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Satzklammer; Vorfeld, Mittelfeld,

Nachfeld; Satzglied und Gliedsatz.


Die Begriffe Satzklammer oder Klammerform beschreiben den typischen Satzbau, der im Deutschen und
Niederländischen auftritt, sobald im Hauptsatz das Prädikat neben dem finiten Verb (der konjugierten Verbform)
auch noch infinite (nicht konjugierte) Teile hat. Da der deutsche Aussagesatz Verbzweitstellung aufweist, befindet
sich dann das finite Verb vorne und der restliche, infinite Teil – entweder das Präfix eines trennbaren Verbs, ein
Verb im Infinitiv oder ein Partizip – hinten im Satz; die beiden „umklammern“ dann sozusagen das Mittelfeld des
Satzes. Analoges gilt für Fragesätze und andere Satztypen mit Verb-Erst-Stellung.

Er ist gestern aus Berlin gekommen.


Morgen reist er wieder ab.
Im Gliedsatz besteht die Klammer aus der Konjunktion und den Verben am Satzende:
…, weil er sie nicht sehen konnte.
Dank solcher Prädikatsstellung entsteht ein ganz besonderer, nur für die deutsche
Sprache typischer, verbaler Rahmen (die Satzklammer). Dieser verbale Rahmen
“überbrückt” den ganzen Satz und markiert darin das Vorfeld, Mittelfeld und
Nachfeld. Das Vorfeld nehmen Satzglieder ein, die vor dem finiten Prädikatsteil
stehen, im Mittelfeld ist der finite Teil des Prädikats. Im Nachfeld — Satzglieder,
die nach dem finiten Teil des Prädikats kommen, und zum Schluss kommt der
infinite Teil des Prädikats, z. B.:
Im Vorfeld steht im deutschen Satz oft das Subjekt (in 60 % Fällen). Man bezeichnet solche Wortfolge als gerade.
In anderen Fällen nehmen das Vorfeld meist die Satzglieder mit der temporalen, lokalen oder modalen Bedeutung
ein. Solche Wortfolge bezeichnet man als ungerade. Dabei kann das Satzglied an der ersten Stelle verschiedenen
Umfang haben, vgl.:

In die Mitte des Zimmers hat man den Tisch gestellt. Heute hat man den Tisch in die Mitte des Zimmers gestellt.

Wenn im Vorfeld des Satzes andere Satzglieder (Nebenglieder nicht mit der lokalen, temporalen, modalen
Bedeutung) erscheinen, dann erfüllen sie im Satz folgende Funktionen:

— Kontaktfunktion, weil dadurch der Inhalt des Satzes auf den vorhergehenden Text angewiesen ist, vgl.: Seit gut
einem Jahr wirkt und schafft das junge Unternehmen im neuen Raum. Hier arbeiten motivierte Architekten,
Tischler, Lackierer.

— Kontrastfunktion, wenn der Inhalt des entsprechenden Satzes dem vorhergehenden Text gegenübergestellt
wird, vgl.: Nur wenn genug Apparate zur Verfügung stehen, können Operationen durchgeführt werden... Doch auch
bei einfacheren Operationen müssen oft Apparate bereit stehen.

— Aktualisierungsfunktion, wo durch die ungewöhnliche Stellung des betreffenden Satzgliedes im Vorfeld es


hervorgehoben wird, vgl.: Interessant könnte auch ein Besuch des Fitness- und Gesundheitsmarktes sein.
Eine relativ strenge Wortfolge ist auch für das Mittelfeld des deutschen Satzes typisch. Es sind dabei folgende
Tendenzen zu beachten:

1. Satzglieder im Dativ kommen vor den Satzgliedern im Akkusativ, vgl.:

Die Großmutter erzählt ihren Enkelkindern ein altes Märchen.

2. Satzglieder, die durch Pronomen ausgedrückt sind, kommen vor den Satzgliedern, die durch Substantive ausgedrückt
sind, vgl.:

Die Großmutter erzählt es ihren Enkelkindern.

Merke! Wenn beide Satzglieder durch Pronomen ausgedrückt sind, so steht das Pronomen im Akkusativ vor dem
Pronomen im Dativ, vgl.:

Die Großmutter erzählt es ihnen.


3. Satzglieder ohne Präpositionen kommen vor den Satzgliedern mit Präpositionen, vgl.:

Die Großmutter erzählt ein altes Märchen für ihre Enkelkinder

4. Nach ihrer Bedeutung werden die Satzglieder im Mittelfeld in folgender Reihenfolge gestellt — temporale
(wann?), kausale (warum?), modale (wie?), lokale (wo?). Das ist die sogenannte TeKaMoLo-Folge (auch TEE-
KAMEL genannt), vgl.:

Meine Bestellung wird heute aus Versehen der Mitarbeiter leider in der Berliner Vertretung dieser Computerfirma
nicht erledigt.
Als Nachfeld, das nicht obligatorisch, sondern fakultativ ist, bezeichnet man solchen Teil des Satzes, der außerhalb
des verbalen Rahmens (bei der Ausklammerung irgendwelcher Satzteile) steht. Folgende Satzteile sollen schon
lieber ausgeklammert und ins Nachfeld gestellt werden:

— Vergleiche mit wie und als,

z. B.: Niemand hat mehr in diesem Arbeitsteam gearbeitet als er. Sie hat so schön gesungen wie eine Nachtigall.

— präpositionale Substantivgruppen (besonders in der gesprochenen Sprache),

z. B.: Er hat in der letzten Zeit viel gearbeitet, in diesem Arbeitsteam.

— Infinitivgruppen und Nebensätze sollen fast immer ausgeklammert werden,

z. B.: Er hat in der letzten Zeit viel im Arbeitsteam gearbeitet, um konkrete Ergebnisse zu erzielen. Er hat in der
letzten Zeit viel gearbeitet, damit sein Arbeitsteam konkrete Ergebnisse erzielt.
Satzgefüge mit Unterordnung des Gliedteilsatzes.
Attributsätze
Die Satzgefüge des behandelten Typs sind durch die Subordination gekennzeichnet, d. h. durch eine einseitige
Abhängigkeit. Ihre Besonderheit im Vergleich zu den Satzgefügen mit Objekt-und Umstandssatz besteht darin,
dass es sich um einen Gliedteilsatz handelt mit der Funktion des Attributs zu einem übergeordneten Substantiv im
Hauptsatz bzw. im Obersatz, seltener zu einem Pronomen. Wie das einfache Attribut steht auch der Attributsatz
unmittelbar neben dem Bezugswort, und zwar nach ihm, und verschiebt sich innerhalb des Satzgefüges gemeinsam
mit ihm. Daher bilden solche Satzgefüge einen besonderen Block von Satzmodellen
Je nachdem, welche syntaktische Funktion dem übergeordneten Substantiv bzw. Pronomen zukommt, kann das
Hypermodell der behandelten Satzgefüge folgende Varianten aufweisen:

Der Attributsatz kann auch einem anderen substantivischen Attribut untergeordnet sein: (S—Attr(S —P) —
P); (ScopPsAttr(S — P))usw.
Dieses Hypermodell wird in folgenden Satzmodellen realisiert: V. Modellblock Innerhalb dieses
Modellblocks lassen sich folgende strukturell-semantische Satzmodelle unterscheiden:

1. Der Attributsatz bezeichnet eine Eigenschaft, die den gekennzeichne ten Gegenstand von allen
anderen Gegenständen der gleichen Klasse unter scheidet. Die Grundlage der entsprechenden
Verbindung zwischen dem über geordneten Substantiv bzw. Pronomen ist die Relation der
einschränkenden Determination (vgl. hierund weiter: [110]). Der Attributsatz wird durch die Relativa der,
welcher, durch die Verbindung dieser Relativa mit einer Präpo sition (in dem, welchem; fiir den, welchen
usw.), durch andere w-Relativa eingeleitet.

Ich kenne nicht die Frau, die diesen Brief gebracht hat. Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?
(Goethe) Das ist der Grund, weshalb ich nicht kommen konnte. Hier gibt es niemand, den wir um
Auskunft bitten könnten. Alles, was zu tun war, hat er getan.
2. Im Attributsatz wird eine zusätzliche Information über einen bestimm ten Gegenstand mitgeteilt. Der Verbindung
zwischen dem übergeordneten 322 Substantiv und dem Attributsatz Hegt die Relation der erläuternden
Determination zugrunde. Der Attributsatz wird wie in I. eingeleitet:

Ich sah einen Mann, der ganz in Schwarz gekleidet war. Er plauderte mit einem Freund, der ihn besuchen kam.

3. Der Attributsatz kennzeichnet das übergeordnete Substantiv durch den Vergleich. Der Verbindung zwischen
Bezugswort und Attributsatz liegt die vergleichende Determination zugrunde. Der Attributsatz wird durch das
Relativum wie eingeleitet:

Ich möchte ein (solches) Kleid haben, wie meine Freundin trägt. Hier gibt es Erholungsmöglichkeiten, wie man sie
sich wünschen kann.