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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 5.12.2002 18. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤

IG Farben verschlep-
pen weiterhin die
Auflösung – Gegenanträge
zur Hauptversammlung
Frankfurt. Die IG Farben AG in Li-
quidation hat für den 18. Dezember in
Frankfurt mit viermonatiger Verspä-
tung ihre Hauptversammlung einberu-
fen. Auch in diesem Jahr steht die seit
Jahrzehnten geforderte Auflösung der
„Blutgesellschaft“ nicht auf der Tages-
ordnung. Die Coordination gegen
BAYER-Gefahren, die seit 20 Jahren
für die Entschädigung ehemaliger
ZwangsarbeiterInnen kämpft, hat da-
her zu diesem Punkt Gegenanträge
eingereicht. Überlebende Zwangsar-
beiter und zahlreiche antifaschistische
Organisationen kündigten bereits Pro-
teste gegen das Aktionärstreffen an,
das erneut in der Stadthalle des Frank-
furter Vororts Bergen-Enkheim abge-
halten wird. Seit Monaten kämpfen Roma für ihr Bleiberecht, am Samstag, 30.11. fand
In den Gegenanträgen wird eine dazu erneut eine Aktion in Düsseldorf statt. Foto: arbeiterfotografie
Nicht-Entlastung der Liquidatoren und
des Aufsichtsrats der IG Farben gefor-
dert. Begründet wird dies mit der seit
Jahrzehnten verschleppten Abwick-
lung und der Nicht-Einbeziehung der
Wieder Nazidemo
Opfer der IG Farben in den Prozess der
Auflösung. In die Entschädigungsstif-
unter Polizeischutz
tung der Bundesregierung und der Anzeige gegen Münchner Grünen-Chef, der zur
deutschen Wirtschaft hat die Firma Blockade der Rechtsextremen aufgerufen hat
nicht eingezahlt und verweigert dies
auch für die Zukunft. Weniger als hundert Neonazis als Mitglied des Internationalen Sozia-
Die IG Farben war in die Verbre- folgten einem Aufruf des Ham- listischen Kampfbundes Widerstand ge-
chen der Nazis verstrickt wie keine an- burger Nazikaders Christian gen den Hitlerfaschismus leistete, bis er
dere deutsche Firma. Das Unterneh- Worch zu einem Sternmarsch mit 1935 verhaftet und ins KZ Dachau ge-
men unterhielt in Auschwitz ein eige- bundesweiter Beteiligung am 30.11. sperrt wurde.
nes Konzentrationslager, in dem über Siegfried Benker, Fraktionschef der
30.000 Menschen vernichtet wurden, Nach einer Demonstration mit 1000 Münchner Grünen, rief dazu auf, den
und lieferte das Zyklon B für die Gas- Teilnehmern Mitte Oktober, die von Nazis nicht die Straße zu überlassen.
kammern. Tausenden Münchnern schon nach we- Gegen ihn läuft mittlerweile ein Verfah-
Coordination gegen BAYER-Gefah- nigen hundert Metern gestoppt werden ren der Staatsanwaltschaft, da er mehr-
ren e.V., CBGnetwork@aol.com konnte, und einer Reihe von Mahnwa- fach an die Münchner appelliert hatte,
www.CBGnetwork.de ■ chen sollte der Aufzug die Proteste der sich dem genehmigten Naziaufmarsch in
Nazis gegen die bereits vor einer Woche den Weg zu stellen.
beendete Ausstellung „Verbrechen der Nach dem Ende der antifaschistischen
Aus dem Inhalt: Wehrmacht“ in München abschließen. Kundgebung versuchten mehrere hun-
Rund 1000 Menschen beteiligten sich dert Menschen, den Nazimarsch zum
Dresdner Naziklub Thor hetzt . . 6
an einer Kundgebung des Bündnisses Goetheplatz zu stoppen. Ein Großaufge-
gegen den Naziaufmarsch, dem neben bot von 1500 Polizisten aus mehreren
Front National vor dem
antifaschistischen Gruppen, PDS und Bundesländern bahnte den Rechtsextre-
Generationswechsel? . . . . . . . . . 7
DKP auch Gewerkschaften und SPD- men jedoch gewaltsam den Weg. 35 Per-
Abgeordnete angehören. sonen wurden im Verlauf des Einsatzes
Schill-Partei in Mettmann
Eindringlich schilderte der mit einem laut Polizeiangaben festgenommen, 29
in der Hand von Neonazis . . . . 11
gestreiften KZ-Kittel gekleidete 92jähri- davon Gegendemonstranten.
ge Antifaschist Hans Taschner, wie er Nick Brauns, jW 2.12.02 ■
: meldungen, aktionen
herrschaft, „Mit diesem Vortrag erhalten
wir einen zeitgeschichtlichen Einstieg in
die Problematik des Seminarthemas“),
Kommunalwahlen in Polen Parlament erstmals die Unterdrückung Martin Laus (Die realexistierende natio-
Polen. Bei den Kommunalwahlen in und Verfolgung unter dem damaligen nale Parteioligarchie), Stefan Lux (Zur
Polen haben sich die Ergebnisse der Militärregime verurteilt. Es wurde be- Soziologie des Parteiwesens von Robert
Wählergruppierungen der dortigen schlossen, die spanische Regierung mit Michels), Horst Mahler (Staat und Ge-
„deutschen Minderheit“ weitgehend sta- der Suche und Exhumierung der mehr sellschaft bei Georg Wilhelm Friedrich
bilisiert. als 30 000 Vermissten des Bürgerkrieges Hegel), Wolfgang Juchem (Die nationale
Der durch innere Auseinandersetzun- von 1936 bis 1939 zu beauftragen. Bei Opposition, Bestandsaufnahme und Zu-
gen zur Zeit stagnierende „Deutsche den Toten handelt es sich überwiegend kunftsperspektiven) und Udo Voigt (Der
Freundschaftskreis“ (DFK) besetzt im um Republikaner und Mitglieder der nationaldemokratische Kampf um die
Bezirk Opole, dem ehemaligen Regie- Internationalen Brigaden. hma ■ Köpfe). Am Abend singt Friedrich Bau-
rungsbezirk der deutschen „Provinz nack nationale Lieder zum Mitsingen.
Schlesien“, künftig etwa 340 der 1400 zu Absender unbekannt Auf der Rückreise soll sich ein Besuch
vergebenen Kommunalmandate. In ver- der Wartburg anschließen. ■
schiedene Kommunalämter gewählt Tschechien. In Nordböhmen sind Flug-
wurden weitere 40 Personen. Die DFK- blätter mit der Aufschrift „Die Sudeten Henstedt-Ulzburg, Norder-
Führung um Heinrich Kroll, den man in waren deutsch und werden wieder
der Vergangenheit schon als Redner bei deutsch sein“ verbreitet worden. Die stedt weiter Neonazi-Pflaster
bundesdeutschen Revanchistenverbän- tschechischen Bewohner werden in dem Norderstedt. Nachdem es in den letz-
den und Burschenschaften sah, zeigte Flugblatt darauf hingewiesen, dass sie ten Jahren mehr als ruhig um die einstige
sich mit der Wahl zufrieden Bei den Di- nach dem EU-Beitritt ihres Landes aus Neonazi-Hochburg Henstedt-Ulzburg
rektwahlen der Bürgermeister und Ge- ihren Wohnungen ausziehen und ihr Ei- geworden war, taucht die Großgemeinde
meindevorsteher konnten sich 25 (bisher gentum an die Sudetendeutschen abge- jetzt wieder als Postfach-Adresse auf
31) Kandidaten des DFK durchsetzen. ben müssen. Die Flugblätter wurden u.a. einschlägigen Publikationen auf.
Wegen der lokalen Spaltung vieler DFK- an tschechische Behörden und an eine „Der Nationale Widerstand läßt sich
Gruppen dürfte die tatsächliche Zahl der Grundschule im Raum Decin verschickt. nicht verbieten !“, das meinen zumindest
„deutschen Amtsvorsteher“ aber höher, Die Postsendungen mit unbekanntem die Neonazis (oder womöglich: der Neo-
nämlich bei 31 liegen. Absender seien aus Prag abgesandt wor- nazi) vom „Holsteiner Widerstand“, der
Das Ergebnis, so Kroll, sei auf die er- den, so die tschechische Polizei. seit kurzem eine eigene Internet-Präsenz
folgreiche Arbeit in der Selbstverwal- hma ■ unter einer Punkt-com-Adresse unter-
tung seit 1990 zurückzuführen, die an- hält. Wer allerdings denkt, dort auf regio-
geblich auch in der polnischen Bevölke- Lagebesprechung nale Meldungen oder Aktivitäten der
rung Anerkennung gefunden habe. Kroll braunen Kolonnen zu stoßen, irrt sich.
betonte wiederholt, dass ohne „die Be- Heusenstamm. Etwa 270 Menschen Seitenlang ist dort die übliche, bundes-
mühungen der Minderheit um weitere nahmen am 12. Oktober an einer Veran- weite Propaganda des „Nationalen
bundesdeutsche Hilfen (...), die seit Jah- staltung der „Nation-Europa-Freunde“, Widerstandes“ um Christian Worch &
ren konsequent zur Verbesserung unserer der „Gesellschaft für freie Publizistik“ Konsorten nachzulesen, von regionalen
Lebenssituation geführt haben“ die meis- (GfP) und der „Deutsche Liga“ im hessi- Bezügen kaum eine Spur. So formulieren
ten Vorhaben im kommunalen Bereich schen Heusenstamm teil. Hauptredner die „Germanisten“ unter der Rubrik
nicht machbar gewesen wären und es waren der ehemalige Angehörige der „Was wir wollen“ so schön:
auch künftig nicht anders sein werde. Waffen-SS, Franz Schönhuber und der „Rund zwei Drittel der Deutschen leh-
Die vor allem im östlichen Oberschle- Chefredakteur der österreichischen Wo- nen die EURO-Einführung ab. Die Mehr-
sien erfolgreiche RAS der oberschlesi- chenzeitung „Zur Zeit“, Andreas Mölzer. heit befürwortet Sterbehilfe und Todes-
schen Autonomisten, die für umfassende Inhaltlich ging es bei der Veranstaltung strafe. Fast alle sind sich einig, daß wir
Selbstbestimmungsrechte und eine inter- u.a. um die Lage der deutschen und ös- bereits zu viele Ausländer in Deutschland
nationale Anerkennung als „oberschlesi- terreichischen Rechten. Unter den An- haben und daß Ausländerkriminalität ein
sche Minderheit“ eintritt, erhielt in dieser wesenden befanden sich neben Funk- zunehmend brisantes Thema ist. Gleich-
Region 4,5 % der Stimmen. Ihre Schwer- tionsträgern der sog. „Republikaner“ zeitig wird die gesamte nationale Opposi-
punkte hatte sie in den Industrierevieren auch der Bundesvorsitzende der „Deut- tion von der Allgemeinheit als Rechtsra-
und im südöstlichen Oberschlesien, wo schen Partei“, Heiner Kappel, ehemals dikale oder Neonazis beschimpft, mit de-
sie Ergebnisse von bis zu 25% erzielte. FDP. hma ■ nen man sich besser nicht abgeben sollte,
Die Wahlliste der „Deutschen des Ober- geschweige denn mit ihnen politisch zu-
schlesischen Landes“ (DOL), gegründet Deutsche Akademie tagt sammenzuarbeiten.“
von der Arbeitsgemeinschaft „Versöh- Neben diesem Selbstverständnis und
nung und Zukunft“ und vom DFK-Be- Thüringen. Zum wiederholten Mal tagt allerlei einschlägigen Artikeln anderer
zirksverband in Katowice erhielt die die Deutsche Akademie im Großraum Nazi-Organisationen gibt die Seite Auf-
Stimmen von 20 000 Wählern (1,6%). Thüringen, diesmal vom 29. November schluss darüber, dass es mit dem „Hol-
Im Kreis Raciborz, dem früheren Rati- bis 1. Dezember unter dem Titel „Partei- steiner Widerstand“ nicht allzuweit her
bor, stellt die DOL nun 5 der 8 Gemein- politik und Elitenbildung – ein Wider- sein kann. In den verschiedensten Text-
devorsteher und 21 von 23 Kreistagsmit- spruch?“. Analysiert werden sollen die passagen macht der Verantwortliche der
gliedern. Gründe für die Wahlniederlage. In der Seiten deutlich, dass er womöglich allei-
„Ostpreußenblatt“ 47-02 - hma ■ Einladung heißt es“ „Dabei stellt sich die ne agiert, wenn er beispielsweise um Be-
Frage, ob es denn überhaupt möglich ist, wertung der Internet-Präsenz bittet, da er
Späte Verurteilung im Rahmen der Organisationsform Partei „nur so das Interesse meiner Besucher
eine geistige Gegenelite zum BRD-Sys- wecken, bzw. wach halten kann“. Wäh-
Spanien. Knapp 27 Jahre nach dem tem herauszubilden“. Es sprechen Man- rend man hier noch eine Täuschung aus
Ende der Franco-Diktatur (1939 bis fred Müller (Die NSDAP zwischen Sicherheitsgründen vermuten kann, wird
1975) haben alle Parteien im spanischen Volksgemeinschaftsideologie und Partei- spätestens unter dem Punkt „Sehenswür-

2 : antifaschistische nachrichten 25-2002


digkeiten“ deutlich, dass hier wahr-
scheinlich ein einsamer Nationalist nur Potsdam: 100 Nazis –
noch virtuelle Strukturen aufrecht erhält:
Neben dem „Störtebeker-Denkmal“ und
dem „Bunker-Museum“ empfiehlt das
250 BürgerInnen und Antifas
Braunhemd - wie possierlich - den Be- Rund 250 BürgerInnen und die brandenburgische Landeshauptstadt
such des „Hamburg-Dungeon“, eine Antifas protestierten am mit der Symbolik der NPD in Verbin-
mehr schlechte als rechte Mischung zwi- Samstag in Potsdam gegen dung gebracht werden könnte. Die
schen Ausstellung zur Hamburger Ge- den zeitgleich stattfindenen Auf- Kundgebung fand fern ab der Nazidemo
schichte und Geisterbahn, die ihren marsch der NPD. statt, die von der Polizei nach Drewitz
Schwerpunkt auf Unterhaltung legt. Ne- verlegt worden war.
ben einer Mail-Adresse können Interes- An der Nazidemo, dieam 23.11. im Die Antifas versuchten ihrem Protest
sierte auch eine Berliner Fax-Nummer Plattenbau-Vorort Drewitz unter dem direkt an der Nazidemo Ausdruck zu
nutzen, um Kontakt zum „Holsteiner Motto „Gegen US- verleihen; ein im-
Widerstand“ aufzunehmen. Terror; kein Blut für menses Polizeiauf-
Nichts desto trotz: Als einzig regiona- Öl!“ stattfand, betei- gebot verhinderte
ler Inhalt wird über mehrere Seiten das ligten sich rund 100 dies. An einer Dre-
Henstedt-Ulzburger „Beckersberggelän- Faschisten. Nach witzer Kreuzung
de“ samt seines Erbauers (NS-Bürger- Polizeiangaben wur- blieb der Großteil
meister Petersen) vorgestellt und die er- den im Laufe des der Nazigegner von
folgreiche Antifa-Kampagne von Tages 10 Antifas der Polizei bewacht
1997/1998 gegen die Nutzung des Ge- und ein NPDler ver- versammelt, ohne
ländes verflucht. Außerdem nutzt der haftet. die Demo zu Ge-
Ortskundige ein Postfach in Henstedt- Die BürgerInnen sicht zu bekommen.
Ulzburg als Kontaktadresse auf Flugblät- versammelten sich Bereits für den
tern und Aufklebern, während sich Teile zu einer Kundge- 21. Dezember ist die
der Führung der selbst ernannten „Freien bung am Alten nächste Nazidemo
Nationalisten“ mittlerweile im benach- Markt um, so der of- angekündigt. Dann
barten Norderstedt niedergelassen haben. fizielle Wortlaut, wollen freie Kame-
Dort residiert auch seit Jahren beinahe „Farbe zu beken- radschaften um den
unbemerkt die offizielle Niederlassung nen“. Brandenburgs Neonazi Christian
des bundesweiten Nationalen Widerstan- Ministerpräsident Worch „gegen Jörg
des, die jedoch aus nicht viel mehr beste- räumte ein, dass das Thema Rechtsex- Schönbohm“ marschieren, da dieser
hen dürfte, als einem handelsüblichen tremismus weiterhin hoch aktuell sei mitverantwortlich für das Verbot des
Rechner samt Server für die Verbreitung (siehe: Der Mord von Potzlow), Pots- Nazigedenkens am so genannten Volks-
des Nazi-Drecks im Internet. dam Oberbürgermeister Jann Jakobs trauertag in Halbe sei.
Olaf Harning ■ (SPD) betrieb in seinem Redebeitrag von Inforiot - 23.11.2002
Standort-Pflege: Er warnte davor, dass www.inforiot.de ■
Neonazis machen Werbung
an Schulen sich Lars Käppler, Ralf Brunner und Mi- Oberbürgermeisterin
Mannheim. Am Mittwoch den 14.11.02 chael Weber. Diese Personen sind die ak- spricht vor 200 Nazis
bekam die Schülermitverantwortung des tuellen Vorsitzenden der Bewegung
Elisabeth Gymnasiums in Mannheim ei- Deutsche Volksgemeinschaft (BDVG). Halle. In Halle fand am 17.11.02 eine
nen Brief der „Bundesweiten Aktion: Die „Bundesweite Aktion, Junge Deut- Veranstaltung statt, auf der die Oberbür-
Junge Deutsche“. Ob andere Mannhei- sche“ ist eine Tarnorganisation der germeisterin vor mehrheitlich Nazis
mer Schulen ebenfalls angeschrieben BDVG. Bei dieser handelt es sich um sprach, die den Gertraudenfriedhof in
wurden, ist noch unbekannt. eine Abspaltung der JN, der Jugendorga- Halle/S. als Ausweichort für das verbote-
In diesem Brief werden die Schüler- nisation der NPD. Diese militante Neo- ne „Heldengedenken“ in Halbe nutzten –
sprecher unter der Überschrift: „Stoppt nazi-Abspaltung vertritt unverhohlen ne- gemeinsam mit den anderen Fraktionen
die Ausländerüberfüllung in unseren onazistische Ideologie. des Stadtrates und sogenannten Würden-
Klassenzimmern! Stoppt die Ausländer- Der stellvertretende Vorsitzende Ste- trägern der Bundeswehr, die dies in die-
kriminalität auf unseren Schulhöfen! Das fan Zimmermann wurde im Jahr 2000 ser Situation offensichtlich widerstands-
Boot ist voll!“ von der Absicht jener vor dem Amtsgericht Mannheim wegen los hinnahmen. Sämtliche Parteien von
„Jungen Deutschen“ informiert, zukünf- Volksverhetzung verurteilt. Auch im Ver- PDS über SPD, FDP bis CDU gedachten
tig Werbung an Mannheimer Schulen fassungsschutzbericht des Landes Baden gemeinsam mit 200 Nazis den Toten des
machen zu wollen. Weiterhin wurden die Württemberg stößt diese Gruppierung 1. und 2. Weltkrieges und den Opfern des
Schülersprecher aufgefordert: „Zum seit ihrer Entstehung auf reges Interesse. „Nationalsozialismus und Stalinismus“.
Wohle und Nutzen der deutschen In der Absicht, vollkommen offiziell Dieses setzt neue „Standards“. Ge-
(Herv.vom Verf.) Schülerinnen und an Mannheimer Schulen für das rassisti- meinsames Gedenken mit Nazis, eine
Schüler“ aktiv zu werden. Die Autoren sche Programm der BDVG zu werben, Rede halten vor Nazis, die den Mördern
phantasieren eine dramatische Situation zeigt sich eine neue Qualität dieser na- des 2. Weltkrieges und den Ausführern
herbei: „Zusammengepfercht mit Men- zistischen Gruppierung. des Holocaustes ihre „Ehre“ erweisen –
schen aus völlig verschiedenen Natio- Aber glücklicherweise ist davon aus- kommentarlos! Dieses ist ein unglaub-
nen, Kulturen und damit anderen Bega- zugehen, dass die jeweiligen Schülermit- licher Skandal!!
bungsanlagen sinkt das Bildungsniveau verantwortungen kompetent mit diesem Dass die Polizei die Nazis von ihren
der Deutschen unerträglich ab“. Ansinnen umgehen können: Den Brief zwei Bussen und vom Bahnhof aus hin
Das hört sich nicht nur nach neonazis- ab in den Mülleimer und Nazis konse- und zurück eskortiert hat, zeigt, dass die
tischer Propaganda an, das ist es auch! quent vom Schulhof weisen! Behörden von dem Vorhaben gewusst
Verantwortlich für diesen Brief zeichnen www.juz-mannheim.de/aktuell ■ haben, man aber in keiner Weise bereit

: antifaschistische nachrichten 25-2002 3


war dieses Ausweich-Event der Nazis zu Toten des 1. und 2. Weltkrieges geden- Neonazis in Vossennack sind fester Be-
unterbinden. ken. War es in Deutschland das erste standteil der Veranstaltungen zum
Bereits letztes Jahr versuchten ca. 20 Mal, dass so etwas stattfand? Wir wissen „Volkstrauertag“ im Kreis Düren gewor-
Nazis aus Halle und Umgebung, unter es nicht. den; sie werden toleriert oder ignoriert.
anderem Sven Liebig (ex-)Blood and Das Verhalten der Stadträte und der Es ist kaum verwunderlich, dass wäh-
Honour), Kränze gemeinsam mit OB OB Häußler darf nicht folgenlos blei- rend der „offiziellen“ Veranstaltung in
Häußler niederzulegen. Dabei kam es zu ben!! Schreibt an die OB und die Frak- Vossenack das Lied „Ich hatte einen Ka-
Protest von Mitgliedern der VVN gegen tionen des Stadtrates: www.halle.de meraden“ instrumental intoniert wurde.
die Teilnahme von Nazis – und von sonst Infoladen Halle ■ Wenig später sangen die Neonazis selbi-
niemandem: Auch da schon war am ges Lied voller Inbrunst. Überhaupt, die
Volkstrauertag in Halle keine Partei wil- Volkstrauertag in Vossen- Anwesenden bei der „offiziellen“ Veran-
lens, sich gegen die Anwesenheit der Na- staltung scheint die alljährliche Präsenz
zis zu äußern. Die Polizei schaute vor ei- nack: Neonazis und Waffen- der Neonazis wenig zu stören. Bereits im
nem Jahr nicht tatenlos zu, denn durch SS marschierten auf vergangenen Jahr tauchten 27 Mitglieder
den Protest der VVN wurden die Nazis Düren. Am „Volkstrauertag“ marschier- der neofaschistischen NPD in Vossen-
so lange vom Friedhof entfernt gehalten, ten rund 40 Neonazis unter den Augen nack auf; in den Jahren davor waren es
bis die öffentliche Veranstaltung vorbei von Polizei und Staatsschutz unter we- jeweils um die 15 Personen.
war. Antifaschisten und Staatsschützer henden Reichskriegsflaggen auf dem Es lohnt sich ein näherer Blick darauf,
entfernten damals die Nazikränze vom Soldatenfriedhof in Vossennack (Ge- wer sich dort zur „offiziellen“ Gedenk-
Friedhof, was dann in der regionalen meinde Hürtgenwald, Kreis Düren) auf. veranstaltung trifft. Neben der lokalen
Zeitung Mitteldeutsche Zeitung (MZ; Die Teilnehmer, Mitglieder und Anhän- CDU-Prominenz versammelten sich ehe-
DuMont, Köln) als „klauen“ bezeichnet ger der „Kameradschaft Aachener Land“ malige Mitglieder der 116. Panzerdivi-
wurde. Diese einzige Tageszeitung der und der NPD sowie ehemalige Angehöri- sion („Windhunde-Division“), die im
Region berichtete in diesem Jahr kurz ge der Waffen-SS konnten ungehindert „Familienverband ehemaliger Angehöri-
und ebenfalls ohne jeden Kommentar. eine nicht angemeldete Kundgebung ger der Windhund-Division“ zusammen-
Bezeichnender Weise war der Artikel nur durchführen, um ihren „Helden“ zu ge- geschlossen sind. In unmittelbarer Nähe
in der online-Ausgabe der MZ (http:// denken. Antifaschisten hingegen, die ih- zum Friedhof unterhalten sie ein eigenes
www.mz-web.de ) zu finden. ren Protest gegen diese Zusammenrot- Areal, auf dem sie alljährlich eine eigene
Wir protestieren aufs schärfste gegen tung äußern wollten, wurden von der Po- Veranstaltung durchführen. Zweck des
dieses rückgratlose Verhalten der Stad- lizei bei der Anreise gestoppt und festge- Vereins ist laut Satzung die „Pflege der
tratsfraktionen Halle!! Neonazis konnten halten. Die „Helden“ der Neonazis sind Kameradschaft und der Tradition“. Was
in einer deutschen Stadt nach 1945 ge- Soldaten der faschistischen Wehrmacht, sie unter dieser Tradition verstehen, ist in
meinsam mit VertretrerInnen des Stadtra- die ihre Treue zum „Führer“ mit dem Le- der Ausstellung (die irreführend „Wind-
tes und der Oberbürgermeisterin an die ben bezahlt haben. „Wir gedenken unse- hunde mahnen zum Frieden“ genannt
ren gefallenen Hel- wurde) deutlich zu erkennen. Der braune
den“ stand auf der Traditionsverein Ewiggestriger verfolgt
Die Rechte Schleife des Kran-
zes der Neonazis
mit dieser Ausstellung das Ziel, den My-
thos von der „sauberen Wehrmacht“ auf-
in Europa geschrieben. Mit
dieser Inschrift wer-
zubauen.
Eine Abteilung der Bundeswehr aus
den die Verbrechen der Kaserne in Nörvenich nahm an der
der Wehrmacht, die diesjährigen Veranstaltung ebenfalls teil.
in einer Ausstellung Auch hier schließt sich der Kreis; das
des Hamburger In- dort stationierte Geschwader ist nach Os-
stituts für Sozialfor- wald Boelcke benannt, einem Flieger aus
schung akribisch dem ersten Weltkrieg, nach dem bereits
dokumentiert sind, ein Kampfgeschwader der faschistischen
geleugnet. Legion Kondor benannt war, welches
Auch die Tatsa- u.a. an dem Bombenangriff 1937 auf die
Die Journalisten Bernhard che, dass eine Stadt Guernica beteiligt war.
Reichskriegsflagge Wir haben nichts gegen individuelle
Schmid und Gerhard Feldbauer gezeigt wurde und Trauer einzuwenden. Doch was jedes
berichten aus Frankreich, positiv auf die ver- Jahr im Rahmen des Volkstrauertages in
Italien, sowie über die botene „Blood & Vossennack stattfindet, ist Verharmlo-
Honour“ -Organisa- sung der Verbrechen der faschistischen
Situation in Europa insgesamt tion Bezug genom- Wehrmacht, ohne die Auschwitz, Bu-
men wurde, beweg- chenwald, Bergen-Belsen, Treblinka und
te die sich vor Ort viele weitere Verbrechen nicht möglich
befindlichen Poli- gewesen wären. Die deutsche Geschich-
zeikräfte und Staats- te soll reingewaschen werden, um den
schützer nicht zum Weg zu neuen Kriegen vorzubereiten.
Eingreifen. Wir erinnern daran, dass sich die
Seit Jahren füh- Bundeswehr verfassungswidrig an zwei
ren Neonazis im Kriegen beteiligt hat (Jugoslawien 1999
18. Januar 2003, 14.00 Uhr Hürtgenwald Auf- und Afghanistan 2001). Im Kreis Düren
Köln, Bürgerzentrum Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3 märsche zum wird fleißig daran mitgearbeitet, die
Kleines Forum „Volkstrauertag“ deutsche Geschichte zu verdrehen. Die
Veranstalter: Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten oder Orientierungs- einen (Neonazis) tun es offen, die ande-
Infos: Tel. 0221-21 16 58 märsche durch. Die ren subtiler. Skandalös ist, dass Landrat
Versammlungen der und Kreispolizeibehörde den Neonazis
: antifaschistische nachrichten 25-2002
4
freie Hand für ihre menschenverachten-
den Aufmärsche lassen. Das Ergebnis
ist, dass von Jahr zu Jahr mehr Neonazis
Brutaler Mord durch Neo-
nach Vossennack kommen.
Befreien wir uns von diesem Alp-
nazis in der Uckermark
traum: Kein Gedenken an Wehrmacht
und Waffen-SS! Nie wieder Faschismus! Um nicht als „braunes Nest“ ab- Junge Antifaschisten fühlen sich von
Nie wieder Krieg! gestempelt zu werden, müssen der Tat besonders betroffen und wollen
Antifa Düren, 18.11.2002 die Einwohner von Potzlow in deshalb am Samstag nach Potzlow fah-
www.antifa-dueren.de ■ Zukunft wohl einiges tun, was über die ren. Unter dem Motto „Potzlow ist über-
Beteuerungen, es gebe doch kaum Rech- all – Dem rechten Konsens entgegentre-
Zehn Jahre nach Mölln te im Ort, hinausgeht. Schließlich gab es ten!“ wollen sie darauf aufmerksam ma-
in Potzlow vor fünf Jahren, am 24. Au- chen, dass bis heute in der Uckermark
Neonazi-Brandanschlag gust 1997, schon einmal einen Mord, an und anderswo die Normalität rechtsextre-
auf türkische Familie dem fünf Neonazis beteiligt waren. Sie mer Dominanz verdrängt wird. Erst im
Wolfenbüttel/Mölln. Am zehnten schlugen einen Sozialarbeiter auf offener Mai diesen Jahres wurde in der branden-
Jahrestag des tödlichen Brandanschlags Straße mit Baseballschlägern tot. Jetzt burgischen Stadt Wittstock ein „Nicht-
auf türkische Frauen und Kinder in wurde der Mord an einem 17-Jährigen deutscher“ von rechtsgerichteten Jugend-
Mölln haben Neonazis wieder versucht, aufgedeckt, desssen Aussehen drei lichen ermordet. Zur Demonstration ru-
ein von Türken bewohntes Haus anzu- Rechtsextremen nicht gepasst hatte. Ma- fen neben dem Brandenburger Verein
zünden. Das Ehepaar und seine beiden rinus war mit Hip-Hopper-Hose und „Pfeffer & Salz“ auch die Antifaschisti-
Kinder blieben bei dem Anschlag auf die blond gefärbtem Haar unterwegs gewe- sche Aktion Berlin (AAB) und die Antifa
türkische Moschee im niedersächsischen sen. Er wurde so lange gequält, bis er tot Uckermark auf. Die AAB schreibt, man
Wolfenbüttel nur durch Glück unverletzt. war. Am Ende warfen sie ihn in eine Jau- wolle „Wut und Widerstand dorthin tra-
Fünf Rechtsextremisten zwischen 16 und chegrube. gen, wo seit Jahren Menschen ihr An-
22 Jahren gestanden die Tat und wurden An dem Schweigemarsch zu dem Ort, derssein oder ihr Andersaussehen mit
in Untersuchungshaft genommen. Zur an dem der Leichnam von Marinus dem Leben bezahlen müssen“. Die Antifa
Tatzeit am frühen Samstagmorgen Schöberl Anfang vergangener Woche ge- Uckermarck betont gleichzeitig, es gehe
schlief die Familie. funden wurde, nahmen am Sonntag meh- „nicht um die Stigmatisierung eines Or-
Insgesamt vermutlich sieben Täter rere hundert Einwohner von Potzlow tes“. Dennoch wolle man vor Ort darauf
hatten mehrfach hartnäckig versucht, das teil. Der brandenburgische Ministerprä- hinweisen, dass die Tat im „Kontext des
Gebäude mit Molotow-Cocktails in sident Matthias Platzeck (SPD) sprach gesellschaftlichen Klimas“ stehe. Nicht
Brand zu setzen. Als Motiv nannte die vor Ort mahnende Worte, Innenminister zuletzt frage man sich, „was noch passie-
Polizei Ausländerfeindlichkeit. Mehrere Jörg Schönbohm machte derweil die all- ren soll“, damit Jugendpolitik endlich
Mitglieder der Gruppe waren den Behör- gemeine Verwahrlosung der Familien für aufhöre, rechte Jugendliche einfach „zu
den bekannt, unter anderem wegen des die Tat verantwortlich. Der 17jährige akzeptieren“. Rund 200 Demonstranten
Tragens verbotener nationalsozialisti- war am 12. Juli von drei Angehörigen versammelten sich am 30.11. auf dem
scher Symbole. der rechten Szene gequält und ermordet Marktplatz in Potzlow. Eine Sprecherin
Bei den Anschlägen in Mölln hatten worden. Die jetzt in Untersuchungshaft der Antifa Uckermark kritisierte das
Rechtsextremisten am 23. November sitzenden Täter gelten als Mitglieder der „Mehrheitsklima von Intoleranz, Frem-
1992 drei Türkinnen, darunter zwei Kin- örtlichen Neonaziszene, der Älteste, denfeindlichkeit und Rechtsextre-
der, getötet. Erstmals in der Geschichte Marco Sch., ist bereits wegen eines An- mismus“ in der Region. Man verweigere
der Bundesrepublik waren bei ausländer- griffs auf einen aus dem afrikanischen eine Diskussion und ignoriere die rechts-
feindlichen Straftaten Menschen gestor- Sierra Leone stammenden Mann vorbe- extremen Ursachen des Mordes an Schö-
ben. Am Samstag gedachten rund 500 straft. berl. Infos: www.inforiot.de ■
Menschen der Opfer in der holsteini-
schen Stadt.
In Wolfenbüttel gingen die Täter nach Die Ermittler durchsuchten die Woh- Ulrich Herbert und Gerhard Schreiber
bisherigem Ermittlungsstand in der nungen der Verdächtigen und stellten das anders, gerade im Fall Italien. Nach-
Nacht zum Samstag drei Mal zu dem umfangreiches Beweismaterial sicher. dem Rom kapituliert habe, seien Solda-
zweistöckigen Wohn- und Geschäftshaus nach Presseberichten ■ ten des früheren Bündnispartners von der
in der Innenstadt und bewarfen es mit Wehrmacht in den besetzten Gebieten
Brandsätzen. Die vermutlich mit Benzin Keine Entschädigung für gefangen genommen und zum Arbeits-
gefüllten Bier- und Sektflaschen prallten einsatz verpflichtet worden. Damit hät-
an den drahtverstärkten Scheiben und italienische Häftlinge? ten die Deutschen aus Soldaten Zwangs-
der Fassade ab. Nach den beiden Fehl- Berlin. Von den 120.000 ehemaligen arbeiter gemacht und dieser zivile Status
versuchen seien vier Täter zurückge- italienischen Militärinternierten erhielten begründe entsprechende Ansprüche auf
kommen und hätten neue Anläufe unter- bereits 45000 eine Absage auf ihren An- Entschädigung.
nommen, sagte der Polizeisprecher. trag auf Entschädigung von der Bundes- Den früheren Militärinternierten, die
Erst nach dem letzten Versuch gegen stiftung zur Entschädigung ehemaliger die Stiftung abweist, bleibt die Hoffnung
3.30 Uhr waren Anwohner aufmerksam NS-Zwangsarbeiter. Ihre Forderungen auf das Berliner Verwaltungsgericht. Es
geworden und hatten die Feuerwehr alar- seien unberechtigt, hieß es, für Kriegsge- muss sich mit der Musterklage von zwei
miert. Es sei nur deshalb ein größeres fangenschaft gäbe es keine Entschädi- ehemaligen sowjetischen Kriegsgefange-
Unglück verhindert worden, weil die gungen. Bei Historikern ist die Frage der nen befassen, die Entschädigung von je
Molotow-Cocktails die Fenster nicht Entschädigung von Militärinternierten 15000 Euro verlangen und sich dabei
durchbrachen und so das Innere des Hau- umstritten. Während z.B. der Berliner stützen auf eine Expertise von Pavel Po-
ses nicht in Brand gesetzt wurde, sagte Jurist Christian Tomuschat vertritt, die lian. Der russische Professor führt als
der Sprecher. Die Moschee befindet sich Militärinternierten hätten bis zum Ende Beleg für die Bedingungen der Gefan-
im Erdgeschoss des Hauses neben einem des Krieges ihren Status als Kriegsgefan- genschaft die Sterblichkeitsrate von 57
türkischen Lebensmittelgeschäft. gene nicht verloren, sehen die Historiker Prozent an. Quelle: FR 14.11. ■

: antifaschistische nachrichten 25-2002 5


Ins Wespennest gestochen?–-
Neonazis wüten gegen die
Kampagne „Thor muss weg“.
Neonazi-Angriff
25 Neonazis griffen Infoveranstal-
tung in der Dresdner Neustadt an. in Dresden
Am Abend des 20. November fand im und Engagierte der Kampagne gegen ren günstigen Umständen und schnellem
„Herbert-Wehner-Bildungswerk“ auf der den Neonaziklub aufhielten. Handeln der VeranstalterInnen ist es zu
Kamenzer Straße 12 die erste Infoveran- Nur weil die Organisatoren kurz vor verdanken, dass die Neonazis nieman-
staltung im Rahmen der Kampagne dem Eintreffen der bewaffneten Neona- den verletzen konnten. Es kann nicht
„Thor muss weg“ statt. Thema war unter zis gewarnt wurden, gelang es noch die sein, dass derartige Angriffe von Neona-
anderem die Organisation Dresdner Ne- Haustür von innen zu verschließen und zis geduldet werden.
onazis innerhalb der bundesweiten sich dahinter zu retten. Die Angreifer Wir fordern die Schließung des Neo-
„Freien Kameradschafts“-Strukturen. rüttelten an der Tür und versuchten ein- naziklubs „Thor“ und aller weiteren
Die Kampagne „Thor muss weg“ zudringen. Dann zogen sich alle, bis auf Neonazilocations! Tina Sommer –
richtet sich gegen den Neonaziklub S. Hagendorf, zurück und kamen 5 Mi- Vertreterin der Kampagne ■
„Thor“ in Dresden-Übigau. Das „Thor“ nuten später erneut. In dem Moment traf
ist seit Mai dieses Jahres Treffpunkt der (glücklicherweise) die Polizei ein. Sie Die UnterstützerInnen der Kampagne „Thor
organisierten Dresdner und regionalen sprach den Neonazis schließlich einen muss weg“: Jusos Sachsen, SJD Die Falken -
Neonaziszene. Das Haus, das von den so Platzverweis aus, durchsuchte die teil- Landesverband Sachsen, Naturfreundejugend
genannten „Freien Kräften Dresden“ be- weise bewaffneten Neonazis aber nicht. Sachsen, AMAL Sachsen - Hilfe fuer Betroffene
rechter Gewalt, PDS Jugend Sachsen, Falken
trieben wird, ist Sammelpunkt für Neo- Die Neonazis verließen 18.30 Uhr den Dresden, Jusos Dresden, Terminal Dresden, Eco-
nazis und trägt zur Verfestigung von na- Ort in Richtung Luisenstraße. Dort defense Dresden, Klub RM 16, Partizan Dres-
tionalsozialistischer und rassistischer machten sie erneut Jagd auf drei Men- den, S.A.R.G. Dresden, Kellercore 2, Schwarz-
Ideologie bei. Hier werden nicht nur schen, die sich in einen Hauseingang Rot Garage, AntifaRechercheTeam (ART) Dres-
den, AZ Conni e.V., Buchladen „Koenig Kurt“,
Neonazikonzerte durchgeführt, sondern flüchten konnten. Kurze Zeit später war BUNTschuh - linke Studigruppe, Auslaenderrat
auch Übergriffe geplant und ausgeführt. die Gruppe wieder im „Klub Thor“. Dresden e.V., Antifa Dresden, Murks e.V., Roter
Die Kampagne will an den gesell- Gefährlichkeit der Neonazis
Baum e.V., ColoRadio, Die Roten Bergsteiger,
schaftlichen Protest gegen Neonaziauf- JuLi - Junge Linke in und bei der PDS Dresden,
bestätigt sich erneut Ultras Dynamo, Spot off! - Initiative gegen Vi-
märsche der letzten Jahre (z.B. „Dresden deoueberwachung, Ostsachseninfos Goerlitz,
gegen Rechts“) anknüpfen und nun die Mit ihrem martialischem Auftreten und Fischladen e.V. - Fanladen des Roten Stern Leip-
Orte problematisieren, an denen Neona- Agieren aus dem „Klub Thor“ heraus zig, Friedensweg Leipzig e.V., VL Leipzig e.V.,
ARTOS - antifaschistisches Rechercheteam Ost-
zis sich organisieren. Einen Neonazi- bestaetigen die Neonazis einmal mehr sachsen, Antifaschistische Aktion 13 Pirna, anti-
klub, wie das „Thor“, hat es in Dresden die gegen diesen „Klub“ geäußerten ,Be- farecherchegruppe Hoyerswerda - ARGH, Mat-
bis Anfang dieses Jahres noch nicht ge- denken‘. Die Infoveranstaltung konnte thias Gaertner (Mitglied des Landtags Sachsen-
geben. trotz der Einschüchterungsversuche der Anhalt), Blackhead Security Ltd. (Jersey/GB,
Dresden, Leipzig)
Organisierter Angriff hatte glück- Neonazis durchgeführt werden. Nicht
licher Weise wenig Erfolg zuletzt dadurch, dass die Polizei wäh- Weitere Informationen zur Kampagne
rend der ganzen Veranstaltung mit einem @ http://www.thormussweg.de
Kurz vor Beginn der Infoveranstaltung Streifenwagen vor der Tür stand. Mehre- Rückfragen an info@thormussweg.de ■
(18 Uhr) traf der bekannte Neonazi-Ka-
der Sven Hagendorf am Eingang des
„Wehner-Bildungswerks“ ein. Er ist ei- Dresdner Naziklub „Thor“ hetzt online
ner der Mieter des „Klub Thor“ und be-
kannt als „Anti-Antifa“-Aktivist. Er Seit einiger Zeit bietet der Dresdner Naziklub „Thor“ auch im Internet seine rechtsextremistischen
Ausflüsse dar. Noch während der ,Erstellungsphase‘ wurde die dürftige Site online geschaltet,
filmt als solcher Menschen, die sich am
mittelbar im zeitlichen Zusammenhang um den Nazi-Angriff am 20. November auf eine Informa-
gesellschaftlichen Widerstand (wie z.B tionsveranstaltung der Dresdner Kampagne „Thor muss weg“. Wenn bürgerliche Medien verniedli-
am 1. Mai in Dresden) gegen Neonazis chend vom „vermeintlichen“ rechtsextremen Jugendklub schreiben und gleichzeitig unwiderspro-
beteiligen. 2002 wollte er als Direktkan- chen den Nazi-Kader Ronny Thomas zu Wort kommen lassen („Im Thor machen wir nationale Ju-
didat der NPD in den Bundestag, er- gendarbeit.“ ... „Wir wollen Jugendlichen helfen, sich zu entfalten.“), so spricht der Internet-Auftritt
reichte aber die nötige Anzahl von 200 des „KLUB THOR. der nationale jugendclub in dresden“ eine eindeutig deutliche Sprache. Die Site
Unterschriften nicht. des „Thor“ ist dementsprechend auch zu einschlägig bekannten regionalen und überregionalen
Wegen vorangegangener Drohungen Nazi-Sites verlinkt. Ein so genanntes „Demometer des nationalen Widerstandes“, Hinweise und In-
formationen zu Nazi-Aufmärschen, ist logischerweise ebenso zu finden.
von Seiten der Neonazis behielten wir Auf der „Thor“-Site wird im rechtsextrem üblichen Slogan „die Kumpanei zwischen Staat und kri-
den „Klub Thor“ an diesem Abend „im minellen Antifabanden“ entsprechend thematisiert. Linke Dresdner Initiativen und Gruppen werden
Auge“. So konnten wir beobachten, wie beschimpft und diffamiert. Ergänzend dazu wurde mittlerweile bekannt, dass verschiedene Grup-
kurz nach einem Telefonat von Sven Ha- pen aus dem Unterstützerkreis der Dresdner Kampagne gegen das „Thor“ seit einiger Zeit aus der
gendorf vier vollbesetzte Autos in Rich- rechtsextremen Szene heraus bedroht werden. Darüber hinaus zielt der Internet-Auftritt der Dresd-
tung Dresdner-Neustadt vom „Klub ner Neonazis gegen einen sächsischen PDS-Landtagsabgeordneten, dessen Bürgerbüroanschrift,
Thor“ losfuhren. Zu diesem Zeitpunkt sowie Telefonerreichbarkeiten, explizit aufgeführt werden. Dem Abgeordneten werden im Nazi-
Slang „keinerlei Berührungsängste mit kriminellen und gewaltätigen Gruppierungen“ (Fehler im
verständigten wir erstmalig die Polizei.
Original) attestiert.
Nachdem Sven Hagendorf 15 Minuten Das demnächst geplante ,Torwandschießen‘ mit anschließendem ,antifaschistischen Fußballtur-
später vor der Tür stand, kam eine Grup- nier‘ am 7.12. in Dresden-Übigau scheint die Nazis derart zu beunruhigen, dass sie für diesen Tag
pe von zirka 25 Neonazis aus Richtung ihre Anlieger vor „Chaoten und Gewalttouristen“ glauben warnen zu müssen. „Wir werden an
Martin-Luther-Platz. Als sie in die Ka- diesem Tag einen Rechtsanwalt vor Ort haben, um mögliche Störungen oder Übergriffe schnellst-
menzer Straße einbogen, zogen sich die möglich zur Anzeige zu bringen. Sollten Sie bedroht, beleidigt oder angegriffen werden, so ste-
Neonazis demonstrativ Handschuhe an hen wir Ihnen mit unserem Rechtsanwalt gerne zur Verfügung. Für diesen Tag ist ein Infotelefon un-
und vermummten sich mit Kapuzen und ter 0175-1434857 geschalten.“, lassen diese deutschen Täter ihren Opfer-Text enden. Das Co-
pyright für den „Thor“-Webauftritt liegt übrigens beim „Heimatschutz Netzwerk Sachsen“.
Schals. So stürmten sie auf den Eingang ART Dresden, http://venceremos.antifa.net ■
zu, vor dem sich einige BesucherInnen

6 : antifaschistische nachrichten 25-2002


Der alternde Monarch hatte
drei Töchter. Die erste hatte Front National
er verstoßen, denn sie lebte
mit einem Verräter zusammen und
hatte ihren alten Vater schmählich im
vor dem
Stich gelassen. Die anderen beiden
lebten mit dem Chef in einem reichen
Generationswechsel ?
Schloß zusammen. Die zweite war Herrn Papa für sie gegründete – Rechts- sierte eine Bombe das damalige Wohn-
schüchtern und trat wenig in der Öf- abteilung der Partei übernahm, erwies haus der Familie Le Pen im 15. Pariser
fentlichkeit in Erscheinung. Allerdings sich als schlagfertige Debattenrednerin Bezirk ab. Das war am 1. November
hatte sie dem Chef einen Schwieger- und beste Verteidigerin ihres Herrn 1976. Die genauen Hintergründe sind
sohn geschenkt, der zuerst alle Hoff- Papa. Im übrigen kann die blonde Jung- bis heute nicht aufgeklärt. Manche Be-
nungen des Alten - der bis dahin öf- politikerin eine gewisse Attraktivität obachter tippen auf Neider wegen der
fentlich bedauert hatte, keinen Sohn vorweisen. Auch wenn sie diese mit der fetten Erbschaft von Hubert Lambert
als Nachfolger zu haben - zu erfüllen Statur des Vaters kombiniert, also eine (siehe oben), andere eher auf inner-fa-
schien. Allerdings wollte er zu schnell Art germanischer Donnerwalküre, aber schistische Streitigkeiten, die auf hand-
zu hoch hinaus, deswegen wurde in der bretonischen Ausgabe. feste Art geregelt werden sollten. Die bis
ihm durch die Umgebung des Monar- Daher ist Jean-Marie Le Pen derzeit heute durch Le Pen (gerade auch die
chen kräftig auf die Finger geklopft. allem Anschein nach dabei, die bisher Tochter) verfochtene These, es habe sich
Die dritte aber war das Wunderkind. ausgesprochen heikle Frage seiner um ein „linksterroristisches Attentat“
Als das Volk diese jüngste Prinzessin Nachfolge an der Spitze des FN zu re- gehandelt, ist nicht plausibel – denn der
am Hof des Monarchen entdeckt hat- geln. Bruno Mégret war seinerseits aus FN-Chef hatte damals nur geringe politi-
te, war es hin und weg. Und wenn sie der Partei geflogen, weil er in dieser sche Bedeutung. Auf jeden Fall aber hat
nicht gestorben sind, dann hat sie die durch das subjektive Erleb-
Nachfolge des Alten angetreten. nis einer solchen Feindselig-
keit, der sie wegen ihres
Es klingt wie eine schöne Geschichte, prominenten Vaters ausge-
aber es ist bitterer Ernst. Die älteste setzt seien, bei allen Töch-
Tochter von Jean-Marie Le Pen, Marie- tern des FN-Chefs – be-
Caroline (Jahrgang 1960), wurde von sonders aber bei Marine Le
ihm im Dezember 1998 im Fernsehen Pen - eine besondere Identi-
live verstoßen. Denn sie war anlässlich fikation mit der ideologi-
der Parteispaltung ihrem Ehemann Phi- schen „Sache“ des rechtsex-
lippe Olivier, damals „rechte Hand“ des tremen Chefs eingesetzt. Im
Herausforderers Bruno Mégret, gefolgt. Übrigen wurden selbst jene
Sie hatte bis dahin als politische Aufstei- Familienmitglieder, die dem
gerin innerhalb des französischen Neo- heimischen politischen Mi-
faschismus gegolten. Die anderen bei- lieu vorübergehend zu ent-
den Töchter, Yann und Marine, leben bei Le Pen im Kreise seiner Töchter weichen suchten, dauernd dar-
ihrem Vater auf dem quasi-fürstlichen auf zurückgeworfen. Yann Le
Anwesen im Pariser Nobelvorort Saint- Frage zu sehr gedrängelt hatte. Doch Pen behauptet (vgl. „Le Monde“ vom
Cloud: dem „Schloss“ Montretout, das jetzt zeichnet sich eine Nachfolgerin ab, 29.11.02), als sie mit 18 Jahren beim
Le Pen 1976 von einem geistig umnach- die dem alternden Chef – Le Pen wird Club Méditerannée angestellt gewesen
teten Anhänger – Hubert Lambert, ei- im Juni kommenden Jahres 75 – umso sei, habe man ihr ständig den Hitlergruß
nem Monarchisten und Großbürgersöhn- genehmer ist, als sie auf den Familien- gezeigt, bis sie davongelaufen sei. Alle
chen, das sich seiner Lebensuntüchtig- namen Le Pen hört. Mégret hatte das drei Le Pen-Töchter sind mit rechtsex-
keit durch ein ideologisches Delirium dereinst als die „monegassische Verir- tremen Aktivisten verheiratet - die jüng-
entzogen hatte – erbte. rung“ bezeichnet, unter Anspielung auf ste Tochter Marine wird im Dezember
Yann (Jahrgang 1963) Le Pen ist den Fürstenclan von Monaco. 2002 einen der jungen Aufsteiger beim
zwar FN-Beauftragte für die Großde- Allerdings ist Marine Le Pen – sie FN, Eric Iorio, ein Parteimitglied von
monstrationen der Partei. Doch aufgrund wurde auf dem Kongress von Strasbourg Jugendbeinen an, in zweiter Hochzeit
ihres schüchternen Charakters und ihrer Ende März/ Anfang April 1997, durch ehelichen.
eher geringen politischen Fähigkeiten autoritäre Entscheidung des Chefs ins Marine Le Pen, das „moderne und
tritt sie kaum nach außen hin in Erschei- Politische Büro (das höchste Führungs- sympathische“ Gesicht des FN?
nung. Ihr Ehemann Samuel Maréchal gremium der Partei) aufgenommen –
kam 1995 als Chef der Jugendorganisa- nicht nur Familienmitglied, sondern eine Die 34jährige Anwältin, die seit 1998
tion FNJ zunächst ganz groß heraus, echte politische Überzeugungstäterin. die Rechtsabteilung des FN leitet und
doch 1999 wurde er durch die Führungs- Wie die anderen beiden Le Pen-Töchter bereits kurz danach innerparteilich die
kader der Partei wegen ideologischer auch war sie in einer als feindselig er- Scharfmacherin bei der „Säuberung“
Abweichung – er hatte zu sehr auf „Mä- lebten Umgebung aufgewachsen – denn von Mégret-Anhängern spielte, soll der
ßigung“ des Images gesetzt – kalt ge- während ihrer frühen Jugend und Pur- Partei ein neues, attraktiveres Gesicht
stellt. bertät sprach man in der Schule häufig nach außen hin geben. Tatsächlich haben
Blieb die letzte Tochter: Marine Le von den Schandtaten des Vaters, denn ausnahmslose alle landesweit erschei-
Pen (Jahrgang 1968). Sie war, für viele 1984 wurde (parallel zum ersten wahl- nenden Zeitungen und Zeitschriften ihr
in der Partei, die große Entdeckung der politischen Durchbruch des FN) dessen in den letzten 6 bis 8 Wochen ganz- oder
Fernsehbilder während des (für viele Foltervergangenheit in Algerien öffent- mehrseitige Beiträge gewidmet. Beglei-
überraschend kommenden) Wahltri- lich. Marine Le Pen ist sogar in beson- tet wurde diese Medienpräsenz durch
umphs von Jean-Marie Le Pen am 21. derer Weise von einem Kindheitserleb- viel beachtete Fernsehauftritte. In einem
April. Die 1992 vereidigte Anwältin, die nis im Zusammenhang mit ihrem Vater Interview mit der Boulevardzeitung „Le
im Jahr 1998 die – eigens durch den geprägt: Als sie acht Jahre alt war, ra- Parisien“ vom 30. September 02 strich

: antifaschistische nachrichten 25-2002 7


sie klar heraus, worin ihre Rolle künftig
bestehen wird: „(Vor der Präsident-
schaftswahl) hat es uns an Vermittlern in
Widerständler waren sie nie
der öffentlichen Meinung gemangelt, wir
Der Bertelsmann-Verlag in den Jahren des Faschismus
wiesen eine Glaubwürdigkeitslücke auf,
und es herrschten auch einige Zweideu- Am 7. Oktober präsentierte in hörte, die theologische Literatur in den
tigkeiten, die wir nicht aufheben konn- München die Unabhängige zugekauften Rufer-Verlag ausgliedern. So
ten. (...) Wir wollen unsere Kader ergän- Kommission zur Erforschung konnte Bertelsmann nun die Schriften
zen, da wir uns nunmehr in einer Kultur der Geschichte des Bertelsmann-Ver- verlegen, die der Wehrmacht entgegen ka-
des Aufstiegs an der Macht situieren. Der lages in den Jahren 1933 bis 1945 das men: Kriegsbücher und die sogenannten
FN, der sich in einem Wandlungsprozess Ergebnis ihrer Recherchen. Zwei di- „Feldausgaben“ von Unterhaltungs-,
befindet, versetzt sich in die Lage, mor- cke Bände liegen vor. „Der morali- Abenteuer- und Heimatromanen. Selbst
gen Frankreich zu führen.“ sche Befund ist trübe“, befindet die antisemitische Texte, die den NS-
Als Marine Le Pen im Juli die Füh- Neue Zürcher Zeitung, meint aber zu- Kampfsschriften in nichts nachstanden,
rung der 1998 durch Samuel Maréchal gleich: „dennoch kann der Weltkon- wurden von Bertelsmann publiziert. Vier
geschaffenen Satellitenorganisation für zern insgesamt zufrieden sein“. Punkte sind es, durch die der mittelständi-
die jüngeren Generationen, „Générations sche C. Bertelsmann Verlag zum Partner
Le Pen“, übernahm, deutete sie gegenü- Die Kommission, eingesetzt vom zu Mit- und Massenproduzenten der faschisti-
ber der Presse ein paar programmatische te des Jahres geschassten Vorstandsvorsit- schen Wehrmacht aufstieg: Höchstmaß an
Wandlungen an. In der Abtreibungsfrage zenden Thomas Middelhoff, hat mehr als Anpassung, weltanschauliche Affinität,
sei die Position der Partei zu modernisie- 50 Archive in der Bundesrepublik und an- Flexibilität und Leistungsbereitschaft.
ren, kündigte Marine Le Pen – selbst Dennoch ereilte
Mutter dreier kleiner Kinder und ge- den Verlag im Ok-
schieden–- an, und auch in der Frage der tober 1944 das Ver-
Europäischen Union seien Anpassungen bot, Neuerscheinun-
notwendig. Dabei scheint sie die Unter- gen herauszugeben.
stützung ihres Vaters zu genießen. Den Anlass dafür gab
Allerdings beschränken die angekün- ein Korruptionspro-
digten Wandlungen sich auf Detailkor- zess, in den seine lei-
rekturen. So besteht ihre Position zum tenden Mitarbeiter
Schwangerschaftsabbruch darin, dass verwickelt waren. Die
eine gezielte Förderung der Mutterschaft alten Buchtitel durften
französischer Frauen – an Immigrantin- jedoch weiter ausge-
nen ist offenkundig nicht gedacht – liefert werden, die
weitaus effektiver sei, um dasselbe Ziel Druckerei wie die
zu erreichen, als eine Kriminalisierung Buchbinderei arbeite-
von Abbrüchen. Das Ziel bleibt bestehen, ten ebenfalls ohne
nämlich eine Förderung französischer Einschränkungen wei-
Geburten, um die Einwanderungsbevöl- Lesestoff für die Wehrmacht, wie er ter.
kerung (durch einen gelungenen Genera- auch aus dem Bertelsmann-Verlag kam Mit den vorgelegten Fakten der Histori-
tionenaustausch) „überflüssig“ zu ma- kerkommission ist die Legende vom
chen, jedenfalls auf dem Arbeitsmarkt. deren Ländern Europas aufgesucht sowie „Widerstandsverlag“, der subversive Bü-
Zur Frage der Einwanderungspolitik Gespräche mit Zeitzeugen geführt. Gelei- cher veröffentlicht habe und deswegen
selbst, das zeigte ihr bisher bedeutendster tet von dem bekannten amerikanischen von den Nazis mit einem Verbot belegt
Fernsehauftritt bei der RTL-Politikerjury Holocaustforscher Saul Friedländer, kam worden sei, endgültig passé.
am 27. Oktober 02, nimmt Marine Le sie zur Ansicht, dass der damalige Fir- Zu zwei weiteren Fragen stellte die
Pen mindestens so harte Positionen ein menchef Heinrich Mohn, in der NS-Zeit Kommission fest: Am Standort Gütersloh
wie ihr Vater. Und sie vermag sie biswei- zwar aus überwiegend taktischen Grün- wurden keine Zwangsarbeiter beschäftigt
len, als schlagfertige ehemalige Anwäl- den dem Kreis der „Fördernden Mitglie- und der Aufstieg zum Weltkonzern beruht
tin, geschickter zu begründen. So hatte der der SS“ angehörte, sein Mitmachen nicht auf „Nazi-Geld“.
sie auf die Frage, warum der FN für die sich aber weitgehend auf die Zahlung der Als die Familie Mohn 1946 für ihren
Beibehaltung der diskriminierenden Mitgliedsbeiträge beschränkte. Sein Sohn Verlag von den britischen Besatzern die
„Doppelbestrafung“ für Immigranten – und Nachfolger Reinhard war, wie seine Lizenz erhielt, war dieser, so hieß es auf
Gefängnisstrafe (wie für jeden Franzo- Geschwister, wohl Mitglied der Hitler-Ju- der Pressekonferenz in München, „öko-
sen) plus, nach deren Verbüßung, zusätz- gend, ist aber nie der NSDAP beigetreten. nomisch nicht so gut aufgestellt gewesen,
lich die Abschiebung – eintrete, während Die Mohns waren, wie viele damals, op- wie man es nach den Kriegsgewinnen hät-
selbst ein Teil der Konservativen derzeit portunistische Mitläufer der Nazis. te erwarten können“. Erst der Bertels-
kritisch darüber nachdenkt, prompt die Anders das Bild vom Firmenchef Hein- mann-Buch-Club, Anfang der fünfziger
Antwort parat. Denn die betreffenden rich Mohn. Wenn es ums Geschäft ging, Jahre gegründet, habe die Erfolgsge-
Einwanderer würden „schließlich auch dann war von seiner Distanz zum Nazi- schichte eingeleitet.
zwei Gesetze verletzen“, im Gegensatz Regime nichts mehr vorhanden. So wurde Ob der vorgelegte Untersuchungsbe-
zu den gewissermaßen normal bestraften der Verlag C. Bertelsmann im zweiten richt am Image wie Marktstellung des C.
Franzosen: „Das Gesetz der Republik Weltkrieg zum größten Buchproduzenten Bertelsmann Verlages, der heute als welt-
und das Gesetz der Gastfreundschaft“. der Wehrmacht, er überflügelte sogar den weites Unternehmen Random House
Das ist zwar juristisch völlig unhaltbar. parteiamtlichen Eher-Verlag. heißt, Kratzer hinterlässt, wird die Zu-
Aber es kommt bei einem bestimmten Von 1935 bis 1943 konnte die kleine, kunft zeigen. Sicher jedoch ist: Wider-
Publikum gut an, das so seine Ressenti- bis dahin hauptsächlich theologische Lite- ständler waren die „Bertelsmänner“ aus
ments mit intelligent klingenden Worten ratur verlegende Firma, ihren Umsatz ver- Gütersloh in den braunen Jahren nie.
bestätigt fühlt. zwanzigfachen. Dafür musste Heinrich
Bernhard Schmid, Paris ■ Mohn, der der Bekennenden Kirche ange- Karl-H. Walloch, Leipzigs Neue ■

8 : antifaschistische nachrichten 25-2002


ATTAC-Kundgebung dulde- Frankreich:
te Rechtsextremisten mit
Transparent des „Nationa- Die Neofaschisten und
len Widerstandes“
der drohende Irakkrieg
München. Zu einer Kundgebung ge-
gen „Bushs Krieg gegen den Irak“ hat- Adolf Hitler war ein Waisenknabe, Pen fremd. (Während des laufenden Golf-
te die Münchner Regionalgruppe von lehren uns die aktuellen Gescheh- kriegs unter US-Führung 1991–- den Le
ATTAC für den 21.11. auf den Ge- nisse – folgt man jedenfalls dem Pen ablehnte – fand eine Großveranstal-
schwister-Scholl-Platz gerufen. Unter Studiogast. Denn „der wahre Grund, der tung des FN unter dem Titel „Ruhm der
den 200 Teilnehmern waren auch zirka vielleicht zum Krieg führen wird (...) ist französischen Armee !“ statt, auf welcher
20 Neonazis mit einem Transparent der Wille der Vereinigten Staaten, sich des der neofaschistische Politiker seine strate-
des „Nationalen Widerstandes“ gegen Öls im Mittleren Osten zu bemächtigen.“ gischen Gründe erläuterte.) Sondern aus
den US-Imperialismus. Angeführt Auf diese Ausführungen hin, denen man tatsächlicher Sympathie für die irakische
wurden sie von Martin Wiese, der vor im Prinzip durchaus noch folgen kann, Diktatur heraus. Das unterscheidet die Po-
zwei Jahren an einem brutalen Über- fährt der Redner fort: „Zuerst des Öls im sition des FN von jener linker oder pazi-
fall auf einen Griechen beteiligt war Irak und dann jenes der Arabischen Halb- fistischer Demonstranten von damals und
und seit Wochen Kundgebungen gegen insel, um ihren politischen Willen, ihren heute. Allerdings hatte Le Pen seine Posi-
die Ausstellung „Vernichtungskrieg Imperialismus der gesamten Welt aufzu- tion zu Jahresanfang 1991 benutzt, um
der Wehrmacht“ in München veran- zwingen. Wenn Hitler nur ein Viertel da- gründlich politische Verwirrung zu stiften.
staltet. Während gegen diese allwö- von getan hätte, wäre er auf die Anklage- Als der damalige Golfkrieg ausbrach,
chentlichen Naziprovokationen zu- bank des Weltgewissens (conscience uni- klebten seine Anhänger überall Plakate
mindest einige hundert Antifaschisten verselle) gezerrt worden; und alle Welt mit Bezugnahme auf den (real Krieg füh-
aktiv wurden, konnten dieselben Neo- renden) sozial-
nazis diesmal an einer linken Anti- demokratischen
kriegskundgebung teilnehmen. Nur Staatspräsiden-
eine Handvoll Kundgebungsteilneh- ten: „Mitterrand,
mer versuchte, sie mit Rufen zu ver- der Krieg – Le
treiben oder ihr Transparent zu verde- Pen, der Frie-
cken. den“. Das kann
Von Seiten der Veranstalter folgte zwar als
lediglich eine kurze Distanzierung von schlechter Witz
den Neonazis, die von da an mitde- erscheinen, hat
monstrieren durften. Eine Kundge- Le Pen doch sei-
bungsrednerin rief sogar dazu auf, die nen frühesten
Nazis unbehelligt zu lassen. Die Poli- politischen
zei konnte so die wenigen Antifaschis- „Ruhm“ erwor-
ten, die gegen die Nazis vorgehen ben, als er eigen-
wollten, mit dem Argument bedrohen, händig (1957)
sie würden die Antikriegskundgebung im Algerienkrieg
stören. folterte. Um po-
Ohne mit einem Wort auf die Nazi- litische Verwir-
beteiligung an der ATTAC-Kundge- scheint die Idee wie selbstverständlich rung zu stifen, erscheint das Mittel jedoch
bung einzugehen, rief ein Redner der hinzunehmen.“ nicht schlecht...
Gruppe Linksruck dazu auf, am 30. Das ist Jean-Marie Le Pen, wie er leibt Eine SOFRES-Umfrage, die am 6. Okt-
November einen Sternmarsch von und lebt: Nie um ein geschmackloses ober 1990 durch die Pariser Abendzeitung
Neonazis durch München zu verhin- Wortspiel oder einen die Geschichte relati- ,Le Monde‘ veröffentlicht wurde, zeigt
dern. Während sie sich mit ihren vierenden, gar Hitler rechtfertigenden Ver- auch die möglichen Beweggründe der
Springerstiefeln ausgerechnet auf ei- gleich verlegen. Dass Hitler einiges mehr Stellungnahme des FN-Chefs auf. Ein
nem vor der Universität in den Boden als „ein Viertel“ der aktuellen Gewaltpoli- Drittel der Befragten gaben damals an, Le
eingelassenen Mahnmal für die antifa- tik der US-Administration Bush zu verant- Pen beziehe die pro-irakische Position,
schistische Widerstandsgruppe Weiße worten hat, und dass sein Regime seit lan- „um sich von allen anderen Politikern ab-
Rose postiert hatten, konnten die Nazis gem vom „Weltgewissen“ verurteilt wor- zuheben“. Tatsächlich dürfte hier ein
nahezu ungestört die Verbrechen der den ist, damit braucht man ihm nicht zu Hauptgrund liegen: Alle großen Parteien
Hitlerwehrmacht leugnen. kommen. (mit Ausnahme der KP und, natürlich, der
Einige anarchistische und trotzkisti- Der Chef des französischen Front Na- radikalen Linken) waren damals für den
sche Gruppen hatten schon im Vorfeld tional hatte sich im Rahmen eines Ge- Aufmarsch der imperialistischen Streit-
den Aufruftext der ATTAC-Kundge- sprächs mit dem Kabelsender LCI (La macht am Golf, unter Führung von Geor-
bung kritisiert, da die deutsche Kriegs- chaîne info) geäußert, das am 14. Novem- ge Bush dem Vater. Und nach dem Ende
beteiligung auf dem Balkan und in Af- ber 02 ausgestrahlt wurde. Hinzugefügt des Kalten Krieges, ein Jahr nach dem
ghanistan hier einfach ignoriert wurde. sei, dass, abgesehen vom Hitler-Vergleich, Mauerfall, konnte der Neofaschismus sich
Zudem zitierte der Aufruf den ehema- der Rest seiner Ausführungen klassische so eine eigenständige politische Identität
ligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafon- Positionen des FN darstellen. Die rechts- unabhängig von den (US-freundlichen)
taine, der eine Sperrung des deutschen extreme Partei hatte bereits anlässlich der Konservativen geben - denn der Antikom-
Luftraums für US-Kampfflugzeuge Kuwait-Krise und des nachfolgenden munismus war als alleinige Basis einer
mit dem Argument forderte, Deutsch- Golfkriegs 1990/91 Partei für den Irak er- internationalen Orientierung kaum mehr
land müsse sich gegenüber den USA griffen. Allerdings nicht aus friedenspoliti- tragfähig. 25 Prozent der Befragten sahen
seine Souveränität erkämpfen. schen Gründen oder aus einem Prinzip der Le Pens Antisemitismus und sein Verhält-
Nick Brauns ■ Kriegsgegnerschaft heraus, so etwas ist Le nis zu Israel als Motiv an. Daran mag

: antifaschistische nachrichten 25-2002 9


auch etwas dran sein, allerdings muss heraus, dass die rechtsextreme Wähler- einzusickern, hat allerdings die intellek-
diese Aussage nuanciert werden: Bis schaft jene war, die damals die meisten tuelle „Neue Rechte“, oder was davon
Ende der 80er Jahre, und seit den Koloni- Anhänger eines „präventiven“ Militär- übrig geblieben ist. Am 12. Oktober 02
alkriegen der Fünfziger - damals war Is- schlags gegen den Irak aufwies: 31 Pro- erschien in der Pariser Abendzeitung ,Le
rael (gegen Algerien und Ägypten) mit zent im Fall eines einseitigen Vorgehen Monde‘ eine bezahlte Anzeige unter der
Frankreich verbündet gewesen – war Le George W. Bushs, 45 Prozent im Fall ei- Überschrift: „Für ein Veto Frankreichs
Pen klar pro-israelisch gewesen. Aber ner Absegnung durch den UN-Sicher- gegen einen Krieg im Irak“. Der Text ist
seine Ausladung aus Israel im Herbst heitsrat. (Zu jenem Zeitpunkt lehnten moderat formuliert und eher allgemein
1987, nachdem er sich im französischen über 75 Prozent der Befragten die Per- gehalten, wenngleich der „Wille der
Fernsehen ein bisschen zu lautstark zu spektive eines erneuten Golfkriegs ab.) USA zur Hegemonie“ kritisiert und - na-
den Thesen der Auschwitzleugner be- Bereits während der Kuwait-Krise und türlich – ein Angriff auf den Irak abge-
kannt hatte – Stichwort „die Detail-Affä- im Vorfeld des Zweiten Golfkriegs, lehnt wird. Gefordert wird, dass Frank-
re“ – hatte zu einem Umschwung seiner 1990/91, war die Mehrheit der FN-Wäh- reich, als ständiges Mitglied im UN-Si-
Position geführt. 15 Prozent der Befrag- lerschaft nicht unbedingt auf Seiten der cherheitsrat mit einem Vetorecht ausge-
ten wiederum meinten, Le Pen unterstüt- Position Le Pens gestanden. Nur 48 Pro- stattet, dieses dort ausüben solle. (Was
ze deswegen den irakischen Präsidenten, zent der Le Pen-Wähler bei der Präsi- bekanntlich in der Folgezeit – nach eini-
weil er Bündnisse mit arabischen Herr- dentschaftswahl 1988 waren bei der vor- gem diplomatischem Gefeilsche zwi-
schern suche, um mit diesen über die Be- her zitierten Umfrage vom Oktober 1990 schen Paris und Washington – nicht ge-
grenzung (oder „Rückführung“) der ara- der Ansicht gewesen, der FN-Chef ver- schehen ist, als die US-Administration
bischstämmigen Immigration in den leicht abgeän-
Frankreich zu verhandeln. Auch derten Text der Re-
dies ist nicht völlig von der solution 1441 ein-
Hand zu weisen, allerdings hat brachte.) Der
der Irak fast keinen Einfluss auf Schlusssatz lautet:
die real in Frankreich lebenden „Frankreich muss
Immigranten – die vor allem aus daran wirken, eine
Marokko, Algerien und Tune- friedliche und end-
sien stammen. Aber als ideologi- gültige Lösung für
sche Konzeption mag Le Pen die Krise zu finden.“
diese Vorstellung gehegt haben. Das ist zwar naiv
FN-Vertreter im Irak gegenüber einer im-
perialistischen Groß-
Jean-Marie Le Pen hat (ähnlich macht und ihren
wie jüngst Jörg Haider) den ira- Interessen – Frank-
kischen Präsidenten Saddam reich betreibt bspw.
Hussein zwei Mal persönlich be- noch immer eine
sucht. Nämlich im November Neokolonialpolitik in
1990 – auf dem Höhepunkt der Afrika –, aber durch-
damaligen Golfkrise durfte er aus nicht extrem in
damals die letzten französischen der Aussage. Interes-
Geiseln im Irak mitnehmen, eine santer ist unterdessen
Geste des Diktators, um Le Pen die Unterschriftenlis-
Popularität zu verschaffen – und te. Finden sich dort
im Mai 1996. In den letzten Wochen trete mit seiner Position zum Irak „die doch ex-linke Patrioten, die über die
hielten sich ebenfalls mehrfach FN-Ver- nationalen Interessen Frankreichs“. Und Maastricht- und EU-Gegnerschaft die
treter im Irak auf, darunter Le Pens Mann als das „Figaro-Magazine“ im März 1997 Nation für sich entdeckt hatten - wie der
für Mittelstands- und Wirtschaftspolitik die FN-Sympathisanten – der Kongress national eingefärbte Ex-Kommunist Pier-
Jean-Michel Dubois und der Pariser Re- der Partei stand bevor – nach ihren Vor- re Lévy, der höchst wahrscheinlich die
gionalparlamentarier Farid Smahi, einer lieben für bestimme Länder fragte, äu- Petition initiiert hatte – neben dem pa-
der „Alibi-Araber“ der rassistischen Par- ßerten sich nur 14 Prozent zugunsten der triotischen General Pierre Gallois und....
tei. Die Ehefrau des FN-Chefs, Jany Le Irak. Dieser nahm den letzten Platz auf einem gewissen Alain de Benoist. Ja, ge-
Pen, ist Vorsitzende einer angeblich hu- einer Liste von zwei Dutzend Ländern nau dem Alain de Benoist: dem früheren
manitären Zwecken dienenden Vereini- ein. Eins allerdings dürfte feststehen: Papst der „Neuen Rechten“.
gung namens „SOS enfants d’Irak“ (SOS Dem FN wird es auch mit seinen aktuel- Weitere Folgen hatte das Unterschrif-
Kinder des Irak). In Wirklichkeit steckt len Positionen nicht gelingen, in die sich tenkartell allerdings bisher keine. Es
dahinter, glaubt man jedenfalls Le Pens (hoffentlich) formende Anti-Kriegs-Be- bleibt im Auge zu behalten, ob es weitere
Erzrivalen Bruno Mégret, aber auch dem wegung – die bisher in Frankreich frei- Versuche der neu-rechten Intellektuellen
in Paris ansässigen irakischen Oppositio- lich noch in ihren Anfängen steckt – ein- geben wird, die Kriegsfrage für sich zu
nellen Raid Fahmi von der KP des Lan- zudringen. Jedenfalls wird er nicht auf besetzen. Im Kosovo-Krieg 1999 hatten
des, eine Finanzierung des FN-Chefs den Straßen mitmarschieren. Die Polari- sie dies, mit einer vorgeblichen Anti-
durch das Regime Saddam Husseins. sierung zwischen Links und Rechts, die Kriegs-Zeitung namens „La grosse Ber-
Divergenzen zwischen Wählern und Abwehrhaltung gegenüber der neofa- the“ (Die dicke Berta, so hieß eine linke
Kadern des FN schistischen Partei ist zu stark dafür. Ein Zeitung von Kriegsgegnern während des
solcher Versuch wäre auch zu plump. Golfkriegs 1991) massiv versucht. Da-
Die Sache wird allerdings dadurch kom- Aus jeder seriösen Anti-Kriegs-Initiative mals hatte es eine rechte Offensive gege-
pliziert, dass die Wählerschaft der extre- würden FN-Vertreter, sobald sie als sol- ben, um Kriegsgegnerschaft und die Ver-
men Rechten eher kriegsfreundlich denn che erkannt wären, hochkant hinausflie- teidigung „gewachsener Nationen“ mit-
pro-irakisch eingestellt ist. Bei einer Um- gen. einander zu verkoppeln. Wachsamkeit
frage für die Sonntagszeitung JDD vom Mehr Erfolg beim Versuch, halbwegs wird jedenfalls nicht schaden können.
Sonntag, 11. August 2002 stellte sich unbemerkt in das Anti-Kriegs-Publikum Bernhard Schmid, Paris ■

10 : antifaschistische nachrichten 25-2002


Ortsverband der Schill-Partei in Mettmann
in der Hand militanter Neonazis!
„Wir wollen stolz darauf sein, er auf überregionalen „Kameradschafts- Von dem Hildener RechtsRock-Maga-
in Deutschland zu leben und treffen“ militanter Neonazigruppen an- zin „Rocknord“ (Nr. 80/81) nach ihrem
wir wollen es auch sagen dür- zutreffen, wurde später als Mitglied der Selbstverständnis und ihrer „Bandphilo-
fen“ bekundete der frisch gewählte NPD-Jugendorganisation „Junge Natio- sophie“ befragt, antworten Seegers und
NRW-Landesvorsitzende Dieter Mü- naldemokraten“ (JN) geführt und zählt sein Bandgefährte Björn Ferraro:
ckenberger (Düsseldorf) auf dem heute zum Spektrum der neonazisti- „Leben ist Krieg!“. Gegen wen sich
Gründungsparteitag des Landesver- schen „Freien Kameradschaften“, die ihr Krieg unter anderem richtet, lässt
bandes der Partei Rechtsstaatliche mit der „Kameradschaft Düsseldorf“ sich nach näherer Betrachtung ihrer er-
Offensive (Schill-Partei) am 27. Ok- eine der aktivsten Gruppen in NRW stel- sten CD „Manege frei für ESKIL“ nicht
tober 2002 in Werl/Westfalen. „Ich len. nur an den Liedtexten erraten: „Abge-
habe einen Traum, dass wir uns von mischt“ wurde diese,
unseren Plätzen erheben und uns die Abschrift des Liedtextes „Hast Meinst Du nicht, so heißt es dort, am
Hände reichen und gemeinsam das Du bereut“ der Band ESKIL von ihnen muss man entgegenstehen? „13.08.99-14.08.99
Lied anstimmen, welches uns alle ver- Dennis Seegers: (CD „Manege Bist Du innerlich schon ein Wrack? (am Tag als I.
bindet.“ frei für ESKIL). Merkst Du nicht, starb)“. Der
Fehler im Original. dass das System wieder mal, 13.8.1999 ist der
Wie viele derjenigen, die sich der Auf- wieder mal gewonnen hat? von Neonazis ge-
forderung folgend zum Absingen der 3. „Hast Du jemals bereut feierte Todestag des
ein ‚Nazi’ zu sein? Sie sind doch sowieso schon am
Strophe des „Liedes aller Deutschen“ er- Hast Du jemals bereut, bei uns Ende.
damaligen Vorsit-
hoben, viel lieber mit der 1. Strophe zu sein? wir sind doch sowieso schon am zenden des Zentral-
(„Von der Maas bis an die Memel ...“) Hast Du auch wie ich, Ziel. rats der Juden in
begonnen hätten, bleibt Spekulation. Zu die Gesellschaft so kennen Wenn Du uns glaubst, Deutschland, Ignatz
befürchten ist jedoch, dass es nicht we- gelernt? wenn Du uns vertraust. Bubis. Bei solcherlei
nige waren und dass dieses auf die Hast Du auch Ihre Intrigen, Wenn Du uns glaubst, Abkürzungsvorlie-
zwischenzeitlich 1.246 Personen (Stand: Ihre Intrigen bemerkt? können wir es schaffen. ben könnte man sich
18.11.02) starke Mitgliederschaft in im übrigen noch
Sagst Du Dir manchmal, Sie sind doch sowieso schon am
NRW übertragbar ist. es hat doch alles keinen Sinn Ende. weitere Gedanken
Solange nicht von außen eindeutige mehr? wir sind doch sowieso schon am machen, wenn auf
Bezüge von Schillianer/innen zur extre- Haben sie es schon bei Dir Ziel. der CD einem „Bas-
men Rechten aufgedeckt werden bzw. es geschafft, Wenn Du uns glaubst, tian R. für seine
keine/r der Jünger/innen von „Richter oder fällt es Dir nur schwer? wenn Du uns vertraust. Unterstützung der
Gnadenlos“ in der Öffentlichkeit durch An den Sieg zu glauben, Wenn Du uns glaubst, Band“ gedankt wird.
eindeutiges Auftreten übertreibt, besteht wie alles mal werden wird. können wir es schaffen. So fungiert als See-
Oder glaubst Du, Du bist im Recht,
selbst für Neonazis in der Partei kein weil Dich die Wahrheit stört? Wenn Du uns glaubst,
gers Stellvertreter im
Grund zur Besorgnis. In der Öffentlich- wenn Du uns vertraust. Schill-Ortsverband
keit übertrieben hatte es beispielsweise Glaubst Du wirklich, Problemen Wenn Du uns glaubst, Mettmann I ein ge-
der ehemalige CDU-Bundestagsabge- kann man aus dem Wege gehen? können wir es schaffen.“ wisser Bastian Ris-
ordnete und spätere Schill-Partei-Be- se. Ein Schelm, wer
zirksvorsitzende Düsseldorf, Frederick Böses dabei denkt ...
Schulze, der am 11.10. diesen Jahres bei Der „Kameradschaft Düsseldorf“ na- Petra Darius, Sprecherin der Antifa-
einer Wahlkampfveranstaltung in Kaarst hestehende Projekte finden sich auch im schistischen Aktion Düsseldorf: „Ange-
(Kreis Neuss) vor laufenden Kameras Kreis Mettmann („Siepensturm“, sichts derartiger ‚Ortsgruppenführer‘,
Demonstrant/innen zugerufen hatte, sie „Widerstand in Mettmann“ u.a.) und im aber auch angesichts der Parteiverlaut-
sollten sich lieber „Arbeit suchen“, denn Düsseldorfer Süden. Seegers ist zudem barungen und der Reden von Schill und
„Arbeit macht frei!“. Hierfür kassierte er Gitarrist und Sänger der Düsseldorfer anderen Parteifunktionsträgern, mutet
vom ebenfalls anwesenden und auf den RechtsRock-Band „Eskil“, die zur Zeit das in der Präambel der Bundespartei
„guten Ruf“ der Partei bedachten „Füh- ihre zweite CD einspielt und auch für festgeschriebene Parteianliegen, den
rer“ Ronald Barnabas Schill ein Partei- Konzertveranstaltungen der extremen ‚Schutz der Gemeinschaft vor kriminel-
ausschlussverfahren. Rechten gebucht wird, so z.B. für das len und/oder subversiven sowie autono-
Neonaziaktivist und Schill-Funktionär jährlich stattfindende „Signal-Presse- men Kräften‘ zu gewährleisten und ‚jeg-
fest“ des Führungsaktivisten der extrem liche Art von politischem Extremismus
Etwas geschickter stellt sich da der rechten „Bürgerbewegung Pro Köln ... aufs schärfste‘ zu verurteilen, nur
23jährige Dennis Ansgar Seegers an, der e.V.“, Manfred Rouhs, am 29.6.2002 in noch als Kampfansage an jede Form
laut Homepage der Schillpartei Köln. fortschrittlicher Politik an. Eine Kampf-
(www.schill-partei-nrw.de/Orts-Kreis- Seegers und diverse weitere Neonazis ansage, die nicht unbeantwortet bleiben
verbaende/mettmannI.htm) seit dem aus dem Raum Düsseldorf/Mettmann darf!“
5.9.2002 den an Düsseldorf grenzenden nahmen in den Jahren 2001 und 2002 Antifasch. Aktion Düsseldorf
Ortsverband Mettmann I leitet. Seegers, auch mehrfach an Demonstration von (organisiert im Antifa-Kok Düsseldorf
der noch drei Wochen vor seiner Wahl „Pro Köln“ teil. Auch „Pro Köln“ ver- und Umland)
zum Schill-Partei-Ortsvorsitzenden am fügt über Kontakte zur Schill-Partei. kok@free.de, www.antifakok.de ■
Gedenkmarsch zu Ehren des Hitler- Gerda Witthuhn, Mitglied des Schill-
Stellvertreters Rudolf Hess am 17. Au- Partei-Arbeitskreises Marketing stellte Aktueller Literaturtipp: Marco Carini,
gust in Wunsiedel (Bayern) teilnahm, ist im Vorjahr sogar bei einer „Pro Köln“- Andreas Speit: Ronald Schill. Der
seit mindestens 1997 in der militanten Veranstaltung das Programm ihrer Partei RechtsSprecher, erschienen 2002 im
Neonaziszene aktiv. Schon damals war vor. konkret Literatur Verlag in Hamburg

: antifaschistische nachrichten 25-2002 11


: ausländer- und asylpolitik
chung nach innen“ auf. Auf der Tages-
ordnung auch dieser IMK stehen unter
anderem Maßnahmen zur „Verbesse-
rung“ der Politik der „Inneren Sicher-
Ausländerfeindlich Berliner Abgeordnetenhauses heit“, für die zur Begründung nach wie
Wuppertal. Mit einem Brief hat (http://www. parlament-berlin.de/adis/ci- vor der „Antiterrorkampf“ herhalten
sich Josef Angenfort von der VVN-NRW tat/VT/15/ DruckSachen/d150353.pdf – muss. Völlig in Ordnung, meinen die Si-
an Innenminister Schily gewandt. Er so mehrheitlich am 2609.02 beschlos- cherheitsstrategInnen, denn auch für ein
schreibt: sen) und der Koalitionsvereinbarung „Antiterrorpaket“ III gelte, dass wer
„Sehr geehrter Herr Innenminister, zwischen SPD und PDS. Dennoch ver- nichts zu verbergen auch nichts zu be-
vor mir liegt eine Broschüre mit dem sucht Körting zwecks Durchsetzung der fürchten habe.
Titel: „So schützen Sie sich im Alter.“ Regelung auf der IMK den berechtigten Vorgesehen ist dabei vor allem die
Als Herausgeber der Broschüre wird ge- Personenkreis extrem klein zu halten: Ausweitung der rassistischen Sonderbe-
nannt: Programm Polizeiliche Kriminal- Im Unterschied zu allen bisherigen handlung von Flüchtlingen und Migran-
prävention der Länder und des Bundes. Bleiberechtsregelungen sollen Alleinste- tInnen nicht nur aus sogenannten Pro-
Zentrale Geschäftsstelle: Taubenheimstr. hende generell und Familien mit Kindern blemstaaten. Aber auch die ,Antiterror-
85, 70372 Stuttgart. in sehr vielen Fällen (kleine Kinder, Kin- pakete‘ I und II wären nicht geeignet ge-
In der Einleitung wird mitgeteilt, dass der mit Schulabschluss) unabhängig da- wesen, die in Deutschland lebenden mut-
die Broschüre älteren Menschen Rat- von, wie lange sie schon in Berlin leben, maßlichen Attentäter des 11. September
schläge geben will. Sie solle helfen, „den ausgeschlossen werden: die Regelung vorab ausfindig zu machen.
meisten Räubern, Dieben und Betrügern soll nämlich nur für solche Familien mit Weiterhin plant die IMK Massende-
ein Schnippchen zu schlagen“. Kindern gelten, von denen mindesten ein portationen von Flüchtlingen vor allem
Ich bin 78 Jahre alt, also lese ich die Kind seit mindestens zwei jahren die in das Kosovo und nach Serbien – die
Broschüre. Auf Seite 5 stocke ich. Dort Schule oder Kindertagesstätte besucht. Duldungen von rund 100.000 Roma und
wird mitgeteilt, dass schauspielerisch be- Diese Bedingungen entsprechen weder Angehörigen anderer Minderheiten lau-
gabte Diebe und Betrüger mit ihren dem Beschluss des Abgeordnetenhauses, fen Ende des Jahres aus. Für deren be-
Tricks an die Wohnungstür kommen. noch sind sie mit dem Koalitionspartner schleunigte Abschiebung hat Deutsch-
Und dann heißt es wörtlich: „Vor allem PDS abgestimmt. land der Bundesrepublik Jugoslawien
Frauen und Männer ausländischer Natio- Weitere Bedingungen Körtings, die kürzlich ein sogenanntes Rücknahmeab-
nalität täuschen Notlagen vor...“ den berechtigten Personenkreis noch kommen aufgezwungen. Von Abschie-
Ganz nachdrücklich wird also der Ge- weiter einschränken: bung bedrohte Roma, staatenlose kurdi-
danke vermittelt: Da haben wir sie, die ● Einreisestichtag 1.7.1996, diese Be- sche LibanesInnen und andere Flüchtlin-
Diebe und Betrüger. Ausländer sind es! dingung sei aber verhandelbar, ge planen für den Nachmittag vor der
Dieser Gedanke wird auf Seite 17 ver- ● Unabhängigkeit von Sozialhilfe, Demonstration eine Kundgebung am Ort
stärkt. Dort heißt es in dem Kapitel, das hier könne aber aufgrund der Berliner Si- der IMK, um ihrer Forderung nach ei-
vor Taschendieben warnt: „Taschendiebe tuation (faktisches Arbeitsverbot für alle nem Bleiberecht Nachdruck zu verlei-
sind überwiegend Ausländer...“ Asylsuchenden und Geduldeten) eine hen.
Ich bin empört darüber, dass in einer Übergangsfrist zur Arbeitssuche einge- Die Innenministerkonferenz ist für die
Broschüre der Polizei ausländerfeindli- räumt werden, aufrufenden Gruppen und Organisatio-
che Vorurteile gepflegt und verbreitet ● ausreichender Wohnraum (kann von nen darüber hinaus Anlass, auch andere
werden. Damit wird dem Artikel 1 des sehr vielen nicht erfüllt werden ange- Elemente deutscher Ordnungspolitik zu
Grundgesetzes zuwider gehandelt, in sichts des von Berlins PDS-Sozialsena- thematisieren. So das geplante „Zuwan-
dem es heißt: „Die Würde des Menschen torin ausgesprochenen Verbots der An- derungsgesetz“, bei dem es sich faktisch
ist unantastbar.“ Wohlgemerkt: Nicht nur mietung von Wohnungen für unter das um eine Verschärfung der rassistischen
die Würde des deutschen Menschen, AsylbLG fallenden Flüchtlinge) Maßnahmen der Ausländer- und Asyl-
sondern die Würde aller Menschen, also ● keine Straftaten (max. 50 Tagessät- verfahrensgesetze handelt; die Residenz-
auch die der Ausländer. ze) pflicht für AsylbewerberInnen; „No-go-
Diese Broschüre der Polizei sollte aus Die Regelung soll für Roma aus allen areas“ für Flüchtlinge; die neuen „Aus-
dem Verkehr gezogen werden, Herr Teilen des ehemaligen Jugoslawiens gel- reisezentren“; die geplante Abschiebung
Innenminister.“ ten. ■ von kurdischen LibanesInnen und ande-
Mit freundlichen Grüßen, Josef Angen- ren; die Überwachung des öffentlichen
fort, Sprecher der VVN-BdA NRW.“ Bündnis „Alles in Ord- Raumes (Video, Bahnhöfe etc.); die
Über eine Reaktion von Seiten des Schürung von „Sicherheitspanik“ insbe-
Innenministeriums ist noch nichts be- nung?“ruft zu Demo auf sondere seit dem 11.9.2001 wie auch die
kannt. ■ Bremen. Am 5./6. Dezember 2002 fin- seit vielen Jahren grassierende „Krimi-
det die nächste Innenministerkonferenz nalitätsangst“; die fortschreitende De-
Berlins Innensenator Kör- (IMK) in Bremen statt. Daran teilneh- nunziationsbereitschaft in breiten Teilen
men werden die 16 Innenminister und der Bevölkerung; rassistische und antise-
ting macht Vorschläge für -senatoren der Bundesländer sowie mitische Übergriffe, die nur der extrem-
eine Bleiberechtsregelung Bundesinnenminister Otto Schily, nebst ste Ausdruck eines entsprechenden ge-
für Roma Personal, das sind rund 150 weitere sellschaftlichen Klimas sind; die Dro-
hochrangige „SicherheitsstrategInnen“. genpolitik; die polizeilichen Schikanen
Berlin. Nach dem Eindruck aller Betei- In Bremen findet die IMK deshalb statt, gegen (potentielle) AusländerInnen, Ob-
ligten in Berlin ist die Bleiberechtsrege- weil der hiesige Innensenator Kuno Böse dachlose u.a.m.; Demonstrationsverbote;
lung für Roma ein ernsthaftes Anliegen noch bis Ende des Jahres IMK-Vorsit- Ausreiseverbote anlässlich von EU- und
Körtings, auch und vor allem vor dem zender ist. G8-Gipfeln und nicht zuletzt die weiter-
Hintergrund der Ermordung von über Anlässlich der Innenministerkonfe- hin laufende Rasterfahndung wie auch
500.00 Roma in den Konzentrations- renz ruft das Bündnis „Alles in Ord- der andauernde Krieg in Afghanistan und
und Vernichtungslagern der Nazis. Kör- nung?“ zu einer Demonstration „gegen der angekündigten Angriff gegen den
ting entspricht damit Beschlüssen des Abschottung nach außen und Überwa- Irak.

12 : antifaschistische nachrichten 25-2002


AUFRUFERinnen: Antifaschistisches Komitee
(ak), AntirassismusBüro Bremen (ARAB), Ar-
chiv der sozialen Bewegungen Bremen, Autono-
me Antifa Bremen, Autonome Antifa Gruppe
Schill nicht nur in Hamburg
Bremen (AAGB), Bluna, Bremer Anti-Atom-Fo-
140 Millionen Euro gegen Einwanderung aus Afrika
rum (BAAF), Bündnis „Alles in Ordnung?“,
FrauenLesbengruppe F.L.O.P., GesamtschülerIn-
nenvertretung (GSV) Bremen, gr.appa, hugg, In- Totale Überwachung in der Meeresen- und Europa. Bis 2005 soll das System die
foladen Bremen, kassiber - Stadtzeitung für Poli- ge Gibraltars unter dem Deckmäntel- gesamte Südküste Spaniens überwachen.
tik, Alltag, Revolution -, Kombo (p), Marxisti- chen „Leben retten zu wollen“. Das Vor allem nachts versuchen Menschen,
scher Zirkel (MZ), MediNetz Bremen, no border, Gegenteil wird der Fall sein.. in Schlauchbooten zusammengepfercht,
Stadtkommune Alla Hopp, Stefan Wichmann
(Vorsitzender Solidarische Hilfe e.V.), Vereini- die Meerenge zu überqueren. Die Men-
gung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Mit hochauflösenden Infrarotkameras schen kommen aus Marokko und vor al-
AntifaschistInnen(VVN/BdA) Bremen, und Radaranlagen überwacht die spani- lem aus Ländern südlich der Sahara wie
www.antifa-bremen.de sche Polizei die Meerenge von Gibraltar. Sierra Leone oder Nigeria. Über 4000
Demonstration am Donnerstag, den Dem neuen Überwachungssystem ent- Menschen sollen in den vergangenen fünf
5. Dezember 2002, um 17 Uhr geht nichts. Im Visier der Polizisten sind Jahren in der Meerenge ertrunken sein,
Auftaktkundgebung: Bahnhofsplatz vor allem illegale Einwanderer. die Dunkelziffer wird mehr als doppelt so
Infos c/o Infoladen St. Pauli, 28203 In der Kommandozentrale des neuen hoch eingeschätzt.
Bremen, St.-Pauli-Straße 10/12, Überwachungssystems in der südspani- Fragwürdiger Erfolg
Fax: 0421-75682, eMail: schen Hafenstadt Algeciras gibt es vor al-
alles-in-ordnung@gmx.de, Internet: lem Fernseher. In der Mitte des Raumes „Mit Sive sehen wir sogar, wenn die Ein-
www.alles-in-ordnung.de.vu ■ steht ein Panoramabildschirm, links und wanderer an der marokkanischen Küste
in die Boote steigen“, sagt Leutnant
Alonso. „Dadurch können wir natürlich
viel schneller reagieren.“ Doch Sive die-
ne nicht nur dazu, Einwanderer festzu-
nehmen. „Wir wollen vor allem Leben
retten“, beteuert Leutnant Alonso immer
wieder. „Jetzt können wir durch rechtzei-
tiges Eingreifen schlimme Unfälle ver-
meiden.“ Ob das neue System wirklich
Menschen retten wird, ist jedoch fraglich.
Trotz Sive kam es auch diesen Sommer
zu tragischen Unfällen. Anfang Oktober
ertranken neun Menschen, darunter drei
schwangere Frauen, als ihr Boot kenterte.
Kritiker halten das System, das über 140
Millionen Euro kosten wird, für unsinnig.
„Den Strom der Einwanderer wird es
nicht aufhalten“, schimpft Francisco Ol-
mos Checa, Universitätsprofessor und
Foto von der Kundgebung am Frau- rechts daneben sind jeweils acht Monito- Experte für Migration. Sive habe ledig-
enabschiebegefängnis in Neuss am re installiert. Auf dem großen Schirm er- lich dazu geführt, dass die Einwanderer
30.11. scheint die Meerenge von Gibraltar, voll nun neue, noch gefährlichere Routen
digitalisiert. In Gelb erscheinen die Um- wählen, um das System zu umgehen.
risse von Südspanien und Nordmarokko,
Demonstration gegen Aus- die Ortschaften sind grün markiert. Über
„Augen, die uns alles sehen lassen“
reisezentrum in Fürth das schwarze Meer wandern helle Punk- Die Einwanderer setzen an Stellen über,
Fürth. Die Karawane-Gruppe Nürnberg te. „Die Punkte, das sind alles Objekte, an denen die Meerenge bis zu 60 Kilome-
ruft zur Demonstration am 7. Dezember die gerade die Meerenge passieren“, sagt ter und mehr breit ist. Dadurch steigt das
2002 in Fürth, ab 12 Uhr Hauptbahnhof, Leutnant Alonso, Chef der Zentrale. Ein Risiko eines Unfalls. „Auf dem Meer
auf. Sie schreibt: „Seit Mitte September Mausklick auf einem der Punkte genügt, kann man keine Mauern bauen“, so Ol-
gibt es in Fürth das erste bayerische Aus- um ihn ins Visier einer Kamera zu neh- mos Checa. Leutnant Alonso will die Kri-
reisezentrum. Die beschönigende Be- men. Das verdächtige Objekt erscheint tik an dem System, das zum Teil auch
zeichnung soll über die Funktion als La- dann in Großaufnahme auf dem Bild- von der EU finanziert wurde, allerdings
ger hinwegtäuschen. Lager sollen ein- schirm. nicht gelten lassen.
schüchtern, zermürben, Angst machen, Kein Entkommen „Sive ist keine elektronische Mauer.
seelischen Druck erzeugen, zwingen die Sive: das sind einfach Augen, die uns al-
eigene Person aufzugeben. Wir rufen alle Ein Teil der hochauflösenden Infrarotka- les sehen lassen und es uns ermöglichen
Flüchtlinge, MigrantInnen und Antiras- meras und Radarsysteme ist auf Türmen rechtzeitig einzugreifen“. Im Visier der
sistInnen auf, für die sofortige Schlie- entlang der Küste installiert, ein anderer Fahnder seien dabei nicht nur die Ein-
ßung des Ausreiselagers in Fürth zu befindet sich auf Patrouillenbooten und wanderer. Sive solle auch helfen, den re-
kämpfen. Das Lager in Fürth ist mehr als in Hubschraubern. Sive, so heißt das gen Drogenhandel einzudämmen. 60 Pro-
ein lokales Problem, es handelt sich viel- neue System, wurde im Sommer erstmals zent des in Europa gehandelten Ha-
mehr um ein Modellprojekt für die Ein- der Öffentlichkeit vorgestellt. Selbst ei- schisch würden laut Polizeiangaben über
richtung von Ausreiselagern in ganz nen auf dem Wasser schwimmenden Fuß- die Meerenge geschmuggelt.
Bayern, zum Beispiel auch in München. ball soll es sichtbar machen können, so- von Holger Halfmann, Homepage:
Wir müssen dieses Projekt zu Fall brin- gar bei Nacht und Nebel. Bislang über- http://www.beepworld.de/members7/post
gen, denn es stellt eine Bedrohung dar wacht Sive allerdings nur die engste Stel- kartenaufkleberundmehr/ Adresse:
für alle Menschen, die der Staat zum Ver- le der Straße von Gibraltar. Nur 14 Kilo- Schulterblatt 84, 20357 HH, Telefon:
lassen der BRD zwingen will!“ baf ■ meter trennen hier die Kontinente Afrika 040 43 18 4838, Quelle indymedia, ■

: antifaschistische nachrichten 25-2002 13


: neuerscheinungen, ankündigungen

Jugendwider- auch nur Hübener zum Tode. „Bierut“- und andere „Dekre-
stand im Krieg. Die Freunde erhielten lang- te“ aufzuheben; es wäre wohl
jährige Haftstrafen. „Ich bin naiv zu glauben, die Erweite-
Die Helmuth-Hü- jetzt dran, aber ihr kommt rung der EU nach Osten
bener-Gruppe auch noch dran“, sagte Hübe- brächte derlei Interventionen
1941/1942 ner nach dem Urteil. Er irrte zum Stillstand.
sich: Die Richter wurden nie Nicht der Osten, sondern
Im Februar 1942 – vor 60 belangt. Den Denunzianten der Westen steht im Mittel-
Jahren – wurde die Wider- sprach der Bundesgerichtshof punkt des 18. Bandes der
standsgruppe von Helmuth 1953 frei, da er nach gelten- „Beiträge zur Geschichte des
Hübener in Hamburg verhaf- dem Recht gehandelt habe. Nationalsozialismus“. „Deut-
tet. Im August 1942 fand die Neben der Beschreibung der sche Hegemonialpolitik
Verhandlung gegen sie vor Aktivitäten der Gruppe doku- gegenüber Westeuropa 1920-
dem Volksgerichtshof statt. mentiert Sander die Flug- 1960“ lautet der Untertitel
Am 27. Oktober 1942, um schriften, Verhör- und Ge- des Buches, das die „Europä-
20.13 Uhr, starb Helmut Hü- richtsprotokolle. ische Integration“ (so der Ti-
bener „ruhig und gefasst“, Alleine der etwas moralische tel), insbesondere die Wirt-
wie die Vollstreckungsbeam- die wenigen noch lebenden Tenor des Textes stört ein we- schaftsintegration und spe-
ten in ihrem Bericht betonten, Zeitzeugen, um die erste his- nig. ziell deren Kontinuitäten zu-
in der Richtstätte Berlin-Plöt- torische Studie über die Rezension in der taz rück in den nationalsozialisti-
zensee unter dem Fallbeil. Er Widerstandsgruppe im Andreas Speit ■ schen „Großwirtschaftsraum“
war der jüngste vom Volksge- deutschsprachigen Raum vor- beleuchtet. Unter der „Herr-
richtshof zum Tode verurteil- legen zu können. Ulrich Sander: Jugendwi- schaft des ,Dritten Reiches‘“,
te und in Plötzensee hinge- Denn während der Großteil derstand um Krieg. Die so die HerausgeberInnen,
richtete Antifaschist. der deutschen Bevölkerung Helmuth Hübener-Gruppe. wurden „Strukturen der euro-
„Was Hitler macht, ist noch vom „Endsieg“ träumte, Ca. 200 S., ca. 20 Abb., ge- päischen Wirtschaftsintegra-
unchristlich“ verstörten Hübener konkrete bunden, 14,90 EUR, Pahl- tion geschaffen (...), die Kon-
Alltagserfahrungen: Der Drill Rugenstein tinuitäten oder Ähnlichkeiten
Leicht moralisierend, aber der Hitler-Jugend (HJ), die ISBN 3-89144-336-6 zur Nachkriegszeit aufwei-
gründlich und faktenreich: Ausgrenzung der jüdischen sen“.
Ulrich Sander edierte diese Mitmenschen und das Weg- In mehreren Aufsätzen
erste Studie im deutschspra- sehen der Erwachsenen. Statt Deutsche Hegemoni- wird diese These anhand ver-
chigen Raum über den Wi- sich in die Volksgemeinschaft schiedener Beispiele belegt –
derstand des 1942 in Plötzen- einzureihen, begannen sich alpolitik gegenüber anhand der Währungspläne
see von der Gestapo hinge- die Jugendlichen zwischen 16 Westeuropa für den europäischen „Groß-
richteten Hamburgers Hel- und 18 Jahren zu widerset- raum“, anhand der Freiburger
muth Hübener zen. Aus dem Gefühl heraus, Rezension von: Thomas Schule des Ordoliberalismus,
Hübener ist eine literari- dass „Hitler unchristlich han- Sandkühler (Hg.): Europäi- der Einbindung der lothringi-
sche Figur in Günter Grass’ delt“, hörte Hübener heimlich sche Integration. Deutsche schen Schwerindustrie und
Panorama geworden. Ein Ju- die deutschsprachigen Nach- Hegemonialpolitik gegen- der Europäischen Gemein-
gendzentrum und eine Straße richtensendungen des BBC. über Westeuropa 1920 - schaft für Kohle und Stahl
in Hamburg sind nach ihm Zusammen mit Schnibbe und 1960. Beiträge zur Ge- (EGKS). Die „braunen Wur-
benannt. Eine Gedenktafel in Wobbe verfasste er aus die- schichte des Nationalsozia- zeln“ der EGKS, die insbe-
der Sozialbehörde soll ebenso sen Informationen Flugblät- lismus Band 18 Göttingen sondere in einem Aufsatz der
zum Erinnern anregen. Den- ter, in denen sie über den tat- 2002 (Wallstein Verlag), französischen Historikerin
noch ist das Schicksal Hel- sächlichen Kriegsverlauf und 20 Euro Annie Lacroix-Riz erkennbar
muth Hübeners im National- Misshandlungen in der HJ werden, sind tatsächlich „für
sozialismus fast vergessen. berichteten und zum Wider- Die deutsche Hegemonialpo- die Gesamtinterpretation der
Am 27. Oktober 1942 wurde stand aufriefen. litik gegenüber Osteuropa europäischen Nachkriegsinte-
der Hamburger Verwaltungs- Erst später gewann Hübe- zeigt, je näher die Erweite- gration folgenreich“.
lehrling in Berlin Plötzensee ner seinen Ausbildungskolle- rung der Europäischen Union Lacroix-Riz zeichnet ein-
hingerichtet. Der Volksge- gen Düwer aus der Sozialbe- rückt, immer deutlicher ihre drucksvoll die Entwicklung
richtshof hatte den 17-Jähri- hörde für die Verteilung der hässlichen Züge. Das Jahr der eng miteinander verbun-
gen wegen Hochverrats zum Pamphlete. Uber 60 Flug- 2002 ist in dieser Hinsicht denen deutschen und franzö-
Tode verurteilt. schriften konnten sie in ei- recht aufschlussreich gewe- sischen Schwer- und Chemie-
All dies möchte Ulrich nem halben Jahr veröffent- sen. Die wirtschaftliche industrien seit den 1920er
Sander mit seiner Veröffentli- lichen, bis sie von Heinrich Macht Deutschlands jenseits Jahren nach. Schon rasch
chung über die Widerstands- Mohn denunziert wurden. von Oder, Neiße und Erzge- nach dem Ersten Weltkrieg,
gruppe Helmuth Hübener Die Gestapo verhaftete sie; er birge ist inzwischen so stark, so die Pariser Professorin,
vergegenwärtigen. Seit 1960 wurde gefoltert. Man konnte dass die deutschen Staatsap- habe sich die Dominanz der
befasst sich der Journalist im- sich nicht vorstellen, dass ein parate in diesem Frühjahr deutschen Industrien durch-
mer wieder mit Hübener so- 17-Jähriger ohne Hilfe von dazu übergehen konnten, zur setzen können, auch gegenü-
wie mit dessen Freunden Ru- „Hintermännern“ handelte. offenen Unterwerfung Po- ber der lothringischen
dolf Wobbe, Karl-Heins „Seiner Standhaftigkeit ver- lens, Tschechiens und anderer Schwerindustrie, die ja nun
Schnibbe und Gerhard Dü- danke ich mein Leben“, er- Staaten aufzurufen. Markan- zu Frankreich gehörte. Dieses
wer. Er recherchierte in Ar- zählt Schnibbe, „er nahm al- ter Höhepunkt dieser Kam- Verhältnis habe sich seitdem
chiven nach verschollenen les auf sich“. Der Volksge- pagne war die allseits erhobe- nicht mehr grundlegend ge-
Dokumenten und interviewte richtshof verurteilte dann ne Forderung, die „Benes“-, ändert - nicht 1940, als unter

14 : antifaschistische nachrichten 25-2002


„Neue“ NATO: völkerrechtlich, verfassungsrechtlich
und politisch unhaltbar – NATO auflösen
Die Ergebnisse des NATO-Gipfels in Staat der Welt reklamiert, der im dringen- und Struktur der Bundeswehr und der
Prag geben nach Auffassung des den Verdacht steht, den interntionalen NATO zu initiieren. Eine zum Interven-
Bundesausschusses Friedensratschlag Terrorismus zu unterstützen oder Mas- tionsbündnis mutierte NATO ist nicht
zu äußerster Besorgnis Anlass. Was senvernichtungswaffen herzustellen bzw. mehr tolerierbar. Eine NATO zu reinen
dort über die neuen Aufgaben der weiterzugeben. Sollte diese Strategie, die Verteidigungszwecken wird angesichts
NATO beschlossen wurde, sprengt als „Bush-Doktrin“ in die Geschichte ein- der seit dem Ende des Warschauer Pakts
vollkommen den Rahmen der bisheri- gehen wird, Schule machen, kann sie die veränderten militärischen Sicherheitslage
gen Allianz und verstößt gegen Art. 5 Welt in einen chaotischen Zustand politi- nicht mehr gebraucht. Somit sollte die
des Nordatlantikvertrags von 1949. scher Willkür und Instabilität stürzen. NATO ersatzlos aufgelöst werden.
● Völkerrechtlich bedeutet diese Stra- Die auf dem NATO-Gipfel verabschie-
Darin war die NATO eindeutig und aus- tegie, würde sie zum allgemeinen Prinzip dete Irak-Resolution gemahnt die NATO-
schließlich als Verteidigungsbündnis erhoben, einen Rückfall in die Zeit vor Staaten zur Einhaltung der Vorgaben des
konzipiert (vgl. Präambel und Art. 5 des dem Völkerbund, vor dem Kellogg-Pakt UN-Sicherheitsrats. Damit ist jeder ei-
NATO-Vertrags). Jetzt soll mit dem Auf- 1928 (Ächtung des Krieges) und vor der genmächtigen Militäraktion der USA ge-
bau der NATO Response Force der Char- Charta der Vereinten Nationen (1945), in gen den Irak eine klare Absage erteilt
akter der NATO geändert werden. Diese der den Staaten ein striktes Gewaltverbot worden. Gleichzeitig sind an die NATO-
schnelle Eingreiftruppe mit 21.000 Elite- auferlegt wurde (einzige Ausnahme: Staaten und an mehr als dreißig weitere
soldaten soll schnell verfügbar, verlegbar Selbstverteidigung nach Art. 51). Ein Regierungen Anfragen der USA gestellt
und einsatzbereit sein, „überall wo sie ge- ganzes Jahrhundert der Entwicklung ei- worden, in welcher Weise sie einen evtl.
braucht wird“ (Ziffer 4 der Prager Gipfel- nes modernen zivilisierten Völkerrechts Krieg gegen Irak unterstützen könnten.
Erlärung). Diese „Transformation der wäre umsonst gewesen. Bundeskanzler Schröder und Außenmi-
NATO“ wirft politische, völkerrechtliche ● Verfassungsrechtlich ist eine solche nister Fischer haben sich zur Beantwor-
und verfassungsrechtliche Fragen auf: Entwicklung ebenfalls nicht hinnehmbar. tung dieser Frage Bedenkzeit erbeten.
● Politisch folgt sie der neuen „Natio- Die Bundesrepublik hat den Nordatlan- Dies ist nicht zu verstehen, weil es nur
nalen Sicherheitsstrategie“, die vor zwei tikvertrag 1955 ratifiziert und ist damit eine Antwort geben kann: Die Bundesre-
Monaten von US-Präsident Bush verkün- dem Geist und Buchstaben nach einem gierung hält diesen Krieg für falsch und
det wurde. Darin wird das Recht auf „prä- reinen Verteidigungsbündnis beigetreten. wird sich nicht daran beteiligen (wieder-
ventive“ Angriffskriege gegen jeden Ändert die NATO ihre Zielbestimmung holte Äußerungen vor und nach der
so fundamental wie jetzt in Prag, müsste Bundestagswahl). Wenn das heute noch
sich dies auch in einer Änderung des richtig ist, dann darf es auch keine indi-
der deutschen Okkupation die französi- NATO-Vertrags niederschlagen. Eine sol- rekte Unterstützung für den Krieg geben.
sche Wirtschaftskollaboration begann, che Änderung müsste vom Deutschen Beihilfe zu einem völkerrechtswidrigen
auch nicht in der EGKS, die von der Bundestag ratifiziert werden. Doch da- Krieg ist auch ein Verbrechen! Obendrein
französischen Industrie, aber auch von von abgesehen verbietet Art. 26 des hat der Bundeskanzler in der gestrigen
den Vereinigten Staaten gewünscht wur- Grundgesetzes jegliche Handlung, die „Heute“-Sendung (21.11.) signalisiert,
de. „Statt seine Handlungsspielräume geeignet ist, einen Angriffskrieg vorzube- dass er gegen die Nutzung deutschen
offensiv auszunutzen“, schreibt Lacro- reiten, die Art. 87a und 115a GG be- Luftraums für US-Militärmaschinen im
ix-Riz, „gab Frankreich unter dem zwei- schränken die Bundeswehr darüber hin- Falle eines Krieges keine Einwände erhe-
fachen Druck der Vereinigten Staaten aus auf die Territorialverteidigung ein- ben könne. Zu befürchten ist, dass die
und der wirtschaftlichen Akteure nach, schließlich der Bündnisverteidigung. Bundesregierung Schritt für Schritt von
fügte sich in seine angebliche Inferio- Der Bundesausschuss Friedensrat- ihrem Wahlversprechen abrückt und am
rität und unterstellte sich dem Plan eines schlag fordert Bundesregierung und Ende den US-Krieg gegen Irak zumin-
von Deutschland dominierten Europas.“ Bundestag auf, eine gesellschaftliche dest logistisch und durch Entlastungs-
Jörg Kronauer ■ Diskussion über Ziel, Aufgabe, Umfang maßnahmen auf anderen Konfliktschau-
plätzen (Afghanistan, Balkan) tatkräftig
unterstützt.
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über: Die Friedensbewegung wird daher ihre
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. Aktivitäten gegen den drohenden Krieg
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach verstärken. Noch klarer als zuvor wird
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, dabei die Forderung an die Bundesregie-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, rung gestellt, den US-Krieg weder direkt
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, noch indirekt zu unterstützen. Dies be-
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. deutet vor allem:
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro.
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind ● Sofortiger Abzug der Spürpanzer aus
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. Kuwait. ● Rückzug der deutschen Mari-
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein-
neverbände aus den Gewässern der Golf-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung region. ● Keine Überflugsrechte für US-
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Militärmaschinen. ● Keine Nutzungs-
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie rechte der US-Stützpunkte in Deutsch-
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein- land für den Krieg.
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (Bund der Antifaschisten, Dachverband); Dr. Christel Hartinger (Friedenszen-
trum e.V., Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (PDS); Jochen Koeni- Presseerklärung des Bundesausschus-
ger (Arbeitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder ses Friedensratschlag
des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nach- Kassel, den 22. November 2002
richten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Lan-
desleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (Info Pool Network); Bernhard Strasdeit (MdB-Büro Winfried Wolf); Volk- Für den Bundesausschuss Friedens-
mar Wölk. ratschlag: Dr. Peter Strutynski ■

: antifaschistische nachrichten 25-2002 15


: aus der faschistischen presse
der haben am 8. November im Bundesrat
mit der Mehrheit der unionsregierten
„Der Absturz des Jahres“ kandidaten. Wieder gewählt wurden Länder eine Erhöhung der Zulage von
Der Republikaner 9-10/2002 auch die bisherigen Stellvertreter Uschi jetzt 150 Euro abgelehnt. Der Autor zi-
titelt das Blatt und meint damit nicht das Winkelsett (Landesvorsitzende NRW), tiert den zuständigen Brigadegeneral
eigene Abschneiden bei der Bundestags- Johann Gärtner (Bayern) und Haymo Günzel: „Wenn man von einem Men-
wahl sondern Möllemanns Bauchlan- Hoch (Hessen). Neu dazugekommen ist schen eine besondere Leistung abver-
dung. Für die eigene Niederlage findet Rechtsanwalt Björn Clemens, der bis- langt, muss man ihm dafür auch etwas
sich die altbewährten Phrasen: „Wenn lang dem Vorstand als Beisitzer angehör- geben.“
die Politik die Menschen im Stich lässt ... te. In der Resolution „Den deutschen
werden Alternativen gebraucht. Aus Ver- Weg konsequent verfolgen“ wird die Be- „Solidarität“ mit
antwortung für unser Land müssen wir teiligung an internationalen Kriegsein-
Antworten finden. Wo die alten Parteien sätzen abgelehnt: „jede außenpolitische Schönbohm
versagen, schlägt die Stunde der Patrio- Entscheidung muß in erster Linie an den Junge Freiheit Nr. 49/2002 vom 29. No-
ten.“ Und Durchhalteparolen: „Trotz al- Interessen des deutschen Nationalstaats vember 2002
ler Enttäuschung: Weiterkämpfen!“ Als und des deutschen Volkes ausrichten“, Eine „Anti-Schönbohm“-Kampagne fin-
Ursachen werden festgemacht: die Pola- heißt es da. Gefordert wird, die Sicher- det angeblich statt. Angesichts der eher
risierung bei der diesjährigen Wahl zwi- heit Deutschlands durch „eine Stärkung spärlichen öffentlichen Proteste gegen
schen Schröder und Stoiber, die geringe der deutschen Bundeswehr“ zu gewähr- Schönbohms Interview (siehe letzte Aus-
Parteibindung der bisherigen REP-Wäh- leisten. u..b. ■ gabe der Antifa-Nachrichten) kann von
ler (die Stammwählerbasis sei zu einer Kampagne kaum die Rede sein. Si-
schmal), nicht flächendeckender Antritt, cher ist, dass Schönbohm gezielt provo-
Medienblockade, der Pogrom „gegen Was treibt das KSK im zieren wollte. Auf die Kritik an seinem
rechts“ und mangelnde Mobilisierung. Interview soll er geäußert haben: „Ich
Offensichtlich war es diesmal schwierig, Ausland? wollte mal testen, ob die Reflexe noch da
die eigene Mitgliedschaft zum Mitma- Junge Freiheit Nr. 48/2002 vom 22. No- sind. Sie sind noch da. Sie haben reagiert
chen zu bewegen. Auch der „Republika- vember 2002 wie die pawlowschen Hunde.“ Dafür
ner“ 9-10 erscheint ja mal wieder viel zu Michael Waldherr hat sie gefunden: Das springen ihm CDU-Mitglieder zur Seite,
spät. In der Rubrik „wir in der Politik“ Kommando Spezialkräfte der Bundes- die für ihren rechten Standpunkt bekannt
verkündet ein Frank Rohleder aus Sach- wehr. Die Einheit wurde 1996 gegründet, sind: Jan Klaps, Mitglied im Landesvor-
sen „nationale Solidarität“ sei wichtiger in der Öffentlichkeit wird wenig über sie stand der JU Niedersachsen, der Fuldaer
als Wahlkampf und so habe man ganz berichtet. Doch der Autor schwärmt: CDU-Abgeordnete Martin Hohmann,
vorne gekämpft bei der Unterstützung „Der hohe Aufwand, der beim KSK be- Axel Fischer aus Karlsruhe, der sächsi-
der Flutopfer in Sachsen. „Wenn wir trieben wird, ist kein Selbstzweck. ,Er- sche Bundestagsabgeordnete Henry
Deutschen uns nicht gegenseitig helfen, fahrungen aus scharfen Einsätzen liegen Nitzsche bewundert Schönbohms
sind wir dem Untergang geweiht – das seit 1998 vor – aber darüber wollen wir „Standhaftigkeit“ und führt weiter aus
haben wir alle in diesen Tagen gelernt“, aus Geheimhaltungsgründen nicht spre- wofür er Schönbohm bewundert: „Sei es
meint auch Kerstin Lorenz, Vors. LV chen,’ wiegelt Oberst Gerhardus in KSK- über Kinder als Quelle der Familie und
Sachsen. typischer Bescheidenheit ab.“ Beschei- der Deutschen Nation, sei es über die
Da das Parteiblatt immer hoffnungslos denheit? Wohl eher Befürchtungen, öf- Rot-Grüne angestrebte Zuwanderung
alt ist, wenn es beim Leser ankommt, fentliche Berichterstattung über das Trei- und damit Veränderung des Deutschen
müssen aktuelle Informationen der Ho- ben der Truppe könnte zu Protesten füh- Volkes ... und sei es über unser Deutsch-
mepage entnommen werden. Auf dem ren und zu dem Verlangen, auch den Ein- land, auf das wir endlich stolz sein soll-
Rep-Bundesparteitag am 2./3. November satz des KSK unter parlamentarische ten.“ uld ■
wurde Rolf Schlierer, Vorsitzender seit Kontrolle zu bringen. Doch das Anliegen
1994, auch diesmal wieder im Amt be- des Autors ist ein anderes: Die „Elite-
stätigt. 187 von 262 der Delegierten Truppe“, wie sich selbst bezeichnet, be-
stimmten für ihn. Es gab keinen Gegen- kommt zu wenig Sonderzulage. Die Län- Spendet für die
Antifaschistischen
Nachrichten!
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt) In den letzten Wochen sind doch
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
noch etliche Spenden eingetroffen,
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro Erscheinungsweise:
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro 14-täglich so dass wir jetzt auf einem Stand
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro von Insgesamt
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 60,- DM).
1.853,56 Euro sind
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
(Stand 30.11. 2002)
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung)
Vielen Dank!
Vielleicht hat auch die eine oder
Name: Adresse:
der andere ein paar Euro vom
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts
Weihnachtsgeld übrig...

Unterschrift Spendenkonto:
GNN-Verlag, Postbank Köln, BLZ
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de 370 100 50,
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507 Konto 10419507

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