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Nembutsu im Lichte des Theravada: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Nembutsu im Lichte
des Theravada:
Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Nembutsu im Lichte des Theravada: Gemeinsamkeiten und Unterschiede von pamokkha

Version 1.0: 07.10.2016 Alle Rechte vorbehalten, © 2016 München

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

4

2. Nembutsu-Praxis im Theravada

4

3. Amitabha und der Weg des Glaubens

6

4. Nembutsu-Praxis im Reinen Land

7

5. Übereinstimmung zwischen Mahayana und Theravada

9

Literaturverzeichnis

10

1.

EINLEITUNG

Der japanische Begriff 念仏 (nembutsu) und das chinesische 念佛 (nianfo) set-

zen sich aus den chinesischen Schriftzeichen für Buddha /und sati zu-

sammen. hat gerade im säkularen Kontext die Bedeutung von laut lesen.

Damit bedeutet nembutsu ‚dem Buddha Eingedenksein‘.

2. NEMBUTSU-PRAXIS IM THERAVADA

Die Betrachtung über den Erleuchteten (buddhanussati) ist eine im Theravada weit verbreitete und fest verankerte Praxis. Nach Buddhaghosa

„gilt da als ‚Betrachtung‘ oder (‚Eingedenksein‘) die Achsamkeit (sati), insofern sie immer und immer wieder aufsteigt. Oder auch, als ‚Betrach- tung‘ gilt die dem aus Vertrauen hinausgezogenen edlen Sohne ange- messene Achtsamkeit, sofern sie eben bloß bei einer solchen Sache auf- steigt, bei der sie aufzusteigen hat“. 1

Im Mahanama-sutta spricht der Buddha wie folgt über die Betrachtung über den Erleuchteten:

„Zu einer Zeit aber, Mahanama, wenn der edle Jünger des Vollendeten gedenkt, da wird sein Geist weder von Gier umsponnen, noch von Haß oder Verblendung umsponnen; und angesichts des Vollendeten ist zu solcher Zeit sein Geist recht gerichtet. Recht gerichteten Geistes aber,

1 Visuddhimagga, zit. nach (Nyanatiloka, 1997, S. 197)

Mahanama, gewinnt der edle Jünger Begeisterung für das Ziel, Begeis- terung für die Lehre, gewinnt er Freude an der Lehre. Im Freudigen aber erhebt sich Verzückung; verzückten Geistes beruhigt sich das Innere; im Inneren gestillt, empfindet er Glück, und des Glücklichen Geist sam- melt sich. Von diesem edlen Jünger, Mahanama, heißt es, daß er unter der verkehrt gerichteten Menschheit im Besitze des Rechten weilt, daß er unter der leidenden Menschheit leidlos weilt. In den Strom der Lehre eingetreten, entfaltet er die Betrachtung über den Erleuchteten“. 2

Es gilt also, sich den Vorzügen des Buddha bewusst zu sein. Dieses bewusst machen führt zu einem reinen Geist. Nach der Kommentarliteratur führt bud- dhanussati bis zur angrenzenden Sammlung, nicht aber zur vollen Sammlung. Wie im obigen Sutta jedoch deutlich wird, kann der Yogi durch diese Geistes- übung in den Strom der Lehre eintreten. Im Ekadhammapali im Anguttara- nikaya heißt es sogar, dass diese Übung „entfaltet und häufig geübt, zu gänz- licher Abwendung führt, zur Loslösung, Erlöschung, zum Frieden, zur Durch- schauung, zur Erleuchtung, zum Nibbana“ (Nyanatiloka, 1993a S. 31). 3

Wenn man die volle Sammlung erreichen möchte, dann gilt es zuerst, die Be- trachtung über den Buddha zu üben bis die Reinheit des Geistes (cittavisuddhi) verwirklicht ist. Danach gilt es, die gedankliche Tätigkeit in Form des Einge- denksein auslaufen zu lassen und so die volle Sammlung zu verwirklichen. Das Erreichen der vollen Sammlung führt im nächsten Leben zu einer Wiedergeburt in einem Götterbereich. Durch das Eintreten in den Strom der Lehre wird man auch unter Himmelswesen oder Menschen wiedergeboren. Wenn man beides über buddhanussati entwickelt hat den Stromeintritt und die volle Sammlung

2 Anguttara-nikaya, zit. nach (Nyanatiloka, 1993b, S. 171) 3 Anguttara-nikaya, zit. nach (Nyanatiloka, 1993a, S. 31)

führt dies zu einer Wiedergeburt in einem Götterreich, wo man sich der Lehre des Erwachten widmen kann.

3. AMITABHA UND DER WEG DES GLAUBENS

Unter den mahayanischen Erlösungswegen gibt es den Weg des Glaubens. 4 Die transzendenten Buddhas - Amitabha, Aksobhya etc. -, können zwar nicht oder nur bedingt in die Welt eingreifen, aber auf der Sambhogakaya-Ebene können sie Buddhaparadiese erscheinen lassen. Der Buddha Amitabha hat ein westliches Paradies (sukhavati) errichtet, wo er den Yogis ein ideales Feld zum Erreichen von Nirvana errichtet hat.

Im Sukhavativyuha-sutra findet man die Gelübde des Amitabha. Er gelobt:

„Wenn, o Herr, nachdem ich (dereinst) Erleuchtung erlangte habe, We- sen in anderen Weltsystemen durch das Hören meines Namens ein Den- ken an höchste, vollkommene Erleuchtung entwickeln und klaren Geistes meiner gedenken, wenn ich nicht in deren Todesmoment, nachdem ich, umgeben von einer Schar von Mönchen, zu ihnen gegangen bin, als der Verehrte vor ihnen stehen sollte, um ihren Geist vor Angst zu bewahren, nicht möge ich dann zur höchsten, vollkommenen Erleuchtung gelan- gen“. 5

Diese Buddhaparadiese sind jedoch nie das endgültige Heilsziel. Sie gelten als eine Zwischenstation auf dem Weg zur Erleuchtung. Der Glaube und das Ein- gedenksein führt zu einer Wiedergeburt im reinen Land (淨土). Aber es gilt

4 (Schumann, 1997, S. 170-191) 5 (Schumann, 1997, S. 178-179)

auch auf diesem mahayanischen Erlösungsweg, dass Weisheit und Gierlosig- keit zum Nirvana führen.

4. NEMBUTSU-PRAXIS IM REINEN LAND

Nach Suzuki läßt sich der „Ursprung des Nembutsu … sehr weit zurückverfol- gen bis in die frühen Tage des Buddhismus in Indien“ 6 . Dies habe ich ja auch weiter oben beschrieben. Suzuki fährt fort, die Anfänge und den darauffolgen- den Wechsel der Nembutsu-Praxis zu beschreiben:

„Das Nembutsu war am Anfang keineswegs eine mechanische Übung. Das Des-Buddha-eingedenk-Sein stand obenan, und die Anrufung des Namens kam an zweiter Stelle. Doch wie so oft, bestimmte auch hier zunächst der Inhalt die Form, und dann kehrte das Verhältnis sich um7 .

In die gleiche Kerbe schlägt der chinesische Mönch 天如惟則 (Tianru Weize):

„Beim Nembutsu kann man unterscheiden zwischen dem, was wirksam ist, und dem, was unwirksam ist. Wenn die Anrufung nur von den Lippen des Übenden kommt, sein Geist aber gar nicht vom Buddha erfüllt ist, so bewirkt diese Anrufung nichts. Streben seine Lippen und sein Geist jedoch gemeinsam zum Buddha hin bei der Rezitation, so daß sein Geist in der Vereinigung mit dem Buddha wirkt, so wird sein Nembutsu gewiß

6 (Suzuki, 1988, S. 139) 7 (Suzuki, 1988, S. 140)

Ergebnisse zeitigen… Weit besser ist es, den Buddha im Geiste zu haben und die Lippen nicht zu bewegen, denn dies ist die wahre Übung des Nembutsu“ 8 .

Warum an den Buddha denken, ihm Eingedenksein, weil „woran man viel denkt, dahin neigt sich das Gemüt“ 9 . Aber wie schon angedeutet, hat sich die Praxis im Laufe der Zeit gewandelt. Weg von dem Buddha Eingedenk-sein, dem nembutsu (念仏), und hin zum Aussprechen des Namens, dem shomyo

(声明). Diese Entwicklung wurde noch weiter verstärkt als diese Form des Bud-

dhismus nach Japan übersiedelte und sich dort als eigenständige Schule etab- lierte.

Wie wird der Name nun angerufen:

im Japanischen wird 南無阿弥陀仏 (namu amida butsu) und

im Chinesischen wird 南無阿彌陀佛 (namo emituofo) intoniert.

So stellt sich kurz dargestellt die Nembutsu-Praxis dar, die zur Wiedergeburt im westlichen Paradies des Amitabha führt.

8 (Suzuki, 1988, S. 142) 9 Majjhima-nikaya, zit. nach (Schmidt, 1989, S. 165)

5. ÜBEREINSTIMMUNG ZWISCHEN MAHAYANA UND

THERAVADA

Das Nembutsu ist eine buddhistische Praxis, die seit der Zeit des Gautama Buddha besteht. Und in beiden Lehrrichtungen bestand die Praxis am Anfang im Vergegenwärtigen des Buddha. Erst später folgte der Schritt zur stillen oder lauten Aussprache des Buddhanamens.

Ebenfalls besteht Übereinstimmung darin, dass diese Praxis nicht direkt das Erreichen des Nirvana als Frucht hat. Damit ist das Nembutsu eine Praxis, die auch von Theravadin geschätzt werden sollte.

LITERATURVERZEICHNIS

Nyanatiloka. (1993a). Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung: Einer- bis Dreier-Buch. Braunschweig: Aurum Verlag.

Nyanatiloka. (1993b). Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung: Fünfer- und Sechser-Buch. Braunschweig: Aurum Verlag.

Nyanatiloka.

(1997).

Der

Weg

zur

Reinheit:

die

größte

und

älteste

systematische Darstellung des Buddhismus. Uttenbühl: Jhana-Verlag.

Schmidt, K. (1989). Buddhas Reden: Majjhimanikaya - die Sammlung der mittleren Texte des buddhistischen Pali-Kanons. Leimen: Werner Kristkeitz Verlag.

Schumann, H. W. (1997). Buddhismus: Stifter, Schulen und Systeme. München: Eugen Diederichs Verlag.

Suzuki, D. T. (1988). Koan der Sprung ins Grenzenlose: das Koan als Mittel der meditativen Schulung im Zen. Bern, München: O.W. Barth.