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Grusswort

Als Eli Bar David, ein an Jesus Christus gläubiger Jude, uns durch den biblischen Garten in
Yad Hashmonah führte, blieb er vor einem Weinstock stehen, der vor wenigen Jahren gepflanzt
worden war. In eindringlicher Weise verglich er unser Leben mit der Rebe am Weinstock.
In biblischer Zeit musste der Weingärtner fünf Jahre warten, bis er die Früchte geniessen
konnte. So ist auch das Leben eines Christen: Es kann eine gewisse Zeit vergehen, bis Frucht
zu sehen ist. Während all dieser Zeit werden wir durch die liebende Hand Gottes gehegt und
gepflegt. Er redet zu uns durch Sein Wort, Er schneidet uns zurecht. Er begiesst uns und erwar-
tet, dass wir Frucht bringen. Wenn dann keine Frucht wächst, muss man sich fragen, ob das
Leben in Jesus Christus echt ist. In Matthäus 3,8 fordert Jesus uns sehr ernst auf: «Sehet zu,
tut rechtschaffene Frucht der Busse.» Und in Vers 10 zeigt Er die Konsequenz der Fruchtlosig-
keit auf: «Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht
gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.» Diese bildliche Sprache unseres
Inhalt 07/2003 Herrn kommt auch sehr stark in Johannes 15 zum Ausdruck: «Eine jegliche Rebe an mir, die
nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jegliche, die da Frucht bringt, wird er reini-
gen, dass sie mehr Frucht bringe» (V 2).
Biblische Botschaft Noch redet Gott zu uns. Er hat Geduld mit uns. Doch diese Zeit ist begrenzt. Dessen sollten
4 Der verbrannte Weinstock, der nicht wir uns bewusst sein. In Hiob 33,29-30 wird klar, dass das Reden Gottes tatsächlich begrenzt
untergeht
ist: «Siehe, das alles tut Gott zwei- oder dreimal mit einem jeglichen, dass er seine Seele
zurückhole aus dem Verderben und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen.» Ist die Zeit
Im Blickfeld abgelaufen und keine Frucht da, wird Jesus gleichsam vor uns stehen und zum Weingärtner
9 Wie tot ist die Kirche? sprechen: «Siehe, ich bin nun drei Jahre lang alle Jahre gekommen und habe Frucht gesucht
10 Und sie glaubten es nicht! auf diesem Feigenbaum und finde sie nicht; haue ihn ab, was hindert er das Land?» (Lk 13,7).
11 Der tiefe Sturz eines Politikers
Diese schreckliche Konsequenz, dass Gott aufhören könnte, zu uns zu reden, sollten wir
uns einmal drastisch vor Augen führen. Als Gott einen Bund mit Abraham machte und ihm
Aus der Arbeit des herrliche Verheissungen gab, wollte Abraham auch den Ismael in diese Zukunftsperspektive
Mitternachtsruf einbinden. Und siehe da, Gott liess sich sogar dazu bewegen, Abrahams Bitte zu entsprechen:
13 Radiomission in Uruguay von 1982 «Dazu um Ismael habe ich dich auch erhört …» (1.Mo 17,20). Doch das hatte Folgen: «… er
bis 2003 (Gott) hörte auf mit ihm zu reden» (V 22). Was aus Ismael geworden ist, sehen wir heute:
arabische Nationen, die sich als Stacheln der Auflehnung und Feindschaft gegen Israel erwei-
Wohin steuert die sen. Man muss sich fragen: Wie wäre es heute im Nahen Osten, wenn Abraham diese Bitte
Ökumene? nicht ausgesprochen hätte? Abraham aber wollte an Ismael festhalten – und Gott hörte auf zu
14 Phasen der ökumenischen Entwicklung reden. Haben wir vielleicht auch aus unserem alten Leben solche «Ismaels» mitgenommen, an
denen wir unbedingt festhalten wollen, die jedoch nicht in den Plan Gottes mit unserem Leben
Fragen – Antworten passen? Sind da alte Gewohnheiten, Verhaltensweisen, Sünden, die wie Stacheln in unserem
20 Ging Jesus nach Seinem Sterben in neuen Leben mit Christus sind? Hat Gott vielleicht aufgehört, zu uns zu reden? Redet Er in der
den Hades? Bibel, in Seinem Wort, noch zu uns? Oder hat uns das alles nichts mehr zu sagen?
21 Ablösung vom Elternhaus Vielleicht merken wir gar nicht, dass die Axt schon an unserer Wurzel liegt. Gottes Reden ist
21 Wer sind die «Hunde»? zeitlich limitiert. Er will Frucht sehen, vor allem rechtschaffene Frucht der Busse («… ich bin
nun drei Jahre lang alle Jahre gekommen und habe Frucht gesucht … und finde sie nicht»).
3 Grusswort
Noch spricht der Weingärtner: «Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis dass ich um ihn grabe und
bedünge ihn, ob er wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn
11 Aufgegriffen
19 Streiflicht
danach ab» (Lk 13,8-9). Möge Gott uns Gnade geben, ein frucht-
22 Dir kann nur Jesus helfen
bares Leben zu führen!
In herzlicher Verbundenheit
22 Impressum

Eingedenk dessen, dass alle menschliche Erkennt-


nis Stückwerk ist (1.Kor 13,9), legen die Autoren
eigenverantwortlich ihre persönliche Sicht dar.

Mitternachtsruf > Juli 2003 3


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Biblische Botschaft

Der verbrannte
Weinstock, der nicht
untergeht Das Wunder und die Ein-
heit biblischer Prophetie
wird uns an unzähligen
Beispielen aufgezeigt.
Hier ist eines davon.

■ NORBERT LIETH

Israel, der fruchtlose Weinberg


n der biblischen Symbolsprache ist

I der Weinberg ein Bild für das Land


und Volk Israel. Wir lesen darüber
in Jesaja 5,1-7: «Singen will ich von
meinem Freund, das Lied meines
Liebsten von seinem Weinberg: Einen
Weinberg hatte mein Freund auf einem
fetten Hügel. Und er grub ihn um und
säuberte ihn von Steinen und bepflanz-
te ihn mit Edelreben. Er baute einen
Turm in seine Mitte und hieb auch eine
Kelterkufe darin aus. Dann erwartete er,
dass er Trauben bringe. Doch er brachte
schlechte Beeren. Und nun, Bewohner
von Jerusalem und Männer von Juda,
richtet doch zwischen mir und meinem
Weinberg! Was war an meinem Weinberg
noch zu tun, und ich hätte es nicht an
ihm getan? Warum habe ich erwartet,
dass er Trauben bringe, und er brachte
schlechte Beeren? Nun, so will ich euch
denn mitteilen, was ich mit meinem
Weinberg tun werde: Seinen Zaun will
ich entfernen, dass er abgeweidet wird,
seine Mauer niederreissen, dass er zer-
treten wird. Ich werde ihn zur Wüste-
nei machen. Er soll nicht beschnitten

4 Mitternachtsruf > Juli 2003


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und nicht behackt werden, in Dornen Zurück zum «Weinberg» Israel: Die Prophezeiungen Hesekiels, der
und Disteln soll er aufgehen. Und ich «Dann erwartete er, dass er Trauben brin- denselben Geist wie Jesaja hatte, aber
will den Wolken befehlen, dass sie kei- ge. Doch er brachte schlechte Beeren.» 150 bis 200 Jahre später lebte (Jesaja
nen Regen auf ihn regnen lassen. Denn Was tat nun Gott? Er musste Israel das wohnte in Israel, Hesekiel war als Ge-
der Weinberg des Herrn der Heerscha- Gericht ankündigen: «Und nun, Bewoh- fangener in Babylon), schliessen sich
ren ist das Haus Israel, und die Männer ner von Jerusalem und Männer von Juda, nahtlos an die seines Vorgängers an.
von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. richtet doch zwischen mir und meinem Allerdings schrieb Hesekiel nicht nur
Und er wartete auf Rechtsspruch, und Weinberg! Was war an meinem Weinberg über den «Weinberg» (= Israel), sondern
siehe da: Rechtsbruch; auf Gerechtig- noch zu tun, und ich hätte es nicht an auch über den «Weinstock» (= Jerusa-
keit, und siehe da: Geschrei über ihm getan? Warum habe ich erwartet, lem). In Hesekiel 15,1-8 lesen wir: «Und
Schlechtigkeit» (vgl. Mt 21,33-41). dass er Trauben bringe, und er brachte das Wort des Herrn geschah zu mir so:
In diesem Abschnitt ist von Israel, schlechte Beeren? Nun, so will ich euch Menschensohn, was hat denn das Holz
dem fruchtlosen «Weinberg», die Rede. denn mitteilen, was ich mit meinem des Weinstocks allem anderen Holz vo-
Jerusalem und der Tempel hingegen Weinberg tun werde: Seinen Zaun will raus, die Ranke, die unter den Bäumen
werden in der Bibel auch als «Wein- ich entfernen, dass er abgeweidet wird, des Waldes ist? Wird von ihm Holz ge-
stock» bezeichnet. seine Mauer niederreissen, dass er zer- nommen, um es zu einer Arbeit zu ver-
Bereits im 8. Jahrhundert v.Chr. be- treten wird. Ich werde ihn zur Wüste- wenden? Oder nimmt man von ihm ei-
klagte der Herr durch den Propheten nei machen. Er soll nicht beschnitten nen Pflock, um irgendein Gerät daran
Jesaja die Unfruchtbarkeit des Weinber- und nicht behackt werden, in Dornen aufzuhängen? Siehe, dem Feuer ist es
ges Israel und des Weinstocks Jerusalem. und Disteln soll er aufgehen» (Jes 5,3- zum Frass gegeben. Seine beiden Enden
In Jesaja 5,1-2 haben wir gelesen: 6). Hat sich diese Prophezeiung in der hat das Feuer gefressen, und seine Mit-
«Einen Weinberg hatte mein Freund auf Geschichte Israels erfüllt? Ja. Gott zog te ist versengt. Wird es noch zu einer
einem fetten Hügel (die Berge Jerusa- Seine schützende Hand von Seinem Volk Arbeit tauglich sein? Siehe, selbst wenn
lems: der Zionsberg, der Ölberg). Und zurück. Er nahm den «Zaun» und die es unversehrt ist, wird es zu keiner Ar-
er grub ihn um und säuberte ihn von Stei- «Mauer» des Schutzes, des Segens und beit verwendet. Wie viel weniger, wenn
nen …» Als Gott Sein jüdisches Volk das Feuer es gefressen
durch Josua in das verheissene Land, hat und es versengt ist,
in den Weinberg, hineinführte, hatte Er Die Babylonier haben Jerusalem kann es noch zu einer
die gottlosen Völker, die Ihm gegenüber
ein Herz wie Stein hatten, weggetan:
buchstäblich verbrannt, Arbeit verwendet wer-
den! Darum, so spricht
«… und bepflanzte ihn mit Edelreben.» genauso wie es die Propheten der Herr, Herr: Wie das
Anstelle der damaligen Nationen, die
es heute nicht mehr gibt, hat Gott Sein
vorausgesagt hatten Holz des Weinstocks
unter den Bäumen des
jüdisches Volk eingesetzt als «Edelre- Waldes, das ich dem
ben». «Er baute einen Turm in seine Feuer zum Frass gebe,
Mitte …»: Der «Turm» ist ein Bild des so gebe ich die Bewoh-
durch König Salomo erbauten ersten ner von Jerusalem
Tempels. «… und hieb auch eine Kelter- der Gnade von Israel weg, sodass die dahin. Und ich richte mein Angesicht
kufe darin aus. Dann erwartete er, dass feindlichen Nationen (Assyrer und Ba- gegen sie: Aus dem Feuer sind sie he-
er Trauben bringe. Doch er brachte bylonier) wie wilde Tiere über Israel rausgekommen, doch Feuer wird sie fres-
schlechte Beeren.» herfallen konnten. sen. Und ihr werdet erkennen, dass ich
Es fing alles so herrlich an: Gott hat Was will uns das sagen? Wer sich dem der Herr bin, wenn ich mein Angesicht
an Israel wunderbar gehandelt. Er hat Herrn Jesus nicht hingibt und Ihm be- gegen sie richte. Und ich werde das Land
Sein Volk aus Ägypten herausgeführt und dingungslos nachfolgt, wird früher oder zur Einöde machen, weil sie Untreue
durch die Wüste ins gelobte Land ge- später von der Welt eingenommen wer- begangen haben, spricht der Herr, Herr.»
bracht. Er hat die Steine (Heiden) daraus den. Unser Denken wird vom Irdischen Hier wird noch eindringlicher illust-
entfernt und Israel als Edelreben einge- beherrscht sein, wir werden wie alle riert, dass Jerusalem als Weinstock von
pflanzt. Er hat alles für sie getan, was Welt reagieren und argumentieren, um Gott nicht mehr zu gebrauchen ist. Er
ein guter Weingärtner nur tun kann. Und uns schlagen und uns mit rein weltlichen brachte keine Frucht, und Rebenholz
jetzt wartete Er nur noch auf eines: auf Worten zu verteidigen suchen. Es kann ohne Frucht ist zu nichts zu gebrauchen
Frucht. sogar sein, dass wir die Welt wieder lieb (V 5). Man kann es nur dem Feuer preis-
Was erwartet Gott von uns, nachdem gewinnen, wie das bei Demas und an- geben. Und genau das hat Gott als Wein-
Er alles für uns getan hat? Er wartet auf deren geschah (vgl. 2.Tim 4,10). gärtner mit der damaligen Generation
Frucht. Wenn wir, wer weiss wie bald, getan.
vor Jesus Christus stehen, ist es nicht Jerusalem, der verworfene Jerusalem hatte den Auftrag, ein Zeug-
vorrangig, ob wir Seelen für Ihn gewon- nis für die Völkerwelt zu sein. Darum
nen haben, sondern vor allen Dingen
Weinstock erwählte Gott Jerusalem und liess den
wird Er bei uns nach der «Frucht des Im 6. Jahrhundert v.Chr. trat der Pro- Tempel darin erbauen, um allen Natio-
Geistes» suchen. Sind Liebe, Freude, phet Hesekiel auf, und in seiner Zeit nen zu zeigen, dass es nur einen wah-
Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, hatten bereits die ersten Angriffe der ren Gott gibt, den Gott Abrahams, Isaaks
Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit (bzw. Babylonier stattgefunden. Ein Teil der und Jakobs (vgl. Jes 43,9-11). Aber Isra-
Selbstbeherrschung) bei Ihnen, bei mir, Israeliten war bereits aus dem Land weg- el hat versagt. Statt durch Wort und Tat
vorhanden (Gal 5,22)? geführt worden. zu bezeugen, dass Israel den wahren

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Wein vom Libanon ist. Ephraim wird sa-
Biblische Botschaft gen: Was soll ich noch mit den Götzen? –
Ich, ich habe ihn erhört und auf ihn ge-
blickt. – Ich bin wie ein grüner Wachol-
Gott hat, taten viele Israeliten das Ge- Das Feuer kam aber schon nahe an die der, nur an mir wird Frucht für dich ge-
genteil: Sie warfen sich vor den Götzen Stadt heran: «… seine Mitte ist ver- funden» (Hos 14,5.8-9).
der Nationen nieder und beteten diese sengt.» «Weinberg» und «Weinstock» waren
an (vgl. Hes 36,22 ff.). In Hosea 10,1 • Schliesslich wurde im Jahr 586 v.Chr. verbrannt. Israel, Jerusalem und der
werden ihre Gräuel mit folgenden Wor- auch die Mitte Jerusalems von den Trup- Tempel wurden zerstört. «Mauer» und
ten beschrieben: «Israel war ein üppi- pen Nebukadnezars vernichtet. «Zaun» waren niedergerissen. Die Nati-
ger Weinstock, der genügend Frucht Der Herr hatte durch Hesekiel pro- onen haben Volk und Stadt überlaufen,
hatte. Je zahlreicher seine Frucht wur- phezeit: «… ich richte mein Angesicht niedergetrampelt und zu einer Einöde
de, desto zahlreicher machte er die Al- gegen sie: Aus dem Feu-
täre. Je schöner sein Land wurde, desto er sind sie herausgekom-
schöner machten sie die Gedenksteine.» men, doch Feuer wird sie Nicht einzelne, aus dem Zusam-
Wer als wiedergeborener Christ
fruchtbar ist, aber anfängt, Kompromis-
fressen» (Hes 15,7). Ob-
wohl sie zunächst dem
menhang gerissene Worte, sondern
se mit der Sünde einzugehen, wird mit Feuer entgangen waren die Summe des Wortes Gottes ist
der Zeit fruchtlos!
Israel hatte zuerst «genügend Frucht».
(605 und 597 v.Chr.),
würde das Feuer sie
die Wahrheit
Aber mit der Zeit ging es mit Assyrien letztlich doch zerstören
und später mit Babylon Kompromisse (586 v.Chr.). Daraufhin ist das Land im gemacht. Doch warum wird der ver-
ein. Demzufolge wurden die «Weintrau- wahrsten Sinne des Wortes verödet, wie brannte Weinstock nicht untergehen?
ben» im Weinberg immer kleiner; sie es vorausgesagt war: «Und ich werde das Weil die Wende für Israel kommen soll
verdorrten und fielen ab; man konnte sie Land zur Einöde machen, weil sie Un- und kommen wird! Aber durch wen?
nicht mehr ernten, um Wein daraus zu treue begangen haben, spricht der Herr, Beachten wir, dass es heisst: «… nur an
gewinnen. Israel war seinem Gott un- Herr» (V 8). mir wird Frucht für dich gefunden.» Der
treu geworden, und damit hatte der Tem- Herr Jesus hat später von sich gesagt: «Ich
pel seine Existenzberechtigung verloren. bin der wahre Weinstock …» (Joh 15,1).
Gott übergab Israel, Jerusalem und den
Die wiederherstellende Gnade Diese Aussage Hoseas ist also ein ein-
Tempel den Nationen – alles war dem Der Gott Israels ist jedoch ein Gott, deutiger Hinweis auf den Messias. Durch
Feuer verfallen. Die Babylonier haben dessen Gnadengaben und Berufung Ihn Ihn wird Israel Frucht tragen und wieder
den «Weinberg» und dann den «Wein- nicht gereuen können (vgl. Röm 11,29). zu einem üppigen Weinstock werden,
stock» (Jerusalem und den Tempel) buch- Darum bleibt Sein Volk, auch wenn es der die ganze Welt bedecken wird.
stäblich verbrannt, genauso wie es die versagte, treulos war und sich sogar als In Psalm 80 wird die Geschichte Is-
Propheten vorausgesagt hatten. Feind des Evangeliums erwiesen hat, um raels als Weinstock nochmals beschrie-
Aber nun sehen wir aufs Neue das der Väter willen geliebt (vgl. Röm 11,25- ben: «Einen Weinstock hobst du aus aus
Wunder der biblischen Prophetie. Etli- 29). Deshalb hat der Herr gesprochen: Ägypten. Du vertriebst Nationen und
che Jahre zuvor hatte Hesekiel geweis- «Ich will ihre Ab- pflanztest ihn ein. Du machtest Raum
sagt: «Siehe, dem Feuer ist es zum Frass trünnig- vor ihm, und er schlug Wurzeln und er-
gegeben. Seine beiden Enden hat das keit hei- füllte das Land. Die Berge wurden be-
Feuer gefressen, und seine Mitte ist ver- len, will deckt von seinem Schatten, von seinen
sengt» (Hes 15,4). Was geschah dann? sie aus Ästen die Zedern Gottes. Er streckte sei-
• Im Jahr 605 v.Chr. kamen die Babylo- freiem ne Zweige aus bis ans Meer, bis zum
nier zum ersten Mal Antrieb Strom hin seine Triebe. Warum hast du
und besetzten Israel. lieben. seine Mauern niedergerissen, sodass ihn
Damals wurde auch Denn alle berupfen, die des Weges kommen?
der Prophet Daniel mein Zorn Es frisst ihn ab das Wildschwein aus dem
nach Babylon ver- hat sich von ihm Wald, das Wild des Feldes weidet ihn
schleppt. abgewandt. … Es ab. Gott der Heerscharen! Kehre doch
• Im Jahr 597 kehren zurück, zurück! Schau vom Himmel und sieh!
v.Chr. kam das die in seinem Und suche diesen Weinstock heim! Und
Heer Nebukad- Schatten woh- beschirme, was deine Rechte gepflanzt
nezars zum zwei- nen, sie werden hat, den Sohn, den du dir hast stark
ten Mal. Zu dieser wieder Getreide anbauen werden lassen. Er ist mit Feuer ver-
Zeit wurde auch He- und blühen wie ein Wein- brannt, er ist abgehauen. Vor dem Schel-
sekiel ins Land der stock, dessen Ruf wie der ten deines Angesichtes kommen sie um.
Chaldäer weggeführt. Deine Hand sei über dem Mann deiner
Damit wurde das Wort er- Rechten, über dem Menschensohn, den
füllt: «Seine beiden Enden du dir hast stark werden lassen. So wer-
Wenn man von einem alten Wein-
hat das Feuer gefressen.» Je- stock einen Setzling nimmt und ihn in den wir nicht von dir abweichen. Bele-
rusalem selbst war immer die Erde einpflanzt, lebt der alte Weinstock be uns, und wir werden deinen Namen
noch verschont geblieben. (auch wenn er verbrannt wird) im Setzling weiter anrufen. Herr, Gott der Heerscharen!

6 Mitternachtsruf > Juli 2003


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Stelle uns wieder her! Lass dein Ange- Vater ist der Weingärtner» (Joh 15,1). Weil Israel nur in Verbindung mit dem
sicht leuchten, so werden wir gerettet» Jesus Christus ist der wahre Weinstock, Messias Frucht bringen kann, ohne Ihn
(V 9-20). der den fruchtlosen Weinstock Israel aber fruchtlos bleibt. Die Führungs-
In diesem Abschnitt wird die Ge- ersetzt; Er ist der neue Setzling. schicht des jüdischen Volkes wollte Je-
schichte Israels seit dem Auszug aus Seine weiteren Worte sind sehr ernst: sus nicht: «Wir wollen nicht, dass dieser
Ägypten und der Landnahme in Kanaan «Jede Rebe an mir, die nicht Frucht über uns König sei» (Lk 19,14). «Wir
beschrieben, «bis hin zum Meer und an bringt, die nimmt er weg; und jede, die haben keinen König ausser dem (römi-
den Strom» (V 12). Damit sind das Mit- Frucht bringt, die reinigt er, dass sie schen) Kaiser» (Joh 19,15). Was waren
telmeer und der Euphrat gemeint, das mehr Frucht bringe. … Wenn jemand die Folgen dieser Haltung? Der römische
unter David und Salomo erweiterte Ein- nicht in mir bleibt, so wird er hinausge- Kaiser schickte seine Truppen nach Is-
flussgebiet Israels. worfen wie die Rebe und verdorrt; und rael. Jerusalem wurde belagert, einge-
Dann aber kam die Zerstörung: Die man sammelt sie und wirft sie ins Feu- nommen und verbrannt. Darum heisst
«Mauern» wurden abgerissen, das er, und sie verbrennen» (Joh 15,2.6). es in Psalm 80,17: «Er ist mit Feuer ver-
«Wildschwein aus dem Wald» und das Zunächst meinte der Herr damit den brannt, er ist abgehauen. Vor dem Schel-
«Wild des Feldes» weideten den Wein- Verräter Judas, der zu jenem Zeitpunkt ten deines Angesichtes kommen sie
stock ab (V 13-14). Gemeint sind hier schon nicht mehr bei Ihm war (Joh um.»
Assyrien und Babylon, die «unreinen» 13,30). Judas war einer der zwölf Apos-
Völker aus den Nationen. tel; er trennte sich jedoch von Jesus und
Doch in diese Situ-
Wo finden wir Heilsgewissheit?
ation hinein ruft der Wer jene sind, die am «wahren Wein-
Psalmist plötzlich et- stock» Jesus Christus bleiben, erklärt uns
was Eigenartiges, Johannes in seinem ersten Brief. Die apos-
aber tief Propheti- tolischen Lehrbriefe im Neuen Testament
sches aus: «Gott der sind eine Weiterführung der Evangelien.
Heerscharen! Kehre Darum dürfen wir nicht nur bei den Evan-
doch zurück! Schau gelien stehen bleiben. Vielmehr müssen
vom Himmel und wir die darin enthaltenen Aussagen mit
sieh! Und suche die- den Lehrbriefen vergleichen. Nicht ein-
sen Weinstock heim! zelne, aus dem Zusammenhang gerisse-
Und beschirme, was ne Worte, sondern die Summe des Wor-
deine Rechte ge- tes Gottes ist die Wahrheit.
pflanzt hat, den Johannes schreibt in seinem ersten
Sohn, den du dir hast Brief ganz klar, wer wiedergeboren ist
stark werden lassen» Der Ölbaum – ein Bild für die Zukunft Israels und seines Heils gewiss sein darf: «Und
(V 15-16). Die Elber- dies ist sein Gebot, dass wir an den Na-
felder Studienbibel macht dazu folgen- ist daraufhin geistlich «verbrannt», denn men seines Sohnes Jesus Christus glau-
de Anmerkung: «Das hier mit ‹beschir- er ging verloren. ben und einander lieben, wie er es uns
men› übersetzte hebr. Wort kommt nur Zu Seinen übrigen elf Jüngern sagte als Gebot gegeben hat. Und wer seine
an dieser Stelle vor. Andere übersetzen: Er: «Ihr seid schon rein um des Wortes Gebote hält, bleibt in ihm, und er in ihm;
‹Und den Setzling, den …›.» Die alte El- willen, das ich zu euch geredet habe. … und hieran erkennen wir, dass er in
berfelder Bibel sagt hier: «Und den Setz- Ich bin der Weinstock, ihr seid die Re- uns bleibt: durch den Geist, den er
ling, den deine Rechte gepflanzt, und ben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, uns gegeben hat» (1.Joh 3,23-24).
das Reis (hebr. ‹Ben› = Sohn), das du der bringt viel Frucht, denn getrennt von Auch im vierten Kapitel geht Johannes
dir gestärkt hattest!» In der Schlachter- mir könnt ihr nichts tun. Wenn jemand darauf ein: «Niemand hat Gott jemals
bibel (Version 2000) lautet der Text so: nicht in mir bleibt, so wird er hinausge- gesehen. Wenn wir einander lieben,
«… und des Setzlings, den deine Rech- worfen wie die Rebe und verdorrt; und bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in
te gepflanzt, des Sohnes, den du dir man sammelt sie und wirft sie ins Feu- uns vollendet. Hieran erkennen wir,
grossgezogen hast!» er, und sie verbrennen» (Joh 15,3.5-6). dass wir in ihm bleiben und er in
Wenn man von einem alten Wein- Was fällt uns hier auf? Der Herr spricht uns, dass er uns von seinem Geist
stock einen Setzling nimmt und ihn in von denen, die ins Feuer geworfen wer- gegeben hat. … Wer bekennt, dass Je-
die Erde einpflanzt, lebt der alte Wein- den, nicht von Seinen Jüngern, sondern sus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt
stock (auch wenn er verbrannt wird) im von «jemandem». Er sagt nicht «wenn Gott und er in Gott. Und wir haben er-
Setzling weiter. Dieser «Setzling» ist der ihr nicht in mir bleibt», sondern «wenn kannt und geglaubt die Liebe, die Gott
Sohn Gottes: Er wurde als Jude geboren jemand nicht in mir bleibt». Er spricht zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in
und kam in diese Welt. Er wurde also hier ähnlich wie bei Judas von nicht wie- der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott
gleichsam auf dieser Erde eingepflanzt. dergeborenen Christen. bleibt in ihm» (1.Joh 4,12-13.15-16).
So wurde der verbrannte «Weinstock» Der Herr Jesus meinte hier aber nicht Wir, die wir aufgrund des verkündig-
Israel in Jesus Christus weitergeführt. Er nur Judas oder nicht wiedergeborene ten Evangeliums an Jesus Christus, den
ist der Stellvertreter für Israel. Christen, sondern auch Sein Volk Isra- Sohn Gottes, glauben, müssen in der
Was hat der Herr Jesus von sich selbst el. Es blieb nicht an Ihm, es hat Ihn bei Liebe Gottes, in den Geboten Christi,
und von Seinem Vater gesagt, als Er bei Seinem ersten Kommen verworfen. Und bleiben. «Das erste ist: ‹… du sollst den
Seinem ersten Kommen in Israel auftrat? was geschah dann? Wieder kam das Ge- Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem
«Ich bin der wahre Weinstock, und mein richt des Feuers über Israel. Warum? ganzen Herzen und aus deiner ganzen

Mitternachtsruf > Juli 2003 7


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nun: Hat Gott etwa sein Volk verstossen?
Biblische Botschaft Das ist ausgeschlossen! Denn auch ich
bin ein Israelit aus der Nachkommen-
schaft Abrahams, vom Stamm Benjamin.
Seele und aus deinem ganzen Verstand Dann werden sie Seinen Namen anru- Gott hat sein Volk nicht verstossen, das
und aus deiner ganzen Kraft!› Das zwei- fen! Und sie werden erkennen, dass Er er vorher erkannt hat. … Denn wenn du
te ist dies: ‹Du sollst deinen Nächsten es ist, den sie einst verwarfen: «… sie aus dem von Natur wilden Ölbaum he-
lieben wie dich selbst!› Grösser als die- werden auf mich blicken, den sie durch- rausgeschnitten und gegen die Natur in
se ist kein anderes Gebot» (Mk 12,29- bohrt haben …» (Sach 12,10). den edlen Ölbaum eingepfropft worden
31). Jesu Gebote sind zusammengefasst bist, wie viel mehr werden diese, die na-
in der Tatsache, dass der Geist Gottes in türlichen Zweige, in ihren eigenen Öl-
einem Kind Gottes lebt. Als wiederge-
Jesus Christus steht vor der Tür! baum eingepfropft werden! … und so
borener Christ haben Sie alles in Ihrem Wir scheinen heute der Rückkehr Jesu wird ganz Israel errettet werden, wie
Herzen und Leben. In den Lehrbriefen Christi sehr nahe gekommen zu sein. geschrieben steht: ‹Es wird aus Zion der
des Neuen Testaments wird erwähnt, Warum? Weil der «Weinstock» Israel Erretter kommen, er wird die Gottlosig-
was gut oder schlecht ist für unser Le- wieder da ist. Er steht schon in Blüte, keiten von Jakob abwenden; und dies ist
ben, was wir meiden und loslassen sol- hat aber noch keine Frucht gebracht. Das für sie der Bund von mir, wenn ich ihre
len, wovor wir uns hüten und wo wir wird erst geschehen, wenn der Herr Sünden wegnehmen werde›» (Röm 11,1-
vorwärts gehen sollen. Halten Sie sich wiedergekommen ist. 2.24.26-27).
daran! Folgen Sie Jesus vorbehaltlos Im Hohelied, das prophetisch auf den Gott verwendet den Ölbaum nicht
nach! Wenn Sie wiedergeboren sind, himmlischen Bräutigam und Seine Braut, ohne Grund als Bild für die Zukunft Is-
sind Sie in Christus, und Christus ist in die Gemeinde, hinweist, lesen wir: «Der raels, denn Er verfolgt damit eine ganz
Ihnen. Feigenbaum rötet seine Feigen, und die bestimmte Absicht. Das Besondere am
Weinstöcke sind in der Blüte, geben Ölbaum ist nämlich, dass
Vom ersten und zweiten Kommen Duft. Mache dich auf, meine Freundin, • er sehr verzweigt, verwurzelt und
meine Schöne, und komm!» (Hld 2,13). knorrig ist;
Christi Warum ruft der Bräutigam seiner Braut • er sehr alt wird und sich durch Setz-
Etliche Jahrhunderte nach der Rück- zu: «Mache dich auf, meine Freundin, linge ständig erneuert;
führung Israels aus der babylonischen meine Schöne, und komm!»? Weil der • er keine Jahresringe hat;
Gefangenschaft kam der Sohn Gottes, Weinstock Israel blüht und duftet. • seine Blätter immer grün bleiben.
Jesus Christus, das erste Mal als der Die Gemeinde Jesu in Israel wächst,
«wahre Weinstock», der neue «Setzling» die messianischen Juden geben durch ihr
für Israel, auf diese Erde. Wirken den Duft vom herrlichen Evan-
Nachdem das jüdische Volk Ihn ver- gelium Jesu Christi weiter. Das Kommen
worfen hatte, kam das Gericht im Jahr des Herrn ist nahe! Seinem zweiten
70 n.Chr. erneut über Israel, Jerusalem Kommen in Kraft und Herrlichkeit aber
und den Tempel. Wo war der Herr Jesus geht die Entrückung für Seine Gemein-
in der Zwischenzeit? Zur Rechten Got- de voraus, von der es im ersten Brief an
tes. In Psalm 80,18 lesen wir: «Deine die Thessalonicher heisst: «Denn der
Hand sei über dem Mann deiner Rech- Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der
ten, über dem Menschensohn, den du Stimme eines Erzengels und bei dem
«Danach werden wir, die Lebenden, die übrig
dir hast stark werden lassen.» Und in Schall der Posaune Gottes herabkommen bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in
Psalm 110,1 heisst es: «Spruch des Herrn vom Himmel, und die Toten in Christus Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so
für meinen Herrn: Setze dich zu meiner werden zuerst auferstehen; danach wer- werden wir allezeit beim Herrn sein»
Rechten, bis ich deine Feinde gemacht den wir, die Lebenden, die übrig blei-
habe zum Schemel deiner Füsse!» Die ben, zugleich mit ihnen entrückt wer- Mit dem Ölbaum ist gewissermassen
Erfüllung sehen wir in Markus 16,19: den in Wolken dem Herrn entgegen in auch die Wiederkunft Jesu verbunden,
«Der Herr wurde nun, nachdem er mit die Luft; und so werden wir allezeit beim denn wo wird der Herr für Israel wie-
ihnen geredet hatte, in den Himmel auf- Herrn sein» (1.Thess 4,16-17). derkommen? Auf dem Ölberg, oder
genommen und setzte sich zur Rechten anders gesagt auf dem «Olivenbaum-
Gottes.» Was ist das Besondere am Berg». Dort wird Er Seinem Volk den
Wenn der Herr Jesus Christus von der Shalom, den wahren Frieden, bringen.
«Rechten Gottes» wiederkommt (Apg
Ölbaum? Zum Schluss eine alles entscheiden-
1,11), wird Er den «Weinstock» Israel Die Bibel erwähnt als Bild für Israel de Frage: Gehören Sie schon zu den Jün-
zum Blühen bringen, so dass er Frucht unterschiedliche Bäume: den Weinberg, gern bzw. Jüngerinnen Jesu? Oder sind
trägt. Darum heisst es in Psalm 80,19- den Weinstock, den Feigenbaum, den Sie nur «jemand», den der Herr einmal
20: «So werden wir nicht von dir abwei- Granatapfelbaum, den Dornbusch und nicht kennen wird – ein «Christ» ohne
chen. Belebe uns, und wir werden dei- den Ölbaum. Sie alle zeigen uns Israel lebendige Beziehung zu Jesus Christus?
nen Namen anrufen. Herr, Gott der Heer- in verschiedenen Nuancen. Und uns als Gemeinde des lebendigen
scharen! Stelle uns wieder her! Lass dein Im Römerbrief legt uns Paulus anhand Gottes sei gesagt: Ohne Frucht haben wir
Angesicht leuchten, so werden wir ge- des Bildes vom Ölbaum nahe, dass Isra- keine Existenzberechtigung! Nur in Ver-
rettet.» Genau das wird geschehen, el nicht verworfen bleibt, sondern noch bindung mit Jesus können wir Frucht
wenn der Herr Jesus zurückkommt. eine herrliche Zukunft hat: «Ich sage bringen! ■

8 Mitternachtsruf > Juli 2003


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Im Blickfeld

Wie tot ist die Kirche?


Dankbarkeit» aus. Somit hat inzwischen
An der Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum das Denken einer Bibelkritikerin in der
Tod der umstrittenen linksgerichteten Religionspädagogin Dorothee Sölle Kirche mehr Einfluss genommen als der
wird deutlich, wie tot die Kirche ist. Geist Jesu Christi. Man ist – um es mit
anderen Worten zu sagen –
orothee Sölle ist im Alter von 73 sungen; man veröffentlich- von höchster kirchlicher

D
Keystone

Jahren an einem Herzinfarkt ge- te ihre vergiftenden Artikel Stelle dankbar dafür, das
storben. Die Zeitschrift Idea Spek- in Kirchenzeitschriften Sölle dazu beigetragen hat,
trum nannte sie eine «Ikone des linken ebenso wie in dem Feminis- die Kirche vom wahren
Christentums». Sölle war überzeugte Fe- tenblatt Emma. Weg, der Jesus heisst, auf
ministin, vertrat vehement die Als Sölle während einer einen falschen Weg zu brin-
«Gott ist tot»-Theologie und plädierte Tagung in der Evangeli- gen. Bekennt man sich da-
öffentlich für einen atheistischen Glau- schen Akademie Bad Boll mit wie Sölle dazu, das
ben an Gott. Das Opfer Jesu am Kreuz plötzlich verstarb, schrieb Opfer Jesu zu verachten,
zur Vergebung der Sünden wurde von der EKD-Ratsvorsitzende die Auferstehung Jesu zu
ihr verachtet, die Auferstehung Jesu ver- Manfred Kock über ihren leugnen und die Lehre Jesu
leugnete sie und die Lehre Jesu betitelte Tod: «… Ich bin mit gros- Dorothee Sölle als sadomasochistisch zu
Sölle als totalitär, sadomasochistisch und sem Dank erfüllt über das, verurteilen? Wenn das der
patriarchalisch. was sie (Sölle) für das Denken und den Fall ist, dann ist in der EKD jede Gottes-
Es ist kaum zu erahnen, welch nega- Weg unserer Kirche bedeutet hat. … furcht gestorben. Diejenigen aber, die in
tiven und antichristlichen Einfluss sie auf Was die Kirche dem Denken Dorothee ihr noch leben, sollten schleunigst aus
junge Studenten ausgeübt hat und wie Sölles verdankt, ist längst nicht mehr einer toten Kirche fliehen, um nicht mit
viele sich von ihren «mitreissenden» eine ‹Randposition›. Es ist eine deutli- ihr zu sterben. In 2. Korinther 6,14-17
Reden und Schriften gefangen nehmen che Linie unserer Kirche geworden, die heisst es: «Zieht nicht am fremden Joch
liessen. sie vor der Konventikel-Haftigkeit be- mit den Ungläubigen. Denn was hat die
Anstatt jedoch die Verantwortlichen wahrt.»1 Gerechtigkeit zu schaffen mit der Unge-
der EKD diesen Geist der Verführung in Hier bekennt also der Repräsentant rechtigkeit? Was hat das Licht für Ge-
die Schranken gewiesen hätten, sympa- der Evangelischen Kirche Deutschlands, meinschaft mit der Finsternis? Wie
thisierten sie damit. Sölles scharfer Kri- dass das Denken Dorothee Sölles eine stimmt Christus überein mit Beliar?
tik am biblischen Glauben gab man ein «deutliche Linie der Kirche geworden Oder was für ein Teil hat der Gläubige
Podium auf Kirchentagen und bei Vorle- ist» und spricht ihr dafür noch «grosse mit dem Ungläubigen? Was hat der Tem-

Mitternachtsruf > Juli 2003 9


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Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit
Im Blickfeld gehabt haben.»
Wir wollen uns deshalb gegenseitig
stärken und das neu erwecken, was ster-
pel Gottes gemein mit den Götzen? Wir cher 2,9-12 lesen wir: «… dessen Auf- ben will, indem wir aufeinander Acht
aber sind der Tempel des lebendigen treten nach der Wirkung Satans erfolgt, haben, uns ermahnen und ermutigen
Gottes; wie denn Gott spricht (3.Mo unter Entfaltung aller betrügerischen lassen, den Weg des Herrn Jesus zu ge-
26,11-12; Hes 37,27): ‹Ich will unter Kräfte, Zeichen und Wunder und aller hen, auf Seinem Weg zu bleiben und für
ihnen wohnen und wandeln und will ihr Verführung der Ungerechtigkeit unter Ihn zu wirken, bis dass Er kommt. Der
Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.› denen, die verlorengehen, weil sie die Herr selbst ruft uns zu: «Werde wach und
Darum ‹geht aus von ihnen und sondert Liebe zur Wahrheit nicht angenommen stärke das übrige, was sterben will; denn
euch ab›, spricht der Herr; ‹und rührt haben, durch die sie hätten gerettet ich habe deine Werke nicht vollendet
nichts Unreines an, so will ich euch an- werden können. Darum sendet ihnen erfunden vor meinem Gott» (Offb 3,2).
nehmen.›» Gott kräftigen Irrtum, dass sie der Lüge Alle Bibelkritiker werden gehen, Je-
Für uns persönlich ist dieser radikale glauben, damit alle gerichtet werden, die sus Christus aber wird kommen, denn
Abwärtstrend einer christlichen Kirche der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Er lebt! ■ N.L.
eine ernste Warnung, denn dadurch wird
deutlich, zu welch verheerenden und
alles erstickenden Auswüchsen kleinste
Keime anfänglicher Bibelkritik führen
können. Die EKD hat ihr lebendiges
Zeugnis für Christus verloren und ist ein
Zeugnis dafür geworden, wie man geist-
lich stirbt. Wer auch nur die geringsten
Und sie glaubten es nicht!
Kompromisse mit dem Wort Gottes ein- Die Zeichen der Zeit sprechen eine deutliche Sprache. Wissenschaftler
geht, befindet sich immer auf dem Weg
des Todes. So hat die Schlange Adam und
warnen immer offener vor dramatischen Zuständen, die der Mensch bald
Eva verführt, das Wort Gottes in Frage nicht mehr in den Griff bekommt. Die Welt macht sich Gedanken, warnt und
gestellt und den Tod in die Welt ge- spricht offen darüber. Ganz anders sieht es in christlichen Kreisen aus: Hier
bracht. Darum wollen wir mit dem Psal- warnt man vor Spekulationen und schweigt sich aus, statt auf die Zeichen
misten beten: «Schau her und erhöre
mich, o Herr, mein Gott! Erleuchte mei- der Zeit aufmerksam zu machen und auf die Rückkehr Jesu hinzuweisen.
ne Augen, dass ich nicht in den Todes-
schlaf versinke, dass mein Feind nicht n einer Sendung des Zweiten Deut- nationen mit anderen Erregern einzuge-
sagen kann, er habe mich überwältigt,
und meine Widersacher nicht frohlo-
cken, weil ich wanke!» (Ps 13,4-5).
I schen Fernsehens wurde auf folgen- hen. Schon in Verbindung mit einem an
de Frage eingegangen: sich harmlosen Grippevirus kann ein
«Wie gefährlich ist die Geflügel- ganz neuer, für den Menschen sehr ge-
Dieser Abwärtstrend ist für uns aber pest? fährlicher Virustyp entstehen. Ein ers-
auch eine Mahnung, wie weit unser Verharmlosung bei der Viruserkran- ter Todesfall in den Niederlanden und
christliches Abendland vom wahren kung. Die Geflügelpest hat Deutschland zahlreiche Neuerkrankungen geben An-
Christentum abgefallen ist. Dieser Ab- erreicht. Nach lass, das Konzept
fall ist ein Endzeitzeichen ersten Ranges, BSE, Maul- und der Massentierhal-
denn dadurch wird dem Antichristen Tür Klauenseuche und tung in Frage zu
und Tor geöffnet. Nicht ohne Grund der Schweinepest stellen.»2
werden wir gewarnt: «Lasst euch von sind nun die Hüh- Zeitgleich mit
niemandem verführen, in keinerlei Wei- ner an der Reihe. dem Krieg im Irak
se; denn zuvor muss der Abfall kommen Bislang kann nie- hat die gefährliche
und der Mensch der Bosheit offenbart mand sagen, wie Lungenkrankheit
werden, der Sohn des Verderbens. Er ist das Virus trotz ex- «SARS» die Welt in
der Widersacher, der sich erhebt über tremer Schutz- Angst und Schre-
alles, was Gott oder Gottesdienst heisst, massnahmen sei- cken versetzt. Al-
so dass er sich in den Tempel Gottes nen Weg über die lein im vergange-
setzt und vorgibt, er sei Gott» (2.Thess niederländisch- nen Jahr gab es 47
2,3-4). deutsche Grenze Kriege mit Millio-
Der Fang von Raubfischen – seit 1952 bis zu 90
Je mehr man dem wahren Christus gefunden hat. Prozent zurückgegangen nen von Toten.
die Tür weist, desto stärker zwängt sich Während Ver- Praktisch auf dem
die Lüge hinein. In Europa ist man dabei, treter aller Parteien die Seuche noch ganzen Erdenrund hören wir «Kriegsge-
sich vom Christentum zu verabschieden. verharmlosen, warnt das Robert-Koch- schrei» – zur Zeit in Nahost, Afghanis-
Man will ein offenes Europa, das allen Institut vor Gesundheitsrisiken für die tan, Indien-Pakistan, Tschetschenien,
Religionen gleichsam Platz bietet. Eine Verbraucher. Zwar ist das Geflügelpest- Afrika, Nordkorea, und Lateinamerika
Auswirkung dieser Entwicklung zeigt Virus allein ungefährlich für den Men- (Kolumbien). Der Krieg der Terrororga-
sich darin, dass der Islam immer mehr schen. Viren haben aber die Eigenschaft, nisationen gegen den Frieden im Nahen
Territorium erobert. In 2. Thessaloni- sich schnell zu verändern und Kombi- Osten nimmt kein Ende. Doch

10 Mitternachtsruf > Juli 2003


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inzwischen ist nigen Monaten zu einer natürli-
Aufgegriffen


man weltweit chen Landverbindung von der
nicht mehr vor Insel zum Festland kommen
Terror geschützt. könnte. Was passieren könnte,
Immer wieder er- wenn die verseuchten Tiere das Frauenärzte, die Schwangerschaftsab-
schüttern Erdbe- Festland erreichen, ist kaum aus- brüche...........................................................................
vornehmen, müssen von Abtreibungs-
ben die Erde. Das zumalen. Und jetzt hat die Ge- gegnern auch drastisch formulierte Kritik hin-
Sozialnetz zeigt flügelpest auch unsere Region nehmen. Selbst «spürbare Kränkungen» wie
grosse Löcher und erreicht. Züchter müssen Hun-
der öffentliche Vorwurf des «Mordes» an Kin-
könnte sich bald derttausende Hühner töten und
ganz auflösen. Bienenbestand in der Schweiz – haben deshalb riesige Verluste zu
dern oder die Bezeichnung «neuer Holo-
Laut einem Focus- teilweise bis um 50 Prozent befürchten. Völlig zu Recht caust» für Abtreibungen verstossen noch
Bericht («For- verringert schreibt «Topic»: «Endzeitzei- nicht gegen das Persönlichkeitsrecht der
schung & Tech- chen werden deutlicher!» Das Ärzte, entschied jetzt das Oberlandesgericht
nik») sind seit 1952 die Bestände der Reden Gottes wird immer lauter, und die (OLG) Karlsruhe. Zur Begründung verwiesen
Raubfische, die zugleich auch die wich- Angst der Menschen wird stärker. die Richter auf das Grundrecht der freien
tigsten Speisefische sind, in den Welt- Als Christen sollten wir auf diese Ent- Meinungsäusserung (AZ: 6 U 189/02).
meeren um 90 Prozent zurückgegangen. wicklungen reagieren, indem wir auf die Zudem entspreche die Äusserung, Abtreibun-
Dies ergaben die Fangstatistiken von biblische Prophetie aufmerksam ma- gen seien rechtswidrig, der geltenden Rechts-
1952 bis 1999.3 In bestimmten Gebie- chen, auf die Wiederkunft Jesu hinwei-
lage: Auch das Bundesverfassungsgericht
ten der Schweiz hat sich die Zahl der sen und die Hoffnung anbieten, die uns
Bienen, die zu 80 Prozent für die Be- Christus in Seinem Evangelium gibt.
gehe davon aus, dass eine Abtreibung ohne
fruchtung der Obstbäume sorgen, um die Die Bibel sagt deutlich, dass der Zorn ärztliche Indikation «rechtswidrig, aber nicht
Hälfte verringert. Schuld daran ist eine Gottes wegen der zunehmenden «Un- strafbar» sei.
Milbenart, die man bis jetzt nicht unter reinheit, Unzucht, Leidenschaft, bösen
Kontrolle hat. Nach Angaben des Nach- Begierde und Habsucht, die Götzen- Eine israelische Firma hat ein Gerät ent-
richtenblattes «Topic» (Nr. 5/2003) war- dienst ist», über «die Söhne des Unge- wickelt, mit dem man innerhalb einer Stun-
nen Fachleute auch vor einer neuen Art horsams» kommen wird (vgl. Kol 3,5- de die Lungenkrankheit «SARS» diagnosti-
der Pest, die sich ausbreiten könnte. Auf 6). Sie sagt aber auch, dass jeder Ret- zieren kann. Mitarbeiter des Unternehmens
einer Insel im Aralsee (Kasachstan/Us- tung findet, der den Namen des Herrn stellen die neue Erfindung nun in fernöstli-
bekistan) experimentierten Wissen- anruft (vgl. Röm 10,13), und dass sich
chen Ländern vor, die von der tödlichen
schaftler in der Zeit der Sowjets mit bio- ein solcher Mensch nicht vor den Schre-
Krankheit besonders betroffen sind.
logischen Kampfstoffen. Sie gingen sorg- cken dieser Welt fürchten muss.
los damit um, und so liessen sie Während sich eine ungläubige Welt
tonnenweise hochgiftiges Material zu- von Gott abwendet und sich immer Zum Jahr der Bibel: Nach neusten Um-
rück. Die Insel soll mit unzähligen Rat- mehr in der Angst verliert, sehen Chris- fragen lesen 80 Prozent der Deutschen nicht
ten und Mäusen bevölkert sein, die ten in den Zeichen der Zeit das Heran- in der Bibel. Von den Jugendlichen sehen nur
wahrscheinlich mit Milzbrand- und Pest- nahen ihres Herrn und dürfen sich freu- 1,3 Prozent gelegentlich hinein.
erregern infiziert sind. Da der Wasser- en, denn: «Wenn Christus, unser Leben,
pegel des Aralsees aber wegen Austrock- offenbar werden wird, dann werdet auch Die Zahl der antisemitischen Gewaltta-
nung ziemlich schnell zurückgeht, ist ihr zusammen mit ihm offenbar werden ten in Frankreich ist im vergangenen Jahr
damit zu rechnen, dass es bereits in ei- in Herrlichkeit» (Kol 3,4). ■ N.L. «explosionsartig» gestiegen. Es geschahen
187 Übergriffe; das ist sechsmal so viel wie
2001. In Deutschland hingegen gingen aus-
länderfeindliche bzw. antisemitische Straf-
taten um 13 Prozent zurück.
Der tiefe Sturz eines In Malaysia ist der Islam die offizielle

Politikers Religion. Doch obwohl der Staat auch An-


hängern anderer Religionen Glaubensfreiheit
zugesteht, wurden jetzt christliche Bücher
«Denn ich habe kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss, spricht der und der Besitz einer Bibel verboten. Die Pro-
Herr, Herr. So kehrt um, damit ihr lebt!» (Hes 18,32). duktion und Verbreitung dieser Bücher wird
mit Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren
öllemann springt in den Tod. gestürzt. Eine Polizeisprecherin in Reck- oder Geldstrafen bis zu 5 000 Euro bestraft.

M Der frühere FDP Spitzenpolitiker


Jürgen W. Möllemann hat sich of-
fenbar das Leben genommen. Nach An-
linghausen sprach von einem Sturz aus
«ziemlich grosser Höhe». Der 57-Jähri-
ge hinterlässt eine Frau und drei Kinder.
Ein Mann ist in Italien zum Opfer von
Vollstreckern der Scharia, des islamischen
gaben der Staatsanwaltschaft Münster Zuvor hatte der Bundestag Mölle- Rechts, geworden. Dem 19-Jährigen wurde
hat sich Möllemann in Marl-Lohmühle mann in einem einstimmigen Beschluss in Turin die linke Hand abgehackt. Es wird

bei einem Fallschirmsprung in den Tod die Immunität aberkannt. Dadurch wur-

Mitternachtsruf > Juli 2003 11


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▲ vermutet, dass der Marokkaner von Lands- Im Blickfeld
leuten nach den Regeln des islamischen
Gesetzes bestraft worden ist. Das Opfer wei-

REUTERS
se sonst keine anderen Verletzungen auf, de der Weg frei für gerichtliche Durch-
hiess es. suchungen und Beschlagnahmeaktionen
in Möllemanns Geschäftsräumen und
Eine miserable Trefferquote brachten Privathäusern bzw. -wohnungen. Unmit-
Wahrsager im vergangenen Jahr zustande: telbar nach dem Bundestagsbeschluss
Nur vier Prozent ihrer konkreten Prognosen durchsuchten Beamte der Staatsanwalt-
trafen tatsächlich ein. Das hat der Mathe- schaft und der Steuerfahndung während
matiker Michael Kunkel festgestellt. Kunkel einer internationalen Razzia 25 Objekte
ist Mitglied der Gesellschaft zur wissen- in vier Ländern.
schaftlichen Untersuchung von paranorma- Hintergrund seien die Ermittlungsver-
fahren gegen Möllemann und fünf weite-
len Phänomenen in Rossdorf. Die Methoden Jürgen W. Möllemann
re Beschuldigte wegen Verstosses gegen
der rund 20 000 Hellseher, Astrologen und das Parteiengesetz, Betrugs und Untreue.
Wahrsager in Deutschland (Jahresumsatz An der Durchsuchung seien mehr als 100 Möllemann hatte als Politiker Einfluss
rund 500 Millionen Euro) vergleicht Kunkel Beamte beteiligt. Die Ermittler wurden und eine gewisse Vorbildfunktion. Ist er
mit dem Schuss einer Schrotflinte auf ein an 13 Orten in Deutschland, Luxemburg, vielleicht gerade deshalb zu einem sol-
Scheunentor, wobei im Nachhinein um je- Spanien und Liechtenstein aktiv. chen «Schreckensbeispiel» für die gan-
des Einschussloch eine Zielscheibe gemalt Der leidenschaftliche Fallschirmsprin- ze Nation geworden? Der FDP-Politiker
werde. ger, der unter Bundeskanzler Helmut Kohl war führendes Mitglied der Deutsch-Ara-
Wirtschaftsminister war, war im März aus bischen Gesellschaft und bezog öffent-
Erstmals bauen in Deutschland im Frei- der FDP ausgetreten. Er zog damit die lich gegen Israel Stellung. Er machte kein
burger Stadtteil Rieselfeld die katholische Konsequenz aus einer heftigen Ausein- Geheimnis aus seinem Antisemitismus
und evangelische Kirche ein gemeinsames andersetzung mit der Parteiführung, die und war wegen seiner Haltung in der
Kirchengebäude. Der Bau kostet 5,7 Millio- sich am so genannten Antisemitismus- Medienwelt bekannt. War das unter Um-
nen Euro und soll Anfang 2004 fertig sein. Streit entzündet hatte: Nur wenige Tage ständen der Anlass zu seinem tiefen Fall?
vor der Bundestagswahl im September Begann dieser nicht schon, als er anfing,
71 Prozent der Kosten trägt die katholische
2002 hatte Möllemann mit einer umstrit- sich gegen Israel auszusprechen, obwohl
und 29 Prozent die evangelische Kirche.
tenen Flugblattaktion seinen beigelegt er sich als Deutscher durchaus bewusst
Der dänische Speiseeishersteller «Fris- geglaubten Streit mit Michel Friedman, war, was sein Volk den Juden angetan
ko» will eine Reihe von Eiswaffeln nach den dem Vizepräsidenten des Zentralrats der hat?
Juden, wieder aufleben lassen. Von Parteifreunden fallen gelassen
so genannten «sieben Todsünden» der rö-
Kurz nach der Wahl erklärte er seinen und ausgestossen, von den Medien un-
misch-katholischen Kirche benennen. Die zur Rücktritt vom Amt des stellvertretenden ter Druck gesetzt und von der Staatsan-
Langnese-Mövenpick-Unternehmensgruppe Bundesvorsitzenden, nachdem sein Flug- waltschaft verfolgt, konnte er das alles
gehörende Firma will mit diesem Werbegag blatt für die Wahlschlappe der FDP ver- nicht mehr ertragen und beging offen-
bei ihren Kunden erreichen, dass diese «ih- antwortlich gemacht worden war. Die bar Selbstmord.
ren Gelüsten nachgeben». Die römisch-ka- Bundes- und die Landespartei leiteten spä- Wer ohne Gott fällt, hat keinen Fall-
tholische Kirche zeigte sich über das Vorha- ter Verfahren zum Ausschluss Mölle- schirm. So ist Möllemann ein tragisches
ben verärgert und bezeichnete es als ge- manns aus Partei und Fraktion der FDP Beispiel für die Wahrheit der Bibel, dass
schmacklos und bizarr. ein. Diesem Ausschluss kam Möllemann eine feindselige Haltung gegenüber Is-
mit seinem Austritt zuvor. Er blieb aber rael auf einen Menschen zurückfällt. Hat
Vertreter der Europäischen Union wol- als Fraktionsloser Mitglied in Bundestag er nicht antiisraelische Flugblätter dru-
len PLO-Chef Jassir Arafat auch weiterhin tref- und nordrhein-westfälischem Landtag. Bis cken lassen und ist nun selbst vom Him-
fen und nicht – wie Israel gefordert hatte – zuletzt hatte Möllemann mit der Grün- mel gefallen? Diese Tragödie sollte uns
ignorieren. Das sagte der griechische Aus- dung einer eigenen Partei geliebäugelt.4 als Mahnung dienen. Das gilt für die
senminister und EU-Ratspräsident George Wir sind bestürzt und tief bekümmert Politik und für eine Nation, aber auch
über das tragische Ende von Jürgen Möl- für jeden Einzelnen. Schuldig sind wir
Papandreou am 19. Mai 2003.
lemann, und wir wünschen uns, dass die alle, denn niemand lebt so, dass er Gott
Die Terrorgruppen haben dem palästi- Hinterbliebenen getröstet werden. Ohne in allem gefällt. Wir leben alle nur aus
nensischen Premierminister Mahmoud Ab- Zweifel hat Möllemann auch Gutes be- der Gnade des Herrn, und deshalb wol-
wirkt und war ein von Gott geliebter len wir Sein Wort beachten, das uns sagt:
bas den Krieg erklärt. Das sagte Ra’anan
Mensch. Doch man hatte immer den Ein- «Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr
Gissin, Sprecher von Israels Premier Ariel druck als ob es ihm schwer fallen wür- nicht Busse tut, werdet ihr alle ebenso
Sharon, in Jerusalem. Die Terroranschläge de, in seinem politischen Handeln das umkommen» (Lk 13,5). ■ N.L.
seien nicht allein gegen Israel gerichtet, son- richtige Mass zu finden. Im Verlauf sei-
dern sie seien auch eine klare Herausforde- ner Karriere hatte Möllemann häufig mit 1
Idea Spektrum, Nr. 18/2003, S. 9
rung für Abbas, der zu einem Stopp der At- starkem Gegenwind zu kämpfen, und er 2
ZDF-Magazin Frontal 21
tentate aufgerufen hat. musste immer wieder politische Nieder- 3
Focus, Nr. 21/2003
lagen hinnehmen. 4
ntv.de, 4.6.2003

12 Mitternachtsruf > Juli 2003


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Aus der Arbeit des Mitternachtsruf
Radiomission in Uruguay den wir wegen Platzmangel praktisch ge-
von 1982 bis 2003 zwungen, beim bestehenden Studioge-
bäude anzubauen. Zum jetzigen Zeit-
Radio punkt können wir monatlich über
3 000 Programme an über 214 Ra-
Mitternachtsruf diostationen in 18 verschiedenen
Ländern verschicken.
ie Radioarbeit des Mitternachtsruf

D
Im Jahr 2000 begannen wir auch
begann 1956 durch Wim Malgo in mit einer eigenen Internet-Websei-
Europa. Sie war der Ausgangs- te, wo wir nun die Programme zum
punkt für die weltweite Arbeit des Mis- Hören und Lesen anbieten. Das ist wich-
sionswerkes überhaupt. tig, denn einerseits ist das Internet in
1983 wurden meine Frau und ich von Lateinamerika auf dem Vormarsch und
den Verantwortlichen des Werkes gebe- andererseits sind die Postwege oft sehr Wir möchten verwirklichen, was auf dem Signet des
langsam und kompliziert. Missionswerkes Mitternachtsruf zu sehen ist: Eine
Hinsichtlich der nächsten geöffnete Bibel mit einem Sendemast!
Jahre stehen wir vor gewaltigen
Herausforderungen. Zum einen
wollen wir den Menschen bib-
lische Antworten auf die Zeit- Preis nannte von 70 000 US-Dollar (im
ereignisse geben und ihnen auf- Gegensatz zu vorherigen Angeboten, die
zeigen, wohin alles führt. Zum diese Summe um ein Vielfaches überstie-
anderen liegt es uns daran, ak- gen hatten!), da wussten wir: das ist eine
tuelle Programmserien mit offene Tür. Über diesen Sender können
Themen wie Familie, Drogen, wir in der Nachbarprovinz von Monte-
Gewalt usw. auszubauen, wozu video das Evangelium von Jesus Chris-
Erich Maag im Tonstudio wir vermehrt auch das Internet tus ausstrahlen. Das Schöne ist, dass wir
benützen werden. die bereits bestehende Infrastruktur
ten, die in Montevideo/Uruguay eben Darüber hinaus möchten wir verwirk- (Mitarbeiterteam, Studios) dafür einset-
erst angefangene Radioarbeit auszubau- lichen, was auf dem Signet des Missi- zen können. Trotzdem: Es ist ein Wag-
en. Sie begann schneller zu wachsen, als onswerkes Mitternachtsruf zu sehen ist: nis des Glaubens! Aber sollten wir diese
wir erwarteten. Deshalb verstärkten Jan Eine geöffnete Bibel mit einem Sende- Möglichkeit ungenutzt lassen, wenn der
und Isabel Ramseyer einige Zeit später mast! Konkret: Wir wollen, so der Herr Herr uns doch beauftragt hat zu wirken,
unser kleines Team. Immer mehr Radio- Gnade gibt, mit einer eigenen Radio- bis dass Er kommt?
stationen fragten an, ob sie nicht Radio- station beginnen. Manche Geschwister So hat sich der Vorstand des Missi-
programme bekommen könnten. Mit der haben uns in den letzten Jahren ermu- onswerkes zusammen mit den Ge-
Zeit stiessen auch uruguayische Ge- schwistern in Uruguay entschieden, die-
schwister zu unserem Team, die mithel- sen Radiosender im Glauben zu kaufen
fen wollten, das Evangelium über die Ra- (das Geld ist noch nicht da!). Das Ziel
diowellen im spanischsprachigen Raum dieser eigenen Radiostation ist:
zu verbreiten. Dieser umfasst alle Län- 1. Menschen zu Jesus zu führen.
der (ausser Brasilien) in Lateinamerika, 2. Biblische Antworten auf die Ereig-
bis in den Süden der USA und natürlich nisse unserer Zeit zu geben.
auch Spanien. Diese Millionen von Men- 3. Objektiv über die Geschehnisse in
schen haben wir vor Augen. Der grösste Israel zu orientieren.
Teil lebt in Orientierungslosigkeit auf Ob Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser,
ethischem und moralischem Gebiet, mit sich mit uns dieser neuen Herausforde-
Drogenproblemen, Folgen der Wirt- rung stellen wollen und mithelfen, die-
schaftskrise usw. In diese Situation hi- Der Anbau am Studiogebäude ses verheissungsvolle Projekt zu unter-
nein dürfen wir die froh- und freima- stützen? Wenn ja, dann benutzen Sie
chende Botschaft von Jesus Christus brin- tigt, dies doch zu tun. Dann geschah Fol- bitte den beiliegenden Zahlschein und
gen! Es ist immer wieder ermutigend zu gendes: Ein Mitarbeiter unseres Teams vermerken Sie: «Radiosender».Wir sind
erfahren, wie gläubige Menschen durch hat Kontakt mit dem Besitzer einer gros- dankbar für jede Gabe und nicht minder
die Radiobotschaften gesegnet werden sen Radiokette. Diese Verbindung führ- für Ihre treue Fürbitte für diesen so wich-
und Ungläubige Jesus Christus kennen te dazu, dass uns dieser Mann einen FM- tigen Arbeitszweig des Missionswerkes
lernen und Ihn annehmen. 1999 wur- Radio-Sender angebot. Als er uns den Mitternachtsruf! ■ ERICH MAAG

Mitternachtsruf > Juli 2003 13


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Wohin steuert die Ökumene?

Phasen der
ökumenischen
Entwicklung
Aus den folgenden Zitaten aus den Anfängen der ökumenischen Bewegung und
dem aktuellen Stand im Jahr 2002 ersehen wir, dass eine gewaltige Entwicklung
und Veränderung in diesem Gremium stattgefunden haben muss, die ökumeni-
sches Denken als sich weiter entwickelnden Prozess definiert.
■ MICHAEL URBAN res gegenseitiges Verständnis und inten- weil sie Frieden, Ruhe, Ordnung in der
sivere Zusammenarbeit unter den Men- Welt zu versprechen scheint. Aber der
unächst zwei beachtenswerte schen verschiedenen Glaubens erfor- Papst hat sicher nicht Recht, wenn er

Z Zitate, die der ökumenischen


Bewegung zuzuordnen sind:
«Der ökumenische Rat der Kir-
chen, in Amsterdam versam-
melt, grüsst alle, die Jesus Christus ange-
hören, und alle, die bereit sind zu hören.
Wir preisen Gott, den Vater und unseren
dern.»2

Einheit der Christen


Die Weltmissionskonferenz vom
14. Juni 1910, die unter der Führung des
amerikanischen methodistischen Laien-
diesen Menschen die Antwort gibt, dass
sie bei der Kirche an der guten Adresse
sind. Indem er so antwortet, hat er der
ökumenischen Sache einen schlechten
Dienst getan. Denn was wäre das für eine
kirchliche Einheit, die darum zustande
käme, weil die Welt Einheit braucht?
Herrn Jesus Christus, dass Er die verstreu- predigers John R. Mott stattfand, brach- Europa kann nur gedient werden mit
ten Kinder Gottes sammelt und uns hier te 1355 Delegierte aus aller Welt zusam- einer Einheit, die nicht ad hoc konstru-
in Amsterdam zusammengeführt hat. Wir men. John Mott hatte bei der Durchfüh- iert, sondern im gemeinsamen Gehor-
sind darin einig, dass wir Ihn als Gott und rung dieser Weltmissionskonferenz ein sam dem Herrn gegenüber verwurzelt
Heiland anerkennen.»1 eindeutig klares Ziel: Jedem Menschen ist.»3
«In den letzten Jahren haben die Mit- dieser Welt sollte Jesus Christus bekannt Das war 1941! Im Jahr 1948 wurden
gliedskirchen neue, dem heutigen Kon- gemacht werden. Dazu strebte er die die auf der Weltmissionskonferenz ge-
text entsprechende Leitlinien zu den Be- Vereinigung einer möglichst grossen gründeten Arbeitszweige «Weltkonfe-
ziehungen und zum Dialog zwischen den Zahl von Christen an, um eine umfas- renz für Glauben und Kirchenverfas-
Religionen verlangt. Mehr als je zuvor sende Weltevangelisation einzuleiten. sung» und «Weltkonferenz für prakti-
wächst unser Bedürfnis nicht nur nach Mit diesem Gedanken und dessen sches Christentum» zum Weltkirchen-
Dialog mit Menschen anderen Glaubens, Durchführung befand er sich völlig auf rat zusammengelegt. In diesem Jahr
sondern auch nach echten Beziehungen biblischem Boden. wurde auch der Arbeitskreis christlicher
zu ihnen. Das zunehmende Bewusstsein Noch Jahre nach der Gründung warn- Kirchen (ACK) in Deutschland als natio-
für die religiöse Pluralität, die Rolle, die te der langjährige Generalsekretär des nales Ausführungsorgan internationaler
die Religion bei Konflikten spielen kann, Ökumenischen Rates der Kirchen vor ökumenischer Interessen gegründet.
und ihre zunehmende Bedeutung im falschen Erwartungen: In den folgenden Jahren war der Welt-
öffentlichen Leben stellen dringende «Es ist eine Tatsache, dass viele Chris- kirchenrat vom Gedanken beseelt, Got-
Herausforderungen dar, die ein grösse- ten die kirchliche Einheit darum suchen, tes Reich auf Erden zu bauen. Er ver-

14 Mitternachtsruf > Juli 2003


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folgte diesen Gedanken auf einer poli- (Ausserparlamentarische Opposition) an, eine viel grössere Gefahr für die Gemein-
tisch zukunftsorientierten Linie. Es ging was zu einer weiteren Liberalisierung de Jesu darstelle, als ein klar definierter
um wichtige Grundsätze: des Denkens führte. Später gipfelte die- Atheismus. Immer wieder beschwor er
• Kein Hunger mehr auf der Welt se Entwicklung dann – sicher ohne Zu- seine Amtsbrüder, das Evangelium in der
• Kein Krieg mehr auf der Welt tun der Kirchen – in den mörderischen klarsten und reinsten Form des Wortes
• Soziale Gerechtigkeit für alle Aktivitäten der RAF (Rote Armee Frakti- Gottes zu verkündigen. Er bestand da-
Damit wurde der missionarische Ge- on), die Deutschland an den Rand einer rauf, dass dieses klare und reine Evan-
danke aus den Gründerjahren verdrängt innenpolitischen Katastrophe führten. gelium des Wortes Gottes nicht mit den
– zugunsten einer mehr als utopisch Bis in die 1990er-Jahre hinein hat die- kulturellen, mystischen und magischen
anmutenden christlich(?) orientierten ser politische Utopismus der Kirchen die Kräften anderer Religionen vermischt
Gerechtigkeit für alle. wahre und eigentliche Aufgabe der Ge- werden dürfe.
Es blieb nicht aus, dass diese verän- meinde Jesu überdeckt und ist für viele Aber genau dieser Weg wurde auf der
derte Linie des Weltkirchenrates vor al- Christen zum einzigen Bekenntnis ihres 5. Versammlung des Weltkirchenrates in
lem in jenen Ländern auf grosses und Christseins geworden. In Nairobi beschritten. Ver-

Keystone
positives Echo stiess, die unter den oben protestantischen Kreisen treter aller Religionen ka-
genannten Missständen zu leiden hatten. wurde es demzufolge üb- men zu Wort und warben
Vor allem in Polen, Bulgarien, Rumäni- lich, sich für die Belange für ein «Aufeinander-zu-
en und Russland, deren orthodoxe Kir- der Freiheitsbewegung, Gehen». Der Begriff
chen 1961 in den Weltkirchenrat aufge- der Befreiungstheologie, «Aufeinander-zu-Gehen»
nommen wurden, fand die Idee, mit des Feminismus und der ist bis heute ein Schlüssel-
Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit «un- Homosexualität einzuset-
christliche» Zustände einer Lösung zu- zen. Diese Fehlentwick-
zuführen, grossen Anklang. Soziale Ge- lung gipfelte dann in solch
rechtigkeit für alle war nun ein zentra- überrissenen Aussagen
les Motto des Weltkirchenrates. Das «so- wie dieser: «Es ist gut,
ziale Evangelium» war geboren und ver- nicht nur auf die Stimme
drängte mehr und mehr die geistlichen Gottes, sondern auch auf 1961 wurde die orthodoxe
Inhalte der Schrift. Immer häufiger zi- die Stimme der Feminis- Kirche in den Weltkirchenrat
tierten Kirchenführer Karl Marx und tinnen zu hören.» aufgenommen. Das «soziale
wiesen darauf hin, dass die sozialistische Es ist schade, dass die Evangelium» war geboren und
Bewegung doch eigentlich eine «bibli- gut gemeinten Ideen der verdrängte mehr und mehr die
geistlichen Inhalte der Schrift.
sche» sei. Man berief sich dabei auf Ga- Weltmissionskonferenz Immer häufiger zitierten
later 6,10: «Lasset uns also nun, wie wir von 1910 nicht dazu ge- Kirchenführer Karl Marx
Gelegenheit haben, allen gegenüber das führt haben, dass das
Gute wirken, am meisten aber gegenü- Evangelium mit geeinter
ber den Hausgenossen des Glaubens.» Kraft in die Welt hinausgetragen
Oder auch auf Apostelgeschichte 2,44- wurde, sondern im Gegenteil
45: «Alle Gläubiggewordenen aber wa- dazu führte, dass die Welt ihre
ren beisammen und hatten alles gemein- Ideen einer menschlichen Ge-
sam; und sie verkauften die Güter und rechtigkeitsverwirklichung von
die Habe und verteilten sie an alle, je der Kirche umsetzen liess. In die-
nachdem einer bedürftig war.» sem Abschnitt der ökumenischen
Diese Epoche der ökumenischen Ent- Bewegung kam es zwar zu einer
wicklung machte deutlich, dass überall Vereinigung der christlichen Kir-
dort, wo sich kirchliche Arbeit in poli- chen, aber leider einigte man sich
tisch-sozialem und kulturellem Engage- auf die falschen Ziele. Christsein
ment erschöpft, der geistliche Aspekt der hiess jetzt: sich für Frieden und soziale begriff auch der Evangelikalen gewor-
Gemeinde Jesu zurückgedrängt wird. Gerechtigkeit einsetzen und das Reich den, wenn es um die Rechtfertigung öku-
Die Darstellung der Gemeinde Jesu als Gottes auf Erden mit menschlichen Mit- menischen Handelns geht. Keiner weiss
einer herausgerufenen Schar zur Verkün- teln bauen. so genau, was damit gemeint ist. Offen-
digung des Evangeliums von Jesus Chris- sichtlich aber doch dieses: Mein Glaube
tus, welches in erster Linie Vergebung ist gut und dein Glaube ist auch gut. Nun
von Schuld und Sünde anbietet, wurde
Einheit der Religionen soll jeder das Gute aus dem Glauben des
als verkürzt oder überholt angesehen. Viele Christen erkennen nicht, dass Anderen übernehmen und schon ist Frie-
Von den Kanzeln der Staats- und Freikir- es im Weltkirchenrat über Jahre hinweg den. Wer kann so naiv sein, das allen
chen wurde sehr viel über Befreiung eine mehr oder weniger versteckte Ernstes zu vertreten? So warb in Nairo-
gesprochen, aber wenig über die Macht Umwandlung von ausschliesslich inner- bi der hinduistische Redner für den
und Zerstörungskraft der Sünde. Das christlicher Ökumene bis hin zur multi- «Tempel der Verständigung», eine Kör-
Wort Sünde wurde in «fehlgeleitete So- religiösen Ökumene gegeben hat. Schon perschaft, die von ihren Gründern als
zialisation» umgedeutet, was soviel wie 1966 hat der scheidende Generalsekre- eine Art «geistliche Vereinte Nationen»
«schlecht oder falsch erzogen» bedeu- tär des Weltkirchenrates Visser’t Hooft bezeichnet wurde. Ziel dieser Einrich-
tet. Parallel dazu lief an den deutschen seiner Befürchtung Ausdruck verliehen, tung war es, die grossen Weltreligionen
Universitäten die Bewegung der APO dass die Vermischung der Religionen miteinander zu vernetzen. Das schloss

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• Eine bibeltreue (fundamentalisti-
Wohin steuert die Ökumene? sche) Christenheit ist ein Hindernis
für evolutionären Fortschritt und
geistliches Wachstum. Wenn man evo-
wie selbstverständlich die Akzeptanz Stelle den Beweis anzutreten, dass die- lutionären Fortschritt und geistliches
okkulter und spiritistischer Praktiken, ser Irrtum ganz leicht zu entlarven ist. Wachstum mit dem modernen Turmbau
wie zum Beispiel des südamerikanischen Man muss nur Bibel, Koran und die Glau- zu Babel verwechselt, dann mag diese
Voodoo-Kultes, mit ein. bensschriften des Buddhismus Aussage stimmen. Noch sind wir ein
Am 23. Juni 1997 trafen sich 200 miteinander vergleichen. Ganz abgese- Hindernis für den endgültigen Abfall und
Delegierte aus den weltweiten religiö- hen davon, würde weder der Islam noch das völlige Offenbarwerden des Bösen
sen Vereinigungen an der Stanford Uni- der Buddhismus obiger Behauptung in (2.Thess 2). Als Glieder am Leib Jesu
versität unter der Leitung von Bischof ihrer ganzen Konsequenz zustimmen. sollten wir diesem Irrtum nicht glauben,
Swing. Dort wurde vereinbart, am 26. • Alle Religionen wollen dauerhaf- dass wir die Welt verbessern könnten,
Juni 2000 die «Vereinten Nationen für ten und globalen Frieden sowie Ge- indem wir die unüberwindbaren Hürden
alle Religionen» zu gründen. rechtigkeit für alle. Dieser Behauptung zwischen den Religionen und Kulturen
In Kenntnis dieser Entwicklung ist es würde wohl das Christentum und auf Kosten eines völlig verwässerten
unverständlich, dass auch aus evangeli- vielleicht auch der Buddhismus zustim- Evangeliums überspringen.
kalen Kreisen vermehrt ökumenische men, keinesfalls aber der Islam. Für den Es sei nur am Rande erwähnt, dass
Bestrebungen bekannt wurden. So äus- Islam würde dauerhafter Frieden bein- der derzeitige Papst die geistliche Sach-
serte Robert Schuller, der sich selbst als halten, dass die Welt und vor allem Isra- lage völlig verkennt, wenn er sagt: «Im
Lehrer und Vater von Bill Hybels (Wil- el, der Augapfel Gottes, als Ganzes isla- Sakrament der Eucharistie bietet sich der
low Creek) bezeichnet: «… was mich misiert wäre. Deutlich geht das aus ei- Erlöser, der vor 2 000 Jahren im Schoss
von den Fundamentalisten unterschei- nem Interview der Zeitschrift Times mit Mariens Mensch geworden ist,
det, (ist, dass sie) jeden dazu bekehren Osama Bin Laden hervor: «Die Interna- weiterhin der Menschheit als Quelle
wollen, genau das zu glauben, wovon sie tionale Islamische Front für den Dschi- göttlichen Lebens dar. Die ökumenische
selbst überzeugt sind. …Wir kennen die had gegen die USA und Israel hat, durch und universale Dimension des Jubeljah-
Dinge, über die sich die grossen Religio- die Gnade Allahs, eine eindeutige und res wird von einem denkwürdigen pan-
nen einigen können. christlichen Treffen in geeigneter Weise
Wir versuchen, unser herausgestellt werden können ... aus ei-
Augenmerk auf die (ge- Von den Kanzeln ner Haltung brüderlicher Zusammenar-
meinsamen Überzeu-
gungen) zu richten,
der Staats- und beit mit den Christen anderer Konfessi-
onen und Traditionen sowie in will-
ohne Andersdenkende Freikirchen wur- kommener Öffnung den Religionen
zu beleidigen.»4 Es stellt
sich die Frage, ob die
de sehr viel über gegenüber.»6
Bereits 1986 hatte er die Führer der
Dinge, in denen alle Re- Befreiung ge- 12 Weltreligionen ins italienische Assisi
ligionen übereinstim-
men, wirklich die wich-
sprochen, aber eingeladen. In seiner Gegenwart bete-
ten Medizinmänner und Feueranbeter,
tigsten sind. Denken wir wenig über die was der Papst so kommentierte: «Die
zum Beispiel nur daran,
dass die Bibel lehrt, dass
Macht und Zer- Herausforderung, den Frieden zu errin-
gen, ist höher zu bewerten, als alle reli-
Jesus Christus der einzi- störungskraft giösen Unterschiede.»7 Seither haben
ge Weg zu Gott dem Va-
ter ist (Joh 14,6)!
der Sünde weitere «panreligiöse» Gebetstreffen in
Assisi – auch unter Beteiligung freikirch-
Bekannte Persönlich- licher Vertreter – stattgefunden.
keiten haben diesen Weg des Synkretis- klare Fatwa (ein religiöses Rechtsgutach-
mus (Glaubensvermischung) mit Wohl- ten) erlassen, mit der die islamischen Na- Einheit der Menschen der ganzen
wollen und Beifall begleitet: Albert tionen zum Dschihad (heiligen Krieg)
Schweitzer, Dalai Lama, Mutter There- aufgerufen werden, unsere heiligen Stät-
Welt
sa, UNO-Generalsekretär U. Thant, Papst ten zu befreien. Die Nationen des Mo- Einheit der Christen, Einheit der Re-
Johannes Paul II. hammed haben sich diesem Aufruf ge- ligionen, Einheit der Menschen – das ist
Allan Morrison hat auf der zweiten stellt. Wenn der Appell zum Dschihad der ökumenische Stufenplan zur Vorbe-
Ebene ökumenischer Entwicklung drei gegen die Juden und die Amerikaner, der reitung der politischen Bühne für den
grundlegende Irrtümer ausgemacht, die die Befreiung der Al-Aksa-Moschee und Antichristen. Auf dieser letzten Stufe
dem Wunsch zur Vereinigung der Welt- der heiligen Ka’aba (islamische Heilig- geht es von der Religionsvermischung
religionen zugrunde liegen: tümer in Jerusalem und Saudi-Arabien) hin zur Verbrüderung aller Menschen.
• Alle Religionen haben den glei- zum Ziel hat, als ein Verbrechen gilt, Trefflich dargestellt ist dieser Schritt in
chen Gott und ähnliche Ziele und dann soll die Geschichte mein Zeuge Beethovens 9. Symphonie, wo es heisst:
Bestrebungen. Dieser Irrtum hat sich sein, dass ich ein Verbrecher bin. Unse- «Freude, schöner Götterfunken, Tochter
bis ins 3. Jahrtausend gehalten und wird re Aufgabe ist es aufzurufen, was wir aus Elysium, wir betreten feuertrunken,
mit immer neuen gemeinsamen Aktio- durch die Gnade Allahs auch getan ha- Himmlische, dein Heiligtum; deine Zau-
nen und literarischen Ergüssen am Le- ben, und gewisse Leute sind diesem ber binden wieder, was die Mode streng
ben erhalten. Es erübrigt sich, an dieser Aufruf gefolgt.»5 geteilt; alle Menschen werden Brüder,

16 Mitternachtsruf > Juli 2003


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wo dein sanfter Flügel weilt.»8 Im Jahr In der letzten Phase der ökumeni- ken der Gläubigen und der Politik ent-
1978 wurde die Bedeutung des Begrif- schen Bewegung, in der wir uns bereits wickelt hatte. Deshalb nahmen 1961
fes «ökumenisch» vom Weltkirchenrat befinden, vereinen sich Politik und Re- erstmals katholische «Beobachter» an
dahingehend geändert, dass damit nicht ligiosität zu einem an Einfluss kaum zu der Vollversammlung des ÖRK in Neu-
nur die Gemeinschaft der religiösen Kör- überbietenden Machtfaktor. Unüberseh- Delhi teil. Ihre Teilnahme und damit ihre
perschaften gemeint ist, sondern die bar geht es um den Weltstaat und die Einflussnahme auf die Beschlüsse der fol-
Gemeinschaft der gesamten Menschheit. Weltkirche. Die Bühne für den Antichris- genden Vollversammlungen wurden im
Es ging jetzt nicht mehr um die gemein- ten und sein Reich ist bereitet! Lauf der Jahre immer selbstverständli-
same Grundlage aller religiösen Deno- Als Nachfolger Jesu Christi haben wir cher. Dementsprechend verkündete
minationen, sondern darüber hinaus um uns dringender denn je zu entscheiden, Papst Paul VI. im so genannten Dekret
die Vorstellung von einem gemeinsamen ob wir an der zerstörerischen Einheit der über die Ökumene, die römisch-katholi-
Kern der Schöpfung. Es ging um die Bru- Welt oder an einer auferbauenden Ab- sche Kirche wolle ihre Einstellung zu
derschaft der Menschen und nicht mehr grenzung der Ge- anderen Denomi-

Keystone
um die Einheit des Leibes Jesu Christi. meinde Gottes mit- nationen und Reli-
Viele Gläubige haben die Gefahr, die in zuarbeiten haben. gionen ändern. In
dieser Entwicklung steckt, überhaupt In kommenden Zei- diesem Dekret äus-
nicht wahrgenommen. Neuerdings lehrt ten – möge der Herr serte er, «dass die
die ökumenische Bewegung, dass in je- uns bald holen! – universale Hilfe
der Person – ohne Vorbedingung – ein wird eine klare zur Errettung nur
Funke Gottes wohnt, der zu einer Flam- Trennung von der durch die Katholi-
me entzündet werden kann. Dafür ge- Ökumene uns nicht sche Kirche in all
nügt es, verschiedene mystische Tech- zur Freude gerei- ihrer Fülle erlangt
niken zu praktizieren, die man in allen chen. Wir werden werden könne»12,
religiösen Systemen der Welt finden Freunde verlieren, räumte aber gleich-
kann.9 Der Ausschliesslichkeitsanspruch vielleicht sogar zeitig ein, dass es
Jesu: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und deutliche Nachteile so genannte abge-
das Leben» (Joh 14,6), ist damit deut- für unsere klare sonderte Brüder
lich zurückgewiesen. Stellung hinneh- ausserhalb der Her-
Menschen aller Welt vereinigt euch! men müssen. Es de Roms gebe.
– diese dritte Phase der ökumenischen kann sein, dass wir 1968 wurde
Bewegung hat natürlich auch eine mehr und mehr in eine gemeinsame
zutiefst politische Dimension: Die UNO die Ecke der Sekten Arbeitsgruppe ge-
hat über ihrem Meditationsraum folgen- oder der Friedens- gründet, die zwi-
de Inschrift angebracht: «Der Magnetei- störer gedrängt wer- Dalai Lama auf dem ökumenischen Kirchentag in schen dem Vatikan
Berlin 2003
sensteinaltar des Meditationsraumes ist den. Schon jetzt und dem Weltkir-
Gott geweiht, den viele Menschen un- sind die «christlichen Fundamentalis- chenrat Verbindung halten sollte. Unter
ter vielen Namen und in vielen Formen ten» den Evangelikalen ein Dorn im Papst Johannes Paul II. und unter starker
anbeten.»10 Auge. Aber eines muss im Interesse al- Mitarbeit der Charismatischen Bewegung
Wenn wir die Tagespresse aufmerk- ler liegen, die die baldige Entrückung breitete sich der ökumenische Gedanke
sam verfolgen, dann stossen wir immer herbeisehnen: Wir dürfen unter keinen in der römisch-katholischen Kirche explo-
häufiger auf Begriffe wie «Weltgemein- Umständen an Aktivitäten oder gar Mit- sionsartig aus. Eine starke Triebfeder der
schaft» – «Neue Weltordnung» – «Eine gliedschaften beteiligt sein, die dem An- Entwicklung der Charismatischen Bewe-
Welt» und ähnliches. Auch die UNESCO tichristen die Bühne bereiten. Möge der gung war die Tatsache, dass ihr Aufbruch
formuliert das Ziel ihres weltweiten Er- Herr jedem Leser und jeder Leserin die tief in der römisch-katholischen Kirche
ziehungsprogramms wie folgt: «Erzie- Kraft und Vollmacht zum Widerstand verwurzelt war. Die wirklich grossen Ver-
hung zum Leben in einer Weltgemein- schenken. brüderungsszenen zwischen Katholiken
schaft.»11 und Protestanten an der Basis fanden in
Die Lehre, dass alle Menschen Brü- Der Einfluss der römisch- der charismatischen Szene statt. Der
der sind, ist unbiblisch und verwischt katholischen Kirche auf die Grund hierfür liegt meines Erachtens in
die Tatsache, dass es – geistlich gesehen der biblischen Bedeutung von 2. Korin-
– nach wie vor ein Reich des Lichtes und
ökumenische Bewegung ther 6,14-16: Sowohl die charismatische
ein Reich der Finsternis gibt. Darüber Die römisch-katholische Kirche war als auch die ökumenische Bewegung er-
hinaus haben sich Glieder am Leib Jesu viele Jahre nicht an der Arbeit des Welt- halten ihre Kraft aus der buchstäblichen
deutlich und nachhaltig von dem zu tren- kirchenrates beteiligt, weil sie sich da- Vermischung Gläubiger mit Ungläubigen.
nen, was die Bibel «Welt» nennt. Damit mit als der allein seligmachenden Kir- Arnold Bittlinger schreibt folgerichtig:
ist nicht unser Globus gemeint, sondern che selbst widersprochen hätte. Dies be- «Nicht zu unterschätzen ist die ökume-
jede Geistesauffassung, in der der zieht sich auch auf den Anspruch des nische Wirkung des Zungenredens. …
Mensch als unerlöster Nachkomme des Papstes, alleiniger Vertreter Christi auf Auch die heutigen charismatischen Ge-
ersten Adams verharrt. «Ich habe ihnen der ganzen Welt zu sein. Aber es blieb betsgottesdienste haben ökumenisches
dein Wort gegeben, und die Welt hat sie dem Vatikan nicht verborgen, dass sich Gepräge. Das Sprachenreden schafft eine
gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen Gemeinsamkeit, die stärker ist als alle
wie ich nicht von der Welt bin» (Joh (ÖRK) eine mächtige kirchenpolitische Schranken der Konfessionen und Deno-
17,14). Kraft mit grossem Einfluss auf das Den- minationen.»13

Mitternachtsruf > Juli 2003 17


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sich der Einfluss der römisch-katholi-
Wohin steuert die Ökumene? schen Kirche auf die ökumenische Be-
wegung schon bemerkbar macht.

Heute bemüht sich die römisch-katho- die Ökumene zu weit geht, dann stei- Die Arbeitsgemeinschaft
lische Kirche mehr denn je, auch in der gen wir aus, denn dieses Rezept hat in Christlicher Kirchen und die
weltweiten ökumenischen Bewegung geistlichen Fragen noch nie funktioniert.
die Oberherrschaft zu gewinnen. Der Wer im falschen Zug sitzt, kommt am
Ökumene
derzeitige Papst erklärt ohne Umschwei- falschen Ziel an! Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher
fe, dass die Christen zur Sicherung des Wie nie zuvor verhandelt Rom zur Kirchen (ACK) wurde, ebenso wie der
Weltfriedens mit allen anderen Religio- Zeit mit verschiedensten konfessionel- Ökumenische Rat der Kirchen, im Jahr
nen zusammenarbeiten müssen, und len Bünden: Orthodoxe Kirchen, Angli- 1948 gegründet. Zu den Gründern ge-
dass die römisch-katholische Kirche be- kanische Kirchen, Lutherischer Welt- hörten die Evangelische Kirche, die Bap-
reit sei, diese Zusammenarbeit zu för- bund, Arbeitskreis Christlicher Kirchen, tisten, die Methodisten, die Mennoni-
dern. Methodistischer Weltrat, Pfingstkirchen. ten-Gemeinden und das Bistum der Alt-
In fast naiver Weise übersehen viele Selbst die Südlichen Baptisten in Ameri- katholiken. Heute sind es 17 Vollmitglie-
Christen, dass in dem Mas- ka haben 1999 ein gemein- der, vier Gastmitglieder und drei offizi-
se wie die römisch-katho- sames Dokument heraus- elle Beobachter. Seit 1955 besteht ein
lische Kirche Einfluss auf Der Begriff gebracht. offizielles Informations- und Arbeitsver-
den ökumenischen Pro- «Aufeinander- Es ist ein Rätsel, warum hältnis mit dem Ökumenischen Rat der
zess gewinnt, auch ihre gerade die Protestanten Kirchen in Genf. Die ACK hat ihren Ver-
Lehre Einfluss auf die Mit- zu-Gehen» ist solch eine Sehnsucht nach waltungssitz in der Ökumenischen Zen-
gliedskirchen gewinnen bis heute ein Gemeinsamkeit mit der rö- trale Frankfurt und beschreibt ihre Zie-
wird. Eine der vielen Mög- misch-katholischen Kirche le und Verbindungen zur Ökumene wie
lichkeiten ist der so ge- Schlüsselbe- haben und sich in Erwar- folgt:
nannte Weltgebetstag der griff auch der tung grösserer Anerken- «a) in Deutschland: Als ökumenische
Frauen, der im Jahr 2002 nung förmlich anbiedern. Institution der multilateralen Ökumene
in Anlehnung an die «ru- Evangelikalen Selbst Freikirchler sind auf Bundesebene sucht und pflegt die
mänische Spiritualität» ge- geworden, dabei, ihr Glaubensgut zu- ACK die Beziehungen zu ihren Mit-
feiert wurde. Es war selbst- gunsten einer römischen glieds- und Gastkirchen und ihren Ein-
verständlich, dass die Frau- wenn es um Einheitsphilosophie zu op- richtungen. Sie arbeitet eng mit den re-
en – auch aus evangeli- die Rechtfer- fern. Sie sprechen von ih- gionalen und lokalen Arbeitsgemein-
schen Freikirchen – sich ren «katholischen Amts- schaften christlicher Kirchen, den zahl-
bekreuzigten und mit tigung öku- brüdern», führen ökume- reichen ökumenischen Arbeitskreisen
Weihwasser besprengen menischen nische Trauungen durch und Einrichtungen, den ökumenischen
liessen. Sie fanden diese und nahmen selbstver- Gemeindezentren u.a. zusammen.
Handlung zwar etwas be- Handelns ständlich am ersten öku- Darüber hinaus kooperiert sie mit ande-
fremdend, aber sie mach- geht menischen Kirchentag in ren ökumenischen Gruppen, Organisa-
ten mit! Deutschland im Jahre tionen und Institutionen. Mit diesen
2003 teil. Dass Billy Gra- veranstaltet sie gemeinsame Tagungen
ham den derzeitigen Papst und führt gemeinsame Projekte durch.
als den «grössten geistli- b) zur internationalen Ökumene: Die
chen Führer» bezeichnete, ökumenischen Beziehungen der Kirchen
bei dem er auch schon Pri- und folglich auch der ACK in Deutsch-
vataudienz hatte, sei nur land sind in die weltweite ökumenische
am Rande erwähnt, zeigt Bewegung eingebettet. Deshalb beste-
aber auch, dass wir in ei- hen Kontakte und Beziehungen zur
ner Zeit leben, in der wir uns nicht an multilateralen Ökumene auf Weltebene,
Wir sollten uns nicht der Illusion hin- «geistliche Führer oder Vorbilder» hän- zum Ökumenischen Rat der Kirchen
geben, dass eine Freikirche im Rahmen gen sollen, sondern ausschliesslich an (ÖRK), mit dem sie im Status eines ‹As-
ökumenischer Zusammenarbeit ihre auf unseren Herrn Jesus Christus und Sein sociated Council› und über ihn mit den
der Bibel begründete Lehre behalten geoffenbartes Wort. weltweiten Nationalen Kirchenräten
oder verteidigen könnte. Das geht aus Bevor wir mit irgendwelchen Deno- (NCCs) zusammenarbeitet. Auf europä-
Galater 5,9 eindeutig hervor: «Ein we- minationen zusammenarbeiten, müssen ischer Ebene kooperiert sie eng mit der
nig Sauerteig durchsäuert den ganzen wir uns darüber klar werden, was in die- Konferenz Europäischer Kirchen (KEK)
Teig.» Jeder falsche Weg beginnt mit dem sen Kirchen gelehrt wird. Keinesfalls und über sie mit den Europäischen Na-
ersten falschen Schritt. Und das, was dürfen wir uns an gemeinsamen Aktio- tionalen Kirchenräten, sowie mit dem
heute in der so genannten «evangelika- nen mit solchen beteiligen, die Toten- Rat der Europäischen Katholischen Bi-
len Welt» (gemeint sind eigentlich die kult und Marienverehrung sowie die schofskonferenzen (CCEE).»14
Bibeltreuen!) an ökumenischen Gedan- Unfehlbarkeit des Papstes lehren. Abso- Es gehört zum Zeitalter der Verfüh-
ken und Taten alles möglich ist, wäre lute Trennung von Irrlehren und anti- rung, dass diese Zusammenhänge vor
vor 10 Jahren noch undenkbar gewesen. christlichem Gedankengut ist das Gebot allem in den Freikirchen verharmlost
Kein Gemeindeleiter sollte sagen: Wenn der Stunde, wenn wir sehen, wie stark oder auch wider besseres Wissen geleug-

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net werden. Wer Mitglied in einer zur
Streiflicht


ACK gehörenden Kirche oder Gemein-
den ist, ist auch Mitglied der ökumeni-


schen Bewegung, ob er will oder nicht.
Und nach dem Leib-Jesu-Prinzip kann
sich keiner aus der Verantwortung be-
Seine Herrlichkeit sehen
freien, die sich durch direkte oder indi- Wer je schon etwas von Gottes unbeschreiblicher Güte und Barmherzigkeit erfahren hat, der
rekte Beteiligung am ökumenischen Pro- wünscht sich noch mehr davon zu bekommen, und er wird mit Mose beten: «So lass mich doch
zess ergibt. Welcher Mensch, der von deine Herrlichkeit sehen!» (2.Mo 33,18). Dieser Wunsch sei uns ein starker Antrieb, in der
ganzem Herzen gegen die Abtreibung ist,
Heiligung zu leben! Seine Herrlichkeit sehen bedeutet höchste Glückseligkeit. Jesus sagte: «… wer
würde Mitglied in einer Partei werden,
die die Abtreibung fördert? mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat» (Joh 12,45). Könnten wir uns etwas Grösseres
Wie stark der Einfluss der ACK in wünschen? Des Christen höchstes Sehnen sollte es deshalb sein, Jesus zu sehen wie Er ist! Und
Deutschland auf die christlichen Ge- wir haben ja die Verheissung in 1. Johannes 3,2: «Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder;
meinden schon ist, zeigt sich an einem es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es
Beschluss, der Folgendes besagt: Einrich- offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.»
tungen, die Mitgliedskirchen der ACK
Die Jünger hatten während dreier Jahre das Privileg, ihren geliebten Herrn und Rabbi Jesus
gehören (z.B. Kindergärten) dürfen nur
Personen beschäftigen, die in irgendei- als Gottheit in menschlicher Gestalt zu sehen und zu hören. Darum konnten sie bezeugen:
ner Form mit der ACK verbunden sind! «… das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit ange-
Dass diese Praxis auch ausgeübt wird, schaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit» (Joh
ist dem Verfasser in zwei Fällen persön- 1,14). Drei der Jünger (Petrus, Johannes und Jakobus) hatten zudem das gewaltige Vorrecht, die
lich bekannt! Von dieser Regelung aus- Verklärung Jesu mitzuerleben, denn Jesus wusste, dass auch sie einen schweren Leidensweg
genommen sind Muslime und Atheisten
würden gehen müssen. Der Weg eines Christen führt immer durch Leiden zur Herrlichkeit. Jesu
aus den neuen Bundesländern.15
Dieser zweite Teil unserer Reihe eigener Weg führte durch das tiefste Todesleiden zur allergrössten, unbeschreiblichen Herrlich-
«Wohin steuert die Ökumene?» war keit, wie sie kein Maler, Dichter oder Musiker darzustellen vermag.
vielleicht in manchen Teilen sehr theo- Niemand braucht traurig zu sein, dass er Jesus im Fleisch nicht gekannt hat. Denn wir gehen
retisch. Es ist jedoch äusserst wichtig, vom Glauben zum Schauen. Viele Juden sahen Ihn, glaubten Ihm aber nicht. Uns gilt, was
die Hintergründe der ökumenischen 1. Petrus 1,8 sagt: «… den ihr liebt, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an den ihr glaubt,
Entwicklung zu kennen, um dann im
obwohl ihr ihn jetzt nicht seht, über den ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude
nächsten und letzten Teil «Die Ökume-
ne im Licht endzeitlicher Entwick- jubelt.» Je besser wir Ihn kennen lernen, indem wir in Seinem Wort forschen, desto inniger
lung» auf das biblische Urteil zu ach- werden wir Ihn lieben und Ihm im Gehorsam nachfolgen. Und dementsprechend werden wir
ten. Es ist unser Wunsch, dass diese mehr und mehr in Sein Bild umgestaltet und mit herrlicher Freude erfüllt.
Aufklärung zu einer tieferen Beziehung Jesu Herrlichkeit offenbart sich vor allem und ganz real in Seinem Sühnetod auf Golgatha.
und einer Sehnsucht nach unserem Oder ist denn nicht allein das schon Herrlichkeit, zu wissen, dass unsere Sündenschuld durch
Herrn Jesus Christus führt. ■
Sein Blut am Kreuz getilgt ist? Psalm 32,2 sagt es so: «Glücklich der Mensch, dem der Herr die
Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist!» Wir können das erfahren und wissen:
«Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden
1
Erklärung der ersten Vollversammlung des seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut
Ökumenischen Rates der Kirchen – ÖRK – am Christi als eines Lammes ohne Fehler und ohne Flecken» (1.Petr 1,18-19). Somit sind wir von
23.8.1948 in Amsterdam. 351 Delegierte aus 47
Ländern und 147 Kirchen vereinigten die beiden Gott begnadigt und als Seine Söhne und Töchter angenommen, weil Er uns von Ewigkeit her mit
Bewegungen «Praktisches Christentum» und ewiger Liebe liebte, heisst es doch, dass Er «uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch
«Glaube und Verfassung» zum Ökumenischen Rat
der Kirchen. Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlich-
2
Zentralausschuss des ÖRK – Leitlinien für den keit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten» (Eph 1,5-6). Gottes Gnade
Dialog und für die Beziehungen mit Menschen übersteigt unser Denkvermögen und veranlasst uns zur Anbetung Seiner unergründlichen Liebe.
anderer Religionen, Genf, 26.8.–3.9.2002.
3
W.A. Visser’t Hooft, Ökumenische Bilanz, S. 24/25 Es genügt aber nicht, bloss frommer Betrachter der Herrlichkeit Jesu zu sein. Solch frommen
4
USA Today, 23.3.1989 – zitiert in Dave Hunt, Bewunderern Jesu ist Seine wahre Herrlichkeit nicht zugänglich. Die Kinder Gottes aber werden
Globaler Friede und Aufstieg des Antichristen,
S. 166 durch die Herrlichkeit Jesu im Glaubenskampf ermutigt: «Der Gott aller Gnade aber, der euch
5
Times Magazin, 1999 berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, er selbst wird euch, die ihr eine kurze Zeit
6
Tertio Millenio Adveniente, Bonn, 10.10.94, S. 43 gelitten habt, vollkommen machen, stärken, kräftigen, gründen» (1.Petr 5,10). Das Gewicht von
7
Los Angeles Times, 28.10.1986
8
Text: Friedrich Schiller Leiden bewirkt ein übergrosses Gegengewicht an Herrlichkeit. So verheisst es Sein Wort: «Denn
9
A. Morrison, Ökumene – Das Trojanische Pferd in das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Massen
der Gemeinde, S. 41
10
a.a.O, S. 44 überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern
11
Ev. Soziallexikon, Stichwort Unesco das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig» (2.Kor 4,17-18).
12
W.A. Elwell, Ev. Lexikon der Theologie, S. 341 Dieser herrliche Ausblick auf die uns noch bevorstehende Herrlichkeit, dem Sammelplatz aller
13
Arnold Bittlinger, Glossolalia, S. 52
14
www.oekumene-ack.de vom 23.1.2003 Gläubigen, gibt uns Mut, treu und zielgerichtet zu leben. ■ B.V.
15
R.Wagner, Alle in einem Boot, S. 39

Mitternachtsruf > Juli 2003 19


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Fragen – Antworten
Ging Jesus nach Hände Seines Vaters (Lk 23,46).
Zu Epheser 4,9: «Das Hinaufgestiegen
wesen ist, sondern dass Sein Leib im Grab
lag und Sein Geist bis zu Seiner Auferste-
Seinem Sterben in aber, was besagt es anderes, als dass er
auch hinabgestiegen ist in die unteren
hung beim Vater war.
Nun fragen wir uns aber, was denn
den Hades? Teile der Erde?» Mit diesem Bibelvers
wird nicht gesagt, dass der Herr im To-
wohl mit den Worten in 1. Petrus 3,18-
20 wirklich gemeint ist. Nach meiner Er-
tenreich gewesen ist und die toten Geis- kenntnis hat Jesus in Seinem Geist den
Frage: Warum ging Jesus nach Seinem ter in ihrem Gefängnis besucht hat. Das Menschen, die zur Zeit Noahs lebten, das
Sterben in den Hades? Verkündigte Er dort Totenreich befindet sich ja nicht auf un- Evangelium verkündigt. Jesus ist leben-
den Verstorbenen das Evangelium? serer Erde. Vielmehr ist hier Seine tiefe dig gemacht nach dem Geist und in die-
Erniedrigung gemeint. Jesus ist der Sohn sem Geist ist Er auch hingegangen, heisst
s gibt drei Schriftstellen, die Sie

E wahrscheinlich zu Ihrer Frage ver-


anlasst haben:
• 1. Petrus 3,18-20: «Denn es hat auch
Gottes, der Sein Zuhause im Himmel hat-
te. Er kam auf diese Erde und ist bis zur
Krippe in Bethlehem hinabgestiegen und
dann bis in den Tod, ja Er ist bis ins Grab
es in Vers 18 und 19. Das bedeutet: Je-
sus war schon im Alten Testament tätig.
Petrus sagt, dass die Propheten im Alten
Testament durch den Geist Christi weis-
Christus einmal für Sünden gelitten, der hinuntergegangen. Darum heisst es auch sagten, der in ihnen war. Und Noah wird
Gerechte für die Ungerechten, damit er «Prediger der Gerech-
uns zu Gott führe, zwar getötet nach tigkeit» genannt
dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach (1.Petr 1,11; 2.Petr
dem Geist. In diesem ist er auch hinge- 2,5). Das besagt, dass
gangen und hat den Geistern im Gefäng- der Herr Jesus Christus
nis gepredigt, die einst ungehorsam ge- in Seinem Geist bereits
wesen waren, als die Langmut Gottes in den Menschen zur Zeit
den Tagen Noahs abwartete, während Noahs predigte, und
die Arche gebaut wurde, in die wenige, zwar durch Noah und
das sind acht Seelen, durchs Wasser hin- durch den Bau der Ar-
durch gerettet wurden.» che. Noahs Zeitgenos-
• 1. Petrus 4,6: «Denn dazu ist auch sen wollten aber nicht
den Toten gute Botschaft verkündigt glauben und sitzen
worden, damit sie zwar den Menschen jetzt im Gefängnis des
gemäss nach dem Fleisch gerichtet wer- Totenreiches bis zur
den, aber Gott gemäss nach dem Geist Aburteilung am Jüngs-
leben möchten.» ten Tag. Mit 1. Petrus
• Epheser 4,9: «Das Hinaufgestiegen 4,6 «Denn dazu ist
aber, was besagt es anderes, als dass er auch den Toten gute
auch hinabgestiegen ist in die unteren Botschaft verkündigt
Teile der Erde?» worden, damit sie zwar
Ich persönlich glaube nicht, dass mit In 1. Petrus 4,6 wird nicht gesagt, dass den Toten im Zustand ihres Todes, den Menschen gemäss
diesen Stellen ausgesagt wird, Jesus habe das heisst nachdem sie gestorben sind, das Evangelium verkündigt wurde, nach dem Fleisch ge-
den Verstorbenen im Totenreich noch sondern Lebenden, die jetzt aber tot sind richtet werden, aber
eine zweite Chance gegeben. Zum einen Gott gemäss nach dem
deshalb nicht, weil in diesem Text nur in anderen Übersetzungen, zum Beispiel Geist leben möchten», scheint Folgendes
von den Verstorbenen der Generation in der Albrechtbibel: «… als dass er zuerst gemeint zu sein: Da Gott ein Gott der Le-
zur Zeit Noahs (vgl. 1.Petr 3,20) gespro- (vom Himmel aus) herabgefahren ist in bendigen ist, kann auch hier nicht ange-
chen wird, also zu der Zeit, als die Ar- diese niedere Erdenwelt.» In der Menge- deutet sein, dass den Toten noch das Evan-
che gebaut wurde. Es ist also keinesfalls bibel heisst es: «… in die niederen Ge- gelium verkündigt wurde. Es wird auch
die Rede davon, dass allen Menschen im genden der Erde hinabgestiegen ist.» Und nicht gesagt, dass den Toten im Zustand
Totenreich das Evangelium verkündigt das jüdische Neue Testament sagt: «… als ihres Todes, das heisst nachdem sie ge-
worden wäre. Zum anderen denke ich dass er zuerst hinabstieg in die unteren storben sind, das Evangelium verkündigt
auch nicht, dass der Herr Jesus zwischen Teile, das heisst, auf die Erde.» Bitte be- wurde, sondern Lebenden, die jetzt aber
Seinem Tod und Seiner Auferstehung achten Sie auch folgende Parallelstellen: tot sind. Aus diesem Zusammenhang wird
überhaupt ins Totenreich gegangen ist, Johannes 3,13; Römer 10,7 und Philip- deutlich, dass es sich hier um Menschen
denn Er sagte ja zum Schächer am Kreuz: per 2,8. Auch diese Verse zeigen den handelt, die der Botschaft des Evangeli-
«Heute wirst du mit mir im Paradies Zusammenhang auf. Ich denke daher, dass ums glaubten und gerettet wurden. Aber
sein» (Lk 23,43). Und als der Herr Jesus durch diese Bibelstellen doch deutlich sie wurden durch böse Menschen verfolgt
starb, übergab Er Seinen Geist in die wird, dass Jesus nicht im Totenreich ge- und nahmen den Tod auf sich. ■ N.L.

20 Mitternachtsruf > Juli 2003


Ablösung vom

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Elternhaus
Frage: Ich (weiblich, ledig) bin über 30
Jahre alt und lebe noch bei meinen Eltern.
Nun habe ich zwar nicht weit vom Eltern-
haus entfernt eine kleine Wohnung
gefunden und werde umziehen, aber das
ist für beide Seiten sehr schmerzlich. Ich
habe zudem Schuldgefühle, meine
betagten Eltern allein zu lassen, aber ich
spüre, dass ich selbständig werden und
mein eigenes Leben leben muss. …

ir haben Ihren ausführlichen Brief

W aufmerksam gelesen und nehmen


es Ihnen gerne ab, dass Sie Ihre
Eltern lieben und sie nicht kränken
möchten; das kann man sogar zwischen
Ihren Zeilen lesen.
So sehr wir Verständnis haben, wenn
Ihre Eltern Sie nur ungern ziehen las-
sen, so kommen wir doch nicht umhin,
Sie zu ermutigen, auf dem eingeschla-
genen Weg weiterzugehen. Dies umso
mehr, weil Sie ja in der Nähe Ihrer El- Schon manche Eltern-Kind-Beziehung hat durch das
tern bereits etwas Passendes gefunden gegenseitige Loslassen eine neue Dimension erhalten
haben, was sicher nicht so selbstver-
ständlich ist. So haben Sie die Möglich-
keit einzuspringen, wenn «Not am tig sein! Gerade Alleinstehende sind oft die Mörder und die Götzendiener und alle,
Mann» bzw. an der Frau ist. in der Gefahr, immer von den andern die die Lüge lieben und tun.» Bitte: Wer
«Ehre Vater und Mutter» bedeutet etwas zu erwarten: dass andere auf sie sind denn die «Hunde»?
nicht, dass längst erwachsene Kinder zukommen; dass andere sie einladen;
nicht selbständig werden dürften! Schon dass andere sich um sie kümmern usw. er Ausdruck «Hunde» bezieht sich
manche Eltern-Kind-Beziehung hat
durch das gegenseitige Loslassen eine
neue Dimension erhalten. Aus langjäh-
Fallen Sie bitte nie in dieses destruktive
Denkmuster! ■ E.V. D wohl am ehesten auf religiöse Ver-
führer, die das Volk Gottes nicht
weiden, sondern in egoistischer und
riger Erfahrung wissen wir überdies, wie mieser Weise ausnutzen. Zu diesem
negativ es sich auf das Leben von Kin- Schluss kommen wir, wenn wir zum
dern auswirken kann, wenn sie bis zum Beispiel Jesaja 56,10-12 lesen: «Seine
Tod der Eltern zu Hause bleiben und
dann in ihren mittleren oder späteren
Wer sind die Wächter sind blind, sie alle erkennen
nichts. Sie alle sind stumme Hunde, die
Lebensjahren plötzlich selber allein da-
stehen. Von daher ist es auch ein Lie-
«Hunde» nicht bellen können. Sie träumen, lie-
gen da, lieben den Schlummer. Und die
beserweis vonseiten der Eltern, wenn sie Hunde sind gefrässig, kennen keine Sät-
Frage: In Offenbarung 22,15 steht
ihre Kinder ziehen lassen. Es ist aber tigung. Und das sind Hirten! Sie ken-
längst nicht immer einfach purer Egois- geschrieben: «Draussen sind die Hunde nen keine Einsicht. Sie alle wenden sich
mus, wenn Eltern ihre Kinder bei sich und die Zauberer und die Unzüchtigen und auf ihren eigenen Weg, jeder seinem
behalten möchten, sondern vielmehr ein ungerechten Gewinn zu, ohne Ausnah-
Festhalten an Altgewohntem und ein me: Kommt her, ich will Wein holen, wir
nicht Bedenken der Folgen für die Kin- wollen uns vollsaufen, und es soll mor-
der. gen sein wie heute und noch viel herrli-
Auf der anderen Seite ist es wichtig, cher!» Und Paulus warnt die Philipper:
dass Sie Ihre «Freiheit» richtig nutzen! «Seht auf die Hunde, seht auf die bösen
Stellen Sie Ihren neuen Lebensabschnitt Arbeiter, seht auf die Zerschneidung!»
sehr bewusst unter die Herrschaft Chris- (Phil 3,2). Mit anderen Worten: Lasst
ti. Sie brauchen einen persönlichen euch nicht verführen! Wie nötig haben
Freundeskreis von Christen, die auch wir diese Ermahnung in einer Zeit, wo
den Weg mit Jesus gehen. Das Pflegen die fromme Verführung weltweit immer
einer Freundschaft darf aber nie einsei- grösser wird! ■ E.V.

Mitternachtsruf > Juli 2003 21


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Vorschau Dir kann nur Jesus helfen
Die nächste Ausgabe erscheint am
22.07.2003, mit u.a. diesem Thema*:
«Die Ökumene im Licht endzeitlicher Auf mich zu!
Entwicklung»
*Änderung vorbehalten
«Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken» (Mt
11,28).
Einer der grossen chinesischen Ströme ist bekannt durch eine besonders reissende Strom-
Impressum schnelle. Jedes Schiff und jedes Boot, dessen Steuermann nicht einen bestimmten Punkt an
jenem gefährlichen Strudel kennt und sein Schiff dorthin lenkt, ist unrettbar verloren. Die Einhei-
Missionswerk und Verlag Mitternachtsruf mischen haben an dieser Stelle einen gewaltigen Felsblock in den Strom gesenkt, der die Auf-
www.mitternachtsruf.ch schrift trägt: «Auf mich zu!» Jeder Schiffer, der diesem Wort gehorcht, kommt unbeschadet an
GRÜNDER Wim Malgo (1922-1992) der gefährlichen Stelle vorbei.
VORSTAND Peter Malgo, Norbert Lieth, Conno Malgo, Jonathan
Malgo Wir alle fahren auf dem gewaltigen Strom des Lebens. Und auch dieser Strom hat viele
SCHWEIZ Mitternachtsruf, Eichholzstr. 38, 8330 Pfäffikon ZH, gefährliche Stellen, wie jener Fluss in Chi-
Tel.: (0041) 01 952 14 14
na. Sünden in Tausenden von Variationen
DEUTSCHLAND Mitternachtsruf Zweig Deutschland e.V.,
Kaltenbrunnenstr. 7, 79807 Lottstetten, Tel.: (0049) 07745 8001 sind lauter reissende Stellen, die unserem
ORGAN Der «Mitternachtsruf» erscheint monatlich. Er ist ausser- Lebensschiff zum ewigen Verderben werden
dem in englischer, französischer, holländischer, italienischer, por-
tugiesischer, rumänischer, spanischer, tschechischer und ungari- können. In diesen Strom nun hat Gott auch
scher Sprache erhältlich.
einen Felsblock hineingesenkt, der nicht aus
REDAKTION (Adresse Schweiz) Tel.: (0041) 01 952 14 16,
Fax: (0041) 1 952 14 05, E-Mail: redaktion@mnr.ch, Mitarbeiter: totem Stein besteht: den lebendigen Fel-
Brigitte Hahn, Friedgard Huber, Werner Huber, Elke Lieth, Norbert
Lieth, Conno Malgo (Ltg.), Elsbeth Vetsch sen, der Jesus Christus heisst, und der sagt:
LAYOUT (Adresse Schweiz) E-Mail: layout@mnr.ch, Mitarbeiter: «Kommet her zu mir …!»
Walter Dürr, Daniel Malgo, Jonathan Malgo, Stephan Nabulon,
Fredy Peter Wer sein Lebensschiff auf diesen Felsen
SEELSORGERLICHE FRAGEN (Adresse Schweiz) Tel.: (0041) 01 zusteuert, der wird leben. Denn Jesus Chris-
952 14 08, E-Mail: seelsorge@mnr.ch, Mitarbeiter: Werner Huber,
Marcel Malgo, Samuel Rindlisbacher, Elsbeth Vetsch, tus ist gekommen, damit wir Leben und volle
VERLAG, ABONNEMENTE UND ADMINISTRATION (Adressen Genüge haben sollen (Joh 10,10).
Schweiz und Deutschland siehe oben) Tel. Schweiz: 01 952 14
15, Fax Schweiz: 01 952 14 11, Tel. Deutschland: 07745 8001, Denken Sie an die Titanic, deren Erbau-
Fax Deutschland: 07745 201, Tel. alle anderen Länder: 0041 1 er voller Selbstvertrauen sagten: «Diesen Ko-
952 14 15, Fax alle anderen Länder: 0041 1 952 14 11, E-Mail:
verlag@mnr.ch, Mitarbeiter: Hannelore Dölker, Ruth Dölker, loss kann nicht einmal Gott versenken.»
Martina Lang, Thomas Lieth, Annie Malgo, Elishevah Malgo,
Marianne Malgo, Peter Malgo, Wanda Malgo, Susanne Peter, 1 500 Menschen fanden den Tod. Den Pas-
Beatrice Rindlisbacher, Stephan Rindlisbacher, Esther Roos
sagieren wurde gesagt, dass die Gefahr von
ISRAELREISEN (Adresse Schweiz) Tel: (0041) 01 952 14 18,
Fax: (0041) 01 952 14 19, E-Mail: reisen@beth-shalom.ch, Mit- Eiserbergen in jener Zone zwar bestehe; aber
arbeiter: Fredy Peter, Fredi Winkler (Haifa, Israel)
durch das Vertrauen auf die völlige Sicher-
BUCHHALTUNG (Adresse Schweiz) E-Mail: buchhaltung@mnr.ch,
Mitarbeiter: Wafa Malgo; Treuhandstelle: HWT, 8305 Dietlikon heit des Schiffes wurden diese Warnungen in den Wind geschlagen. Das Ende dieses Luxus-
STUDIO (Adresse Schweiz) E-Mail: studio@mnr.ch, Mitarbeiter: Liners sollte Ihnen ein Beispiel sein, sich in Ihrem Leben nicht auf so genannte Sicherheiten zu
Govert Roos, Nathanael Winkler
ALTERS- UND PFLEGEHEIM ZION Ringwiesenstr. 14, 8600
verlassen.
Dübendorf, Tel: (0041) 01 821 32 00, Fax: (0041) 01 821 59 Wenn Sie Ihr Vertrauen auf sich oder auf die Zugehörigkeit einer Kirche und ihre guten Leis-
61, E-Mail: post@altersheim-zion.ch, Heimleitung: Walid und
Astrid El Khouri, Mitarbeiter: Ursula Dürr, Walter Dürr tungen setzen und nie dazu kommen, den Befehl des Wortes Gottes zu befolgen, bei Jesus ihre
HOTEL BETH-SHALOM P.O.Box 6208, Haifa-Carmel 31061, Isra- Errettung zu suchen, dann leben Sie genauso gefährlich wie die 1 500 Menschen, die trotz ihres
el, Tel: (00972) 04 8373 480, Fax: (00972) 04 8372 443, E-
Mail: mail@beth-shalom.co.il, Leitung: Fredi und Beate Winkler Selbstvertrauens in den eiskalten Fluten untergegangen sind.
EINZAHLUNGEN Schweiz: Postscheckkonto 80-47476-4 Zürich, Wenn Sie im Strassenverkehr die Regeln befolgen, bewahren Sie sich vor vielen Gefahren.
oder Zürcher Kantonalbank, 8330 Pfäffikon ZH, Konto-Nr. 1152-
0472.519, BC-Nr. 752. Wenn Sie aber bei Rot über die Ampel fahren, bringen Sie Ihr Leben und das Ihrer Mitmenschen
Deutschland: Sparkasse Hochrhein, Waldshut, BLZ 684 522 90,
Konto 06-600 530 oder Postbankkonto 3911-709 Stuttgart, in Gefahr. Die Bibel fragt in Hebräer 2,3: «Wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so grosse
BLZ 600 100 70, «Missionswerk Mitternachtsruf» Zweig Deutsch-
land e.V., Geschäftsstelle D-79807 Lottstetten