihren sollen, den man von ilnen erwartet. Die Rémerinnen trugen Smaragden als Halsbinder mit echten Perlen zusammen zwischen goldenen Ornamenten. Es sali wunder- voll aus, hatte aber daneben den Zweck, vor Schmerzenstrinen sicher zu machen; denn der Smaragd hob die Kraft der Perlen, Schmerzens- triinen zu bringen, aut. Man glaubte auch, dass eine weitere Eigenschaft des Smaragds darin bestehe, Geburten zu erleichtern und bése Geister auszutreiben. http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0189 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 18 — Auch gegen Schlaflosigkeit und gegen schwere Tréume ist es gul, einen Smaragd auf der Brust zu tragen. Die Kénigin Alexandra von England besitzt cine Pariire von Smaragden, die an Schénheit nicht ihresgleichen haben, und ihre Tochter, dic Kénigin Maud von Norwegen, hat 100 Smaragden von bedeutender GréBe in ihrem Besitz, die als Brustgarnitur gedacht sind, aber beliebig verteilt werden kénnen, Viereckige Smaragden sind die neueste Modetorheit der Amerikanerinnen, die sie als An- hanger tragen; dabei wird mehr auf die Grote als auf die Reinheit des Steins geachtet. Smaragden sind dic dem Heiligen Apostel Johaines zugehdrigen Steine. Also sind sic die Schutzsteine aller, die diesen als Schutzpatron haben. (Fortsetamg folgt.) Ein paar Worte zum Dunkelhaar und Braunauge der Germanen. Von Karl Heise. (Fortsetzung.) Die verschiedentliche Einkérperung der Seele in einer ,.fremden* Rasse wird nicht selten auch bedingt durch den Mangel an ge- cigneten (d. h. scelisch-geistig entsprechenden) Eltern inner- halb der Rasse, dcr die Seele, die sich gerade einkérpern will oder mug, innerlich eigentlich am nichsten stiinde. Die Secle, die sich neu einkérpern will, ward schon in undenklichen Vorzeiten — da die Erde noch gar nicht war, als was sie heute erscheint — auf cine ganz bestimmte Rassengrundnatur abgestimmt (pridestiniert), und in den Hochgraden der alten Mysterien ist dies auch den Auserlesenen ent- hiillt worden. Es lagen ganz bestimmte innere Strebungen (Tenden- zen) in den einzelnen Menschen-Ichen, und diese lieBen und lassen sich auf ganz bestimmte planetarische Durchkraftungen zuriickleiten. Schon in den ,,Urtagen“ der Erde schieden sich Menschengattungen (Gruppen) in der Weise von einander, als die einen nach diesem Planetenwesen, die andern nach anderen Globen unsers Sonnen- systems héchst geheimnisvolle Verbindungen fanden. Mit der Zeit wirkten diese planetarischen Durchkraitungen immer tiefer in den materiellen (physischen) Menschen, sie gaben ihm Form und Gehalt. So gab es anfangs nur wenige, aber streng von einander geschiedenc Rassenformen, und erst sehr viel spater, als die Ra: kiirlich durchbrochen wurden und durch Mischehen sich die Ra in der yon den hohen Eingeweihten nicht gewollten Weise kreuzten, entstand jene Vielgestaltigkcit, deren Frucht das Rassengemisch (Konglomerat) von heute ist. Damit freilich wird bewirkt, daf der Mensch heute planetarisch’ vielseitig durchtrénkt (beeinflubt) wird, getordorecurch http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0190 © Universitatsbibliothek Freiburg — 187 — und obschon noch heute ein Jeder einem bestimmten Planeten beson- ders zugeeignet geblieben ist — néimlich seinem ganz speziellen Ur- Planeten —, wirken doch nun alle Planeten unseres Sonnensystemts durchaus gemeinschaftlich an seinem inneren und auBeren Wesen. Auf diese Tatsachen nehmen die modernen Rassenthcoretiker nich t Riicksicht, weil sic cinmal davon gar nichts wissen, oder weil sic iede okkulte Lehre iiber den Ursprung des Menschengeschlechtes von vornherein verwerfen, und zwar, ehe sie sich die Miihe genommen haben, auch nur cinen einzigen Satz aus der okkulten Psychologie zu priifen. Was nun die Germanen betraf, so waren diese sonnenhaft beein- flu&8t. Darum vermochten sic wie dic alten arischen Parsen gar wohl die hohen geistigen Kriiite oder Wesenheiten (Gétter oder Asen) hinter allem sichtbaren Geschehen, zu erkennen. Und weil sie vicl Sonnengold in ihr Wesen verwoben fanden, war ihr Charakter auch goldlauter und klar und goldblond der herrliche Schmuck, der ihr Haupt umrahmte. Des Himmels reine Blaiue aber spiegelte sich im germanischen saphirfarbenen Treuauge wieder.*) Gleichnis der Sonnenhaftigkeit des Germanen war auch sein Kultus des heiligen Feucrs, und Sieg- mund-Sigurd-Siegfried war der grofe Adept der Sonnenmysterien, der den Baldur oder Sonnenlogos (Sonnengeist) und dessen groBen Einflu8 auf das Menschengeschlecht den germanischen Edlen (dem yAdel“) verkiindete. In den zwélf Zodiakalzeichen sich bewegend, verleiht die Sonne aber auch heute noch allen den germanischen Somnentypus, die sich dem Sonnenszepter unterstellen (wenn auch in ctaws abgeschwiichtem Mae). Nach Brandler-Pracht**) gibt dic Sonne in fast allen Stellungen im Tierkreis ihren Erwahlten hiibsche Hautfarbe,ovales Gesicht,den Lang- oder ,,dolichocephalen” Schiidel***), *| Es gibt nicht nur den hell- und dunkelblauen, sondern auch den gelben Saphir, der recht zum ,goldbraunen Auge des deutschen Koniysarmanen Dietrich von Raver paBt. Von allen dreien aber weif die Tradition und die Beobachtung. da8 sie eire innige (seelische) Bezichang zum Herzen des Menschen eingelen, so- bald gewisse Vorbedingungen erfilllt sind. Fine allzustark und heftig sich erregende Herztitigkeit wird durch solchen Talismann besanftigt. Dies gilt sowohl fiir das physische als auch fiir das ,seelische* Herz, Physisch werden so auch Herzleiden gemildert, der imerliche Mensch aber wird dureh den Saphir zur Milde und zum Seelenfrieden gestimmt. Und der alte Germane zeichnete sich im Gegensatz zim heutigen ,.Zweidrittelgermanen” durch einen grofen inneren Seelenreichtum {Seclenirieden) aus. ) Astrologische Bibliothek Il, S. 94f, Es wiire cin Leichtes, auf die Schédelbildung (hypsizephale) oder Hoch- sehiideliorm hezw. auf die orthozephale oder gemischte Schiideligkeit oder gar auf die Niederschiidelixkeit (Clamiizepbalitét) und aui ihre Ursachen, die in den ver- hiedenen Einkérperungen ihrer Triger zu finden sind, cinzugehen, aber das Lang- gesicht (Leptoprosop} und die Hochhihligkeit Uer Augen (Hypsikonchie) sind so http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/zb_okkultismus1914/0191. © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 188 — der das vornelimste Adels- oder ,,Kasten“zcichen des Ariogermanen immer bleiben wird, dazu wollgeformte Gestalt entsprechend dem goldenen Schnitt, blondes oder doch lichtbraunes Haar, grobe blaue oder noch graublaue leuchtende Sonnen- augen, Mag nun also die Sonne an ihrer heutigen Durchkraftung des Germanen auch schwiicher geworden sein, so geniigt doch dics »Wenige™ immer noch, den alten Satz des weisen Tacitus tief in der Seele sich zu bewahren als ein die Lebenspfade zu erleuchtender Walhrspruch, der zum Walilspruch eines jeden Ariogermanen werden miéchte: Ich bin iberzeugt, dal die verschiedenen Stiimme Ger- maniens .. . ein besonderes .. . Volk bilden, welches nur sich selber gleicht.*) Es wurde gesagt, dab dureh den Mangel gecigneter Eltern in der Rasse die Einfleischung in ciner an- dernRasse nétig wird Wenn sich z. B. cin passendes Elternpaar nur in ciner andern Rasse vorfindet, — und die Seele treibt es immer nur za einem Elternpaare, zu dem sie in fritheren Vorleben bereits irgendwelche Bezichungen gehabt hat —, so kann die betreffende Secle gar nicht anders, als in der fremden Rasse sich selber ,.zu opfern". Und es kann sein, dai das Elternpaar sell hon ein ireiwilliges oder auch unfreiwilliges Opfer brachte damit, daB® cs sich in die fremde Rasse hineinsenkte. Es kann aber auch solch eine ,,rassisch umkérperte™ Seele auf der Suche nach einer Geschwisterseele die ,fremde* Rasse bevor- zugen. Wenn z. B. sich zwei Menschenwesen in fritheren Leben sich besonders aneinander gekettet ftihlten (durch Liebe, aber auch durch deren Gegenteil), und wenn nun die eine yon beiden aus irgend welchen Griinden (z. B. um eines Opfers willen) zur Fremdrasse ten- dierte (in ihr sich cinileischte), so folgt ihr dic zweite Secle infolge dieser magischen Verkettung in diese ,Fremdr " ce nach. Anderseits werden wir oft nur dadurch fortschrittliche Wesen, dali wir andere Wesen ,,von uns abschiittelIn“; auf Kosten anderer steigen wir hoher. Die arische Ra: stieg aus der atlantischen R mit dem blau-blonden Hocharier verbunden, wie dic Breitgesichtigkeit (Chan! prosopie) und Breithéhligkeit der Augen (Chamikonchie) mit dem gemi: rassigen, gedunkelien Germanen, dai wir davon absehen, eine anthropometri Unterscheidung zu treffen, und da® wir uns deshalb mit der Beleuchtung des hellen oder dunklen Typus begniigen. *) Chamberlain, .Grundiagen des 19, Jabriunderts*, I, S. 405. *°) Von Anton Rubinstein, dem bedeutenden jiidischen Komponisten, wurde mir versichert, daf er, trotzdem er die Oratorien ,Moses", ,,Turmban zu Babel", »Das verlorene Paradies* und die Oper ,,Die Maccabiier* schrieb, in seinem Weseu aber absolut ,unjiidisch* gefahlt habe. In solcher Feststellung lic8e sich vielleicht ein Kleiner Beleg fiir obigen Satz finden, getordorecurch http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/2b_okkultismus1914/0192 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 189 — heraus und lie — indem sie sich selbst entfaltete — die viiterliche Natur hinter sich, stieB die Atlantier von sich ab. So miissen heute wicder vicie rassisch allzu zersetzte Mitmenschen abgestofien werden, um den Wicderaufbau einer Hochrasse zu erméglichen; ein un- geschriebenes Gesetz verlangt dics sowohl um vieler geistiger als sozialer Werte willen. Alles, was vorankommen will, muB® sich — zum mindesten zeitweilig — aus einer gewissen Umgebung abtrennen, aussondern, Indem dies aber geschieht, werden die ,,Andern“ ab- gestofien. Aber diese ,,Andern“ kénnen dann auch nicht mehr den guten Einilu8 empfinden und in sich aufnehmen, der vordem még- licherweise von jenen ausging. Aus dieser ,,AusstoBung der minder Entwickelten erwachst aber dann wieder die Pflicht, daB jenc, die sich selber in Freiheit emporschaffen konnten, dann sich der Zu- riickgeblicbenen wieder annehmen. Aus dem selben Grunde haben allezeit und auch heute alle, die sich zwecks Erringung irgend einer Lebensstellung (im tmateriellen Sinne) aus der gréBeren Allge- meinheit des Volkstums oder der eigenen Familie herausgegliedert haben, die Pilicht, sich spaterhin der ,,Verlassenen“ wieder anzu- nehmen und deren geistige und materielle Versorgung und Schulung anzubahnen. Die Folge ist fiir viele Finzelne, ja fiir ganze Gruppen und selbst fiir emporgestiegene Rassen, daB sie sich spiter wieder herabneigen zu den ,,Minderwertigen* und dai sie sich in den Sippen all der einst Verlassenen wieder einkérpern, trotz und obwohl sie selber ja nun eine weit héhere Klasse oder Rasse fiir sich bilden mégen. Natiirlich ist zu unterscheiden zwischen ge wolltem Opfer und blinden Trieben, die von niederer Seite (jLuzifer’, Ahri- man“, Mephisto", .,Loki*) angestachelt werden. Aber immer wird es so sein, da auch die iuBerlichen Merkmale jener, denen sich die Héherstehenden bewut und frei oder unbewuBt und durch wiible Lust getrieben, nahen und sich in ihrer Mitte niederlassen oder gar cinkérpern, immer wird es sein, dal’ die Héheren bestimmte Merkmale und Gewolhnheiten der Niederen durch diese Vermischuny zu ihrer neuen Eigenart werden lassen, — ebenso wie wir die Spi chen, Dialekte und Sitten der Volkerschaften (Nationen) freiwillig teilen werden oder teilen milissen, mit denen wir lingere Zeit eine Gemeinschaft eingehen. So vermischen sich also die Rassen aus einer ganz geistigen Notwendigkeit heraus, und — auf die dunklen Ger- manen angewandt — kénnen die materiellen Eltern dies2r dunkel- farbigen Arier ein gleiches Gesetz auch schon erfiillt haben, womit wdie Kinder“ dann aber in verstiérktem Mafe des Blondhaares und Blauauges verlustig werden. Auf solche Weise entsteht eben auch die unschéne Breitnasigkeit (Platyrhinie). Es werden die Rassen- theoretiker also wohl oder iibel mit der Zeit all diese Momente ins http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0193 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG —~ 190 — Auge fassen miissen, wollen sie wirklich praktisch an der L der Rassenfrage arbeiten. Endlich tritt die Verkérperung in einer niedrigeren Rasse nicht selten auch als cine Strafe auf, falls namlich die Seele sich in friihe- ren Leben allzustark gegen die eigene (héhere) Rasse oder auch gegen Untergebene usw. aus niederen Rassen, wie auch gegen Tiere, allzu- stark versiindigt hat. Da wird der Herr denn oft zum Knecht und der Sklave zum Freien, und der Sklave vergilt dem einstigen Herren dessen eigene Hartherzigkeiten, Jegliche Hartherzigkeiten sind aber auch immer wieder erst Merkmale eines Rassenniedergang infolge Einstroms von niederem Blute, Denn der reine Arier war und ist immer ein Sonnenmensch an Leib und Seele! BewuBt sei daher des Germanen Opfer, wenn er sich in der Zu- kunft des ,,jiingeren Bruders“ (der schwdcheren Rasse) annehmen will, denn nur das bewuBte Opfer feit vor dam Merkmale des Rassischniedern in der Seele. Anders bleibt Hin- gabe an andere ewig das groBe Willensgeset benden Kraft in Menschheit und Weltall ... SUNY Das Ich. Anklage und Rettung. Eine Lehre der Mystik fiber Natur und Seele Von Dr. W. Bormann, (Schlus,) § 10. Fiir die herrschende Psychologie wiegt etwas so Schwebendes wie das Gebet iiberhaupt gar nichts. Ihr Bereich ist das Sinnenfillige, mit dem sie messend und zihlend experimentiert und sich ein Schema zurichret, das offenkundig fiir alle Menschheit még - lichst gleich ohne Ausnahme gilt. Ist auch nicht alles Psychische dem Experimente zugiinglich, gibt es doch ,,keinen einzigen psychi- schen Vorgang", wie Wundt sagt, ,,zu dem wir nicht einen ana- logen, in Entstehungs- und Verlaufsweise ents prechenden will- kiirlich hervorbringen kénnten, die uns seine experimentelle Beein- ilussung sichert.*) Dies Letzte aber michte gerade bei den au fer - ordentlichen Betiitigungen des Seelenlehens doch nur in diirftig- ster Weise zutreffen. Das alltiglich Gewéhnliche wird ja zum Ver- stindnisse auch des AuBerordentlichen das Seine beitragen; aber ist denn das AuBerordentliche, was im Alltéglichen nur in schwichsten Spuren begegnet, nicht das, was zur Erkenntnis des Seelenlebens in seiner umfassenden Bedeutung das mngleich Reichere beitragt? Indem die Psychologie mit leuter Endlichem sich } Wundt, Vorlesungen iiber Menschen- und Tierseele S. 12, getordorecurch http://dl.ub.uni-frelburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0194 © Universitatsbibliothek Freiburg ~ 191 — die Wege zum Unendlichen verbaut und ami fiebsten in der Alltaglich- keit stecken bleibt, gesteht man sich nicht ein, daf die innerlichen Wesenskrafte, mit denen man hantiert, fiir die Endlichkeit iiberhaupt ganzlich unerreichbar sind. Gerade Wundt schirft es griindlichst ein, daB ,,die seelischen nicht aus kérperlichen Vorgangen im Sinne einer kausalen Erkldrung der ersteren abgeleitet werden kénnen“ und daB ,.wir in der Erkenntnis dessen, was das Denken be- deutet* durch dic Untersuchung der ,,psychischen Dinge“ nicht um einen Schritt vorwirts kommen“. ,,Wie cine Bewegung zu einer Em- pfindung oder zu einem Gefiihl werden soll, das vermag‘, sagt er ferner, ,keine Mechanik der Weli versténdlich zu machen‘. Und ebenso verhalt es sich selbstverstindlich mit dem Wollen. ,,Die Zu- sammenhinge der Seele mit der Kérperlichkeit't gehéren trotzdem nach ihm ,,in die allerletzte Reihe der Psychologie’. Wird man nun deshalb alles ErfahrungsgemiBe, was uns unverschens das Riitsel dieses Zusammenhanges bestindig besonders naheriickt, absichtsvoll von der Psychologie ausschalten diirfen? Grundehrlich méchte man sein, man will nur das Sichere, tatsichlich Echte als Wissenschaft aufbauen und scheut jegliches ,,Transcendentale* wie Luftschlé Vertrigt es sich gleichwohl mit dieser Ehrlichkeit, daB man dasjenige ausschlieBt, was nicht geféallt und mit freien gréBtgerichteten Ziigen in das UnfaBbare des Ich unmittelbar hineinfiihrt? Wir werden nach unausweichbarer Logik folgern. Wundt sagt ja doch, da® das Denken und Fiillen mit keiner Kérperlichkeit und Mechanik erklar- bar, also am wenigsten Korper und Mechanik selbst sei. Wenn also nicht, dann wird doch unbestreitbar, dali Fiihlen, Wollen, Denken ich selbst etwas Anderes, mithin iiberhaupt etwas sein mtissen. Oder kann dariiber ein Zweifel bestehen? Wundt nennt den Begriff des Ich fiir sich allein ,,vollkommen inhaltsleer.“ Schon Kant hat dargetan, daf das Ich als Vorstellung und als Begriff fiir die theoretische Vernunft leer ist. Da® ihm an sich der Inhalt des Fiihlens, Wollens, Denkens felile, ist klar. Aber jedes materielle Ge- fa8, wenn es leer ist, unstreitig ist es doch etwas. Das Ich aber, das kein materielles, sondern ein héchst lebendiges Geta mit eige- nen yerschiedenen und verschiedentlichst gemischten Anlagen und Kraften ist, vermége deren es sich selbst mit lebendigem Inhalte fiillt, zeigt es etwa nicht in unvergleichbar héherem Sinne eine — freilich sinnlich unvorstellbare Existenz? Ist es nicht bei allem, was es in sich auinimmt, zwar mit Unterschied und in wechselnden Graden, aber immer selbsttitig? Ist das Ich nach Wundt ,,einzig und allein dic unsere psychischen Erlebnisse begleitende Wahrnehmung ihres Zu- sammenhanges", wer nimmt denn wahr und wer reiht dem zu- sammen, als eben dieses Ich selbst? Wundt aber sagt: ,,Unsere Seele ist nichts Anderes, als die Summe unserer inneren Frleb- http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0195 © Universitatsbibliothek Freiburg — 192 — nisse selbst, unseres Vorstellens, Fiihlens und Wollens, wie es sich im BewuBtsein zu einer Einheit zusammenfiigt.“*) Ich habe schon ge- legentlich ausgesprochen, daf in der Summe unméglich etwas sein konne, was nicht in jedem kleinsten Summanden stecken muB,**) und im kleinsten Summanden kann hier nichts enthalten sein, was vom Ich nicht nur erlebt, sondern auch selbsttitig gelebt worden ist! . Es kann nicht das Ungleichartige, das Ordnungslose gleichmaBig und geordnet zusammenreihen, wenn es GleichmaB und Ordnung dafiir nicht in sich selber besitzt. Man wirft den Spiritualisten so gern vor, daB sie sich mit woblfeilen einschmeichelnden Worten iiber dic Schwache ihrer Schliisse hinwegtéiuschen. Aber bei gehériger Strenge haben die die Ideenwelt verleugnenden heutigen Fiihrer der Wissen- schaft und Philosophie nicht selten sich das selbst vorzuwerfen. Die Sumime ist ein solches Wort, mit welchem man sich es gern ver: hehit, da8 man in Gebiete des Unerkennbaren hineingeriet. Der landliufige Pantheismus glaubt etwas zu sagen, wenn er Gott als die Summe alles Sejenden hinstellt, anstatt den Urscho® in ihm zu suchen. Die einzelnen értlichen Nervenkomplexe und Neryenzentren des Korpers sollen durch Summiecrung erst die Einheit des Ich zeugen, und so soll dann auch das Ich die Summe der Erleb- nisse sein! Von dem Unerkannten, was gemaB der Einsicht Kants und Schopenhauers in jedem Dinge jenseits der nach- weisbaren Kausalitit in Zeit und Raum bestcht, kehrt sich so diese das Endliche durchforschende Wissenschaft, die sich alles zu verstchen bediinkt, voller Selbsttiuschung ab. Sollen wir denn nicht yon dem Ich als dem urmichtigen mit seinem Fiihlen, Wollen, Denken lebens- voll begabten transcendentalen Et was unbedingt, auch wenn wir es selbst nimmermehr begreifen, nach jeder Méglichkeit seinen wn - leiblichen Organismus aufzufassen uns bestreben, der im leiblichen Organismus nur einen auch von Wundt so bezeichneten Parallelismus besitzt, welcher fiir sein wahres Verstindnis nichts inet? Dal gerade Wundt durch das richtige Erfassen des F lens, Wollens, Denkens in den gegenseitigen Beziehungen zur F kenntnis dieses unleiblichen Organismus Wesentliches beitrug, soll am wenigsten iibersehen werden. Indes am einigen Wert des Ich in jener Bedeutung, die ihm allein gerecht werden kann, in- dem die Seele begriffen wird als verantwortungsstolzes, handelndes Wesen, mit ganzem Nachdruck auf ethi- schen Werte, die in jedwedem Handeln, mit Einschlu® der Wissen- schaft und Kunst, das echte Wachsen und Gedeihen bedingen, als das Fiihrende in diesem unleiblichen Organismus anzuerkennen, da- ) Wundt, Menschen- und Tierseele °*) S$. ,Worte psychologischer Kritik S. 290 ff . 316. IL in Ucbersinnticher Welt XX. 1912. getordorecurch http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0196 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 193 — fiir hat Wundt den freien Blick nicht aufgetan. Die Individuen sind das, was dieses Wort ausdriickt, nicht fiir ihn, sie snd keine Reali- tat, was doch jedes Salz ist und jede Sdure, was all das in der Welt doch is einzig durch das Ich Begriff und Vorstellung empfangt. Und das soll keine auf den Kopf gestellte Wissenschalt, soll trotz der Absage vom Materialismus eine Befreiung von ihm sein?*) Was das dem theoretischen Wissen allerdings unzugingliche Ich in ethi- scher Bedeutung als der Gipfelpunkt aller Philosophie mit der Geltung objektiver Wahrheit bedeute, das hat uns Kant wahrhaftig klarer gemacht, als neuere Philosophen, welche die Ethik nur als Begleitung des Lebens, aber nicht als ihren Kern betrachten. Alles kommt darauf an, daB das Fihlen, Wollen, Denken, deren transcen- dentales Wesen in ihrer ewigen Unerklirbarkeit ja auch Wundt nicht zweifelhaft ist, als ZusammenschluB im Handetn des Ich als eines transcendentalen wahrhaftigen Wesens, von dem alles das seine eigene psychische Bewegung ist, ernannt wird. Dieses leistete eben uns Kant mit seiner Ethik. Und er lehrte nicht zweierlei Wahrheit, eine theoretische hier und cine ethische dort, sondern er sagt es klar und fest, daB die ethischen Wahrheiten die Liicken und Unzulinglichkeiten der bloB spekulativen Philosophie ausfiillen _und ergiinzen und daB es cine und dieselbe Vernunft ist, die in theoretischer und praktischer Absicht nach Prinzipien a priori erteilt und daB es das Ziel sei, ,,alles aus einem Prinzip abzuleiten*. Kants Philosophie will ein Ganzes darstellen. Die theoretische Ver- nunft wird nicht vermehrt durch die praktische, die praktische in nichts gelenkt von der theoretischen, aber die Gewinne von hiiben und driiben gehdren der ganzen Philosophie als einigem System an. Was wir durch Dettken und duferes Tun an Gewinnen zeitigen, es mag unschitzbar groB sein. Aber klein ist dies GroBe und eitel ohne das lebendige Handein, in dem sich das innere Ich bet&tigt und fortbewegt. Was wir fiir die Verwirklichung des Selbst nicht aus uns selber hervorbilden, wie ist es so wenig! ”) So glaubt auch Wundt Raum und Zeit durch die sinnliche und endliche Wahmehmung im Unterschiele von Kant 2u erkliren. DaB zu jeder cin- zeinen Zeit- und Raumiauffassung unsere sinnliche Wahrnehmung den Anla8 geben muB, licgt auf der Hand. Zeit und Raumauffassung sind uns dadurch ermdglicht, daB wir als Wesen, welche die Gahe der kérperlichen Bewegung im Raume he- sitzen, die Dimensionen des Raumes und im Anschlusse daran die Zeiten abzu- messen befiihigt werden. Daf wir aber die Gabe dieser raumlichen Bewegung und Fortbewegung iiberhaupt besitzen, ist das nicht eine Anlage des Organismus, welche schon bei Tieren und dann erhoht bei Menschen der inneren allgemeinen Auffassungsweise vou Raum und Zeit bloB die Mdglichkeit auftut? Wenn wir durch Bewegungsvorgiinge die Entstchung der Raum- und Zeitauffassung beschreiben, wissen wir um ein Jota mehr, was Raum und Zeit sind? Wir brauchen eben auch die Hand aicht allein zur Betatigung, sondern schon zur Weckung unserer geistigen Anlagen, aber erkiirt darum etwa die Hand diese Anlagen? Zentralblatt fr Okkultismus, VII. Jabrg. 14 http://dl.ub.uni-freiburg.de /diglit/2b_okkultismus1914/0197 crore nL © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 194 — Wenn nicht das Schaffen, Wirken, Handeln, das Handeln im Selbstaufbau des Ich, das Handeln im Wirken ftir das Heil aller Seelen ftir das Reich der unendlichen Geister- und Gottesgemeine Hauptsache und Wesen des Ich ausmacht, so ist es eine Fiktion, nichts weiter, und das Ideal, mit dem wir ihm ethische Bedeutung beilegen, dieses in der Unendlichkeit liegende Ziel ist ebenfalls Fiktion, nichts weiter! Auf dieses Handeln weisen alle Eigenschaiten des [ch im Fiihlen, Wollen, Denken als eines lebendigen, sich mit Inhalt selber fiillenden GefaBes. Da Wundt die Seelenunsterblichkeit als ,unver- einbar mit den Tatsachen der — (experimentellen!) — psychologischen Erfahrung“ ansieht und in ihr bei der Fortdauer des sinnlichen Bewubt- seins cin ,,unertragliches Verhdangnis“ erblicken wiirde, wenn es sie gabe, und Unsterblichkeit allein in der irdischen Hdherentwickelung der Menschheit ,,erblickt“, mu man sich besonuen fragen, was in aller Welt an dieser .,Héherentwickelung“, fiir die tausend von Ge- schlechtern sich abquilen mitten in den unzahligen Tauschungen, in Not und Jammer und den brutalsten Rechtsbeugungen des Daseins. kostbar sein kénne, wenn das einzelne Menschensein als des Fort- lebens so unwiirdig befunden wird? Was die edelsten und héchststehenden Lehrer der Menschheit zu allen Zeiten, nicht bloB ein Jesus und Paulus, sondern auch ein Plato und auSer den gehaltvollsten Mystikern eine lange Reihe be- deutendster Philosophen, was unsere gré8ten Dichter auch als Men- schen iiber Seelenunsterblichkeit dachten, das soll also als alter Aber- glauben geschwind begraben werden! Ist denn etwa, was wir fiir unseren Geist und Charakter mit Hilfe unserer Sinnlichkeit uns erwerben, deshalb auch sinnlich? Wahrhaftig doch nicht! Und alles das mittels der Sinne im Erdenleben von uns Angecignete, wenn es tiefe Bedeutung fiir unsere Wesenserhéhung besitzt, darf und wird auch in einem Jenseits fortleben diirfen tiberall da und dann, wo die Erinnerung daran in solcher tiefen Bedeutung uns wach zu werden ibr Recht hat als unverlierbare Stiitze unseres Fortstrebens. Und wenn wir mit unseren Beobachtungen ganz auf Erden bleiben, hat das Licht von innen, mit dem eine Helen Kelley, mit Aug und Ohr von der Sinnenwelt abgeschlossen, eine unglaubliche Geistes- macht nicht blof zur Erwerbung von Kenntnissen, sondern fiir ihre Charakterbildung und ihr religiéses BewuStsein entfaltete, uns nichts zu sagen von der Geisteshabe, welche der cinzelne Mensch sich im irdischen Lebensgange geisteskraftig mit cingeschrinixtester Sinnenhilfe sich crobert? Sind solche Wunder der Selbstkultur, wie Laura Bridgman und Helen Keller, mit schier iiber- irdischer Kraft und Miihe gewachsen und nur geworden fiir den Tod? Wundts Verherrlichung der unsterblichen Gcistesentwicklung der Menschheit ist tiberdies cine Voransetzung des bloB | http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0198 = "Hi" © Universitatsbibliothek Freiburg — 195 — Intellektuellen vor dem ganzen ethischen InnenbewuBtsein des Menschen, wie es dem Gelehrtenstolze schmeichelt, der immer nur in ungesunden Perioden des schlichten Menschengefiihles spotten durite. Und welche Unsterblichkeit, die das ist, was ihr Be- griff ausdriickt, gibt es tiberhaupt auf der verginglichen Erde? Die Fiktion des Ich, die in Wahrheit die ganze Menschheit und die ganze Welt zur Fiktion macht, in der es dann nichts als endlose Miihe ohne Ernte und ohne Erntenden geben wiirde, nicht blo® Fiktion ist sie, sondern geradezu das Leben aushdhlende Chimaére. Am Empor- gange der Menschheit ist allerdings kein Zweifel, da ja doch die rast- lose Bewegung jedes schlichten Ich mit jedem kleinsten Teile seinen rechtschaffenen Beitrag dazu leistet; aber zweifellos wird auch dieser Emporgang desto vollkommener gliicken, jie selbstgetreuer und ver- antwortungsstolzer jedes einzelne [ch dem allgemeinen Ziele in reinster Auffassung sich darbringt. Die Mystik aber, welche wir hier in Ansehung der héchsten Fragen der Seele, ihres Organismus und der Unsterblichkeit Gottes, des Sittengesetzes und der Freiheit, an das Licht der Vernunit, soweit i¢ zu erleilen vermag, gezogen haben, soll jedem Okkultisten sich in das Gemiit schreiben, falls es iiberhaupt ihm um irgend ein Licht im Kostbarsten, was den Menschen angeht, zu tun ist. Aus den blo’ empirischen Tatsachen des Okkultismus, Experimenten und anderer sinnlichen Erfahrung der iibersinulich wirkenden Krafte Be - weise fiir die unendlichen Dinge und die Unsterblichkeit ernten zu wollen, wird ewig eitles Beginnen sein und in metaphysischer Hin- sicht wenig bedeuten, woiern wir die GewiBheit des Ewigen nicht tiefst in unserem eigenen Seelengrunde besitzen. Wenn wir aber dieses einzig innerlich Findbare wahr- haft und wirklich innerst besitzen werden, dann wird sich der Wert okkulter Erfahrung und okkultistischer Wissenschaft als das unver- gleichlich Kostbarste aller Erfahrung bewadhren. Dann wird, was es auf diesen Feldern des Unbegreifbaren gibt, das von den Herren, die alles begreifen zu miissen sich einbilden, sofort verschmaht wird, seinen Beistand leisten, um die Unbegreifbarkeit wieder klar einzu- sehen, die nicht nur in seln des Okkultismus, nicht nur in letzten Fragen, sondern im Kleinsten und Gewohnlichsten der Welt wohnt. Es ist eine gewaltige Errungenschaft des Okkultismus der letzten Jahr- zeime, daB man durch ihn den Weg zum ,UnterbewuBisein“ fand, das als Inbegriff unseres wahiren BewuBtseins, als die lebendige Riist- kammer und Schatzkammer aller von uns in jedem Augenblicke an- wendbaren Fahigkeiten und verfiigbaren Erinnerungen und Kennt- ni auch das WachbewuBtsein, das wir als BewuBtsein ins- besondere zu bezeiclinen pilegen, aus sich zum Lichte hervor- treibt, als den energischsten Ausdruck seiner unausgesetzten ut http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0199 ee © Universitatsbibliothek Freiburg — 19% — planmaBigen Innenbewegung , mittels dessen es sich bei jedem umfassenderen Schaffen in seinem unermeflichen Reiche die im Schatten liegenden Wege wiederum beleuchtet, Je mehr Gebiete es dabei in hellstes Bewultsein riickt, desto mehr erwacht zugleich dann wiederum vom sogenannten ,,Unbewub- ten“ und zwar in desto reicherer Fiille, je genialer das Ich ver- anlagt ist. Erst durch den unbequemen wiedererwachten Okkultis- mus erfuhr die Wissenschaft von den aufergewéhnlichen Kraften, iiber welche das Ich in Ueberwindung seiner Kérpergreizen verfiigt. Was gibt es, was das menschliche Begriffsvermégen ewig so iiber- schreitet, wie das gleichwohl auSer dem réumlichen Fernsehen un- widerlegbar bewiesene Fernsehen in der Zeit? Auch unbegreifbare Wahrheiten, da alle Wahrheiten wohitatig sind, ind heilsam fiir den Menschengeist. Und wie manche Krafte noch traten da wolilbewiesen hervor, die von der rationalistischen Weltauffassung mit normalem Geschehen unerklért bleiben? Welche unschiitzbaren Gewinne sind das dann auch nach Seiten der theoretischen Wissenschaft zur Er- ginzung und duBeren Bestiitigung der Mystik des Ich in dem von uns entwickelten metaphysischen Sinne! Als Okkultist ist jeder uns will- kommen, der gesonnen ist, vorurteilslos und echrlich mitzuarbeiten an der Erforschung des weiten okkulten Reiches. Der echte Okkul- tist wird aber des philosophischen Denkens und jener Mystik der Seelenbetrachtung dauernd nicht entbehren kénnen. Nichts Wider- sinnigeres gibt es, als einen materialistischen Okkultismus, und schon macht sich namentlich der einseitige Spiritismus, anstatt den ureigen- sten tiefsten Hort der Seele fiir die letzten Erkenntnisse zu éffnen, angst einer Ueberschitzung der 4AuSerlichen Erfahrungswerte schuldig. Ohne Mystik gleicht der Okkultist dem Vogel. der am Boden festklebt, nicht wissend, daB er Fliigel hat. Uber unsere Sinne. Von Fritz Brémme. Es geschehen zuweilen gar seltsame Dinge unter dem Himmel Und wir armen Menschen stehen ihnen ratlos gegeniiber. Mit dem Gefiih! lassen sie sich wohl! dunkel erfassen, dem klaren Verstande jedoch weichen sie aus. Bis zur Verzweiflung kénnen sie uns qualen, wir vermégen nicht, ihnen beizukommen. Was ist’s nun, empfindet nur unsere Seele krankhaft, oder ist unser ,,Ahnen™ an sich gesund, vielleicht eine Wirkung von iibersinnlichen Tatsachen? Da saB ich an einem Junimorgen vor meinem Arbeitstisch. Vor mir lag mal wieder Hardys ,,.Mannual of Buddhim“. Die Uebersetzung des fremden Palitextes war mir mit den Jahren zum Freund gewoiden. Wie eine Selmsucht nach dem Sonnenlande Indien kam’s manchmal iiber mich, wie ein Heimweh. — Da ist plétzlich, unangemeldet ein | http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0200 = "Hi" © Universitatsbibliothek Freiburg — 197 - junger Mann eingetreten, sieht mich aus elendem Asketengesicht an, mit traurigen Augen unter einer wei8strahlenden Stirn. Ich riicke er- staunt meinen Sessel herum. Er zieht einen Brief aus der Tasche und legt ihn mir auf den Tisch. Ich greife neugierig danach und will lesen. Ur wehrt ab: ,,Jetat nicht, erst wenn wir gesehen haben, daB alles so ist. Sie miissen mit mir gehen und mit mir suchen!“ — Er gibt mir meinen Hut. Und ich gehe wirklich mit ihm, ich muf....... die weibe Stirn, *“Wandle ich im Traum? Was wollen wir jetzt im Dom? — Der alte, bequeme Kiister, ein guter Bekannter, vertraut mir den Schliissel an. Aus dem warmen Sonnenschein treten wir in damm’rige Kiihle. Durch das Seitenschiff, am hohen Chor vorbei zum Kryptaeingang. Die schwere versilberte Eisentiir knarrt. —- Vor mir her tappt mein Gefiihrte die Stufen hinab, den finsteren Gang entlang, als zége ihn etwas. Willenlos folge ich im Dunkeln. Feuchtkalte Kellerluft haucht aus dem Geméuer. Mein Fiihrer bleibt stehen, brennt ein Licht an und sucht unruhig. — Rechts, ein Gewdélbe mit kostbaren Sargen, etwas weiter hin cine Nische mit Schutt. — Das Licht halt an, leuchtet in eine niedrige Kammer hinein und verschwindet darin. — Eine Sammlung yon zerbrochenen Grabdenkmiilern. Mir schauert; der Fremde atmet schwer und stéhnt erregt; er lést einen Deckel, leuchtet auf einen Leichnam, zeigt auf eine Hand, die starr ist wie Holz, und lachelt still: ,O, es ist wahr, was ich dir in dem Briefe schrieb. Nun hab’ ich’s gesehen; schau an, das war mein armer Leib. Die Hand noch bla — das Gift —- und wie gelb sonst alles. — Mir erschiittert das Herz den Kirper bei jedem Schlag. — Erst als ich am Tageslicht bin, kommen mir allméhlich die Sinne wieder. — Der Fremde be- fiehlt: ,.Nun lies und komm’ heute Abend zu mir, drauBen nach den Pappeln, sag’ dem Gartner, da8 Sinha Dich erwartet!“ Ich laufe verstindnislos nach Hause und falle schwer aui’s Bett. — Nach einigen Stunden erwache ich aus tiefem Schlaf. Mir fallt der ein, dev ich lesen soll. [ch éffne ihn, und da steht in zierlich Schriit geschrieben: Anuruddha! Sinha erzahlt Dir, was er im Geist sah von seiner friiheren Geburt, wie er litt und reiner ward durch den Tod. Hére, vor fiinfhundert Jahren war ich in dieser Stadt. Und ich saB in einem dumpfen Gewdélbe. Schddel lagen vor mir, und wiirmerzernagte Pergamente neben mir. Feuer brannte, und eis blanes Gift braute dariiber im Glas. — Da sprang die Retorte, und giftige Splitter drangen in meine Hand. Rieseln merkt’ ich das Gift mir ins Blut. Voll Angst lief ich hinauf und sa8 dort bleich. Der Arzt kam herbei. Der sah und wandte sich weg, und ich hérte ihn sagen: ,.In drei Tagen ist er nicht melir!“ Ich fiihlte mein Herz klopfen, keine Schmerzen sonst, nicht Furcht. — Auf | http:/ /dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismusi914/0201 ai | © Universitatsbibliothek Freiburg — 198 — den alten Friedhof ging ich, am Dome vorbei. den Abhang hinab und traf den Totengriber. Ich sagte ihm, es sei ciner bei uns am Sterben, er mége das Grab machen, ein schon belegtes michte er frisch ausheben. Ich selbst wollte die Stétte auswahlen. Er ging voran und zeigte mir verschiedene Plaitze. Ueber ein offnes Grab fihrte er mich auf schwanken Brettern. Ich war barfuB und ging darum vor Grausen nicht dritber, nur dngstlich herum. Daneben war eine riesige, rote Sandsteinplatte aufgestellt. Ein mosaischer Priester war darauf im Bild, mit Juwelen geschmiickt und heil’gem Gewand, Uralt muBte der Stein sein, und ein Kunst- werk war er. Der Greis schlug mit seiner Hacke den Stein ent- zwei. Ich weinte, als er ihn zerstérte, fithlte aber, da darunter eine wiirdige Grabstitte mir sei, Er arbeitete, und ich sah ihm zu. — Da wollte er wissen, fiir wen er es tue. Und ich sagte ihm: »Fiir mich, in drei Tagen bin ich tot!“ Ich muBte ihm schwéren, daB die Wahrheit das sei, damit er nicht umsonst die Arbeit habe. Er war es zufrieden. Nun war er fertig; aber da gefiel es mir nicht, in Erde gebettet zu werden. Da fiihrte er mich in den alten Dom. Wir gingen hindurch bis an ein schweres Eisentor. Das war silbern, mit goldenen Sternen besetzt. Es war in die Wand eingelassen, und die war ringsum zugehauen wie ein tiesiges Froschmaul, die offene Tiir war der Rachen. Es sollte der Tod damit dargestellt sein. — Die Tiir knarrte schwer in den Angeln. Wir stiegen eine Treppe im Dunkel hinab und kamen durch Kam- mern mit kostbaren Zinksargen. K6nige ruhten hier, Prinzen da- zwischen. Wir ginger. Da sah ich im Dammerlicht in einer Kam- mer einer) Haufen Gebein. Daneben war fiir mich ein Gemach frei. Das wihlte ich. — Der Alte bereitete alles zu. Nun stiegen wir wieder aufwarts. Als ich wieder auf den Friedhof trat, wurde gerade ein Priester begraben. In langer Reihe folgten dem Sarge Bischdfe in préchtigen, seidnen Gewiéindern, Priester und Ritter in glinzender Riistung, alle auf schwarzbehangenen Eseln. — Der Priester wurde in die Erde gesenkt. Das Grabgefolge kehrte zu- riick. Aber stille hielten sie bald bei mir und umringten mich schweigend. Ich sagte ihnen: ,,Mich sollt Iht noch begraben. In drei Tagen sterbe ich, da sollt Ihr mich hintragen!“ Sie nickten lautlos, als wiiBten sie’s schon. Ich ging hinweg. Wohin sie sich wandten, wei® ich nicht. — Nun muBte ich mich auf den Tod bereiten. Das Fegefeuer sah ich im Geiste, Seelen, in siedender Lohe geldutert. — Da ergriff mich unsagbare Angst. Zur Erde fiel ich am Wege. Frohe Menschen wandelten plaudernd voriiber, sahen mich an und begriffen es nicht. Ich sah sie kaum. — Und ich betete, betete lange, kampfte und beklagte meinen fritherr Tod. Ich fiigte mich, dann stand ich auf urd wankte nach Hause. http://dl.ub.uni-freibura.de/diglit/zb_okkultismus1914/0202 © Universitatsbibliothek Freiburg — 199 — — Und an andern Morgen, da lachte der Friihling durch bunte Scheiben zwischen Rosen hindurch. Und ich — sollte sterben. Das peinigte mich, und den Tag und die Nacht zuckte mein Leib in Qualen am Boden. Einsam lag ich noch am selben Ort. Da erhob ich mich endlich und dachte an mein Weib. Und ich breitete die Arme aus, wirr vor mich hin und flehte es an, mich nicht zu verlassen und betete lange, lange es an. Und da kam Friede tréstend in mich. Ich ahnte, seine Seele eilte herbei, schnell, sich der meinigen zu vermahlen. Nieder zur Erde fiel ich wieder und fiihlte das Gift tiickisch in Adern mir kochen. Es ward mir weiB, — —der Tod rang in mir. Schwer ging mein Atem. — Da trat sie herein und beugte sich nieder und kiifte mir weinend fiir immer den Mund. — Ich fiihlte nichts mehr. Nur ward es mir leicht, ganz leicht. Und es hob und hob sich sanft mit mir. An Sonnen vorbei, in Unendlichkeit schwebten wir aufwarts.“ — Ich bin fertig, meine Gedanken gehen hin und her. — Ich zweifle. — Seltsam! — Ware der Sinha ein Schwindler? Nein, warum sollte er liigen? — — O, Sinha, der gelbe Kérper mit der blauen Hand — Dein? — Ja, der Dom — die Krypta — das Fisentor — die Gewélbe, das stimmt alles genau. Armer Sinha! Oder ware doch alles Lug und Trug? Ich werde zu ihm gehen. — Es ist dunkel drauRen, als ich zur Stadt hinausgehe. Der Gartner zeigt mir den Weg. Sinha liegt auf dem Bett und sieht mich starr an. Nein, sein Blick ist nach innen gerichtet. Mit matter Stimme, von Leid durchzittert, redet er mich an: »Du hast gelesen. So hére mich weiter an! Ich schwére Dir bei dem heiligen Dharma Gautamas, des Buddhas, daB ich so schrieb und so sprechen werde, wie es mir der Geist offenbarte. Sinha nenn’ ich mich, weil ich friiher, ganz friiher Sinha war. Wo der Himalaya Indiens blauen Himmel tragt, wiegt der Rohini die Lotos. Du weiBt's. Aus dem Stamme der Sakyas bin ich, aus Kapilavastu. Kennst Du mich nun wieder? Du wei8t's, denn ich kannte Dich, Anuruddha. Wir.saBen zusammen beim Voll- mond unterm heiligen Baume Bo zu Bodh-Gaya. Entsinnst Du Dich? Und rundum saBen die Bauern und kauten Betelblatt und Betelnu8 und wei8en Kalk. Und die Briider lasen am offnen Altar das Bana. — O, schon war ich auf dem edlen, achtfachen Pfad zum Nirwana! Da gab mir der Bése das blaue Gift, und ich gab’s Dir fiir Betelnu8. Und sterbend sprachst Du: ,,Wir sehen uns wieder auf ferner Erde, wo man vom Buddha nichts wei8!“ — O, Anuruddha, weit fort ist nun fiir mich Nirwana, die selige Insel, wo man sicher ist, nicht mehr zu kiinftigen Geburten in die Wogen des Ozeans der Seelenwanderung hinausgeschleudert zu werden. http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0203 © Universitatsbibliothek Freiburg 200 - O, ich Armer, wann werde ich nun wieder Ruhe haben? Zwar das Gift hab ich durch’s Gift gesiihmt, als ich vor fiinfhundert Jahren in dieser Stadt wiedergeboren war. Du sahst heute mit mir die blaue Hand im Dom. Und was ich litt, das kannst Du nach meinem Briefe kaum ermessen. Glaub’ mir, es war furchtbar. Anuruddha, nun vergib Du mir, was mich Mara an Dir tun hieB! Ich habe Dich gesucht zu meiner Erlésung. In meinem dritten Leben hab ich Dich gefunden. Das unabwendbare Karma hat sich an mir erfiillt.“| — Ich hielt dem Freunde meine Hand hin — und ging. Es mu wohl wahr sein, ja, es ist ganz gewik. — Ich hab es ja schon selbst manch- mal gefiihlt, wenn ich in meiner Paliiibersetzung las. — Nein, und es ist doch wohl Trug, es ware sonst unfafbar, iiber unsere Sinne! Okkultistische Umschau. |] | H=IN=WME Internationaler Okkultistischer KongreB mit Ausstellung in Berlin 1914. Das Generalsekretariat des Kongresses teilt uns mit, daB in der letzien beschlossen wurde, die Ausstellung (nebst Lesehall Literatur, Biicherverkaui, Zn mediale Niedersehriften, schriften ete.) nebst Vortrigen trotz des Kriexes, allerdings in beschrainktem Umiange, zu ver- anstalten, und zwar vom 16—24. Oktober ds. Jim ,Deutschen Zahnarzte-Haus" BiilowstraBe fam Noilendorfplatz). — Die Veranstaltung des Kongresses bleibt einer spiteren Zeit vorbehalten. Zum Tode Dr, Walier Bormanns, Die Nachricht vou dem Tode Dr. Walter Bormams kam wohl fiir alle seine Bekannten iiberraschend. War er auch seit langerem herzieidend, so war doch sein Zustand trotz seines vorgeritckten Alters nicht besorgulserregend, und so kann man wohl annehmen, daG sich sein Befinden durch die Aufregungen infolge des Krieges erst verschlimmerte. Durch seinen plétzlichen Tod nun sind nicht nur wir schnterzlich betrofien worden, sondern dic Okkultistenkreise Deutschlands iiberhaupt; ja daviiber hinaus wird man das Ableben Dr. Bormanns aufrichtig beklagen. Denn wir veilieren in ihm nicht nur einen eifrigen, treuen und gediegenen Mitarbeiter, sondern die okkultistisch gerichteten Gelehrtenkreise Deutschlands einen ihrer betaligtsten und unermiidlichsten Forscher. Ein Schiller des grofen Kénigsberger Kant, war er immer und mit sehr beachtenswertem Erfolge bemitht, einesteils ein umfassendes einwandfreies Tatsachenmaterial zur Klarung okkultistischer Probleme zu samimeln und zu sichten, dann aber auch das erworbene Material philosophisch zu durch- dringen und fiir die Lésung der wichtigsten Menschheitsfragen nutzbar zu machen und so Wissenschaft und Leben miteinander in engste Wechse!wirkung zu bringen. Dayon zeugen nicht nur eine Reihe tiefdurchdachter, in ihrer logiseten Durcli- arbeitung’ gewif alle Freunde fruchtbarer philosophischer Untersuchung iesscindex Aufsiitze in unserm Blatte — es wird vielen unsrer geschiitzten Leser ebenso’ eine besondere Genugtuung sein wie uns selbst, da8 wir gerade jetzt im Z. i. O. eine einer Arbeiten bekanntgeben kdnnen —. In gleicher Weise beteiligte er sich an http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1914/0204 a wn © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 201 — anderen okkultistischen Zeitschriften wie auch in philosophischen Fachzeitungen; ja selbst in weitverbreiteten Unterhaltungsblattern gelang es ihm, fiir den sonst stiefmiitterlich behandelten Okkultismus manche schneidige Lanze zu brechen. Neben seiner Arbeit an zahlreichen Zeitschriften darf aber auch seine Forschertiitigkeit nicht itbersehen werden, die sich in verschiedenen umfangreichen Biichetn offenbarte; denn durch diese wurde es ihm mégtich, anf weitere Kreise einzuwirken, die noch nicht durch okkultistische Zeitschriften in die tiefereti und besonderen Probleme des Okkultismus eingefiihrt worden sind. Eine hervor- ragende Rolle spielt in-diesem Sinne sein Buch: ,,Die Nornen. Forschungen iiber Fernsehen in Raum und Zeit", und dies gerade jetzt, da das Problem der Prophe- tie durch die ‘Tatsache des ldngst und bestimmt angesagten Weltkrieges wieder recht zeitgemii® geworden ist. Bedenken wir zum Schlusse noch, da® Dr. Bormann zu den belesensten Okkultisten Deutschlands zahlte und infolge seiner guten Verbindungen immer in der Lage war, in strittigen Fragen klarend einzugreifen, so kénuen wir seinen Verlust erst ganz ermessen. Er wird uns allen darum unvergeBlich sein! In seiner hingebenden Arbeit fiir die gute Sache des Okkultismus mége er aber recht Vielen cin leuchtendes Vorbild bleiben! ALG. W. Ein sibirischer ,Blut- oder Kriegssee“, Wie die Leipziger Neuesten Nach- richten” Nr. 261 d. J. berichten, hat man in Sibirien einen See gefunden, dessen Wasser wegen seiner dunkelroten Farbe in erschreckender Weise wie Blut aus- sieht. Er gilt daram als Blutsee. Die Volksphantasie sucht natitrlich auch nach ciner Erklirung dieser auffalligen Erscheinung, und da man beobachtet haben will. da8 nach jedem grofen BlutvergieBen, also nach Revolutionen und Kriegen und so besonders nach dem furchtbaren russisch-iapanischen Kriege die Farbe des Sees immer dunkler und grausenerregender wurde, so meinte man, die Veriarbung kénne tatsichlich von dem vielen Blute der gefallenen Russen herrithren, Darum nennt man den See auch den Kriegssee. Oft werden Wallfahrten nach diesem selt- samen Sce unternommen, und dann halten fromme Beter ergreifende Messen fir die Scelen der Gefallencn ab: Scit léingerer Zeit hat sich auch die Wissenschaft damit befaBt, und da will man’ als Ursache der Verfirbung unzihlige Mikroben gefunden haben. Dabei hat sich auch herausgestellt, dali die Farbe des Wassers tatsiichlich nicht immer gleich ist, aber der Wechsel vollzieht sich nicht nur in grofen Zeitréumen, son- dernauch tiglich, denn tagsiiber, besonders um die Mittagszeit, ist das Wasser verhalt- nismiBir hell, wahrend es am Abende wieder dunkler wird. — Aeltere Leser werden sich erinnern, daB im Z. f, 0. IV, 120 auch von einem Blutsee bei Luzern berichtet wurde. Dort fiibrt man aber in wissenschaftlichen Kreiscn die Verférbung auf cine seltene Algenar! z . Das Volk jedoch sah darin wie 1870 die Ankiindigung ein groBen Krieges. Ich meine, wenn man das durch cigentiimliche astrologische Konstellationen bedingte Wachstum der Lebewesen, wie auch bei Epidemien, wie im Zusammenhange die’ Beeinilussung der Menschen durch solche Konstellationen, die Reizung zu trtiel ktiegerischen Unternehmungen beriicksichtigt, so kan man mdgiicherwelse der wahren Ursache am niichsten kommen und den Gelehrien wie dem Volke gerecht werden. AG. W. Ein Beitrag zur Buchstabenmystik. Wer die Zeitereignisse aufmerksam yeriolgt und dabe1 besonders auf die Namen achtet, dem kann es nicht entgehen, da8 eine auf- iallend groBe Zaht davon die gleichen Anfangsbuchstaben hat. Und noch seltsamer ist ‘die Gruppierung. Sind nicht auf der feindlichen Seite die itberwiegenden P? Da finden wir Petersburg und Paris, den Kénig Peter mit Pasitsch, Putnik und Princip. http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0205 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 22 — in Frankreich aber den Generalissimus Pau, Pichon und den ungliicklichen Percin, in England aber die zerstérten Kreuzer ,,Pathfinder“ und ,,Pegasus". Vielleicht spielt auch Polen seine Rolle so, daf der Dreiverband nicht aus dem Pech heraus- kommt! Auf der anderen Seite finden wir, entsprechend der auffallenden Tatsache. daB im neuen deutschen Reiche Namen mit den Anfangsbuchstaben B und H be- deutungsvolle Rollen spielten, Bethmann-Hollweg, den iiber Nacht in ungeabater Weise zum Volkshelden gewordenen von Hindenburg, genauer iibrigens v. Benecken- dorf und Hindenburg also B und H, dazu v. Hausen und Hiseler; und v, Moltke ist ein Hellmuth, zur See ist aber eine hervorragende Perstnlichkeit, Prinz Heinrich, auf den aller Augen gerichtet sind. Doch nicht nur im Hause Hohenzollern (und dem von ihm vertretenen Lande), sondern auch im Lande der Habsburger sind y. Hotz dorf und vy. f¥5fer, also Namen mit H, in fihrenden Stellingen. So scheint es, als kénnte man schon nach den Namen cin gutes Teil des Schicksals aller Beteiligten erkennen; wie in Petersburg nach Mdme. de Thebes alles verurteilt ist, ist auch Paris schon nicht mehr Hauptstadt, doch auch Bor- deaux wird Frankreich nicht die Rettung bringen, wie England in Botha nicht den Retter erhalien wird, nachdem Burns aus Riicksicht auf sein reines Gewissen vom Ministerposten zuriicktrat. n- Die ,,Zone des Schweigens* im Kriege, Der bekannte Ziiricher Meteorologe Dr. A. v. Quervain hat schon mehrfach auf ein Naturphiinomen hingewiesen, dessen Erklarung im Hinblick auf seine besondere Wichtigkeit fiir den Krieg bedeutsam erscheint, Unter der von ihm sogenannten ,Zone des Schweigens“ versteht der Gelehrte die merkwiirdige Erschcinung, die tibrigens schon mehrfach beobachtet wurde, daB auBerordentlich starke Geriiusche, wie Explosionen, Kanonendonner usw. zwar in normaler Weise im nachsten Umkreis der Entstehungsstelle des Ge- rfusches vernommen werden, da dann aber eine mehr oder minder breite Zone kommt, in der selbst bei stiirkstem Lirm nichts von diesem gehért wird und da} erst wieder in weiterer Entfernung hinter dieser Zone der Lirm vernehmlich wird. Es ist heute eine historisch feststehende Tatsache, da8 Friedrich der Grofe auf Grund dieser Erscheinung am 15, August 1760 die Schlecht bei Liegnitz gegen Daun und Lascy gewinnen konnte, Die dsterreichischen Generale hatten némlich den Kanonendonner der Schlacht nicht gehért und waren infolgedessen dem General Laudon auch nicht rechizeitig nach Liegnitz zu Hilfe gekommen. Allgemein hielt man die Behauptung der Generale, die aber auch von ihren Leuten bezeugt wurde, sie hatten den Kanonendonner nicht vernommen, fiir eine glatte Unwahrieit, denn ‘Truppenteite, die entfernter von Liegnitz standen als Daun und Lascy hatten den Schlachtendonner ganz deutlich héren kénnen, Es unterliegt heute wissenschaftlich keinem Zweifel mehr, daB die beiden Generle mit ihren Truppen in einer «Zone des Schweigens" standen und tatsachlich den Donner der Geschiitze nicht vernehmen konnten. Auch aus der neuesten Zeit ist glaubwiirdig eine ganz analoge Erscheinung bezeugt. Beim Bau der Jungfraubahn fand am 15. November 1908 eine riesige Explosion von 25000 Kilogramm Dynamit statt, die enorme Detonation wurde ganz deutlich in einem Umkreis von 30 Kilometern gehért. Dann folgte aher eine Zone von 140 Kilometer, innerhalb deren niemand auch nur das Geringste von dem furcht- baren Knall vernahm, hinter dieser Zone lag iedoch wieder ein 50 Kilometer breiter Streifen, in dem von jedermann die Explosionsgerausche deutlich festgestellt wer- den konnten. Man hat verschiedene Erklirungen fiir dieses merkwiirdige Natur- phaénomen za geben versucht, die einen sehen einen Grund in Nebeln, andere wie- des in der verschiedenen Erwirmung der Luftschichten. Die meiste Wahrschein- lichkeit hat die Annahme fiir sich, da sich hier ein physikalischer Vorgang voll- getordorecurch http://dl.ub.uni-frelburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0206 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 203 -- viet, ihnlich der Brechung des Lichts beim Uebergang von einem Medium in das andere. Der unheimliche Papyrus. Der Pariser Louvre ist wie verhext. Der Reihe nach verschwinden dort Kostbarkeiten yon unschatzbarem Wert auf hichst geheim- nisvolle Weise. Die neueste Geschichte ist, wie ein Berliner Blatt zu erzihlen weil, die: Im Jalire 1888 schenkte der iranzésische Aegyptologe Adolphe Cattani dem Louvre einen wundervollen Papyrus, den er in einer Pyramide bei einer Mumie gefunden hatte. Fs war ein ganz seltenes, kosthares Stick von 22 Metern Linge, ein so- genannter Begrihnispapyrus, der die Lebensgeschichte der augehérigen Mumie be- richtete. Sein wissenschaftlicher Wert war durch seine zeitliche Beziehung zu einer der dltesten und glanzvollsten Epochen der Pharaonenzeit charakterisiert, liber die er erschépienden Auischlu’ gab. Die Lebensgeschichte endete aber mit dem dunklen und selisamen Satz, da® aui dieser Mumie ein béser Fluch laste: wer mit ihr in Beriithrung komme, finde bald cinen schreck- lichen Tod. Wieweit dieser Flach von der Mumie auf den Papyrus tibergegangen ist, liek. sich ,wissenschaftlich nicht ermittelm. Er wurde als Nr. 2088 den Louvresamm- lungen einverleibt und ist unter dieser Nummer noch heute in den Katalogen ver- zeichnet. Aber nun kommen die befremdlichen Tatsachen: der Geber des Papyrus, Adolphe Cattani, der damalige Louvredirektor Kaempien, der damalige Konservator der aigyptischen Abteilungen Revilloud, mehrere Aegyptologen, dic den Papyrus im Louvre studierten, kurz alle Personen, die den Papyrus in Hiinden gehabt haben, sind rasch nachemander und alle eines mehr oder weniger tragischen Todes gestorben, Es ist auch Taisache, dal kein Lebender bis jetzt gefunden werden konnte, der den Papyrus mit eigenen Augen gesehen hat. Er war ganz in Vergessenheit geraten, und erst als sich Kiirzlich der neue Unterstaatssekretar der schénen Kiinste, Jacquier, ilir das seltene Stlick interessierte und es sehen wollte, entdeckte man — daB es verschwunden war! Man hat nun eine groBe Untersuchung eingeleitet, die vom Museumsdirektor Henry Marcel, den Konservatoren Bénédite und Boireux mit Hilfe der Polizei be- trieben wird, aber bisher noch nicht das geringste Resultat hatte. Es ist nicht nur iraglich, ob man einem so okkulten Geheimnis mit Polizeihunden und Daktylographie aui die Spur kommen kann — die Beteiligten selbst bringen nich: den richtigen Fifer fiir die Unterstichung mit. Deni niemand kann wissen, welches Schicksal den Wiederentdecker des geheinmisvollen Papyrus erwartet, und Vorsicht ist den Be- teiligten hier der bessere Teil der Klugheit, besser jedenfalls als Uebereifer. Telepethie oder Hellsehen im Traume, Neulich hatte ich Gelegenheit, durcn cin iberzeugendes Erlebnis die Frage zu eutscheiden, ob die hauiigen Ueberein- stimmungen zwischen Gedanken nahestehender Personen auf Zufall oder auf noch wenig beachteten und darum noch nicht allgemein bekannten Gesetzen in auBer- ordentlicher Weise wirkender psychischer Fabigkeiten beruhen. Ich hatte am Tage cingegangene Manuskripte gepriiit, u. a. den im vorliegenden Hefte abgedruckten Beitrag ,Ueber unsere Sinne“. Seit liingerer Zeit beschaftigte mich das darin auf- xerollte Problem wieder lebhaiter als sonst; ich war iiber der Festlegung von Planen zu einer Reihe von Arbeiten, und da zog mich jener Beitrag natiirlich mehr an als sonst Vielleiclit. Nach 10 Uhr war ich schlafen gegangen. Am andern Morgen er- zihlte mir meine Frau einen seltsamen Traum. Nach den ersten Worten wurde ich stutzig, hielt aber aun mich und lie meine Frau ohne Zwischenbemerkungen berichten. http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0207 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 204 — Sie war mit unserm Téchterchen auf einem Friedhofe gewesen, seltsam, als suche sie sich ein Grab, Der Friedhot war nicht verlassen, sondern stellenweise ziemlich belebt. Als sie durch die Griiberreihen ging, kam sie zu einem kastenartigen rabe; es hatte eine hohe, steinerne Einfassung. Arbeiter waren daran beschiitiet; das Grab war offen, die Arbeiter hatten eine grofe Platte, wohl die Decke, zer- schlagen. Meine Frau ging vorsichtig weiter. Obgleich noch andre Leute da waren, wurde sie nicht beachtet. Damit sie aber nicht von ihrer Mutter, dic sie dann kommen sah, entdeckt und nach dem Grunde ihres Friedhofsbesuches gefragt werden konnte, verbarg sie sich hinter einem grofen Leichensteine. Dies sind die wesentlichen Bestandteile des Traumes; natiirlich war er in Einzelhelten weiter ausgesponnen, aber einmal waren diese nicht mehr klar in der Erinnerung, und dann ist ihre Erwalmung auch nicht unbedingt ndtig. Was aber deutlich erinnert wurde, ist doch auffallend genug, um vermerkt und betont zu wer- den. Denn es weist zwingend auf einige wichtige Punkte in der vorerwihnten E zahlung von Fritz Brémme, und die Uebereinstimmung ist unverkenrbar. Woher kommt nun die Kenntnis? Ausgeschlossen ist, da meine Frau weder durch Einblick in das Schriftstiick noch durch eine Andeutung meinerseits etwas von der Geschichte wissen konate. Ich vermochte mich nun am Morgen auch nicht zu besinnen, daf ich mich im Traume mit der Geschichte beschiitigt hatte; moglich ist aber, dai meine Gedanker noch in der erwalnten Richtung lebendig waren und so meiner an sich schon, im Schlafe aber noch melir empftinglichen Frau einen Ansto! gegeben haben, entweder in meinem Vorstellungleben des letzten Tages zu lesen. oder mit meinen Gedanken zusammen, wenn auch mir unbewuft, zusammenzugehen und teilzunehmen an dem, was mich auch noch schlaiend bewegte. Jedenialls ist ein solches Erlebnis sehr lehrreich und starkt die Ueberzeugung, daB auffallende un- beabsichtigte Zusammentretfen der Gedanken auf einer unbewuBten oder’ vielmekr anterbewuften Verbindung beruhen und keineswegs .zuilillig" sind, A, G.-W. i Anfragen, deren Beantwortung von allgemeinem Briefkasten. x Interesse ist, werden hier beantwortet. Leo Erichsen, Fs mag im Winter 1912 gewesen sein, als Leo Erich- sen einen seiner Vortrage hier in Dresden (im Palmensaal) hielt. Der Vortrag war gut besucht und das Publikum, in anscheinend wenig kritischer Stimmung, folgte mit Interesse den Ausfihrungen des Redners, der fiir sich einzunchmen verstand. Das Thema des Abends lautete: ,Riitsel des Seelenlebens", was wohl eine An- lehnung an Flammarion's Werk bedeuten sollte. Herr Erichsen erbot sich u. a. zu folgendem Versuch: In seiner Abwesenheit sollte von einem der Anwesenden eine fingierte Handlung, Erstechen mit einem Messer irgend eines Besuchers oder Aehn- liches vorgenommen werden; er werde dann diese selbe Handlung an dem Betrefienden wiederholen, Er erbat sich zu diesem Zwecke zunachst einige vier Taschenmesser. ‘Nun trat er ab. Ein anwesender junger Arzt nahm darauf an einem, mir gut be- kannten, in der Reihe hinter mir sitzenden Hochschulprofessor die kritische Handlung fingierter Weise vor. Herr Erichsen betrat nun wieder das Podiui des Saales, den er verlassen hatte. Ganz beiliufig sagte er, er wolle zunichst einmal versuchen festzustellen, mit welchem Messer gehandelt worden sei? Es gelang dies sofort. Das war auch nicht besonders schwierig, denn es war mir nicht entgangen, daB er, wie zufiillig, vor seinem Abtreten die Messer einzeln in die Hand getommen gehabt hatte und an dem noch handwarmen Exemplar seine diesbeziigliche Feststell- ang bereits gemacht hatte. Nun nahm er das Messer, hielt die Augen bedeckt getordore crc de http://dl.ub.uni-frelburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0208 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 205 — und trat in den ZuhSrerraum, Jn der Hihe der Stuhlreihe, in der ich saB, hielt er inne, brach ab, gimg zum Podium zuriick und stellte die Frage an das Publikum: »Hat jemand von Ihnen dagegen gearbeitet? Ich stand auf und meldete mich; denn ich hatte ihm suggeriert, er wiirde tiber meine Stuhlreihe nicht hinauskom- men. Darauf dankte Herr Erichsen mit den Worten: ,.ch danke Ihnen fiir Thre Fhrlichkeit und bitte, mich nicht wieder zu stéren!" Das ist denn auch nicht ge- schehen, und er konnte sein Experiment alsdan richtig zu Ende fithren. Ich ver- sichere, mich voller Wahrhaitigkeit befleiRigt zu haben. Dresden-A. Max Strohbach. Aumerkung der Schriftleitung: Wenn der Herr Einsender fiir die Echtheit des Gedankenlesens bei Leo Erichsen gelegentlich dessen vor Jahren in Dresden gehaltenen Vortrages eintritt, so miissen wir ihm glauben, Damit ist aber nicht gesagt, daB Erichsen nicht dennoch sich als Charlatan erwiesen hat. Wer sein Auftreten aufmerksam verfolgt hat, dem kénnen dic Widerspriiche nicht ent- angen sein, in die er sich durch verschiedene Vortriige verwickelt hat. Noch mehr fallen aber die groben Unwahrheiten ins Gewicht, die er itber Spiritismus und an- gebliche Medienentlarvung in die Welt streute, SchlieBlich sei noch erwiihnt, daf er sonst wohl Gedankenlesen angekiindigt hatte, dann aber uns mnemotechnische Kunststiickchen und Tricks und Muskellesen vorfiihrte, womit er das Publikum entweder leichifertig — in Unkemntnis des wahren Sachverhalts — oder vorsitzlich irrefithrte. Ueberdies ist auch in einem Prozesse erhiirtet worden, da seine Vor- stellungen keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben kénnten. Er ist eben —- ein Seitenstiick zu den bekannten Salonmagiern — ein gewandter Geschaitsmann, der je nach der Stimmuny der Zeit und des Publikums an einem bestimmten Orte gewisse Themen in entsprechender V’eise behandelt und durch mehr oder weniger geeignete Experimente zu illustrieren sucht. Da® er iiber einige beachtenswerte FPahigkeiten verfiigt, viclleicht auch fiber eine gewisse Fahigkcit des Gedanken- lesens, soll nicht bestritten werden, Ernst zu nehmen ist er aber nicht, so lange er ohne innere Griinde seinen Standpunkt fndert um des duBeren Augenblicks-Er- iolges wilien. Doppelginger oder telepathische Halluzination? Da die Fortsetzung dieses Aufsatzes diesmal zuriickgestellt werden muBte, foigt sie im nachsten Heifte, Alle hier genannten Biicher sind durch diz Sortiments- Vom Biichertisch. Abteilung der Verlagsbuchhandlung von Max Altman : in Leipzig zu beziehen. a2 Moderne Rosenkreuzer oder die Renaissance der Geheimwissenschaiten. Ein okkult-wissenschajflicher Roman von G. W. Surya. 2. erweiterte Auflage. Verlag Max Altmann, Leipzig, Geb. 7,50 M. Geh. 6 M, DaB ichs gleich vorweg sage: Dieses Werk ist kein Unterhaltungsroman, liberhaupt kein Roman im Sinne der poetischen Technik und Kritik, Das migen sich alle zur Warnung gesagt sein lassen, die nur ein paar miiBige Stunden an- genehm ausfiillen oder sich im rein ‘isthetischen Genieflen laben wollen. Denen aber, die mit ganzer Seele Biicher lesen und leben wollen, die sie zum Leben brauchen wie das tagliche Brot, sei es als Anreger und Fiihrer aui dem ansteigenden Wege zur Hohe wahrer, in edlem Schafien tiich- tiger Menschlichkeit ans Herz gelegt. Es ist ein wahrhaft tiberwailtigendes Kompen- dium des Okkultismus und in erster Linie geeignet, alle Hoberstrebenden vom gemeinen Manne bis zum unverbildeten Gelehrten und Forscher leicht, aber dabei griindlich und fiherzeugend in alle okkultistischen Probleme einzufiihren. Denn der | http:/ /dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismusi914/0209 ai | © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 206 — Verfasser hat es geschrieben aus der unerschiitterlichen GewiBheit heraus, dal aller intellektuelle und technische, aller wissenschaftlich-kulturelle Fortschritt, nur dann zum Segen fiir die Menschheit gereicht, wenn er die Menschen befreit und veredelt und dadurch das Leben des einzeinen wie der Gesamtheit verbessert, héher fiihrt, die Erde aus einem Jammertale zum Paradiese gestalten hilft*) Damit kommt er der Sehnsucht jedes unverdorbenen Menschen von der Hiitte bis zum Palaste entgegen, und er kann auch bei den Wenig-Geschulten des Verstindnisses fiir die Grumdgedanken seines Werkes sicher sein. In den Einzelausithrungen aber und vor allem in den iiberaus zahircichen und umiangreichen Anmerkungen offen- bart er sich als naturwissenschaitlich, technisch und philosophisch in seltenem Reichtum und in wohltuender Sicherheit geriisteter Fachmann, sodaf der gelehrte kritische Leser Schritt fiir Schritt auf die wohlbegriindeten Ein- und Aus- blicke in die Geheimnisse der Entwicklung alles Lebens nachdriicklich hingewiesen wird und erkennen muB, dal es sich hier nicht um utopistische Phantasien, sondern um ernste, dem walrhaft Wissenden und dem ehrlich Wollenden naheliegende Wirklichkeitsfragen handelt. Den Kem des Buches bildet die Geschichte eines ,Lichthortes* als einer titte praktischer, umfassendster Lebensreform. Zwar steht im Mittelpunkte das Problem der kérperlichen Gesundung, wobei alle erfolgreichen naturgemaBen Heil- methoden zu ihrem Rechte kommen, aber auch alle okkulten Heilweisen in einem MaRe dargelegt werden, da die meisten Leser iiber die Einsicht und Umsicht des Verfassers und iber seine Energie in der Richtung eines praktischen Okkultismus in Staunen und herzlicher Dankbarkeit d. V. die Hand driicken méchten. Aber in der rechten Erkenntnis, daB alle Reform in der Tiefe, im Inrersten beginnen muB, hat der Verfasser seinen Lichthort nicht nur als ein Sanatorium ausgestattet, sondern als eine Schule und Pflanzstitte hdherer Menscilichkeit, als einen Hort, da die Seelen gesunden und erstarken kénnen und reifen zu dem groBen Werke der vollendetsten Lebensreform in wahrhafter Schénheit, Liebe und Weisheit. Keine Frage, die den strebenden Menschen von heute bewegt, laBt der Verfasser unbe- achtet: Ernihrung, Bodenreform, die viclgestaltige soziale Frage, Heilkunst, Er- ziehung, Religion, Politik, Wissenschaft, Technik, Philosophie, Weltanschauung, kurz alles, was sich im Denken und Streben des modernen Menschen berithrt und kreuzt, wird beleuchtet, und was das Seltene dabei ist, nicht einseitig, sondern wohl abwiigend vam alten, gewohnten, materialistisch orientierten und vom okkulten Standpunkte aus, so daB jeder urteilstihige Leser seiber priifen und sich zu einer praktischen Erprobung der angewiesenen Wege Seichter entschlieBen kann. Im einzeinen auf den Inhalt einzugehen ist hier nicht mdglich; wollte man es, man miiBte ein Buch schreiben, gréfer als ienes selber ist. Denn es ist cin Sammelwerk, so fruchtbar an Anregungen und angedeuteten Problemldsungen, daft es manche stolze Bibliothek aufwiegt. Da ist nichts Besseres zu sagen als: Nehmt. lest und lebt danach! Werdet wie Dr. Nikolsen und Brand in unecigenniitzixer Nichstenliebe und gotterfiillter Weisheit euren Mitmenschen aufrichtige Helfer ais Aerzte und Seelsorger, als Freunde und Mitkaémpfer in dem Streben nach wahrer Menschlichkeit, wie sie allen religidsen Meistern vorgeschwebt hat und wie diese sie vorlebten! Es ist niemand, der nicht reichsten Gewinn aus dem Buche schdpien konnte, sei er — in erster Linie — Arzt, Priester, Lehrer, Forscher, Staatsmann, sei er in welchem Berufe er wolle, sei er Vater oder Mutter! Machte darum das *) Wie erschreckend und cindringiich haben die Kriegsgreuel der letzten Wocen wieder gelenrt, daB alle fuberliche ,Kultur" ohne inners, seoliedie Adelang, nur trligerischer Schaum ist. Ex ist ein gutes Omen, da dieses Buch gerade noch vor Ausbrich des auch dariii scion ldugst erwabnten Weltbrandes in 2" Aullage crschien: denn alle, die in der nowen Zeit am neuen Reiche bsuen wollen, tu) gut, sich Hien uad Herz daraus zu fillen, http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/25_okkultismus1914/0210 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 207 — Buch recht bald seine dritte Auflage erleben und dann seinen Weg finden zu allen denen, die berufen und befahigt sind, in irgend einer Weise an den notwendigen Lebensreformen mitzuwirken, der Segen ftir den einzelnen wie auch fir die Ge- samtheit kann dann nicht ausbleiben! A, Grobe-Wutischky. Ludwig Aub, Von Dr. med. Johannes Dingfelder. Erschienen in der T. R. Seybold’schen Verlagsbuchhandlung in Miinchen, Ein ganz schmales nettes Biichlein, das ich umso lieber zur Hand nehme, weil es von einem Manne kommt, den ich als Arzt und Mensch gleich hoch schatze, Dr. med. Johannes Dingtelder. Das ist einer der seltensten Medizinminner, die nicht die Binde vor den Augen haben und bei aller streng wissenschaftlichen Schulune nicht ums Menschentum gekommen sind. Ihm ist Heilkunde nicht Geschiiit, sondern innerer Beruf. Ein Zwillingsmensch mit doppelter Fihigkeit sowohl als Medikus, vom Geist des Parazelsus angehaucht, wie als sachkundiger Schriftsteller, den Freimut und Bekennertum auszeichnet. Was der schreibt, hat Hand und Ful; wo andere noch im Dunkeln tappen, ich meine in den verworrenen, halbdunkeln Ge- bieten der inneren menschlichen Natur und der Seelenkunde, dringt er anfhellend vor und fut dies mit einer Klarheit, Simplizitét und doch zugleich so einwandireier Wissenschaftlichkeit, da8 es fiir den Leser oder Kenner allemal ein Vergniigen und ein Gewinn ist. So habe ich mich in meinen Erwartungen nicht getiuscht, als ich sein Schriftchen iiber Ludwig Aub zur Hand nahm, darin er eine Studie iiber das Wesen der Graphologie und Psychometrie im allgemeinen, sowie ilber Aub's Eigen- schaft als Helischer und Hellitihler bietet. Es ist wohl ziemlich bekannt, dab dic wissenschaitliche Betrachtung dieser Dinge eine hohe Ahnenschaft aufweist, denn Leibniz, Goethe, Lavater und Wilhelm von Humboldt haben sich ganz ernstlich mit Handschriften und der darauf gegriindeten Charakterologie befa8t. Was die seelische Forschung selbst betrifit, so haben die letzten paar Jahrzehnte einen ungeheueren Umschwung gebracht, der mit dem aus indischen Weisheitsquellen schipfenden Schopenhauer einsetzt; exakte Forscher setzen die Arbeit des Philosophen fort. unter denen vor allem der franzisische Astronom Flammarion, der italicnische Ge- Iehrte Lombroso, (insbesondere in seinen letzten okkulten Schriften), der deutsche Forscher Karl du Prel, der Pariser Physiologe Richei, ferner A. de Rochas, Dur- ville, der Freisinger Professor Staudenmaier u. v. A. hervorgehoben zu werden verdienen. Das Ziel der vielfachen Forscherarbeit ist die Entdeckung eines neuen Sinns, der zwar immer da war und unbewubt mitwirkt; der aber nun fiir das wissenschaitliche und praktische Erkenntnisgebiet erobert wird und den ich hier der Kiirze wegen das sensitive Auge nennen méchte, Bei der Entdeckung des sen- sitiven Auges sind aber vor allem jene fein organisierten Naturen wichtig und ver- dienstvoll, dic man im gewéhnlichen Sprachgebrauch Hellseher oder Hellfiihler nenmt, von denen Aub ein auBerordentlich veranlagter Revrasentant ist. Vor der Lektiire des Schriftchens habe ich mir den Mann angesehen und habe mich tiber- zeugi, daB es hier nicht mit Aberglauben und mit Wundern zugeht, sondern mit ganz natiirlichen Phanomenen und Fihigkeiten, die in geringerem und stirkerem Mabe allen Sensitiven eigentimlich sind und nach der Entdeckung der Actherwellen und der X-Strahlen als ganz natiirliche und begreifliche Vorginge erscheinen miissen. die iibrigens schon vor naheza einem halben Jahrhundert von dem vielverkannten und neuerdings wieder zu Ehren gebracliten Reichenbach, dem Entdecker der Od- stralien, und yon Mesmer erkaunt und empirisch nachgewiesen wurden. Die aufer- ordentliche sensitive Reaktionsfihigkeit Ludwig Aub’s, die auf ebenso starker In- tuition als durchaus exakter wissenschaftlicher Basis berubt, befiihigt ihn zu grapho- logischen oder ps} prakt hometrischen Seclenforschungen und Charakteranalysen, di h von anflerordentlicher Tragweite sind, sei es ffir padagogische Zwecke http://dl.ub.uni-freiburg.de/dialit/2b_okkultismus1914/0211 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG — 28 — oder fiir Sachverstindigenurteile, die, besonders was die letzteren betritft, heute noch gemeiniglich sehr im Argen liegen. Daf ein wissenschaftlicher Beweis dieser auBergewdhnlich entwickelten Fabigkeiten nicht nur miéglich, sondern auch wiin- schenswert ist, braucht nach diesen Andeutungen kaum mehr. betont werder. Dr, Dingielder hat ihn geliefert, und das isi ein Verdienst, das ihm den Dank der Allgemeinheit einbringen wird. Man lese dort nach, was iiber Aub zu sagen ist, es sind zugleich Kernsitze von gemeingiiltizer Bedeutung, die sich zu einem klaren Weltbild hinsichtlich der geistigen Natur der Materie abrunden. So schmiichtig das Biichlein ist an Umfang, so reich und gewichtig ist es an Inhalt. Jos. Aug. Lux. Der Heilmagnetismus vom okkulten Standpunkt. Von K. Brandler-Pracht Bibliothek der Grenzwissenschaiten. Bad, {. erlag Karl Pracht, Potsdam, Preis 3M. Brosch. 2 M. In dem vorliegenden 1, Bd. der Bibliothek der Grenzwissenschaften gibt der bestens bekannte Verfasser ein theoretisch und praktisch vortrefflich unterrichtendes: Lehi- und Ucbungsbuch aber das Wesen und die Verwendung des _sogenannten Heilmag- netismus. Von hesonderem Werte ist dieses Buch dadurch, da8 esnicht nur auf Grand guter Literaturkentnisse, sondern auch anf Grund reicher eigener Erfahrungen auf gebaut ist. Es sind darum alle die verschiedenster und miéglichen Anwendungen des Heilmagnetismus cingehend behandelt und was besonders hervorgeloben zu werden verdient, es ist iiberall auch Riicksicht auf Verbindung mit anderen zweckmifigen Kuren geronmen, und so weist es vielfach, unter Bezugnahme aut gewisse (tatt- wische) Gesetze fiir die Mehrzahl der Hiliesuchenden neue Wese a grdRerem Eriolg. Daf d. V. dabei auch auf die Méglichkeit der Selbstbehand- lung eingeht, wird iedem Leser hochwillkommen sein, chenso dat die Auweisungeni durch zahilreiche Abbildungen veranschaulicht werden. Fs. wire nur zu wiinschen, daB die etwas rohen Skizzen bei einer bald zu erhoffenden Neuauilage des Werkes durch ansprechendere Bilder ersetzt wiirden, das Werk wiirde dadurch bedeutend gewinien, Aber auch in der gegenwéartigen Ausstattung ist es nicht nur eines unter vielen, sondern maa darf es getrost sagen, daf es in seiner Fille und Eigenart eine hervorragende Sielle einmimmt und als Haushuch bestens empfoblen werden kann, R. G. Rauth. Therapeutische Tief-Atmungs-Gymnastik. Mit Ilustrationen, volkstiiml. bearb. vou Adolf Glécklen. Verlag Jiinger & Co, Heidelberg, Preis 1.25 M Der Verfasser ist durch seine Broschiire Meine Atmungs-Methode* scho: in weiteren Kreisen und auch in der Aerztewelt bekannt geworden. In der vor- liegenden Broschiire legt er anschaulich die Notwendigkeit und die Vorteile einer systematischen Atem-Gymmastik dar, indem er aui die wichtigsten Lebens- d. i. Stoffwechselvorgiinge und ihre Hemmungen, also auf notwendige als Folge unge- niigenden Stofiwechsels eintretende Krankheiten hinweist. Da er hier eine Kur erdfinct, die jedem ohne Kosten auszufiihren moglich ist, wird mancher um seine mangelhaite Gesundheit Besorgte gern zu dem Biichlein greifen. und er tut gi daran. B. http://dl.ub.uni-freibura.de/diglit/2b_okkultismus1914/0212 © Universitatsbibliothek Freiburg DFG