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Holm Roch

Einfache Drachen
zum Selbermachen

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Inhalt Seite

Wie dieses Heft entstanden ist 3


Was man zum Drachenbauen braucht 5
FREDDY 7
ROBY 11
Jetzt wird’s bunt 12
Drachen vergrößern und verkleinern 13
STRIPSY 14
DELTY 16
TAKO-TAKO 20
TAKOBRA 22
Mit Gruppen Drachen bauen 22
Mehr Spaß mit Drachen – einige Grundregeln 23
Nachwort 29

Dieses Heft ist eine aktualisierte Fassung der im Verlag Erika Roch, Iserlohn, erschienenen
Broschüre „Das kleine gelbe Drachenbuch“ (3. Aufl. 1992).

Sie dürfen dieses Werk unter Angabe des Verfassers weiterverbreiten, jedoch nicht
verändern oder kommerziell nutzen.

Infos unter: www.creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/

© Alle weitergehenden Rechte verbleiben beim Autor.

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Wie dieses Heft entstanden ist

Irgendwann, kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges sah ich zum ersten Mal einen Dra-
chen am Himmel. Der Vater eines Freundes hatte ihn gebaut und nahm mich mit zum Drachen-
steigen auf einen Acker draußen vor der Stadt. Unser Drachen - ein riesiges Ungetüm - hatte
Mühe in die Luft zu kommen. Richtiges Bastelmaterial gab es damals nirgends zu kaufen.
Deshalb war er aus dickem Packpapier und krummen Leisten gebaut und mit einer Leine aus
zusammen geknoteten Bindfadenresten versehen - aber er flog! Mich hat beides beeindruckt:
Dass dieses Ding tatsächlich abhob und dass da jemand in einer Zeit, in der sich die Men-
schen ums Überleben mühten, einfach einen Drachen steigen lässt - als gäbe es nichts Wich-
tigeres auf der Welt.

Später, als Erwachsener, habe ich dann selbst angefangen, Drachen zu bauen. Wenn ich sie
steigen ließ, kamen oft Kinder und fragten, wie man so einen Drachen baut. Da habe ich zu-
nächst Bauanleitungen aufgeschrieben, sie kopiert und verschenkt. Schließlich entstand die
Idee, daraus ein kleines Büchlein mit Bauanleitungen für einfache Drachen, die garantiert gut
fliegen, zu machen. Diese Broschüre, „Das kleine gelbe Drachenbuch“, war dann über viele
Jahre im Buchhandel und in Drachengeschäften zu haben bis es sich nicht mehr lohnte, es in
einer größeren Auflage nachzudrucken. Manchmal werde ich aber noch danach gefragt und
das hat mich darauf gebracht, den Text übers Internet zugänglich zu machen.

Natürlich sind die hier vorgestellten Drachenmodelle nicht aus dem Nichts entstanden. Ihre
Vorbilder habe ich in Drachenbüchern und Drachenzeitschriften gefunden. Manche Einzelhei-
ten habe ich daran verändert und verbessert. Drachenbauen ist immer so vonstatten gegangen.
Jemand hat einen Drachen gebaut. Ein anderer hat ihn verändert. Im Laufe der Zeit haben sich
lokale Traditionen gebildet. Die Bewohner eines Dorfes - beispielsweise in China - bauten
einen ganz bestimmten Typ von Drachen. Brachte jemand von woanders einen neuen Drachen
mit, entstand manchmal eine "Kreuzung". Woher die heute bekannten Drachenformen kom-
men, ist eine spannende Geschichte, auf die ich hier leider nicht näher eingehen kann. Es gibt
eine Reihe guter Bücher darüber.

Heute sind die meisten Drachen Industrieprodukte. Niemand muss sich die Mühe machen,
seinen Drachen selbst zu bauen. Das finde ich schade, weil auf diese Weise ein Stück Volks-
kunst verkümmert. Ich möchte gern viele Menschen dazu bringen, das Drachenbauen einmal
selbst zu versuchen. Es ist wirklich ein "himmlisches Gefühl", den selbst gebauten Drachen
hoch oben am Himmel fliegen zu sehen. Kinder können es manchmal gar nicht fassen, dass
ihr Drachen wirklich fliegen kann. Und Erwachsene können beim Drachenbauen das Kind in
sich entdecken. Deshalb auch ein Hinweis für Eltern, die für ihr Kind einen Drachen bauen
wollen: Es könnte sein, dass Sie selbst Lust am Drachensteigen bekommen - ich wünsche es
Ihnen von Herzen -, dann gibt es Streit um das "lass mich auch mal!". Ein Drachen ist nun
mal ein Ein-Personen-Spielzeug. Deshalb mein Rat: Bauen Sie gleich mehrere Drachen, einen
für sich und einen für Ihr Kind (und vielleicht noch ein paar für Freunde und deren Kinder).
Der Mehraufwand ist gering, denn Material besorgen und Werkzeug bereit legen müssen sie
ohnehin.

Und noch ein Tipp: Drachen wollen fliegen, - möglichst unmittelbar nachdem sie das Licht
der Welt erblickt haben. Deshalb sollte man sie nur bei Drachenwetter bauen und mit ihnen
gleich anschließend zu einem Probestart auf die Wiese gehen. Einen Drachen zu bauen und

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dann Tage oder Wochen auf seinen Jungfernflug warten zu müssen, stellt jedenfalls Kinder
auf eine (zu) harte Probe. Und wenn - noch schlimmer - ein Drachen trotz guten Wetters nicht
in die Luft zu bekommen ist, dann lässt sein Erbauer vielleicht für immer enttäuscht die
Finger von diesem schönen Zeitvertreib. Deshalb ist es gut, mit einfachen Modellen anzu-
fangen, bei denen der Erfolg garantiert ist, und sich dann langsam "nach oben" zu arbeiten.

Viel Spaß beim Drachenbauen und guten Wind!

Damit es keine Missverständnisse gibt

Die Drachenbespannung nenne ich Segel.

Das Gerüst oder Gerippe des Drachens nenne ich Leisten.

Oben meint die Seite, die beim Flug zum Himmel zeigt.

Unten meint die Seite, die beim Flug zur Erde zeigt.

Vorn meint die Seite, die zum Wind zeigt.

Hinten meint die entgegen gesetzte Seite, da wo sich der Schwanz des Drachens befindet.

Für die Leine direkt am Drachen (im Unterschied zur Drachenleine, an welcher der Drachen
nach oben steigt) gibt es den Fachausdruck "Waage".

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Was man zum Drachenbau braucht

Zunächst einmal Zeit und vor allem Gelassenheit, denn jede Ungenauigkeit beim Bau rächt
sich beim Flug!

Welches Material für die einzelnen Modelle nötig ist, habe ich bei den Bauanleitungen ange-
geben. Hier einige Hinweise, wo man dieses Material bekommt:

Plastikfolie für das Drachensegel erhält man als Meterware im Baumarkt. Sie soll dünn und
etwas steif sein. Ideal ist "Knisterfolie" von Einkaufstragetaschen oder leichten Müllsäcken,
die beim Zusammenknüllen rascheln und knistern. Die Folie normaler Tragetaschen ist nicht
so gut geeignet. Sie ist schwerer und weicher, dehnt sich und leiert an den Kanten aus.

Krepp-Papier eignet sich gut für Drachenschwänze. Die intensive Färbung kommt vor blau-
em Himmel besonders gut zur Geltung. Aber Vorsicht: Die Farbe ist nicht wasserfest! Geht
man damit kurz nach dem Regen auf die Wiese, bleicht nicht nur das Papier aus, man kann
sich auch die Kleidung einfärben.

Absperrband, d.h. die rot-weiß gestreiften Bänder, mit denen Baustellen abgesichert werden,
eignet sich ideal für Drachenschwänze. Aber bitte nicht an der Baustelle mitnehmen, sondern
im Baumarkt kaufen!

Leisten bekommt man ebenfalls im Baumarkt oder im Heimwerkergeschäft. Leider sind sie
oft verbogen. Wenn man sie auf einer ebenen Unterlage hin- und herrollt, sieht man, welche
gerade und damit für den Drachenbau geeignet sind. Die üblichen Holzleisten brechen, wenn
man sie zu weit in eine Halbkreisform biegt, wie dies z.B. für Kampfdrachen wie den TAKO-
TAKO nötig ist. Wer einen Drachenladen in der Nähe hat, kann sich Glasfiberstäbe besorgen.
Aber Vorsicht: Wenn sie splittern, kann man sich verletzten! Auch der Glasfaserstaub, der
beim Absägen entsteht, ist nicht ungefährlich. Auf keinen Fall einatmen!

Eine preiswerte Alternative zu Glasfiberstäben sind "Rollo-Stäbe". Damit meine ich Stäbe
von "Bambus"-Rollos. Es gibt diese Rollos als Asien-Import in Boutiquen und Korbwaren-
geschäften, aber auch bei IKEA. Ein Rollo besteht aus einigen hundert quer liegenden Stäben,
die durch senkrechte Fäden zusammengehalten werden. So ein Rollo kostet 8 bis 10 Euro und
liefert flexible Stäbe für viele, viele Drachen - selbst wenn man einige unbrauchbare Stäbe
aussortieren und wegwerfen muss. Auch Schlittendrachen lassen sich aus diesen Stäben
preiswert bauen.

Leine für die Waage nimmt man am besten von der Drachenleine. Es macht nichts, wenn
diese ein paar Meter kürzer wird.

Einiges Material habe ich bei den einzelnen Anleitungen nicht aufgeführt, weil man es immer
braucht:
Kleber für Holz und Papier (z.B. TECHNIKOLL), schnell trocknenden Modellbaukleber (z.B.
UHU-hart) um Knoten auf einer Leine dauerhaft zu sichern und Klebefilm (z.B. TESA-Film)
in verschiedenen Breiten.

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Werkzeug, das immer dazugehört:

Lineal (möglichst aus Metall), Schere, scharfes Messer (am besten einen sog. Cutter, also ein
Messer, dessen Klinge man abbrechen und nachschieben kann), eine kleine Säge zum Kürzen
von Leisten und ein dünner Faserschreiber, der auf Folie schreibt (Overhead-Stift).

Einiges über Schlitten-Drachen

Schlittendrachen sind, wie ihr Name sagt, wie ein Rodelschlitten gebaut. Zwei Leisten geben
dem Segel den nötigen Halt. Der Wind bläst den Drachen in eine flugfähige Form.

Schlitten-Drachen sind die einfachsten Drachen, die es gibt. Schnell gebaut, problemlos im
Flug und für einen weiten Bereich zwischen leichtem und starkem Wind geeignet. Probleme
mit dem Einstellen der Waage (bei anderen Drachen ein Problem) kann es nicht geben, sie ist
fest eingestellt. Kurz: Ein idealer Anfängerdrachen, bei dem man kaum etwas falsch machen
kann. Deshalb werden in diesem Heft auch gleich zwei Schlittendrachen vorgestellt, der
kleine FREDDY und sein größerer Bruder ROBY.

Noch ein Hinweis zum Start: Schlittendrachen fasst man an der Drachenleine an, da wo sie an
der Waage befestigt ist. Dabei lässt man den Drachen - Vorderseite vom Wind abgewandt -
nach unten hängen. Die Leisten sind beim Flug oben, befinden sich also beim Start auf der
zum Boden gerichteten Seite. Nun die Waage mit dem Drachen durch eine kreisförmige
Bewegung in den Wind schwenken, Leine geben - schon steigt er nach oben.

Beim Flug kann es vorkommen, dass der Wind den Drachen zusammenklappt. Ein kräftiger
Ruck an der Leine entfaltet ihn wieder.

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FREDDY der einfachste Drachen der Welt
FREDDY ist schnell gebaut. Will man gleich mehrere Drachen anfertigen, macht man sich
am besten für die Umrisse des Segels eine Schablone aus Pappe. Seine Stabilität erhält
FREDDY durch die geschwungene Vorderkante. Weil sich dieses Prinzip nur bei kleinen
Drachen anwenden lässt, kann man FREDDY nicht beliebig vergrößern. Die Grenze liegt bei
etwa 60 cm Leistenlänge.

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Material:
Folie in den angegebenen Maßen.
Zwei Holzstäbe, Durchmesser 3 oder 4 mm, 50 cm lang, auch "Rollo-Stäbe" sind gut geeig-
net.

Und so wird FREDDY gebaut:


Umrisse auf die Folie zeichnen und ausschneiden, am besten mit einem Cutter.

Leisten an mehren Stellen mit Klebefilm auf dem Segel befestigen. Vorn und hinten müssen
sie sehr genau angeklebt werden, damit das Segel nicht flattert.

Rechts und links an den Ecken die Befestigung der Waage vorbereiten: Man legt ein Stück
Klebeband unter die Ecke (Klebeseite nach oben), schlägt es nach oben um und rollte dabei
ein Stückchen Holz von einem Zahnstocher mit ein. Es wird 3 bis 4 mm von der Ecke entfernt
aufgelegt.

Unmittelbar hinter dem eingelegten Holz mit einer erhitzten Nadel ein Loch für die Waagen-
leine brennen (oder mit einer Lochzange ausstanzen). Waage festknoten. Sie ist 2 x 95 = 190
cm lang.

Genau in der Mitte der Waage eine Schlaufe für die Drachenleine knoten. Damit sich die
Waage nicht verdrillt, klebt man über dieser Schlaufe ein 12 bis 15 cm langes Holzstäbchen
zwischen die Schenkel der Waage. Es soll mit diesen ein gleichseitiges Dreieck bilden.

Schon ist FREDDY fertig!

Bei unruhigem Wind hinten in der Mitte einen oder mehrere Schwänze aus Folienstreifen an-
kleben. Das beruhigt den Drachen.

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Eins, zwei, drei... ganz viele FREDDYs

FREDDY ist so schnell zu bauen, dass man leicht eine ganze Reihe davon bauen und anein-
ander koppeln kann.

In die Drachenleine knüpft man alle 6 Meter eine Schlaufe und hängt dort je einen FREDDY
mit einer 5-Meter-Leine ein. Der oberste Drachen hängt direkt an der Hauptleine.

Theoretisch lassen sich auf diese Weise beliebig viele Drachen aneinander koppeln. Der Zug
an der Hauptleine vergrößert sich allerdings mit zunehmender Zahl beträchtlich. Darum sollte
man es mit vier bis sechs Drachen bewenden lassen.

Je nach Windstärke führen die FREDDYs ein bewegtes Leben, steigen und fallen, ziehen mal
hierhin, mal dorthin. Manchmal verhaken sich zwei Leinen. Die Drachen kommen aber fast
immer von selbst wieder frei.

Ein wunderschönes "Himmelsmobile"!

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Wie der Schlitten zur Schlange wird

Ein Schlittendrachen wie FREDDY kann den Kopf einer farbenprächtigen Schlange bilden.
Den Schwanz kleben wir aus Krepp-Papier-Streifen zusammen. Vorn wird ein Schaschlikstab
mit eingerollt und festgeklebt. Hinter diesem Stab bohren wir rechts und links ein kleines
Loch und knoten ein Stückchen Leine an. Daran knüpfen wir je ein Hölzchen (abgebrochener
Zahnstocher, nicht ganz so lang wie ein Streichholz).

An die Stäbe des Schlittendrachens, der den Kopf der Schlange bildet, kommen hinten zwei
kurze Stückchen Leine mit einer Schlinge.

Um den Schwanz anzukoppeln, stecken wir die Hölzchen des Schwanzes durch die Schlaufen
des Kopfes.

So lässt sich der Schwanz jederzeit wieder entfernen und wir können FREDDY auch "solo"
fliegen - immer dann, wenn der Wind nur schwach bläst. Frischt der Wind auf, wird FRED-
DY zur großen, bunten Himmelsschlange.

Die Maße der Krepp-Papier-Streifen, aus denen der Schwanz zusammengeklebt wird.

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ROBY der große Bruder von FREDDY

Im Unterschied zu FREDDY lässt sich ROBY auch vergrößern. Man beachte aber, was dazu
auf der übernächsten Seite gesagt wird. Die beiden "Augen" - Löcher in der Folie - machen
seinen Flug sehr stabil. Deshalb ist ROBY auch für kräftigen Wind geeignet.

Material:
Folie in den angegebenen Maßen.
Zwei Holzstäbe, Durchmesser 5 oder 6 mm, 90 cm lang.
Leine für die Waage. Die Waage ist 2 x 90 = 180 cm lang.

Der Bau geschieht wie beim FREDDY. Die Augen werden mit einem scharfen Messer oder
einem Cutter aus der Folie geschnitten. Ihre Ecken, die besonders vom Ausreißen bedroht
sind, verstärkt man mit Klebefilm. Stöckchen über der Befestigungsschlaufe der Leine wie
beim FREDDY.

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Jetzt wird’s bunt!

Ein grauer Drachen vor grauem Himmel mag Liebhaber von Suchspielen begeistern - bunter
sieht es besser aus. Aber wie bekommt der Drachen seine Farbe? Drachenpapier, das im Bü-
rogeschäft verkauft wird, ist zwar schön bunt, reißt aber sehr leicht ein. Für die in diesem Heft
beschriebenen Drachen ist es nicht geeignet.

Dünnes Papier lässt sich mit Farbe bemalen, z.B. mit PLAKA. Die Farbe ist aber nicht durch-
scheinend und hat auch ein Eigengewicht, verschlechtert also die Flugeigenschaften.

Bei Folien wird es ganz schwierig. Sie sind zwar in vieler Hinsicht das ideale Material für das
Drachensegel, aber sie lassen sich nur schwer einfärben. Es gibt zwar Filzstifte mit wasser-
fester Farbe, aber die arbeiten meist mit gesundheitsschädlichen Lösungsmitteln - man be-
kommt einen "dicken Kopf" von den aufsteigenden Dämpfen. Außerdem dringt die Farbe
nicht in die Folie ein, sie haftet nur auf der Oberfläche, einzelne Farbpartikel springen wieder
ab.

Gut geeignet sind dagegen Folien, die schon farbig bedruckt sind wie z.B. bunte Plastiktrage-
taschen. Dann gibt es auch noch selbstklebende durchscheinend-bunte Folie. Daraus lassen
sich Muster ausschneiden und auf das Drachensegel kleben. Man bekommt diese Folie in Ge-
schäften für Zeichen- und Dekorationsbedarf. Leider ist sie ziemlich teuer, aber man benötigt
ja nicht viel.

Zu Schlittendrachen mit ihren einfachen Formen passen am besten auch einfache farbige
Motive: ein dicker roter Querstrich, ein violettes Kreuz oder ein grüner Balken.

Schlittendrachen brauchen zum Flug keinen Schwanz, aber es macht sich gut, wenn man
ihnen zur Dekoration Schwänze anknotet. Einfach Streifen aus Krepp-Papier oder Plastik-
streifen von bunten Einkaufstragetaschen hinten anknoten oder mit Klebefilm ankleben. Auch
Krepp-Papier ist gut geeignet, weil es intensiv gefärbt und recht preiswert ist. Leider ist die
Farbe wasserlöslich. Also Vorsicht bei Nässe!

Eine weitere Möglichkeit: Bunte Streifen direkt an die Drachenleine knüpfen und vom
Drachen nach oben ziehen lassen.

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Drachen vergrößern und verkleinern

Viele Drachen lassen sich vergrößern und verkleinern, bei anderen ist nur eine maximale Grö-
ße möglich (z.B. beim FREDDY).

Folgendes muss man dabei beachten: Wenn sich die Fläche vergrößert, wird auch der darauf
lastende Winddruck größer. Man muss also auch die Leisten verstärken. Verdoppelt man die
Abmessungen, wird die Fläche nicht verdoppelt sondern vervierfacht. Man kann sich das gut
an einem Quadrat klarmachen: Bei 2 cm Seitenlänge ist es 2 x 2 = 4 Quadratzentimeter groß.
Verdoppelt man die Seitenlänge ist es 4 x 4 also 16 (und nicht etwa 8) Quadratzentimeter
groß.

Auch bei Leisten kann man sich verschätzen. Eine Leiste mit einem Querschnitt von 3x4 mm
hält annähernd doppelt soviel aus, wie eine Leiste von 2x3 mm. Würde man auf 4x6 mm
verdoppelt, täte man des Guten zu viel. Und es geht ja immer darum, Gewicht zu sparen!

Natürlich sind dem Vergrößern schon durch die Abmessungen Grenzen gesetzt. Schließlich
muss der Drachen ja auch transportiert werden. Ein Problem, mit dem sich vor allem die
Drachenbauer in ärmeren Ländern, wo nicht jeder ein Auto zur Verfügung hat, herumschla-
gen. So gibt es bei chinesischen Drachen raffinierte Steck- und Scharnierverbindungen, nur
um das Fluggerät transportabel zu halten.

Man muss sich aber auch klar machen, dass ein größerer Drachen am Himmel nicht
unbedingt größer als ein kleinerer aussieht. Der optische Eindruck hängt stark von der
Flughöhe ab. Von einer gewissen Höhe an lässt sich ein kleiner Drachen, der niedriger fliegt,
von einem großen, der höher fliegt, nicht mehr unterscheiden.

Andererseits: Wer möchte nicht einmal einen "riesengroßen" Drachen steigen lassen? Und
einen Vorteil hat das Vergrößern auf jeden Fall: Kleine Ungenauigkeiten beim Bau wirken
sich bei großen Drachen nicht so stark auf die Flugeigenschaften aus. Daraus ergibt sich -
umgekehrt - das Hauptproblem beim Verkleinern von Drachen. Irgendwann stellt sich trotz
genauer Bauweise ein Ungleichgewicht ein. Natürlich setzt auch das Gewicht des Materials
eine untere Grenze. Einen Drachen zu bauen, der nicht größer als eine Briefmarke ist und
trotzdem gut fliegt, dürfte mit den üblichen Materialien kaum möglich sein.

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STRIPSY die Himmelsschlange

Schlangen-Drachen wie STRIPSY sind eine recht auffällige "Himmelserscheinung". Mit hef-
tigen Bewegungen und laut raschelndem Schwanz schlängeln sie sich am Himmel hin und
her. Dafür brauchen sie kräftigen Wind.

STRIPSY ist nichts anderes als ein vier Meter langer Krepp-Papierstreifen mit einem einfa-
chen "Kopf".

Material:
Krepp-Papier 4 Meter lang, 18 cm breit (von einer Rolle abschneiden und zusammenkleben).
Drei Schaschlikstäbchen 18 cm lang, möglichst aus Bambus (aber gerade müssen sie sein).

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Und so wird STRIPSY gebaut:
Das vordere Stäbchen wird mit Kleber bestrichen und in das Krepp-Papier eingerollt. Das
zweite wird rechtwinklig dahinter aufgeklebt, das dritte wieder quer. Wichtig: Die Stäbe
berühren sich, sind aber nicht fest miteinander verbunden. An den Berührungsstellen scheuert
das Papier leicht durch, deshalb Klebefilm unterlegen.

Der vordere Stab ist eingerollt und geklebt.

Mittleren und hinteren Stab mit breitem Klebefilm (5 cm) überkleben.

An den mit x bezeichneten Punkten (siehe Zeichnung auf der vorigen Seite) - je l cm von den
Enden des mittleren Stäbchens entfernt - von der anderen Seite mit einer Nadel durchstechen
und die Waagenleine anknoten. Sie ist (nach dem Festknoten) 36 cm lang.

An der Waage eine Büroklammer festmachen und Zugpunkt einstellen (siehe Seite 25).

STRIPSY ist ein sehr lebendiger Drachen, der seinen Besitzer in Bewegung hält. Man kann
ihn nicht einfach morgens irgendwo anbinden und am Abend wieder einholen, wie das bei
anderen Drachen möglich ist, sondern muss ihn ständig im Auge behalten und mit der Leine
mitgehen. Am besten legt man - sobald STRIPSY eine sichere Höhe erreicht hat - die Haspel
auf den Boden und nimmt die Leine zwischen die Fingerspitzen. Keine Angst: STRIPSY ist
so leicht, dass man sich nicht die Finger an der durchlaufenden Leine verbrennen kann. Bei
größeren Drachen ist das sehr gefährlich und Experten empfehlen deshalb zu Recht, immer
Handschuhe zu tragen.

Natürlich ist so ein einfacher Drachen aus Krepp-Papier nicht für die Ewigkeit gebaut. Bei
kräftigem Wind wird er ziemlich strapaziert. Eines Tages ist dann das Schwanz-Ende ausge-
franst oder ein Stäbchen hat sich durchgescheuert. Ein paar Mal wird man das noch reparieren
können, aber einmal ist Schluss und man muss sich einen neuen STRIPSY bauen.

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DELTY Ein Drachen aus einer Tragetasche

DELTY gehört zur Familie der Delta-Drachen. Diese Drachen haben ihren Namen von dem
griechischen Buchstaben Delta, sind also fliegende Dreiecke.

Das Konstruktionsprinzip der Delta-Drachen sieht so aus:

Eine Mittelleiste (a), zwei Seitenleisten (b) und auf der Drachenoberseite eine Querleiste (c),
der sog. "Spanner".

Wichtig: Der Spanner ist nur an den Seitenleisten befestigt, nicht in der Mitte. Die Seitenleis-
ten gehen nicht bis vorn zur Nase. Dadurch ist der Delta in sich beweglich. Er kann schon mal
einen kräftigen Windstoß vertragen. Außerdem ist er ein guten Gleiter, der Flauten segelnd
überbrückt. Das gleiche Konstruktionsprinzip wird ja auch bei Papierfliegern und beim "rich-
tigen" Drachenfliegen benutzt.

Alle Deltas neigen dazu, nach der Seite zu kippen. Deshalb brauchen sie stabilisierende Ele-
mente. Beim DELTY sorgt die dreieckige Flosse an der Unterseite, der sog. "Kiel", für die
nötige Stabilität.

Gegenüber einem Schlittendrachen und einem Schlangendrachen ist DELTY aufwendiger zu


bauen, aber die Mühe lohnt sich. Baut man DELTY aus einer Knisterfolien-Tasche, wird er so
leicht, dass er fast ohne Wind auskommt. Schon die aufsteigende Luft über einem
Getreidefeld (Thermik) genügt, um ihn in der Luft zu halten.

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Material:
Eine Tragetasche mit mindestens 55 x 50 cm nutzbarer Fläche (Griffloch beachten!),
möglichst aus Knisterfolie.

Ein Holzstab, Durchmesser 4 mm, 55 cm lang (Mittelleiste)

Zwei Holzstäbe Durchmesser 3 mm, 50 cm lang (Seitenleisten)


Für die Seitenleisten kann man auch "Rollostäbe" nehmen.

Ein Holzstab Durchmesser 4 mm, 59 cm lang (Spanner)

Und so wird DELTY gebaut:

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1. Segel und Kiel wie auf der vorigen Seite angegeben ausschneiden, am besten mit einem
Cutter.

2. Den Kiel von G nach H mit Klebefilm zukleben. Die dritte Seite (G - I) bleibt offen.

3. Kiel am Segel befestigen: Lege den Kiel mit der offenen Seite an das Segel, so dass Punkt I
an Punkt D liegt. Zwischen Segel und Kiel soll ein Abstand von 12 mm bleiben. Klebe fünf
Streifen Klebefilm über diesen Zwischenraum. Drehe Segel und Kiel um und klebe nochmals
fünf Klebestreifen genau auf die ersten Streifen, Klebeseite auf Klebeseite.

4. Längsstab am Segel befestigen: Trenne die Tüte zwischen C/E und D auf. Breite das Segel
aus (der Kiel liegt darunter!) und klebe den Mittelstab mit einem langen Streifen Klebefilm
von D bis A auf das Segel. Klebefilm dabei dicht neben dem Stab andrücken.

5. Seitenstäbe am Segel befestigen: Lege je einen 50 cm langen Klebefilm von Punkt B und F
aus einige Millimeter unter die Seitenkanten des Segels. Seitenstäbe auf das Segel legen und
Klebefilm umschlagen.

6. Befestigung für Spanner anbringen und Spanner befestigen: Bohre mit einer heißen Nadel
je 29 cm von Punkt B und F entfernt innen neben den Seitenstab Löcher. Die Stellen vorher
mit Klebeband überkleben, damit sie später nicht ausreißen. Ziehe ein Stückchen Leine (z.B.
von der Drachenleine) durch jedes Loch, bilde eine kleine Schlinge und knüpfe einen
Doppelknoten.

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Säge mit einer feinen Säge kleine Schlitze in die Enden des Spanners (gleiche Richtung an
beiden Enden!). Biege den Spanner leicht durch und stecke ihn mit den Schlitzen in die
Schlingen. Er soll locker über den Seitenstäben liegen (nicht daran befestigen!), ohne an der
Seite aus den Schlitzen zu rutschen. Deshalb erst kleine Schlitze sägen, ausprobieren, die
Schlitze erweitern oder Schlinge enger machen - bis es genau passt.

Durch diese Konstruktion kann der Spanner beim Transport herausgenommen werden. Der
Drachen kann dann zusammengerollt leicht transportiert werden.

Jetzt fehlt nur noch die Befestigung für die Drachenleine: Kiel an der Spitze H mit Klebeband
überkleben und mit einer heißen Nadel Löcher einbrennen. Drachenleine an einem dieser
Löcher befestigen. Das günstigste Loch muss durch Probieren heraus gefunden werden.

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TAKO-TAKO fast schon ein Kampfdrachen

Vielleicht hast Du schon einmal fasziniert zugeschaut, wie jemand mit einem Lenkdrachen
oder einem "Gespann" (mehrere Lenkdrachen übereinander) kunstvolle Figuren flog. Solche
Lenkdrachen werden mit zwei Leinen gesteuert. Aber auch mit einer Leine ist es möglich, Fi-
guren zu fliegen - allerdings nur mit besonderen Drachen. Solche "Kampfdrachen" wurden
zuerst in Asien entwickelt. Es sind flache Drachen mit einer stark gebogenen Querleiste. Zieht
man an der Leine, steigt der Drachen in die Richtung, in die seine Nase gerade zeigt. Lässt
man locker, beginnt sich der Drachen zu drehen. Ein Zug an der Leine lässt ihn in einer an-
dere Richtung steigen. Auf diese Weise lässt sich durch abwechselndes Ziehen und Locker-
lassen ein richtiger Drachentanz am Himmel aufführen. Ganz so einfach wie hier beschrieben
ist die Sache allerdings nicht. Man braucht schon einige Übung.

Der TAKO-TAKO eignet sich gut, erste Schritte ins Reich der Kampfdrachen zu machen.
Wenn man ihm einen Schwanz anknotet, benimmt er sich recht friedlich. Ist man mit ihm
dann besser vertraut, kann man den Schwanz Stückchen um Stückchen kürzer machen - der
Drachen wird dabei immer munterer. Aber Vorsicht in Bodennähe, dort besteht immer die
Gefahr einer harten Landung.

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Material:
Folie (möglichst Knisterfolie) 44 x 44 cm
Ein Holzstab Durchmesser 4 mm, 57 cm lang (Längsleiste)
Ein biegsamer Stab (Glasfiber Durchmesser 3 mm) oder Rollo-Stab, 70 cm lang (gebogene
Querleiste)

Und so wird der TAKO-TAKO gebaut:


Folie ausschneiden, am besten mit einem Cutter. An den beiden vorderen Seiten 4 cm um-
schlagen und die entstehenden "Taschen" mit Klebefilm schließen.

Längsleiste mit Klebefilm befestigen.

Gebogene Querleiste in die Taschen einschieben. Sie muss noch ein wenig gekürzt werden,
damit sie die Längsleiste genau im richtigen Punkt (12 cm von der vorderen Spitze entfernt)
kreuzt.

Befestigungspunkte für die Waage durchstechen. Vorher die Stellen mit Klebeband verstär-
ken. Die Waage ist 2 x 57 = 114 cm lang. Der Faden läuft vorn quer über die Längsleiste und
die darüber liegende Querleiste.

Knoten mit Kleber sichern.

Hinten an der Querleiste eine Schlaufe für den Schwanz anbringen.

Der TAKO-TAKO muss sorgfältig getrimmt werden, damit rechte und linke Hälfte genau im
Gleichgewicht sind. Man hebt ihn an der Waage hoch und klebt - falls nötig - links oder
rechts an der Ecke kleine Stückchen Klebeband auf, bis der Drachen im Gleichgewicht ist.

Zuletzt eine Schlaufe für die Leine knoten. Sie liegt ca. 1,3 cm vor der Mitte der Waage.
Eventuell muss man nach den ersten Probeflügen noch etwas korrigieren. Den Schwanz nicht
vergessen! Er ist 6 cm breit und 3,5 m lang. Später wird er gekürzt.

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TAKOBRA
Halbiert man die Abmessungen des TAKO-TAKO auf 20 x 20 cm, erhält man einen Kopf für
einen sehr lebendigen Schlangendrachen, die TAKOBRA.
Natürlich müssen auch die Leisten dünner werden: 2x3 mm reichen für die Längsleiste, die
Querleiste kann notfalls so bleiben.

Der Schwanz besteht aus 3 bis 6 Metern Absperrband oder Krepp-Papier. Je nach Windstärke
muss er kürzer oder länger sein. Vorn am Schwanz sollte man, wie beim Schwanz des Schlit-
tendrachens ein Hölzchen einrollen, damit die Verbindung nicht ausreißt.

Mit Gruppen Drachen bauen


„Heute bauen wir Drachen!“ Ein solches Angebot könnte zu einer Kinder- oder Familienfrei-
zeit gehören. Es passt zur Stadtranderholung ebenso wie zur Klassenfahrt und ins Programm
eines Jugendhauses. Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Drachen zu bauen, ist immer
ein Vergnügen und oft sogar der Höhepunkt einer "Freizeit". Damit kein Misserfolg daraus
wird, sollte man einige Grundregeln beachten:

1. Baue mit einer Gruppe nur Drachenmodelle, die Du schon für dich allein gebaut hast.
Dann kennst Du die kritischen Punkte und weißt wo es schwierig werden könnte. Du kannst
auch den Zeitaufwand einigermaßen einschätzen.

2. Fang mit einfachen Modellen an. Aus diesem Heft sind FREDDY, ROBY und TAKO-
TAKO besonders gut für Anfänger geeignet.

3. Sorge für ausreichenden Arbeitsplatz, Werkzeug und Material. Wenn die Teilnehmer die
Leine für ihren Drachen selbst mitbringen, solltest du einige zusätzliche Leinen dabei haben,
für den Fall dass jemand die Leine vergessen hat oder eine völlig ungeeignete (z.B. zusam-
mengeknotete Bindfadenreste) mitbringt.

4. Wenn die Zeit knapp ist, kann man das Material schon vorher vorbereiten (Leisten auf die
passende Länge bringen, Segel ausschneiden).

5. Die Gruppe darf nicht zu groß sein. Ab 12 Teilnehmer wird es schwierig. Dann ist es
besser, die Gruppe zu teilen.

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6. Beim Drachenbau braucht man oft eine "dritte Hand", deshalb ist es gut, zu zweit zu bauen,
erst einen für mich, dann den zweiten für dich.

7. Wenn die einzelnen Arbeitsschritte auf einer Tafel oder auf Plakaten zu sehen sind, erspart
das manche Rückfragen.

8. Auch wenn alle das gleiche Modell bauen, sollte jeder Drachen seine "persönliche Note"
bekommen: ein eigenes Gesicht, Muster, Monogramm oder Wappen.

9. Nach dem Bau gleich zum Ausprobieren auf die Wiese. Deshalb: Drachenbau nur bei
Drachenwetter!

Drachen aus Hong Kong

Mehr Spaß mit Drachen – einige Grundregeln


Um Spaß an seinen Drachen zu haben muss man einige Grundregeln beachten. Sie gelten
nicht nur für die relativ einfachen Modelle aus diesem Heft, sondern für alle Drachen.

1. Das Gelände und das Drachenwetter


Wer schon mal einen Nachmittag damit verbracht hat, einen Drachen aus einem Baum
herauszuangeln, weiß dass es günstigere Gelände gibt. Am besten geht es auf einer
großen, freiliegenden Wiese.

Dass man Drachen nur im Herbst auf dem Stoppelacker steigen lassen kann, ist ein Ge-
rücht. Es stammt wahrscheinlich aus der Zeit als die meisten Menschen arme Bauern
waren und die Felder erst nach der Ernte betreten werden durften. Ein Stoppelacker ist
fürs Drachensteigen denkbar ungeeignet! Einmal kann man sich auf dem holperigen
Grund leicht verletzen, zum anderen bleiben die dünnen Drachenleinen, wie sie heute
üblich sind, an den Stoppeln hängen. Im Nu hat man ein heilloses Durcheinander und
braucht viel Zeit, um alles wieder zu entwirren.

Drachen kann man das ganze Jahr über steigen lassen, außer vielleicht im Winter, wenn
einem die Leine an den Fingern festfriert. Es muss lediglich ein leichter, ständiger Wind

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wehen. Wer an der Küste wohnt, hat es leichter als ein Drachenfreund im windstillen
Binnenland. Aber dafür herrscht an der Küste auch häufiger ein handfester Sturm. In
hügeligem Gelände sollte man die zum Wind gerichtete Seite des Hanges wählen, nicht
den Gipfel und auch nicht die vom Wind abgewandte Seite denn dort gibt es fast immer
Verwirbelungen.

2. Die Drachenleine
Die Drachenleine soll ausreichend belastbar sein, zugleich aber möglichst wenig wiegen. Am
besten kauft man sie fertig im Drachenladen oder im Spielwarengeschäft. Dann hat man auch
gleich eine Haspel oder Spule dabei. Eine gute Leine mit Spule bekommt man schon für 3 bis
4 Euro. Dies gilt jedenfalls für die einfachen Drachen aus diesem Heft, die wenig Zugkraft
entwickeln. Für größere Drachen braucht man Leinen aus speziellen Kunstfasern z.B. aus
KEVLAR. Diese sind wesentlich teurer.

Bewährt haben sich Spulen, deren Griffe einsteckbar sind. Beim Start und beim Flug nimmt
man sie heraus, beim Aufrollen steckt man sie wieder ein. Griffe, die gleichzeitig als Spulen
dienen, sind nur für leichte Leinen geeignet. Wickelt man eine Leine, die noch feucht ist
darauf, kann diese beim Trocknen die Griff-Spule verbiegen.

Von der gekauften Leine lassen sich gut ein paar Meter für die Waage abschneiden. Dann
muss man dafür keine Leine extra kaufen. Kunstfaserleinen dröseln sich an den Enden auf,
deshalb nach dem Abschneiden gleich mit einer Flamme ansengen, damit die einzelnen Fäden
miteinander verschmelzen. Vorsicht: Das Ende ist noch eine Weile extrem heiß.

3. Wie kommt der Drachen an die Leine?


Anknoten ist einfachste Lösung, aber dann braucht man für jeden Drachen eine gesonderte
Leine. Besser geht es mit einem Haken, der sich ausklinken lässt. Solche "Wirbel" bekommt
man im Fachgeschäft für Anglerbedarf.

4. Wie wird die Waage eingestellt?


Schlittendrachen haben einen festen Anknüpfpunkt für die Leine. Da gibt es nichts einzustel-
len. DELTY hat eine Reihe von Löchern, von denen man das günstigste aussucht. Schwierig
wird es bei Drachen mit veränderlichem Anknüpfpunkt, also bei STRIPSY und bei vielen ge-
kauften Drachen. Der Anknüpfpunkt bestimmt den sog. Anstellwinkel, d.h. er entscheidet,
wie schräg ein Drachen beim Flug in der Luft steht. Je nach Drachenmodell (und Windstärke)
muss der Anstellwinkel verschieden aussehen, damit der Drachen in eine optimale Fluglage
kommt.

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Im ersten Beispiel liegt der Anknüpfpunkt zu weit hinten. Der Drachen wird nicht steigen,
sondern zur Seite ausweichen und auf den Boden schlagen. Liegt der Punkt sehr weit hinten,
versuchen manche Drachen sogar, verkehrt herum - also mit der Oberseite nach unten - zu
fliegen.

Im zweiten Beispiel liegt der Anknüpfpunkt weiter vorn. Der Winkel zwischen Drachen und
Boden ist flacher - eine günstige Fluglage.

Verschiebt man der Anknüpfpunkt auf der Waage noch weiter nach vorn, wird der Winkel
noch flacher (Beispiel 3). Der Drachen steigt sehr weit nach oben, der Wind kann die Nase
von oben herunterdrücken - Absturzgefahr.

Merke:
Anknüpfpunkt nach hinten - Drachen steiler!
Anknüpfpunkt nach vorn - Drachen flacher!

Damit man den Anknüpfpunkt verstellen kann, kommt in die Waage ein Ring, der mit einer
sog. "Bucht" festgemacht wird. Schlaufe durch den Ring schieben und dann über den Ring
ziehen.

Will man den Ring verschieben, lockert man die Leine an der Stelle, wo sie quer liegt. Dann
schiebt man von vorn oder hinten Leine in die Schlinge ein und zieht sie danach wieder fest.
Schiebt man Leine von vorne ein, wandert der Anknüpfpunkt weiter nach vorn. Der Drachen
fliegt flacher. Schiebt man Leine von hinten ein, wandert er weiter nach hinten und der Dra-
chen fliegt steiler. Bei leichten Drachen kann man an Stelle eines Ringes auch eine Büroklam-
mer nehmen, für größere Drachen den Aufreißring einer Getränkedose.

Bei einem neuen Drachen kann man den Anknüpfpunkt schon grob zu Hause einstellen. Man
hängt den Drachen am Anknüpfpunkt auf und misst den Winkel, den die Drachenoberseite
mit einer ebenen Fläche, beispielsweise einem Tisch, bildet. Dieser Winkel soll 25 bis 30
Grad betragen.

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Beim Start im Freien erfolgt dann die Feineinstellung. Man verschiebt den Anknüpfpunkt
zentimeterweise nach links oder rechts, bis die günstigste Stelle gefunden ist. Gleich mit
einem Filzstift markieren, als Anhaltspunkt für Neueinstellungen.

5. Ab nach oben!
Ein Drachen, der richtig eingestellt ist, steigt bei ausreichendem Wind von selbst nach oben.
Reicht der Wind nicht ganz, kann man ihn in vielen Fällen "nach oben pumpen". Drachen ein
Stück steigen lassen, Leine nachlassen (Drachen sinkt wieder ab), Leine anziehen (Drachen
steigt), jetzt diese Aufwärtsbewegung ausnutzen und mehr Leine geben, wieder absinken
lassen und so weiter - der Drachen steigt jedes mal ein Stück höher. Und weiter oben weht
meist ein kräftigerer Wind.

Wenn ich einen freundlichen Helfer finde, kann ich auch einen "Hochstart" versuchen. Der
Helfer hält den Drachen vor seine Brust, während ich 7 bis 10 Meter entfernt mit dem Rücken
genau zum Wind stehe. Auf mein Kommando lässt der Helfer los, ich ziehe gleichzeitig die
Leine an und den Drachen in die Höhe.

Wenn nun aber gar kein Wind weht? Dann ist es gut, einen Bumerang dabei zu haben. Der
fliegt am besten wenn kein Wind seinen Flug stört.

6. Fehler beim Start


Man kann es immer wieder sehen: Ein Kind rennt, den Drachen hinter sich herziehend, über
eine Wiese. Das kann nicht gut gehen, denn dabei entsteht zwar zusätzlicher Auftrieb, der
Drachen steigt also in die Höhe, bleibt man aber stehen - und auch die längste Wiese ist ein-
mal zu Ende - fällt dieser Auftrieb weg und der Drachen kommt wieder herunter. Der gute Rat
vieler Erwachsener "Du musst rennen!" bringt also nichts!

Meist passiert dabei noch folgendes: Wenn der Drachen schlecht eingestellt oder defekt ist,
schlägt er seitlich auf den Boden und wird dort entlang geschleift. Der Besitzer merkt viel zu
spät, was hinter seinem Rücken geschehen ist - der Drachen wird beschädigt, häufig ist er
nicht mehr zu reparieren. Diese Methode ist die Hauptursache für das Massensterben gekauf-
ter "Plastik-Vögel".

Natürlich gibt es Ausnahmen, wo sich das Rennen lohnt. Auf einer von Büschen oder von
Bäumen umstandenen Wiese, wo nur in Bodennähe zu wenig Wind weht, kann ich auf diese
Weise den Drachen schnell aus der kritischen Zone bringen.

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7. Runter kommen sie immer!
Normalerweise ist die Landung kein Problem. Man muss ja nur die Leine aufwickeln. Bei
kräftigem Wind kann es aber Probleme geben, weil der Zug an der Leine so stark ist, dass sich
die Spule nur schwer drehen lässt. Da hilft es, während des Aufwickelns Richtung Drachen zu
laufen. Das entlastet die Leine. Dann - ohne Aufzuwickeln - zum Ausgangspunkt zurück-
gehen. Wieder auf den Drachen zugehen und dabei aufwickeln. Und so weiter.

Droht der Drachen abzustürzen, weil er "aus dem Leim gegangen" ist oder sich mit der Leine
eines Kollegen verheddert hat, bleibt meist keine Zeit für eine reguläre Landung. Man ver-
sucht eine Notlandung indem man die Leine mit weit ausholenden Bewegungen an sich
heranzieht und auf den Boden fallen lässt (zum Aufwickeln ist dann später noch Zeit).

Ein allzu harter Aufprall lässt sich mildern, wenn man die Leine, kurz bevor der Drachen den
Boden berührt, ganz loslässt. Der Drachen macht dann noch einen Hupfer und fällt sanft zu
Boden.

8. Der Drachen will nicht steigen


Wenn der Drachen nicht steigt obwohl genug Wind weht, ist meist der Anstellwinkel falsch.
Wie man ihn einstellt steht auf Seite 25 in diesem Heft.

Es kann natürlich auch an der Konstruktion liegen. Vielleicht ist der Drachen beschädigt
(Folie eingerissen? Leiste gebrochen?). Oder er ist nicht im Gleichgewicht, eine Seite wiegt
mehr als die andere. Abhilfe: Die leichtere Seite mit Klebeband beschweren.

Stürzt der Drachen einmal nach rechts ein andermal nach links, deutet dies auf eine falsch
eingestellte Waage. Stürzt er immer nach der gleichen Seite, deutet dies auf ein Ungleich-
gewicht.

9. Der Drachen fliegt unruhig


Dann hilft fast immer ein längerer Schwanz. Wichtig ist: Der Schwanz wirkt nicht durch sein
Gewicht, sondern durch seine Dämpfung, genau wie der Stoßdämpfer im Auto. Gut ist es
also, wenn der Schwanz wenig wiegt, aber einen großen Luftwiderstand besitzt. Lange Strei-
fen aus Folie oder Krepp-Papier - eventuell noch mit eingeknüpften Büscheln aus kürzeren
Streifen - sind deshalb ideale Drachenschwänze.

Ist die Fläche des Schwanzes zu groß, wirkt er wie ein zweiter Drachen und es kommt zu
Wechselwirkungen zwischen Schwanz und Drachen, die Vorderkante des Drachens wippt auf
und nieder (der sog. "Vogel-Pick-Effekt").

Damit nicht eine Drachenseite ein Übergewicht bekommt, müssen Drachenschwänze immer
symmetrisch angebracht werden, also hinten in der Mitte oder aber hinten rechts und links.

10. Zum Thema "Sicherheit"


Dass man Drachen nicht in der Nähe einer Hochspannungsleitung oder wenn ein Gewitter im
Anzug ist steigen lässt, müsste eigentlich einleuchten. Leider haben viele Menschen kein Ge-
spür dafür, in welche Gefahr sie sich begeben, wenn sie nicht den nötigen Sicherheitsabstand
zu einer Hochspannungsleitung einhalten. Schon 50 Volt können bei Berührung lebensgefähr-

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lich werden. Die Oberleitung der Bundesbahn führt aber 15000, eine Leitung am Hochspan-
nungsmast bis zu 360000 Volt! Da schützt weder eine Drachenleine aus Kunstfasern (die zu-
dem feucht sein kann) noch ein Handschuh. Gerät ein Drachen in eine Freileitung, auf keinen
Fall herunterhängende Teile (Drachenleine, Schwanz) anfassen. Über Polizei oder Feuerwehr
das zuständige Elektrizitätsunternehmen benachrichtigen, damit als erstes der Strom abgestellt
wird.

Dass ein abstürzender Drachen - und mit einem Absturz muss man immer rechnen! - einen
Autofahrer, der ihn vor die Windschutzscheibe bekommt, erheblich verunsichert, braucht
nicht näher erklärt zu werden.

Dann gibt es noch gesetzliche Einschränkungen. Hundert Meter darf die Leine lang sein,
keinen Zentimeter mehr. Man beachte: Die Leinenlänge ist festgelegt, nicht die Höhe über
dem Boden. Da der Drachen mehr oder weniger schräg steht, sind also 100 Meter Höhe kaum
zu erreichen.

Ganz verboten ist das Drachensteigen in Tieffluggebieten und in 3 km Umkreis um einen


Flugplatz. Als Flugplatz gilt auch der Hubschrauber-Landeplatz eines Krankenhauses.
Wenn nun aber trotz aller Vorsicht etwas passiert? Dann besteht Hoffnung, dass - außer bei
grober Fahrlässigkeit - die private Haftpflichtversicherung einspringt. Die meisten Versiche-
rungen tun das, solange der Drachen weniger als 5 Kilo wiegt.

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Nachwort

Seit dieses Büchlein zum ersten Mal veröffentlicht wurde, hat sich in der Drachenszene viel
verändert. Drachen sind populärer geworden. Drachenfeste locken tausende von Zuschauern
an. In vielen Städten gibt es spezielle Drachenläden. Im Drachenbau kommen völlig neue Ma-
terialien zum Einsatz: Kohlefaserstäbe, neue Gewebe, hochfeste Kunstfaserleinen. Die damit
ausgerüsteten Drachen sind leistungsfähiger, aber auch teurer als ihre Vorgänger. Mehr als
hundert Euro sind heute für einen Drachen zwar immer noch ein stolzer Preis, aber längst
nichts Außergewöhnliches mehr. Es gibt inzwischen so viele unterschiedliche Drachenmodel-
le, dass kaum noch jemand weiß, wie sie alle heißen und ständig kommen neue hinzu. Kaum
zu glauben, was sich da alles am gleichen Drachenhimmel tummelt: Klassische Codys und ja-
panische Rokakos, fliegende Kühe, Elefanten und Telefonzellen, lange Ketten aus Mini-
drachen und echte asiatische Kampfdrachen, Werbedrachen von der örtlichen Sparkasse und
Drachen aus einem Müllsack - ein buntes Spektakel, einfach phantastisch!

Auf der Drachenwiese tauchen auch immer mehr schnelle Lenkdrachen auf und mancher
Drachenfreund lässt seinen kleinen Einleiner lieber unausgepackt, aus Angst, von einer
solchen "Rennmaschine" niedergemäht zu werden. Drachenclubs versuchen der Rücksichts-
losigkeit entgegenzusteuern - bislang mit wenig Erfolg. Es grenzt fast schon an ein Wunder,
dass nicht noch mehr Unfälle passieren.

Wo bleibt bei dieser Entwicklung noch Raum für kleine, selbstgebaute Drachen, wie sie in
diesem Heft vorgestellt werden? Ich meine, sie haben nach wie vor ihren Platz, da wo jemand
nicht viel Geld ausgeben kann (oder will) aber auch als typische Einsteigerdrachen. Dass man
sein Handwerk von Grund auf erlernen sollte, ist - gerade wenn es um Drachen geht - ein be-
währter Grundsatz. Nur die Übung macht den Meister und viele der wirklich guten Drachen-
bauer haben klein angefangen und sich langsam nach oben gearbeitet. Sicher gäbe es auch
weniger Ärger mit den Piloten superschneller Lenkdrachen, wenn diese sich vorsichtig an die
Grenzen der neuen Geräte herantasten würden

Mit Sicherheit passen die hier vorgestellten Drachen gut in eine Bewegung, die versucht,
einen alternativen Lebensstil zu entwickeln. Muss ich denn immer viel Geld ausgeben, wenn
ich für eine Weile Spaß haben will? Muss es gleich das neueste Material aus der Weltraum-
technologie sein? Gehört nicht mehr dazu, einen Drachen selbst zu bauen, auszuprobieren, zu
verändern - als sich einen Luxusflieger fertig von der Stange zu kaufen?

Ein wenig Nachdenklichkeit in diesem Sinne wünsche ich allen, die durch dieses Heft Spaß
am Drachenbau gewonnen haben.

Holm Roch

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Über den Verfasser

Holm Roch, Jahrgang 1938, hat etliche Jahrzehnte lang Drachen gebaut. Das ließ sich gut
mit seinem Beruf verbinden, denn der promovierte Theologe ist evangelischer Pfarrer mit
dem Schwerpunkt Familienbildung. Er hat auch ein Buch darüber geschrieben, was man mit
Familien alles unternehmen kann („Mit Familien unterwegs“; Grünewald-Verlag). Mit seinen
Drachen ist er ein wenig in der Welt herumgekommen und hat sie bei Drachenfesten in
China und Neuseeland steigen lassen. Einige Modelle aus diesem Heft sind schon über dem
Himmelstempel in Beijing und auf dem Platz des Himmlischen Friedens geflogen.

Heute lebt Holm Roch im sog. Ruhestand. Er hat den Drachenbau (fast) ganz aufgegeben
und produziert statt dessen Rundfunksendungen, zeichnet Cartoons und schreibt satirische
Texte.

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