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Ausbildung & Beruf

Rechte und Pflichten während


der Berufsausbildung

BILDUNG
BILDUNG
Ausbildung & Beruf
Rechte und Pflichten während der Berufsausbildung

BILDUNG
VORWORT

Vorwort

„Die Grundlage eines jeden Staates ist die für den internationalen Innovationswett-
Ausbildung seiner Jugend.“ Das hat schon bewerb und die aktuellen demographi-
der antike Philosoph Diogenes gewusst, der schen Entwicklungen: Wir überprüfen die
um 400 vor Christus geboren wurde. Die staatlich anerkannten Qualifikationen kon-
Ausbildung der jungen Menschen ist das tinuierlich und halten sie in einem nach-
Fundament, auf dem eine Gesellschaft haltigen Austauschprozess mit der Wirt-
ihren Wohlstand aufbaut. Die Ausbildung schaft und den Ländern auf dem neuesten
legt aber auch den Grundstock für das Stand der Entwicklung. Und wir gestalten
gelingende Berufsleben jedes Einzelnen. die einmal erworbenen Qualifikationen
Die berufliche Bildung qualifiziert junge nach Möglichkeit gleichermaßen verwert-
Leute und sichert so den Fachkräftebedarf bar und anschlussfähig für berufliche und
der Zukunft. Damit entscheidet sie auch akademische Bildung – im Inland wie auch
über die Wettbewerbsfähigkeit und den im Ausland.
Wohlstand unseres Landes. Diese Broschüre wendet sich an Auszu-
In Deutschland absolviert heute mehr bildende und Ausbildende, Ausbildungs-
als die Hälfte eines Altersjahrganges eine berater, Schülerinnen und Schüler, ihre
duale Berufsausbildung. Junge Menschen Eltern und Lehrer. Sie erläutert die Rechte
werden dadurch direkt in die Arbeitswelt und Pflichten im Rahmen der dualen
integriert. Nicht zuletzt daran liegt es, dass Berufsausbildung und sie soll eine Orien-
Deutschland zu den Ländern mit der nied- tierungshilfe sein – für den Lebens- und
rigsten Jugendarbeitslosigkeitsquote in der Bildungsweg sowie für einen erfolgreichen
Europäischen Union gehört. Auch deshalb Verlauf der Ausbildung.
wächst international das Interesse an unse-
rem Qualifikationssystem, das Praxis und
Theorie eng miteinander verbindet.
Mit gezielten Anpassungen machen wir Prof. Dr. Johanna Wanka
die duale Berufsausbildung zukunftsfest Bundesministerin für Bildung und Forschung
INHALT 1

Vorwort
I. Ausbildungsberuf und Ausbildungsordnung 3

II. Eignung von Ausbildungsstätte und Ausbildungspersonal 6


1. Ausbildungsstätte 6
2. Ausbildungspersonal 7
3. Überwachung der Eignung 8

III. Berufsausbildungsvertrag 9
1. Vertragsparteien 9
2. Vertragsniederschrift 10
3. Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse 11

IV. Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis 12


1. Ziel der Ausbildung 13
2. Ausbildungs- und Prüfungsmittel 13
3. Berufsschulunterricht, überbetriebliche Ausbildung 14
4. Ausbildungsgerechte und körperlich angemessene Beschäftigung 15
5. Schriftliche Ausbildungsnachweise 15
6. Weisungen 16
7. Ordnung in der Ausbildungsstätte 16
8. Pflicht zur Verschwiegenheit 16
9. Ärztliche Untersuchungen 16

V. Ausbildungszeit und Urlaub 18


1. Ausbildungsdauer 19
2. Probezeit 19
3. Aufteilung der Ausbildungszeit 19
4. Urlaub 20

VI. Vergütung und sonstige Leistungen 22

VII. Prüfungen 24
1. Abschlussprüfung in anerkannten Ausbildungsberufen 24
2. Zulassung zur Abschlussprüfung 25
3. Prüfungsgegenstand 25
4. Durchführung der Prüfung 26
5. Prüfungszeugnis 27
6. Zwischenprüfung 27

VIII. Kündigung 28
2 INHALT

IX. Besondere Formen der Berufsausbildung 30


1. Verbundausbildung 30
2. Teilzeitausbildung 31
3. Berufsausbildung für behinderte Menschen 31

X. Ausbildung im Ausland 33

XI. Weiterbeschäftigung nach der Berufsausbildung 36

XII. Auskunfts-, Beschwerde- und Klagemöglichkeiten 37

XIII. Beruflicher Aufstieg, Begabtenförderung 40

XIV. Lebensbegleitendes Lernen, Praktika 43

XV. Organisation der beruflichen Bildung auf Landes- und Kammerebene 46


1. Die „zuständigen Stellen“ nach dem BBiG 46
2. Die Landesausschüsse für Berufsbildung 47

XVI. Organisation der beruflichen Bildung auf Bundesebene 48


1. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 48
2. Aufgaben des BIBB 49
3. Organe des BIBB und ihre Funktionen 50
4. Wissenschaftlicher Beirat 50

Anhang A: Rechtsgrundlagen 51
1. Berufsbildungsgesetz 52
2. Handwerksordnung (Auszug) 94
3. Jugendarbeitsschutzgesetz 149
4. Ausbilder-Eignungsverordnung 176

Anhang B: Service 182


1. Ausbildungsvertragsmuster 183
2. Musterprüfungsordnung für die Durchführung von Abschluss- und
Umschulungsprüfungen 204
3. Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe 217
4. Serviceinformationen 235
5. Abkürzungsverzeichnis 238
6. Schlagwortregister 239
AUSBILDUNGSBERUF UND AUSBILDUNGSORDNUNG 3

I. Ausbildungsberuf und Ausbildungsordnung

Überblick

• Als Grundlage für eine geordnete und einheitliche Berufsausbildung werden


Ausbildungsberufe staatlich anerkannt und hierfür Ausbildungsordnungen erlassen.
Das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) herausgegebene „Verzeichnis der
anerkannten Ausbildungsberufe” macht die Entwicklung und Struktur in den einzel-
nen Ausbildungsberufen überschaubar.

• Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nur in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen


ausgebildet werden. Für die Ausbildung ist die jeweilige Ausbildungsordnung maß-
gebend. Erwachsene können im Rahmen der Vertragsfreiheit auch in anderen
Berufen ausgebildet werden. Wird jedoch ein Abschluss in einem staatlich anerkann-
ten Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung
angestrebt, so gilt auch hierfür wieder die dem Beruf zugrunde liegende
Ausbildungsordnung.

• In der Ausbildungsordnung ist ein Ausbildungsrahmenplan enthalten, nach dem die


Ausbildungsstätte einen betrieblichen Ausbildungsplan erstellen soll.

Grundlage für eine geordnete und einheitli- Ergänzend erlassen die Bundesländer
che Berufsausbildung sind die staatlich an- inhaltlich und zeitlich mit der
erkannten Ausbildungsberufe. Für jeden Ausbildungsordnung abgestimmte
Ausbildungsberuf erlässt die Bundesregie- Rahmenlehrpläne für den Berufsschul-
rung eine Ausbildungsordnung (§§ 4, 5 Be- unterricht.
rufsbildungsgesetz – BBiG; §§ 25, 26 Hand- Einen Überblick über die anerkannten
werksordnung – HwO), die den jeweiligen Ausbildungsberufe vermittelt das „Verzeich-
Ausbildungsberuf beschreibt und die hierfür nis der anerkannten Ausbildungsberufe”,
zu erwerbenden Fertigkeiten, Kenntnisse das vom Bundesinstitut für Berufsbildung
und Fähigkeiten für alle verbindlich festlegt. (BIBB) geführt und jährlich veröffentlicht
4 AUSBILDUNGSBERUF UND AUSBILDUNGSORDNUNG

wird. Es kann bei der Berufsberatung der Sie enthält mindestens (§ 5 Abs. 1 BBiG;
Agentur für Arbeit oder bei der zuständi- § 26 Abs. 1 HwO):
gen Stelle (siehe XV. 1.) eingesehen werden
(siehe auch Kurzübersicht zu den staatlich 1. die Bezeichnung des Ausbildungs-
anerkannten Ausbildungsberufen im berufes,
Anhang B.2). Die Ausbildungsordnung
sollten die Ausbildenden ihren Auszubil- 2. die Ausbildungsdauer; diese soll
denden kostenlos aushändigen. zwischen zwei und drei Jahren lie-
Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nur gen,
in staatlich anerkannten Ausbildungsbe-
rufen ausgebildet werden (§ 4 Abs. 3 BBiG; 3. die beruflichen Fertigkeiten, Kennt-
§ 25 Abs. 3 HwO). Um die Qualität der dua- nisse und Fähigkeiten, die Gegen-
len Berufsausbildung dauerhaft zu sichern, stand der Berufsausbildung sind
darf für einen anerkannten Ausbildungs- (Ausbildungsberufsbild),
beruf nur nach der dazu erlassenen Aus-
bildungsordnung ausgebildet werden 4. eine Anleitung zur sachlichen und
(§ 4 Abs. 2 BBiG; § 25 Abs. 2 HwO). Die in ihr zeitlichen Gliederung der Vermitt-
geregelten Ausbildungsinhalte sind für alle lung der Fertigkeiten, Kenntnisse
maßgeblich, damit auch für Erwachsene in und Fähigkeiten (Ausbildungsrah-
diesen Ausbildungsgängen. menplan),
Die Ausbildungsordnung legt – dem
gesetzlichen Grundauftrag in § 1 Abs. 3 5. die Prüfungsanforderungen.
BBiG entsprechend – für die anerkannten
Ausbildungsberufe konkret fest, welche Die Ausbildungsordnung kann und soll
Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten den betrieblichen Ausbildungsablauf aber
zum Erwerb der vollen beruflichen Hand- nicht in allen Einzelheiten festlegen. Daher
lungsfähigkeit vermittelt werden müssen. erstellt die Ausbildungsstätte anhand des
Ausbildungsrahmenplans einen betriebli-
chen Ausbildungsplan, der auch den ein-
zelvertraglichen Vereinbarungen über die
sachliche und zeitliche Gliederung der Be-
rufsausbildung entsprechen muss. Darüber
hinaus können auch weitere Ausbildungs-
inhalte vermittelt werden.
AUSBILDUNGSBERUF UND AUSBILDUNGSORDNUNG 5

Je nach Ausbildungsberuf kann die Aus- • Die Ausbildungsordnung kann sog.


bildungsordnung auch weitere Gestaltungs- Zusatzqualifikationen vorsehen, die
und Strukturmerkmale enthalten (§ 5 Abs. 2 der Betrieb ergänzend zur regulären
BBiG; § 26 Abs. 2 HwO): Ausbildung vermittelt und die in der
Abschlussprüfung gesondert geprüft
• Die Berufsausbildung kann in aufein- und bescheinigt werden. Hierdurch
ander aufbauende Stufen eingeteilt können leistungsstarke Auszubilden-
sein, nach denen sowohl ein Ausbil- de ihren beruflichen Horizont bereits
dungsabschluss als auch die Fortset- während der Ausbildung erweitern.
zung der Berufsausbildung möglich
ist (Stufenausbildung). • Schließlich kann in der Ausbildungs-
ordnung festgelegt sein, dass die Be-
• Nach erfolgreichem Abschluss einer rufsausbildung in einem bestimmten
kürzeren, z. B. zweijährigen Ausbil- Umfang in geeigneten Einrichtun-
dung kann diese nahtlos in einer gen außerhalb der Ausbildungsstätte
ähnlichen, aber längeren Berufsaus- (in überbetrieblichen Bildungsstätten)
bildung fortgesetzt werden; die be- durchzuführen ist, aber nur, wenn
reits erworbenen Fertigkeiten, und soweit es die Berufsausbildung
Kenntnisse und Fähigkeiten werden erfordert.
dabei angerechnet.
Literaturhinweis:
• Die Abschlussprüfung wird in zwei Verzeichnis “Die anerkannten
auseinander fallenden Teilen durch- Ausbildungsberufe 2010“,
geführt (sog. gestreckte Abschluss- Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.),
prüfung, siehe auch VII.). Bielefeld 2010 (ISBN 978-3-7639-4708-9)

Web-Link:
www.berufenet.arbeitsagentur.de
(Informationsangebot der Bundesagentur
für Arbeit zu Ausbildungsberufen)
6 EIGNUNG VON AUSBILDUNGSSTÄTTE UND AUSBILDUNGSPERSONAL

II. Eignung von Ausbildungsstätte und


Ausbildungspersonal

Überblick

• Nur in geeigneten Ausbildungsstätten darf ausgebildet werden. Dazu gehören eine


entsprechende Ausstattung des Betriebs und ausreichend qualifiziertes Ausbildungs-
personal.

• Ausbildender ist der Betrieb oder die Ausbildungsstätte; Ausbilder/Ausbilderinnen


sind die Mitarbeiter, die im Betrieb die Ausbildung vermitteln.

• Ausbilden darf nur, wer persönlich und fachlich dazu geeignet ist. Welche Qualifika-
tionen der Ausbildende oder die Ausbilder bzw. Ausbilderinnen haben müssen, ist im
Berufsbildungsgesetz und in der Handwerksordnung unterschiedlich festgelegt.

• Über die Eignung der Ausbildungsstätte wie auch die persönliche und fachliche
Eignung der Ausbildenden und der Ausbilder wachen die zuständigen Stellen,
z. B. die Kammern.

1. Ausbildungsstätte schäftigten Fachkräfte steht (§ 27 BBiG;


§ 21 HwO).
Auszubildende dürfen nur eingestellt Die Eignung der Ausbildungsstätte ist
und ausgebildet werden, wenn die Aus- in der Regel vorhanden, wenn dort die in
bildungsstätte nach Art und Einrich- der Ausbildungsordnung vorgeschriebe-
tung für die Berufsausbildung geeig- nen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
net ist und die Zahl der Auszubildenden und Fähigkeiten in vollem Umfang vermit-
in einem angemessenen Verhältnis zur telt werden können. Was z. B. ein kleinerer
Zahl der Ausbildungsplätze oder be- Betrieb nicht abdecken kann, darf auch
EIGNUNG VON AUSBILDUNGSSTÄTTE UND AUSBILDUNGSPERSONAL 7

durch Ausbildungsmaßnahmen außerhalb Gesetze erlassenen Vorschriften verstoßen


der Ausbildungsstätte (z. B. in Lehrwerkstät- hat (§ 29 BBiG, § 22a HwO).
ten und anderen außer- oder überbetrieb- Fachliche Eignung liegt vor, wenn die
lichen Einrichtungen) vermittelt werden. erforderlichen beruflichen und die berufs-
Möglich ist auch der Zusammenschluss und arbeitspädagogischen Fertigkeiten,
mehrerer Betriebe im Rahmen einer Ver- Kenntnisse und Fähigkeiten vorhanden
bundausbildung (siehe IX. 1). Für die Be- sind, die für die Vermittlung der
rufsausbildung in landwirtschaftlichen Ausbildungsinhalte erforderlich sind (§ 30
oder hauswirtschaftlichen Berufen können BBiG). Durch welche Ausbildungsgänge
darüber hinaus durch gesonderte Rechts- und Berufserfahrungen die erforderlichen
verordnung zusätzliche Anforderungen an beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und
die Ausbildungsstätte gestellt werden. Fähigkeiten nachgewiesen werden können,
ist für einzelne Ausbildungsberufe unter-
2. Ausbildungspersonal schiedlich geregelt. Grundsätzlich muss
der Ausbilder die Abschlussprüfung in
Der Ausbildende kann entweder selbst aus- einer dualen Berufsausbildung bestanden
bilden oder er kann Ausbilder bzw. Ausbil- haben, die dem zu vermittelnden Ausbil-
derinnen ausdrücklich damit beauftragen dungsberuf entspricht. Bei der Ausbildung
(§ 28 BBiG). Ausbilden darf aber nur derje- von Fachangestellten in Arztpraxen, Apo-
nige, der persönlich und fachlich dazu ge- theken und Rechtsanwaltskanzleien müs-
eignet ist (§ 28 Abs. 1 BBiG; § 22 Abs. 1 HwO). sen die Ausbilder und Ausbilderinnen als
Dies wird von der zuständigen Stelle Arzt, Apotheker oder Rechtsanwalt zuge-
(siehe XV. 1.) geprüft und kontrolliert. lassen sein. Im Handwerk ist als Ausbilder
Persönlich nicht geeignet ist z. B., wer auf jeden Fall fachlich geeignet, wer die
nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz Meisterprüfung in dem Handwerk, in dem
(§ 25 Jugendarbeitsschutzgesetz – JArbSchG) ausgebildet werden soll, bestanden hat.
Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen Ausbilder haben in der Regel die
darf, weil er z. B. innerhalb der letzten fünf berufs- und arbeitspädagogischen Fertig-
Jahre wegen eines Verbrechens zu einer keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten durch
Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren eine Prüfung nach der Ausbilder-Eignungs-
oder wegen eines Sittlichkeitsdeliktes ver- verordnung (AEVO) nachzuweisen.
urteilt worden ist. Außerdem ist persönlich
ungeeignet, wer wiederholt oder schwer
gegen das Berufsbildungsgesetz, die Hand-
werksordnung oder die aufgrund dieser
8 EIGNUNG VON AUSBILDUNGSSTÄTTE UND AUSBILDUNGSPERSONAL

3. Überwachung der Eignung bildet oder nicht geeignete Ausbilder be-


stellt, kann mit einer Geldbuße bis zu 5.000 €
Die zuständige Stelle (siehe XV. 1.) muss dar- belegt werden (§ 102 BBiG).
über wachen, dass die Eignung der Ausbil- Wenn dem Ausbildenden die Ausbil-
dungsstätte wie auch die persönliche und dungsbefugnis entzogen wird, so können
fachliche Eignung des Ausbildungsperso- die Auszubildenden das Ausbildungsver-
nals vorliegt (§ 32 BBiG; § 23 HwO). Ist dies hältnis fristlos kündigen; u.U. bestehen
nicht der Fall, führt dies in der Regel zur auch Schadensersatzansprüche gegen den
Entziehung der Ausbildungsbefugnis. Wer Ausbildenden (§ 23 BBiG).
ohne Eignung Auszubildende einstellt, aus-
BERUFSAUSBILDUNGSVERTRAG 9

III. Berufsausbildungsvertrag

Überblick

• Partner zur Begründung eines Berufsausbildungsverhältnisses sind die Ausbildenden


(Ausbildungsbetriebe) und die Auszubildenden. Sie haben vor Beginn der Berufsaus-
bildung einen Berufsausbildungsvertrag zu schließen. Bei Vertragsabschluß mit Min-
derjährigen ist die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter erforderlich.

• Der Berufsausbildungsvertrag muss einige Mindestangaben enthalten. Im Anhang B


dieser Broschüre ist ein Vertragsmuster abgedruckt, aus dem alle wesentlichen Ver-
tragsbestandteile ersichtlich sind. Wichtig ist, dass die Ausbildenden alle Vereinbarun-
gen, die zwischen den Vertragsparteien getroffen werden, unverzüglich, spätestens
aber vor Beginn der Berufsausbildung, schriftlich niederlegen. Der Vertrag wird von den
Ausbildenden, den Auszubildenden und ggf. ihren gesetzlichen Vertretern und Vertre-
terinnen unterzeichnet. Jeder Partei wird eine Niederschrift ausgehändigt.

• Die zuständigen Stellen, z. B. die Kammern, führen ein Verzeichnis der Berufsausbil-
dungsverhältnisse. Jeder Berufsausbildungsvertrag muss vom Ausbildenden unver-
züglich an die zuständige Stelle geschickt werden, damit der Vertrag in das Verzeich-
nis eingetragen werden kann.

1. Vertragsparteien gelten die Vorschriften des Berufsbildungs-


gesetzes für Auszubildende, die bei Bund,
Die betriebliche Berufsausbildung wird in Ländern und Gemeinden und sonstigen
Betrieben der Wirtschaft und in vergleich- Körperschaften, Anstalten und Stiftungen
baren Einrichtungen außerhalb der Wirt- des öffentlichen Rechts zu Facharbeitern
schaft, insbesondere im öffentlichen Dienst oder Fachangestellten ausgebildet werden.
und bei Angehörigen freier Berufe durch- Vor Beginn einer Berufsausbildung
geführt (§ 2 BBiG). Im öffentlichen Dienst schließen die Ausbildenden und die Aus-
10 BERUFSAUSBILDUNGSVERTRAG

zubildenden einen Berufsausbildungsver- mindestens Angaben enthalten über


trag nach § 10 BBiG. (§ 11 BBiG):

• Ausbildender ist derjenige, der eine 1. Art, sachliche und zeitliche Gliede-
andere Person zur Berufsausbildung rung sowie Ziel der Berufsausbil-
einstellt, d.h. in aller Regel der Aus- dung, insbesondere die Berufstätig-
bildungsbetrieb. Davon sind diejeni- keit, für die ausgebildet werden soll,
gen zu unterscheiden, die die Ausbil-
dung praktisch durchführen. Das 2. Beginn und Dauer der Berufsausbil-
kann der Ausbildende selbst oder von dung,
ihm beauftragte Ausbilder und Aus-
bilderinnen sein. 3. Ausbildungsmaßnahmen außerhalb
der Ausbildungsstätte,
• Auszubildende sind diejenigen, die
ausgebildet werden. Ist die Person 4. die Dauer der regelmäßigen tägli-
noch minderjährig, muss zum Ver- chen Ausbildungszeit,
tragsschluss die Zustimmung der
gesetzlichen Vertreter eingeholt 5. die Dauer der Probezeit,
werden. Vertretungsberechtigt sind
grundsätzlich beide Eltern gemein- 6. die Zahlung und Höhe der Ausbil-
sam, in Ausnahmefällen ein Eltern- dungsvergütung,
teil oder ein Vormund.
7. die Dauer des Urlaubs,
2. Vertragsniederschrift
8. die Voraussetzungen, unter denen
Der wesentliche Inhalt des Berufsausbil- der Berufsausbildungsvertrag ge-
dungsvertrages muss von den Ausbilden- kündigt werden kann,
den unverzüglich nach der Vereinbarung,
auf jeden Fall aber vor Beginn der Berufs- 9. Tarifverträge, Betriebs- oder Dienst -
ausbildung schriftlich niedergelegt wer- vereinbarungen, die auf das Berufs-
den (§ 11 BBiG). Die Niederschrift des Ver- ausbildungsverhältnis anzuwenden
trages ist von den Ausbildenden, den sind.
Auszubildenden und deren gesetzlichen
Vertretern und Vertreterinnen zu unter- In dieser Broschüre finden Sie ein Muster
zeichnen. Die Vertragsniederschrift muss für einen Ausbildungsvertrag (Anhang B.1).
BERUFSAUSBILDUNGSVERTRAG 11

Das Formular enthält über den gesetzlich 3. Eintragung in das Verzeichnis der
vorgeschriebenen Mindestgehalt hinaus Berufsausbildungsverhältnisse
weitere für Auszubildende wichtige
Bestimmungen. Nach Abschluss des Berufsausbildungsver-
Ungültig sind Vereinbarungen im Ver- trages haben die Ausbildenden unverzüg-
trag, die Auszubildende für die Zeit nach lich die Eintragung in das Verzeichnis der
ihrer Berufsausbildung in der Ausübung Berufsausbildungsverhältnisse zu beantra-
ihrer beruflichen Tätigkeit beschränken. gen (§ 36 BBiG; § 30 HwO). Die Eintragung
Keine Gültigkeit haben auch Vereinbarun- ist für Auszubildende gebührenfrei (§ 34
gen, die eine Verpflichtung des Auszubil- BBiG; § 28 HwO). Das Verzeichnis wird bei
denden zur Zahlung einer Entschädigung der zuständigen Stelle (siehe XV. 1.) geführt
für die Berufsausbildung, Vertragsstrafen, und dient vor allem der Überwachung und
den Ausschluss oder die Beschränkung von Beratung. Die Eintragung in das Verzeich-
Schadensersatzansprüchen sowie die Fest- nis wird nur vorgenommen, wenn der Be-
setzung der Höhe eines pauschalierten rufsausbildungsvertrag dem Berufsbil-
Schadensersatzes vorsehen (§ 12 BBiG). dungsgesetz und der Ausbildungsordnung
Nach Unterzeichnung des Berufsausbil- entspricht. Dazu muss die persönliche und
dungsvertrages (Niederschrift) haben die fachliche Eignung des Ausbildungsperso-
Ausbildenden den Auszubildenden und de- nals sowie die Eignung der Ausbildungs-
ren gesetzlichen Vertretern und Vertrete- stätte (siehe II.) vorliegen (§§ 30 ff. BBiG;
rinnen unverzüglich ein Exemplar auszu- §§ 21 ff. HwO). Bei Auszubildenden unter
händigen (§ 11 BBiG). Damit erhalten beide 18 Jahren muss die Bescheinigung über die
Vertragspartner eine Unterlage über den Erstuntersuchung nach § 32 Abs. 1 JArbSchG
wesentlichen Inhalt des Vertrages. vorgelegt werden. Wesentliche Vertrags-
Bei Änderungen des Berufsausbildungs- änderungen im Laufe der Ausbildungszeit
vertrages müssen die Vorschriften über müssen ebenfalls der zuständigen Stelle
den Mindestinhalt der Vertragsnieder- gemeldet werden.
schrift sowie über die Unterzeichnung und
Aushändigung des Vertragstextes ebenfalls
beachtet werden.
12 RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

IV. Rechte und Pflichten im Ausbildungsver-


hältnis

Überblick

• Während der Berufsausbildung haben beide Vertragspartner, die Ausbildenden wie


auch die Auszubildenden, Pflichten zu übernehmen. Die Ausbildenden müssen dafür
Sorge tragen, dass die Auszubildenden das vorgesehene Ausbildungsziel erreichen kön-
nen. Die Auszubildenden müssen sich bemühen, die notwendigen Fertigkeiten, Kennt-
nisse und Fähigkeiten (und damit die berufliche Handlungsfähigkeit) zu erwerben.

• Ausbildungsmittel, wie z. B. Werkzeuge und Werkstoffe, stellen die Ausbildenden


kostenlos zur Verfügung.

• Die Freistellung der Auszubildenden für den Berufsschulunterricht oder für Sonder-
veranstaltungen im Rahmen des Berufsschulunterrichts ist für sie mit der Verpflich-
tung verbunden, am Schulunterricht bzw. den Veranstaltungen teilzunehmen.

• Den Auszubildenden dürfen nur Tätigkeiten übertragen werden, die dem Ausbildungs-
zweck dienen und ihren körperlichen Kräften angemessen sind. Auszubildende sind
nicht verpflichtet, Arbeiten durchzuführen, die mit ihrer Ausbildung nicht in Zusam-
menhang stehen. Verboten sind Arbeiten, die die körperlichen Kräfte der Auszubil-
denden übersteigen, wie z. B. Akkord- oder Fließbandarbeiten. Zumutbar sind dage-
gen Arbeitsaufträge, die mit der Sauberkeit des eigenen Arbeitsplatzes und der Pfle-
ge der Gegenstände zusammenhängen, mit denen die Auszubildenden umgehen.

• Schriftliche Ausbildungsnachweise müssen die Auszubildenden ordnungsgemäß und


regelmäßig führen, soweit diese in der Ausbildungsordnung vorgeschrieben sind.
RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS 13

• Die Auszubildenden haben den Weisungen zu folgen, die ihnen im Rahmen der Be-
rufsausbildung von Ausbildenden oder sonst Weisungsberechtigten erteilt werden.
Der Ausbildende darf keine Weisungen erteilen, die auf die Ausübung einer ausbil-
dungswidrigen Beschäftigung gerichtet sind. Körperliche Gewalt oder Züchtigung ist
unzulässig.

• An jeder Ausbildungsstätte gelten bestimmte Sicherheits- und Ordnungsvorschriften;


darüber sind die Auszubildenden zu informieren.

• Die Auszubildenden sind verpflichtet, über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Still-


schweigen zu wahren.

• Die Ausbildung darf erst begonnen werden, wenn jugendliche Auszubildende inner-
halb der letzten 14 Monate ärztlich untersucht worden sind und dem Ausbildenden
eine vom untersuchenden Arzt ausgestellte Bescheinigung vorgelegen hat. Zur Über-
prüfung des Gesundheits- und Entwicklungszustandes der Jugendlichen muss vor Ab-
lauf des ersten Beschäftigungsjahres eine ärztliche Nachuntersuchung erfolgen.

1. Ziel der Ausbildung (Niederschrift) wie auch die Ausbildungsord-


nung klare Regelungen. Anhand dieser Un-
Die Ausbildungsbetriebe (Ausbildenden) terlagen ist ein späterer Vergleich mit dem
müssen dafür sorgen, dass den Auszubil- tatsächlichen Ausbildungsverlauf möglich.
denden die berufliche Handlungsfähigkeit Die Auszubildenden müssen an der
vermittelt wird, die zum Erreichen des Aus- eigenen Berufsausbildung aktiv mitwirken
bildungszieles – wie es in der Ausbildungs- und sich bemühen, die Fertigkeiten, Kennt-
ordnung festgelegt ist – erforderlich ist. Sie nisse und Fähigkeiten zu erwerben, die er-
haben die Berufsausbildung planmäßig, forderlich sind, um das Ausbildungsziel zu
zeitlich und sachlich gegliedert so durch- erreichen (§ 13 BBiG).
zuführen, dass das Ausbildungsziel in der
vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht 2. Ausbildungs- und Prüfungs-
werden kann (§ 14 BBiG). mittel
Über das Ausbildungsziel sowie die zeit-
liche und sachliche Gliederung der Berufs- Der Ausbildungsbetrieb (Ausbildender) hat
ausbildung enthält der Ausbildungsvertrag den Auszubildenden kostenlos die Ausbil-
14 RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

dungsmittel – insbesondere Werkzeuge maßnahmen außerhalb der Ausbildungs-


und Werkstoffe – zur Verfügung zu stellen, stätte (z. B. in überbetrieblichen Lehrwerk-
die zur Berufsausbildung und zum Ablegen stätten) freizustellen (§ 15 BBiG). Die Auszu-
von Zwischen- und Abschlussprüfungen er- bildenden müssen an Ausbildungsmaß-
forderlich sind (§ 14 BBiG). Zu den Ausbil- nahmen, für die sie freigestellt werden,
dungsmitteln gehören zudem vorgeschrie- aber auch teilnehmen (§ 13 BBiG).
bene schriftliche Ausbildungsnachweise, Die Zeit dieser Freistellung umfasst den
eine ggf. erforderliche Sicherheitsausrüs- Unterricht bzw. die Ausbildungsmaßnah-
tung, Zeichen- und Schreibmaterial sowie me einschließlich Pausen und die Weg-
Fach- und Tabellenbücher, die für die Aus- strecke zwischen der Ausbildungsstätte
bildung in der Ausbildungsstätte gebraucht und der Unterrichtsstätte bzw. außerbe-
werden. Vom Ausbildenden vorgeschriebe- trieblichen Ausbildungsstätte. Auch für
ne besondere Berufskleidung sollte – zweck- Veranstaltungen im Rahmen des Berufs-
mäßigerweise auf der Grundlage einer ver- schulunterrichts, die außerhalb der eigent-
traglichen Vereinbarung – von diesem zur lichen Unterrichtszeit durchgeführt wer-
Verfügung gestellt werden. Nicht zu den den und die den Unterricht notwendig
erforderlichen Ausbildungsmitteln nach ergänzen (z. B. Betriebsbesichtigungen),
§ 14 BBiG zählen jedoch die Materialien, müssen die Auszubildenden freigestellt
Lehrbücher und Unterlagen, die für den werden.
begleitenden Berufsschulunterricht benö- Für jugendliche Auszubildende gel-
tigt werden. ten darüber hinaus folgende Besonder-
Die Auszubildenden sind verpflichtet, heiten: Beträgt die Unterrichtszeit mehr
Werkzeug, Maschinen und sonstige Ein- als fünf Unterrichtsstunden von mindes-
richtungen pfleglich und schonend zu be- tens 45 Minuten Dauer, so dürfen jugend-
handeln (§ 13 BBiG). Das setzt aber auch liche Auszubildende an diesem Schultag
eine entsprechende Anleitung durch das nicht mehr beschäftigt werden. Dieses
Ausbildungspersonal zur Bedienung und Beschäftigungsverbot besteht aber nur
Handhabung voraus. einmal in der Woche (§ 9 Abs. 1 Nr. 2
JArbSchG).
3. Berufsschulunterricht, über-
betriebliche Ausbildung Verstöße gegen diese Vorschriften können
mit Geldbußen bis zu 5.000 € (§ 102 BBiG)
Der Ausbildende hat die Auszubildenden und solche nach dem Jugendarbeitsschutz-
für die Teilnahme am Berufsschulunter- gesetz sogar bis zu 15.000 € (§ 58 JArbSchG)
richt und an vorgeschriebenen Ausbildungs- geahndet werden.
RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS 15

4. Ausbildungsgerechte und körper- denen sie gesundheitlichen oder sittlichen


lich angemessene Beschäftigung Gefahren ausgesetzt sind (§ 22 JArbSchG).
Untersagt ist insbesondere die Beschäfti-
Auszubildenden dürfen nur Aufgaben über- gung mit Akkordarbeiten und mit Fließ-
tragen werden, die dem Ausbildungszweck bandarbeiten mit vorgeschriebenem
dienen und ihren körperlichen Kräften an- Arbeitstempo (§ 23 JArbSchG). Die gesund-
gemessen sind (§ 14 Abs. 2 BBiG). heitsschädlichen Arbeiten, mit denen
Die Ausbildungsordnung (Ausbildungs- Auszubildende nicht beschäftigt werden
berufsbild) legt die Fertigkeiten, Kenntnis- dürfen, sind in den für die jeweiligen
se und Fähigkeiten fest, die Gegenstand der Tätigkeiten geltenden Rechts- und Unfall-
Berufsausbildung sind. Dem Ausbildungs- verhütungsvorschriften geregelt.
zweck dienen grundsätzlich nicht z. B. Aufträge, die diesen Verboten zu-
private Besorgungen für den Ausbildenden widerlaufen, braucht der Auszubildende
wie etwa Einkaufen oder Kinder betreuen. nicht auszuführen. Eine Weigerung ist
Unzulässig ist z. B. auch der Einsatz bei be- kein wichtiger Grund zur Kündigung.
stimmten Verrichtungen, wenn dadurch
nur fehlende Arbeitskräfte (z. B. Putzhilfen, 5. Schriftliche Ausbildungs-
Lagerarbeiter, Boten, Fahrer, Post- und nachweise
Frachtexpedienten, Schreibkräfte) ersetzt
werden sollen. Zumutbar – und deshalb In allen neueren Ausbildungsordnungen
durch die Ausbildungsordnungen im allge- ist das Führen von schriftlichen Ausbil-
meinen auch vorgeschrieben – sind dage- dungsnachweisen – früher Berichtshefte
gen Aufgaben, die mit der Sauberkeit am genannt – für die Berufsausbildung vorge-
Arbeitsplatz und der Pflege von Waren, schrieben. Die Auszubildenden müssen sie
Maschinen, Geräten und Werkzeugen zu- ordnungsgemäß führen und regelmäßig
sammenhängen, soweit Auszubildende vorlegen – sofern die Ausbildungsordnung
damit persönlich umzugehen haben. Wer dies bestimmt, während der Ausbildungs-
Auszubildenden Aufgaben überträgt, die zeit. Der Ausbildende muss die Auszu-
dem Ausbildungszweck nicht dienen, han- bildenden zum Führen der Ausbildungs-
delt ordnungswidrig und kann mit einer nachweise anhalten und die Nachweise
Geldbuße bis zu 5.000 € belegt werden durchsehen (§ 14 BBiG). Das Führen von
(§ 102 BBiG). schriftlichen Ausbildungsnachweisen ist
Verboten ist die Beschäftigung mit Ar- eine Zulassungsvoraussetzung für die
beiten, die die körperlichen Kräfte jugend- Abschlussprüfung (§ 43 BBiG; § 36 HwO).
licher Auszubildender übersteigen oder bei
16 RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

6. Weisungen ter Kleidung. Arbeitsschutzbestimmungen


und Hygienevorschriften müssen aber ein-
Auszubildende haben den Weisungen zu gehalten werden. Dabei kann z. B. das
folgen, die ihnen im Rahmen der Berufs- Problem, dass ein Auszubildender bei der
ausbildung vom Ausbildenden, von den Tätigkeit an einer Maschine durch zu lange
Ausbildern, Ausbilderinnen oder von ande- Haare gefährdet würde, gegebenenfalls
ren weisungsberechtigten Personen erteilt durch das Tragen einer geeigneten Kopfbe-
werden (§ 13 BBiG). Andere weisungsbe- deckung gelöst werden. Schließlich ist ein
rechtigte Personen können z. B. Verant - bestimmtes äußeres Auftreten des Auszu-
wortliche für den Arbeitsschutz sein. Wei- bildenden dort erforderlich, wo sonst ein-
sungen, die auf die Ausübung einer ausbil- deutig ein berufs- und geschäftsschädigen-
dungswidrigen Beschäftigung gerichtet des Verhalten des Auszubildenden gegen-
sind, sind unzulässig. Kein Jugendlicher über dem Ausbildenden (z. B. in der Parfü-
darf misshandelt werden (§ 31 JArbSchG). merie und Kosmetikhandlung, beim Friseur
usw.) vorliegen würde.
7. Ordnung in der Ausbildungs-
stätte 8. Pflicht zur Verschwiegenheit

Auszubildende müssen die für die Ausbil- Auszubildende sind verpflichtet, über Be-
dungsstätte geltende Ordnung beachten triebs- und Geschäftsgeheimnisse Still-
(§ 13 BBiG). Diese kann z. B. betreffen: Sicher- schweigen zu wahren (§ 13 BBiG), da der
heits- und Unfallverhütungsvorschriften, Ausbildungsbetrieb ein berechtigtes Inte-
Anlegen von Schutzkleidung, Rauchverbote, resse daran hat, dass Betriebs- und Geschäfts-
Vorschriften über das Betreten von Werk- geheimnisse nicht der Konkurrenz bekannt
stätten und bestimmten Räumen, Benut- werden.
zungsordnungen für Sozialeinrichtungen,
allgemeine Hausordnung usw., soweit sie 9. Ärztliche Untersuchungen
nicht im Widerspruch zu den Bestimmun-
gen des Berufsbildungsgesetzes stehen. Der Ausbildende darf mit der Berufsausbil-
Der Ausbildende soll die Auszubildenden dung jugendlicher Auszubildender nur be-
auf bestehende Ordnungen hinweisen. Die ginnen, wenn sie innerhalb der letzten
Ordnungen dürfen nicht in das Recht auf 14 Monate von einem Arzt untersucht wor-
die freie Entfaltung der eigenen Persön- den sind und dem Ausbildenden eine von
lichkeit (Art. 2 Grundgesetz – GG) eingrei- diesem Arzt ausgestellte Bescheinigung
fen, wie z. B. Verbot langer Haare, bestimm- vorliegt (§ 32 JArbSchG). Ein Jahr nach Auf-
RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS 17

nahme der ersten Beschäftigung hat sich sundheits- und Entwicklungsstand der
der Ausbildende die Bescheinigung eines Jugendlichen festgestellt, insbesondere
Arztes darüber vorlegen zu lassen, dass die auch, ob ihre Gesundheit durch die Aus-
jugendlichen Auszubildenden nachunter- übung bestimmter Arbeiten gefährdet wer-
sucht worden sind (§ 33 JArbSchG). Die den könnte. Wird die ärztliche Bescheini-
Nachuntersuchung darf nicht länger als gung über die erste Nachuntersuchung
drei Monate zurückliegen. Der Ausbilden- nicht vorgelegt, müssen die Auszubilden-
de soll die Auszubildenden neun Monate den damit rechnen, dass ihr Ausbildungs-
nach Aufnahme der ersten Beschäftigung verhältnis im Verzeichnis bei der Kammer
nachdrücklich auf den Zeitpunkt, bis zu oder der sonst zuständigen Stelle gelöscht
dem diese die Bescheinigung über die erste wird (§ 35 Abs. 2 BBiG und § 29 Abs. 2 HwO).
Nachuntersuchung vorzulegen haben, hin- Wenn der Ausbildende den Vorschriften
weisen und sie auffordern, die Nachunter- vorsätzlich oder fahrlässig zuwider handelt,
suchung bis dahin durchführen zu lassen. kann er mit einer Geldbuße bis zu 2.500 €
Durch die Untersuchungen wird der Ge- belegt werden (§ 59 JArbSchG).
18 AUSBILDUNGSZEIT UND URLAUB

V. Ausbildungszeit und Urlaub

Überblick

• Die in der jeweiligen Ausbildungsordnung vorgeschriebene Ausbildungsdauer muss


in der Niederschrift des Berufsausbildungsvertrages enthalten sein. In bestimmten
Fällen kann die Ausbildungszeit verkürzt oder verlängert werden. Das Berufsausbil-
dungsverhältnis endet regelmäßig mit Ablauf der vorgeschriebenen Ausbildungszeit.
Eine Ausnahme hiervon gilt bei vorzeitigem Bestehen der Abschlussprüfung. Die Aus-
bildungszeit endet dann mit der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses. Bestehen
Auszubildende innerhalb ihrer Ausbildungszeit die Prüfung nicht, ist das Ausbildungs-
verhältnis auf ihr Verlangen bis zur Wiederholungsprüfung (aber höchstens um ein
Jahr) zu verlängern.

• Die Probezeit ist für beide Vertragsparteien wichtig. Ausbildende sind verpflichtet,
während dieser Zeit die Eignung ihrer Auszubildenden zu prüfen. Die Auszubildenden
müssen prüfen, ob sie die richtige Berufswahl getroffen haben. Das Berufsausbildungs-
verhältnis kann während der höchstens viermonatigen Probezeit von jedem der Ver-
tragspartner ohne Angabe von Gründen schriftlich gekündigt werden.

• Die Vertragsparteien vereinbaren im Ausbildungsvertrag die regelmäßige tägliche


Ausbildungszeit. Dabei sind für die Jugendlichen die zeitlichen Begrenzungen nach
dem Jugendarbeitsschutzgesetz, für erwachsene Auszubildende die Beschränkun-
gen des Arbeitszeitgesetzes einzuhalten.

• Für Jugendliche beträgt der Jahresurlaub nach Lebensalter gestaffelt mindestens


25 bis 30 Werktage, für Erwachsene mindestens 24 Werktage.
AUSBILDUNGSZEIT UND URLAUB 19

1. Ausbildungsdauer Auszubildenden bis zur nächstmöglichen


Wiederholungsprüfung, höchstens um ein
Die Ausbildungsdauer wird durch die je- Jahr (§ 21 BBiG).
weilige Ausbildungsordnung (siehe I.)
festgelegt. Außerdem müssen Beginn und 2. Probezeit
Dauer der Berufsausbildung in der Nieder-
schrift des Berufsausbildungsvertrages Das Berufsausbildungsverhältnis beginnt
(siehe III. 2.) enthalten sein. Diese Ausbil- mit der Probezeit. Sie muss mindestens ei-
dungszeit kann in bestimmten Fällen ver- nen Monat und darf höchstens vier Monate
kürzt oder verlängert werden (§§ 7, 8 BBiG; betragen (§ 20 BBiG).
§§ 27a, 27b HwO): Auf gemeinsamen An- Da die Probezeit schon zur Berufsaus-
trag der Vertragsparteien ist die zuständi- bildung gehört, bestehen auch die vollen
ge Stelle (siehe XV. 1.) verpflichtet, die Aus- Pflichten der Ausbildenden und der Auszu-
bildungszeit zu verkürzen, wenn zu erwar- bildenden. Die Ausbildenden sind während
ten ist, dass die Auszubildenden das Ausbil- der Probezeit verpflichtet, die Eignung der
dungsziel in der gekürzten Zeit erreichen. Auszubildenden für den zu erlernenden
Sie kann auch in Ausnahmefällen (z. B. bei Beruf besonders sorgfältig zu prüfen. Auch
längeren Krankheitszeiten) – jedoch nur die Auszubildenden müssen sich klar wer-
auf Antrag der Auszubildenden – die Aus- den, ob sie die richtige Wahl getroffen ha-
bildungszeit verlängern, wenn die Verlän- ben. Während der Probezeit kann das Be-
gerung erforderlich ist, um das Ausbil- rufsausbildungsverhältnis jederzeit sowohl
dungsziel zu erreichen. von den Ausbildenden als auch von den
Schließlich können Auszubildende Auszubildenden ohne Angabe von Grün-
nach Anhören ihrer Ausbildenden und der den und ohne Einhalten einer Frist schrift-
Berufsschule vor Ablauf der regulären Aus- lich gekündigt werden (§ 22 Abs. 1 BBiG).
bildungszeit zur Abschlussprüfung zuge-
lassen werden, wenn ihre Leistungen dies 3. Aufteilung der Ausbildungszeit
rechtfertigen (§ 45 BBiG; § 37 HwO).
Bestehen Auszubildende die Abschluss- Die regelmäßige tägliche Ausbildungszeit
prüfung, so endet das Berufsausbildungs- muss in der Vertragsniederschrift aus-
verhältnis mit Bekanntgabe des Prüfungs- drücklich vereinbart werden. Dabei sind
ergebnisses durch den Prüfungsausschuss für jugendliche Auszubildende die Begren-
(§ 21 BBiG). Wird die Abschlussprüfung zungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes
nicht bestanden, so verlängert sich das Be- zu beachten. Auch in Ausbildungsbetrie-
rufsausbildungsverhältnis auf Antrag der ben, in denen eine gleitende Arbeitszeit
20 AUSBILDUNGSZEIT UND URLAUB

eingeführt ist und die Auszubildenden in für Betriebe, die in mehreren Schichten ar-
diese Regelung einbezogen werden, darf beiten (bis 23.30 Uhr), oder für bestimmte
die Dauer der Arbeitszeit nicht über die im Gewerbezweige, wie z. B. das Gast- und Ho-
Jugendarbeitsschutzgesetz höchstzulässi- telgewerbe (bis 22.00 Uhr) oder das Back-
gen Grenzen ausgedehnt werden. Die gewerbe (ab 5.00 Uhr). Jugendliche über
Gestaltung der täglichen Ausbildungszeit 17 Jahre dürfen in Bäckereien ab 4.00 Uhr
muss sich ebenfalls innerhalb der vom beschäftigt werden (§ 14 JArbSchG).
Jugendarbeitsschutzgesetz gezogenen Durch Tarifverträge und ggf. Betriebs-
Grenzen bewegen. vereinbarungen kann in bestimmten Gren-
Für erwachsene Auszubildende gilt das zen von den gesetzlichen Regelungen ab-
Arbeitszeitgesetz. Dieses sieht im Regelfall gewichen werden (§ 21a JArbSchG). Aus-
eine werktägliche Arbeitszeit von acht nahmen vom Gesetz können auch durch
Stunden, also eine Wochenarbeitszeit Rechtsverordnung zugelassen werden,
von 48 Stunden vor, lässt aber im Einzel- soweit eine Beeinträchtigung der Gesund-
nen weit reichende Abweichungen zu heit oder körperlichen oder seelisch-geisti-
(§ 3 ArbZG). gen Entwicklung der Jugendlichen nicht zu
Die Arbeitszeit für Jugendliche ist grund- befürchten ist (§ 21b JArbSchG).
sätzlich auf acht Stunden täglich und auf Verstöße gegen Bestimmungen des
vierzig Stunden pro Woche begrenzt. Ist Jugendarbeitsschutzgesetzes sind, je
allerdings die Arbeitszeit an einzelnen Werk- nach Schwere der Zuwiderhandlungen,
tagen auf weniger als acht Stunden ver- mit einer Geldbuße bis zu 15.000 €,
kürzt, können Jugendliche an den übrigen Geldstrafe oder Gefängnis bedroht
Werktagen derselben Woche bis zu acht- (§ 58 JArbSchG).
einhalb Stunden beschäftigt werden
(§ 8 JArbSchG). 4. Urlaub
Die Arbeitszeit muss durch Ruhepau-
sen unterbrochen werden. Die Ruhepausen Die Dauer des Urlaubs muss in der Nieder-
müssen bei mehr als viereinhalb bis zu sechs schrift des Berufsausbildungsvertrages fest-
Stunden Arbeitszeit mindestens 30 Minu- gelegt werden. Sie richtet sich u. a. nach
ten, bei mehr als sechs Stunden Arbeitszeit dem Alter des Auszubildenden:
60 Minuten betragen.
Zwischen 20.00 und 6.00 Uhr dürfen • Für noch nicht 16 Jahre alte Auszubil-
Jugendliche nicht beschäftigt werden. Von dende beträgt der gesetzliche Jahres-
diesem Grundsatz gibt es für Jugendliche urlaub mindestens 30 Werktage
über 16 Jahre gesetzliche Ausnahmen, z. B. (§ 19 JArbSchG),
AUSBILDUNGSZEIT UND URLAUB 21

• für noch nicht 17 Jahre alte Auszubil- Arbeitnehmer einen Urlaubsanspruch


dende mindestens 27 Werktage und von mindestens 24 Werktagen
sichert (§ 3 Bundesurlaubsgesetz –
• für noch nicht 18 Jahre alte Auszubil- BUrlG).
dende mindestens 25 Werktage.
Während des Urlaubs dürfen Auszubil-
• Für erwachsene Auszubildende gilt dende keine dem Urlaubszweck widerspre-
das Bundesurlaubsgesetz, das jedem chende Erwerbsarbeit leisten.
22 VERGÜTUNG UND SONSTIGE LEISTUNGEN

VI. Vergütung und sonstige Leistungen

Überblick

• Die Auszubildenden erhalten vom Ausbildenden während der Ausbildung eine ange-
messene Vergütung. Sie richtet sich nach dem Alter der Auszubildenden und der Dau-
er der Berufsausbildung.

• Die Vergütung ist so zu bemessen, dass sie mindestens jährlich ansteigt. Sie muss spä-
testens am letzten Arbeitstag des Monats gezahlt werden. Im Krankheitsfall wird die
Vergütung bis zu sechs Wochen weitergezahlt.

• Der Ausbildende zahlt die Vergütung auch für die Zeit der Freistellung für den Berufs-
schulunterricht und für Prüfungen weiter. Insoweit sich die Berufsschul- und die be-
trieblichen Ausbildungszeiten tatsächlich überschneiden, ersetzt die Zeit des Berufs-
schulunterrichts diejenige der betrieblichen Ausbildung. Für jugendliche Auszubil-
dende gelten weitergehende Anrechnungsregelungen nach dem Jugendarbeits-
schutzgesetz.

Ausbildende zahlen ihren Auszubildenden bleiben (§ 17 Abs. 2 BBiG). Die Vergütung


eine angemessene Vergütung (§ 17 Abs. 1 für den laufenden Kalendermonat muss
BBiG). Sie muss nach dem Lebensalter der spätestens am letzten Arbeitstag des Mo-
Auszubildenden so bemessen sein, dass sie nats gezahlt werden (§ 18 BBiG).
mit fortschreitender Berufsausbildung, Wenn für die Vertragspartner eine ver-
mindestens jährlich, ansteigt. Werden den bindliche Tarifregelung vorliegt, dürfen im
Auszubildenden von den Ausbildenden Ausbildungsvertrag keine niedrigeren Ver-
Sachleistungen (z. B. Kost und Wohnung) gütungssätze als die Tarifsätze vereinbart
auf die Vergütung angerechnet, müssen in werden. Ob eine tarifliche Bindung be-
jedem Fall mindestens 25 % der festgeleg- steht, lässt sich beim Ausbildenden, beim
ten Gesamtvergütung anrechnungsfrei Betriebsrat oder – soweit vorhanden – bei
VERGÜTUNG UND SONSTIGE LEISTUNGEN 23

der Jugend- und Auszubildendenvertre- • Berufsschulwochen mit einem plan-


tung sowie bei den im Betrieb vorhande- mäßigen Blockunterricht von mindes-
nen Gewerkschaftsvertretern erfragen. tens 25 Stunden an mindestens fünf
Eine über die vereinbarte regelmäßige Tagen mit 40 Stunden,
tägliche Ausbildungszeit (siehe IV. 3.) hin-
ausgehende Beschäftigung ist besonders • im Übrigen die Unterrichtszeiten ein-
zu vergüten (§ 17 Abs. 3 BBiG). Auch diese schließlich der Pausen.
besondere Vergütung für geleistete Über-
stunden muss angemessen sein. Statt der Als Arbeitszeit gilt, falls Tarifverträge der
Überstundenvergütung kann auch Freizeit- Betriebsvereinbarungen nicht günstigere
ausgleich gewährt werden. Für Sonn- und Anrechnungsmodelle vorsehen, bei ju-
Feiertagsarbeit, die Jugendliche nur in be- gendlichen Auszubildenden die höchstzu-
stimmten Wirtschaftszweigen verrichten lässige Arbeitszeit von 40 Stunden nach § 8
dürfen, muss in bestimmtem Umfang Frei- Abs. 1 JArbSchG.
zeit gewährt werden (§§ 17, 18, 21 JArbSchG). Im Krankheitsfall wird die Ausbildungs-
Die Vergütung ist auch für die Zeit der vergütung bis zu sechs Wochen weiterge-
Freistellung für die Teilnahme am Berufs- zahlt (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz –
schulunterricht und an Prüfungen fortzu- EntgFG).
zahlen (§ 19 Abs. 1), einschließlich notwendi- Auszubildende können unter bestimm-
ger Pausen in der Berufsschule und Wege- ten Voraussetzungen Berufsausbildungs-
zeiten. Fallen also Berufsschulzeiten und beihilfe nach § 59 des Dritten Buches So-
Wege- und Pausenzeiten in die mit den zialgesetzbuch (SGB III) von der Agentur für
Auszubildenden vereinbarte regelmäßige Arbeit erhalten. Die Beihilfe wird gewährt,
tägliche Ausbildungszeit, so verbrauchen sie soweit die für die Ausbildung erforderli-
betriebliche Ausbildungszeit und müssen chen Mittel nicht anderweitig zur Verfü-
daher auch nicht nachgearbeitet werden. gung stehen (etwa bei zusätzlichen finan-
Aus Jugendschutzgründen gelten dar- ziellen Lasten bei auswärtiger Unterbrin-
über hinaus für jugendliche Auszubildende gung). Die Höhe der Beihilfe richtet sich
folgende Besonderheiten: Auf die gesetz- sowohl nach dem Nettoeinkommen der
liche Arbeitszeit werden bei jugendlichen Eltern als auch nach dem Nettoeinkommen
Auszubildenden angerechnet des Auszubildenden (einschließlich Ausbil-
dungsvergütung).
• Berufsschultage mit mehr als fünf
Unterrichtsstunden von je 45 Minuten
mit acht Stunden (einmal in der Woche),
24 PRÜFUNGEN

VII. Prüfungen

Überblick

• Die Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen schließt mit einer Abschluss- oder


Gesellenprüfung ab. Diese kann auch in zwei zeitlich auseinander fallenden Teilen
durchgeführt werden (sog. gestreckte Abschlussprüfung). In der Abschlussprüfung
wird durch einen Prüfungsausschuss der zuständigen Stelle festgestellt, ob der
Prüfling die berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat. Einzelheiten über Prüfungs-
gegenstand und -verfahren können der jeweiligen Ausbildungsordnung und der
Prüfungsordnung der zuständigen Stelle entnommen werden.

• Nach bestandener Prüfung erhält der Prüfling von der zuständigen Stelle ein Prü-
fungszeugnis, auf dem auf Antrag des Prüflings auch das Ergebnis seiner berufsschuli-
schen Leistungen aufgeführt werden kann. Eine Anrechnung auf die Gesamtnote der
Prüfung bei der zuständigen Stelle findet aber nicht statt. Vom Ausbildenden wird
ebenfalls ein Zeugnis ausgestellt.

1. Abschlussprüfung in anerkannten § 26 Abs. 2 Nr. 2 HwO); in diesem Falle ist


Ausbildungsberufen der erste Teil der Abschlussprüfung nicht
eigenständig wiederholbar.
In den anerkannten Ausbildungsberufen Ausbildende müssen Auszubildende
werden Abschlussprüfungen durchgeführt für die Teilnahme an Abschlussprüfungen
(§ 37 BBiG; § 31 HwO). Die Abschlussprü- freistellen. Jugendliche unter 18 Jahren ha-
fung kann bei Nichtbestehen zweimal wie- ben einen Freistellungsanspruch auch für
derholt werden. Die Ausbildungsordnung den Arbeitstag, der der schriftlichen Ab-
kann vorsehen, dass die Abschlussprüfung schlussprüfung unmittelbar vorausgeht
in zwei zeitlich auseinander fallenden (§ 15 BBiG; § 10 JArbSchG).
Teilen durchgeführt wird (sog. „gestreckte
Abschlussprüfung“, § 5 Abs. 2 Nr. 2 BBiG;
PRÜFUNGEN 25

2. Zulassung zur Abschlussprüfung Absolventen vollzeitschulischer Berufs-


ausbildungen sind zur Abschlussprüfung
Zur Abschlussprüfung wird zugelassen, zuzulassen, wenn diese Bildungsgänge der
wer die Ausbildungszeit zurückgelegt hat Berufsausbildung in einem anerkannten
oder wessen Ausbildungszeit spätestens Ausbildungsberuf entsprechen. Welche
zwei Monate nach dem Prüfungstermin Bildungsgänge diese Voraussetzung erfül-
endet. Außerdem müssen die Prüflinge an len, kann durch Rechtsverordnung der
vorgeschriebenen Zwischenprüfungen teil- Landesregierungen festgelegt werden
genommen sowie vorgeschriebene schrift- (§ 43 Abs. 2; § 36 Abs. 2 HwO).
liche Ausbildungsnachweise (siehe IV. 5.) Berufstätige ohne Berufsausbildung
geführt haben. sind ebenfalls zur Abschlussprüfung zuzu-
Sofern die Abschlussprüfung in zwei lassen, wenn sie nachweisen können, dass
zeitlich auseinander fallenden Teilen durch- sie mindestens das Eineinhalbfache der
geführt wird, ist über die Zulassung jeweils Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrie-
gesondert zu entscheiden (§ 44 BBiG; § 36a ben ist, in dem Beruf tätig gewesen sind, in
HwO). Voraussetzung für die Zulassung dem die Prüfung abgelegt werden soll. Als
zum zweiten Teil der Abschlussprüfung ist Zeiten der Berufstätigkeit gelten auch Aus-
zusätzlich die Teilnahme am ersten Teil der bildungszeiten in einem anderen, einschlä-
Abschlussprüfung; ein Bestehen ist nicht gigen Ausbildungsberuf (sog. Externenzu-
erforderlich. lassung, § 45 Abs. 2 BBiG; § 37 Abs. 2 HwO).
Haben Auszubildende Elternzeit in An- Über die Zulassung zur Abschluss-
spruch genommen, darf ihnen bei der Ent- prüfung entscheidet die zuständige Stelle
scheidung über die Zulassung hieraus kein (siehe XV. 1.), im Handwerk der oder die
Nachteil erwachsen. Die Elternzeit wird Vorsitzende des Prüfungsausschusses
nicht auf Berufsbildungszeiten angerech- (§ 46 BBiG; § 37a HwO).
net (§ 20 Abs. 1 S. 2 BEEG). Das Berufsausbil- Prüfungstermine können bei der
dungsverhältnis verlängert sich automa- zuständigen Stelle – insbesondere beim
tisch um die Dauer der Elternzeit, wenn Ausbildungsberater (siehe XII.) – erfragt
und soweit diese in die vereinbarte Ausbil- werden.
dungszeit fällt.
Bei überdurchschnittlichen Leistungen 3. Prüfungsgegenstand
können Auszubildende bereits vor Ablauf
ihrer Ausbildungszeit zur Abschlussprü- Durch die Abschlussprüfung wird festge-
fung zugelassen werden (§ 45 Abs. 1 BBiG; stellt, ob die Prüflinge die berufliche Hand-
§ 37 HwO). lungsfähigkeit erworben haben. Prüflinge
26 PRÜFUNGEN

sollen nachweisen, dass sie die erforderli- gabe beziehen. In allen diesen Fällen blei-
chen beruflichen Fertigkeiten beherrschen, ben das Letztentscheidungsrecht und die
die notwendigen beruflichen Kenntnisse Prüfungshoheit beim Prüfungsausschuss.
und Fähigkeiten besitzen und mit dem Beschlüsse über die Noten zur Bewer-
Lehrstoff des Berufsschulunterrichts ver- tung einzelner Prüfungsleistungen, der
traut sind (§ 38 BBiG; § 32 HwO). Dabei wer- Prüfung insgesamt sowie über das Beste-
den die Prüfungsanforderungen der hen und Nichtbestehen der Abschlussprü-
Ausbildungsordnung zugrunde gelegt. fung werden vom Prüfungsausschuss in
seiner Gesamtheit gefasst. Der Prüfungsaus-
4. Durchführung der Prüfung schuss hat aber die Möglichkeit, zur Vorbe-
reitung seiner Beschlussfassung mindes-
Die Abschlussprüfung wird von einem Prü- tens zwei seiner Mitglieder mit der Bewer-
fungsausschuss der zuständigen Stelle ab- tung einzelner, nicht mündlich zu erbrin-
genommen. Der Prüfungsausschuss kann gender Prüfungsleistungen zu beauftragen
zur Bewertung einzelner, nicht mündlich (sog. Berichterstatterprinzip). Als mündli-
zu erbringender Prüfungsleistungen gut- che Prüfungsleistungen i.S. des § 42 Abs. 2
achterliche Stellungnahmen Dritter einho- BBiG gelten nur eigenständige Prüfungs-
len (§§ 39 Abs. 2 BBiG, § 33 Abs. 3 HwO). leistungen mit eigenständigen Anforde-
Gutachterlich bedeutet dabei, dass es sich rungen und eigenständiger Bewertung.
um sachverständige Leistungsbewertun- Nicht hierunter fallen Fachgespräche, die
gen Dritter handelt, an die der Prüfungs- integraler Bestandteil der praktischen Prü-
ausschuss aber nicht gebunden ist. In der fung sind oder mündliche Ergänzungsprü-
Praxis können zum einen berufsschulische fungen als Bestandteil der jeweiligen schrift-
Leistungen in die Abschlussprüfung einbe- lichen Prüfung. Der Prüfungsausschuss ist an
zogen werden. Voraussetzung hierfür ist, die Bewertungsvorschläge nicht gebunden.
dass deren Aufgabenstellung mit Teilen Weitere Einzelheiten der Abschluss-
der Abschlussprüfung bei der zuständigen prüfung können den von den zuständigen
Stelle identisch ist und sie in unmittelbarem Stellen erlassenen Prüfungsordnungen ent-
zeitlichem und sachlichem Zusammen- nommen werden.
hang mit dieser Prüfung erbracht werden
(gemeinsame schriftliche Prüfung). Zum
anderen kann sich in Betrieben die Stel-
lungnahme ausbildender Dritter bspw.
auf die Begutachtung praktischer Prü-
fungsaufgaben in Form einer Arbeitsauf-
PRÜFUNGEN 27

5. Prüfungszeugnis und Ziel der Berufsausbildung sowie über


die erworbenen beruflichen Fertigkeiten,
Dem Prüfling ist von der zuständigen Stelle Kenntnisse und Fähigkeiten der Auszubil-
ein Prüfungszeugnis auszustellen, das sog. denden enthalten muss (§ 16 BBiG). Auf
Kammerzeugnis. Sofern die Abschlussprü- Verlangen der Auszubildenden sind darin
fung in gestreckter Form durchgeführt auch Angaben über Verhalten und Leis-
wird, ist das Ergebnis der Prüfungsleistun- tung aufzunehmen.
gen im ersten Teil der Abschlussprüfung
dem Prüfling schriftlich mitzuteilen. 6. Zwischenprüfung
Auszubildende können beantragen,
dass auch das Ergebnis ihrer berufsschuli- Während der Berufsausbildung ist eine
schen Leistungen auf dem Kammerzeugnis Zwischenprüfung zur Ermittlung des Aus-
aufgeführt wird. Die Berufsschulnote wird bildungsstandes durchzuführen, es sei
aber nicht auf die Note der Abschlussprü- denn, die Abschlussprüfung wird in zwei
fung bei der zuständigen Stelle angerechnet. zeitlich auseinander fallenden Teilen
Auf Antrag der Auszubildenden sind absolviert (§ 48 BBiG, § 39 HwO). In den
dem Zeugnis von der zuständigen Stelle Ausbildungsordnungen werden Inhalt
ebenfalls eine englischsprachige und eine und Zeitraum der Zwischenprüfungen
französischsprachige Übersetzung beizu- vorgeschrieben. Hinsichtlich der Frei-
fügen. Grenzübergreifende Bewerbungen stellung für die Zwischenprüfungen sowie
und Mobilität sollen hierdurch gefördert der Gebührenfreiheit und Zeugnis-
werden. erteilung gelten die Bestimmungen über
Die Abschlussprüfung ist für die Aus- die Abschlussprüfungen entsprechend
zubildenden gebührenfrei (§ 37 BBiG; mit Ausnahme des § 10 Abs. 1 Nr. 2
§ 31 HwO). JArbSchG, der die Freistellung auf den Tag
Ausbildende haben ihren Auszubilden- vor der schriftlichen Abschlussprüfung
den bei Beendigung des Berufsausbil- beschränkt und daher bei Zwischen-
dungsverhältnisses ebenfalls ein Zeugnis prüfungen nicht angewendet werden
auszustellen, das Angaben über Art, Dauer kann.
28 KÜNDIGUNG

VIII. Kündigung

Überblick

• Die Voraussetzungen für die Kündigung eines Ausbildungsvertrages sind gesetzlich


festgelegt. Während der Probezeit können beide Vertragspartner ohne Angabe von
Gründen kündigen. Nach der Probezeit kann auf Grund von schwerwiegenden Ver-
stößen fristlos gekündigt werden. Schwerwiegende Gründe, die schon länger als
zwei Wochen bekannt sind, können kein Anlass zur Kündigung sein. Auszubildende
können außerdem kündigen, wenn sie die Berufsausbildung aufgeben oder eine an-
dere Berufsausbildung ergreifen wollen.

• Jede Kündigung muss schriftlich erklärt werden, bei einer Kündigung nach der Probe-
zeit unter Angabe der Gründe.

Voraussetzungen, unter denen der Berufs- vorliegen, aufgrund derer dem Kündigen-
ausbildungsvertrag gekündigt werden den unter Berücksichtigung aller Umstän-
kann, sind in die Vertragsniederschrift auf- de des Einzelfalles und unter Abwägung
zunehmen (siehe III. 2.). der Interessen beider Vertragsparteien die
Während der Probezeit (siehe V. 2.) Fortsetzung des Berufsausbildungsverhält-
kann das Berufsausbildungsverhältnis nisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit
ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann.
und ohne Angabe von Gründen von beiden Die Kündigung aus wichtigem Grund
Vertragsparteien gekündigt werden ist unwirksam, wenn die ihr zugrunde lie-
(§ 22 Abs. 1 BBiG). genden Tatsachen dem zur Kündigung Be-
Nach der Probezeit kann das Berufsaus- rechtigten bereits länger als zwei Wochen
bildungsverhältnis nur aus einem wichti- bekannt sind.
gen Grund ohne Einhalten einer Kündi- Nach der Probezeit kann außerdem von
gungsfrist gekündigt werden. Ein wichti- Auszubildenden mit einer Kündigungsfrist
ger Grund ist gegeben, wenn Tatsachen von vier Wochen gekündigt werden, wenn
KÜNDIGUNG 29

sie die Berufsausbildung aufgeben oder bildende Ersatz des Schadens verlangen,
sich für eine andere Berufstätigkeit ausbil- wenn der andere den Grund für die Auf-
den lassen wollen (§ 22 Abs. 2 Nr. 2 BBiG). lösung zu vertreten hat (§ 23 BBiG). Dies gilt
Jede Kündigung muss schriftlich erklärt jedoch nicht bei Kündigung wegen Auf-
werden, bei einer Kündigung nach der Probe- gabe oder Wechsels der Berufsausbildung.
zeit unter Angabe der Kündigungsgründe. Der Anspruch erlischt, wenn er nicht inner-
Wird das Berufsausbildungsverhältnis halb von drei Monaten nach Beendigung
nach Ablauf der Probezeit vorzeitig gelöst, des Berufsausbildungsverhältnisses gel-
so kann der Ausbildende oder der Auszu- tend gemacht wird.
30 BESONDERE FORMEN DER BERUFSAUSBILDUNG

IX. Besondere Formen der Berufsausbildung

Überblick

• In einem Ausbildungsverbund können zwei oder mehrere Betriebe zusammenwirken


und gemeinsam die von der Ausbildungsordnung festgelegten Ausbildungsinhalte
vermitteln. Die Verantwortlichkeit der beteiligten Betriebe für die Ausbildungszeit
insgesamt wie auch für die einzelnen Abschnitte muss sichergestellt sein.

• Bei berechtigtem Interesse können Auszubildende und Ausbildende einvernehmlich


bei der zuständigen Stelle die Durchführung der Berufsausbildung in Teilzeitform
unter Beibehaltung der regulären Gesamtausbildungsdauer beantragen.

• Behinderte Menschen sollen grundsätzlich in anerkannten Ausbildungsberufen aus-


gebildet werden. Ist dies wegen Art und Schwere der Behinderung nicht möglich,
erlassen die zuständigen Stellen Ausbildungsregelungen, die auf die individuellen
Bedürfnisse der behinderten Menschen abgestimmt sind.

1. Verbundausbildung Das BBiG lässt hierfür flexible Organisa-


tionsformen zu. Einzige Voraussetzung ist,
Viele Betriebe können heute aufgrund zu- dass die Verantwortlichkeit der im Verbund
nehmender Spezialisierung nicht mehr alle beteiligten Betriebe für die einzelnen Aus-
für einen Ausbildungsberuf erforderlichen bildungsabschnitte wie auch für die Aus-
Ausbildungsinhalte vermitteln, wohl aber bildungszeit insgesamt sichergestellt ist
wichtige Teilbereiche dieser Berufsausbil- (§ 10 Abs. 5 BBiG).
dung. Um dieses Ausbildungspotenzial ak- Folgende Verbundstrukturen kommen
tiv zu nutzen, können Ausbildungspartner- insbesondere in Betracht:
schaften gebildet werden, in denen mehre-
re Betriebe gemeinsam das volle Spektrum • Ausbildungsgesellschaft als Gesellschaft
der Ausbildungsinhalte abdecken können. bürgerlichen Rechts oder als GmbH
BESONDERE FORMEN DER BERUFSAUSBILDUNG 31

• Ausbildungsverein dungsziel auch in der gekürzten Zeit er-


reicht wird, besteht nach § 8 Abs. 2 BBiG
• Auftragsausbildung auch die Möglichkeit, die Gesamtdauer der
Berufsausbildung zu verlängern.
2. Teilzeitausbildung Folgende zwei Varianten der Teilzeit-
ausbildung werden derzeit praktiziert:
Individuelle Lebensumstände führen bis-
weilen dazu, dass ausbildungswillige junge • Teilzeitausbildung ohne Verlänge-
Menschen nicht ganztägig für eine Berufs- rung der Ausbildungszeit. Die Arbeits-
ausbildung zur Verfügung stehen können. zeit einschließlich des Berufsschul-
Hier schaffen die neuen Strukturen des no- unterrichts beträgt mindestens
vellierten BBiG Abhilfe. Nach § 8 Abs. 1 BBiG 25 und maximal 30 Wochenstunden.
können die Vertragspartner eines Ausbil-
dungsverhältnisses einen gemeinsamen • Teilzeitausbildung mit Verlängerung
Antrag zur Verkürzung der üblicherweise der Ausbildungszeit. Die Arbeitszeit
ganztägigen Ausbildungszeit an die zustän- beträgt einschließlich des
dige Stelle richten. Dabei kann sich die Berufsschulunterrichts mindestens
Verkürzung auf die tägliche wie auch auf 20 Wochenstunden.
die wöchentliche Ausbildungszeit insge-
samt richten. Für die Durchführung der In der Empfehlung des Hauptaus-
Berufsausbildung in Teilzeitform muss ein schusses des Bundesinstituts für Berufsbil-
berechtigtes Interesse vorliegen, wie z. B. bei dung vom 27.6.2008 zur Abkürzung und
Auszubildenden, die ein eigenes Kind oder Verlängerung der Ausbildungszeit / zur
einen pflegebedürftigen nahen Angehöri- Teilzeitberufsausbildung (§ 8 BBiG/ § 27
gen zu betreuen haben. HwO) sowie zur vorzeitigen Zulassung zur
Durch den Verkürzungsantrag wird Abschlussprüfung (§ 45 Abs. 1 BBiG / § 37
eine Teilzeitberufsausbildung unter Beibe- Abs. 1 HwO) finden sich Konkretisierungen
haltung der in der Ausbildungsordnung zur Umsetzung des § 8 BBiG.
niedergelegten regulären Gesamtausbil-
dungsdauer ermöglicht. 3. Berufsausbildung für behinderte
Bei Einvernehmen zwischen den Ver- Menschen
tragspartnern besteht ein Anspruch gegen-
über der zuständigen Stelle, dem Antrag Behinderte Menschen sollen grundsätzlich
auf Verkürzung zu entsprechen. Sollte in anerkannten Ausbildungsberufen aus-
nicht zu erwarten sein, dass das Ausbil- gebildet werden (§ 64 BBiG). Soweit erfor-
32 BESONDERE FORMEN DER BERUFSAUSBILDUNG

derlich, kann die zeitliche und sachliche ausschöpfen können; sie dürfen daher in
Gliederung der Ausbildung, die Dauer von Inhalt und Niveau nicht dahinter zurück-
Prüfungszeiten und die Inanspruchnahme bleiben. Zuständige Stellen sind verpflich-
von Hilfsmitteln und Hilfeleistungen Drit- tet, solche Ausbildungsregelungen zu
ter im Rahmen von Prüfungen an die indi- schaffen, wenn der behinderte Mensch
viduellen Bedürfnisse des behinderten oder sein gesetzlicher Vertreter einen ent-
Menschen angepasst werden (§ 65 BBiG). sprechenden Antrag stellt und eine Ausbil-
Soweit wegen Art und Schwere der dungsmöglichkeit in dem angestrebten
Behinderung eine reguläre Ausbildung in Ausbildungsgang nachweist.
einem staatlich anerkannten Ausbildungs- Das Verzeichnis der anerkannten Aus-
beruf nicht in Betracht kommt, erlassen die bildungsberufe, das jährlich vom Bundes-
zuständigen Stellen (siehe XV. 1.) Ausbil- institut für Berufsbildung herausgegeben
dungsregelungen für behinderte Men- wird, enthält eine Übersicht über die von
schen. Diese Ausbildungsregelungen müs- den zuständigen Stellen erlassenen Aus-
sen es ermöglichen, dass behinderte Men- bildungsregelungen für behinderte
schen ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten Menschen.

Literaturhinweise:
Rechtsratgeber für die Verbundausbildung,
Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.),
Bonn 2003 (ISBN 3-88555-736-3)

Verzeichnis „Die anerkannten


Ausbildungsberufe 2010“,
Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.),
Bielefeld 2010 (ISBN 978-3-7639-4708-9)

Web-Links:
www.bibb.de/dokumente/pdf/
ha-empfehlung_129_ausbildungszeit.pdf
(zur Teilzeitausbildung)
www.good-practice.de
(zur Berufsausbildung behinderter Men-
schen, Teilzeitausbildung)
AUSBILDUNG IM AUSLAND 33

X. Ausbildung im Ausland

Überblick

• Auszubildende können zeitlich begrenzte Abschnitte der Berufsausbildung im


Ausland absolvieren. Die Dauer ist auf ein Viertel der in der Ausbildungsordnung fest-
gelegten Ausbildungsdauer begrenzt. Der Auslandsaufenthalt unterbricht das
Ausbildungsverhältnis nicht.

• Ein Auslandsaufenthalt während der Berufsausbildung kann nur mit Zustimmung der
Ausbildenden erfolgen.

Grenzüberschreitende Mobilität spielt auch rufsausbildung behandelt, sofern er dem


im Bereich der beruflichen Bildung eine Ausbildungsziel dient. Dies ist der Fall,
immer größere Rolle. In einem zusammen- wenn die im Ausland vermittelten Ausbil-
wachsenden Europa geben ausbildungsbe- dungsinhalte im Wesentlichen dem ent-
zogene Aufenthalte im europäischen Aus- sprechen, was Gegenstand der heimischen
land, bspw. im Rahmen von Austauschpro- Ausbildung ist, wenn Sprachkenntnisse
grammen, jungen Fachkräften frühzeitig die vermittelt oder sonstige zusätzliche Kom-
Möglichkeit, Europakompetenz, aber auch petenzen erworben werden.
interkulturelle und sprachliche Kompeten- Da der Auslandsaufenthalt in diesen Fäl-
zen zu erwerben. Sie bereiten dadurch auch len das Ausbildungsverhältnis nicht unter-
auf berufliche Aktivitäten im internationalen bricht, erübrigen sich zusätzliche Regelungen
Kontext vor. etwa zur Vergütungspflicht, zur Anerken-
Aus diesem Grund wurde im Berufsbil- nung der im Ausland erworbenen Fertig-
dungsgesetz 2005 die Möglichkeit veran- keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten oder zum
kert, zeitlich begrenzte Abschnitte der Status als Auszubildender hinsichtlich sozial-
Berufsausbildung im Ausland zu absolvie- versicherungs- und steuerrechtlicher Fragen.
ren (§ 2 Abs. 3 BBiG). Dabei wird der Aus- Der Auslandsaufenthalt kann jedoch nur in
landsaufenthalt rechtlich als Teil der Be- Abstimmung mit den Ausbildenden erfolgen.
34 AUSBILDUNG IM AUSLAND

Die Auslandsaufenthalte sollen im Ver- im europäischen Ausland, festgehalten


hältnis zur Gesamtdauer der Berufsausbil- werden.
dung angemessen sein und maximal ein
Viertel der in der Ausbildungsordnung Die Neuregelung bietet die Option,
festgelegten Ausbildungsdauer betragen. Auslandsaufenthalte als integralen Be-
Anrechnungen bzw. Verkürzungen nach standteil der Berufsausbildung zu gestalten.
§§ 7 und 8 BBiG bleiben dabei unberück-
sichtigt. Bei einer dreijährigen Berufs- Es besteht aber auch weiterhin die
ausbildung wird dementsprechend ein bis Möglichkeit, Auslandsaufenthalte im Rah-
zu neunmonatiger Auslandsaufenthalt men von Beurlaubungen/ Freistellungen
ermöglicht (theoretisch können auch der Auszubildenden durchzuführen und
mehrere Auslandsaufenthalte bis zu dieser die zuständige Stelle über eine Anrech-
Gesamtdauer erfolgen). Dieser Zeitrahmen nung befinden zu lassen.
entspricht den Angeboten der Europäi-
schen Berufsbildungsprogramme (insb. Auch die Berufsausbildung im Ausland
LEONARDO DA VINCI) sowie den Rege- gem. § 2 Abs. 3 BBiG unterliegt als Bestand-
lungen der Kultusministerkonferenz zur teil der heimischen Berufsausbildung der
„Teilnahme von Berufsschülern/Berufs- Aufsicht durch die zuständigen Stellen. Die
schülerinnen an Austauschmaßnahmen Betreuung und Förderung derartiger
mit dem Ausland“ vom 8. Juni 1999. Auslandsaufenthalte wird in § 76 Abs. 3
Ab einer Länge von vier Wochen muss BBiG geregelt. Die Möglichkeiten der
der Auslandsaufenthalt im Ausbildungsver- zuständigen Stelle, ihrer Aufsichtspflicht
trag als Ausbildungsmaßnahme außerhalb bei einem Auslandsaufenthalt der Aus-
der Ausbildungsstätte vereinbart werden zubildenden nachzukommen, sind
(§ 11 Abs. 1 Nr. 3 BBiG). Falls es erst zu einer begrenzt:
nachträglichen Vereinbarung kommt, be- Zum einen mangels Hoheitsgewalt der
darf es einer Änderung des Ausbildungs- zuständigen Stellen im Ausland, zum ande-
vertrages und der Weiterleitung an die IHK ren wird auch praktisch eine Überwa-
bzw. Handwerkskammer zur Eintragung chung, Prüfung und Betreuung vor Ort
(§ 36 Abs. 1 Satz 3 BBiG). erschwert. Daher sieht das Berufsbildungs-
gesetz nur vor, dass die zuständige Stelle
Die während des Auslandsaufenthaltes einen Ausbildungsabschnitt im Ausland „in
erworbenen Kompetenzen können mit geeigneter Weise“ überwacht und fördert.
Hilfe des europass Mobilität, einem Doku- Der Umfang der Aufsichtspflichten ist dabei
ment zum Nachweis von Lernaufenthalten von der Länge des Aufenthaltes abhängig.
AUSBILDUNG IM AUSLAND 35

Das Berufsbildungsgesetz gibt den zustän- personal und Ausbildungsstätte sind


digen Stellen den nötigen Spielraum, um anhand dieses Planes ebenfalls zu prüfen.
Möglichkeiten der Überwachung und
Betreuung flexibel zu nutzen. Sie können
bspw. die im Rahmen der Teilnahme an EU- Web-Links:
Programmen bestehenden Berichtspflich- Umfangreiche Informationen zu Auslands-
ten (Zwischen- und Endbericht) der Auszu- aufenthalten im Bereich der beruflichen
bildenden zur Evaluierung nutzen oder Aus- und Weiterbildung im Rahmen von
können mit ausländischen Kammern Aktionsprogrammen und Initiativen der
kooperieren, wie dies in zahlreichen regio- Europäischen Union bietet die Nationale
nalen grenzübergreifenden Projekten be- Agentur Bildung für Europa beim Bundes-
reits geschieht. Sie können insbesondere institut für Berufsbildung unter
auch mit und/oder über Mittlerorganisa- www.na-bibb.de/
tionen agieren. (Service-Hotline, Antragsformulare, Daten-
Die Anforderungen an eine solide banken).
Betreuung steigen mit der Länge eines Aus-
landsaufenthaltes. Für Auslandsaufenthal- Darüber hinaus geben seit 2009 Mobilitäts-
te über vier Wochen ist ein mit der zustän- berater bei den IHK und Handwerkskam-
digen Stelle abgestimmter Plan erforder- mern Auszubildenden und Unternehmen
lich. Der Begriff „Plan“ ist bewusst offen Hilfestellung. Eine Übersicht der
formuliert, um den zuständigen Stellen Berater/innen findet sich unter
Spielraum zu geben. So können sie sich www.esf.de/portal/generator/9378/property
etwa der Instrumente der EU-Förderpro- =data/2010__02__05__beraterliste.pdf
gramme bedienen. Ein durch LEONARDO
DA VINCI geförderter Auslandsaufenthalt www.europass-info.de
eines oder einer Auszubildenden setzt (Informationsportal des Nationalen Euro-
einen detaillierten Vertrag zwischen auf- pass Center)
nehmendem und entsendendem Betrieb
und Auszubildendem voraus, in dem kon-
krete Rechte und Pflichten der Beteiligten,
Ausbildungsinhalte etc. beschrieben wer-
den müssen. Ein solcher Ver trag kann
„Plan“ i.S. des § 76 BBiG sein. Fragen wie
etwa die Eignung von Ausbildungs-
36 WEITERBESCHÄFTIGUNG NACH DER BERUFSAUSBILDUNG

XI. Weiterbeschäftigung nach der Berufsaus-


bildung

Überblick

• Während der letzten sechs Monate des Berufsausbildungsverhältnisses können die


Vertragspartner eine Weiterbeschäftigung vereinbaren.

• Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung müssen nach Beendigung des


Ausbildungsverhältnisses grundsätzlich weiterbeschäftigt werden, wenn sie dies ver-
langen.

Im Berufsausbildungsvertrag ist die Verein- tung (§ 78a Betriebsverfassungsgesetz –


barung einer Weiterbeschäftigung nach BetrVG, § 9 Bundespersonalvertretungs-
Beendigung des Berufsausbildungsverhält- gesetz – BPersVG). Wenn der Arbeitgeber
nisses unzulässig (§ 12 BBiG). Eine solche die Absicht hat, ein Mitglied einer Jugend-
Vereinbarung kann frühestens während der und Auszubildendenvertretung nach Ende
letzten sechs Monate des bestehenden Berufs- der Ausbildung nicht mehr weiterzube-
ausbildungsverhältnisses getroffen werden. schäftigen, muss er ihm dies drei Monate
Werden Auszubildende im Anschluss vor Beendigung des Ausbildungsverhält-
an das Berufsausbildungsverhältnis beschäf- nisses schriftlich mitteilen. Wenn aber ein
tigt, ohne dass hierüber ausdrücklich etwas Mitglied der Jugend- oder Auszubildenden-
vereinbart worden ist, so wird damit ein vertretung die Weiterbeschäftigung ver-
Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit langt, so muss dem entsprochen werden.
begründet (§ 24 BBiG). Von dieser Pflicht zur Übernahme in ein
Besondere Schutzvorschriften enthal- unbefristetes Arbeitsverhältnis kann der
ten das Betriebsverfassungsgesetz und das Arbeitgeber nur durch einen Beschluss des
Personalvertretungsgesetz für Mitglieder Arbeitsgerichts bzw. des Verwaltungsge-
einer Jugend- und Auszubildendenvertre- richts entbunden werden.
AUSKUNFTS-, BESCHWERDE- UND KLAGEMÖGLICHKEITEN 37

XII. Auskunfts-, Beschwerde- und Klage-


möglichkeiten

Überblick

• Im Betrieb können sich Auszubildende in allen Fragen an Ausbildende, ihre Ausbilder


oder ihre Ausbilderinnen oder an den Betriebs- bzw. Personalrat wenden. Daneben
gibt es außerbetriebliche Beratungs- oder Beschwerdestellen. Die zuständige Stelle
(z. B. Kammer) ist gesetzlich verpflichtet, die Berufsausbildung durch Beratung zu
fördern. Sie muss u. a. Ausbildungsberater bestellen.

• Über Ausbildungsstätten und Ausbildungsberufe berät die Agentur für Arbeit.

• Über Fragen des Jugendarbeitsschutzes geben die Gewerbeaufsichtsämter Auskunft.


Das Arbeitsgericht ist für Streitigkeiten aus einem Berufsausbildungsverhältnis zu-
ständig. Vorher muss ein besonderer Ausschuss angerufen werden.

• Gegen eine Entscheidung der zuständigen Stelle (z. B. Kammer) können die betroffenen
Auszubildenden innerhalb eines Monats schriftlichen Widerspruch erheben. Bleibt
der Widerspruch erfolglos, können sie innerhalb eines Monats beim Verwaltungsgericht
klagen.

An wen können sich Auszubildende wegen Im Betrieb und in den Verwaltungen


weiterer Auskünfte und zur Beratung über im öffentlichen Dienst können sich Auszu-
die Berufsausbildung wenden? Wo können bildende wegen einer Auskunft oder Be-
sie sich wegen Mängeln und Missständen schwerde an Ausbildende oder den Ausbil-
in der Berufsausbildung beschweren und der oder die Ausbilderin sowie an den Be-
um Abhilfe bitten? triebsrat bzw. Personalrat und – soweit ein-
gerichtet – an die Jugend- und Auszu-
38 AUSKUNFTS-, BESCHWERDE- UND KLAGEMÖGLICHKEITEN

bildendenvertretung wenden. Der Betriebs- rigkeiten in der Berufsausbildung können


oder Personalrat hat bei der Berufsausbil- sich Auszubildende an die zuständige Stel-
dung im Betrieb auch Überwachungsauf- le wenden. Handelt es sich dabei um wich-
gaben. Er muss darauf achten, dass die Aus- tige Angelegenheiten der beruflichen Bil-
bildung entsprechend den gesetzlichen dung, deren Bedeutung über den Einzelfall
Bestimmungen durchgeführt wird. Dabei hinausgeht, hat sich damit der Berufsbil-
nimmt er auch Beschwerden entgegen. dungsausschuss der zuständigen Stelle zu
Wenn diese berechtigt erscheinen, wirkt befassen. Diesem Ausschuss gehören Ver-
der Betriebs- oder Personalrat durch Ver- treter der Arbeitnehmer und der Arbeitge-
handlungen mit dem Ausbildenden auf ber sowie Lehrkräfte an berufsbildenden
ihre Erledigung hin. Der Betriebs- oder Per- Schulen an. Über Ausbildungsberufe und
sonalrat kann von den Ausbildenden auch die Eignung von Ausbildungsstätten zur
die Abberufung eines Ausbilders oder einer Berufsausbildung unterrichtet auch die
Ausbilderin verlangen, der bzw. die persön- Agentur für Arbeit. Über Fragen im Zusam-
lich oder fachlich, insbesondere auch berufs- menhang mit dem Jugendarbeitsschutzge-
und arbeitspädagogisch nicht geeignet ist setz geben die Gewerbeaufsichtsämter
oder seine bzw. ihre Aufgaben vernachläs- Auskunft, die in der Regel die Durchfüh-
sigt. Die Auszubildenden können sich da- rung dieses Gesetzes zu überwachen haben
her auch in dieser Angelegenheit an den und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterin-
Betriebs- oder Personalrat wenden. nen zur Verschwiegenheit über etwaige
Außerbetriebliche Beratungsstellen persönliche Hinweise auf Verstöße gegen
sind insbesondere die zuständige Stelle das Jugendarbeitsschutzgesetz verpflichtet
und deren Ausbildungsberater, Gewerk- sind.
schaftsvertreter, Arbeitgeberverbände, Zuständig für Streitigkeiten zwischen
berufsbildende Schulen (Lehrer und Schüler- Ausbildenden und Auszubildenden aus
vertreter), Gewerbeaufsichtsämter und einem Berufsausbildungsverhältnis ist das
Jugendverbände. Arbeitsgericht. Vor Inanspruchnahme des
Die zuständige Stelle, d.h. in den meis- Arbeitsgerichts muss aber ein zur Beile-
ten Fällen die Kammer (siehe XV. 1.), ist gung von Streitigkeiten von der zuständi-
gesetzlich verpflichtet, die Berufsausbil- gen Stelle (im Handwerk von den Innun-
dung durch Beratung der Ausbildenden gen) errichteter Ausschuss angerufen wer-
und Auszubildenden zu fördern (§ 76 BBiG; den. Diesem Ausschuss gehören Arbeitneh-
§ 41a HwO). Sie muss zu diesem Zweck so- mer und Arbeitgeber in gleicher Zahl an.
wie zur Überwachung der Berufsausbildung Die Parteien müssen von diesem Gremium
Ausbildungsberater bestellen. Bei Schwie- gehört werden. Wird der vom Ausschuss
AUSKUNFTS-, BESCHWERDE- UND KLAGEMÖGLICHKEITEN 39

gefällte Spruch von den Parteien nicht in- Abkürzung der Ausbildungszeit) kann
nerhalb einer Woche anerkannt, so kann innerhalb eines Monats bei der zuständigen
binnen zwei Wochen nach dem ergange- Stelle schriftlich Widerspruch erhoben
nen Spruch Klage beim zuständigen Ar- werden. Bleibt der Widerspruch er folglos,
beitsgericht erhoben werden. steht innerhalb eines Monats nach
Gegen eine Entscheidung der zustän- Zustellung des entsprechenden Wider-
digen Stelle (wie z. B. die Nicht-Zulassung spruchsbescheides der Klageweg beim
zur Abschlussprüfung oder die Nicht- Verwaltungsgericht offen.
40 BERUFLICHER AUFSTIEG, BEGABTENFÖRDERUNG

XIII. Beruflicher Aufstieg, Begabtenförderung

Überblick

• Die Abschlussprüfung ist Ausgangspunkt für den beruflichen Aufstieg. Erkundigen Sie
sich nach Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten!

• Umfassende Informationen über Aufstiegsmöglichkeiten in den einzelnen Berufen


enthält die Datenbank BerufeNet der Bundesagentur für Arbeit.

• Die Agentur für Arbeit und die Ausbildungsförderungsämter geben auch Auskunft
über die finanziellen Bildungsbeihilfen.

• Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) und die zuständigen Stellen
(in der Regel die Kammern) geben Auskunft über die Begabtenförderung berufliche
Bildung und vergeben die Stipendien.

Wer eine Berufsausbildung absolviert, wird lichkeiten zur Information wahrnehmen:


in der Regel zuerst an eine erfolgreiche Ab- Da sind z. B. die Mitarbeiter im Betrieb, der
schlussprüfung denken und noch nicht so- Berufs- und Arbeitsberater der Agentur für
fort an einen beruflichen Aufstieg. Trotz- Arbeit, die Kammern, Verbände und Ge-
dem sollten auch schon Auszubildende wis- werkschaften und auch die Lehrkräfte an
sen, welche Möglichkeiten eines berufli- berufsbildenden Schulen. Eine umfassende
chen Aufstiegs die gewählte Berufsrich- Information über die Aufstiegsformen in
tung eröffnet und wer hierzu Auskunft und den einzelnen Berufen enthalten auch die
Rat erteilen kann. Datenbanken der Bundesagentur für
Hier soll nicht im Einzelnen aufgezeigt Arbeit „BerufeNet“ und „KursNet“.
werden, welche Aufstiegsmöglichkeiten Fortbildungsabschlüsse, wie die der
die verschiedenen Berufe bieten. Auszubil- Meister, Fachwirte, Fachkaufleute, Bilanz-
dende sollten deshalb die angeführten Mög- buchhalter, IT-Professionals beinhalten
BERUFLICHER AUFSTIEG, BEGABTENFÖRDERUNG 41

Qualifikationen um anspruchsvolle Sach- gangs- und Prüfungsgebühren bis zu


und Führungsaufgaben zu übernehmen. 10.226 € finanziert werden. Des Weiteren
Die Kammern nehmen die Prüfungen ab werden die notwendigen Kosten des
und erteilen Auskünfte. Prüfungs-/Meisterstücks zur Hälfte, maxi-
Auch Fortbildungen an Berufsfach- mal jedoch bis zu einer Höhe von 1.534 €
schulen wie etwa zum Techniker eröffnen mit einem zinsgünstigen Darlehen geför-
gute Perspektiven. Nach Maßgabe landes- dert. Unter bestimmten Voraussetzungen
rechtlicher Regelungen ist mit solchen Ab- wird der Unterhaltsbeitrag auch während
schlüssen auch die allgemeine Hochschul- der Prüfungsvorbereitungsphase, d. h. der
reife verbunden. Zeit zwischen dem letzten Unterrichtstag
Die Agentur für Arbeit, die Kammern und dem letzten Prüfungstag fortgewährt.
und Ämter für Ausbildungsförderung Allerdings wird er maximal für drei Monate
geben auch Auskunft über die zahlreichen und auch nur in Form eines Darlehens ge-
finanziellen Hilfen für die Teilnahme an währt. Wer die Prüfung besteht, dem wer-
geeigneten Bildungsmaßnahmen. den zusätzlich 25 Prozent des auf die Lehr-
Für die Vorbereitung auf die Prüfung gangs- und Prüfungsgebühren entfallen-
zu den genannten oder andere vergleich- den Restdarlehens erlassen. Wer sich zu-
bare, rechtlich geregelte Fortbildungsab- dem nach bestandener Prüfung selbstän-
schlüsse kann finanzielle Unterstützung dig macht und mindestens einen Arbeits-
nach dem Aufstiegsfortbildungsförde- oder Ausbildungsplatz schafft, erhält einen
rungsgesetz (AFBG) gewährt werden. Dieses weiteren Darlehensteilerlass in Höhe von
auch „Meister-BAföG” genannte Gesetz 33 Prozent des auf die Lehrgangs- und
sieht für Vollzeitmaßnahmen einen nach Prüfungsgebühren entfallenden Restdar-
Familiengröße gestaffelten – einkommens- lehens.
und vermögensabhängigen – Unterhalts- Wer sich später beruflich weiterbilden
beitrag vor, der aus einem Zuschuss und will, um im Beruf voranzukommen, braucht
einem zinsgünstigen Bankdarlehen besteht. die finanziellen Hürden nicht zu fürchten.
Auch Kinderbetreuungskosten Alleiner- Zuständige Behörden sind in der Regel die
ziehender werden, solange das Kind das kommunalen Ämter für Ausbildungsför-
10. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, derung bei den Kreisen und kreisfreien
pauschal mit 113 € pro Kind und Monat Städten am gewöhnlichen Aufenthaltsort
übernommen. des Antragstellers.
Darüber hinaus können über einen Das Weiterbildungsstipendium des
Zuschuss und ein Bankdarlehen bei Bundesministeriums für Bildung und
Vollzeit- und Teilzeitmaßnahmen die Lehr- Forschung (BMBF) unterstützt talentierte
42 BERUFLICHER AUFSTIEG, BEGABTENFÖRDERUNG

und leistungsbereite junge Fachkräfte Literaturhinweise:


dabei, sich in ihrem Beruf durch Weiterbil- „Meister-BAföG“ – Das neue Aufstiegs-
dung zu qualifizieren und neue berufliche fortbildungsförderungsgesetz (AFBG)
Möglichkeiten bis hin zur Selbständigkeit Gesetz und Beispiele – Bundesministerium
zu entdecken. Für anspruchsvolle berufsbe- für Bildung und Forschung (BMBF (Hrsg.),
gleitende Weiterbildungsmaßnahmen Bonn, Berlin 2009 (Broschüre)
(z. B. Englisch-Intensivkurse, EDV-, Be- Das „Meister-BAföG“ – Das Aufstiegsfort-
triebswirt-, CAD- oder Meisterkurse) kön- bildungsförderungsgesetz (AFBG),
nen die Stipendiatinnen und Stipendiaten Bundesministerium für Bildung und
drei Jahre lang insgesamt bis zu 5.100 € Forschung (BMBF) (Hrsg.), Bonn, Berlin
erhalten. Auch Kosten für berufsbegleiten- April 2011 (Flyer)
de Studiengänge, die auf der Ausbildung
oder Berufstätigkeit aufbauen, können
bezuschusst werden. Die Stiftung Begab- Web-Links:
tenförderung berufliche Bildung (SBB) www.meister-bafoeg.info
koordiniert im Auftrag und mit Mitteln (Informationsangebot zur Förderung nach
des BMBF die bundesweite Durchführung dem AFBG)
des Programms. www.berufenet.arbeitsagentur.de
(Informationsangebot der Bundesagentur
für Arbeit zu Ausbildungsberufen)
www.arbeitsagentur.de
(Link zur Weiterbildungsdatenbank „Kurs“)

Informationen:
Stiftung Begabtenförderung berufliche Bil-
dung (SBB) Gemeinnützige Gesellschaft mbH,
Lievelingsweg 102-104,
53119 Bonn,Tel: 0228/62931-0;
www.sbb-stipendien.de
LEBENSBEGLEITENDES LERNEN 43

XIV. Lebensbegleitendes Lernen

Überblick

• Das berufliche und gesellschaftliche Wissen wandelt sich beständig. Weiterbildung ist
deshalb sinnvoll und bringt persönlichen Nutzen im Beruf und darüber hinaus. Über
den richtigen Weg und die Möglichkeiten können viele Stellen Beratung und Auskunft
geben: der ausbildende Betrieb, die Agentur für Arbeit oder eine der vielen
Beratungsstellen in Deutschland.

Nach dem Abschluss der Ausbildung geht Für all diese Bereiche gibt es maßge-
das Lernen weiter. Denn in allen Berufen schneiderte Bildungsangebote.
werden ständig neue Techniken, Verfahren Aber: Welche Fortbildungsmaßnahme
und Methoden entwickelt, die man kennen ist für mich geeignet? Von wem wird sie
muss, wenn man wirklich erfolgreich durchgeführt? Wie kann ich sie finanzie-
arbeiten will. Und auch die Berufsbilder ren? Welche Perspektiven eröffnet die
verändern sich, die Erwartungen der Fortbildung?
Kunden steigen, die Anforderungen an Hören Sie sich um und wenden Sie sich
Professionalität und Flexibilität wachsen für zusätzliche Informationen und Be-
– wer da nicht auf dem aktuellen Stand ist, ratung an die Agentur für Arbeit.
fällt schnell zurück.
Aber nicht nur für den beruflichen Bildungsprämie
Erfolg ist das Weiterlernen wichtig. Wer Nur wer beruflich „am Ball“ bleibt, kann
am gesellschaftlichen Leben teilhaben will, seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt dauer-
wer die vielfältigen Angebote zur haft sichern und erhöhen. Wer sich weiter-
Freizeitbeschäftigung nutzen will, wer bildet, verringert das Risiko arbeitslos zu
politisch mitreden will oder die Chancen werden, verbessert seine beruflichen Pers-
von Veränderungen in der Arbeitswelt pektiven und kann auch sein Einkommen
erkennen will, der muss bereit sein, ein steigern. Kontinuierliche Weiterbildung ist
Leben lang dazuzulernen. also wichtig für ein erfolgreiches Berufsleben.
44 LEBENSBEGLEITENDES LERNEN

Die Bildungsprämie wurde eingeführt, Praktika, Volontariate und ähnliche


damit mehr Menschen durch Weiterbil- Qualifizierungsverhältnisse
dung ihre Chancen im Beruf verbessern
können. Das Berufsbildungsgesetz gilt nicht nur für
Die Bildungsprämie unterstützt die die betriebliche duale Ausbildung mit
Finanzierung von individueller, beruflicher einem eingetragenen Ausbildungsvertrag,
Weiterbildung u. a. durch den Prämiengut- also nicht nur für die „Lehre“. Seine Vor-
schein. Den Prämiengutschein können schriften betreffen in Teilen vielmehr auch
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer so- die freiwilligen Praktika, die viele junge
wie Selbstständige bekommen, deren jähr- Menschen während der Schulzeit, im oder
lich zu versteuerndes Einkommen höch- nach einem Studium oder nach einer Be-
stens 25.600 Euro beträgt. Bei gemeinsam rufsausbildung absolvieren, um in Betrie-
Veranlagten (z. B. Ehepartnern) sind es ben und Unternehmen berufliche Erfah-
bis zu 51.200 Euro. Damit können rund rungen zu sammeln.
21 Millionen Erwerbstätige vom Prämien- In diesen Fällen haben Praktikanten
gutschein profitieren. Schülerinnen und bestimmte Rechte und Pflichten wie Aus-
Schüler, Auszubildende oder Studierende zubildende. § 26 BBiG verweist für solche
können keinen Prämiengutschein be- in der Regel kurz befristeten Qualifizie-
kommen. rungsverhältnisse auf die §§ 10 bis 23 und
Mit dem Prämiengutschein erhalten 25 BBiG. Um möglichst viele dieser beson-
Erwerbstätige einen finanziellen Zuschuss deren Beschäftigungen zum Schutze der
in Höhe von 50 Prozent, maximal 500 Euro, jungen Menschen zu gestalten, legt der
für die anfallenden Weiterbildungskosten Gesetzgeber die Hürde niedrig und setzt
(Kurs- und/oder Prüfungsgebühren). für die Anwendung der BBiG-Vorschriften
Der Prämiengutschein kann einmal jähr- nicht einmal einen schriftlichen Vertrag
lich unbürokratisch und schnell bei einer voraus. Zu empfehlen ist aber immer, dass
von über 450 Beratungsstellen beantragt sich die Vertragspartner vorab über die
werden. Damit ist der Prämiengutschein wesentlichen Rahmenbedingungen ver-
ge-wissermaßen die vergünstigte Eintritts- ständigen und nicht erst bei etwaigen spä-
karte zu beruflichen Weiterbildungs- teren Meinungsverschiedenheiten. Zu
angeboten. einer solchen Vereinbarung können die
konkreten Arbeitszeiten gehören, die
Aufgaben und die Betreuung während des
Praktikums, das Stellen von Arbeitsmitteln,
bei länger währenden Beschäftigungen
LEBENSBEGLEITENDES LERNEN 45

auch ein Urlaubsanspruch, die Versiche- Web-Links:


rung bzw. Haftung und auch die Frage
einer Vergütung. Weiterführende Informationen zur Bildungs-
Zu den Rechten der Praktikanten zählt prämie finden Interessierte online unter
nämlich auch der Anspruch auf angemes- www.bildungspraemie.info
sene Vergütung nach § 17 BBiG. Die Höhe oder über die kostenlose Hotline
der Vergütung wird sich im Einzelnen nach 08 00 2 62 30 00.
der Einbindung der Praktikanten in den Dort erfährt man auch, wo sich die
Arbeitsprozess richten; etwaige Ausbil- nächstgelegene Beratungsstelle befindet.
dungsvergütungen der gleichen Branche
können als Anhaltspunkt dienen. Ein ge- www.arbeitsagentur.de
setzlicher Entgeltanspruch kann aus-
nahmsweise auch entfallen, wenn das
Praktikum ohne eine Einbindung in den
Arbeitsprozess ausschließlich dem allge-
meinen Kennenlernen des Berufslebens
dient.
Auf der anderen Seite wird in einigen
Fällen nur der äußeren Form nach ein
Praktikum absolviert – tatsächlich aber
steht eine normale, ggf. sogar weitgehend
eigenständige Arbeit eindeutig im Vorder-
grund. Dann besteht ein arbeitsrechtlicher
Anspruch auf vollen Lohn, etwa in tarifver-
traglicher Höhe. Ebenso wenig gilt das
BBiG, wenn das Praktikum in Schul- oder
Studienordnungen als Pflichtpraktikum vor-
geschrieben ist. Dann besteht auch kein
Vergütungsanspruch nach BBiG; eine
Bezahlung kann aber natürlich auch in die-
sen Fällen angeboten bzw. ausgehandelt
werden.
46 ORGANISATION DER BERUFLICHEN BILDUNG AUF LANDES- UND KAMMEREBENE

XV. Organisation der beruflichen Bildung auf


Landes- und Kammerebene

Überblick

• Das Berufsbildungsgesetz weist den zuständigen Stellen, i.d.R. die Kammern, vielfältige
Aufgaben bei der Organisation und Durchführung der Berufsbildung zu. Sie sind auch
Auskunfts- und Beschwerdestellen.

• Der Berufsbildungsausschuss der zuständigen Stelle setzt sich aus Vertretern der ausbil-
denden Betriebe, der Vertreter von Arbeitnehmern und Lehrkräften an berufsbildenden
Schulen zusammen. Er muss in allen übergreifenden Fragen der beruflichen Bildung
unterrichtet und gehört werden.

• Die Landesausschüsse für Berufsbildung beraten die jeweilige Landesregierung in


Fragen der Berufsbildung.

1. Die „zuständigen Stellen“ nach ausbildung und fördert diese durch Bera-
dem BBiG tung der Ausbildenden und Auszubilden-
den (§ 76 BBiG; § 41a HwO). Sie dient den
Das Berufsbildungsgesetz weist bestimmte Auszubildenden auch als Auskunfts- und
Aufgaben zur praktischen Durchführung Beschwerdestelle in Fragen der Berufsaus-
der Berufsbildung, wie etwa die Organisa- bildung (siehe XII.).
tion der Abschlussprüfungen, Abnahme „Zuständige Stelle” für die Berufsaus-
von Fortbildungsprüfungen und Feststel- bildung sind in den meisten Wirtschafts-
lung der Eignung von Ausbildungsperso- und Berufszweigen die jeweiligen Kam-
nal und Ausbildungsstätte, den sog. „zu- mern, z. B. die Industrie- und Handelskam-
ständigen Stellen" zu. Die zuständige Stelle mern, die Handwerkskammern, die Land-
überwacht die Durchführung der Berufs- wirtschaftskammern, die Rechts- und
ORGANISATION DER BERUFLICHEN BILDUNG AUF LANDES- UND KAMMEREBENE 47

Patentanwaltskammern, die Notarkammern, Seine Zusammensetzung und seine


die Wirtschaftsprüferkammern sowie die Rechte machen den Berufsbildungsaus-
Berufskammern der Steuerberater und der schuss zu einem wesentlichen Beratungs-
Steuerbevollmächtigten, die Ärzte-, Tier- und Beschlussgremium für den regionalen
ärzte-, Zahnärzte- und Apothekerkammern Ausbildungsmarkt. Durch die Wahrneh-
sowie sonstige durch Rechtsverordnung mung seiner Aufgaben hat er auf eine
bestimmte Einrichtungen (§§ 72 bis 75 BBiG). stetige Entwicklung der Qualität der beruf-
Dazu gehören auch die gemäß § 73 BBiG lichen Bildung hinzuwirken.
von den obersten Bundesbehörden und
von den Landesbehörden benannten zu- 2. Die Landesausschüsse für
ständigen Stellen (Behörden) des öffentli- Berufsbildung
chen Dienstes.
Die zuständigen Stellen errichten einen Die Landesausschüsse für Berufsbildung, die
Berufsbildungsausschuss. Dieser beschließt paritätisch mit Vertretern der Arbeitgeber,
die von der zuständigen Stelle zu erlassen- Arbeitnehmer und der öffentlichen Hand
den Rechtsvorschriften für die Durchfüh- besetzt sind, beraten die Landesregierungen
rung der Berufsbildung und muss in allen in Fragen der Berufsbildung. Insbesondere
wichtigen Angelegenheiten der berufli- wirken sie auf eine stetige Entwicklung der
chen Bildung unterrichtet und gehört wer- Qualität der beruflichen Bildung und auf ei-
den. Dem Berufsbildungsausschuss gehö- ne Zusammenarbeit zwischen der schuli-
ren Mitglieder der Vertretungen der schen Berufsbildung und der Berufsbildung
Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sowie nach dem BBiG hin (§ 83 BBiG).
Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen an.
48 ORGANISATION DER BERUFLICHEN BILDUNG AUF BUNDESEBENE

XVI. Organisation der beruflichen Bildung


auf Bundesebene

Überblick

• Das Bundesinstitut für Berufsbildung übernimmt zum einen Verwaltungsaufgaben des


Bundes auf dem Gebiet der beruflichen Bildung; zum anderen leistet es unabhängige
Forschungsarbeit.

• Die Aufgaben des Bundesinstituts für Berufsbildung umfassen u. a.


– Vorbereitung der Aus- und Fortbildungsordnungen
– Förderung überbetrieblicher Ausbildungsstätten
– Betreuung von Modellversuchen
– Mitwirkung an der internationalen Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung
– Förderung der Bildungstechnologie
– Mitwirkung bei der Berufsbildungsstatistik
– Prüfung berufsbildender Fernlehrgänge
– Berufsbildungsforschung

• Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat zwei Organe: den Hauptausschuss und den
Präsidenten bzw. die Präsidentin. Ein Wissenschaftlicher Beirat berät das Bundesinstitut
für Berufsbildung in Fragen der Berufsbildungsforschung.

1. Bundesinstitut für Berufsbildung das 1970 durch das damalige Berufsbil-


(BIBB) dungsgesetz errichtet wurde. Als rechts-
fähige Anstalt des öffentlichen Rechts mit
Zum Geschäftsbereich des Bundesministe- Sitz in Bonn übernimmt es zum einen Ver -
riums für Bildung und Forschung gehört waltungsaufgaben des Bundes im Bereich
das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), der Berufsbildung, zum anderen ist es ein
ORGANISATION DER BERUFLICHEN BILDUNG AUF BUNDESEBENE 49

unabhängiges Institut für Berufsbildungs- 2. Aufgaben des BIBB


forschung.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat
verwirklicht auf Bundesebene folgende folgende Aufgaben (§ 90 BBiG):
Ziele:
• Beratung der Bundesregierung in allen
• Die öffentliche Verantwortung und wichtigen Fragen der Berufsbildung,
die Verantwortung der an der beruf-
lichen Bildung Beteiligten für die • Mitwirkung an der Vorbereitung von
Gestaltung und Durchführung der Rechtsvorschriften, die der Bund auf
beruflichen Bildung werden besser dem Gebiet der Berufsbildung zu
miteinander verbunden. erlassen hat, wie z. B. Ausbildungs-
ordnungen, Fortbildungs- und
• Die an der beruflichen Bildung betei- Umschulungsordnungen, Verord-
ligten Gruppen der Arbeitnehmer nungen über die Gleichstellung von
und Arbeitgeber wirken gleichbe- Prüfungszeugnissen u. a.,
rechtigt mit und fördern das für die
Erhaltung und Fortentwicklung der • Abstimmung der Ausbildungsord-
Berufsbildung unverzichtbare Enga- nungen mit den schulischen Rah-
gement dieser Gruppen. menlehrplänen gemeinsam mit den
Sachverständigen des Bundes und
• Die Zusammenarbeit von Bund und der Länder,
Ländern in der beruflichen Bildung
wird gesichert. • Planung, Förderung und Weiterent -
wicklung überbetrieblicher Ausbil-
• Eine möglichst effektive, einheitliche dungsstätten,
und praxisnahe Aufgabenerfüllung
wird gewährleistet. • Betreuung von Modellversuchen
und Förderung der Bildungstechno-
• Neue Entwicklungen in der berufli- logie, z. B. durch Entwicklung von
chen Bildung werden rechtzeitig er- Lernmitteln,
kennbar und die sich daraus erge-
benden notwendigen bildungspoliti- • Mitwirkung an der internationalen
schen Maßnahmen können unver- Zusammenarbeit in der beruflichen
züglich getroffen werden. Bildung,
50 ORGANISATION DER BERUFLICHEN BILDUNG AUF BUNDESEBENE

• Überprüfung berufsbildender Fern- Damit das Bundesinstitut auf dem Gebiet


lehrgänge, der beruflichen Bildung behinderter Men-
schen umfassend unterrichtet und beraten
• Führung des Verzeichnisses der aner- werden kann, ist ein ständiger Ausschuss
kannten Ausbildungsberufe, für Fragen der behinderter Menschen ein-
gerichtet worden.
• Mitwirkung an der Berufsbildungs-
statistik und der Erstellung des Be- 4. Wissenschaftlicher Beirat
rufsbildungsberichts,
Die Einrichtung eines Wissenschaftlichen
• Durchführung der Berufsbildungs- Beirates beim Bundesinstitut für Berufsbil-
forschung nach einem vorher vom dung soll eine ständige Qualitätskontrolle
Bundesministerium für Bildung und und Qualitätssicherung gewährleisten.
Forschung zu genehmigenden For- Durch regelmäßige Evaluierungen sollen
schungsprogramm. Fehlentwicklungen in Forschungsprojek-
ten frühzeitig erkannt und eine evtl. Um-
3. Organe des BIBB und ihre steuerung ermöglicht werden. Durch die
Funktionen externe Begleitung, auch z. B. durch aus-
ländische Wissenschaftler, sind Anstöße
Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat und Hinweise für die Forschungsprojekte
zwei Organe: den Hauptausschuss und den zu erwarten.
Präsidenten bzw. die Präsidentin. Der Wissenschaftliche Beirat berät
Der Hauptausschuss setzt sich paritä- die Organe des BIBB in Forschungsfragen.
tisch zusammen aus den Beauftragten der Er kann Stellungnahmen und Empfeh-
Arbeitnehmer, der Arbeitgeber, des Bundes lungen zum Forschungsprogramm,
und der Länder. Ergänzend können Unter- zur Zusammenarbeit des Instituts mit
ausschüsse des Hauptausschusses einge- Hochschulen und anderen For-
richtet werden. Diese nichtständigen Un- schungseinrichtungen sowie zu den
terausschüsse befassen sich mit speziellen wissenschaftlichen Ergebnissen der
Fragestellungen der beruflichen Bildung. Forschungsarbeit abgeben.
RECHTSGRUNDLAGEN 51

Anhang A: Rechtsgrundlagen

1. Berufsbildungsgesetz

2. Handwerksordnung (Auszug)

3. Jugendarbeitsschutzgesetz

4. Ausbilder-Eignungsverordnung
52 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

1. Berufsbildungsgesetz

Berufsbildungsgesetz
(BBiG)

vom 23. März 2005 (BGBl. I S. 931),1


zuletzt geändert durch Artikel 22 des Gesetzes vom 25. Juli 2013 (BGBl. I S. 2749)

– nicht-amtliche Veröffentlichung –

Inhaltsübersicht

Teil 1
Allgemeine Vorschriften
§1 Ziele und Begriffe der Berufsbildung
§2 Lernorte der Berufsbildung
§3 Anwendungsbereich

Teil 2
Berufsbildung
Kapitel 1
Berufsausbildung
Abschnitt 1
Ordnung der Berufsausbildung; Anerkennung von Ausbildungsberufen
§4 Anerkennung von Ausbildungsberufen
§5 Ausbildungsordnung
§6 Erprobung neuer Ausbildungsberufe, Ausbildungs- und Prüfungsformen
§7 Anrechnung beruflicher Vorbildung auf die Ausbildungszeit
§8 Abkürzung und Verlängerung der Ausbildungszeit
§9 Regelungsbefugnis

Abschnitt 2
Berufsausbildungsverhältnis
Unterabschnitt 1
Begründung des Ausbildungsverhältnisses
§ 10 Vertrag
§ 11 Vertragsniederschrift
§ 12 Nichtige Vereinbarungen

1
Das Gesetz ist am 1. April 2005 in Kraft getreten.
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 53

Unterabschnitt 2
Pflichten der Auszubildenden
§ 13 Verhalten während der Berufsausbildung

Unterabschnitt 3
Pflichten der Ausbildenden
§ 14 Berufsausbildung
§ 15 Freistellung
§ 16 Zeugnis

Unterabschnitt 4
Vergütung
§ 17 Vergütungsanspruch
§ 18 Bemessung und Fälligkeit der Vergütung
§ 19 Fortzahlung der Vergütung

Unterabschnitt 5
Beginn und Beendigung des Ausbildungsverhältnisses
§ 20 Probezeit
§ 21 Beendigung
§ 22 Kündigung
§ 23 Schadensersatz bei vorzeitiger Beendigung

Unterabschnitt 6
Sonstige Vorschriften
§ 24 Weiterarbeit
§ 25 Unabdingbarkeit
§ 26 Andere Vertragsverhältnisse

Abschnitt 3
Eignung von Ausbildungsstätte und Ausbildungspersonal
§ 27 Eignung der Ausbildungsstätte
§ 28 Eignung von Ausbildenden und Ausbildern oder Ausbilderinnen
§ 29 Persönliche Eignung
§ 30 Fachliche Eignung
§ 31 Europaklausel
§ 31a Sonstige ausländische Vorqualifikationen
§ 32 Überwachung der Eignung
§ 33 Untersagung des Einstellens und Ausbildens

Abschnitt 4
Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse
§ 34 Einrichten, Führen
§ 35 Eintragen, Ändern, Löschen
§ 36 Antrag
54 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

Abschnitt 5
Prüfungswesen
§ 37 Abschlussprüfung
§ 38 Prüfungsgegenstand
§ 39 Prüfungsausschüsse
§ 40 Zusammensetzung, Berufung
§ 41 Vorsitz, Beschlussfähigkeit, Abstimmung
§ 42 Beschlussfassung, Bewertung der Abschlussprüfung
§ 43 Zulassung zur Abschlussprüfung
§ 44 Zulassung zur Abschlussprüfung bei zeitlich auseinander fallenden Teilen
§ 45 Zulassung in besonderen Fällen
§ 46 Entscheidung über die Zulassung
§ 47 Prüfungsordnung
§ 48 Zwischenprüfungen
§ 49 Zusatzqualifikationen
§ 50 Gleichstellung von Prüfungszeugnissen
§ 50a Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen

Abschnitt 6
Interessenvertretung
§ 51 Interessenvertretung
§ 52 Verordnungsermächtigung

Kapitel 2
Berufliche Fortbildung
§ 53 Fortbildungsordnung
§ 54 Fortbildungsprüfungsregelungen der zuständigen Stellen
§ 55 Berücksichtigung ausländischer Vorqualifikationen
§ 56 Fortbildungsprüfungen
§ 57 Gleichstellung von Prüfungszeugnissen

Kapitel 3
Berufliche Umschulung
§ 58 Umschulungsordnung
§ 59 Umschulungsprüfungsregelungen der zuständigen Stellen
§ 60 Umschulung für einen anerkannten Ausbildungsberuf
§ 61 Berücksichtigung ausländischer Vorqualifikationen
§ 62 Umschulungsmaßnahmen; Umschulungsprüfungen
§ 63 Gleichstellung von Prüfungszeugnissen
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 55

Kapitel 4
Berufsbildung für besondere Personengruppen
Abschnitt 1
Berufsbildung behinderter Menschen
§ 64 Berufsausbildung
§ 65 Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen
§ 66 Ausbildungsregelungen der zuständigen Stellen
§ 67 Berufliche Fortbildung, berufliche Umschulung

Abschnitt 2
Berufsausbildungsvorbereitung
§ 68 Personenkreis und Anforderungen
§ 69 Qualifizierungsbausteine, Bescheinigung
§ 70 Überwachung, Beratung

Teil 3
Organisation der Berufsbildung
Kapitel 1
Zuständige Stellen; zuständige Behörden
Abschnitt 1
Bestimmung der zuständigen Stelle
§ 71 Zuständige Stellen
§ 72 Bestimmung durch Rechtsverordnung
§ 73 Zuständige Stellen im Bereich des öffentlichen Dienstes
§ 74 Erweiterte Zuständigkeit
§ 75 Zuständige Stellen im Bereich der Kirchen und sonstigen
Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts

Abschnitt 2
Überwachung der Berufsbildung
§ 76 Überwachung, Beratung

Abschnitt 3
Berufsbildungsausschuss der zuständigen Stelle
§ 77 Errichtung
§ 78 Beschlussfähigkeit, Abstimmung
§ 79 Aufgaben
§ 80 Geschäftsordnung

Abschnitt 4
Zuständige Behörden
§ 81 Zuständige Behörden
56 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

Kapitel 2
Landesausschüsse für Berufsbildung
§ 82 Errichtung, Geschäftsordnung, Abstimmung
§ 83 Aufgaben

Teil 4
Berufsbildungsforschung, Planung und Statistik
§ 84 Ziele der Berufsbildungsforschung
§ 85 Ziele der Berufsbildungsplanung
§ 86 Berufsbildungsbericht
§ 87 Zweck und Durchführung der
Berufsbildungsstatistik
§ 88 Erhebungen

Teil 5
Bundesinstitut für Berufsbildung
§ 89 Bundesinstitut für Berufsbildung
§ 90 Aufgaben
§ 91 Organe
§ 92 Hauptausschuss
§ 93 Präsident oder Präsidentin
§ 94 Wissenschaftlicher Beirat
§ 95 Ausschuss für Fragen behinderter Menschen
§ 96 Finanzierung des Bundesinstituts für
Berufsbildung
§ 97 Haushalt
§ 98 Satzung
§ 99 Personal
§ 100 Aufsicht über das Bundesinstitut für
Berufsbildung
§ 101 Auskunftspflicht

Teil 6
Bußgeldvorschriften
§ 102 Bußgeldvorschriften

Teil 7
Übergangs- und Schlussvorschriften
§ 103 Gleichstellung von Abschlusszeugnissen im
Rahmen der deutschen Einheit
§ 104 Fortgeltung bestehender Regelungen
§ 105 Übertragung von Zuständigkeiten
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 57

Teil 1 hörigen freier Berufe und in Haus-


Allgemeine Vorschriften halten (betriebliche Berufsbildung),
2. in berufsbildenden Schulen (schuli-
§1 sche Berufsbildung) und
Ziele und Begriffe der Berufsbildung 3. in sonstigen Berufsbildungseinrich-
(1) Berufsbildung im Sinne dieses Gesetzes tungen außerhalb der schulischen
sind die Berufsausbildungsvorberei- und betrieblichen Berufsbildung
tung, die Berufsausbildung, die beruf- (außerbetriebliche Berufsbildung).
liche Fortbildung und die berufliche (2) Die Lernorte nach Absatz 1 wirken bei
Umschulung. der Durchführung der Berufsbildung
(2) Die Berufsausbildungsvorbereitung zusammen (Lernortkooperation).
dient dem Ziel, durch die Vermittlung (3) Teile der Berufsausbildung können im
von Grundlagen für den Erwerb beruf- Ausland durchgeführt werden, wenn
licher Handlungsfähigkeit an eine Be- dies dem Ausbildungsziel dient. Ihre
rufsausbildung in einem anerkannten Gesamtdauer soll ein Viertel der in der
Ausbildungsberuf heranzuführen. Ausbildungsordnung festgelegten
(3) Die Berufsausbildung hat die für die Ausbildungsdauer nicht überschreiten.
Ausübung einer qualifizierten beruf-
lichen Tätigkeit in einer sich wandeln- §3
den Arbeitswelt notwendigen beruf- Anwendungsbereich
lichen Fertigkeiten, Kenntnisse und (1) Dieses Gesetz gilt für die Berufsbildung,
Fähigkeiten (berufliche Handlungs- soweit sie nicht in berufsbildenden
fähigkeit) in einem geordneten Ausbil- Schulen durchgeführt wird, die den
dungsgang zu vermitteln. Sie hat ferner Schulgesetzen der Länder unterstehen.
den Erwerb der erforderlichen Berufs-
erfahrungen zu ermöglichen. (2) Dieses Gesetz gilt nicht für
(4) Die berufliche Fortbildung soll es er- 1. die Berufsbildung, die in berufsquali-
möglichen, die berufliche Handlungs- fizierenden oder vergleichbaren Stu-
fähigkeit zu erhalten und anzupassen diengängen an Hochschulen auf der
oder zu erweitern und beruflich aufzu- Grundlage des Hochschulrahmen-
steigen. gesetzes und der Hochschulgesetze
der Länder durchgeführt wird,
(5) Die berufliche Umschulung soll zu einer 2. die Berufsbildung in einem öffentlich-
anderen beruflichen Tätigkeit befähi- rechtlichen Dienstverhältnis,
gen. 3. die Berufsbildung auf Kauffahrtei-
schiffen, die nach dem Flaggen-
§2 rechtsgesetz die Bundesflagge füh-
Lernorte der Berufsbildung ren, soweit es sich nicht um Schiffe
(1) Berufsbildung wird durchgeführt der kleinen Hochseefischerei oder der
1. in Betrieben der Wirtschaft, in ver- Küstenfischerei handelt.
gleichbaren Einrichtungen außerhalb (3) Für die Berufsbildung in Berufen der
der Wirtschaft, insbesondere des Handwerksordnung gelten die §§ 4 bis
öffentlichen Dienstes, der Ange- 9, 27 bis 49, 53 bis 70, 76 bis 80 sowie
58 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

102 nicht; insoweit gilt die Handwerks- (5) Das zuständige Fachministerium infor-
ordnung. miert die Länder frühzeitig über
Neuordnungskonzepte und bezieht sie
in die Abstimmung ein.
Teil 2
Berufsbildung
§5
Kapitel 1 Ausbildungsordnung
Berufsausbildung (1) Die Ausbildungsordnung hat festzule-
gen
Abschnitt 1 1. die Bezeichnung des
Ordnung der Berufsausbildung; Ausbildungsberufes, der anerkannt
Anerkennung von Ausbildungsberufen wird,
2. die Ausbildungsdauer; sie soll nicht
§4 mehr als drei und nicht weniger als
Anerkennung von Ausbildungsberufen zwei Jahre betragen,
(1) Als Grundlage für eine geordnete und 3. die beruflichen Fertigkeiten,
einheitliche Berufsausbildung kann das Kenntnisse und Fähigkeiten, die min-
Bundesministerium für Wirtschaft und destens Gegenstand der
Technologie oder das sonst zuständige Berufsausbildung sind (Ausbil-
Fachministerium im Einvernehmen mit dungsberufsbild),
dem Bundesministerium für Bildung 4. eine Anleitung zur sachlichen und
und Forschung durch Rechts- zeitlichen Gliederung der
verordnung, die nicht der Zustimmung Vermittlung der beruflichen
des Bundesrates bedarf, Ausbildungs- Fertigkeiten, Kenntnisse und
berufe staatlich anerkennen und hierfür Fähigkeiten
Ausbildungsordnungen nach § 5 erlas- (Ausbildungsrahmenplan),
sen. 5. die Prüfungsanforderungen.
(2) Für einen anerkannten (2) Die Ausbildungsordnung kann vorse-
Ausbildungsberuf darf nur nach der hen,
Ausbildungsordnung ausgebildet wer- 1. dass die Berufsausbildung in sachlich
den. und zeitlich besonders gegliederten,
aufeinander aufbauenden Stufen
(3) In anderen als anerkannten erfolgt; nach den einzelnen Stufen
Ausbildungsberufen dürfen Jugendliche soll ein Ausbildungsabschluss vorge-
unter 18 Jahren nicht ausgebildet wer- sehen werden, der sowohl zu einer
den, soweit die Berufsausbildung nicht qualifizierten beruflichen Tätigkeit im
auf den Besuch weiterführender Sinne des § 1 Abs. 3 befähigt als auch
Bildungsgänge vorbereitet. die Fortsetzung der Berufsausbildung
(4) Wird die Ausbildungsordnung eines in weiteren Stufen ermöglicht
Ausbildungsberufes aufgehoben, so (Stufenausbildung),
gelten für bestehende 2. dass die Abschlussprüfung in zwei
Berufsausbildungsverhältnisse die bis- zeitlich auseinander fallenden Teilen
herigen Vorschriften. durchgeführt wird,
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 59

3. dass abweichend von § 4 Abs. 4 die das sonst zuständige Fachministerium im


Berufsausbildung in diesem Einvernehmen mit dem Bundesministerium
Ausbildungsberuf unter Anrechnung für Bildung und Forschung nach Anhörung
der bereits zurückgelegten des Hauptausschusses des Bundesinstituts
Ausbildungszeit fortgesetzt werden für Berufsbildung durch Rechtsverordnung,
kann, wenn die Vertragsparteien dies die nicht der Zustimmung des Bundesrates
vereinbaren, bedarf, Ausnahmen von § 4 Abs. 2 und 3 so-
4. dass auf die durch die Ausbildungs- wie den §§ 5, 37 und 48 zulassen, die auch
ordnung geregelte Berufsausbildung auf eine bestimmte Art und Zahl von Ausbil-
eine andere, einschlägige dungsstätten beschränkt werden können.
Berufsausbildung unter
Berücksichtigung der hierbei erwor- §7
benen beruflichen Fertigkeiten, Anrechnung beruflicher Vorbildung auf
Kenntnisse und Fähigkeiten ange- die Ausbildungszeit
rechnet werden kann, (1) Die Landesregierungen können nach
5. dass über das in Absatz 1 Nr. 3 Anhörung des Landesausschusses für
beschriebene Ausbildungsberufsbild Berufsbildung durch Rechtsverordnung
hinaus zusätzliche berufliche bestimmen, dass der Besuch eines
Fertigkeiten, Kenntnisse und Bildungsganges berufsbildender
Fähigkeiten vermittelt werden kön- Schulen oder die Berufsausbildung in
nen, die die berufliche Handlungs- einer sonstigen Einrichtung ganz oder
fähigkeit ergänzen oder erweitern, teilweise auf die Ausbildungszeit ange-
6. dass Teile der Berufsausbildung in rechnet wird. Die Ermächtigung kann
geeigneten Einrichtungen außerhalb durch Rechtsverordnung auf oberste
der Ausbildungsstätte durchgeführt Landesbehörden weiter übertragen
werden, wenn und soweit es die werden. Die Rechtsverordnung kann
Berufsausbildung erfordert (überbe- vorsehen, dass die Anrechnung eines
triebliche Berufsausbildung), gemeinsamen Antrags der
7. dass Auszubildende einen schriftli- Auszubildenden und Ausbildenden
chen Ausbildungsnachweis zu führen bedarf.
haben.
(2) Die Anrechnung nach Absatz 1 bedarf
Im Rahmen der Ordnungsverfahren soll des gemeinsamen Antrags der
stets geprüft werden, ob Regelungen Auszubildenden und Ausbildenden. Der
nach Nummer 1, 2 und 4 sinnvoll und Antrag ist an die zuständige Stelle zu
möglich sind. richten. Er kann sich auf Teile des
höchstzulässigen Anrechnungszeit-
§6 raums beschränken.2
Erprobung neuer Ausbildungsberufe,
Ausbildungs- und Prüfungsformen
Zur Entwicklung und Erprobung neuer
Ausbildungsberufe sowie Ausbildungs- und
Prüfungsformen kann das Bundesministe- 2
Absatz 2 tritt am 1. August 2009 in Kraft. Gleichzeitig tritt
rium für Wirtschaft und Technologie oder Absatz 1 Satz 3 außer Kraft.
60 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

§8 Abschnitt 2
Abkürzung und Verlängerung der Berufsausbildungsverhältnis
Ausbildungszeit
(1) Auf gemeinsamen Antrag der Auszubil- Unterabschnitt 1
denden und Ausbildenden hat die Begründung des Ausbildungsverhältnisses
zuständige Stelle die Ausbildungszeit
zu kürzen, wenn zu erwarten ist, dass § 10
das Ausbildungsziel in der gekürzten Vertrag
Zeit erreicht wird. Bei berechtigtem (1) Wer andere Personen zur
Interesse kann sich der Antrag auch auf Berufsausbildung einstellt
die Verkürzung der täglichen oder (Ausbildende), hat mit den Aus-
wöchentlichen Ausbildungszeit richten zubildenden einen Berufsausbil-
(Teilzeitberufsausbildung). dungsvertrag zu schließen.
(2) In Ausnahmefällen kann die zuständige (2) Auf den Berufsausbildungsvertrag sind,
Stelle auf Antrag Auszubildender die Aus- soweit sich aus seinem Wesen und
bildungszeit verlängern, wenn die Zweck und aus diesem Gesetz nichts
Verlängerung erforderlich ist, um das anderes ergibt, die für den
Ausbildungsziel zu erreichen. Vor der Arbeitsvertrag geltenden
Entscheidung nach Satz 1 sind die Rechtsvorschriften und
Ausbildenden zu hören. Rechtsgrundsätze anzuwenden.
(3) Für die Entscheidung über die (3) Schließen die gesetzlichen Vertreter
Verkürzung oder Verlängerung der oder Vertreterinnen mit ihrem Kind
Ausbildungszeit kann der einen Berufsausbildungsvertrag, so sind
Hauptausschuss des Bundesinstituts für sie von dem Verbot des § 181 des
Berufsbildung Richtlinien erlassen. Bürgerlichen Gesetzbuchs befreit.
(4) Ein Mangel in der Berechtigung,
§9 Auszubildende einzustellen oder auszu-
Regelungsbefugnis bilden, berührt die Wirksamkeit des
Soweit Vorschriften nicht bestehen, regelt Berufsausbildungsvertrages nicht.
die zuständige Stelle die Durchführung der (5) Zur Erfüllung der vertraglichen
Berufsausbildung im Rahmen dieses Verpflichtungen der Ausbildenden kön-
Gesetzes. nen mehrere natürliche oder juristische
Personen in einem Ausbildungsverbund
zusammenwirken, soweit die
Verantwortlichkeit für die einzelnen
Ausbildungsabschnitte sowie für die
Ausbildungszeit insgesamt sicherge-
stellt ist (Verbundausbildung).
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 61

§ 11 § 12
Vertragsniederschrift Nichtige Vereinbarungen
(1) Ausbildende haben unverzüglich nach (1) Eine Vereinbarung, die Auszubildende
Abschluss des Berufsausbildungsver- für die Zeit nach Beendigung des Be-
trages, spätestens vor Beginn der Be- rufsausbildungsverhältnisses in der
rufsausbildung, den wesentlichen Inhalt Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit
des Vertrages gemäß Satz 2 schriftlich beschränkt, ist nichtig. Dies gilt nicht,
niederzulegen; die elektronische Form wenn sich Auszubildende innerhalb der
ist ausgeschlossen. In die Niederschrift letzten sechs Monate des Berufsaus-
sind mindestens aufzunehmen bildungsverhältnisses dazu verpflich-
1. Art, sachliche und zeitliche Gliede- ten, nach dessen Beendigung mit den
rung sowie Ziel der Berufsausbildung, Ausbildenden ein Arbeitsverhältnis ein-
insbesondere die Berufstätigkeit, für zugehen.
die ausgebildet werden soll, (2) Nichtig ist eine Vereinbarung über
2. Beginn und Dauer der Berufsausbil- 1. die Verpflichtung Auszubildender, für
dung, die Berufsausbildung eine Entschädi-
3. Ausbildungsmaßnahmen außerhalb gung zu zahlen,
der Ausbildungsstätte, 2. Vertragsstrafen,
4. Dauer der regelmäßigen täglichen 3. den Ausschluss oder die Beschrän-
Ausbildungszeit, kung von Schadensersatzansprüchen,
5. Dauer der Probezeit, 4. die Festsetzung der Höhe eines
6. Zahlung und Höhe der Vergütung, Schadensersatzes in Pauschbeträgen.
7. Dauer des Urlaubs,
8. Voraussetzungen, unter denen der
Berufsausbildungsvertrag gekündigt Unterabschnitt 2
werden kann, Pflichten der Auszubildenden
9. ein in allgemeiner Form gehaltener
Hinweis auf die Tarifverträge, Be- § 13
triebs- oder Dienstvereinbarungen, Verhalten während der Berufsausbildung
die auf das Berufsausbildungsver- Auszubildende haben sich zu bemühen, die
hältnis anzuwenden sind. berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben,
(2) Die Niederschrift ist von den Ausbilden- die zum Erreichen des Ausbildungsziels er-
den, den Auszubildenden und deren forderlich ist. Sie sind insbesondere ver-
gesetzlichen Vertretern und Vertre- pflichtet,
terinnen zu unterzeichnen. 1. die ihnen im Rahmen ihrer Berufsaus-
bildung aufgetragenen Aufgaben
(3) Ausbildende haben den Auszubilden- sorgfältig auszuführen,
den und deren gesetzlichen Vertretern 2. an Ausbildungsmaßnahmen teilzuneh-
und Vertreterinnen eine Ausfertigung men, für die sie nach § 15 freigestellt
der unterzeichneten Niederschrift un- werden,
verzüglich auszuhändigen. 3. den Weisungen zu folgen, die ihnen
(4) Bei Änderungen des Berufsausbildungs- im Rahmen der Berufsausbildung von
vertrages gelten die Absätze 1 bis 3 ent- Ausbildenden, von Ausbildern oder
sprechend. Ausbilderinnen oder von anderen
62 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

weisungsberechtigten Personen er- 5. dafür zu sorgen, dass Auszubildende


teilt werden, charakterlich gefördert sowie sittlich
4. die für die Ausbildungsstätte gelten- und körperlich nicht gefährdet wer-
de Ordnung zu beachten, den.
5. Werkzeug, Maschinen und sonstige (2) Auszubildenden dürfen nur Aufgaben
Einrichtungen pfleglich zu behandeln, übertragen werden, die dem Ausbil-
6. über Betriebs- und Geschäftsge- dungszweck dienen und ihren körper-
heimnisse Stillschweigen zu wahren. lichen Kräften angemessen sind.

Unterabschnitt 3 § 15
Pflichten der Ausbildenden Freistellung

§ 14 Ausbildende haben Auszubildende für die


Berufsausbildung Teilnahme am Berufsschulunterricht und an
Prüfungen freizustellen. Das Gleiche gilt,
(1) Ausbildende haben wenn Ausbildungsmaßnahmen außerhalb
1. dafür zu sorgen, dass den Auszubil- der Ausbildungsstätte durchzuführen sind.
denden die berufliche Handlungs-
fähigkeit vermittelt wird, die zum § 16
Erreichen des Ausbildungsziels erfor- Zeugnis
derlich ist, und die Berufsausbildung
in einer durch ihren Zweck gebote- (1) Ausbildende haben den Auszubilden-
nen Form planmäßig, zeitlich und den bei Beendigung des Berufsaus-
sachlich gegliedert so durchzufüh- bildungsverhältnisses ein schriftliches
ren, dass das Ausbildungsziel in der Zeugnis auszustellen. Die elektronische
vorgesehenen Ausbildungszeit er- Form ist ausgeschlossen. Haben Aus-
reicht werden kann, bildende die Berufsausbildung nicht
2. selbst auszubilden oder einen Ausbil- selbst durchgeführt, so soll auch der
der oder eine Ausbilderin ausdrück- Ausbilder oder die Ausbilderin das
lich damit zu beauftragen, Zeugnis unterschreiben.
3. Auszubildenden kostenlos die Ausbil- (2) Das Zeugnis muss Angaben enthalten
dungsmittel, insbesondere Werk- über Art, Dauer und Ziel der Berufs-
zeuge und Werkstoffe zur Verfügung ausbildung sowie über die erworbenen
zu stellen, die zur Berufsausbildung beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
und zum Ablegen von Zwischen- und und Fähigkeiten der Auszubildenden.
Abschlussprüfungen, auch soweit Auf Verlangen Auszubildender sind
solche nach Beendigung des Berufs- auch Angaben über Verhalten und
ausbildungsverhältnisses stattfinden, Leistung aufzunehmen.
erforderlich sind,
4. Auszubildende zum Besuch der Be-
rufsschule sowie zum Führen von
schriftlichen Ausbildungsnachweisen
anzuhalten, soweit solche im Rahmen
der Berufsausbildung verlangt wer-
den, und diese durchzusehen,
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 63

Unterabschnitt 4 wenn sie


Vergütung a) sich für die Berufsausbildung
bereithalten, diese aber ausfällt
§ 17 oder
Vergütungsanspruch b) aus einem sonstigen, in ihrer
(1) Ausbildende haben Auszubildenden Person liegenden Grund unver-
eine angemessene Vergütung zu schuldet verhindert sind, ihre
gewähren. Sie ist nach dem Lebensalter Pflichten aus dem Berufs-
der Auszubildenden so zu bemessen, ausbildungsverhältnis zu erfüllen.
dass sie mit fortschreitender (2) Können Auszubildende während der
Berufsausbildung, mindestens jährlich, Zeit, für welche die Vergütung fortzu-
ansteigt. zahlen ist, aus berechtigtem Grund
(2) Sachleistungen können in Höhe der Sachleistungen nicht abnehmen, so
nach sind diese nach den Sachbezugswerten
§ 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 des Vierten Buches (§ 17 Abs. 2) abzugelten.
Sozialgesetzbuch festgesetzten
Sachbezugswerte angerechnet wer- Unterabschnitt 5
den, jedoch nicht über 75 Prozent der Beginn und Beendigung des
Bruttovergütung hinaus. Ausbildungsverhältnisses
(3) Eine über die vereinbarte regelmäßige § 20
tägliche Ausbildungszeit hinausgehen- Probezeit
de Beschäftigung ist besonders zu ver- Das Berufsausbildungsverhältnis beginnt mit
güten oder durch entsprechende der Probezeit. Sie muss mindestens einen
Freizeit auszugleichen. Monat und darf höchstens vier Monate
betragen.
§ 18
Bemessung und Fälligkeit der Vergütung § 21
(1) Die Vergütung bemisst sich nach Beendigung
Monaten. Bei Berechnung der (1) Das Berufsausbildungsverhältnis endet
Vergütung für einzelne Tage wird der mit dem Ablauf der Ausbildungszeit. Im
Monat zu 30 Tagen gerechnet. Falle der Stufenausbildung endet es mit
(2) Die Vergütung für den laufenden Kalen- Ablauf der letzten Stufe.
dermonat ist spätestens am letzten Ar- (2) Bestehen Auszubildende vor Ablauf der
beitstag des Monats zu zahlen. Ausbildungszeit die Abschlussprüfung,
so endet das
§ 19 Berufsausbildungsverhältnis mit
Fortzahlung der Vergütung Bekanntgabe des Ergebnisses durch
(1) Auszubildenden ist die Vergütung auch den Prüfungsausschuss.
zu zahlen (3) Bestehen Auszubildende die Abschluss-
1. für die Zeit der Freistellung (§ 15), prüfung nicht, so verlängert sich das
2. bis zur Dauer von sechs Wochen, Berufsausbildungsverhältnis auf ihr
Verlangen bis zur nächstmöglichen
64 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

Wiederholungsprüfung, höchstens um (2) Der Anspruch erlischt, wenn er nicht


ein Jahr. innerhalb von drei Monaten nach Been-
digung des Berufsausbildungsverhält-
§ 22 nisses geltend gemacht wird.
Kündigung
(1) Während der Probezeit kann das Berufs- Unterabschnitt 6
ausbildungsverhältnis jederzeit ohne Sonstige Vorschriften
Einhalten einer Kündigungsfrist gekün-
digt werden. § 24
Weiterarbeit
(2) Nach der Probezeit kann das
Berufsausbildungsverhältnis nur gekün- Werden Auszubildende im Anschluss an das
digt werden Berufsausbildungsverhältnis beschäftigt,
1. aus einem wichtigen Grund ohne ohne dass hierüber ausdrücklich etwas ver-
Einhalten einer Kündigungsfrist, einbart worden ist, so gilt ein
2. von Auszubildenden mit einer Kündi- Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit als
gungsfrist von vier Wochen, wenn sie begründet.
die Berufsausbildung aufgeben oder
sich für eine andere Berufstätigkeit § 25
ausbilden lassen wollen. Unabdingbarkeit
(3) Die Kündigung muss schriftlich und in Eine Vereinbarung, die zuungunsten Auszu-
den Fällen des Absatzes 2 unter Angabe bildender von den Vorschriften dieses Teils
der Kündigungsgründe erfolgen. des Gesetzes abweicht, ist nichtig.
(4) Eine Kündigung aus einem wichtigen § 26
Grund ist unwirksam, wenn die ihr Andere Vertragsverhältnisse
zugrunde liegenden Tatsachen dem zur
Kündigung Berechtigten länger als Soweit nicht ein Arbeitsverhältnis vereinbart
zwei Wochen bekannt sind. Ist ein vor- ist, gelten für Personen, die eingestellt wer-
gesehenes Güteverfahren vor einer den, um berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse,
außergerichtlichen Stelle eingeleitet, Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen zu
so wird bis zu dessen Beendigung der erwerben, ohne dass es sich um eine
Lauf dieser Frist gehemmt. Berufsausbildung im Sinne dieses Gesetzes
handelt, die §§ 10 bis 23 und 25 mit der
§ 23 Maßgabe, dass die gesetzliche Probezeit
Schadensersatz bei vorzeitiger Beendigung abgekürzt, auf die Vertragsniederschrift ver-
(1) Wird das Berufsausbildungsverhältnis zichtet und bei vorzeitiger Lösung des
nach der Probezeit vorzeitig gelöst, so Vertragsverhältnisses nach Ablauf der
können Ausbildende oder Probezeit abweichend von § 23 Abs. 1 Satz 1
Auszubildende Ersatz des Schadens ver- Schadensersatz nicht verlangt werden kann.
langen, wenn die andere Person den
Grund für die Auflösung zu vertreten
hat. Dies gilt nicht im Falle des § 22
Abs. 2 Nr. 2.
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 65

Abschnitt 3 (4) Eine Ausbildungsstätte ist nach Art und


Eignung von Ausbildungsstätte und Einrichtung für die Berufsausbildung in
Ausbildungspersonal Berufen der Hauswirtschaft nur geeig-
§ 27 net, wenn sie von der nach Landesrecht
Eignung der Ausbildungsstätte zuständigen Behörde als Ausbildungs-
stätte anerkannt ist. Das Bundesminis-
(1) Auszubildende dürfen nur eingestellt terium für Wirtschaft und Technologie
und ausgebildet werden, wenn kann im Einvernehmen mit dem Bun-
1. die Ausbildungsstätte nach Art und desministerium für Bildung und For-
Einrichtung für die Berufsausbildung schung nach Anhörung des Haupt-
geeignet ist und ausschusses des Bundesinstituts für
2. die Zahl der Auszubildenden in einem Berufsbildung durch Rechtsverord-
angemessenen Verhältnis zur Zahl nung, die nicht der Zustimmung des
der Ausbildungsplätze oder zur Zahl Bundesrates bedarf, Mindestanforde-
der beschäftigten Fachkräfte steht, rungen für die Größe, die Einrichtung
es sei denn, dass anderenfalls die und den Bewirtschaftungszustand der
Berufsausbildung nicht gefährdet Ausbildungsstätte festsetzen.
wird.
(2) Eine Ausbildungsstätte, in der die erfor- § 28
derlichen beruflichen Fertigkeiten, Eignung von Ausbildenden und Ausbildern
Kenntnisse und Fähigkeiten nicht im oder Ausbilderinnen
vollen Umfang vermittelt werden kön-
nen, gilt als geeignet, wenn diese durch (1) Auszubildende darf nur einstellen, wer
Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der persönlich geeignet ist. Auszubildende
Ausbildungsstätte vermittelt werden. darf nur ausbilden, wer persönlich und
fachlich geeignet ist.
(3) Eine Ausbildungsstätte ist nach Art und
Einrichtung für die Berufsausbildung in (2) Wer fachlich nicht geeignet ist oder wer
Berufen der Landwirtschaft, einschließ- nicht selbst ausbildet, darf Auszubilden-
lich der ländlichen Hauswirtschaft, nur de nur dann einstellen, wenn er persön-
geeignet, wenn sie von der nach Lan- lich und fachlich geeignete Ausbilder
desrecht zuständigen Behörde als Aus- oder Ausbilderinnen bestellt, die die
bildungsstätte anerkannt ist. Das Bun- Ausbildungsinhalte in der Ausbildungs-
desministerium für Ernährung, Land- stätte unmittelbar, verantwortlich und
wirtschaft und Verbraucherschutz kann in wesentlichem Umfang vermitteln.
im Einvernehmen mit dem Bundes- (3) Unter der Verantwortung des
ministerium für Bildung und Forschung Ausbilders oder der Ausbilderin kann bei
nach Anhörung des Hauptausschusses der Berufsausbildung mitwirken, wer
des Bundesinstituts für Berufsbildung selbst nicht Ausbilder oder Ausbilderin
durch Rechtsverordnung, die nicht der ist, aber abweichend von den besonde-
Zustimmung des Bundesrates bedarf, ren Voraussetzungen des § 30 die für
Mindestanforderungen für die Größe, die Vermittlung von Ausbildungsinhal-
die Einrichtung und den Bewirtschaf- ten erforderlichen beruflichen Fertig-
tungszustand der Ausbildungsstätte keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
festsetzen. besitzt und persönlich geeignet ist.
66 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

§ 29 (3) Das Bundesministerium für Wirtschaft


Persönliche Eignung und Technologie oder das sonst zustän-
Persönlich nicht geeignet ist insbesondere, wer dige Fachministerium kann im Einver-
1. Kinder und Jugendliche nicht be- nehmen mit dem Bundesministerium
schäftigen darf oder für Bildung und Forschung nach An-
2. wiederholt oder schwer gegen dieses hörung des Hauptausschusses des
Gesetz oder die auf Grund dieses Bundesinstituts für Berufsbildung durch
Gesetzes erlassenen Vorschriften Rechtsverordnung, die nicht der
und Bestimmungen verstoßen hat. Zustimmung des Bundesrates bedarf, in
den Fällen des Absatzes 2 Nr. 2 bestim-
§ 30 men, welche Prüfungen für welche
Fachliche Eignung Ausbildungsberufe anerkannt werden.
(1) Fachlich geeignet ist, wer die beruflichen (4) Das Bundesministerium für Wirtschaft
sowie die berufs- und arbeitspädagogi- und Technologie oder das sonst zustän-
schen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig- dige Fachministerium kann im Einver-
keiten besitzt, die für die Vermittlung der nehmen mit dem Bundesministerium
Ausbildungsinhalte erforderlich sind. für Bildung und Forschung nach An-
hörung des Hauptausschusses des Bun-
(2) Die erforderlichen beruflichen Fertig-
desinstituts für Berufsbildung durch
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
Rechtsverordnung, die nicht der Zu-
besitzt, wer
stimmung des Bundesrates bedarf, für
1. die Abschlussprüfung in einer dem
einzelne Ausbildungsberufe bestim-
Ausbildungsberuf entsprechenden
men, dass abweichend von Absatz 2 die
Fachrichtung bestanden hat,
für die fachliche Eignung erforderlichen
2. eine anerkannte Prüfung an einer
beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
Ausbildungsstätte oder vor einer
und Fähigkeiten nur besitzt, wer
Prüfungsbehörde oder eine Abschluss-
1. die Voraussetzungen des Absatzes 2
prüfung an einer staatlichen oder
Nr. 2 oder 3 erfüllt und eine ange-
staatlich anerkannten Schule in einer
messene Zeit in seinem Beruf prak-
dem Ausbildungsberuf entsprechen-
tisch tätig gewesen ist oder
den Fachrichtung bestanden hat,
3. eine Abschlussprüfung an einer 2. die Voraussetzungen des Absatzes 2
deutschen Hochschule in einer dem Nr. 3 erfüllt und eine angemessene
Ausbildungsberuf entsprechenden Zeit in seinem Beruf praktisch tätig
Fachrichtung bestanden hat oder gewesen ist oder
4. im Ausland einen Bildungsabschluss 3. für die Ausübung eines freien Berufes
in einer dem Ausbildungsberuf ent- zugelassen oder in ein öffentliches
sprechenden Fachrichtung erworben Amt bestellt ist.
hat, dessen Gleichwertigkeit nach (5) Das Bundesministerium für Bildung und
dem Berufsqualifikationsfeststellungs- Forschung kann nach Anhörung des
gesetz oder anderen rechtlichen Hauptausschusses des Bundesinstituts
Regelungen festgestellt worden ist für Berufsbildung durch Rechtsverord-
und eine angemessene Zeit in seinem Beruf nung, die nicht der Zustimmung des
praktisch tätig gewesen ist. Bundesrates bedarf, bestimmen, dass
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 67

der Erwerb berufs- und arbeitspädago- § 31 a


gischer Fertigkeiten, Kenntnisse und Sonstige ausländische Vorqualifikationen
Fähigkeiten gesondert nachzuweisen In den Fällen des § 30 Absatz 2 und 4 besitzt
ist. Dabei können Inhalt, Umfang und die für die fachliche Eignung erforderlichen
Abschluss der Maßnahmen für den Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten,
Nachweis geregelt werden. wer die Voraussetzungen von § 2 Absatz 1
(6) Die nach Landesrecht zuständige Be- in Verbindung mit § 9 des Berufsqualifika-
hörde kann Personen, die die Voraus- tionsfeststellungsgesetzes erfüllt und nicht
setzungen des Absatzes 2, 4 oder 5 in einem anderen Mitgliedstaat der Europä-
nicht erfüllen, die fachliche Eignung ischen Union oder einem anderen Vertrags-
nach Anhörung der zuständigen Stelle staat des Europäischen Wirtschaftsraums
widerruflich zuerkennen. oder der Schweiz seinen Befähigungs-
nachweis erworben hat, sofern er eine an-
§ 31 gemessene Zeit in seinem Beruf praktisch
Europaklausel tätig gewesen ist. § 30 Absatz 4 Nummer 3
(1) In den Fällen des § 30 Abs. 2 und 4 be- bleibt unberührt.
sitzt die für die fachliche Eignung er-
forderlichen beruflichen Fertigkeiten, § 32
Kenntnisse und Fähigkeiten auch, wer Überwachung der Eignung
die Voraussetzungen für die Anerken-
(1) Die zuständige Stelle hat darüber zu
nung seiner Berufsqualifikation nach
wachen, dass die Eignung der Ausbil-
der Richtlinie 2005/36/EG des Euro-
dungsstätte sowie die persönliche und
päischen Parlaments und des Rates
fachliche Eignung vorliegen.
vom 7. September 2005 über die An-
erkennung von Berufsqualifikationen (2) Werden Mängel der Eignung festge-
(ABl. EU Nr. L 255 S. 22) erfüllt, sofern er stellt, so hat die zuständige Stelle, falls
eine angemessene Zeit in seinem Beruf der Mangel zu beheben und eine Ge-
praktisch tätig gewesen ist. § 30 Abs. 4 fährdung Auszubildender nicht zu er-
Nr. 3 bleibt unberührt. warten ist, Ausbildende aufzufordern,
innerhalb einer von ihr gesetzten Frist
(2) Die Anerkennung kann unter den in den Mangel zu beseitigen. Ist der Man-
Artikel 14 der in Absatz 1 genannten gel der Eignung nicht zu beheben oder
Richtlinie aufgeführten Voraussetzun- ist eine Gefährdung Auszubildender zu
gen davon abhängig gemacht werden, erwarten oder wird der Mangel nicht
dass der Antragsteller oder die Antrag- innerhalb der gesetzten Frist beseitigt,
stellerin zunächst einen höchstens drei- so hat die zuständige Stelle dies der
jährigen Anpassungslehrgang ableistet nach Landesrecht zuständigen Behörde
oder eine Eigungsprüfung ablegt. mitzuteilen.
(3) Die Entscheidung über die Anerken-
nung trifft die zuständige Stelle. Sie § 33
kann die Durchführung von Anpas- Untersagung des Einstellens und Ausbildens
sungslehrgängen und Eignungs-
prüfungen regeln. (1) Die nach Landesrecht zuständige
Behörde kann für eine bestimmte
68 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

Ausbildungsstätte das Einstellen und 5. Datum des Abschlusses des Ausbil-


Ausbilden untersagen, wenn die dungsvertrages, Ausbildungsdauer,
Voraussetzungen nach § 27 nicht oder Dauer der Probezeit;
nicht mehr vorliegen. 6. Datum des Beginns der Berufsaus-
(2) Die nach Landesrecht zuständige bildung;
Behörde hat das Einstellen und 7. Art der Förderung bei überwiegend
Ausbilden zu untersagen, wenn die per- öffentlich, insbesondere auf Grund des
sönliche oder fachliche Eignung nicht Dritten Buches Sozialgesetzbuch geför-
oder nicht mehr vorliegt. derten Berufsausbildungsverhältnissen
8. Name und Anschrift der Ausbilden-
(3) Vor der Untersagung sind die Beteilig- den, Anschrift der Ausbildungsstätte,
ten und die zuständige Stelle zu hören. Wirtschaftszweig, Zugehörigkeit zum
Dies gilt nicht im Falle des § 29 Nr. 1. öffentlichen Dienst;
9. Name, Vorname, Geschlecht und Art
der fachlichen Eignung der Ausbilder
Abschnitt 4
und Ausbilderinnen.
Verzeichnis der
Berufsausbildungsverhältnisse
§ 35
Eintragen, Ändern, Löschen
§ 34
(1) Ein Berufsausbildungsvertrag und Ände-
Einrichten, Führen
rungen seines wesentlichen Inhalts sind
(1) Die zuständige Stelle hat für anerkann- in das Verzeichnis einzutragen, wenn
te Ausbildungsberufe ein Verzeichnis 1. der Berufsausbildungsvertrag diesem
der Berufsausbildungsverhältnisse ein- Gesetz und der Ausbildungsordnung
zurichten und zu führen, in das der Be- entspricht,
rufsausbildungsvertrag einzutragen ist. 2. die persönliche und fachliche Eig-
Die Eintragung ist für Auszubildende nung sowie die Eignung der Ausbil-
gebührenfrei. dungsstätte für das Einstellen und
(2) Die Eintragung umfasst für jedes Berufs- Ausbilden vorliegen und
ausbildungsverhältnis 3. für Auszubildende unter 18 Jahren die
1. Name, Vorname, Geburtsdatum, ärztliche Bescheinigung über die Erst-
Anschrift der Auszubildenden; untersuchung nach § 32 Abs. 1 des
2. Geschlecht, Staatsangehörigkeit, all- Jugendarbeitsschutzgesetzes zur
gemeinbildender Schulabschluss, Einsicht vorgelegt wird.
vorausgegangene Teilnahme an be- (2) Die Eintragung ist abzulehnen oder zu
rufvorbereitender Qualifizierung löschen, wenn die Eintragungsvoraus-
oder beruflicher Grundbildung, be- setzungen nicht vorliegen und der
rufliche Vorbildung; Mangel nicht nach § 32 Abs. 2 behoben
3. erforderlichenfalls Name, Vorname wird. Die Eintragung ist ferner zu
und Anschrift der gesetzlichen Ver- löschen, wenn die ärztliche Bescheini-
treter oder Vertreterinnen; gung über die erste Nachuntersuchung
4. Ausbildungsberuf einschließlich nach § 33 Abs. 1 des Jugendarbeits-
Fachrichtung; schutzgesetzes nicht spätestens am
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 69

Tage der Anmeldung der Auszubilden- Abschnitt 5


den zur Zwischenprüfung oder zum Prüfungswesen
ersten Teil der Abschlussprüfung zur
Einsicht vorgelegt und der Mangel § 37
nicht nach § 32 Abs. 2 behoben wird. Abschlussprüfung
(3) Die nach § 34 Abs. 2 Nr. 1, 4, 6 und 8 er- (1) In den anerkannten Ausbildungsberufen
hobenen Daten dürfen zur Verbesserung sind Abschlussprüfungen durchzuführen.
der Ausbildungsvermittlung, zur Verbes- Die Abschlussprüfung kann im Falle des
serung der Zuverlässigkeit und Aktualität Nichtbestehens zweimal wiederholt
der Ausbildungsvermittlungsstatistik werden. Sofern die Abschlussprüfung in
sowie zur Verbesserung der Feststellung zwei zeitlich auseinander fallenden
von Angebot und Nachfrage auf dem Teilen durchgeführt wird, ist der erste
Ausbildungsmarkt an die Bundesagentur Teil der Abschlussprüfung nicht eigen-
für Arbeit übermittelt werden. Bei der ständig wiederholbar.
Datenübermittlung sind dem jeweiligen (2) Dem Prüfling ist ein Zeugnis auszustellen.
Stand der Technik entsprechende Maß- Ausbildenden werden auf deren Ver-
nahmen zur Sicherstellung von Daten- langen die Ergebnisse der Abschluss-
schutz und Datensicherheit zu treffen, prüfung der Auszubildenden übermit-
die insbesondere die Vertraulichkeit, telt. Sofern die Abschlussprüfung in zwei
Unversehrtheit und Zurechenbarkeit der zeitlich auseinander fallenden Teilen
Daten gewährleisten. durchgeführt wird, ist das Ergebnis der
Prüfungsleistungen im ersten Teil der
§ 36 Abschlussprüfung dem Prüfling schrift-
Antrag und Mitteilungspflichten lich mitzuteilen.
(1) Ausbildende haben unverzüglich nach (3) Dem Zeugnis ist auf Antrag der Auszu-
Abschluss des Berufsausbildungsver- bildenden eine englischsprachige und
trages die Eintragung in das Verzeichnis eine französischsprachige Übersetzung
zu beantragen. Der Antrag kann schrift- beizufügen. Auf Antrag der Auszubil-
lich oder elektronisch gestellt werden; denden kann das Ergebnis berufsschu-
eine Kopie der Vertragsniederschrift ist lischer Leistungsfeststellungen auf dem
jeweils beizufügen. Auf einen betrieb- Zeugnis ausgewiesen werden.
lichen Ausbildungsplan im Sinne von (4) Die Abschlussprüfung ist für Auszubil-
§ 11 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1, der der dende gebührenfrei.
zuständigen Stelle bereits vorliegt,
kann dabei Bezug genommen werden. § 38
Entsprechendes gilt bei Änderungen Prüfungsgegenstand
des wesentlichen Vertragsinhalts.
Durch die Abschlussprüfung ist festzu-
(2) Ausbildende und Auszubildende sind stellen, ob der Prüfling die berufliche
verpflichtet, den zuständigen Stellen die Handlungsfähigkeit erworben hat. In ihr
zur Eintragung nach § 34 erforderlichen soll der Prüfling nachweisen, dass er die
Tatsachen auf Verlangen mitzuteilen. erforderlichen beruflichen Fertigkeiten
beherrscht, die notwendigen beruflichen
Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und
70 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

mit dem im Berufsschulunterricht zu ver- (3) Die Mitglieder werden von der zustän-
mittelnden, für die Berufsausbildung digen Stelle längstens für fünf Jahre be-
wesentlichen Lehrstoff vertraut ist. Die rufen. Die Beauftragten der Arbeitneh-
Ausbildungsordnung ist zugrunde zu legen. mer werden auf Vorschlag der im Bezirk
der zuständigen Stelle bestehenden
§ 39 Gewerkschaften und selbständigen
Prüfungsausschüsse Vereinigungen von Arbeitnehmern mit
(1) Für die Abnahme der Abschlussprüfung sozial- oder berufspolitischer Zweck-
errichtet die zuständige Stelle Prü- setzung berufen. Die Lehrkraft einer
fungsausschüsse. Mehrere zuständige berufsbildenden Schule wird im Ein-
Stellen können bei einer von ihnen vernehmen mit der Schulaufsichtsbe-
gemeinsame Prüfungsausschüsse hörde oder der von ihr bestimmten
errichten. Stelle berufen. Werden Mitglieder nicht
oder nicht in ausreichender Zahl inner-
(2) Der Prüfungsausschuss kann zur Be- halb einer von der zuständigen Stelle
wertung einzelner, nicht mündlich zu gesetzten angemessenen Frist vorge-
erbringender Prüfungsleistungen gut- schlagen, so beruft die zuständige Stelle
achterliche Stellungnahmen Dritter, insoweit nach pflichtgemäßem Ermessen.
insbesondere berufsbildender Schulen, Die Mitglieder der Prüfungsausschüsse
einholen. können nach Anhören der an ihrer Be-
(3) Im Rahmen der Begutachtung nach rufung Beteiligten aus wichtigem Grund
Absatz 2 sind die wesentlichen Abläufe abberufen werden. Die Sätze 1 bis 5 gel-
zu dokumentieren und die für die ten für die stellvertretenden Mitglieder
Bewertung erheblichen Tatsachen entsprechend.
festzuhalten. (4) Die Tätigkeit im Prüfungsausschuss ist
ehrenamtlich. Für bare Auslagen und
§ 40 für Zeitversäumnis ist, soweit eine Ent-
Zusammensetzung, Berufung schädigung nicht von anderer Seite
(1) Der Prüfungsausschuss besteht aus min- gewährt wird, eine angemessene
destens drei Mitgliedern. Die Mitglieder Entschädigung zu zahlen, deren Höhe
müssen für die Prüfungsgebiete sach- von der zuständigen Stelle mit Ge-
kundig und für die Mitwirkung im Prü- nehmigung der obersten Landesbe-
fungswesen geeignet sein. hörde festgesetzt wird.
(2) Dem Prüfungsausschuss müssen als Mit- (5) Von Absatz 2 darf nur abgewichen wer-
glieder Beauftragte der Arbeitgeber den, wenn anderenfalls die erforder-
und der Arbeitnehmer in gleicher Zahl liche Zahl von Mitgliedern des Prüfungs-
sowie mindestens eine Lehrkraft einer ausschusses nicht berufen werden kann.
berufsbildenden Schule angehören.
Mindestens zwei Drittel der Gesamtzahl § 41
der Mitglieder müssen Beauftragte der Vorsitz, Beschlussfähigkeit, Abstimmung
Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sein. (1) Der Prüfungsausschuss wählt ein Mit-
Die Mitglieder haben Stellvertreter glied, das den Vorsitz führt, und ein wei-
oder Stellvertreterinnen. teres Mitglied, das den Vorsitz stellver-
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 71

tretend übernimmt. Der Vorsitz und das dungsverhältnisse eingetragen oder


ihn stellvertretende Mitglied sollen nicht aus einem Grund nicht eingetragen
derselben Mitgliedergruppe angehören. ist, den weder die Auszubildenden
(2) Der Prüfungsausschuss ist beschlussfähig, noch deren gesetzliche Vertreter oder
wenn zwei Drittel der Mitglieder, minde- Vertreterinnen zu vertreten haben.
stens drei, mitwirken. Er beschließt mit (2) Zur Abschlussprüfung ist ferner zuzu-
der Mehrheit der abgegebenen Stimmen. lassen, wer in einer berufsbildenden
Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme Schule oder einer sonstigen Berufsbil-
des vorsitzenden Mitglieds den Ausschlag. dungseinrichtung ausgebildet worden
§ 42 ist, wenn dieser Bildungsgang der Be-
Beschlussfassung, Bewertung der rufsausbildung in einem anerkannten
Abschlussprüfung Ausbildungsberuf entspricht. Ein Bil-
dungsgang entspricht der Berufsaus-
(1) Beschlüsse über die Noten zur Bewer- bildung in einem anerkannten Ausbil-
tung einzelner Prüfungsleistungen, dungsberuf, wenn er
der Prüfung insgesamt sowie über das 1. nach Inhalt, Anforderung und zeit-
Bestehen und Nichtbestehen der Ab- lichem Umfang der jeweiligen Ausbil-
schlussprüfung werden durch den dungsordnung gleichwertig ist,
Prüfungsausschuss gefasst. 2. systematisch, insbesondere im Rah-
(2) Zur Vorbereitung der Beschlussfassung men einer sachlichen und zeitlichen
nach Absatz 1 kann der Vorsitz mindes- Gliederung, durchgeführt wird und
tens zwei Mitglieder mit der Bewertung 3. durch Lernortkooperation einen an-
einzelner, nicht mündlich zu erbringen- gemessenen Anteil an fachprakti-
der Prüfungsleistungen beauftragen. scher Ausbildung gewährleistet.
Die Beauftragten sollen nicht derselben
Die Landesregierungen werden er-
Mitgliedergruppe angehören.
mächtigt, im Benehmen mit dem Lan-
(3) Die nach Absatz 2 beauftragten Mit- desausschuss für Berufsbildung durch
glieder dokumentieren die wesent- Rechtsverordnung zu bestimmen, wel-
lichen Abläufe und halten die für die che Bildungsgänge die Voraussetzun-
Bewertung erheblichen Tatsachen fest. gen der Sätze 1 und 2 erfüllen. Die Er-
§ 43 mächtigung kann durch Rechtsverord-
Zulassung zur Abschlussprüfung nung auf oberste Landesbehörden
weiter übertragen werden.3
(1) Zur Abschlussprüfung ist zuzulassen,
1. wer die Ausbildungszeit zurückgelegt
§ 44
hat oder wessen Ausbildungszeit
Zulassung zur Abschlussprüfung bei zeitlich
nicht später als zwei Monate nach
auseinander fallenden Teilen
dem Prüfungstermin endet,
2. wer an vorgeschriebenen Zwischen- (1) Sofern die Abschlussprüfung in zwei zeit-
prüfungen teilgenommen sowie vor- lich auseinander fallenden Teilen durch-
geschriebene schriftliche Ausbil- geführt wird, ist über die Zulassung
dungsnachweise geführt hat und jeweils gesondert zu entscheiden.
3. wessen Berufsausbildungsverhältnis
3
in das Verzeichnis der Berufsausbil- Absatz 2 Satz 3 und 4 treten am 1. August 2011 außer Kraft.
72 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

(2) Zum ersten Teil der Abschlussprüfung Ausländische Bildungsabschlüsse und


ist zuzulassen, wer die in der Ausbild- Zeiten der Berufstätigkeit im Ausland
ungsordnung vorgeschriebene, erfor- sind dabei zu berücksichtigen.
derliche Ausbildungszeit zurückgelegt (3) Soldaten oder Soldatinnen auf Zeit
hat und die Voraussetzungen des § 43 und ehemalige Soldaten oder
Abs. 1 Nr. 2 und 3 erfüllt. Soldatinnen sind nach Absatz 2 Satz 3
(3) Zum zweiten Teil der Abschlussprüfung zur Abschlussprüfung zuzulassen,
ist zuzulassen, wer über die Vorausset- wenn das Bundesministerium der Ver-
zungen in § 43 Abs. 1 hinaus am ersten teidigung oder die von ihm bestimmte
Teil der Abschlussprüfung teilgenom- Stelle bescheinigt, dass der Bewerber
men hat. Dies gilt nicht, wenn Auszubil- oder die Bewerberin berufliche Fertig-
dende aus Gründen, die sie nicht zu ver- keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
treten haben, am ersten Teil der Ab- erworben hat, welche die Zulassung
schlussprüfung nicht teilgenommen zur Prüfung rechtfertigen.
haben. In diesem Fall ist der erste Teil
der Abschlussprüfung zusammen mit § 46
dem zweiten Teil abzulegen. Entscheidung über die Zulassung
(1) Über die Zulassung zur Abschluss-
§ 45 prüfung entscheidet die zuständige
Zulassung in besonderen Fällen Stelle. Hält sie die Zulassungsvor-
aussetzungen nicht für gegeben, so
(1) Auszubildende können nach Anhörung
entscheidet der Prüfungsausschuss.
der Ausbildenden und der Berufsschule
vor Ablauf ihrer Ausbildungszeit zur (2) Auszubildenden, die Elternzeit in
Abschlussprüfung zugelassen werden, Anspruch genommen haben, darf bei
wenn ihre Leistungen dies rechtfer- der Entscheidung über die Zulassung
tigen. hieraus kein Nachteil erwachsen.
(2) Zur Abschlussprüfung ist auch zuzulas- § 47
sen, wer nachweist, dass er mindestens Prüfungsordnung
das Eineinhalbfache der Zeit, die als
(1) Die zuständige Stelle hat eine Prüfungs-
Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in
ordnung für die Abschlussprüfung zu
dem Beruf tätig gewesen ist, in dem die
erlassen. Die Prüfungsordnung bedarf
Prüfung abgelegt werden soll. Als
der Genehmigung der zuständigen
Zeiten der Berufstätigkeit gelten auch
obersten Landesbehörde.
Ausbildungszeiten in einem anderen,
einschlägigen Ausbildungsberuf. Vom (2) Die Prüfungsordnung muss die Zulas-
Nachweis der Mindestzeit nach Satz 1 sung, die Gliederung der Prüfung, die
kann ganz oder teilweise abgesehen Bewertungsmaßstäbe, die Erteilung
werden, wenn durch Vorlage von Zeug- der Prüfungszeugnisse, die Folgen von
nissen oder auf andere Weise glaubhaft Verstößen gegen die Prüfungsordnung
gemacht wird, dass der Bewerber oder und die Wiederholungsprüfung regeln.
die Bewerberin die berufliche Hand- Sie kann vorsehen, dass Prüfungsauf-
lungsfähigkeit er worben hat, die die gaben, die überregional oder von
Zulassung zur Prüfung rechtfertigt. einem Aufgabenerstellungsausschuss
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 73

bei der zuständigen Stelle erstellt oder wendungsbereichs dieses Gesetzes er -


ausgewählt werden, zu übernehmen worbene Prüfungszeugnisse den ent-
sind, sofern diese Aufgaben von Gremien sprechenden Zeugnissen über das Be-
erstellt oder ausgewählt werden, die stehen der Abschlussprüfung gleichstel-
entsprechend § 40 Abs. 2 zusammen- len, wenn die Berufsausbildung und die
gesetzt sind. in der Prüfung nachzuweisenden beruf-
(3) Der Hauptausschuss des Bundesins- lichen Fertigkeiten, Kenntnisse und
tituts für Berufsbildung erlässt für die Fähigkeiten gleichwertig sind.
Prüfungsordnung Richtlinien. (2) Das Bundesministerium für Wirtschaft
und Technologie oder das sonst zustän-
§ 48 dige Fachministerium kann im Einver-
Zwischenprüfungen nehmen mit dem Bundesministerium
(1) Während der Berufsausbildung ist zur Er- für Bildung und Forschung nach An-
mittlung des Ausbildungsstandes eine hörung des Hauptausschusses des Bun-
Zwischenprüfung entsprechend der desinstituts für Berufsbildung durch
Ausbildungsordnung durchzuführen. Rechtsverordnung im Ausland erworbe-
Die §§ 37 bis 39 gelten entsprechend. ne Prüfungszeugnisse den entsprechen-
(2) Sofern die Ausbildungsordnung vor- den Zeugnissen über das Bestehen der
sieht, dass die Abschlussprüfung in zwei Abschlussprüfung gleichstellen, wenn
zeitlich auseinander fallenden Teilen die in der Prüfung nachzuweisenden
durchgeführt wird, findet Absatz 1 keine beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
Anwendung. und Fähigkeiten gleichwertig sind.

§ 49 § 50 a
Zusatzqualifikationen Gleichwertigkeit ausländischer
(1) Zusätzliche berufliche Fertigkeiten, Berufsqualifikationen
Kenntnisse und Fähigkeiten nach § 5 Ausländische Berufsqualifikationen stehen
Abs. 2 Nr. 5 werden gesondert geprüft einer bestandenen Aus- oder Fortbildungs-
und bescheinigt. Das Ergebnis der prüfung nach diesem Gesetz gleich, wenn
Prüfung nach § 37 bleibt unberührt. die Gleichwertigkeit der beruflichen Fer-
(2) § 37 Abs. 3 und 4 sowie die §§ 39 bis 42 tigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nach
und 47 gelten entsprechend. dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz
festgestellt wurde.
§ 50
Gleichstellung von Prüfungszeugnissen
Abschnitt 6
(1) Das Bundesministerium für Wirtschaft Interessenvertretung
und Technologie oder das sonst zustän-
dige Fachministerium kann im Einver-
§ 51
nehmen mit dem Bundesministerium
Interessenvertretung
für Bildung und Forschung nach An-
hörung des Hauptausschusses des Bun- (1) Auszubildende, deren praktische Berufs-
desinstituts für Berufsbildung durch bildung in einer sonstigen Berufsbil-
Rechtsverordnung außerhalb des An- dungseinrichtung außerhalb der schuli-
74 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

schen und betrieblichen Berufsbildung logie oder dem sonst zuständigen Fach-
(§ 2 Abs. 1 Nr. 3) mit in der Regel mindes- ministerium nach Anhörung des Haupt-
tens fünf Auszubildenden stattfindet und ausschusses des Bundesinstituts für Be-
die nicht wahlberechtigt zum Betriebs- rufsbildung durch Rechtsverordnung,
rat nach § 7 des Betriebsverfassungs- die nicht der Zustimmung des Bundes-
gesetzes, zur Jugend- und Auszubilden- rates bedarf, Fortbildungsabschlüsse
denvertretung nach § 60 des Betriebs- anerkennen und hierfür Prüfungsrege-
verfassungsgesetzes oder zur Mitwir- lungen erlassen (Fortbildungsordnung).
kungsvertretung nach § 36 des Neunten (2) Die Fortbildungsordnung hat festzu-
Buches Sozialgesetzbuch sind (außerbe- legen
triebliche Auszubildende), wählen eine 1. die Bezeichnung des Fortbildungs-
besondere Interessenvertretung. abschlusses,
(2) Absatz 1 findet keine Anwendung auf 2. das Ziel, den Inhalt und die
Berufsbildungseinrichtungen von Anforderungen der Prüfung,
Religionsgemeinschaften sowie auf 3. die Zulassungsvoraussetzungen
andere Berufsbildungseinrichtungen, sowie
soweit sie eigene gleichwertige Rege- 4. das Prüfungsverfahren.
lungen getroffen haben. (3) Abweichend von Absatz 1 werden Fort-
bildungsordnungen in Berufen der
§ 52 Landwirtschaft, einschließlich der länd-
Verordnungsermächtigung lichen Hauswirtschaft, durch das Bun-
Das Bundesministerium für Bildung und desministerium für Ernährung, Land-
Forschung kann durch Rechtsverordnung, wirtschaft und Verbraucherschutz im
die nicht der Zustimmung des Bundesrates Einvernehmen mit dem Bundesminis-
bedarf, die Fragen bestimmen, auf die sich terium für Bildung und Forschung,
die Beteiligung erstreckt, die Zusammen- Fortbildungsordnungen in Berufen
setzung und die Amtszeit der Interessen- der Hauswirtschaft durch das
vertretung, die Durchführung der Wahl, Bundesministerium für Wirtschaft und
insbesondere die Feststellung der Wahl- Technologie im Einvernehmen mit dem
berechtigung und der Wählbarkeit sowie Bundesministerium für Bildung und
Art und Umfang der Beteiligung. Forschung erlassen.

§ 54
Kapitel 2 Fortbildungsprüfungsregelungen der
Berufliche Fortbildung zuständigen Stellen
Soweit Rechtsverordnungen nach § 53 nicht
§ 53 erlassen sind, kann die zuständige Stelle
Fortbildungsordnung Fortbildungsprüfungsregelungen erlassen.
(1) Als Grundlage für eine einheitliche be- Die zuständige Stelle regelt die Bezeichnung
rufliche Fortbildung kann das Bundes- des Fortbildungsabschlusses, Ziel, Inhalt
ministerium für Bildung und Forschung und Anforderungen der Prüfungen, die Zu-
im Einvernehmen mit dem Bundes- lassungsvoraussetzungen sowie das Prüf-
ministerium für Wirtschaft und Techno- ungsverfahren.
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 75

§ 55 Grundlage der §§ 53 und 54 gleichstellen,


Berücksichtigung ausländischer wenn die in der Prüfung nachzuweisenden
Vorqualifikationen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und
Sofern die Fortbildungsordnung (§ 53) oder Fähigkeiten gleichwertig sind.
eine Regelung der zuständigen Stelle (§ 54)
Zulassungsvoraussetzungen vorsieht, sind Kapitel 3
ausländische Bildungsabschlüsse und Zeiten Berufliche Umschulung
der Berufstätigkeit im Ausland zu berück-
sichtigen. § 58
Umschulungsordnung
§ 56
Fortbildungsprüfungen Als Grundlage für eine geordnete und ein-
heitliche berufliche Umschulung kann das
(1) Für die Durchführung von Prüfungen im
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Bereich der beruflichen Fortbildung
im Einvernehmen mit dem Bundesministe-
errichtet die zuständige Stelle Prü-
rium für Wirtschaft und Technologie oder
fungsausschüsse. § 37 Abs. 2 und 3 so-
dem sonst zuständigen Fachministerium
wie die §§ 40 bis 42, 46 und 47 gelten
nach Anhörung des Hauptausschusses des
entsprechend.
Bundesinstituts für Berufsbildung durch
(2) Der Prüfling ist auf Antrag von der Able- Rechtsverordnung, die nicht der Zustimmung
gung einzelner Prüfungsbestandteile des Bundesrates bedarf,
durch die zuständige Stelle zu befreien, 1. die Bezeichnung des Umschulungs-
wenn er eine andere vergleichbare Prü- abschlusses,
fung vor einer öffentlichen oder staatlich 2. das Ziel, den Inhalt, die Art und Dauer
anerkannten Bildungseinrichtung oder der Umschulung,
vor einem staatlichen Prüfungsausschuss 3. die Anforderungen der Umschulungs-
erfolgreich abgelegt hat und die Anmel- prüfung und die Zulassungsvoraus-
dung zur Fortbildungsprüfung innerhalb setzungen sowie
von fünf Jahren nach der Bekanntgabe 4. das Prüfungsverfahren der
des Bestehens der anderen Prüfung Umschulung
erfolgt.
unter Berücksichtigung der besonderen Er-
§ 57 fordernisse der beruflichen Erwachsenen-
Gleichstellung von Prüfungszeugnissen bildung bestimmen (Umschulungsordnung).
Das Bundesministerium für Wirtschaft und
§ 59
Technologie oder das sonst zuständige Fach-
Umschulungsprüfungsregelungen
ministerium kann im Einvernehmen mit dem
der zuständigen Stellen
Bundesministerium für Bildung und For-
schung nach Anhörung des Hauptausschus- Soweit Rechtsverordnungen nach § 58 nicht
ses des Bundesinstituts für Berufsbildung erlassen sind, kann die zuständige Stelle
durch Rechtsverordnung außerhalb des An- Umschulungsprüfungsregelungen erlassen.
wendungsbereichs dieses Gesetzes oder im Die zuständige Stelle regelt die Bezeichnung
Ausland erworbene Prüfungszeugnisse den des Umschulungsabschlusses, Ziel, Inhalt
entsprechenden Zeugnissen über das Be- und Anforderungen der Prüfungen, die
stehen einer Fortbildungsprüfung auf der Zulassungsvoraussetzungen sowie das Prü-
76 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

fungsverfahren unter Berücksichtigung der (3) Für die Durchführung von Prüfungen im
besonderen Erfordernisse beruflicher Er- Bereich der beruflichen Umschulung
wachsenenbildung. errichtet die zuständige Stelle Prü-
fungsausschüsse. § 37 Abs. 2 und 3
§ 60 sowie die §§ 40 bis 42, 46 und 47 gelten
Umschulung für einen anerkannten entsprechend.
Ausbildungsberuf
(4) Der Prüfling ist auf Antrag von der Ab-
Sofern sich die Umschulungsordnung (§ 58) legung einzelner Prüfungsbestandteile
oder eine Regelung der zuständigen Stelle durch die zuständige Stelle zu befreien,
(§ 59) auf die Umschulung für einen aner- wenn er eine andere vergleichbare Prü-
kannten Ausbildungsberuf richtet, sind das fung vor einer öffentlichen oder staat-
Ausbildungsberufsbild (§ 5 Abs. 1 Nr. 3), der lich anerkannten Bildungseinrichtung
Ausbildungsrahmenplan (§ 5 Abs. 1 Nr. 4) und oder vor einem staatlichen Prüfungs-
die Prüfungsanforderungen (§ 5 Abs. 1 Nr. 5) ausschuss erfolgreich abgelegt hat und
zugrunde zu legen. Die §§ 27 bis 33 gelten die Anmeldung zur Umschulungs-
entsprechend. prüfung innerhalb von fünf Jahren nach
der Bekanntgabe des Bestehens der
§ 61 anderen Prüfung erfolgt.
Berücksichtigung ausländischer
Vorqualifikationen § 63
Sofern die Umschulungsordnung (§ 58) oder Gleichstellung von Prüfungszeugnissen
eine Regelung der zuständigen Stelle (§ 59) Das Bundesministerium für Wirtschaft und
Zulassungsvoraussetzungen vorsieht, sind aus- Technologie oder das sonst zuständige
ländische Bildungsabschlüsse und Zeiten der Fachministerium kann im Einvernehmen mit
Berufstätigkeit im Ausland zu berücksichtigen. dem Bundesministerium für Bildung und
Forschung nach Anhörung des Hauptaus-
§ 62
schusses des Bundesinstituts für Berufs-
Umschulungsmaßnahmen;
bildung durch Rechtsverordnung außerhalb
Umschulungsprüfungen
des Anwendungsbereichs dieses Gesetzes
(1) Maßnahmen der beruflichen Umschu- oder im Ausland erworbene Prüfungszeug-
lung müssen nach Inhalt, Art, Ziel und nisse den entsprechenden Zeugnissen über
Dauer den besonderen Erfordernissen das Bestehen einer Umschulungsprüfung auf
der beruflichen Erwachsenenbildung der Grundlage der §§ 58 und 59 gleichstel-
entsprechen. len, wenn die in der Prüfung nachzuweisen-
(2) Umschulende haben die Durchführung den beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und
der beruflichen Umschulung vor Beginn Fähigkeiten gleichwertig sind.
der Maßnahme der zuständigen Stelle
schriftlich anzuzeigen. Die Anzeige-
pflicht erstreckt sich auf den wesent-
lichen Inhalt des Umschulungsverhält-
nisses. Bei Abschluss eines Umschu-
lungsvertrages ist eine Ausfertigung
der Vertragsniederschrift beizufügen.
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 77

Kapitel 4 der behinderten Menschen oder ihrer ge-


Berufsbildung für besondere setzlichen Vertreter oder Vertreterinnen
Personengruppen Ausbildungsregelungen entsprechend
den Empfehlungen des Hauptausschusses
Abschnitt 1 des Bundesinstituts für Berufsbildung. Die
Berufsbildung behinderter Menschen Ausbildungsinhalte sollen unter Berück-
sichtigung von Lage und Entwicklung des
§ 64 allgemeinen Arbeitsmarktes aus den
Berufsausbildung Inhalten anerkannter Ausbildungsberufe
Behinderte Menschen (§ 2 Abs. 1 Satz 1 des entwickelt werden. Im Antrag nach Satz 1
Neunten Buches Sozialgesetzbuch) sollen in ist eine Ausbildungsmöglichkeit in dem
anerkannten Ausbildungsberufen ausgebil- angestrebten Ausbildungsgang nachzu-
det werden. weisen.
§ 65 (2) § 65 Abs. 2 Satz 1 gilt entsprechend.
Berufsausbildung in anerkannten
Ausbildungsberufen § 67
(1) Regelungen nach den §§ 9 und 47 sollen Berufliche Fortbildung, berufliche
die besonderen Verhältnisse behinder- Umschulung
ter Menschen berücksichtigen. Dies Für die berufliche Fortbildung und die beruf-
gilt insbesondere für die zeitliche und liche Umschulung behinderter Menschen
sachliche Gliederung der Ausbildung, gelten die §§ 64 bis 66 entsprechend, soweit
die Dauer von Prüfungszeiten, die es Art und Schwere der Behinderung erfor-
Zulassung von Hilfsmitteln und die dern.
Inanspruchnahme von Hilfeleistungen
Dritter wie Gebärdensprachdolmet- Abschnitt 2
scher für hörbehinderte Menschen. Berufsausbildungsvorbereitung
(2) Der Berufsausbildungsvertrag mit
einem behinderten Menschen ist in das § 68
Verzeichnis der Berufsausbildungs- Personenkreis und Anforderungen
verhältnisse (§ 34) einzutragen. Der (1) Die Berufsausbildungsvorbereitung
behinderte Mensch ist zur Abschluss- richtet sich an lernbeeinträchtigte oder
prüfung auch zuzulassen, wenn die sozial benachteiligte Personen, deren
Voraussetzungen des § 43 Abs. 1 Nr. 2 Entwicklungsstand eine erfolgreiche
und 3 nicht vorliegen. Ausbildung in einem anerkannten Aus-
bildungsberuf noch nicht erwarten
§ 66 lässt. Sie muss nach Inhalt, Art, Ziel und
Ausbildungsregelungen der Dauer den besonderen Erfordernissen
zuständigen Stellen des in Satz 1 genannten Personenkreises
(1) Für behinderte Menschen, für die wegen entsprechen und durch umfassende
Art und Schwere ihrer Behinderung eine sozialpädagogische Betreuung und
Ausbildung in einem anerkannten Ausbil- Unterstützung begleitet werden.
dungsberuf nicht in Betracht kommt, (2) Für die Berufsausbildungsvorbereitung,
treffen die zuständigen Stellen auf Antrag die nicht im Rahmen des Dritten Buches
78 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

Sozialgesetzbuch oder anderer ver- nach § 88 Abs. 1 Nr. 5 erforderlichen


gleichbarer, öffentlich geförderter Angaben.
Maßnahmen durchgeführt wird, gelten (3) Die Absätze 1 und 2 sowie § 76 finden
die §§ 27 bis 33 entsprechend. keine Anwendung, soweit die Berufs-
ausbildungsvorbereitung im Rahmen
§ 69
des Dritten Buches Sozialgesetzbuch
Qualifizierungsbausteine, Bescheinigung
oder anderer vergleichbarer, öffentlich
(1) Die Vermittlung von Grundlagen für geförderter Maßnahmen durchgeführt
den Erwerb beruflicher Handlungs- wird.
fähigkeit (§ 1 Abs. 2) kann insbesondere
durch inhaltlich und zeitlich abge-
grenzte Lerneinheiten erfolgen, die aus Teil 3
den Inhalten anerkannter Ausbildungs- Organisation der Berufsbildung
berufe entwickelt werden (Qualifizie-
rungsbausteine). Kapitel 1
(2) Über vermittelte Grundlagen für den Zuständige Stellen; zuständige Behörden
Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit
stellt der Anbieter der Berufsausbil- Abschnitt 1
dungsvorbereitung eine Bescheinigung Bestimmung der zuständigen Stelle
aus. Das Nähere regelt das Bundes-
ministerium für Bildung und Forschung § 71
im Einvernehmen mit den für den Erlass Zuständige Stellen
von Ausbildungsordnungen zuständi-
(1) Für die Berufsbildung in Berufen der
gen Fachministerien nach Anhörung
Handwerksordnung ist die Handwerks-
des Hauptausschusses des Bundesins-
kammer zuständige Stelle im Sinne
tituts für Berufsbildung durch Rechts-
dieses Gesetzes.
verordnung, die nicht der Zustimmung
des Bundesrates bedarf. (2) Für die Berufsbildung in nichthandwerk-
lichen Gewerbeberufen ist die Indus-
§ 70 trie- und Handelskammer zuständige
Überwachung, Beratung Stelle im Sinne dieses Gesetzes.
(1) Die nach Landesrecht zuständige Be- (3) Für die Berufsbildung in Berufen der
hörde hat die Berufsausbildungsvor- Landwirtschaft, einschließlich der länd-
bereitung zu untersagen, wenn die lichen Hauswirtschaft, ist die Landwirt-
Voraussetzungen des § 68 Abs. 1 nicht schaftskammer zuständige Stelle im
vorliegen. Sinne dieses Gesetzes.
(2) Der Anbieter hat die Durchführung von (4) Für die Berufsbildung der Fachange-
Maßnahmen der Berufsausbildungsvor- stellten im Bereich der Rechtspflege
bereitung vor Beginn der Maßnahme sind jeweils für ihren Bereich die
der zuständigen Stelle schriftlich anzu- Rechtsanwalts-, Patentanwalts- und
zeigen. Die Anzeigepflicht erstreckt Notarkammern und für ihren Tätigkeits-
sich auf den wesentlichen Inhalt des bereich die Notarkassen zuständige
Qualifizierungsvertrages sowie die Stelle im Sinne dieses Gesetzes.
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 79

(5) Für die Berufsbildung der Fachangestell- § 73


ten im Bereich der Wirtschaftsprüfung Zuständige Stellen im Bereich des
und Steuerberatung sind jeweils für ihren öffentlichen Dienstes
Bereich die Wirtschaftsprüferkammern (1) Im öffentlichen Dienst bestimmt für
und die Steuerberaterkammern zuständi- den Bund die oberste Bundesbehörde
ge Stelle im Sinne dieses Gesetzes. für ihren Geschäftsbereich die zuständi-
(6) Für die Berufsbildung der Fachangestell- ge Stelle
ten im Bereich der Gesundheitsdienst- 1. in den Fällen der §§ 32, 33 und 76
berufe sind jeweils für ihren Bereich die sowie der §§ 23, 24 und 41a der
Ärzte-, Zahnärzte-, Tierärzte- und Apothe- Handwerksordnung,
kerkammern zuständige Stelle im Sinne 2. für die Berufsbildung in anderen als
dieses Gesetzes. den durch die §§ 71 und 72 erfassten
(7) Soweit die Berufsausbildungsvor- Berufsbereichen;
bereitung, die Berufsausbildung und dies gilt auch für die der Aufsicht des
die berufliche Umschulung in Betrieben Bundes unterstehenden Körperschaf-
zulassungspflichtiger Handwerke, ten, Anstalten und Stiftungen des
zulassungsfreier Handwerke und hand- öffentlichen Rechts.
werksähnlicher Gewerbe durchgeführt (2) Im öffentlichen Dienst bestimmen die
wird, ist abweichend von den Absätzen Länder für ihren Bereich sowie für die
2 bis 6 die Handwerkskammer zustän- Gemeinden und Gemeindeverbände
dige Stelle im Sinne dieses Gesetzes. die zuständige Stelle für die Berufs-
(8) Soweit Kammern für einzelne Berufs- bildung in anderen als den durch die
bereiche der Absätze 1 bis 6 nicht be- §§ 71 und 72 erfassten Berufsbereichen.
stehen, bestimmt das Land die zustän- Dies gilt auch für die der Aufsicht der
dige Stelle. Länder unterstehenden Körperschaf-
(9) Mehrere Kammern können vereinbaren, ten, Anstalten und Stiftungen des
dass die ihnen durch Gesetz zugewie- öffentlichen Rechts.
senen Aufgaben im Bereich der Berufs-
bildung durch eine von ihnen wahrge- § 74
nommen wird. Die Vereinbarung be- Erweiterte Zuständigkeit
darf der Genehmigung durch die § 73 gilt entsprechend für Ausbildungsberu-
zuständige oberste Bundes- oder Lan- fe, in denen im Bereich der Kirchen und sons-
desbehörde. tigen Religionsgemeinschaften des öffent-
lichen Rechts oder außerhalb des öffentli-
§ 72 chen Dienstes nach Ausbildungsordnungen
Bestimmung durch Rechtsverordnung des öffentlichen Dienstes ausgebildet wird.
Das zuständige Fachministerium kann im
Einvernehmen mit dem Bundesministerium
für Bildung und Forschung durch Rechtsver-
ordnung mit Zustimmung des Bundesrates
für Berufsbereiche, die durch § 71 nicht gere-
gelt sind, die zuständige Stelle bestimmen.
80 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

§ 75 (4) Auskunftspflichtige können die Aus-


Zuständige Stellen im Bereich der Kirchen kunft auf solche Fragen verweigern,
und sonstigen Religionsgemeinschaften des deren Beantwortung sie selbst oder
öffentlichen Rechts einen der in § 52 der Strafprozessord-
Die Kirchen und sonstigen Religionsgemein- nung bezeichneten Angehörigen der
schaften des öffentlichen Rechts bestimmen Gefahr strafgerichtlicher Verfolgung
für ihren Bereich die zuständige Stelle für die oder eines Verfahrens nach dem Gesetz
Berufsbildung in anderen als den durch die über Ordnungswidrigkeiten aussetzen
§§ 71, 72 und 74 erfassten Berufsbereichen. würde.
Die §§ 77 bis 80 finden keine Anwendung. (5) Die zuständige Stelle teilt der Aufsichts-
behörde nach dem Jugendarbeits-
Abschnitt 2 schutzgesetz Wahrnehmungen mit, die
Überwachung der Berufsbildung für die Durchführung des Jugend-
arbeitsschutzgesetzes von Bedeutung
§ 76 sein können.
Überwachung, Beratung
(1) Die zuständige Stelle überwacht die
Durchführung Abschnitt 3
Berufsbildungsausschuss der
1. der Berufsausbildungsvorbereitung,
zuständigen Stelle
2. der Berufsausbildung und
3. der beruflichen Umschulung § 77
und fördert diese durch Beratung der Errichtung
an der Berufsbildung beteiligten Per- (1) Die zuständige Stelle errichtet einen
sonen. Sie hat zu diesem Zweck Berater Berufsbildungsausschuss. Ihm gehören
oder Beraterinnen zu bestellen. sechs Beauftragte der Arbeitgeber,
(2) Ausbildende, Umschulende und Anbie- sechs Beauftragte der Arbeitnehmer
ter von Maßnahmen der Berufsausbil- und sechs Lehrkräfte an berufsbilden-
dungsvorbereitung sind auf Verlangen den Schulen an, die Lehrkräfte mit be-
verpflichtet, die für die Überwachung ratender Stimme.
notwendigen Auskünfte zu erteilen und (2) Die Beauftragten der Arbeitgeber
Unterlagen vorzulegen sowie die Be- werden auf Vorschlag der zuständigen
sichtigung der Ausbildungsstätten zu Stelle, die Beauftragten der Arbeit-
gestatten. nehmer auf Vorschlag der im Bezirk
(3) Die Durchführung von Auslandsaufent- der zuständigen Stelle bestehenden
halten nach § 2 Abs. 3 überwacht und Gewerkschaften und selbständigen
fördert die zuständige Stelle in geeig- Vereinigungen von Arbeitnehmern
neter Weise. Beträgt die Dauer eines mit sozial- oder berufspolitischer
Ausbildungsabschnitts im Ausland mehr Zwecksetzung, die Lehrkräfte an be-
als vier Wochen, ist hierfür ein mit der rufsbildenden Schulen von der nach
zuständigen Stelle abgestimmter Plan Landesrecht zuständigen Behörde
erforderlich. längstens für vier Jahre als Mitglieder
berufen.
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 81

(3) Die Tätigkeit im Berufsbildungsaus- § 79


schuss ist ehrenamtlich. Für bare Aufgaben
Auslagen und für Zeitversäumnis ist, (1) Der Berufsbildungsausschuss ist in allen
soweit eine Entschädigung nicht von wichtigen Angelegenheiten der beruf-
anderer Seite gewährt wird, eine an- lichen Bildung zu unterrichten und zu
gemessene Entschädigung zu zahlen, hören. Er hat im Rahmen seiner Auf-
deren Höhe von der zuständigen gaben auf eine stetige Entwicklung der
Stelle mit Genehmigung der obersten Qualität der beruflichen Bildung hinzu-
Landesbehörde festgesetzt wird. wirken.
(4) Die Mitglieder können nach Anhören (2) Wichtige Angelegenheiten, in denen
der an ihrer Berufung Beteiligten der Berufsbildungsausschuss anzuhören
aus wichtigem Grund abberufen ist, sind insbesondere:
werden. 1. Erlass von Verwaltungsgrundsätzen
(5) Die Mitglieder haben Stellvertreter über die Eignung von Ausbildungs-
oder Stellvertreterinnen. Die Absätze 1 und Umschulungsstätten, für das
bis 4 gelten für die Stellvertreter und Führen von schriftlichen Ausbil-
Stellvertreterinnen entsprechend. dungsnachweisen, für die Verkürzung
(6) Der Berufsbildungsausschuss wählt ein der Ausbildungsdauer, für die vor-
Mitglied, das den Vorsitz führt, und ein zeitige Zulassung zur Abschluss-
weiteres Mitglied, das den Vorsitz stell- prüfung, für die Durchführung der
vertretend übernimmt. Der Vorsitz und Prüfungen, zur Durchführung von
seine Stellvertretung sollen nicht der- über- und außerbetrieblicher Ausbil-
selben Mitgliedergruppe angehören. dung sowie Verwaltungsrichtlinien
zur beruflichen Bildung,
§ 78 2. Umsetzung der vom Landesausschuss
Beschlussfähigkeit, Abstimmung für Berufsbildung empfohlenen
Maßnahmen,
(1) Der Berufsbildungsausschuss ist be-
3. wesentliche inhaltliche Änderungen
schlussfähig, wenn mehr als die Hälfte
des Ausbildungsvertragsmusters.
seiner stimmberechtigten Mitglieder
anwesend ist. Er beschließt mit der (3) Wichtige Angelegenheiten, in denen
Mehrheit der abgegebenen Stimmen. der Berufsbildungsausschuss zu unter-
(2) Zur Wirksamkeit eines Beschlusses ist es richten ist, sind insbesondere:
erforderlich, dass der Gegenstand bei 1. Zahl und Art der der zuständigen
der Einberufung des Ausschusses Stelle angezeigten Maßnahmen der
bezeichnet ist, es sei denn, dass er mit Berufsausbildungsvorbereitung und
Zustimmung von zwei Dritteln der beruflichen Umschulung sowie der
stimmberechtigten Mitglieder nach- eingetragenen Berufsausbildungs-
träglich auf die Tagesordnung gesetzt verhältnisse,
wird. 2. Zahl und Ergebnisse von durchge-
führten Prüfungen sowie hierbei
gewonnene Erfahrungen,
3. Tätigkeit der Berater und Bera-
terinnen nach § 76 Abs. 1 Satz 2,
82 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

4. für den räumlichen und fachlichen für Beschlüsse, zu deren Durchführung


Zuständigkeitsbereich der zustän- in folgenden Haushaltsjahren Mittel
digen Stelle neue Formen, Inhalte bereitgestellt werden müssen, die die
und Methoden der Berufsbildung, Ausgaben für Berufsbildung des laufen-
5. Stellungnahmen oder Vorschläge der den Haushalts nicht unwesentlich über-
zuständigen Stelle gegenüber ande- steigen.
ren Stellen und Behörden, soweit sie (6) Abweichend von § 77 Abs. 1 haben die
sich auf die Durchführung dieses Lehrkräfte Stimmrecht bei Beschlüssen
Gesetzes oder der auf Grund dieses zu Angelegenheiten der Berufsaus-
Gesetzes erlassenen Rechtsvor- bildungsvorbereitung und
schriften beziehen, Berufsausbildung, soweit sich die
6. Bau eigener überbetrieblicher Beschlüsse unmittelbar auf die Or-
Berufsbildungsstätten, ganisation der schulischen
7. Beschlüsse nach Absatz 5 sowie Berufsbildung auswirken.
beschlossene Haushaltsansätze zur
Durchführung der Berufsbildung mit § 80
Ausnahme der Personalkosten, Geschäftsordnung
8. Verfahren zur Beilegung von Streitig-
keiten aus Ausbildungsverhältnissen, Der Berufsbildungsausschuss gibt sich eine
9. Arbeitsmarktfragen, soweit sie die Geschäftsordnung. Sie kann die Bildung von
Berufsbildung im Zuständigkeits- Unterausschüssen vorsehen und bestimmen,
bereich der zuständigen Stelle be- dass ihnen nicht nur Mitglieder des Aus-
rühren. schusses angehören. Für die Unteraus-
schüsse gelten § 77 Abs. 2 bis 6 und § 78 ent-
(4) Der Berufsbildungsausschuss hat die auf sprechend.
Grund dieses Gesetzes von der zustän-
digen Stelle zu erlassenden Rechtsvor- Abschnitt 4
schriften für die Durchführung der Zuständige Behörden
Berufsbildung zu beschließen. Gegen
Beschlüsse, die gegen Gesetz oder § 81
Satzung verstoßen, kann die zur Vertre- Zuständige Behörden
tung der zuständigen Stelle berech- (1) Im Bereich des Bundes ist die oberste
tigte Person innerhalb einer Woche Bundesbehörde oder die von ihr be-
Einspruch einlegen. Der Einspruch ist stimmte Behörde die zuständige Be-
zu begründen und hat aufschiebende hörde im Sinne des § 30 Abs. 6, der §§
Wirkung. Der Berufsbildungsausschuss 32, 33, 40 Abs. 4 und der §§ 47, 77 Abs. 2
hat seinen Beschluss zu überprüfen und und 3.
erneut zu beschließen.
(2) Ist eine oberste Bundesbehörde oder
(5) Beschlüsse, zu deren Durchführung die eine oberste Landesbehörde zustän-
für Berufsbildung im laufenden Haus- dige Stelle im Sinne dieses Gesetzes, so
halt vorgesehenen Mittel nicht ausrei- bedarf es im Falle des § 40 Abs. 4 sowie
chen, bedürfen für ihre Wirksamkeit der der §§ 47 und 77 Abs. 3 keiner
Zustimmung der für den Haushaltsplan Genehmigung.
zuständigen Organe. Das Gleiche gilt
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 83

Kapitel 2 derselben Mitgliedergruppe ange-


Landesausschüsse für Berufsbildung hören.
(3) Die Mitglieder haben Stellvertreter
§ 82 oder Stellvertreterinnen. Die Absätze 1
Errichtung, Geschäftsordnung, Abstimmung und 2 gelten für die Stellvertreter und
(1) Bei der Landesregierung wird ein Stellvertreterinnen entsprechend.
Landesausschuss für Berufsbildung
(4) Der Landesausschuss gibt sich eine Ge-
errichtet. Er setzt sich zusammen aus
schäftsordnung, die der Genehmigung
einer gleichen Zahl von Beauftragten
der Landesregierung oder der von ihr
der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und
bestimmten obersten Landesbehörde
der obersten Landesbehörden. Die
bedarf. Sie kann die Bildung von Unter-
Hälfte der Beauftragten der obersten
ausschüssen vorsehen und bestimmen,
Landesbehörden muss in Fragen des
dass ihnen nicht nur Mitglieder des Lan-
Schulwesens sachverständig sein.
desausschusses angehören. Absatz 2
(2) Die Mitglieder des Landesausschusses Satz 2 gilt für die Unterausschüsse hin-
werden längstens für vier Jahre von der sichtlich der Entschädigung entspre-
Landesregierung berufen, die Beauf- chend. An den Sitzungen des Landes-
tragten der Arbeitgeber auf Vorschlag ausschusses und der Unterausschüsse
der auf Landesebene bestehenden können Vertreter der beteiligten ober-
Zusammenschlüsse der Kammern, der sten Landesbehörden, der Gemeinden
Arbeitgeberverbände und der Unter- und Gemeindeverbände sowie der
nehmerverbände, die Beauftragten der Agentur für Arbeit teilnehmen.
Arbeitnehmer auf Vorschlag der auf (5) Der Landesausschuss ist beschlussfähig,
Landesebene bestehenden Gewerk- wenn mehr als die Hälfte seiner
schaften und selbständigen Vereinig- Mitglieder anwesend ist. Er beschließt
ungen von Arbeitnehmern mit sozial- mit der Mehrheit der abgegebenen
oder berufspolitischer Zwecksetzung. Stimmen.
Die Tätigkeit im Landesausschuss ist
ehrenamtlich. Für bare Auslagen und § 83
für Zeitversäumnis ist, soweit eine Ent- Aufgaben
schädigung nicht von anderer Seite
gewährt wird, eine angemessene Ent- (1) Der Landesausschuss hat die Landesre-
schädigung zu zahlen, deren Höhe von gierung in den Fragen der Berufsbil-
der Landesregierung oder der von ihr dung zu beraten, die sich für das Land
bestimmten obersten Landesbehörde ergeben. Er hat im Rahmen seiner Auf-
festgesetzt wird. Die Mitglieder können gaben auf eine stetige Entwicklung der
nach Anhören der an ihrer Berufung Qualität der beruflichen Bildung hinzu-
Beteiligten aus wichtigem Grund ab- wirken.
berufen werden. Der Ausschuss wählt (2) Er hat insbesondere im Interesse einer
ein Mitglied, das den Vorsitz führt, und einheitlichen Berufsbildung auf eine
ein weiteres Mitglied, das den Vorsitz Zusammenarbeit zwischen der schuli-
stellvertretend übernimmt. Der Vorsitz schen Berufsbildung und der Berufsbil-
und seine Stellvertretung sollen nicht dung nach diesem Gesetz sowie auf
84 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

eine Berücksichtigung der Berufsbil- (2) Die Berufsbildungsplanung hat insbe-


dung bei der Neuordnung und Weiter- sondere dazu beizutragen, dass die
entwicklung des Schulwesens hinzu- Ausbildungsstätten nach Art, Zahl,
wirken. Der Landesausschuss kann zur Größe und Standort ein qualitativ und
Stärkung der regionalen Ausbildungs- quantitativ ausreichendes Angebot an
und Beschäftigungssituation Empfeh- beruflichen Ausbildungsplätzen ge-
lungen zur inhaltlichen und organisa- währleisten und dass sie unter Berück-
torischen Abstimmung und zur Ver- sichtigung der voraussehbaren Nach-
besserung der Ausbildungsangebote frage und des langfristig zu erwarten-
aussprechen. den Bedarfs an Ausbildungsplätzen
möglichst günstig genutzt werden.

Teil 4 § 86
Berufsbildungsforschung, Planung und Berufsbildungsbericht
Statistik (1) Das Bundesministerium für Bildung und
Forschung hat Entwicklungen in der
§ 84 beruflichen Bildung ständig zu beob-
Ziele der Berufsbildungsforschung achten und darüber bis zum 1. April
Die Berufsbildungsforschung soll jeden Jahres der Bundesregierung
1. Grundlagen der Berufsbildung klären, einen Bericht (Berufsbildungsbericht)
2. inländische, europäische und inter- vorzulegen. In dem Bericht sind Stand
nationale Entwicklungen in der und voraussichtliche Weiterentwick-
Berufsbildung beobachten, lungen der Berufsbildung darzustellen.
3. Anforderungen an Inhalte und Ziele Erscheint die Sicherung eines regional
der Berufsbildung ermitteln, und sektoral ausgewogenen Angebots
4. Weiterentwicklungen der Berufsbil- an Ausbildungsplätzen als gefährdet,
dung in Hinblick auf gewandelte wirt- sollen in den Bericht Vorschläge für die
schaftliche, gesellschaftliche und Behebung aufgenommen werden.
technische Erfordernisse vorbereiten,
(2) Der Bericht soll angeben
5. Instrumente und Verfahren der Ver-
1. für das vergangene Kalenderjahr
mittlung von Berufsbildung sowie
a) auf der Grundlage von Angaben
den Wissens- und Technologietrans-
der zuständigen Stellen die in das
fer fördern.
Verzeichnis der Berufsausbildungs-
verhältnisse nach diesem Gesetz
§ 85
oder der Handwerksordnung ein-
Ziele der Berufsbildungsplanung
getragenen Berufsausbildungs-
(1) Durch die Berufsbildungsplanung sind verträge, die vor dem 1. Oktober
Grundlagen für eine abgestimmte und des vergangenen Jahres in den vor-
den technischen, wirtschaftlichen und angegangenen zwölf Monaten
gesellschaftlichen Anforderungen abgeschlossen worden sind und
entsprechende Entwicklung der beruf- am 30. September des vergange-
lichen Bildung zu schaffen. nen Jahres noch bestehen, sowie
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 85

b) die Zahl der am 30. September des § 881


vergangenen Jahres nicht besetzten, Erhebungen
der Bundesagentur für Arbeit zur (1) Die jährliche Bundesstatistik erfasst
Vermittlung angebotenen Aus- 1. für jeden Auszubildenden und jede
bildungsplätze und die Zahl der zu Auszubildende:
diesem Zeitpunkt bei der Bundes- a) Geschlecht, Geburtsjahr, Staats-
agentur für Arbeit gemeldeten Aus- angehörigkeit;
bildungsplätze suchenden Personen; b) allgemeinbildender Schulab-
2. für das laufende Kalenderjahr schluss, vorausgegangene Teilnah-
a) die bis zum 30. September des lau- me an berufsvorbereitender Quali-
fenden Jahres zu erwartende Zahl fizierung oder beruflicher Grund-
der Ausbildungsplätze suchenden bildung, berufliche Vorbildung;
Personen, c) Ausbildungsberuf einschließlich
b) eine Einschätzung des bis zum Fachrichtung;
30. September des laufenden d) Ort der Ausbildungsstätte, Wirt-
Jahres zu erwartenden Angebots schaftszweig, Zugehörigkeit zum
an Ausbildungsplätzen. öffentlichen Dienst;
e) Ausbildungsjahr, Abkürzung der
§ 87 Ausbildungsdauer, Dauer der
Zweck und Durchführung der Probezeit;
Berufsbildungsstatistik f) Monat und Jahr des Beginns der
(1) Für Zwecke der Planung und Ordnung Berufsausbildung, Monat und Jahr
der Berufsbildung wird eine Bundes- der vorzeitigen Auflösung des
statistik durchgeführt. Berufsausbildungsverhältnisses;
g) Anschlussvertrag bei Stufenaus-
(2) Das Bundesinstitut für Berufsbildung bildung mit Angabe des Ausbil-
und die Bundesagentur für Arbeit unter- dungsberufs;
stützen das Statistische Bundesamt bei h) Art der Förderung bei überwiegend
der technischen und methodischen öffentlich, insbesondere auf Grund
Vorbereitung der Statistik. des Dritten Buches Sozialgesetz-
(3) Das Erhebungs- und Aufbereitungspro- buch geförderten Berufsausbil-
gramm ist im Benehmen mit dem Bun- dungsverhältnissen;
desinstitut für Berufsbildung so zu ge- i) Monat und Jahr der Abschlussprü-
stalten, dass die erhobenen Daten für fung, Art der Zulassung zur Prü-
Zwecke der Planung und Ordnung der fung, Monat und Jahr der Wieder-
Berufsbildung im Rahmen der jeweili- holungsprüfung, Prüfungserfolg;
gen Zuständigkeiten Verwendung fin- 2. für jeden Prüfungsteilnehmer und jede
den können. Prüfungsteilnehmerin in der berufli-
chen Bildung mit Ausnahme der durch
Nummer 1 erfassten Auszubildenden:

1
§ 88 in der gemäß Art. 2a i.V.m. Art. 8 Abs. 5 Berufsbil-
dungsreformgesetzes vom 23. März 2005 (BGBl. I S. 931)
mit Wirkung zum 01.04.2007 geänderten Fassung.
86 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

Geschlecht, Geburtsjahr, Berufsrich- Verpflichtete sein. Sie dürfen die aus


tung, Vorbildung, Wiederholungsprü- ihrer Tätigkeit gewonnenen Erkennt-
fung, Art der Prüfung, Prüfungserfolg; nisse nur zur Erstellung des Berufsbil-
3. für jeden Ausbilder und jede Ausbil- dungsberichts sowie zur Durchführung
derin: der Berufsbildungsforschung verwen-
Geschlecht,Geburtsjahr, Art der fach- den. Die nach Satz 2 übermittelten
lichen Eignung; Daten dürfen nicht mit anderen per-
4. für jeden Ausbildungsberater und sonenbezogenen Daten zusammen
jede Ausbildungsberaterin: geführt werden. Das Nähere zur Ausfüh-
Geschlecht, Geburtsjahr, Vorbildung, rung der Sätze 2 und 3 regelt das Bun-
Art der Beratertätigkeit, fachliche desministerium für Bildung und For-
Zuständigkeit, durchgeführte Be- schung durch Erlass.
suche von Ausbildungsstätten;
5. für jeden Teilnehmer und jede Teil- Teil 5
nehmerin an einer Berufsausbildungs- Bundesinstitut für Berufsbildung
vorbereitung, soweit der Anbieter der § 89
Anzeigepflicht des § 70 Abs. 2 unter- Bundesinstitut für Berufsbildung
liegt: Das Bundesinstitut für Berufsbildung ist eine
Geschlecht, Geburtsjahr, Staatsange- bundesunmittelbare rechtsfähige Anstalt des
hörigkeit, Berufsrichtung. öffentlichen Rechts. Es hat seinen Sitz in Bonn.
(2) Hilfsmerkmale sind Name und Anschrift
der Auskunftspflichtigen. Sie sind zum § 90
frühestmöglichen Zeitpunkt, spätes- Aufgaben
tens nach Abschluss der wiederkehren- (1) Das Bundesinstitut für Berufsbildung
den Erhebung zu löschen. führt seine Aufgaben im Rahmen der
(3) Auskunftspflichtig sind die zuständigen Bildungspolitik der Bundesregierung
Stellen. durch.
(4) Zu Zwecken der Erstellung des Berufs- (2) Das Bundesinstitut für Berufsbildung
bildungsberichts sowie zur Durchfüh- hat die Aufgabe, durch wissenschaft-
rung der Berufsbildungsforschung nach liche Forschung zur Berufsbildungs-
§ 84 sind die nach Absatz 1 Nr. 1 bis 5 forschung beizutragen. Die Forschung
erhobenen Einzelangaben vom Statis- wird auf der Grundlage eines jährlichen
tischen Bundesamt und den statisti- Forschungsprogramms durchgeführt;
schen Ämtern der Länder an das Bun- das Forschungsprogramm bedarf der
desinstitut für Berufsbildung zu über- Genehmigung des Bundesministeriums
mitteln. Hierzu wird beim Bundesin- für Bildung und Forschung. Weitere For-
stitut für Berufsbildung eine Organisa- schungsaufgaben können dem Bundes-
tionseinheit eingerichtet, die räumlich, institut für Berufsbildung von obersten
organisatorisch und personell von an- Bundesbehörden im Einvernehmen mit
deren Aufgabenbereichen des Bundes- dem Bundesministerium für Bildung
instituts für Berufsbildung zu trennen und Forschung übertragen werden.
ist. Die in der Organisationseinheit täti- Die wesentlichen Ergebnisse der For-
gen Personen müssen Amtsträger oder schungsarbeit des Bundesinstituts für
für den öffentlichen Dienst besonders Berufsbildung sind zu veröffentlichen.
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 87

(3) Das Bundesinstitut für Berufsbildung (4) Das Bundesinstitut für Berufsbildung
hat die sonstigen Aufgaben: kann mit Zustimmung des Bundesminis-
1. nach Weisung des zuständigen teriums für Bildung und Forschung mit
Bundesministeriums Stellen außerhalb der Bundesverwaltung
a) an der Vorbereitung von Ausbil- Verträge zur Übernahme weiterer
dungsordnungen und sonstigen Aufgaben schließen.
Rechtsverordnungen, die nach die-
sem Gesetz oder nach dem zwei-
ten Teil der Handwerksordnung zu § 91
erlassen sind, mitzuwirken, Organe
b) an der Vorbereitung des Berufsbil- Die Organe des Bundesinstituts für Berufsbil-
dungsberichts mitzuwirken, dung sind:
c) an der Durchführung der Berufsbil- 1. der Hauptausschuss,
dungsstatistik nach Maßgabe des 2. der Präsident oder die Präsidentin.
§ 87 mitzuwirken,
d) Modellversuche einschließlich wis- § 92
senschaftlicher Begleitunter- Hauptausschuss
suchungen zu fördern, (1) Der Hauptausschuss hat neben den ihm
e) an der internationalen Zusammen- durch sonstige Vorschriften dieses Ge-
arbeit in der beruflichen Bildung setzes zugewiesenen Aufgaben folgen-
mitzuwirken, de weitere Aufgaben:
f) weitere Verwaltungsaufgaben des 1. er beschließt über die
Bundes zur Förderung der Berufs- Angelegenheiten des Bundesinstituts
bildung zu übernehmen; für Berufsbildung, soweit sie nicht
2. nach allgemeinen Verwaltungs- dem Präsidenten oder der Präsidentin
vorschriften des zuständigen übertragen sind;
Bundesministeriums die Förderung 2. er berät die Bundesregierung in
überbetrieblicher Berufsbildungs- grundsätzlichen Fragen der Berufs-
stätten durchzuführen und die bildung und kann eine Stellung-
Planung, Errichtung und Weiter- nahme zu dem Entwurf des Berufs-
entwicklung dieser Einrichtungen bildungsberichts abgeben;
zu unterstützen; 3. er beschließt das jährliche
3. das Verzeichnis der anerkannten Forschungsprogramm;
Ausbildungsberufe zu führen und zu 4. er kann Empfehlungen zur einheit-
veröffentlichen; lichen Anwendung dieses Gesetzes
4. die im Fernunterrichtsschutzgesetz geben;
beschriebenen Aufgaben nach den 5. er kann zu den vom Bundesinstitut
vom Hauptausschuss erlassenen und vorbereiteten Entwürfen der Verord-
vom zuständigen Bundesministerium nungen gemäß § 4 Abs. 1 unter Be-
genehmigten Richtlinien wahrzuneh- rücksichtigung der entsprechenden
men und durch Förderung von Ent- Entwürfe der schulischen Rahmen-
wicklungsvorhaben zur Verbesserung lehrpläne Stellung nehmen;
und Ausbau des berufsbildenden 6. er beschließt über die in § 90 Abs. 3
Fernunterrichts beizutragen. Nr. 3 und 4 sowie § 97 Abs. 4 genann-
88 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

ten Angelegenheiten des Bundesins- Vorsitz führt, und ein weiteres Mitglied,
tituts für Berufsbildung. das den Vorsitz stellvertretend über-
(2) Der Präsident oder die Präsidentin nimmt. Der oder die Vorsitzende wird
unterrichtet den Hauptausschuss un- der Reihe nach von den Beauftragten
verzüglich über erteilte Weisungen zur der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer, der
Durchführung von Aufgaben nach § 90 Länder und des Bundes vorgeschlagen.
Abs. 3 Nr. 1 und erlassene Verwaltungs- (6) Die Tätigkeit im Hauptausschuss ist
vorschriften nach § 90 Abs. 3 Nr. 2. ehrenamtlich. Für bare Auslagen und
(3) Dem Hauptausschuss gehören je acht Verdienstausfälle ist, soweit eine Ent-
Beauftragte der Arbeitgeber, der schädigung nicht von anderer Seite
Arbeitnehmer und der Länder sowie gewährt wird, eine angemessene Ent-
fünf Beauftragte des Bundes an. Die schädigung zu zahlen, deren Höhe vom
Beauftragten des Bundes führen acht Bundesinstitut für Berufsbildung mit
Stimmen, die nur einheitlich abgege- Genehmigung des Bundesministeriums
ben werden können; bei der Beratung für Bildung und Forschung festgesetzt
der Bundesregierung in grundsätzli- wird. Die Genehmigung ergeht im
chen Fragen der Berufsbildung, bei der Einvernehmen mit dem Bundesminis-
Stellungnahme zum Entwurf des Berufs- terium der Finanzen.
bildungsberichts und im Rahmen von (7) Die Mitglieder können nach Anhören
Anhörungen nach diesem Gesetz haben der an ihrer Berufung Beteiligten aus
sie kein Stimmrecht. An den Sitzungen wichtigem Grund abberufen werden.
des Hauptausschusses können je ein
(8) Die Beauftragen haben Stellvertreter
Beauftragter oder eine Beauftragte der
oder Stellvertreterinnen. Die Absätze 4,
Bundesagentur für Arbeit, der auf
6 und 7 gelten entsprechend.
Bundesebene bestehenden kommuna-
len Spitzenverbände sowie des wissen- (9) Der Hauptausschuss kann nach näherer
schaftlichen Beirats mit beratender Regelung der Satzung Unterausschüsse
Stimme teilnehmen. einsetzen, denen auch andere als
Mitglieder des Hauptausschusses ange-
(4) Die Beauftragten der Arbeitgeber wer-
hören können. Den Unterausschüssen
den auf Vorschlag der auf Bundesebene
sollen Beauftragte der Arbeitgeber, der
bestehenden Zusammenschlüsse der
Arbeitnehmer, der Länder und des Bun-
Kammern, Arbeitgeberverbände und
des angehören. Die Absätze 4 bis 7
Unternehmensverbände, die Beauf-
gelten für die Unterausschüsse ent-
tragten der Arbeitnehmer auf Vorschlag
sprechend.
der auf Bundesebene bestehenden
Gewerkschaften, die Beauftragten des (10) Bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben
Bundes auf Vorschlag der Bundesregie- unterliegt der Hauptausschuss keinen
rung und die Beauftragten der Länder Weisungen.
auf Vorschlag des Bundesrates vom
Bundesministerium für Bildung und For- § 93
schung längstens für vier Jahre berufen. Präsident oder Präsidentin
(5) Der Hauptausschuss wählt auf die (1) Der Präsident oder die Präsidentin ver-
Dauer eines Jahres ein Mitglied, das den tritt das Bundesinstitut für Berufsbildung
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 89

gerichtlich und außergerichtlich. Er oder (3) Dem Beirat gehören bis zu sieben aner-
sie verwaltet das Bundesinstitut und kannte Fachleute auf dem Gebiet der
führt dessen Aufgaben durch. Soweit er Berufsbildungsforschung aus dem In-
oder sie nicht Weisungen und allgemei- und Ausland an, die nicht Angehörige
ne Verwaltungsvorschriften des zustän- des Bundesinstituts für Berufsbildung
digen Bundesministeriums zu beachten sind. Sie werden von dem Präsidenten
hat (§ 90 Abs. 3 Nr. 1 und 2), führt er oder oder der Präsidentin des Bundesinsti-
sie die Aufgaben nach Richtlinien des tuts für Berufsbildung im Einvernehmen
Hauptausschusses durch. mit dem Bundesministerium für Bildung
(2) Der Präsident oder die Präsidentin wird und Forschung auf vier Jahre bestellt.
auf Vorschlag der Bundesregierung, der Einmalige Wiederberufung in Folge ist
Ständige Vertreter oder die Ständige möglich. An den Sitzungen des wissen-
Vertreterin des Präsidenten oder der schaftlichen Beirats können vier Mit-
Präsidentin auf Vorschlag des glieder des Hauptausschusses, und
Bundesministeriums für Bildung und zwar je ein Beauftragter oder eine Be-
Forschung im Benehmen mit dem auftragte der Arbeitgeber, der Arbeit-
Präsidenten oder der Präsidentin unter nehmer, der Länder und des Bundes
Berufung in das Beamtenverhältnis ohne Stimmrecht teilnehmen.
von dem Bundespräsidenten oder der (4) Der wissenschaftliche Beirat kann sich
Bundespräsidentin ernannt. eine Geschäftsordnung geben.
§ 94 (5) § 92 Abs. 6 gilt entsprechend.
Wissenschaftlicher Beirat
§ 95
(1) Der wissenschaftliche Beirat berät die Ausschuss für Fragen behinderter Menschen
Organe des Bundesinstituts für Berufs-
(1) Zur Beratung des Bundesinstituts für
bildung durch Stellungnahmen und
Berufsbildung bei seinen Aufgaben auf
Empfehlungen
dem Gebiet der beruflichen Bildung be-
1. zum Forschungsprogramm des Bun-
hinderter Menschen wird ein ständiger
desinstituts für Berufsbildung,
Unterausschuss des Hauptausschusses
2. zur Zusammenarbeit des Instituts mit
errichtet. Der Ausschuss hat darauf hin-
Hochschulen und anderen For-
zuwirken, dass die besonderen Belange
schungseinrichtungen und
der behinderten Menschen in der beruf-
3. zu den jährlichen Berichten über die
lichen Bildung berücksichtigt werden
wissenschaftlichen Ergebnisse des
und die berufliche Bildung behinderter
Bundesinstituts für Berufsbildung.
Menschen mit den übrigen Leistungen
(2) Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben zur Teilhabe am Arbeitsleben koordi-
werden dem Beirat von dem Präsiden- niert wird. Das Bundesinstitut für Be-
ten oder der Präsidentin des Bundes- rufsbildung trifft Entscheidungen über
instituts für Berufsbildung die erforder- die Durchführung von Forschungsvor-
lichen Auskünfte erteilt. Auf Wunsch haben, die die berufliche Bildung be-
werden ihm einmal jährlich im Rahmen hinderter Menschen betreffen, unter
von Kolloquien die wissenschaftlichen Berücksichtigung von Vorschlägen
Arbeiten des Bundesinstituts für Berufs- des Ausschusses.
bildung erläutert.
90 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

(2) Der Ausschuss besteht aus 17 Mitglie- schüsse des Bundes regelt das Haus-
dern, die von dem Präsidenten oder der haltsgesetz.
Präsidentin längstens für vier Jahre be- (2) Die Ausgaben zur Durchführung von
rufen werden. Eine Wiederberufung ist Aufträgen nach § 90 Abs. 2 Satz 3 und
zulässig. Die Mitglieder des Ausschusses von Aufgaben nach § 90 Abs. 3 Nr. 1
werden auf Vorschlag des Beirats für Buchstabe f werden durch das beauf-
die Teilhabe behinderter Menschen tragende Bundesministerium gedeckt.
(§ 64 des Neunten Buches Sozialgesetz- Die Ausgaben zur Durchführung von
buch) berufen, und zwar Verträgen nach § 90 Abs. 4 sind durch
ein Mitglied, das die Arbeitnehmer den Vertragspartner zu decken.
vertritt,
ein Mitglied, das die Arbeitgeber ver- § 97
tritt, Haushalt
drei Mitglieder, die Organisationen (1) Der Haushaltsplan wird von dem Präsi-
behinderter Menschen vertreten, denten oder der Präsidentin aufgestellt.
ein Mitglied, das die Bundesagentur Der Hauptausschuss stellt den Haus-
für Arbeit vertritt, haltsplan fest.
ein Mitglied, das die gesetzliche
Rentenversicherung vertritt, (2) Der Haushaltsplan bedarf der Geneh-
ein Mitglied, das die gesetzliche migung des Bundesministeriums für
Unfallversicherung vertritt, Bildung und Forschung. Die Geneh-
ein Mitglied, das die Freie Wohlfahrts- migung erstreckt sich auch auf die
pflege vertritt, Zweckmäßigkeit der Ansätze.
zwei Mitglieder, die Einrichtungen (3) Der Haushaltsplan soll rechtzeitig vor
der beruflichen Rehabilitation ver- Einreichung der Voranschläge zum
treten, Bundeshaushalt, spätestens zum
sechs weitere für die berufliche Bil- 15. Oktober des vorhergehenden Jahres,
dung behinderter Menschen sach- dem Bundesministerium für Bildung
kundige Personen, die in Bildungs- und Forschung vorgelegt werden.
stätten oder ambulanten Diensten (4) Über- und außerplanmäßige Ausgaben
für behinderte Menschen tätig sind. können vom Hauptausschuss auf Vor-
(3) Der Ausschuss kann behinderte Men- schlag des Präsidenten oder der Präsi-
schen, die beruflich ausgebildet, fortge- dentin bewilligt werden. Die Bewilli-
bildet oder umgeschult werden, zu den gung bedarf der Einwilligung des Bun-
Beratungen hinzuziehen. desministeriums für Bildung und For-
schung und des Bundesministeriums
§ 96 der Finanzen. Die Sätze 1 und 2 gelten
Finanzierung des Bundesinstituts entsprechend für Maßnahmen, durch
für Berufsbildung die für das Bundesinstitut für Berufs-
bildung Verpflichtungen entstehen
(1) Die Ausgaben für die Errichtung und können, für die Ausgaben im Haus-
Verwaltung des Bundesinstituts für Be- haltsplan nicht veranschlagt sind.
rufsbildung werden durch Zuschüsse
des Bundes gedeckt. Die Höhe der Zu-
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 91

(5) Nach Ende des Haushaltsjahres wird die Beamtinnen, deren Amt in der Bundes-
Rechnung von dem Präsidenten oder besoldungsordnung B aufgeführt ist,
der Präsidentin aufgestellt. Die Ent- nicht von dem Bundespräsidenten oder
lastung obliegt dem Hauptausschuss. der Bundespräsidentin ausgeübt wird.
Sie bedarf nicht der Genehmigung Das zuständige Bundesministerium
nach § 109 Abs. 3 der Bundeshaushalts- kann seine Befugnisse auf den Präsi-
ordnung. denten oder die Präsidentin übertragen.
(3) Oberste Dienstbehörde für die Beam-
§ 98 ten und Beamtinnen des Bundesin-
Satzung stituts ist das Bundesministerium für
(1) Durch die Satzung des Bundesinstituts Bildung und Forschung. Es kann seine
für Berufsbildung sind Befugnisse auf den Präsidenten oder die
1. die Art und Weise der Aufgaben- Präsidentin übertragen. § 144 Abs. 1 des
erfüllung (§ 90 Abs. 2 und 3) sowie Bundesbeamtengesetzes und § 83 Abs.
2. die Organisation 1 des Bundesdisziplinargesetzes bleiben
näher zu regeln. unberührt.
(2) Der Hauptausschuss beschließt mit (4) Auf die Angestellten, Arbeiter und
einer Mehrheit von vier Fünfteln der Arbeiterinnen des Bundesinstituts sind
Stimmen seiner Mitglieder die Satzung. die für Arbeitnehmer und Arbeitneh-
Sie bedarf der Genehmigung des Bun- merinnen des Bundes geltenden Tarif-
desministeriums für Bildung und For- verträge und sonstigen Bestimmungen
schung und ist im Bundesanzeiger be- anzuwenden. Ausnahmen bedürfen der
kannt zu geben. vorherigen Zustimmung des Bundes-
(3) Absatz 2 gilt für Satzungsänderungen ministeriums für Bildung und Forschung;
entsprechend. die Zustimmung ergeht im Einver-
nehmen mit dem Bundesministerium
des Innern und dem Bundesministerium
§ 99 der Finanzen.
Personal
(1) Die Aufgaben des Bundesinstituts für § 100
Berufsbildung werden von Beamten, Aufsicht über das Bundesinstitut
Beamtinnen und Dienstkräften, die als für Berufsbildung
Angestellte, Arbeiter und Arbeiterinnen Das Bundesinstitut für Berufsbildung unter-
beschäftigt sind, wahrgenommen. Es ist liegt, soweit in diesem Gesetz nicht weiter-
Dienstherr im Sinne des § 2 des Bundes- gehende Aufsichtsbefugnisse vorgesehen
beamtengesetzes. Die Beamten und sind, der Rechtsaufsicht des Bundesminis-
Beamtinnen sind Bundesbeamte und teriums für Bildung und Forschung.
Bundesbeamtinnen.
(2) Das Bundesministerium für Bildung und
Forschung ernennt und entlässt die
Beamten und Beamtinnen des Bundes-
instituts, soweit das Recht zur Ernen-
nung und Entlassung der Beamten und
92 RECHTSGRUNDLAGEN Berufsbildungsgeset z

§ 101 Teil 6
Auskunftspflicht Bußgeldvorschriften
(1) Natürliche und juristische Personen
sowie Behörden, die Berufsbildung § 102
durchführen, haben den Beauftragten Bußgeldvorschriften
des Bundesinstituts für Berufsbildung (1) Ordnungswidrig handelt, wer
auf Verlangen die zur Durchführung 1. entgegen § 11 Abs. 1 Satz 1, auch in
ihrer Forschungsaufgaben erforderli- Verbindung mit Abs. 4, den wesent-
chen Auskünfte zu erteilen, die dafür lichen Inhalt des Vertrages oder eine
notwendigen Unterlagen vorzulegen wesentliche Änderung nicht, nicht
und während der üblichen Betriebs- richtig, nicht vollständig, nicht in der
und Geschäftszeit Besichtigungen der vorgeschriebenen Weise oder nicht
Betriebsräume, der Betriebseinrich- rechtzeitig niederlegt,
tungen und der Aus- und Weiterbil- 2. entgegen § 11 Abs. 3, auch in Ver-
dungsplätze zu gestatten. bindung mit Abs. 4, eine Ausfertigung
Arbeitsrechtliche und dienstrechtliche der Niederschrift nicht oder nicht
Verschwiegenheitspflichten bleiben rechtzeitig aushändigt,
unberührt. 3. entgegen § 14 Abs. 2 Auszubildenden
(2) Auskunftspflichtige können die Aus- eine Verrichtung überträgt, die dem
kunft über solche Fragen verweigern, Ausbildungszweck nicht dient,
deren Beantwortung sie selbst oder 4. entgegen § 15 Satz 1, auch in Ver-
einen der in § 52 der Strafprozess- bindung mit Satz 2, Auszubildende
ordnung bezeichneten Angehörigen nicht freistellt,
der Gefahr strafgerichtlicher Ver- 5. entgegen § 28 Abs. 1 oder 2 Auszu-
folgung oder eines Verfahrens nach bildende einstellt oder ausbildet,
dem Gesetz über Ordnungswidrig- 6. einer vollziehbaren Anordnung nach
keiten aussetzen würde. § 33 Abs. 1 oder 2 zuwiderhandelt,
7. entgegen § 36 Abs. 1 Satz 1 oder 2,
(3) Die Auskunft ist unentgeltlich zu jeweils auch in Verbindung mit Satz 3,
geben, soweit nichts anderes die Eintragung in das dort genannte
bestimmt ist. Verzeichnis nicht oder nicht rechtzei-
(4) Einzelangaben über persönliche oder tig beantragt oder eine Ausfertigung
sachliche Verhältnisse, die dem Bundes- der Vertragsniederschrift nicht bei-
institut auf Grund des Absatzes 1 be- fügt oder
kannt werden, sind, soweit durch 8. entgegen § 76 Abs. 2 eine Auskunft
Rechtsvorschriften nichts anderes be- nicht, nicht richtig, nicht vollständig
stimmt ist, geheim zu halten. Veröffent- oder nicht rechtzeitig erteilt, eine
lichungen von Ergebnissen auf Grund Unterlage nicht, nicht richtig, nicht
von Erhebungen und Untersuchungen vollständig oder nicht rechtzeitig vor-
dürfen keine Einzelangaben enthalten. legt oder eine Besichtigung nicht oder
nicht rechtzeitig gestattet.
Berufsbildungsgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 93

(2) Die Ordnungswidrigkeit kann in den § 105


Fällen des Absatzes 1 Nr. 3 bis 6 mit einer Übertragung von Zuständigkeiten
Geldbuße bis zu fünftausend Euro, in Die Landesregierungen werden ermächtigt,
den übrigen Fällen mit einer Geldbuße durch Rechtsverordnung die nach diesem
bis zu tausend Euro geahndet werden. Gesetz den nach Landesrecht zuständigen
Behörden übertragenen Zuständigkeiten
Teil 7 nach den §§ 27, 30, 32, 33 und 70 auf zustän-
Übergangs- und Schlussvorschriften dige Stellen zu übertragen.

§ 103
Gleichstellung von Abschlusszeugnissen im
Rahmen der deutschen Einheit
Prüfungszeugnisse nach der Systematik der
Ausbildungsberufe und der Systematik der
Facharbeiterberufe und Prüfungszeugnisse
nach § 37 Abs. 2 stehen einander gleich.

§ 104
Fortgeltung bestehender Regelungen
(1) Die vor dem 1. September 1969 aner-
kannten Lehrberufe und Anlernberufe
oder vergleichbar geregelten Ausbil-
dungsberufe gelten als Ausbildungs-
berufe im Sinne des § 4. Die Berufs-
bilder, die Berufsbildungspläne, die
Prüfungsanforderungen und die Prü-
fungsordnungen für diese Berufe sind
bis zum Erlass von Ausbildungsord-
nungen nach § 4 und der Prüfungsord-
nungen nach § 47 anzuwenden.
(2) Die vor dem 1. September 1969 erteilten
Prüfungszeugnisse in Berufen, die nach
Absatz 1 als anerkannte Ausbildungs-
berufe gelten, stehen Prüfungszeug-
nissen nach § 37 Abs. 2 gleich.
94 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

2. Handwerksordnung (Auszug)

Gesetz zur Ordnung des Handwerks


(Handwerksordnung – HwO)

Handwerksordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. September 1998 (BGBl. I
S. 3074; 2006 I S. 2095), zuletzt geändert durch Artikel 19 des Gesetzes vom 25. Juli 2013
(BGBl. I S. 2749).

– nicht-amtliche Veröffentlichung –
– Auszug –

Inhaltsverzeichnis

Erster Teil: Ausübung eines Handwerks und eines handwerksähnlichen Gewerbes


Erster Abschnitt: Berechtigung zum selbständigen Betrieb eines zulassungspflichtigen
Handwerks (§§ 1 – 5b)
Zweiter Abschnitt: Handwerksrolle (§§ 6 – 17)
Dritter Abschnitt: Zulassungsfreie Handwerke und handwerksähnliche Gewerbe (§§ 18 – 20)

Zweiter Teil: Berufsbildung im Handwerk


Erster Abschnitt: Berechtigung zum Einstellen und Ausbilden (§§ 21 – 24)
Zweiter Abschnitt: Ausbildungsordnung, Änderung der Ausbildungszeit (§§ 25 – 27c)
Dritter Abschnitt: Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse (§§ 28 – 30)
Vierter Abschnitt: Prüfungswesen (§§ 31 – 40a)
Fünfter Abschnitt: Regelung und Überwachung der Berufsausbildung (§§ 41 – 41a)
Sechster Abschnitt: Berufliche Fortbildung, berufliche Umschulung (§§ 42 – 42j)
Siebenter Abschnitt: Berufliche Bildung behinderter Menschen,
Berufsausbildungsvorbereitung (§§ 42k – 42q)
Achter Abschnitt: Berufsbildungsausschuss (§§ 43 – 44b)

Dritter Teil: Meisterprüfung, Meistertitel


Erster Abschnitt: Meisterprüfung in einem zulassungspflichtigen Handwerk (§§ 45 – 51)
Zweiter Abschnitt: Meisterprüfung in einem zulassungsfreien Handwerk oder in einem
handwerksähnlichen Gewerbe (§§ 51a – 51e)

Vierter Teil: Organisation des Handwerks


Vierter Abschnitt: Handwerkskammern (§§ 90 – 116)

Fünfter Teil: Bußgeld-, Übergangs- und Schlussvorschriften


Erster Abschnitt: Bußgeldvorschriften (§§ 117 – 118a)
Zweiter Abschnitt: Übergangsvorschriften (§§ 119 – 124b)
Dritter Abschnitt: Schlussvorschriften (§ 125)
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 95

Anlage A
Verzeichnis der Gewerbe, die als zulassungspflichtige Handwerke
betrieben werden können (§ 1 Abs. 2)

Anlage B
Verzeichnis der Gewerbe, die als zulassungsfreie Handwerke oder
handwerksähnliche Gewerbe betrieben werden können (§ 18 Abs. 2)

Anlage D zu dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung)


Art der personenbezogenen Daten in der Handwerksrolle, in dem Verzeichnis
der Inhaber eines zulassungsfreien Handwerks oder handwerksähnlichen
Gewerbes und in der Lehrlingsrolle
96 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

Erster Teil zulässig, es sei denn, die Gesamtbe-


Ausübung eines Handwerks und eines trachtung ergibt, dass sie für ein
handwerksähnlichen Gewerbes bestimmtes zulassungspflichtiges
Handwerk wesentlich sind.
Erster Abschnitt (3) Das Bundesministerium für Wirtschaft
Berechtigung zum selbständigen Betrieb und Technologie wird ermächtigt,
eines zulassungspflichtigen Handwerks durch Rechtsverordnung mit Zustim-
mung des Bundesrates die Anlage A zu
§1 diesem Gesetz dadurch zu ändern, dass
es darin aufgeführte Gewerbe streicht,
(1) Der selbständige Betrieb eines zulas- ganz oder teilweise zusammenfasst
sungspflichtigen Handwerks als stehen- oder trennt oder Bezeichnungen für sie
des Gewerbe ist nur den in der Hand- festsetzt, soweit es die technische und
werksrolle eingetragenen natürlichen wirtschaftliche Entwicklung erfordert.
und juristischen Personen und Perso-
nengesellschaften gestattet. Personen-
gesellschaften im Sinne dieses Gesetzes §2
sind Personenhandelsgesellschaften Die Vorschriften dieses Gesetzes für den
und Gesellschaften des bürgerlichen selbständigen Betrieb eines zulassungs-
Rechts. pflichtigen Handwerks gelten auch
(2) Ein Gewerbebetrieb ist ein Betrieb eines 1. für gewerbliche Betriebe des Bundes,
zulassungspflichtigen Handwerks, der Länder, der Gemeinden und der
wenn er handwerksmäßig betrieben sonstigen juristischen Personen des
wird und ein Gewerbe vollständig um- öffentlichen Rechts, in denen Waren
fasst, das in der Anlage A aufgeführt ist, zum Absatz an Dritte handwerks-
oder Tätigkeiten ausgeübt werden, die mäßig hergestellt oder Leistungen
für dieses Gewerbe wesentlich sind für Dritte handwerksmäßig bewirkt
(wesentliche Tätigkeiten). Keine we- werden,
sentlichen Tätigkeiten sind insbeson- 2. für handwerkliche Nebenbetriebe,
dere solche, die die mit einem Versorgungs- oder
1. in einem Zeitraum von bis zu drei sonstigen Betrieb der in Nummer 1
Monaten erlernt werden können, bezeichneten öffentlich-rechtlichen
2. zwar eine längere Anlernzeit verlan- Stellen verbunden sind,
gen, aber für das Gesamtbild des 3. für handwerkliche Nebenbetriebe,
betreffenden zulassungspflichtigen die mit einem Unternehmen eines
Handwerks nebensächlich sind und zulassungspflichtigen Handwerks,
deswegen nicht die Fertigkeiten und der Industrie, des Handels, der
Kenntnisse erfordern, auf die die Aus- Landwirtschaft oder sonstiger
bildung in diesem Handwerk haupt- Wirtschafts- und Berufszweige ver-
sächlich ausgerichtet ist, oder bunden sind.
3. nicht aus einem zulassungspflichti-
gen Handwerk entstanden sind. §3
Die Ausübung mehrerer Tätigkeiten (1) Ein handwerklicher Nebenbetrieb im
im Sinne des Satzes 2 Nr. 1 und 2 ist Sinne des § 2 Nr. 2 und 3 liegt vor, wenn
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 97

in ihm Waren zum Absatz an Dritte Lebenspartner, der Erbe, der Testa-
handwerksmäßig hergestellt oder mentsvollstrecker, Nachlassverwalter,
Leistungen für Dritte handwerksmäßig Nachlassinsolvenzverwalter oder Nach-
bewirkt werden, es sei denn, dass eine lasspfleger den Betrieb fortführen,
solche Tätigkeit nur in unerheblichem ohne die Voraussetzungen für die
Umfang ausgeübt wird, oder dass es Eintragung in die Handwerksrolle zu
sich um einen Hilfsbetrieb handelt. erfüllen. Sie haben dafür Sorge zu tra-
(2) Eine Tätigkeit im Sinne des Absatzes 1 ist gen, dass unverzüglich ein Betriebs-
unerheblich, wenn sie während eines leiter (§ 7 Abs. 1) bestellt wird. Die Hand-
Jahres die durchschnittliche Arbeitszeit werkskammer kann in Härtefällen eine
eines ohne Hilfskräfte Vollzeit arbeiten- angemessene Frist setzen, wenn eine
den Betriebs des betreffenden ordnungsgemäße Führung des Betriebs
Handwerkszweigs nicht übersteigt. gewährleistet ist.
(3) Hilfsbetriebe im Sinne des Absatzes 1 (2) Nach dem Ausscheiden des Betriebs-
sind unselbständige, der wirtschaft- leiters haben der in die Handwerksrolle
lichen Zweckbestimmung des Haupt- eingetragene Inhaber eines Betriebs
betriebs dienende Betriebe eines zulas- eines zulassungspflichtigen Handwerks
sungspflichtigen Handwerks, wenn sie oder sein Rechtsnachfolger oder sons-
1. Arbeiten für den Hauptbetrieb oder tige verfügungsberechtigte Nachfolger
für andere dem Inhaber des Haupt- unverzüglich für die Einsetzung eines
betriebs ganz oder überwiegend anderen Betriebsleiters zu sorgen.
gehörende Betriebe ausführen oder
2. Leistungen an Dritte bewirken, die §5
a) als handwerkliche Arbeiten unter- Wer ein Handwerk nach § 1 Abs. 1 betreibt,
geordneter Art zur gebrauchsfer- kann hierbei auch Arbeiten in anderen Hand-
tigen Überlassung üblich sind oder werken nach § 1 Abs. 1 ausführen, wenn sie
b) in unentgeltlichen Pflege-, Installa- mit dem Leistungsangebot seines Gewerbes
tions-, Instandhaltungs- oder In- technisch oder fachlich zusammenhängen
standsetzungsarbeiten bestehen oder es wirtschaftlich ergänzen.
oder
c) in entgeltlichen Pflege-, Installa- § 5a
tions-, Instandhaltungs- oder In- (1) Öffentliche Stellen, die in Verfahren auf
standsetzungsarbeiten an solchen Grund dieses Gesetzes zu beteiligen
Gegenständen bestehen, die in sind, können über das Ergebnis unter-
einem Hauptbetrieb selbst herge- richtet werden, soweit dies zur Erfül-
stellt worden sind oder für die der lung ihrer Aufgaben erforderlich ist.
Hauptbetrieb als Hersteller im Der Empfänger darf die übermittelten
Sinne des Produkthaftungsgeset- Daten nur für den Zweck verarbeiten
zes gilt. oder nutzen, für dessen Erfüllung sie
ihm übermittelt worden sind.
§4 (2) Handwerkskammern dürfen sich, so-
(1) Nach dem Tod des Inhabers eines weit dieses Gesetz keine besonderen
Betriebs dürfen der Ehegatte, der Vorschriften enthält, gegenseitig, auch
98 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

durch Übermittlung personenbezoge- Absatzes 4 zulässig, wenn sie zur Er-


ner Daten, unterrichten, auch durch füllung der Aufgaben der Handwerks-
Abruf im automatisierten Verfahren, kammer erforderlich ist oder wenn der
soweit dies zur Feststellung erforderlich Auskunftbegehrende ein berechtigtes
ist, ob der Betriebsleiter die Interesse an der Kenntnis der zu über-
Voraussetzungen für die Eintragung in mittelnden Daten glaubhaft darlegt
die Handwerksrolle erfüllt und ob er und kein Grund zu der Annahme be-
seine Aufgaben ordnungsgemäß wahr- steht, dass der Betroffene ein schutz-
nimmt. Das Bundesministerium für würdiges Interesse an dem Ausschluss
Wirtschaft und Technologie wird der Übermittlung hat. Ein solcher Grund
ermächtigt, durch Rechtsverordnung besteht nicht, wenn Vor- und Familien-
mit Zustimmung des Bundesrates name des Betriebsinhabers oder des
Einzelheiten eines Abrufs im automati- gesetzlichen Vertreters oder des Be-
sierten Verfahren zu regeln. triebsleiters oder des für die technische
Leitung des Betriebes verantwortlichen
§ 5b persönlich haftenden Gesellschafters,
Verfahren über eine einheitliche Stelle die Firma, das ausgeübte Handwerk
oder die Anschrift der gewerblichen
Verwaltungsverfahren nach diesem Gesetz Niederlassung übermittelt werden. Die
oder nach einer auf Grund dieses Gesetzes Übermittlung von Daten nach den
erlassenen Rechtsverordnung können über Sätzen 2 und 3 ist nicht zulässig, wenn
eine einheitliche Stelle abgewickelt werden. der Gewerbetreibende widersprochen
hat. Auf die Widerspruchsmöglichkeit
sind die Gewerbetreibenden vor der
Zweiter Abschnitt
ersten Übermittlung schriftlich hinzu-
Handwerksrolle
weisen.
§6 (3) Öffentlichen Stellen sind auf Ersuchen
Daten aus der Handwerksrolle zu über-
(1) Die Handwerkskammer hat ein Ver-
mitteln, soweit die Kenntnis tatsächli-
zeichnis zu führen, in welches die In-
cher oder rechtlicher Verhältnisse des
haber von Betrieben zulassungspflichti-
Inhabers eines Betriebs eines zulas-
ger Handwerke ihres Bezirks nach
sungspflichtigen Handwerks (§ 1 Abs. 1)
Maßgabe der Anlage D Abschnitt I zu
zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforder-
diesem Gesetz mit dem von ihnen zu
lich ist.
betreibenden Handwerk oder bei
Ausübung mehrerer Handwerke mit (4) Der Empfänger darf die übermittelten
diesen Handwerken einzutragen sind Daten nur für den Zweck verarbeiten
(Handwerksrolle). oder nutzen, zu dessen Erfüllung sie
ihm übermittelt werden.
(2) Eine Einzelauskunft aus der Handwerks-
rolle ist jedem zu erteilen, der ein be- (5) Für das Verändern und Sperren der
rechtigtes Interesse glaubhaft darlegt. Daten in der Handwerksrolle gelten die
Eine listenmäßige Übermittlung von Datenschutzgesetze der Länder.
Daten aus der Handwerksrolle an nicht-
öffentliche Stellen ist unbeschadet des
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 99

§7 Berufsbildungsgesetzes erlassenen
(1) Als Inhaber eines Betriebs eines zulas- Rechtsverordnung, soweit sie gleich-
sungspflichtigen Handwerks wird eine wertig sind. Der Abschlussprüfung an
natürliche oder juristische Person oder einer deutschen Hochschule gleichge-
eine Personengesellschaft in die Hand- stellt sind Diplome, die nach Abschluss
werksrolle eingetragen, wenn der einer Ausbildung von mindestens drei
Betriebsleiter die Voraussetzungen für Jahren oder einer Teilzeitausbildung
die Eintragung in die Handwerksrolle von entsprechender Dauer an einer
mit dem zu betreibenden Handwerk Universität, einer Hochschule oder
oder einem mit diesem verwandten einer anderen Ausbildungseinrichtung
Handwerk erfüllt. Das Bundesministe- mit gleichwertigem Ausbildungsniveau
rium für Wirtschaft und Technologie in einem anderen Mitgliedstaat der
bestimmt durch Rechtsverordnung mit Europäischen Union, einem anderen
Zustimmung des Bundesrates, welche Vertragsstaat des Abkommens über den
zulassungspflichtige Handwerke sich so Europäischen Wirtschaftsraum oder in
nahe stehen, dass die Beherrschung des der Schweiz erteilt wurden; falls neben
einen zulassungspflichtigen Handwerks dem Studium eine Berufsausbildung
die fachgerechte Ausübung wesentlicher gefordert wird, ist zusätzlich der Nach-
Tätigkeiten des anderen zulassungspflich- weis zu erbringen, dass diese abge-
tigen Handwerks ermöglicht (verwandte schlossen ist. Die Entscheidung, ob die
zulassungspflichtige Handwerke). Voraussetzungen für die Eintragung
erfüllt sind, trifft die Handwerkskam-
(1a) In die Handwerksrolle wird eingetra- mer. Das Bundesministerium für Wirt-
gen, wer in dem von ihm zu betreiben- schaft und Technologie kann zum
den oder in einem mit diesem verwand- Zwecke der Eintragung in die Hand-
ten zulassungspflichtigen Handwerk werksrolle nach Satz 1 im Einvernehmen
die Meisterprüfung bestanden hat. mit dem Bundesministerium für Bildung
(2) In die Handwerksrolle werden ferner In- und Forschung durch Rechtsverord-
genieure, Absolventen von technischen nung mit Zustimmung des Bundesrates
Hochschulen und von staatlichen oder die Voraussetzungen bestimmen, unter
staatlich anerkannten Fachschulen für denen die in Studien- oder Schulschwer-
Technik und für Gestaltung mit dem punkten abgelegten Prüfungen nach
zulassungspflichtigen Handwerk einge- Satz 1 Meisterprüfungen in zulassungs-
tragen, dem der Studien- oder der pflichtigen Handwerken entsprechen.
Schulschwerpunkt ihrer Prüfung ent-
spricht. Dies gilt auch für Personen, die (2a) Das Bundesministerium für Wirtschaft
eine andere, der Meisterprüfung für die und Technologie kann durch Rechtsver-
Ausübung des betreffenden zulassungs- ordnung mit Zustimmung des Bundes-
pflichtigen Handwerks mindestens rates bestimmen, dass in die Handwerks-
gleichwertige deutsche staatliche oder rolle einzutragen ist, wer in einem
staatlich anerkannte Prüfung erfolg- anderen Mitgliedstaat der Europäischen
reich abgelegt haben. Dazu gehören Gemeinschaft oder in einem anderen
auch Prüfungen auf Grund einer nach Vertragsstaat des Abkommens über den
§ 42 dieses Gesetzes oder nach § 53 des Europäischen Wirtschaftsraum eine der
100 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

Meisterprüfung für die Ausübung des zu §7b


betreibenden Gewerbes oder wesent- (1) Eine Ausübungsberechtigung für zu-
licher Tätigkeiten dieses Gewerbes lassungspflichtige Handwerke, ausge-
gleichwertige Berechtigung zur Aus- nommen in den Fällen der Nummern 12
übung eines Gewerbes erworben hat. und 33 bis 37 der Anlage A, erhält, wer
(3) In die Handwerksrolle wird ferner einge- 1. eine Gesellenprüfung in dem zu
tragen, wer eine Ausnahmebewilligung betreibenden zulassungspflichtigen
nach § 8 oder § 9 Abs. 1 oder eine Gleich- Handwerk oder in einem mit diesem
wertigkeitsfeststellung nach § 50b verwandten zulassungspflichtigen
für das zu betreibende zulassungs- Handwerk oder eine Abschluss-
pflichtige Handwerk oder für ein die- prüfung in einem dem zu betrei-
sem verwandtes zulassungspflichtiges benden zulassungspflichtigen Hand-
Handwerk besitzt. werk entsprechenden anerkannten
(4) bis (6) (weggefallen) Ausbildungsberuf bestanden hat
(7) In die Handwerksrolle wird eingetragen, und
wer für das zu betreibende Gewerbe 2. in dem zu betreibenden zulassungs-
oder für ein mit diesem verwandtes pflichtigen Handwerk oder in einem
Gewerbe eine Ausübungsberechtigung mit diesem verwandten zulassungs-
nach § 7a oder § 7b besitzt. pflichtigen Handwerk oder in einem
dem zu betreibenden zulassungs-
(8) (weggefallen)
pflichtigen Handwerk entsprechenden
(9) Vertriebene und Spätaussiedler, die vor Beruf eine Tätigkeit von insgesamt
dem erstmaligen Verlassen ihrer Her- sechs Jahren ausgeübt hat, davon
kunftsgebiete eine der Meisterprüfung insgesamt vier Jahre in leitender Stel-
gleichwertige Prüfung im Ausland be- lung. Eine leitende Stellung ist dann
standen haben, sind in die Handwerks- anzunehmen, wenn dem Gesellen
rolle einzutragen. Satz 1 ist auf Vertrie- eigenverantwortliche Entscheidungs-
bene, die am 2. Oktober 1990 ihren befugnisse in einem Betrieb oder in
ständigen Aufenthalt in dem in Artikel 3 einem wesentlichen Betriebsteil über-
des Einigungsvertrages genannten tragen worden sind. Der Nachweis
Gebiet hatten, anzuwenden. hierüber kann durch Arbeitszeugnisse,
Stellenbeschreibungen oder in anderer
§7a Weise erbracht werden. Im Falle einer
(1) Wer ein Handwerk nach § 1 betreibt, Gleichwertigkeitsfeststellung nach
erhält eine Ausübungsberechtigung für § 40 a wird nur die Berufserfahrung
ein anderes Gewerbe der Anlage A oder nach Erteilung derselben berücksichtigt.
für wesentliche Tätigkeiten dieses Ge- 3. Die ausgeübte Tätigkeit muss zu-
werbes, wenn die hierfür erforderlichen mindest eine wesentliche Tätigkeit
Kenntnisse und Fertigkeiten nachge- des zulassungspflichtigen Handwerks
wiesen sind; dabei sind auch seine bis- umfasst haben, für das die Ausübungs-
herigen beruflichen Erfahrungen und berechtigung beantragt wurde.
Tätigkeiten zu berücksichtigen. 4. Im Falle einer Gleichwertigkeitsfest-
(2) § 8 Abs. 2 bis 4 gilt entsprechend. stellung nach § 40a wird nur die
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 101

Berufserfahrung nach Erteilung fristet erteilt und auf einen wesent-


derselben berücksichtigt. lichen Teil der Tätigkeiten beschränkt
(1a) Die für die selbständige Handwerks- werden, die zu einem in der Anlage A
ausübung erforderlichen betriebswirt- zu diesem Gesetz aufgeführten Gewer-
schaftlichen, kaufmännischen und recht- be gehören; in diesem Fall genügt der
lichen Kenntnisse gelten in der Regel Nachweis der hierfür erforderlichen
durch die Berufserfahrung nach Absatz 1 Kenntnisse und Fertigkeiten.
Nr. 2 als nachgewiesen. Soweit dies nicht (3) Die Ausnahmebewilligung wird auf An-
der Fall ist, sind die erforderlichen Kennt- trag des Gewerbetreibenden von der
nisse durch Teilnahme an Lehrgängen höheren Verwaltungsbehörde nach An-
oder auf sonstige Weise nachzuweisen. hörung der Handwerkskammer zu den
(2) Die Ausübungsberechtigung wird auf Voraussetzungen der Absätze 1 und 2
Antrag des Gewerbetreibenden von der und des § 1 Abs. 2 erteilt. Die Hand-
höheren Verwaltungsbehörde nach werkskammer kann eine Stellungnah-
Anhörung der Handwerkskammer zu me der fachlich zuständigen Innung
den Voraussetzungen des Absatzes 1 oder Berufsvereinigung einholen, wenn
erteilt. Im Übrigen gilt § 8 Abs. 3 Satz 2 der Antragsteller ausdrücklich zu-
bis 5 und Abs. 4 entsprechend. stimmt. Sie hat ihre Stellungnahme ein-
zuholen, wenn der Antragsteller es ver-
§8 langt. Die Landesregierungen werden
ermächtigt, durch Rechtsverordnung
(1) In Ausnahmefällen ist eine Bewilligung
zu bestimmen, dass abweichend von
zur Eintragung in die Handwerksrolle
Satz 1 an Stelle der höheren Verwal-
(Ausnahmebewilligung) zu erteilen,
tungsbehörde eine andere Behörde
wenn die zur selbständigen Ausübung
zuständig ist. Sie können diese Ermäch-
des von dem Antragsteller zu betrei-
tigung auf oberste Landesbehörden
benden zulassungspflichtigen Hand-
übertragen.
werks notwendigen Kenntnisse und
Fertigkeiten nachgewiesen sind; dabei (4) Gegen die Entscheidung steht neben
sind auch seine bisherigen beruflichen dem Antragsteller auch der Handwerks-
Erfahrungen und Tätigkeiten zu be- kammer der Verwaltungsrechtsweg
rücksichtigen. Ein Ausnahmefall liegt offen; die Handwerkskammer ist beizu-
vor, wenn die Ablegung einer Meister- laden.
prüfung zum Zeitpunkt der Antrag-
stellung oder danach für ihn eine unzu- §9
mutbare Belastung bedeuten würde.
(1) Das Bundesministerium für Wirtschaft
Ein Ausnahmefall liegt auch dann vor,
und Technologie wird ermächtigt,
wenn der Antragsteller eine Prüfung
durch Rechtsverordnung mit Zustim-
auf Grund einer nach § 42 dieses Ge-
mung des Bundesrates zur Durchfüh-
setzes oder § 53 des Berufsbildungs-
rung von Richtlinien der Europäischen
gesetzes erlassenen Rechtsverordnung
Union über die Anerkennung von
bestanden hat.
Berufsqualifikationen im Rahmen der
(2) Die Ausnahmebewilligung kann unter Niederlassungsfreiheit, des freien
Auflagen oder Bedingungen oder be- Dienstleistungsverkehrs und der
102 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

Arbeitnehmerfreizügigkeit und zur § 10


Durchführung des Abkommens vom (1) Die Eintragung in die Handwerksrolle
2. Mai 1992 über den Europäischen erfolgt auf Antrag oder von Amts
Wirtschaftsraum (BGBl. 1993 II S. 267) wegen. Wenn die Voraussetzungen zur
sowie des Abkommens zwischen der Eintragung in die Handwerksrolle vor-
Europäischen Gemeinschaft und ihren liegen, ist die Eintragung innerhalb von
Mitgliedstaaten einerseits und der drei Monaten nach Eingang des Antrags
Schweizerischen Eidgenossenschaft einschließlich der vollständigen Unter-
andererseits über die Freizügigkeit vom lagen vorzunehmen. Hat die Hand-
21. Juni 1999 (ABl. EG 2002 Nr. L 114 S. 6) werkskammer nicht innerhalb der Frist
zu bestimmen, des Sates 2 eingetragen, gilt die Eintra-
1. unter welchen Voraussetzungen gung als erfolgt. Die Vorschriften des
einem Staatsangehörigen eines Verwaltungsverfahrensgesetzes über
Mitgliedsstaates der Europäischen die Genehmigungsfiktion gelten ent-
Union, eines Vertragsstaates des sprechend.
Abkommens über den Europäischen (2) Über die Eintragung in die Handwerks-
Wirtschaftsraum oder der Schweiz, rolle hat die Handwerkskammer eine
der im Inland zur Ausübung eines Bescheinigung auszustellen (Hand-
zulassungspflichtigen Handwerks werkskarte). In die Handwerkskarte sind
eine gewerbliche Niederlassung einzutragen der Name und die Anschrift
unterhalten oder als Betriebsleiter des Inhabers eines Betriebs eines zul-
tätig werden will, eine Ausnahme- assungspflichtigen Handwerks, der Be-
bewilligung zur Eintragung in die triebssitz, das zu betreibende zulas-
Handwerksrolle zu erteilen ist und sungspflichtige Handwerk und bei Aus-
2. unter welchen Voraussetzungen übung mehrerer zulassungspflichtiger
einem Statatsangehörigen eines der Handwerke diese Handwerke sowie der
vogenannten Staaten, der im Inland Zeitpunkt der Eintragung in die Hand-
keine gewerbliche Niederlassung werksrolle. In den Fällen des § 7 Abs. 1 ist
unterhält, die grenzüberschreitende zusätzlich der Name des Betriebsleiters,
Dienstleistungserbringung in eniem des für die technische Leitung verant-
zulassungspflichtigen Handwerk wortlichen persönlich haftenden Ge-
gestattet ist. sellschafters oder des Leiters eines
In den in Satz 1 Nr. 1 genannten Fällen Nebenbetriebes einzutragen. Die Höhe
bleibt § 8 Abs. 1 unberührt; § 8 Abs. 2 bis der für die Ausstellung der Handwerks-
4 gilt entsprechend. In den in Satz 1 Nr. karte zu entrichtenden Gebühr wird
2 genannten Fällen ist § 1 Abs. 1 nicht durch die Handwerkskammer mit Ge-
anzuwenden. nehmigung der obersten Landesbehör-
de bestimmt.
(2) In den Fällen des § 7 Abs. 2a und des
§ 50a findet § 1 Abs. 1 keine Anwendung,
wenn der selbständige Betrieb im § 11
Inland keine Niederlassung unterhält Die Handwerkskammer hat dem Gewerbe-
treibenden die beabsichtigte Eintragung in
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 103

die Handwerksrolle gegen Empfangsbe- schluss der Übermittlung hat. § 6 Abs. 4


scheinigung mitzuteilen; gleichzeitig und in bis 6 gilt entsprechend.
gleicher Weise hat sie dies der Industrie- und
Handelskammer mitzuteilen, wenn der Ge- § 14
werbetreibende dieser angehört. Ein in die Handwerksrolle eingetragener Ge-
werbetreibender kann die Löschung mit der
§ 12 Begründung, dass der Gewerbebetrieb kein
Gegen die Entscheidung über die Eintra- Betrieb eines zulassungspflichtigen Hand-
gung eines der Industrie- und Handels- werks im Sinne des § 1 Abs. 2 ist, erst nach
kammer angehörigen Gewerbetreibenden Ablauf eines Jahres seit Eintritt der Unan-
in die Handwerksrolle steht neben dem Ge- fechtbarkeit der Eintragung und nur dann
werbetreibenden auch der Industrie- und beantragen, wenn sich die Vorausset-
Handelskammer der Verwaltungsrechtsweg zungen für die Eintragung wesentlich ge-
offen. ändert haben. Satz 1 gilt für den Antrag
der Industrie- und Handelskammer nach
§ 13 § 13 Abs. 2 entsprechend.
(1) Die Eintragung in die Handwerksrolle
wird auf Antrag oder von Amts wegen § 15
gelöscht, wenn die Voraussetzungen Ist einem Gewerbetreibenden die Eintra-
für die Eintragung nicht vorliegen. gung in die Handwerksrolle abgelehnt
(2) Wird der Gewerbebetrieb nicht hand- worden, so kann er die Eintragung mit der
werksmäßig betrieben, so kann auch Begründung, dass der Gewerbebetrieb nun-
die Industrie- und Handelskammer die mehr Handwerksbetrieb ist, erst nach Ablauf
Löschung der Eintragung beantragen. eines Jahres seit Eintritt der Unanfechtbarkeit
der Ablehnung und nur dann beantragen,
(3) Die Handwerkskammer hat dem Ge- wenn sich die Voraussetzungen für die
werbetreibenden die beabsichtigte Ablehnung wesentlich geändert haben.
Löschung der Eintragung in die Hand-
werksrolle gegen Empfangsbescheini- § 16
gung mitzuteilen.
(1) Wer den Betrieb eines zulassungspflich-
(4) Wird die Eintragung in die Handwerks- tigen Handwerks nach § 1 anfängt, hat
rolle gelöscht, so ist die Handwerks- gleichzeitig mit der nach § 14 der Ge-
karte an die Handwerkskammer zurück- werbeordnung zu erstattenden Anzei-
zugeben. ge der hiernach zuständigen Behörde
(5) Die nach Absatz 1 in der Handwerksrolle die über die Eintragung in die Hand-
gelöschten Daten sind für weitere werksrolle ausgestellte Handwerkskarte
dreißig Jahre ab dem Zeitpunkt der (§ 10 Abs. 2) vorzulegen. Der Inhaber
Löschung in einer gesonderten Datei eines Hauptbetriebs im Sinne des § 3
zu speichern. Eine Einzelauskunft aus Abs. 3 hat der für die Entgegennahme
dieser Datei ist jedem zu erteilen, der der Anzeige nach § 14 der Gewerbeord-
ein berechtigtes Interesse glaubhaft nung zuständigen Behörde die Aus-
darlegt, soweit der Betroffene kein übung eines handwerklichen Neben
schutzwürdiges Interesse an dem Aus- oder Hilfsbetriebs anzuzeigen.
104 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

(2) Der Gewerbetreibende hat ferner der (5) Der Schlichtungskommission gehören
Handwerkskammer, in deren Bezirk drei Mitglieder an, von denen je ein
seine gewerbliche Niederlassung liegt Mitglied von jeder Trägerorganisation
oder die nach § 6 Abs. 2 für seine Ein- und ein Mitglied von beiden Träger-
tragung in die Handwerksrolle zustän- organisationen gemeinsam zu benen-
dig ist, unverzüglich den Beginn und nen sind. Das gemeinsam benannte
die Beendigung seines Betriebs und in Mitglied führt den Vorsitz. Hat eine
den Fällen des § 7 Abs. 1 die Bestellung Trägerorganisation ein Mitglied nicht
und Abberufung des Betriebsleiters innerhalb von einem Monat nach Be-
anzuzeigen; bei juristischen Personen nennung des Mitglieds der anderen
sind auch die Namen der gesetzlichen Trägerorganisation benannt, so erfolgt
Vertreter, bei Personengesellschaften die Benennung durch das Bundesminis-
die Namen der für die technische Lei- terium für Wirtschaft und Technologie.
tung verantwortlichen und der vertre- Das Bundesministerium für Wirtschaft
tungsberechtigten Gesellschafter an- und Technologie benennt auch das vor-
zuzeigen. sitzende Mitglied, wenn sich die Träger-
(3) Wird der selbständige Betrieb eines organisationen nicht innerhalb eines
zulassungspflichtigen Handwerks als ste- Monats einigen können, nachdem
hendes Gewerbe entgegen den beide ihre Vorschläge für das gemein-
Vorschriften dieses Gesetzes ausgeübt, sam zu benennende Mitglied unterbrei-
so kann die nach Landesrecht zuständige tet haben. Die Schlichtungskommission
Behörde die Fortsetzung des Betriebs gibt sich eine Geschäftsordnung.
untersagen. Die Untersagung ist nur
(6) Das Bundesministerium für Wirtschaft
zulässig, wenn die Handwerkskammer
und Technologie wird ermächtigt,
und die Industrie- und Handelskammer
durch Rechtsverordnung mit Zustim-
zuvor angehört worden sind und in einer
mung des Bundesrates das Schlich-
gemeinsamen Erklärung mitgeteilt
tungsverfahren zu regeln.
haben, dass sie die Voraussetzungen
einer Untersagung als gegeben ansehen. (7) Hält die zuständige Behörde die Er-
(4) Können sich die Handwerkskammer klärung nach Absatz 3 Satz 2 oder die
und die Industrie- und Handelskammer Entscheidung der Schlichtungskom-
nicht über eine gemeinsame Erklärung mission für rechtswidrig, kann sie un-
nach Absatz 3 Satz 2 verständigen, ent- mittelbar die Entscheidung der ober-
scheidet eine von dem Deutschen In- sten Landesbehörde herbeiführen.
dustrie- und Handelskammertag und (8) Bei Gefahr im Verzug kann die zustän-
dem Deutschen Handwerkskammertag dige Behörde die Fortsetzung des
(Trägerorganisationen) gemeinsam für Gewerbes auch ohne Einhaltung des
die Dauer von jeweils vier Jahren gebil- Verfahrens nach Absatz 3 Satz 2 und
dete Schlichtungskommission. Die Absatz 4 vorläufig untersagen.
Schlichtungskommission ist erstmals
zum 1. Juli 2004 zu bilden. (9) Die Ausübung des untersagten Gewer-
bes durch den Gewerbetreibenden kann
durch Schließung der Betriebs- und Ge-
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 105

schäftsräume oder durch andere geeig- (2) Die Beauftragten der Handwerkskam-
nete Maßnahmen verhindert werden. mer sind nach Maßgabe des § 29 Abs. 2
der Gewerbeordnung befugt, zu dem in
(10) Die Schlichtungskommission kann auch Absatz 1 bezeichneten Zweck Grund-
angerufen werden, wenn sich in den stücke und Geschäftsräume des Aus-
Fällen des § 90 Abs. 3 die Handwerks- kunftspflichtigen zu betreten und dort
kammer und die Industrie- und Handels- Prüfungen und Besichtigungen vorzu-
kammer nicht über die Zugehörigkeit nehmen. Der Auskunftspflichtige hat
eines Gewerbetreibenden zur Hand- diese Maßnahmen zu dulden. Das
werkskammer oder zur Industrie- und Grundrecht der Unverletzlichkeit der
Handelskammer einigen können. Die Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes)
Absätze 4 bis 6 gelten entsprechend. wird insoweit eingeschränkt.
Hält der Gewerbetreibende die Ent-
scheidung der Schlichtungskommission (3) Der Auskunftspflichtige kann die Aus-
für rechtswidrig, so entscheidet die kunft auf solche Fragen verweigern,
oberste Landesbehörde. § 12 gilt ent- deren Beantwortung ihn selbst oder
sprechend. einen der in § 383 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 der
Zivilprozessordnung bezeichneten An-
§ 17 gehörigen der Gefahr strafgerichtlicher
Verfolgung oder eines Verfahrens nach
(1) Die in der Handwerksrolle eingetrage- dem Gesetz über Ordnungswidrig-
nen oder in diese einzutragenden Ge- keiten aussetzen würde.
werbetreibenden sind verpflichtet, der
Handwerkskammer die für die Prüfung (4) Sofern ein Gewerbetreibender ohne An-
der Eintragungsvoraussetzungen erfor- gabe von Name und Anschrift unter
derliche Auskunft über Art und Umfang einem Telekommunikationsanschluss
ihres Betriebs, über die Betriebsstätte, Handwerksleistungen anbietet und
über die Zahl der im Betrieb beschäftig- Anhaltspunkte dafür bestehen, dass er
ten gelernten und ungelernten Perso- den selbständigen Betrieb eines Hand-
nen und über handwerkliche Prüfungen werks als stehendes Gewerbe entgegen
des Betriebsinhabers und des Betriebs- den Vorschriften dieses Gesetzes aus-
leiters sowie über die vertragliche und übt, ist der Anbieter der Telekommu-
praktische Ausgestaltung des Betriebs- nikationsdienstleistung verpflichtet,
leiterverhältnisses zu erteilen sowie auf den Handwerkskammern auf Verlangen
Verlangen hierüber Nachweise vorzule- Namen und Anschrift des Anschluss-
gen. Auskünfte, Nachweise und Infor- inhabers unentgeltlich mitzuteilen.
mationen, die für die Prüfung der Ein-
tragungsvoraussetzungen nach Satz 1 Dritter Abschnitt
nicht erforderlich sind, dürfen von der Zulassungsfreie Handwerke und
Handwerkskammer nicht, auch nicht für handwerksähnliche Gewerbe
Zwecke der Verfolgung von Straftaten
oder Ordnungswidrigkeiten, verwertet § 18
werden. Die Handwerkskammer kann (1) Wer den selbständigen Betrieb eines
für die Erteilung der Auskunft eine Frist zulassungsfreien Handwerks oder eines
setzen. handwerksähnlichen Gewerbes als ste-
106 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

hendes Gewerbe beginnt oder been- § 20


det, hat dies unverzüglich der Hand- Auf zulassungsfreie Handwerke und hand-
werkskammer, in deren Bezirk seine werksähnliche Gewerbe finden § 10 Abs. 1,
gewerbliche Niederlassung liegt, anzu- die §§ 11, 12, 13 Abs. 1 bis 3, 5, §§ 14, 15 und 17
zeigen. Bei juristischen Personen sind entsprechend Anwendung. § 5a Abs. 2 Satz 1
auch die Namen der gesetzlichen Ver- findet entsprechende Anwendung, soweit
treter, bei Personengesellschaften die dies zur Feststellung erforderlich ist, ob die
Namen der vertretungsberechtigten Voraussetzungen für die Eintragung in das
Gesellschafter anzuzeigen. Verzeichnis der Inhaber eines Betriebs eines
(2) Ein Gewerbe ist ein zulassungsfreies zulassungsfreien oder eines handwerksähnli-
Handwerk im Sinne dieses Gesetzes, chen Gewerbes vorliegen.
wenn es handwerksmäßig betrieben
wird und in Anlage B Abschnitt 1 zu die- Zweiter Teil
sem Gesetz aufgeführt ist. Ein Gewerbe Berufsbildung im Handwerk
ist ein handwerksähnliches Gewerbe
im Sinne dieses Gesetzes, wenn es Erster Abschnitt
handwerksähnlich betrieben wird und Berechtigung zum Einstellen und Ausbilden
in Anlage B Abschnitt 2 zu diesem
Gesetz aufgeführt ist. § 21
(3) Das Bundesministerium für Wirtschaft (1) Lehrlinge (Auszubildende) dürfen nur
und Technologie wird ermächtigt, eingestellt und ausgebildet werden,
durch Rechtsverordnung mit wenn
Zustimmung des Bundesrates die 1. die Ausbildungsstätte nach Art und
Anlage B zu diesem Gesetz dadurch zu Einrichtung für die Berufsausbildung
ändern, dass es darin aufgeführte Ge- geeignet ist, und
werbe streicht, ganz oder teilweise zu- 2. die Zahl der Lehrlinge
sammenfasst oder trennt, Bezeichnun- (Auszubildenden) in einem angemes-
gen für sie festsetzt oder die Gewerbe- senen Verhältnis zur Zahl der
gruppen aufteilt, soweit es die tech- Ausbildungsplätze oder zur Zahl der
nische und wirtschaftliche Entwicklung beschäftigten Fachkräfte steht, es sei
erfordert. denn, dass anderenfalls die Berufsaus-
bildung nicht gefährdet wird.
§ 19
(2) Eine Ausbildungsstätte, in der die erfor-
Die Handwerkskammer hat ein Verzeichnis derlichen beruflichen Fertigkeiten,
zu führen, in welches die Inhaber eines Be- Kenntnisse und Fähigkeiten nicht in vol-
triebs eines zulassungsfreien Handwerks lem Umfang vermittelt werden können,
oder eines handwerksähnlichen Gewerbes gilt als geeignet, wenn diese durch
nach Maßgabe der Anlage D Abschnitt II zu Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der
diesem Gesetz mit dem von ihnen betriebe- Ausbildungsstätte vermittelt werden.
nen Gewerbe oder bei Ausübung mehrerer
Gewerbe mit diesen Gewerben einzutragen
sind. § 6 Abs. 2 bis 5 gilt entsprechend.
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 107

§ 22 1. die Meisterprüfung in dem zulas-


(1) Lehrlinge (Auszubildende) darf nur ein- sungspflichtigen Handwerk, in dem
stellen, wer persönlich geeignet ist. ausgebildet werden soll, oder in einem
Lehrlinge (Auszubildende) darf nur aus- mit diesem verwandten Handwerk
bilden, wer persönlich und fachlich ge- bestanden hat oder
eignet ist. 2. in dem zulassungspflichtigen Hand-
werk, in dem ausgebildet werden
(2) Wer fachlich nicht geeignet ist oder wer
soll, oder in einem mit diesem ver-
nicht selbst ausbildet, darf Lehrlinge
wandten Handwerk
(Auszubildende) nur dann einstellen,
a) die Voraussetzungen zur Eintrag-
wenn er persönlich und fachlich geeig-
ung in die Handwerksrolle nach § 7
nete Ausbilder bestellt, die die Ausbild-
erfüllt oder
ungsinhalte unmittelbar, verantwort-
b) eine Ausübungsberechtigung nach
lich und in wesentlichem Umfang ver-
§ 7a oder § 7b erhalten hat oder
mitteln.
c) eine Ausnahmebewilligung nach
(3) Unter der Verantwortung des Ausbil- § 8 oder nach § 9 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1
ders kann bei der Berufsausbildung mit- erhalten hat
wirken, wer selbst nicht Ausbilder ist,
aber abweichend von den besonderen und den Teil IV der Meisterprüfung oder
Voraussetzungen des § 22b die für die eine gleichwertige andere Prüfung, ins-
Vermittlung von Ausbildungsinhalten besondere eine Ausbildereignungs-
erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, prüfung auf der Grundlage einer nach
Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und § 30 Abs. 5 des Berufsbildungsgesetztes
persönlich geeignet ist. erlassenen Rechtsverordnung, bestan-
den hat.
§ 22 a (3) In einem zulassungsfreien Handwerk
Persönlich nicht geeignet ist insbesondere, oder einem handwerksähnlichen Ge-
wer werbe besitzt die für die fachliche Eig-
1. Kinder und Jugendliche nicht beschäf- nung erforderlichen beruflichen Fertig-
tigen darf oder keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, wer
2. wiederholt oder schwer gegen dieses 1. die Meisterprüfung in dem zulas-
Gesetz oder die auf Grund dieses sungsfreien Handwerk oder in dem
Gesetzes erlassenen Vorschriften und handwerksähnlichen Gewerbe, in
Bestimmungen verstoßen hat. dem ausgebildet werden soll, be-
standen hat,
§ 22b 2. die Gesellen- oder Abschlussprüfung
in einer dem Ausbildungsberuf ent-
(1) Fachlich geeignet ist, wer die beruflichen
sprechenden Fachrichtung bestan-
sowie die berufs- und arbeitspädagogi-
den hat,
schen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig-
3. eine anerkannte Prüfung an einer
keiten besitzt, die für die Vermittlung der
Ausbildungsstätte oder vor einer
Ausbildungsinhalte erforderlich sind.
Prüfungsbehörde oder eine Ab-
(2) In einem zulassungspflichtigen Hand- schlussprüfung an einer staatlichen
werk besitzt die fachliche Eignung, wer oder staatlich anerkannten Schule
108 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

in einer dem Ausbildungsberuf Anhören der Handwerkskammer wider-


entsprechenden Fachrichtung ruflich zuerkennen.
bestanden hat,
4. eine Abschlussprüfung an einer § 22 c
deutschen Hochschule in einer dem (1) In den Fällen des § 22 b Abs. 3 besitzt die
Ausbildungsberuf entsprechenden für die fachliche Eignung erforderlichen
Fachrichtung bestanden hat oder beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
5. eine Gleichwertigkeitsfeststellung und Fähigkeiten auch, wer die Voraus-
nach § 51e oder einen Bildungsab- setzungen für die Anerkennung seiner
schluss besitzt, dessen Gleichwertig- Berufsqualifikation nach der Richtlinie
keit nach anderen rechtlichen 2005/36/EG des Europäischen Parlaments
Regelungen festgestellt worden ist und des Rates vom 7. September 2005
und im Falle der Nummern 2 bis 5 eine über die Anerkennung von Berufs-
angemessene Zeit in seinem Beruf prak- qualifikationen (ABl. EU NR. L 255 S. 22)
tisch tätig gewesen ist. Der Abschluss- erfüllt, sofern er eine angemessene
prüfung an einer deutschen Hochschule Zeit in seinem Beruf praktisch tätig
gemäß Satz 1 Nr. 4 gleichgestellt sind gewesen ist.
Diplome nach § 7 Abs. 2 Satz 4. Für den (2) Die Anerkennung kann unter den in
Nachweis der berufs- und arbeitspäda- Artikel 14 der in Absatz 1 genannten
gogischen Fertigkeiten, Kenntnisse Richtlinie aufgeführten Voraussetzun-
und Fähigkeiten finden die auf der gen davon abhängig gemacht werden,
Grundlage des § 30 Abs. 5 des Berufs- dass der Antragsteller oder die Antrag-
bildungsgesetzes erlassenen Rechts- stellerin zunächst einen höchstens drei-
verordnungen Anwendung. jährigen Anpassungslehrgang ableistet
oder eine Eignungsprüfung ablegt.
(4) Das Bundesministerium für Wirtschaft
und Technologie kann nach Anhörung (3) Die Entscheidung über die Anerken-
des Hauptausschusses des Bundesin- nung trifft die Handwerkskammer.
stituts für Berufsbildung durch Rechts- Sie kann die Durchführung von An-
verordnung, die nicht der Zustimmung passungslehrgängen und Eignungs-
des Bundesrates bedarf, bestimmen, prüfungen regeln.
dass der Erwerb berufs- und arbeits- § 23
pädagogischer Fertigkeiten, Kenntnisse
und Fähigkeiten gesondert nachzu- (1) Die Handwerkskammer hat darüber zu
weisen ist. Dabei können Inhalt, Um- wachen, dass die Eignung der Ausbil-
fang und Abschluss der Maßnahmen dungsstätte sowie die persönliche und
für den Nachweis geregelt werden. fachliche Eignung vorliegen.
Das Bestehen des Teils IV der Meister- (2) Werden Mängel der Eignung festge-
prüfung gilt als Nachweis. stellt, so hat die Handwerkskammer,
falls der Mangel zu beheben und eine
(5) Die nach Landesrecht zuständige Be- Gefährdung des Lehrlings (Auszubil-
hörde kann Personen, die die Voraus- denden) nicht zu erwarten ist, den Aus-
setzungen der Absätze 2, 3 und 4 nicht bildenden aufzufordern, innerhalb
erfüllen, die fachliche Eignung nach einer von ihr gesetzten Frist den Man-
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 109

gel zu beseitigen. Ist der Mangel der rere Ausbildungsberufe staatlich aner-
Eignung nicht zu beheben oder ist eine kannt werden, soweit dies wegen der
Gefährdung des Lehrlings (Auszubilden- Breite des Gewerbes erforderlich ist; die
den) zu erwarten oder wird der Mangel in diesen Berufen abgelegten Gesel-
nicht innerhalb der gesetzten Frist be- lenprüfungen sind Prüfungen im Sinne
seitigt, so hat die Handwerkskammer des § 49 Abs. 1 oder § 51a Abs. 5 Satz 1.
der nach Landesrecht zuständigen (2) Für einen anerkannten Ausbildungs-
Behörde dies mitzuteilen. beruf darf nur nach der Ausbildungsord-
nung ausgebildet werden.
§ 24 (3) In anderen als anerkannten Ausbil-
(1) Die nach Landesrecht zuständige Be- dungsberufen dürfen Jugendliche unter
hörde kann für eine bestimmte Ausbil- 18 Jahren nicht ausgebildet werden,
dungsstätte das Einstellen und Ausbil- soweit die Berufsausbildung nicht auf
den untersagen, wenn die Vorausset- den Besuch weiterführender Bildungs-
zungen nach § 21 nicht oder nicht mehr gänge vorbereitet.
vorliegen. (4) Wird die Ausbildungsordnung eines
(2) Die nach Landesrecht zuständige Be- Ausbildungsberufes aufgehoben oder
hörde hat das Einstellen und Ausbilden werden Gewerbe in der Anlage A oder
zu untersagen, wenn die persönliche in der Anlage B zu diesem Gesetz ge-
oder fachliche Eignung nicht oder nicht strichen, zusammengefasst oder ge-
mehr vorliegt. trennt, so gelten für bestehende Berufs-
(3) Vor der Untersagung sind die Beteiligten ausbildungsverhältnisse die bisherigen
und die Handwerkskammer zu hören. Vorschriften.
Dies gilt nicht in den Fällen des § 22a Nr. 1. (5) Das Bundesministerium für Wirtschaft
und Technologie informiert die Länder
Zweiter Abschnitt frühzeitig über Neuordnungskonzepte
Ausbildungsordnung, und bezieht sie in die Abstimmung ein.
Änderung der Ausbildungszeit
§ 26
§ 25 (1) Die Ausbildungsordnung hat festzulegen
1. die Bezeichnung des Ausbildungs-
(1) Als Grundlage für eine geordnete und
berufes, der anerkannt wird; sie kann
einheitliche Berufsausbildung kann das
von der Gewerbebezeichnung abwei-
Bundesministerium für Wirtschaft und
chen, muss jedoch inhaltlich von der
Technologie im Einvernehmen mit dem
Gewerbebezeichnung abgedeckt sein,
Bundesministerium für Bildung und
2. die Ausbildungsdauer; sie soll nicht
Forschung durch Rechtsverordnung,
mehr als drei und nicht weniger als
die nicht der Zustimmung des Bundes-
zwei Jahre betragen,
rates bedarf, für Gewerbe der Anlage A
3. die beruflichen Fertigkeiten, Kennt-
und der Anlage B Ausbildungsberufe
nisse und Fähigkeiten, die mindes-
staatlich anerkennen und hierfür Ausbil-
tens Gegenstand der Berufsausbil-
dungsordnungen nach § 26 erlassen.
dung sind (Ausbildungsberufsbild),
Dabei können in einem Gewerbe meh-
110 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

4. eine Anleitung zur sachlichen und der Ausbildungsstätte durchgeführt


zeitlichen Gliederung der Vermitt- werden, wenn und soweit es die
lung der beruflichen Fertigkeiten, Berufsausbildung erfordert (über-
Kenntnisse und Fähigkeiten (Ausbil- betriebliche Berufsausbildung),
dungsrahmenplan), 7. dass Lehrlinge (Auszubildende) einen
5. die Prüfungsanforderungen. schriftlichen Ausbildungsnachweis zu
(2) Die Ausbildungsordnung kann vorsehen, führen haben.
1. dass die Berufsausbildung in sachlich Im Rahmen der Ordnungsverfahren soll
und zeitlich besonders gegliederten, stets geprüft werden, ob Regelungen
aufeinander aufbauenden Stufen nach Nummer 1, 2 und 4 sinnvoll und
erfolgt; nach den einzelnen Stufen möglich sind.
soll ein Ausbildungsabschluss vorge-
sehen werden, der sowohl zu einer § 27
qualifizierten beruflichen Tätigkeit im Zur Entwicklung und Erprobung neuer Aus-
Sinne des § 1 Abs. 3 des Berufsbil- bildungsberufe sowie Ausbildungs- und Prü-
dungsgesetzes befähigt, als auch die fungsformen kann das Bundesministerium
Fortsetzung der Berufsausbildung in für Wirtschaft und Technologie im Einver-
weiteren Stufen ermöglicht (Stufen- nehmen mit dem Bundesministerium für
ausbildung), Bildung und Forschung nach Anhörung des
2. dass die Gesellenprüfung in zwei zeit- Hauptausschusses des Bundesinstituts für
lich auseinander fallenden Teilen Berufsbildung durch Rechtsverordnung, die
durchgeführt wird, nicht der Zustimmung des Bundesrates
3. dass abweichend von § 25 Abs. 4 die bedarf, Ausnahmen von § 25 Abs. 2 und 3
Berufsausbildung in diesem Ausbil- sowie den §§ 26, 31 und 39 zulassen, die auch
dungsberuf unter Anrechnung der auf eine bestimmte Art und Zahl von Ausbil-
bereits zurückgelegten Ausbildungs- dungsstätten beschränkt werden können.
zeit fortgesetzt werden kann, wenn
die Vertragsparteien dies vereinbaren, § 27 a
4. dass auf die durch die Ausbildungs- (1) Die Landesregierungen können nach
ordnung geregelte Berufsausbildung Anhörung des Landesausschusses für
eine andere, einschlägige Berufsaus- Berufsbildung durch Rechtsverordnung
bildung unter Berücksichtigung der bestimmen, dass der Besuch eines Bil-
hierbei erworbenen beruflichen dungsganges berufsbildender Schulen
Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig- oder die Berufsausbildung in einer son-
keiten angerechnet werden kann, stigen Einrichtung ganz oder teilweise
5. dass über das in Absatz 1 Nr. 3 be- auf die Ausbildungszeit angerechnet
schriebene Ausbildungsberufsbild wird. Die Ermächtigung kann durch
hinaus zusätzliche berufliche Fertig- Rechtsverordnung auf oberste Landes-
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten behörden weiter übertragen werden.
vermittelt werden können, die die Die Rechtsverordnung kann vorsehen,
berufliche Handlungsfähigkeit ergän- dass die Anrechnung eines gemeinsa-
zen oder erweitern, men Antrags der Lehrlinge (Auszubil-
6. dass Teile der Berufsausbildung in denden) und Ausbildenden bedarf.
geeigneten Einrichtungen außerhalb
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 111

(2) Die Anrechnung nach Absatz 1 bedarf nehmen mit dem Bundesministerium für
des gemeinsamen Antrages der Bildung und Forschung durch Rechtsverord-
Lehrlinge (Auszubildenden) und nung für welche verwandte Handwerke eine
Ausbildenden. Der Antrag ist an die Gesamtausbildungszeit vereinbart werden
Handwerkskammer zu richten. Er kann kann und die Dauer der
sich auf Teile des hochstzulässigen Gesamtausbildungszeit.
Anrechnungszeitraums beschränken.1
Dritter Abschnitt
§ 27 b Verzeichnis der
(1) Auf gemeinsamen Antrag des Lehrlings Berufsausbildungsverhältnisse
(Auszubildenden) und des Ausbildenden § 28
hat die Handwerkskammer die Aus-
bildungszeit zu kürzen, wenn zu er- (1) Die Handwerkskammer hat zur Rege-
warten ist, dass das Ausbildungsziel in lung, Überwachung, Förderung und
der gekürzten Zeit erreicht wird. Bei zum Nachweis der Berufsausbildung in
berechtigtem Interesse kann sich der anerkannten Ausbildungsberufen ein
Antrag auch auf die Verkürzung der täg- Verzeichnis der in ihrem Bezirk beste-
lichen oder wöchentlichen Ausbildungs- henden Berufsausbildungsverhältnisse
zeit richten (Teilzeitberufsausbildung). nach Maßgabe der Anlage D Abschnitt
III zu diesem Gesetz einzurichten und
(2) In Ausnahmefällen kann die Handwerks- zu führen (Lehrlingsrolle). Die Eintra-
kammer auf Antrag des Lehrlings gung ist für den Lehrling (Auszubilden-
(Auszubildenden) die Ausbildungszeit den) gebührenfrei.
verlängern, wenn die Verlängerung
erforderlich ist, um das Ausbildungsziel (2) Die nach Absatz 1 gespeicherten Daten
zu erreichen. Vor der Entscheidung nach dürfen an öffentliche und nicht-öffent-
Satz 1 ist der Ausbildende zu hören. liche Stellen übermittelt werden, so-
weit dies zu den in Absatz 1 genannten
(3) Für die Entscheidung über die Verkür-
Zwecken erforderlich ist. Werden Daten
zung oder Verlängerung der Ausbil-
an nicht-öffentliche Stellen übermittelt,
dungszeit kann der Hauptausschuss des
so ist der Betroffene hiervon zu benach-
Bundesinstituts für Berufsbildung
richtigen, es sei denn, dass er von der
Richtlinien erlassen.
Übermittlung auf andere Weise Kennt-
nis erlangt.
§ 27 c
(3) Der Empfänger darf die übermittelten
Werden in einem Betrieb zwei verwandte
Daten nur für den Zweck verarbeiten
Handwerke ausgeübt, so kann in beiden
oder nutzen, zu dessen Erfüllung sie
Handwerken in einer verkürzten Gesamt-
ihm übermittelt werden. Bei Übermitt-
ausbildungszeit gleichzeitig ausgebildet
lungen an nicht-öffentliche Stellen hat
werden. Das Bundesministerium für Wirt-
die übermittelnde Stelle den Empfän-
schaft und Technologie bestimmt im Einver-
ger hiervon zu unterrichten.
(4) Für das Verändern und Sperren der
1
Absatz 2 tritt am 1. August 2009 in Kraft. Gleichzeitig tritt Daten in der Lehrlingsrolle gelten die
Absatz 1 Satz 3 außer Kraft. Datenschutzgesetze der Länder.
112 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

(5) Die Eintragungen sind am Ende des den Fällen des § 88 Abs. 2 des
Kalenderjahres, in dem das Berufsaus- Berufsbildungsgesetzes übermitteln.
bildungsverhältnis beendet wird, in der
Lehrlingsrolle zu löschen. § 29
(1) Ein Berufsausbildungsvertrag und Ände-
(6) Die nach Absatz 5 gelöschten Daten
rungen seines wesentlichen Inhalts sind
sind in einer gesonderten Datei zu spei-
in die Lehrlingsrolle einzutragen, wenn
chern, solange und soweit dies für den
1. der Berufsausbildungsvertrag den
Nachweis der Berufsausbildung erfor-
gesetzlichen Vorschriften und der
derlich ist, höchstens jedoch 60 Jahre.
Ausbildungsordnung entspricht,
Die Übermittlung von Daten ist nur
2. die persönliche und fachliche Eig-
unter den Voraussetzungen des Absat-
nung sowie die Eignung der Ausbil-
zes 2 zulässig.
dungsstätte für das Einstellen und
(7) Zur Verbesserung der Ausbildungsver- Ausbilden vorliegen und
mittlung, zur Verbesserung der Zuver- 3. für Auszubildende unter 18 Jahren die
lässigkeit und Aktualität der Ausbil- ärztliche Bescheinigung über die
dungsvermittlungsstatistik sowie zur Erstuntersuchung nach § 32 Abs. 1 des
Verbesserung der Feststellung von An- Jugendarbeitsschutzgesetzes zur
gebot und Nachfrage auf dem Ausbil- Einsicht vorgelegt wird.
dungsmarkt darf die Handwerkskam-
(2) Die Eintragung ist abzulehnen oder zu
mer folgende Daten aus der Lehrlings-
löschen, wenn die Eintragungsvoraus-
rolle an die Bundesagentur für Arbeit
setzungen nicht vorliegen und der
übermitteln:
Mangel nicht nach § 23 Abs. 2 behoben
1. Name, Geburtsname, Vorname, Ge- wird. Die Eintragung ist ferner zu
burtsdatum und Anschrift des Lehr- löschen, wenn die ärztliche Bescheini-
lings (Auszubildenden), gung über die erste Nachuntersuchung
2. Name und Anschrift der Ausbildungs- nach § 33 Abs. 1 des Jugendarbeits-
stätte, schutzgesetzes nicht spätestens am Tag
3. Ausbildungsberuf sowie der Anmeldung des Auszubildenden zur
4. Datum des Beginns der Berufsaus- Zwischenprüfung oder zum ersten Teil
bildung. Bei der Datenübermittlung der Gesellenprüfung zur Einsicht vor-
sind dem jeweiligen Stand der Tech- gelegt und der Mangel nicht nach § 23
nik entsprechende Maßnahmen zur Abs. 2 behoben wird.
Sicherstellung von Datenschutz und
Datensicherheit zu treffen, die insbe- § 30
sondere die Vertraulichkeit, Unver- (1) Der Ausbildende hat unverzüglich nach
sehrtheit und Zurechenbarkeit der Abschluss des Berufsausbildungsvertrags
Daten gewährleisten. die Eintragung in die Lehrlingsrolle zu
beantragen. Der Antrag kann schriftlich
(8) Im Übrigen darf die Handwerkskammer oder elektronisch gestellt werden; eine
Daten aus dem Berufsausbildungs- Kopie der Vertragsniederschrift ist je-
vertrag, die nicht nach Absatz 1 oder weils beizufügen. Auf einen betrieb-
Absatz 6 gespeichert sind, nur für die in lichen Ausbildungsplan im Sinne des § 11
Absatz 1 genannten Zwecke sowie in Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 des Berufs-
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 113

bildungsgesetzes, der der zuständigen (4) Die Prüfung ist für den Lehrling (Aus-
Stelle bereits vorliegt, kann dabei Bezug zubildenden) gebührenfrei.
genommen werden. Entsprechendes gilt
bei Änderungen des wesentlichen § 32
Vertragsinhalts. Durch die Gesellenprüfung ist festzustellen,
(2) Der Ausbildende hat anzuzeigen ob der Prüfling die berufliche Handlungs-
1. eine vorausgegangene allgemeine fähigkeit im Sinne des § 1 Abs. 3 des Berufs-
und berufliche Ausbildung des bildungsgesetzes erworben hat. In ihr soll
Lehrlings (Auszubildenden), der Prüfling nachweisen, dass er die erfor-
2. die Bestellung von Ausbildern. derlichen beruflichen Fertigkeiten be-
herrscht, die notwendigen beruflichen
Vierter Abschnitt Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und mit
Prüfungswesen dem im Berufsschulunterricht zu vermitteln-
den, für die Berufsausbildung wesentlichen
§ 31 Lehrstoff vertraut ist. Die Ausbildungsord-
nung ist zugrunde zu legen.
(1) In den anerkannten Ausbildungsbe-
rufen (Gewerbe der Anlage A oder der § 33
Anlage B) sind Gesellenprüfungen
(1) Für die Abnahme der Gesellenprüfung
durchzuführen. Die Prüfung kann im
errichtet die Handwerkskammer Prü-
Falle des Nichtbestehens zweimal wie-
fungsausschüsse. Mehrere Handwerks-
derholt werden. Sofern die Gesellen-
kammern können bei einer von ihnen
prüfung in zwei zeitlich auseinander
gemeinsame Prüfungsausschüsse er-
fallenden Teilen durchgeführt wird, ist
richten. Die Handwerkskammer kann
der erste Teil der Gesellenprüfung nicht
Handwerksinnungen ermächtigen, Ge-
eigenständig wiederholbar.
sellenprüfungsausschüsse zu errichten,
(2) Dem Prüfling ist ein Zeugnis auszustel- wenn die Leistungsfähigkeit der Hand-
len. Dem Ausbildenden werden auf werksinnung die ordnungsgemäße
dessen Verlangen die Ergebnisse der Durchführung der Prüfung sicherstellt.
Gesellenprüfung des Lehrlings (Aus- (2) Werden von einer Handwerksinnung
zubildenden) übermittelt. Sofern die Gesellenprüfungsausschüsse errichtet,
Gesellenprüfung in zwei zeitlich aus- so sind sie für die Abnahme der Gesel-
einander fallenden Teilen durchgeführt lenprüfung aller Lehrlinge (Auszubil-
wird, ist das Ergebnis der Prüfungsleis- denden) der in der Handwerksinnung
tung im ersten Teil der Gesellenprüfung vertretenen Handwerke ihres Bezirks
dem Prüfling schriftlich mitzuteilen.
zuständig, soweit nicht die Handwerks-
kammer etwas anderes bestimmt.
(3) Dem Zeugnis ist auf Antrag des Lehrlings
(Auszubildenden) eine englischsprachige (3) Der Prüfungsausschuss kann zur Be-
und eine französischsprachige Über- wertung einzelner, nicht mündlich zu
setzung beizufügen. Auf Antrag des Lehr- erbringender Prüfungsleistungen gut-
lings (Auszubildenden) kann das Ergebnis achterliche Stellungnahmen Dritter,
berufsschulischer Leistungsfeststellungen insbesondere berufsbildender Schulen,
auf dem Zeugnis ausgewiesen werden. einholen.
114 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

(4) Im Rahmen der Begutachtung nach ten Ausbildungsberuf nach § 4 des Be-
Absatz 3 sind die wesentlichen Abläufe rufsbildungsgesetzes bestanden haben
zu dokumentieren und die für die Be- und in diesem Handwerk oder in diesem
wertung erheblichen Tatsachen festzu- Gewerbe tätig sein. Die Arbeitnehmer
halten. und die Beauftragten der Arbeitnehmer
müssen die Gesellenprüfung in dem
§ 34 zulassungspflichtigen oder zulassungs-
(1) Der Prüfungsausschuss besteht aus min- freien Handwerk oder in dem hand-
destens drei Mitgliedern. Die Mitglieder werksähnlichen Gewerbe, für das der
müssen für die Prüfungsgebiete sach- Prüfungsausschuss errichtet ist, oder
kundig und für die Mitwirkung im eine entsprechende Abschlussprüfung
Prüfungswesen geeignet sein. in einem anerkannten Ausbildungsbe-
ruf nach § 4 des Berufsbildungsgesetzes
(2) Dem Prüfungsausschuss müssen als Mit-
bestanden haben und in diesem
glieder für zulassungspflichtige Hand-
Handwerk oder in diesem Gewerbe
werke Arbeitgeber oder Betriebsleiter
tätig sein. Arbeitnehmer, die eine ent-
und Arbeitnehmer in gleicher Zahl, für
sprechende ausländische Befähigung
zulassungsfreie Handwerke oder hand-
erworben haben und handwerklich
werksähnliche Gewerbe Beauftragte
tätig sind, können in den Prüfungs-
der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in
ausschuss berufen werden.
gleicher Zahl sowie mindestens ein Lehrer
einer berufsbildenden Schule angehören. (4) Die Mitglieder werden von der Hand-
Mindestens zwei Drittel der Gesamtzahl werkskammer berufen. Die Arbeitneh-
der Mitglieder müssen in zulassungs- mer und die Beauftragten der Arbeit-
pflichtigen Handwerken Arbeitgeber nehmer der von der Handwerkskammer
und Arbeitnehmer, in zulassungsfreien errichteten Prüfungsausschüsse werden
Handwerken oder handwerksähnlichen auf Vorschlag der Mehrheit der Gesel-
Gewerben Beauftragte der Arbeitgeber lenvertreter in der Vollversammlung
und der Arbeitnehmer sein. Die Mitglie- der Handwerkskammer berufen. Der
der haben Stellvertreter. Die Mitglieder Lehrer einer berufsbildenden Schule
und die Stellvertreter werden längstens wird im Einvernehmen mit der Schul-
für fünf Jahre berufen oder gewählt. aufsichtsbehörde oder der von ihr be-
stimmten Stelle berufen.
(3) Die Arbeitgeber müssen in dem zulas-
sungspflichtigen Handwerk, für das der (5) Für die mit Ermächtigung der Hand-
Prüfungsausschuss errichtet ist, die werkskammer von der Handwerks-
Meisterprüfung abgelegt haben oder innung errichteten Prüfungsausschüsse
zum Ausbilden berechtigt sein. In dem werden die Arbeitgeber und die Be-
zulassungsfreien Handwerk oder in dem auftragten der Arbeitgeber von der
handwerksähnlichen Gewerbe, für das Innungsversammlung, die Arbeitneh-
der Prüfungsausschuss errichtet ist, mer und die Beauftragten der Arbeit-
müssen die Arbeitgeber oder die Be- nehmer von dem Gesellenausschuss
auftragten der Arbeitgeber die Ge- gewählt. Der Lehrer einer berufsbilden-
sellenprüfung oder eine entsprechende den Schule wird im Einvernehmen mit
Abschlussprüfung in einem anerkann- der Schulaufsichtsbehörde oder der von
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 115

ihr bestimmten Stelle nach Anhörung (2) Zur Vorbereitung der Beschlussfassung
der Handwerksinnung von der Hand- nach Absatz 1 kann der Vorsitzende min-
werkskammer berufen. destens zwei Mitglieder mit der Bewer-
tung einzelner, nicht mündlich zu er-
(6) Die Mitglieder der Prüfungsausschüsse
bringender Prüfungsleistungen beauf-
können nach Anhörung der an ihrer
tragen. Die Beauftragten sollen nicht
Berufung Beteiligten aus wichtigem
derselben Mitgliedergruppe angehören.
Grund abberufen werden. Die Absätze
4 und 5 gelten für die Stellvertreter ent- (3) Die nach Absatz 2 beauftragten Mit-
sprechend. glieder dokumentieren die wesent-
lichen Abläufe und halten die für die
(7) Die Tätigkeit im Prüfungsausschuss ist Bewertung erheblichen Tatsachen fest.
ehrenamtlich. Für bare Auslagen und
für Zeitversäumnis ist, soweit eine
§ 36
Entschädigung nicht von anderer Seite
gewährt wird, eine angemessene (1) Zur Gesellenprüfung ist zuzulassen,
Entschädigung zu zahlen, deren Höhe 1. wer die Ausbildungszeit zurückge-
von der Handwerkskammer mit legt hat oder wessen Ausbildungszeit
Genehmigung der obersten nicht später als zwei Monate nach
Landesbehörde festgesetzt wird. dem Prüfungstermin endet,
2. wer an vorgeschriebenen Zwischen-
(8) Von Absatz 2 darf nur abgewichen wer- prüfungen teilgenommen sowie vor-
den, wenn anderenfalls die erforderliche geschriebene schriftliche Ausbil-
Zahl von Mitgliedern des Prüfungs- dungsnachweise geführt hat und
ausschusses nicht berufen werden kann. 3. wessen Berufsausbildungsverhältnis
§ 35 in die Lehrlingsrolle eingetragen oder
aus einem Grund nicht eingetragen
Der Prüfungsausschuss wählt aus seiner
ist, den weder der Lehrling (Auszu-
Mitte einen Vorsitzenden und dessen
bildende) noch dessen gesetzlicher
Stellvertreter. Der Vorsitzende und sein
Vertreter zu vertreten hat.
Stellvertreter sollen nicht derselben
Mitgliedergruppe angehören. Der (2) Zur Gesellenprüfung ist ferner zuzu-
Prüfungsausschuss ist beschlussfähig, lassen, wer in einer berufsbildenden
wenn zwei Drittel der Mitglieder, minde- Schule oder einer sonstigen Berufs-
stens drei, mitwirken. Er beschließt mit der bildungseinrichtung ausgebildet wor-
Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Bei den ist, wenn dieser Bildungsgang der
Stimmengleichheit gibt die Stimme des Berufsausbildung in einem anerkannten
Vorsitzenden den Ausschlag. Ausbildungsberuf (Gewerbe der Anlage
A oder der Anlage B) entspricht. Ein
§ 35 a Bildungsgang entspricht der Berufs-
(1) Beschlüsse über die Noten zur Bewer- ausbildung in einem anerkannten Aus-
tung einzelner Prüfungsleistungen, der bildungsberuf, wenn er
Prüfung insgesamt sowie über das Be- 1. nach Inhalt, Anforderung und zeit-
stehen und Nichtbestehen der Gesel- lichem Umfang der jeweiligen
lenprüfung werden vom Prüfungsaus- Ausbildungsordnung gleichwertig ist,
schuss gefasst.
116 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

2. systematisch, insbesondere im Rah- § 37


men einer sachlichen und zeitlichen (1) Der Lehrling (Auszubildende) kann nach
Gliederung durchgeführt wird, und Anhörung des Ausbildenden und der
3. durch Lernortkooperation einen Berufsschule vor Ablauf seiner Ausbil-
angemessenen Anteil an fachprakti- dungszeit zur Gesellenprüfung zuge-
scher Ausbildung gewährleistet. lassen werden, wenn seine Leistungen
Die Landesregierungen werden dies rechtfertigen.
ermächtigt, im Benehmen mit dem (2) Zur Gesellenprüfung ist auch zuzu-
Landesausschuss für Berufsbildung lassen, wer nachweist, dass er mindes-
durch Rechtsverordnung zu bestim- tens das Eineinhalbfache der Zeit, die
men, welche Bildungsgänge die Vor- als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist,
aussetzungen der Sätze 1 und 2 erfüllen. in dem Beruf tätig gewesen ist, in dem
Die Ermächtigung kann durch Rechts- er die Prüfung ablegen will. Als Zeiten
verordnung auf oberste Landesbehör- der Berufstätigkeit gelten auch Aus-
den weiter übertragen werden.2 bildungszeiten in einem anderen, ein-
schlägigen Ausbildungsberuf. Vom
§ 36a Nachweis der Mindestzeit nach Satz 1
(1) Sofern die Gesellenprüfung in zwei zeit- kann ganz oder teilweise abgesehen
lich auseinander fallenden Teilen durch- werden, wenn durch Vorlage von Zeug-
geführt wird, ist über die Zulassung je- nissen oder auf andere Weise glaubhaft
weils gesondert zu entscheiden. gemacht wird, dass der Bewerber die
berufliche Handlungsfähigkeit erwor-
(2) Zum ersten Teil der Gesellenprüfung ist ben hat, die die Zulassung zur Prüfung
zuzulassen, wer die in der Ausbildungs- rechtfertigt. Ausländische Bildungs-
ordnung vorgeschriebene, erforderli- abschlüsse und Zeiten der Berufstätig-
che Ausbildungszeit zurückgelegt hat keit im Ausland sind dabei zu berück-
und die Voraussetzungen des § 36 Abs. 1 sichtigen.
Nr. 2 und 3 erfüllt.
(3) Soldaten auf Zeit und ehemalige Sol-
(3) Zum zweiten Teil der Gesellenprüfung daten sind nach Absatz 2 Satz 3 zur Ge-
ist zuzulassen, wer über die Voraus- sellenprüfung zuzulassen, wenn das
setzungen in § 36 Abs. 1 hinaus am Bundesministerium der Verteidigung
ersten Teil der Gesellenprüfung teilge- oder die von ihm bestimmte Stelle be-
nommen hat. Dies gilt nicht, wenn der scheinigt, dass der Bewerber berufliche
Lehrling (Auszubildende) aus Gründen, Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig-
die er nicht zu vertreten hat, am ersten keiten erworben hat, welche die Zu-
Teil der Gesellenprüfung nicht teilge- lassung zur Prüfung rechtfertigen.
nommen hat. In diesem Fall ist der erste
Teil der Gesellenprüfung zusammen mit § 37a
dem zweiten Teil abzulegen. (1) Über die Zulassung zur Gesellenprüfung
entscheidet der Vorsitzende des Prü-
fungsausschusses. Hält er die Zulassungs-
voraussetzungen nicht für gegeben, so
2
Absatz 2 Satz 3 und 4 treten am 1. August 2011 außer Kraft. entscheidet der Prüfungsausschuss.
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 117

(2) Auszubildenden, die Elternzeit in An- § 39 a


spruch genommen haben, darf bei der (1) Zusätzliche berufliche Fertigkeiten,
Entscheidung über die Zulassung hie- Kenntnisse und Fähigkeiten nach § 26
raus kein Nachteil erwachsen. Abs. 2 Nr. 5 werden gesondert geprüft
und bescheinigt. Das Ergebnis der
§ 38
Prüfung nach § 31 bleibt unberührt.
(1) Die Handwerkskammer hat eine Prü-
(2) § 31 Abs. 3 und 4 sowie die §§ 33 bis 35 a
fungsordnung für die Gesellenprüfung
und 38 gelten entsprechend.
zu erlassen. Die Prüfungsordnung
bedarf der Genehmigung der zustän- § 40
digen obersten Landesbehörde.
(1) Das Bundesministerium für Wirtschaft
(2) Die Prüfungsordnung muss die Zulas- und Technologie kann im Einverneh-
sung, die Gliederung der Prüfung, die men mit dem Bundesministerium für
Bewertungsmaßstäbe, die Erteilung der Bildung und Forschung nach Anhörung
Prüfungszeugnisse, die Folgen von Ver- des Hauptausschusses des Bundesinsti-
stößen gegen die Prüfungsordnung tuts für Berufsbildung durch Rechtsver-
und die Wiederholungsprüfung regeln. ordnung außerhalb des Anwendungs-
Sie kann vorsehen, dass Prüfungsauf- bereichs dieses Gesetzes erworbene
gaben, die überregional oder von Prüfungszeugnisse den entsprechen-
einem Aufgabenerstellungsausschuss den Zeugnissen über das Bestehen der
bei der Handwerkskammer erstellt oder Gesellenprüfung gleichstellen, wenn
ausgewählt werden, zu übernehmen die Berufsausbildung und die in der
sind, sofern diese Aufgaben von Gremien Prüfung nachzuweisenden beruflichen
erstellt oder ausgewählt werden, die ent- Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkei-
sprechend § 34 Abs. 2 zusammengesetzt ten gleichwertig sind.
sind. (2) Das Bundesministerium für Wirtschaft
(3) Der Hauptausschuss des Bundesinsti- und Technologie kann im Einvernehmen
tuts für Berufsbildung erlässt für die mit dem Bundesministerium für Bildung
Prüfungsordnung Richtlinien. und Forschung nach Anhörung des
Hauptausschusses des Bundesinstituts
§ 39 für Berufsbildung durch Rechtsverord-
(1) Während der Berufsausbildung ist zur nung im Ausland erworbene Prüfungs-
Ermittlung des Ausbildungsstands eine zeugnisse den entsprechenden
Zwischenprüfung entsprechend der Zeugnissen über das Bestehen der
Ausbildungsordnung durchzuführen. Gesellenprüfung gleichstellen, wenn
Die §§ 31 bis 33 gelten entsprechend. die in der Prüfung nachzuweisenden
beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
(2) Sofern die Ausbildungsordnung vor-
und Fähigkeiten gleichwertig sind.
sieht, dass die Gesellenprüfung in zwei
zeitlich auseinander fallenden Teilen § 40 a
durchgeführt wird, findet Absatz 1 keine Ausländische Ausbildungsnachweise stehen
Anwendung. der Gesellenprüfung im Sinne dieses Ge-
setzes und der auf ihm beruhenden Rechts-
118 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

verordnungen gleich, wenn ihre Gleich- (4) Die Handwerkskammer teilt der Auf-
wertigkeit festgestellt wurde. § 50b Absatz 4 sichtsbehörde nach dem Jugendarbeits-
gilt entsprechend. Die Vorschriften des schutzgesetz Wahrnehmungen mit,
Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes für die für die Durchführung des Jugend-
nicht reglementierte Berufe sowie § 17 sind arbeitsschutzgesetzes von Bedeutung
anzuwenden.“ sein können.

Fünfter Abschnitt Sechster Abschnitt


Regelung und Überwachung der Berufliche Fortbildung,
Berufsausbildung Berufliche Umschulung
§ 41 § 42
Soweit Vorschriften nicht bestehen, regelt (1) Als Grundlage für eine einheitliche be-
die Handwerkskammer die Durchführung rufliche Fortbildung kann das Bundes-
der Berufsausbildung im Rahmen der gesetz- ministerium für Bildung und Forschung
lichen Vorschriften. im Einvernehmen mit dem Bundes-
ministerium für Wirtschaft und Techno-
§ 41a logie nach Anhören des Hauptaus-
(1) Die Handwerkskammer überwacht die schusses des Bundesinstituts für Berufs-
Durchführung bildung durch Rechtsverordnung, die
1. der Berufsausbildungsvorbereitung, nicht der Zustimmung des Bundesrates
2. der Berufsausbildung und bedarf, Fortbildungsabschlüsse aner-
3. der beruflichen Umschulung kennen und hierfür Prüfungsregelun-
und fördert diese durch Beratung der gen erlassen (Fortbildungsordnung).
an der Berufsbildung beteiligten Per- (2) Die Fortbildungsordnung hat festzu-
sonen. Sie hat zu diesem Zweck Berater legen
zu bestellen. § 111 ist anzuwenden. 1. die Bezeichnung des Fortbildungs-
(2) Ausbildende, Umschulende und Anbieter abschlusses,
von Maßnahmen der Berufsausbildungs- 2. das Ziel, den Inhalt und die Anfor-
vorbereitung sind auf Verlangen ver- derungen der Prüfung,
pflichtet, die für die Überwachung not- 3. die Zulassungsvoraussetzungen
wendigen Auskünfte zu erteilen und sowie
Unterlagen vorzulegen sowie die Be- 4. das Prüfungsverfahren.
sichtigung der Ausbildungsstätten zu
gestatten. § 42a
(3) Die Durchführung von Auslandsaufent- Soweit Rechtsverordnungen nach § 42 nicht
halten nach § 2 Abs. 3 des Berufsbil- erlassen sind, kann die Handwerkskammer
dungsgesetzes überwacht und fördert Fortbildungsprüfungsregelungen erlassen.
die Handwerkskammer in geeigneter Die Vorschriften über die Meisterprüfung
Weise. Beträgt die Dauer eines Ausbil- bleiben unberührt. Die Handwerkskammer
dungsabschnitts im Ausland mehr als regelt die Bezeichnung des Fortbildungsab-
vier Wochen, ist hierfür ein mit der schlusses, Ziel, Inhalt und Anforderungen der
Handwerkskammer abgestimmter Plan Prüfungen, ihre Zulassungsvoraussetzungen
erforderlich. sowie das Prüfungsverfahren.
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 119

§ 42 b § 42 e
Sofern die Fortbildungsordnung (§ 42) oder Als Grundlage für eine geordnete und ein-
eine Regelung der Handwerkskammer heitliche berufliche Umschulung kann das
(§ 42a) Zulassungsvoraussetzungen vorsieht, Bundesministerium für Bildung und For-
sind ausländische Bildungsabschlüsse und schung im Einvernehmen mit dem Bundes-
Zeiten der Berufstätigkeit im Ausland zu be- ministerium für Wirtschaft und Technologie
rücksichtigen. nach Anhörung des Hauptausschusses des
Bundesinstituts für Berufsbildung durch
§ 42 c Rechtsverordnung, die nicht der Zustim-
(1) Für die Durchführung von Prüfungen mung des Bundesrates bedarf,
im Bereich der beruflichen Fortbildung
errichtet die Handwerkskammer Prü- 1. die Bezeichnung des Umschulungs-
fungsausschüsse. § 31 Abs. 2 und 3 sowie abschlusses,
die §§ 34 bis 35a, 37a und 38 gelten ent- 2. das Ziel, den Inhalt, die Art und Dauer
sprechend. der Umschulung,
3. die Anforderungen der Umschulungs-
(2) Der Prüfling ist auf Antrag von der Ab- prüfung und ihre Zulassungsvoraus-
legung einzelner Prüfungsbestandteile setzungen sowie
durch die Handwerkskammer zu be- 4. das Prüfungsverfahren der Umschu-
freien, wenn er eine andere vergleich- lung
bare Prüfung vor einer öffentlichen
unter Berücksichtigung der besonderen Er-
oder staatlich anerkannten Bildungs-
fordernisse der beruflichen Erwachsenen-
einrichtung oder vor einem staatlichen
bildung bestimmen (Umschulungsordnung).
Prüfungsausschuss erfolgreich abge-
legt hat und die Anmeldung zur Fortbil-
dungsprüfung innerhalb von fünf Jahren § 42 f
nach der Bekanntgabe des Bestehens Soweit Rechtsverordnungen nach § 42e
der anderen Prüfung erfolgt. nicht erlassen sind, kann die Handwerkskam-
mer Umschulungsprüfungsregelungen er-
§ 42 d lassen. Die Handwerkskammer regelt die
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Bezeichnung des Umschulungsabschlusses,
Technologie kann im Einvernehmen mit dem Ziel, Inhalt und Anforderungen der Prüfun-
Bundesministerium für Bildung und For- gen, ihre Zulassungsvoraussetzungen sowie
schung nach Anhörung des Hauptausschus- das Prüfungsverfahren unter Berücksichti-
ses des Bundesinstituts für Berufsbildung gung der besonderen Erfordernisse beruf-
durch Rechtsverordnung außerhalb des licher Erwachsenenbildung.
Anwendungsbereichs dieses Gesetzes oder
im Ausland erworbene Prüfungszeugnisse § 42 g
den entsprechenden Zeugnissen über das Sofern sich die Umschulungsordnung (§ 42e)
Bestehen einer Fortbildungsprüfung auf der oder eine Regelung der Handwerkskammer
Grundlage der §§ 42 und 42a gleichstellen, (§ 42f) auf die Umschulung für einen aner-
wenn die in der Prüfung nachzuweisenden kannten Ausbildungsberuf (Gewerbe der An-
beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und lage A oder der Anlage B) richtet, sind das
Fähigkeiten gleichwertig sind. Ausbildungsberufsbild (§ 26 Abs. 1 Nr. 3), der
120 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

Ausbildungsrahmenplan (§ 26 Abs. 1 Nr. 4) lungsprüfung innerhalb von fünf Jahren


und die Prüfungsanforderungen (§ 26 Abs. 1 nach der Bekanntgabe des Bestehens
Nr. 5) zugrunde zu legen. Die §§ 21 bis 24 der anderen Prüfung erfolgt.
gelten entsprechend.
§ 42 j
§ 42 h Das Bundesministerium für Wirtschaft und
Sofern die Umschulungsordnung (§ 42e) Technologie kann im Einvernehmen mit dem
oder eine Regelung der Handwerkskammer Bundesministerium für Bildung und For-
(§ 42f) Zulassungsvoraussetzungen vorsieht, schung nach Anhörung des Hauptausschus-
sind ausländische Bildungsabschlüsse und ses des Bundesinstituts für Berufsbildung
Zeiten der Berufstätigkeit im Ausland zu durch Rechtsverordnung außerhalb des
berücksichtigen. Anwendungsbereichs dieses Gesetzes oder
im Ausland erworbene Prüfungszeugnisse
§ 42 i
den entsprechenden Zeugnissen über das
(1) Maßnahmen der beruflichen Um- Bestehen einer Umschulungsprüfung auf der
schulung müssen nach Inhalt, Art, Ziel Grundlage der §§ 42e und 42f gleichstellen,
und Dauer den besonderen Erforder- wenn die in der Prüfung nachzuweisenden
nissen der beruflichen Erwachsenen- beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und
bildung entsprechen. Fähigkeiten gleichwertig sind.
(2) Der Umschulende hat die Durchfüh-
rung der beruflichen Umschulung Siebenter Abschnitt
unverzüglich vor Beginn der Maß- Berufliche Bildung behinderter Menschen,
nahme der Handwerkskammer schrift- Berufsausbildungsvorbereitung
lich anzuzeigen. Die Anzeigepflicht
erstreckt sich auf den wesentlichen § 42 k
Inhalt des Umschulungsverhältnisses.
Behinderte Menschen (§ 2 Abs. 1 Satz 1 des
Bei Abschluss eines Umschulungs-
Neunten Buches Sozialgesetzbuch) sollen in
vertrages ist eine Ausfertigung der
anerkannten Ausbildungsberufen ausgebildet
Vertragsniederschrift beizufügen.
werden.
(3) Für die Durchführung von Prüfungen
im Bereich der beruflichen Umschulung § 42 l
errichtet die Handwerkskammer Prü- (1) Regelungen nach den §§ 38 und 41 sol-
fungsausschüsse. § 31 Abs. 2 2 und 3 len die besonderen Verhältnisse behin-
sowie die §§ 34 bis 35a, 37a und 38 derter Menschen berücksichtigen. Dies
gelten entsprechend. gilt insbesondere für die zeitliche und
(4) Der Prüfling ist auf Antrag von der Ab- sachliche Gliederung der Ausbildung,
legung einzelner Prüfungsbestandteile die Dauer von Prüfungszeiten, die Zu-
durch die Handwerkskammer zu be- lassung von Hilfsmitteln und die Inan-
freien, wenn er eine andere vergleich- spruchnahme von Hilfeleistungen
bare Prüfung vor einer öffentlichen oder Dritter, wie Gebärdendolmetscher für
staatlich anerkannten Bildungsein- hörbehinderte Menschen.
richtung oder vor einem staatlichen (2) Der Berufsausbildungsvertrag mit
Prüfungsausschuss erfolgreich abgelegt einem behinderten Menschen ist in die
hat und die Anmeldung zur Umschu- Lehrlingsrolle (§ 28) einzutragen. Der
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 121

behinderte Mensch ist zur Gesellenprü- entsprechen und durch umfassende


fung auch zuzulassen, wenn die Voraus- sozialpädagogische Betreuung und
setzungen des § 36 Abs. 1 Nr. 2 und 3 Unterstützung begleitet werden.
nicht vorliegen. (2) Für die Berufsausbildungsvorbereitung,
§ 42 m die nicht im Rahmen des Dritten Buches
Sozialgesetzbuch oder anderer ver-
(1) Für behinderte Menschen, für die we- gleichbarer, öffentlich geförderter
gen Art und Schwere ihrer Behinderung Maßnahmen durchgeführt wird, gelten
eine Ausbildung in einem anerkannten die §§ 21 bis 24 entsprechend.
Ausbildungsberuf nicht in Betracht
kommt, trifft die Handwerkskammer auf § 42 p
Antrag der behinderten Menschen oder
ihrer gesetzlichen Vertreter Ausbildungs- (1) Die Vermittlung von Grundlagen für den
regelungen entsprechend den Empfeh- Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit
lungen des Hauptausschusses des Bun- (§ 1 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes)
desinstituts für Berufsbildung. Die Ausbil- kann insbesondere durch inhaltlich und
dungsinhalte sollen unter Berücksichti- zeitlich abgegrenzte Lerneinheiten er-
gung von Lage und Entwicklung des all- folgen, die aus den Inhalten anerkannter
gemeinen Arbeitsmarktes aus den In- Ausbildungsberufe (Gewerbe der Anlage
halten anerkannter Ausbildungsberufe A oder der Anlage B) entwickelt werden
entwickelt werden. Im Antrag nach Satz (Qualifizierungsbausteine).
1 ist eine Ausbildungsmöglichkeit in dem (2) Über vermittelte Grundlagen für den Er-
angestrebten Ausbildungsgang nachzu- werb beruflicher Handlungsfähigkeit
weisen. stellt der Anbieter der Berufsausbildungs-
(2) § 42 l Abs. 2 Satz 1 gilt entsprechend. vorbereitung eine Bescheinigung aus.
Das Nähere regelt das Bundesminis-
§ 42 n terium für Bildung und Forschung im
Für die berufliche Fortbildung und die beruf- Einvernehmen mit dem Bundesministe-
liche Umschulung behinderter Menschen rium für Wirtschaft und Technologie nach
gelten die §§ 42k bis 42m entsprechend, so- Anhörung des Hauptausschusses des
weit Art und Schwere der Behinderung dies Bundesinstituts für Berufsbildung durch
erfordern. Rechtsverordnung, die nicht der Zustim-
mung des Bundesrates bedarf.
§ 42 o
(1) Die Berufsausbildungsvorbereitung § 42 q
richtet sich an lernbeeinträchtigte oder
(1) Die nach Landesrecht zuständige Be-
sozial benachteiligte Personen, deren
hörde hat die Berufsausbildungsvorbe-
Entwicklungsstand eine erfolgreiche
reitung zu untersagen, wenn die Vor-
Ausbildung in einem anerkannten Aus-
aussetzungen des § 42o Abs. 1 nicht
bildungsberuf (Gewerbe der Anlage A
vorliegen.
oder der Anlage B) noch nicht erwarten
lässt. Sie muss nach Inhalt, Art, Ziel und (2) Der Anbieter hat die Durchführung von
Dauer den besonderen Erfordernissen Maßnahmen der Berufsausbildungs-
des in Satz 1 genannten Personenkreises vorbereitung vor Beginn der Maßnahme
122 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

der Handwerkskammer schriftlich anzu- (6) Der Berufsbildungsausschuss wählt aus


zeigen. Die Anzeigepflicht erstreckt sich seiner Mitte einen Vorsitzenden und
auf den wesentlichen Inhalt des Quali- dessen Stellvertreter. Der Vorsitzende
fizierungsvertrages sowie die nach § 88 und sein Stellvertreter sollen nicht der-
Abs. 1 Nr. 5 des Berufsbildungsgesetzes selben Mitgliedergruppe angehören.
erforderlichen Angaben.
§ 44
(3) Die Absätze 1 und 2 sowie § 41a finden
keine Anwendung, soweit die Berufs- (1) Der Berufsbildungsausschuss ist in allen
ausbildungsvorbereitung im Rahmen des wichtigen Angelegenheiten der beruf-
Dritten Buches Sozialgesetzbuch oder lichen Bildung zu unterrichten und zu
anderer vergleichbarer, öffentlich geför- hören. Er hat im Rahmen seiner Aufgaben
derter Maßnahmen durchgeführt wird. auf eine stetige Entwicklung der Qualität
der beruflichen Bildung hinzuwirken.
Achter Abschnitt (2) Wichtige Angelegenheiten, in denen
Berufsbildungsausschuss der Berufsbildungsausschuss anzuhören
§ 43 ist, sind insbesondere:
1. Erlass von Verwaltungsgrundsätzen
(1) Die Handwerkskammer errichtet einen
über die Eignung von Ausbildungs-
Berufsausbildungsausschuss. Ihm gehö-
und Umschulungsstätten, für das
ren sechs Arbeitgeber, sechs
Führen von schriftlichen Ausbildungs-
Arbeitnehmer und sechs Lehrer an
nachweisen, für die Verkürzung der
berufsbildenden Schulen an, die Lehrer
Ausbildungsdauer, für die vorzeitige
mit beratender Stimme.
Zulassung zur Gesellenprüfung, für
(2) Die Vertreter der Arbeitgeber werden die Durchführung der Prüfungen, zur
von der Gruppe der Arbeitgeber, die Durchführung von über- und außer-
Vertreter der Arbeitnehmer von der betrieblicher Ausbildung sowie Ver -
Gruppe der Vertreter der Gesellen und waltungsrichtlinien zur beruflichen
der anderen Arbeitnehmer mit einer Bildung,
abgeschlossenen Berufsausbildung in 2. Umsetzung der vom Landesausschuss
der Vollversammlung gewählt. Die für Berufsbildung (§ 82 des Berufsbil-
Lehrer an berufsbildenden Schulen wer- dungsgesetzes) empfohlenen Maß-
den von der nach Landesrecht zuständi- nahmen,
gen Behörde als Mitglieder berufen. Die 3. wesentliche inhaltliche Änderungen
Amtszeit der Mitglieder beträgt läng- des Ausbildungsvertragsmusters.
stens fünf Jahre.
(3) Wichtige Angelegenheiten, in denen
(3) § 34 Abs. 7 gilt entsprechend.
der Berufsbildungsausschuss zu unter-
(4) Die Mitglieder können nach Anhören richten ist, sind insbesondere:
der an ihrer Berufung Beteiligten aus 1. Zahl und Art der der Handwerks-
wichtigem Grund abberufen werden. kammer angezeigten Maßnahmen
(5) Die Mitglieder haben Stellvertreter, die der Berufsausbildungsvorbereitung
bei Verhinderung der Mitglieder an deren und beruflichen Umschulung sowie
Stelle treten. Die Absätze 1 bis 4 gelten für der eingetragenen Berufsausbil-
die Stellvertreter entsprechend. dungsverhältnisse,
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 123

2. Zahl und Ergebnisse von durchge- (5) Die Vorschläge und Stellungnahmen
führten Prüfungen sowie hierbei ge- des Berufsbildungsausschusses gelten
wonnene Erfahrungen, vorbehaltlich der Vorschrift des Satzes 2
3. Tätigkeit der Berater und Bera- als von der Vollversammlung angenom-
terinnen nach § 41a Abs. 1 Satz 2, men, wenn sie nicht mit einer Mehrheit
4. für den räumlichen und fachlichen von drei Vierteln der Mitglieder der
Zuständigkeitsbereich der Hand- Vollversammlung in ihrer nächsten Sit-
werkskammer neue Formen, Inhalte zung geändert oder abgelehnt werden.
und Methoden der Berufsbildung, Beschlüsse, zu deren Durchführung die
5. Stellungnahmen oder Vorschläge für Berufsbildung im laufenden
der Handwerkskammer gegenüber Haushalt vorgesehenen Mittel nicht
anderen Stellen und Behörden, so- ausreichen oder zu deren Durchfüh-
weit sie sich auf die Durchführung rung in folgenden Haushaltsjahren
dieses Gesetzes oder der auf Grund Mittel bereitgestellt werden müssen,
dieses Gesetzes erlassenen Rechts- die die Ausgaben für Berufsbildung des
vorschriften im Bereich der beruf- laufenden Haushalts nicht unwesent-
lichen Bildung beziehen, lich übersteigen, bedürfen der
6. Bau eigener überbetrieblicher Zustimmung der Vollversammlung.
Berufsbildungsstätten, (6) Abweichend von § 43 Abs. 1 haben die
7. Beschlüsse nach Absatz 5 sowie be- Lehrkräfte Stimmrecht bei Beschlüssen
schlossene Haushaltsansätze zur zu Angelegenheiten der Berufsausbil-
Durchführung der Berufsbildung mit dungsvorbereitung und Berufsausbil-
Ausnahme der Personalkosten, dung, soweit sich die Beschlüsse unmit-
8. Verfahren zur Beilegung von Streitig- telbar auf die Organisation der schuli-
keiten aus Ausbildungsverhältnissen, schen Berufsbildung (§ 2 Abs. 1 Nr. 2 des
9. Arbeitsmarktfragen, soweit sie die Berufsbildungsgesetzes) auswirken.
Berufsbildung im Zuständigkeits-
bereich der Handwerkskammer § 44 a
berühren. (1) Der Berufsbildungsausschuss ist be-
(4) Vor einer Beschlussfassung in der Voll- schlussfähig, wenn mehr als die Hälfte
versammlung über Vorschriften zur seiner stimmberechtigten Mitglieder
Durchführung der Berufsbildung, insbe- anwesend ist. Er beschließt mit der
sondere nach den §§ 41, 42, 42a und 42e Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
bis 42g, ist die Stellungnahme des Be- (2) Zur Wirksamkeit eines Beschlusses ist es
rufsbildungsausschusses einzuholen. erforderlich, dass der Gegenstand bei
Der Berufsbildungsausschuss kann der der Einberufung des Ausschusses be-
Vollversammlung auch von sich aus zeichnet ist, es sei denn, dass er mit Zu-
Vorschläge für Vorschriften zur Durch- stimmung von zwei Dritteln der stimm-
führung der Berufsbildung vorlegen. berechtigten Mitglieder nachträglich auf
Die Stellungnahmen und Vorschläge die Tagesordnung gesetzt wird.
des Berufsbildungsausschusses sind zu
begründen.
124 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

§ 44 b werks meisterhaft verrichten kann


Der Berufsbildungsausschuss gibt sich eine (Teil I), die erforderlichen fachtheore-
Geschäftsordnung. Sie kann die Bildung von tischen Kenntnisse (Teil II), die erforder-
Unterausschüssen vorsehen und bestimmen, lichen betriebswirtschaftlichen, kauf-
dass ihnen nicht nur Mitglieder des Ausschus- männischen und rechtlichen Kenntnisse
ses angehören. Für die Unterausschüsse gel- (Teil III) sowie die erforderlichen berufs-
ten § 43 Abs. 2 bis 6 und § 44a entsprechend. und arbeitspädagogischen Kenntnisse
(Teil IV) besitzt.
Dritter Teil (4) Bei der Prüfung in Teil I können in der
Meisterprüfung, Meistertitel Rechtsverordnung Schwerpunkte gebil-
Erster Abschnitt det werden. In dem schwerpunktspezifi-
Meisterprüfung in einem schen Bereich hat der Prüfling nachzu-
zulassungspflichtigen Handwerk weisen, dass er wesentliche Tätigkeiten in
dem von ihm gewählten Schwerpunkt
§ 45 meisterhaft verrichten kann. Für den
(1) Als Grundlage für ein geordnetes und schwerpunktübergreifenden Bereich
einheitliches Meisterprüfungswesen für sind die Grundfertigkeiten und Grund-
zulassungspflichtige Handwerke kann kenntnisse nachzuweisen, die die fach-
das Bundesministerium für Wirtschaft gerechte Ausübung auch dieser Tätig-
und Technologie im Einvernehmen mit keiten ermöglichen.
dem Bundesministerium für Bildung § 46
und Forschung durch Rechtsverord-
(1) Der Prüfling ist von der Ablegung ein-
nung, die nicht der Zustimmung des
zelner Teile der Meisterprüfung befreit,
Bundesrates bedarf, bestimmen,
wenn er eine dem jeweiligen Teil der
1. welche Fertigkeiten und Kenntnisse
Meisterprüfung vergleichbare Prüfung
in den einzelnen zulassungspflichti-
auf Grund einer nach § 42 oder § 51a
gen Handwerken zum Zwecke der
Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 dieses
Meisterprüfung zu berücksichtigen
Gesetzes oder § 53 des Berufsbildungs-
(Meisterprüfungsberufsbild A)
gesetzes erlassenen Rechtsverordnung
2. welche Anforderungen in der
oder eine andere vergleichbare Prüfung
Meisterprüfung zu stellen sind und
vor einer öffentlichen oder staatlich
3. welche handwerksspezifischen
anerkannten Bildungseinrichtung oder
Verfahrensregelungen in der
vor einem staatlichen Prüfungsaus-
Meisterprüfung gelten.
schuss erfolgreich abgelegt hat. Er ist
(2) Durch die Meisterprüfung ist festzu- von der Ablegung der Teile III und IV
stellen, ob der Prüfling befähigt ist, ein befreit, wenn er die Meisterprüfung in
zulassungspflichtiges Handwerk meis- einem anderen zulassungspflichtigen
terhaft auszuüben und selbständig zu oder zulassungsfreien Handwerk oder
führen sowie Lehrlinge ordnungsge- in einem handwerksähnlichen Gewerbe
mäß auszubilden. bestanden hat.
(3) Der Prüfling hat in vier selbständigen (2) Prüflinge, die andere deutsche staatliche
Prüfungsteilen nachzuweisen, dass er oder staatlich anerkannte Prüfungen mit
wesentliche Tätigkeiten seines Hand- Erfolg abgelegt haben, sind auf Antrag
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 125

durch den Meisterprüfungsausschuss mens der beteiligten obersten Landesbe-


von einzelnen Teilen der Meisterprüfung hörden. Die Landesregierungen werden
zu befreien, wenn bei diesen Prüfungen ermächtigt, durch Rechtsverordnung zu
mindestens die gleichen Anforderungen bestimmen, dass abweichend von Satz 3
gestellt werden wie in der Meisterprü- an Stelle der obersten Landesbehörde die
fung. Der Abschlussprüfung an einer höhere Verwaltungsbehörde zuständig
deutschen Hochschule gleichgestellt ist. Sie können diese Ermächtigung auf
sind Diplome nach § 7 Abs. 2 Satz 4 . oberste Landesbehörden übertragen.
(3) Der Prüfling ist auf Antrag von der Able- (2) Die höhere Verwaltungsbehörde er-
gung der Prüfung in gleichartigen Prü- richtet die Meisterprüfungsausschüsse
fungsbereichen, Prüfungsfächern oder nach Anhörung der Handwerkskammer
Handlungsfeldern durch den Meister- und ernennt auf Grund ihrer Vorschläge
prüfungsausschuss zu befreien, wenn er die Mitglieder und die Stellvertreter für
die Meisterprüfung in einem anderen längstens fünf Jahre. Die Geschäftsfüh-
zulassungspflichtigen oder zulassungs- rung der Meisterprüfungsausschüsse
freien Handwerk oder handwerksähn- liegt bei der Handwerkskammer.
lichen Gewerbe bestanden hat oder eine
andere vergleichbare Prüfung vor einer § 48
öffentlichen oder staatlich anerkannten (1) Der Meisterprüfungsausschuss besteht
Bildungseinrichtung oder vor einem aus fünf Mitgliedern; für die Mitglieder
staatlichen Prüfungsausschuss erfolg- sind Stellvertreter zu berufen. Die Mit-
reich abgelegt hat. glieder und die Stellvertreter sollen das
(4) Der Meisterprüfungsausschuss entschei- 24. Lebensjahr vollendet haben.
det auf Antrag des Prüflings auch über (2) Der Vorsitzende braucht nicht in einem
Befreiungen auf Grund ausländischer zulassungspflichtigen Handwerk tätig
Bildungsabschlüsse. zu sein; er soll dem zulassungspflichti-
§ 47 gen Handwerk, für welches der Meister-
prüfungsausschuss errichtet ist, nicht
(1) Die Meisterprüfung wird durch Meister-
angehören.
prüfungsausschüsse abgenommen. Für
die Handwerke werden Meisterprüfungs- (3) Zwei Beisitzer müssen das Handwerk,
ausschüsse als staatliche Prüfungsbehör- für das der Meisterprüfungsausschuss
den am Sitz der Handwerkskammer für errichtet ist, mindestens seit einem Jahr
ihren Bezirk errichtet. Die oberste Lan- selbständig als stehendes Gewerbe be-
desbehörde kann in besonderen Fällen treiben und in diesem Handwerk die
die Erricht ung eines Meisterprüfungs- Meisterprüfung abgelegt haben oder
ausschusses für mehrere Handwerks- das Recht zum Ausbilden von Lehrlin-
kammerbezirke anordnen und hiermit gen besitzen oder in dem zulassungs-
die für den Sitz des Meisterprüfungsaus- pflichtigen Handwerk als Betriebsleiter,
schusses zuständige höhere Verwaltungs- die in ihrer Person die Voraussetzungen
behörde beauftragen. Soll der Meister- zur Eintragung in die Handwerksrolle
prüfungsausschuss für Handwerkskam- erfüllen, tätig sein.
merbezirke mehrerer Länder zuständig (4) Ein Beisitzer soll ein Geselle sein, der in
sein, so bedarf es hierfür des Einverneh- dem zulassungspflichtigen Handwerk,
126 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

für das der Meisterprüfungsausschuss dürfen nicht mehr als drei Jahre gefor-
errichtet ist, die Meisterprüfung abge- dert werden. Ferner ist der erfolgreiche
legt hat oder das Recht zum Ausbilden Abschluss einer Fachschule bei ein-
von Lehrlingen besitzt und in dem jährigen Fachschulen mit einem Jahr,
betreffenden zulassungspflichtigen bei mehrjährigen Fachschulen mit zwei
Handwerk tätig ist. Jahren auf die Berufstätigkeit an-
(5) Für die Abnahme der Prüfung in der wirt- zurechnen.
schaftlichen Betriebsführung sowie in den (3) Ist der Prüfling in dem zulassungspflich-
kaufmännischen, rechtlichen und berufs- tigen Handwerk, in dem er die Meister-
erzieherischen Kenntnissen soll ein Bei- prüfung ablegen will, selbständig, als
sitzer bestellt werden, der in diesen Prü- Werkmeister oder in ähnlicher Stellung
fungsgebieten besonders sachkundig ist tätig gewesen, oder weist er eine der
und dem Handwerk nicht anzugehören Gesellentätigkeit gleichwertige prakti-
braucht. sche Tätigkeit nach, so ist die Zeit dieser
(6) § 34 Abs. 6 Satz 1 und Abs. 7 gelten ent- Tätigkeit anzurechnen.
sprechend. (4) Die Handwerkskammer kann auf Antrag
1. eine auf drei Jahre festgesetzte Dauer
§ 49
der Berufstätigkeit unter besonderer
(1) Zur Meisterprüfung ist zuzulassen, wer Berücksichtigung der in der Gesellen-
eine Gesellenprüfung in dem zulas- oder Abschlussprüfung und während der
sungspflichtigen Handwerk, in dem er Zeit der Berufstätigkeit nachgewiesenen
die Meisterprüfung ablegen will, oder in beruflichen Befähigung abkürzen,
einem damit verwandten zulassungs- 2. in Ausnahmefällen von den Voraus-
pflichtigen Handwerk oder eine ent- setzungen der Absätze 1 bis 4 ganz
sprechende Abschlussprüfung in einem oder teilweise befreien,
anerkannten Ausbildungsberuf oder 3. unter Berücksichtigung ausländi-
eine Prüfung auf Grund einer nach § 45 scher Bildungsabschlüsse und Zeiten
oder § 51a Abs. 1 in Verbindung mit der Berufstätigkeit im Ausland von
Abs. 2 erlassenen Rechtsverordnung den Voraussetzungen der Absätze 1
bestanden hat oder eine Gleichwertig- bis 4 ganz oder teilweise befreien.
keitsfeststellung nach § 40a für das ent- Die Handwerkskammer kann eine Stel-
sprechende zulassungspflichtige Hand- lungnahme des Meisterprüfungsaus-
werk oder für ein verwandtes zulas- schusses einholen.
sungspflichtiges Handwerk besitzt.
(5) Die Zulassung wird vom Vorsitzenden des
(2) Zur Meisterprüfung ist auch zuzulas- Meisterprüfungsausschusses ausgespro-
sen, wer eine andere Gesellenprüfung chen. Hält der Vorsitzende die Zulassungs-
oder eine andere Abschlussprüfung in voraussetzungen nicht für gegeben, so
einem anerkannten Ausbildungsberuf entscheidet der Prüfungsausschuss.
bestanden hat und in dem zulassungs-
pflichtigen Handwerk, in dem er die § 50
Meisterprüfung ablegen will, eine (1) Die durch die Abnahme der Meister-
mehrjährige Berufstätigkeit ausgeübt prüfung entstehenden Kosten trägt
hat. Für die Zeit der Berufstätigkeit die Handwerkskammer. Das Zulas-
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 127

sungsverfahren sowie das allgemeine sonstiger Befähigungsnachweise der


Prüfungsverfahren werden durch Meisterprüfung in dem zu betreiben-
eine von der Handwerkskammer mit den zulassungspflichtigen Handwerk
Genehmigung der obersten Landes- gleichwertig ist.
behörde zu erlassende Meister- Ausbildungsnachweise sind Prüfungszeug-
prüfungsordnung geregelt. nisse und sonstige Befähigungsnachweise,
(2) Das Bundesministerium für Wirtschaft die von verantwortlichen Stellen für den
und Technologie wird ermächtigt, Abschluss einer erfolgreich absolvierten
durch Rechtsverordnung mit Zustim- Berufsbildung ausgestellt werden.
mung des Bundesrates Vorschriften (2) Ein Ausbildungsnachweis – soweit er-
über das Zulassungsverfahren sowie das forderlich – unter Berücksichtigung
allgemeine Prüfungsverfahren nach sonstiger Befähigungsnachweise ist
Absatz 1 Satz 2 zu erlassen. Die Rechts- als gleichwertig anzusehen, sofern
verordnung kann insbesondere die 1. der im Ausland erworbene Ausbil-
Zulassung zur Prüfung, das Bewertungs- dungsnachweis, bezogen auf die
system, die Erteilung der Prüfungszeug- Meisterprüfung, in dem zu betreiben-
nisse, die Folgen von Verstößen gegen den zulassungspflichtigen Handwerk
die Prüfungsvorschriften und die die Befähigung zu vergleichbaren
Wiederholungsprüfung regeln. Beruflichen Tätigkeiten belegt,
§ 50 a 2. die Antragstellerin oder der
Antragsteller im Ausbildungsstaat
Das Bundesministerium für Wirtschaft und zur Ausübung des zu betreibenden
Technologie kann im Einvernehmen mit dem zulassungspflichtigen Handwerks
Bundesministerium für Bildung und For- berechtigt ist oder die Berechtigung
schung durch Rechtsverordnung mit Zu- zur Ausübung des zu betreibenden
stimmung des Bundesrates im Ausland Handwerks aus Gründen verwehrt
er worbene Prüfungszeugnisse den entspre- wurde, die der Ausübung im Inland
chenden Zeugnissen über das Bestehen nicht entgegenstehen, und
einer deutschen Meisterprüfung in zulas- 3. zwischen der nachgewiesenen Be-
sungspflichtigen Handwerken gleichstellen, fähigung und der Meisterprüfung
wenn an den Bildungsgang und in den Prü- in dem zu betreibenden zulassungs-
fungen gleichwertige Anforderungen ge- pflichtigen Handwerk keine wesent-
stellt werden. Die Vorschriften des Bundes- lichen Unterschiede bestehen.
vertriebenengesetzes bleiben unberührt.
(3) Wesentliche Unterschiede zwischen der
nachgewiesenen Befähigung und der
§ 50b
entsprechenden Meisterprüfung liegen
(1) Die Gleichwertigkeit ist festzustellen, vor, sofern
1. wenn die Antragstellerin oder der 1. sich der im Ausland erworbene
Antragsteller einen Ausbildungs- Ausbildungsnachweis auf Fertigkeiten
nachweis besitzt, der im Ausland und Kenntnisse bezieht, die sich
erworben wurde, und wesentlich von den Fertigkeiten und
2. dieser Ausbildungsnachweis – soweit Kenntnissen der entsprechenden
erforderlich – unter Berücksichtigung Meisterprüfung unterscheiden; dabei
128 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

sind Inhalt und Dauer der Ausbildung (6) § 8 Absatz 2 und 3 Satz 2 und 3 gilt
zu berücksichtigen, entsprechend. Im Übrigen sind die
2. die entsprechenden Fertigkeiten und Vorschriften des Berufsqualifikations-
Kenntnisse maßgeblich für die Aus- feststellungsgesetzes über reglemen-
übung zumindest einer wesentlichen tierte Berufe sowie § 17 anzuwenden.
Tätigkeit des zulassungspflichtigen
Handwerks sind und § 51
3. die Antragstellerin oder der Antrag-
Die Ausbildungsbezeichnung Meister/Meis-
steller diese Unterschiede nicht durch
terin in Verbindung mit einem zulassungs-
sonstige Befähigungsnachweise oder
pflichtigen Handwerk oder in Verbindung
nachgewiesene einschlägige
mit einer anderen Ausbildungsbezeichnung,
Berufserfahrung ausgeglichen hat.
die auf eine Tätigkeit in einem oder mehre-
(4) Kann die Antragstellerin oder der ren zulassungspflichtigen Handwerken
Antragsteller die für die Feststellung der hinweist, darf nur führen, wer für dieses
Gleichwertigkeit erforderlichen Nach- zulassungspflichtige Handwerk oder für
weise nicht oder nur teilweise vorlegen, diese zulassungspflichtigen Handwerke
bestehen Zweifel an der Echtheit oder die Meisterprüfung bestanden hat.
Richtigkeit der Nachweise oder sind
diese inhaltlich nicht ausreichend, kann Zweiter Abschnitt
die Handwerkskammer, insbesondere in Meisterprüfung in einem zulassungs-
Fällen, in denen bei der Gleichwertig- freien Handwerk oder in einem
keitsfeststellung Berufserfahrung heran- handwerksähnlichen Gewerbe
gezogen wird, die für einen Vergleich
mit der Meisterprüfung in dem zu be- § 51a
treibenden zulassungspflichtigen Hand- (1) Für zulassungsfreie Handwerke oder
werk relevanten beruflichen Fertig- handwerksähnliche Gewerbe, für die
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der eine Ausbildungsordnung nach § 25 die-
Antragstellerin oder des Antragstellers ses Gesetzes oder nach § 4 des Berufs-
im Rahmen geeigneter Verfahren fest- bildungsgesetzes erlassen worden ist,
stellen. Geeignete Verfahren sind insbe- kann eine Meisterprüfung abgelegt
sondere Arbeitsproben, Fachgespräche werden.
sowie praktische und theoretische (2) Als Grundlage für ein geordnetes und ein-
Prüfungen. heitliches Meisterprüfungswesen für
(5) Sofern die Gleichwertigkeit wegen Handwerke oder Gewerbe im Sinne des
wesentlicher Unterschiede zu der Absatzes 1 kann das Bundesministerium
entsprechenden Meisterprüfung nicht für Wirtschaft und Technologie im Ein-
festgestellt werden kann, kann die vernehmen mit dem Bundesministerium
Handwerkskammer zur Feststellung für Bildung und Forschung durch Rechts-
der Gleichwertigkeit die Teilnahme verordnung, die nicht der Zustimmung
an einem Anpassungslehrgang, der des Bundesrates bedarf, bestimmen,
Gegenstand einer Bewertung ist, oder 1. welche Fertigkeiten und Kenntnisse
das Ablegen einer Eignungsprüfung in den einzelnen zulassungsfreien
verlangen. Handwerken oder handwerksähn-
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 129

lichen Gewerben zum Zwecke der (6) Für Befreiungen gilt § 46 entsprechend.
Meisterprüfung zu berücksichtigen (7) Das Bundesministerium für Wirtschaft
sind (Meisterprüfungsberufsbild B), und Technologie kann durch Rechtsver-
2. welche Anforderungen in der ordnung mit Zustimmung des Bundes-
Meisterprüfung zu stellen sind und rates Vorschriften über das Zulassungs-
3. welche handwerks- und gewerbespe- verfahren sowie das allgemeine Prü-
zifischen Verfahrensregelungen in fungsverfahren erlassen. Die Rechtsver-
der Meisterprüfung gelten. ordnung kann insbesondere die Zulas-
(3) Durch die Meisterprüfung ist festzu- sung zur Prüfung, das Bewertungs-
stellen, ob der Prüfling eine besondere system, die Erteilung der Prüfungszeug-
Befähigung in einem zulassungsfreien nisse, die Folgen von Verstößen gegen
Handwerk oder in einem handwerks- die Prüfungsvorschriften und die
ähnlichen Gewerbe er worben hat und Wiederholungsprüfung regeln.
Lehrlinge ordnungsgemäß ausbilden
kann. Zu diesem Zweck hat der Prüfling § 51 b
in vier selbständigen Prüfungsteilen (1) Die Handwerkskammer errichtet an
nachzuweisen, dass er Tätigkeiten sei- ihrem Sitz für ihren Bezirk Meisterprü-
nes zulassungsfreien Handwerks oder fungsausschüsse. Mehrere Handwerks-
seines handwerksähnlichen Gewerbes kammern können bei einer von ihnen
meisterhaft verrichten kann (Teil I), be- gemeinsame Meisterprüfungsaus-
sondere fachtheoretische Kenntnisse schüsse errichten.
(Teil II), besondere betriebswirtschaft- (2) Der Meisterprüfungsausschuss besteht
liche, kaufmännische und rechtliche aus fünf Mitgliedern; für die Mitglieder
Kenntnisse (Teil III) sowie die erforder- sind Stellvertreter zu berufen. Sie wer-
lichen berufs- und arbeitspädago- den für längstens fünf Jahre ernannt.
gischen Kenntnisse (Teil IV) besitzt. (3) Der Vorsitzende braucht nicht in einem
(4) Zum Nachweis der Fertigkeiten und zulassungsfreien Handwerk oder einem
Kenntnisse führt die Handwerkskammer handwerksähnlichen Gewerbe tätig zu
Prüfungen durch und errichtet zu die- sein; er soll dem zulassungsfreien Hand-
sem Zweck Prüfungsausschüsse. Die werk oder dem handwerksähnlichen Ge-
durch die Abnahme der Meisterprüfung werbe, für welches der Meisterprüfungs-
entstehenden Kosten trägt die Hand- ausschuss errichtet ist, nicht angehören.
werkskammer. (4) Zwei Beisitzer müssen das zulassungs-
(5) Zur Prüfung ist zuzulassen, wer eine freie Handwerk oder das handwerks-
Gesellenprüfung oder eine Abschlussprü- ähnliche Gewerbe, für das der Meister-
fung in einem anerkannten Ausbildungs- prüfungsausschuss errichtet ist, min-
beruf bestanden hat oder eine Gleich- destens seit einem Jahr selbständig als
wertigkeitsfeststellung nach § 40a besitzt. stehendes Gewerbe betreiben und in
Die Handwerkskammer kann auf Antrag diesem zulassungsfreien Handwerk
in Ausnahmefällen von der Zulassungs- oder in diesem handwerksähnlichen
voraussetzung befreien. Für die Ablegung Gewerbe die Meisterprüfung abgelegt
des Teils III der Meisterprüfung entfällt haben oder das Recht zum Ausbilden
die Zulassungsvoraussetzung. von Lehrlingen besitzen.
130 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

(5) Ein Beisitzer soll ein Geselle sein, der im § 51 e


zulassungsfreien Handwerk oder in dem Im Fall der Gleichwertigkeit eines im Ausland
handwerksähnlichen Gewerbe, für das erworbenen Ausbildungsnachweises mit der
der Meisterprüfungsausschuss errichtet Meisterprüfung ist die Gleichwertigkeit fest-
ist, die Meisterprüfung abgelegt hat zustellen. § 50b gilt entsprechend.
oder das Recht zum Ausbilden von Lehr-
lingen besitzt und in dem betreffenden
zulassungsfreien Handwerk oder hand-
werksähnlichen Gewerbe tätig ist. Vierter Teil
(6) Für die Abnahme der Prüfung der be- Organisation des Handwerks
triebswirtschaftlichen, kaufmännischen
und rechtlichen Kenntnisse sowie der §§ 52 bis 89
berufs- und arbeitspädagogischen – nicht abgedruckt –
Kenntnisse soll ein Beisitzer bestellt
werden, der in diesen Prüfungsgebieten Vierter Abschnitt
besonders sachkundig ist und einem Handwerkskammern
zulassungsfreien Handwerk oder einem
handwerksähnlichen Gewerbe nicht § 90
anzugehören braucht. (2) Zur Vertretung der Interessen des Hand-
(7) § 34 Abs. 6 Satz 1 und Abs. 7 gilt entspre- werks werden Handwerkskammern er-
chend. richtet; sie sind Körperschaften des
öffentlichen Rechts.
§ 51 c
Das Bundesministerium für Wirtschaft und (2) Zur Handwerkskammer gehören die
Technologie kann im Einvernehmen mit dem Inhaber eines Betriebs eines Hand-
Bundesministerium für Bildung und For- werks und eines handwerksähnlichen
schung durch Rechtsverordnung mit Zustim- Gewerbes des Handwerkskammer-
mung des Bundesrates im Ausland erworbe- bezirks sowie die Gesellen, andere
ne Prüfungszeugnisse den entsprechenden Arbeitnehmer mit einer abgeschlosse-
Zeugnissen über das Bestehen einer deut- nen Berufsausbildung und die Lehr-
schen Meisterprüfung in einem zulassungs- linge dieser Gewerbetreibenden.
freien Handwerk oder handwerksähnlichen (3) Zur Handwerkskammer gehören auch
Gewerbe gleichstellen, wenn an den Bil- Personen, die im Kammerbezirk selb-
dungsgang und in den Prüfungen gleich- ständig eine gewerbliche Tätigkeit nach
wertige Anforderungen gestellt werden. § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 ausüben, wenn
Die Vorschriften des Bundesvertriebenen-
1. sie die Gesellenprüfung in einem
gesetzes bleiben unberührt.
zulassungspflichtigen Handwerk
§ 51 d erfolgreich abgelegt haben,
Die Ausbildungsbezeichnung Meister/Meis- 2. die betreffende Tätigkeit Bestandteil
terin in Verbindung mit einem zulassungs- der Erstausbildung in diesem zulas-
freien Handwerk oder handwerksähnlichen sungspflichtigen Handwerk war und
Gewerbe darf nur führen, wer die Prüfung 3. die Tätigkeit den überwiegenden
nach § 51a Abs. 3 in diesem Handwerk oder Teil der gewerblichen Tätigkeit aus-
Gewerbe bestanden hat. macht.
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 131

Satz 1 gilt entsprechend auch für Perso- 1. die Interessen des Handwerks zu
nen, die ausbildungsvorbereitende fördern und für einen gerechten
Maßnahmen erfolgreich absolviert Ausgleich der Interessen der einzel-
haben, wenn diese Maßnahmen über- nen Handwerke und ihrer Organisa-
wiegend Ausbildungsinhalte in Ausbil- tionen zu sorgen,
dungsordnungen vermitteln, die nach 2. die Behörden in der Förderung des
§ 25 erlassen worden sind und insgesamt Handwerks durch Anregungen,
einer abgeschlossenen Gesellenaus- Vorschläge und durch Erstattung
bildung im Wesentlichen entsprechen. von Gutachten zu unterstützen und
regelmäßig Berichte über die
(4) Absatz 3 findet nur unter der Vorausset-
Verhältnisse des Handwerks zu
zung Anwendung, dass die Tätigkeit in
erstatten,
einer dem Handwerk entsprechenden
3. die Handwerksrolle (§ 6) zu führen,
Betriebsform erbracht wird. Satz 1 und
4. die Berufsausbildung zu regeln
Absatz 3 gelten nur für Gewerbetrei-
(§ 41), Vorschriften hierfür zu erlas-
bende, die erstmalig nach dem 30. De-
sen, ihre Durchführung zu über-
zember 2003 eine gewerbliche Tätig-
wachen (§ 41a) sowie eine Lehrlings-
keit anmelden. Die Handwerkskammer
rolle (§ 28 Satz 1) zu führen,
hat ein Verzeichnis zu führen, in wel-
ches die Personen nach § 90 Abs. 3 und 4a. Vorschriften für Prüfungen im Rah-
4 ihres Bezirks nach Maßgabe der An- men einer beruflichen Fortbildung
lage D Abschnitt IV zu diesem Gesetz oder Umschulung zu erlassen und
mit dem von ihnen betriebenen Gewer- Prüfungsausschüsse hierfür zu er-
be einzutragen sind (Verzeichnis der richten,
Personen nach § 90 Abs. 3 und 4 der 5. Gesellenprüfungsordnungen für die
Handwerksordnung). einzelnen Handwerke zu erlassen
(§ 38), Prüfungsausschüsse für die
(5) Die Landesregierungen werden ermäch- Abnahme der Gesellenprüfungen zu
tigt, durch Rechtsverordnung Handwerks- errichten oder Handwerksinnungen
kammern zu errichten und die Bezirke zu der Errichtung von Gesellenprü-
der Handwerkskammern zu bestimmen; fungsausschüssen zu ermächtigen
die Bezirke sollen sich in der Regel mit (§ 37) und die ordnungsmäßige
denen der höheren Verwaltungsbehörde Durchführung der Gesellenprüfun-
decken. Wird der Bezirk einer Handwerk- gen zu überwachen,
skammer nach Satz 1 geändert, muss eine 6. Meisterprüfungsordnungen für die
Vermögensauseinandersetzung erfolgen, einzelnen Handwerke zu erlassen
welche der Genehmigung durch die (§ 50) und die Geschäfte des Meis-
oberste Landesbehörde bedarf. Können terprüfungsausschusses (§ 47 Abs. 2)
sich die beteiligten Handwerkskammern zu führen,
hierüber nicht einigen, so entscheidet 6a. die Gleichwertigkeit festzustellen
die oberste Landesbehörde. (§§ 40a, 50b, 51e),
§ 91 7. die technische und betriebswirt-
schaftliche Fortbildung der Meister
(1) Aufgabe der Handwerkskammer ist ins-
und Gesellen zur Erhaltung und
besondere,
Steigerung der Leistungsfähigkeit
132 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

des Handwerks in Zusammenarbeit nicht Kammerzugehörige tätig wird.


mit den Innungsverbänden zu för- Das Gesetz regelt auch die Aufsicht.
dern, die erforderlichen Einrich- (2) Die Handwerkskammer kann gemein-
tungen hierfür zu schaffen oder zu sam mit der Industrie- und Handels-
unterstützen und zu diesem Zweck kammer Prüfungsausschüsse errichten.
eine Gewerbeförderungsstelle zu
unterhalten, (2a) Die Länder können durch Gesetz der
Handwerkskammer ermöglichen, sich
8. Sachverständige zur Erstattung von
an einer Einrichtung zu betätigen, die
Gutachten über Waren, Leistungen
Aufgaben einer einheitlichen Stelle im
und Preise von Handwerkern zu be-
Sinne des Verwaltungsverfahrensge-
stellen und zu vereidigen,
setzes erfüllt.
9. die wirtschaftlichen Interessen des
Handwerks und die ihnen dienenden (3) Die Handwerkskammer soll in allen
Einrichtungen, insbesondere das wichtigen das Handwerk und das hand-
Genossenschaftswesen zu fördern, werksähnliche Gewerbe berührenden
10. die Formgestaltung im Handwerk Angelegenheiten gehört werden.
zu fördern, (4) Absatz 1 Nr. 1, 2 und 7 bis 13 findet auf
11. Vermittlungsstellen zur Beilegung handwerksähnliche Gewerbe entspre-
von Streitigkeiten zwischen Inha- chende Anwendung.
bern eines Betriebs eines Hand-
werks und ihren Auftraggebern ein- § 92
zurichten, Die Organe der Handwerkskammer sind
12. Ursprungszeugnisse über in Hand- 1. die Mitgliederversammlung (Vollver-
werksbetrieben gefertigte Erzeug- sammlung),
nisse und andere dem Wirtschafts- 2. der Vorstand,
verkehr dienende Bescheinigungen 3. die Ausschüsse.
auszustellen, soweit nicht Rechts-
§ 93
vorschriften diese Aufgaben an-
(1) Die Vollversammlung besteht aus ge-
deren Stellen zuweisen,
wählten Mitgliedern. Ein Drittel der
13. die Maßnahmen zur Unterstützung
Mitglieder müssen Gesellen oder ande-
Not leidender Handwerker sowie
re Arbeitnehmer mit einer abgeschlos-
Gesellen und anderer Arbeitnehmer
senen Berufsausbildung sein, die in dem
mit einer abgeschlossenen Berufs-
Betrieb eines Gewerbes der Anlage A
ausbildung zu treffen oder zu
oder Betrieb eines Gewerbes der An-
unterstützen.
lage B beschäftigt sind.
(1a) Die Länder können durch Gesetz der (2) Durch die Satzung ist die Zahl der Mit-
Handwerkskammer die Aufgaben einer glieder der Vollversammlung und ihre
einheitlichen Stelle im Sinne des Ver- Aufteilung auf die einzelnen in den An-
waltungsverfahrensgesetzes übertra- lagen A und B zu diesem Gesetz aufge-
gen. Das Gesetz regelt, welche Aufga- führten Gewerbe zu bestimmen. Die
benbereiche von der Zuweisung erfasst Satzung kann bestimmen, dass die Auf-
sind. Dabei kann das Gesetz vorsehen, teilung der Zahl der Mitglieder der Voll-
dass die Handwerkskammer auch für versammlung auch die Personen nach
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 133

§ 90 Abs. 3 und 4 zu berücksichtigen § 96


hat. Bei der Aufteilung sollen die wirt- (1) Berechtigt zur Wahl der Vertreter des
schaftlichen Besonderheiten und die Handwerks und des handwerksähn-
wirtschaftliche Bedeutung der einzel- lichen Gewerbes sind die in der Hand-
nen Gewerbe berücksichtigt werden. werksrolle (§ 6) oder im Verzeichnis
(3) Für jedes Mitglied sind mindestens ein, nach § 19 eingetragenen natürlichen
aber höchstens zwei Stellvertreter zu und juristischen Personen und Personen-
wählen, die im Verhinderungsfall oder gesellschaften sowie die in das Ver-
im Falle des Ausscheidens der Mitglieder zeichnis nach § 90 Abs. 4 Satz 2 einge-
einzutreten haben. tragenen natürlichen Personen. Die
(4) Die Vollversammlung kann sich nach nach § 90 Abs. 4 Satz 2 eingetragenen
näherer Bestimmung der Satzung bis zu Personen sind zur Wahl der Vertreter
einem Fünftel der Mitgliederzahl durch der Personen nach § 90 Abs. 3 und 4
Zuwahl von sachverständigen Personen berechtigt, sofern die Satzung dies nach
unter Wahrung der in Absatz 1 festge- § 93 bestimmt. Das Wahlrecht kann nur
legten Verhältniszahl ergänzen; diese von volljährigen Personen ausgeübt
haben gleiche Rechte und Pflichten wie werden. Juristische Personen und Per-
die gewählten Mitglieder der Vollver- sonengesellschaften haben jeweils nur
sammlung. Die Zuwahl der sachverstän- eine Stimme.
digen Personen, die auf das Drittel der (2) Nicht wahlberechtigt sind Personen, die
Gesellen und anderer Arbeitnehmer mit infolge strafgerichtlicher Verurteilung das
einer abgeschlossenen Berufsausbil- Recht, in öffentlichen Angelegenheiten zu
dung anzurechnen sind, erfolgt auf wählen oder zu stimmen, nicht besitzen.
Vorschlag der Mehrheit dieser Gruppe. (3) An der Ausübung des Wahlrechts ist
behindert,
§ 94 1. wer wegen Geisteskrankheit oder Geis-
Die Mitglieder der Vollversammlung sind tesschwäche in einem psychiatrischen
Vertreter des gesamten Handwerks und des Krankenhaus untergebracht ist,
handwerksähnlichen Gewerbes und als solche 2. wer sich in Straf- oder Untersuchungs-
an Aufträge und Weisungen nicht gebunden. haft befindet,
§ 66 Abs. 4, § 69 Abs. 4 und § 73 Abs. 1 gelten 3. wer infolge gerichtlicher oder poli-
entsprechend. zeilicher Anordnung in Verwahrung
§ 95 gehalten wird.
(1) Die Mitglieder der Vollversammlung § 97
und ihre Stellvertreter werden durch (1) Wählbar als Vertreter der zulassungs-
Listen in allgemeiner, freier, gleicher pflichtigen Handwerke sind
und geheimer Wahl gewählt. Die 1. die wahlberechtigten natürlichen
Wahlen zur Vollversammlung werden Personen, sofern sie
im Briefwahlverfahren durchgeführt. a) im Bezirk der Handwerkskammer seit
(2) Das Wahlverfahren regelt sich nach der mindestens einem Jahr ohne Unter-
diesem Gesetz als Anlage C beigefüg- brechung ein Handwerk selbständig
ten Wahlordnung. betreiben,
134 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

b) die Befugnis zum Ausbilden von § 98


Lehrlingen besitzen, (1) Berechtigt zur Wahl der Vertreter der
c) am Wahltag volljährig sind Arbeitnehmer in der Handwerkskammer
2. die gesetzlichen Vertreter der wahl- sind die Gesellen und die weiteren
berechtigten juristischen Personen Arbeitnehmer mit abgeschlossener Be-
und die vertretungsberechtigten rufsausbildung, sofern sie am Tag der
Gesellschafter der wahlberechtigten Wahl volljährig sind und in einem Betrieb
Personengesellschaften, sofern eines Handwerks oder eines handwerks-
a) die von ihnen vertretene juristische ähnlichen Gewerbes beschäftigt sind.
Person oder Personengesellschaft § 96 Abs. 2 und 3 findet Anwendung.
im Bezirk der Handwerkskammer (2) Kurzzeitig bestehende Arbeitslosigkeit
seit mindestens einem Jahr ein lässt das Wahlrecht unberührt, wenn
Handwerk selbständig betreibt und diese zum Zeitpunkt der Wahl nicht län-
b) sie im Bezirk der Handwerkskam- ger als drei Monate besteht.
mer seit mindestens einem Jahr
ohne Unterbrechung gesetzliche § 99
Vertreter oder vertretungsberech- Wählbar zum Vertreter der Arbeitnehmer in
tigte Gesellschafter einer in der der Vollversammlung sind die wahlberech-
Handwerksrolle eingetragenen tigten Arbeitnehmer im Sinne des § 90 Abs.
juristischen Person oder Personen- 2, sofern sie
gesellschaft sind, am Wahltag voll- 1. am Wahltag volljährig sind,
jährig sind. 2. eine Gesellenprüfung oder eine andere
Nicht wählbar ist, wer infolge Richter- Abschlussprüfung abgelegt haben oder,
spruchs die Fähigkeit zur Bekleidung wenn sie in einem Betrieb eines hand-
öffentlicher Ämter oder infolge strafge- werksähnlichen Gewerbes beschäftigt
richtlicher Verurteilung die Fähigkeit, sind, nicht nur vorübergehend mit
Rechte aus öffentlichen Wahlen zu er- Arbeiten betraut sind, die gewöhnlich
langen, nicht besitzt. nur von einem Gesellen oder einem
(2) Bei der Berechnung der Fristen in Ab- Arbeitnehmer ausgeführt werden, der
satz 1 Nr. 1 Buchstabe a und Nr. 2 Buch- einen Berufsabschluss hat.
stabe b sind die Tätigkeiten als selb
ständiger Handwerker in einem zu- § 100
lassungspflichtigen Handwerk und (1) Die Handwerkskammer prüft die Gültig-
als gesetzlicher Vertreter oder vertre- keit der Wahl ihrer Mitglieder von Amts
tungsberechtigter Gesellschafter einer wegen.
in der Handwerksrolle eingetragenen (2) Das Ergebnis der Wahl ist öffentlich be-
juristischen Person oder Personen- kannt zu machen.
gesellschaft gegenseitig anzurechnen.
(3) Für die Wahl der Vertreter der zulas- § 101
sungsfreien Handwerke, der hand- (1) Gegen die Rechtsgültigkeit der Wahl
werksähnlichen Gewerbe und der Per- kann jeder Wahlberechtigte innerhalb
sonen nach § 90 Abs. 3 und 4 gelten die von einem Monat nach der Bekannt-
Absätze 1 und 2 entsprechend. gabe des Wahlergebnisses Einspruch
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 135

erheben; der Einspruch eines Inhabers § 103


eines Betriebs eines Handwerks oder (1) Die Wahl zur Handwerkskammer erfolgt
handwerksähnlichen Gewerbes kann auf fünf Jahre. Eine Wiederwahl ist
sich nur gegen die Wahl der Vertreter der zulässig.
Handwerke und handwerksähnlichen
Gewerbe, der Einspruch eines Gesellen (2) Nach Ablauf der Wahlzeit bleiben die
oder anderen Arbeitnehmers mit einer Gewählten solange im Amt, bis ihre
abgeschlossenen Berufsausbildung nur Nachfolger eintreten.
gegen die Wahl der Vertreter der Arbeit- (3) Die Vertreter der Arbeitnehmer behal-
nehmer richten. ten, auch wenn sie nicht mehr im Be-
(2) Der Einspruch gegen die Wahl eines trieb eines Handwerks oder eines hand-
Gewählten kann nur auf eine Verletzung werksähnlichen Gewerbes beschäftigt
der Vorschriften der §§ 96 bis 99 ge- sind, solange sie im Bezirk der Hand-
stützt werden. werkskammer verbleiben, das Amt noch
(3) Richtet sich der Einspruch gegen die bis zum Ende der Wahlzeit, jedoch
Wahl insgesamt, so ist er binnen einem höchstens für ein Jahr. Im Falle der
Monat nach der Bekanntgabe des Arbeitslosigkeit behalten sie das Amt
Wahlergebnisses bei der Handwerks- bis zum Ende der Wahlzeit.
kammer einzulegen. Er kann nur darauf § 104
gestützt werden, dass
(1) Mitglieder der Vollversammlung haben
1. gegen das Gesetz oder gegen die auf
aus dem Amt auszuscheiden, wenn sie
Grund des Gesetzes erlassenen Wahl-
durch Krankheit oder Gebrechen ver-
vorschriften verstoßen worden ist
hindert sind, das Amt ordnungsmäßig
und
zu führen oder wenn Tatsachen eintre-
2. der Verstoß geeignet war, das Er-
ten, die ihre Wählbarkeit ausschließen.
gebnis der Wahl zu beeinflussen.
(2) Gesetzliche Vertreter juristischer
§ 102 Personen und vertretungsberechtigte
(1) Der Gewählte kann die Annahme der Gesellschafter der Personengesell-
Wahl nur ablehnen, wenn er schaften haben ferner aus dem Amt
1. das sechzigste Lebensjahr vollendet auszuscheiden, wenn
hat oder 1. sie die Vertretungsbefugnis verloren
2. durch Krankheit oder Gebrechen ver- haben,
hindert ist, das Amt ordnungsmäßig 2. die juristische Person oder die Per-
zu führen. sonengesellschaft in der Handwerks-
rolle oder in dem Verzeichnis nach
(2) Ablehnungsgründe sind nur zu berück-
§ 19 gelöscht worden ist.
sichtigen, wenn sie binnen zwei
Wochen nach der Bekanntgabe des (3) Weigert sich das Mitglied auszuschei-
Wahlergebnisses bei der Handwerks- den, so ist es von der obersten Landes-
kammer geltend gemacht worden sind. behörde nach Anhörung der Hand-
werkskammer seines Amtes zu ent-
(3) Mitglieder der Handwerkskammer kön-
heben.
nen nach Vollendung des sechzigsten
Lebensjahrs ihr Amt niederlegen.
136 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

§ 105 12. die Organe, in denen die Bekannt-


(1) Für die Handwerkskammer ist von der machungen der Handwerkskammer
obersten Landesbehörde eine Satzung zu veröffentlichen sind.
zu erlassen. Über eine Änderung der (3) Die Satzung darf keine Bestimmung ent-
Satzung beschließt die Vollversamm- halten, die mit den in diesem Gesetz
lung; der Beschluss bedarf der Ge- bezeichneten Aufgaben der Handwerks-
nehmigung durch die oberste Landes- kammer nicht in Verbindung steht oder
behörde. gesetzlichen Vorschriften zuwiderläuft.
(2) Die Satzung muss Bestimmungen ent- (4) Die Satzung nach Absatz 1 Satz 1 ist in
halten über dem amtlichen Organ der für den Sitz
1. den Namen, den Sitz und den Bezirk der Handwerkskammer zuständigen
der Handwerkskammer, höheren Ver waltungsbehörde bekannt
2. die Zahl der Mitglieder der Hand- zu machen.
werkskammer und der Stellvertreter
sowie die Reihenfolge ihres Eintritts § 106
im Falle der Behinderung oder des (1) Der Beschlussfassung der Vollversamm-
Ausscheidens der Mitglieder, lung bleibt vorbehalten
3. die Verteilung der Mitglieder und 1. die Wahl des Vorstandes und der
der Stellvertreter auf die im Bezirk Ausschüsse,
der Handwerkskammer vertretenen
2. die Zuwahl von sachverständigen
Handwerke,
Personen (§ 93 Abs. 4),
4. die Zuwahl zur Handwerkskammer,
3. die Wahl des Geschäftsführers, bei
5. die Wahl des Vorstands und seine mehreren Geschäftsführern des
Befugnisse, Hauptgeschäftsführers und der Ge-
6. die Einberufung der Handwerks- schäftsführer,
kammer und ihrer Organe, 4. die Feststellung des Haushaltsplans
7. die Form der Beschlussfassung und einschließlich des Stellenplans, die
die Beurkundung der Beschlüsse Bewilligung von Ausgaben, die nicht
der Handwerkskammer und des im Haushaltsplan vorgesehen sind,
Vorstands, die Ermächtigung zur Aufnahme
8. die Erstellung einer mittelfristigen von Krediten und die dingliche Be-
Finanzplanung und deren Übermitt- lastung von Grundeigentum,
lung an die Vollversammlung, 5. die Festsetzung der Beiträge zur
9. die Aufstellung und Genehmigung Handwerkskammer und die Erhe-
des Haushaltsplans, bung von Gebühren,
10. die Aufstellung, Prüfung und 6. der Erlass einer Haushalts-, Kassen-
Abnahme der Jahresrechnung sowie und Rechnungslegungsordnung,
über die Übertragung der Prüfung 7. die Prüfung und Abnahme der Jah-
auf eine unabhängige Stelle außer- resrechnung und die Entscheidung
halb der Handwerkskammer, darüber, durch welche unabhängige
11. die Voraussetzungen und die Form Stelle die Jahresrechnung geprüft
einer Änderung der Satzung, werden soll,
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 137

8. die Beteiligung an Gesellschaften (2) Der Vorstand besteht nach näherer Bestim-
des privaten und öffentlichen mung der Satzung aus dem Vorsitzenden
Rechts und die Aufrechterhaltung (Präsidenten), zwei Stellvertretern (Vize-
der Beteiligung, präsidenten), von denen einer Geselle oder
8a die Beteiligung an einer Einrichtung ein anderer Arbeitnehmer mit abgeschlos-
nach § 91 Abs. 2a, sener Berufsausbildung sein muss, und
9. der Erwerb und die Veräußerung einer weiteren Zahl von Mitgliedern.
von Grundeigentum, (3) Der Präsident wird von der Vollversamm-
10. der Erlass von Vorschriften über die lung mit absoluter Stimmenmehrheit
Berufsausbildung, berufliche Fortbil- der anwesenden Mitglieder gewählt.
dung und berufliche Umschulung Fällt die Mehrzahl der Stimmen nicht
(§ 91 Abs. 1 Nr. 4 und 4a), auf eine Person, so findet eine engere
Wahl zwischen den beiden Personen
11. der Erlass der Gesellen- und Meister-
statt, welche die meisten Stimmen
prüfungsordnungen (§ 91 Abs. 1 Nr. 5
erhalten haben.
und 6),
(4) Die Wahl der Vizepräsidenten darf nicht
12. der Erlass der Vorschriften über die
gegen die Mehrheit der Stimmen der
öffentliche Bestellung und
Gruppe, der sie angehören, erfolgen.
Vereidigung von Sachverständigen
Erfolgt in zwei Wahlgängen keine Ent-
(§ 91 Abs. 1 Nr. 8),
scheidung, so entscheidet ab dem drit-
13. die Festsetzung der den Mitgliedern ten Wahlgang die Stimmenmehrheit
zu gewährenden Entschädigung der jeweils betroffenen Gruppe. Glei-
(§ 94), ches gilt für die Wahl der weiteren Mit-
14. die Änderung der Satzung. glieder des Vorstands.
(2) Die nach Absatz 1 Nr. 3 bis 7, 10 bis 12 (5) Die Wahl des Präsidenten und seiner Stell-
und 14 gefassten Beschlüsse bedürfen vertreter ist der obersten Landesbehörde
der Genehmigung durch die oberste binnen einer Woche anzuzeigen.
Landesbehörde. Die Beschlüsse nach (6) Als Ausweis des Vorstands genügt eine
Absatz 1 Nr. 5, 10 bis 12 und 14 sind in den Bescheinigung der obersten Landes-
für die Bekanntmachungen der Hand- behörde, dass die darin bezeichneten
werkskammern bestimmten Organen Personen zur Zeit den Vorstand bilden.
(§ 105 Abs. 2 Nr. 12) zu veröffentlichen.
§ 109
§ 107 Dem Vorstand obliegt die Verwaltung der
Die Handwerkskammer kann zu ihren Ver- Handwerkskammer; Präsident und Haupt-
handlungen Sachverständige mit beraten- geschäftsführer vertreten die Handwerks-
der Stimme zuziehen. kammer gerichtlich und außergerichtlich. Das
§ 108 Nähere regelt die Satzung, die auch bestim-
men kann, dass die Handwerkskammer durch
(1) Die Vollversammlung wählt aus ihrer
zwei Vorstandsmitglieder vertreten wird.
Mitte den Vorstand. Ein Drittel der Mit-
glieder müssen Gesellen oder andere § 110
Arbeitnehmer mit abgeschlossener Be- (1) Die Vollversammlung kann unter Wah-
rufsausbildung sein. rung der im § 93 Abs. 1 bestimmten Ver-
138 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

hältniszahl aus ihrer Mitte Ausschüsse § 112


bilden und sie mit besonderen regel- (1) Die Handwerkskammer kann bei
mäßigen oder vorübergehenden Zuwiderhandlungen gegen die von ihr
Aufgaben betrauen. § 107 findet ent- innerhalb ihrer Zuständigkeit erlasse-
sprechende Anwendung. nen Vorschriften oder Anordnungen
(2) Ordnungsgeld bis zu fünfhundert Euro
§ 111 festsetzen.
(1) Die in die Handwerksrolle und in das (2) Das Ordnungsgeld muss vorher schriftlich
Verzeichnis nach § 19 eingetragenen Ge- angedroht werden. Die Androhung und
werbetreibenden haben der Handwerks- die Festsetzung des Ordnungsgelds sind
kammer die zur Durchführung von Rechts- dem Betroffenen zuzustellen.
vorschriften über die Berufsbildung und (3) Gegen die Androhung und die Fest-
der von der Handwerkskammer erlasse- setzung des Ordnungsgelds steht dem
nen Vorschriften, Anordnungen und der Betroffenen der Verwaltungsrechtsweg
sonstigen von ihr getroffenen offen.
Maßnahmen erforderlichen Auskünfte zu (4) Das Ordnungsgeld fließt der Hand-
erteilen und Unterlagen vorzulegen. Die werkskammer zu. Es wird auf Antrag
Handwerkskammer kann für die Erteilung des Vorstands der Handwerkskammer
der Auskunft eine Frist setzen. nach Maßgabe des § 113 Abs. 2 Satz 1
(2) Die von der Handwerkskammer mit der beigetrieben.
Einholung von Auskünften beauftragten
Personen sind befugt, zu dem in Absatz 1 § 113
bezeichneten Zweck die Betriebsräume, (1) Die durch die Errichtung und Tätigkeit
Betriebseinrichtungen und Ausbildungs- der Handwerkskammer entstehenden
plätze sowie die für den Aufenthalt und Kosten werden, soweit sie nicht ander-
die Unterkunft der Lehrlinge und Gesel- weitig gedeckt sind, von den Inhabern
len bestimmten Räume oder Einrichtun- eines Betriebs eines Handwerks und eines
gen zu betreten und dort Prüfungen und handwerksähnlichen Gewerbes sowie
Besichtigungen vorzunehmen. Der Aus- den Mitgliedern der Handwerkskammer
kunftspflichtige hat die Maßnahme von nach § 90 Abs. 3 nach einem von der
Satz 1 zu dulden. Das Grundrecht der Handwerkskammer mit Genehmigung
Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel der obersten Landesbehörde festge-
13 des Grundgesetzes) wird insoweit ein- setzten Beitragsmaßstab getragen.
geschränkt.
(2) Die Handwerkskammer kann als Bei-
(3) Der Auskunftspflichtige kann die Aus- träge auch Grundbeiträge, Zusatzbei-
kunft auf solche Fragen verweigern, träge und außerdem Sonderbeiträge
deren Beantwortung ihn selbst oder erheben. Die Beiträge können nach der
einen der in § 383 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 der Leistungskraft der beitragspflichtigen
Zivilprozessordnung bezeichneten An- Kammerzugehörigen gestaffelt wer-
gehörigen der Gefahr strafgerichtlicher den. Soweit die Handwerkskammer
Verfolgung oder eines Verfahrens nach Beiträge nach dem Gewerbesteuer-
dem Gesetz über Ordnungswidrigkei- messbetrag, Gewerbeertrag oder
ten aussetzen würde.
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 139

Gewinn aus Gewerbebetrieb bemisst, werbeertrag oder den Gewinn aus Gewerbe-
richtet sich die Zulässigkeit der betrieb beschließen. Die Handwerkskammern
Mitteilung der hierfür erforderlichen Be- und ihre Gemeinschaftseinrichtungen, die
steuerungsgrundlagen durch die Finanz- öffentliche Stellen im Sinne des § 2 Abs. 2 des
behörden für die Beitragsbemessung nach Bundesdatenschutzgesetzes sind, sind be-
§ 31 der Abgabenordnung. Personen, die rechtigt, zur Festsetzung der Beiträge die
nach § 90 Abs. 3 Mitglied der Handwerks- genannten Bemessungsgrundlagen bei den
kammer sind und deren Gewerbeertrag nach Finanzbehörden zu erheben. Bis zum 31. De-
dem Gewerbesteuergesetz oder, soweit für zember 1997 können die Beiträge in dem in
das Bemessungsjahr ein Gewerbesteuer- Artikel 3 des Einigungsvertrages genannten
messbetrag nicht festgesetzt wird, deren Gebiet auch nach dem Umsatz, der Beschäf-
nach dem Einkommen- oder Körperschaft- tigtenzahl oder nach der Lohnsumme be-
steuergesetz ermittelter Gewinn aus Ge- messen werden. Soweit die Beiträge nach
werbebetrieb 5.200 Euro nicht übersteigt, der Lohnsumme bemessen werden, sind die
sind vom Beitrag befreit. Natürliche Per- beitragspflichtigen Kammerzugehörigen ver-
sonen, die erstmalig ein Gewerbe angemel- pflichtet, der Handwerkskammer Auskunft
det haben, sind für das Jahr der Anmeldung durch Übermittlung eines Doppels des Lohn-
von der Entrichtung des Grundbeitrages und nachweises nach § 165 des Siebten Buches
des Zusatzbeitrages, für das zweite und dritte Sozialgesetzbuch zu geben. Soweit die Hand-
Jahr von der Entrichtung der Hälfte des werkskammer Beiträge nach der Zahl der Be-
Grundbeitrages und vom Zusatzbeitrag und schäftigten bemisst, ist sie berechtigt, bei
für das vierte Jahr von der Entrichtung des den beitragspflichtigen Kammerzugehörigen
Zusatzbeitrages befreit, soweit deren Ge- die Zahl der Beschäftigten zu erheben. Die
werbeertrag nach dem Gewerbesteuerge- übermittelten Daten dürfen nur für Zwecke
setz oder, soweit für das Bemessungsjahr ein der Beitragsfestsetzung gespeichert und
Gewerbesteuermessbetrag nicht festgesetzt genutzt sowie gemäß § 5 Nr. 7 des Statistik-
wird, deren nach dem Einkommensteuer- registergesetzes zum Aufbau und zur Füh-
gesetz ermittelter Gewinn aus Gewerbe- rung des Statistikregisters den statistischen
betrieb 25.000 Euro nicht übersteigt. Die Ämtern der Länder und dem Statistischen
Beitragsbefreiung nach Satz 5 ist nur auf Bundesamt übermittelt werden. Die beitrags-
Kammerzugehörige anzuwenden, deren Ge- pflichtigen Kammerzugehörigen sind ver-
werbeanzeige nach dem 31. Dezember 2003 pflichtet, der Handwerkskammer Auskunft
erfolgt. Wenn zum Zeitpunkt der Verab- über die zur Festsetzung der Beiträge erfor-
schiedung der Haushaltssatzung zu besorgen derlichen Grundlagen zu erteilen; die Hand-
ist, dass bei einer Kammer auf Grund der werkskammer ist berechtigt, die sich hierauf
Besonderheiten der Wirtschaftsstruktur ihres beziehenden Geschäftsunterlagen einzuse-
Bezirks die Zahl der Beitragspflichtigen, die hen und für die Erteilung der Auskunft eine
einen Beitrag zahlen, durch die in den Sätzen Frist zu setzen.
4 und 5 geregelten Beitragsbefreiungen auf (3) Die Beiträge der Inhaber von Betrieben
weniger als 55 vom Hundert aller ihr zuge- eines Handwerks oder handwerksähnli-
hörigen Gewerbetreibenden sinkt, kann die chen Gewerbes oder der Mitglieder der
Vollversammlung für das betreffende Haus- Handwerkskammer nach § 90 Abs. 3
haltsjahr eine entsprechende Herabsetzung werden von den Gemeinden auf Grund
der dort genannten Grenzen für den Ge- einer von der Handwerkskammer auf-
140 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

zustellenden Aufbringungsliste nach men. Der bisherige Vorstand führt seine


den für Gemeindeabgaben geltenden Geschäfte bis zum Amtsantritt des neuen
landesrechtlichen Vorschriften einge- Vorstands weiter und bereitet die Neu-
zogen und beigetrieben. Die Gemein- wahl der Vollversammlung vor.
den können für ihre Tätigkeit eine ange-
messene Vergütung von der Handwerks- § 116
kammer beanspruchen, deren Höhe Die Landesregierungen werden ermächtigt,
im Streitfall die höhere Verwaltungs- durch Rechtsverordnung die zuständigen
behörde festsetzt. Die Landesregierung Behörden abweichend von § 104 Abs. 3 und
kann durch Rechtsverordnung auf An- § 108 Abs. 6 zu bestimmen. Sie können diese
trag der Handwerkskammer eine an- Ermächtigung auf oberste Landesbehörden
dere Form der Beitragseinziehung übertragen.
und Beitragsbeitreibung zulassen. Fünfter Teil
Die Landesregierung kann die Ermäch- Bußgeld-, Übergangs- und
tigung auf die zuständige oberste Schlussvorschriften
Landesbehörde übertragen.
Erster Abschnitt
(4) Die Handwerkskammer kann für Amts- Bußgeldvorschriften
handlungen und für die Inanspruch-
nahme besonderer Einrichtungen oder § 117
Tätigkeiten mit Genehmigung der ober- (1) Ordnungswidrig handelt, wer
sten Landesbehörde Gebühren erhe- 1. entgegen § 1 Abs. 1 Satz 1 ein dort
ben. Für ihre Beitreibung gilt Absatz 3. genanntes Gewerbe als stehendes
Gewerbe selbständig betreibt oder
§ 114 2. entgegen § 51 oder § 51d die Ausbil-
(aufgehoben) dungsbezeichnung „Meister/Meis-
terin“ führt.
§ 115
(2) Die Ordnungswidrigkeit nach Absatz 1
(1) Die oberste Landesbehörde führt die
Nr. 1 kann mit einer Geldbuße bis zu
Staatsaufsicht über die Handwerks-
zehntausend Euro, die Ordnungswidrig-
kammer. Die Staatsaufsicht beschränkt
keit nach Absatz 1 Nr. 2 kann mit einer
sich darauf, soweit nicht anderes be-
Geldbuße bis zu fünftausend Euro
stimmt ist, dass Gesetz und Satzung
geahndet werden.
beachtet, insbesondere die den Hand-
werkskammern übertragenen Aufga- § 118
ben erfüllt werden. (1) Ordnungswidrig handelt, wer
(2) Die Aufsichtsbehörde kann, falls andere 1. eine Anzeige nach § 16 Abs. 2 oder
Aufsichtsmittel nicht ausreichen, die § 18 Abs. 1 nicht, nicht richtig, nicht
Vollversammlung auflösen, wenn sich die vollständig oder nicht rechtzeitig
Kammer trotz wiederholter Aufforde- erstattet,
rung nicht im Rahmen der für sie gelten- 2. entgegen § 17 Abs. 1 oder Abs. 2 Satz 2,
den Rechtsvorschriften hält. Innerhalb § 111 Abs. 1 oder Abs. 2 Satz 2 oder § 113
von drei Monaten nach Eintritt der Unan- Abs. 2 Satz 11, auch in Verbindung mit
fechtbarkeit der Anordnung über die § 73 Abs. 3, eine Auskunft nicht, nicht
Auflösung ist eine Neuwahl vorzuneh- richtig, nicht vollständig oder nicht
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 141

rechtzeitig erteilt, Unterlagen nicht 1990 in Verbindung mit Artikel 1 des Geset-
vorlegt oder das Betreten von Grund- zes vom 23. September 1990 (BGBl. 1990 II
stücken oder Geschäftsräumen oder S. 885, 1038), in seiner jeweils geltenden
die Vornahme von Prüfungen oder Fassung, soweit Gegenstand des Verfahrens
Besichtigungen nicht duldet, eine handwerkliche Tätigkeit ist.
3. Lehrlinge (Auszubildende) einstellt
oder ausbildet, obwohl er nach § 22a Zweiter Abschnitt
Nr. 1 persönlich oder nach § 22b Abs. 1 Übergangsvorschriften
fachlich nicht geeignet ist, § 119 *)
4. entgegen § 22 Abs. 2 einen Lehrling
(1) Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes
(Auszubildenden) einstellt,
vorhandene Berechtigung eines Ge-
5. Lehrlinge (Auszubildende) einstellt
werbetreibenden, ein Handwerk als
oder ausbildet, obwohl ihm das Ein-
stehendes Gewerbe selbständig zu be-
stellen oder Ausbilden nach § 24 un-
treiben, bleibt bestehen. Für juristische
tersagt worden ist,
Personen, Personengesellschaften und
6. entgegen § 30 die Eintragung in die
Betriebe im Sinne des § 7 Abs. 5 oder 6
Lehrlingsrolle nicht oder nicht recht-
gilt dies nur, wenn und solange der Be-
zeitig beantragt oder eine Ausferti-
trieb von einer Person geleitet wird, die
gung der Vertragsniederschrift nicht
am 1. April 1998 Betriebsleiter oder für
beifügt,
die technische Leitung verantwort-
7. einer Rechtsverordnung nach § 9
licher persönlich haftender Gesell-
Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zuwiderhandelt,
schafter oder Leiter eines Betriebs im
soweit sie für einen bestimmten
Sinne des § 7 Abs. 5 und 6 ist; das glei-
Tatbestand auf diese Bußgeldvor-
che gilt für Personen, die eine dem Be-
schrift verweist.
triebsleiter vergleichbare Stellung
(2) Die Ordnungswidrigkeiten nach Absatz haben. Soweit die Berechtigung zur
1 Nr. 1, 2, 6 und 7 können mit einer Geld- Ausübung eines selbständigen Hand-
buße bis zu eintausend Euro, die Ord- werks anderen bundesrechtlichen Be-
nungswidrigkeiten nach Absatz 1 Nr. 3 schränkungen als den in diesem Gesetz
bis 5 können mit einer Geldbuße bis zu bestimmten unterworfen ist, bleiben
fünftausend Euro geahndet werden. diese Vorschriften unberührt.
§ 118a (2) Ist ein nach Absatz 1 Satz 1 berechtigter
Die zuständige Behörde unterrichtet die zu- Gewerbetreibender bei Inkrafttreten
ständige Handwerkskammer über die Einlei- dieses Gesetzes nicht in der Handwerks-
tung von und die abschließende Entschei- rolle eingetragen, so ist er auf Antrag
dung in Verfahren wegen Ordnungswidrig- oder von Amts wegen binnen drei Mona-
keiten nach den §§ 117 und 118. Gleiches gilt ten in die Handwerksrolle einzutragen.
für Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten (3) Die Absätze 1 und 2 gelten für Gewerbe,
nach dem Gesetz zur Bekämpfung der die in die Anlage A zu diesem Gesetz
Schwarzarbeit in der Fassung der Bekannt- aufgenommen werden, entsprechend.
machung vom 29. Januar 1982, zuletzt geän- In diesen Fällen darf nach dem Wechsel
dert durch Anlage I Kapitel VIII Sachgebiet E *) [die hier nicht abgedruckte Fußnote enthält Überlei-
Nr. 3 des Einigungsvertrages vom 31. August tungsvorschriften des Einigungsvertragsgesetzes]
142 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

des Betriebsleiters einer juristischen noch bestehende Vorschriften gemäß


Person oder eines für die technische § 122 Abs. 2 und 4.
Leitung verantwortlichen persönlich (6) Soweit durch Gesetz zulassungspflichtige
haftenden Gesellschafters einer Per- Handwerke in die Anlage B überführt
sonengesellschaft oder des Leiters werden, gilt für die Ausbildungsordnun-
eines Betriebs im Sinne des § 7 Abs. 5 gen Absatz 5 entsprechend. Die bis zum
oder 6 der Betrieb für die Dauer von 31. Dezember 2003 begonnenen Meister-
drei Jahren fortgeführt werden, ohne prüfungsverfahren sind auf Antrag des
dass die Voraussetzungen für die Ein- Prüflings nach den bis dahin geltenden
tragung in die Handwerksrolle erfüllt Vorschriften von den vor dem 31. Dezem-
sind. Zur Verhütung von Gefahren für ber 2003 von der höheren Verwaltungs-
die öffentliche Sicherheit kann die behörde errichteten Meisterprüfungs-
höhere Verwaltungsbehörde die Fort- ausschüssen abzuschließen.
führung des Betriebs davon abhängig
machen, dass er von einem Handwerker (7) In den Fällen des Absatzes 3 Satz 1 liegt
geleitet wird, der die Voraussetzungen ein Ausnahmefall nach § 8 Abs. 1 Satz 2
für die Eintragung in die Handwerks- auch dann vor, wenn zum Zeitpunkt der
rolle erfüllt. Antragstellung für das zu betreibende
Handwerk eine Rechtsverordnung nach
(4) Werden in der Anlage A zu diesem Ge- § 45 noch nicht in Kraft getreten ist.
setz aufgeführte Gewerbe durch Ge-
setz oder durch eine nach § 1 Abs. 3 § 120
erlassene Rechtsverordnung zusam- (1) Die am 31. Dezember 2003 vorhandene
mengefasst, so ist der selbständige Befugnis zur Einstellung oder zur Ausbil-
Handwerker, der eines der zusammen- dung von Lehrlingen (Auszubildenden)
gefassten Handwerke betreibt, mit dem in Handwerksbetrieben bleibt erhalten.
durch die Zusammenfassung entstan- (2) Wer bis zum 31. März 1998 die Befugnis
denen Handwerk in die Handwerksrolle zur Ausbildung von Lehrlingen (Auszu-
einzutragen. bildenden) in einem Gewerbe erworben
(5) Soweit durch Gesetz oder durch Rechts- hat, das in die Anlage A zu diesem Gesetz
verordnung nach § 1 Abs. 3 Handwerke aufgenommen wird, gilt im Sinne des
oder handwerksähnliche Gewerbe zu- § 22b Abs. 1 als fachlich geeignet.
sammengefasst werden, gelten die vor
§ 121
dem Inkrafttreten der jeweiligen Ände-
rungsvorschrift nach § 25 dieses Geset- Der Meisterprüfung im Sinne des § 45 blei-
zes oder nach § 4 des Berufsbildungs- ben die in § 133 Abs. 10 der Gewerbeordnung
gesetzes erlassenen Ausbildungsord- bezeichneten Prüfungen gleichgestellt,
nungen und die nach § 45 Abs. 1 oder sofern sie vor Inkrafttreten dieses Gesetzes
§ 51a Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 abgelegt worden sind.
sowie die nach § 50 Abs. 2 oder § 51a
§ 122
Abs. 7 dieses Gesetzes erlassenen
Rechtsvorschriften bis zum Erlass neuer (1) Werden zulassungspflichtige Handwerke
Rechtsverordnungen nach diesem Ge- durch Gesetz oder durch eine nach § 1
setz fort. Satz 1 gilt entsprechend für Abs. 3 erlassene Rechtsverordnung ge-
trennt oder zusammengefasst, so kön-
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 143

nen auch solche Personen als Beisitzer § 123


der Gesellen- oder Meisterprüfungsaus- (1) Beantragt ein Gewerbetreibender, der
schüsse der durch die Trennung oder bis zum 31. Dezember 2003 berechtigt
Zusammenfassung entstandenen Hand- ist, ein zulassungspflichtiges Handwerk
werke oder handwerksähnlichen Gewer- als stehendes Gewerbe selbständig zu
beberufen werden, die in dem getrenn- betreiben, in diesem Handwerk zur
ten oder in einem der zusammenge- Meisterprüfung zugelassen zu werden,
fassten Handwerke oder handwerksähn- so gelten für die Zulassung zur Prüfung
lichen Gewerbe die Gesellen- oder die Bestimmungen der §§ 49 und 50
Meisterprüfung abgelegt haben oder entsprechend.
das Recht zum Ausbilden von Lehrlingen
besitzen und im Falle des § 48 Abs. 3 seit (2) Absatz 1 gilt entsprechend für ein Gewerbe,
mindestens einem Jahr in dem Handwerk, das in die Anlage A aufgenommen wird.
für das der Meisterprüfungsausschuss § 124
errichtet ist, selbständig tätig sind.
Die Landesregierungen werden ermächtigt,
(2) Die für die einzelnen Handwerke oder durch Rechtsverordnung die nach diesem
handwerksähnlichen Gewerbe gelten- Gesetz den höheren Verwaltungsbehörden
den Gesellen-, Abschluss- und Meister- oder den sonstigen nach Landesrecht zustän-
prüfungsvorschriften sind bis zum In- digen Behörden übertragenen Zuständig-
krafttreten der nach § 25 Abs. 1 und § 38 keiten nach den §§ 7a, 7b, 8, 9, 22b, 23, 24 und
sowie § 45 Abs. 1 Nr. 2 dieses Gesetzes 42q auf andere Behörden oder auf Hand-
oder nach § 4 des Berufsbildungsgeset- werkskammern zu übertragen. Satz 1 gilt auch
zes vorgesehenen Prüfungsverordnun- für die Zuständigkeiten nach § 16 Absatz 3;
gen anzuwenden, soweit sie nicht mit eine Übertragung auf Handwerkskammern ist
diesem Gesetz im Widerspruch stehen. jedoch ausgeschlossen. Die Staatsaufsicht
Dies gilt für die nach § 50 Abs. 1 Satz 2 nach § 115 Abs. 1 umfasst im Falle einer Über-
erlassenen Meisterprüfungsordnungen tragung von Zuständigkeiten nach den §§ 7a,
sowie für die nach § 50 Abs. 2 erlassene 7b, 8 und 9 auch die Fachaufsicht.
Rechtsverordnung entsprechend.
(3) Die für die einzelnen Handwerke oder § 124a
handwerksähnlichen Gewerbe gelten- – nicht abgedruckt –
den Berufsbilder oder Meisterprüfungs-
§ 124b
verordnungen sind bis zum Inkrafttre-
ten von Rechtsverordnungen nach § 45 Die Landesregierungen werden ermächtigt,
Abs. 1 und § 51a Abs. 1 in Verbindung mit durch Rechtsverordnung die nach diesem
Abs. 2 anzuwenden. Gesetz den höheren Verwaltungsbehörden
oder den sonstigen nach Landesrecht zu-
(4) Die für die einzelnen Handwerke oder ständigen Behörden übertragenen Zustän-
handwerksähnlichen Gewerbe gelten- digkeiten nach den §§ 7a, 7b, 8, 9, 22b, 23, 24
den fachlichen Vorschriften sind bis und 42q auf andere Behörden oder auf
zum Inkrafttreten von Rechtsverord- Handwerkskammern zu übertragen. Satz 1
nungen nach § 25 Abs. 1, § 45 Abs. 1 und gilt auch für die Zuständigkeiten nach § 16
§ 51a Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 an- Absatz 3; eine Übertragung auf Handwerks-
zuwenden. kammern ist jedoch ausgeschlossen. Die
144 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

Staatsaufsicht nach § 115 Abs. 1 umfasst im 27 Tischler


Falle einer Übertragung von Zuständigkeiten 28 Boots- und Schiffbauer
nach den §§ 7a, 7b, 8 und 9 auch die 29 Seiler
Fachaufsicht. 30 Bäcker
31 Konditoren
Dritter Abschnitt 32 Fleischer
Schlußvorschriften 33 Augenoptiker
34 Hörgeräteakustiker
§ 125 35 Orthopädietechniker
(Inkrafttreten) 36 Orthopädieschuhmacher
Anlage A 37 Zahntechniker
Verzeichnis der Gewerbe, die als 38 Friseure
zulassungspflichtige Handwerke betrieben 39 Glaser
werden können (§ 1 Abs. 2) 40 Glasbläser und Glasapparatebauer
(Fundstelle des Originaltextes: 41 Mechaniker für Reifen- und
BGBl. I 2003, 2945 - 2946) Vulkanisationstechnik
Nr.
1 Maurer und Betonbauer Anlage B
2 Ofen- und Luftheizungsbauer Verzeichnis der Gewerbe, die als
3 Zimmerer zulassungsfreie Handwerke oder
4 Dachdecker handwerksähnliche Gewerbe betrieben
5 Straßenbauer werden können (§ 18 Abs. 2)
6 Wärme-, Kälte- und Schallschutz- (Fundstelle des Originaltextes:
isolierer BGBl. I 2003, 2946 - 2947)
7 Brunnenbauer
8 Steinmetzen und Steinbildhauer Abschnitt 1: Zulassungsfreie Handwerke
9 Stukkateure Nr.
10 Maler und Lackierer 1 Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
11 Gerüstbauer 2 Betonstein- und Terrazzohersteller
12 Schornsteinfeger 3 Estrichleger
13 Metallbauer 4 Behälter- und Apparatebauer
14 Chirurgiemechaniker 5 Uhrmacher
15 Karosserie- und Fahrzeugbauer 6 Graveure
16 Feinwerkmechaniker 7 Metallbildner
17 Zweiradmechaniker 8 Galvaniseure
18 Kälteanlagenbauer 9 Metall- und Glockengießer
19 Informationstechniker 10 Schneidwerkzeugmechaniker
20 Kraftfahrzeugtechniker 11 Gold- und Silberschmiede
21 Landmaschinenmechaniker 12 Parkettleger
22 Büchsenmacher 13 Rolladen- und Sonnenschutztechniker
23 Klempner 14 Modellbauer
24 Installateur und Heizungsbauer 15 Drechsler (Elfenbeinschnitzer) und
25 Elektrotechniker Holzspielzeugmacher
26 Elektromaschinenbauer 16 Holzbildhauer
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 145

17 Böttcher 4 Asphaltierer (ohne Straßenbau)


18 Korb- und Flechtwerkgestalter 5 Fuger (im Hochbau)
19 Maßschneider 6 Holz- und Bautenschutzgewerbe
20 Textilgestalter (Sticker, Weber, (Mauerschutz und Holzimprägnie-
Klöppler, Posamentierer, Stricker) rung in Gebäuden)
21 Modisten 7 Rammgewerbe (Einrammen von
22 (weggefallen) Pfählen im Wasserbau)
23 Segelmacher 8 Betonbohrer und -schneider
24 Kürschner 9 Theater- und Ausstattungsmaler
25 Schuhmacher 10 Herstellung von Drahtgestellen für
26 Sattler und Feintäschner Dekorationszwecke in
27 Raumausstatter Sonderanfertigung
28 Müller 11 Metallschleifer und Metallpolierer
29 Brauer und Mälzer 12 Metallsägen-Schärfer
30 Weinküfer 13 Tankschutzbetriebe (Korrosions-
31 Textilreiniger schutz von Öltanks für Feuerungs-
32 Wachszieher anlagen ohne chemische Verfahren)
33 Gebäudereiniger 14 Fahrzeugverwerter
34 Glasveredler 15 Rohr- und Kanalreiniger
35 Feinoptiker 16 Kabelverleger im Hochbau (ohne An-
36 Glas- und Porzellanmaler schlussarbeiten)
37 Edelsteinschleifer und -graveure 17 Holzschuhmacher
38 Fotografen 18 Holzblockmacher
39 Buchbinder 19 Daubenhauer
40 Drucker 20 Holz-Leitermacher
41 Siebdrucker (Sonderanfertigung)
42 Flexografen 21 Muldenhauer
43 Keramiker 22 Holzreifenmacher
44 Orgel- und Harmoniumbauer 23 Holzschindelmacher
45 Klavier- und Cembalobauer 24 Einbau von genormten
46 Handzuginstrumentenmacher Baufertigteilen
47 Geigenbauer (z. B. Fenster, Türen, Zargen, Regale)
48 Bogenmacher 25 Bürsten- und Pinselmacher
49 Metallblasinstrumentenmacher 26 Bügelanstalten für Herren-
50 Holzblasinstrumentenmacher Oberbekleidung
51 Zupfinstrumentenmacher 27 Dekorationsnäher (ohne
52 Vergolder Schaufensterdekoration)
53 Schilder- und Lichtreklamehersteller 28 Fleckteppichhersteller
29 (weggefallen)
Abschnitt 2: Handwerksähnliche Gewerbe 30 Theaterkostümnäher
Nr. 31 Plisseebrenner
1 Eisenflechter 32 (weggefallen)
2 Bautentrocknungsgewerbe 33 Stoffmaler
3 Bodenleger 34 (weggefallen)
146 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

35 Textil-Handdrucker Anlage D
36 Kunststopfer zu dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks
37 Änderungsschneider (Handwerksordnung) Art der personenbezo-
38 Handschuhmacher genen Daten in der Handwerksrolle, in dem
39 Ausführung einfacher Schuhrepara- Verzeichnis der Inhaber eines zulassungs-
turen freien Handwerks oder handwerksähnlichen
40 Gerber Gewerbes und in der Lehrlingsrolle
41 Innerei-Fleischer (Kuttler) (Fundstelle des Originaltextes:
42 Speiseeishersteller (mit Vertrieb von BGBl. I 1998, 3110 - 3111)
Speiseeis mit üblichem Zubehör)
43 Fleischzerleger, Ausbeiner I. In der Handwerksrolle dürfen folgende
44 Appreteure, Dekateure Daten gespeichert werden:
45 Schnellreiniger 1. bei natürlichen Personen
46 Teppichreiniger a) Name, Vorname, Geburtsname, Ge-
47 Getränkeleitungsreiniger burtsdatum und Staatsangehörig-
48 Kosmetiker keit des Betriebsinhabers, bei nicht
49 Maskenbildner voll geschäftsfähigen Personen
50 Bestattungsgewerbe auch der Name, Vorname des ge-
51 Lampenschirmhersteller setzlichen Vertreters; im Falle des
(Sonderanfertigung) § 4 Abs. 2 oder im Falle des § 7 Abs. 1
52 Klavierstimmer Satz 1 der Handwerksordnung sind
53 Theaterplastiker auch Name, Vorname, Geburts-
54 Requisiteure datum und Staatsangehörigkeit
55 Schirmmacher des Betriebsleiters sowie die für ihn
56 Steindrucker in Betracht kommenden Angaben
57 Schlagzeugmacher nach Buchstabe e einzutragen;
b) die Firma, wenn der selbständige
Handwerker eine Firma führt, die sich
auf den Handwerksbetrieb bezieht;
c) Ort und Straße der gewerblichen
Niederlassung;
d) das zu betreibende Handwerk oder
bei Ausübung mehrerer
Handwerke diese Handwerke;
e) die Bezeichnung der Rechtsvor-
schriften, nach denen der selbstän-
dige Handwerker die Vorausset-
zungen für die Eintragung in die
Handwerksrolle erfüllt und in dem
zu betreibenden Handwerk zur
Ausbildung von Lehrlingen befugt
ist; hat der selbständige Handwer-
ker die zur Ausübung des zu betrei-
Handwerksordnung RECHTSGRUNDLAGEN 147

benden Handwerks notwendigen c) Name, Vorname, Geburtsdatum und


Kenntnisse und Fertigkeiten durch Staatsangehörigkeit der übrigen Ge-
eine Prüfung nachgewiesen, so sellschafter, Angaben über eine Ver-
sind auch Art, Ort und Zeitpunkt tretungsbefugnis und die für sie in
dieser Prüfung sowie die Stelle, vor Betracht kommenden Angaben
der die Prüfung abgelegt wurde, nach Nummer 1 Buchstabe e;
einzutragen; d) das zu betreibende Handwerk oder
f) der Zeitpunkt der Eintragung in die bei Ausübung mehrerer
Handwerksrolle; Handwerke diese Handwerke;
2. bei juristischen Personen e) der Zeitpunkt der Eintragung in die
a) die Firma oder der Name der juris- Handwerksrolle;
tischen Person sowie Ort und Straße 4. bei handwerklichen Nebenbetrieben
der gewerblichen Niederlassung;
a) Angaben über den Inhaber des Ne-
b) Name, Vorname, Geburtsdatum
benbetriebes in entsprechender An-
und Staatsangehörigkeit der
wendung der Nummer 1 Buchstabe a
gesetzlichen Vertreter;
bis c, Nummer 2 Buchstabe a und b
c) das zu betreibende Handwerk oder
und Nummer 3 Buchstabe a und c;
bei Ausübung mehrerer Handwer-
ke diese Handwerke; b) das zu betreibende Handwerk oder
d) Name, Vorname, Geburtsdatum bei Ausübung mehrerer Handwerke
und Staatsangehörigkeit des Be- diese Handwerke;
triebsleiters sowie die für ihn in Be- c) Bezeichnung oder Firma und Gegen-
tracht kommenden Angaben nach stand sowie Ort und Straße der ge-
Nummer 1 Buchstabe e; werblichen Niederlassung des
e) der Zeitpunkt der Eintragung in die Unternehmens, mit dem der Neben-
Handwerksrolle; betrieb verbunden ist;
3. bei Personengesellschaften d) Bezeichnung oder Firma sowie Ort
a) bei Personenhandelsgesellschaften und Straße der gewerblichen
die Firma, bei Gesellschaften des Bür- Niederlassung des Nebenbetriebs;
gerlichen Rechts die Bezeichnung, e) Name, Vorname, Geburtsdatum und
unter der sie das Handwerk betrei- Staatsangehörigkeit des Leiters des
ben, sowie der Ort und die Straße der Nebenbetriebs und die für ihn in Be-
gewerblichen Niederlassung; tracht kommenden Angaben nach
b) Name, Vorname, Geburtsdatum und Nummer 1 Buchstabe e;
Staatsangehörigkeit des für die tech- f) der Zeitpunkt der Eintragung in die
nische Leitung des Betriebes verant- Handwerksrolle.
wortlichen persönlich haftenden II. Abschnitt I gilt entsprechend für das Ver-
Gesellschafters oder im Falle des § 7 zeichnis der Inhaber von Betrieben in zu-
Abs. 1 Satz 1 des Betriebsleiters, An- lassungsfreien Handwerken oder hand-
gaben über eine Vertretungsbefug- werksähnlichen Gewerben. Dieses Ver-
nis und die für ihn in Betracht kom- zeichnis braucht nicht die gleichen An-
menden Angaben nach Nummer 1 gaben wie die Handwerksrolle zu enthal-
Buchstabe e; ten. Mindestinhalt sind die wesentlichen
148 RECHTSGRUNDLAGEN Handwerksordnung

betrieblichen Verhältnisse einschließlich 4. beim Ausbildungsverhältnis:


der wichtigsten persönlichen Daten des Ausbildungsberuf einschließlich Fach-
Betriebsinhabers. richtung, Datum des Abschlusses des
III. In der Lehrlingsrolle dürfen folgende per- Ausbildungsvertrages, Ausbildungs-
sonenbezogene Daten gespeichert wer- dauer, Datum des Beginns der Berufs-
den: ausbildung, Dauer der Probezeit, bei
1. bei den Ausbildenden überwiegend öffentlich, insbesondere
a) die in der Handwerksrolle eingetra- auf Grund des Dritten Buches Sozial-
gen sind: Die Eintragungen in der gesetzbuch geförderten Berufsausbil-
Handwerksrolle, soweit sie für die dungsverhältnissen, Art der Förderung,
Zwecke der Führung der Lehrlings- Anschrift der Ausbildungsstätte, wenn
rolle erforderlich sind, diese vom Betriebssitz abweicht, Wirt-
schaftszweig, Zugehörigkeit zum
b) die nicht in der Handwerksrolle ein-
öffentlichen Dienst.
getragen sind: Die der Eintragung
nach Abschnitt I Nummer 1 Buch- IV. In das Verzeichnis der Unternehmer nach
stabe a entsprechenden Daten mit § 90 Abs. 3 und 4 der Handwerksordnung
Ausnahme der Daten zum Betriebs- werden die Personen nach § 90 Abs. 3 und
leiter zum Zeitpunkt der Eintragung 4 der Handwerksordnung mit den nach
in die Handwerksrolle und der An- Abschnitt I Nr. 1 Buchstabe a und c gefor-
gaben zu Abschnitt I Nummer 1 derten Angaben für natürliche Personen
Buchstabe e, soweit sie für die sowie der Zeitpunkt der Gewerbeanmel-
Zwecke der Lehrlingsrolle erforder- dung eingetragen.
lich sind;
2. bei den Ausbildern:
Name, Geburtsname, Vorname,
Geschlecht, Geburtsdatum, Art der
fachlichen Eignung;
3. bei den Auszubildenden
a) beim Lehrling:
Name, Geburtsname, Vorname, Ge-
schlecht, Geburtsdatum, Staatsange-
hörigkeit, allgemeinbildender Schul-
abschluss, vorausgegangene
Teilnahme an berufsvorbereitender
Qualifizierung oder beruflicher
Grundbildung, berufliche Vorbil-
dung, Anschrift des Lehrlings,
b) erforderlichenfalls bei gesetzlichen
Vertretern:
Name, Vorname und Anschrift;
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 149

3. Jugendarbeitsschutzgesetz

Gesetz zum Schutz der arbeitenden Jugend


(Jugendarbeitsschutzgesetz – JArbSchG)

vom 12. April 1976 (BGBl I S. 965),


zuletzt durch Artikel 3 Absatz 7 des Gesetzes
vom 20. April 2013 (BGBl. I S. 868)

– nicht-amtliche Veröffentlichung –

Inhaltsübersicht
Erster Abschnitt: Allgemeine Vorschriften
§1 Geltungsbereich
§2 Kind, Jugendlicher
§3 Arbeitgeber
§4 Arbeitszeit

Zweiter Abschnitt: Beschäftigung von Kindern


§5 Verbot der Beschäftigung von Kindern
§6 Behördliche Ausnahmen für Veranstaltungen
§7 Beschäftigung von nicht
vollzeitschulpflichtigen Kindern

Dritter Abschnitt: Beschäftigung Jugendlicher

Erster Titel: Arbeitszeit und Freizeit


§8 Dauer der Arbeitszeit
§9 Berufsschule
§ 10 Prüfungen und außerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen
§ 11 Ruhepausen, Aufenthaltsräume
§ 12 Schichtzeit
§ 13 Tägliche Freizeit
§ 14 Nachtruhe
§ 15 Fünf-Tage-Woche
§ 16 Samstagsruhe
§ 17 Sonntagsruhe
§ 18 Feiertagsruhe
§ 19 Urlaub
§ 20 Binnenschifffahrt
§ 21 Ausnahmen in besonderen Fällen
§ 21a Abweichende Regelungen
§ 21b Ermächtigung
150 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

Zweiter Titel: Beschäftigungsverbote und -beschränkungen


§ 22 Gefährliche Arbeiten
§ 23 Akkordarbeit; tempoabhängige Arbeiten
§ 24 Arbeiten unter Tage
§ 25 Verbot der Beschäftigung durch bestimmte Personen
§ 26 Ermächtigungen
§ 27 Behördliche Anordnung en und Ausnahmen

Dritter Titel: Sonstige Pflichten des Arbeitgebers


§ 28 Menschengerechte Gestaltung der Arbeit
§ 28a Beurteilung der Arbeitsbedingungen
§ 29 Unterweisung über Gefahren
§ 30 Häusliche Gemeinschaft
§ 31 Züchtigungsverbot; Verbot der Abgabe von Alkohol und Tabak

Vierter Titel: Gesundheitliche Betreuung


§ 32 Erstuntersuchung
§ 33 Erste Nachuntersuchung
§ 34 Weitere Nachuntersuchungen
§ 35 Außerordentliche Nachuntersuchung
§ 36 Ärztliche Untersuchungen und Wechsel des Arbeitgebers
§ 37 Inhalt und Durchführung der ärztlichen Untersuchungen
§ 38 Ergänzungsuntersuchung
§ 39 Mitteilung, Bescheinigung
§ 40 Bescheinigung mit Gefährdungsvermerk
§ 41 Aufbewahren der ärztlichen Bescheinigungen
§ 42 Eingreifen der Aufsichtsbehörde
§ 43 Freistellung für Untersuchungen
§ 44 Kosten der Untersuchungen
§ 45 Gegenseitige Unterrichtung der Ärzte
§ 46 Ermächtigungen

Vierter Abschnitt: Durchführung des Gesetzes

Erster Titel: Aushänge und Verzeichnisse


§ 47 Bekanntgabe des Gesetzes und der Aufsichtsbehörde
§ 48 Aushang über Arbeitszeit und Pausen
§ 49 Verzeichnisse der Jugendlichen
§ 50 Auskunft; Vorlage der Verzeichnisse

Zweiter Titel: Aufsicht


§ 51 Aufsichtsbehörde; Besichtigungsrechte und Berichtspflicht
§ 52 (weggefallen)
§ 53 Mitteilung über Verstöße
§ 54 Ausnahmebewilligungen
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 151

Dritter Titel: Ausschüsse für Jugendarbeitsschutz


§ 55 Bildung des Landesausschusses für Jugendarbeitsschutz
§ 56 Bildung des Ausschusses für Jugendarbeitsschutz bei der Aufsichtsbehörde
§ 57 Aufgaben der Ausschüsse

Fünfter Abschnitt: Straf- und Bußgeldvorschriften


§ 58 Bußgeld- und Strafvorschriften
§ 59 Bußgeldvorschriften
§ 60 Verwaltungsvorschriften für die Verfolgung und Ahndung
von Ordnungswidrigkeiten

Sechster Abschnitt: Schlussvorschriften


§ 61 Beschäftigung von Jugendlichen auf Kauffahrteischiffen
§ 62 Beschäftigung im Vollzug einer Freiheitsentziehung
§ 63 Änderung des Berufsbildungsgesetzes
§ 64 Änderung der Handwerksordnung
§ 65 Änderung des Bundesbeamtengesetzes
§ 66 Änderung des Beamtenrechtsrahmengesetzes
§ 67 Änderung des Bundeszentralregistergesetzes
§ 68 Änderung der Gewerbeordnung
§ 69 Änderung von Verordnungen
§ 70 Änderung des Gesetzes über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure
und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit
§ 71 Berlin-Klausel
§ 72 Inkrafttreten
152 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

Erster Abschnitt §3
Allgemeine Vorschriften Arbeitgeber
Arbeitgeber im Sinne dieses Gesetzes ist,
§1
wer ein Kind oder einen Jugendlichen ge-
Geltungsbereich
mäß § 1 beschäftigt.
(1) Dieses Gesetz gilt in der Bundesrepublik
Deutschland und in der ausschließlichen §4
Wirtschaftszone für die Beschäftigung Arbeitszeit
von Personen, die noch nicht 18 Jahre
(1) Tägliche Arbeitszeit ist die Zeit vom
alt sind,“
Beginn bis zum Ende der täglichen Be-
1. in der Berufsausbildung,
schäftigung ohne die Ruhepausen (§ 11).
2. als Arbeitnehmer oder Heimarbeiter,
(2) Schichtzeit ist die tägliche Arbeitszeit
3. mit sonstigen Dienstleistungen, die
unter Hinzurechnung der Ruhepausen
der Arbeitsleistung von Arbeitnehmern
(§ 11).
oder Heimarbeitern ähnlich sind,
4. in einem der Berufsausbildung ähn- (3) Im Bergbau unter Tage gilt die Schicht-
lichen Ausbildungsverhältnis. zeit als Arbeitszeit. Sie wird gerechnet
vom Betreten des Förderkorbs bei der
(2) Dieses Gesetz gilt nicht Einfahrt bis zum Verlassen des Förder-
1. für geringfügige Hilfeleistungen, korbs bei der Ausfahrt oder vom Eintritt
soweit sie gelegentlich des einzelnen Beschäftigten in das
a) aus Gefälligkeit, Stollenmundloch bis zu seinem Wieder-
b) auf Grund familienrechtlicher Vor- austritt.
schriften, (4) Für die Berechnung der wöchentlichen
c) in Einrichtungen der Jugendhilfe, Arbeitszeit ist als Woche die Zeit von
d) in Einrichtungen zur Eingliederung Montag bis einschließlich Sonntag
Behinderter zugrunde zu legen. Die Arbeitszeit, die
erbracht werden, an einem Werktag infolge eines gesetz-
2. für die Beschäftigung durch die Per- lichen Feiertags ausfällt, wird auf die
sonensorgeberechtigten im Familien- wöchentliche Arbeitszeit angerechnet.
haushalt. (5) Wird ein Kind oder ein Jugendlicher von
mehreren Arbeitgebern beschäftigt, so
§2 werden die Arbeits- und Schichtzeiten
Kind, Jugendlicher sowie die Arbeitstage zusammenge-
(1) Kind im Sinne dieses Gesetzes ist, wer rechnet.
noch nicht 15 Jahre alt ist.
(2) Jugendlicher im Sinne dieses Gesetzes Zweiter Abschnitt
ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre Beschäftigung von Kindern
alt ist.
(3) Auf Jugendliche, die der §5
Vollzeitschulpflicht unterliegen, finden Verbot der Beschäftigung von Kindern
die für Kinder geltenden Vorschriften (1) Die Beschäftigung von Kindern
Anwendung. (§ 2 Abs. 1) ist verboten.
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 153

(2) Das Verbot des Absatzes 1 gilt nicht für Kalenderjahr. Auf die Beschäftigung
die Beschäftigung von Kindern finden die §§ 8 bis 31 entsprechende
1. zum Zwecke der Beschäftigungs- und Anwendung.
Arbeitstherapie, (4a) Die Bundesregierung hat durch Rechts-
2. im Rahmen des Betriebspraktikums verordnung mit Zustimmung des
während der Vollzeitschulpflicht, Bundesrates die Beschäftigung nach
3. in Erfüllung einer richterlichen Absatz 3 näher zu bestimmen.
Weisung.
(4b) Der Arbeitgeber unterrichtet die Per-
Auf die Beschäftigung finden § 7 Satz 1 sonensorgeberechtigten der von ihm
Nr. 2 und die §§ 9 bis 46 entsprechende beschäftigten Kinder über mögliche
Anwendung. Gefahren sowie über alle zu ihrer
(3) Das Verbot des Absatzes 1 gilt ferner Sicherheit und ihrem Gesundheits-
nicht für die Beschäftigung von Kindern schutz getroffenen Maßnahmen.
über 13 Jahre mit Einwilligung des Per- (5) Für Veranstaltungen kann die Auf-
sonensorgeberechtigten, soweit die sichtsbehörde Ausnahmen gemäß
Beschäftigung leicht und für Kinder ge- § 6 bewilligen.
eignet ist. Die Beschäftigung ist leicht,
wenn sie auf Grund ihrer Beschaffenheit §6
und der besonderen Bedingungen, Behördliche Ausnahmen für Veranstaltungen
unter denen sie ausgeführt wird,
(1) Die Aufsichtsbehörde kann auf Antrag
1. die Sicherheit, Gesundheit und
bewilligen, dass
Entwicklung der Kinder,
1. bei Theatervorstellungen Kinder über
2. ihren Schulbesuch, ihre Beteiligung
sechs Jahre bis zu vier Stunden täglich
an Maßnahmen zur Berufswahlvor-
in der Zeit von 10 bis 23 Uhr,
bereitung oder Berufsausbildung, die
2. bei Musikaufführungen und anderen
von der zuständigen Stelle anerkannt
Aufführungen, bei
sind, und
Werbeveranstaltungen sowie bei Auf-
3. ihre Fähigkeit, dem Unterricht mit
nahmen im Rundfunk (Hörfunk und
Nutzen zu folgen, nicht nachteilig
Fernsehen), auf Ton- und Bildträger
beeinflusst. Die Kinder dürfen nicht
sowie bei Film- und Fotoaufnahmen
mehr als zwei Stunden täglich, in
a) Kinder über drei bis sechs Jahre bis
landwirtschaftlichen Familienbe-
zu zwei Stunden täglich in der Zeit
trieben nicht mehr als drei Stunden
von 8 bis 17 Uhr,
täglich, nicht zwischen 18 und 8 Uhr,
b) Kinder über sechs Jahre bis zu drei
nicht vor dem Schulunterricht und
Stunden täglich in der Zeit von 8 bis
nicht während des Schulunterrichts
22 Uhr
beschäftigt werden. Auf die Be-
gestaltend mitwirken und an den
schäftigung finden die §§ 15 bis 31
erforderlichen Proben teilnehmen.
entsprechende Anwendung.
Eine Ausnahme darf nicht bewilligt
(4) Das Verbot des Absatzes 1 gilt ferner werden für die Mitwirkung in Kaba-
nicht für die Beschäftigung von Jugend- retts, Tanzlokalen und ähnlichen Be-
lichen (§ 2 Abs. 3) während der Schul- trieben sowie auf Vergnügungsparks,
ferien für höchstens vier Wochen im Kirmessen, Jahrmärkten und bei ähnli-
154 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

chen Veranstaltungen, Schaustellun- §7


gen oder Darbietungen. Beschäftigung von nicht
(2) Die Aufsichtsbehörde darf nach Anhö- vollzeitschulpflichtigen Kindern
rung des zuständigen Jugendamts die Kinder, die der Vollzeitschulpflicht nicht
Beschäftigung nur bewilligen, wenn mehr unterliegen, dürfen
1. die Personensorgeberechtigten in 1. im Berufsausbildungsverhältnis,
die Beschäftigung schriftlich einge- 2. außerhalb eines
willigt haben, Berufsausbildungsverhältnisses nur
2. der Aufsichtsbehörde eine nicht län- mit leichten und für sie geeigneten
ger als vor drei Monaten ausgestellte Tätigkeiten bis zu sieben Stunden
ärztliche Bescheinigung vorgelegt täglich und 35 Stunden wöchentlich
wird, nach der gesundheitliche Be- beschäftigt werden. Auf die Beschäf-
denken gegen die Beschäftigung tigung finden die §§ 8 bis 46 entspre-
nicht bestehen, chende Anwendung.
3. die erforderlichen Vorkehrungen und
Maßnahmen zum Schutz des Kindes
gegen Gefahren für Leben und Ge- Dritter Abschnitt
sundheit sowie zur Vermeidung einer Beschäftigung Jugendlicher
Beeinträchtigung der körperlichen
oder seelisch-geistigen Entwicklung Erster Titel
getroffen sind, Arbeitszeit und Freizeit
4. Betreuung und Beaufsichtigung des
Kindes bei der Beschäftigung sicher- §8
gestellt sind, Dauer der Arbeitszeit
5. nach Beendigung der Beschäftigung (1) Jugendliche dürfen nicht mehr als acht
eine ununterbrochene Freizeit von min- Stunden täglich und nicht mehr als 40
destens 14 Stunden eingehalten wird, Stunden wöchentlich beschäftigt wer-
6. das Fortkommen in der Schule nicht den.
beeinträchtigt wird.
(2) Wenn in Verbindung mit Feiertagen an
(3) Die Aufsichtsbehörde bestimmt, Werktagen nicht gearbeitet wird, damit
1. wie lange, zu welcher Zeit und an die Beschäftigten eine längere zusam-
welchem Tag das Kind beschäftigt menhängende Freizeit haben, so darf
werden darf, die ausfallende Arbeitszeit auf die
2. Dauer und Lage der Ruhepausen, Werktage von fünf zusammenhängen-
3. die Höchstdauer des täglichen den, die Ausfalltage einschließenden
Aufenthalts an der Wochen nur dergestalt verteilt werden,
Beschäftigungsstätte. dass die Wochenarbeitszeit im Durch-
(4) Die Entscheidung der Aufsichtsbehörde schnitt dieser fünf Wochen 40 Stunden
ist dem Arbeitgeber schriftlich bekannt nicht überschreitet. Die tägliche Ar-
zu geben. Er darf das Kind erst nach beitszeit darf hierbei achteinhalb
Empfang des Bewilligungsbescheids Stunden nicht überschreiten.
beschäftigen. (2a) Wenn an einzelnen Werktagen die
Arbeitszeit auf weniger als acht
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 155

Stunden verkürzt ist, können Jugend- § 10


liche an den übrigen Werktagen dersel- Prüfungen und außerbetriebliche
ben Woche achteinhalb Stunden be- Ausbildungsmaßnahmen
schäftigt werden. (1) Der Arbeitgeber hat den Jugendlichen
(3) In der Landwirtschaft dürfen Jugend- 1. für die Teilnahme an Prüfungen und
liche über 16 Jahre während der Ernte- Ausbildungsmaßnahmen, die auf
zeit nicht mehr als neun Stunden täg- Grund öffentlich-rechtlicher oder ver-
lich und nicht mehr als 85 Stunden in traglicher Bestimmungen außerhalb
der Doppelwoche beschäftigt werden. der Ausbildungsstätte durchzuführen
sind,
§9 2. an dem Arbeitstag, der der schrift-
Berufsschule lichen Abschlussprüfung unmittelbar
(1) Der Arbeitgeber hat den Jugendlichen vorangeht, freizustellen.
für die Teilnahme am Berufsschulunter- (2) Auf die Arbeitszeit werden angerechnet
richt freizustellen. Er darf den Jugend- 1. die Freistellung nach Absatz 1 Nr. 1 mit
lichen nicht beschäftigen der Zeit der Teilnahme einschließlich
1. vor einem vor 9 Uhr beginnenden der Pausen,
Unterricht; dies gilt auch für Personen, 2. die Freistellung nach Absatz 1 Nr. 2
die über 18 Jahre alt und noch berufs- mit acht Stunden.
schulpflichtig sind, Ein Entgeltausfall darf nicht eintreten.
2. an einem Berufsschultag mit mehr als
fünf Unterrichtsstunden von mindes- § 11
tens je 45 Minuten, einmal in der Ruhepausen, Aufenthaltsräume
Woche, (1) Jugendlichen müssen im voraus fest-
3. in Berufsschulwochen mit einem stehende Ruhepausen von angemesse-
planmäßigen Blockunterricht von ner Dauer gewährt werden. Die Ruhe-
mindestens 25 Stunden an mindes- pausen müssen mindestens betragen
tens fünf Tagen; zusätzliche betriebli- 1. 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von
che Ausbildungsveranstaltungen bis mehr als viereinhalb bis zu sechs
zu zwei Stunden wöchentlich sind zu- Stunden,
lässig. 2. 60 Minuten bei einer Arbeitszeit von
mehr als sechs Stunden.
(2) Auf die Arbeitszeit werden angerechnet
1. Berufsschultage nach Absatz 1 Nr. 2 Als Ruhepause gilt nur eine
mit acht Stunden, Arbeitsunterbrechung von mindestens
2. Berufsschulwochen nach Absatz 1 Nr. 15 Minuten.
3 mit 40 Stunden, (2) Die Ruhepausen müssen in angemesse-
3. im übrigen die Unterrichtszeit ein- ner zeitlicher Lage gewährt werden,
schließlich der Pausen. frühestens eine Stunde nach Beginn
und spätestens eine Stunde vor Ende
(3) Ein Entgeltausfall darf durch den
der Arbeitszeit. Länger als viereinhalb
Besuch der Berufsschule nicht ein-
Stunden hintereinander dürfen Jugend-
treten.
liche nicht ohne Ruhepause beschäftigt
(4) (weggefallen) werden.
156 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

(3) Der Aufenthalt während der Ruhepaus- (4) An dem einem Berufsschultag unmittel-
en in Arbeitsräumen darf den Jugend- bar vorangehenden Tag dürfen Jugend-
lichen nur gestattet werden, wenn die liche auch nach Absatz 2 Nr. 1 bis 3 nicht
Arbeit in diesen Räumen während die- nach 20 Uhr beschäftigt werden, wenn
ser Zeit eingestellt ist und auch sonst der Berufsschulunterricht am Berufs-
die notwendige Erholung nicht beein- schultag vor 9 Uhr beginnt.
trächtigt wird. (5) Nach vorheriger Anzeige an die Auf-
(4) Absatz 3 gilt nicht für den Bergbau sichtsbehörde dürfen in Betrieben, in
unter Tage. denen die übliche Arbeitszeit aus ver-
kehrstechnischen Gründen nach 20 Uhr
§ 12
endet, Jugendliche bis 21 Uhr beschäf-
Schichtzeit
tigt werden, soweit sie hierdurch un-
Bei der Beschäftigung Jugendlicher darf die nötige Wartezeiten vermeiden können.
Schichtzeit (§ 4 Abs. 2) 10 Stunden, im Berg- Nach vorheriger Anzeige an die Auf-
bau unter Tage 8 Stunden, im Gaststätten- sichtsbehörde dürfen ferner in mehr-
gewerbe, in der Landwirtschaft, in der schichtigen Betrieben Jugendliche über
Tierhaltung, auf Bau- und Montagestellen 16 Jahre ab 5.30 Uhr oder bis 23.30 Uhr
11 Stunden nicht überschreiten. beschäftigt werden, soweit sie hier-
§ 13 durch unnötige Wartezeiten vermeiden
Tägliche Freizeit können.

Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit (6) Jugendliche dürfen in Betrieben, in


dürfen Jugendliche nicht vor Ablauf einer denen die Beschäftigten in außerge-
ununterbrochenen Freizeit von mindestens wöhnlichem Grade der Einwirkung von
12 Stunden beschäftigt werden. Hitze ausgesetzt sind, in der warmen
Jahreszeit ab 5 Uhr beschäftigt werden.
§ 14 Die Jugendlichen sind berechtigt, sich
Nachtruhe vor Beginn der Beschäftigung und da-
(1) Jugendliche dürfen nur in der Zeit von nach in regelmäßigen Zeitabständen
6 bis 20 Uhr beschäftigt werden. arbeitsmedizinisch untersuchen zu las-
sen. Die Kosten der Untersuchungen
(2) Jugendliche über 16 Jahre dürfen
hat der Arbeitgeber zu tragen, sofern er
1. im Gaststätten- und
diese nicht kostenlos durch einen Be-
Schaustellergewerbe bis 22 Uhr,
triebsarzt oder einen überbetrieblichen
2. in mehrschichtigen Betrieben bis
Dienst von Betriebsärzten anbietet.
23 Uhr,
3. in der Landwirtschaft ab 5 Uhr oder (7) Jugendliche dürfen bei Musikaufführun-
bis 21 Uhr, gen, Theatervorstellungen und ande-
4. in Bäckereien und Konditoreien ab ren Aufführungen, bei Aufnahmen im
5 Uhr Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen), auf
beschäftigt werden. Ton- und Bildträger sowie bei Film- und
(3) Jugendliche über 17 Jahre dürfen in Fotoaufnahmen bis 23 Uhr gestaltend
Bäckereien ab 4 Uhr beschäftigt mitwirken. Eine Mitwirkung ist nicht
werden. zulässig bei Veranstaltungen, Schau-
stellungen oder Darbietungen, bei
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 157

denen die Anwesenheit Jugendlicher 10. im ärztlichen Notdienst,


nach den Vorschriften des Jugend- 11. in Reparaturwerkstätten für
schutzgesetzes verboten ist. Nach Be- Kraftfahrzeuge.
endigung der Tätigkeit dürfen Jugend- Mindestens zwei Samstage im Monat
liche nicht vor Ablauf einer ununter- sollen beschäftigungsfrei bleiben.
brochenen Freizeit von mindestens
14 Stunden beschäftigt werden. (3) Werden Jugendliche am Samstag be-
schäftigt, ist ihnen die Fünf-Tage-Woche
§ 15 (§ 15) durch Freistellung an einem ande-
Fünf-Tage-Woche ren berufsschulfreien Arbeitstag dersel-
ben Woche sicherzustellen. In Betrie-
Jugendliche dürfen nur an fünf Tagen in der ben mit einem Betriebsruhetag in der
Woche beschäftigt werden. Die beiden Woche kann die Freistellung auch an
wöchentlichen Ruhetage sollen nach Mög- diesem Tag erfolgen, wenn die Jugend-
lichkeit aufeinander folgen. lichen an diesem Tag keinen Berufs-
schulunterricht haben.
§ 16 (4) Können Jugendliche in den Fällen des
Samstagsruhe Absatzes 2 Nr. 2 am Samstag nicht acht
(1) An Samstagen dürfen Jugendliche nicht Stunden beschäftigt werden, kann der
beschäftigt werden. Unterschied zwischen der tatsächlichen
(2) Zulässig ist die Beschäftigung und der nach § 8 Abs. 1 höchstzulässi-
Jugendlicher an Samstagen nur gen Arbeitszeit an dem Tag bis 13 Uhr
1. in Krankenanstalten sowie in Alten-, ausgeglichen werden, an dem die
Pflege- und Kinderheimen, Jugendlichen nach Absatz 3 Satz 1 frei-
2. in offenen Verkaufsstellen, in Be- zustellen sind.
trieben mit offenen Verkaufsstellen, § 17
in Bäckereien und Konditoreien, im Sonntagsruhe
Friseurhandwerk und im Markt ver-
kehr, (1) An Sonntagen dürfen Jugendliche nicht
3. im Verkehrswesen, beschäftigt werden.
4. in der Landwirtschaft und Tier- (2) Zulässig ist die Beschäftigung
haltung, Jugendlicher an Sonntagen nur
5. im Familienhaushalt, 1. in Krankenanstalten sowie in Alten-,
6. im Gaststätten- und Schausteller- Pflege- und Kinderheimen,
gewerbe, 2. in der Landwirtschaft und
7. bei Musikaufführungen, Theater vor- Tierhaltung mit Arbeiten, die auch an
stellungen und anderen Aufführun- Sonn- und Feiertagen naturnotwen-
gen, bei Aufnahmen im Rundfunk dig vorgenommen werden müssen,
(Hörfunk und Fernsehen), auf Ton- 3. im Familienhaushalt, wenn der
und Bildträger sowie bei Film- und Jugendliche in die häusliche
Fotoaufnahmen, Gemeinschaft aufgenommen ist,
8. bei außerbetrieblichen Ausbildungs- 4. im Schaustellergewerbe,
maßnahmen, 5. bei Musikaufführungen, Theatervor-
9. beim Sport, stellungen und anderen Aufführun-
158 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

gen sowie bei Direktsendungen im § 19


Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen), Urlaub
6. beim Sport, (1) Der Arbeitgeber hat Jugendlichen für
7. im ärztlichen Notdienst, jedes Kalenderjahr einen bezahlten
8. im Gaststättengewerbe. Erholungsurlaub zu gewähren.
Jeder zweite Sonntag soll, mindestens (2) Der Urlaub beträgt jährlich
zwei Sonntage im Monat müssen be- 1. mindestens 30 Werktage, wenn der
schäftigungsfrei bleiben. Jugendliche zu Beginn des Kalen-
(3) Werden Jugendliche am Sonntag be- derjahrs noch nicht 16 Jahre alt ist,
schäftigt, ist ihnen die Fünf-Tage-Woche 2. mindestens 27 Werktage, wenn der
(§ 15) durch Freistellung an einem ande- Jugendliche zu Beginn des Kalen-
ren berufsschulfreien Arbeitstag dersel- derjahrs noch nicht 17 Jahre alt ist,
ben Woche sicherzustellen. In Betrie- 3. mindestens 25 Werktage, wenn der Ju-
ben mit einem Betriebsruhetag in der gendliche zu Beginn des Kalenderjahrs
Woche kann die Freistellung auch an noch nicht 18 Jahre alt ist.
diesem Tag erfolgen, wenn die Jugend- Jugendliche, die im Bergbau unter Tage
lichen an diesem Tag keinen Berufs- beschäftigt werden, erhalten in jeder
schulunterricht haben. Altersgruppe einen zusätzlichen Urlaub
von drei Werktagen.
§ 18
(3) Der Urlaub soll Berufsschülern in der
Feiertagsruhe
Zeit der Berufsschulferien gegeben
(1) Am 24. und 31. Dezember nach 14 Uhr werden. Soweit er nicht in den Berufs-
und an gesetzlichen Feiertagen dürfen schulferien gegeben wird, ist für jeden
Jugendliche nicht beschäftigt werden. Berufsschultag, an dem die Berufs-
(2) Zulässig ist die Beschäftigung Jugend- schule während des Urlaubs besucht
licher an gesetzlichen Feiertagen in den wird, ein weiterer Urlaubstag zu ge-
Fällen des § 17 Abs. 2, ausgenommen am währen.
25. Dezember, am 1. Januar, am ersten (4) Im übrigen gelten für den Urlaub der
Osterfeiertag und am 1. Mai. Jugendlichen § 3 Abs. 2, §§ 4 bis 12 und
(3) Für die Beschäftigung an einem gesetz- § 13 Abs. 3 des Bundesurlaubsgesetzes.
lichen Feiertag, der auf einem Werktag Der Auftraggeber oder Zwischenmeister
fällt, ist der Jugendliche an einem ande- hat jedoch abweichend von § 12 Nr. 1
ren berufsschulfreien Arbeitstag der- des Bundesurlaubsgesetzes den ju-
selben oder der folgenden Woche gendlichen Heimarbeitern für jedes
freizustellen. In Betrieben mit einem Kalenderjahr einen bezahlten Erho-
Betriebsruhetag in der Woche kann lungsurlaub entsprechend Absatz 2 zu
die Freistellung auch an diesem Tag gewähren; das Urlaubsentgelt der
erfolgen, wenn die Jugendlichen an jugendlichen Heimarbeiter beträgt
diesem Tag keinen Berufsschul- bei einem Urlaub von 30 Werktagen
unterricht haben. 11,6 vom Hundert, bei einem Urlaub
von 27 Werktagen 10,3 vom Hundert
und bei einem Urlaub von 25 Werk-
tagen 9,5 vom Hundert.
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 159

§ 20 (2) Wird in den Fällen des Absatzes 1 über


Binnenschifffahrt die Arbeitszeit des § 8 hinaus Mehr-
In der Binnenschifffahrt gelten folgende arbeit geleistet, so ist sie durch entspre-
Abweichungen: chende Verkürzung der Arbeitszeit
1. Abweichend von § 12 darf die Schicht- innerhalb der folgenden drei Wochen
zeit Jugendlicher über 16 Jahre wäh- auszugleichen.
rend der Fahrt bis auf 14 Stunden täg- (3)
lich ausgedehnt werden, wenn ihre
Arbeitszeit sechs Stunden täglich
nicht überschreitet. Ihre tägliche Frei- § 21a
zeit kann abweichend von § 13 der Abweichende Regelungen
Ausdehnung der Schichtzeit entspre- (1) In einem Tarifvertrag oder auf Grund
chend bis auf 10 Stunden verkürzt eines Tarifvertrages in einer Betriebs-
werden. vereinbarung kann zugelassen werden
2. Abweichend von § 14 Abs. 1 dürfen Ju- 1. abweichend von den §§ 8, 15, 16 Abs. 3
gendliche über 16 Jahre während der und 4, § 17 Abs. 3 und § 18 Abs. 3 die
Fahrt bis 22 Uhr beschäftigt werden. Arbeitszeit bis zu neun Stunden täg-
3. Abweichend von §§ 15, 16 Abs. 1, § 17 lich, 44 Stunden wöchentlich und bis
Abs. 1 und § 18 Abs. 1 dürfen Jugend- zu fünfeinhalb Tagen in der Woche
liche an jedem Tag der Woche be- anders zu verteilen, jedoch nur unter
schäftigt werden, jedoch nicht am Einhaltung einer durchschnittlichen
24. Dezember, an den Weihnachts- Wochenarbeitszeit von 40 Stunden in
feiertagen, am 31. Dezember, am einem Ausgleichszeitraum von zwei
1. Januar, an den Osterfeiertagen und Monaten,
am 1. Mai. Für die Beschäftigung an 2. abweichend von § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2
einem Samstag, Sonntag und an und Abs. 2 die Ruhepausen bis zu 15
einem gesetzlichen Feiertag, der auf Minuten zu kürzen und die Lage der
einen Werktag fällt, ist ihnen je ein Pausen anders zu bestimmen,
freier Tag zu gewähren. Diese freien 3. abweichend von § 12 die Schichtzeit
Tage sind den Jugendlichen in Ver- mit Ausnahme des Bergbaus unter
bindung mit anderen freien Tagen zu Tage bis zu einer Stunde täglich zu
gewähren, spätestens, wenn ihnen verlängern,
10 freie Tage zustehen. 4. abweichend von § 16 Abs. 1 und 2
Jugendliche an 26 Samstagen im Jahr
oder an jedem Samstag zu beschäfti-
§ 21 gen, wenn statt dessen der Jugend-
Ausnahmen in besonderen Fällen liche an einem anderen Werktag der-
(1) Die §§ 8 und 11 bis 18 finden keine selben Woche von der Beschäftigung
Anwendung auf die Beschäftigung freigestellt wird,
Jugendlicher mit vorübergehenden 5. abweichend von den §§ 15, 16 Abs. 3
und unaufschiebbaren Arbeiten in und 4, § 17 Abs. 3 und § 18 Abs. 3
Notfällen, soweit erwachsene Jugendliche bei einer Beschäftigung
Beschäftigte nicht zur Verfügung an einem Samstag oder an einem
stehen. Sonn- oder Feiertag unter vier Stun-
160 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

den an einem anderen Arbeitstag Zweiter Titel


derselben oder der folgenden Woche Beschäftigungsverbote und
vor- oder nachmittags von der Be- -beschränkungen
schäftigung freizustellen,
6. abweichend von § 17 Abs. 2 Satz 2 § 22
Jugendliche im Gaststätten- und Gefährliche Arbeiten
Schaustellergewerbe sowie in der
(1) Jugendliche dürfen nicht beschäftigt
Landwirtschaft während der Saison
werden
oder der Erntezeit an drei Sonntagen
1. mit Arbeiten, die ihre physische oder
im Monat zu beschäftigen.
psychische Leistungsfähigkeit über-
(2) Im Geltungsbereich eines Tarifvertrages steigen,
nach Absatz 1 kann die abweichende 2. mit Arbeiten, bei denen sie sittlichen
tarifvertragliche Regelung im Betrieb Gefahren ausgesetzt sind,
eines nicht tarifgebundenen Arbeit- 3. mit Arbeiten, die mit Unfallgefahren
gebers durch Betriebsvereinbarung verbunden sind, von denen anzuneh-
oder, wenn ein Betriebsrat nicht be- men ist, dass Jugendliche sie wegen
steht, durch schriftliche Vereinbarung mangelnden Sicherheitsbewusstseins
zwischen dem Arbeitgeber und dem oder mangelnder Erfahrung nicht er-
Jugendlichen übernommen werden. kennen oder nicht abwenden können,
(3) Die Kirchen und die öffentlich-recht- 4. mit Arbeiten, bei denen ihre Gesund-
lichen Religionsgesellschaften können heit durch außergewöhnliche Hitze
die in Absatz 1 genannten Abweichun- oder Kälte oder starke Nässe ge-
gen in ihren Regelungen vorsehen. fährdet wird,
5. mit Arbeiten, bei denen sie schäd-
§ 21 b lichen Einwirkungen von Lärm, Er-
schütterungen oder Strahlen ausge-
Das Bundesministerium für Arbeit und Sozia- setzt sind,
les kann im Interesse der Berufsausbildung 6. mit Arbeiten, bei denen sie schäd-
oder der Zusammenarbeit von Jugendlichen lichen Einwirkungen von Gefahr-
und Erwachsenen durch Rechtsverordnung stoffen im Sinne des Chemikalien-
mit Zustimmung des Bundesrates gesetzes ausgesetzt sind,
Ausnahmen von den Vorschriften 7. mit Arbeiten, bei denen sie schäd-
1. des § 8, der §§ 11 und 12, der §§ 15 und lichen Einwirkungen von biologischen
16, des § 17 Abs. 2 und 3 sowie des § 18 Arbeitsstoffen im Sinne der Richtlinie
Abs. 3 im Rahmen des § 21a Abs. 1, 90/679/ EWG des Rates vom 26. No-
2. des § 14, jedoch nicht vor 5 Uhr und vember 1990 zum Schutze der Ar-
nicht nach 23 Uhr, sowie beitnehmer gegen Gefährdung durch
3. des § 17 Abs. 1 und § 18 Abs. 1 an höchs- biologische Arbeitsstoffe bei der
tens 26 Sonn- und Feiertagen im Jahr Arbeit ausgesetzt sind.
zulassen, soweit eine Beeinträchtigung (2) Absatz 1 Nr. 3 bis 7 gilt nicht für die Be-
der Gesundheit oder der körperlichen oder schäftigung Jugendlicher, soweit
seelisch-geistigen Entwicklung der Jugend- 1. dies zur Erreichung ihres Ausbildungs-
lichen nicht zu befürchten ist. zieles erforderlich ist,
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 161

2. ihr Schutz durch die Aufsicht eines haben und ihr Schutz durch die
Fachkundigen gewährleistet ist und Aufsicht eines Fachkundigen gewähr-
3. der Luftgrenzwert bei gefährlichen leistet ist.
Stoffen (Absatz 1 Nr. 6) unterschritten
wird. § 24
Satz 1 findet keine Anwendung auf den Arbeiten unter Tage
absichtlichen Umgang mit biologischen (1) Jugendliche dürfen nicht mit Arbeiten
Arbeitsstoffen der Gruppen 3 und 4 im unter Tage beschäftigt werden.
Sinne der Richtlinie 90/679/EWG des (2) Absatz 1 gilt nicht für die Beschäftigung
Rates vom 26. November 1990 zum Jugendlicher über 16 Jahre,
Schutze der Arbeitnehmer gegen Ge- 1. soweit dies zur Erreichung ihres
fährdung durch biologische Arbeits- Ausbildungsziels erforderlich ist,
stoffe bei der Arbeit. 2. wenn sie eine Berufsausbildung für
(3) Werden Jugendliche in einem Betrieb die Beschäftigung unter Tage abge-
beschäftigt, für den ein Betriebsarzt schlossen haben oder
oder eine Fachkraft für Arbeitssicher- 3. wenn sie an einer von der Berg-
heit verpflichtet ist, muss ihre betriebs- behörde genehmigten Ausbildungs-
ärztliche oder sicherheitstechnische maßnahme für Bergjungarbeiter teil-
Betreuung sichergestellt sein. nehmen oder teilgenommen haben
und ihr Schutz durch die Aufsicht
§ 23 eines Fachkundigen gewährleistet ist.
Akkordarbeit, tempoabhängige
Arbeiten § 25
(1) Jugendliche dürfen nicht beschäftigt Verbot der Beschäftigung
werden durch bestimmte Personen
1. mit Akkordarbeit und sonstigen (1) Personen, die
Arbeiten, bei denen durch ein gestei- 1. wegen eines Verbrechens zu einer
gertes Arbeitstempo ein höheres Freiheitsstrafe von mindestens zwei
Entgelt erzielt werden kann, Jahren,
2. in einer Arbeitsgruppe mit erwachse- 2. wegen einer vorsätzlichen Straftat,
nen Arbeitnehmern, die mit Arbeiten die sie unter Verletzung der ihnen als
nach Nummer 1 beschäftigt werden, Arbeitgeber, Ausbildender oder
3. mit Arbeiten, bei denen ihr Ausbilder obliegenden Pflichten zum
Arbeitstempo nicht nur gelegentlich Nachteil von Kindern oder
vorgeschrieben, vorgegeben oder Jugendlichen begangen haben, zu
auf andere Weise erzwungen wird. einer Freiheitsstrafe von mehr als drei
(2) Absatz 1 Nr. 2 gilt nicht für die Beschäfti- Monaten,
gung Jugendlicher, 3. wegen einer Straftat nach den
1. soweit dies zur Erreichung ihres §§ 109h, 171, 174 bis 184g, 225, 232 bis
Ausbildungsziels erforderlich ist 233a des Strafgesetzbuches,
oder 4. wegen einer Straftat nach dem
2. wenn sie eine Berufsausbildung für Betäubungsmittelgesetz oder
diese Beschäftigung abgeschlossen 5. wegen einer Straftat nach dem
162 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

Jugendschutzgesetz oder nach dem § 7 Satz 1 Nr. 2 und die Arbeiten nach
Gesetz über die Verbreitung jugend- § 22 Abs. 1 und den §§ 23 und 24 näher
gefährdender Schriften wenigstens bestimmen,
zweimal rechtskräftig verurteilt wor- 2. über die Beschäftigungsverbote in
den sind, dürfen Jugendliche nicht den §§ 22 bis 25 hinaus die Beschäf-
beschäftigen sowie im Rahmen eines tigung Jugendlicher in bestimmten
Rechtsverhältnisses im Sinne des § 1 Betriebsarten oder mit bestimmten
nicht beaufsichtigen, nicht anweisen, Arbeiten verbieten oder beschrän-
nicht ausbilden und nicht mit der ken, wenn sie bei diesen Arbeiten
Beaufsichtigung, Anweisung oder infolge ihres Entwicklungsstands in
Ausbildung von Jugendlichen beauf- besonderem Maß Gefahren ausge-
tragt werden. Eine Verurteilung setzt sind oder wenn das Verbot oder
bleibt außer Betracht, wenn seit dem die Beschränkung der Beschäftigung
Tag ihrer Rechtskraft fünf Jahre ver- infolge der technischen Entwicklung
strichen sind. Die Zeit, in welcher der oder neuer arbeitsmedizinischer oder
Täter auf behördliche Anordnung in sicherheitstechnischer Erkenntnisse
einer Anstalt verwahrt worden ist, notwendig ist.
wird nicht eingerechnet.
(2) Das Verbot des Absatzes 1 Satz 1 gilt § 27
auch für Personen, gegen die wegen Behördliche Anordnungen und
einer Ordnungswidrigkeit nach § 58 Ausnahmen
Abs. 1 bis 4 wenigstens dreimal eine
Geldbuße rechtskräftig festgesetzt (1) Die Aufsichtsbehörde kann in Einzel-
worden ist. Eine Geldbuße bleibt außer fällen feststellen, ob eine Arbeit unter
Betracht, wenn seit dem Tag ihrer die Beschäftigungsverbote oder -be-
rechtskräftigen Festsetzung fünf Jahre schränkungen der §§ 22 bis 24 oder
verstrichen sind. einer Rechtsverordnung nach § 26 fällt.
Sie kann in Einzelfällen die Beschäfti-
(3) Das Verbot des Absatzes 1 und 2 gilt gung Jugendlicher mit bestimmten
nicht für die Beschäftigung durch die Arbeiten über die Beschäftigungsver-
Personensorgeberechtigten. bote und -beschränkungen der §§ 22 bis
24 und einer Rechtsverordnung nach
§ 26 § 26 hinaus verbieten oder beschrän-
Ermächtigungen ken, wenn diese Arbeiten mit Gefahren
Das Bundesministerium für Arbeit und Sozia- für Leben, Gesundheit oder für die kör-
les kann zum Schutz der Jugendlichen gegen perliche oder seelisch-geistige Entwick-
Gefahren für Leben und Gesundheit sowie lung der Jugendlichen verbunden sind.
zur Vermeidung einer Beeinträchtigung (2) Die zuständige Behörde kann
der körperlichen oder seelisch-geistigen 1. den Personen, die die Pflichten,
Entwicklung durch Rechtsverordnung mit die ihnen kraft Gesetzes zugunsten
Zustimmung des Bundesrates der von ihnen beschäftigten, be-
1. die für Kinder, die der Vollzeitschul- aufsichtigten, angewiesenen oder
pflicht nicht mehr unterliegen, geeig- auszubildenden Kinder und
neten und leichten Tätigkeiten nach
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 163

Jugendlichen obliegen, wiederholt geistigen Entwicklung der Jugend-


oder gröblich verletzt haben, lichen erforderlich sind. Hierbei sind
2. den Personen, gegen die Tatsachen das mangelnde Sicherheitsbewusstsein,
vorliegen, die sie in sittlicher Bezie- die mangelnde Erfahrung und der Ent -
hung zur Beschäftigung, Beaufsich- wicklungsstand der Jugendlichen zu
tigung, Anweisung oder Ausbildung berücksichtigen und die allgemein
von Kindern und Jugendlichen unge- anerkannten sicherheitstechnischen
eignet erscheinen lassen, und arbeitsmedizinischen Regeln
verbieten, Kinder und Jugendliche zu sowie die sonstigen gesicherten ar-
beschäftigen oder im Rahmen eines beitswissenschaftlichen Erkenntnisse
Rechtsverhältnisses im Sinne des § 1 zu zu beachten.
beaufsichtigen, anzuweisen oder aus-
(2) Das Bundesministerium für Arbeit und
zubilden.
Soziales kann durch Rechtsverordnung
(3) Die Aufsichtsbehörde kann auf Antrag mit Zustimmung des Bundesrates be-
Ausnahmen von § 23 Abs. 1 Nr. 2 und 3 stimmen, welche Vorkehrungen und
für Jugendliche über 16 Jahre bewilligen, Maßnahmen der Arbeitgeber zur Er-
1. wenn die Art der Arbeit oder das füllung der sich aus Absatz 1 ergeben-
Arbeitstempo eine Beeinträchtigung den Pflichten zu treffen hat.
der Gesundheit oder der körperlichen
oder seelisch-geistigen Entwicklung (3) Die Aufsichtsbehörde kann in Einzel-
des Jugendlichen nicht befürchten fällen anordnen, welche Vorkehrungen
lassen und und Maßnahmen zur Durchführung
2. wenn eine nicht länger als vor drei des Absatzes 1 oder einer vom Bundes-
Monaten ausgestellte ärztliche Be- ministerium für Arbeit und Soziales
scheinigung vorgelegt wird, nach der gemäß Absatz 2 erlassenen Verordnung
gesundheitliche Bedenken gegen die zu treffen sind.
Beschäftigung nicht bestehen.
§ 28a
Beurteilung der Arbeitsbedingungen
Dritter Titel
Sonstige Pflichten des Arbeitgebers Vor Beginn der Beschäftigung Jugendlicher
und bei wesentlicher Änderung der Arbeits-
§ 28 bedingungen hat der Arbeitgeber die mit
Menschengerechte Gestaltung der Arbeit der Beschäftigung verbundenen Gefährdun-
gen Jugendlicher zu beurteilen. Im übrigen
(1) Der Arbeitgeber hat bei der Einrichtung gelten die Vorschriften des Arbeitsschutz-
und der Unterhaltung der Arbeitsstätte gesetzes.
einschließlich der Maschinen, Werk-
zeuge und Geräte und bei der Regelung
der Beschäftigung die Vorkehrungen § 29
und Maßnahmen zu treffen, die zum Unterweisung über Gefahren
Schutz der Jugendlichen gegen Ge- (1) Der Arbeitgeber hat die Jugendlichen
fahren für Leben und Gesundheit sowie vor Beginn der Beschäftigung und bei
zur Vermeidung einer Beeinträchti- wesentlicher Änderung der Arbeitsbe-
gung der körperlichen oder seelisch- dingungen über die Unfall- und Ge-
164 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

sundheitsgefahren, denen sie bei der (2) Die Aufsichtsbehörde kann im Einzelfall
Beschäftigung ausgesetzt sind, sowie anordnen, welchen Anforderungen
über die Einrichtungen und Maßnah- die Unterkunft (Absatz 1 Nr. 1) und die
men zur Abwendung dieser Gefahren Pflege bei Erkrankungen (Absatz 1 Nr. 2)
zu unterweisen. Er hat die Jugendlichen genügen müssen.
vor der erstmaligen Beschäftigung an
Maschinen oder gefährlichen Arbeits- § 31
stellen oder mit Arbeiten, bei denen sie Züchtigungsverbot,
mit gesundheitsgefährdenden Stoffen Verbot der Abgabe von Alkohol und Tabak
in Berührung kommen, über die beson- (1) Wer Jugendliche beschäftigt oder im
deren Gefahren dieser Arbeiten sowie Rahmen eines Rechtsverhältnisses im
über das bei ihrer Verrichtung erforder- Sinne des § 1 beaufsichtigt, anweist oder
liche Verhalten zu unterweisen. ausbildet, darf sie nicht körperlich züch-
(2) Die Unterweisungen sind in ange- tigen.
messenen Zeitabständen, mindestens (2) Wer Jugendliche beschäftigt, muss sie
aber halbjährlich, zu wiederholen. vor körperlicher Züchtigung und Miss-
handlung und vor sittlicher Gefährdung
(3) Der Arbeitgeber beteiligt die Betriebs-
durch andere bei ihm Beschäftigte und
ärzte und die Fachkräfte für Arbeits-
durch Mitglieder seines Haushalts an
sicherheit an der Planung, Durchfüh-
der Arbeitsstätte und in seinem Haus
rung und Überwachung der für die
schützen. Er darf Jugendlichen keine
Sicherheit und den Gesundheitsschutz
Tabakwaren, Jugendlichen unter
bei der Beschäftigung Jugendlicher gel-
16 Jahren keine alkoholischen Getränke
tenden Vorschriften.
und Jugendlichen über 16 Jahre keinen
Branntwein geben.
§ 30
Häusliche Gemeinschaft Vierter Titel
(1) Hat der Arbeitgeber einen Jugendlichen Gesundheitliche Betreuung
in die häusliche Gemeinschaft aufge-
nommen, so muss er § 32
1. ihm eine Unterkunft zur Verfügung Erstuntersuchung
stellen und dafür sorgen, dass sie (1) Ein Jugendlicher, der in das Berufsleben
so beschaffen, ausgestattet und eintritt, darf nur beschäftigt werden,
belegt ist und so benutzt wird, wenn
dass die Gesundheit des Jugend- 1. er innerhalb der letzten vierzehn
lichen nicht beeinträchtigt wird, Monate von einem Arzt untersucht
und worden ist (Erstuntersuchung) und
2. ihm bei einer Erkrankung, jedoch 2. dem Arbeitgeber eine von diesem Arzt
nicht über die Beendigung der Be- ausgestellte Bescheinigung vorliegt.
schäftigung hinaus, die erforderliche
(2) Absatz 1 gilt nicht für eine nur gering-
Pflege und ärztliche Behandlung zu-
fügige oder eine nicht länger als zwei
teil werden lassen, soweit diese nicht
Monate dauernde Beschäftigung mit
von einem Sozialversicherungsträger
leichten Arbeiten, von denen keine
geleistet wird.
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 165

gesundheitlichen Nachteile für den (weitere Nachuntersuchungen). Der Arbeit-


Jugendlichen zu befürchten sind. geber soll ihn auf diese Möglichkeit recht-
zeitig hinweisen und darauf hinwirken, dass
§ 33 der Jugendliche ihm die Bescheinigung über
Erste Nachuntersuchung die weitere Nachuntersuchung vorlegt.
(1) Ein Jahr nach Aufnahme der ersten Be-
schäftigung hat sich der Arbeitgeber § 35
die Bescheinigung eines Arztes darüber Außerordentliche Nachuntersuchung
vorlegen zu lassen, dass der Jugend- (1) Der Arzt soll eine außerordentliche
liche nachuntersucht worden ist (erste Nachuntersuchung anordnen, wenn
Nachuntersuchung). Die Nachunter- eine Untersuchung ergibt, dass
suchung darf nicht länger als drei 1. ein Jugendlicher hinter dem seinem
Monate zurückliegen. Der Arbeitgeber Alter entsprechenden Entwicklungs-
soll den Jugendlichen neun Monate stand zurückgeblieben ist,
nach Aufnahme der ersten Beschäfti- 2. gesundheitliche Schwächen oder
gung nachdrücklich auf den Zeitpunkt, Schäden vorhanden sind,
bis zu dem der Jugendliche ihm die 3. die Auswirkungen der Beschäftigung
ärztliche Bescheinigung nach Satz 1 vor- auf die Gesundheit oder Entwicklung
zulegen hat, hinweisen und ihn auffor- des Jugendlichen noch nicht zu über-
dern, die Nachuntersuchung bis dahin sehen sind.
durchführen zu lassen. (2) Die in § 33 Abs. 1 festgelegten Fristen
(2) Legt der Jugendliche die Bescheinigung werden durch die Anordnung einer
nicht nach Ablauf eines Jahres vor, hat außerordentlichen Nachuntersuchung
ihn der Arbeitgeber innerhalb eines nicht berührt.
Monats unter Hinweis auf das Beschäf-
tigungsverbot nach Absatz 3 schriftlich § 36
aufzufordern, ihm die Bescheinigung Ärztliche Untersuchungen und
vorzulegen. Je eine Durchschrift des Wechsel des Arbeitgebers
Aufforderungsschreibens hat der Ar- Wechselt der Jugendliche den Arbeitgeber,
beitgeber dem Personensorge- so darf ihn der neue Arbeitgeber erst be-
berechtigten und dem Betriebs- oder schäftigen, wenn ihm die Bescheinigung
Personalrat zuzusenden. über die Erstuntersuchung (§ 32 Abs. 1) und,
(3) Der Jugendliche darf nach Ablauf von falls seit der Aufnahme der Beschäftigung ein
14 Monaten nach Aufnahme der ersten Jahr vergangen ist, die Bescheinigung über
Beschäftigung nicht weiterbeschäftigt die erste Nachuntersuchung (§ 33) vorliegen.
werden, solange er die Bescheinigung
nicht vorgelegt hat. § 37
Inhalt und Durchführung der
§ 34 ärztlichen Untersuchungen
Weitere Nachuntersuchungen (1) Die ärztlichen Untersuchungen haben
Nach Ablauf jedes weiteren Jahres nach der sich auf den Gesundheits- und
ersten Nachuntersuchung kann sich der Entwicklungsstand und die körperliche
Jugendliche erneut nachuntersuchen lassen Beschaffenheit, die Nachuntersuchun-
166 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

gen außerdem auf die Auswirkungen 2. die Arbeiten, durch deren Ausführung
der Beschäftigung auf Gesundheit und er die Gesundheit oder die
Entwicklung des Jugendlichen zu er- Entwicklung des Jugendlichen für
strecken. gefährdet hält,
(2) Der Arzt hat unter Berücksichtigung der 3. die besonderen der Gesundheit die-
Krankheitsvorgeschichte des Jugend- nenden Maßnahmen,
lichen auf Grund der Untersuchungen zu 4. die Anordnung einer außerordentli-
beurteilen, chen Nachuntersuchung (§ 35 Abs. 1).
1. ob die Gesundheit oder die Entwick- (2) Der Arzt hat eine für den Arbeitgeber
lung des Jugendlichen durch die Aus- bestimmte Bescheinigung darüber aus-
führung bestimmter Arbeiten oder zustellen, dass die Untersuchung statt-
durch die Beschäftigung während gefunden hat und darin die Arbeiten zu
bestimmter Zeiten gefährdet wird, vermerken, durch deren Ausführung er
2. ob besondere der Gesundheit dienen- die Gesundheit oder die Entwicklung
de Maßnahmen erforderlich sind, des Jugendlichen für gefährdet hält.
3. ob eine außerordentliche Nachunter-
suchung (§ 35 Abs. 1) erforderlich ist. § 40
(3) Der Arzt hat schriftlich festzuhalten: Bescheinigung mit Gefährdungsvermerk
1. den Untersuchungsbefund, (1) Enthält die Bescheinigung des Arztes
2. die Arbeiten, durch deren Ausführung (§ 39 Abs. 2) einen Vermerk über Arbei-
er die Gesundheit oder die Entwicklung ten, durch deren Ausführung er die
des Jugendlichen für gefährdet hält, Gesundheit oder die Entwicklung des
3. die besonderen der Gesundheit die- Jugendlichen für gefährdet hält, so darf
nenden Maßnahmen, der Jugendliche mit solchen Arbeiten
4. die Anordnung einer außerordent- nicht beschäftigt werden.
lichen Nachuntersuchung (§ 35 Abs. 1). (2) Die Aufsichtsbehörde kann die Beschäf-
tigung des Jugendlichen mit den in der
§ 38 Bescheinigung des Arztes (§ 39 Abs. 2)
Ergänzungsuntersuchung vermerkten Arbeiten im Einvernehmen
Kann der Arzt den Gesundheits- und Entwick- mit einem Arzt zulassen und die Zu-
lungsstand des Jugendlichen nur beurteilen, lassung mit Auflagen verbinden.
wenn das Ergebnis einer Ergänzungsunter-
suchung durch einen anderen Arzt oder einen § 41
Zahnarzt vorliegt, so hat er die Ergänzungs- Aufbewahren der ärztlichen
untersuchung zu veranlassen und ihre Bescheinigungen
Notwendigkeit schriftlich zu begründen. (1) Der Arbeitgeber hat die ärztlichen
Bescheinigungen bis zur Beendigung
§ 39 der Beschäftigung, längstens jedoch bis
Mitteilung, Bescheinigung zur Vollendung des 18. Lebensjahrs des
(1) Der Arzt hat dem Personensorge- Jugendlichen aufzubewahren und der
berechtigten schriftlich mitzuteilen: Aufsichtsbehörde sowie der Berufs-
1. das wesentliche Ergebnis der Unter- genossenschaft auf Verlangen zur Ein-
suchung, sicht vorzulegen oder einzusenden.
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 167

(2) Scheidet der Jugendliche aus dem (2) Unter den Voraussetzungen des Absat-
Beschäftigungsverhältnis aus, so hat zes 1 kann der Amtsarzt des Gesund-
ihm der Arbeitgeber die Bescheini- heitsamts einem Arzt, der einen Ju-
gungen auszuhändigen. gendlichen nach diesem Abschnitt
untersucht, Einsicht in andere in seiner
§ 42 Dienststelle vorhandene Unterlagen
Eingreifen der Aufsichtsbehörde über Gesundheit und Entwicklung des
Die Aufsichtsbehörde hat, wenn die dem Jugendlichen gewähren.
Jugendlichen übertragenen Arbeiten Ge-
fahren für seine Gesundheit befürchten § 46
lassen, dies dem Personensorgeberechtig- Ermächtigungen
ten und dem Arbeitgeber mitzuteilen und (1) Das Bundesministerium für Arbeit und
den Jugendlichen aufzufordern, sich durch Soziales kann zum Zweck einer gleich-
einen von ihr ermächtigten Arzt unter- mäßigen und wirksamen gesundheit-
suchen zu lassen. lichen Betreuung durch Rechtsver-
ordnung mit Zustimmung des Bundes-
§ 43 rates Vorschriften über die Durchfüh-
Freistellung für Untersuchungen rung der ärztlichen Untersuchungen
Der Arbeitgeber hat den Jugendlichen für und über die für die Aufzeichnungen
die Durchführung der ärztlichen Unter- der Untersuchungsbefunde, die Be-
suchungen nach diesem Abschnitt freizu- scheinigungen und Mitteilungen zu
stellen. Ein Entgeltausfall darf hierdurch verwendenden Vordrucke erlassen.
nicht eintreten. (2) Die Landesregierung kann durch
Rechtsverordnung
1. zur Vermeidung von mehreren Unter-
§ 44
suchungen innerhalb eines kurzen Zeit-
Kosten der Untersuchungen
raums aus verschiedenen Anlässen
Die Kosten der Untersuchungen trägt bestimmen, dass die Untersuchungen
das Land. nach den §§ 32 bis 34 zusammen mit
Untersuchungen nach anderen Vor-
§ 45 schriften durchzuführen sind, und
Gegenseitige Unterrichtung der Ärzte hierbei von der Frist des § 32 Abs. 1 Nr. 1
(1) Die Ärzte, die Untersuchungen nach bis zu drei Monaten abweichen,
diesem Abschnitt vorgenommen haben, 2. zur Vereinfachung der Abrechnung
müssen, wenn der Personensorgebe- a) Pauschbeträge für die Kosten der
rechtigte und der Jugendliche damit ärztlichen Untersuchungen im
einverstanden sind, Rahmen der geltenden Gebühren-
1. dem staatlichen Gewerbearzt, ordnungen festsetzen,
2. dem Arzt, der einen Jugendlichen nach b) Vorschriften über die Erstattung
diesem Abschnitt nachuntersucht, der Kosten beim Zusammentreffen
auf Verlangen die Aufzeichnungen über mehrerer Untersuchungen nach
die Untersuchungsbefunde zur Einsicht Nummer 1 erlassen.
aushändigen.
168 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

Vierter Abschnitt 2. die Verzeichnisse gemäß § 49, die


Durchführung des Gesetzes Unterlagen, aus denen Name,
Beschäftigungsart und -zeiten der
Erster Titel Jugendlichen sowie Lohn- und Ge-
Aushänge und Verzeichnisse haltszahlungen ersichtlich sind, und
alle sonstigen Unterlagen, die sich
§ 47 auf die nach Nummer 1 zu machen-
Bekanntgabe des Gesetzes und der den Angaben beziehen, zur Einsicht
Aufsichtsbehörde vorzulegen oder einzusenden.
Arbeitgeber, die regelmäßig mindestens (2) Die Verzeichnisse und Unterlagen sind
einen Jugendlichen beschäftigen, haben mindestens bis zum Ablauf von zwei
einen Abdruck dieses Gesetzes und die An- Jahren nach der letzten Eintragung auf-
schrift der zuständigen Aufsichtsbehörde an zubewahren.
geeigneter Stelle im Betrieb zur Einsicht aus-
zulegen oder auszuhängen. Zweiter Titel
§ 48 Aufsicht
Aushang über Arbeitszeit und Pausen
§ 51
Arbeitgeber, die regelmäßig mindestens drei Aufsichtsbehörde, Besichtigungsrechte
Jugendliche beschäftigen, haben einen Aus- und Berichtspflicht
hang über Beginn und Ende der regelmäßi-
gen täglichen Arbeitszeit und der Pausen der (1) Die Aufsicht über die Ausführung dieses
Jugendlichen an geeigneter Stelle im Betrieb Gesetzes und der auf Grund dieses Ge-
anzubringen. setzes erlassenen Rechtsverordnungen
obliegt der nach Landesrecht zuständi-
§ 49 gen Behörde (Aufsichtsbehörde). Die
Verzeichnisse der Jugendlichen Landesregierung kann durch Rechts-
Arbeitgeber haben Verzeichnisse der bei verordnung die Aufsicht über die
ihnen beschäftigten Jugendlichen unter Ausführung dieser Vorschriften in
Angabe des Vor- und Familiennamens, des Familienhaushalten auf gelegentliche
Geburtsdatums und der Wohnanschrift Prüfungen beschränken.
zu führen, in denen das Datum des Beginns (2) Die Beauftragten der Aufsichtsbehörde
der Beschäftigung bei ihnen, bei einer sind berechtigt, die Arbeitsstätten wäh-
Beschäftigung unter Tage auch das Datum rend der üblichen Betriebs- und Arbeits-
des Beginns dieser Beschäftigung, zeit zu betreten und zu besichtigen;
enthalten ist. außerhalb dieser Zeit oder wenn sich
die Arbeitsstätten in einer Wohnung
§ 50 befinden, dürfen sie nur zur Verhütung
Auskunft, Vorlage der Verzeichnisse von dringenden Gefahren für die öffent-
(1) Der Arbeitgeber ist verpflichtet, der liche Sicherheit und Ordnung betreten
Aufsichtsbehörde auf Verlangen und besichtigt werden. Der Arbeitge-
1. die zur Erfüllung ihrer Aufgaben ber hat das Betreten und Besichtigen
erforderlichen Angaben wahrheits- der Arbeitsstätten zu gestatten. Das
gemäß und vollständig zu machen, Grundrecht der Unverletzlichkeit der
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 169

Wohnung (Artikel 13 des Grundgeset- worden, so hat der Arbeitgeber hier-


zes) wird insoweit eingeschränkt. über an geeigneter Stelle im Betrieb
(3) Die Aufsichtsbehörden haben im Rah- einen Aushang anzubringen.
men der Jahresberichte nach § 139 b
Abs. 3 der Gewerbeordnung über ihre Dritter Titel
Aufsichtstätigkeit gemäß Absatz 1 zu Ausschüsse für Jugendarbeitsschutz
berichten.
§ 55
§ 52 Bildung des Landesausschusses für
(weggefallen) Jugendarbeitsschutz
(1) Bei der von der Landesregierung be-
§ 53 stimmten obersten Landesbehörde
Mitteilung über Verstöße wird ein Landesausschuss für Jugend-
Die Aufsichtsbehörde teilt schwerwiegende arbeitsschutz gebildet.
Verstöße gegen die Vorschriften dieses Ge- (2) Dem Landesausschuss gehören als
setzes oder gegen die auf Grund dieses Ge- Mitglieder an:
setzes erlassenen Rechtsverordnungen der 1. je sechs Vertreter der Arbeitgeber
nach dem Berufsbildungsgesetz oder der und der Arbeitnehmer,
Handwerksordnung zuständigen Stelle mit. 2. ein Vertreter des Landesjugendrings,
Die zuständige Agentur für Arbeit erhält eine 3. ein von der Bundesagentur für Arbeit
Durchschrift dieser Mitteilung. benannter Vertreter und je ein Ver-
treter des Landesjugendamts, der für
§ 54 das Gesundheitswesen zuständigen
Ausnahmebewilligungen obersten Landesbehörde und der für
(1) Ausnahmen, die die Aufsichtsbehörde die berufsbildenden Schulen zustän-
nach diesem Gesetz oder den auf Grund digen obersten Landesbehörde und
dieses Gesetzes erlassenen Rechtsver- 4. ein Arzt.
ordnungen bewilligen kann, sind zu be- (3) Die Mitglieder des Landesausschusses
fristen. Die Ausnahmebewilligungen werden von der von der Landesregie-
können rung bestimmten obersten Landesbe-
1. mit einer Bedingung erlassen werden, hörde berufen, die Vertreter der Arbeit-
2. mit einer Auflage oder mit einem geber und Arbeitnehmer auf Vorschlag
Vorbehalt der nachträglichen Auf- der auf Landesebene bestehenden
nahme, Änderung oder Ergänzung Arbeitgeberverbände und Gewerk-
einer Auflage verbunden werden und schaften, der Arzt auf Vorschlag der
3. jederzeit widerrufen werden. Landesärztekammer, die übrigen Ver-
(2) Ausnahmen können nur für einzelne Be- treter auf Vorschlag der in Absatz 2 Nr. 2
schäftigte, einzelne Betriebe oder ein- und 3 genannten Stellen.
zelne Teile des Betriebs bewilligt wer-
(4) Die Tätigkeit im Landesausschuss ist
den.
ehrenamtlich. Für bare Auslagen und
(3) Ist eine Ausnahme für einen Betrieb für Entgeltausfall ist, soweit eine Ent-
oder einen Teil des Betriebs bewilligt schädigung nicht von anderer Seite
170 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

gewährt wird, eine angemessene Ent- Ländern, in denen nicht mehr als zwei
schädigung zu zahlen, deren Höhe Aufsichtsbehörden eingerichtet sind,
nach Landesrecht oder von der von der übernimmt der Landesausschuss für
Landesregierung bestimmten obersten Jugendarbeitsschutz die Aufgaben
Landesbehörde festgesetzt wird. dieses Ausschusses.
(5) Die Mitglieder können nach Anhören (2) Dem Ausschuss gehören als Mitglieder
der an ihrer Berufung beteiligten Stel- an:
len aus wichtigem Grund abberufen 1. je sechs Vertreter der Arbeitgeber
werden. und der Arbeitnehmer,
2. ein Vertreter des im Bezirk der Auf-
(6) Die Mitglieder haben Stellvertreter. Die sichtsbehörde wirkenden Jugend-
Absätze 2 bis 5 gelten für die Stellver- rings,
treter entsprechend. 3. je ein Vertreter eines Arbeits-,
Jugend- und Gesundheitsamts,
(7) Der Landesausschuss wählt aus seiner
4. ein Arzt und ein Lehrer an einer
Mitte einen Vorsitzenden und dessen
berufsbildenden Schule.
Stellvertreter. Der Vorsitzende und sein
Stellvertreter sollen nicht derselben (3) Die Mitglieder des Jugendarbeitsschutz-
Mitgliedergruppe angehören. ausschusses werden von der Aufsichtsbe-
hörde berufen, die Vertreter der Arbeit-
(8) Der Landesausschuss gibt sich eine Ge- geber und Arbeitnehmer auf Vorschlag
schäftsordnung. Die Geschäftsordnung der im Aufsichtsbezirk bestehenden
kann die Bildung von Unterausschüssen Arbeitgeberverbände und Gewerk-
vorsehen und bestimmen, dass ihnen schaften, der Arzt auf Vorschlag der Ärz-
ausnahmsweise nicht nur Mitglieder tekammer, der Lehrer auf Vorschlag der
des Landesausschusses angehören. nach Landesrecht zuständigen Behörde,
Absatz 4 Satz 2 gilt für die Unteraus- die übrigen Vertreter auf Vorschlag der
schüsse hinsichtlich der Entschädigung in Absatz 2 Nr. 2 und 3 genannten Stellen.
entsprechend. An den Sitzungen des § 55 Abs. 4 bis 8 gilt mit der Maßgabe
Landesausschusses und der Unteraus- entsprechend, dass die Entschädigung
schüsse können Vertreter der betei- von der Aufsichtsbehörde mit Genehmi-
ligten obersten Landesbehörden teil- gung der von der Landesregierung be-
nehmen. stimmten obersten Landesbehörde fest-
§ 56 gesetzt wird.
Bildung des Ausschusses für § 57
Jugendarbeitsschutz bei der Aufgaben der Ausschüsse
Aufsichtsbehörde
(1) Der Landesausschuss berät die oberste
(1) Bei der Aufsichtsbehörde wird ein Landesbehörde in allen allgemeinen
Ausschuss für Jugendarbeitsschutz Angelegenheiten des Jugendarbeits-
gebildet. In Städten, in denen mehrere schutzes und macht Vorschläge für die
Aufsichtsbehörden ihren Sitz haben, Durchführung dieses Gesetzes. Er klärt
wird ein gemeinsamer Ausschuss für über Inhalt und Ziel des Jugendarbeits-
Jugendarbeitsschutz gebildet. In schutzes auf.
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 171

(2) Die oberste Landesbehörde beteiligt unterliegt, in anderer als der zuge-
den Landesausschuss in Angelegen- lassenen Weise beschäftigt,
heiten von besonderer Bedeutung, ins- 5. entgegen § 8 einen Jugendlichen
besondere vor Erlass von Rechtsvor- über die zulässige Dauer der
schriften zur Durchführung dieses Arbeitszeit hinaus beschäftigt,
Gesetzes. 6. entgegen § 9 Abs. 1 oder 4 in
(3) Der Landesausschuss hat über seine Verbindung mit Absatz 1 eine dort
Tätigkeit im Zusammenhang mit dem bezeichnete Person an
Bericht der Aufsichtsbehörden nach § 51 Berufsschultagen oder in Berufs-
Abs. 3 zu berichten. schulwochen nicht freistellt,
7. entgegen § 10 Abs. 1 einen
(4) Der Ausschuss für Jugendarbeitsschutz Jugendlichen für die Teilnahme an
bei der Aufsichtsbehörde berät diese in Prüfungen oder Ausbildungsmaß-
allen allgemeinen Angelegenheiten des nahmen oder an dem Arbeitstag,
Jugendarbeitsschutzes und macht dem der der schriftlichen Abschluss-
Landesausschuss Vorschläge für die prüfung unmittelbar vorangeht,
Durchführung dieses Gesetzes. Er klärt nicht freistellt,
über Inhalt und Ziel des Jugendarbeits- 8. entgegen § 11 Abs. 1 oder 2
schutzes auf. Ruhepausen nicht, nicht mit der
vorgeschriebenen Mindestdauer
Fünfter Abschnitt oder nicht in der vorgeschriebenen
Straf- und Bußgeldvorschriften zeitlichen Lage gewährt,
9. entgegen § 12 einen Jugendlichen
§ 58 über die zulässige Schichtzeit hin-
Bußgeld- und Strafvorschriften aus beschäftigt,
(1) Ordnungswidrig handelt, wer als Arbeit- 10. entgegen § 13 die Mindestfreizeit
geber vorsätzlich oder fahrlässig nicht gewährt,
1. entgegen § 5 Abs. 1, auch in 11. entgegen § 14 Abs. 1 einen
Verbindung mit § 2 Abs. 3, ein Kind Jugendlichen außerhalb der Zeit
oder einen Jugendlichen, der der von 6 bis 20 Uhr oder entgegen § 14
Vollzeitschulpflicht unterliegt, Abs. 7 Satz 3 vor Ablauf der
beschäftigt, Mindestfreizeit beschäftigt,
2. entgegen § 5 Abs. 3 Satz 1 oder Satz 12. entgegen § 15 einen Jugendlichen
3, jeweils auch in Verbindung mit an mehr als fünf Tagen in der Woche
§ 2 Abs. 3, ein Kind über 13 Jahre beschäftigt,
oder einen Jugendlichen, der der 13. entgegen § 16 Abs. 1 einen Jugend-
Vollzeitschulpflicht unterliegt, in lichen an Samstagen beschäftigt
anderer als der zugelassenen Weise oder entgegen § 16 Abs. 3 Satz 1 den
beschäftigt, Jugendlichen nicht freistellt,
3. (weggefallen) 14. entgegen § 17 Abs. 1 einen Jugend-
4. entgegen § 7 Satz 1 Nr. 2, auch in lichen an Sonntagen beschäftigt
Verbindung mit einer Rechtsverord- oder entgegen § 17 Abs. 2 Satz 2
nung nach § 26 Nr. 1, ein Kind, das Halbsatz 2 oder Abs. 3 Satz 1 den
der Vollzeitschulpflicht nicht mehr Jugendlichen nicht freistellt,
172 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

15. entgegen § 18 Abs. 1 einen Jugend- 24. entgegen § 36 einen Jugendlichen


lichen am 24. oder 31. Dezember ohne Vorlage der erforderlichen
nach 14 Uhr oder an gesetzlichen ärztlichen Bescheinigungen
Feiertagen beschäftigt oder entge- beschäftigt,
gen § 18 Abs. 3 nicht freistellt, 25. entgegen § 40 Abs. 1 einen Jugend-
16. entgegen § 19 Abs. 1, auch in Verbin- lichen mit Arbeiten beschäftigt,
dung mit Abs. 2 Satz 1 oder 2, oder durch deren Ausführung der Arzt
entgegen § 19 Abs. 3 Satz 2 oder nach der von ihm erteilten Beschei-
Abs. 4 Satz 2 Urlaub nicht oder nicht nigung die Gesundheit oder die
mit der vorgeschriebenen Dauer Entwicklung des Jugendlichen für
gewährt, gefährdet hält,
17. entgegen § 21 Abs. 2 die geleistete 26. einer Rechtsverordnung nach
Mehrarbeit durch Verkürzung der a) § 26 Nr. 2 oder
Arbeitszeit nicht ausgleicht, b) § 28 Abs. 2
18. entgegen § 22 Abs. 1, auch in Verbin- zuwiderhandelt, soweit sie für einen
dung mit einer Rechtsverordnung bestimmten Tatbestand auf diese
nach § 26 Nr. 1, einen Jugendlichen Bußgeldvorschrift verweist,
mit den dort genannten Arbeiten 27. einer vollziehbaren Anordnung der
beschäftigt, Aufsichtsbehörde nach § 6 Abs. 3,
19. entgegen § 23 Abs. 1, auch in Verbin- § 27 Abs. 1 Satz 2 oder Abs. 2, § 28 Abs.
dung mit einer Rechtsverordnung 3 oder § 30 Abs. 2 zuwiderhandelt,
nach § 26 Nr. 1, einen Jugendlichen 28. einer vollziehbaren Auflage der Auf-
mit Arbeiten mit Lohnanreiz, in einer sichtsbehörde nach § 6 Abs. 1, § 14
Arbeitsgruppe mit Erwachsenen, Abs. 7, § 27 Abs. 3 oder § 40 Abs. 2,
deren Entgelt vom Ergebnis ihrer jeweils in Verbindung mit § 54 Abs. 1,
Arbeit abhängt, oder mit tempoab- zuwiderhandelt,
hängigen Arbeiten beschäftigt, 29. einer vollziehbaren Anordnung oder
20. entgegen § 24 Abs. 1, auch in Ver- Auflage der Aufsichtsbehörde auf
bindung mit einer Rechtsver- Grund einer Rechtsverordnung
ordnung nach § 26 Nr. 1, einen nach § 26 Nr. 2 oder § 28 Abs. 2
Jugendlichen mit Arbeiten unter zuwiderhandelt, soweit die Rechts-
Tage beschäftigt, verordnung für einen bestimmten
21. entgegen § 31 Abs. 2 Satz 2 einem Tatbestand auf die Bußgeldvor-
Jugendlichen für seine Altersstufe schrift verweist.
nicht zulässige Getränke oder (2) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätz-
Tabakwaren gibt, lich oder fahrlässig entgegen § 25 Abs. 1
22. entgegen § 32 Abs. 1 einen Jugend- Satz 1 oder Abs. 2 Satz 1 einen Jugend-
lichen ohne ärztliche Bescheini- lichen beschäftigt, beaufsichtigt, an-
gung über die Erstuntersuchung weist oder ausbildet, obwohl ihm dies
beschäftigt, verboten ist, oder einen anderen, dem
23. entgegen § 33 Abs. 3 einen Jugend- dies verboten ist, mit der Beaufsichti-
lichen ohne ärztliche Bescheini- gung, Anweisung oder Ausbildung
gung über die erste Nachunter- eines Jugendlichen beauftragt.
suchung weiterbeschäftigt,
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 173

(3) Absatz 1 Nr. 4, 6 bis 29 und Absatz 2 § 59


gelten auch für die Beschäftigung von Bußgeldvorschriften
Kindern (§ 2 Abs. 1) oder Jugendlichen, (1) Ordnungswidrig handelt, wer als Arbeit-
die der Vollzeitschulpflicht unterliegen geber vorsätzlich oder fahrlässig
(§ 2 Abs. 3), nach § 5 Abs. 2 Absatz 1 Nr. 6 1. entgegen § 6 Abs. 4 Satz 2 ein Kind
bis 29 und Absatz 2 gelten auch für die vor Erhalt des Bewilligungsbe-
Beschäftigung von Kindern, die der scheids beschäftigt,
Vollzeitschulpflicht nicht mehr unter- 2. entgegen § 11 Abs. 3 den Aufenthalt
liegen, nach § 7. in Arbeitsräumen gestattet,
(4) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer 3. entgegen § 29 einen Jugendlichen
Geldbuße bis zu fünfzehntausend Euro über Gefahren nicht, nicht richtig
geahndet werden. oder nicht rechtzeitig unterweist,
(5) Wer vorsätzlich eine in Absatz 1, 2 oder 3 4. entgegen § 33 Abs. 2 Satz 1 einen Ju-
bezeichnete Handlung begeht und gendlichen nicht oder nicht recht-
dadurch ein Kind, einen Jugendlichen zeitig zur Vorlage einer ärztlichen
oder im Fall des Absatzes 1 Nr. 6 eine Bescheinigung auffordert,
Person, die noch nicht 21 Jahre alt ist, in 5. entgegen § 41 die ärztliche
ihrer Gesundheit oder Arbeitskraft ge- Bescheinigung nicht aufbewahrt,
fährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu vorlegt, einsendet oder aushändigt,
einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. 6. entgegen § 43 Satz 1 einen Jugend-
Ebenso wird bestraft, wer eine in Absatz lichen für ärztliche Untersuchungen
1, 2 oder 3 bezeichnete Handlung nicht freistellt,
beharrlich wiederholt. 7. entgegen § 47 einen Abdruck des
Gesetzes oder die Anschrift der
(6) Wer in den Fällen des Absatzes 5 Satz 1 zuständigen Aufsichtsbehörde nicht
die Gefahr fahrlässig verursacht, wird auslegt oder aushängt,
mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten 8. entgegen § 48 Arbeitszeit und
oder mit Geldstrafe bis zu einhundert- Pausen nicht oder nicht in der vor-
achtzig Tagessätzen bestraft. geschriebenen Weise aushängt,
9. entgegen § 49 ein Verzeichnis nicht
oder nicht in der vorgeschriebenen
Weise führt,
10. entgegen § 50 Abs. 1 Angaben nicht,
nicht richtig oder nicht vollständig
macht oder Verzeichnisse oder
Unterlagen nicht vorlegt oder ein-
sendet oder entgegen § 50 Abs. 2
Verzeichnisse oder Unterlagen nicht
oder nicht vorschriftsmäßig aufbe-
wahrt,
11. entgegen § 51 Abs. 2 Satz 2 das Be-
treten oder Besichtigen der Arbeits-
stätten nicht gestattet,
174 RECHTSGRUNDLAGEN Jugendarbeit sschut zgeset z

12. entgegen § 54 Abs. 3 einen Aushang § 62


nicht anbringt. Beschäftigung im Vollzug einer
Freiheitsentziehung
(2) Absatz 1 Nr. 2 bis 6 gilt auch für die
Beschäftigung von Kindern (§ 2 Abs. 1 (1) Die Vorschriften dieses Gesetzes gelten
und 3) nach § 5 Abs. 2 Satz 1. für die Beschäftigung Jugendlicher
(§ 2 Abs. 2) im Vollzug einer gerichtlich
(3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer angeordneten Freiheitsentziehung
Geldbuße bis zu zweitausendfünfhun- entsprechend, soweit es sich nicht nur
dert Euro geahndet werden. um gelegentliche, geringfügige
Hilfeleistungen handelt und soweit in
den Absätzen 2 bis 4 nichts anderes
§ 60
bestimmt ist.
Verwaltungsvorschriften für die Verfolgung
und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten (2) Im Vollzug einer gerichtlich angeordne-
ten Freiheitsentziehung finden § 19,
Der Bundesminister für Arbeit und Sozialord-
§§ 47 bis 50 keine Anwendung.
nung kann mit Zustimmung des Bundesrates
allgemeine Verwaltungsvorschriften für die (3) Die §§ 13, 14, 15, 16, 17 und 18 Abs. 1 und 2
Verfolgung und Ahndung von Ordnungswid- gelten im Vollzug einer gerichtlich an-
rigkeiten nach §§ 58 und 59 durch die Ver - geordneten Freiheitsentziehung nicht
waltungsbehörde (§ 35 des Gesetzes über für die Beschäftigung jugendlicher
Ordnungswidrigkeiten) und über die Er- Anstaltsinsassen mit der Zubereitung
teilung einer Verwarnung (§§ 56, 58 Abs. 2 und Ausgabe der Anstaltsverpflegung.
des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten) (4) § 18 Abs. 1 und 2 gilt nicht für die Be-
wegen einer Ordnungswidrigkeit nach §§ 58 schäftigung jugendlicher Anstaltsin-
und 59 erlassen. sassen in landwirtschaftlichen Betrie-
ben der Vollzugsanstalten mit Arbeiten,
Sechster Abschnitt die auch an Sonn- und Feiertagen natur-
Schlussvorschriften notwendig vorgenommen werden
müssen.
§ 61
Beschäftigung von Jugendlichen auf §§ 63 bis 70
Kauffahrteischiffen –
Für die Beschäftigung von Jugendlichen als
Besatzungsmitglieder auf Kauffahrteischiffen § 71
im Sinne des § 3 des Seearbeitsgesetzes gilt Berlin-Klausel
anstelle dieses Gesetzes das Seearbeits- Dieses Gesetz gilt nach Maßgabe des § 13
gesetz. Abs. 1 des Dritten Überleitungsgesetzes vom
4. Januar 1952 (Bundesgesetzblatt I S. 1) auch
im Land Berlin. Rechtsverordnungen, die
auf Grund dieses Gesetzes erlassen werden,
gelten im Land Berlin nach § 14 des Dritten
Überleitungsgesetzes.
Jugendarbeit sschut zgeset z RECHTSGRUNDLAGEN 175

§ 72
Inkrafttreten
(1) Dieses Gesetz tritt am 1. Mai 1976 in
Kraft.
(2) – nicht abgedruckt –
(3) Die auf Grund des § 37 Abs. 2 und des
§ 53 des Jugendarbeitsschutzgesetzes
vom 9. August 1960, des § 20 Abs. 1 des
Jugendschutzgesetzes vom 30. April
1938 und des § 120e der Gewerbeord-
nung erlassenen Vorschriften bleiben
unberührt. Sie können, soweit sie den
Geltungsbereich dieses Gesetzes
betreffen, durch Rechtsverordnungen
auf Grund des § 26 oder des § 46 geän-
dert oder aufgehoben werden.
(4) Vorschriften in Rechtsverordnungen,
die durch § 69 dieses Gesetzes ge-
ändert werden, können vom Bundes-
ministerium für Arbeit und Soziales
im Rahmen der bestehenden Ermäch-
tigungen geändert oder aufgehoben
werden.
(5) Verweisungen auf Vorschriften des
Jugendarbeitsschutzgesetzes vom
9. August 1960 gelten als Verweisungen
auf die entsprechenden Vorschriften
dieses Gesetzes oder der auf Grund
dieses Gesetzes erlassenen
Rechtsverordnungen.
176 RECHTSGRUNDLAGEN Ausbilder-Eignungsverordnung

4. Ausbilder-Eignungsverordnung zu prüfen und Ausbildung zu planen. Die


Ausbilder und Ausbilderinnen sind dabei in
vom 21. Januar 2009 (BGBl. I S. 88) der Lage,

Auf Grund des § 30 Absatz 5 des Berufsbil- 1. die Vorteile und den Nutzen betrieb-
dungsgesetzes vom 23. März 2005 (BGBl. I licher Ausbildung darstellen und be-
S. 931) verordnet das Bundesministerium für gründen zu können,
Bildung und Forschung nach Anhörung des 2. bei den Planungen und Entscheidungen
Hauptausschusses des Bundesinstituts für hinsichtlich des betrieblichen Ausbil-
Berufsbildung: dungsbedarfs auf der Grundlage der
rechtlichen, tarifvertraglichen und be-
§1 trieblichen Rahmenbedingungen mit-
Geltungsbereich zuwirken,
Ausbilder und Ausbilderinnen haben für die 3. die Strukturen des Berufsbildungs-
Ausbildung in anerkannten Ausbildungsbe- systems und seine Schnittstellen dar-
rufen nach dem Berufsbildungsgesetz den zustellen,
Erwerb der berufs- und arbeitspädago- 4. Ausbildungsberufe für den Betrieb aus-
gischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig- zuwählen und dies zu begründen,
keiten nach dieser Verordnung nachzuwei- 5. die Eignung des Betriebes für die Aus-
sen. Dies gilt nicht für die Ausbildung im Be- bildung in dem angestrebten Ausbil-
reich der Angehörigen der freien Berufe. dungsberuf zu prüfen sowie, ob und
inwieweit Ausbildungsinhalte durch
Maßnahmen außerhalb der Ausbildungs-
§2
stätte, insbesondere Ausbildung im Ver-
Berufs- und arbeitspädagogische Eignung
bund, überbetriebliche und außerbe-
Die berufs- und arbeitspädagogische Eig- triebliche Ausbildung, vermittelt werden
nung umfasst die Kompetenz zum selbst- können,
ständigen Planen, Durchführen und Kon- 6. die Möglichkeiten des Einsatzes von auf
trollieren der Berufsausbildung in den Hand- die Berufsausbildung vorbereitenden
lungsfeldern: Maßnahmen einzuschätzen, sowie
7. im Betrieb die Aufgaben der an der
1. Ausbildungsvoraussetzungen prüfen
Ausbildung Mitwirkenden unter Be-
und Ausbildung planen,
rücksichtigung ihrer Funktionen und
2. Ausbildung vorbereiten und bei der Ein- Qualifikationen abzustimmen.
stellung von Auszubildenden mitwirken,
3. Ausbildung durchführen und (2) Das Handlungsfeld nach § 2 Nummer 2
4. Ausbildung abschließen. umfasst die berufs- und arbeitspädagogi-
sche Eignung, die Ausbildung unter Berück-
§3 sichtigung organisatorischer sowie recht-
Handlungsfelder licher Aspekte vorzubereiten. Die Ausbilder
(1) Das Handlungsfeld nach § 2 Nummer 1 und Ausbilderinnen sind dabei in der Lage,
umfasst die berufs- und arbeitspädagogi-
sche Eignung, Ausbildungsvoraussetzungen
Ausbilder-Eignungsverordnung RECHTSGRUNDLAGEN 177

1. auf der Grundlage einer Ausbildungs- 4. Ausbildungsmethoden und -medien ziel-


ordnung einen betrieblichen Ausbil- gruppengerecht auszuwählen und situa-
dungsplan zu erstellen, der sich insbe- tionsspezifisch einzusetzen,
sondere an berufstypischen Arbeits- und 5. Auszubildende bei Lernschwierigkeiten
Geschäftsprozessen orientiert, durch individuelle Gestaltung der Aus-
2. die Möglichkeiten der Mitwirkung und bildung und Lernberatung zu unter-
Mitbestimmung der betrieblichen stützen, bei Bedarf ausbildungsunter-
Interessenvertretungen in der Berufs- stützende Hilfen einzusetzen und die
bildung zu berücksichtigen, Möglichkeit zur Verlängerung der Aus-
3. den Kooperationsbedarf zu ermitteln bildungszeit zu prüfen,
und sich inhaltlich sowie organisatorisch 6. Auszubildenden zusätzliche Ausbil-
mit den Kooperationspartnern, insbe- dungsangebote, insbesondere in Form
sondere der Berufsschule, abzustimmen, von Zusatzqualifikationen, zu machen
4. Kriterien und Verfahren zur Auswahl von und die Möglichkeit der Verkürzung der
Auszubildenden auch unter Berücksich- Ausbildungsdauer und die der vorzeiti-
tigung ihrer Verschiedenartigkeit anzu- gen Zulassung zur Abschlussprüfung zu
wenden, prüfen,
5. den Berufsausbildungsvertrag vorzube- 7. die soziale und persönliche Entwicklung
reiten und die Eintragung des Vertrages von Auszubildenden zu fördern, Proble-
bei der zuständigen Stelle zu veran- me und Konflikte rechtzeitig zu erken-
lassen, sowie nen sowie auf eine Lösung hinzuwirken,
6. die Möglichkeiten zu prüfen, ob Teile der 8. Leistungen festzustellen und zu bewer-
Berufsausbildung im Ausland durchge- ten, Leistungsbeurteilungen Dritter und
führt werden können. Prüfungsergebnisse auszuwerten, Be-
urteilungsgespräche zu führen, Rück-
(3) Das Handlungsfeld nach § 2 Nummer 3 schlüsse für den weiteren Ausbildungs-
umfasst die berufs- und arbeitspädagogische verlauf zu ziehen, sowie
Eignung, selbstständiges Lernen in berufs- 9. interkulturelle Kompetenzen zu fördern.
typischen Arbeits- und Geschäftprozessen
handlungsorientiert zu fördern. Die Ausbilder (4) Das Handlungsfeld nach § 2 Nummer 4
und Ausbilderinnen sind dabei in der Lage, umfasst die berufs- und arbeitspädagogi-
sche Eignung, die Ausbildung zu einem er-
1. lernförderliche Bedingungen und eine folgreichen Abschluss zu führen und dem
motivierende Lernkultur zu schaffen, Auszubildenden Perspektiven für seine be-
Rückmeldungen zu geben und zu rufliche Weiterentwicklung aufzuzeigen.
empfangen, Die Ausbilder und Ausbilderinnen sind dabei
2. die Probezeit zu organisieren, zu in der Lage,
gestalten und zu bewerten,
3. aus dem betrieblichen Ausbildungsplan 1. Auszubildende auf die Abschluss- oder
und den berufstypischen Arbeits- und Gesellenprüfung unter Berücksichtigung
Geschäftsprozessen betriebliche Lern- der Prüfungstermine vorzubereiten und
und Arbeitsaufgaben zu entwickeln und die Ausbildung zu einem erfolgreichen
zu gestalten, Abschluss zu führen,
178 RECHTSGRUNDLAGEN Ausbilder-Eignungsverordnung

2. für die Anmeldung der Auszubildenden (4) Im Bereich der Landwirtschaft und im
zu Prüfungen bei der zuständigen Stelle Bereich der Hauswirtschaft besteht der prak-
zu sorgen und diese auf durchführungs- tische Teil aus der Durchführung einer vom
relevante Besonderheiten hinzuweisen, Prüfungsteilnehmer in Abstimmung mit dem
3. an der Erstellung eines schriftlichen Prüfungsausschuss auszuwählenden Ausbil-
Zeugnisses auf der Grundlage von dungssituation und einem Fachgespräch,
Leistungsbeurteilungen mitzuwirken, in dem die Auswahl und Gestaltung der Aus-
sowie bildungssituation zu begründen sind. Die
4. Auszubildende über betriebliche Ent - Prüfung im praktischen Teil soll höchstens
wicklungswege und berufliche Weiter- 60 Minuten dauern.
bildungsmöglichkeiten zu informieren
und zu beraten. (5) Für die Abnahme der Prüfung errichtet
die zuständige Stelle einen Prüfungs-
ausschuss. § 37 Absatz 2 und 3, § 39
§4
Absatz 1 Satz 2, die §§ 40 bis 42, 46 und 47
Nachweis der Eignung
des Berufsbildungsgesetzes gelten ent-
(1) Die Eignung nach § 2 ist in einer Prüfung sprechend.
nachzuweisen. Die Prüfung besteht aus
einem schriftlichen und einem praktischen §5
Teil. Die Prüfung ist bestanden, wenn jeder Zeugnis
Prüfungsteil mit mindestens „ausreichend“
Über die bestandene Prüfung ist jeweils ein
bewertet wurde. Innerhalb eines Prüfungs-
Zeugnis nach den Anlagen 1 und 2 auszu-
verfahrens kann eine nicht bestandene
stellen.
Prüfung zweimal wiederholt werden. Ein
bestandener Prüfungsteil kann dabei an-
§6
gerechnet werden.
Andere Nachweise
(2) Im schriftlichen Teil der Prüfung sind fall- (1) Wer die Prüfung nach einer vor Inkraft-
bezogene Aufgaben aus allen Handlungs- treten dieser Verordnung geltenden Ausbil-
feldern zu bearbeiten. Die schriftliche Prü- der-Eignungsverordnung bestanden hat, die
fung soll drei Stunden dauern. auf Grund des Berufsbildungsgesetzes er-
lassen worden ist, gilt für die Berufsausbil-
(3) Der praktische Teil der Prüfung besteht dung als im Sinne dieser Verordnung berufs-
aus der Präsentation einer Ausbildungssitua- und arbeitspädagogisch geeignet.
tion und einem Fachgespräch mit einer
Dauer von insgesamt höchstens 30 Minuten. (2) Wer durch eine Meisterprüfung oder eine
Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine andere Prüfung der beruflichen Fortbildung
berufstypische Ausbildungssituation aus. Die nach der Handwerksordnung oder dem Be-
Präsentation soll 15 Minuten nicht über- rufsbildungsgesetz eine berufs- und arbeits-
schreiten. Die Auswahl und Gestaltung der pädagogische Eignung nachgewiesen hat,
Ausbildungssituation sind im Fachgespräch gilt für die Berufsausbildung als im Sinne
zu erläutern. Anstelle der Präsentation kann dieser Verordnung berufs- und arbeitspäda-
eine Ausbildungssituation auch praktisch gogisch geeignet.
durchgeführt werden.
Ausbilder-Eignungsverordnung RECHTSGRUNDLAGEN 179

(3) Wer eine sonstige staatliche, staatlich herigen Vorschriften zu Ende geführt wer-
anerkannte oder von einer öffentlich-recht- den. Die zuständige Stelle kann auf Antrag
lichen Körperschaft abgenommene Prüfung des Prüfungsteilnehmers oder der Prüfungs-
bestanden hat, deren Inhalt den in § 3 ge- teilnehmerin die Wiederholungsprüfung
nannten Anforderungen ganz oder teilweise nach dieser Verordnung durchführen; § 4
entspricht, kann von der zuständigen Stelle Absatz 1 Satz 5 findet in diesem Fall keine
auf Antrag ganz oder teilweise von der Prü- Anwendung. Im Übrigen kann bei der An-
fung nach § 4 befreit werden. Die zuständige meldung zur Prüfung bis zum Ablauf des
Stelle erteilt darüber eine Bescheinigung. 30. April 2010 die Anwendung der bisherigen
Vorschriften beantragt werden.
(4) Die zuständige Stelle kann von der Vor-
lage des Nachweises über den Erwerb der §9
berufs- und arbeitspädagogischen Fertig- Inkrafttreten, Außerkrafttreten
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten auf
Antrag befreien, wenn das Vorliegen berufs- Diese Verordnung tritt am 1. August 2009
und arbeitspädagogischer Eignung auf in Kraft.
andere Weise glaubhaft gemacht wird und Gleichzeitig tritt die Ausbilder-Eignungs-
die ordnungsgemäße Ausbildung sicherge- verordnung vom 16. Februar 1999 (BGBl. I
stellt ist. Die zuständige Stelle kann Auflagen S. 157, 700), die zuletzt durch die Verord-
erteilen. Auf Antrag erteilt die zuständige nung vom 14. Mai 2008 (BGBl. I S. 854) ge-
Stelle hierüber eine Bescheinigung. ändert worden ist, außer Kraft.

§7
Fortführen der Ausbildertätigkeit
Wer vor dem 1. August 2009 als Ausbilder im
Sinne des § 28 Absatz 1 Satz 2 des Berufsbil-
dungsgesetzes tätig war, ist vom Nachweis
nach den §§ 5 und 6 dieser Verordnung be-
freit, es sei denn, dass die bisherige Ausbil-
dertätigkeit zu Beanstandungen mit einer
Aufforderung zur Mängelbeseitigung durch
die zuständige Stelle geführt hat. Sind nach
Aufforderung die Mängel beseitigt worden
und Gefährdungen für eine ordnungsge-
mäße Ausbildung nicht zu erwarten, kann
die zuständige Stelle vom Nachweis nach
den §§ 5 und 6 befreien; sie kann dabei
Auflagen erteilen.

§8
Übergangsregelung
Begonnene Prüfungsverfahren können bis
zum Ablauf des 31. Juli 2010 nach den bis-
180 RECHTSGRUNDLAGEN Ausbilder-Eignungsverordnung

Anlage 1
(zu § 5)

Muster

(Bezeichnung der zuständigen Stelle)

Zeugnis
Herr/Frau

geboren am in

hat am die Prüfung

nach der Ausbilder-Eignungsverordnung vom 21. Januar 2009 (BGBl. I S. 88)

bestanden.

Damit wurden die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und


Fähigkeiten im Sinne des § 30 des Berufsbildungsgesetzes nachgewiesen.

Ort/Datum

Unterschrift(en)

(Siegel der zuständigen Stelle)


Ausbilder-Eignungsverordnung RECHTSGRUNDLAGEN 181

Anlage 2
(zu § 5)

Muster

(Bezeichnung der zuständigen Stelle)

Zeugnis
Herr/Frau

geboren am in

hat am die Prüfung

nach der Ausbilder-Eignungsverordnung vom 21. Januar 2009 (BGBl. I S. 88)

mit folgenden Ergebnissen bestanden:

Punkte Note
1. Schriftlicher Prüfungsteil
2. Praktischer Prüfungsteil

Damit wurden die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und


Fähigkeiten im Sinne des § 30 des Berufsbildungsgesetzes nachgewiesen.

Ort/Datum

Unterschrift(en)

(Siegel der zuständigen Stelle)


182 SERVICE

Anhang B: Service

1. Ausbildungsvertragsmuster

2. Musterprüfungsverordnung für die Durchführung von


Abschluss- und Umschulungsprüfungen

3. Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

4. Serviceinformationen

5. Abkürzungsverzeichnis
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 183

1. Ausbildungsvertragsmuster

Berufsausbildungsvertrag
(§§ 10, 11 Berufsbildungsgesetz – BBiG)

Zwischen

1
(Name und Anschrift des Ausbildenden (Ausbildungsbetriebs))

und

(Name und Anschrift der/des Auszubildenden)

geb. am

gesetzlich vertreten durch2

wird nachstehender Berufsausbildungsvertrag zur Ausbildung im Ausbildungsberuf

nach Maßgabe der Ausbildungsordnung3 geschlossen:


184 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

§ 1 – Dauer der Ausbildung


1. (Dauer)

Die Ausbildungsdauer beträgt nach der Ausbildungsordnung Jahre/Monate.

4
a) Auf die Ausbildungsdauer wird die Berufsausbildung zum bzw.

5
eine berufliche Vorbildung in

mit Monaten angerechnet.

b) Die Ausbildungsdauer verkürzt sich vorbehaltlich der Entscheidung der zuständigen


Stelle

aufgrund um Monate. 6

Das Berufsbildungsverhältnis

7
beginnt am und endet am

2. (Probezeit)

Die Probezeit beträgt Monate8 . Wird die Ausbildung während der Probe-
zeit um mehr als ein Drittel dieser Zeit unterbrochen, so verlängert sich die Probezeit um
den Zeitraum der Unterbrechung.

3. (Vorzeitige Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses)

Bestehen Auszubildende vor Ablauf der unter Nr. 1 vereinbarten Ausbildungszeit die Ab-
schlussprüfung, so endet das Berufsausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des Ergeb-
nisses durch den Prüfungsausschuss.
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 185

4. (Verlängerung des Berufsausbildungsverhältnisses)

Bestehen Auszubildende die Abschlussprüfung nicht, so verlängert sich das Berufsausbil-


dungsverhältnis auf ihr Verlangen bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchs-
tens um ein Jahr.

§ 2 – Ermächtigung zur Anmeldung zu Prüfungen

Die/der Auszubildende, im Vertretungsfalle ihre/seine gesetzlichen Vertreter, ermächtigen


den Ausbildenden, sie/ihn in ihrem/seinem Namen zu Prüfungen im Rahmen der
Ausbildung anzumelden; siehe näher § 4 Nr. 11 dieses Vertrages.

§ 3 – Ausbildungsstätte

Die Ausbildung findet vorbehaltlich der Regelungen nach § 4 Nr. 12 in

(Ausbildungsstätte)

und den mit dem Betriebssitz für die Ausbildung üblicherweise zusammenhängenden
Bau-, Montage- und sonstigen Arbeitsstellen statt.

§ 4 – Pflichten des Ausbildenden

Der Ausbildende verpflichtet sich,

1. (Ausbildungsziel)

dafür zu sorgen, dass der/dem Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermit-


telt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufsausbildung
nach den beigefügten Angaben zur sachlichen und zeitlichen Gliederung des Ausbil-
dungsablaufs so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbil-
dungszeit erreicht werden kann;
186 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

2. (Ausbilder/Ausbilderinnen)

selbst auszubilden oder eine/einen persönlich und fachlich geeignete/geeigneten Ausbil-


derin/Ausbilder ausdrücklich damit zu beauftragen und diese/diesen der/dem Auszubil-
denden jeweils schriftlich bekannt zu geben;

3. (Ausbildungsordnung)

der/dem Auszubildenden vor Beginn der Ausbildung die Ausbildungsordnung kostenlos


auszuhändigen;

4. (Ausbildungsmittel)

der/dem Auszubildenden kostenlos die Ausbildungsmittel, insbesondere Werkzeuge,


Werkstoffe und Fachliteratur zur Verfügung zu stellen, die für die Ausbildung in den be-
trieblichen und überbetrieblichen Ausbildungsstätten und zum Ablegen von Zwischen-
und Abschlussprüfungen9, auch soweit solche nach Beendigung des Berufsausbildungs-
verhältnisses und in zeitlichem Zusammenhang damit stattfinden, erforderlich sind;

5. (Besuch der Berufsschule und von Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der


Ausbildungsstätte)

die/den Auszubildende/n zum Besuch der Berufsschule anzuhalten und freizustellen. Das
gleiche gilt, wenn Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte vorgeschrie-
ben oder nach Nr. 12 durchzuführen sind;

6. (Führung von schriftlichen Ausbildungsnachweisen)

soweit schriftliche Ausbildungsnachweise geführt werden, diese der/dem Auszubildenden


für die Berufsausbildung kostenfrei auszuhändigen und die ordnungsgemäße Führung
durch regelmäßige Abzeichnung zu überwachen;
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 187

7. (Ausbildungsbezogene Tätigkeiten)

der/dem Auszubildenden nur Aufgaben zu übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen


und ihren/seinen körperlichen Kräften angemessen sind;

8. (Sorgepflicht)

dafür zu sorgen, dass die/der Auszubildende charakterlich gefördert sowie sittlich und kör-
perlich nicht gefährdet wird;

9. (Ärztliche Untersuchungen)

sofern die/der Auszubildende noch nicht 18 Jahre alt ist, sich Bescheinigungen gemäß § 32,
33 Jugendarbeitsschutzgesetz darüber vorlegen zu lassen, dass sie/er
a) vor der Aufnahme der Ausbildung untersucht und
b) vor Ablauf des ersten Ausbildungsjahres nachuntersucht worden ist;

10. (Eintragungsantrag)

unverzüglich nach Abschluss des Berufsausbildungsvertrages die Eintragung in das Ver-


zeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse bei der zuständigen Stelle unter Beifügung der
Vertragsniederschriften und – bei Auszubildenden unter 18 Jahren – einer Kopie oder
Mehrfertigung der ärztlichen Bescheinigung über die Erstuntersuchung gemäß § 32
Jugendarbeitsschutzgesetz zu beantragen; Entsprechendes gilt bei späteren Änderungen
des wesentlichen Vertragsinhaltes;

11. (Anmeldung zu Prüfungen)

die/den Auszubildende/n im Rahmen einer gemäß § 2 dieses Vertrages erteilten Ermächti-


gung rechtzeitig zu den angesetzten Zwischen- und Abschlussprüfungen oder zum ersten
Teil und zweiten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung anzumelden und für die Teil-
nahme freizustellen sowie der Anmeldung zur Zwischenprüfung oder zum ersten Teil einer
gestreckten Abschlussprüfung bei Auszubildenden, die noch nicht 18 Jahre alt sind, eine
Kopie oder Mehrfertigung der ärztlichen Bescheinigung über die erste Nachuntersuchung
188 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

gemäß § 33 Jugendarbeitsschutzgesetz beizufügen; die/der Auszubildende, im


Vertretungsfalle die gesetzlichen Vertreter, erhalten eine Kopie des Anmeldeantrages.

12. (Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte)

§ 5 – Pflichten der/des Auszubildenden

Die/Der Auszubildende hat sich zu bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben,


die erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Sie/Er verpflichtet sich insbesondere,

1. (Lernpflicht)

die ihr/ihm im Rahmen ihrer/seiner Berufsausbildung übertragenen Aufgaben sorgfältig


auszuführen;

2. (Berufsschulunterricht, Prüfungen und sonstige Maßnahmen)

am Berufsschulunterricht und an Prüfungen sowie an Ausbildungsmaßnahmen außerhalb


der Ausbildungsstätte teilzunehmen, für die sie/er nach § 4 Nr. 5, 11 und 12 freigestellt wird;

3. (Weisungsgebundenheit)

den Weisungen zu folgen, die ihr/ihm im Rahmen der Berufsausbildung von Ausbildenden,
von Ausbildern oder Ausbilderinnen oder von anderen weisungsberechtigten Personen,
soweit sie als weisungsberechtigt bekannt gemacht worden sind, erteilt werden;

4. (Betriebliche Ordnung)

die für die Ausbildungsstätte geltende Ordnung zu beachten;


Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 189

5. (Sorgfaltspflicht)

Werkzeug, Maschinen und sonstige Einrichtungen pfleglich zu behandeln und sie nur zu
den ihr/ihm übertragenen Arbeiten zu verwenden;

6. (Betriebsgeheimnisse)

über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen zu wahren;

7. (Führung von schriftlichen Ausbildungsnachweisen)

vorgeschriebene schriftliche Ausbildungsnachweise ordnungsgemäß zu führen und regel-


mäßig vorzulegen;

8. (Benachrichtigung)

bei Fernbleiben von der betrieblichen Ausbildung, vom Berufsschulunterricht oder von sonstigen
Ausbildungsveranstaltungen dem Ausbildenden unter Angabe von Gründen unverzüglich Nach-
richt zu geben. Bei einer Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit, die länger als drei Kalender-
tage dauert, hat die/der Auszubildende eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der
Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauf folgenden
Arbeitstag vorzulegen. Der Ausbildende ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung
früher zu verlangen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben,
ist die/der Auszubildende verpflichtet, eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen;

9. (Ärztliche Untersuchungen)

soweit auf sie/ihn die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes Anwendung fin-


den, sich gemäß § 32 und 33 dieses Gesetzes ärztlich
a) vor Beginn der Ausbildung untersuchen
b) vor Ablauf des ersten Ausbildungsjahres nachuntersuchen zu lassen
und die Bescheinigungen hierüber dem Ausbildenden vorzulegen.
190 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

§ 6 – Vergütung und sonstige Leistungen

1. (Höhe und Fälligkeit)

Der Ausbildende zahlt der/dem Auszubildenden eine angemessene Vergütung; sie beträgt
z. Z. monatlich

€ brutto im ersten Ausbildungsjahr


€ brutto im zweiten Ausbildungsjahr
€ brutto im dritten Ausbildungsjahr
€ brutto im vierten Ausbildungsjahr

Soweit Vergütungen tariflich geregelt und nach § 12 anwendbar oder vereinbart sind, gel-
ten die tariflichen Sätze.

Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinaus gehende Beschäf-
tigung wird besonders vergütet oder durch entsprechende Freizeit ausgeglichen.

Die Vergütung wird spätestens am letzten Arbeitstag des Monats gezahlt. Das auf die
Urlaubszeit entfallende Entgelt (Urlaubsentgelt) wird vor Antritt des Urlaubs ausgezahlt.

Die Beiträge für die Sozialversicherung tragen die Vertragschließenden nach Maßgabe
der gesetzlichen Bestimmungen.

2. (Sachleistungen)

Soweit der Ausbildende der/dem Auszubildenden Kosten und/oder Wohnung gewährt, gilt
die in der Anlage beigefügte Regelung.

3. (Kosten für Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte)

Ausbildende tragen die Kosten für Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte nach § 4
Nr. 5, soweit sie nicht anderweitig gedeckt sind. Ist eine auswärtige Unterbringung erfor-
derlich, so können Auszubildenden anteilige Kosten für Verpflegung in dem Umfang in
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 191

Rechnung gestellt werden, in dem diese Kosten einsparen. Die Anrechnung von anteiligen
Kosten und Sachbezugswerten nach § 17 Abs. 2 BBiG darf 75 % der vereinbarten Bruttover-
gütung nicht übersteigen.

4. (Berufskleidung)

Wird vom Ausbildenden eine besondere Berufskleidung vorgeschrieben, so wird sie von
ihm zur Verfügung gestellt.

5. (Fortzahlung der Vergütung)

Der/Dem Auszubildenden wird die Vergütung auch gezahlt


a) für die Zeit der Freistellung gem. § 4 Nr. 5, 11 und 12 dieses Vertrages sowie gemäß § 10
Abs. 1 Nr. 2 und § 43 Jugendarbeitsschutzgesetz
b) bis zur Dauer von 6 Wochen, wenn sie/er
aa) sich für die Berufsausbildung bereithält, diese aber ausfällt,
bb)aus einem sonstigen, in ihrer/seiner Person liegenden Grund unverschuldet verhindert
ist, die Pflichten aus dem Berufsausbildungsverhältnis zu erfüllen,
cc) bei Krankheit nach Maßgabe des Entgeltfortzahlungsgesetzes.

§ 7 – Ausbildungszeit und Urlaub

1. (Tägliche Ausbildungszeit10)

Die regelmäßige tägliche Ausbildungszeit beträgt Stunden11.

2. (Urlaub)

Der Ausbildende gewährt der/dem Auszubildenden Urlaub nach den geltenden Bestim-
mungen. Es besteht ein Urlaubsanspruch

auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr


auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr
auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr
192 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr


auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr

3. (Lage des Urlaubs)

Der Urlaub soll zusammenhängend und in der Zeit der Berufsschulferien erteilt und
genommen werden. Während des Urlaubs darf die/der Auszubildende keine dem
Urlaubszweck widersprechende Erwerbsarbeit leisten.

§ 8 – Kündigung

1. (Kündigung während der Probezeit)

Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis ohne Einhaltung einer


Kündigungsfrist und ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.

2. (Kündigungsgründe)

Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt werden


a) aus einem wichtigen Grund12 ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist
b) von der/dem Auszubildenden mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen, wenn sie/er
die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden
lassen will.

3. (Form der Kündigung)

Die Kündigung muss schriftlich, im Falle der Nr. 2 unter Angabe der Kündigungsgründe erfolgen.

4. (Unwirksamkeit einer Kündigung)

Eine Kündigung aus einem wichtigen Grund ist unwirksam, wenn die ihr zugrunde liegen-
den Tatsachen dem zur Kündigung Berechtigten länger als zwei Wochen bekannt sind. Ist
ein Schlichtungsverfahren gem. § 10 eingeleitet, so wird bis zu dessen Beendigung der
Lauf dieser Frist gehemmt.
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 193

5. (Schadensersatz bei vorzeitiger Beendigung)

Wird das Berufsausbildungsverhältnis nach Ablauf der Probezeit vorzeitig gelöst, so kann der
Ausbildende oder die/der Auszubildende Ersatz des Schadens verlangen, wenn die andere Per-
son den Grund für die Auflösung zu vertreten hat. Das gilt nicht bei Kündigung wegen Auf-
gabe oder Wechsels der Berufsausbildung (Nr. 2b). Der Anspruch erlischt, wenn er nicht inner-
halb von drei Monaten nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses geltend ge-
macht wird.

6. (Aufgabe des Betriebes, Wegfall der Ausbildungseignung)

Bei Kündigung des Berufsausbildungsverhältnisses wegen Betriebsaufgabe oder wegen


Wegfalls der Ausbildungseignung verpflichten sich Ausbildende, sich mit Hilfe der Berufs-
beratung des zuständigen Arbeitsamtes rechtzeitig um eine weitere Ausbildung im bishe-
rigen Ausbildungsberuf in einer anderen geeigneten Ausbildungsstätte zu bemühen.

§ 9 – Betriebliches Zeugnis

Der Ausbildende hat der/dem Auszubildenden bei Beendigung des Berufsausbildungsver-


hältnisses ein Zeugnis auszustellen. Die elektronische Form ist ausgeschlossen. Hat der
Ausbildende die Berufsausbildung nicht selbst durchgeführt, so soll auch der Ausbilder
oder die Ausbilderin das Zeugnis unterschreiben. Es muss Angaben enthalten über Art,
Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen beruflichen Fertigkeiten,
Kenntnisse und Fähigkeiten der/des Auszubildenden. Auf Verlangen der/des Auszubilden-
den sind auch Angaben über Verhalten und Leistung aufzunehmen.

§ 10 – Beilegung von Streitigkeiten

Bei Streitigkeiten aus dem bestehenden Berufsausbildungsverhältnis ist vor Inanspruch-


nahme des Arbeitsgerichts der nach § 111 Abs. 2 des Arbeitsgerichtsgesetzes errichtete
Schlichtungsausschuss anzurufen, sofern ein solcher bei der zuständigen Stelle besteht.
194 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

§ 11 – Erfüllungsort

Erfüllungsort für alle Ansprüche aus diesem Vertrag ist der Ort der Ausbildungsstätte.

§ 12 – Sonstige Vereinbarungen13; Hinweis auf anzuwendende Tarifverträge


und Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen

Rechtswirksame Nebenabreden, die das Berufsausbildungsverhältnis betreffen, können


nur durch schriftliche Ergänzung im Rahmen des § 12 dieses Berufsausbildungsvertrages
getroffen werden.
Vorstehender Vertrag ist in Ausfertigungen (bei Mündeln fach) ausge-
stellt und von den Vertragsschließenden eigenhändig unterschrieben worden.

, den
(Ort) (Datum)

Der/die Ausbildende: Der/die Auszubildende:

(Stempel und Unterschrift)


Die gesetzlichen Vertreter des/der Auszubildenden:

Vater:
und
Mutter:
oder
Vormund:
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 195

Dieser Vertrag ist in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse


eingetragen am unter Nr.

Vorgemerkt zur Prüfung für (Siegel)

Anlage gemäß § 4 Nr. 1 des Berufsausbildungsvertrages

Angaben zur sachlichen und zeitlichen Gliederung des Berufsausbildungsablaufs:

Anlage gemäß § 6 Nr. 2 des Berufsausbildungsvertrages

Ausbildende gewähren Auszubildenden angemessene Wohnung und Verpflegung im Rahmen


der Hausgemeinschaft. Diese Leistungen können in Höhe der nach § 17 des Vierten Buches
Sozialgesetzbuch festgesetzten Sachbezugswerte angerechnet werden, jedoch nicht über
75% der Bruttovergütung hinaus. Können Auszubildende während der Zeit, für welche die
Vergütung fortzuzahlen ist, aus berechtigtem Grund Sachleistungen nicht abnehmen (z. B.
bei Urlaub, Krankenhausaufenthalt etc.), so sind diese nach den Sachbezugswerten abzugel-
ten.

Merkblatt zum Berufsausbildungsvertrag

Der Berufsausbildungsvertrag wird zwischen dem Ausbildenden und den Auszubildenden


geschlossen. Ausbildender ist diejenige natürliche oder juristische Person (z. B. GmbH), die
einen anderen zur Berufsausbildung einstellt. Davon zu unterscheiden sind diejenigen, die
die Ausbildung praktisch durchführen. Das können der Ausbildende selbst oder von ihm
beauftragte Ausbilder oder Ausbilderinnen sein.

Auszubildende sind diejenigen, die ausgebildet werden. Im Falle der Minderjährigkeit ist
zum Vertragsschluss die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter erforderlich.
196 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

Für Jugendliche unter 18 Jahren darf ein Berufsausbildungsvertrag nur in einem anerkann-
ten Ausbildungsberuf abgeschlossen werden. Ausbildungsberufe werden durch Rechts-
verordnung gem. §§ 4, 5 Berufsbildungsgesetz (BBiG) und §§ 25, 26 Handwerksordnung
(HwO) anerkannt. Solange dies nicht geschehen ist, sind gem. § 104 Abs. 1 BBiG die bisheri-
gen Ordnungsmittel (Berufsbild, Berufsbildungsplan und Prüfungsanforderungen) bzw.
gem. § 122 Abs. 4 HwO die fachlichen Vorschriften anzuwenden. Das amtliche Verzeichnis
der anerkannten Ausbildungsberufe kann bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit
oder bei der zuständigen Stelle eingesehen werden.

Ist durch den übereinstimmenden Willen, dass eine Ausbildung in diesem Ausbildungs-
beruf stattfinden soll, zwischen den Vertragspartnern der Ausbildungsvertrag zustande
gekommen, so muss unverzüglich, spätestens vor Beginn der Berufsausbildung, die Ver-
tragsniederschrift ausgefertigt werden. Als Niederschrift dient das von der zuständigen
Stelle vorgesehene Muster des Berufsausbildungsvertrages. Unverzüglich nach Ausfer-
tigung der Vertragsniederschrift hat der Ausbildende bei der zuständigen Stelle die Ein-
tragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse zu beantragen.

Bei der Ausfertigung der Vertragsniederschrift ist im Einzelnen Folgendes zu beachten:

§ 1 – Dauer der Ausbildung


Zu Nr. 1 (Dauer)

Die vorgeschriebene Ausbildungsdauer ist der Ausbildungsordnung zu entnehmen. Die


tatsächliche Dauer der Ausbildung ist unter Berücksichtigung von etwaigen Verkürzungen
oder Anrechnungen im Vertrag mit dem Datum des Beginns und des Endes anzugeben.

Eine längere Dauer als in der Ausbildungsordnung vorgeschrieben, darf nicht vereinbart
werden. Es ist aber möglich, dass während der Laufzeit des Ausbildungsverhältnisses der
Auszubildende im Ausnahmefall einen Verlängerungsantrag stellt, den die Kammer ge-
nehmigen kann, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu er-
reichen.
Gegebenfalls kann auf die Ausbildungsdauer eine vorherige Berufsausbildung oder nach
besonderen Bestimmungen der einzelnen Bundesländer eine anderweitige berufliche
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 197

Vorbildung wie etwa ein Berufsgrundbildungsjahr ganz oder teilweise angerechnet


werden.

Die zuständige Stelle hat auf gemeinsamen Antrag der Auszubildenden und Ausbildenden
die Ausbildungszeit zu kürzen, wenn zu erwarten ist, dass der Auszubildende das Ausbil-
dungsziel in der gekürzten Zeit erreicht. Für die Entscheidung im Einzelfall sind die Richtli-
nien des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung und der jeweiligen zu-
ständigen Stelle maßgebend.

Die Verkürzung oder Anrechnung von Ausbildungszeiten ist in § 1 Nr. 1 der Vertragsnieder-
schrift unter Angabe der bereits abgeleisteten Ausbildungszeit bzw. der besuchten Schu-
len auszuweisen.

Über die vertraglich vereinbarten Abkürzungen und Anrechnungen hinaus eröffnet das
BBiG die Möglichkeit der vorzeitigen Zulassung zur Abschlussprüfung (§ 45 Abs. 1 BBiG,
§ 37 Abs. 1 HwO). Das Nähere regelt die Prüfungsordnung der zuständigen Stelle.

Der Berufsausbildungsvertrag endet spätestens mit Ablauf der vereinbarten Ausbildungs-


zeit. Im Berufsausbildungsvertrag ist die Vereinbarung einer Weiterbeschäftigung nach
Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses unzulässig. Außerhalb des Berufsaus-
bildungsvertrages kann eine solche Vereinbarung frühestens während der letzten 6 Mo-
nate des bestehenden Berufsausbildungsverhältnisses getroffen werden. Wenn die Ver-
tragsparteien dies beabsichtigen, soll im Interesse der Vertragsklarheit innerhalb der
letzten 6 Monate des bestehenden Berufsausbildungsverhältnisses eine entsprechende
Willensäußerung des Auszubildenden erfolgen.

Das Arbeitsverhältnis kann auf unbestimmte Zeit oder befristet eingegangen werden. Bei
einer Befristung sind die Bestimmungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) zu
beachten.

§ 2 – Ermächtigung zur Anmeldung zu Prüfungen

Entgegen verbreiteter früherer Praxis steht die Anmeldung zu Prüfungen grundsätzlich der
bzw. dem Auszubildenden selbst zu. Der Ausbildende kann zur Prüfung nicht bereits aus
198 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

eigenem Recht anmelden, sondern nur infolge einer Ermächtigung; eine solche in § 2 vorge-
sehene Ermächtigung ist aber auch nachdrücklich zu empfehlen, um eine fristgerechte
Anmeldung zur Prüfung zu gewährleisten und eine ungewollte Unterbrechung des Ver-
tragsverhältnisses zu vermeiden. Eine Unterbrechung mit der Folge des Wegfalles der Ausbil-
dungsvergütung könnte eintreten, wenn die Prüfung infolge verspäteter Anmeldung erst
nach Ende der vereinbarten Ausbildungszeit anberaumt werden könnte, § 21 Abs. 1 BBiG.

§ 3 – Ausbildungsstätte

Hier ist aufzuführen,


a) wenn die gesamte Ausbildung nur in einer Ausbildungsstätte vorgenommen wird: der
Ort der Ausbildungsstätte;
b) wenn die Ausbildung in mehreren Ausbildungsstätten vorgenommen wird: die
Bezeichnung der Ausbildungsstätten mit Angabe des Ortes.

§ 4 – Pflichten des Ausbildenden

Zu Nr. 1 (Ausbildungsziel)

Dem Berufsausbildungsvertrag sind Angaben über die sachliche und zeitliche Gliederung
der Berufsausbildung als Anlage beizufügen. Der Ausbildungsablauf ist unter Zugrundele-
gung des Ausbildungsrahmenplanes gemäß § 5 BBiG bzw. § 26 HwO den betrieblichen Ge-
gebenheiten entsprechend so aufzugliedern, dass sowohl die zeitliche Folge als auch der
sachliche Aufbau der Berufsausbildung ersichtlich ist.

Zu Nr. 9 (Untersuchungen)

Nach § 32 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) darf der Ausbildende mit der Berufsaus-


bildung eines Jugendlichen nur beginnen, wenn dieser innerhalb der letzten 14 Monate
von einem Arzt untersucht worden ist und ihm eine von diesem Arzt ausgestellte Beschei-
nigung vorliegt. Der Ausbildende hat sich vor Ablauf des ersten Ausbildungsjahres die Be-
scheinigung eines Arztes darüber vorlegen zu lassen, dass der Jugendliche nachuntersucht
worden ist.
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 199

Zu Nr. 10 (Eintragungsantrag)

Der Eintragungsantrag muss vor Beginn des Berufsausbildungsverhältnisses bei der zu-
ständigen Stelle gestellt werden, nicht etwa erst während der Probezeit. Dem Antrag sind
die Vertragsniederschriften in der von der zuständigen Stelle benötigten Stückzahl und
die sonstigen Formblätter der zuständigen Stelle beizufügen. Auch nachträgliche Ände-
rungen des Vertragsinhalts, die von dem ursprünglich der zuständigen Stelle eingereich-
ten Text des Vertrages und der Anlagen abweichen, müssen der zuständigen Stelle unver-
züglich mitgeteilt werden.

Zu Nr. 11 (Anmeldung zu Prüfungen))

Siehe Erläuterung zu § 2.

Zu Nr. 12 (Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte)

An dieser Stelle sind diejenigen Ausbildungsmaßnahmen einzutragen, die außerhalb der


Ausbildungsstätte durchgeführt werden. Für diese Maßnahmen trägt der Ausbildende die
Kosten entsprechend § 6 Nr. 3 des Berufsausbildungsvertrages.

§ 5 – Pflichten der/des Auszubildenden

Zu Nr. 4 (Betriebliche Ordnung)

Die für die Ausbildungsstätte geltende Ordnung kann z. B. betreffen: Sicherheits- und
Unfallverhütungsvorschriften, Anlegen von Schutzkleidung, Vorschriften über das
Betreten von Werkstätten und bestimmten Räumen, Benutzungsordnungen für Sozial-
einrichtungen, allgemeine Hausordnung usw., soweit sie nicht zu den Bestimmungen des
BBiG im Widerspruch stehen. Der Ausbildende hat die Auszubildenden auf bestehende
Ordnungen hinzuweisen. Die Auszubildenden sollen sich auch selbst über die Ordnungen
informieren, wenn diese in der Ausbildungsstätte allgemein zugänglich sind.
200 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

Zu Nr. 6 (Betriebsgeheimnisse)

Die Auszubildenden haben über die ihnen als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse be-
zeichneten Tatsachen hinaus auch dann Stillschweigen zu bewahren, wenn sie eindeutig
erkennen mussten, dass es sich um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse handelt.

§ 6 – Vergütung und sonstige Leistungen

Zu Nr. 1 (Höhe und Fälligkeit)

In die vorgesehenen Zeilen der Vertragsniederschrift ist die dem Auszubildenden zu ge-
währende Vergütung für jedes Ausbildungsjahr einzutragen. Die Vergütung muss nach
dem Lebensalter des Auszubildenden und mit fortschreitender Berufsausbildung, mindes-
tens jährlich, ansteigen.

Sofern keine Tarifregelung vorliegt, ist zu empfehlen, sich an einer branchenverwandten


Vergütung zu orientieren oder sich an vergleichbare Tarife anzulehnen. Auch bei beste-
hender Tarifbindung steht es den Vertragsparteien frei, eine über den tariflich festgeleg-
ten Sätzen liegende Ausbildungsvergütung zu vereinbaren.

Zu Nr. 3 (Kosten für Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte)

Hier sind auch abweichende Regelungen zugunsten des Auszubildenden zulässig.

Zu Nr. 4 (Berufskleidung)

Die Regelung, dass eine besondere Berufskleidung zur Verfügung gestellt wird, soll die Aus-
zubildenden vor übermäßiger Kostenbelastung schützen. Sie soll außerdem verhindern, dass
Berufsausbildungsverhältnisse nicht eingegangen werden können, weil die Beschaffung und
Unterhaltung einer vorgeschriebenen besonderen Berufskleidung die finanzielle Leistungs-
fähigkeit der Auszubildenden und ihrer Eltern übersteigen würde. Deshalb ist in erster Linie
an diejenigen Fälle gedacht, wo außerhalb der Entscheidungsfreiheit der Auszubildenden
eine in ihrer Art, Qualität oder sonstigen Hinsicht von der in der betreffenden Branche übli-
chen Berufskleidung abweichende Berufskleidung vom Ausbildenden vorgeschrieben wird.
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 201

§ 7 – Ausbildungszeit und Urlaub

Zu Nr. 1 (Tägliche Ausbildungszeit)

Die regelmäßige tägliche Ausbildungszeit ist ausdrücklich in der Vertragsniederschrift zu


vereinbaren. Sie bezieht sich auf den Arbeitstag und hat ihre obere Grenze bei den gesetz-
lichen Bestimmungen, z. B. im Jugendarbeitsschutzgesetz. Die Vereinbarung der regelmä-
ßigen täglichen Ausbildungszeit hat die Auswirkung, dass eine über sie hinausgehende Be-
schäftigung des Auszubildenden besonders zu vergüten ist.

In Ausbildungsbetrieben, in denen eine gleitende Arbeitszeit eingeführt ist und die Aus-
zubildenden in diese Regelung einbezogen werden, darf die Dauer der täglichen Arbeits-
zeit nicht über die im Jugendarbeitsschutzgesetz höchstzulässigen Grenzen ausgedehnt
werden. Die Lage der täglichen Ausbildungszeit muss sich innerhalb der vom Jugend-
arbeitsschutzgesetz gezogenen Grenzen bewegen.

Bei berechtigtem Interesse kann auf gemeinsamen Antrag von Ausbildenden und Auszu-
bildenden bei der zuständigen Stelle die Ausbildung auch als Teilzeitberufsausbildung
durchgeführt werden (§ 8 Abs. 1 Satz 2 BBiG).

Zu Nr. 2 (Urlaub)

In die vorgesehenen Zeilen der Vertragsniederschrift ist der dem Auszubildenden zustehen-
de Urlaub für jedes Kalenderjahr (nicht Ausbildungsjahr) einzutragen, soweit nicht bereichs-
spezifische Ausnahmen bestehen. Es ist jeweils nur eine Spalte, entweder Werktage oder Ar-
beitstage, je nach tariflicher oder einzelvertraglicher Vereinbarung, einzutragen.

Die Dauer des Urlaubs richtet sich nach dem Alter des Auszubildenden zu Beginn eines
jeden Kalenderjahres. Ferner ist maßgebend, ob der Urlaub nach dem Jugendarbeits-
schutzgesetz, dem Bundesurlaubsgesetz oder nach Tarif gewährt wird. Nur allgemeine
Hinweise auf tarifliche Urlaubsregelungen sind nicht ausreichend.

Soweit nicht günstigere Urlaubsregelungen zur Anwendung kommen, besteht ein jähr-
licher Urlaubsanspruch:
202 SERVICE Ausbildungsver tragsmuster

• von mindestens 30 Werktagen, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres


noch nicht 16 Jahre alt ist,
• von mindestens 27 Werktagen, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres
noch nicht 17 Jahre alt ist,
• von mindestens 25 Werktagen, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres
noch nicht 18 Jahre alt ist,
• von mindestens 24 Werktagen, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres
das 18. Lebensjahr bereits vollendet hat.

§ 10 – Beilegung von Streitigkeiten

Zuständig für Streitigkeiten aus einem Berufsausbildungsverhältnis ist das Arbeitsgericht.


Wenn die zuständige Stelle für die Beilegung von Streitigkeiten einen so genannten Schlich-
tungsausschuss errichtet hat, ist Voraussetzung für die Durchführung des arbeitsgerichtlichen
Verfahrens, dass dieser Schlichtungsausschuss vor Inanspruchnahme des Arbeitsgerichtes an-
gerufen wird. Die Anrufung des Schlichtungsausschusses ist schriftlich oder mündlich zu Pro-
tokoll bei der zuständigen Stelle vorzunehmen.

§ 12 – Sonstige Vereinbarungen

Es dürfen keine Vereinbarungen getroffen werden, die mit dem Sinn und Zweck der Berufsaus-
bildung im Widerspruch stehen oder zuungunsten der Auszubildenden von den Vorschriften
des Berufsbildungsgesetzes abweichen. Unzulässig sind insbesondere Vereinbarungen, die die
Auszubildenden für die Zeit nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses in der Aus-
übung ihrer beruflichen Tätigkeit beschränken.

Vertragsstrafen dürfen nicht vereinbart werden. Ebenso unzulässig sind Vereinbarungen über
den Ausschluss oder die Beschränkung von Schadensersatzansprüchen und über die Festset-
zung der Höhe eines Schadensersatzes in Pauschbeträgen.

Verstöße gegen Bestimmungen des BBiG / der HwO im Zusammenhang mit dem Vertragsschluss
und der Niederschrift des Vertrages sowie der Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbil-
dungsverhältnisse können als Ordnungswidrigkeiten mit einer Geldbuße bis zu € 1.000,-, in be-
stimmten Fällen mit einer Geldbuße bis zu € 5.000,- geahndet werden (§ 102 BBiG, § 118 HwO).
Ausbildungsver tragsmuster SERVICE 203

1
Zur Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen der Ausbildenden können mehrere natürliche oder juristische Personen
in einem Ausbildungsverbund zusammenwirken, soweit die Verantwortlichkeit für die einzelnen Ausbildungsabschnitte
sowie für die Ausbildungszeit insgesamt sichergestellt ist (Verbundausbildung, § 10 Abs. 5 BBiG)
2
Vertretungsberechtigt sind beide Eltern gemeinsam, soweit nicht die Vertretungsberechtigung nur einem Elternteil zu-
steht. Ist ein Vormund bestellt, so bedarf dieser zum Abschluss des Ausbildungsvertrages der Genehmigung des Vor-
mundschaftsgerichtes.
3
Gem. § 104 Abs. 1 BBiG und § 122 Abs. 4 HwO sind die vor dem 1. September 1969 bestehenden Ordnungsmittel anzuwen-
den, solange eine Ausbildungsordnung nicht erlassen ist.
4
Eine vorgehende Berufsausbildung kann auf die Ausbildungsdauer angerechnet werden, sofern die dem Vertrag zu-
grunde liegende Ausbildungsordnung eine Anrechnungsmöglichkeit nach § 5 Abs. 2 Nr. 4 BBiG vorsieht.
5
Für die Anrechnung beruflicher Vorbildung durch den Besuch eines Bildungsganges berufsbildender Schulen oder der
Berufsausbildung in einer sonstigen Einrichtung gelten bis 31. Juli 2006 die Bundesverordnungen für die Berufsgrund-
bildungsjahre und Berufsfachschulen. Danach können die Länder durch Rechtsverordnung bestimmen, ob Bewerber
einen Rechtsanspruch auf Anrechnung haben bzw. ob eine obligatorische Anrechnung erfolgt. Spätestens ab 1. August
2009 bedarf eine Anrechnung des gemeinsamen Antrages der Auszubildenden und Ausbildenden (§ 7 BBiG).
6
Nach § 8 Abs. 1 BBiG hat die zuständige Stelle auf gemeinsamen Antrag der/des Auszubildenden und Ausbildenden die
Ausbildungsdauer zu verkürzen, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel auch in der verkürzten Zeit erreicht
wird.
7
Wenn die Ausbildungsordnung vorsieht, dass die Berufsausbildung in sachlich und zeitlich besonders gegliederten, auf-
einander abgestimmten Stufen erfolgt, soll zwar nach den einzelnen Stufen ein Ausbildungsabschluss vorgesehen sein,
der zu einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit befähigt (sog. „echte“ Stufenausbildung, § 5 Abs. 2 Nr. 1 BBiG). Auch in
diesem Fall muss aber der Vertrag über die gesamte Ausbildungszeit abgeschlossen werden (§ 21 Abs. 1 BBiG).
8
Die Probezeit muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen.
9
Auch eines ersten Teils der Abschlussprüfung, sofern nach der Ausbildungsordnung vorgesehen.
10
Nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz beträgt die höchstzulässige tägliche Arbeitszeit (Ausbildungszeit) bei noch nicht
18 Jahre alten Personen grundsätzlich acht Stunden. Ist allerdings die Arbeitszeit an einzelnen Werktagen auf weniger
als acht Stunden verkürzt, können Jugendliche an den übrigen Werktagen derselben Woche bis zu achteinhalb Stunden
beschäftigt werden (§ 8 JArbSchG). Im Übrigen sind die Vorschriften des Jugendarbeitsschutzgesetzes über die höchst-
zulässigen Wochenarbeitszeiten zu beachten.
11
Bei berechtigtem Interesse kann auf gemeinsamen Antrag von Ausbildenden und Auszubildenden bei der zuständigen
Stelle die Ausbildung auch als Teilzeitausbildung durchgeführt werden (§ 8 Abs. 1 Satz 2 BBiG).
12
Ein wichtiger Grund ist gegeben, wenn Tatsachen vorliegen, aufgrund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung
aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des
Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungsdauer nicht zugemutet werden kann.
204 SERVICE Musterprüfungsordnung

2. Musterprüfungsordnung Dritter Abschnitt:


für die Durchführung von Durchführung der Prüfung
§ 14 Prüfungsgegenstand
Abschluss- und Umschulungs- § 15 Gliederung der Prüfung
prüfungen § 16 Besondere Verhältnisse behinderter
Menschen
Auf Grund des Beschlusses des Berufsbil- § 17 Befreiung von vergleichbaren
dungsausschusses vom .... gemäß den Prüfungsbestandteilen bei der
Richtlinien des Hauptausschusses vom Umschulungsprüfung
8. März 2007 erlässt die/der/das ... (z. B. § 18 Prüfungsaufgaben
Industrie- und Handelskammer) als zustän- § 19 Nichtöffentlichkeit
dige Stelle nach § 47 Abs. 1 Satz 1 und § 79 § 20 Leitung, Aufsicht und Niederschrift
Abs. 4 Satz 1 des Berufsbildungsgesetzes vom § 21 Ausweispflicht und Belehrung
23. März 2005 (BGBl. I Seite 931) die folgen- § 22 Täuschungshandlungen und
de Prüfungsordnung für die Durchführung Ordnungsverstöße
von Abschluss- und Umschulungsprüfungen: § 23 Rücktritt, Nichtteilnahme

Vierter Abschnitt:
Inhaltsverzeichnis Bewertung, Feststellung und Beurkundung
des Prüfungsergebnisses
Erster Abschnitt: § 24 Bewertungsschlüssel
Prüfungsausschüsse § 25 Bewertungsverfahren, Feststellung
§ 01 Errichtung der Prüfungsergebnisse
§ 02 Zusammensetzung und Berufung § 26 Ergebnisniederschrift, Mitteilung
§ 03 Ausschluss von der Mitwirkung über Bestehen oder Nichtbestehen
§ 04 Vorsitz, Beschlussfähigkeit, § 27 Prüfungszeugnis
Abstimmung § 28 Bescheid über nicht bestandene
§ 05 Geschäftsführung Prüfung
§ 06 Verschwiegenheit
Fünfter Abschnitt:
Zweiter Abschnitt: Wiederholungsprüfung
Vorbereitung der Prüfung § 29 Wiederholungsprüfung
§ 07 Prüfungstermine
§ 08 Zulassungsvoraussetzungen für die Sechster Abschnitt:
Abschluss- und Umschulungsprüfung Schlussbestimmungen
§ 09 Zulassungsvoraussetzungen für die § 30 Rechtsbehelfsbelehrung
Abschlussprüfung in zwei zeitlich § 31 Prüfungsunterlagen
auseinanderfallenden Teilen § 32 Prüfung von Zusatzqualifikationen
§ 10 Zulassung von Absolventen schuli § 33 Inkrafttreten
scher und sonstiger Bildungsgänge
§ 11 Zulassungsvoraussetzungen in
besonderen Fällen
§ 12 Zulassung zur Prüfung
§ 13 Entscheidung über die Zulassung
Musterprüfungsordnung SERVICE 205

Erster Abschnitt: (4) Die Beauftragten der Arbeitnehmer wer-


Prüfungsausschüsse den auf Vorschlag der im Bezirk der zustän-
digen Stelle bestehenden Gewerkschaften
§1 und selbstständigen Vereinigungen von
Errichtung Arbeitnehmern mit sozial- oder berufspoli-
(1) Die zuständige Stelle errichtet für die tischer Zwecksetzung berufen (§ 40 Abs. 3
Abnahme der Abschluss- und Umschulungs- Satz 2 BBiG).
prüfungen Prüfungsausschüsse (§ 39 Abs. 1
Satz 1 BBiG / § 62 Absatz 3 Satz 1 BBiG). (5) Lehrkräfte von berufsbildenden Schulen
werden im Einvernehmen mit der Schulauf-
(2) Für einen Ausbildungsberuf können bei sichtsbehörde oder der von ihr bestimmten
Bedarf, insbesondere bei einer großen An- Stelle berufen (§ 40 Abs. 3 Satz 3 BBiG).
zahl von Prüfungsbewerbern und bei beson-
deren Anforderungen in der Ausbildungs- (6) Werden Mitglieder nicht oder nicht in
ordnung, mehrere Prüfungsausschüsse ausreichender Zahl innerhalb einer von der
errichtet werden. zuständigen Stelle gesetzten angemessenen
Frist vorgeschlagen, so beruft die zuständige
(3) Mehrere zuständige Stellen können bei Stelle insoweit nach pflichtgemäßem Er-
einer von ihnen gemeinsame Prüfungs- messen (§ 40 Abs. 3 Satz 4 BBiG).
ausschüsse errichten (§ 39 Abs. 1 Satz 2 BBiG).
(7) Die Mitglieder der Prüfungsausschüsse
§2 können nach Anhörung der an ihrer Beru-
Zusammensetzung und Berufung fung Beteiligten aus wichtigem Grunde ab-
berufen werden (§ 40 Abs. 3 Satz 5 BBiG).
(1) Der Prüfungsausschuss besteht aus min-
destens drei Mitgliedern. Die Mitglieder (8) Die Mitglieder haben Stellvertreter oder
müssen für die Prüfungsgebiete sachkundig Stellvertreterinnen (§ 40 Abs. 2 Satz 3 BBiG).
und für die Mitwirkung im Prüfungswesen Die Absätze 3 bis 7 gelten für sie ent-
geeignet sein (§ 40 Abs. 1 BBiG). sprechend.
(2) Dem Prüfungsausschuss müssen als Mit- (9) Die Tätigkeit im Prüfungsausschuss ist
glieder Beauftragte der Arbeitgeber und der ehrenamtlich. Für bare Auslagen und für
Arbeitnehmer in gleicher Zahl sowie mindes- Zeitversäumnis ist, soweit eine Entschädi-
tens eine Lehrkraft einer berufsbildenden gung nicht von anderer Seite gewährt wird,
Schule angehören. Mindestens zwei Drittel eine angemessene Entschädigung zu zah-
der Gesamtzahl der Mitglieder müssen Be- len, deren Höhe von der zuständigen Stelle
auftragte der Arbeitgeber und der Arbeit- mit Genehmigung der obersten Landes-
nehmer sein (§ 40 Abs. 2 Sätze 1 und 2 BBiG). behörde festgesetzt wird (§ 40 Abs. 4 BBiG).
(3) Die Mitglieder werden von der zuständi- (10) Von den Absätzen 2 und 8 darf nur abge-
gen Stelle für eine einheitliche Periode, wichen werden, wenn andernfalls die erfor-
längstens für fünf Jahre berufen (§ 40 Abs. 3 derliche Zahl von Mitgliedern des Prüfungs-
Satz 1 BBiG). ausschusses nicht berufen werden kann
(§ 40 Abs. 5 BBiG).
206 SERVICE Musterprüfungsordnung

§3 gen des Absatz 1 gegeben sind, ist dies


Ausschluss von der Mitwirkung der zuständigen Stelle mitzuteilen,
(1) Bei der Zulassung und Prüfung dürfen während der Prüfung dem Prüfungs-
Angehörige der Prüfungsbewerber nicht ausschuss. Die Entscheidung über den
mitwirken. Angehörige im Sinne des Satz 1 Ausschluss von der Mitwirkung trifft die
sind: zuständige Stelle, während der Prüfung
der Prüfungsausschuss. Im letzteren Fall
1. Verlobte, darf das betroffene Mitglied nicht mit-
wirken. Ausgeschlossene Personen
2. Ehegatten,
dürfen bei der Beratung und Beschluss-
3. eingetragene Lebenspartner, fassung nicht zugegen sein.
4. Verwandte und Verschwägerte gerader
Linie, (3) Liegt ein Grund vor, der geeignet ist, Miss-
5. Geschwister, trauen gegen eine unparteiische Ausübung
6. Kinder der Geschwister, des Prüfungsamtes zu rechtfertigen, oder
7. Ehegatten der Geschwister und wird von einem Prüfling das Vorliegen eines
Geschwister der Ehegatten, solchen Grundes behauptet, so hat die be-
8. Geschwister der Eltern, troffene Person dies der zuständigen Stelle
mitzuteilen, während der Prüfung dem Prü-
9. Personen, die durch ein auf längere
fungsausschuss. Absatz 2 Sätze 2 bis 4 gelten
Dauer angelegtes Pflegeverhältnis mit
entsprechend.
häuslicher Gemeinschaft wie Eltern und
Kind miteinander verbunden sind
(4) Ausbilder und Ausbilderinnen des Prüf-
(Pflegeeltern und Pflegekinder).
lings sollen, soweit nicht besondere Um-
stände eine Mitwirkung zulassen oder er-
Angehörige sind die im Satz 2 aufgeführten
fordern, nicht mitwirken.
Personen auch dann, wenn
(5) Wenn in den Fällen der Absätze 1 bis 3 eine
1. in den Fällen der Nummern 2, 3, 4 und 7
ordnungsgemäße Besetzung des Prüfungs-
die die Beziehung begründende Ehe
ausschusses nicht möglich ist, kann die zu-
oder die Lebenspartnerschaft nicht
ständige Stelle die Durchführung der Prüfung
mehr besteht;
einem anderen oder einem gemeinsamen
2. in den Fällen der Nummern 4 bis 8 die Prüfungsausschuss übertragen. Erforde-
Verwandtschaft oder Schwägerschaft rlichenfalls kann eine andere zuständige
durch Annahme als Kind erloschen ist; Stelle ersucht werden, die Prüfung durch-
3. im Falle der Nummer 9 die häusliche zuführen. Das gleiche gilt, wenn eine
Gemeinschaft nicht mehr besteht, objektive Durchführung der Prüfung aus
sofern die Personen weiterhin wie Eltern anderen Gründen nicht gewährleistet
und Kind miteinander verbunden sind. erscheint.

(2) Hält sich ein Prüfungsausschussmitglied §4


nach Absatz 1 für ausgeschlossen oder Vorsitz, Beschlussfähigkeit, Abstimmung
bestehen Zweifel, ob die Voraussetzun- (1) Der Prüfungsausschuss wählt ein Mitglied,
das den Vorsitz führt und ein weiteres
Musterprüfungsordnung SERVICE 207

Mitglied, das den Vorsitz stellvertretend §6


übernimmt. Der Vorsitz und das ihn stellver- Verschwiegenheit
tretende Mitglied sollen nicht derselben Unbeschadet bestehender Informations-
Mitgliedergruppe angehören (§ 41 Abs. 1 pflichten, insbesondere gegenüber dem
BBiG). Berufsbildungsausschuss, haben die Mitglie-
der des Prüfungsausschusses und sonstige
(2) Der Prüfungsausschuss ist beschlussfähig, mit der Prüfung befassten Personen über alle
wenn zwei Drittel der Mitglieder, mindes- Prüfungsvorgänge Verschwiegenheit gegen-
tens drei, mitwirken. Er beschließt mit der über Dritten zu wahren.
Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Bei
Stimmengleichheit gibt die Stimme des vor-
sitzenden Mitgliedes den Ausschlag (§ 41 Zweiter Abschnitt:
Abs. 2 BBiG). Vorbereitung der Prüfung

§7
§5 Prüfungstermine
Geschäftsführung
(1) Die zuständige Stelle bestimmt in der
(1) Die Geschäftsführung des Prüfungsaus- Regel zwei für die Durchführung der Prüfung
schusses liegt in Abstimmung mit dem maßgebende Zeiträume im Jahr. Diese Zeit-
Prüfungsausschuss bei der zuständigen Stelle. räume sollen auf den Ablauf der Berufsaus-
Einladungen, (Vorbereitung, Durchführung, bildung und des Schuljahres abgestimmt
Nachbereitung), Protokollführung und Durch- sein. Die zuständige Stelle setzt die einzel-
führung der Beschlüsse werden im Ein- nen Prüfungstage fest.
vernehmen mit dem Vorsitz des Prüfungs-
ausschusses geregelt. (2) Die zuständige Stelle gibt die Zeiträume
im Sinne des Abs. 1 Satz 1 einschließlich der
(2) Zu den Sitzungen des Prüfungsausschus- Anmeldefristen in geeigneter Weise öffent-
ses sind die ordentlichen Mitglieder recht- lich mindestens einen Monat vor Ablauf der
zeitig einzuladen. Stellvertretende Mitglie- Anmeldefrist bekannt. Wird die Anmeldefrist
der werden in geeigneter Weise unterrich- überschritten, kann die zuständige Stelle die
tet. Kann ein Mitglied an einer Sitzung nicht Annahme des Antrags verweigern.
teilnehmen, so soll es dies unverzüglich der
zuständigen Stelle mitteilen. Für ein verhin- (3) Werden für schriftlich durchzuführende
dertes Mitglied ist ein stellvertretendes Mit- Prüfungsbereiche einheitliche überregio-
glied einzuladen, welches derselben Gruppe nale Aufgaben verwendet, sind dafür ent-
angehören soll. sprechende überregional abgestimmte
Prüfungstage anzusetzen.
(3) Die Sitzungsprotokolle sind von der pro-
tokollführenden Person und dem Vorsitz zu
unterzeichnen. § 26 Abs. 1 bleibt unberührt.
208 SERVICE Musterprüfungsordnung

§8 (2) Zum ersten Teil der Abschlussprüfung ist


Zulassungsvoraussetzungen für die zuzulassen (§ 44 Abs. 2 in Verbindung mit
Abschluss- und Umschulungsprüfung § 43 Abs. 1 Nr. 2 und 3 BBiG),
(1) Zur Abschlussprüfung ist zuzulassen (§ 43
Abs. 1 BBiG), 1. wer die in der Ausbildungsordnung vor-
1. wer die Ausbildungszeit zurückgelegt geschriebene, erforderliche Ausbil-
hat oder wessen Ausbildungszeit nicht dungszeit zurückgelegt hat,
später als zwei Monate nach dem 2. wer vorgeschriebene schriftliche Ausbil-
Prüfungstermin endet, dungsnachweise geführt hat und
2. wer an vorgeschriebenen Zwischen- 3. wessen Berufsausbildungsverhältnis in
prüfungen teilgenommen sowie vorge- das Verzeichnis der Berufsausbildungs-
schriebene schriftliche Ausbildungs- verhältnisse eingetragen oder aus einem
nachweise geführt hat und Grund nicht eingetragen ist, den weder
die Auszubildenden noch deren gesetz-
3. wessen Berufsausbildungsverhältnis in
liche Vertreter oder Vertreterinnen zu
das Verzeichnis der Berufsausbildungs-
vertreten haben.
verhältnisse eingetragen oder aus einem
Grund nicht eingetragen ist, den weder
(3) Zum zweiten Teil der Abschlussprüfung ist
die Auszubildenden noch deren gesetz-
zuzulassen,
liche Vertreter oder Vertreterinnen zu
vertreten haben.
1. wer die Ausbildungszeit zurückgelegt
hat oder wessen Ausbildungszeit nicht
(2) Behinderte Menschen sind zur Abschluss-
später als zwei Monate nach dem
prüfung auch zuzulassen, wenn die Voraus-
Prüfungstermin endet,
setzungen des Absatz 1 Nr. 2 und 3 nicht vor-
liegen (§ 65 Abs. 2 Satz 2 BBiG). 2. wer am ersten Teil der Abschlussprüfung
teilgenommen hat
(3) Die Zulassungsvoraussetzungen für die 3. und wer die Voraussetzungen des
Umschulungsprüfung richten sich nach der Absatz 2 Nr. 2 und 3 erfüllt.
Umschulungsordnung oder der Umschu-
lungsprüfungsregelung der zuständigen Dies gilt nicht, wenn Auszubildende aus
Stelle (§§ 58, 59 BBiG). Gründen, die sie nicht zu vertreten haben,
am ersten Teil der Abschlussprüfung nicht
teilgenommen haben. In diesem Fall ist der
§9 erste Teil der Abschlussprüfung zusammen
Zulassungsvoraussetzungen für die mit dem zweiten Teil abzulegen (§ 44 Abs. 3
Abschlussprüfung in zwei zeitlich BBiG).
auseinander fallenden Teilen
(1) Sofern die Abschlussprüfung in zwei zeit- § 10
lich auseinander fallenden Teilen durchge- Zulassung von Absolventen schulischer und
führt wird, ist über die Zulassung jeweils ge- sonstiger Bildungsgänge
sondert zu entscheiden (§ 44 Abs. 1 BBiG).
Zur Abschlussprüfung ist ferner zuzulassen
(§ 43 Abs. 2 BBiG),
Musterprüfungsordnung SERVICE 209

1. wer in einer berufsbildenden Schule kann ganz oder teilweise abgesehen wer-
oder einer sonstigen Berufsbildungs- den, wenn durch Vorlage von Zeugnissen
einrichtung ausgebildet worden ist, oder auf andere Weise glaubhaft gemacht
wenn dieser Bildungsgang der Berufs- wird, dass der Bewerber oder die Bewerberin
ausbildung in einem anerkannten Aus- die berufliche Handlungsfähigkeit erworben
bildungsberuf entspricht. Ein Bildungs- hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfer-
gang entspricht der Berufsausbildung in tigt. Ausländische Bildungsabschlüsse und
einem anerkannten Ausbildungsberuf, Zeiten der Berufstätigkeit im Ausland sind
wenn er dabei zu berücksichtigen (§ 45 Abs. 2 BBiG).

a) nach Inhalt, Anforderung und zeit- (3) Soldaten oder Soldatinnen auf Zeit und
lichem Umfang der jeweiligen Ausbil- ehemalige Soldaten oder Soldatinnen sind
dungsordnung gleichwertig ist, nach Absatz 2 Satz 3 zur Abschlussprüfung
zuzulassen, wenn das Bundesministerium
b) systematisch, insbesondere im Rah-
der Verteidigung oder die von ihm bestimm-
men einer sachlichen und zeitlichen
te Stelle bescheinigt, dass der Bewerber
Gliederung durchgeführt wird und
oder die Bewerberin berufliche Fertigkeiten,
c) durch Lernortkooperation einen Kenntnisse und Fähigkeiten erworben hat,
angemessenen Anteil an fachprak- welche die Zulassung zur Prüfung rechtferti-
tischer Ausbildung gewährleistet. gen (§ 45 Abs. 3 BBiG).
2. wer einen Bildungsgang absolviert hat, § 12
welcher nach der Rechtsverordnung Zulassung zur Prüfung
eines Landes die Voraussetzungen nach
Nummer 1 erfüllt. (1) Der Antrag auf Zulassung zur Prüfung ist
durch die Auszubildenden schriftlich nach
den von der zuständigen Stelle bestimmten
§ 11 Fristen und Formularen zu stellen. Die Auszu-
Zulassungsvoraussetzungen bildenden haben die Ausbildenden über die
in besonderen Fällen Antragstellung zu unterrichten.
(1) Auszubildende können nach Anhörung
der Ausbildenden und der Berufsschule vor (2) In den Fällen der §§ 8 Abs. 3, 10 und 11 Abs.
Ablauf ihrer Ausbildungszeit zur Abschluss- 2 und 3 ist der Antrag auf Zulassung zur Prü-
prüfung zugelassen werden, wenn ihre Leis- fung von den Prüfungsbewerbern einzurei-
tungen dies rechtfertigen (§ 45 Abs. 1 BBiG). chen.

(2) Zur Abschlussprüfung ist auch zuzulassen, (3) Örtlich zuständig für die Zulassung ist die
wer nachweist, dass er mindestens das Ein- zuständige Stelle, in deren Bezirk
einhalbfache der Zeit, die als Ausbildungs-
zeit vorgeschrieben ist, in dem Beruf tätig 1. in den Fällen der §§ 8, 9 und 11 Abs. 1
gewesen ist, in dem die Prüfung abgelegt die Ausbildungs- oder Umschulungs-
werden soll. Als Zeiten der Berufstätigkeit stätte liegt,
gelten auch Ausbildungszeiten in einem 2. in den Fällen der §§ 10, 11 Abs. 2 und 3 der
anderen, einschlägigen Ausbildungsberuf. gewöhnliche Aufenthalt der Prüfungs-
Vom Nachweis der Mindestzeit nach Satz 1 bewerber liegt,
210 SERVICE Musterprüfungsordnung

3. in den Fällen des § 1 Abs. 3 der gemein- ggf. glaubhafte Darlegung über den
same Prüfungsausschuss errichtet Erwerb der beruflichen Handlungs-
worden ist. fähigkeit,

f) in den Fällen des § 11 Abs. 2 Satz 3 und


(4) Dem Antrag auf Zulassung sind beizu-
Abs. 3
fügen:
– glaubhafte Darlegung über den Er -
a) in den Fällen der §§ 8 Abs. 1 und Abs. 2,
werb der beruflichen Handlungs-
9 Abs. 3
fähigkeit oder Bescheinigung über
– Bescheinigung über die Teilnahme
den Erwerb der beruflichen Fertig-
an vorgeschriebenen Zwischen- keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten.
prüfungen oder am ersten Teil der
Abschlussprüfung,
(5) Für Wiederholungsprüfungen genügt die
– vorgeschriebene schriftliche Aus- form- und fristgerechte Anmeldung zur
bildungsnachweise, Prüfung.

b) in den Fällen des § 9 Abs. 2 § 13


– vorgeschriebene schriftliche Aus- Entscheidung über die Zulassung
bildungsnachweise,
(1) Über die Zulassung zur Abschluss- und
Umschulungsprüfung entscheidet die zu-
c) im Fall des § 11 Abs. 1
ständige Stelle. Hält sie die Zulassungsvor-
– zusätzlich zu den Unterlagen nach a)
aussetzungen nicht für gegeben, so ent-
oder b) das letzte Zeugnis oder eine
scheidet der Prüfungsausschuss (§ 46 Abs. 1
aktuelle Leistungsbeurteilung der
BBiG und § 62 Abs. 3 BBiG).
zuletzt besuchten berufsbildenden
Schule,
(2) Sofern eine Umschulungsordnung (§ 58
BBiG) oder eine Umschulungsprüfungs-
d) in den Fällen des § 10
regelung (§ 59 BBiG) der zuständigen Stelle
– Bescheinigung über die Teilnahme an
Zulassungsvoraussetzungen vorsieht, sind
dem schulischen oder sonstigen
ausländische Bildungsabschlüsse und Zeiten
Bildungsgang
der Berufstätigkeit im Ausland zu berück-
sichtigen (§ 61 BBiG).
und in den Fällen des § 10 Nr. 1 zusätzlich
(3) Die Entscheidung über die Zulassung ist
– Bescheinigung über die Teilnahme an
den Prüfungsbewerbern rechtzeitig unter
der fachpraktischen Ausbildung im
Angabe des Prüfungstages und -ortes ein-
Rahmen des schulischen oder sons-
schließlich der erlaubten Arbeits- und Hilfs-
tigen Bildungsganges,
mittel schriftlich mitzuteilen. Die Entschei-
dung über die Nichtzulassung ist dem Prü-
e) in den Fällen des § 11 Abs. 2 Sätze 1 und 2
fungsbewerber schriftlich mit Begründung
– Tätigkeitsnachweis und ggf. Nach-
bekannt zu geben.
weis der Dauer der Berufsausbildung
in dem oder in einem anderen ein-
(4) Die Zulassung kann von der zuständigen
schlägigen Ausbildungsberuf und
Stelle im Einvernehmen mit dem Prüfungs-
Musterprüfungsordnung SERVICE 211

ausschuss bis zur Bekanntgabe des Prüfungs- § 15


ergebnisses widerrufen werden, wenn sie Gliederung der Prüfung
aufgrund von gefälschten Unterlagen oder (1) Die Gliederung der Prüfung richtet sich
falschen Angaben ausgesprochen wurde. nach der Ausbildungsordnung oder der
Umschulungsordnung oder -prüfungsrege-
lung der zuständigen Stelle.
Dritter Abschnitt:
(2) Soweit Fachliche Vorschriften (§ 104 BBiG)
Durchführung der Prüfung
nichts anderes bestimmen, gliedert sich die
Prüfung in eine Fertigkeits- und Kenntnis-
§ 14
prüfung.
Prüfungsgegenstand
(1) Durch die Abschlussprüfung ist festzu- § 16
stellen, ob der Prüfling die berufliche Hand- Besondere Verhältnisse
lungsfähigkeit erworben hat. In ihr soll der behinderter Menschen
Prüfling nachweisen, dass er die erforder-
Bei der Durchführung der Prüfung sollen die
lichen beruflichen Fertigkeiten beherrscht,
besonderen Verhältnisse behinderter Men-
die notwendigen beruflichen Kenntnisse
schen berücksichtigt werden. Dies gilt insbe-
und Fähigkeiten besitzt und mit dem im Be-
sondere für die Dauer der Prüfung, die Zu-
rufsschulunterricht zu vermittelnden, für die
lassung von Hilfsmitteln und die Inanspruch-
Berufsausbildung wesentlichen Lehrstoff
nahme von Hilfeleistungen Dritter wie Ge-
vertraut ist. Die Ausbildungsordnung ist
bärdensprachdolmetscher für hörbehinderte
zugrunde zu legen (§ 38 BBiG).
Menschen (§ 65 Abs. 1 BBiG). Die Art der
Behinderung ist mit dem Antrag auf Zulas-
(2) Der Gegenstand der Umschulungsprü-
sung zur Prüfung (§ 12) nachzuweisen.
fung ergibt sich aus der jeweiligen Umschu-
lungsordnung oder Umschulungsprüfungs-
regelung der zuständigen Stelle. § 17
Befreiung von vergleichbaren
(3) Sofern sich die Umschulungsordnung Prüfungsbestandteilen bei der
oder die Umschulungsprüfungsregelung der Umschulungsprüfung
zuständigen Stelle auf die Umschulung für Bei der Umschulungsprüfung (§§ 58, 59 BBiG)
einen anerkannten Ausbildungsberuf richtet, ist der Prüfling auf Antrag von der Ablegung
sind das Ausbildungsberufsbild, der Ausbil- einzelner Prüfungsbestandteile durch die
dungsrahmenplan und die Prüfungsanfor- zuständige Stelle zu befreien, wenn er eine
derungen zugrunde zu legen (§ 60 BBiG). andere vergleichbare Prüfung vor einer
(4) Die Prüfungssprache ist Deutsch soweit öffentlichen oder staatlich anerkannten
nicht die Ausbildungsordnung, die Umschu- Bildungseinrichtung oder vor einem staat-
lungsordnung oder die -prüfungsregelung lichen Prüfungsausschuss erfolgreich abge-
der zuständigen Stelle etwas anderes vor- legt hat und die Anmeldung zur Umschu-
sieht. lungsprüfung innerhalb von fünf Jahren nach
der Bekanntgabe des Bestehens der anderen
Prüfung erfolgt (§ 62 Abs. 4 BBiG).
212 SERVICE Musterprüfungsordnung

§ 18 (2) Die zuständige Stelle regelt im Einver-


Prüfungsaufgaben nehmen mit dem Prüfungsausschuss die
(1) Der Prüfungsausschuss beschließt auf der Aufsichtsführung, die sicherstellen soll, dass
Grundlage der Ausbildungsordnung oder die Prüfungsleistungen selbstständig und
der Umschulungsordnung oder -prüfungs- nur mit erlaubten Arbeits- und Hilfsmitteln
regelung der zuständigen Stelle die Prü- durchgeführt werden.
fungsaufgaben. (3) Über den Ablauf der Prüfung ist eine
(2) Überregional oder von einem Aufgaben- Niederschrift zu fertigen.
erstellungsausschuss bei der zuständigen
Stelle erstellte oder ausgewählte Aufgaben § 21
sind vom Prüfungsausschuss zu überneh- Ausweispflicht und Belehrung
men, sofern diese Aufgaben von Gremien Die Prüflinge haben sich auf Verlangen des
erstellt oder ausgewählt und beschlossen Vorsitzes oder der Aufsichtsführung über
wurden, die entsprechend § 2 Abs. 2 zusam- ihre Person auszuweisen. Sie sind vor Beginn
mengesetzt sind und die zuständige Stelle der Prüfung über den Prüfungsablauf, die zur
über die Übernahme entschieden hat. Verfügung stehende Zeit, die erlaubten
Arbeits- und Hilfsmittel, die Folgen von
(3) Sind an einem Tag ausschließlich schrift- Täuschungshandlungen und Ordnungs-
liche Prüfungsleistungen zu erbringen, soll verstößen, Rücktritt und Nichtteilnahme zu
die Dauer der Prüfung 300 Minuten nicht belehren.
überschreiten.
§ 22
§ 19 Täuschungshandlungen und
Nichtöffentlichkeit Ordnungsverstöße
Die Prüfungen sind nicht öffentlich. Vertre- (1) Unternimmt es ein Prüfling, das Prüfungs-
ter und Vertreterinnen der obersten Landes- ergebnis durch Täuschung oder Benutzung
behörden, der zuständigen Stelle sowie die nicht zugelassener Hilfsmittel zu beein-
Mitglieder des Berufsbildungsausschusses flussen oder leistet er Beihilfe zu einer
der zuständigen Stelle können anwesend Täuschung oder einem Täuschungsversuch,
sein. Der Prüfungsausschuss kann im Einver- liegt eine Täuschungshandlung vor.
nehmen mit der zuständigen Stelle andere
(2) Wird während der Prüfung festgestellt,
Personen als Gäste zulassen. An der Beratung
dass ein Prüfling eine Täuschungshandlung
über das Prüfungsergebnis im Sinne des § 25
begeht oder einen entsprechenden Ver-
Abs. 1 Satz 2 dürfen nur die Mitglieder des
dacht hervorruft, ist der Sachverhalt von
Prüfungsausschusses beteiligt sein.
der Aufsichtsführung festzustellen und zu
protokollieren. Der Prüfling setzt die Prüfung
§ 20
vorbehaltlich der Entscheidung des Prü-
Leitung, Aufsicht und Niederschrift
fungsausschusses über die Täuschungs-
(1) Die Prüfung wird unter Leitung des Vor- handlung fort.
sitzes vom gesamten Prüfungsausschuss
unbeschadet der Regelungen in § 25 Abs. 2 (3) Liegt eine Täuschungshandlung vor, wird
und 3 abgenommen. die von der Täuschungshandlung betroffene
Prüfungsleistung mit „ungenügend“ (= 0
Musterprüfungsordnung SERVICE 213

Punkte) bewertet. In schweren Fällen, insbe- (4) Bei den zeitlich auseinanderfallenden
sondere bei vorbereiteten Täuschungshand- Teilen einer Abschlussprüfung gelten die
lungen, kann der Prüfungsausschuss den Absätze 1 bis 3 für den jeweiligen Teil.
Prüfungsteil oder die gesamte Prüfung mit
„ungenügend“ (= 0 Punkte) bewerten. (5) Der wichtige Grund ist unverzüglich mit-
zuteilen und nachzuweisen. Im Krankheits-
(4) Behindert ein Prüfling durch sein Verhal- fall ist die Vorlage eines ärztlichen Attestes
ten die Prüfung so, dass die Prüfung nicht erforderlich.
ordnungsgemäß durchgeführt werden kann,
ist er von der Teilnahme auszuschließen. Die
Entscheidung hierüber kann von der Auf- Vierter Abschnitt:
sichtführung getroffen werden. Die end- Bewertung, Feststellung und Beurkundung
gültige Entscheidung über die Folgen für des Prüfungsergebnisses
den Prüfling hat der Prüfungsausschuss
unverzüglich zu treffen. Absatz 3 gilt ent- § 24
sprechend. Gleiches gilt bei Nichtbeachtung Bewertungsschlüssel
der Sicherheitsvorschriften. Die Prüfungsleistungen sind wie folgt zu
bewerten:
(5) Vor Entscheidungen des Prüfungsaus-
schusses nach den Absätzen 3 und 4 ist der Eine den Anforderungen in besonderem
Prüfling zu hören. Maße entsprechende Leistung
= 100 - 92 Punkte = Note 1 = sehr gut
§ 23
Rücktritt, Nichtteilnahme eine den Anforderungen voll entsprechende
(1) Der Prüfling kann nach erfolgter Anmel- Leistung
dung vor Beginn der Prüfung durch schrift- = unter 92 - 81 Punkte = Note 2 = gut
liche Erklärung zurücktreten. In diesem Fall
gilt die Prüfung als nicht abgelegt. eine den Anforderungen im allgemeinen
entsprechende Leistung
(2) Versäumt der Prüfling einen Prüfungs-
= unter 81 - 67 Punkte = Note 3 = befrie-
termin, so werden bereits erbrachte selbst-
digend
ständige Prüfungsleistungen anerkannt,
wenn ein wichtiger Grund für die Nichtteil-
eine Leistung, die zwar Mängel aufweist,
nahme vorliegt. Selbstständige Prüfungs-
aber im ganzen den Anforderungen noch
leistungen sind solche, die thematisch klar
entspricht
abgrenzbar und nicht auf eine andere Prü-
fungsleistung bezogen sind sowie eigen- = unter 67 - 50 Punkte = Note 4 = aus-
ständig bewertet werden. reichend

(3) Erfolgt der Rücktritt nach Beginn der Prü- eine Leistung, die den Anforderungen nicht
fung oder nimmt der Prüfling an der Prüfung entspricht, jedoch erkennen lässt, dass ge-
nicht teil, ohne dass ein wichtiger Grund vor- wisse Grundkenntnisse noch vorhanden sind
liegt, so wird die Prüfung mit 0 Punkten be- = unter 50 - 30 Punkte = Note 5 = mangelhaft
wertet.
214 SERVICE Musterprüfungsordnung

eine Leistung, die den Anforderungen nicht Stellungnahmen Dritter, insbesondere be-
entspricht und bei der selbst Grundkennt- rufsbildender Schulen, einholen. Im Rahmen
nisse fehlen der Begutachtung sind die wesentlichen
= unter 30 - 0 Punkte = Note 6 = Abläufe zu dokumentieren und die für die
ungenügend. Bewertung erheblichen Tatsachen festzuhal-
ten (§ 39 Abs. 2 und 3 BBiG). Die Beauftra-
Der 100-Punkte-Schlüssel ist der Bewertung gung erfolgt nach den Verwaltungsgrund-
aller Prüfungsleistungen sowie der Ermitt- sätzen der zuständigen Stelle. Personen, die
lung von Zwischen- und Gesamtergebnissen nach § 3 von der Mitwirkung im Prüfungs-
zugrunde zu legen. ausschuss auszuschließen sind, sollen nicht
als Gutachter tätig werden.

§ 25 § 26
Bewertungsverfahren, Feststellung
Ergebnisniederschrift, Mitteilung über
der Prüfungsergebnisse
Bestehen oder Nichtbestehen
(1) Jede Prüfungsleistung ist von jedem Mit-
(1) Über die Feststellung der einzelnen Prü-
glied des Prüfungsausschusses selbstständig
fungsergebnisse ist eine Niederschrift auf
zu bewerten. Beschlüsse über die Bewer-
den von der zuständigen Stelle genehmig-
tung einzelner Prüfungsleistungen, der Prü-
ten Formularen zu fertigen. Sie ist von den
fung insgesamt sowie über das Bestehen
Mitgliedern des Prüfungsausschusses zu
und Nichtbestehen der Abschlussprüfung
unterzeichnen und der zuständigen Stelle
werden vom Prüfungsausschuss gefasst. Bei
unverzüglich vorzulegen.
der gemeinsamen Feststellung der Ergeb-
nisse dienen die Einzelbewertungen der
(2) Soweit Fachliche Vorschriften (§ 104 BBiG)
Prüfungsausschussmitglieder als Grundlage.
nichts anderes regeln, ist die Prüfung insge-
samt bestanden, wenn in den einzelnen Prü-
(2) Zur Vorbereitung der Beschlussfassung
fungsteilen gemäß § 15 Abs. 2 mindestens
nach Absatz 1 kann der Vorsitz mindestens
ausreichend Leistungen erbracht sind.
zwei Mitglieder mit der Bewertung einzel-
ner, nicht mündlich zu erbringender Prü-
(3) Dem Prüfling soll unmittelbar nach Fest-
fungsleistungen beauftragen. Die Beauf-
stellung des Gesamtergebnisses der Prüfung
tragten sollen nicht derselben Mitglieder-
mitgeteilt werden, ob er die Prüfung „be-
gruppe angehören. Die beauftragten Mit-
standen“ oder „nicht bestanden“ hat. Hier-
glieder dokumentieren die wesentlichen
über erhält der Prüfling eine vom Vorsitz zu
Abläufe und halten die für die Bewertung
unterzeichnende Bescheinigung. Kann die
erheblichen Tatsachen fest (§ 42 Abs. 2 und 3
Feststellung des Prüfungsergebnisses nicht
BBiG). Die übrigen Mitglieder des Prüfungs-
am Tag der letzten Prüfungsleistung getrof-
ausschusses sind bei der Beschlussfassung
fen werden, so hat der Prüfungsausschuss
nach Absatz 1 nicht an die Einzelbewertun-
diese unverzüglich zu treffen und dem Prüf-
gen der beauftragten Mitglieder gebunden.
ling mitzuteilen.
(3) Der Prüfungsausschuss kann zur Bewer-
(4) Sofern die Abschlussprüfung in zwei zeit-
tung einzelner, nicht mündlich zu erbringen-
lich auseinander fallenden Teilen durchge-
der Prüfungsleistungen gutachterliche
Musterprüfungsordnung SERVICE 215

führt wird, ist das Ergebnis der Prüfungs- ten Person der zuständigen Stelle mit
leistungen im ersten Teil der Abschluss- Siegel.
prüfung dem Prüfling schriftlich mitzuteilen
(§ 37 Abs. 2 Satz 3 BBIG). Der erste Teil der Im Prüfungszeugnis können darüber hinaus
Abschlussprüfung ist nicht eigenständig die selbstständigen Prüfungsleistungen
wiederholbar (§ 37 Abs. 1 Satz 3 BBiG). eines Prüfungsbereichs (§ 23 Abs. 2 Satz 2)
ohne Bewertung aufgeführt werden.
(5) Dem Ausbildenden werden auf Verlangen
die Ergebnisse der Zwischen- und Abschluss- (3) Dem Zeugnis ist auf Antrag des Auszu-
prüfung des Auszubildenden übermittelt bildenden eine englischsprachige und eine
(§ 37 Abs. 2 Satz 2 BBiG). französischsprachige Übersetzung beizu-
fügen. Auf Antrag der Auszubildenden kann
§ 27 das Ergebnis berufsschulischer Leistungs-
Prüfungszeugnis feststellungen auf dem Zeugnis ausgewie-
(1) Über die Prüfung erhält der Prüfling sen werden (§ 37 Abs. 3 BBiG).
von der zuständigen Stelle ein Zeugnis
(§ 37 Abs. 2 BBiG). Der von der zuständigen § 28
Stelle vorgeschriebene Vordruck ist zu Bescheid über nicht bestandene
verwenden. Prüfung
(1) Bei nicht bestandener Prüfung erhalten
(2) Das Prüfungszeugnis enthält der Prüfling und seine gesetzlichen Vertreter
von der zuständigen Stelle einen schrift-
– die Bezeichnung „Prüfungszeugnis nach lichen Bescheid. Darin ist anzugeben,
§ 37 Abs. 2 BBiG“ oder „Prüfungszeugnis welche Prüfungsleistungen in einer Wieder-
nach § 62 Abs. 3 BBiG in Verbindung mit holungsprüfung nicht mehr wiederholt
§ 37 Abs. 2 BBiG“, werden müssen (§ 29 Abs. 2 bis 3). Die von
– die Personalien des Prüflings (Name, der zuständigen Stelle vorgeschriebenen
Vorname, Geburtsdatum), Formulare sind zu verwenden.
– die Bezeichnung des Ausbildungsberufs
mit Fachrichtung oder prüfungsrelevan- (2) Auf die besonderen Bedingungen der
tem Schwerpunkt. Weitere in der Ausbil- Wiederholungsprüfung gemäß § 29 ist hin-
dungsordnung ausgewiesene prüfungs- zuweisen.
relevante Differenzierungen können auf-
geführt werden.
– die Ergebnisse (Punkte) der Prüfungsbe-
reiche und das Gesamtergebnis (Note),
soweit ein solches in der Ausbildungs-
ordnung vorgesehen ist,
– das Datum des Bestehens der Prüfung,
– die Namenswiedergaben (Faksimile)
oder Unterschriften des Vorsitzes des
Prüfungsausschusses und der beauftrag-
216 SERVICE Musterprüfungsordnung

Fünfter Abschnitt: § 31
Wiederholungsprüfung Prüfungsunterlagen
Auf Antrag ist dem Prüfling binnen der ge-
§ 29 setzlich vorgegebenen Frist zur Einlegung
Wiederholungsprüfung eines Rechtsbehelfs Einsicht in seine Prü-
(1) Eine nicht bestandene Abschlussprüfung fungsunterlagen zu gewähren. Die schrift-
kann zweimal wiederholt werden (§ 37 Abs. 1 lichen Prüfungsarbeiten sind ein Jahr, die
Satz 2 BBiG). Es gelten die in der Wieder- Niederschriften gemäß § 26 Abs. 1 10 Jahre
holungsprüfung erzielten Ergebnisse. aufzubewahren. Die Aufbewahrungsfrist
beginnt mit dem Zugang des Prüfungs-
(2) Hat der Prüfling bei nicht bestandener bescheides nach § 27 Abs. 1 bzw. § 28 Abs. 1.
Prüfung in einer selbstständigen Prüfungs- Der Ablauf der vorgenannten Fristen wird
leistung (§ 23 Abs. 2 Satz 2) mindestens aus- durch das Einlegen eines Rechtsmittels
reichende Leistungen erbracht, so ist dieser gehemmt.
auf Antrag des Prüflings nicht zu wieder-
holen, sofern der Prüfling sich innerhalb von § 32
zwei Jahren – gerechnet vom Tage der Fest- Prüfung von Zusatzqualifikationen
stellung des Ergebnisses der nicht bestande- Die Vorschriften dieser Prüfungsordnung
nen Prüfung an – zur Wiederholungsprüfung gelten entsprechend für die Abnahme von
anmeldet. Die Bewertung in einer selbst- Prüfungen gem. § 49 BBiG (Zusatzqualifi-
ständigen Prüfungsleistung (§ 23 Abs. 2 Satz 2) kationsprüfungen). Das Ergebnis der Prüfung
ist im Rahmen der Wiederholungsprüfung zu nach § 37 BBiG bleibt unberührt.
übernehmen.
§ 33
(3) Die Prüfung kann frühestens zum näch- Inkrafttreten
sten Prüfungstermin (§ 7) wiederholt werden.
Diese Prüfungsordnung tritt am Tag der
Veröffentlichung im Mitteilungsblatt der
Sechster Abschnitt: zuständigen Stelle in Kraft. Gleichzeitig tritt
Schlussbestimmungen die bisherige Abschluss-/ Umschulungs-
prüfungsordnung außer Kraft. Die Prüfungs-
§ 30 ordnung wurde am … gemäß § 47 Abs. 1 BBiG
Rechtsbehelfsbelehrung von …(zuständige Behörde) genehmigt.

Maßnahmen und Entscheidungen der Prüf-


ungsausschüsse der zuständigen Stelle sind
bei ihrer schriftlichen Bekanntgabe an den
Prüfungsbewerber bzw. den Prüfling mit Quelle:
einer Rechtsbehelfsbelehrung gemäß § 70 Bundesanzeiger Nr. 152a/2007 vom 16.8.2007
VwGO zu versehen. Internet: www.bibb.de/de/29297.htm
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 217

3. Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe


– nach Berufsgruppen geordnet –

Ausbildungsbereiche:
IH = Industrie und Handel, Hw = Handwerk, Lw = Landwirtschaft,
öD = Öffentlicher Dienst, Haw = Hauswirtschaft, FB = Freie Berufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Berufsgruppe 11:
Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe
Fachkraft Agrarservice Lw 36
Fischwirt/Fischwirtin Lw 36
Forstwirt/Forstwirtin Lw 36
Landwirt/Landwirtin Lw 36
Pferdewirt/Pferdewirtin Lw 36
Pflanzentechnologe/Pflanzentechnologin Lw 36
Revierjäger/Revierjägerin Lw 36
Tierpfleger/Tierpflegerin IH 36
Tierwirt/Tierwirtin Lw 36
Winzer/Winzerin Lw 36

Berufsgruppe 12:
Gartenbauberufe und Floristik
Florist/Floristin IH 36
Gärtner/Gärtnerin Lw 36

Berufsgruppe 21:
Rohstoffgewinnung und -aufbereitung, Glas- und Keramikherstellung und -verarbeitung
Aufbereitungsmechaniker/Aufbereitungsmechanikerin IH 36
Berg- und Maschinenmann/Berg- und Maschinenfrau IH 24
Bergbautechnologe/Bergbautechnologin IH 36
Betonfertigteilbauer/Betonfertigteilbauerin IH 36
218 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Betonstein- und Terrazzohersteller/


Betonstein- und Terrazzoherstellerin Hw 36
Feinoptiker/Feinoptikerin IH, Hw 42
Figurenkeramformer/Figurenkeramformerin IH 36
Flachglasmechaniker/Flachglasmechanikerin IH 36
Glasapparatebauer/Glasapparatebauerin IH, Hw 36
Glasmacher/Glasmacherin IH 36
Glasveredler/Glasveredlerin IH, Hw 36
Industriekeramiker Anlagentechnik/
Industriekeramikerin Anlagentechnik IH 36
Industriekeramiker Modelltechnik/
Industriekeramikerin Modelltechnik IH 36
Industriekeramiker Verfahrenstechnik/
Industriekeramikerin Verfahrenstechnik IH 36
Leuchtröhrenglasbläser/Leuchtröhrenglasbläserin IH 36
Naturwerksteinmechaniker/
Naturwerksteinmechanikerin IH 36
Steinmetz und Steinbildhauer/
Steinmetzin und Steinbildhauerin Hw 36
Thermometermacher/Thermometermacherin IH, Hw 36
Verfahrensmechaniker für Brillenoptik/
Verfahrensmechanikerin für Brillenoptik IH 36
Verfahrensmechaniker Glastechnik/
Verfahrensmechanikerin Glastechnik IH 36
Verfahrensmechaniker in der Hütten- und
Halbzeugindustrie/Verfahrensmechanikerin in der
Hütten- und Halbzeugindustrie IH 42
Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie/
Verfahrensmechanikerin in der Steine- und
Erdenindustrie IH 36
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 219

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Berufsgruppe 22:
Kunststoffherstellung und -verarbeitung, Holzbe- und -verarbeitung
Böttcher/Böttcherin Hw 36
Bürsten- und Pinselmacher/Bürsten und Pinselmacherin IH, Hw 36
Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice IH 36
Fahrzeuglackierer/Fahrzeuglackiererin IH, Hw 36
Flechtwerkgestalter/Flechtwerkgestalterin IH, Hw 36
Holzbearbeitungsmechaniker/
Holzbearbeitungsmechanikerin IH 36
Holzmechaniker/Holzmechanikerin IH 36
Lacklaborant/Lacklaborantin IH 42
Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik/
Mechanikerin für Reifen- und Vulkanisationstechnik Hw 36
Tischler/Tischlerin Hw 36
Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und
Kautschuktechnik/Verfahrensmechanikerin
für Kunststoff- und Kautschuktechnik IH, Hw 36

Berufsgruppe 23:
Papier- und Druckberufe, technische Mediengestaltung
Buchbinder/Buchbinderin Hw 36
Dekorvorlagenhersteller/Dekorvorlagenherstellerin IH 36
Film- und Videolaborant/Film- und Videolaborantin IH 36
Fotograf/Fotografin Hw 36
Fotolaborant/Fotolaborantin IH, Hw 24
Fotomedienlaborant/Fotomedienlaborantin IH, Hw 36
Mediengestalter Digital und Print/
Mediengestalterin Digital und Print IH, Hw 36
Mediengestalter Flexografie/
Mediengestalterin Flexografie IH, Hw 36
220 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Medientechnologe Druck/Medientechnologin Druck IH, Hw 36


Medientechnologe Druckverarbeitung/
Medientechnologin Druckverarbeitung IH 36
Medientechnologe Siebdruck/Medientechnologin Siebdruck IH, Hw 36
Packmitteltechnologe/Packmitteltechnologin IH 36
Papiertechnologe/Papiertechnologin IH 36

Berufsgruppe 24:
Metallerzeugung und -bearbeitung, Metallbauberufe
Büchsenmacher/Büchsenmacherin Hw 36
Chirurgiemechaniker/Chirurgiemechanikerin Hw 42
Fachkraft für Metalltechnik IH 24
Feinpolierer/Feinpoliererin IH 36
Feinwerkmechaniker/Feinwerkmechanikerin Hw 42
Gießereimechaniker/Gießereimechanikerin IH 42
Konstruktionsmechaniker/Konstruktionsmechanikerin IH 42
Metallbauer/Metallbauerin Hw 42
Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Hw 36
Oberflächenbeschichter/Oberflächenbeschichterin IH, Hw 36
Schneidwerkzeugmechaniker/Schneidwerkzeug-
mechanikerin Hw 42
Stanz- und Umformmechaniker/
Stanz- und Umformmechanikerin IH 36
Uhrmacher/Uhrmacherin IH, Hw 36
Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik/
Verfahrensmechanikerin für Beschichtungstechnik IH 36
Vorpolierer Schmuck und Kleingeräteherstellung/
Vorpoliererin Schmuck und Kleingeräteherstellung IH 24
Werkzeugmechaniker/Werkzeugmechanikerin IH 42
Zerspanungsmechaniker/Zerspanungsmechanikerin IH 42
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 221

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Berufsgruppe 25:
Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe
Fahrradmonteur/Fahrradmonteurin IH, Hw 24
Fertigungsmechaniker/Fertigungsmechanikerin IH 36
Fluggerätmechaniker/Fluggerätmechanikerin IH 42
Industriemechaniker/Industriemechanikerin IH 42
Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/
Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikerin IH, Hw 42
Kraftfahrzeugmechatroniker/Kraftfahrzeug-
mechatronikerin IH, Hw 42
Leichtflugzeugbauer/Leichtflugzeugbauerin IH 36
Maschinen- und Anlagenführer/
Maschinen- und Anlagenführerin IH 24
Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik/
Mechanikerin für Karosserieinstandhaltungstechnik Hw 42
Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik/
Mechanikerin für Land- und Baumaschinentechnik IH, Hw 42
Metallbauer/Metallbauerin Hw 42
Zweiradmechaniker/Zweiradmechanikerin IH, Hw 42

Berufsgruppe 26:
Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe
Elektroanlagenmonteur/Elektroanlagenmonteurin IH 36
Elektroniker/Elektronikerin Hw 42
Elektroniker für Automatisierungstechnik/
Elektronikerin für Automatisierungstechnik IH 42
Elektroniker für Betriebstechnik/
Elektronikerin für Betriebstechnik IH 42
Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme/
Elektronikerin für Gebäude- und Infrastruktursysteme IH 42
222 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Elektroniker für Geräte und Systeme/


Elektronikerin für Geräte und Systeme IH 42
Elektroniker für Informations- und Systemtechnik/
Elektronikerin für Informations- und Systemtechnik IH 42
Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik/
Elektronikerin für Maschinen und Antriebstechnik IH, Hw 42
Fluggeräteelektroniker/Fluggeräteelektronikerin IH 42
Industrieelektriker/Industrieelektrikerin IH 24
Informations- und Telekommunikationssystem-
Elektroniker/Informations- und Telekommunikations-
system-Elektronikerin IH 36
Informationselektroniker/Informationselektronikerin Hw 42
Mechatroniker/Mechatronikerin IH 42
Mikrotechnologe/Mikrotechnologin IH 36
Systemelektroniker/Systemelektronikerin Hw 42

Berufsgruppe 27:
Technische Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktions- und Produktionssteuerungsberufe
Bauzeichner/Bauzeichnerin IH 36
Biologiemodellmacher/Biologiemodellmacherin IH 36
Produktionstechnologe/Produktionstechnologin IH 36
Technischer Modellbauer/Technische Modellbauerin IH, Hw 42
Technischer Produktdesigner/Technische Produktdesignerin IH 42
Technischer Systemplaner/Technische Systemplanerin IH 42

Berufsgruppe 28:
Textil- und Lederberufe
Änderungsschneider/Änderungsschneiderin IH, Hw 24
Fachkraft für Lederverarbeitung IH 24
Fahrzeuginnenausstatter/Fahrzeuginnenausstatterin IH 36
Gerber/Gerberin IH, Hw 36
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 223

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Kürschner/Kürschnerin IH, Hw 36
Maßschneider/Maßschneiderin Hw 36
Modenäher/Modenäherin IH 24
Modeschneider/Modeschneiderin IH 36
Modist/Modistin IH, Hw 36
Orthopädieschuhmacher/Orthopädieschuhmacherin Hw 42
Pelzveredler/Pelzveredlerin IH 36
Polster- und Dekorationsnäher/Polster- und Dekorationsnäherin IH, Hw 24
Polsterer/Polsterin IH 36
Produktgestalter – Textil/Produktgestalterin – Textil IH 36
Produktionsmechaniker – Textil/
Produktionsmechanikerin – Textil IH 36
Produktprüfer – Textil/Produktprüferin – Textil IH 24
Produktveredler – Textil/Produktveredlerin – Textil IH 36
Sattler/Sattlerin IH, Hw 36
Schuhfertiger/Schuhfertigerin IH 36
Schuhmacher/Schuhmacherin Hw 36
Segelmacher/Segelmacherin Hw 36
Seiler/Seilerin Hw 36
Technischer Konfektionär/Technische Konfektionärin IH 36
Textilgestalter im Handwerk/Textilgestalterin im Handwerk Hw 36

Berufsgruppe 29:
Lebensmittelherstellung und -verarbeitung
Bäcker/Bäckerin IH, Hw 36
Brauer und Mälzer/Brauerin und Mälzerin IH, Hw 36
Brenner/Brennerin IH, Lw 36
Destillateur/Destillateurin IH 36
Fachkraft für Fruchtsafttechnik IH 36
Fachkraft für Lebensmitteltechnik IH 36
224 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Fachkraft für Süßwarentechnik IH 36


Fleischer/Fleischerin IH, Hw 36
Koch/Köchin IH 36
Konditor/Konditorin Hw 36
Milchtechnologe/Milchtechnologin Lw 36
Müller (Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und
Futtermittelwirtschaft)/Müllerin (Verfahrenstechnologin
in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft) IH, Hw 36
Speiseeishersteller/Speiseeisherstellerin IH, Hw 24
Weintechnologe/Weintechnologin IH, Hw 36

Berufsgruppe 31:
Bauplanungs-, Architektur- und Vermessungsberufe
Fachkraft für Straßen- und Verkehrstechnik IH, öD 36
Fachkraft für Wasserwirtschaft IH, öD 36
Geomatiker/Geomatikerin IH, öD 36
Vermessungstechniker/Vermessungstechnikerin IH, öD 36

Berufsgruppe 32:
Hoch- und Tiefbauberufe
Asphaltbauer/Asphaltbauerin IH 36
Bauwerksmechaniker für Abbruch und Betontrenntechnik/
Bauwerksmechanikerin für Abbruch und Betontrenntechnik IH 36
Beton- und Stahlbetonbauer/Beton- und Stahlbetonbauerin IH, Hw 36
Brunnenbauer/Brunnenbauerin IH, Hw 36
Dachdecker/Dachdeckerin Hw 36
Fassadenmonteur/Fassadenmonteurin IH 36
Feuerungs- und Schornsteinbauer/
Feuerungs- und Schornsteinbauerin IH, Hw 36
Gerüstbauer/Gerüstbauerin IH, Hw 36
Gleisbauer/Gleisbauerin IH 36
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 225

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Hochbaufacharbeiter/Hochbaufacharbeiterin IH, Hw 24
Kanalbauer/Kanalbauerin IH 36
Maurer/Maurerin IH, Hw 36
Spezialtiefbauer/Spezialtiefbauerin IH 36
Straßenbauer/Straßenbauerin IH, Hw 36
Tiefbaufacharbeiter/Tiefbaufacharbeiterin IH, Hw 24
Wasserbauer/Wasserbauerin IH, öD 36

Berufsgruppe 33:
(Innen-)Ausbauberufe
Ausbaufacharbeiter/Ausbaufacharbeiterin IH, Hw 24
Bauten- und Objektbeschichter/
Bauten- und Objektbeschichterin Hw 24
Bauwerksabdichter/Bauwerksabdichterin IH 36
Bodenleger/Bodenlegerin IH 36
Bootsbauer/Bootsbauerin IH, Hw 42
Estrichleger/Estrichlegerin IH, Hw 36
Fachkraft für Holz- und Bautenschutzarbeiten IH, Hw 24
Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/
Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerin IH, Hw 36
Glaser/Glaserin Hw 36
Holz- und Bautenschützer/Holz- und Bautenschützerin IH, Hw 36
Industrie-Isolierer/Industrie-Isoliererin IH 36
Isolierfacharbeiter/Isolierfacharbeiterin IH 24
Maler und Lackierer/Malerin und Lackiererin Hw 36
Parkettleger/Parkettlegerin Hw 36
Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker/
Rollladen- und Sonnenschutzmechatronikerin Hw 36
Stuckateur/Stuckateurin IH, Hw 36
Trockenbaumonteur/Trockenbaumonteurin IH 36
226 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten
Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer/
Wärme-, Kälte- und Schallschutzisoliererin IH, Hw 36
Zimmerer/Zimmerin IH, Hw 36

Berufsgruppe 34:
Gebäude- und versorgungstechnische Berufe
Anlagenmechaniker/Anlagenmechanikerin IH 42
Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klima-
technik/Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs-
und Klimatechnik IH, Hw 42
Behälter- und Apparatebauer/Behälter- und
Apparatebauerin Hw 42
Fachkraft für Abwassertechnik IH, öD 36
Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft IH, öD 36
Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice IH, öD 36
Fachkraft für Wasserversorgungstechnik IH, öD 36
Klempner/Klempnerin Hw 42
Mechatroniker für Kältetechnik/
Mechatronikerin für Kältetechnik IH, Hw 42
Ofen- und Luftheizungsbauer/Ofen- und
Luftheizungsbauerin Hw 36
Rohrleitungsbauer/Rohrleitungsbauerin IH 36

Berufsgruppe 41:
Mathematik-, Biologie-, Chemie- und Physikberufe
Baustoffprüfer/Baustoffprüferin IH 36
Biologielaborant/Biologielaborantin IH 42
Chemielaborant/Chemielaborantin IH 42
Chemielaborjungwerker/Chemielaborjungwerkerin IH 24
Chemikant/Chemikantin IH 42
Edelmetallprüfer/Edelmetallprüferin IH 36
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 227

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Milchwirtschaftlicher Laborant/
Milchwirtschaftliche Laborantin Lw 36
Pharmakant/Pharmakantin IH 42
Physiklaborant/Physiklaborantin IH 42
Produktionsfachkraft Chemie IH 24
Stoffprüfer (Chemie) Glas-, Keramische Industrie
sowie Steine und Erden/Stoffprüferin (Chemie)
Glas-, Keramische Industrie sowie Steine und Erden IH 36
Textillaborant/Textillaborantin IH 42
Werkstoffprüfer/Werkstoffprüferin IH 42

Berufsgruppe 42:
Geologie-, Geografie- und Umweltschutzberufe
Schornsteinfeger/Schornsteinfegerin Hw 36

Berufsgruppe 43:
Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufe
Fachinformatiker/Fachinformatikerin IH 36
Informatikkaufmann/Informatikkauffrau IH 36
Informations- und Telekommunikationssystem-Kaufmann/
Informations- und Telekommunikationssystem-Kauffrau IH 36
Mathematisch-technischer Softwareentwickler/
Mathematisch-technische Softwareentwicklerin IH 36

Berufsgruppe 51:
Verkehrs- und Logistikberufe (außer Fahrzeugführung)
Eisenbahner im Betriebsdienst/
Eisenbahnerin im Betriebsdienst IH 36
Fachkraft für Hafenlogistik IH 36
Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen IH 24
Fachkraft für Lagerlogistik IH 36
Fachlagerist/Fachlageristin IH 24
228 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten
Kaufmann für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen/
Kauffrau für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen IH 36
Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung/
Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung IH 36
Kaufmann für Verkehrsservice/Kauffrau für Verkehrsservice IH 36
Kaufmann im Eisenbahn und Straßenverkehr/
Kauffrau im Eisenbahn und Straßenverkehr IH 36
Luftverkehrskaufmann/Luftverkehrskauffrau IH 36
Schifffahrtskaufmann/Schifffahrtskauffrau IH 36
Servicekaufmann im Luftverkehr/Servicekauffrau im
Luftverkehr IH 36
Straßenwärter/Straßenwärterin IH, öD 36

Berufsgruppe 52:
Führer/innen von Fahrzeug- und Transportgeräten
Baugeräteführer/Baugeräteführerin IH 36
Berufskraftfahrer/Berufskraftfahrerin IH 36
Binnenschiffer/Binnenschifferin IH 36
Eisenbahner im Betriebsdienst/
Eisenbahnerin im Betriebsdienst IH 36
Fachkraft im Fahrbetrieb IH 36
Hafenschiffer/Hafenschifferin IH 36
Servicefahrer/Servicefahrerin IH 24

Berufsgruppe 53:
Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufe
Fachangestellter für Bäderbetriebe/
Fachangestellte für Bäderbetriebe öD 36
Fachkraft für Schutz und Sicherheit IH 36
Schädlingsbekämpfer/Schädlingsbekämpferin IH 36
Servicekraft für Schutz und Sicherheit IH 24
Werkfeuerwehrmann/Werkfeuerwehrfrau IH 36
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 229

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Berufsgruppe 54:
Reinigungsberufe
Gebäudereiniger/Gebäudereinigerin Hw 36
Textilreiniger/Textilreinigerin IH, Hw 36

Berufsgruppe 61:
Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe
Automatenfachmann/Automatenfachfrau IH 36
Fachkraft für Automatenservice IH 24
Immobilienkaufmann/Immobilienkauffrau IH 36
Kaufmann im Groß- und Außenhandel/
Kauffrau im Groß- und Außenhandel IH 36
Mediengestalter Digital und Print/
Mediengestalterin Digital und Print IH, Hw 36

Berufsgruppe 62:
Verkaufsberufe
Automobilkaufmann/Automobilkauffrau IH, Hw 36
Buchhändler/Buchhändlerin IH 36
Drogist/Drogistin IH 36
Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk/
Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk IH 36
Fotomedienfachmann/
Fotomedienfachfrau IH, Hw 36
Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel IH 36
Musikfachhändler/Musikfachhändlerin IH 36
Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter/
Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte FB 36
Tankwart/Tankwartin IH 36
Verkäufer/Verkäuferin IH 24
230 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Berufsgruppe 63:
Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe
Fachkraft im Gastgewerbe IH 24
Fachmann für Systemgastronomie/
Fachfrau für Systemgastronomie IH 36
Hotelfachmann/Hotelfachfrau IH 36
Hotelkaufmann/Hotelkauffrau IH 36
Kaufmann für Tourismus und Freizeit/
Kauffrau für Tourismus und Freizeit IH 36
Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau IH 36
Sport- und Fitnesskaufmann/Sport- und Fitnesskauffrau IH 36
Sportfachmann/Sportfachfrau IH 36
Tourismuskaufmann (Kaufmann für Privat- und
Geschäftsreisen)/Tourismuskauffrau (Kauffrau
für Privat- und Geschäftsreisen) IH 36
Veranstaltungskaufmann/Veranstaltungskauffrau IH 36

Berufsgruppe 71:
Berufe in Unternehmensführung und -organisation
Bürokaufmann/Bürokauffrau IH, Hw 36
Fachangestellter für Bürokommunikation/
Fachangestellte für Bürokommunikation öD 36
Industriekaufmann/Industriekauffrau IH 36
Kaufmann für Bürokommunikation/
Kauffrau für Bürokommunikation IH 36
Personaldienstleistungskaufmann/
Personaldienstleistungskauffrau IH 36
Werkgehilfe Schmuckwarenindustrie, Taschen- und
Armbanduhren/Werkgehilfin Schmuckwarenindustrie,
Taschen- und Armbanduhren IH 36
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 231

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Berufsgruppe 72:
Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen
und Steuerberatung
Bankkaufmann/Bankkauffrau IH 36
Investmentfondskaufmann/
Investmentfondskauffrau IH 36
Kaufmann für Versicherungen und Finanzen/
Kauffrau für Versicherungen und Finanzen IH 36
Steuerfachangestellter/
Steuerfachangestellte FB 36

Berufsgruppe 73:
Berufe in Recht und Verwaltung
Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen/
Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen öD 36
Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste/
Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste IH, öD 36
Justizfachangestellter/Justizfachangestellte öD 36
Kaufmann im Gesundheitswesen/
Kauffrau im Gesundheitswesen IH 36
Notarfachangestellter/Notarfachangestellte FB 36
Patentanwaltsfachangestellter/
Patentanwaltsfachangestellte FB 36
Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter/
Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte FB 36
Rechtsanwaltsfachangestellter/
Rechtsanwaltsfachangestellte FB 36
Sozialversicherungsfachangestellter/
Sozialversicherungsfachangestellte öD 36
Verwaltungsfachangestellter/
Verwaltungsfachangestellte öD 36
232 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Berufsgruppe 81:
Medizinische Gesundheitsberufe
Medizinischer Fachangestellter/Medizinische
Fachangestellte FB 36
Tiermedizinischer Fachangestellter/
Tiermedizinische Fachangestellte FB 36
Zahnmedizinischer Fachangestellter/
Zahnmedizinische Fachangestellte FB 36

Berufsgruppe 82:
Nichtmedizinische Gesundheits-, Körperpflege- und Wellnessberufe,
Medizintechnik
Augenoptiker/Augenoptikerin Hw 36
Bestattungsfachkraft IH, Hw, öD 36
Friseur/Friseurin Hw 36
Hörgeräteakustiker/Hörgeräteakustikerin Hw 36
Kosmetiker/Kosmetikerin IH 36
Maskenbildner/Maskenbildnerin IH 36
Orthopädietechnikmechaniker/
Orthopädietechnikmechanikerin Hw 36
Zahntechniker/Zahntechnikerin Hw 42

Berufsgruppe 83:
Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe, Theologie
Hauswirtschafter/Hauswirtschafterin Lw, Hausw 36

Berufsgruppe 91:
Sprach-, literatur-, geistes-, gesellschafts-
und wirtschaftswissenschaftliche Berufe
Fachangestellter für Markt- und Sozialforschung/
Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung IH 36
Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe SERVICE 233

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Berufsgruppe 92:
Werbung, Marketing, kaufmännische und redaktionelle Medienberufe
Kaufmann für audiovisuelle Medien/
Kauffrau für audiovisuelle Medien IH 36
Kaufmann für Dialogmarketing/Kauffrau für Dialogmarketing IH 36
Kaufmann für Marketingkommunikation/
Kauffrau für Marketingkommunikation IH 36
Medienkaufmann Digital und Print/
Medienkauffrau Digital und Print IH 36
Servicefachkraft für Dialogmarketing IH 24

Berufsgruppe 93:
Produktdesign und kunsthandwerkliche Berufe, bildende Kunst,
Musikinstrumentenbau
Bogenmacher/Bogenmacherin Hw 36
Diamantschleifer/Diamantschleiferin IH 36
Drechsler (Elfenbeinschnitzer)/Drechslerin (Elfenbeinschnitzerin) Hw 36
Edelsteinfasser/Edelsteinfasserin IH 42
Edelsteingraveur/Edelsteingraveurin IH, Hw 36
Edelsteinschleifer/Edelsteinschleiferin IH, Hw 36
Geigenbauer/Geigenbauerin Hw 36
Gestalter für visuelles Marketing/
Gestalterin für visuelles Marketing IH 36
Glas- und Porzellanmaler/Glas- und Porzellanmalerin Hw 36
Glasbläser/Glasbläserin IH, Hw 36
Goldschmied/Goldschmiedin IH, Hw 42
Graveur/Graveurin Hw 36
Handzuginstrumentenmacher/
Handzuginstrumentenmacherin IH, Hw 36
Holzbildhauer/Holzbildhauerin IH, Hw 36
234 SERVICE Die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe

Ausbildungs- Dauer in
bereich Monaten

Holzblasinstrumentenmacher/
Holzblasinstrumentenmacherin IH, Hw 36
Holzspielzeugmacher/Holzspielzeugmacherin IH, Hw 36
Industriekeramiker Dekorationstechnik/
Industriekeramikerin Dekorationstechnik IH 36
Keramiker/Keramikerin Hw 36
Klavier- und Cembalobauer/Klavier- und Cembalobauerin IH, Hw 42
Manufakturporzellanmaler/Manufakturporzellanmalerin IH 42
Metallbildner/Metallbildnerin Hw 36
Metallblasinstrumentenmacher/
Metallblasinstrumentenmacherin IH, Hw 36
Orgel- und Harmoniumbauer/
Orgel- und Harmoniumbauerin IH, Hw 42
Raumausstatter/Raumausstatterin Hw 36
Schilder- und Lichtreklamehersteller/
Schilder- und Lichtreklameherstellerin Hw 36
Silberschmied/Silberschmiedin IH, Hw 42
Spielzeughersteller/Spielzeugherstellerin IH 36
Vergolder/Vergolderin Hw 36
Wachszieher/Wachszieherin IH, Hw 36
Zupfinstrumentenmacher/Zupfinstrumentenmacherin Hw 36

Berufsgruppe 94:
Darstellende und unterhaltende Berufe
Bühnenmaler und -plastiker/
Bühnenmalerin und -plastikerin IH 36
Fachkraft für Veranstaltungstechnik IH 36
Film- und Videoeditor/Film- und Videoeditorin IH 36
Mediengestalter Bild und Ton/
Mediengestalterin Bild und Ton IH 36

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung; Bekanntmachung des Verzeichnisses der


anerkannten Ausbildungsberufe und des Verzeichnisses zuständiger Stellen;
Bundesanzeiger Amtlicher Teil 13.06.2013 B 16
Ser viceinformationen SERVICE 235

4. Serviceinformationen

Informationsquellen zur beruflichen Bildung im Internet

Bundesministerien und Institutionen im Bereich des Bundes


Bundesministerium für Bildung und Forschung www.bmbf.de
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie www.bmwi.de
Bundesministerium für Arbeit und Soziales www.bmas.de
Bundesinstitut für Berufsbildung www.bibb.de
Bundesagentur für Arbeit www.arbeitsagentur.de

Koordinierungseinrichtung der Länder


Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder
in der Bundesrepublik Deutschland www.kmk.org

Arbeitgebervereinigungen
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände www.bda-online.de
Deutscher Industrie- und Handelskammertag www.dihk.de
Zentralverband des Deutschen Handwerks www.zdh.de

Arbeitnehmervereinigungen
Deutscher Gewerkschaftsbund www.dgb.de
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di www.verdi.de
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft www.gew.de

Informationen zu Ausbildungsberufen und Ausbildungsordnungen


BERUFEnet – Datenbank für Ausbildungs- und www.berufenet.arbeitsagentur.de
Tätigkeitsbeschreibungen im Internetangebot der
Bundesagentur für Arbeit
Interaktives Internetportal zur Berufsfindung www.berufe-universum.de
Internetportal für Auszubildende www.planet-beruf.de
Übersetzung der Berufsbezeichnungen www2.bibb.de/tools/aab/
aabberufeuebersetzungen.php
236 Ser viceinformationen SERVICE

Informationen zur Ausbildung insgesamt


Deutscher Bildungsserver www.bildungsserver.de
Forum Berufsbildung www.berufsbildung.de
Förderungsangebot des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung zu Ausbildungsplätzen www.jobstarter.de

Informationen zu Stipendien bzw. finanzieller Förderung


Meister-BAföG www.meister-bafoeg.info
Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung www.sbb-stipendien.de
Onlinerechner zur Berechnung einer
möglichen Ausbildungsbeihilfe www.babrechner.arbeitsagentur.de
Informationen zur Bildungsprämie www.bildungspraemie.info
Übersicht des Bundesministeriums für Wirtschaft
und Technologie über Förderungsmöglichkeiten www.foerderdatenbank.de

Informationen zu Auslandsaufenthalten
Nationale Agentur Bildung für Europa
beim Bundesinstitut für Berufsbildung www.na-bibb.de/
Informationsangebot des DIHK und der ZWH
zum Thema „Berufsbildung ohne Grenzen“:
Fit für das Ausland – Mobilität leicht gemacht www.mobilitaetscoach.de
Europäisches Portal zur beruflichen Mobilität
innerhalb Europas www.ec.europa.eu/eures/
Europäisches Portal für Aus- und Weiter-
bildungsmöglichkeiten in der EU www.ec.europa.eu/ploteus
Informationen zur Auslandsvermittlung
der Bundesagentur für Arbeit www.ba-auslandsvermittlung.de

Möglichkeiten des lebenslangen Lernens


Ein Kommunikations- und Informationssystem
des BIBB www.kibb.de
Informationsseite des BIBB zum Thema
Qualifikationsmöglichkeiten nach
Ausbildungsabschluss www.ausbildung-plus.de
Ser viceinformationen SERVICE 237

Informationen für Menschen mit Behinderungen


Internetpräsenz des Bundesministeriums www.einfach-teilhaben.de
für Arbeit und Soziales für Menschen
mit Behinderungen zur Teilhabe am Leben
Informationsseiten des BIBB für Personen www.kompetenzen-foerdern.de
mit besonderem Förderbedarf www.good-practice.de

• Anschriften der zuständigen Stellen nach dem Berufsbildungsgesetz


Die Anschriften der zuständigen Stellen nach dem Berufsbildungsgesetz können
dem Verzeichnis „Die anerkannten Ausbildungsberufe 2009“, Bundesinstitut für
Berufsbildung (Hrsg.), Bielefeld 2009 (ISBN 3-7639-4227-5), entnommen oder unter
dem Link www2.bibb.de/tools/aab/aabzs_start.php abgerufen werden.

• Weiteres Informationsmaterial
www.bmbf.de/pubRD/Weiterbildungsstipendium_Broschuere.pdf
238 SERVICE Abkürzungsverzeichnis

5. Abkürzungsverzeichnis

Abs. Absatz
AFBG Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz
ArbZG Arbeitszeitgesetz
BBiG Berufsbildungsgesetz
BetrVG Betriebsverfassungsgesetz
BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung
BPersVG Bundespersonalvertretungsgesetz
BUrlG Bundesurlaubsgesetz
EntgFG Entgeltfortzahlungsgesetz
FernUSG Fernunterrichtsschutzgesetz
ff. fortfolgend
GG Grundgesetz
HwO Handwerksordnung
JArbSchG Jugendarbeitsschutzgesetz
SGB III Drittes Buch Sozialgesetzbuch
SERVICE Abkürzungsverzeichnis 239

6. Schlagwortregister

Abschlussprüfung 5, 7, 15, 18, 19, 24, 25, 26, 27, 31, 39, 40
Abschlussprüfung, gestreckte 5, 24
Ärztliche Untersuchungen 16
Ausbildende/r 6, 10, 13
Ausbildung im Ausland 33, 34, 35
Ausbildungsberater 25, 37, 38
Ausbildungsberufe, anerkannte 3, 4, 5, 32, 50
Ausbildungsdauer 4, 19, 33, 34
Ausbildungsnachweise, schriftliche 12, 14, 15, 25
Ausbildungsordnungen 3, 15, 27, 49
Ausbildungsrahmenplan 3, 4
Ausbildungsvertrag 9, 10, 11, 13, 18, 19, 20, 22, 28, 34, 36, 44
Ausbildungsziel 12, 13, 19, 31, 33
Auslandsaufenthalt, Voraussetzungen 33, 34, 35
Begabtenförderung 40, 42
Berufsausbildung für behinderte Menschen 31
Berufsbildungsausschuss 38, 46, 47
Berufsschulnote 27
Berufsschulunterricht 3, 12, 14, 22, 23
Betrieblicher Ausbildungsplan 3
Bundesinstitut für Berufsbildung 3, 5, 32, 48, 49, 50
Eignung 6, 7, 8, 11, 18, 19, 35, 38, 46
Elternzeit 25
Externenzulassung 25
Freistellung 12, 14, 22, 23, 27
Jahresurlaub 18, 20
Jugendarbeitsschutzgesetz 7, 14, 18, 20, 22, 38
Kündigung 15, 28, 29
Lebensbegleitendes Lernen 43
Praktika 44
Probezeit 10, 18, 19, 28, 29
Prüfungen 22, 23, 24, 32, 41
240 SERVICE Schlag wor tregister

Prüfungsausschuss 19, 24, 26


Prüfungsgebühren 41, 44
Stufenausbildung 5
Übersetzung 27
Urlaub 18, 20
Verbundausbildung 7, 30, 32
Vergütung 22, 23, 45
Verkürzung 31
Verlängerung 19, 31
Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse 9
Zeugnis 24, 27
Zusatzqualifikationen 5
Zuständige Stellen 6, 9, 30, 32, 34, 35, 40, 46, 47
Zwischenprüfung 27
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Referat Rechtsfragen der beruflichen Bildung
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Stand
August 2013
Druck
Druck- und Verlagshaus Zarbock GmbH & Co. KG
Gestaltung
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Bildnachweis
BIBB/Heerde

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