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Die revolutionären Kräfte in Brasilien im

letzten Jahrhundert – Ein Überblick


Redaktionelle Vorbemerkung: Dieser Beitrag ist uns von
GenossInnen zur Erstveröffentlichung zur Verfügung
gestellt worden. Wir haben diesen Beitrag sehr gerne in
diese radikal-Ausgabe aufgenommen, weil die Geschichte
der revolutionären Linken in Brasilien nahezu unbekannt
ist. Allenfalls ist der Name Carlos Marighella geläufig und
sein „Minihandbuch des Stadtguerilleros“ ein Begriff. Mit
diesem Text dürften einige Leerstellen geschlossen
werden; wir bedanken uns für diese „Pionierarbeit“.

Die Gründung der PCB

Wir beginnen unseren historischen Überblick mit der


Gründung der Kommunistischen Partei Brasiliens (PCB),
der größten und bedeutendsten Organisation der
brasilianischen Linken im letzten Jahrhundert. Um dem
Anspruch der historischen Korrektheit zu entsprechen,
muss gesagt werden, dass die Geschichte der
revolutionären Linken in Brasilien nicht an einem
bestimmten Zeitpunkt begonnen werden kann. Bereits im
19. Jahrhundert kamen mit Immigranten verschiedener
Nationalitäten vor allem Anarchisten italienischer
Herkunft in diese “Neue Welt”. Allerdings ist die PCB die
erste revolutionäre Organisation, die auf nationaler Ebene
auftritt.
Auf Initiative der Kommunistischen Internationale (KI)
gründeten 1922 in Rio de Janeiro 9 Delegierte aus
verschiedenen Bundesstaaten die PCB. Sie nahmen als
Grundlage die 21 von der KI verabschiedeten
Bedingungen für den Eintritt in die KI. Sie forcierten
damit einen Bruch in der brasilianischen
Arbeiterbewegung, in der bis zu diesem Zeitpunkt eine
offene Zusammenarbeit zwischen diversen Fraktionen von
Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten und Kommunisten
bestanden hatte. Viele Gründungsmitglieder waren
ursprünglich Anarchisten, die von den Entwicklungen in
der SU begeistert waren.
Obwohl die PCB in den 20er Jahren wohl nur an die 500
Mitglieder zählte, war sie doch die stärkste revolutionäre
Organisation, die es bis dahin in Brasilien gegeben hatte.
In den industriellen Zentren an der Küste (Rio, São Paolo,
Salvador da Bahia) entwickelte sie sich stetig in Richtung
einer Massenorganisation, gründete sogar eine Partei als
legale Vorfeldorganisation, den “Bloco Operário
Camponês” (Arbeiter-Bauern-Block). Dennoch blieb sie
noch weit dahinter zurück, eine landesweite Organisation
zu sein, so dass ein klaffendes Missverhältnis zwischen
den objektiven Bedingungen und den subjektiven
Faktoren, d.h. der personellen Präsenz im gesamten
brasilianischen Territorium bestand.
Die PCB war erstmals auf dem 4. Kongress der KI 1922
repräsentiert. Auf dem 5. KI-Kongress 1924 wurde die
Schaffung eines eigenen Lateinamerika-Sekretariats
beschlossen, das von der argentinischen KP aufgebaut
werden sollte. Allerdings erscheint Lateinamerika erst auf
dem 6. Kongress 1928 auf der Tagesordnung. In diesem
Zeitraum sahen sich die Delegierten der
lateinamerikanischen Parteien in die Konflikte innerhalb
der europäischen Kommunistischen Bewegung verstrickt.
An der Frage der „Bolschewisierung“ zerbrechen mehrere
KPs. Bezüglich der lateinamerikanischen Fragen trifft vor
allem die Anmerkung des italienischen Delegierten
Amadeo Bordiga zu, der ein vehementer Kritiker der
„Bolschewisierung“ war: Bordiga warf auf dem 6. KI-
Kongress den russischen Kommunisten vor, die
Revolution über eine fest definierte organisatorische
Formel konzipieren zu wollen. Dabei werden, so Bordiga,
die nationalen Gegebenheiten übergangen und die reellen
Kräfteverhältnisse nicht korrekt analysiert.
Auf dem 6. Kongress wurde die Situation Lateinamerikas
wie folgt analysiert: Die Staaten befinden sich auf einer
halb-kolonialen Entwicklungsstufe, sie sind anglo-
amerikanische Kolonien; diese Kolonien stellen die
Reserve des Imperialismus gegen die SU dar; die
Regierungen dieser Staaten sind Marionetten dieses
Imperialismus; sie werden also als unterdrückte Nationen
verstanden, deren Bevölkerung potentielle Verbündete im
Krieg gegen “den Imperialismus” sind; ein Bündnis mit
oppositionellen Intellektuellen und dem Bürgertum ist in
diesen Ländern anzustreben, da eine national-souveräne
(antiimperialistische) bürgerliche Regierung die Vorstufe
für den Sozialismus ist.
Das Verhältnis der PCB zur KI war von einem
Wechselspiel geprägt. Die KI-Thesen zum anti-kolonialen
Kampf fanden in den Berichten der PCB Eingang, aus
denen wiederum Analysen und Direktiven der KI zum
Kampf in Brasilien resultierten.
Die KI sah Brasilien als ein halb-koloniales Land an.
Entsprechend der Beschlüsse und Resolutionen des 2. KI-
Kongresses 1920 war in halb-kolonialen Ländern wie
Brasilien eine Einheitsfront mit der national-
revolutionären Avantgarde des Kleinbürgertums
anzustreben. Zudem würden in Brasilien der britische und
der amerikanische Imperialismus konkurrieren, wobei der
britische stärker und der amerikanische daher eher an den
fortschrittlichen Strömungen im Bürgertum interessiert
wäre. Zwar wurde Brasilien in den 20er Jahren von der
Oligarchie der Großgrundbesitzer regiert, doch war ein
von den USA unterstütztes “fortschrittliches” Bürgertum
reine Wunschvorstellung der KI und der PCB; sie
entsprang dem Konzept, das die KI für die halb-
kolonialen Länder entworfen hatte.
Tatsächlich fanden in Brasilien 1910, 1914, 1917, 1922 und
1924 Offiziersrevolten statt. Die PCB und die KI sahen in
diesen die Manifestation eines national-revolutionären
Kleinbürgertums, des Aufstands der modernen
Industriellen gegen die Agrar-Oligarchie.
Hervorzuheben ist hier vor allem die 1924er-Revolte in
São Paolo, bei der die aufständischen Kräfte die Stadt
militärisch eroberten und besetzten. Ihre Forderungen
waren, wie bereits beim 1922er Aufstand in Rio de Janeiro,
die Absetzung des unter Notstandgesetzen seit 1922 (bis
1926) regierenden Präsidenten Artur Bernardes. Die Stadt
wurde von loyalen Regierungstruppen umstellt und einen
Monat lang belagert und bombardiert. Der Vorsitzende
der Handelskammer São Paolos, Macedo Soares, versuchte
auf eine friedliche Lösung hin zu vermitteln. Die PCB
interpretierte dies als eine Solidarisierung von Seiten des
industriellen Bürgertums. Dahinter stand aber vielmehr
ein Interesse der Großbourgeoisie, die Produktionsmittel
zu erhalten und den Ausbeutungsprozess nicht weiter zu
behindern.
Unter diesen Vorzeichen wurde Luis Carlos Prestes zum
Generalsekretär der PCB ernannt und zur Leitfigur der
Volksmassen auserkoren.

Eine Revolution in Brasilien

Prestes hatte sich 1924-28 als abtrünniger national-


revolutionärer Offizier mit seiner 2000 Männer starken
„Prestes-Kolonne“ einen Namen gemacht. Sie hatten vier
Jahre lang einen Guerilla-Krieg gegen die Bernardo-
Diktatur geführt, sich kreuz und quer durch das
brasilianische Landesinnere geschlagen und auf ihrem
Weg alle Gefangenen befreit und alle Grundbücher, in
denen das Monopol des Großgrundbesitzes
festgeschrieben war, verbrannt.
Die “Coluna Prestes” erntete große Zustimmung im
Kleinbürgertum und der Landbevölkerung. Nachdem er
die Kolonne 1928 in Bolivien aufgelöst hatte, wurde
Prestes von der PCB angesprochen. Er begann sich mit
den “Klassikern” zu bilden, benannte als wichtigste
Einflüsse Marxens “Das Kapital” und Lenins Schrift “Staat
und Revolution”. Von seinen Offiziers-Kameraden der
„Coluna Prestes“ entfremdete er sich zusehends durch
seine Hinwendung zum Kommunismus und der
Aneignung der marxistischen Gesellschaftsanalyse. Die
kleinbürgerlichen Offiziere waren davon abgeschreckt,
dass ihre bisherigen zentralen Doktrinen (Familie, Religion
und Nationalismus) umgeworfen werden sollten. 1929
ging Prestes ins argentinische Buenas Aires, dem Zentrum
der kommunistischen Bewegung in Lateinamerika. Hier
wurde er als Galeonsfigur des antiimperialistischen
Kampfes hofiert.
Währenddessen liefen seine Offiziere zur “Aliança
Liberal” (AL) und Getúlio Vargas über, der 1930 bei den
Präsidentschaftswahlen kandidierte. Prestes traf sich mit
Vargas und befand, dass dieser die bestehenden
Verhältnisse nicht ändern würde, da er den bewaffneten
Kampf ablehnte. Prestes hingegen betonte, dass eine
antiimperialistische und agrarische Revolution nur über
die bewaffnete Auseinandersetzung mit den Regierenden
erreicht werden konnte. Damit wies er den Bürgerkrieg als
Weg des revolutionären Kampfes. Für ihn bestand eine
direkte Kontinuität der Revolten von 1922 und 1924, die er
mit einer dritten fortzusetzen gedachte. Vor allem in
dieser Hinsicht stimmte er mit der PCB überein, hielt
diese aber auf Distanz, gründete stattdessen die LAR (Liga
der Revolutionären Aktion) und verschaffte sich Waffen
für diese. Die PCB kritisierte dieses Unterfangen, fürchtete
sich mit Prestes einen Caudillo einzufangen, der die
Revolution den Interessen des Kleinbürgertums
unterordnen könnte. Dem kommunistischen
Abgeordneten Otavio Brandão zufolge würde in einer
Allianz mit Prestes, dieser mit seiner „Coluna“ die
verarmten Besitzenden repräsentieren, während die PCB
auf das Proletariat ausgerichtet war. Allerdings war die
PCB noch längst nicht in der Lage, das gesamte Proletariat
zu organisieren und die Vorstellungen über den Einfluss
Prestes und seiner Coluna, seit 1928 im Exil, waren reine
Illusion. Doch aus Sicht der KI, und somit der PCB, stellte
sich die Lage in Brasilien wie in China dar: Prestes wurde
mit Chang Kai-Schek verglichen, der BOC wiederholt als
brasilianischer Kuomintang betitelt.
Im November 1930 wurden Prestes und die PCB von der
AL überholt: Vargas hatte zwar die
Präsidentschaftswahlen an Washinton Luis verloren,
putschte sich jedoch mit Hilfe des Militärs und der
ehemaligen „Coluna“-Offiziere an die Macht. Doch wie
Prestes vorhergesagt hatte, änderte sich unter Vargas
letztlich nichts, obwohl dieser für seinen Putsch die
Bezeichnung “Revolution” beanspruchte. Diese bestand
vielmehr darin, dass die republikanische Verfassung von
1871 vollends aufgehoben wurde und Vargas mit einer
“provisorischen Verfassung”, die Legislative und
Exekutive in der Person des Präsidenten vereinte, als
Diktator regierte. 1934 wurde eine neue Verfassung
erlassen, die unter anderem das Frauenwahlrecht
einführte. Allerdings lag die Wahlbeteiligung bei der
anschließenden Parlamentswahl mit 5,5% noch niedriger
als 1930 mit 5,7%, da das Wahlrecht nach wie vor
Analphabeten (75%) ausschloß. Diese Periode der
„Scheindemokratie“ hielt allerdings nur ein Jahr lang
unter Vargas an, der von 1930 bis 1945 an der Macht war.
1931 wurde Prestes von der KI nach Moskau eingeladen.
1933 wurde er in Abwesenheit zum obersten Führer der
PCB erklärt, ein Schritt, durch den die Anhänger Prestes
(die “Mittelschicht” in der Gestalt des Kleinbürgertums
und der verarmten Bourgeoisie) der PCB zugeführt
werden sollten. Das Konzept “Klasse gegen Klasse” wurde
offiziell dem der „Demokratischen Einheitsfront“
untergeordnet. Im Zuge dieser von der KI angeordneten
Entwicklung zur Einheitsfront-Politik wurde die PCB
derartig umstrukturiert, dass die Kader der 20er Jahre
entmachtet und durch neue ersetzt wurden. Zum Beispiel
war der neue Generalsekretär Antonio Maciel Bonfim zum
Zeitpunkt seiner Ernennung erst zwei Jahre in der Partei
organisiert. Im Zuge der Bolschewisierung war das
Exekutiv-Komitee der KI faktisch entmachtet worden; die
KI folgte jetzt direkt den Direktiven von Präsidium und
Sekretariat, also der Spitze der KPdSU um Stalin.
Von Moskau aus wurde Prestes 1934 in Begleitung Olga
Benarios nach Brasilien zurückgeschickt, um für die PCB
eine Revolution anzuführen.

Olga Benarios Rolle in der revolutionären Linken


Brasiliens

Olga Benario, 1908 als Tochter eines jüdische Anwalts in


München geboren, schließt sich 1923 mit 15 Jahren der
KPD-Jugend, dem KJVD, an. Ein knappes Jahr später lernt
sie Otto Braun kennen, mit seinen 22 Jahren bereits ein
erfahrener und anerkannter Kader der KPD, und zieht mit
ihm nach Berlin-Neukölln. Olga steigt schnell innerhalb
der Neuköllner Rot Front Jugend (RFJ) auf und wird 1926
Polit-Sekretärin des Neuköllner KJVD sowie Sekretärin für
Agitation und Propaganda des KJVD Berlins.
Im Oktober desselben Jahres werden sie und Otto Braun
verhaftet. Olga kommt bereits nach zwei Monaten frei,
doch Otto wird als „SU-Spion“ des Hochverrats
angeklagt. In Abstimmung mit der Parteischutz-Abteilung
befreien Olga und sechs weitere Aktivisten des KJVD-
Neukölln Otto Braun am 11. April 1927 aus dem
Landgericht Moabit. Olga Benario und Otto Braun
flüchten in die SU. In Moskau wurde die „Vorzeige-
Jungkommunistin“ Olga Benario in das Zentralkomitee
der Kommunistischen Jugend-Internationale (KJI)
gewählt. In ihrer Zeit in Moskau legte sie besonderen
Wert darauf, neben ihrer theoretischen Weiterbildung die
militärische voranzutreiben. Im Sommer 1934 wird sie von
der KI auf eine geheime Mission vorbereitet: Sie soll Luis
Carlos Prestes als Personenschützerin sicher nach Brasilien
„einschmuggeln“. Auf der ersten Etappe ihrer Reise, einer
Kreuzfahrt nach New York, verlieben sich die beiden als
Brautpaar auf Hochzeitreise getarnten Kader. Bereits
einige Monate später ist sie schwanger.
Olga Benario war nicht die einzige Agentin der KI, mit der
Prestes 1934 nach Brasilien kam, um den revolutionären
Prozess zu entfachen. Die KI beorderte den nach Shanghai
strafversetzten KI-Kader Arthur Ewert, den ebenfalls in
Ungnade gefallenen argentinischen KI-Kader Rodolfo
Ghioldi, den jungen amerikanischen KI-Agenten Victor
Allen Barron, den Belgier Léon Vallé und das deutsche
Ehepaar Gruber nach Brasilien. Paul Gruber war dorthin
als Sprengstoff-Spezialist geschickt worden. Was die KI
und Prestes nicht wussten, war, dass er ein Spitzel der
Gestapo war und mit den brasilianischen und
amerikanischen Geheimdiensten kooperierte.
Da das Offizierstum in Brasilien die einzige Chance für
Bildung und sozialen Aufstieg bot, war das brasilianische
Militär von gebildeten Arbeitersöhnen durchsetzt. (Ein
Phänomen, was auch heute noch in Lateinamerika
weitgehend zutrifft) Seit jeher war demnach das Militär
ein fruchtbarer Boden für kommunistische Ideen. Prestes
äußerte einmal in einer Rückschau, dass es einfacher war,
Soldaten zu rekrutieren als Zivilisten. Mit ihren Zellen
innerhalb der Garnisonen wollte die PCB an die Tradition
der Offiziersrevolten anknüpfen und den Volksaufstand,
die Revolution, die Machteroberung durch einen
Militärputsch einleiten.
Um die Bevölkerung auf den Aufstand vorzubereiten,
bediente sich die PCB der “Aliança Nacional Libertadora”
(ANL – Nationale Befreiungs Allianz), die von Prestes
geführt wurde. Aufgrund des Ansehens, das Prestes
genoss, sollte die ANL eine breite Verankerung in den
Volksmassen erhalten. Die ANL war 1934 von Anhängern
der linken Strömung des „Tenentismo/Prestismo“
gegründet worden und hatte Luis Carlos Prestes „in
Abwesenheit“ zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Die
Zustimmung in der Bevölkerung war groß, täglich traten
3000 neue Mitglieder ein, insgesamt zählte die ANL
vermutlich ca. 1 Million eingeschriebene Mitglieder.
Prestes Anwesenheit in Brasilien war weiterhin geheim,
die KI gaukelte durch Falschmeldungen in der Pravda vor,
er sei in Moskau, wo er 1935 in das Exekutiv-Komitee der
KI gewählt worden war. Die ANL veröffentlichte mehrere
Briefe, die er vorgeblich aus Moskau schrieb. Im
entscheidenden Augenblick sollte Prestes in Rio de Janeiro
erscheinen und die Volksmassen zur Revolution führen.
Vieles ist heute noch aufgrund der mangelnden
Quellenlage über die missglückte Revolution von 1935
unklar. Es lässt sich nicht genau rekonstruieren, ob und
inwiefern sie in ihrem Verlauf detailliert durchdacht und
geplant war und inwieweit sie von der KI und der
KPdSU gesteuert war. Soviel steht jedoch fest: In der
Nacht auf den 24. November d.J. führten die
kommunistischen Soldaten in Natal im Norden Brasiliens
einen Aufstand im Namen der ANL durch, bei dem sie
den Gouverneur Rio Grande do Nortes, dessen Minister
und den Polizeipräsidenten in ihre Gewalt brachten, die
Stadt militärisch kontrollierten und ein revolutionäres
Komitee bildeten. Im Verlauf des 24. November folgten
ihnen Soldaten in Recife (ebenfalls im Norden), scheiterten
jedoch an den zur Verstärkung gerufenen Bundestruppen
und zogen sich bereits am folgenden Tag zurück.
In Rio de Janeiro sollte ein Aufstand in der Kaserne des 3.
Infanterie-Regiments Ausgangspunkt des Putsches sein,
gleich neben dem weltberühmten Zuckerhut, im Zentrum
Rios. In dieser Kaserne befanden sich 1700 Soldaten und
300 Offiziere; die Zelle der PCB zählte 30 Mann. In der
Nacht vom 26. auf den 27. November sollte der Aufstand
beginnen. Die Soldaten sollten anschließend zum Palast
des Präsidenten vorstoßen und diesen festnehmen. Dieser
Ablaufplan war von Prestes selbst entwickelt und
ausgegeben worden.
In dieser Nacht war für alle Militäreinheiten höchste
Bereitschaft angeordnet worden, offenbar wurde ein
Aufstand angesichts der Geschehnisse in Natal und Recife
erwartet. Als um 3 Uhr morgens auf das verabredete
Zeichen hin der Kampf um die Kontrolle des 3. Infanterie-
Regiments begann, reagierte der Militärapparat sofort. Die
Kaserne wurde umstellt, die Boten, die die Nachricht vom
Aufstand in die Bundesstaaten Rio Grande do Sul und
Minas Gerais bringen sollten wurden abgefangen und der
Präsident Vargas verordnete noch in der selben Stunde
den Ausnahmezustand. Der Militäraufstand breitete sich
auch auf keinen der anderen zahlreichen Stützpunkte der
Hauptstadt aus, lediglich die Luftwaffen-Schule schloß
sich dem 3.Infanterie-Regiment an. Um 1 Uhr nachmittags
am 27. November ergaben sich die Aufständischen des
3.Infanterie-Regiments. Der von der PCB ausgerufene
Generalstreik zeigte keine große Wirkung.
Statt der Revolution begann bereits am 23. November 1935
in Brasilien die erste große Welle politischer Repression
gegen revolutionäre Kräfte. Bekannte Aktivisten und
Mitglieder der ALN und der PCB wurden festgenommen,
ebenso trotzkistische und anarchistische Aktivisten, sofern
es ihnen nicht gelang, rechtzeitig abzutauchen. In der
Hauptstadt wurde die „Kommunisten-Jagd“ vom
Polizeipräsidenten Filinto Müller angeführt, der ein hohes
Kopfgeld auf Prestes aussetzte, tot oder lebendig. Als
Prestes nach einem Monat noch nicht geschnappt worden
war, verlängerte Vargas den Ausnahmezustand. In den
folgenden Monaten wurde die Organisation der PCB
durch die Aussagen der Frau des Generalsekretärs der
PCB, Elvira Cupelo Colônio, erschüttert. Sie war bereits
frühzeitig mit ihrem Ehemann Maciel Bomfin verhaftet
worden. Vermutlich kam der Polizei eine durch den
Schock der Verhaftung ausgelöste psychische
Destabilisierung zugute, jedenfalls wurde sie in den
Monaten nach der fehlgeschlagenen Revolution mehrmals
auf freien Fuß gesetzt und führte die Polizei wiederholt zu
klandestinen Strukturen der PCB. Das ZK der PCB ließ
Cupelo Colônio festsetzen und verhörte sie anschließend.
Mit der Zustimmung Prestes erfolgte der Beschluss, dass
sie aufgrund des Verrats zu exekutieren sei. Dieser
Beschluss wurde dann von Mitgliedern des ZK
eigenhändig ausgeführt. In Brasilien bestand zu dieser
Zeit ein ganzes Netz von Spitzeln, die für die Gestapo,
den Intelligence Service und die CIA arbeiteten und die
brasilianische Polizei mit „Tipps“ unterstützten. So
berichtete der US-Konsul Xanthaky, der Arthur Ewert drei
Wochen nach seiner Verhaftung besuchte, dieser hätte ihm
berichtet, von deutschen Gestapo-Agenten und russischen
Weißgardisten gefoltert worden zu sein.
Prestes und Olga wurden erst am 5. März 1936 in ihrer
klandestinen Wohnung in Rio verhaftet. Prestes,
Staatsfeind Nr. 1, hätte eigentlich bei der Verhaftung
erschossen werden sollen, doch Olga hinderte die
Soldaten an der Ausführung. Die beiden wurden getrennt
und Prestes saß anschließend bis 1945 in Einzelhaft.
Aufgrund Olga Benarios gefälschter Papiere war ihre
Identität zunächst nicht zu ermitteln. Sie bestand darauf,
Prestes’ Frau zu sein und somit ein Anrecht auf die
brasilianische Staatsbürgerschaft zu haben. Anhand ihres
Akzents und der Informationen des Gestapo-Spitzels
Gruber wurde ihre deutsche Herkunft vermutet. Ihre
Identität stellte schließlich die Gestapo mit Hilfe des
brasilianischen Botschafters in Berlin, José Joaquim Muniz
de Aragão, fest, der ein großer Bewunderer derselbigen
war.
Im Gefängnis in Brasilien schritt Olgas Schwangerschaft
fort. Sie hoffte durch diese eine Auslieferung an die Nazis
zu verhindern, da der Vater ihres Kindes Brasilianer war.
Doch der Polizeichef Filinto Müller, ein Offizier, der aus
der „Coluna Prestes“ desertiert war, veranlasste mit
Vargas die Abschiebung nach Nazi-Deutschland. Müller
konnte dies mit Genugtuung als einen Schlag gegen
Prestes Person sehen.
Gegen ihre Abschiebung aus Brasilien organisierte die
Internationale Rote Hilfe (IRH) eine Solidaritäts-
Kampagne in allen europäischen Häfen, so dass die
Gestapo gezwungen war, ein Schiff aufzutreiben, dass
direkt von Rio de Janeiro nach Hamburg fuhr. Nachdem
Olga dennoch nach Deutschland deportiert worden war,
erreichten IRH und Internationales Rotes Kreuz jedoch,
dass Olgas Tochter Anita in die Obhut Prestes’ Mutter
übergeben wurde. Olga Benario wurde nach der Geburt
ihrer Tochter nach Lichtenburg verlegt, und nach einem
Jahr, Ende 1938, in das KZ Ravensbrück. Obwohl sie nicht
bei den politischen Gefangenen, sondern den „Asozialen“
untergebracht worden war, setzte Olga ihre politische
Arbeit auch im KZ fort. Sie trieb den Zellenblock zum
Frühsport, gab Unterricht gab und inszenierte Lehrstücke;
und das, obwohl die Frauen im KZ Ravensbrück 12
Stunden täglich als Zwangsarbeiterinnen für Siemens
arbeiten mussten. Im Februar 1942 wurde sie im KZ
Bernburg vergast.

Die Phase des “Estado Novo”

Nach November 1935 waren die brasilianischen


Gefängnisse gefüllt mit Mitgliedern der ANL und der
PCB. Zwei der Hauptgefängnisse für politische Gefangene
waren die Gefängnisinseln Fernando de Noronha und die
Ilha Grande. Auf ersterer entstand ein legendäres
Gefangenen-Kollektiv, dessen Sprecher ein junger und
von seinen Mitinsassen hoch angesehener Kommunist aus
Bahia namens Carlos Marighella war.
Marighella war 1930 mit 19 Jahren der PCB in seiner
Heimatstadt in Bahia beigetreten. Da nach 1935 viele
Aktivisten und Kader der PCB im Gefängnis saßen,
musste die Partei Aufgaben an jüngere und unerfahrenere
Aktivisten umverteilen. So kam Marighella 1937 nach São
Paolo, die Stadt, die seine spätere politische Laufbahn
prägen sollte. 1939 wurden er und alle anderen
Führungskader der PCB verhaftet und kamen nach
Fernando de Noronha. Als diese Gefängnisinsel 1942
wegen des II. Weltkrieges geschlossen wurde, verlegte
man sämtliche Gefangene nach Ilha Grande.
Während der Großteil der Aktivisten der PCB im
Gefängnis saßen, beschloss eine kleine Gruppe, die auf
nationaler Ebene die Führung inne hatte, ein neues
Zentralkomitee zu bestimmen, mit dem inhaftierten
Prestes als Generalsektretär. Auch Marighella war für
dieses ZK bestimmt worden, doch schloss er sich der
Position der Basisgruppen aus Sao Paolo an und weigerte
sich dieses auferlegte ZK anzuerkennen.
1937 inszenierte Vargas einen „kommunistischen“
Putschversuch. Er nutzte diesen, um eine neue Verfassung
zu erzwingen, mit der der Ausnahmezustand
festgeschrieben wurde, der sogenannte „Estado Novo“
(Neuer Staat) wurde proklamiert. Damit wurden faktisch
die Verhältnisse wiederhergestellt, unter denen Vargas
bereits 1930-1934 regiert hatte. Durch den Eintritt der US-
Amerikaner in den II. Weltkrieg war Vargas gezwungen,
gegen Nazi-Deutschland Partei zu ergreifen, mit dem das
Brasilien des faschistoiden „Estado Novo“ bis dahin
freundschaftliche Beziehungen gepflegt hatte. Und so
landeten in Italien mit den us-amerikanischen Streitkräften
auch einige hundert brasilianische Soldaten. Die PCB
beschloss für die Dauer des Krieges ihre politischen
Aktivitäten einzustellen und „ihrer“ Regierung nicht in
den Rücken zu fallen, da mit dem Kriegseintritt Brasiliens
gegen den Nazi-Faschismus ein faktisches Bündnis mit
der SU bestand.
Nach dem II. Weltkrieg wurden die Gefangenen der PCB
und der ANL freigelassen. Prestes wurde als
Generalsekretär der Partei zuerst in Rio de Janeiro, dann
in São Paolo in Fussballstadien von den Massen gefeiert.
Die PCB wurde von Vargas legalisiert und nahm an den
Parlamentswahlen 1945 teil. Prestes wurde zum Senator
gewählt und 14 weitere Kommunisten zu Abgeordneten,
unter ihnen Marighella. Nur zwei Jahre später wurden
den Kommunisten die Mandate aberkannt und die PCB
erneut verboten. Die Aktivitäten in der Legalität, u.a. im
Parlament, und ihr Verbot hatte der Partei jedoch die
nötige Aufmerksamkeit verschafft, um sich endgültig zur
Massenorganisation zu entwickeln.
Vargas war 1945, ein halbes Jahr vor den von ihm
verordneten Wahlen, durch einen Militärputsch abgesetzt
worden. 1950 kandidierte er erneut als Präsident und
wurde als „Liebling des Volkes“ gewählt. Bei seiner
populistischen Kampagne „Das Öl ist unser“, die 1953 in
der Verstaatlichung der brasilianischen Ölförderung
mündete, wurde er auch von der PCB unterstützt. Diese
orientierte sich in den 50er Jahren auf die Basisarbeit in
den Massenorganisationen. Eine zentrale Figur war auch
hier Marighella, der ab 1952 die Aktivitäten der PCB
innerhalb der Gewerkschaften koordinierte. So wurde ihm
auch der Erfolg des „Streiks der 300 000“ Anfang 1953 in
São Paolo zugeschrieben. Ausgelöst durch Arbeiter der
Textilindustrie, die 60% mehr Lohn forderten, weitete sich
der Streik auf die Metaller, Drucker, und andere Sektoren
aus und führte zu einer 32%igen Lohnerhöhung und der
Freilassung aller während des Streiks Verhafteten.
Vermutlich aus Gründen des internen Machtkampfes
wurde Marighella daraufhin für ein Jahr in die
Volksrepublik China beordert.
Die PCB gewann in diesen Jahren viel an Zulauf unter den
Arbeiter- und Volksmassen. Sie kam jedoch nicht der
Popularität des „Volkspräsidenten“ Vargas bei, der auf
seinem nationalistischen Kurs sogar so weit ging, einen
Arbeitsminister zu ernennen, der eine Anhebung des
Mindestlohns um 100% durchsetzen wollte. Obwohl
dieser gewisse Goulart, der einige Jahre später noch eine
wichtige Rolle spielen sollte, sofort von Vargas abgesetzt
wurde, erhöhten die brasilianischen und internationalen
Oligarchien den Druck enorm auf Vargas. Dieser gab sich
vier Monate später, im August 1954, in seinem
Regierungspalast „die Kugel“.

Die “Entstalinisierung” der PCB

Besonders hart traf die PCB, die ja eine „Modell-Partei“


der KI gewesen war, die Kritik Nikita Kruschevs an Stalin,
die 1956 auf dem 20. Kongress der KPdSU formuliert
wurde. Die PCB weigerte sich, die Verbrechen des
Stalinismus anzuerkennen und leugnete anfangs die
diesbezüglichen Meldungen der bürgerlichen Presse bis
Ende des Jahres der brasilianische Delegierte verspätet aus
Moskau zurückkehrte. Viele brasilianische Kommunisten
waren nach diesen Enthüllungen am Boden zerstört.
In den folgenden vier Jahren entwickelte sich eine Debatte
um die Restrukturierung der Partei. Diógenes Arruda
Câmara und Mauricio Grabois, die 1956 beide am 20.
Kongress der KPdSU teilgenommen hatten, vertraten die
Auffassung, dass die Enthüllungen des 20. Kongresses als
Vorwand benützt würden, die revolutionäre PCB in eine
bürgerlich-demokratische Partei umzuwandeln. Im
Zentrum dieser Debatte stand für sie die Frage, welche
reellen Auswirkungen der Stalinismus auf die Praxis der
Partei gehabt hatte. Tatsächlich war auch in der PCB um
Stalin als „Sieger über den Faschismus im II. Weltkrieg”
ein Personenkult errichtet worden. Die Vertreter einer
revolutionären Linie innerhalb der PCB verteidigten
jedoch eine Auseinandersetzung mit den marxistisch-
leninistischen Grundideen der Partei und widersprachen
der Darstellung, die PCB sei eine Kopie der KPdSU
gewesen, die die Verbrechen Stalins geteilt habe und
deswegen von Grund auf neu überdacht werden müsse.
Sie forcierten stattdessen eine Diskussion um die zentrale
Frage der Balance zwischen Demokratie und Zentralismus
in der Partei.
1958 erstellte eine Schatten-Kommission innerhalb des ZK,
die von Prestes und dessen Vertrauten gesteuert wurde,
ein neues Strategiepapier, die sog. März-Erklärung. In
diesem Papier wurde mit der marxistisch-leninistischen
Perspektive eines bewaffneten Aufstands abgerechnet.
Stattdessen sollte ein Pakt mit der nationalen Bourgeoisie
angestrebt, d.h. eine nationale Einheitsfront etabliert
werden, unter der das Land kapitalistisch entwickelt
werden sollte, bis es für den Sozialismus „reif“ wäre. Das
Ziel war die Erkämpfung der nationalen Souveränität
gegenüber dem in Brasilien dominanten US-
Monopolismus, erst danach sollten die Interessen der
Arbeiterklasse folgen. Als politisches Mittel wurde der
„demokratische Reformismus“ vorgegeben. Diese
programmatische Neuausrichtung wurde 1960 auf dem 5.
Parteitag, auf dem Prestes erneut zum Generalsekretär
gewählt wurde, zur Parteilinie erklärt. Auf diesem
Parteitag wurde die Partei auch in „Partido Comunista
Brasileiro“ (Brasilianische Kommunistische Partei)
umbenannt; der vormalige Parteiname „Partido
Comunista do Brasil“ (KP von Brasilien) wurde damit
abgelegt.
Dieser neuen Parteilinie wurde mit dem „Brief der
Hundert“ widersprochen, in dem Diógenes Arruda
Câmara, Mauricio Grabois, João Amazonas, Angelo
Arroyo, Carlos Danielli und Pedro Pomar, die vor dem 5.
Parteitag Mitglieder des ZK gewesen waren, eine Abkehr
von diesen revisionistischen Tendenzen forderten. Viele
andere Partei-Aktivisten unterstützten die Erklärung der
Vertreter der revolutionären Linie in der Partei. Als
Antwort wurden sie von der Parteiführung aus
„disziplinarischen Gründen“ ausgeschlossen. Ihre Postion
wurde als Sympathiebekundung gegenüber der
chinesischen KP verklärt. Die KPCh begann Mitte der 50er
Jahre eine Polemik mit der KPdSU um Grundfragen der
Strategie und Taktik kommunistischer Politik. Die
Vertreter der revolutionären Linie verwahrten sich in
einem Brief an Kruschev gegen diese Unterstellungen, die
in der Pravda verbreitet und auch von der bürgerlichen
Geschichtsschreibung übernommen wurden.
Gegen den pazifistischen Reformismus der Prestes-
Moskau-Linie gründeten die ausgeschlossenen
Revolutionäre die Kommunistische Partei als PCdoB (KP
von Brasilien) neu. Zentral war, dass der PCdoB der
bewaffnete Volksaufstand als Mittel der Revolution galt.
Marighella, Joaquim Câmara Ferreira, Apolônio de
Carvalho und andere akzeptierten die Prestes-
Umstrukturierungen zugunsten der Einheit der Partei und
der internen Disziplin. Sie setzten ihre Opposition
innerhalb der PCB fort, was später nach dem Militäputsch
von 1964 für viele allerdings untragbar wurde.

Zur gesamtpolitische Entwicklung Brasiliens nach Vargas

Nach Vargas Tod wurde Juscelino Kubitschek zum


Präsidenten und der Vargas-Anhänger Joao Goulart zum
Vizepräsidenten gewählt. Kubitschek strebte, wie auch
Vargas zuvor, die kapitalistische Weiterentwicklung der
brasilianischen Produktivkräfte an. Er setzte jedoch nicht
auf den nationalistischen Kurs wie Vargas und auch die
PCB, sondern er sah das internationale Kapital als
wesentlichen Faktor. Entgegen der Position der PCB stieß
diese Vorstellung beim nationalen brasilianischen Kapital
auf offene Ohren. Kubitschek zufolge hätte die
kapitalistische Entwicklung und der gesteigerte
gesellschaftliche Reichtum die Ungerechtigkeiten in der
brasilianischen Gesellschaft behoben.
1960 unterstützte die PCB bei den Präsidentschaftswahlen
den konservativen nationalistischen General Lott, der nach
Vargas Tod demokratische Wahlen gewährleistet hatte. Es
gewann jedoch der progressivere Konservative Jânio
Quadros. Vizepräsident wurde erneut João Goulart, der
mit Lott kandidiert hatte, aber ein Symphatieträger der
Arbeiterbewegung war. Obwohl sich Jânio Quadros
Politik eng an den Richtlinien des IWF orientierte,
bereitete er der brasilianischen Oligarchie Kopfzerbrechen.
Er vertrat eine „autonome und nicht-angepaßte
Außenpolitik“. Diese drückte sich u.a. darin aus, eine
Annäherung an Cuba zu einem Zeitpunkt zu suchen, an
dem die USA paramilitärische Invasionen gegen den
Inselstaat startete. Quadros empfing Staatsgäste in
traditionellen indischen Gewändern und Che Guevara bei
einem Besuch mit allen repräsentativen Ehren. Als
Quadros dem „Freiheitskämpfer“ Che auch noch den
höchsten Orden des brasilianischen Staates verlieh, war
der Gipfel für die Oligarchie erreicht. Um seine
Vorstellungen gegen das Parlament (einschließlich seiner
Verbündeten) durchzusetzen, drohte er wiederholt mit
seinem Rücktritt und verkündete diesen am 25. August
1961. Bis heute sind den Historikern seine genauen
Beweggründe ein ungelöstes Rätsel.
Unter der Führung des jungen national-sozial orientierten
Gouverneurs von Rio Grande do Sul, Leonel Brizola, und
einer demokratischen Einheitsfront, an der sich auch die
PCB beteiligte, ging das Volk auf die Straße, um die
Amtsübernahme des Vizepräsidenten Goulart
einzufordern. Dieser wurde nur dadurch Präsident, weil
er sich zu Konzessionen bereit erklärte und präsidiale
Befugnisse an ein neu geschaffenes Amt des
Premierministers abtrat. Goulart stieß in den folgenden
drei Amtsjahren viele grundlegende Reformen der
brasilianischen Gesellschaft an Sein Rückhalt im Volk
erlaubte es ihm sogar, sich per Volksentscheid den
Premierminister wieder vom Hals zu schaffen. Dennoch
führte er seine Reformprojekte nicht konsequent durch; er
verweigerte sich letztlich, den Kampf der Volksmassen
gegen die Oligarchie anzuführen.
Die Massenkämpfe waren in diesen drei Jahren in voller
Blüte: unter der Führung der PCB wurde der „1.
Nationale Kongress der Landarbeiter“ abgehalten, der den
Kampf um die Agrarreform einläutete. 1962 gründeten in
São Paolo 3500 Delegierte das „Comando Geral dos
Trabalhadores“ („Allgemeine Führung der Arbeiter“)
nachdem in den vorhergegangenen beiden Jahren 3
Millionen Arbeiter in den Streik getreten waren.
Doch auch die brasilianische Rechte war hochgradig aktiv.
Sie bereitete an mehreren Fronten die bewaffnete Counter-
Politik gegen die erstarkende proletarische Aktivität vor.
Die Armee richtete Trainingscamps der Paramilitärs ein,
die CIA unterstützte den Aufbau einer 10 000-Mann
starken Privatarmee in Alagoas im Landesinnern und
auch im Nordosten bereiteten sich die Großgrundbesitzer
auf eine bewaffnete Auseinandersetzung mit der armen
Landarbeiter-Bevölkerung vor. Wie bereits damals eine
parlamentarische Untersuchungskommission belegte, übte
die CIA zu diesem Zeitpunkt durch eine Tarnorganisation,
das IBAD (Brasilianisches Institut für Demokratische
Aktion), Einfluss auf Politiker, Intellektuelle und
Gewerkschafter aus, manipulierte Wahlen und finanzierte
die Wahlkampagnen von mehr als hundert
Parlamentariern.

Der Militärputsch 1964

Anfang des Jahres 1964 wusste Präsident Goulart bereits


von den Vorbereitungen eines Militärputsches gegen ihn,
auch dass dieser vom Militärattaché der amerikanischen
Botschaft, Coronel Vernon Walters, koordiniert wurde. Er
stützte sich auf seinen Rückhalt im Volk und rief zu
Demonstrationen zur Unterstützung einer
Verfassungsänderung auf, die seine Reformen ermöglicht
hätte.
Am 31. März 1964 inszenierte ein CIA-Agent innerhalb
der brasilianischen Marine eine Pro-Goulart-
Demonstration von 200 Matrosen, die als Vorwand für
den Militärputsch diente. Der Putsch wurde begleitet von
Demonstrationen bürgerlicher katholischer
Organisationen; das Kleinbürgertum und die Bourgeoisie
begrüßten die Wiederherstellung der Ordnung. Zwei von
der PCB dominierte Panzerdivisionen in Rio de Janeiro
versuchten in den ersten Tagen noch einen Gegenputsch
loszutreten, doch dieser missglückte und die
kommunistischen Soldaten wurden eingesperrt. Die PCB
rief am 31. März einen Generalstreik in Rio de Janeiro aus,
der sich jedoch als taktischer Fehler offenbarte, da er das
Proletariat quasi „stilllegte“ und den Putschisten die
Straßen überließ. Somit waren keine widerständigen
Volksmassen in der Stadt präsent. Zeitgleich begann die
Jagd auf die Mitglieder der kommunistischen Partei.
Prestes war im Untergrund, einige andere, die sich in Rio
de Janeiro befanden, unter ihnen Marighella, redigierten
einen Diskussionsvorschlag, in dem die pazifistische
Politik des Paktes mit der Bourgeoisie revidiert wurde
und in dem sie zum Widerstand gegen den Militärputsch
aufriefen.
Spontanen Widerstand gab es in den ersten Tagen vor
allem von den organisierten Studenten, die am Abend des
31. März im Zentrum Rio de Janeiros im FNFi
(Philosophie-Institut) und im CACO (Jura-Akadamie)
„Teach-Ins“ zum Schusswaffen-Gebrauch abhielten.
Verschiedene PCB-Abspaltungen hatten in den folgenden
Jahren ihren Ursprung in der studentischen Fraktion der
PCB. Diese verfolgten das Ziel, sich der Militärdiktatur
offensiver als es die Parteilinie vorsah zu widersetzen.
Nachdem die PCB unter Prestes sich weigerte, ihre
strategische Verirrung zuzugeben und den bewaffneten
Widerstand zu organisieren, bildeten sich in ganz
Brasilien “Dissidências do PCB” (Abspaltungen), die
häufig der Ausgangspunkt für die neuen Stadtguerilla-
Organisationen wurden, allen voran die ALN.
Leonel Brizola, der der sozialdemokratischen PTB
(Partido Trabalhista Brasileiro – Arbeiter Partei Brasiliens)
angehörte, ging ins Exil nach Uruguay und versuchte von
dort aus, einen bewaffneten Widerstand zu koordinieren,
der jedoch nie zustande kam. Später beteiligten sich
Aktivisten der PTB an der Stadtguerilla in Porto Alegre.
Mit dem Putsch begann eine große Repressionswelle
gegen die revolutionäre Linke. Die Organe der Repression
waren sowohl die politische Polizei, das DOPS (Abteilung
für Politische und Soziale Ordnung), und der
Geheimdienst (SNI), als auch, denn es war ja ein
Militärputsch, die Nachrichtendienste von Marine
(CENIMAR), Luftwaffe (CISA) und Heer (CIE).
In der ersten Phase wurden 4000 politische Oppositionelle
verhaftet. Die PCB ging in die Defensive. Carlos
Marighella wurde in einem Kino in Rio de Janiero vom
DOPS gestellt. Diese legendäre Szene stellte sich
folgendermaßen dar: Durch laute Rufe wies er darauf hin,
dass er unbewaffnet sei, kein Krimineller, sondern
Kommunist und die „Ganoven“ ihn umbringen wollen.
Ein Schuss trifft ihn in die Brust, verletzt jedoch weder
Herz noch Lunge und so wird er unter Schlägen in einen
Lieferwagen vor dem Kino gezerrt, wobei er unaufhörlich
„Nieder mit der Diktatur, es lebe der Kommunismus, es
lebe die Demokratie!“ skandiertt. Durch das Aufsehen, das
er bei seiner Verhaftung erregt, ist der öffentliche Druck
auf das DOPS groß. Er wird in ein Krankenhaus gebracht
und nicht gefoltert bzw. getötet. Einige Tage später
stattete ihm der als Staatsanwalt agierende General der
Junta im Gefängnis einen Besuch mit Presse ab. Während
dieses Termins zog sich Marighella das Hemd aus und
zeigte den Pressevertretern seine Einschusslöcher. Zudem
denunzierte der die Folter an den anderen politischen
Gefangenen. Zwei Monate später musste er freigelassen
werden. Er tauchte sofort ab, da gegen ihn bereits eine
Präventivhaft verordnet worden war.
Im Untergrund publizierte er das Buch „Porque resistí a
Prisão“ („Warum ich gegen meine Verhaftung Widerstand
leistete“), in dem er zum Widerstand gegen die
Militärdiktatur agitiert. Er wollte öffentlich ein Symbol des
Widerstands gegen die neuen Machthaber setzen, die „die
Interessen der Ausbeuter repräsentierten und
verteidigten.“ Da die Militärdiktatur die Interessen der
USA durchsetzte ($ 425 Millionen-Kredit an die
Militärjunta, Ernennung von US-nahen Generälen für die
Ministerien für Wirtschaft und Planung), sei ein Bündnis
mit der fortschrittlichen nationalen Bourgeoisie
unumgänglich. Allerdings nicht auf dem pazifistischen
Weg, den die PCB vertrat, denn „eine friedliche
Revolution (sei) durch die Gewalt der Feinde des Volkes
in weite Ferne gerückt“. Nur bewaffneter Widerstand
würde, so Marighella, „Unabhängigkeit und sozialen
Fortschritt“ erkämpfen können. Er warnte davor, dass das
neue Regime sich die durch eine Schein-Verfassung eine
bürgerlich-demokratische Fassade geben könnte.
Die PCB sah diese Äußerungen Marighellas als
Provokation an. Die Analyse des Putsches befand sie
zwar als korrekt, doch was den bewaffneten Widerstand
betraf, vertrat Marighella eine der Parteilinie
entgegengesetzte Position. Durch die Umstände der
Klandestinität wurde Marighellas Positionierung jedoch
erst bei einem Treffen des ZK im Mai 1965 offiziell
thematisiert. Marighella wich der offenen Konfrontation
mit der Parteiführung aus, um seine Position im ZK zu
erhalten und einem potentiellen Ausschluss zu begegnen.
Er versuchte seine Stellung als ZK-Mitglied zu nutzen, um
innerhalb der Partei Zustimmung für den bewaffneten
Kampf zu sammeln. Dieser Taktik der internen Opposition
schlossen sich mehrere Mitglieder des ZK an: Mario Alves
(später PCBR), Apolônio de Carvalho (später PCBR und
ALN), Jacob Gorender und Antonio Câmara Ferreira
(später ALN).
1965 veröffentlichte Marighella den Aufsatz „A Crise
Brasileira“ („Die Brasilianische Krise“), in der er die
brasilianische Ökonomie im Kontext der weltweiten
kapitalistischen Krise analysierte. Danach hatte sich das
Regime mittlerweile stabilisiert. Und entgegen der
Analysen der PCB hatte sich die nationale Bourgeoisie
sehr gut mit der imperialistischen Dominanz arrangiert.
Die brasilianische Bourgeoisie ging eine Allianz mit dem
US-Imperialismus ein, der deren Interessen keineswegs
beschnitten hatte, sondern vielmehr ein
Wirtschaftswunder nach dem Muster des IWF einleitete.
Daher distanzierte sich Marighella mit diesem Papier von
der Strategie der PCB, die nach wie vor auf ein Bündnis
unter der Führung einer (fiktiven) national-progressiven
Bourgeoisie setzte. Der organisierte bewaffnete
Widerstand spielte in den strategischen Überlegungen der
PCB keine Rolle und wurde folgerichtig abgelehnt.
Stattdessen müsse, so Marighella inhaltlich, der
bewaffnete Kampf im Verbund mit allen anti-
diktatorischen Kräften bis zum revolutionären Bürgerkrieg
verfolgt werden. Allerdings betonte er, dass nur die
Hegemonie der Kommunisten in dieser angestrebten
„Antifaschistische Einheitsfront“ verhindern würde, nicht
in einem weiteren bürgerlichen Staat zu enden. Ein solcher
wäre ohnehin nicht in der Lage, die notwendigen
Veränderungen in der brasilianischen Gesellschaft
herbeizuführen, sich vom US-Imperialismus zu
emanzipieren und den Großgrundbesitz aufzulösen.
Außerdem kritisierte er die Fixierung der PCB auf die
urbanen Zentren und die Vernachlässigung der
Landarbeiter und der Agrar-Frage. Dieses Papier erzwingt
die interne Partei-Debatte, vor allem weil Marighella seine
Stellung im ZK geschickt einzusetzen verstand, um seine
Thesen innerhalb der Parteigliederungen zu verbreiten.
In der zweiten Hälfte des Jahres erklärte Marighella seinen
Rücktritt aus dem ZK, das zu diesem Zeitpunkt in zwei
Fraktionen gespalten war. Zudem kritisierte er, dass seit
dem Putsch von ’64 vom ZK keine Orientierung mehr für
die Partei ausgegangen sei. Er war jedoch weiterhin
Generalsekretär der PCB im Bundesstaat São Paolo, wo er
auch den meisten Einfluss hatte. Im April 1967 erschien
Prestes persönlich bei einer Versammlung in São Paolo,
um gegen die erneute Kandidatur Marighellas anzutreten.
Doch von 37 Delegierten entschieden sich 33 für
Marighella und den bewaffneten Kampf. Das ZK
annulliert im Nachhinein sowohl die Wahl als auch die
Mandate der Delegierten, die somit nicht am 6. Parteitag
1967 teilnehmen können. (Dieser parteiinterne „Vorgang“
wiederholt sich in Rio de Janeiro und in Rio Grande do
Sul)
Im März 1967 gab sich die Militärjunta, wie von
Marighella vorhergesagt, die demokratische Fassade einer
Scheinverfassung. Der bisherige Präsident General Costa e
Silva wurde vom General Castelo Branco abgelöst. Zwei
Parteien wurden gegründet: die Regierungspartei Arena
(Allianz Erneuerung Brasiliens, Vorsitzender Filinto
Müller) und die Oppositionspartei MDB (Demokratische
Bewegung Brasiliens). Der Präsident regierte weiterhin per
Dekret und erließ als erstes ein Pressegesetz und ein
Gesetz der Nationalen Sicherheit. Mit diesen
„gesetzlichen“ Grundlagen wurde die Zensur (1968
wurden 44 Theaterstücke verboten) und die politische
Justiz wieder eingeführt.
Marighella nahm im Sommer 1967 an der Konferenz der
OLAS (Lateinamerikanische Solidaritäts-Organisation) in
Kuba teil. Auf der OLAS-Konferenz kamen 700 Delegierte
aus 22 lateinamerikanischen Ländern zusammen. Sie war
ein Versuch der kubanischen Revolutionsregierung, den
bewaffneten Kampf auch auf dem Kontinent anzustoßen
und zu koordinieren. Die SU verfolgte seit dem II.
Weltkrieg eine Politik der Nicht-Unterstützung
bewaffneter Revolutionen, auch wenn eine partielle
(materiell-militärische) Hilfe hier und da gewährt wurde.
Kuba war isoliert und hatte ein unmittelbares Interesse an
einem revolutionären Prozess in anderen
lateinamerikanischen Ländern. Da die meisten KP’s in
Lateinamerika SU-hörig waren, befolgten sie die Linie des
„friedlichen Übergangs“ zum Sozialismus über die Etappe
einer bürgerlichen antiimperialistischen „Revolution“. Die
OLAS sollte die dem bewaffneten Kampf zugeneigten
oppositionellen Kreise innerhalb und außerhalb der KP’s
unterstützen und vernetzen. Sie hatte keinen bindenden
organisatorischen Charakter wie die KI.
Apolônio de Carvalho zufolge begann Marighella in Kuba
von den Ideen Régis Debrays beeinflusst zu werden, einen
Einfluss, den Carvalho als negativ bewertete, vor allem
hinsichtlich der Bedeutung einer Kommunistischen Partei
in der Revolution. Debray hatte, entgegen der Erfahrung
der kubanischen Revolution, begonnen, eine Theorie der
bewaffneten Revolution ohne Kommunistische Partei zu
vertreten.
Im September 1968 wurden Marighella, Joaquim Câmara
Ferreira, Apolônio de Carvalho, Jover Telles, Mario Alves,
Jacob Gorender und andere Oppositionelle aus
„disziplinarischen Gründen“ aus der Partei
ausgeschlossen, so dass Prestes auf dem 6. Parteitag keine
(starke) innerparteiliche Opposition zu befürchten hatte.
Tatsächlich hatten sich die Befürworter des bewaffneten
Kampfes darauf vorbereitet, die Parteilinie auf dem 6.
Parteitag zu kippen. Als sie jedoch mitbekamen, dass der
Parteitag zu ihrem Nachteil strukturiert wurde, bereiteten
sie die Gründung einer neuen Partei vor, der PCBR. Sie
schätzten, dass sich etwa die Hälfte der 12000 PCB-
Mitglieder der neuen KP anschließen würde.
Marighella jedoch, der in Kuba über dieses Projekt
informiert wurde, war von der Idee nicht begeistert: „Ich
werde nicht den Fehler begehen, eine dritte Partei
aufzubauen.“
Nach dem Ausschluss gründeten Mario Alves und
Aplônio de Carvalho die PCBR. Allerdings erhielt die
PCBR weniger Zulauf als erwartet wurde. Die PCBR
gründete sich vor allem, um eine „linkere
kommunistischere“ Politik als die PCB zu vertreten und
legte daher erst einmal ihren Schwerpunkt auf die
Propaganda-Arbeit unter den Massen. Ab 1969 beteiligte
sie sich aber auch am Aufbau und der Praxis der
Stadtguerilla.
Marighella befasste sich zu diesem Zeitpunkt mit den
komplexen Voraussetzungen, um in Brasilien eine Guerilla
aufzubauen. Dazu verfasste er den Text „Algumas
Questões sobre a Guerillha no Brasil“ („Einige Fragen
bezüglich der Guerilla in Brasilien“). In diesem Papier
unterteilte er den Guerillakrieg in drei Abschnitte:
Vorbereitung, Beginn/Überleben,
Wachstum/Stellungskrieg.
1. Die Vorbereitung muss von ideologisch gefestigten
Kadern vorgenommen werden, die Regionen
auskundschaften, Waffen und andere Logistik beschaffen
und sich durch Training auf den Guerillakampf
vorbereiten. Diese Phase findet in den Städten und unter
absoluter Klandestinität statt.
2. Wenn die Vorbereitungen getroffen sind, muss sich die
Guerilla in die inneren, unzugänglicheren Gebiete im
Westen des Landes begeben, um der sogenannten
strategischen Umzingelung der Repression auszuweichen.
Die Streitkräfte der Regierung konzentrierten sich in den
urbanen Zentren an der Küste, hier stehen ihnen die
moderne Infrastruktur und ein bereits bewährtes
logistisches Netz zur Verfügung. Durch die Verlagerung
des Kampfes in das Landesinnere müssen sich die
Streitkräfte in unbekanntes Gebiet begeben, neue
Versorgungswege aufbauen, sich neu aufstellen. Sie
versuchen nun, die taktische Umzingelung der Guerilla zu
erreichen, um sie physisch und strukturell auszulöschen.
An diesem Punkt, wenn die Streitkräfte aus den
städtischen und industriellen Ballungszentren abgezogen
werden, um die Guerilla in den entlegeneren Gebieten zu
bekämpfen, fallen ihnen die revolutionären
Organisationen in den Städten in den Rücken. In dieser
Phase verlieren die Methoden der pazifistischen
Einheitsfront und demokratischer Wahlen endgültig ihre
Glaubwürdigkeit und treten hinter die revolutionäre
Gewalt der Guerilla zurück. Nachdem der bewaffnete
Kampf begonnen wurde, muss er auch aufrecht erhalten
werden. Zudem muss die Unterstützung der Bevölkerung
im Kampfgebiet gewonnen werden, um die dritte Phase
erreichen zu können.
3. In der Phase des Wachstums tritt die Guerilla politisch
zu Tage, ihr politisches Programm wird im ganzen Land
bekannt gemacht. Die Reihen werden durch neue
Rekruten aus der Bevölkerung verstärkt und die
Volksarmee aufgebaut. Es beginnt der Stellungskrieg, in
dem die Streitkräfte der Regierung zurückgedrängt
werden, bis sie schließlich zwischen den bewaffneten
Volksmassen aufgerieben werden.
Dieser kurze Überblick über die Taktiken des
Guerillakampfes in Brasilien liefert zumindest einen
Eindruck, unter welchen Prämissen dieser von Marighella
geführt wurde.

Die Organisierung des Stadtguerillakampfes und die


staatliche Reaktion

Marighella und einige andere erfahrene Kader gründeten


nach ihrer Rückkehr nach Brasilien die „Agrupamento
Comunista de São Paolo“ („Kommunistische Gruppe São
Paolo“). Diese erklärte in einem Papier vom Februar 1968
die Notwendigkeit einer klandestinen, gut organisierten
und flexiblen Avantgarde-Organisation. Diese soll vor
allem kontinuierlich handeln, und sich nicht mit ewigen,
unendlichen Diskussionen und Treffen aufhalten.
Marighella traf sich mit Oppositionellen der PCB im
ganzen Land und noch im Februar wurde die
„Agrupamento“ auf nationaler Ebene in die „Ação
Libertadora Nacional“ (ALN – Nationale Befreiungs
Aktion) umgewandelt. Sie publizierte die klandestine
Zeitschrift „O Guerillheiro“, die den Aufbau der Guerilla
vorantreiben sollte.
Im „ominösen Jahr 1968“ brachen auch in Brasilien
Studentenproteste und Arbeitskämpfe aus: Die
Ermordung eines Studenten in Rio im März 1968 trat eine
Welle von Demonstrationen in allen Großstädten los, die
in einer Großdemonstration von 100000 Menschen in Rio
und schließlich der Auflösung des 30. Kongresses der
UNE (Nationale Studenten Vereinigung) in Ibiuna
mündete (sowie der Verhaftung aller Delegierten). Die
Arbeitskämpfe wurden von einer neuen Organisation
koordiniert, die ebenfalls von Dissidenten der PCB
gegründet worden war, dem „Movimento Intersindical
Antiarrocho“ (Gewerkschaftsübergreifende Bewegung
Antiarrocho). Am 1. Mai vertrieben Arbeiter in São Paolo
den Gouverneur samt Anhängsel von der Bühne der
offiziellen Feierlichkeiten und zündeten diese an.
Die ALN begann begann bereits von ihrer Gründung an
mit bewaffneten Aktionen. 1968 wurden in São Paolo 11
Banken ausgeraubt, 5 Geldtransporter und ein Lohnzug.
Die bewaffneten Aktionen der ALN wurden von den
„Grupos Táticos Armados“ (Bewaffnete Taktische
Gruppen) geplant und durchgeführt. Die Aktivisten der
ALN wurden von einer Gruppe trainiert, die bereits Ende
1967 in Kuba eine Guerilla-Ausbildung erhalten hatte. Die
ALN entsandte zudem Kundschafter in die Region Bico
do Papagaio im Amazonas-Gebiet, um sie auf die
Möglichkeiten einer ruralen (ländlichen) Guerilla hin zu
untersuchen. Am 12. Oktober führte die ALN zusammen
mit einer anderen bewaffneten Organisation, der
Vanguarda Popular Revolucionaria (VPR – Revolutionäre
Avantgarde des Volkes), in São Paolo die Exekution des
Offiziers der US-Armee Charles Rodney Chandler, eines
CIA-Agenten und Beraters der Junta, aus.
Die von der ALN als Enteignungen bezeichneten Überfälle
wurden von ihr nicht öffentlich erklärt. Daher wusste die
Polizei nicht, dass sie es mit einer bewaffneten
revolutionären Organisation zu tun hatte, bis im
November 1968 der Fahrer eines Fluchtautos unter Folter
gestand, der Anführer und Urheber des Überfalls sei
Marighella selbst gewesen. Marighella soll an fast allen
Aktionen des Jahres 1968 teilgenommen haben. Er wurde
daraufhin zum Staatsfeind Nr.1 tituliert. Damit ging nicht
nur eine Verschärfung der Repression einher, sondern
dies bedeutete ein faktisches Todesurteil Marighellas
gegenüber. Als Reaktion bekannte sich Marighella mit
dem „Chamamento ao Povo Brasileiro“ („Anrufung des
Brasilianischen Volkes“) zu den bewaffneten Aktionen
und stellte sie in den Kontext eines bewaffneten
Widerstands gegen die Militärdiktatur.
Angesichts der Massenkämpfe führte die Militärjunta am
13. Dezember einen „Putsch im Putsch“ durch, den „Ato
Institucional n° 5“ (5. Verfassungs-Erlass), der die
Scheindemokratie von 1967 endgültig aus den Angeln
hob.
Im Januar 1969 nimmt Marighella eine Umdeutung seiner
Guerilla-Strategie vor. Die ALN hatte 1968 viel Zulauf
erfahren, sie war auf nationaler Ebene gewachsen und
hatte viele erfolgreiche Aktionen ausgeführt und wenig
Verluste erlitten. Daher maß er den revolutionären
Aktionen einen großen Wert zu, sie durften nicht
abreißen, denn der revolutionäre Krieg war öffentlich
begonnen worden, die ALN befand sich in der Offensive.
Im Mai charakterisierte er die bewaffnete Aktion in den
Städten, die Stadtguerilla in „O Papel Revolucionario na
Organisação“ („Die revolutionäre Rolle der
Organisierung)“ wie folgt: Psychologische Kriegsführung,
Enteignungen des brasilianischen und ausländischen
Kapitals, Erbeutung von Waffen und Sprengstoff,
Zerstörung des Eigentums der US-Imperialisten und die
Exekution von Agenten der US-Administration. Im Juni
folgte das „Minihandbuch des Stadtguerillero“ mit
systematischen Grundlagen für den bewaffneten Kampf in
den Städten. Abgeschlossen wurde die Umdeutung im
September mit „As Perspectivas da Revolução Brasileira“
(„Die Perspektiven der brasilianischen Revolution“):
Danach muss die revolutionäre Entwicklung durch die
Stadtguerilla begonnen werden, da eine rurale Guerilla
der zu schnellen Umzingelung und Vernichtung
ausgesetzt worden wäre. Die urbane Guerilla hatte sich
gefestigt und war gewachsen, sie sollte nun als
logistischer Ausgangspunkt für eine rurale Guerilla
dienen, und aus beiden zusammen würde schließlich die
Revolutionäre Volksbefreiungsarmee entstehen. Dieser
Umdeutung lag eine Analyse zugrunde, der zufolge sich
die Militärdiktatur durch die weltweite ökonomische Krise
des Kapitalismus, die Massenkämpfe sowie die
bewaffneten Aktionen der Guerilla in die Defensive
getrieben sah. Doch entgegen dieser analytischen
Überlegungen war die Militärjunta mit dem „AI-5“ in die
Offensive gegangen, tatsächlich war sie den bewaffneten
Organisationen im Verlauf des Jahres dicht auf den Fersen
und befand sich kurz davor, den taktischen
Belagerungsring um die Guerilla zu schließen.
Am 4. September 1969 entführte die ALN zusammen mit
der „Movimento Revolucionario 8 de Outubro“ (MR-8 –
Revolutionäre Bewegung 8. Oktober, Todestag dex Che)
den US-Botschafter Charles Burque Elbrick in Rio de
Janeiro. „MR-8“ war eine Namenskreation anlässlich
dieser Aktion. Diese PCB-Abspaltung nannte sich zuvor
„Dissidência da Guanabara“ („Abtrünnige aus
Guanabara“). Die Forderung der gemeinsamen Aktion
war die Freilassung von 15 politischen Gefangenen
verschiedener revolutionärer Organisationen, selbst der
PCB, sowie die öffentliche Verlesung eines politischen
Manifests gegen die Militärdiktatur auf allen
Fernsehsendern. Das brasilianische Militär kannte den
Aufenthaltsort der Entführer, doch die Militärjunta konnte
das Leben des US-Botschafters nicht aufs Spiel setzen und
ging auf alle Forderungen ein: Die Gefangenen wurden
am 7. September gegen den Widerstand der Antiterror-
Einheiten nach Mexiko ausgeflogen. Unmittelbar nach der
Aktion reagierte das Regime: mit einem weiteren
„Verfassungs-Erlass“ wurde die Verbannung eingeführt,
die gegen die 15 befreiten Gefangenen angewandt wurde.
Darüber hinaus wurde die lebenslange Haft und die
Todesstrafe für Vergehen gegen die „Nationale Sicherheit“
eingeführt. Es folgte eine immense Verhaftungswelle, im
Zuge derer landesweit 2000 neue politische Gefangene die
Folterkeller des Militärapparats füllten.
Die ALN geriet durch die Verhaftungen stark unter
Druck. Sie konnte noch immer keine Fortschritte im
Aufbau einer ruralen Guerillastruktur verzeichnen. Bereits
zwei Monate später, am 4. November 1969, wurde Carlos
Marighella in São Paolo vom DOPS in eine Falle gelockt
und ermordet.
Die ALN führte ihre Stadtguerilla-Aktionen fort,
entwickelte jedoch keine rurale Guerilla und wurde
letztendlich in den Städten aufgerieben. Diese
Entwicklung war allen bewaffneten Organisationen
gemein. Von 1970 an begannen die dezimierten Kräfte
zusammenzuarbeiten: ALN, VPR, PCBR, MR-8, MRT und
VAR-Palmares (Abspaltung der VPR) koordinierten fortan
ihre bewaffneten Aktionen und führten gemeinsam
politische Diskussionen . Die ALN und VPR vertraten
dabei die Vorstellung eines nationalen Befreiungskampfes,
während die MR-8, die sich hauptsächlich aus ehemaligen
studentischen Kadern der PCB zusammensetzte, auf die
Notwendigkeit einer sozialistischen Revolution bestand.
Von der MR-8 kam auch die Kritik an der Methode der
Entführungen, die immer häufiger nach „erfolgreichem“
Ausgang in der Verhaftung der Entführer endete.
Es gab in praktisch allen Großstädten bewaffnete
Gruppen, deren Praxis in erster Linie aus Enteignungen
und Entführungen, aber häufig auch Aktionen der
bewaffneten Propaganda bestand. Die ALN konzentrierte
sich auf São Paolo und Rio, hatte jedoch auch Ableger in
Porto Alegre und Salvador, ebenso die VPR. Auch die
PCBR und die POC (Partido Operario Comunista –
Kommunistische Arbeiterpartei) waren an der
Stadtguerilla beteiligt, obwohl sie in erster Linie
Abspaltungsparteien der PCB waren, ebenso die PCdoB,
die eine Ausdehnung ähnlich der PCB erreichte, doch
auch ihre Aktivitäten konzentrierten sich in Rio und São
Paolo. Andere Organisationen waren auf eine Stadt
konzentriert: Die MR-8 und die Colina (Comando de
Libertação Nacional) agierten in Rio, die M3G (Marx-Mao-
Marighella-Guevara) in Porto Alegre, die MRT
(Movimento Revolucionario Tiradentes) in Rio (später
auch São Paolo), die „Movimento Revolucionário 26 de
Março“ in Porto Alegre, die Rede (Resistencia Democratica
– Demokratischer Widerstand) in São Paolo. Die Spuren
weiterer bewaffneter Organismen haben sich im Laufe der
Zeit verloren und müssen erst wiedergefunden werden.
Das Jahr 1970 bedeutete vor allem für die
Repressionsorgane eine Bündelung der Kräfte. Im Juni
nahm der Verteidigungsminister Orlando Geisel eine
Umstrukturierung des militärischen Repressionsapparats
vor: Brasilien wurde in vier ZDIs (Zona de Defesa Interna
– Innere Verteidigungs-Zone) aufgeteilt, die den
Heereskommandos I-IV untergeordnet wurden. Für diese
ZDIs wurden DOI-CODIs geschaffen, deren Vorbild die
„Operação Bandeirantes“ in São Paolo war. Die OBAN,
eine koordinierte Repressionsbehörde von DOPS und CIE
war mit finanziellen Mitteln nationaler und ausländischer
Firmen als Modellprojekt ins Leben gerufen worden, um
die „bewaffneten Terroristen“, die sie bedrohten effektiver
zu bekämpfen. Zumindest für São Paolo ist bekannt, dass
die Firmen auch in den folgenden Jahren Schutzgelder an
die Anti-Terror-Behörden entrichteten, mit denen nicht
zuletzt die paramilitärischen Todesschwadrone finanziert
wurden.
Das CODI (Centro de Operações de Defesa Interna –
Zentrum für Operationen der Inneren Sicherheit) war eine
Institution in der die Nachrichtendienste des Militärs mit
der zivilen Polizei koordiniert wurden; ihr operativer Arm
waren die DOIs (Destacamento de Operações de
Informações – Einheiten für Informations-Operationen).
Die DOI-CODIs waren systematische Folter-Zentren, die
die Stadtguerilla letztlich in die Knie zwangen. Tausende
Menschen wurden hier in den 70er Jahren gefoltert,
politische Aktivisten, Stadtguerilleros und Angehörige.
Die zahlreichen Methoden der Folter hier aufzuzählen,
erscheint nicht notwendig, sie sind im letzten Jahrhundert
und bis zum heutigen Tag in vielen Volkskriegen auf der
ganzen Welt angewandt worden. Es ist jedoch zu
erwähnen, das die CIA in Brasilien die Terror-Techniken
ihrer Panama-Schule erprobte und die brasilianischen
„Spezialisten“ ihre Erfahrungen in den nächsten Jahren im
Rahmen des „Plan Condor“ an die Militärdiktaturen in
den Nachbarstaaten weiterreichten. Viele der politischen
Kader wurden bis zum Tod gefoltert, beispielsweise Mario
Alves, Gründungs- und ZK-Mitglied der PCBR, der in Rio
de Janeiro im DOI-CODI nach tagelanger Folter spurlos
verschwand (seine Verhaftung wurde nie offiziell
anerkannt). Doch auch außerhalb der offiziellen
Einrichtungen der DOI-CODIs wurde gefoltert.
Todesschwadrone und andere paramilitärische
faschistische Organisationen wie das „Comando de Caça
aos Comunistas“ (Kommando Jagd auf Kommunisten),
deren Aktivisten größtenteils Angehörige der
Repressionsorgane waren, entführten, folterten und
ermordeten linke Aktivisten. So wurde Joaquim Câmara
Ferreira, Führungskader der ALN, nach seiner Verhaftung
durch den infamen Chef des DOPS von São Paolo, Sérgio
Paranhos Fleury (der auch für die Ermordung Marighellas
verantwortlich war), an einen „inoffiziellen“ Ort
verschleppt. Câmara Ferreira und viele andere wurden in
solchen „klandestinen“ Folterstätten getötet und gelten
seitdem als verschwunden. Doch die meisten wurden von
Militärgerichten zu langen Haftstrafen verurteilt und
saßen diese in Militärgefängnissen oder auf der als
Hochsicherheitsgefängnis für politische Gefangene
wiederbelebten Gefängnisinsel Ilha Grande ab.
Nach wie vor gibt es viele Verschwundene, da das Militär
nie seine Archive öffnete. Von daher gibt es auch keine
genauen Zahlen, doch wurden weit über 10.000 Menschen
in den Jahren der Militärdiktatur in Brasilien durch Folter
malträtiert.

Zum Abschluss wollen wir noch zwei bewaffnete


Organisationen in einem Portrait vorstellen, die über einen
gewissen Einfluss in der revolutionären Linken Brasiliens
verfügten.

Die Vanguarda Popular Revolucionaria – VPR


Die VPR setzte sich hauptsächlich aus ehemaligen Militärs
zusammen und folgte einer strikt foquistischen Linie, die
auf Debray zurückgeht. Ihr prominentester Anführer war
der junge Offizier Carlos Lamarca, der zusammen mit vier
seiner Soldaten am 24. Januar 1969 aus seiner Kaserne
desertierte und dabei 63 Sturmgewehre und drei schwere
Maschinengewehre erbeutete.
Lamarca war vor seiner Desertion versichert worden, die
VPR sei kurz davor, einen ruralen Guerillakampf zu
beginnen. Eine Zusicherung, die sich als etwas übertrieben
herausstellte. 1969 fusionierte die VPR mit dem „Comando
de Libertação Nacional“ (Colina) aus Rio und hieß fortan
“VAR-Palmares” (Bewaffnete Revolutionäre Avantgarde –
Palmares), mit landesweit über 300 Aktivisten.
Diese neue Organisation spaltet sich jedoch noch im
selben Jahr auf ihrem ersten Kongress über der Frage der
ruralen Guerilla; aus der Spaltung geht eine
Minderheitsfraktion unter Führung Lamarcas mit 60% der
Finanzen und einem Großteil der Waffen als neu
gegründete VPR hervor, die sich auf dem
schnellstmöglichen Wege dem Aufbau einer ruralen
Guerilla widmen will. Sie hat dafür zwei Regionen im
Nordosten Brasiliens im Auge, konzentriert sich jedoch
zunächst auf die Ausbildung ihrer Guerilleros und richtet
zu diesem Zweck ein Lager im Innern des Staats São
Paolo ein. Das Ausbildungslager befindet sich nahe eines
zur Tarnung aufgekauften Gehöfts im Tal des Ribeira.
Im Januar 1970 beginnt das Training der 17 Guerilleros.
Doch im März hat einer der Führungskader einen Auto-
Unfall in São Paolo, bei dem er ohnmächtig in einem Auto
voll mit politischen Unterlagen, Waffen und Munition
gefunden wird und dem DOPS übergeben wird. Die VPR
befürchtet, dass er unter Folter die Lage des Lagers
verraten könnte und entführt am 11. März zusammen mit
der Resistencia Democratica (Rede) und der MRT den
japanischen General-Konsul in São Paolo. Diese Aktion
verläuft erfolgreich, denn der verunglückte Kader kommt
frei.
Kurz darauf verraten zwei andere Gefangene die Lage des
Lagers und so beschließen die Guerilleros im April d.J.
aus Sicherheitsgründen das Camp in kleinen Gruppen zu
räumen. Die erste Gruppe entkommt der taktischen
Umzingelung, doch die restlichen 9 Guerilleros sitzen in
der Falle. Vom 21. April bis zum 31. Mai werden die 9
Guerilleros von 20.000 Soldaten gejagt, sie nehmen 18
Soldaten gefangen und töten 10 weitere. Lamarca
entkommt mit zwei Genossen, die restlichen werden
gefangen genommen. Innerhalb der Streitkräfte erhält
Lamarca nach diesem „taktischen Meisterstück“ einen
legendären Ruf. Nach der Ermordung Marighellas ist er
nun der Staatsfeind Nr. 1.
Am 11. Juni 1970 entführen VPR und ALN in einer
gemeinsamen Aktion den deutschen Botschafter in
Brasilien Ehrenfried von Hollebenin in Rio de Janeiro. Am
folgenden Tag geht die Regierung auf die erste Forderung
ein und lässt eine Erklärung des Kommandos verlesen, am
Tag darauf werden 40 politische Gefangene nach Algerien
ausgeflogen.
Am 7. Dezember 1970 entführt die VPR ebenfalls in Rio
den Schweizer Botschafter Giovanni Enrico Bucher. Doch
diesmal verhandelt das Regime mit neuer Taktik: Stück
für Stück reduziert sie die Forderungen der Entführer.
Eine öffentliche Erklärung der entführenden Aktivisten
wird nicht zugelassen, die Freilassung einzelner
Gefangener, die auf einer Liste mit 70 Namen aufgeführt
sind, wird abgelehnt. Die Verhandlungen werden in die
Länge gezogen und kommen erst nach 40 Tagen zu einem
Abschluss.
Aufgrund taktischer Differenzen während der Aktion
gerät Lamarca unter Druck und erklärt am 22. März 1971
seinen Austritt aus der VPR, die er als zu avantgardistisch
kritisiert. Er tritt der MR-8 bei, deren Positionen er sich
schon seit längerem angenähert hatte. Die MR-8 befindet
sich auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung als sie im Mai
1971 vernichtend von der Repression getroffen wird.
Lamarca flieht nach Salvador da Bahia, im Nordosten
Brasiliens, und von dort im Juni mit einem Genossen der
MR-8 zu dessen Familie im Landesinnern des
Bundesstaates Bahia, in das Dorf Buriti Cristalino. Dort
lebt er versteckt in der Steppe und beginnt in der
Dorfschule zu unterrichten. Doch am 17. September 1971
holt ihn die Repression ein. Lamarca wird von Soldaten
der politischen Militärpolizei DOI-CODI auf der Flucht im
Schlaf überrascht und erschossen.
Das Ende der Stadtguerilla in Brasilien lässt sich nicht
genau festlegen, allerdings kann festgestellt werden, dass
gegen Mitte des Jahres 1973 nur noch wenige isolierte
bewaffnete Zellen aktiv waren. Diese waren beständig vor
der Repression auf der Flucht, politisch in der Defensive
und verschwanden letztlich auf die eine oder andere Art
organisatorisch völlig von der Bildfläche.

Die PCdoB und die „Guerillha do Araguaia“

Eine Ausnahme in der Entwicklung der revolutionären


Linken war die PCdoB. Obwohl einige ihrer Aktivisten als
„Ala Vermelha do PcdoB“ (Roter Flügel) an Stadtguerilla-
Aktionen beteiligt sind, liegt der Hauptschwerpunkt der
militärischen Aktivitäten der Partei im Aufbau einer
Guerilla im Innern des Amazonas-Urwalds, im Gebiet des
Araguaia-Flusses, der der Guerilla ihren Namen gab. Das
Gebiet liegt zwischen den Bundesstaaten Pará, Goiás und
Maranhão. Ende der 60er Jahre war dies eines der
zurückgebliebensten Gebiete Brasiliens. 1966 begannen
Aktivisten der PCdoB in das Gebiet zu kommen und sich
einzuleben. Sie gingen in der Bevölkerung auf und waren
aufgrund ihrer Verdienste für die Gemeinden hoch
angesehen. Anfangs sind es 63 Guerilleros, im späteren
organisatorischen Verlauf kann von etwa 100 ausgegangen
werden.
Am Projekt der „Guerilla vom Araguaia“ nahmen auch
einige der erfahrendsten Kader der PCdoB teil, u.a.
Mauricio Grabois, João Amazonas und Elza Monnerat.
Diese waren zu diesem Zeitpunkt alle drei bereits jenseits
der 60 Jahre. Die 63 Guerilleros waren in drei Kommandos
von jeweils 21 Kämpfern unterteilt. In erster Linie lebten
sie als arme Bauern getarnt und integrierten sich in das
örtliche Leben. Nebenher trainierten sie für die Guerilla
und machten sich mit dem Dschungel vertraut. Ihre
Waffen verschafften sie sich in der Region, es waren dies
selben, wie sie von der Bevölkerung benutzt wurden.
Das Militär führte insgesamt drei Kampagnen gegen die
Guerilla durch: Nachdem die örtliche Polizei 1972 die
Präsenz „verdächtiger Subversiver“ gemeldet hatte,
wurde eine Gruppe von „Aufstandsexperten“ ins Gebiet
entsandt. Diese trafen die Fehleinschätzung, dass es sich
um linke Studenten handele, die sich nur übergangsweise
ins Dickicht geflüchtet hätten.
Am 12. April 1972 kamen 2000 Soldaten der BIS
(Dschungel-Infanterie-Brigaden) in das Gebiet, um „die
Terroristen“ unschädlich zu machen. Dies misslang. Die
Guerilla war in den Dschungel ausgewichen und auf
diesem Gebiet war sie den unerfahrenen Rekruten weit
überlegen. Sie lauerten den Patroullien auf, töteten
einzelne Soldaten und „terrorisierten“ den Rest der
Truppe. Die Agenten des militärischen
Nachrichtendienstes folterten derweil Angehörige der
örtlichen Bevölkerung. Dies bereitete dem ersten
Kommuniqué der FORGA (Forças Guerillheiras do
Araguaia/Guerilla-Kräfte des Araguaia) einen
„fruchtbaren Boden“. Die Bevölkerung unterstützte die
Guerilleros auch logistisch, half ihnen mit Lebensmitteln
aus und beschaffte Informationen. Die Regierungstruppen
zogen Ende Juni ohne Erfolge und mit vielen Verlusten
wieder ab. Die Guerilleros kehrten unbesiegt aus dem
Dschungel zurück und begannen die Bevölkerung in der
„União para a Libertade do Povo“ (ULDP – Bündnis für
die Freiheit des Volkes) zu organisieren. In den 20
Organisationszellen der ULDP wird das „Programm der
27 Punkte“ erstellt, das Forderungen der Bevölkerung
aufzählt und die Charta der Guerilla wird. Die FORGA
verteilte in diesem Zeitraum 5000 Exemplare ihrer
Kommuniqués und begann die Zeitung „O Araguaia“
herauszugeben (diese Schriften wurden in São Paolo von
klandestinen Druckereien der PCdoB gedruckt und
regelmäßig in die Region gebracht).
Die zweite Kampagne des Militärs dauerte nur zwei
Monate (September/Oktober 1972); doch kamen diesmal
Einheiten, die im Guerillakrieg ausgebildet waren.
Dennoch waren sie den Guerilleros aufgrund ihrer
Unkenntnis des Geländes unterlegen. Sie konnten diesen
Nachteil auch nicht durch aus der Bevölkerung rekrutierte
Handlanger ausgleichen. Allerdings erkannte die
Militärführung schnell, dass sie mit dem Terror, den sie in
der Bevölkerung gesät hatte, gute Überzeugungsarbeit für
die Guerilla geleistet hatte. Erneut zog das Militär
unverrichteter Dinge ab.
Dieser erneute Sieg der Guerilleros ließ sie in den Augen
der Bevölkerung zum Teil als unbesiegbare
„Urwaldgeister“ erscheinen. Diese „Unbesiegbarkeit der
Guerilla“ schlug sich auch in der lokalen Folklore nieder.
Die ULDP erhält nun Zulauf zu Hunderten und aus ihren
Reihen verstärkte sich die Guerilla auf etwa hundert
Kämpfer. Die Nachrichtendienste des Militärs beginnen zu
diesem Zeitpunkt, die Region mit Agenten aus ihren Anti-
Guerilla-Spezialeinheiten zu infiltrieren, die sich ähnlich
der Guerilleros unter die Bevölkerung mischen. Die
Warnungen der Guerilla greifen nicht und die örtliche
Bevölkerung tut diese Bedenken ab. Die Guerilla will
keinen Unmut erzeugen und lässt die Neuankömmlinge
fahrlässigerweise in Frieden.
Als das Militär im Oktober 1973 in die Region
zurückkehrt, rächen sich diese Fehler. Erfahrene
Fallschirmspringer-Spezialeinheiten, die sich in ihrem
Aussehen kaum von Guerilleros unterscheiden, dringen in
die Dörfer ein und entführen mit Hilfe ihrer Spitzel
mehrere hundert Unterstützer der ULDP. Sie werden in
ein Gefangenen-Lager auf dem Flugplatz der Stadt
Xamboiá gebracht und unter Folter verhört. Die gezielte,
systematische Folter verunsichert die Bevölkerung
effektiver als die wahllose. Anstatt – wie zuvor – als
allgemeines Unrecht zu erscheinen, bestraft sie nun die
Unterstützung der Guerilla, die so nach und nach ihrer
sozialen Basis beraubt wird.
Ein weiterer taktischer Fehler wird der Guerilla zum
Verhängnis. Anstatt den Truppen durch eine Verlagerung
des Kampfgebietes auszuweichen, klammert sie sich an
ihr angestammtes Territorium, was letztlich einem
Stellungskrieg gleichkommt. Die FORGA erklären im
Dezember 1973 ihre Auflösung, doch die Kämpfe in der
Region dauern noch bis Januar 1975 an. Die wenigsten
Guerilleros haben sie überlebt. Die Order der Streitkräfte
war, die Aufständischen zu vernichten. Die meisten gelten
noch heute als verschwunden. Das Militär blieb auch nach
1975 mit verstärkter Truppenstärke in der Region präsent
und startete gezielte ideologische Programme, um die
Erinnerung an die Guerilla auszuradieren und die
Bevölkerung einer sozialen Kontrolle zu unterwerfen.
Die revolutionären Kräfte in Brasilien im
letzten Jahrhundert Ein Überblick (2. Teil)
Wie wir in der letzten Ausgabe der radikal angekündigt
haben, setzen wir den Beitrag zur revolutionären Linken
in Brasilien fort. In diesem abschließenden zweiten Teil
findet ihr schwerpunktmäßig eine Übersicht über den
organisierten Beginn des Guerillakampfes in den
ländlichen Regionen Brasiliens bzw. den Metropolen an
der Ostküste. Zwei der bewaffnet kämpfenden
Organisationen Brasiliens werden porträtiert.
Abgerundet wird dieser Beitrag durch die Dokumentation
eines Aufrufs des Vorläufers der ALN von Carlos
Marighella, in dem bereits die Grundlinien der
Guerillapolitik vor dem Hintergrund der Situation Ende
der 60er Jahre in Brasilien skizziert wurden.

Die revolutionären Kräfte in Brasilien im letzten


Jahrhundert -
Ein Überblick (2. Teil)

Die Organisierung des Stadtguerillakampfes und die


staatliche Reaktion

Marighella und einige andere erfahrene Kader gründeten


nach ihrer Rückkehr nach Brasilien die “Agrupamento
Comunista de São Paolo” (“Kommunistische Gruppe São
Paolo”). Diese erklärte in einem Papier vom Februar 1968
die Notwendigkeit einer klandestinen, gut organisierten
und flexiblen Avantgarde-Organisation. Diese soll vor
allem kontinuierlich handeln, und sich nicht mit ewigen,
unendlichen Diskussionen und Treffen aufhalten.
Marighella traf sich mit Oppositionellen der PCB im
ganzen Land und noch im Februar wurde die
“Agrupamento” auf nationaler Ebene in die “Ação
Libertadora Nacional” (ALN – Nationale
Befreiungsaktion) umgewandelt. Sie publizierte die
klandestine Zeitschrift “O Guerillheiro”, die den Aufbau
der Guerilla vorantreiben sollte.
Im “ominösen Jahr 1968! brachen auch in Brasilien
Studentenproteste und Arbeitskämpfe aus: Die
Ermordung eines Studenten in Rio im März 1968 trat eine
Welle von Demonstrationen in allen Metropolen los, die in
einer Großdemonstration von 100.000 Menschen in Rio
mündete. Im Zuge dieser Protestwelle wurde der 30.
Kongress der UNE (Nationale Studenten-Vereinigung) in
Ibiuna aufgelöst sowie alle Delegierte verhaftet. Die
Arbeitskämpfe wurden von einer neuen Organisation
koordiniert, die ebenfalls von Dissidenten der PCB
gegründet worden war, dem “Movimento Intersindical
Antiarrocho” (Gewerkschaftsübergreifende Bewegung
Antiarrocho). Am 1. Mai vertrieben Arbeiter in São Paolo
den Gouverneur samt Anhängsel von der Bühne der
offiziellen Feierlichkeiten und zündeten diese an.
Die ALN begann bereits von ihrer Gründung an mit
bewaffneten Aktionen. 1968 wurden in São Paolo 11
Banken, 5 Geldtransporter und ein Lohnzug ausgeraubt.
Die bewaffneten Aktionen der ALN wurden von den
“Grupos Táticos Armados” (Bewaffnete Taktische
Gruppen) geplant und durchgeführt. Die Aktivisten der
ALN wurden von einer Gruppe trainiert, die bereits Ende
1967 in Kuba eine Guerilla-Ausbildung erhalten hatte. Die
ALN entsandte zudem Kundschafter in die Region Bico
do Papagaio im Amazonas-Gebiet, um diese auf die
Möglichkeiten einer ruralen (ländlichen) Guerilla hin zu
untersuchen. Am 12. Oktober führte die ALN zusammen
mit einer anderen bewaffneten Organisation, der
Vanguarda Popular Revolucionaria (VPR – Revolutionäre
Avantgarde des Volkes), in São Paolo die Exekution des
Offiziers der US-Armee Charles Rodney Chandler, eines
CIA-Agenten und Beraters der Junta, durch.
Die von der ALN als Enteignungen bezeichneten Überfälle
wurden von ihr nicht öffentlich erklärt. Daher wusste die
Polizei nicht, dass sie es mit einer bewaffneten
revolutionären Organisation zu tun hatte, bis im
November 1968 der Fahrer eines Fluchtautos unter Folter
gestand, der Anführer und Urheber des Überfalls sei
Marighella selbst gewesen. Marighella soll an fast allen
Aktionen des Jahres 1968 teilgenommen haben. Er wurde
daraufhin zum Staatsfeind Nr.1 tituliert. Damit ging nicht
nur eine Verschärfung der Repression einher, sondern
dies bedeutete ein faktisches Todesurteil gegen
Marighella. Als Reaktion bekannte sich Marighella mit
dem “Chamamento ao Povo Brasileiro” (“Anrufung des
Brasilianischen Volkes”) zu den bewaffneten Aktionen
und stellte sie in den Kontext eines bewaffneten
Widerstands gegen die Militärdiktatur.
Angesichts der Massenkämpfe führte die Militärjunta am
13. Dezember einen “Putsch im Putsch” durch, den “Ato
Institucional n° 5! (5. Verfassungs-Erlass), der die
Scheindemokratie von 1967 endgültig aus den Angeln
hob.
Im Januar 1969 nimmt Marighella eine Umdeutung seiner
Guerilla-Strategie vor. Die ALN hatte 1968 viel Zulauf
erfahren, sie war auf nationaler Ebene gewachsen und
hatte viele erfolgreiche Aktionen ausgeführt und wenig
Verluste erlitten. Daher maß er den revolutionären
Aktionen einen großen Wert zu, sie durften nicht
abreißen, denn der revolutionäre Krieg war öffentlich
begonnen worden, die ALN befand sich in der Offensive.
Im Mai charakterisierte er die bewaffnete Aktion in den
Städten, die Stadtguerilla, in dem Text “O Papel
Revolucionario na Organisação” (“Die revolutionäre Rolle
der Organisierung)” wie folgt: Psychologische
Kriegsführung, Enteignungen des brasilianischen und
ausländischen Kapitals, Erbeutung von Waffen und
Sprengstoff, Zerstörung des Eigentums der US-
Imperialisten und die Exekution von Agenten der US-
Administration. Im Juni folgte das “Minihandbuch des
Stadtguerillero” mit systematischen Grundlagen für den
bewaffneten Kampf in den Städten. Abgeschlossen wurde
die Umdeutung im September mit dem Beitrag “As
Perspectivas da Revolução Brasileira” (“Die Perspektiven
der brasilianischen Revolution”): Danach muss die
revolutionäre Entwicklung durch die Stadtguerilla
begonnen werden, da eine rurale Guerilla einer zu
schnellen Umzingelung und Vernichtung ausgesetzt
worden wäre. Die urbane Guerilla hatte sich gefestigt und
war gewachsen, sie sollte nun als logistischer
Ausgangspunkt für eine rurale Guerilla dienen, und aus
beiden zusammen würde schließlich die Revolutionäre
Volksbefreiungsarmee entstehen. Dieser Umdeutung lag
eine Analyse zugrunde, der zufolge sich die
Militärdiktatur durch die weltweite ökonomische Krise
des Kapitalismus, die Massenkämpfe sowie die
bewaffneten Aktionen der Guerilla in die Defensive
getrieben sah. Doch entgegen dieser analytischen
Überlegungen war die Militärjunta mit dem “AI-5! in die
Offensive gegangen, tatsächlich war sie den bewaffneten
Organisationen im Verlauf des Jahres dicht auf den Fersen
und befand sich kurz davor, den taktischen
Belagerungsring um die Guerilla zu schließen.
Am 4. September 1969 entführte die ALN zusammen mit
der “Movimento Revolucionario 8 de Outubro” (MR-8 –
Revolutionäre Bewegung 8. Oktober, Todestag des Che)
den US-Botschafter Charles Burque Elbrick in Rio. “MR-8!
war eine Namenskreation anlässlich dieser Aktion. Diese
PCB-Abspaltung nannte sich zuvor “Dissidência da
Guanabara” (“Abtrünnige aus Guanabara”). Die
Forderung der gemeinsamen Aktion war die Freilassung
von 15 politischen Gefangenen verschiedener
revolutionärer Organisationen, selbst der PCB, sowie die
öffentliche Verlesung eines politischen Manifests gegen
die Militärdiktatur auf allen Fernsehsendern. Das
brasilianische Militär kannte den Aufenthaltsort der
Entführer, doch die Militärjunta konnte das Leben des US-
Botschafters nicht aufs Spiel setzen und ging auf alle
Forderungen ein: Die Gefangenen wurden am 7.
September gegen den Widerstand der Antiterror-Einheiten
nach Mexiko ausgeflogen. Unmittelbar nach der Aktion
reagierte das Regime: mit einem weiteren “Verfassungs-
Erlass” wurde die Verbannung eingeführt, die gegen die
15 befreiten Gefangenen angewandt wurde. Darüber
hinaus wurde die lebenslange Haft und die Todesstrafe
für Vergehen gegen die “Nationale Sicherheit” eingeführt.
Es folgte eine immense Verhaftungswelle, im Zuge derer
landesweit 2000 neue politische Gefangene die Folterkeller
des Militär- und Repressionsapparats füllten.
Die ALN geriet durch die Verhaftungen stark unter
Druck. Sie konnte noch immer keine Fortschritte im
Aufbau einer ruralen Guerillastruktur verzeichnen. Bereits
zwei Monate später, am 4. November 1969, wurde Carlos
Marighella in São Paolo vom DOPS in eine Falle gelockt
und ermordet.
Die ALN führte ihre Stadtguerilla-Aktionen fort,
entwickelte jedoch keine rurale Guerilla und wurde
letztendlich in den Städten aufgerieben. Diese
Entwicklung war allen bewaffneten Organisationen
gemein. Von 1970 an begannen die dezimierten Kräfte
zusammenzuarbeiten: ALN, VPR, PCBR, MR-8, MRT und
VAR-Palmares (Abspaltung der VPR) koordinierten fortan
ihre bewaffneten Aktionen und führten gemeinsam
politische Diskussionen. Die ALN und VPR vertraten
dabei die Vorstellung eines nationalen
antiimperialistischen Befreiungskampfes, während die
MR-8, die sich hauptsächlich aus ehemaligen
studentischen Kadern der PCB zusammensetzte, auf die
Notwendigkeit einer sozialistischen Revolution bestand.
Von der MR-8 kam auch die Kritik an der Methode der
Entführungen, die immer häufiger nach “erfolgreichem”
Ausgang in der Verhaftung der Entführer endete.
Es gab faktisch in allen Großstädten bewaffnete Gruppen,
deren Praxis in erster Linie aus Enteignungen und
Entführungen, aber häufig auch aus Aktionen der
bewaffneten Propaganda bestand. Die ALN konzentrierte
sich auf São Paolo und Rio, hatte jedoch auch Ableger in
Porto Alegre und Salvador, ebenso die VPR. Auch die
PCBR und die POC (Partido Operario Comunista –
Kommunistische Arbeiterpartei) waren an der
Stadtguerilla beteiligt, obwohl sie in erster Linie
Abspaltungsparteien der PCB waren, ebenso die PCdoB,
die eine Ausdehnung ähnlich der PCB erreichte, doch
auch ihre Aktivitäten konzentrierten sich in Rio und São
Paolo. Andere Organisationen waren auf eine Stadt
konzentriert: Die MR-8 und die Colina (Comando de
Libertação Nacional) agierten in Rio, die M3G (Marx-Mao-
Marighella-Guevara) in Porto Alegre, die MRT
(Movimento Revolucionario Tiradentes) in Rio (später
auch São Paolo), die “Movimento Revolucionário 26 de
Março” in Porto Alegre, die Rede (Resistencia Democratica
– Demokratischer Widerstand) in São Paolo. Die Spuren
weiterer bewaffneter Organismen haben sich im Laufe der
Zeit verloren und müssen erst wiedergefunden werden.
Das Jahr 1970 bedeutete vor allem für die
Repressionsorgane eine Bündelung der Kräfte. Im Juni
nahm der Verteidigungsminister Orlando Geisel eine
Umstrukturierung des militärischen Repressionsapparats
vor: Brasilien wurde in vier ZDIs (Zona de Defesa Interna
– Innere Verteidigungs-Zone) aufgeteilt, die den
Heereskommandos I-IV untergeordnet wurden. Für diese
ZDIs wurden DOI-CODIs geschaffen, deren Vorbild die
“Operação Bandeirantes” in São Paolo war. Die OBAN,
eine koordinierte Repressionsbehörde von DOPS und CIE
war mit finanziellen Mitteln nationaler und ausländischer
Firmen als Modellprojekt ins Leben gerufen worden, um
die “bewaffneten Terroristen”, die sie bedrohten,
effektiver zu bekämpfen. Zumindest für São Paolo ist
bekannt, dass die Firmen auch in den folgenden Jahren
Schutzgelder an die Anti-Terror-Behörden entrichteten,
mit denen nicht zuletzt die paramilitärischen
Todesschwadrone finanziert wurden.
Das CODI (Centro de Operações de Defesa Interna –
Zentrum für Operationen der Inneren Sicherheit) war eine
Institution, in der die Nachrichtendienste des Militärs mit
der zivilen Polizei koordiniert wurden; ihr operativer Arm
waren die DOIs (Destacamento de Operações de
Informações – Einheiten für Informations-Operationen).
Die DOI-CODIs waren systematische Folter-Zentren, die
die Stadtguerilla letztlich in die Knie zwangen. Tausende
Menschen wurden hier in den 70er Jahren gefoltert,
politische Basis-Aktivisten, Stadtguerilleros und
Angehörige. Die zahlreichen Methoden der Folter hier
aufzuzählen, erscheint nicht notwendig, sie sind im letzten
Jahrhundert und bis zum heutigen Tag in vielen Volks-
und Befreiungskriegen auf der ganzen Welt angewandt
worden. Es ist jedoch zu erwähnen, dass die CIA in
Brasilien die Terror-Techniken ihrer Panama-Schule
erprobte und die brasilianischen “Spezialisten” ihre
Erfahrungen in den nächsten Jahren im Rahmen des “Plan
Condor” an die Militärdiktaturen in den Nachbarstaaten
weiterreichten. Viele der politischen Kader wurden bis
zum Tod gefoltert, beispielsweise Mario Alves,
Gründungs- und ZK-Mitglied der PCBR, der in Rio im
DOI-CODI nach tagelanger Folter spurlos verschwand
(seine Verhaftung wurde nie offiziell anerkannt). Doch
auch außerhalb der offiziellen Einrichtungen der DOI-
CODIs wurde gefoltert. Todesschwadrone und andere
paramilitärische faschistische Organisationen wie das
“Comando de Caça aos Comunistas” (Kommando Jagd
auf Kommunisten), deren Aktivisten größtenteils
Angehörige der Repressionsorgane waren, entführten,
folterten und ermordeten linke AktivistInnen. So wurde
Joaquim Câmara Ferreira, Führungskader der ALN, nach
seiner Verhaftung durch den infamen Chef des DOPS von
São Paolo, Sérgio Paranhos Fleury (der auch für die
Ermordung Marighellas verantwortlich war), an einen
“inoffiziellen” Ort verschleppt. Câmara Ferreira und viele
andere wurden in solchen “klandestinen” Folterstätten
getötet und gelten seitdem als verschwunden. Doch die
meisten wurden von Militärgerichten zu langen
Haftstrafen verurteilt und saßen diese in
Militärgefängnissen oder auf der als
Hochsicherheitsgefängnis für politische Gefangene
wiederbelebten Gefängnisinsel Ilha Grande ab.
Nach wie vor gibt es viele Verschwundene, da das Militär
nie seine Archive öffnete. Von daher gibt es auch keine
genauen Zahlen, doch wurden weit über 10.000 Menschen
in den Jahren der Militärdiktatur in Brasilien durch Folter
malträtiert.
Zum Abschluss wollen wir noch zwei bewaffnete
Organisationen in einem Kurz-Portrait vorstellen, die über
einen gewissen Einfluss in der revolutionären Linken
Brasiliens verfügten.

Die Vanguarda Popular Revolucionaria – VPR

Die VPR setzte sich hauptsächlich aus ehemaligen Militärs


zusammen und folgte einer strikt foquistischen Linie, die
auf Debray zurückgeht. Ihr prominentester Anführer war
der junge Offizier Carlos Lamarca, der zusammen mit vier
seiner Soldaten am 24. Januar 1969 aus seiner Kaserne
desertierte und dabei 63 Sturmgewehre und drei schwere
Maschinengewehre erbeutete.
Lamarca war vor seiner Desertion versichert worden, die
VPR sei kurz davor, einen ruralen Guerillakampf zu
beginnen. Eine Zusicherung, die sich als etwas übertrieben
herausstellte. 1969 fusionierte die VPR mit dem “Comando
de Libertação Nacional” (Colina) aus Rio und hieß fortan
“VAR-Palmares” (Bewaffnete Revolutionäre Avantgarde –
Palmares), mit landesweit über 300 Aktivisten.
Diese neue Organisation spaltet sich jedoch noch im
selben Jahr auf ihrem ersten Kongress über der Frage der
ruralen Guerilla; aus der Spaltung geht eine
Minderheitsfraktion unter Führung Lamarcas mit 60% der
Finanzen und einem Großteil der Waffen als neu
gegründete VPR hervor, die sich auf dem
schnellstmöglichen Wege dem Aufbau einer ruralen
Guerilla widmen will. Sie hat dafür zwei Regionen im
Nordosten Brasiliens im Auge, konzentriert sich jedoch
zunächst auf die Ausbildung ihrer Guerilleros und richtet
zu diesem Zweck ein Lager im Innern des Staats São
Paolo ein. Das Ausbildungslager befindet sich nahe eines
zur Tarnung aufgekauften Gehöfts im Tal des Ribeira.
Im Januar 1970 beginnt das Training der 17 Guerilleros.
Doch im März hat einer der Führungskader einen Auto-
Unfall in São Paolo, bei dem er ohnmächtig in einem Auto
voll mit politischen Unterlagen, Waffen und Munition
gefunden und dem DOPS übergeben wird. Die VPR
befürchtet, dass er unter Folter die Lage des Lagers
verraten könnte und entführt am 11. März zusammen mit
der Resistencia Democratica (Rede) und der MRT den
japanischen General-Konsul in São Paolo. Diese Aktion
verläuft erfolgreich, denn der verunglückte Kader kommt
frei.
Kurz darauf verraten zwei andere Gefangene die Lage des
Lagers und so beschließen die Guerilleros im April d.J.
aus Sicherheitsgründen das Camp in kleinen Gruppen zu
räumen. Die erste Gruppe entkommt der taktischen
Umzingelung, doch die restlichen 9 Guerilleros sitzen in
der Falle. Vom 21. April bis zum 31. Mai werden die 9
Guerilleros von 20.000 Soldaten gejagt, sie nehmen 18
Soldaten gefangen und töten 10 weitere. Lamarca
entkommt mit zwei Genossen, die restlichen werden
gefangen genommen. Innerhalb der Streitkräfte erhält
Lamarca nach diesem “taktischen Meisterstück” einen
legendären Ruf. Nach der Ermordung Marighellas ist er
nun der Staatsfeind Nr. 1.
Am 11. Juni 1970 entführen VPR und ALN in einer
gemeinsamen Aktion den deutschen Botschafter in
Brasilien Ehrenfried von Hollebenin in Rio. Am folgenden
Tag geht die Regierung auf die erste Forderung ein und
lässt eine Erklärung des Kommandos verlesen, am Tag
darauf werden 40 politische Gefangene nach Algerien
ausgeflogen.
Am 7. Dezember 1970 entführt die VPR ebenfalls in Rio
den Schweizer Botschafter Giovanni Enrico Bucher. Doch
diesmal verhandelt das Regime mit neuer Taktik: Stück
für Stück reduziert sie die Forderungen der Entführer.
Eine öffentliche Erklärung der entführenden Aktivisten
wird nicht zugelassen, die Freilassung einzelner
Gefangener, die auf einer Liste mit 70 Namen aufgeführt
sind, wird abgelehnt. Die Verhandlungen werden in die
Länge gezogen und kommen erst nach 40 Tagen zu einem
Abschluss.
Aufgrund taktischer Differenzen während der Aktion
gerät Lamarca unter Druck und erklärt am 22. März 1971
seinen Austritt aus der VPR, die er als zu avantgardistisch
kritisiert. Er tritt der MR-8 bei, deren Positionen er sich
schon seit längerem angenähert hatte. Die MR-8 befindet
sich auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung als sie im Mai
1971 vernichtend von der Repression getroffen wird.
Lamarca flieht nach Salvador da Bahia, im Nordosten
Brasiliens, und von dort im Juni mit einem Genossen der
MR-8 zu dessen Familie ins Landesinnere des
Bundesstaates Bahia. Dort lebt er versteckt in der Steppe
und beginnt in einer Dorfschule zu unterrichten. Doch am
17. September 1971 holt ihn die Repression ein. Lamarca
wird von Soldaten der politischen Militärpolizei DOI-
CODI auf der Flucht im Schlaf überrascht und erschossen.
Das Ende der Stadtguerilla in Brasilien lässt sich nicht
genau festlegen, allerdings kann festgestellt werden, dass
gegen Mitte des Jahres 1973 nur noch wenige isolierte
bewaffnete Zellen aktiv waren. Diese waren beständig vor
der Repression auf der Flucht, politisch in der Defensive
und verschwanden letztlich auf die eine oder andere Art
organisatorisch völlig von der Bildfläche.

Die PCdoB und die “Guerillha do Araguaia”

Eine Ausnahme in der Entwicklung der revolutionären


Linken war die PCdoB. Obwohl einige ihrer Aktivisten als
“Ala Vermelha do PcdoB” (Roter Flügel) an Stadtguerilla-
Aktionen beteiligt sind, liegt der Hauptschwerpunkt der
militärischen Aktivitäten der Partei im Aufbau einer
Guerilla im Innern des Amazonas-Urwalds, im Gebiet des
Araguaia-Flusses, der der Guerilla ihren Namen gab. Das
Gebiet liegt zwischen den Bundesstaaten Pará, Goiás und
Maranhão. Ende der 60er Jahre war dies eines der
zurückgebliebensten Gebiete Brasiliens. 1966 begannen
Aktivisten der PCdoB in das Gebiet zu kommen und sich
einzuleben. Sie gingen in der Bevölkerung auf und waren
aufgrund ihrer Verdienste für die Gemeinden hoch
angesehen. Anfangs sind es 63 Guerilleros, im späteren
organisatorischen Verlauf kann von etwa 100 ausgegangen
werden.
Am Projekt der “Guerilla vom Araguaia” nahmen auch
einige der erfahrendsten Kader der PCdoB teil, u.a.
Mauricio Grabois, João Amazonas und Elza Monnerat.
Diese waren zu diesem Zeitpunkt alle drei bereits jenseits
der 60 Jahre. Die 63 Guerilleros waren in drei Kommandos
von jeweils 21 Kämpfern unterteilt. In erster Linie lebten
sie als arme Bauern getarnt und integrierten sich in das
örtliche Leben. Nebenher trainierten sie für die Guerilla
und machten sich mit dem Dschungel vertraut. Ihre
Waffen verschafften sie sich in der Region, es waren
dieselben, wie sie von der Bevölkerung benutzt wurden.
Das Militär führte insgesamt drei Kampagnen gegen die
Guerilla durch: Nachdem die örtliche Polizei 1972 die
Präsenz “verdächtiger Subversiver” gemeldet hatte,
wurde eine Gruppe von “Aufstandsexperten” ins Gebiet
entsandt. Diese trafen die Fehleinschätzung, dass es sich
um linke Studenten handele, die sich nur übergangsweise
ins Dickicht geflüchtet hätten.
Am 12. April 1972 kamen 2000 Soldaten der BIS
(Dschungel-Infanterie-Brigaden) in das Gebiet, um “die
Terroristen” unschädlich zu machen. Dies misslang. Die
Guerilla war in den Dschungel ausgewichen und auf
diesem Gebiet war sie den unerfahrenen Rekruten weit
überlegen. Sie lauerten den Patroullien auf, töteten
einzelne Soldaten und “terrorisierten” den Rest der
Truppe. Die Agenten des militärischen
Nachrichtendienstes folterten derweil Angehörige der
örtlichen Bevölkerung. Dies bereitete dem ersten
Kommuniqué der FORGA (Forças Guerillheiras do
Araguaia/Guerilla-Kräfte des Araguaia) einen
“fruchtbaren Boden”. Die Bevölkerung unterstützte die
Guerilleros auch logistisch, half ihnen mit Lebensmitteln
aus und beschaffte Informationen. Die Regierungstruppen
zogen Ende Juni ohne Erfolge und mit vielen Verlusten ab.
Die Guerilleros kehrten unbesiegt aus dem Dschungel
zurück und begannen die Bevölkerung in der “União para
a Libertade do Povo” (ULDP – Bündnis für die Freiheit
des Volkes) zu organisieren. In den 20 Organisationszellen
der ULDP wird das “Programm der 27 Punkte” erstellt,
das Forderungen der Bevölkerung aufzählt und die Charta
der Guerilla wird. Die FORGA verteilte in diesem
Zeitraum 5000 Exemplare ihrer Kommuniqués und
begann die Zeitung “O Araguaia” herauszugeben (diese
Schriften wurden in São Paolo von klandestinen
Druckereien der PCdoB gedruckt und regelmäßig in die
Region gebracht).
Die zweite Kampagne des Militärs dauerte nur zwei
Monate (September/Oktober 1972); doch kamen diesmal
Einheiten, die im Guerillakrieg ausgebildet waren.
Dennoch waren sie den Guerilleros aufgrund ihrer
Unkenntnis des Geländes unterlegen. Sie konnten diesen
Nachteil auch nicht durch aus der Bevölkerung rekrutierte
Handlanger ausgleichen. Allerdings erkannte die
Militärführung schnell, dass sie mit dem Terror, den sie in
der Bevölkerung gesät hatte, gute Überzeugungsarbeit für
die Guerilla geleistet hatte. Erneut zog das Militär
unverrichteter Dinge ab.
Dieser erneute Sieg der Guerilleros ließ sie in den Augen
der Bevölkerung zum Teil als unbesiegbare
“Urwaldgeister” erscheinen. Diese “Unbesiegbarkeit der
Guerilla” schlug sich auch in der lokalen Folklore nieder.
Die ULDP erhält nun Zulauf zu Hunderten und aus ihren
Reihen verstärkte sich die Guerilla auf etwa hundert
Kämpfer. Die Nachrichtendienste des Militärs beginnen zu
diesem Zeitpunkt, die Region mit Agenten aus ihren Anti-
Guerilla-Spezialeinheiten zu infiltrieren, die sich in
Guerillero-Manier unter die Bevölkerung mischten. Die
Warnungen der Guerilla greifen nicht und die örtliche
Bevölkerung tut diese Bedenken ab. Die Guerilla will
keinen Unmut erzeugen und lässt die Neuankömmlinge
fahrlässigerweise in Frieden.
Als das Militär im Oktober 1973 in die Region
zurückkehrt, rächen sich diese Fehler. Erfahrene
Fallschirmspringer-Spezialeinheiten, die sich in ihrem
Aussehen kaum von Guerilleros unterscheiden, dringen in
die Dörfer ein und entführen mit Hilfe ihrer Spitzel
mehrere hundert Unterstützer der ULDP. Sie werden in
ein Gefangenen-Lager auf dem Flugplatz der Stadt
Xamboiá gebracht und unter Folter verhört. Die gezielte,
systematische Folter verunsichert die Bevölkerung
effektiver als die wahllose. Anstatt – wie zuvor – als
allgemeines Unrecht zu erscheinen, bestraft sie nun die
Unterstützung der Guerilla, die so nach und nach ihrer
sozialen Basis beraubt wird.
Ein weiterer taktischer Fehler wird der Guerilla zum
Verhängnis. Anstatt den Truppen durch eine Verlagerung
des Kampfgebietes auszuweichen, klammert sie sich an
ihr angestammtes Territorium, was letztlich einem
Stellungskrieg gleichkommt. Die FORGA erklären im
Dezember 1973 ihre Auflösung, doch die Kämpfe in der
Region dauern noch bis Januar 1975 an. Die wenigsten
Guerilleros haben sie überlebt. Die Order der Streitkräfte
war, die Aufständischen zu vernichten. Die meisten gelten
noch heute als verschwunden. Das Militär blieb auch nach
1975 mit verstärkter Truppenstärke in der Region präsent
und startete gezielte ideologische Programme, um die
Erinnerung an die Guerilla auszuradieren und die
Bevölkerung einer sozialen Kontrolle zu unterwerfen.

Aufruf der Kommunistischen Gruppe von Sao Paulo


(Februar 1968)

Mit diesem Aufruf, den wir durch dieses Dokument


veröffentlichen, wollen wir unseren Standpunkt in Bezug
darauf, wie der bewaffnete Kampf in Brasilien zu führen
ist, bekannt machen.
Zu dieser Gruppe gehören die Kommunisten von Sao
Paulo, die mit dem Zentralkomitee (ZK) der
Kommunistischen Partei nicht übereinstimmten, da sie
von der pazifistischen Linie abwichen und sich
ausgeschlossen sahen oder Opfer anderer
Willkürmaßnahmen wurden, ohne dass sie die
Möglichkeit hatten, sich zu verteidigen, da man sie zu den
Sitzungen, in denen ihr Ausschluss beschlossen wurde,
nicht einlud.
Unsere Trennung vom Zentralkomitee der KP hat den
Charakter eines endgültigen Bruchs. Dieser Bruch wurde
in seiner ganzen Tragweite auf der Konferenz der OLAS
(Organisation der lateinamerikanischen Solidarität)
sichtbar, als das ZK alle, die nicht mit der pazifistischen
Linie übereinstimmten, tadelte und Strafmaßnahmen von
äußerster Härte gegen sie ergriff.
Diese Maßnahmen wurden ratifiziert und nach
Diskussionen auf dem VI. Kongress der KPB (Mitte 1966),
der in Abwesenheit der Abweichenden stattfand und zu
einem Betrug wurde, sogar noch verschärft. Nicht einmal
die Delegierten von Sao Paulo oder ihre Ersatzmänner
wurden geladen.

Unsere Stellung in Bezug auf die OLAS

In Bezug auf den bewaffneten Kampf haben wir schon


früher verschiedentlich unsere Position definiert: wir
haben immer versichert, daß wir für den bewaffneten Weg
der Revolution eintreten.
Was die OLAS betrifft, unterstützen und billigen wir die
“Allgemeine Deklaration” dieser Konferenz und wir
finden, daß es nötig ist, die 20 letzten und wesentlichen
Punkte dieses Dokumentes zu lesen, darüber
nachzudenken und ihre Richtlinien zu befolgen. Die
politische Linie der “Allgemeinen Deklaration” der OLAS
ist auch unsere Linie.

Die Guerilla ist kein Focus

In Bezug auf die Guerilla ist unsere Ansicht die der


Konferenz der OLAS, die im Punkt 10 ihrer “Allgemeinen
Deklaration” die Guerilla als Embryo der Befreiungsarmee
darstellt und als die wirksamste Methode für die meisten
lateinamerikanischen Länder, den bewaffneten Kampf zu
beginnen und zu entwickeln.
Es handelt sich folglich nicht darum, die Guerilla als einen
“Focus” zu entfachen, wie unsere Feinde es behaupten,
wobei sie uns wegen etwas anklagen, was wir niemals
vorgaben tun zu wollen.
Ein “Focus” würde bedeuten, daß man eine Gruppe
bewaffneter Männer an irgendeinen Ort in Brasilien bringt
und darauf wartet, daß als Folge davon andere “Foci” in
verschiedenen Gegenden des Landes entstehen. Wenn wir
auf diese Weise handelten, würden wir eine typisch
spontaneistische Haltung einnehmen und das wäre ein
verhängnisvoller Irrtum.
Wir glauben, daß die brasilianische Guerilla keinerlei
Möglichkeit hat zu siegen, wenn sie nicht Teil eines
globalen strategischen und taktischen Planes ist.
Das bedeutet, daß die Guerilla Vorbereitung braucht und
daß ihre Entfesselung von eben dieser Vorbereitung
abhängt. Die Vorbereitung einer Guerilla ist etwas sehr
Komplexes und Ernstes und darf nicht leicht genommen
werden. Diese Vorbereitung erfordert das Training des
Kämpfers, das Sammeln von Waffen, die Wahl des
Geländes und der zu befolgenden Strategie und Taktik
und schließlich einen Plan zur logistischen Unterstützung.

Logistische Unterstützung und globale Struktur der


Guerilla

Mit der Ausführung des Planes zur logistischen


Unterstützung muß man schon heute beginnen. Für ihn
hat die Arbeit in den Städten eine entscheidende
Bedeutung, da ein Sieg der brasilianischen Guerilla ohne
die Unterstützung der Städte undenkbar ist. Der
“campesino” seinerseits ist der entscheidende Faktor der
brasilianischen Revolution und es wird der Guerilla
niemals gelingen sich festzusetzen, ohne daß diese
logistische Arbeit unter den “campesinos” geleistet wird,
solange sie noch nicht eng diesen verbunden ist und nicht
mit ihrer Hilfe rechnet.
Zum Schuß: das, was wir wollen ist, die globale Struktur
zu schaffen, die notwendig ist, um eine Guerilla entfesseln
und anwachsen zu lassen, eine Guerilla mit einem
Arbeiter-campesino-Kern, die sich in eine revolutionäre
Befreiungsarmee verwandeln soll. Für uns ist die Guerilla
die revolutionäre Avantgarde, d.h. der wesentliche Kern,
und sie stellt den Mittelpunkt der Bemühungen der
Kommunisten und der übrigen Patrioten dar.
(…)

Wir brauchen eine revolutionäre Organisation

Eine Organisation wie das alte Schulungskomitee und ihre


untergeordneten Organe nach dem Muster des ZK, mit
ihren Hilfskräften, Assistenten usw., eignet sich nicht für
den bewaffneten Kampf und noch weniger für die
Guerilla, die hervorragender Ausdruck des revolutionären
Krieges ist.
Wir benötigen jetzt eine geheime, kleine, gut strukturierte,
flexible und bewegliche Organisation. Eine Organisation
der Avantgarde, um zu handeln, um ständig und täglich
die revolutionäre Aktion durchzuführen und nicht um
sich in endlose Diskussionen und Versammlungen zu
verwickeln.
Eine wachsame Organisation, streng gegen Verräter, die
wirksame Sicherheitsmaßnahmen anwendet, damit sie
nicht von der Polizei zerstört werden kann und der Feind
sich infiltriert.
Die Mitglieder dieser Organisation sind Männer und
Frauen, die entschlossen sind, die Revolution zu machen.
Die Kommunisten dieser Organisation sind Genossen und
Genossinnen, die Initiative besitzen, die frei sind von
Bürokratie und Routine, die nicht auf die gewählten
Assistenten warten und nicht die Arme verschränken und
auf Befehle warten.
Niemand muß zu dieser Organisation gehören.
Diejenigen, die sie so wie sie ist akzeptieren, die eintreten
und einen Teil von ihr bilden, tun dies FREIWILLIG, weil
sie sich ausschließlich der Revolution verpflichten wollen.

Die revolutionäre Demokratie

Die Demokratie dieser Organisation ist die revolutionäre


Demokratie, in der das, was gilt, die Aktion ist, das,
worauf man achtet, die Interessen der Revolution sind
und in der die konkrete Initiative die wesentliche Pflicht
ist.
Die Prinzipien, nach denen diese Organisation geleitet
wird, sind folgende:
Die Pflicht jedes Revolutionärs ist es, die Revolution zu
machen.
Wir bitten niemand um Erlaubnis, um revolutionäre
Aktionen durchzuführen.
Wir fühlen uns nur der Revolution verpflichtet.

Die Ausgangspunkte der revolutionären Organisationen

Diese Organisation fängt an, durch den Willen der


Revolutionäre und ohne irgendjemand um Erlaubnis zu
fragen, sich zu konstituieren, woran sich die
aufständischen Kommunisten und die Organisationen und
Gruppen, die im Widerspruch zum ZK stehen und sich
niemals deren Willkürlichkeiten unterwerfen werden,
beteiligen.
Aus dieser Opposition entstand ein kleines
Koordinationszentrum, das schon in der Funktion der
Guerilla besteht. Aus dieser Opposition entstehen
augenblicklich auch revolutionäre Gruppen.
Wir denken, daß die Zeit gekommen ist, mit den endlosen
internen Diskussionen aufzuhören, und nicht noch mehr
Zeit im Kampf mit dem ZK zu verlieren.
Wir wollen nicht eine weitere kommunistische Partei und
auch nichts Ähnliches gründen. Das, was wir wollen, ist
die revolutionäre Aktion, die Vorbereitung und die
Entfesselung der Guerilla. Das, was wir uns mit unserer
Entscheidung JETZT ZU KÄMPFEN vornehmen, ist die
revolutionären Kräfte zu befreien, die bis jetzt unterdrückt
waren, und sie bis zur äußersten Spannungsgrenze
anzuspannen.

Was sind revolutionäre Gruppen?

Beim Kampf ist es unbedingt nötig, auf revolutionäre


Gruppen zählen zu können. Derjenige, der zum
bewaffneten Kampf schreitet, muß wissen, daß er sich der
ständig wachsenden Wut der Reaktion entgegenstellen
muß, und er muß darauf vorbereitet sein. Die großen und
schwerfälligen Organisationen sind der Tode eines jeden
Revolutionärs. Und das ist die Gefahr, die die städtischen
Komitees und die von den alten Strukturen
herstammenden Organisationen mitbringen.
Die revolutionären Gruppen bilden die Basis der
revolutionären Organisation. Es sind kleine Gruppen, die
aus den Revolutionären mit der meisten Initiative und der
größten Kampffähigkeit bestehen.
Es gibt Gruppen, die die erste Stufe der revolutionären
Organisation darstellen, eine Stufe, die entscheidende
Verantwortung für den bewaffneten Kampf und das
Errichten der globalen Struktur der Guerilla trägt.
Der Name, den diese revolutionären Gruppen haben, ist
recht unwichtig. Das wesentliche ist, daß sie zur
unmittelbaren revolutionären Aktion schreiten.
Wir alle müssen, ohne Ausnahme, revolutionäre Gruppen
organisieren oder zu ihnen gehören. Das
Hauptkommando liegt bei der Guerilla, wo immer sie
auch ist. Für sie müssen wir arbeiten und ihr die
Ausführung aller Aufgaben unterordnen.

Die revolutionären Aufgaben

Es gibt keinen Kommunisten und keinen Patrioten, der


nicht eine Aufgabe zu erfüllen hätte. Die Gruppen der
ersten Stufe erfüllen jede Aufgabe, insbesondere die
schwierigsten.
Die Aufgaben, die am stärksten zur Guerilla in
Verbindung stehen, oder die diese für jeden beliebigen
Augenblick bestimmt, haben Priorität. In der
augenblicklichen Phase sind das die Aufgaben der
Vorbereitung der Guerilla und der logistischen
Unterstützung. Zu den Aufgaben, die für die
Vorbereitung der Guerilla nötig sind, gehört die
Organisation von Schieß-Lehrgängen, die Auswahl und
das Trainieren der Kämpfer. Das Training kann in
Märchen, Übernachten im Freien und im Einüben der
Selbstverteidigung bestehen.
Man sollte Waffen kaufen oder herstellen, ebenso wie
auch Munition und Patronengürtel. Die revolutionären
Gruppen müssen geheimes Material drucken und
verteilen. Man sollte sofort Gruppen zur finanziellen
Unterstützung organisieren, um Geld für die Kasse der
Guerilla zu erhalten.
In den Städten müssen Sabotage- wie auch bewaffnete
Gruppen gegründet werden. Auch wenn sie aus
Arbeitern und campesinos bestehen, müssen sie sich auf
eigene Verantwortung trainieren und sich zur Guerilla
schlagen, sobald diese entfesselt ist.
Man muß Gruppen von Stadtguerillas schaffen; fliegende
Komitees ohne festen Sitz. Außerdem sind
Heckenschützen nötig, um in den Städten ein Klima des
Aufstands zu erhalten, während sich auf dem Land die
Guerilla entwickelt.
Man muß die politische Agitation der Massen in Gang
bringen, indem man Flugblätter an den Fabriktoren und in
den Fabriken verteilt und Parolen an den Wänden
hinterlässt, die von bewaffneten Gruppen bewacht
werden.
Die Arbeit unter den Massen zugunsten der anti-
amerikanischen Einstellung muß weitergeführt werden,
indem man die Nordamerikaner, die in Brasilien arbeiten
– sei es im Innern oder in den Städten – bestraft. Die
Verteidigung des Amazonasgebietes und unserer
Souveränität verlangt, daß wir zur direkten Aktion
schreiten.
Die gewerkschaftliche Massenbewegung muß von unten
nach oben vorgehen, das System der von der Führung
auferlegten Arbeit verlassen und zu radikalisieren
versuchen mit der Absicht, die Regierung zu demaskieren
und den revolutionären Kampfgeist unter den Arbeitern
zu wecken.
Man soll die Besetzung von Ländereien anregen und aus
der organisatorischen Arbeit der ländlichen
Gewerkschaften ein Mittel machen, um den Klassenkampf
auf dem Land zu entfesseln und revolutionäre
Unterstützung für die Guerilla zu bekommen, indem man
ihr neue Stützpunkte verschafft, und die campesinos mit
den von den Großgrundbesitzern abgenommenen Waffen
bewaffnet.
Die Frauen und junge Leute, besonders die Studenten,
müssen sich in spezifischen oder gemischten Gruppen
organisieren, damit sie – abgesehen von den allgemeinen
Aufgaben – spezielle revolutionäre Aufgaben und
Missionen erfüllen können.
Entscheidend ist es, daß die bewaffnete Allianz zwischen
campesinos und Arbeitern sich in der Organisierung des
Hauptkerns der Guerilla zu verwirklichen beginnt, was
man dadurch erreicht, daß man mit den Arbeitern in den
Fabriken und den campesinos revolutionäre arbeitet. Der
Sinn dieser Arbeit muß sein, daß die Arbeiter und
campesinos, die von den bewaffneten Gruppen und der
Aktion in Stadt und Land stammen, sich zum
Guerillakampf und zu Guerillagruppen vereinigen.
Die Verwirklichung all dieser Aufgaben, deren Ziel es ist,
der Guerilla die notwendige logistische Unterstützung zu
geben, wird ihrerseits den revolutionären Gruppen
gestatten, ein ausgedehntes und festes revolutionäres Netz
zu bilden, das vom Volk unterstützt und die
Hauptgrundlage der Guerilla bilden wird.

Warum wir nicht eine weitere kommunistische Partei


gründen

Die kommunistische Gruppe von Sao Paulo ist gegen die


Organisation einer weiteren kommunistischen Partei. Wir
wollen nicht eine weitere kommunistische Partei gründen,
denn das wäre eine Rückkehr zu den alten Diskussionen
und eine Wiederholung der alten Parteistruktur, was alles
der unmittelbaren revolutionären Aktivität schaden
würde. Unsere Strategie ist es, direkt zur Aktion, zum
bewaffneten Kampf zu schreiten. Das theoretische
Konzept, das uns dabei leitet, ist, daß die Aktion die
Avantgarde hervorbringt. Es wäre unverzeihlich, wenn
wir Zeit damit verlieren würden, eine neue
Führungsspitze einzurichten, die sog. Programmatischen
und taktischen Dokumente zu veröffentlichen, neue
Konferenzen einzuberufen, aus denen ein neues ZK
hervorgehen würde mit seinen alten, schon bekannten
Mängeln. Heute ist es nicht mehr der Diskussionskreis,
der die Revolutionäre vereint. Das, was die brasilianischen
Revolutionäre vereint, ist die Aktion, und die Aktion ist
die Guerilla.
Nur indem wir für sie arbeiten, ohne Debatten über diese
oder jene Führungsbestrebungen, ohne uns in die
Angelegenheiten der anderen Organisationen zu mischen
und ohne die Organisation vermischen zu wollen, nur so
werden wir Kräfte sammeln können, um die Guerilla zu
entfesseln; dann ist es unsere Aufgabe, die Revolution zu
machen.
Zum Schluß wird aus der Guerilla die revolutionäre
brasilianische Avantgarde hervorgehen. Woran wir
augenblicklich interessiert sind, ist, gründlich für die
Guerilla zu arbeiten. Und die Guerilla wird zu einer Zeit,
auf eine Art und an einem Ort entstehen, wo die Gorillas
und die Imperialisten der USA es am wenigsten erwarten.
Für uns gilt das Beispiel des “heroischen Guerillero” Che
Guevara.

Kommunistische Gruppe von Sao Paulo