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Fight Back!

Antifaschistisches (Jugend) Info Braunschweig

Schwerpunkt:
Artikel zur Situation in Venezuela,
Kolumbien und Bolivien ab Seite 2
Performance von

Nr. 31 Februar/maerz 2005


Seite 2 Fight Back!
“Weltregion zwischen imperialistischer Erpres-
sung und sozialer Revolte”...
...war der Titel der inter- Venezuela: Reform oder Revoluti-
nationalistischen Veranstaltungreihe on?
Lateinamerika der Jugend Antifa Akti- Die erste Veranstaltung war die zu
on. Mit drei Veranstaltungen zu der Venezuela. Der Berliner Journalist
Situation in Venezuela, Kolumbien und Peter Nowak und der Fotograf Jens
Bolivien sollte ein Einblick in die öko- Klinker, die beide vor Ort waren und
nomische und politische Realität der mit verschiedenen politischen
südamerikanischen Länder gegeben AktivistInnen und Gruppen geprochen
werden. Das Interesse an dem Thema haben, berichteten von ihrer Reise in
war überraschend groß, der “Guten das Land im Norden Südamerikas.
Morgen Buchladen” (Bültenweg 87)
war an allen Abenden bis auf den Venezuela ist der fünftgrößte Erdöl-
letzten Platz besetzt. Inhaltlicher lieferant der Welt und dementspre-
Schwerpunkt der Veranstaltungen lag chend groß ist auch das Interesse der
auf den Bewegungen von unten, die mächtigen kapitalistischen Staaten,
sich gegen die Ausbeutung der natür- vor allem der USA und Länder der EU,
lichen Ressourcen durch trans- die versuchen auf die Entwicklung des
nationale Konzerne, die immer schär- Landes Einfluss zu nehmen. Denn
fer werdenden Arbeitsverhältnisse und seit 1998 regiert der fortschrittliche
die teils heftige Repression der Staa- Präsident Hugo Chávez, der die Rolle
ten richten. Wie sich die landlosen Venezuelas als Hinterhof der kapitali-
Bauern und Bäuerinnnen, die indigene stischen Zentren nicht unwiderspro-
Bevölkerung, die ArbeiterInnen, chen hinnimmt und im Gegenzug an
StudentInnen, Stadtteilgruppen und der Verstaatlichung z.B. des Erdöl-
MedienaktivistInnen organisieren und unternehmens PDVSA festhält und
wie ihr Kampf für eine andere Welt Teile der Einnahmen für Sozial- und
aussieht, stand dabei im Mittelpunkt. Gesundheitsprogramme für die ver-
armte Bevölkerung aufbringt.

Impressum: Fight Back!, Cyriaksring 55, 38118 Braunschweig


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Die “bolivarische Revolution” (benannt zurück. Die Bewegung auf der Straße
nach Simón Bolívar, gelebt 1783 bis ließ den Putsch nach nur zwei Tagen
1830, der für ein vereinigtes Latein- scheitern, und Chávez kehrte in sein
amerika und gegen die Kolonialherr- Amt zurück. Ein Jahr später versuchte
schaft Europas kämpfte), wie der die Opposition die Regierung abzu-
Veränderungsprozess, der seit dem wählen, denn nach der neuen progres-
Amtsantritt von Hugo Chávez stattfin- siven Verfassung können Regierung
det, genannt wird, begann eigentlich und alle Amtsträger bereits nach der
schon früher. 1992 kam es in Vene- Hälfte der Legislaturperiode abgewählt
zuela zum Versuch eines linken Militär- werden. Das Ergebnis des Referen-
putschs gegen die sozialdemokrati- dums bestätigte Chávez trotz versuch-
sche Regierung Andrés Péres. Der ten Wahlbetrugs und Medienmani-
damalige Offizier Hugo Chávez be- pulation der Opposition erneut in sei-
kannte sich öffentlich zu dem geschei- nem Amt.
terten Putsch und verschaffte sich
damit viele Sympathien in der Bevöl- In vielen Bereichen haben seitdem
kerung. Er wurde zu einer Art Volks- Reformen stattgefunden: medizinische
held, vor allem für die Ärmsten im Versorgung in den barrios (Stadtteile
Lande. Nachdem Chavéz nach einer der armen Bevölkerung), verbesserte
aufgrund seiner Popularität nur kurzen Chance auf schulische Bildung und
Gefängnisstrafe wieder frei kam,
gründete er die Partei der Bewegung
der Fünften Republik (MVR). Überra-
schend schaffte er es auf dem parla-
mentarischen Wege 1998 zum Prä-
sidenten gewählt zu werden. Seit-
dem befindet sich Venezuela in ei-
nem Transformationsprozess, der mit
einer Diskussion um eine neue Ver-
fassung, die gemeinsam mit verschie-
denen Basisorganisationen geführt
wurde, anfing.

2002 kam es im Interesse der um


ihre Macht fürchtenden besitzenden
Klasse, gefördert durch die USA und
EU zu einem Militärputsch der rech-
ten Opposition. Hugo Chávez wurde
gefangen genommen und von der
Opposition für abgesetzt erklärt. Hun-
derttausende gingen auf die Straße,
belagerten den Präsidentenpalast
und forderten ihn als Präsidenten
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qualifizierte Berufe unabhängig von der Was das wirklich revolutionäre des
sozialen Stellung, mehr Rechte für die “bolivarischen Prozesses” ausmacht,
indigene Bevölkerung, die Möglichkeit ist die Selbstorganiserung der Bevöl-
der Besetzung und Nutzung von brach- kerung, die durch die Regierung unter-
liegendem Land usw. Viel von dem, stützt wird. In sozialen Organisatio-
nen in den Stadtteilen, Radiostatio-
nen und unabhängigen Zeitungen wer-
den Diskussionen geführt, die weit
über die Regierungspolitik hinauswei-
sen und diese auch kritisieren. Die
Menschen in Venezuela haben die
Möglichkeit, sich weitgehend ohne
Repression des Staates politisch zu
entwickeln und die “bolivarische Revo-
lution” unabhängig und wo nötig auch
gegen die Regierung voranzubringen.
So sprechen die Basisorganisationen
heute schon von der “Revolution in der
Revolution”, ein Begriff, den Hugo
Chávez in die Diskussion mit ein-
brachte und dementsprechend diese
Entwicklung akzeptiert.

Kolumbien: Mit Repression gegen


was sich die meisten unter Revolution soziale Bewegungen
vorstellen, ist aber auch nicht pas- Rund einen Monat später referierte der
siert. So hat es beispielsweise keine Journalist und Autor Raul Zelik zu
Enteignung der Besitzenden und Ver- Kolumbien. Raul Zelik verfolgt die Ent-
gesellschaftung der Produktionsmit- wicklungen in Kolumbien seit Mitte
tel gegeben, was aber auch nicht wei- der 80er Jahre, ist immer wieder auf
ter verwunderlich ist. Nicht nur weil Recherche-Reisen dort gewesen. Er
keine Klarheit darüber herrscht, ob hat unter anderem für zwei Jahre in
bzw. wie so etwas angesichts des einem kolumbianischen Flüchtlings-
Diktats des kapitalistischen Weltmark- lager gearbeitet.
tes möglich sein kann, sondern auch
weil es eine Tatsache ist, dass die Er begann seine Veranstaltung mit
Regierung Chávez bisher über verbale dem Hinweis darauf, dass Kolumbien
Brüche mit dem Kapitalismus nicht an sich ein sehr reiches Land ist was
hinausgeht, oder wie Chávez selbst Bodenschätze, Wasser, Anbauflächen
es als aktuelles Ziel nannte: “Kapita- usw. betrifft und trotzdem, oder bes-
lismus mit einem menschlichen Ant- ser gesagt gerade deswegen zu den
litz”. zehn Ländern der Erde zählt, in denen
die meisten Menschen hungern. Ob-
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wohl Kolumbien keine Kolonie mehr schleppt, ermordet oder “verschwin-
ist, spielt es für den heutigen Welt- den” einfach. Für die Strategie des
markt noch immer die Rolle des “Verschwinden lassens” waren Poli-
Rohstofflieferanten. Vor allem Kaffee, zei, Militär und Paramilitärs gleicher-
Smaragde und Schnittblumen werden maßen verantwortlich. In den letzten
in großen Mengen exportiert. Dies Jahren werden die Massaker und
bedeutet nicht, dass wir eine
weit entwickelte Wirtschaft vor-
finden, die den Menschen einen
relativ hohen Lebensstandard
erlaubt, sondern dass die Ar-
beitskräfte und Rohstoffe zu
miesen Bedingungen ausgebeu-
tet werden. Gewinner sind da-
bei lediglich die transnationalen
Konzerne und einheimischen
Unternehmer, die die Interes-
sen des Kapitals in Kolumbien
umsetzten und die Profite aus
den Geschäften einstreichen.
Ihr Reichtum bedeutet für die
Mehrheit der Menschen Armut. Und Morde allerdings meist von den zu-
dieser Zustand wird seit Jahrzehnten mindest offiziell eigenständigen
mit heftiger Repression gegen die fort- Paramilitärs verübt. Sie tauchen über-
schrittlichen Kräfte aufrecht erhalten. all dort auf, wo die Menschen ihr Schick-
Zur “Befriedung” der sich zuspitzen- sal selbst in die Hand genommen
den gesellschaftlichen Widersprüche haben und sich mit anderen zusam-
wird in Kolumbien auf einen Krieg men organisieren. Ob zur Vertreibung
gegen die Bevölkerung gesetzt. von Kleinbauern im Interesse von Groß-
grundbesitzern, zur Zerschlagung von
Die Armee und Polizei des kolumbia- selbstverwalteten Betrieben und Ko-
nischen Staates führt gemeinsam mit operativen, zur Durchsetzung von
den rechten Paramilitärs der AUC ei- Großprojekten wie Staudämmen oder
nen Krieg gegen jeden Ansatz unab- Erdölbohrungen oder zur Einschüch-
hängiger, sozialer Bewegung. Die po- terung und Auslöschung von kämpfe-
litisch Aktiven in den kämpferischen rischen GewerkschafterInnen, überall
Gewerkschaften, den Organisationen ebnen die Todesschwadronen der ka-
gegen den imperialistischen Krieg und pitalistischen Globalisierung ihren
gegen die staatliche Unterdrückung Weg. Hunderte Menschen wurden von
und für Demokratie in Kolumbien, Paramilitärs für einen Ölpipeline-Bau
machen ihre Arbeit unter tödlichem von British Petroleum ermordet, der
Risiko. Jedes Jahr verschwinden zahl- Kohle-Konzern Drummond ließ
reiche Menschen. Sie werden ver- GewerkschafterInnen töten, und auch
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bei Nestlé nehmen Anschläge gegen mit Waffengewalt in Schach halten.
ArbeiterInnen vor Tarifverhandlungen Dass diese Einschüchterungen von
zu. Ein anderes und besonders drasti- jeglichem politischen Engagement
sches Beispiel ist das Coca-Cola- Erfolg hat, zeigten z.B. die Mitglieder-
Abfüllunternehmen Panamco. In den zahl der bei den Angriffen auf Coca-
letzten Jahren kam es zu über 120 Cola betroffenen Lebensmittel-
Anschlägen auf GewerkschafterInnen gewerkschaft Sinaltrainal, die bei
bei Coca-Cola. Insgesamt sterben jähr- Coca-Cola von ehemals 2500 auf nur
lich über 100 GewerkschafterInnnen noch 500 sank. Doch obwohl es kaum
bei derartigen Angriffen. Der kolum- andere Länder gibt, in denen der Spiel-
bianische Gewerkschaftsdachverband raum für legale Oppositionen so klein
ist wie in Kolumbien, gibt es in vielen
Bereichen sozialen Widerstand.

Neben den sozialen Bewegungen, die


sich mehrheitlich erst in den 80ern
bildeten, gibt es seit den 60er Jahren
die revolutionären Streitkräfte Kolum-
biens (FARC) und die Nationale Be-
freiungsarmee (ELN), die für ein ande-
res Kolumbien kämpfen. Diese beiden
stärksten linken Guerillagruppen be-
sitzen viel Einfluss und halten große
Gebiete des Landes unter ihrer Kon-
trolle. Auch wenn sich die Strukturen
und die Lebensverhältnisse in diesen
vorrangig ländlichen Gebieten nicht
CUT registrierte in den letzten zehn wesentlich von anderen unterschei-
Jahren mehr als 4000 Morde an sei- den, hat die Bevölkerung dort die Mög-
nen Mitgliedern. lichkeit, sich in eigenen Interessen-
vertretungen zu organisieren und muss
Worauf die Gewalt des Staates und den Terror des Staates und
der Terror der Paramiltärs abzielt, liegt Paramilitärs nicht fürchten. Die Gue-
auf der Hand. Ihnen geht es darum, rilla-Bewegungen wollen ein demokra-
jeglichen Widerstand gegen die Zu- tisches Kolumbien mit einer soziali-
richtung des Landes nach den Vor- stischen Perspektive. Die FARC und
stellungen der herrschenden Elite im ELN befinden sich vor dem Problem,
Keim zu ersticken. Sie wollen weiter- dass sie zwar über viel Verankerung
hin ihre Profite aus den Geschäften gerade bei der ländlichen Bevölkerung
mit den transnationalen Konzernen verfügen, aber in dem stark militari-
ziehen, und dafür müssen sie die sierten Konflikt in der Öffentlichkeit
Menschen, die gegen die Zerstörung von vielen nur als militärischer und
ihrer Lebensgrundlagen aufbegehren, kaum als politischer Faktor wahrge-
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nommen werden. Experimentierfeld im Kampf gegen
soziale Bewegungen geworden.
Im Zusammenhang mit den Guerillas
wird immer wieder von dem Anbau und Bolivien: Zwischen Aufstand und
Handel mit Kokain gesprochen. Ihnen Institution
wird unterstellt, einen maßgeblichen Auf der letzten Veranstaltung berich-
Beitrag zur weltweiten Verbreitung die- tete das Berliner Gegeninforma-
ser Droge zu leisten. Hier setzen die tionsbüro über die Situation in Bolivi-
USA und EU an, um über den soge- en.
nannten “Anti-Drogen-Krieg” im Rah-
men des Plan-Colombia einen Fuß in Bolivien war zu Zeiten des Kolonialis-
die Region zu bekommen. Die USA mus eines der zentralen Länder La-
unterstützen den kolumbianischen teinamerikas. Und so groß wie die
Staat mit Milliarden Militärhilfe und Ausbeutung des ehemaligen Teil des
waren bereits an Luftangriffen betei- Inka-Reichs damals war, dementspre-
ligt. Die Guerilla, die den Koka-Anbau chend groß ist die Armut heutzutage.
in ihren Gebieten zwar versteuert und Nirgendwo auf dem südamerikani-
somit auch Einnahmen darüber er- schen Subkontinent leben mehr Men-
hält, hat mit der Förderung des Drogen- schen in Armut. Doch auch nirgendwo
handels allerdings nicht viel zu tun. haben sich soviele Menschen im
Sie fordern seit Jahren, den Koka- Kampf um das tägliche Überleben und
Bauern die Möglichkeit zu geben, et- für eine andere Zukunft in selbst-
was anderes anzubauen. Nur ist es für ständigen Interessensvertretungen
Kleinbauern sehr schwer mit etwas organisiert.
anderem als Koka zu überleben, denn
gegen die Großgrundbesitzer kom- 2003 kam es in dem erdgasreichen
men sie mit anderen Agrarprodukten Andenland über Monate hinweg zu
auf dem Markt nicht an. Was den massiven Aktionen gegen den dama-
Handel mit dem Endprodukt Kokain ligen Präsidenten Gonzalo Sanchez
betrifft, sind es vielmehr Teile der Ar- de Lozada, der das Erdgasvorkom-
mee und der politischen Eliten,
die mit dem Geschäftdas große
Geld machen. Mittlerweile wer-
den Teile der Koka-Felder aus
der Luft mit Pestiziden besprüht,
was den ohnehin armen Bauern
und Bäuerinnen ihre Lebens-
grundlage zerstört und sie zur
Flucht von dem verseuchten
Land zwingt. Betroffen sind hier
natürlich in erster Linie die Ge-
biete der Guerilla. Kolumbien
ist zum internationalen
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men an transnationale Konzerne ver- und Schließung vieler staatlicher Mi-
kaufen und über Chile in die USA nen in den 80er Jahren trotz heftiger
exportieren wollte. Als Folge des lan- Kämpfe darum den Bergbau aufge-
desweiten Widerstands, bei dem zahl- ben. Viele nahmen ein Angebot der
reiche für die Infrastruktur Boliviens Regierung an, sich Teile des Landes
wichtige Stra- nutzbar zu ma-
ßen und meh- chen und arbeiten
rere Erdölfel- heute als Koka-
der besetzt Bauern. Andere
wurden und Mineros zogen an
es zu vielen die Ränder der
militanten größeren Städte
Auseinander- Cochabamba und
setzungen El Alto, wo sich
kam, musste ganze Siedlun-
der Präsident gen früherer
zurücktreten Minenarbeiter ent-
und wanderte wickelten. Von ih-
ins us-amerikanische Exil aus. Wäh- rer politischen Erfahrung und Organi-
rend des Aufstandes fielen über 60 sationsfähigkeit brachten sie viel mit.
Menschen der Gewalt des Staates In den Siedlungen bildeten sich
zum Opfer. Nachbarschaftskommitees, die zu
wichtigen Trägern der Revolte um das
Getragen wurde der Widerstand von Erdgas wurden. Die Koka-Bauern ha-
den zahlreichen Netzwerken der Be- ben sich in der Bewegung zum Sozia-
völkerung, die sich nach der Beendi- lismus (MAS) zusammengeschlos-
gung des Aufstandes vielerorts wieder sen. Die MAS stellt mittlerweile zwei
mit der Regelung des täglichen Le- Drittel aller Bürgermeister und ihr Vor-
bens beschäftigen. Als traditionell sehr sitzender Evo Morales hätte beinahe
(klassen-)kämpferisch und gut organi- die Präsidentschaftswahlen gewon-
siert gelten die Mineros (Minen- nen.
arbeiter), die bis heute nicht davor
zurückschrecken, ihre umfangreichen Carlos Mesa war der Gewinner der
Kenntnisse im Umgang mit Dynamit Wahl. Er hält an dem Ausverkauf der
in den politischen Auseinandersetzun- Rohstoffquellen und dem weiteren
gen einzusetzen. Bei der Revolte im Abbau von “Arbeitsrechten” fest, und
Oktober 2003 war die Beteiligung der trotzdem wird er von vielen für einen
Mineros von entscheidender Bedeu- guten Präsidenten gehalten. Im Unter-
tung. Als sie sich dem Protest an- schied zu seinen Vorgängern versteht
schlossen, gaben sie damit die Initial- er es, die sozialen Bewegungen mit
zündung zum landesweiten Wider- einzubeziehen und ihnen das Gefühl
stand. Viele ehemalige Mineros der Mitgestaltung zu geben. In wie fern
mussten als Folge der Privatisierung die Basisgruppen dies weiterhin mit
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sich machen lassen und sich gegebe- stecken, bleiben weitgehend unwider-
nenfalls komplett institutionalisieren sprochen. Die Regierung Chávez in
lassen, wird die Zukunft zeigen. Venezuela mag in ihren Äußerungen
zwar teilweise weitergehen, die umge-
Lateinamerika bewegt sich setzte Politik ist aber zunächst nur
Auch wenn sich die konkreten Gege- eine soziale Korrektur an einem an
benheiten in den beschriebenen la- sich falschen System.
teinamerikanischen Ländern unter-
scheiden mögen, gibt es ebenso viele Die Schwierigkeit, in der letztlich alle
Gemeinsamkeiten, vor allem was ihre Länder Lateinamerikas stecken, be-
Geschichte seit der Kolonialherrschaft stehen in der Abhängigkeit von den
und die wirtschaftliche Entwicklung kapitalistischen Zentren, den soge-
innerhalb des modernen Kapitalismus nannten Industriestaaten. Südameri-
angeht. Auch gemein haben alle Län- ka wurde seit seiner Entdeckung durch
der, dass viele Menschen bereits er- die Europäer über Jahrhunderte hin-
kannt haben, dass es notwendig ist weg in seiner Rolle als Rohstofflieferant
sich zu organisieren und einen politi- festgeschrieben. Waren es zunächst
schen Kampf aufzunehmen, zunächst Silber, Gold, Diamanten und Zucker,
um die eigene Existenz zu sichern die Europa den Wohlstand einbrach-
und darüber hinaus um Alternativen ten in dem es sich befindet, sind es
zur kapitalistischen Ausbeutung zu heute in erster Linie Nahrungsmittel
entwickeln. Dies unterscheidet Latein- wie Bananen und Kaffee sowie Erdöl
amerika von vielen anderen Regionen und Erdgas, die exportiert werden.
der Erde, wo viele der momentanen
Kämpfe für rückständige und sich über Durch den Kolonialismus und die da-
Religion definierende Gesellschaften mit verbundene Ausplünderung der
geführt werden. Rohstoffe bildeten sich erstmals in der
Weltgeschichte größere Schätze und
Der Weg, den weite Teile Südameri- der Handel erreichte ein bis dahin
kas einschlagen, wird in der aktuellen ungekanntes Ausmaß. Dies war die
Situation z.B. durch die “Linkswahlen” Grundlage für den aufkommenden
deutlich. Hierzu muss allerdings er- Kapitalismus. Während in Europa und
wähnt werden, dass sich die Program- später den heutigen USA sich aus
me der Parteien nicht von denen einer diesen Anhäufungen von Reichtümern
klassischen sozialdemokratischen Kapital entwickelte, blieben Latein-
Partei (also basierend auf der Sozial- amerika und andere ausgebeutete
partnerschaft zwischen Regierung und Länder nur die Orte, von denen die
Kapital) unterscheiden und ihre For- Reichtümer kamen. Größere Kapital-
derungen nicht über allgemeine Phra- anhäufungen fanden dort nicht statt,
sen von “sozialer Gerechtigkeit” hin- es wurde nur soviel investiert wie an
ausgehen. Die ökonomischen Struk- Technik für den Abbau der Rohstoffe
turen, die letztendlich das Problem nötig war. Die Profite aus den Ge-
sind, in dem die verarmten Massen schäften damit flossen zurück in die
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Metropolen. Bis heute verhält es sich lerdings vor dem oben geschilderten
mit dem Anbau von Nahrungsmitteln Hintergrund verstanden werden. Ihnen
und der industriellen Produktion ge- geht es nicht darum, sich und den
nauso. Die transnationalen Unterneh- Rest der Welt von den Zwängen des
men investieren in Maschinen an de- Kapitalismus zu befreien, sondern viel-
nen zu den üblichen geringen Löhnen mehr um eine nachholende bürgerli-
und schlechten Arbeitsbedingungen che Entwicklung. Sie wollen ein grö-
gearbeitet wird. Die Erzeugnisse der ßeres nationales Kapital in Latein-
Produktion wandern zurück auf den amerika schaffen, um dadurch die
Markt in die Industriestaaten. Abhängigkeit zu reduzieren und wirt-
schaftliche Eigenständigkeit zu erlan-
Die sogenannte Schuldenkrise, in der gen. Trotz dieser Kritik muss aner-
sich ganz Lateinamerika befindet, lässt kannt werden, dass die Sozialpro-
sich aus diesem Sachverhalt heraus gramme der linken und sozialistischen
erklären. Die ständige Abhängigkeit Parteien einen gesellschaftlichen Fort-
und nur begrenzt mögliche eigenstän- schritt voranbringen und die reale Le-
dige Entwicklung führte zu dem Wür- bensgrundlage vieler Menschen ver-
gegriff des Internationalen Währungs- bessern.
fonds (IWF), der die Länder Südame-
rikas weiterhin mit “Sparprogrammen” Entscheidend ist, dass diese Regie-
in seinen bisherigen Fesseln gefan- rungen den Basisbewegungen die
gen hält. Mit der Reduzierung der Möglichkeit geben, ihre politische Ar-
Staatsausgaben, Privatisierung öffent- beit fortzuführen, statt sie, wie bei-
licher Unternehmen, dem Abbau von spielsweise in Kolumbien, durch bru-
Bildungs- und Gesundheitsein- talste Repression zu zerschlagen. Und
richtungen und der weitreichenden die Basisbewegungen wollen häufig
“Flexibilisierung” des Arbeitsmarktes viel mehr, denn ihnen geht es darum,
soll Lateinamerika auch in Zukunft ein die Bedürfnisse der Massen zu befrie-
el dorado der kapitalistischen digen und dahin gehend auch die Pro-
Profitemacherei bleiben. duktion zu gestalten. Eine Vorstel-
lung der Zukunft, mit der die Gesetzte
Dass die Zurichtung der Region nach des Kapitalismus nicht mehr verein-
transnationalen Kapitalinteressen auf bar sind. Und während uns in den
Kosten der absoluten Bevölkerungs- Metropolen das Ende der Geschichte
mehrheit geschieht, ist eine altbe- gepredigt wird, zeigen die Kämpfe in
kannte Tatsache, die dazu geführt Lateinamerika, dass es, entgegen den
hat, dass die Massen den Glauben in Behauptungen, noch immer viele Men-
die alten Oligarchien (herrschende schen gibt, die für einen gesellschaft-
Minderheit) verloren haben. Die heuti- lichen Fortschritt eintreten.
gen “linken” Regierungen müssen al-
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Buchtip:

Made in Venezuela. Notizen zur >>Bolivarianischen Revolution<<


Raul Zelik, Sabine Bittner und Helmut Weber
Verlag Assoziation A ISBN 3-935936-28-1
Preis 13€

Vor kurzer Zeit ist ein Buch erschie-


nen, das für alle, die sich mit der
politischen Situation in Venezuela
beschäftigen möchten, eine interes-
sante Grundlage bietet. Der auf La-
teinamerika spezialisierte Journalist
Raul Zelik widmet sich in seinem
neuen Buch “Made in Venezuela” den
linken Bewegungen vor Ort und ihren
Entwicklungen in den letzten Jahren.
Das Buch ist Ergebnis einer drei
monatigen Reise Zeliks durch Vene-
zuela, in Begleitung der österreichi-
schen KünstlerInnen Sabine Bittner
und Helmut Weber. Auf der Reise
quer durch das Land, von der Haupt-
stadt Caracas bis ins tiefe Hinterland,
führte Zelik immer wieder Interviews
mit verschiedensten Teilen der linken
Bewegung, die in diesem Buch zu-
sammengetragen sind. Von Stadtteil-
gruppen, ehemaligen Gruppen des
bewaffneten Kampfes über Anhänger des linken Präsidenten Hugo Chavez bis
hin zu bäuerlichen Genossenschaften reichen die Gesprächspartner, die er
ausführlich zu Wort kommen lässt und somit eine authentische Schilderung der
politischen Verhältnisse erreicht. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen meist
Präsident Chavez und die Einschätzungen über ihn, sowie die politische Arbeit
der sozialen Bewegungen. Seit Chavez Antritt als Präsident hat es zahlreiche
Verbesserungen für den Großteil der Bevölkerung gegeben.

Neben den aktuellen Entwicklungen geht Raul Zelik auch auf die Geschichte
Venezuelas seit Kolonialisierung ein und zeigt damit Entwicklungen, die zu der
heutigen Situation geführt haben, auf.
Seite 12 Fight Back!
5. Todestag von Zdravko Nikolov Dimitrov
Am 21. Dezember 2004 gedachten ter verteilt, die den staatlichen Mord
rund zwei Dutzend AntirassistInnen an Dimitrov schilderten und die rassi-
mit einer kleinen Aktion auf dem Kohl- stischen Sondergesetze der BRD und
markt dem fünf Jahre zuvor in Braun- die Abschottungspolitik der EU kriti-
schweig von der Polizei erschosse- sierten. Im vorweihnachtlichen
nen Flüchtling und Kommunisten Konsumrausch ließen sich viele
Zdravko Nikolov Dimitrov. Ein Trans- PassantInnen nicht von ihrer Einkaufs-
parent mit der Aufschrift “Abschie- mission abbringen und ignorierten die
bung ist Mord” und den Namen von Aktion völlig, freundlicherweise tat die
über 20 in den letzten Jahren in Folge Polizei das selbe. Andere
von Abschiebungen getöteten Flücht- PassantInnen zeigten großes Interes-
lingen wurde in der Fußgängerzone se und bekundeten ihre Sympathie
aufgehängt. Rundum wurden Flugblät- mit der Aktion.

Einbeck
Am 20.11.04 demonstrierten etwa 100 Land abgeschoben zu werden, ge-
Menschen in Einbeck unter dem Mot- prägt denn keiner der Flüchtlinge
to “Nazis vertreiben! – Flüchtlinge blei- spricht türkisch. Die Vorfahren der
ben!”. Familien haben in der Türkei gelebt,
In Einbeck und Northeim sind 120 diese sind jedoch in den 1920er Jah-
libanesische Flüchtlinge von der Ab- ren in den Libanon ausgewandert. Von
schiebung in die Türkei bedroht. Die dort sind die Familien dann in den
Familien leben schon bis zu zwanzig 1980er Jahren wegen des libanesi-
Jahre in der BRD, seit vier Jahren schen Bürgerkriegs in die BRD geflo-
müssen sie damit rechnen jederzeit hen. Die Behörden wollen also Libane-
abgeschoben zu werden. Sie dürfen sen in die Türkei abschieben. Das
nicht mehr arbeiten und auch keine zeigt deutlich, dass es nicht wichtig
Ausbildung beginnen. Ihr Leben ist ist, wohin abgeschoben wird sondern
von der stetigen Angst, in ein fremdes dass es das einzige Ziel ist die Flücht-
Fight Back! Seite 13
linge abzuschieben, egal in welches stration und auch einige Flüchtlinge
Land. beteiligten sich. Das Ziel der Demon-
Bis jetzt wurde noch keine Familie stration wurde erreicht, die Situation
abgeschoben. Die EinwohnerInnen der Flüchtlinge wurde öffentlich ge-
reagierten sehr positiv auf die Demon- macht.

Der lange Marsch gegen die Institution...


der Abschiebemaschinerie fand auch schiebknast Büren.
in diesem Jahr in Büren seine Fortset-
zung. Büren, eine idyllische Klein- Bereits in der Bauphase begannen die
stadt im tiefkatholischen Herzen Proteste gegen den Abschiebeknast.
Westfalens in der Nähe von Pader- Antirassistische Gruppen, Antifas und
born, ist der Standort eines der größ- andere demonstrieren Jahr für Jahr
ten Abschiebeknäste Europas (560 gegen den Knast und das System der
Haftplätze). Vor zehn Jahren hatte der Abschiebung. So auch in diesem Jahr.
Rat der Stadt die Wahl, sich zwischen Rund achthundert Menschen zogen
einem Flüchtlingsheim und dem Ab- am 3. Oktober zunächst zum Knast,
schiebeknast zu entscheiden. Man um über Lautsprecher Redebeiträge
entschied sich für die Spießeridylle in vielen Sprachen an die Flüchtlinge
und gegen sich “frei” bewegende Men- zu richten, ihnen die Solidarität aus-
schen und wählte den Knast. zusprechen, so wenig sie auch be-
wirkt. Wie in den vergangenen Jahren
Mehrere Kilometer von der nächsten antworteten Flüchtlinge, trotz ihrer
Ansiedlung entfernt hockt der Knast Verlegung in die hinteren Teile des
mitten im Wald. Meterhohe, futuri- Knastes eigens für den Tag, der De-
stisch anmutende Betonmauern wa- monstration durch Rufe. Anschließend
ren in den letzten zehn Jahren für mehr wurde durch Büren demonstriert, nicht
als dreißigtausend Menschen das letz- zuletzt, um die Ruhe der Bürger Bürens
te, was sie von der BRD zu sehen zu stören, die ihren Teil der Verant-
bekamen, eingesperrt für ihr “Verbre- wortung für den Knast nicht verdrän-
chen”, in der BRD Asyl gesucht zu gen sollen.
haben. Bis zu 18 Monate und
mehr verbringen die Flüchtlinge
in Gefangenschaft. Dutzende
Selbstmorde und ungezählte
Selbstmordversuche, sowie
mehrere Häftlingsrevolten gegen
die schlechten Haftbedingungen
begleiten die systematisierte
Entfernung von Flüchtlingen und
unerwünschten MigrantInnen
aus der Festung Europa via Ab-
Seite 14 Fight Back!
Bericht vom Naziaufmarsch in Hannover
In Zeiten von “Hartz IV” und “Agenda Auftritt einer Braunschweiger HipHop-
2010” sind auch die Nazis auf die Combo setzte sich der beeindrucken-
allgemeine “Protestwelle” aufgesprun- de Demozug von über 3000 Menschen
gen und nutzten vielerorts die “Anti- lautstark in Bewegung. Nach wenigen
Hartz”-Kundgebungen als Plattform, hundert Metern war allerdings erst mal
um neue Sympathisanten zu agitie- Schluss – meinte die Polizei doch, die
ren. Immer öfter wurden sie auf den Demo aus irgendwelchen fadenschei-
sogenannten “Monatgsdemos” oder nigen Gründen nicht nur zu stoppen,
ähnlichen Aktionen gesichtet - mal sondern auch massivst “bedrängen”
versprengte Einzelpersonen, die “das zu müssen. Nach etwas Hektik und
deutsche Reich” als Alternative zu Drängeleien konnte die Demo aber
SPD und Co. präsentierten, mal orga- ihren Weg fortsetzen. Jedoch nicht
lange - waren die Bullen nun der Mei-
nung verhindern zu müssen, dass die
TeilnehmerInnen der Gewerkschafts-
kundgebung (an der insgesamt meh-
rere Hundert Menschen teilnahmen)
sich der Demo anschließen konnten.
Da sich aber weder die Antifademo,
noch die GewerkschafterInnen davon
abbringen ließen, gemeinsam zu de-
monstrieren, musste die Polizei dann
doch einen Zusammenschluss zulas-
sen und die Demo konnte ihren Weg
nisierte Nazis von Kameradschaften durch die Hannoveraner Innenstadt zu
oder NPD, die sich mit rassistischen Ende führen.
Parolen an die Spitze von Demonstra- In der Zwischenzeit fanden sich die
tionen setzten. Am 23. Oktober mar- Nazis am Braunschweiger Platz ein.
schierten nun die NPD und Freie Ka- Da die Nazis mal wieder zu dumm
meradschaften unter dem Motto waren, die verhängten Auflagen zu
„Sozialabbau, Rentenklau, Korruption verstehen, ging hier erst einmal das
- Nicht mit uns!“ in Hannover auf. Da große Kleiderwechseln los: Bomber-
ein Nazi ein Nazi bleibt, egal wogegen jacken wurden umgedreht, Springer-
er angeblich demonstriert, galt es auch stiefel gegen Turnschuhe eingetauscht
diesmal: Auf nach Hannover und den und diverse Schriftzüge mit Klebe-
Nazis in die Suppe spucken! band verdeckt. Gegen 13 Uhr setzte
Um 10:30 Uhr versammelte man sich sich der klägliche Haufen von etwa
unter den wachsamen Augen mehre- 150 Nazis in Bewegung. Die angekün-
rer Hundertschaften der Polizei auf digten “prominenten” Redner (Thomas
dem Klagesmarkt in Hannover. Nach Wulff und Holger Apfel, NPD-
einer Auftaktkundgebung und dem Fraktionschef im sächsischen Land-
Fight Back! Seite 15
tag) erschienen nicht (wie die Nazis riesigen Polizeiaufgebots geschafft,
selbst zugaben, waren diese wohl von bis an die Route der Nazis vorzudrin-
AntifaschistInnen an der Anreise ge- gen und deren Weg lautstark zu be-
hindert worden) und so durften irgend- gleiten. Es hagelte Platzverweise,
welche Lokalgrößen zum Mikrofon GegendemonstrantInnen wurden von
greifen und ihre wenig geistreichen der Polizei angegriffen und ca. 30 von
Worte an die versammelten Kamera- ihnen wurden in Gewahrsam genom-
den richten. Glücklicherweise war von men. Trotz allem war der Tag ein
den Reden nicht viel zu verstehen, Reinfall für die Faschisten und ein
gingen sie doch im lautstarken Pro- Erfolg für alle, die gegen sie auf der
test der GegendemonstrantInnen un- Straße waren.
ter. Viele von ihnen hatten es trotz des

Nürnberg
Am 6. November fand in Nürnberg eine Am Samstag, den 6.11. versammel-
bundesweite Demonstration gegen die ten sich dann rund 10.000 Menschen
kapitalistischen Angriffe durch die in der Nürnberger City, um gemein-
„Agenda 2010“, die immer mehr Men- sam gegen die neuerlichen Angriffe
schen in die Armut treibt, statt. Im von oben zu demonstrieren. Nach ei-
Gegensatz zu den sogenannten ner Auftaktkundgebung auf dem zen-
Montagsdemonstrationen, die zum tralen Platz in Nürnberg zog die Men-
Großteil politisch oberflächlich und ge durch die Nürnberger Innenstadt
inhaltsleer waren und sind, sollte der bis zur Bundesagentur für Arbeit. Vor
Schwerpunkt dieser Demonstration die dieser Behörde, die neben der Veröf-
Kritik an dem herrschenden, kapitali- fentlichung der Arbeitslosenzahlen
stischen System sein, das zur Siche- auch für die Umsetzung des
rung der Profite der Unternehmen die Arbeitslosengelds 2 am 1. Januar ver-
Situation eines Großteils der Men- antwortlich ist bzw. war, gab es eine
schen verschlechtert. Abschlußkundgebung, welche von ei-
Organisiert wurde sie durch ein loka- nem großen Polizeiaufgebot begleitet
les Bündnis linker Organisationen, wurde.
unterstützt durch zahlreiche Gruppen
aus der ganzen BRD. Um über die
Demonstration zu informieren und
möglichst viele Menschen nach Nürn-
berg zu bewegen, gab es im Vorfeld in
vielen Städten der BRD Informations-
veranstaltungen. Im Zuge dieser Mobi-
lisierung gab es auch in Braunschweig,
organisiert von der Jugend Antifa Akti-
on, eine Veranstaltung im Antifaschi-
stischen Cafe.
e r m i n e :
T
Jeden Freitag ab 20 Uhr
Antifaschistisches Café
Cyriaksring 55 - 38118 Braunschweig

Freitag 4. März
Leckeres Essen ... für 2 Euro
20 Uhr im Antifaschistischen Café

Freitag 11. März


Film: Hass (La Haine)
F 1994/95. Die Jugendlichen eines Pariser Vororts
reagieren mit Gewalt auf den Polizeiterror, dessen Höhe-
punkt die brutale Misshandlung ihres Freundes Abdel ist.
20 Uhr im Antifaschistischen Café

Freitag 18. März


Leckeres Essen ... für 2 Euro
20 Uhr im Antifaschistischen Café

Freitag 8. April
Film: Panthers
USA 1990. Die Geschichte der revolutionären Black
Panther Party for Self-Defense.
20 Uhr im Antifaschistischen Café
Jeden Montag 19 Uhr
Aktiv werden gegen Nazis und staatlich Rassismus!
Kommt zur Jugend Antifa Aktion (JAA)!
Im Antifaschistischen Café

http://www.antifacafe.de.vu