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AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

Landeshauptmannstellvertreter Vicepresidente della Provincia


Landesrat für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Assessore all'Agricoltura, alle Foreste,
Tourismus und Bevölkerungsschutz al Turismo e alla Protezione civile

Herrn Präsidenten
Dr. Josef Noggler
Bozen, 30.01.2019 Südtiroler Landtag
sekretariat@landtag-bz.org
Bearbeitet von:
Eva Maria Tscholl
Tel. 0471 41 11 30 LT Abg.
eva.maria.tscholl@provinz.bz.it Myriam Atz Tammerle
Sven Knoll
Süd-Tiroler Freiheit
Südtiroler Landtag
anfragen@suedtiroler-freiheit.com

Beantwortung der Landtagsanfrage Nr. 66/18: Veröffentlichung von Beschlüssen auf der
Internetseite der Gemeinden

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, sehr geehrte Landtagsabgeordnete,

zur obgenannten Landtagsanfrage kann ich Ihnen Folgendes mitteilen:

Frage 1:
Der „einfache“ Bürgerzugang ist im Artikel 5 Absatz 1 des GvD Nr. 33/2013 (sowie im Artikel 28ter des LG
17/1993) vorgesehen, welcher Folgendes bestimmt: „Jeder hat das Recht, die im Sinne der geltenden
Gesetzesbestimmungen veröffentlichungspflichtigen Dokumente, Informationen oder Daten zu beantragen,
wenn diese von den dazu verpflichteten Verwaltungen nicht veröffentlicht wurden.“ Hierzu sieht das
staatliche Transparenzdekret die Pflicht vor, dass die Namen der Verantwortlichen, die Kontaktdaten und die
Modalität des Zugangs, veröffentlicht werden müssen, sodass jeder Bürger in die Lage versetzt wird, einen
Antrag auf Bürgerzugang an den Transparenzbeauftragten der Körperschaft zu richten. Das Verfahren muss
innerhalb von dreißig Tagen ab Antragstellung mittels begründeter Maßnahme abgeschlossen werden. Wird
der Antrag angenommen, werden die entsprechenden Daten, Informationen oder Unterlagen in der
Transparenten Verwaltung veröffentlicht und der antragstellenden Person der entsprechende Hyperlink
mitgeteilt. Diese Art von Zugang gilt jedoch ausschließlich für jene Daten, Informationen und Unterlagen,
deren Veröffentlichung auf der Transparenten Verwaltung Pflicht ist (Art. 5 Abs. 1 GvD Nr. 33/2013).

Frage 2:
Der „allgemeine“ Bürgerzugang nach Art. 5 Abs. 2 GvD Nr. 33/2013 (sowie nach Artikel 28quater des LG
17/1993) ermöglicht einen Zugang (nach FOIA-Art) zu allen Daten und Unterlagen, welche die öffentliche
Verwaltung innehat und welche nicht schon der Veröffentlichungspflicht unterliegen. Dieser Bürgerzugang
stellt ein Recht eines jeden Bürgers dar, unterliegt keinerlei Einschränkung mit Bezug auf die subjektive
Zugangsberechtigung des Antragstellers und bedarf auch keiner Begründung. Eine genaue Bestimmung des
Begriffes „Verwaltungsunterlage“, welche auch für den Bürgerzugang verwendet werden kann, findet man im
Artikel 24 des Landesgesetzes Nr. 17/1993, (sowie Art. 22, Gesetz Nr. 241/1990).

Diese zweite Form des Bürgerzugangs unterliegt jedoch einigen Einschränkungen zum Schutze rechtlich
relevanter öffentlicher und privater Interessen, sowie einigen ausdrücklich vom Gesetz vorgesehenen
Ausschlussgründen (Art. 5, Abs. 2 und Art. 5-bis, GvD Nr. 33/2013). Auch hierzu, sieht das
Transparenzdekret die Pflicht vor, dass die Namen der Verantwortlichen, die Kontaktdaten und die Modalität
des Zugangs, veröffentlicht werden müssen, sodass jeder Bürger in die Lage versetzt wird, einen Antrag zu
stellen. Das Verfahren ist ähnlich wie das vom einfachen Bürgerzugang.

Landhaus 6, Brennerstraße 6  39100 Bozen Palazzo 6, via Brennero 6  39100 Bolzano


Tel. 0471 41 50 00  Fax 0471 41 51 99 Tel. 0471 41 50 00  Fax 0471 41 51 99
http://www.provinz.bz.it/schuler http://www.provincia.bz.it/schuler
lafoagrifor@pec.prov.bz.it lafoagrifor@pec.prov.bz.it
arnold.schuler@provinz.bz.it arnold.schuler@provincia.bz.it
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Frage 3:
Zur Beantwortung der konkreten Fragestellung muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich bei
den Gemeinden, im Sinne des Artikels 114 Absatz 2 der Italienischen Verfassung, um autonome
Körperschaften handelt. Diese „Autonomie der Gemeinden“ wurde im Jahr 2001 verstärkt bzw. bekräftigt
zumal mit dem Verfassungsgesetz Nr. 3 vom 18. Oktober 2001 die Kontrolle über die örtlichen
Körperschaften, also auch der Gemeinden, abgeschafft worden sind. Die Landesregierung kann im Sinne
des 192 des Regionalgesetzes Nr. 2/2018 (Kodex der örtlichen Körperschaften) i.g.F. gegenüber den
Gemeinden nur dann für eine eventuelle Ersatzbefugnis sorgen, falls die Gemeinden gesetzliche
Pflichtmaßnahmen hinauszögern oder unterlassen. Zumal hierbei gesetzliche Pflichtmaßnahmen weder
hinausgezögert noch unterlassen worden sind, sieht sich die Landesregierung nicht veranlasst vom Artikel
192 des Regionalgesetzes vom 3. Mai 2018, Nr. 2 i.g.F Gebrauch zu machen.

Abschließend sei erwähnt, dass einige Gemeinden Südtirols auf ihrer Website ein vereinfachtes
Beschlussarchiv halten, welches lediglich den Beschlussgegenstand und die Nummer des Beschlusses
enthält – mit diesem Kompromiss zwischen Transparenz und Datenschutz kann jeder Bürger bei Interesse
für einen bestimmten Beschlussgegenstand im Sinne des zuvor zitierten „Bürgerzuganges“ den Zugang
dafür beantragen. Diese Lösung stellt durchaus eine bürgerfreundliche Umsetzung, und zwar unter
Einhaltung allfällig zu berücksichtigender Gesetzesbestimmungen, dar.

Mit freundlichen Grüßen

Der Landesrat
Arnold Schuler
(mit digitaler Unterschrift unterzeichnet)

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