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Reinkarnation in der Bibel?

Bei dieser Frage ist es ganz wichtig, die Begriffe vom jeweiligen Hintergrund her zu sehen. Es
lohnt sich, einmal das dritte Kapitel des Johannesevangeliums zu lesen, und man wird feststellen,
dass sich die Reinkarnationslehre nicht einfach mit den biblischen Aussagen vereinbaren lässt.

Im Neuen Testament ist zwar die Rede von einer „Wiedergeburt“, allerdings ist damit etwas völlig
anderes gemeint als z.B. im Buddhismus. Dort geht es um den Kreislauf des Leidens der durch
unzählige Wiedergeburten letztendlich ins Nirvana münden soll, in dem die Individualität des
Menschen endgültig aufgehoben ist. Kurz gesagt ist es das Nichts, in dem es keine
Empfindungen und damit auch kein Leid mehr gibt. Es ist der „Kreislauf der Wiedergeburten in
immer wieder verschiedene Welten hinein. In Vergeltung der Taten werden alle Wesen in die
ihrer Leistung entsprechende Welt hinein wiedergeboren.“

Inzwischen wurde das ursprüngliche Denken besonders bei der westlichen Auffassung von
Reinkarnation durch naive Fantasien angenehm verfremdet, wie etwa: „Es ist doch schön, wenn
ich in meinem nächsten Leben die Welt neu, z. B. als Eichhörnchen entdecken kann.“ Nicht mehr
der Kreislauf des Leidens, sondern der Kreislauf des Spaßes und der immer neuen
Erlebnismöglichkeiten wird hineininterpretiert. Das ist allerdings selbst aus buddhistischer Sicht
inakzeptabel und kann höchstens als Wunschtraum, nicht aber als Glaube an jenseitige
Realitäten gewertet werden.

Die Hoffnung des christlichen Glaubens gründet sich dagegen auf die Tatsache der Auferstehung
Jesu und seinen Kreuzestod zur Versöhnung mit dem Schöpfer. Die zur Erlösung nötige Leistung
hat Christus für uns Menschen erbracht, weil wir uns eben nicht aus eigener Kraft erlösen
können. Gott liebt uns Menschen und möchte in der jenseitigen Welt unsere Individualität nicht
auslöschen, sondern Gemeinschaft mit uns haben.

Die Heiligkeit Gottes erfordert es, dass als Voraussetzung für diese Gemeinschaft (die bereits im
Diesseits mit der „Wiedergeburt“ beginnt), das Problem der Schuld und unserer menschlichen
Ablehnung gegenüber Gott gelöst werden muss. Gott bietet uns deshalb in der Person Jesus
Christus Versöhnung an, um Frieden zu schaffen. Dieser Friede mit Gott und die von Liebe
gekennzeichnete persönliche Beziehung zu Gott, die aus der Versöhnung resultiert, ist der
Reinkarnationslehre des Buddhismus völlig fremd.

Jesus spricht von einer einmaligen geistlichen Wiedergeburt, mit der er die Erneuerung des
inneren Menschen durch Gnade und Vergebung meint. Diese muss im kindlichen Vertrauen
persönlich angenommen werden. Wer das tut, wird als ein Kind Gottes vom Geist Gottes erfüllt.
Das ist Wiedergeburt im biblischen Sinn. Gottes Heiliger Geist verändert dann das Leben
zunehmend positiv und richtet es immer mehr auf Gott aus. Die Taufe ist quasi das Symbol für
die Notwendigkeit der Reinwaschung von Schuld und ein Zeichen für den Tod des „alten“
gottfernen Menschen (s. 1. Petr. 3, 21; Röm. 6, 3 - 6).

So ist auch die folgende Antwort Jesu an Nikodemus gemeint: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir:
Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“
(Joh. 3, 3)

Als Nikodemus nicht ganz versteht, erklärt Jesus weiter:

„Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich
Gottes kommen [...] So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh. 3, 5-8) .

Was diese „Wiedergeburt aus dem Geist“ im Gegensatz zur buddhistischen Auffassung bedeutet,
bringt das Johannesevangelium ein paar Verse später deutlich und unmissverständlich auf den
Punkt: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzig geborenen Sohn gab, damit
alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3, 16).