HFA Flachgeneigte Daecher Auszug 2015
HFA Flachgeneigte Daecher Auszug 2015
Flachgeneigte Dächer
aus Holz
Auszug: Nachweisfreie Konstruktionen für
Objekte mit geringer Feuchtelast
HERAUSGEBER
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA
A-1030 Wien, Franz Grill-Straße 7
Tel. +43 1 798 26 23 - 0 (Fax DW - 50)
hfa@[Link]
[Link]
ISBN 978-3-9503036-2-9
Auszug von Band 29 der HFA Schriftenreihe
Juli 2015
Autoren
Dr. Martin Teibinger
Dr. Julia Bachinger
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG ............................................................................................................... 3
2 FLACHDACHKONSTRUKTIONEN ............................................................................. 4
3 NACHWEISFREIE KONSTRUKTIONEN..................................................................... 5
4 DURCHDRINGUNGEN................................................................................................ 9
6 LITERATURVERZEICHNIS ....................................................................................... 15
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA 2
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
1 Einleitung
Die vorliegende Information stellt einen Auszug der Planungsbroschüre „Flachgeneigte
Dächer aus Holz“ (Teibinger und Nusser 2010) der Holzforschung Austria dar. Sie zeigt
nachweisfreie Konstruktionen für industriell vorgefertigte Dächer bei Gebäuden mit einer
niedrigen Feuchtelast, wie z.B. Büros und Supermärkte. Basis der Planungsbroschüre
sind zwei von der FFG geförderte und vom Österreichischen Leimbauverband sowie
namhaften Unternehmen unterstützte Forschungsvorhaben. Ziel der Projekte war, auf
Basis von Freilanduntersuchungen, Laboruntersuchungen, Begutachtungen und
hygrothermischen Simulationsberechnungen, Konstruktionen ohne weitere Nachweise zu
erarbeiten, die Planern, ausführenden Betrieben und Bauherren bauphysikalische
Sicherheit und eine Vergleichsmöglichkeit bieten.
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA 3
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
2 Flachdachkonstruktionen
Tabelle 1: Übersicht der Flachdachkonstruktionen und ihrer Vor- und Nachteile
1)
• kein Tauwasserausfall an • relativ große Bauteildicken
Aufsparrendämmung
der Tragkonstruktion • i.d.R. druckfester
mit zusätzlicher • Gefälleausbildung mit Dämmstoff erforderlich
Hohlraumdämmung im Dämmkeilen möglich • Tragstruktur nicht sichtbar
Gefach • verbesserter Schall- und • zusätzliche Dämmung
Brandschutz (kein 3– erforderlich
seitiger Abbrand der
Tragkonstruktion bei
Fixierung der Dämmung)
• geringe Bauteildicken • Feuchtefallencharakteristik
Nicht hinterlüftetes
• effektive Ausnutzung des bei „dicht-dicht“ Aufbauten
Flachdach ohne Querschnitts durch • Mit Auflast (Gründach, Kies
Zusatzdämmung Volldämmung etc.) nicht empfohlen
2) • Elementierung & hohe
Vorfertigung möglich
• geringer bautechnischer
Aufwand
• geringe Bauteildicken • Feuchtefallencharakteristik
Nicht hinterlüftetes
• Elementierung & hohe bei „dicht-dicht“ Aufbauten
Flachdach mit Vorfertigung möglich • erhöhter bautechnischer
Zusatzdämmung • geringere Feuchtekond- Aufwand
ensation
• Auflast (Gründach, Kies
etc.) möglich
• Elementierung & hohe • Bauteilhöhe
Nicht vollgedämmtes
Vorfertigung möglich • Feuchtefallencharakteristik
Foliendach • bei Teilbeschattung bei „dicht-dicht“ Aufbauten
(Lufthohlraum: > 5 cm, günstigeres • Mit Auflast (Gründach, Kies
nicht belüftet) Feuchteverhalten als bei etc.) nicht empfohlen
vollgedämmter Variante
4 HOLZFORSCHUNG AUSTRIA
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
3 Nachweisfreie Konstruktionen
Die bauphysikalische Eignung der Dachelemente ist von der Konstruktion, der
Fertigungsart bzw. der Luftdichtheit, dem Innen- und dem Außenklima unter
Berücksichtigung der Beschattungssituation abhängig. Tabelle 3 gibt eine Übersicht der
erforderlichen Randbedingungen für die in Tabelle 4 angeführten nachweisfreien
Konstruktionen. Die vollständige Auflistung bei davon abweichenden Randbedingungen,
wie z.B. Feuchtelast können der Planungsbroschüre entnommen werden.
Beschattungs-
Maximale Dauer der Beschattung
klasse (BK)
1 2
A ≤ 4 Std. / ≤ 6 Std.
1 2
B ≤ 2 Std. / ≤ 4 Std.
1 2
C ≤ 1 Std. / ≤ 2 Std.
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA 5
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
24
23
22
21
20
Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan
Monate des Jahres
6 HOLZFORSCHUNG AUSTRIA
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
Dampfbremse / sd-Wert
RT,Zus / RT,ges
Verhältnis
teil-
1
voll beschattet /
Konstruktion BK D BK C BK B BK A beschattet
dunkelgrau
dunkelgrau
dunkelgrau
dunkelgrau
dunkelgrau
Gründach /
schwarz
schwarz
schwarz
schwarz
schwarz
hellgrau
hellgrau
hellgrau
hellgrau
hellgrau
Kies
-
≥ 2/3
s d(ϕ=30%)
≥ 9,0 m
-
s d(ϕ=85%)
≤ 1,0 m
s d(ϕ=30%) ≥ 1/5
≥ 9,0 m
s d(ϕ=85%)
≤ 1,0 m ≥ 1/3
s d(ϕ=30%)
≥ 9,0 m
-
s d(ϕ=85%)
≤ 1,0 m
teilgedämmt 2
geeignet
objektbezogener Nachweis erforderlich
nicht empfohlen
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA 7
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
1
Definition Teilbeschattung: Am 21. Juni um 12 h wird ein Teilbereiches eines Gefaches verschattet während
ein anderer Bereich des gleichen Gefaches besonnt wird. Im Forschungsprojekt „Systemanalyse und
Monitoring teilgedämmter flachgeneigter hölzerner Dachkonstruktionen“ (Teibinger und Nusser 2013) wurde
aufgezeigt, dass sich eine Teilbeschattung mit gleichzeitiger Teildämmung vorteilhaft auf das
Feuchteverhalten von Flachdachaufbauten auswirkt.
2
Definition Teildämmung: Im Gefach eines Dachelementes besteht auf der Außenseite der Dämmung ein
Lufthohlraum, der allseits luftdicht geschlossen ist. Im Forschungsprojekt „Systemanalyse und Monitoring
teilgedämmter flachgeneigter hölzerner Dachkonstruktionen“ (Teibinger und Nusser 2013) wurde ebenfalls
aufgezeigt, dass sich eine Teildämmung vorteilhaft auf das Feuchteverhalten von Flachdachaufbauten
auswirkt.
8 HOLZFORSCHUNG AUSTRIA
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
4 Durchdringungen
Durchdringungen direkt durch das Gefach einer Dachkonstruktion stellen eine potentielle
Schadensursache dar und sollten generell vermieden werden. Hierfür sind zum Gefach
abgeschlossene Durchdringungsöffnungen gemäß dem Beispiel in Abbildung 1 geeignet.
Der Hohlraum zwischen dem durchdringenden Rohr und der Einhausung ist
auszudämmen und das Rohr innenseitig luftdicht an die Luftdichtheitsebene
anzuschließen.
Ist eine Einhausung nicht möglich, so eignen sich auch Manschetten entsprechend
Abbildung 2 zur Aufrechterhaltung der Luftdichtheitsschicht an Durchdringungen.
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA 9
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
Viel hat sich in den letzten Jahren in Bezug auf die Verwendung von trockenem Bauholz
getan. Das verwendete Bauholz – auch die Vollholzschalung – darf in Österreich eine
Holzfeuchte von max. 18 % nicht überschreiten. Für Flachdächer sollte das verwendete
Holz eher eine Einbaufeuchte von max. 16 % aufweisen.
Regen während der Bauphase stellt eine sehr häufige Ursache für Bauschäden dar. Trotz
des Wissens um diese Gefahr wird dem temporären Wetterschutz offensichtlich noch
nicht die Bedeutung zugesprochen, die ihm gebührt. Die Herstellung eines dichten und
windgesicherten Witterungsschutzes zum Feierabend gehört zur Pflicht des Zuständigen.
Die hierdurch entstehenden Kosten verschwinden recht schnell gegenüber den Kosten für
etwaige Sanierungsmaßnahmen und Imageverlust.
Um ein Rücktrocknen von vorhandener Feuchtigkeit aus dem Gefach von Dächern mit
außenseitig hohem Diffusionswiderstand zu ermöglichen, ist innenseitig ein geringer
Diffusionswiderstand notwendig. Dieser darf jedoch nur so gering gewählt werden, dass
trotz der im Winter eindiffundierenden Feuchtigkeit noch immer Sicherheitsreserven
vorhanden sind. Um dies zu überprüfen ist ein Tauwassernachweis unbedingt
erforderlich.
• Feuchteadaptive Dampfbremsen
10 HOLZFORSCHUNG AUSTRIA
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
• Dynamische Feuchteschutzberechnung
• Aufdachdämmung
Eine Aufdachdämmung stellt die sicherste Möglichkeit ein Flachdach auszuführen dar.
Die Tragstruktur liegt hier im warmen Bereich und es besteht keine Gefahr von
kondensationsbedingten Feuchteschäden an statisch wirksamen Bauteilen im Dach.
• Dunkle Dachoberflächen
Durch die Elementierung der Dachfläche wird eventuell eindringende Feuchtigkeit nicht
über weite Bereiche im Dach verteilt. Auftretende Feuchteschäden bleiben „lediglich“ auf
das betroffene Element begrenzt. Durch Vorfertigung können Schadensursachen wie ein
Verletzen der Dampfbremse vermieden werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, die
Dachabdichtung bereits (elementweise) aufzubringen, was einem schnellen Verschließen
der Dachabdichtung sehr entgegen kommt.
• Gleitbügelblech
Beim Ausführen eines nicht hinterlüfteten Blechdaches hat sich die Verwendung einer
Eindeckung mit Gleitbügelblechen bewährt. Aufgrund der Befestigungsart und Bördelung
ermöglicht diese Art der Eindeckung einen Wasserdampftransport über die Dachfläche
nach außen. Dacheinbauten sind auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren.
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA 11
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
Wird ein hinterlüftetes Flachdach ausgeführt, so muss darauf geachtet werden, dass ein
Luftwechsel im Belüftungsquerschnitt sichergestellt werden kann. Am ehesten ist dies
durch sich direkt gegenüberliegende Belüftungsöffnungen gegeben – ohne Verwinkelung
der Belüftungsebene – um eine direkte Windanströmung zu gewährleisten.
• Gewerkeübergreifend planen
• Maximale Dichtheit
Eine hohe Baurestfeuchte im Winter kann nicht nur beim Einsatz von feuchteadaptiven
Dampfbremsen zum Problem werden. Auch beim erst nachträglichen Dämmen von innen
können die äußere Beplankung sowie die Sparren bereits stark auffeuchten. Auf jeden
Fall muss die Baurestfeuchte im Bauablauf beachtet und ggf. reduziert werden. Der
Bauablauf ist entsprechend zu planen und zu koordinieren.
• Wartung
12 HOLZFORSCHUNG AUSTRIA
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA 13
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
5.2 Don’t!
• „Dicht-dicht“-Aufbauten
Aufgrund der quasi nicht vorhandenen „Fehlertoleranz“ sind Aufbauten mit hohen
Diffusionswiderständen auf der Außen- und Innenseite unbedingt zu vermeiden.
Wird die Dachfläche über einen längeren Zeitraum im Sommer nicht durch die Sonne
erwärmt, so verringert sich das Rücktrocknungspotential enorm und die obere
Beplankung ist über einen langen Zeitraum einer hohen rel. Luftfeuchtigkeit ausgesetzt.
Bei großflächigen Dachaufbauten wie Aufdach-Solar- oder PV-Anlagen, hohen
Umgebungsgebäuden und dergleichen sind deshalb objektbezogene
Beschattungsanalysen erforderlich. Einen ähnlichen Effekt wie die Beschattung hat ein
Gründach o.ä.
Bei sehr feuchten Innenklimaten, wie sie z.B. in Schwimmbädern oder bestimmten
Produktionshallen herrschen oder bei Grün/-Kiesdächern ist eine Flachdachkonstruktion
mit Aufdachdämmung die einzig sichere Variante.
• Nachträgliche Durchdringungen
14 HOLZFORSCHUNG AUSTRIA
Nachweisfreie Konstruktionen für Objekte mit geringer Feuchtelast
6 Literaturverzeichnis
Bachinger, Julia (2015): Teilgedämmte, teilbeschattete Flachdachkonstruktionen.
Lufthohlräume können Vorteile bringen. In: Tagungsband Bauphysikforum 2015.
Wien: Eigenverlag, S. 26–35.
Bachinger; Nusser, Bernd; Teibinger, Martin (2015): Hygrothermal Behaviour of Partly
Insulated and Partly Shaded Wooden Flat Roofs. In: Proceedings IBPC. 6th
International Conference on Building Physics for a Sustainable Built Environment.
Turin.
EAK (Entwicklungsagentur Kärnten) (Hg.) (2006): Pflege- und Wartungsanleitung von
Gebäuden aus Holz. Eine Anleitung für langfristige Wohnbehaglichkeit und
Nutzerzufriedenheit.
Ibold, S. (2009): Flachdachrichtlinie. Kommentar eines Sachverständigen: Rudolf Müller
Verlag.
METEONORM. Global Solar Radiation Database. [Link]
Nusser, Bernd; Bachinger, Julia; Teibinger, Martin (2015): Hygrothermisches Verhalten
teilgedämmter und teilbeschatteter Flachdachkonstruktionen aus Holz. In:
Bauphysik 37, Heft 1, S. 8–16.
ÖNORM B 3691: 2012-12-01: Planung und Ausführung von Dachabdichtungen.
Österreichisches Normungsinstitut.
ÖNORM B 4119: 2010-12-15: Planung und Ausführung von Unterdächern und
Unterspannungen. Österreichisches Normungsinstitut.
SOMBRERO. Zeitabhängige Berechnung des Schattenwurfs von Objekten auf eine
beliebig orientierte Fläche. Uni Siegen, Fachgebiet Bauphysik & Solarenergie.
Teibinger, M.; Nusser, B. (2010): Ergebnisse experimenteller Untersuchungen an
flachgeneigten hölzernen Dachkonstruktionen. Herausgegeben von Holzforschung
Austria. Wien. Forschungsbericht, HFA-Nr.: P412.
Teibinger, Martin; Nusser, Bernd (2010): Planungsbroschüre. Flachgeneigte Dächer aus
Holz. Wien: Eigenverlag (HFA-Schriftenreihe, 29).
Teibinger, M.; Nusser, B. (2013): Systemanalyse und Monitoring teilgedämmter
flachgeneigter hölzerner Dachkonstruktionen. Herausgegeben von Holzforschung
Austria. Wien. Forschungsbericht, HFA-Nr.: P455.
WTA-Merkblatt 6-2-01/D, 2002: Simulation wärme- und feuchtetechnischer Prozesse.
Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und
Denkmalpflege e.V.
[Link]. Katalog bauphysikalisch ökologisch geprüfter Holzbauteile. Zuletzt
geprüft am 04.05.2011.
HOLZFORSCHUNG AUSTRIA 15