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Ein Autostopp fürs Leben

Ein Autostopp in Kanada veränderte das Leben von Andreas


Zimmermann. Er begegnete dabei Gott. Aus einem tiefverletzten
jungen Mann wurde ein anerkannter Psychologe, Coach und
Familienberater.

Heute ist der Psychologe und Therapeut Andreas Zimmermann


mit seiner schwierigen Vergangenheit versöhnt.

Nach dem Abitur machte sich Andreas Zimmermann auf nach


Kanada. Seine Reise setzte er dort vor allem per Autostopp fort.
Da kann es passieren, dass man auch mal einen halben Tag lang
erfolglos den Daumen zur Strasse hin hält. Nach einer solchen
Erfahrung hielten eines Tages Christen an und liessen
Zimmermann einsteigen.

„Sie nahmen mich mit nach Vancouver und gaben mir dort die
Schlüssel für ihre Wohnung. Ich staunte nicht schlecht über ihr
Vertrauen. Ich war doch nur ein Tramper!“ Zimmermann staunt
noch heute über diese Leute. Freimütig zeigten sie ihm, wie er in
eine Beziehung zu dem lebendigen Gott kommen kann. Andreas
Zimmermann liess sich überzeugen. Doch er ist kein Mensch,
der gerne über seinen Glauben spricht. Er zieht es vor, ihn so zu
leben, dass andere ihn darauf ansprechen.

Sein leidenschaftliches Thema sind die Menschen. Sie zu


beobachten, darin ist er Meister. Sein Psychologiestudium und
seine Ausbildung als Lebensberater und Psychotherapeut und
vor allem die zahlreichen Begegnungen mit Menschen haben ihn
darin geschult.

Die Begabung dafür hat auch einen sehr persönlichen


Hintergrund: Zimmermannwuchs als Einzelkind auf, und seine
Stiefmutter sagte ihm nie, dass er nicht ihr leibliches Kind war.
„Es ist nie gut, wenn ein Kind nicht weiss, woran es bei den
Eltern ist.“

Schwierige Vergangenheit
Seine Antworten kommen überlegt. Er scheint geerdet zu sein,
trotz schwieriger Vergangenheit. Erst mit 36 Jahren lernte
Zimmermann seine Halbgeschwister kennen. Er hat fünf davon.
Sein zweitjüngster Bruder kam nicht zum ersten Treffen. Doch
inzwischen entwickelt sich auch zu ihm eine tiefe Freundschaft.

Zimmermanns Mutter hatte mit vier verschiedenen Männern


Kinder gezeugt. Lange wusste er nichts von seinen
Geschwistern; das schmerzt ihn noch heute. Doch mit seiner
Vergangenheit konnte er bis auf wenige Momente Frieden
schliessen.

„Im Zuge meiner Therapieausbildung in München habe ich


Familienaufstellung* gemacht. Es half mir, die verworrenen
Beziehungen zu klären.“ Mit Hilfe fremder Menschen oder
kleiner Holzpuppen werden schwierige Familienkonstellationen
nachgestellt; auf diese Weise können grosse familiäre
Hypotheken abgebaut werden. Auch wenn diese Theorie in
manchen christlichen Kreisen mit Argwohn betrachtet wird, so
hat sie Zimmermann doch selber als sehr hilfreich erlebt. „Ich
hatte immer eine grosse Sehnsucht nach einer heilen Familie“,
resümiert der heute 41jährige.

Begegnungsort für Christen aufgebaut


Nachdem er in Vancouver zum lebendigen Glauben fand, baute
er in seiner Heimatstadt Kitzbühl ein Kulturkaffee auf, in dem
Lesungen und Konzerte stattfanden. Zimmermann machte sich
dafür stark, dass Christen einen Ort der Begegnung fanden.
Später gründete er in Augsburg mit anderen Christen zusammen
eine Übergangseinrichtung für Menschen mit seelischen
Schwierigkeiten. Das christliche «Haus am Eser 21» wurde
später von der Stadt als Pilotprojekt gewürdigt.

Zimmermann arbeitete im «Haus am Eser» mit jungen


Erwachsenen, die aus Psychiatrien und zum Teil aus dem
Gefängnis zur Wiedereingliederung kamen. Die Erfolgsquote im
«Hause Eser» beträgt rund 80 Prozent. Das heisst, acht von zehn
Gästen, wie die Bewohner liebevoll genannt werden, können
wieder in einen geregelten Alltag zurückkehren. In öffentlichen
Einrichtungen sind es weniger.

Das Glas ist halb voll


Er ist ein Mann, der das Glas als halb voll betrachtet. Halb leer
gibt es bei ihm nicht. Deshalb versucht er heute als Paar- und
Familientherapeut, auch mit zerstrittenen Paaren das Gute in
deren Ehe auszugraben. Denn die meisten Paare seien nach
jahrelanger schwieriger Ehe darauf aus, vor allem das Negative
am Partner zu sehen. Dadurch gefährden sie ihre Beziehung
noch mehr oder können sie vollends zerstören.

Zimmermann setzt auch stark auf den Glauben – unter anderem,


weil ihn eigene intensive Erlebnisse mit Gott nachhaltig
beinflussen. Früher sammelte er beispielsweise Steine von
Plätzen, die ihm viel bedeuteten. Er bohrte ein Loch hinein und
hängte sie an ein Lederband. Bei einem Studienseminar watete
er einmal in einem Bachbeet und sollte dort Steine für ein
Steinmal suchen. Da erbat er sich von Gott einen kleinen mit
Loch, den er seinem Lederband anfügen konnte – und fischte
tatsächlich einen heraus, der schon ein Loch hatte und der noch
dazu haargenau an das Band passte.

Zeichen der Gegenwart Gottes


„Ich habe kein magisches Denken und suche normalerweise
auch nicht nach Zeichen. Aber dieses Erlebnis erstaunte mich
schon sehr“, erzählt Zimmermann, denn vor allem kleine Steine
haben eigentlich keine natürlichen Löcher. Er deutet den Fund
darum als Zeichen für Gottes Gegenwart. Während dieses
Seminars beschäftigte ihn die Frage nach seiner persönlichen
Berufung.

Seinen Glauben lebt er in einer gesunden Lockerheit und


schüttelt den Kopf darüber, wenn sich Christen so abmühen, als
müssten sie „Gott etwas beweisen“. Wichtiger als eine
Gläubigkeit an sich sei ihm die persönliche Glaubenshaltung;
für Zimmermann zählt nicht der Glaube, an den geglaubt wird,
sondern jener spirituelle Glaube, durch den man glaubt. „In
Christus finde ich Geborgenheit und Sicherheit, trotz eigener
Sorgen, Ängste und Befürchtungen.“

Suggerierte Individualität
Der heutige säkulare Lifestyle befremdet ihn. „Für manche gibt
es nichts Höheres, als sich selber zu vergöttern“ – ein Symptom
auch für Bedürfnisse, die persönlich und in der Gesellschaft
lange unterdrückt wurden: die Bedürfnisse „nach Liebe,
Geborgenheit und Annahme“. Doch statt echte Antworten zu
suchen, folgten immer mehr Menschen den von Wirtschaft und
gesellschaftlichen Strömungen vorgegeben. „Da wird uns eine
Individualität nur vorgegaukelt. Von den tieferen Bedürfnissen
lenkt man einfach ab.“

Auf die Frage, ob er auch mal an seinem Glauben zweifle,


antwortet er noch ernster:

“Natürlich habe ich Zweifel.“ Und es schmerzt ihn, zu sehen,


dass viele christliche Gemeinden in Krisen stecken. Der hilflose
Umgang miteinander falle ihm besonders auf, meint der
Psychologe, der über seine Vorträge in viele Gemeinden
geschaut hat.

Glauben mit Leidenschaft


Deshalb schlägt sein Herz für die Ökumene, für die versöhnte
Unterschiedlichkeit in Jesus. Christen seien oft in
vordergründigen Sünden verheddert und kommen dadurch gar
nicht dazu, gelassen ins Leben zu gehen. Und leidenschaftlich.
Denn für Zimmermann gehört das zu einem spirituellen Glauben.

„Zu wissen, dass da jemand ist, der dich liebt, wie du bist – das
ist doch toll.“ Seine eigene Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit
und Annahme konnte er in seinem Glauben an Jesus Christus
stillen. Seine Familie stärkt ihn darin.

Zur Person
Andreas Zimmermann führt in Kufstein, Österreich, eine Praxis
als Psychologe und Therapeut. Neben Paaren berät er auch
Geschäftsleute. Seine Frau ist Architektin. Mit ihr hat er zwei
Söhne, ein und drei Jahre alt.
Weiterführende Links
Mit negativen Gedanken brechen
Arbeitslos, aber nicht würdelos!

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