(Übersetzt aus dem Englischen http://telesurtv.

net/english/opinion/Western-Media-
Propaganda-in-Coverage-of-the-Israel-Palestine-Conflict-20140821-0067.html von
Inga Gelsdorf)
Westliche Medien-Propaganda bei der Berichterstattung über den
israelisch-palästinensischen Konflikt
Dem kürzlichen Gazaangriff fehlte im Hinblick auf das internationale Recht
jegliche Rechtmäßigkeit. Die Medien scheinen diesen Punkt ignoriert zu haben.
Über den israelisch-palästinensischen Konflikt wird ausführlich von westlichen
Nachrichtenmedien berichtet. Flaggschiffe der freien Medien wie der
“Guardian”(England), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Deutschland) oder die New
York Times (USA) haben den letzten israelischen Angriffen auf den Gazastreifen viel
Platz in ihrer Zeitung eingeräumt. Die meisten westlichen Staaten sind standhafte
Verfechter der israelischen Politik. Die westlichen liberalen Nachrichtenmedien
beinhalten konsequent die sich wiederholenden Propaganda-Themen, die die
israelischen über die palästinensischen Interessen stellen. Um die westliche
Medienpropaganda besser zu verstehen, könnte es sich lohnen, einige dieser
Themen zu konkretisieren, die während des kürzlichen israelischen Angriffs auf Gaza
auftauchten.
Israel antwortet
Die reguläre Schlagzeilen und Titelseiten-Nachtrichten-Berichterstattung vermittelt
die israelischen und palästinensischen Aktionen auf spezielle Art: Israel wird
üblicherweise als derjenige beschrieben, der auf palästinensische Provokationen
reagiert. Während des letzten israelischen Angriffs auf Gaza betonten die
Nachrichtenmedien in zahllosen Artikeln, das israelische Militär habe auf die
Raketenangriffe der Hamas geantwortet. Zum Beispiel argumentierte die deutsche
Presse, Israel zögere, für den Raketenangriff aus Gaza Vergeltung zu üben
(FAZ.NET, 9. Juli 2014), “hat die Angriffe erwidert” (Bild.de, 10. Juli 2014) oder
“antwortet auf die Raketenangriffe” (Spiegelonline, 11. Juli 2014).
Diese Themenrahmen beinhalteten eine Grundstruktur aus Ursache (Hamas) und
Wirkung (gewaltsame Konfrontation), die eine besondere Lösung fördert (israelische
Militäroffensivaktionen, um die Raketen der Hamas zu unterbinden). Diese Aufteilung
der Vorfälle schließt nicht nur eine subjektive Narrative ein, die eine gewaltsame
Lösung auf Kosten der diplomatischen Lösung unterstützt hat, sondern stand auch
im Widerspruch zu verfügbaren Beweismitteln. Zu Beginn des kürzlichen Angriffs auf
Gaza hatte Israel den Mord an drei israelischen Jugendlichen als Vorwand
genutzt, um Mitglieder der Hamas einzuschüchtern und die Formierung einer
palästinensischen Einheitsregierung zu sabotieren.
In der Zwischenzeit waren Hunderte von Palästinensern inhaftiert und mehrere
getötet worden. Diese Aktionen mitsamt Israels Blockade des Gazastreifens und
Besetzung der Westbank haben den Raketenbeschuss der Hamas ausgelöst.
Terroristen und Extremisten sind immer (nur) auf der palästinensischen Seite
Die propagandistische Darstellung von Ursache und Wirkung in dem Gaza-Konlikt
betraf auch die verschiedenen involvierten Akteure. In den regulären
Mediennachrichten über Gaza werden Hamas und ihre Mitglieder oft (meistens!
I.Ge.) als Terroristen oder Extremisten abgestempelt. Diese Darstellung wurde durch
die Strategie der Hamas, wahllos Geschosse primitiver Technik auf israelisches
Gebiet abzufeuern, noch begünstigt. Andererseits wurden der israelische Staat und
sein Militär selten als Staatsterroristen oder als andere ruchlosen Akteure dargestellt,
trotz Israels willkürlichem Einsatz hochtechnologischer Waffen in
dichtbesiedelten Gebieten.
Gemäß internationalem Recht hat die Hamas das Recht, sich Israels Besetzung zu
widersetzen als Teil des palästinensischen Kampfes für Selbstbestimmung. Natürlich
kann man das willkürliche Raketenabfeuern der Hamas kaum rechtfertigen. Jedoch
hat der Wissenschaftler Norman Finkelstein argumentiert: “Rechtlich gesehen kann
man die politische Besonnenheit der Hamas- Strategie hinterfragen (willkürlich
selbsthergestellte Geschosse auf Israel abzuschießen). Aber das Recht ist nicht
eindeutig dagegen, während die Skala der Moral zu ihren Gunsten schlägt.”
Im Gegensatz haben internationale Rechtsexperten betont, dass Israels Angriffe auf
den dicht bevölkerten Gazastreifen auf Kriegsverbrechen hinauslaufen könnten. Die
Experten machten darauf aufmerksam, dass Israels Aktionen Terrorismus darstellen
könnten: “Die meisten der schweren Bombardierungen in Gaza haben keine
akzeptable militärische Rechtfertigung und scheinen stattdessen dazu gedient zu
haben, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren.”
Diese Fakten wurden aufgrund der positiven Beschreibung der israelischen Akteure
durch die westlichen Nachrichtenmedien weitgehend verfälscht, was sehr
wahrscheinlich die Rechtmäßigkeit von Israels Aktionen aufgewertet hat, während
die Aktionen der Palästinenser delegitimiert zu sein schienen.
Israel befindet sich im Krieg
“Kriege töten Menschen, darunter Lehrer in ihren Klassenräumen, Schwestern in
ihren Krankenhäusern und Bauern auf ihren Feldern”, stellte ein Leitartikel, “über das
Töten von Kindern in Gaza” in der britischen liberalen Zeitung, “The Guardian”, fest.
Krieg ruft Assoziationen von Reziprozität und Heroismus hervor: Kriege zwischen
zwei gleich starken Seiten und kräftezehrende Aufgaben für die Soldaten. Darüber
hinaus beinhaltet der Kriegskontext, dass der Tod von Zivilpersonen Opfer darstellt –
als tragische Ergebnisse des Krieges.
Der “Kriegs”-Kontext” wurde von den westlichen Nachrichtenmedien benutzt, als sie
über die Vorfälle in Gaza berichtet haben. “Krieg” erzeugt einen Mythos, weil die
Definition von Eigentum, ein größtenteils fehlender Faktor in Gaza war. Wie Carl von
Clausewitz in seiner klassischen Abhandlung über den Krieg vermerkt: “ Im
Wesentlichen bedeutet Krieg kämpfen, denn das Kämpfen ist das einzige wirksame
Prinzip bei den vielfachen Aktivitäten, die allgemein als Krieg bezeichnet werden.”
Haben Sie irgendeinen Kampf in Gaza gesehen? Tatsächlich wurden laut B'Tselem
mindestens 1.767 Palästinenser in Gaza getötet – darunter 431 Minderjährige, 200
Frauen und 85 Personen, die 60 Jahre oder älter waren – vom Zeitpunkt, wo der
“Krieg” begann, bis zum 10. August 2014. Im gleichen Zeitraum wurden zwei
israelische Zivilpersonen, ein Ausländer und 64 israelische Soldaten getötet. Diese
Zahlen deuten auf ein Massaker hin, nicht auf einen Krieg. Dennoch verbargen die
Nachrichtenmedien bei ihrer Bezugnahme auf den Krieg die Wirkungen unnötiger
israelischer offensiver Aktionen und auch Israels Verantwortung für die toten
Zivilpersonen.
Internationales Recht ablehnen
In einer ausgiebigem Studie über die Berichterstattung der New York Times (Israel-
Palestine on Record, Verso 2007) im Hinblick auf den israelisch-palästinensischen
Konflikt fanden die Wissenschaftler, Howard Friel und Richard Falk, heraus, dass die
Zeitung weitgehend versäumt hatte, unter Berücksichtigung der palästinensischen
Rechte, die in internationalen Schriften verankert sind, über den Konflikt zu
berichten. Ähnlich hat auch die westliche Presse die israelischen Rechte gegenüber
denen der Palästinenser begünstigt, wenn sie über Gaza berichtet hat. Bei
zahlreichen Themen haben die westlichen Medien “Israels Recht auf
Selbstverteidigung” betont. Wir hören nicht viel über die Rechte der
Palästinenser.
Fast die gesamte Welt stimmt einer Lösung des Konflikts zu, die auf der UN-
Resolution 242 basiert, die eine Zweistaaten-Lösung vorschlägt: Die Anerkennung
Israels in den Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 und die Anerkennung
eines lebensfähigen palästinensischen Staates. Die Resolution schließt Israels
völligen Rückzug aus dem besetzten Gebiet ein sowie auch die Auflösung aller
israelischen Siedlungen. Dieser Vorschlag wird von den Palästinensern
(einschließlich Hamas), den 22 Mitgliedern der Arabischen Liga (und vom Iran)
unterstützt und wurde in zahlreichen Resolutionen der UN-Generalversammlung
vereinbart. Der rechtliche Kontext ist ebenfalls eindeutig. Laut Norman Finkelstein:
“Das Recht ist sehr klar. Im Juli 2004 entschied das höchste juristische Gremium der
Welt, der Internationale Strafgerichtshof, dass Israel keinerlei Anspruch habe, weder
auf die Westbank, noch auf Gaza. Sie haben auch keinen Anspruch auf Jerusalem.
Laut dem höchsten juristischen Gremium der Welt ist Ostjerusalem besetztes
palästinensisches Gebiet. Der Internationale Strafgerichtshof entschied, dass
sämtliche Siedlungen in der Westbank laut internationalem Recht illegal sind.”
Bedauerlicherweise gibt es ein entscheidendes Problem: Israel und die USA
unterstützen nicht den internationalen Konsensus und lehnen die Entscheidungen
des Internationalen Strafgerichtshofs ab. Seit 1989 stimmen sie jedes Jahr gegen die
Resolution der UN-Generalversammlung, die “Friedliche Lösung der
Palästinensischen Frage”, genannt wird.
Diese Faktoren deuten darauf hin, dass palästinensische Rechte, nicht, wie im
internationalen Recht verankert, von der westlichen Presse berücksichtigt werden,
wenn diese über Gaza und den israelisch-palästinensischen Konflikt berichtet. Israel
kann auf seinem Recht auf Selbstverteidigung kaum beharren, bis es die Besatzung
beendet.
Folglich konnte argumentiert werden, dass dem kürzlichen Gazaangriff gemäß dem
internationalen Recht die Legitimierung gefehlt hat.
Die Medien scheinen diesen Punkt nicht beachtet zu haben.