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HANDBÜCHER DER KÖNIG- LICHEN MUSEEN ZU BERLIN ALFRED VON SALLET Y DIE ANTIKEN MÜNZEN NEUE
HANDBÜCHER DER KÖNIG-
LICHEN MUSEEN ZU BERLIN
ALFRED VON SALLET Y
DIE ANTIKEN
MÃœNZEN
NEUE BEARBEITUNG
VON KURT REGLING y
MIT 228 ABBILDUNGEN
BERLIN 1909 DRUCK UND VERLAG GEORG REIMER
C J >/ i q c VORWORT as vorliegende Handbuch ist eine neue Bearbeitung des
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VORWORT
as vorliegende Handbuch ist eine neue Bearbeitung des
1 J
Abschnittes über antike Münzen in A. v. Sallets 1898
erschienenem Handbuch „Münzen und Medaillen". Sie richtet
unter möglichster Wahrung des ursprünglichen Wortlautes
ihr Augenmerk namentlich darauf, einige der schönsten und
wichtigsten seitdem neuerworbenen Münzen zur Anschauung
zu bringen, vornehmlich aus den beiden großen igoo und
1906 erworbenen Sammlungen griechischerMünzen derHerren
Dr. Imhoof-Blumer und Lübbecke. Diese Einfügungen machten
dann einige Umstellungen und die völlige Umgestaltung ein-
zelner Abschnitte erforderlich. Der Zweck des Buches,
welches nicht ein systematisches Lehr- und Nachschlagebuch
zu sein beansprucht, bleibt der,.dem gebildeten Publikum
zur Einführung in die antike Münzkunde zu dienen. Die
Beigabe der Abbildungen ermöglichte es, die Münzbeschrei-
bungen kurz zu halten und auf unbedingte epigraphische
Treue der Buchstabenformen bei der Wiedergabe der Münz-
aufschriften zu verzichten. Alle abgebildeten Münzen be-
finden sich, wo nicht ausdrücklich das Gegenteil vermerkt
ist, im Königlichen Münzkabinett zu Berlin.
INHALT Seite A. Griechische Münzen i B. Römische Münzen 69 C. Münzähnliche Denkmäler 131 Register
INHALT
Seite
A. Griechische Münzen i
B. Römische Münzen 69
C. Münzähnliche Denkmäler 131
Register 137
A. Griechische Münzen. Unter griechischen Münzen sind hier nach allgemeinem numismatischen Sprach- gebrauche alle
A. Griechische Münzen.
Unter griechischen Münzen sind hier nach allgemeinem numismatischen Sprach-
gebrauche alle antiken Münzen mit Ausnahme des italischen aes grave, des
römischen Geldes aus republikanischer Zeit und der römischen Reichsmünzen
verstanden.
Über die Erfindung der Münzprägung gibt es zwei
Nachrichten bei den griechischen Schriftstellern; nach der
einen, bei Herodot, hätten zuerst die Lyder Gold und
Silber geprägt; und wirklich sind einige der uralten Münzen
aus Elektron (einer natürlichen oder künstlichen Mischung
von Gold und Silber), welche in dem damals von den
lydischen Königen beherrschten Kleinasien geprägt sind,
nach Stil und Technik die frühesten Münzen, die auf uns
gekommen sind. Sie gehören wohl dem 7. Jahrhundert
vor Christus an:
Ohne Bild, die eine Seite körnig, auf der anderen Seite drei vertiefte Einschläge.
Elektron. Stater (Einheitsstück). 14,16 g.
Wesentlich verbessert hat dies Geld der bekannteste,
letzte lydische König, Kroisos, indem er reines Gold und
reines Silber statt des Elektron als Münzmetail wählte;
seine Goldstateren hatten als Kpoicreioi (Kroisosstücke) weite
Verbreitung im Altertum:
1
2 Griechische Münzen. Vorderteile eines Löwen und eines Stiers einander gegenüber. — Rs.: Rechteckige
2
Griechische Münzen.
Vorderteile eines Löwen und eines Stiers einander gegenüber. — Rs.: Rechteckige
Vertiefung.
A'.") Stater. 8,08 g.
Ihre Rolle übernahmen nach dem Sturze des Kroisos die
von seinem Nachfolger in der Vorherrschaft, dem Perser-
könig, spätestens etwa seit Dareios geprägten Goldmünzen,
die von Xenophon als Monatssold eines Schwerbewaffneten
erwähnten Dareiken, die im Volksmunde nach ihrem Präge-
bild toEötou (Bogenschützen) hießen:
Der Perserkönig rechtshin eilend (im sog. Knielaufschema), mit Krone und langem
Rocke, in der R. die Lanze, in der L. den Bogen. — Rs.: Rechteckige Vertiefung.
N. Dareikos. 8,32 g.
Die andere Überlieferung über den Beginn der Münz-
prägung ist erhalten in einer Notiz des Strabon, der sie
dem Ephoros, einem Zeitgenossen Philipps II. und Alexanders
des Großen, entlehnt, und in einer Inschrift. Sie nennt
als Erfinder der Münzprägung den König Pheidon von
Argos und schreibt ihm die Prägung von Silbermünzen
auf der Insel Aigina zu: "Eqpopo? b'iv Aiyivri äpTupov irpiiuTov
Koirf|vai cpnmv üttö Odbuuvo? (Ephoros sagt, daß in Aigina
zuerst Silber von Pheidon geprägt worden sei). Dieselbe
Nachricht wiederholt die Inschrift von der Insel Paros, die
sogenannte Parische Chronik, vom Jahre 264/263 vor Chr.:
*eiA«N 0 APTEIOI
NOMIXMA APTYPOYN EN
AITINHI ETOIHIEN ENAEKATOX QU A<t> HPAKAEOYI
(Pheidon von Argos fertigte Silbergeld in Aigina, der elfte
[Nachkomme] von Herakles ab [gerechnet]). Mag auch
die Verknüpfung von Pheidons Namen mit den äginetischen
*) Ar, M, /E sind die für Gold, Silber, Kupfer (und seine Legierungen)
gebräuchlichen Abkürzungen der lateinischen Worter aurum, argentum, aes.
Griechische Münzen. 3 Münzen in das Reich der Sage gehören, so wird doch die Tatsache
Griechische Münzen.
3
Münzen in das Reich der Sage gehören, so wird doch die
Tatsache einer sehr frühzeitigen Prägung auf Aigina durch
die Denkmäler bestätigt; die Münzen der Insel Aigina
zählen, wie ihr Aussehen lehrt, zu den ältesten bekannten
griechischen Prägungen:
Schildkröte (Emys europaea). — Rs.: Vertieftes, mehrfach geteiltes Viereck.
JR. Didrachmon (Zweidrachmenstück). 12,27 g, dieser Münzfuß wird danach der
äginetische genannt.
Daß diese Stücke nach Aigina gehören, beweisen spätere
mit denselben Typen (die Schildkröte ist aber auf diesen
späteren die schön gemusterte Testudo graeca) und der
Inschrift AITI, Aigina.
Das Aussehen dieser ältesten griechischen Silbermünzen,
welche wohl bis zum Jahre 600 oder in noch frühere Zeit
hinaufreichen mögen, ist ein uraltes, ursprüngliches: ein
dickes, einer abgeplatteten Kugel gleichendes Metallstück
und einfache, wenn auch nicht ganz unkünstlerische Aus-
führung des dargestellten Bildes. Die Rückseite zeigt einen
mehrfach geteilten unregelmäßigen Einschlag, das »Qua-
dratum incusum«, was von dem oberen Prägestock herrührt
und wohl dazu dienen sollte, beim Schlagen das Metall-
stück festzuhalten.
Einen verwandten altertümlichen Charakter zeigen
manche Stücke der Inseln des ägäischen Meeres; durch
Inschrift gesichert ist eine, dem Alter der ältesten Stücke
von Aigina nachstehende Silbermünze von Melos mit der
Inschrift IAAM (rückläufig zu lesen, MaXi = MaMwv) neben
einem einhenkligen Gefäß, auf der Rückseite das Qua-
dratum incusum.
Auch die entlegene Gründung der Spartaner in Afrika,
Kyrene, hat schon in ältester Zeit geprägt; manche Silber-
stücke der Stadt beweisen durch ihren Kunstcharakter und
ihr kugelförmiges Aussehen ihr hohes Alter. Einer sehr
frühen Zeit, wohl noch dem sechsten Jahrhundert, gehört
1*
4 Griechische Münzen. die hier abgebildete, durch ihre reiche mythologische Dar- stellung hochinteressante Münze
4
Griechische Münzen.
die hier abgebildete, durch ihre reiche mythologische Dar-
stellung hochinteressante Münze an:
Das Silphion, eine Doldenpflanze, welche ein Gewürz lieferte, das einen Haupt-
handelsgegenstand der Kyrenäer bildete. — Rs.: Im vertieften Viereck: Herakles
mit Keule und Löwenfell neben dem Baume der Hesperiden, ihm gegenüber eine
der Hesperiden.
M. 18,35 g. Paris.
Eine ebenfalls aus der ältesten Zeit stammende Münz-
klasse, die sogenannten »nummi incusi«, gehört Unter-
italien an. Diese Münzen sind, im Gegensatz zu andern
uralten Silberstücken, oft groß, ziemlich dünn, und zeigen
auf der einen Seite ein erhabenes Gepräge, auf der andern
ein vertieftes. Oft ist letzteres dem der Vorderseite ähnlich,
aber immer mit besonderem Stempel geprägt, oft von dem
der Vorderseite völlig verschieden. Wir besitzen zahlreiche
Münzen der Art von Tarent, Metapont, Poseidonia, Kaulonia,
Kroton, Rhegion und dem Rhegion gegenüberliegenden
sizilischen Zankle (Messana) sowie mehreren noch nicht
sicher identifizierten Orten:
Poseidonia. MOP (rückläufig- =TTo(j) Poseidon, in der R. den Dreizack zum
Stoße erhebend, die L. vorgestreckt; die Rückseite zeigt das Bild vertieft und
/VOI als Aufschrift.
jR. Didrachmon. 7,33 g.
Besonderes Interesse gewährt ein Didrachmon zweier ver-
bündeter, inschriftlich genannter Städte, Siris und Pyxüs
in Lukanien:
Griechische Münzen. 5 Stier zurückblickend ; die Rückseite zeigt das Bild vertieft. JR. Didrachmon. 8,20
Griechische Münzen.
5
Stier zurückblickend ; die Rückseite zeigt das Bild vertieft.
JR. Didrachmon. 8,20 g.
Die Aufschriften sind als Beispiele schöner altertüm-
licher Schrift von hohem Interesse: wir lesen in uralten
Buchstaben rückläufig auf der Vorderseite nOVU5RM, recht-
läufig auf der Rückseite rv+OEM, d. i. cnpivo? und iruHöe?;
criplvo? ist das Adjektiv, dazu ist etwa axaxiip zu ergänzen,
Stater von Siris, miEöec, ist der nicht kontrahierte Nominativ
des Stadtnamens: TTuEoüc,.
An Alter und epigraphischemWert steht eine Münze
ähnlichen Gepräges, aber mit dem Namen der Stadt Sy-
baris (das alte Sybaris wurde im Jahre 510 zerstört), der
Münze von Siris nahe:
Stier zurückblickend, darunter HAT? SAUYH. — Rs.: VM Derselbe Stier
vertieft.
JR. Didrachmon. 7,82 fr.
Ähnliche Stücke von Sybaris tragen auf der Vorderseite
die kurze Inschrift VM, d. i. ZY, Anfang des Stadtnamens.
Das abgebildete seltene Stück aber zeigt uns den vollen
Stadtnamen, als Adjektiv, ZußapiTcu;, das ß hat wahrscheinlich
die Form des alten, für die dorische Stadt Sybaris
6 Griechische Münzen. passenden korinthischen ß, etwa so: Q, aber auf der Münze rückläufig und
6
Griechische Münzen.
passenden korinthischen ß, etwa so: Q, aber auf der Münze
rückläufig und kopfstehend.
In der Behandlung der Rückseite weichen von den
bisher erwähnten Münzen die ältesten etrurischen Münzen
ab: ihre Rückseiten sind nämlich glatt und ohne jede
Darstellung:
AXX (das Wertzeichen 25). Löwenkopf. Rs. glatt. A7. 1,39 g.
Später ging man aber auch hier zur zweiseitigen Prä-
gung über.
Wann die ältesten Münzen von Athen beginnen, ist
nicht mit Sicherheit zu sagen; etwa seit Mitte des 6. Jahr-
hunderts, wie der Stil der Münzen uns beweist, finden
wir eine reiche, zweiseitige Prägung von Silbermünzen,
meist das Vierdrachmenstück von höchstens 17,46 g —
die attische Drachme beträgt 4,366 g —, das etwa unserem
früheren Taler entsprechende Geldstück. Diese Münzen zeigen
das für immer, auch bis in die spätesten Zeiten, bleibende Ge-
präge, Athenakopf und Eule; die Athenaköpfe mit dem be-
kannten lächelnden Ausdruck der ältesten griechischen Kunst-
werke, das Auge von vorn dargestellt, trotz des steifen und alter-
tümlichen Charakters mitunter von großer Anmut und Zier-
lichkeit; die Rückseite zeigt das auf der Akropolis heimische
heilige Tier der Athena, die Eule, meist mit großer Natur-
wahrheit dargestellt. Die Aufschrift ist A0E (Anfang von
Äenvotiwv, in altertümlicher Weise noch E für H), bisweilen
rückläufig und mit der frühen Kreuzform des Theta:
Kopf der Athena. — Rs.: 3 © A Eule rechtshin. Oben links Ölzweig.
M. Tetradrachmon attischen Fußes. 16,52 g.
Griechische Münzen. 7 Die größte Masse der athenischen Münzen gehört dem 5. Jahr- hundert an.
Griechische Münzen.
7
Die größte Masse der athenischen Münzen gehört dem 5. Jahr-
hundert an. Das hier zum erstenmal in der griechischen
Münzprägung wohl ziemlich gleichzeitig mit dem gleichen
syrakusanischen Wertstück auftretende, äußerst seltene und
schöne Dekadrachmon (Zehndrachmenstück) ist ein vollen-
detes Muster des saubersten archaischen Stils:
Kopf der Athena. — Rs.: AO E Eule von vorn mit ausgebreiteten Flügeln. Oben
links Ölzweig.
JR. Dekadrachmon. 42,65 g.
Auch aus dem Norden der griechischen Halb-
insel besitzen wir uralte, zum Teil noch vor das Jahr
500 zu setzende Stücke. Eine dieser ältesten Zeit ange-
hörende Münze und eine der merkwürdigsten des Altertums
ist das Tetradrachmon der Stadt Aineia in Makedonien,
welche die Flucht ihres mythischen Gründers auf ihre
Münzen setzte:
A I N E Aineias, mit Helm, Panzer und Schwert, den Anchises tragend, vor ihm
schreitet Kreusa, sich nach Aineias umwendend, den kleinen Askanios tragend,
links /"*,. — Rs.: Vertieftes, vierfach geteiltes Quadrat.
JR. Attisches Tetradrachmon. 17,12 g.
8 Griechische Münzen. Ob die Beischrift AINEAS Genetiv des Stadtnamens oder Eigenname des Aineias ist,
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Griechische Münzen.
Ob die Beischrift AINEAS Genetiv des Stadtnamens oder
Eigenname des Aineias ist, bleibt unentschieden. Die streng
altertümliche, energisch und charaktervoll gezeichnete
Gruppe zeigt uns die Flucht des Helden aus Troia, das
Ganze ein äußerst seltenes Beispiel reicher Gruppierung und
als eines der ältesten Denkmäler mit einer Darstellung aus
dem troischen Sagenkreise von höchstem Werte.
Für die chronologische Bestimmung der um 500 und
in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts bereits sehr reichen
Prägung Nordgriechenlands haben wir einen wichtigen An-
haltspunkt in den ältesten Münzen der makedonischen
Königsreihe, von König Alexander I. von Makedonien
(498—454 vor Chr.). Dieser Herrscher vergrößerte um
480 sein Reich durch die Unterwerfung der Bisalten, deren
reiche, ihnen durch eigene Silberbergwerke ermöglichte
Prägung von Oktadrachmen (Achtdrachmenstücken) er zu-
nächst unter Beibehaltung der alten Typen fortführte, um
diese bald durch ein neues Münzbild zu ersetzen:
Reiter im Schritt, mit Hut, in der Rechten zwei Speere, auf dem Hinterteil des Pferdes
ein Kerykeion {als eingebranntes Zeichen zu denken). — Rs.: AAE3EANAP0
im vertieften Quadrat um ein Linienquadrat, scheinbar ohne Zeichnung, aber gewiß
ursprünglich in vier Quadrate geteilt: die erhabenen Teillinien abgerieben.
sR. Oktadrachmon phönizischen Fußes. 29,09 g.
Das an die Stelle des alten Quadratum ineusum tretende,
mit Inschrift versehene und in zierlicher Weise durch
Linien vierfach geteilte flache Quadrat ist für die ältere
Münzprägung von Makedonien und Thrakien charakte-
ristisch.
Als Beispiele der nordgriechischen Prägungen aus der
2. Hälfte des 6. Jahrh. vor Chr. mögen zwei Stücke genügen:
Griechische Münzen. 9 Dikaia in Thrakien. Kopf des Herakles im Löwenfell. — Rs.: Vertieftes, vierfach
Griechische Münzen.
9
Dikaia in Thrakien. Kopf des Herakles im Löwenfell. — Rs.: Vertieftes, vierfach
geteiltes Quadrat.
JR. Tetradrachmon. 19,17 g-.
Akanthos in Makedonien. Löwe einen Stier niederwerfend. Im Abschnitt Blume
(die Akanthosblume?). — Rs.: Vertieftes, vierfach geteiltes Quadrat.
JR. Attisches Tetradrachmon. 17,11 g.
Daß es bei Akanthos im 5. Jahrhundert Löwen gab, beweist
die Nachricht des Herodot, daß dem Heere des Xerxes
in der Nähe dieser Stadt Löwen gefolgt seien, um Zugtiere
zu rauben.
Auch andere nordgriechische Städte, wieAbdera, Mende,
Neapolis, Potidaia, Terone u. s. w. entfalten schon im frühen
5. Jahrhundert eine reiche Großsilberprägung eigenartigen
Stiles, meist mit dem vertieften Quadrat auf der Rückseite,
in dessen Mitte die Münzen von Olynthos ein kleines er-
habenes Bild führen (vgl. Syrakus, S. 11).
Eine andere Entwickelung nimmt Kreta, wo schon
von Beginn der Prägung an ein Bild die vertiefte Rück-
seite ausfüllt, wie auf folgender Münze — wohl aus den
ersten Jahrzehnten des fünften Jahrhunderts —, welche
durch ihre Darstellung und die ihres Sinnes und ihrer
Buchstabenformen wegen höchst merkwürdige Inschrift aus-
gezeichnet ist:
to Griechische Münzen. Gortyna auf Kreta. Kuropa auf dem rechtshin eilenden Stier sitzend. — Rs.r
to
Griechische Münzen.
Gortyna auf Kreta. Kuropa auf dem rechtshin eilenden Stier sitzend. — Rs.r
OT MOUVTIOA Kopffell eines Löwen im Linienquadrat
Das Ganze im vertieften Quadrat.
/R. Äg-inetisches Didrachmon. 11,23 g.
In Gortyna landete der in den Stier verwandelte Zeus
mit Europa. Die Umschrift heißt TopTOvo? tö Tratiaa Ge-
präge, »Schlag«, von Gortyna (Gortys), in altertümlichen
rückläufigen Buchstaben; das C, rückläufig D, gilt auf Kreta
für it und cp.
Für die reiche Prägung auf der Insel Sizilien in dieser
Zeit, dem Beginn des 5. Jahrhunderts, haben wir wiederum
durch ein ausgezeichnetes Stück eine sichere Zeitbestimmung.
Diodor erzählt, die Königin Demarete, Gemahlin des Königs
Gelon I. von Syrakus (485—478 v. Chr.), habe von den
Puniern einen goldenen Kranz als Ehrengeschenk erhalten
und aus demselben zum Besten des Staates Geldstücke im
Wert von 10 Drachmen prägen lassen, welche man daher
»Demareteion« genannt habe. Goldstücke treten in jener
Zeit und Gegend überhaupt noch nicht auf, wohl aber be-
sitzen wir ein schönes, altertümliches Silberstück von Sy-
rakus, welches das für jenes Land und jene Zeit ganz ver-
einzelt stehende, hier zum erstenmal auftretende hohe Ge-
wicht von zehn Drachmen hat:
Wagenlenker im Viergespann, darüber schwebende Nike, eines der Pferde be-
kränzend, im Abschnitt laufender Löwe. — Rs.: £VRAKO£IO/V Weiblicher
Kopf mit Lorbeerkranz innerhalb einer Kreislinie, von vier Delphinen umgeben
^R. Dekadrachmon. 43,35 g.
Griechische Münzen. Der Stil der schönen Münze paßt vollkommen für die Zeit der Demarete, und
Griechische Münzen.
Der Stil der schönen Münze paßt vollkommen für die Zeit
der Demarete, und wir haben Diodors Nachricht wohl
so aufzufassen, daß die Königin nicht aus dem Gold des
Kranzes, sondern aus dem Erlös desselben jene medaillen-
artigen großen Silberstücke prägte.
Halten wir die Zeitbestimmung dieses Dekadrachmons,
etwa 485—478 v. Chr., fest, so können wir nach dem Stil
und Charakter dieses Stückes auch die übrigen Münzprä-
gungen Siziliens bestimmen. Weit älter ist nach untrüg-
lichen Stilgesetzen das älteste bekannte Tetradrachmon von
Syrakus:
[S V] R A 9 0 S I O/V zweizeilig, die Huchstabenfonnen nicht alle deutlich. Wagen-
lenker im Viergespann. — Rs.: Vertieftes, viergeteiltes Quadrat.
JR. Attisches Tetradrachmon. 17,07 g.
dem wohl unmittelbar sich das folgende anschließt, bei dem
die Mitte des Quadrates durch ein Köpfchen ausgefüllt wird:
SVRA Wagenlenker im Viergespann. — Rs.: Vertieftes, vielgeteiltes Quadrat,
darin weiblicher Kopf mit Band im Haar.
JR. Tetradrachmon. 16,97 £•
Beide Münzen sind wohl mindestens 20 Jahre älter als das
Demareteion.
Die archaischen Münzen des übrigen Sizilien kennen
das vertiefte Quadrat strenggenommen nicht, sondern zeigen
entweder — wie die Münzen von Himera und Selinüs —
geometrische Muster in der quadratischen Vertiefung, oder
I 2 Griechische Münzen. treten sofort — wie Naxos — mit zweiseitiger Prägung auf, während
I 2
Griechische Münzen.
treten sofort — wie Naxos — mit zweiseitiger Prägung
auf, während Zankle (Messana) sich mit „incusen" Münzen
dem Gebrauche des Festlandes anschließt (vgl. S. 4).
Auf der griechischen Halbinsel wird die Prägung
im Laufe des 5. Jahrhunderts immer reicher. Schon in
früherer Zeit waren hier namentlich auf Euboia mehrere
Münzstätten tätig, die uns die sogenannten „Wappenmünzen",
mit einfachen, wappenähnlichen Bildern geschmückt (wie
Gorgoneion, Rad, Pferd, Astragalos usw.), hinterlassen haben.
Zu Beginn des 5. Jahrhunderts tritt dort eine reiche, zwei-
seitige Prägung auf, die sich bald auch nach Böotien
überträgt.
In Delphoi sodann finden wir die folgende, wohl
noch den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts ange-
hörige Prägung:
DAA01KON Zwei Widderköpfe, oben zwei Delphine. — Rs.: Quadratuni
incusum, reich verziert, in vier kleine Quadrate geteilt, in jedem ein Delphin.
Ai. Ag-inetisches Tridrachmon (?}. 18,07 ST«
Die Gepräge werden, die Widderköpfe auf den Hirten
Apollon, die Delphine auf die Gestalt, unter welcher Apollon
in Phokis erschien, bezogen: 4xKr\er]aav i>& AeXxpoi, öti AttöWdjv
ovvlnXeuöe beXqnvi eiKaaed? (sie wurden Delphier genannt,
weil Apollon [zu ihnen] in Gestalt eines Delphines fuhr),
sagt Stephanos von Byzanz. Die Aufschrift DAA0IKON,
mit dem altertümlichen Delta, ist AeXq>iKÖv, nämlich vömaiaa
(vgl. S. 5. 24). Das Gepräge zeigt die zierliche, arabesken-
hafte Art der Darstellungen, die wir mehrfach an Münzen
jener alten Zeit finden.
Weiter westlich bietet uns die reiche Handelsstadt
Kerkyra altertümliche Münzen mit der ihr Kalb säugenden
Kuh und einem sternförmigen Muster auf der Rückseite;
dies Jahrhunderte lang festgehaltene Prägebild übernehmen
auch die Nachbarstädte Apollonia und Dyrrhachion.
Griechische Münzen. 13 Recht spärlich ist die altertümliche Prägung in der Peloponnes, entsprechend dem
Griechische Münzen.
13
Recht spärlich ist die altertümliche Prägung in der
Peloponnes, entsprechend dem Rückstände der materiellen
Kultur in dem armen, von genügsamer Bevölkerung be-
wohnten Lande. Fast nur in Arkadien gibt es archaische
kleine Silbermünzen, Stateren nur in dem seit Periandros'
Tyrannis zu großer Blüte gelangten Korinth, nach dem
Prägebild müXoi (Fohlen) genannt:
Sprengender Pegasos; darunter 9 (der Buchstabe Koppa, an Lautwert etwa dem K
gleich, Anfangsbuchstabe des Stadtnamens). — Rs.: Unregelmäßige Vertiefung.
JR. Korinthischer Stater. 8,25 g.
Ihnen folgt hier schon früh die zweiseitige Prägung:
Sprengender Pegasos, unten <J>- — ^s-; Kopt der Athena im Linienquadrat, das
Ganze im vertieften Quadrat.
JR (mit Kupferkern, antike Fälschung, vgl. S. 34). Korinthischer Stater. 7,58 g.
Auch die kleinasiatischen Städte haben zum Teil
schon in frühester Zeit eine reiche Prägung. Als ein schönes
Beispiel altertümlichen Stils ist ein wohl in die Zeit um
480 v. Chr. gehörendes Didrachmon von Methymna auf
Lesbos mit Athenakopf und vortrefflich gezeichnetem Eber
zu erwähnen, das auf beiden Seiten die altertümliche Auf-
schrift MA0VMNAIOS: trägt.
Lehrreich für die fortschreitende künstlerische Entwicke-
lung sind die in großer Anzahl erhaltenen Drachmen von
Knidos in Karien, welche sehr früh, wohl schon im
6. Jahrhundert anfangen und den Aphroditekopf von den
altertümlichsten, oft rohen und karrikaturartigen Anfängen
der Kunst bis zum reizendsten archaischen Stil zeigen:
14 Griechische Münzen. Vorderteil eines Löwen. — Rs.: KNI Kopf der Aphrodite mit Band im
14
Griechische Münzen.
Vorderteil eines Löwen. — Rs.: KNI Kopf der Aphrodite mit Band im Haar, im
vertieften Quadrat.
Ai. Aginetische Drachme. 6,18 g.
Die Aphroditeköpfchen dieser Münzen gehören zu den an-
mutigsten Denkmälern des vor allen andern Kunstperioden
durch knospenhafte Schönheit uns anziehenden zierlich-
archaischen Stils.
Aus der großen Zahl kleinasiatischer Gepräge mag
hier noch ein Stück Platz finden, das abgesehen von der
guten, noch altertümlichen Apollondarstellung als historisches
Denkmal von hoher Wichtigkeit ist:
OEMI£T[0KAE]0£ Stehender Apollon, über der vorgestreckten rechten
Hand ein auffliegender Rabe, die L. auf ein Lorbeerbäumchen gestützt. — Rs.:
MA d. i. MaYVnTuJV. Raubvogel in viereckiger Vertiefung.
JR. Attisches Didrachmon. 8,59 g.
Diese Münze ist in Magnesia in Ionien geprägt, dem
Wohn- und Henschersitz des Themistokles, den er vom
Perserkönig geschenkt erhielt. Wir wissen aus Thukydides
und Cornelius Nepos, daß Themistokles in Magnesia selbst
wohnte: »domicilium Magnesiae sibi constituit«, und daß
er in Magnesia starb. In diese Zeit seiner Herrschaft und
seines Lebens in Magnesia (464 bis etwa 449), und zwar,
wie der Stil der Münze lehrt, in die letzte Lebenszeit des
Helden, fällt das abgebildete kostbare Stück.
Auch im weiteren Osten, besonders in den phö-
nizischen Städten, erfolgt schon in der ersten Hälfte des
5. Jahrhunderts eine starke Ausprägung von Silbermünzen.
*
Griechische Münzen. Der künstlerische Charakter der Münzprägung in der zweiten Hälfte des 5. und der
Griechische Münzen.
Der künstlerische Charakter der Münzprägung in der
zweiten Hälfte des 5. und der ersten des 4. Jahr-
hunderts ist ein hochentwickelter. Er ist ganz besonders
in der reichen Münzung, welche die sizilischen und
unteritalischen Städte in dieser Zeit entfalten, zum
Ausdruck gekommen. Noch der älteren Zeit, um 450 v.
Chr., gehören an die durch kraftvolle und energische
Zeichnung und feine Ausführung ausgezeichneten Stücke
von Naxos auf Sizilien:
Bärtiger Kopf des Dionysos mit Epheukranz. — Rs.: NAXION Hockender Satyr
mit zweihenkligem Trinkgefäß.
^K. Attisches Tetradrachmon. 17,32 g.
Die späteren Münzen der Stadt zeigen die Darstellungen
in höchster künstlerischer Vollendung; der edle, bärtige
Dionysoskopf hat schwärmerische, weiche Züge, der auf
den alten Stücken der Stadt so streng-kraftvolle Satyr ist
auf dem neueren Tetradrachmon von schönster, naturwahrer
Modellierung:
Bärtiger Kopf des Dionysos mit einem Bande, das mit Ephcu geziert ist. — Rs.:
NAHION Hockender Satyr mit zweihenkligem Trinkgefäß, neben ihm ein
Weinstock.
/K. Tetradrachmon. 17,27 g.
Auch die anderen sizilischen Städte, die bisher sich
auf Prägung von äginetischen Drachmen und attischen
Didrachmen beschränkten, gehen im Laufe des 5. Jahr-
i6 Griechische Münzen. hunderts zur Tetradrachmenprägung attischen Fußes über, so Himera, Kamarina,
i6
Griechische Münzen.
hunderts zur Tetradrachmenprägung attischen Fußes über,
so Himera, Kamarina, Messana, Panormos, Selinüs und
Segesta, das uns das folgende, äußerst schwungvoll und
reich gezeichnete Tetradrachmon hinterlassen hat:
[£EI~]E£TAIQN Ein Jäger mit zwei Lanzen und spitzem Hut in abwartender
Haltung-, neben ihm seine beiden Hunde.— Rs,: £ELE£TAIIB (die Bedeutung
der Silbe IIB ist noch nicht gesichert). Weiblicher Kopf, das Haar von einem
breiten Bande gehalten, hinten eine Ähre.
iR. Tetradrachmon. 16,97 g.
Eine für die Münzprägung und für die griechische Kunst-
geschichte höchst wichtige Erscheinung finden wir gegen
Ende des 5. Jahrhunderts in Sizilien und, in beschränk-
terem Maße, in Unteritalien: die Stempel schneider
setzen bisweilen ihren Namen auf die Münzen. In kleiner
Schrift, an versteckten Stellen, auf Täfelchen, welche von
Figuren gehalten werden, auf offenen Schreibtäfelchen, auf
Blättern, im Stirnband der Köpfe u. s. w. finden wir in
Syrakus, Katana, Rhegion und anderen Städten kleine
Nameninschriften im Nominativ und Genetiv: KIMQN,
EYAINETO, EYKAEIAA, KPATHüirrO u.a., welche als
Namen der Stempelschneider aufzufassen sind. Als Stempel-
schneiderwerke bezeichnet sind zwei später zu be-
sprechende Münzen anderer Gegenden, eine von Klazo-
menai mit des Stempelschneiders Theodotos Namen (vgl.
S. 31) und eine von Kydonia auf Kreta mit dem Namen
des Neuantos (vgl. S. 29), beide sind aber beträchtlich
später, wohl etwa um 360 v. Chr. Für die sizilischen und
unteritalischen Stempelschneider ist besonders der Umstand
beweisend, daß derselbe Künstler oft für mehrere Städte
arbeitete und seinen Namen auf die Münzen setzte; für
den feiner Sehenden beweist es auch der Stil. So arbeitete
Euainetos z. B. für Syrakus und Katana; die Köpfe
beider Tetradrachmen, der syrakusanischen wie derer von
Katana, zeigen völlig gleiche Stileigentümlichkeiten:
Griechische Münzen. 17 Eilendes Viergespann im Siegeslauf, ein Zügel ist losgerissen und hängt herunter. Die
Griechische Münzen.
17
Eilendes Viergespann im Siegeslauf, ein Zügel ist losgerissen und hängt herunter.
Die schwebende Nike bringt dem Lenker den Kranz und an Bändern ein Täfelchen
mit der zweizeiligen Aufschrift ETAIN ETO; unten zwei Delphine. — Rs.:
£YPAKO£IQN Weiblicher Kopf, das Haar von einem breiten Bande gehalten,
von vier Delphinen umgeben. Auf dem vor dem Kinn befindlichen Delphin EYAI
JR. Tetradrachmon. 17,21 g.
Eilendes Viergespann, an der Säule (dem Endziel des Wettrennens) vorüberfahrend.
Die schwebende Nike bringt dem Wagenlenker den Kranz und hält in der L. ein
Tafelchen mitEYAlN; im Abschnitt Krabbe. — Rs.: KATANAIQN Apollon-
kopf mit Lorbeerkranz, vor ihm Tänie (wollene Opferbinde mit Kugeln, wie sie
ähnlich heut noch vielfach in profanem Gebrauch) unten mit einer glockenförmigen
Quaste; hinter dem Kopf eine Garneele.
JR. Tetradrachmon. 16,88 g.
Namentlich charakteristisch für diese früheren Arbeiten des
Euainetos (dessen letzte Werke die späteren Dekadrachmen
sind) ist die Oberlippe des Kopfes, welche eine sehr scharfe,
dem Gesicht einen feinen und lieblichen Ausdruck ver-
leihende Einbiegung im unteren Teile hat, die sofort die-
selbe Künstlerhand erkennen läßt. — Katana wurde im
Jahre 403 von Dionysios I. von Syrakus erobert, die Ein-
wohner als Sklaven verkauft und die Stadt an die kam-
panischen Söldner gegeben, und wohl wenige Jahre vor
dieser Katastrophe mögen die schönen Tetradrachmen des
Euainetos in Katana — und Syrakus — geprägt sein.
Euainetos' offenbar beträchtlich spätere, dem völlig ent-
wickelten, vollendeten Kunststil angehörende Deka-
drachmen:
2
i8 Griechische Münzen. Eilendes Viergespann, der Lenker wird von der entgegenschwebenden Nike be- kränzt. Im
i8
Griechische Münzen.
Eilendes Viergespann, der Lenker wird von der entgegenschwebenden Nike be-
kränzt. Im Abschnitt die »Panoplie«: Harnisch, Beinschienen, Helm und Schild.
Die (hier nicht mehr mit ausgeprägte) Heischrift AOAA bezeichnet die
Waffen als Siegespreise. — Rs.: Z Y P A K 0 [X I Q N] Weiblicher Kopf mit Kranz
aus Schilfblättern, von vier Delphinen umgeben, unten (hier nicht mit ausgeprägt)
EYAINE
JR. Dekadrachmon. 43,14 g.
wird man also mit Sicherheit in die ersten Dezennien des
vierten Jahrhunderts, etwa um 390, ansetzen können.
Etwa derselben Zeit gehören die in etwas anderem Stile
gearbeiteten, vortrefflichen Stücke des Künstlers Kimon
an, dessen meisterhaft durchgebildete Köpfe, immer dasselbe
Modell mit schwellenden Lippen und ernstem, fast zürnen-
dem Blick darstellend, zu den herrlichsten Denkmälern
des griechischen Altertums gehören:
Eilendes Viergespann, Her Lenker wird von der entgegenschwebenden Nike be-
kränzt. Im Abschnitt die Panoplie und AOAA (die Beischrift hier nicht sicht-
bar).—Rs
-
Delphinen umgeben, auf dem untersten KIMQN
JR. Dekadracbmon. 43,29 g.
Diese Köpfe stellen (abgesehen von ihrem, dem Künstler
wohl sehr nahe stehenden irdischen Modell) die Quell-
nymphe von Syrakus, die Arethusa, vor, einmal inschrift-
lich als APEOOSA bezeichnet. Gleichzeitig mit Kimon
[£YPAKO]£lfi[N] Weiblicher Kopf, das Haar im Netz, von vier
Griechische Münzen. IQ und Euainetos oder nur wenig später arbeiten die EYKAEIAA, EYMENOY, EYMHNOY, EYO,
Griechische Münzen.
IQ
und Euainetos oder nur wenig später arbeiten die
EYKAEIAA, EYMENOY, EYMHNOY, EYO, «HPYHAAOS:
usw. zeichnenden Künstler.
Künstlerinschriften finden sich auch mehrfach auf
Münzen Unteritaliens derselben Zeit und von gleich hoher
Kunstvollendung:
Tarent. TAPANTINQN Vor seinem Pferde steht der abg-esessene Reiter,
dem ein Knabe den Panzer befestigen hilft. Unter dem Pferde KAA, darunter
und links je zwei nicht ganz deutliche Buchstaben. — Rs.: TAPA£ der Knabe
Taras auf einem Delphin reitend über den Meereswogen; er hält eine kleine Nike,
Schild und zwei Speere. Unten KAA
JR. Didrachmon. 7,84 g.
Der auf beiden Seiten KAA zeichnende Künstler, welcher
auch für die Städte Herakleia und Metapont arbeitete, hat
in dieser Gruppe ein Meisterwerk zierlichster Behandlung
und geschicktester Komposition geschaffen. Ebenbürtig
tritt an die Seite dieser Silbermünze ein Goldstater der-
selben Stadt, welcher gleichfalls durch die ausdrucksvolle
Anmut der auf der Rückseite dargestellten Gruppe aus-
gezeichnet ist:
TAPA Weiblicher Kopf mit hoher, verzierter Stephane und Schleier. Vor dem
Kopf Delphin, hinter dem Kopf E — Rs.: TAPANTINQN Der thronende
Poseidon mit Dreizack neigt sich zu seinem beide Arme flehend emporhebenden
kleinen Sohn, dem Taras, dem mythischen Gründer von Tarent, herab. Im Felde
Stern, K und |—
A'. Attischer Stater (Didrachmon). 8,56 g.
Die Haltung des Knaben erinnert lebhaft an die schöne
Bronzestatue des sog. »betenden Knaben«, die unser
Museum Friedrich dem Großen verdankt.
Schlichter in Anlage und Ausführung, doch großartig
und von ruhiger Würde im Stile des Kopfes ist der fol-
gende tarentinische Goldstater:
2 *
20 Griechische Münzen. Kopf des jugendlichen Herakles im Löwenfell. — Rs.: [T] A P A
20
Griechische Münzen.
Kopf des jugendlichen Herakles im Löwenfell. — Rs.: [T] A P A N T I N [Q N]
Der jugendliche Taras im sprengenden Zweigespann, Dreizack und Zügel in den
Händen.
N. Attischer Stater. 8,55 g.
Ein prächtiges Tetradrachmon von Thurioi, der von
Athen auf der Stelle von Sybaris im Jahre 443 gegründeten
Stadt, mag um 400 v. Chr. geprägt sein:
Athenakopf, am Hehn die Skylla, mit Hundeköpfen am Leibe; auf der Halsberge
des Helmes ein Greif. — Rs.: OOYPIQN Stoßender Stier, im Abschnitt Fisch.
Äl. Tetradrachmon. 15,90 g.
Auch die übrigen unteritalischen Städte haben uns
reiche Münzreihen hinterlassen, die von dem materiellen
Wohlstande und der künstlerischen Blüte im 5. und zum
Teil noch im 4. Jahrhundert Zeugnis ablegen. Herakleia,
gemeinsam von Tarent und Thurioi 432 v. Chr. gegründet,
wählt dementsprechend das Bild der Athena von Thurioi
und des in Tarent viel verehrten Herakles für seine Münzen:
Kopf der Athena, am Helm geflügeltes Seepferd. — Rs.: HPAKAEIQN
Herakles den ihn anspringenden nemaischen Löwen erwürgend, links seine Waffen
(Bogen und Keule).
iR. Didrachmon. 7,91 g.
Einer früheren Zeit gehört das bedeutsamste Münz-
denkmal von Metapont an:
Griechische Münzen. Avi'EAO^O VAOA03A, d. i. AxeXwio(u) äe6XOV (Kampfpreis des Ache- loos). Der Flußgott
Griechische Münzen.
Avi'EAO^O VAOA03A, d. i. AxeXwio(u) äe6XOV (Kampfpreis des Ache-
loos). Der Flußgott Acheloos in menschlicher Gestalt, aber mit Stierhörnern und
Stierohren, eine Schale und Schilfrohr haltend. — Rs.: AT3 W\ Ähre, auf der
eine Heuschrecke sitzt.
iR. Didrachmon. 7,47 g.
Den Überblick über die Münzen der Blütezeit auf
der griechischen Halbinsel beginnen wir mit dem
Norden Griechenlands. Durch die Prägungen der make-
donischen Könige sind wir im Stande, die Münzen jener
Zeit und Gegend ungefähr zu datieren. Eine wichtige
Handhabe zur chronologischen Bestimmung der Münzen
des Nordens bietet auch die schöne Reihe der Tetra-
drachmen der makedonischen Stadt Akanthos. Diese
Stadt änderte nach ihremAbfall vonAthen 424 v. Chr.
den bisherigen attischen Münzfuß (vgl. S. 9): sie folgt
seitdem dem sogenannten phönizischen Fuß.
In künstlerischer Hinsicht nehmen unter den nord-
griechischen Prägungen der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts
die vonAinos in Thrakien eine hervorragende Stelle ein.
Die ernsten, an die äginetischen Giebelfiguren erinnernden
Hermesköpfe sind herrliche Beispiele der strengen, sicheren
Zeichnung und der herbenAnmut jener Kunstschöpfungen
aus der letzten Zeit des altertümlichen Stils. Auch die
Tierdarstellungen sind von glücklichster Auffassung und
minutiöser Treue:
AI N I auf dem Hut. Kopf des Hermes mit Haarzopf und dem ihm eigentümlichen
Hut (Petasos). — Rs.: Ziegenbock in viereckigem Rahmen, außerhalb des Rahmens
die Aufschrift ANTIAAA£, offenbar der Name eines mächtigen Beamten, und
ein in die Ferne ausspähender Pan (&TTO(JKOTreÜUJv) mit dem Hirtenstab (pedum),
das Ganze im vertieften Quadrat.
^R. Tetradrachmon. 16,33 £•
22 Griechische Münzen. Einer etwas späteren Zeit, wohl der ersten Hälfte des 4. Jahr- hunderts,
22
Griechische Münzen.
Einer etwas späteren Zeit, wohl der ersten Hälfte des 4. Jahr-
hunderts, gehören die Tetradrachmen von Ainos mit dem
Hermesbild von vorn an:
Kopf des Hermes mit Petasos von vorn. — Rs.: A I N I 0 N Ziegenbock, vor ihm
Weinstock, das Ganze im vertieften Quadrat.
JR. Tetradrachmon. 15, +6 g.
Der seit dem Ausgang des 5. Jahrhunderts mehrfach
auftretenden Sitte, die Götterbilder von vorn darzustellen,
verdanken wir die vollendetsten Werke der makedonischen
Stempelschneidekunst: die Tetradrachmen von Amphi-
polis mit dem Kopfe des Apollon von vorn. Amphipolis
wurde von König Philipp II. von Makedonien im Jahre
358 erobert, und gewiß gehören alle die herrlichen Ge-
präge der Stadt, deren Apollonkopf bald einen sanften,
lächelnden Ausdruck, bald den ernsten, zürnenden des
weithintreffenden Gottes zeigt, der Zeit vor jener Er-
oberung und staatlichen Vernichtung der mächtigen Stadt
an, also etwa den Jahren 400—360 v. Chr.:
Kopf des Apollon mit Lorbeerkranz von vorn. — Rs.: Leicht vertieftes Quadrat,
in demselben ein von vier Leisten gebildetes erhabenes Quadrat, auf welchem
AMOirOAlTEQN, darin brennende Handfackel, links unten Kranz.
Äi. Tetradrachmon. 14,52 g.
Derselben Zeit gehören die schönen in Olynthos
geprägten Münzen des Chalkidischen Bundes an, deren
vollendetste Stücke wohl unmittelbar vor der Eroberung
Griechische Münzen. 23 der Stadt durch Philipp II. (348 v. Chr.) geprägt sind. Der Apollonkopf
Griechische Münzen.
23
der Stadt durch Philipp II. (348 v. Chr.) geprägt sind.
Der Apollonkopf zeigt hier den für spätere Darstellungen
des Apollon charakteristischen weichen, sanften Ausdruck,
zu dem die schön gezeichnete Leier eine passende Rück-
seite bildet:
Kopf des Apollon mit Lorbeerkranz. — Rs.: XAAKIAEQNI Leier.
JR. Tetradrachmon. 14,49 £•
Eine kleine Silbermünze jener Prägung nennt uns die
Stadt Olynthos, doch ist die Beischrift nicht als
Stadtname, sondern als Beiname des Apollon, um dessen
Kopf sie steht, als OAYNOloc,, autzufassen und zu er-
gänzen.
Zu den schönsten Münzen des eigentlichen Griechen-
lands gehören die Gepräge der Opuntischen Lokrer
mit dem den syrakusanischen Dekadrachmen des Euainetos
in allen Details der Haartracht und des Kranzes nachge-
ahmten Kopfe und dem bisweilen durch kleine Namens-
beischrift bezeichneten stürmenden Aias, O'ileus' Sohn, dem
lokrischen Heros:
Weiblicher Kopf mit Kranz aus Schilfblättern. — Rs.: OPONTIQN Aias zum
Kampfe eilend, im Helm, mit Schwert und Schild, in dessen Innerem Greif und
Palmette. Unten, als entgegengeschleudert zu denken, eine Lanze. Zwischen den
Beinen in kleiner Schrift AIAS!
JR. Aginetisches Didrachuion. 12,06 g\
Auch in der Nachbarlandschaft Phokis begegnen wir,
zum ersten Male wieder seit etwa 150 Jahren (vgl. S. 12),
24 Griechische Münzen. einer Großsilberprägung. Der phokische Stamm lag ständig mit der delphischen
24
Griechische Münzen.
einer Großsilberprägung. Der phokische Stamm lag ständig
mit der delphischen Priesterschaft im Kampfe und war
zeitweilig unter Führung fähiger Condottieri — von denen
uns Onymarchos und Phalaikos Kupfermünzen hinterlassen
haben — im Besitze des delphischen Heiligtums selbst;
als er endlich mit Hilfe Philipps II. gedemütigt worden
war, prägte die Behörde der delphischen Amphiktionen
Silbermünzen unter eigenem Namen aus:
Kopf der Demeter mit Ährenkranz und Sehleier. — Rs.:AM0IKTIONS2N
Apollon im langen Gewand auf dem Omphalos sitzend, die R. auf eine am Boden
stehende Leier gestützt, im 1. Arm ein Lorbeerbäumchen.
JR. Äginetisches Didrachmon. 12,30 g.
Die böotische Prägung wird im letzten Drittel des
5. und im ersten des 4. Jahrhunderts, zum Teil infolge
politischer Verschiebungen, mannigfaltiger als bisher. Es
wird das allen Städten gemeinsame Bild eines beiderseits
eingekerbten Schildes verbunden mit Rückseiten, die jeder
Stadt besonders eignen; eine fein und sorgsam gezeichnete
Darstellung des Poseidon von Haliartos diene als Beispiel:
Böotischer Schild mit Dreizack darauf. — Rs.:APIAPTIO^ (= ÄplCtpTlOC,,
nämlich OT<XTT]p oder dgl.). Kämpfender Poseidon mit Band im Haar, den Dreizack
zum Stoß erhebend.
JR. Äginetisches Didrachmon. 11,93 g.
Griechische Münzen. 25 In Athen zeigt die weitere Prägung des 5. und 4. Jahrhunderts die
Griechische Münzen.
25
In Athen zeigt die weitere Prägung des 5. und
4. Jahrhunderts die altüberlieferten Typen, an denen man
aus kommerziellen Gründen festhielt:
Kopf der Athena. — Rs.: AOE Eule rechtshin. Oben Ölzweig und Halbmond.
/R. Attisches Tetradrachmon. 17,13 g.
Gold ist anscheinend nur selten in Zeiten der Not aus
eingeschmolzenen Tempelschätzen geprägt worden, das erste
Mal i. J. 407, als xö kchvöv xpualov (vö|iiaiaa) bei Aristophanes,
Frösche v. 722 erwähnt, und später noch ein- oder zweimal,
wahrscheinlich i. J. 339/8 bez. 295; dieser späteren Reihe
entstammt der folgende Stater:
Kopf der Athena. — Rs.: AGE Eule rechtshin. Oben Ölzweig und Halbmond.
N. Attischer Stater. 8,58 g.
Die Zeit von etwa 400 bis spätestens 350 v. Chr. ist
die der höchsten künstlerischen Blüte der Münzprägung
auch in der Peloponnes. Zunächst mag hier die Münzreihe
des hellenischen Nationalheiligtums, des olympischenElis,
ihre Stelle finden. Schon im frühen 5. Jahrhundert zeigen
die Didrachmen von Elis bisweilen zierliches, feines Gepräge;
die schreitende, schwebende oder sitzende Nike, der mit
seinem Raube davoneilende Adler, der Zeus sind oft von
vortrefflicher Arbeit. Sprachlich merkwürdig sind die
Stücke, welche die Münze als »olympisches Gepräge«,
d. h. wohl als in der Tempelstätte selbst geprägtes Stück,
bezeichnen:
2 6 Griechische Münzen. Fliegender Adler, eine Schildkröte in den Klauen. — Rs.: VSCMHWVAO Zeus
2 6
Griechische Münzen.
Fliegender Adler, eine Schildkröte in den Klauen. — Rs.: VSCMHWVAO
Zeus schreitend, auf der ausgestreckten L. Adler, in der erhobenen R. Blitz.
JR. Aginetisches Didrachmon. 12,03 g.
Zur Aufschrift 'OXuvtcikov (für 'OXuuttiköv) mag man etwa
vö|iuana (= Münze) zu ergänzen haben. — Um das Jahr 400,
vielleicht etwas früher, mögen in Olympia diejenigen herr-
lichen Stücke geprägt sein, deren Köpfe vielleicht Pheidias'
berühmtemWerke, der Bildsäule des Zeus, stilistisch nahe
stehen:
Kopf des Zeus mit Lorbeerkranz. — Rs.: FA, darunter APAdler auf einem
ionischen Säulenkapitell.
sR. Aginetisches Didrachmon. 12,15 g-
FA ist Abkürzung für FAXeiwv, Genetiv Pluralis von 'HXeioi
mit Digamma und in dorischer Form, AP wohl ein Be-
amtenname. Wir besitzen seltene Kupfermünzen von Elis,
aus der Zeit des Kaisers Hadrianus (117 —138 n.Chr.),
welche teils die ganze Bildsäule des Zeus des Pheidias,
noch leicht altertümlich aufgefaßt, teils den Kopf allein
zeigen, vgl. S. 60. — Als Rückseite des Zeuskopfes erscheint
statt des Adlers bisweilen ein anmutiger, aber an Kunstwert
hinter dem Zeuskopf der eben abgebildeten Münze zurück-
stehender weiblicher Kopf, dessen Beischrift OAYMPIA
ihn als Bild der Nymphe Olympia bezeichnet. Auf anderen
Münzen finden wir das Bild der olympischen Hera, z. Th.
mit HPAbezeichnet, von strengem, majestätischemAusdruck:
Griechische Münzen. Haar hinten von einem breiten Bande gehalten. [Vorderseite: FAAEION Kopf des Zeus mit
Griechische Münzen.
Haar hinten von einem breiten Bande
gehalten.
[Vorderseite: FAAEION Kopf des
Zeus mit Lorbeerkranz]. — Rs.:
acus mn LoroeerKranzj. — iv.s.:
OAYMflA Weiblicher Kopf, das
Kopf der Hera mit hohem Kopfputz
(Stephane), der mit Palmetten geziert
ist. — [Rs.: FA Blitz im Ölkranze.]
<R. Aginetisches Didrachmon. 11,95 g.
Ai. Aginetisches Didrachmon. 12,15g.
Manche anderen Münzen der Peloponnes sind durch
Feinheit und Anmut der Mehrzahl der Münzen von Elis
überlegen, wenn sie auch kaum jemals die Großartigkeit
jener olympischen Köpfe des Zeus erreichen. Dahin ge-
hören namentlich die Didrachmen, welche nach der Befreiung
vom spartanischen Joche durch Epameinondas von den ver-
einigten Achäern und Arkadern und den arkadischen Städten
Pheneos und Stymphalos geschlagen sind.
Die Münzen von Pheneos zeigen einen Kopf, der
gleich dem auf Silbermünzen der opuntischen Lokrer (oben
S. 23) den Euainetos-Dekadrachmen (oben S. 18) nachge-
bildet ist. Ihre Rückseite zeigt eine Darstellung, welche
dem Gegenstand nach an den Hermes des Praxiteles aus
Olympia erinnert, in ihrer Auffassung aber sehr verschieden,
wenn auch von gleicher Schönheit und Formvollendung ist:
Kopf der Demeter mit Ährenkranz. — Rs.: <J> E N E Q N Hermes mit Kerykeion
und Petasos, den kleinen, beischriftlich (APKAS1) bezeichneten Arkas tragend,
der die Hand nach ihm ausstreckt.
M. Äginetisches Didrachmon. 11,98 g.
Ganz verwandten Stil zeigen die schönen Stücke von
Stymphalos:
2 8 Griechische Münzen. Kopt der Artemis mit Lorbeerkranz. — Rs.: £TYM0AAIQN Herakles, das Löwenfell
2 8
Griechische Münzen.
Kopt der Artemis mit Lorbeerkranz. — Rs.: £TYM0AAIQN Herakles, das
Löwenfell um den linken Ann gewickelt, in der L. den flogen, schlägt mit der Keule
Von gleicher Vollendung sind die herrlichen Münzen
des Gemeinwesens der Arkader:
Kopf des Zeus mit Lorbeerkranz. — Rs.: Monogramm aus A und P. Pan auf
Felsen sitzend, gehörnt, in der R. die Keule, unten liegt die Pansflöte. Am
Felsen OA"Y*M, höchst wahrscheinlich ein Künstlername.
JR. Aginetisches Didrachmon. Vs. und Rs. von zwei verschiedenen Stücken von
i1,gi bez. 12,30 g.
Der Zeuskopf zeigt hier schon einen weichen, weniger
strengen Charakter als der olympische auf der elischen
Münze (oben S. 26); die Figur des auf dem Felsen sitzenden
Pan ist von schönster, weicher Modellierung.
Vom Festland auf die Inseln übergehend, finden wir
auch auf Kreta im ausgehenden 5. und im 4. Jahrhundert
eine weitverzweigte und reiche Prägung. Eines der bedeut-
samsten Erzeugnisse derselben ist das Didrachmon von
Knossos, das uns das Sitzbild des alten Kreterkönigs
Minos gibt und auf der Vorderseite in dem Mäanderrahmen
an seinen Palast, das Labyrinth, erinnert:
Griechische Münzen. 20 KNQ£ION Weiblicher Kopf mit Kranz aus Schilf blättern in einer Umrahmung- von
Griechische Münzen.
20
KNQ£ION Weiblicher Kopf mit Kranz aus Schilf blättern in einer Umrahmung-
von Mäanderlinien. — Rs.: M I N Q i. Der thronende König: Minos mit dem Zepter.
JR. Aginetisches Didrachmon. 11,51 g.
Eine Münze von Kydonia ist für uns bemerkenswert,
weil der Zusatz EPOEI für iuoiei (hat [es] verfertigt) den
davorstehenden Namen Neuantos als den des Stempel-
schneiders beglaubigt:
Kopf einer Bacchantin (?) mit Weinlaub bekränzt, dahinter zweizeilig NEYANITO£
EPOEI — Rs.: KYAQ Vi Kydon, der Enkel des Minos, die Sehne am Ende
des Bogens befestigend.
2R. Äginetisches Didrachmon. 11,09 g-
Auch andere kretische Münzen bieten reiche Darstellungen
aus dem kretischen Sagenkreis: in Kydonia begegnet uns
der eponyme Held Kydon außer der hier abgebildeten
Darstellung auch als Kind, von einer Hündin gesäugt, in
Knossos der Minotaur, in Gortyna eine Göttin (Britomartis?)
in der Umarmung eines Adlers, in Gortyna und Phaistos
Europa auf dem Stier (oben S. 10), in Phaistos auch der
Zeus Velchanos und der Heros Talon usw.
Auf den übrigen Inseln des ägäischen Meeres stockt
die in der archaischen Periode so reiche Prägung seit
Mitte des 5. Jahrhunderts infolge des Eintritts der meisten
Inselstädte in den attischen Seebund, der seinen Mitgliedern
die eigene Prägung verbot. Auch im 4. Jahrhundert fehlen
Großsilbermünzen hier so gut wie ganz; nur ein hervor-
ragendes Stück verdient genannt zu werden, das uns wohl
3° Griechische Münzen. das älteste antike Bildnis des Homer zeigt, dessen Grab sich nach einer
3°
Griechische Münzen.
das älteste antike Bildnis des Homer zeigt, dessen Grab
sich nach einer Sage auf der Insel los, dem Prägeorte
der Münze, befand:
OMHPOY Kopf des Homer mit Band, langem Bart und Haar. — Rs.: | H T Q N
in einein Lorbeerkranz.
M. 6,79 e-
Der Charakter dieses ältesten Homerkopfes ist ein von
den gewohnten greisenhaften späteren Darstellungen völlig
verschiedener.
Für die sichere Datierung kleinasiatischer Münzen
der ersten Zeit des 4. Jahrhunderts wichtig und als ge-
schichtliche Denkmäler sehr merkwürdig ist eine Münz-
gruppe der Küsten- und Inselstädte Byzanz, Ephesos,
Samos, Knidos, Iasos und Rhodos:
Samo s. £YN Herakles als Knabe die von Hera gesandten Schlangen erwürgend. —
Rs.: £A(für ZotJUlUUv). Kopffell eines Löwen.
/K. Aginetisches Didrachmon. 11,02 g.
Die Rückseiten dieser Münzen zeigen uns die gewohnten
Gepräge der Städte: die Io als Kuh auf dem Delphine
(Byzanz), die Biene (Ephesos), das Kopffell des Löwen
(Samos), den Aphroditekopf (Knidos), den Apollonkopf
(Iasos) und die Rose (Rhodos). Als gemeinsame Vorder-
seite sehen wir den kleinen, die Schlangen würgenden
Heraklesknaben mit der Beischrift ZYN = auviaaxla (Bünd-
nis) oder etwas derart. Es ist dies eine gemeinsame Bun-
desprägung des kleinasiatisch-griechischen Städtebundes,
welcher in den Jahren 394—387 nach der Schlacht von
Knidos geschlossen wurde; aus dem schönen weichen Stil
Griechische ALünzen. 31 dieser Stücke können wir also auf die Zeit der Ausprägung anderer Münzen
Griechische ALünzen.
31
dieser Stücke können wir also auf die Zeit der Ausprägung
anderer Münzen jener Städte schließen.
Unter den kleinasiatischen Münzen ragt hervor das um
die Mitte des 4. Jahrhunderts geprägte Stück von Klazo-
menai, welches den Künstlernamen mit dem Zusatz EPOEI
(vgl. S. 16) führt:
OEOAOTOX EPOEI Kopf des Apollon von vorn mit Lorbeerkranz und
Gewand. — Rs.: PTGEOI KAA (hier mir zum Teil lesbar; im Mono-
gramm steckt der Vatersname des Beamten, eHpctKX(€lbn^) oder so ähnlich).
Schwan mit ausgebreiteten Flügeln.
JR. Attisches Tetradrachmon. 17,01 g\
Auch die anderen kleinasiatischen Städte und Dynasten
entfalten im 5. und 4. Jahrhundert eine reiche Großsilber-
prägung. In diesem Kreise finden wir auch das erste
Münzporträt eines Lebenden. Während sonst in der
griechischen Welt erst die Nachfolger Alexanders des Großen
es wagen, den Götterkopf der Münzen durch ihr eigenes
Porträt zu ersetzen, ein Vorgang, der mit der Gotterklärung
und göttlichen Verehrung des lebenden Herrschers eng zu-
sammenhängt, so haben schon einige Satrapen des Perser-
königs, vor allen Pharnabazos, dasselbe versucht:
[<t>APN]ABA Bärtiges Bildnis mit Tiara. — Rs.: Schiffsvorderteil, mit Auge
und Greif verziert; links und rechts ein Delphin, unten ein Thunfisch. Der Thun-
fisch scheint das Zeichen der Münzstätte Kyzikos zu sein, vgl. S. 33.
JR. Tetradrachmon. 14,83 g\
Andere minder charakteristische Bildnisse derart sollen
vielleicht nur den Typus eines Satrapen darstellen.
32 Griechische Münzen. Eine massenhafte Prägung großer Silbermünzen finden wir in der 408 gegründeten
32
Griechische Münzen.
Eine massenhafte Prägung großer Silbermünzen finden
wir in der 408 gegründeten Stadt Rhodos. Die älteren,
die wohl noch in die letzte Zeit des 5. Jahrhunderts fallen,
zeigen uns den auf den rhodischen Münzen meist von
vorn dargestellten Kopf des Helios von ernstem, strengem
Stil und die sehr schön und naturwahr dargestellte, fast
aufgeblühte Knospe der wilden Rose auf der Rückseite, das
»redende Wappen« der Stadt:
Kopf des Helios von vorn, mit fliegendem Haar. — Rs.: POAION Rose mit
Knospe und Zwei? im vertieften Quadrat.
/R. Attisches Tetradrachmon. 16,87 8T-
Nur kurze Zeit befolgt Rhodos den vollen attischen
Münzfuß, bald führt es durch Herabsetzung des Tetra-
drachmons auf etwa 15 g den »rhodischen« Fuß für das
Silbergeld ein.
Ein für die annähernde Zeitbestimmung der Münzen
wichtiges Datum gewährt uns ein großerFund frisch geprägter
und völlig unberührt erhaltener Goldstateren, welcher vor
45 Jahren an der Stelle des alten Sidon gemacht wurde:
neben Massen von Goldstateren Alexanders des Großen
erschienen hier einige wenige schöne Stücke von Rhodos:
Kopt des Helios von vorn, mit fliegendem Haar. — Rs.: POAION Rose mit
Knospe, links eine Traube und fr
A*. Attischer Stater. 8,6t g.
Die Vergrabung des Fundes fällt zwar nicht vor 311 oder
289/8 v. Ghr. (je nachdem man als Beginn der Ära der
Stadt Ake in Galilaea, von der Alexanderstateren mit »Jahr
24« im Funde waren, 334 oder 312/1 v. Chr. annimmt),
Griechische Münzen. 33 doch sind die Goldstücke von Rhodos ihrem noch ein wenig strengen Stile
Griechische Münzen.
33
doch sind die Goldstücke von Rhodos ihrem noch ein
wenig strengen Stile nach etwas früher, wohl in die Zeit
Alexanders selbst zu setzen.
Gold ist in dieser Zeit in Kleinasien auch noch anders-
wo gemünzt worden, z. B. in Kios und besonders in Lam-
psakos, dessen Goldprägung durch die Abwechslung in den
Münzbildern interessant ist; die Rückseite dieser im Alter-
tum als Lampsakener weitverbreiteten Münzsorte schmückt
stets das geflügelte Seepferd:
K i o s. Kopf des Apollon mit Lorbeer-
kranz. -Rs.:ArNfiNIAHI, Be-
amtenname. SchifTsvorderteil, mit Auge
und Stern verziert; darüber die Keule
des Herakles, links ein Adler.
N. Attischer Stater. 8,61 g.
Lampsakos. Kopt" des Aktaion mit
Hirschgeweih. — Rs.: Vorderteil des
geflügelten Seepferdes.
A^. Stater. 8,42 g.
Die seit ältester Zeit (oben S. i) in Kleinasien üb-
liche Prägung von Elektronmünzen wird namentlich in
Kyzikos eifrig weiter betrieben, dessen Stateren, die mit
dem Stadtwappen des Thunfisches versehenen »Kyzikener«,
im 5. und 4. Jahrhundert weit über die Grenzen des
Stadtgebietes hinaus Umlauf hatten:
Kekrops, der untere Teil des Korpers
als Schlange gebildet, die R. auf ein
Ölbäumchen gestützt; unten ein Thun-
fisch. — Rs.; Vertieftes, viergeteiltes
Quadrat mit kornigem Grunde.
Elektronstater. 16,07 £•
Knieender Helios mit Strahlenkranz
zwischen seinen beiden Rossen, unten
ein Thunfisch. — [Rs.: Vertieftes,
vielgeteiltes Quadrat mit körnigem
Grunde.]
Elektronstater. 16,04 g.
Das Bild des Kekrops entspricht, zusammengehalten mit
der Darstellung der Gaia mit dem Erichthoniosknaben in
3
34 Griechische Münzen. den Armen auf einem anderen Kyzikener, einem bekannten attischen Vasenbild. Von Phokaia,
34
Griechische Münzen.
den Armen auf einem anderen Kyzikener, einem bekannten
attischen Vasenbild.
Von Phokaia, das mit dem »redenden Wappen« des
Seehundes (cpiiiKri) prägte, und Mytilene gibt es Sechstel-
stateren aus Elektron; der über ihre Prägung zwischen
beiden Städten abgeschlossene Münzvertrag ist uns in-
schriftlich erhalten. Von den als qpuuKcube? imAltertum
bekannten Elektronstateren sind gleichfalls einige Exem-
plare auf uns gekommen, die aber einer etwas früheren
Zeit angehören als der Münzvertrag. Elektronstateren und
Teilstücke haben wir in der späteren Zeit noch von einer
kleinen Anzahl anderer kleinasiatischer Städte, z. B.:
Sphinx vor einer Amphora sitzend, in der Vorderklaue eine Traube erhebend.
Das Ganze umgibt eine Weinranke. — Rs.: Vierfach geteiltes, vertieftes Quadrat.
Elektronstater. 15,24 g;.
Das wohl der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts
angehörende Stück zeigt die gewohnten, wappenartigen
Typen von Chios, die Sphinx und die schlanke Amphora,
beides, wie auch der leichte Weinlaubkranz, von hübscher,
gefälliger Arbeit. Das Quadratum incusum ist auf diesen
Münzen kein Zeichen hohen Altertums, sondern ein ab-
sichtlich, archaisierend, beibehaltener Typus.
Die Münzprägung der makedonischen Könige
ist in der ersten Zeit des vierten Jahrhunderts noch eine
ziemlich spärliche. Archelaos' (413 — 399) Münzen sind
zuerst noch von leicht altertümlichem Stil, zeigen aber
bisweilen schon große Vollendung. Die Münzen von
Amyntas, Philipps II. Vater, 389—383 und 381—369
v. Chr., sind auffallend häufig subärat, d. h. sie bestehen
aus einem kupfernen Kern, mit leichtem Silberplättchen
überzogen: ein Beweis der schlechten Finanzlage der oft
bedrängten und unsichern Herrschaft des Königs.
Mit Philipp II. (359—336 v. Chr.) tritt plötzlich,
als Zeichen der blühendsten Macht, eine massenhafte
Griechische Münzen. 3 5 Prägung der Edelmetalle auf. Philipps oft recht schöne, aber doch niemals
Griechische Münzen. 3 5
Prägung der Edelmetalle auf. Philipps oft recht schöne,
aber doch niemals die Großartigkeit der autonomen Prä-
gungen von Chalkidike und Amphipolis erreichende Gold-
stateren (<J>iXiTnrEioi):
Kopf des Apollon (oder Ares) mit Lorbeerkranz. — Rs.: <tMAIPPOY Wagen-
lenker im Zweigespann. Unten Dreizack, Abzeichen des Prägeortes.
N. Attischer Stater. 8,57 g.
waren neben den damals nicht mehr in großen Mengen
vorhandenen Dareiken der Perserkönige die wirksamste
politische Macht jener Zeit. Diese Goldmünzen, welche
bei den Kelten Galliens und der Donauländer noch lange
nachgeprägt wurden, ersetzen die autonome Goldprägung
des Chalkidischen Bundes und der Stadt Philippoi, wie
denn auch die Silberprägung der makedonischen Städte
(oben S. 22-23) von Philipp II. verboten und durch eine reiche
königliche Prägung ersetzt wird:
Kopf des Zeus mit Lorbeerkranz. — Rs.: 01 AI PP OY Jüngling zu Pferde mit
Siegerbinde und dem Palmzweig in der Hand. Unten Stern.
2R. Tetiadrachmon. 14,49 Z-
Die Rückseiten beider Münzsorten Philipps, der Gold-
stateren mit dem Zweigespann wie der Tetradrachmen
mit dem jugendlichen Reiter, beziehen sich, wie Plutarch
von den Goldmünzen ausdrücklich sagt, auf Philipps
olympische Siege. Auch auf den Münzen wollte sich
Philipp als echter und ebenbürtiger Vorkämpfer des
Hellenentums zeigen.
3*
36 Griechische Münzen. Alexander III. der Große (336—323 v. Chr.) be- hält für die Goldprägung
36
Griechische Münzen.
Alexander III. der Große (336—323 v. Chr.) be-
hält für die Goldprägung den bewährten attischen Münz-
fuß seines Vaters bei. Die Ausprägung in diesem Metall
ist eine außerordentlich reiche. Ziemlich selten ist das
große Goldstück, der Doppelstater, auch die kleineren
Teilstücke des Staters sind nur in geringer Anzahl aus-
geprägt worden, das häufigste Stück ist der Stater, von
gleichem Gepräge wie der Doppelstater:
Kopf der Athens, auf dem Helm Schlange. — Rs.: AAE=.ANAPOY Nike
stehend, in der R. Kranz, im 1. Arm ein als Stylis oder Standarte erklärtes Gerät,
im Felde Blitz.
N. Attischer Stater. 8,62 g.
Für die Silbermünzen verließ Alexander den vom Vater
befolgten phönizischen Münzfuß und wandte sich auch hierfür
dem attischen Fuße zu, der durch den ausgebreiteten
Handel Athens sich weitgehende Anerkennung verschafft
hatte und nun durch Alexander geradezu zum Weltmünzfuß
wurde. Wahrscheinlich nur in sehr kleiner Anzahl ausgeprägt
wurde das äußerst seltene Dekadrachmon, in den Dar-
stellungen ebenso wie die kleinen Teilstücke dem Tetra-
drachmon gleich:
Kopf des unbärtigen Herakles mit Löwenfell. — Rs.: AAEIANAPOY
Thronender Zeus mit Adler und Zepter.
JR. Attisches Dekadrachmon. 41,64 g.
Griechische Münzen. 37 Ebenfalls sehr selten ist das Didrachmon, auch die kleinen Teilstücke der Drachme
Griechische Münzen.
37
Ebenfalls sehr selten ist das Didrachmon, auch die
kleinen Teilstücke der Drachme sind selten, die Drachme
selbst und vor allem das Tetradrachmon sind sehr
häufig:
Kopf des unbärtigen Herakles mit Löwenfell. — Rs.: AAE.Z.ANAPOY
BA£IAEQ£ Thronender Zeus mit Adler und Zepter. Im Felde A und A, wahr-
scheinlich den Prägeort Arados in Phönizien andeutend.
JR. Attisches Tetradrachmon. 17,09 g\
Alexander ist, abgesehen von dem Edonenkönige Getas
(Anfang des 5. Jahrhunderts), der erste griechische König,
welcher den königlichen Titel ßctmXeuc. auf seinen Münzen
führt, doch tragen die Münzen sehr häufig auch nur den
Namen im Genetiv.
Das Heraklesbild dieser Münzen hat später geradezu
als Porträt Alexanders des Großen gegolten, z. B. auf den
Münzen des baktrischen Königs Agathokles aus dem
3. Jahrhundert v. Chr., wo es die Beischrift AAEZANAPOY
TOY OIAITTTTOY führt (vgl. S. 45), auf Münzen der Make-
donier aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., wo es mit AAEZAN-
APOY bezeichnet ist, auf Münzen von Apollonia in Pisidien,
mit AAEEANAPOC KT IC (tii?) (Alexander der Gründer) be-
zeichnet, auf Münzen der von Alexander gegründeten Stadt
Alexandreia in Kilikien, auf Silbermünzen von Kos, wo cha-
rakteristische Züge des wirklichen Alexanderporträts auf
diesen Herakleskopf übertragen werden; in denselben Zu-
sammenhang gehört es auch, daß Alexander II. von Syrien
(128—123 v. Chr.) bisweilen auf seinen Münzen im Löwen-
fell erscheint.
Das echte Bildnis Alexanders aber bieten, wie das
Ammonshorn beweist, uns einmal die in Ägypten unter
Alexanders Sohn geprägten Silbermünzen mit jugendlichem,
mit Elefantenfell bedecktem und mit Ammonshorn ge-
schmücktem Kopfe (vgl. S. 49), sodann die Münzen des
thrakischen Königs Lysimachos:
3S Griechische Münzen. KopfAlexanders mit Ammonshorn und Königsbinde. — Rs.: BAXIAEQZ AYXIMAXOY Sitzende
3S
Griechische Münzen.
KopfAlexanders mit Ammonshorn und Königsbinde. — Rs.: BAXIAEQZ
AYXIMAXOY Sitzende Athena mit der Nike, die den Namen des Lysimachos
bekränzt, auf der R., ihr zur Seite Lanze und Schild; im Felde ein Monogramm,
außen ein zweites Monogramm im Kranze.
JR. Attisches Tetradrachmon. 17,20 g.
An vielen Münzstätten von Alexanders Weltreich
wurden seine Tetradrachmen und ihre Teilstücke noch
lange nach seinem Tode ausgeprägt, oft mit deutlicher
Bezeichnung des Prägeortes, z. B. mit der Beischrift PO
und der als Gepräge von Rhodos allbekannten Rosen-
knospe; in Rhodos hat man schon einen Goldstater
Philipps II. in dieser Weise nachgeprägt, und auch die
Münzen des Lysimachos haben das Schicksal gehabt, bis
ins 1. Jahrhundert v. Chr. hinein von fremden Städten
und Dynasten nachgemünzt zu werden.
Der künstlerische Wert der Münzen Alexanders ist
sehr verschieden. Wirklich schön sind bisweilen die
Kupfermünzen, welche, großenteils wohl in Makedonien
selbst geprägt, den Herakleskopf von schönem, energischem
Stil zeigen, der sich durchaus an den schönen Stil der
Münzen des Archelaos, Amyntas etc. anschließt. Die
Goldmünzen wie die Silbermünzen sind bisweilen von
guter Arbeit, namentlich die Nike der Goldstateren ist hin
und wieder recht hübsch und sorgfältig ausgeführt. Im
ganzen aber ist die Münzprägung Alexanders mittelmäßige,
oft recht schlechte und elende Fabrikware; die massenhaft
angefertigten Stempel sind flüchtig und ohne eine Spur
der Liebe und Sorgfalt gearbeitet, welche die Künstler
der griechischen freien Städte erfüllte.
* *
*
Als Alexanders Weltreich nach kurzer Dauer mit dem
Tode des Königs zerfiel, prägten die Könige der einzelnen
Griechische Münzen. 39 Reiche, die Diadochen, zuerst ihr Gold und Silber fast sämtlich mit den
Griechische Münzen.
39
Reiche, die Diadochen, zuerst ihr Gold und Silber fast
sämtlich mit den Geprägen des großen Königs, so in Make-
donien Philipp III., Antigonos, Demetrios I.; dieser geht
dann aber bald zur Wahl eigener Typen über, unter denen
das Bild der Nike auf einem Schiffsvorderteil zur Erinnerung
an den kyprischen Seesieg des Königs vom Jahre 306 zu
nennen ist; es stimmt mit dem großen Marmordenkmal,
das auf Samothrake gefunden wurde und heut eine Zierde
des Pariser Museums bildet, überein:
Nike auf einem .Schiffsvorderteil, in der R. die Trompete, im 1. Arm die Standarte
(oder Stylis). — Ks.: AHMHTPIOY BAIIAE&X Athena Promachos im
Helm und Aigis, mit der R. die Lanze zum Wurf erhebend, am 1. Arm den Schild
mit dem Gorgoneion. Im Felde ein wie eine Doppelaxt geformtes Monogramm.
N. Attischer Stater. 8,54 g.
Unter den Nachfolgern wird die Großsilberprägung
in reicher Menge fortgesetzt. Auch der letzte makedonische
König Perseus (178—168 v. Chr.) prägte gleich seinem
Vater Philipp V. schöne, durch lebensvolle Bildnisse aus-
gezeichnete Münzen aus gutem Metall, nicht wie die
Syrier (vgl. S. 41) durch Verfall der Kunst und Ver-
schlechterung der Münze das Ende andeutend:
Kopf des Königs mit Königsbinde. — Rs.: BAXIAEQX TTEPIEfiX Adler
auf einem Blitz, im Felde Monogramm (aus X unu Q), MI und Cj>, unten ein
Pflug. Das Ganze im Eichenkranze.
/R. Attisches Tetradrachmon. 16,92 g.
40 Griechische Münzen. In Syrien entfaltet Seleukos I. eine reiche Prägung, zunächst noch mit den
40
Griechische Münzen.
In Syrien entfaltet Seleukos I. eine reiche Prägung,
zunächst noch mit den Typen Alexanders des Großen,
dann mit eigenen Prägebildern, deren schönstes, der Elefant,
auf die Wichtigkeit hinweist, die diesem Tiere in den
Heeren der Könige des Ostens zukam:
Pferdekopf r. mit Hörnern, Zaum und Zügeln. — Rs.: BAXIAEQIXEAEYKOY
Schreitender Elefant, im Felde Biene und Anker; der Anker ist das »Hauswappen«
der Seleukiden.
TR. Attisches Tetradrachmon. 16,59 g.
Auch seine Nachfolger üben das Münzrecht in ihrem zeit-
weilig von der Westküste Kleinasiens bis nach Indien hin
sich erstreckenden Reiche fleißig aus. Goldmünzen sind
selten, es deckten wohl noch die von Alexander dem
Großen so massenhaft geschlagenen Goldstateren den Be-
darf. Jedoch prägen namentlich solche Herrscher, die als
Prätendenten gegen den rechtmäßigen König auftraten,
Goldmünzen aus und dokumentieren durch die Ausübung
dieses alten Vorrechts der Großkönige sofort die bean-
spruchte Würde, so Timarchos, Achaios, Alexander II.:
Kopf des Königs mit Königsbinde, das Ganze von einem, auf syrischen Königs-
münzen häufigen, tänien-ähnlichen Zierbande umgeben. — Rs.: BAXIAEQX
METAAOY TIMAPXOY (des großen Königs Timarchos). Eilendes Vier-
gespann.
A7. Attischer Stater. 8,50 g.
Aus der Silberprägung der späteren Zeit mag als besonders
reicher Typus das Tetradrachmon des jungen Anti-
ochos VI. (145—142 v. Chr.) erwähnt werden:
Griechische Münzen. 41 Kopf des Königs mit Königsbinde und Strahlen (als Helios), das Ganze von
Griechische Münzen.
41
Kopf des Königs mit Königsbinde und Strahlen (als Helios), das Ganze von einem
Zierbande umgeben. - Rs.: B A11A E Q X ANTIOXOY Em<t>ANOYI
-AIONYZOY (des Königs Antiociios, des Glänzenden, des Dionysos). Die
Dioskuren sprengend; sie tragen Hüte mit Sternen darüber, in der Rechten Lanzen.
Im Felde XTA, Monogramm und TPY, der Namensanfang des Statthalters
und Vormunds des Königs, Tryphon, welcher den König später ermordete, und
O P, das Jahr 170 der Seleukiden-Ära, 143/142 v. Chr. Das Ganze von einem
Kranz umgeben.
/R. Attisches Tetradrachmon. 16,37 g-
Den Schluß der syrischen Königsmünzen, deren letzte
künstlerisch immer tiefer sinken, sich auch im Metall ver-
schlechtern und durch Häufung prunkender Beinamen das
Herunterkommen der Königsmacht zu verbergen suchen,
bilden die Prägungen des armenischen Königs Ti-
granes, welcher der syrischen Schattenherrschaft ein Ende
machte und von 83 v. Chr. bis zum Eingreifen des Pompeius,
66 v. Chr., Syrien beherrschte. Der König erscheint in be-
absichtigtem Gegensatze zu den mit einfacher Königsbinde
geschmückten griechischen Königen mit seinem nationalen
Kopfschmuck, der reich verzierten hohen Mütze, der ar-
menischen Tiara:
Kopf des Tigranes mit Königsbinde und Tiara, das Ganze von einem Zierbande
umgeben. — Rs.: BAXIAERX TITPANOY Stadtgöttin auf einem Felsen
sitzend mit der Mauerkrone, in der R. Palmzweig, den Fuß auf einen empor-
tauchenden Flußgott setzend. Rechts ein Monogramm. Das Ganze von einem
Kranz umgeben.
JR. Attisches Tetradrachmon gesunkenen Gewichts. 15,91 g.
Griechische Münzen. 42 Das Münzbild der Rückseite, die Stadtgöttin von Antiocheia, der Prägstätte der
Griechische Münzen.
42
Das Münzbild der Rückseite, die Stadtgöttin von
Antiocheia, der Prägstätte der Münze, zu ihren Füßen der
Orontes, die Gottheit des Flusses, an dem die Stadt ge-
legen ist, entspricht einem Bildwerk des Eutychides, von
dem uns eine Marmorkopie im Vatikanischen Museum in
Rom die beste Vorstellung gibt.
Aus dem allmählichen Zerfall des großen syrischen
Reiches entstehen eine Reihe asiatischer Reiche, die dadurch
von hohem geschichtlichen Interesse sind, daß sie uns in
die fernsten Gegenden der Feldzüge Alexanders führen und
uns zeigen, wie mächtig und nachhaltig die hellenische Kunst,
Sprache und Sitte bis nach dem entlegensten Osten von
Asien eingedrungen waren und wie lange ihre Nachwirkung
in völlig ungriechischen, asiatischen Ländern dauerte.
Vom syrischen Königreiche trennte sich etwa im Jahre
250 v. Chr. das parthische Reich und wurde ein selbstän-
diges, mächtiges, die alte persische Herrschaft fortsetzendes
Königreich unter der einheimischen Dynastie der Arsakiden;
die Könige erscheinen in reicher, orientalischer Kleidung,
mit langem Bart nach orientalischer Sitte, aber die zuerst
kurzen, dann mit prunkenden Beinamen überladenen Um-
schriften bleiben stets griechisch, erst ganz zuletzt finden
wir neben der schlechten und verwilderten griechischen
Inschrift einheimische Legenden. Als Beispiel der schönen,
frühen Prägung der Arsakiden diene das Tetradrachmon
des mächtigen Mithradates II. (123 — 88 v.Chr.):
Bärtiges Brustbild des Könitrs mit der Königsbinde, in reich verziertem Gewand.
-
-Rs
BAIIAEQZ METAAOY APXAKOY Eni<t>ANOYI (des
großen Konig-s Arsakes, des Glänzenden). Der König mit dem Bogen in der R.,
die Tiara auf dem Kopfe, auf dem Omphalos sitzend. Außen rechts ein Palmzweig.
JR. Tetradrachmon. 15,36 g.
Der letzten Zeit der parthischen Prägung gehören die
Drachmen an, welche neben stark verwilderten griechischen
Griechische Münzen. 43 Umschriften den Namen und Königstitel in einheimischer Sprache und Schrift zeigen, wie
Griechische Münzen.
43
Umschriften den Namen und Königstitel in einheimischer
Sprache und Schrift zeigen, wie » Mithradat malka«, König
Mithradates. Diese Münzen gehören einem der späteren
Herrscher aus dem Stamme der Arsakiden an, vielleicht
Mithradates IV., um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.
Im Jahre 226 n. Chr. findet eine nationale Erhebung
der persischen Bevölkerung gegen die Dynastie der Arsakiden
statt, und der Sassanide Ardeschir (Artaxerxes I.) stellt
die alte persische Herrschaft wieder her und prägt mit völlig
nationalen Typen und in einheimischer Sprache und Schrift
mit reich in orientalischer Weise verziertem Königskopf auf
der Vorderseite und dem Feueraltar auf der Rückseite.
Ein weit kleineres, für uns aber wichtigeres Reich, das
einer nationalen Erhebung gegen die Syrerherrschaft seine
Entstehung verdankt, das jüdische Fürstentum der
Makkabäer, hat uns ebenfalls eine stattliche Reihe von
Münzdenkmälern hinterlassen. Aus der frühesten Zeit der
makkabäischen Herrschaft sind die Sekel der Israeliten, die
:> Schekel Jeschreel«, welche höchstwahrscheinlich von dem
ersten, vom Syrerkönig Antiochos VII. i. J. 139/8 anerkannten
und mit dem Prägerecht belehnten (1. Makkab. XV, 5 — 6)
makkabäischen Herrscher und Hohepriester Simon, 143
bis 135 v. Chr., ausgeprägt sind:
bNIti"1 bpW »Schekel Jeschreel«. Kelch, darüber 2tJJ »Sch(enath) b«, d. i.
Jahrz (seit der Anerkennung Simons).— Rs.: J™lL^T™pn 0^t£")™V » Jeruschalaim
hakedoschah <', Jerusalem die heilige. Lilienzweig mit drei Blüten.
JR. Sekel. 13,70 g.
Die Schrift dieser Münzen ist völlig von der heutigen
hebräischen Quadratschrift verschieden und ähnelt der
anderer, z. T. bedeutend älterer Denkmäler jener Gegenden,
z. B. der Inschrift des Königs Mesa von Moab (850 v. Chr.).
Die übrigen Münzen der Makkabäer, ausschließlich
Kupfer, reichen bis zu Herodes dem Großen, der den letzten
makkabäischen Fürsten beseitigte und als »König Herodes«
44 Griechische Münzen. Münzen mit griechischer Schrift prägte, welche auch die folgenden Fürsten
44
Griechische Münzen.
Münzen mit griechischer Schrift prägte, welche auch die
folgenden Fürsten beibehielten. Die letzten, sprachlich und
geschichtlich höchst wichtigen Denkmäler nationaler jü-
discher Prägung gehören dem großen Aufstand der Juden
unter Ben Kosiba (Barkochba) während Hadrianus' Regierung
an. Die Zeitbestimmung dieser Stücke des letzten Auf-
standes ist dadurch gesichert, daß wir eine Reihe dieser
Silbermünzen besitzen, welche überprägte römische De-
nare und in Kaisareia in Kappadokien geschlagene
Drachmen der Kaiser Traianus und Hadrianus sind.
Die merkwürdigsten Prägungen, welche der Abfall vom
syrischen Reiche veranlaßte, sind die der griechischen Könige
von Baktrien und Indien; es sind die entlegensten
Denkmäler der griechischen Kultur. Bereits ein einheimischer
indischer Herrscher, der sich freiwillig Alexander dem
Großen unterworfen hatte, Sophytes, prägte kleine Silber-
münzen von rein griechischem Stil:
Kopf des Fürsten im bekränzten Helm. — Rs.: Hahn, im Felde
Kerykeion, beides Attribute des Hermes.
JR. Drachme. 3,75 g.
Der Kopf der Vorderseite ist die Nachbildung eines
Kopfes auf Münzen des Königs Seleukos I. von Syrien,
also muß Sophytes bis mindestens ins Jahr 306 (Annahme
des Königstitels durch Seleukos) geherrscht haben.
Um das Jahr 250 v. Chr. löste sich das baktrische
Reich vom syrischen entweder durch Abfall oder — wie die
Münzen anzudeuten scheinen — durch friedliche Trennung.
Der erste Herrscher ist Diodotos:
Kopf des Königs mit Königsbinde. — Rs.: BAXIAEQI AI 0 A OT [0 T] Zeus
schreitend, auf dem vorgestreckten 1. Arm die Aigis, in der R. Blitz. Links Adler,
darüber Kranz.
N. Attischer Stater. 8,37 g.
Griechische Münzen. 45 Doch gehen ihm wahrscheinlich noch diejenigen Münzen voran, welche den Namen des
Griechische Münzen.
45
Doch gehen ihm wahrscheinlich noch diejenigen Münzen
voran, welche den Namen des syrischen Königs An-
tiochos (des zweiten) führen, aber schon das Gepräge des
Diodotos, den blitzschleudernden Zeus. Es mag diese Prä-
gung den Beginn der baktrischen Selbständigkeit be-
zeichnen:
Kopf des Antiochos (II.) mit Königsbinde. — Rs.rßAXIAEQI ANTIOXOY
Zeus wie oben bei Diodotos. Links Adler, darüber Monogramm.
JR. Attisches Tetradrachmon. 16,82 g-.
Die baktrischen Könige griechischen Stammes, deren
Herrschaft bisweilen weit nach Indien hinein reichte, zeigen
in ihrer Münzprägung oft den edelsten, rein griechischen
Stil. Zu den merkwürdigsten Denkmälern der früheren Zeit
dieser griechisch-baktrischen Herrschaft gehört eine kleine
Reihe von Erinnerungsmünzen, ganz im Sinne unserer Me-
daillen, an die ersten Gründer des baktrischen Reiches,
welche von den baktrisch-indischen Königen Agathokles
und Antimachos (wohl aus der ersten Hälfte des 2. Jahr-
hunderts v. Chr.) geprägt worden sind. Sie führen nämlich nur
den Namen, nicht das Bild, des regierenden Königs, mit der
ungewöhnlichen Titulatur ßacnXeüovTo? (unter der Königs-
herrschaft des
),
während die Vorderseite das Porträt
eines Vorgängers, die Rs. das unter dessen Regierung übliche
Münzbild zeigt. So gibt es ein Tetradrachmon mit dem Bilde
Alexanders des Großen:
46 Griechische Münzen. AAEEANAPOY TOY <t>IAIPPOY (des Alexander, Sohnes des Philipp). Kopf des unbärtigen
46
Griechische Münzen.
AAEEANAPOY TOY <t>IAIPPOY (des Alexander, Sohnes des Philipp).
Kopf des unbärtigen Herakles mit Löwenfell, wie auf Alexanders Münzen, wohl als
Bildnis Alexanders aufgefaßt, vgl. S. 37. — Rs.: BAZIAEYONTOZ
ATAOOKAEOYX AIKAIOY (unter der Königsherrschaft des Agathokles,
des Gerechten). Thronender Zeus mit Adler und Zepter, wie auf Alexanders Silber-
münzen, im Felde Monogramm.
JR. Attisches Tetradrachmon. 16,28 g. London.
ferner solche mit dem Bilde des Antiochos (II.), der hier
Nikator heißt, mit dem blitzschleudernden Zeus (vgl. S. 45),
des Diodotos Soter, des ersten baktrischen Königs, mit
demselben Bilde (vgl. S. 44), und endlich des Vorgängers
•des Agathokles, Euthydemos:
EYOYAHMOY OEOY (des Gottes Euthydemos) Kopf mit Königsbinde. —
-
Königsherrschaft des Agathokles, des Gerechten). Ruhender Herakles auf dem
Felsen sitzend, die Keule auf das Knie stützend, wie auf Münzen des Euthydemos.
Rs
BAIIAEYONTOIATAOOKAEOYIAIKAIOY (unter de.
Rechts ein Monogramm.
JR. Attisches Tetradrachmon. 16,83 g.
In der baktrischen Reihe finden wir die größte Gold-
münze des Altertums, das Zwanzigstaterenstück (47mm
Durchm., Gewicht 168,05 g) des Königs Eukratides,
etwa von 190 v. Chr. ab regierend, mit dem Brustbilde des
Königs und den Dioskuren zu Pferde nebst der Beischrift
BAZIAESI METAAOY EYKPATIAOY (des großen Königs
Eukratides) auf der Rückseite, ein Unikum der Pariser
Sammlung.
Auf den späteren baktrischen Münzen erscheint neben
der griechischen die einheimische Sprache und Schrift,
doch wird auch unter den Herrschern einheimischer
Nationalität das Griechische daneben beibehalten. Eine der
merkwürdigsten Gestalten aus dieser Reihe ist der dem
Griechische Münzen. 47 ersten Jahrhundert nach Christus angehörende König, welcher wechselnd bald
Griechische Münzen.
47
ersten Jahrhundert nach Christus angehörende König,
welcher wechselnd bald YNAO<t>EPHI und ähnlich, bald
Gondophares oder Gondopharos, indisch »gudaphara«
heißt. Dieser König ist identisch mit dem einen der
»heiligen drei Könige«, welche aus dem Orient kamen,
um das Christuskind anzubeten. Die »legenda aurea«
(historia lombardica) des Jacobus a Voragine (12. Jahr-
hundert n. Chr.) erzählt, der Apostel Thomas habe den
»rex Indiae Gudoferus« bekehrt; in den ältesten Quellen,
welche die Geschichte der heiligen drei Könige erzählen,
heißt der eine »Gathasphar«, »Gudophorhun« usw., Wörter,
aus denen endlich »Gaspard«, Kaspar, geworden ist.
Unter der letzten Dynastie, den Turuschka-Königen,
verschwindet die einheimische Schrift wieder, und es wird
die indische Sprache mit griechischer Schrift geschrieben;
unter den Prägebildern erscheint auch das Bild des Buddha
mit der griechischen Beischrift BOYAO. Diese Münzen
mögen wohl bis 200 nach Chr. reichen und sind neben
den Skulpturen hochinteressante Zeugnisse der bis in
späteste Zeit fortdauernden Hellenisierung Indiens.
Neben diesen letzten Denkmälern hellenischer Kultur
im fernsten Osten mag hier eine andere merkwürdige
Münzreihe ihre Stelle finden: die Prägungen der Könige
von Axum, jenem im Süden von Ägypten gelegenen
afrikanischen Reiche, das dem heutigen Abessinien ent-
spricht, aber zeitweise auch Teile des gegenüberliegenden
Arabien umfaßte. Diese afrikanischen Könige erscheinen
auf ihren oft recht sauber gearbeiteten Münzen mit
griechischen Umschriften:
AOIAAC BACIA6YC Brustbild des Königs mit zackiger Krone, Gewand
und Zepter, kranzartig von zwei großen Ähren umschlossen, oben Mondsichel
und Punkt. — Rs.: A §WM1TWN BICIAIMHAH (Bisidimelc der Axumiten;
die Bedeutung des Wortes Bisidimelc ist unbekannt). Brustbild (weiblich?) mit
runder Kappe, Gewand und Zweig (?) in der R., von zwei Ähren umgeben. Oben
Mondsichel und Punkt.
N. 2,67 g.
48 Griechische Münzen. Aphilas ist dem guten Stil nach einer der frühesten Könige von Axum,
48
Griechische Münzen.
Aphilas ist dem guten Stil nach einer der frühesten
Könige von Axum, wohl um oder vor 300 nach Chr.
Ein späterer König, Chaleb, Sohn des Thezena, ist durch
die äthiopischen Annalen bekannt; er legte im Jahre
525 n. Chr. nach siegreichem Heereszuge gegen Arabien
die Herrschaft nieder und ging nach Jerusalem ins
Kloster; diese Könige waren schon in sehr früher Zeit
Christen und prägten christliche Symbole auf ihre Münzen.
Schön sind die auf diesen Münzen dem dargestellten
Kreuze gegebenen Keischriften: O60Y 6YXAPICTIA (Gottes
Gnade) und TOYTO AP6CH TH XWPA (dies, nämlich das
Kreuz, möge dem Lande gefallen).
Während in den zuletzt betrachteten Staaten an der
Peripherie des Alexanderreiches die griechische Kultur
und der griechische Einfluß bald mehr oder weniger den
einheimischen Reaktionen erliegt, ist in Ägypten die-"
Herrschaft von den griechischen Königen, den Ptole-
mäern, auf die Römer übergegangen.
Ägypten kam nach dem Tode Alexanders des Großen
an den fähigsten seiner Generale, Ptolemaios, der zuerst
als Statthalter Philipps III. und Alexanders IV. das Land
verwaltete. Als solcher prägte er zuerst Tetradrachmen,
welche als »Alexandrinisches Stück des Ptolemaios« be-
zeichnet sind'
Kopf Alexanders des Großen mit Eletantenfell, Königsbinde und Widderhorn. —
Rs.: PTOAEMA10Y AAEHANAPEION Athena Promachos im Helm,
in der R. die Lanze zum Wurf erhebend, am 1. Arm Schild, wie sie auch aut
Münzen des Demetrios I. von Makedonien (S. 39) erscheint, im Felde AI und
Adler auf Blitz, der als »Hauswappen« der Ptolemäer gelten kann und später die
Rückseite der Ptolemäermünzen bildet.
/R. Attisches Tetradrachmon. 17,25 g.
Sehr bald treten an die Stelle dieser Stücke solche mit
gleichen Typen, doch verminderten Gewichts:
Griechische Münzen. 49 Kopf Alexanders des Großen mit Elefantenfell. König-sbinde und Widderhorn. —
Griechische Münzen.
49
Kopf Alexanders des Großen mit Elefantenfell. König-sbinde und Widderhorn. —
Rs.:AAE H AN AP 0 Y Athena Promachos wie zuvor, im Felde Monogramm
Helm und Adler auf Blitz.
JR. Tetradrachmon. 15,50 g\
Der Kopf dieser Münzen gibt uns ein wohl sehr ide-
alisiertes, aber sicheres Bildnis Alexanders des Großen,
durch das kleine Widderhorn als Sohn des Aunmon be-
zeichnet; das Elefantenfell deutet wohl auf die Besiegung
Indiens; später erscheint es als Kopfschmuck der Afrika,
des personifizierten Landes.
Die Reihe der ägyptischen Königsmünzen ist eine
überaus reiche. Große Goldmünzen erscheinen in Menge,
unter den Silbermünzen ragen die gut gearbeiteten Okta-
drachmen des Ptolemaios I. Soter (305 — 284) hervor:
Kopf des Ptolemaios Soter mit Königsbinde, um den Hals die Aigis. Hinter dem
Ohr ein kleines A(Künstlerbezeichnung-?). — Rs.: IITOAEMAIOY
BAXIAEQZ Adler auf dem Blitz, im Felde Monogramm.
iR. Oktadrachmon nach dem von Ptolemaios schließlich eingeführten phönizischen
Fuße. 28,31 g.
In großer Anzahl sind die durch ihre reiche Darstellung
merkwürdigen großen Goldstücke geprägt, welche auf der
einen Seite das erste griechisch-ägyptische Königspaar
Ptolemaios I. und seine Gemahlin Berenike als 6eoi (Götter)
4
5» Griechische Münzen. d. h. als Verstorbene darstellen, auf der andern Ptole- maios II. Philadelphos
5»
Griechische Münzen.
d. h. als Verstorbene darstellen, auf der andern Ptole-
maios II. Philadelphos und seine Schwester und Gemahlin
Arsinoe als äbeX<poi (Geschwister).
Künstlerisch weitaus das Bedeutendste, was auf ägypti-
schen Münzen geleistet worden ist, ist das fein empfundene
Porträt der Berenike IL, Gemahlin Ptolemaios' III., deren
Opferfreudigkeit für ihren Gemahl in der schönen Erzäh-
lung von dem Sternbilde »das Haar der Berenike« ver-
ewigt wird:
Brustbild der Königin mit Königsbinde und Schleier. — Rs.: BEPENIKHZ
BAXIA1Z2CHZ Füllhorn mit Früchten und der Königsbinde; im Felde Biene.
AT. Ptolemäisch-phönizisches Oktadrachmon. 27,73 g.
Den Schluß der überaus zahlreichen Reihe der ägyptischen
Königsmünzen bilden die Drachmen der letzten Königin
Kleopatra (52 — 30 v. Chr.). Wohl in Syrien geprägt
sind die aus schlechtem, stark legiertem Silber geprägten
Tetradrachmen mit ihrem Bildnis und dem ihres Gemahls
Antonius:
BACIAICCA KAGOTTATPA GGA NGUITePA (Königin Kleopatra,
wand. - Rs
die neue Göttin.) Ihr Brustbild mit Konig-sbinde, Perlenschnüren und Ge-
-
ANTWNIOC AYTOKPATWP TPITON TPIWN
ANAPUJN (Antonius, Imperator zum dritten Mal, Triumvir). Sein Kopf.
JR. Tetradrachmon. 15,09 g-.
Kleopatra heißt hier in pomphafter, orientalischer Weise
die neue Göttin, während Antonius mit seinem einfachen,
Griechische Münzen. 51 freilich stolzeren Titel »Triumvir« und dem militärischen »Imperator«
Griechische Münzen.
51
freilich stolzeren Titel »Triumvir« und dem militärischen
»Imperator« zufrieden ist. Wir werden später verwandte
Prägungen des Paares mit lateinischer Schrift, nach dem
Muster römischer Denare, finden.
* *
Während im Osten in den Diadochenstaaten die
Hellenisierung des Orients gewaltige Fortschritte macht,
geht zur selben Zeit im Westen das Griechentum seinem
Ende entgegen. Die reiche Münzprägung der italischen
und sizilischen Städte versiegt, einige mächtige Könige,
die ihre Macht auf Kosten der städtischen Freiheit be-
gründen und ausdehnen, treten wie das politische so auch
das numismatische Erbe derselben an, so Agathokles von
Syrakus (317—28g), Pyrrhos von Epeiros (295 — 272), der
sich ein Jahrzehnt in Unteritalien und Sizilien festsetzte:
Kopf des Achilleus im Helm, auf dem Kessel Greif; unten A — Ks.: B A £ IA E Q X.
PYPPOY Thetis auf einem Seepferd mit dem Schilde des Achilleus, worauf
ein Gorgoneion. Den Achilleus betrachtete das epirotische Königshaus als
seinen Ahnherrn.
JR. Attisches Didrachmon. 8,67 g.
endlich Hieron von Syrakus (275—216), dem die Wieder-
herstellung der syrakusanischen Vorherrschaft über Sizilien
nur unter Roms Protektorat gelang; nach dessen Ende
und der kurzen Regierung seines Enkels Hieronymos
(2 16—2 15 v. Chr.):
52 Griechische Münzen. Kopf des Königs mit König-sbinde; im Felde ein kleines Füllhorn. — Rs.:
52
Griechische Münzen.
Kopf des Königs mit König-sbinde; im Felde ein kleines Füllhorn. — Rs.:
BAXIAEOX IEPQNYMOY Geflügelter Blitz. Im Felde MI
Ai. Stück von 24 sizilischen Litren (diese, V10 des attischen Didrachmons, beträgt
normal 0,87 g). 20,30 g.
teilte Sizilien bald das Schicksal Süditaliens, römischer
Besitz zu werden.
Auch eine Münze der großen Gegnerin dieser Fürsten
und Roms, der Stadt Karthago, dem Zeitalter der punischen
Kriege angehörig, möge hier Platz finden:
Kopf der Persephone mit Ährenkranz. — Rs.: P^~] [jO] >>[ba]rzat<< 'n punischer
Schrift, auf Byrsa, die Burg von Karthago, gedeutet. Springendes Pferd, im
Hintergrunde Palmbaum.
N. Sechsdrachmenstück nach karthagischem Fuße. 22,57 g-
Gerade um dieselbe Zeit, als Rom hier nach der
letzten, schweren Krisis, der hannibalischen, den Westen
sich völlig zu eigen macht, beginnt es auch im Osten ein-
zugreifen, zunächst als Schutzmacht eben der griechischen
Freiheit, die es im Westen vernichtet hatte, gegenüber den
großen Dynastien, welche sich in Hellas und Kleinasien
in das Erbe Alexanders geteilt hatten.
Ein sehr merkwürdiges Denkmal dieser Einmischung
Roms ist der Goldstater mit dem Bilde und dem Namen
des T. Quinctius Flamininus, des Besiegers des Königs
Philipp V. von Makedonien (197 v. Chr.):
Kopf des Flamininus. — Rs.: T. O.VINCTI Nike mit Kranz und Palmzweig.
N. Attischer Stater. 8,53 g.
Griechische Münzen. 53 Die Nike ist so sehr den Goldstateren Alexanders des Großen und seiner
Griechische Münzen.
53
Die Nike ist so sehr den Goldstateren Alexanders des
Großen und seiner Nachfolger entlehnt, daß die An-
nahme, diese Stücke habe der römische Feldherr nach
Besiegung des Königs in Makedonien selbst geprägt,
mehr als wahrscheinlich ist. Es entspricht dem römi-
schen Geiste, daß der Feldherr im Feindeslande auch auf
den Münzdenkmälern als Herrscher auftritt und, wie
ein König, das in Rom verpönte eigene Bildnis auf die
Münzen setzt.
Kurz nachdem Rom die makedonische Suprematie
über Hellas vernichtet hatte (196 v. Chr.), wies es auch
den anderen großen Diadochenstaat, den syrischen, in
seine Schranken zurück (189 v. Chr.), und so wurde auch
in Kleinasien der Städtefreiheit wieder zu einer kurzen
Nachblüte verholfen. Überall tritt seitdem in Hellas so-
wohl (Chalkis, Eretria, König Nabis usw.) wie auf Kreta
und in Kleinasien in Städten, deren Großsilberprägung
lange geruht hatte, eine ausgedehnte Prägung sei es von
flachen Tetradrachmen gesunkenen attischen Gewichts, sei
es vom Typus der sog. Cistophoren (vgl. S. 56) auf:
Gortyna. PQMAZ Kopf der Roma im Flügelhelm; im Felde ein Monogramm.
— Rs.: TOPTYN Das'Kultbild der Artemis von Ephesos; im Felde eine Biene
und ein Elefantenkopf, das Wappen des Q. Caecilius Metellus, Statthalters von
Kreta 66 v. Chr.
iR. Attisches Tetiadrachmon. 15,94 g.
In Makedonien selbst erhalten nach dem end-
gültigen Sturze der Dynastie im Jahre 168 zwei der vier
Teile, in die man das Land zerlegte, das Recht der Groß-
silberprägung; gleichsam die Einweihungsmünze dieser
Prägungen liegt in dem folgenden Stück vor:
54 Griechische Münzen. Kopf des Zeus von Dodona mit Eichenkranz. — Rs.: MAKEAONQNI TTPQTHZ und
54
Griechische Münzen.
Kopf des Zeus von Dodona mit Eichenkranz. — Rs.: MAKEAONQNI
TTPQTHZ und zwei Monogramme. Auf einem springenden Stier, dessen Haupt
mit Tänien verziert ist, sitzt die Artemis Tauropolos, in jeder Hand eine kurze
Fackel haltend.
Ai. Attisches Tetradrachmon. 16,57 %•
Den Prägungen dieses »ersten« und des »zweiten Teiles«
von Makedonien folgen nach der kurzen Zwischenherrschaft
des Prätendenten Andriskos (Pseudophilipp) solche mit
den Aufschriften der römischen Statthalter.
Auch den kleinasiatischen Dynastien griechischen oder
halbgriechischen Ursprungs kam jene 196 bzw. 189 v. Chr.
erfolgende Einmischung Roms zunächst zugute, so der per-
gamenischen, bithynischen, kappadokischen und pontischen.
Von den Königen der zuletzt genannten Dynastie hat uns
namentlich Mithradates VI. (121 — 63 v. Chr.) zahlreiche
Gepräge hinterlassen. Seine eigene Reichsmünze, Gold-
stateren und Tetradrachmen, zeigen uns das oft recht
geistvoll behandelte unbärtige Brustbild, auf der Rückseite
den Pegasos oder den Hirsch:
Kopf mit Königsbinde. - Ks.: BAIIAEQI MIO PAAAT 0 Y, E Y Fl A -
TOPOX (des Konigs Mithradates von erlauchtem Vater). Weidender Hirsch,
im Felde T d. h. drittes Regierungsjahr, ein Monogramm und Mondsichel mit
Stern, das wappenartige Abzeichen der Achämenidenkonige. Das Ganze umgibt
ein Efeukranz, auf des Konigs Beinamen Dionysos deutend.
JR. Attisches Tetradrachmon. 16,64 g-
Griechische Münzen. 55 Als Freund und Beschützer der Griechen erscheint der König auf Münzen von
Griechische Münzen.
55
Als Freund und Beschützer der Griechen erscheint der
König auf Münzen von Smyrna, endlich sogar als Beamter
eines griechischen Freistaates auf den spätesten Münzen
von Athen, das er in der letzten Zeit des Widerstandes
der Stadt gegen Rom bis zur Eroberung durch Sulla mit
seinen Reichtümern unterstützte und durch seine Kreaturen,
Aristion u. a., regieren ließ. Sehr seltene Goldstateren,
Tetradrachmen und Drachmen zeigen uns auf der Rückseite
die gewohnte Reihe der Beamtennamen, beginnend mit
dem »König Mithradates«:
Kopf der Athena. - Rs.: AGE BAXIAE MIOPAAATHI APIZTIQN
Eule aufAmphora; im Felde das Achämeniden-Abzeichen, Stern und zwei Halb-
monde, das Ganze im Kranze von Olblättern.
A^. Attischer Stater. 8,24 g.
Als diese unwürdige »Selbständigkeit«Athens durch
Sullas Eroberung ein Ende genommen hatte, ließ der
Sieger Sulla ein zwar inschriftloses, aber durch sein
wappenartiges Zeichen, die auf Sullas römischen Denaren
auftretenden beiden Tropaia (sie erklären den Titel »im-
perator iterum«), deutlich als Prägung des Sulla bezeichnetes
Tetradrachmon schlagen:
Kopf der Athena. — Ks.: Eule aufAmphora, rechts und links je ein Tropaion
Das Ganze im Kranze von Olblättern.
JR. Attisches Tetradrachmon. 17,24 g.
Das mittlere Bild zeigt die Rückseite eines römischen
Denars des Sulla:
56 Griechische Münzen. IMPER ITERVM Krug und Krummstab, die Abzeichen des Augurn, rechts und links
56
Griechische Münzen.
IMPER ITERVM Krug und Krummstab, die Abzeichen des Augurn, rechts
und links je ein Tropaion.
^K. Denar.
Statt der Inschrift sehen wir auf dem athenischen Tetra-
drachmon nur das stumme Wappenbild des römischen Er-
oberers. An die Stelle dieses die Fremdherrschaft versinn-
bildlichenden Stückes tritt bald darauf nach Wiedererlangung
der städtischen Rechte ein Tetradrachmon, das durch die
Aufschrift AOE 0 AEMOI (das Volk der Athener) in der-
selben aufdringlichen Weise die neue Freiheit verherrlicht.
Die massenhafte, um 200 v. Chr. beginnende Prägung
der kleinasiatischen Cistophoren (Tetradrachmen von etwa
i21/ig, neben denen Didrachmen und Drachmen von anderen
Typen einhergehen), die das Hauptumlaufsmittel jener Zeit in
Kleinasien darstellen, ist zumal durch die Inschriften der
römischen Statthalter aus der späten republikanischen Zeit
wichtig. Das Gepräge dieser Münzen sind bacchische Symbole,
die bacchische »Cista« und Schlangen. Die Beischriften
lassen die Anfangssilben oder Monogramme kleinasiatischer
Städte: Pergamon, Fphesos,Tralleis, Apameia, Laodikeiausw.
erkennen; daneben stehen oft griechische Beamtennamen und
in lateinischer Sprache geschriebene Namen der Prokonsuln
von Asien und Kilikien. Unter ihnen haben diejenigen Stücke
von Apameia und Laodikeia, beide in Phrygien, ein
besonderes Interesse, welche uns den Namen des Cicero
als Prokonsul von Kilikien zeigen:
Das Mittelbild zeigt die bei beiden gleiche Vorderseite (nach dem Stücke von
Apameia): Geöffneter Korb, aus dem eine Schlange kriecht, im Efeukranz. — Die
Rs. beider Münzen zeigt einen Kocher zwischen zwei aufgerichteten Schlangen;
im Felde bei dem Stück von Laodikeia (links) TVLLIVS IMP, der Stadtname
AAO und der Beamtenname AAB AZ IIYPPOY, 11,36 g; bei dem von Apa-
meia (rechts) M-CICERO-M-F-PROCOS, der Stadtname AI1A und der
Beamtenname OEOflPOnOI AnOAAQNlOY sowie zwei Fluten; die
Flöten sind ein Hinweis auf den Fluß Marsyas, an dem Apameia lag; 11,82 g.
Griechische Münzen. 57 Wir schweifen hier ab von den rein griechischen Münzen zu denen der
Griechische Münzen.
57
Wir schweifen hier ab von den rein griechischen Münzen
zu denen der westlichen Völker. Die keltiberisch en Ein-
wohner Spaniens haben seit ihrer Berührung mit den
Römern um 200 v.Chr. eine große Anzahl Silber- und Kupfer-
münzen mit Aufschriften des Stammes oder Gaues zuerst in
keltiberischer Schrift und Sprache, dann auch mit lateinischen
Legenden geprägt. Die Kelten Galliens bedienen sich
hingegen stets der lateinischen Schrift auf ihren größtenteils
dem i. Jahrh. v. Chr. angehörenden kleinen Silber-
münzen und den seltener begegnenden Goldmünzen,
die oft Namen von Häuptlingen nennen. Unter ihnen
verdienen diejenigen unser besonderes Interesse, welche aus
Caesars Geschichte seines Gallischen Krieges bekannt sind,
voran die Münze des heldenmütigen Vercingetorix,
welcher sich freiwillig dem Caesar unterwarf, in Rom fünf
Jahre lang eingekerkert blieb und beimTriumph Caesars
hingerichtet wurde:
VERCINGETORIXS Jugendlicher Kopf. — Rs.: Springendes Pferd, darunter
Amphora.
A\ Stater. Paris.
In dem jugendlichen Kopfe haben wir wahrscheinlich das
Bildnis des gallischen Helden zu erkennen. Auch andere
bei Caesar erwähnte Häuptlinge wie Dumnorix und Orge-
torix erscheinen auf den Münzen.
Noch über Gallien hinaus, nach dem entlegenen Bri-
tannien drang bald römische Kultur und Sprache. Der
mehrfach von den antiken Schriftstellern erwähnte bri-
tannische König Cunobelinus (5 v. Chr. bis 43 n. Chr.),
Sohn des Tasciovanus, der »Cymbeline« der Sage, hat uns
als Zeugnis seiner Macht eine stattliche Reihe von Münzen
in allen drei Metallen hinterlassen, großenteils mit gut ge-
arbeiteten, der rein klassischen Mythologie entlehnten Typen:
leierspielendemApollon, Nike, Pegasos, Sphinx, Herakles
usw. Auch das Bildnis des Königs selbst ist uns erhalten,
58 Griechische Münzen. einmal mit dem Königstitel, bald ohne Kopfschmuck, bald mit dem Lorbeerkranz. Wir
58
Griechische Münzen.
einmal mit dem Königstitel, bald ohne Kopfschmuck, bald
mit dem Lorbeerkranz. Wir haben in diesem Kopfe nicht
etwa den römischen Kaiser (Tiberius) zu erkennen, denn
die ganze reiche Prägung des Königs ist eine durchaus
autonome, ohne jede Beziehung zum römischen Kaiser:
CVNOBELINI Kopf mit Lorbeerkranz. — Rs.: TA S CI 0 V A N I • F (= filius).
Kentaur, ein Horn blasend.
^E. London.
Von Cunobelinus' Vater Tasciovanus sind ähnliche Prä-
gungen, auch mit seinem Kopf, erhalten.
Eine merkwürdige Münzsorte, die hauptsächlich in
den Gebieten der heutigen Schweiz und in Süddeutsch-
land, zum Teil aber auch in nördlicheren Teilen Deutsch-
lands gefunden wird, sind die sogenannten »Regenbogen-
schüsseln«, kleine, dicke, schüsseiförmige Gold-, seltener
Silbermünzen, so genannt weil nach dem Volksglauben
der Regenbogen auf solchen Stücken steht. Das Gepräge
zeigt allerlei arabeskenartige Verzierungen, häufig ein
wrohl als Armband zu denkendes, kreisförmig zusammen-
gebogenes phantastisches Drachen-Geschöpf. Eines dieser
Stücke hat die Inschrift wobei man an Curia, Chur
in der Schweiz, gedacht hat:
^VD und zwei dicke Punkte auf schildförmiger Erhebung-. — Rs.: Ringförmig
gewundener Drache; in der Mitte Punkt.
Ar- 6.99 g-
Man schreibt diese Münzen den Kelten zu; die la-
teinische Aufschrift dieses und eines anderen Stückes be-
Griechische Münzen. 59 weist, daß die Prägung zum Teil in römische Zeit, wohl vor die
Griechische Münzen.
59
weist, daß die Prägung zum Teil in römische Zeit, wohl
vor die Kaiserzeit, fällt.
Die Prägung der griechischen Städte zeigt, wie wir
sahen, schon in der letzten Zeit der römischen Republik
vielfach römischen Einfluß; mit der Kaiserzeit tritt dieser
noch mehr hervor, größtenteils werden die einheimischen
Götterbildnisse auf der Vorderseite der Münzen durch
die der Kaiser verdrängt, auch wird den Städten mit
verschwindenden Ausnahmen das Recht der Silberprägung
entzogen, und nur Provinzialprägungen in Silber oder
Silberlegierung finden sich häufiger, z. B. in Kappadokien,
Syrien und Ägypten. Goldmünzen prägen nur die bospo-
ranischen Könige. Die Kupferprägung aber wird den
griechischen Städten in ausgiebigster Weise freigegeben.
In den Aufschriften derselben sucht man die verlorene
Freiheit durch prunkende Beinamen zu ersetzen; bisweilen
zeigt sich der niedrige Sinn der »Graeculi« jener Zeit durch
knechtische Aufschriften: KOMOAOY BAXIAEYONTOI O
KOIMOI EYTYXEI (unter Commodus' Herrschaft ist die
Welt glücklich) u. a. Die Stadtbehörde von Stratonikeia
in Karien hat — offenbar mit vieler Mühe und Arbeit —
auf den großen Kupfermünzen mit Caracallas und Getas
Kopf den letzteren ausgerieben, um dem Brudermörder
Caracalla sich gefügig zu zeigen; die Heirat des Nero und
der Poppaea wird in Kphesos durch die Beischrift der
Spiele OGOTAMIA (d. h. zur Feier der Götterhochzeit) ver-
herrlicht.
Der hauptsächlichste Wert der unter den Kaisern ge-
prägten griechischen Münzen besteht in dem unerschöpf-
lichen Reichtum mythologischer Darstellungen. Kupfer-
münzen von bisweilen ungewöhnlicher Größe (Medaillons)
treten in Menge auf und gewähren, im Gegensatz zu den
meist kleineren autonomen Münzen, dem Künstler Ge-
legenheit, größere, figurenreiche Kompositionen auf den
Rückseiten anzubringen. Durch die Kaisermünzen der
griechischen Städte sind uns manche antiken Skulpturwerke
wenigstens in ihrer ungefähren Gestalt erhalten, so der
Zeus des Pheidias in ganzer Gestalt und der Kopf der
Statue allein auf den Münzen von Elis aus der Zeit des
Kaisers Hadrianus:
6o Griechische Münzen. [Brustbild und Aufschrift des Hadrianus.] — Rs.: H A € I CU
6o
Griechische Münzen.
[Brustbild und Aufschrift des Hadrianus.] — Rs.: H A € I CU N Kopl des Zeus mit
lang-en Locken und Lorbeerkranz.
JE. Paris.
AAPIANOC AIC AYTOKPATWP Sein Brustbild. - Rs.: HA6IWN
Thronender Zeus mit Nike und Zepter, die Füße auf einer Fußbank.
JE. Florenz.
Die späten Münzen Athens, welche, wie ihr Stil lehrt,
bis tief ins 3. Jahrhundert n. Chr. reichen, zeigen niemals
Kaiserbildnisse; die Stadt verblieb äußerlich immer eine
freie, autonome; auch ihre Münzprägung blieb autonom,
die Köpfe der Götter, besonders nach altem Herkommen
der Kopf der Athena, ersetzen die weltlichen Herrscher.
Die Reihe dieser späten athenischen Kupfermünzen zeigt
uns einige archäologisch hochinteressante Darstellungen
auf der Rückseite: eine etwa der Zeit des Hadrianus,
also der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, ange-
hörende Münze bietet auf der Rückseite ein berühmtes
athenisches Kunstwerk, die Marmorgruppe der Eirene
mit dem kleinen Plutos, dem Gotte des Reichtums,
im Arm, ein Werk des Kephisodotos, Praxiteles' Vater,
um 380 v. Chr., dessen schöne, genau mit der Münze
Griechische Münzen. 61 übereinstimmende antike Marmorkopie sich im Münchener Museum befindet. Eine Reihe der
Griechische Münzen.
61
übereinstimmende antike Marmorkopie sich im Münchener
Museum befindet. Eine Reihe der athenischen Münzen
jener Zeit ist geschmückt mit dem Bilde des
Theseus, der den Minotauros erlegt, fast genau der herr-
lichen, aus Smyrna stammenden Bronzegruppe unseres
Museums gleich. Andere Münzen Athens zeigen uns die
A k r o p o 1 i s:
[Brustbild der Athena.] — Rs.: AOHNAIQN Der Akropolisfelsen mit der Grotte
des Pan fast auf halber Hohe; nach oben führt eine große Treppe, die bei einem
kleineren Gebäude, den Propyläen, die Kuppe erreicht; weiter links eine große
Statue der Athena, offenbar die kolossale Bronzefigur von Pheidias, ganz links ein
großer Tempel, der Parthenon. JE.
Leider sind diese seltenen Münzen meist von schlechter
Erhaltung, so daß bei der Kleinheit der Gegenstände,
namentlich der Bildsäule der Athena, sich Einzelheiten
nur schwach oder gar nicht erkennen lassen. Ferner
gewährt uns eine Kupfermünze von Athen die perspektivi-
sche Ansicht des Dionysostheaters:
[Brustbild der Athena.] — Rs.: AOHNAIQN Das Dionysostheater: unten
die orchestra und die Sitzreihen; die obere Umfassungsmauer und der
Rand des Akropolisfelsens mit Gebäuden, darunter Parthenon und Propyläen,
werden oberhalb sichtbar. JE.
Auch andere Städte haben das Bild der Stadt mit
ihren hervorragendsten Gebäuden und Monumenten zum
Münzbilde gewählt, so Bizya in Thrakien:
62 Griechische Münzen. [Brustbild und Auschrift des Kaisers Philippus, 244—249 n. Chr.] — Rs.:
62
Griechische Münzen.
[Brustbild und Auschrift des Kaisers Philippus, 244—249 n. Chr.] — Rs.:
BIZVHNQN Die Stadtmauer mit zehn Türmen und einem Tor im Vordergrunde,
oberhalb desselben eine Arkadenreihe, oben mit einem Vierg-espann geschmückt. Im
Innern der Stadt Statuen auf Säulen, Hallen, Tempel und andere Gebäude.
M. Medaillon.
Den großen Altar von Pergamon, dessen Skulpturen
heute eine Zierde der Berliner Museen bilden, hat man
auf der folgenden Münze erkannt:
[Brustbilder und Aufschrift des Kaisers Septimius Severus (193—211) und seiner
Gemahlin Iulia Domna.] - Rs.: 6TTI CTPA KAAVAIANÖV T€P-
TTANAPOV TTEPrAMHNQN B NGOKOPQN (unter dem Strategen
Klaudianos Terpandros, der Perg-amener, der Tempelwächter zum zweiten Male);
über den Titel VGUJKÖpO^, Tempelwächter, vgl. S. 65. Auf hohem Untersatz, zu
dem eine Freitreppe, von den Standbildern zweier Buckelstiere flankiert, hinauf-
führt, steht der Altar mit einem Baldachin darüber, zwischen zwei oben mit Statuen
geschmückten Säulenreihen.
JE. Medaillon. London. — Denselben Medaillon, von großem Zierrahmen umgeben,
besitzt auch das Berliner Kabinett.
Griechische Münzen. 63 Von mythologisch interessanten Darstellungen möge hier zunächst eine solche von Akrasos
Griechische Münzen.
63
Von mythologisch interessanten Darstellungen möge
hier zunächst eine solche von Akrasos in Lydien Platz
finden:
(Brustbild und Aufschrift des Septimius Severus.] — Rs.: GTT CT PA
ONHCI0OPOV ATTOAA t B AKPACIQTQN (unter der zweiten
Amtsführung des Strategen Onesiphoros Apoll
.), der Akrasioten). Amphion
Zethos und Dirke: der eine der Jünglinge fesselt die liegende Dirke, welcher
der Strick um die Hüften gelegt ist, an den Leib des Stieres, der andere hält das
Tier bei den Hörnern. Der Stier ist wie auf der vorigen Münze ein Buckelstiert
JE. Medaillon.
Die Rückseite zeigt uns die berühmte Gruppe des Far-
nesischen Stieres, in allen wesentlichen Punkten mit
der Marmorgruppe übereinstimmend.
Eine der schönsten Darstellungen des Paris-Urteils
zeigt uns eine große, in Alexandreia in Ägypten geprägte
Kupfermünze des Antoninus Pius:
AYT KAIC TAIAAAPANTWNINOC C€B 6YC (Imperator und
Kaiser Titus Aelius* Hadrianus Antoninus Augustus Pius; Antoninus Pius (138
bis 161 n. Chr.) war Adoptivsohn des Titus Aelius Hadrianus). Sein Kopf. —
64 Griechische Münzen. Rs.: LG (im fünften Jahre; über das Zeichen L siehe S. 67).
64
Griechische Münzen.
Rs.: LG (im fünften Jahre; über das Zeichen L siehe S. 67). Darstellung-des Ur-
teils des Paris: unten steht Paris mit phrygischer Mütze, von Hermes geführt, der
in der R. das Kerykeion hält und sich nach Paris umblickt, daneben die Herde
des Paris, deutlich erkennbar ein liegendes Rind. Oben auf dem Felsen die drei
Göttinnen: Aphrodite mit leichtem Gewand um die Schultern in der Stellung der
mediceischen, Hera thronend mit Zepter im Arm, Athena stehend, behelmt, mit
Lanze im Arm. JE,
Die Sage von Hero und Leandros ist auf den
Münzen der beiden durch den Meeresarm des Hellespont
getrennten Städte Sestos und Abydos verewigt worden:
[Brustbild und Aufschrift des Kaisers Maximinus, 235—237 n. Chr.] — Rs.
ABVAHNQ Leandros schwimmt über die Wogen des Hellespontos, in denen
sich Fische und Delphine tummeln; am 1. Ufer hat er Schwert und Gewand
zurückgelassen, am rechten erwartet ihn Hero auf einem Turme, ihm mit einer
Lampe leuchtend; oben fliegt Eros. JE.
Das ganz einzige Beispiel einer biblischen Dar-
stellung auf antiken Münzen finden wir in der Stadt
Apameia in Phrygien. Eine späte Version der biblischen
Erzählung von der Sündflut verlegte den Ararat in die
Nähe von Apameia in Phrygien; von der Landung der
Arche erhielt die Stadt Apameia den Beinamen Kißuuxö?,
Kasten. Große Kupfermünzen der Stadt unter Septimius
Severus haben nun wirklich die Darstellung der landenden
Arche:
Griechische Münzen 65 AVT-K-A-C6TTT C60VKP0C TT6PTI (Imperator und Kaiser Lucius Septimius Severus Pertinax; Severus
Griechische Münzen
65
AVT-K-A-C6TTT C60VKP0C TT6PTI (Imperator und Kaiser Lucius
Septimius Severus Pertinax; Severus nahm das Cognomen seines von ihm als
„divus Pertinax pater" gefeierten Vorgängers an). Sein Brustbild. — Rs.: GTTI
AI_QNOO€TOV APT6MA V AHAMeQN (unter der dritten Amts-
führung des Agonotheten — Ordners der Spiele — Artemas, der Apameer). Die
Arche mit der Aufschrift NQG, d. h. Noah, innen Noah und seine Frau, oben
die Taube mit dem Ölzweig; vorn das der Arche entstiegene Ehepaar in betender
Stellung.
M. Paris.
Einen hohen Aufschwung nimmt die im allgemeinen
wenig erfreuliche griechische Prägekunst der Kaiserzeit zu-
gleich mit der Plastik durch die Vergötterung des Lieb-
lings des Kaisers Hadrianus, des Jünglings Antinoos, der
in Ägypten seinen geheimnisvollen Tod fand. In Alexan-
dreia wie in vielen anderen griechischen Städten erscheinen
gute, oft medaillenartige Darstellungen des schwärmerisch
blickenden, schönen Jünglings. Eine der vorzüglichsten
Münzen dieser Art ist das abgebildete Stück von Bithynion-
Hadrianopolis in Bithynien, der Vaterstadt des Antinoos:
ANTINOON GEON H TTATPIC (den vergötterten Antinoos [ehrt] seine
Vaterstadt). Sein Brustbild. — Rs.: BE10YNIEQN AAPIANQN Antinoos
als der die Herden beschützende Hermes (vÖ|HlO^) mit Flügelschuhen und Hirten-
stab, ein junges Rind geleitend. Oben ein Stern.
M. Medaillon.
Durch die Kaisermünzen der griechischen Städte
lernen wir in den Darstellungen wie in den Inschriften
eine Reihe wichtiger staatlicher Einrichtungen kennen:
der häufig erwähnte Neokorat (Neokoros ist Beiname
der Stadt; der Name kommt denjenigen Städten zu, welche
Tempel der Kaiser haben), die Namen der in den Städten
gefeierten Spiele, die Namen und Titel der einheimischen
Beamten geben uns einen Einblick in das städtische Leben
5
66 Griechische Münzen. jener Zeit. Als eine auffallende, wunderliche Erscheinung mag erwähnt werden, daß nicht
66
Griechische Münzen.
jener Zeit. Als eine auffallende, wunderliche Erscheinung
mag erwähnt werden, daß nicht nur Lebende als Beamte
der Städte fungieren, sondern ehrenhalber sogar Götter;
so erscheinen in Byzanz die Namen der Demeter, der
Nike, des Dionysos als die der regierenden Beamten.
Häufig wird der römische Senat, die IG-PA CYNKAHTOC,
erwähnt und durch einen weiblichen Kopf personifiziert,
einmal heißt der römische Senat, dem weiblichen Kopfe
zu Liebe, SACRA SENATVS. Auch die einheimische
Stadtbehörde, welche dem Senat entspricht, wird häufig
erwähnt und personifiziert. Wir besitzen sogar eine zwar
kleine, aber nicht schlecht gezeichnete Darstellung der
feierlichen Sitzung einer solchen städtischen Ratsversamm-
lung als Rückseite einer Münze von A lexandreia Troas,
geprägt unter dem Kaiser Trebonianus Gallus (251 — 253
n. Chr.), mit lateinischer Aufschrift, die der Stadt als
römischer Kolonie zukommt:
IMP C VIB1 TRIBO GALLVS AVG (Imperator Caesar Vibius Triboni-
anus Gallus Aug-ustus). Sein Brustbild. — Rs.: ALEXAND TROADA
Sitzung einer Versammlung von Männern in lang-en Gewändern, im Halbkreis. M,
Auch für die Geschichte der Kaiserzeit sind die
Münzen der griechischen Städte von hoher Wichtigkeit;
die Sitte, vielfach die Münzen mit Jahreszahlen der in
der Prägestätte geltenden Ära oder mit Regierungsdaten
zu versehen, gibt uns bisweilen die sonst unbekannte Re-
gierungszeit eines Gegenkaisers: Sulpicius Uranius
Antoninus (vgl. S. 113), ein Gegenkaiser des Philippus
(244—249 n. Chr.), prägt in Emisa in Syrien Münzen mit
Jahreszahlen der Ära von Emisa, welche beweisen, daß er
sich bis in die Zeit des Kaisers Valerianus (253—260) als
Gegenkaiser behauptet hat.
Durch ihre Daten wie durch die Fülle der prägenden
Herrscher und ihrer Familienmitglieder ist die große Reihe
des ägyptischen Provinzialgeldes, der in Alexandreia
geprägten Kaisermünzen, von hervorragendem Interesse.
Griechische Münzen. 67 Nur sie bieten uns z. B. die Porträts des Sohnes und der
Griechische Münzen.
67
Nur sie bieten uns z. B. die Porträts des Sohnes und der
Gemahlin des Kaisers Pertinax, und wir verdanken ihnen
auch wichtige chronologische Aufschlüsse. Die Datierung
der Alexandriner besteht in der Bezeichnung des ägypti-
schen Regierungsjahres, welches mit dem 20. August be-
ginnt. Jahr 1 heißt LA, Jahr 2 LB usw., das L ist ein
seiner Entstehung nach nicht völlig aufgeklärtes Zeichen
für »Jahr«.
Von einer der merkwürdigsten Episoden der späten
Kaiserzeit, dem Aufstande der Palmyrenischen Herrscher
gegen Rom, geben uns die Alexandriner reiche Kunde in
Bild und Schrift. Die mächtige Königin von Palmyra,
Zenobia, prägt nach dem Tode ihres Gemahls Odenathus
als Kaiserin-Mutter des jungen Vaballathus in Alexan-
dreia Münzen mit ihrem Bildnis:
CGTTTIMia IHNOBIA C€BarjTr| (Kaiserin Septimia Zenobia; den Namen
Septimius führt auch Zenobias Gemahl Odenathus). Ihr Brustbild in der bei
römischen Kaiserinnen gewohnten Haartracht, mit emporstehender Stephane. —
Rs.: LG (Jahr 5) Stehende Providentia mit Doppelfüllhorn. Billon (Kupfer mit
Silberzusatz, in dieser Zeit aber fast reines Kupfer).
Die Münzen des Sohnes der Kaiserin Zenobia, des jungen
Vaballathus Athenodorus (Athenodorus ist die griechische
Ãœbersetzung des einheimischen Namens Vaballath), sind
bemerkenswert durch ihre Titulatur: VABALATHVS Vir
Consularis Rex IMperator Qux Romanorum = MouXlOC, AÃœpr|XlO? CeitTl-
uioc 0YABAAAAO0C A9HNObwpo<; 'YitaTiKÖ? AYToKpctxwp
CTpaxnyo? PlU|jaiwv.
Als ein für uns Deutsche besonders wichtiges Denk-
mal mag hier noch eine Münze der römischen Kolonie A c h u 1 la
in Afrika ihre Stelle finden; sie gehört in die kleine Reihe
der Münzen mit den Bildnissen senatorischer Statt-
halter. Augustus wollte die Nachfolge in der Herrschaft
seiner Familie, seinen Enkeln Gaius und Lucius, sichern.
Um dies im Senat durchzusetzen, suchte er die Senatoren
durch besondere scheinbare Vorrechte und Gunstbezeigungen
mit Erfolg zu gewinnen; er gab in denjenigen Provinzen,
5*
68 Griechische Münzen. deren Statthalter vom Senat ernannt wurden, diesen Statt- haltern das Recht, neben
68
Griechische Münzen.
deren Statthalter vom Senat ernannt wurden, diesen Statt-
haltern das Recht, neben ihrer Namensinschrift auch ihr
Bildnis auf die Münzen zu setzen. Dieser von Augustus
(oder aufAugustus' Veranlassung und Einwirkung) ge-
troffenen Anordnung verdanken wir das Bildnis des
P. Quinctilius Varus, des im Teutoburger Walde in
der Hermannschlacht gefallenen Feindes der deutschen
Freiheit. Varus war vor seiner Unternehmung gegen die
Germanen Prokonsul der Provinz Afrika und es wurden in
der Stadt Achulla Münzen mit seinem Bilde geprägt:
[Köpfe und Aufschriften des Aug-ustus und seiner Enkel Gaius und Lucius.] —
Rs.: P-aVINCtLI-VARI ACHVLLA Kopf des Varus. JE.
Wir haben schon im letzten Abschnitt auswärtige Prä-
gungen der römischen Kaiser und Machthaber mehrfach
besprochen; die Münzen des römischen Reiches selbst
sollen jetzt im Zusammenhange betrachtet werden.
B. Römische Münzen. Die ältesten griechischen Münzen sind, wie wir ge- sehen haben, stets geprägte
B. Römische Münzen.
Die ältesten griechischen Münzen sind, wie wir ge-
sehen haben, stets geprägte Stücke, und zwar in edlen
Metallen, Silber, selten Gold; Rom und die mittel-
italischen Städte begannen mit großen, schweren, nicht
geprägten, sondern gegossenen Kupfermünzen, dem soge-
nannten »Aes grave«, von denen ein schöner Triens von
Iguvium in Umbrien als Beispiel diene:
SNI3V3II (d.h. ikuvins, rückläufig-) Füllhorn. — Rs.: Zange zwischen je zwei
Kug-eln.
JE. 58,07 g.
Die vier Kugeln bedeuten 4 Unzen, das Stück ist also ein
Triens, d. h. ein Drittel des 12 Unzen haltenden Asses.
Von den ältesten Münzen der römischen Republik
ist ein Teil nicht in Rom selbst, sondern in Kampanien an-
gefertigt; wir besitzen eine lange Reihe unter römischer
Oberhoheit in Kampanien geprägter Gold-, Silber- und
Kupfermünzen, welche dem letzten Drittel des vierten und der
ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts vor Christus ange-
70 Römische Münzen. hören; das häufigste Wertstück ist ein Didrachmon, von normal 7,58, später 6,82
70
Römische Münzen.
hören; das häufigste Wertstück ist ein Didrachmon, von
normal 7,58, später 6,82 g, die Inschrift ist ROMA und
ROMANO (für ROMANOM, Genetiv Pluralis). Ein be-
sonders schönes Stück dieser vielfach recht gut und rein
griechisch gearbeiteten römisch-kampanischen Münzen ist
folgendes:
Kopf des unbärtigen Hercules mit Band im Haar, Löwenfell und Keule. — Rs.:
ROMANO Die Wölfin mit Romulus und Remus.
JR. Didrachmon. 7,09 g.
Dieser römisch-kampanischen Münzprägung gehört,
wie der Stil und die Inschrift beweisen, auch die Reihe
der viereckigen gegossenen Kupferbarren (aes
signatum) an, die man früher irrig für das älteste römische
Geld hielt. Unser Museum ist so glücklich, vier derartige
Stücke zu besitzen; die Form ist bei allen rechteckig,
die Gewichte schwanken von 1543,70—i1/ii,6o g, ein
Beweis, daß diese Stücke nicht justiert sind; die Größe
ist bei allen ungefähr die gleiche: Länge 0,183—0,163 m,
Breite 0,099—0,087 m- Die Darstellungen und die ein-
mal vorkommende Inschrift sind:
1) ROMANOM unter einem linkshin eilenden Pegasus.
— Rs.: Auffliegender Adler, in den Klauen Blitz. JE.
2) Stier linkshin (s. die nebenstehende Abbildung). — Rs.:
Stier rechtshin. JE.
3) Dreifuß. — Rs.: Anker. JE.
4) Dreizack, um den Schaft ein Band mit Schleife. — Rs.:
Caduceus, oben in Schlangenköpfe endend, um den
Schaft Band mit Schleife. JE.
Die schöne, weiche Zeichnung beweist hinlänglich,
daß dieses eigentümliche Geld keineswegs plumpe Anfänge
der Ausmünzung darstellt, sondern daß es der Zeit der
hochentwickelten, eleganten Kunst angehört, derselben wie
die oben erwähnten schönen Silbermünzen der kampanisch-
römischen Prägung.
_EMPTY_
_EMPTY_
72 Römische Münzen.
72
Römische Münzen.
Römische Münzen. 73 Die Reihe des in Rom selbst gegossenen Aes> grave, stets mit dem
Römische Münzen.
73
Die Reihe des in Rom selbst gegossenen Aes> grave,
stets mit dem Vorderteil eines Schiffes auf der Rückseite,
beginnt mit dem Decussis, mit X bezeichnet, Tripondius
mit III, und Dupondius mit II bezeichnet, im Werte von
10, 3 und 2 As, doch sind diese drei Vielfachen des As
außerordentlich selten. Die Reihe der Stücke vom As
abwärts ist folgende:
As. Ianuskopf. Rs.: Vorderteil eines Schiffes und
das As-Zeichen: I (s. die nebenstehende Ab-
bildung).
Semis. Iupiterkopf, darunter liegendes S (Semis-Zeichen).
Rs.: Schiffsvorderteil und S
Triens. Kopf der Minerva und vier Kugeln das
Zeichen für vier Unzen. Rs.: Schiffsvorder-
teil und • • • •
Quadrans. Unbärtiger Kopf des Hercules und drei Kugeln
• •• Rs.: Schiffsvorderteil und •••
Sextans. Kopf des Mercurius und zwei Kugeln •• Rs.:
Schiffsvorderteil und • •
Uncia. Kopf der Bellona und eine Kugel • Rs.: Schiffs-
vorderteil und •
Wenn auch der Stil dieser ältesten römischen Münzen
hinter dem des kampanisch-römischen Aes grave zurück-
steht, ist er doch keineswegs ein wirklich altertümlicher;
die Ausführung ist nur weniger elegant als die der kam-
panischen Stücke. Die Münzung dürfte das letzte Drittel
des 4. und das erste des 3. Jahrhunderts umfassen. Der
As ist ursprünglich pfündig, und zwar anfangs nach dem
alten Pfund von etwa 273 g, später nach dem neuen
Pfund von etwa 327 g normiert; im Verlaufe des 3. Jahr-
hunderts wurden dann die Stücke gesetzlich im Gewicht
bedeutend reduziert, der As wird im Gewicht gleich dem
Semis, später dem Sextans, dann der Unze, endlich der
halben Unze. Die Gewichte der gegossenen Asse und
ihrer Teilstücke sind niemals genau, oft sogar bei offenbar
gleichzeitigen, derselben Gewichtsreihe angehörenden Stücken
sehr verschieden.
Die Silberprägung Roms beginnt im Jahre 268
v. Chr. Es erscheint: der Denar (10 As, mit X oder %
bezeichnet), zuerst von 4,55 g, seit 217 v. Chr. von 3,90 g
Gewicht, der Quinar (5 As, mit V), der S estertius (2r/2 As,
mit IIS =2^2, »semitertius«). Für »die nicht eigentlich zu
74 Römische Münzen Italien gehörigen, aber in der Verwaltung mit Italien ver- bundenen Gebiete, die
74
Römische Münzen
Italien gehörigen, aber in der Verwaltung mit Italien ver-
bundenen Gebiete, die römischen Besitzungen in Illyricum und
das cisalpinische Gallien« geprägt ist der Victoriatus, der
Dreivierteldenar, mitlupiterkopf und Victoria, die einTropaion
bekränzt. Eine eigentümliche Erscheinung ist der bei manchen
Denaren etwa seit der Mitte des zweiten bis zumAnfang
des ersten Jahrhunderts v. Chr. sich findende nach Art
einer Säge gezahnte Rand; imAltertum wurden diese
Denare als »serrati« bezeichnet. Tacitus' Nachricht, daß
die serrati besonders gern (nebst den »bigati«) von den
Germanen genommen würden, bezieht sich auf die Bevor-
zugung solcher älterer, schwererer republikanischer Denare vor
den besonders seit Neros Herabsetzung leichteren Denaren
der Kaiserzeit. Ähnliche Randbehandlung findet sich auf
einigen von den Karthagern in Sizilien oder Afrika ge-
prägten Gold- und Silbermünzen sowie auf syrischen und
makedonischen Münzen des zweiten Jahrhunderts v. Chr.
Die Silbermünzen der römischen Republik, zuerst nur
den Stadtnamen enthaltend, zeigen bald die Namen der
prägenden Beamten; die herkömmlichen, altertümlichen
Typen des behelmten Kopfes der Roma und der sprengen-
den Dioskuren werden häufig durch andere mythologische
und vielfach auch historische Typen ersetzt, die sich meist
auf die Vorfahren des prägenden Beamten und den Ruhm
seines Geschlechtes beziehen. Wir lernen aus ihnen, wie
man sich in Rom die Gesichtszüge der mythischen Stadt-
gründer, Helden und Könige dachte; wir besitzen auf den
Münzen u. a. Köpfe des Romulus, des Numa Pompilius,
des Ancus Marcius, des Sabinerkönigs Titus Tatius,
des ersten Konsuls Brutus und des Ahala.
C MEMMI Cai Filii (der Name des Münzmeisters), Q.VIRINVS (erklärende
Beischrift zum Kopfe). Bartig-er Kopf des Romulus (Quirinus) mit Kranz. — Rs.:
MEMMIVS AEDüis (ein Vorfahr des Monetars) CERIALIA - PREIMVS
FECIT Sitzende Ceres mit Ähren und Fackel, vor ihr Schlange. — JR. Denar.
Römische Münzen. 75 AN CVS Kopf des Ancus Marcius, des Ahnherrn der Marcier, mit Königsbinde,
Römische Münzen.
75
AN CVS Kopf des Ancus Marcius, des Ahnherrn der Marcier, mit Königsbinde,
dahinter der Krummstab (lituus), das Abzeichen der Augurwürde. — Rs.:
PHILIPPVS Reiterbildsäule auf der marcischen Wasserleitung-, zwischen den
Bogen AO-VAA/R (Marcia). — M. Denar.
SABIN'- Bärtiger Kopf des Sabinerkönigs Titus Tatius, davor das aus X un^
A zusammengesetzte Monogramm seines Namens. — Rs,: L-TITVRl (der Name
des Münzmeisters). Der Raub der Sabinerinnen: zwei Römer, jeder eine Sabinerin
tragend. — JR. Denar.
BRVTVS Bärtiger Kopf des ersten Konsuls L. Brutus. — Rs. : AHA LA
Bärtiger Kopf des Servilius Ahala, welcher den Spurius Maelius, der nach der
Alleinherrschaft strebte, erschlug. Beides sind Ahnenbilder des Caesarmörders
Brutus, dessen Mutter eine Servilia war. — JR. Denar.
Auch berühmte Männer der historischen Zeit lernen
wir aus den Prägungen der Republik kennen: das Brust-
bild des Sulla und seines Mitkonsuls Q. Pompeius
Rufus setzt der Neffe des letzteren als prägender Be-
amter auf seine Denare:
RVFVS'COS und der Name des Münzbeamten Q.-POMpei RVFI Kopf des
Rufus. — Rs.: SVLLA-COS (consul) Kopf des Sulla. — JR. Denar.
76 Römische Münzen. Sullas Sohn Faustus gibt uns auf seinen Denaren die reiche Darstellung der
76
Römische Münzen.
Sullas Sohn Faustus gibt uns auf seinen Denaren
die reiche Darstellung der Gefangennahme des Iugurtha:
F A V S T V S Kopf der Diana, dahinter der lituus. — Rs.: F E L I X (Sullas Beiname).
Dem erhöht sitzenden Sulla reicht der vor ihm kniende mauretanische König
Bocchus einen Zweig- dar, rechts kniet mit gebundenen Händen der bärtige
Iugurtha, welchen Bocchus dem Sulla verriet und übergab. — JR. Denar.
Zwei wichtige Ereignisse, eines aus der Zeitgeschichte,
nämlich die Unterwerfung des Nabathäerkönigs Aretas
durch den einen der Münzmeister, damals kurulischer Ädil,
62 v. Chr., eines aus der älteren Geschichte, die Einnahme
von Privernum durch den Konsul C. Hypsaeus, den Ahn-
herrn des andern Münzmeisters, 341 v. Chr., verherrlicht
der Denar der Münzmeister M. Aemilius Scaurus und
P. Plautius Hypsaeus:
MSCAVRus AEDüis CVRulis, in der Mitte EX S=natus C°nsulto, unten
R EX - A R ETA S Der kniende König Aretas reicht mit der R. einen Ölzweig dar,
zum Zeichen der Unterwerfung; mit der L. hält er sein Kamel am Halfter. — Rs.:
PHVPSAEVs AEDüis CVRulis; C HVPSAE COS PREIVERnum
CAPTVm- Iupiter im Viergespann, mit der R. den Blitz schleudernd; im Feld
ein Skorpion. — M. Denar.
Ein Nachkomme des Claudius Marcellus, des Er-
oberers von Syrakus, Claudius Marcellus, der nach Adop-
tion in das Geschlecht der Cornelier P. Cornelius Lentulus
Marcellinus hieß, setzt das Bild seines Vorfahren und die
Weihung einer erbeuteten Feldherrnrüstung (spolia opima)
auf seine Denare:
Römische Münzen. 77 MARCELLINVS Kopf des Marcellus, dahinter das Triquetrum, das Symbol Sizi- liens, die
Römische Münzen.
77
MARCELLINVS Kopf des Marcellus, dahinter das Triquetrum, das Symbol Sizi-
liens, die dreieckige Form der Insel bezeichnend.— Rs.: MARCELLVS COS
O-VI N Q.uies. Marcellus, die Rüstung- des von ihm getoteten gallischen Königs
Viridomarus in den Tempel des Iupiter Feretrius tragend. — JR. Denar.
Zwischen der Verewigung historischer Ereignisse und
den mythologischen Szenen, wie wir sie hernach zu be-
trachten haben, schlagen die Brücke solche Bilder, die
sich auf die sagenhafte Urgeschichte Roms beziehen, so
die oben S. 75 abgebildete Szene des Raubes der Sabi-
nerinnen, so die Auffindung der Zwillinge am ruminalischen
Feigenbaum durch den Hirten Faustulus, oder die Dar-
stellung der Dioskuren, die nach der Schlacht am See
Regillus ihre Rosse in der jüngst wieder aufgedeckten
Quelle Iuturna tränken. Aus der Zeit des Augustus
stammt der Denar mit der verräterischen Tarpeia, welche
die Sabiner unter ihren Schilden begraben, geschlagen von
dem triumvir monetalis P. Petronius Turpilianus:
[Kopt und Aufschrift des Augustus]. — Rs.: TVRPILIANVS III VIR Tarpeia
unter einem Haufen von Schilden halb begraben, die Arme gen Himmel streckend. —
M. Denar.
Auch rein mythologische Darstellungen von hohem
Werte finden sich auf den Denaren der Republik. Be-
sonderes Interesse erwecken darunter die, welche uns
Bilder der altitalischen Gottheiten aufbewahrt haben,
die ja nur zu bald von den Göttern des griechischen
Olymp zurückgedrängt oder mit ihnen verschmolzen
wurden; ein Denar des um 79 v. Chr. amtierenden
78 Römische Münzen. Münzmeisters L. Procilius gibt uns ein der Beschreibung Ciceros (de natura deorum
78
Römische Münzen.
Münzmeisters L. Procilius gibt uns ein der Beschreibung
Ciceros (de natura deorum I 29,83) genau entsprechendes
Bild der Iuno Sospita von Lanuvium:
Renatus Consulto. Kopf des Iupiter mit Lorbeerkranz. — Rs.: |_ - PROCILI
Iuno Sospita mit dem Ziegenfell bekleidet, das über den Hinterkopf ge-
zogen ist, so daß die Horner als Kopfputz dienen, und mit Schnabelschuhen, in der
R. die Lanze zum Wurf erhebend, am 1. Arm Schild, vor ihr eine Schlange. —
M. Denar.
Zu erwähnen wären etwa noch die Musen als redende
Wappenbilder des Münzbeamten Q. Pomponius Musa, die
Köpfe des Honos und der Virtus auf Denaren des Q.
Fufius Calenus und Mucius Cordus, der Kopf des TRIVMPVS
auf dem Denar des L. Papius Celsus, der im
Gegensatz zu der Mehrzahl der Münzen der römischen
Republik sehr schön, fast in griechischem Geist ausgeführte
Kopf einer Sibylle auf den Denaren des L. Manlius
Torquatus.
Eine im Äußeren der römischen Denarprägung
gleichende, höchst merkwürdige Münzreihe der republi-
kanischen Zeit ist die der gegen Rom aufständischen Ita-
lioten im italischen Bundesgenossenkrieg, 91—82 v. Chr.
Ganz nach dem Muster des römischen Denars prägten die
Italioten Silberstücke mit dem Bilde der Göttin ihres
Staates, der ITALIA, im Gegensatze zur ROMA auf den
Denaren Roms.
Die lateinische Sprache wird bei der Mehrzahl der
Bundesgenossen-Münzen, wohl in beabsichtigtem Gegensatz
zu Rom, durch die einheimische oskische ersetzt; wir be-
sitzen eine reiche Prägung des geschichtlich bekannten
Feldherrn der Bundesgenossen, des G. Papius Mutilus, mit
langen oskischen Umschriften:
Römische Münzen. 79 »mutil embratur« in oskischer Schrift, d. h. Mutilus imperator, wie auch Livius
Römische Münzen.
79
»mutil embratur« in oskischer Schrift, d. h. Mutilus imperator, wie auch Livius den
Mutilus nennt. "Weiblicher Kopf mit Efeukranz. — Rs.: »g. paapi« in oskischer
Schrift; die Aufschrift beider Seiten zusammen ist also »g. paapi mutil embratur«,
d. i. Gaius Papius Mutilus imperator. Stier eine Wölfin niederwerfend. — JR. Denar.
Das Gepräge der Rückseite dieses seltenen Stückes ist eines
der merkwürdigsten der ganzen Reihe: der samnitische
Stier, das auf den meisten Bundesgenossen-Denaren
ruhig liegend dargestellte Symbol Italiens, die römische
Wölfin niederwerfend. — Ein anderes höchst merkwürdiges
Stück der Bundesgenossen-Prägung ist das Goldstück
des Minius Iegius — eines sonst unbekannten Heerführers
des Krieges — mit den Typen der pontischen Stadt Amisos:
Kopf einer Bacchantin oder des jugendlichen Bacchus. — Rs.: »mi. ieiis mi.« in
oskischer Schrift (der dritte Buchstabe des Gentilnamens ist ein Zwischenlaut
zwischen e und i), d. h. Minius Iegius Mi(nii) (filius). Die bacchische Cista, über
welche ein Ziegenfell gebreitet und der Thyrsus, mit Tänien geschmückt, gelehnt ist. —
A7. 8,49 S' Paris.
Die Münze ist zu Ehren des Königs Mithradates geprägt,
dessen Residenz Amisos war und der den italischen Bundes-
genossen seine Hülfe gegen Rom zugesagt hatte.
* *
*
So reich an historischen Typen und an Köpfen be-
rühmter Verstorbener die Prägungen der römischen Repu-
blik sind, so entbehren sie doch eines der größten Reize,
den uns die Münzen sonst bieten; niemals erscheint, ab-
gesehen von der makedonischen Prägung des Flamininus
(oben S. 5 2), der Kopf eines Lebenden auf den Münzen.
Mit der beginnenden Monarchie, mit Iulius Caesar,
8o Römische Münzen. erscheint zuerst der Kopf des Herrschers auf der Münze. Caesar erhielt im
8o
Römische Münzen.
erscheint zuerst der Kopf des Herrschers auf der Münze.
Caesar erhielt im Jahre seines Todes, 44 v. C, das Recht,
sein Bildnis auf die Münzen zu setzen, und hat in der
kurzen ihm noch gegönnten Lebenszeit aufs reichlichste
von diesem Rechte Gebrauch gemachi:
CAESAR IMP Kopf Caesars mit Kranz (ohne die bei Augustus und den andern
Kaisern erscheinende Bandschleife), dahinter Stern, auf Caesars Abstammung- von
der Venus bezüglich. — Rs.: PSEPVLLIVS [MAC ER] (der prägende
Münzbeamte). Stehende bekleidete Venus Genetrix, eine Victoria auf der R., die
L. auf das Zepter gestützt, welches unten in einen Stern endet. — JR. Denar.
Caesar wurde als D1VVS IVLIVS, »der unter die
Götter versetzte Iulius«, durch zahlreiche Gepräge des Octa-
vianus gefeiert; es wird von jetzt an Regel, daß die ver-
storbenen Herrscher und ihre verstorbenen Familienmit-
glieder nach ihrem Tode durch die CONSECRATIO zum
DI WS oder zur DIVA werden, wenn sie nicht, wie Nero
und Domitianus, für Feinde des Vaterlandes erklärt wurden.
Nach Caesars Ermordung nimmt die dem "Wesen der
Republik widersprechende Sitte, das Bild des prägenden
Machthabers auf die Münzen zu setzen, bald allgemein
überhand. Daß es sich in jener Zeit nicht mehr um den
Kampf der Freiheit gegen die Tyrannis handelte, daß es
nur ein Kampf verschiedener Faktionen war, der Caesars
gewaltsames Ende herbeiführte, beweist das Beispiel des
Brutus: der gefeierte Freiheitsheld ist einer der ersten,
der Caesars monarchisches Beispiel nachahmt und seinen
eigenen Kopf mit voller Namensumschrift auf die Münzen
setzt:
Römische Münzen. 81 BRVTVS IMPerator. Sein Kopf mit leichtem Bart. Das Ganze im Lorbeerkranz. —
Römische Münzen.
81
BRVTVS IMPerator. Sein Kopf mit leichtem Bart. Das Ganze im Lorbeerkranz.
— Ks.: CASCALONGVS Trophäe mit Waffen und Schiffsvorderteilen. —
Aureus.
Goldmünzen der römischen Republik treten zuerst unter
Sulla, dann unter Pompeius auf, werden aber erst in
caesarischer Zeit häufig. Die Silbermünze mit dem Porträt
des Brutus ist auch durch ihre Rückseite von besonderem
Interesse:
BRVTus |/V\Perator L - P LAE Torius C E S Tianus. Kopf des Brutus mit leichtem
Bart. Cestianus war ein Unterfeldherr des Brutus in Makedonien. — Rs.: EIDibus
MARtüs. Zwei Dolche, dazwischen die Freiheitsmütze, der »pileus libertatis«.—
M. Denar.
Beide Münzen gehören zu den interessantesten Denk-
mälern jener stürmischen Zeit: die erste ist geprägt von
Brutus' Unterfeldherrn im makedonischen Kriege, dem
Servilius Casca, der den ersten Dolchstoß gegen Caesar
führte. Den Bart trägt Brutus als Zeichen der Trauer um
das Unglück des Staates, wie andrerseits Caesars An-
hänger, z. B. Antonius, in derselben Zeit den Bart als
Zeichen der Trauer um den ermordeten Caesar tragen.
Die Prägungen des Cassius tragen niemals seinen Kopf.
Das Bild des Sohnes des T. Labienus, Caesars wohl-
bekannten Kriegsgenossen im gallischen Kriege, zeigt ein
seltener Denar:
Q. LABIENVS PARTHICVS I M Perator. Bärtiger Kopf des Labienus.
— Rs.: Gezäumtes und gesatteltes Pferd mit dem Quersack (bisaccium).— /R. Denar.
T. Labienus, der ausgezeichnete Feldherr Caesars, ver-
uneinigte sich später mit diesem und gehörte zu seinen
heftigsten Gegnern. Sein Sohn Q. Labienus blieb beim
6
82 Römische Münzen. Heere des Brutus und wurde von ihm an den Parther- könig Orodes
82
Römische Münzen.
Heere des Brutus und wurde von ihm an den Parther-
könig Orodes geschickt, um Hülfe zu erbitten. Nach der
Schlacht bei Philippi gelang es Labienus, ein parthisches
Heer zu erhalten und mit diesem Syrien und einen Teil
Kleinasiens zu erobern. Bald wurde er von Ventidius
Bassus, dem Legaten des Antonius, besiegt und getötet
39 v. Chr.). Labienus, der mit einem Partherheere seine
eigenen Mitbürger bekriegt, nennt sich auf den Münzen
PARTHICVS, was nach altem, würdigem Gebrauch doch
nur den Besieger der Parther bedeutet. So war in jener
Zeit der monarchischen Gewalthaber und ihrer wilden
Parteikämpfe jede Spur der römischen »gravitas« ge-
schwunden.
Es ist natürlich, daß die Triumvirn, deren Stellung
schon eine völlig monarchische war, auch ihrer reichen
Münzprägung einen durchaus monarchischen Charakter
geben. Das Bildnis des Pompeius ist uns in den schönen
Prägungen seines Sohnes Sextus erhalten, der als »prae-
fectus classi et orae maritimae« von den Triumvirn aner-
kannt wurde, aber bald nach erneuten Feindseligkeiten
einen gewaltsamen Tod fand:
M
AGnus PI V S • I M Perator | T E Rum, Namen und Titel des Sextus. »Pius« nennt
er
sich als Rächer seines Vaters. Kopf des großen Pompeius zwischen dem Opfer-
krug und dem Krummstab, Abzeichen der Augurwürde. — Rs.: PRÄ.Fectus
CLASsi ET' OR^E. M-tITimae EX-Senatus C°nsulto. Neptunus mit aplustre,
den Fuß auf das Vorderteil eines Schiffes setzend, zwischen den Brüdern aus Katana,
welche ihre Eltern bei einemAusbruch des Ätna retteten. Dies ist ein Hinweis
auf des Sextus Pietät gegen das Andenken des Vaters und zugleich auf Sizilien. —
M. Denar.
Der folgende Aureus gibt uns das Bild des Sextus:
Römische Münzen. 83 MAG nus PI VS-IM Perator ITERum. Kopf des Sextus in einem Eichenkranz,
Römische Münzen.
83
MAG nus PI VS-IM Perator ITERum. Kopf des Sextus in einem Eichenkranz,
welcher ihm als Retter proskribierter Bürger (ob cives servatos) zukam, vg-1. S. 93. —
Rs.: P R /£ F • C LAS - ET - 0 R /E. - A/R I T • EX - S • C Die einander zugekehrten Köpfe
des Cn. Pompeius, des Vaters, und eines seiner Söhne, wahrscheinlich des älteren
Sohnes Gnaeus, welcher bei Munda fiel. Hinter dem Kopf des Vaters Krumm-
stab, hinter dem des Sohnes Dreifuß (vielleicht ebenfalls wie der Krummstab auf
* des VatersAugfurat bezüglich). — Aureus.
In der Zeit des Triumvirats erscheinen häufig die
Köpfe desAntonius und des Octavianus, oft beide
auf einer Münze vereinigt, wie auf dem hier abgebildeten
Aureus und den entsprechenden Denaren aus dem Jahre
41 v. Chr.:
M ANTonius | \Perator A/Gur III VIR - Rei Publicae Constituendae M-
BARBATius Quaestor Pro praetore. Kopf desAntonius. — Rs.: CAESAR •
IM Perator PONTifex 111 - V I R- R- P- C-Kopf des Octavianus. — Aureus.
Octavianus führt diesen uns geläufigen Namen auf offiziellen
Denkmälern niemals; er heißt auf diesen CCAESAR oder
CAESAR, häufig noch DI VI Fl LI VS oder DI VI-1V Ll-Fl LI VS-
Weit seltener sind die Münzen des Lepidus; auch
in der Münzprägung ist die untergeordnete Rolle, welche
der bald entfernte Triumvir neben seinen mächtigen Amts-
genossen Antonius und Octavianus spielte, sehr erkennbar:
M LEPIDVS- III - VIR - R - P - C Sein Kopf. - Rs.: LMVSSIDIVS-
LONGVS Füllhorn. — Aureus.
Eine der merkwürdigsten Prägungen der Triumvirn-
Herrschaft ist der nur in dem einzigen Exemplar unserer
6*
84 Römische Münzen. Sammlung bekannte Aureus mit den Köpfen des M. Antonius und seiner Gemahlin
84
Römische Münzen.
Sammlung bekannte Aureus mit den Köpfen des M. Antonius
und seiner Gemahlin Octavia:
M-ANTONIVS IMPIII-VIRRPC Sein Kopf. - Rs.: Kopf der Octavia.
Aureus.
Der Kopf der Octavia kommt sonst auch noch aut
kleinasiatischen Cistophoren (s. oben Seite 56) mit dem
des Antonius vor; die abgebildete Goldmünze hat aber
noch ein weiteres geschichtliches Interesse. Der Streit der
beiden Beherrscher des römischen Reiches wurde durch
den Vertrag von Brundusium und die Vermählung des
Antonius mit Octavia, Octavianus' Schwester, im Jahre
40 v. Chr. scheinbar beigelegt, und die Goldmünze scheint
dieses denkwürdige Ereignis des Friedensschlusses und der
Verschwägerung beider Herrscher zu feiern.
Bald aber begannen die Feindseligkeiten von neuem.
Antonius trennt sich von Octavia und erscheint als Gemahl
der Kleopatra nicht nur auf den provinzialen griechischen
Prägungen, sondern auch aut den ganz nach römischen
Mustern geprägten Denaren:
REGINAE REGVM FIL10RVM REGVM CLEOPATRAE Brustbild
der Kleopatra mit Königsbindo über einem SchifTsvorderteil, welches ihre Seemacht
andeutet. Sie heißt »Königin der Konige, die Söhne von Königen sind«, da Antonius
ihr die Reiche des Orients schenkte. — Rs.: ANTONIAS ARMENIA
DEVICTAKopf des Antonius, dahinter die tiara, der Kopfschmuck des be-
siegten Königs Artavasdes vonArmenien, welchenAntonius im Jahre 34 v. Chr.
im Triumph der Kleopatra vorführte. — JR. Denar.
Auch hier, wie aut den oben S. 50 besprochenen
griechischen Münzen des Herrscherpaares, bildet die ein-
Römische Münzen. 85 fache Umschrift des Antonius einen merkwürdigen Gegen- satz zu der schwülstigen, echt
Römische Münzen.
85
fache Umschrift des Antonius einen merkwürdigen Gegen-
satz zu der schwülstigen, echt orientalischen Titulatur der
Kleopatra.
Antonius' Prägungen tragen auch sonst im Gegensatz
zu dem klugen, zurückhaltenden Octavianus einen stark
monarchischen Charakter. Er prägt Goldmünzen mit seinem
und seines Sohnes, des sogenannten Antyllus, Kopf, welcher
im Jahre 34 die toga virilis erhielt und nun vom Vater
gleichsam als prädestinierter Reichsnachfolger gefeiert wird:
M-ANTONIUS Marci Filius Marci Nepos AVGur | M Perator TERTium
Kopf des Antonius. — Rs.: COS-ITERum AESIGNatus TERTium |||-
VIR-R - P-C Kopf des Antyllus. In den Jahren 34—32 v. Chr. wahrscheinlich in
Ägypten geprägt, die Buchstabenformen sind unrömisch, g-leich denen auf den
Denaren mit Kleopatras Kopf. — Aureus.
Auch Antonius' Bruder, L. Antonius, Konsul des
Jahres 41, welcher den Perusinischen Krieg gegen Augustus
führte, ebenso Domitius Ahenobarbus setzen ihr Bildnis
auf ihre Münzen.
Alle diese Prägungen großer und geringer Machthaber
nahmen ein Ende, als Augustus der alleinige Beherrscher
des römischen Reiches geworden. Seit dieser Zeit zeigen
die in allen drei Metallen in großen Massen vor-
handenen Gepräge des römischen Reiches mit wenigen
Ausnahmen auf der Vorderseite den Kopf und die
Namensinschrift und Titulatur des Kaisers. Die sich
allmählich fest gestaltende Form dieser Inschrift ist
folgende: »Imperator Caesar (dann folgt der Name) pontifex
maximus tribunicia potestate (dann folgt die Zahl) consul
(Zahl) pater patriae«; die einzelnen Wörter fast immer
abgekürzt: IMP-CAES-, P M- oder PONT-MAX-, TR-P-,
COS-, P-P- Der Kaiser führt zunächst den alten Imperator-
titel als Praenomen; oft stehen die folgenden Titel in
etwas anderer Reihenfolge; vielfach ist außer dem Prae-
nomen Imperator noch am Schluß oder gegen das Ende
der Titulatur die Zahl der wirklichen Akklamationen
86 Römische Münzen. zum Imperator zugefügt: IMP-III-, IMPERATOR-II- und ähnlich. Die Kopftracht des
86
Römische Münzen.
zum Imperator zugefügt: IMP-III-, IMPERATOR-II- und
ähnlich.
Die Kopftracht des Kaisers ist seit Augustus der
Lorbeerkranz mit langer Bandschleife, oft ist der bloße
Kopf dargestellt. Seit Nero tritt häufig die ebenfalls mit
Bandschleife versehene Zacken- oder Strahlenkrone mit
schmalem Reifen auf, welche in später Zeit die gewöhn-
liche Kopftracht ist. Seit Constantinus dem Großen findet
sich das reich verzierte, aus einzelnen Schildchen, wohl
geschnittenen Steinen und verzierten Goldplatten, bestehende
Diadem, welches bald die gewöhnliche Zierde des Kopfes
wird. Auch der Helm erscheint in später Zeit nicht selten,
besonders oft bei Probus, am schönsten und reichsten
geschmückt bei Postumus. Außer den Kaisern selbst
erscheinen häufig ihre Gemahlinnen und Töchter, Mütter
und andere weibliche Verwandte mit dem Titel AVGVSTA.
Die Söhne, die wirklichen wie die adoptierten, auch andere
jüngere männliche Verwandte der Kaiser führen den Titel
CAESAR, mit wenigen Ausnahmen nicht als Praenomen,
sondern hinter den Namen gesetzt; meist tragen diese
Prinzen keinen Kranz, doch werden diese allgemeinen
Regeln vielfach verändert, so z. B. erscheinen die Söhne
des Vespasianus häufig mit dem Kranz. In späterer Zeit
trägt der Cäsar die Zackenkrone, aber nie den Lorbeerkranz.
Die Gold- und Silberprägung steht dem Kaiser selbst
zu; die Kupferprägung geschieht auf Befehl des Senats
und wird durch die in früher Zeit oft als alleiniger Typus
erscheinenden Buchstaben S C, senatus consulto, bezeichnet.
Dieser Gebrauch verliert sich gegen Ende des 3. Jahr-
hunderts; zuletzt finden wir das S C bei dem Nachfolger
und Bruder des Kaisers Tacitus, Florianus (276 nach Chr.).
Die Nominalbezeichnung der Münzen aus Kupfer
bez. Kupferlegierungen (Sestertius, Dupondius, As usw.)
in der früheren Kaiserzeit steht nicht sicher fest, daher
wird hier an der alten, unwissenschaftlichen Benennung
»Kupfermünzen erster, zweiter, dritter Größe (^E I, JE II, JE
III)« festgehalten. Nur unter Nero kommen Wertzeichen
vor, auf dem Dupondius II oder TT, die Rückseite zeigt u. a.
das Macellum, die Markthalle Roms, auf dem kleineren As I
oderT, die Rückseiteist: GENIO AVGVSTI, opfernder Genius.
Die häufigsten Edelmetallmünzen der Kaiserzeit sind
das Goldstück, der Aureus im Gewicht von etwa 8 Gramm,
Römische Münzen. 87 in späterer Zeit leichter werdend, und der Denar, die ge- wöhnliche Silbermünze.
Römische Münzen.
87
in späterer Zeit leichter werdend, und der Denar, die ge-
wöhnliche Silbermünze. Seit Caracalla prägt man neben dem
Denar zuerst selten, dann vorwiegend größere Silberstücke,
vermutlich nach dem Urheber argenteus Aurelianus oder
Antoninianus genannt, wie man annimmt = 2 Denaren,
der Kopf des Kaisers hier mit der Strahlenkrone, auf den
gewöhnlichen Denaren mit dem Lorbeerkranz. In späterer
Zeit verdrängt der immer schlechter, zuletzt fast völlig zu
Kupfer werdende Antoninianus den Denar gänzlich, bis
Diocletianus wieder die Münzverhältnisse regelt und eine
Münze aus reinem Silber, 96 auf das römische Pfund von
etwa 327 g, ausprägt (wohl der argenteusminutulus); daneben
stehen zwei Kupfersorten mit ganz schwachem Silberzusatz,
die pecunia maiorina oder follis und eine kleinere Münze,
die entweder den denarius communis (welch letzterer im
Wert von I/5oooo Pfund Gold = etwa 1,8 Pfennig dem be-
kannten Warentarif zugrunde liegt), oder sein Doppeltes dar-
stellt. Constantinus der Große prägt zuerst den später durch
Valentinianus I. gesetzlich eingeführten 77* Pfund (=4,55 g)
schweren Solidus und setzt zuweilen auf die Gold-
stücke die Zahl LXX1I (vgl. S. 121). Seit Valentinianus I.
diesen Fuß gesetzlich festgelegt hat, finden wir auf den
Goldmünzen die Bezeichnung OB, die früher als das
griechische Zahlzeichen 72 galt und auf jenen Münzfuß
bezogen ward, die aber richtiger als ob(ryziacus), d. h.
Münze aus geläutertem Golde, gedeutet wird; das Wort
OBR = obryza ist den in Siebenbürgen gefundenen spät-
römischen Goldbarren aus der zweiten Hälfte des vierten
Jahrhunderts aufgeprägt.
In der hier beschriebenen Reihe der Münzen ist eine
große Anzahl sogenannter Medaillons mit aufgeführt, d. h.
solcher Stücke, welche durch ungewöhnliche Größe und
eine die gewöhnlichen Münzreihen meist weit überragende
Schönheit oder in späterer Zeit wenigstens Zierlichkeit der
Arbeit sich auszeichnen und nicht als kursierendes Geld,
sondern in unserem Sinne als Erinnerungsstücke, Medaillen,
zu betrachten sind. Es sind aber durchaus offizielle, beim
Edelmetall nachweislich nach dem herrschenden Münzfuß
genau ausgeprägte Stücke, und sie unterscheiden sich da-
durch von unsern Medaillen. Schon Augustus hat Gold-
medaillons geprägt, wie das einzige bekannte, in Herculaneum
gefundene, im Jahre 5 nach Chr. geprägte Stück beweist:
88 Römische Münzen. CAESAR-AVGVSTVS DIVI Filius PATER PATRIAE Kopf des Aug-ustus mit Lorbeerkranz. — Rs.:
88
Römische Münzen.
CAESAR-AVGVSTVS DIVI Filius PATER PATRIAE Kopf des
Aug-ustus mit Lorbeerkranz. — Rs.: | M Perator XV, im Abschnitt S I C I Lia. Diana
r. schreitend, von altertümlichem Charakter, mit der R. einen Pfeil ans dem Köcher
nehmend, in der L. Bogen. — Goldmedaillon {33,4t g, vierfacher Aureus). Neapel.
Augustus feiert auf seinen Münzen die sizilische Diana
und den Apollo von Actium, weil seine Herrschaft durch
die Besiegung des M. Antonius bei Actium und des Sextus
Pompeius bei Artemisium, dem Heiligtum der Diana bei
Mylae in Sizilien, begründet wurde. — Erst unter Domitianus
treten wiederum Goldmedaillons auf, bleiben aber sehr
selten und werden erst in der späten Kaiserzeit, nament-
lich seit Constantinus, häufiger. Silbermedaillons treten
zuerst unter Domitianus auf und werden gleichfalls seit
Constantinus häufiger. Kupfermedaillons beginnen unter
Traianus; in der ersten Zeit, unter Traianus und Hadrianus,
tragen sie teilweise noch die Bezeichnung der senatorischen
Prägung S C, sind also noch Münzen. Später ver-
schwinden diese Buchstaben. Bisweilen sind die Kupfer-
medaillons mit gleichzeitigen großen, verzierten Rändern
umgeben, in solchen Fällen haben sie also als Schmuck-
stücke gedient. Man hat früher geglaubt, daß die Kupfer-
medaillons als Verzierung der Feldzeichen gedient, doch
ist eine derartige Verwendung nicht nachzuweisen. Eine
interessante Art ihrer zufälligen Verwendung ist durch
die Monumente selbst bekannt geworden: in den Kata-
komben Roms findet man mehrfach in die Kalkwand der
Gräber Medaillons eingeklebt.
In der überaus reichen, schön und sorgfältig aus-
geführten Münzreihe des Augustus treten uns die Segnungen
seiner friedlichen Herrschaft deutlich vor Augen. In sinnig
gewählten Darstellungen, mit schönen, durch ihre stolze Ein-
fachheit ausgezeichneten Inschriften werden die Friedenstaten
Römische Münzen. 89 des weisen Herrschers gefeiert; so die Rückgabe der in den unglücklichen Kriegen
Römische Münzen.
89
des weisen Herrschers gefeiert; so die Rückgabe der in
den unglücklichen Kriegen gegen die Parther verlorenen
Feldzeichen und Gefangenen unter Phraates IV. 20 v. C:
Senatus Populus (lue Romanus IMPCAESARIAVGCOSXI-TR Ibunicia
POTestate VI • Kopf des Augustus. — Rs.: CIVIBus ET SIGNis M I LI Taribus
A PA R This R E C V Peratis. Triumphbogen, oben Augustus in einer Quadriga,
zwei Parther reichen ihm Feldzeichen dar. — Aureus.
Die Fürsorge des Herrschers für Handel und Verkehr
preist ein Denar, auf welchem der Wegebau des Augustus
rühmend erwähnt Wird: Senatus Populus Q.ue Romanus IMPeratori
CAESari Q.VOD Viae Munitae Sunt EX EA Pecunia Q_uam IS Ad Aerarium
DEtuiit. — Das Porträt des Augustus, welches fast durchgängig
die Vorderseite der Münzen einnimmt, ist bisweilen von
wunderbarer Feinheit:
D1VVS - AVGVSTVS • PATER- Sein Kopf mit Strahlenkronc. — Rs.:
Senatus Consulto im Kranze aus Lorbeer- und Eichenlaub. — /E II.
Auch Familenangehörige des Augustus erscheinen auf
den Münzen, aber nicht in jener unmäßigen, fast brutalen
Weise, wie bei Antonius; auch hier zeigt sich das kluge
Maßhalten des Augustus in schönster Weise. Wir finden
auf seinen Münzen inschriftlich bezeichnet nur den Kopf
des Agrippa, des großen Seehelden, des Schwiegersohnes
des Augustus und Gemahls der Iulia:
9o Römische Münzen. CAESAR AVGVSTVS Kopt des Augustus. - Rs.: M AGRIPPA PLATORINVS III VIR
9o
Römische Münzen.
CAESAR AVGVSTVS Kopt des Augustus. - Rs.: M AGRIPPA
PLATORINVS III VIR (Platorinus ist der Münzmeister) Kopf des Agrippa.—
M. Denar.
Nach Agrippas Tode und zwar wohl erst unter
Tiberius geprägt sind die häufigen, durch ihr schönes,
energisches Bildnis ausgezeichneten Kupfermünzen, auf
welchen der Seeheld die Zierde der Schiffskrone (corona
rostrata) trägt, welche er für seine Siege über Sextus
Pompeius erhalten hatte:
M- A G R I P P A - Luci Filius COS-III Kopf des Agrippa mit der Corona rostrata.
— Rs.: Senatus C°nsulto. Stehender Neptunus mit Delphin und Dreizack. — M II.
Auch ein verstecktes Bildnis der Tochter des Augustus,
der unglücklichen Iulia, Agrippas Gemahlin, besitzen wir:
der Münzbeamte des Augustus C. Marius aus der Tribus
Tromentina prägte Denare mit Augustus' Kopf auf der
Vorderseite und drei kleinen Köpfen auf der Rückseite,
zwei jugendlichen männlichen und dazwischen einem weib-
lichen. Es sind dies Iulia und ihre Söhne, Gaius und Lucius
Caesar, denen Augustus die Nachfolge in der Herrschaft
gesichert hatte. Andere seltene Münzen desselben Münz-
beamten des Augustus zeigen als Rückseite einen durchaus
porträthaft aufgefaßten, durch den Köcher als Diana
charakterisierten Kopf, in welchem wir wohl ebenfalls die
Iulia zu erkennen haben:
Römische Münzen. 9' AVGVSTVS Kopfdes Augustus, dahinter der Augurstab. — Rs.: C - M A
Römische Münzen.
9'
AVGVSTVS Kopfdes Augustus, dahinter der Augurstab. — Rs.: C - M A R I V S
TRO- (hier unvollkommen ausgeprägt) III-VIR Brustbild der Iulia als Diana
mit Köcher an der Schulter. — JR. Denar.
Die beiden jungen Prinzen selbst, deren Köpfe uns
auf provinzialen Prägungen häufig begegnen, erscheinen in
ganzer Figur mit rundem Schild und Lanze (Geschenke des
Ritterstandes an den princeps iuventutis), simpulum (Schöpf-
gefäß) und lituus (Krummstab), beides Zeichen der Augur-
würde, und mit der vollen Titulatur in der langen Umschrift:
CLCAESARES AVGVSTI F • COS D ESIG - PRINC - IVVENT.
Princeps iuventutis ist der von jetzt an bei dem Thron-
folger gewöhnliche Titel, als Führer des Ritterstandes.
Nur wenige Münzen des Augustus feiern nach dem
frühen Tode des Gaius und Lucius die Adoption des
Tiberius. Auf einem Aureus aus Augustus' letztem
Lebensjahr erscheint der Kopf des Tiberius. Zahlreiche
Münzen tragen das Bildnis des älteren Bruders des Tiberius,
des älteren Drusus, doch sind sie sämtlich erst nach
seinem Tode, größtenteils unter Claudius, dem Sohne des
Drusus, geprägt. Für uns von hohem Interesse ist die
Darstellung germanischer Waffen auf der Rückseite:
NEROCLAVDIVSDRVSVSGERMANICVSIMP-Kopfdes Drusus.
— Rs.: Umschrift des Claudius Tl CLAVDIVSCAESARAVGPMTR-
P-IMP'P' P SC Drusus auf der sella curulis sitzend, in der R. Zweig.
Rings um ihn germanische Waffen: Panzer, Schilde, Speere usw.; vielleicht eine
dem Drusus errichtete Bildsäule. — JE I.
02 Römische Münzen. Auch auf den gleichfalls erst unter Claudius ge- schlagenen Denaren des älteren
02
Römische Münzen.
Auch auf den gleichfalls erst unter Claudius ge-
schlagenen Denaren des älteren Drusus werden seine
germanischen Siege gefeiert: wir sehen seine Reiterstatue
auf dem Triumphbogen, auf beiden Seiten Trophäen, mit
der Beischrift DE GERMANIS.
In die Fußtapfen des Vaters Drusus trat sein Sohn
Germanicus; an seine in den Jahren 14—16 ausgeführten
Feldzüge in Germanien erinnert ein schönes, für unser
Vaterland wichtiges Münzdenkmal:
GERMANICVS CAESAR Der Prinz im vierspännigen Triumphwagen mit
dem Adlerzepter. - Rs.: SIGNIS RECEPTis DEVICTIS G E R Manis
S C Germanicus in Feldherrntracht mit einem Legionsadler im Arm, die R. er-
hebend. Es ist dies der typisch gewordene Gestus der häufig auf den Münzen
dargestellten »adlocutio«, der Ansprache des Feldherrn oder Kaisers an das
Heer. — JE II.
Germanicus besiegte die Deutschen, sogar Arminius,
den Sieger in der Teutoburger Schlacht, gewann die in
jener Niederlage verlorenen Feldzeichen wieder (16 nach Chr.)
und feierte im folgenden Jahre in Rom einen großen
Triumph »de Germanis«.
Seine Gemahlin, Agrippina die ältere, Mutter des
Caligula, Enkelin des Augustus, Tochter des Agrippa tritt
uns auf folgender Münze entgegen:
Römische Münzen. 93 AGRIPPINA M F G E R M A N I C IC
Römische Münzen.
93
AGRIPPINA M F G E R M A N I C IC A ES ARIS-ihr Brustbild. - Rs.:
TICLAVDIVSCAESARAVGGERM-PMTRPIMPPP-
S C-^E I.
Die Münze ist unter Claudius, dem Schwager der
Agrippina, nach deren unter Tiberius erfolgtemTode
geprägt und durch Feinheit in der Ausführung des Bild-
nisses ausgezeichnet.
CCAESARAVGGE RMANIC V S • P 0 NTM T R P 0 T- Kopf mit Kranz.
- Rs.: S P a-R Patri Patriae OB CIVES SERVATOS im Eichen-
kranz. — /EI.
Caligula hieß Gaius Caesar, der Beiname ist eine
scherzhafterweise dem jungen Prinzen wegen seiner
Soldatenschuhe gegebene Benennung. Der Eichenkranz
ist das Ehrenzeichen für Rettung und Erhaltung der Bürger.
Claudius 41—54 n.Chr.
TI CLAVDIVS CAESAR AVG P M TR P IMP Kopf mit Kranz.-
Rs.: SPES AVG VSTA Schreitende Spes, unten S"C — ML
Die Figur der Spes ist eine häufige Darstellung auf Münzen
der römischen Kaiserzeit; hier ist die Figur absichtlich
altertümlich gehalten, »archaisierend«. Das eng gefältelte
94 Römische Münzen. Gewand, die kurz schreitende Stellung sind altertümlichen Tempelbildern entnommen; fast
94
Römische Münzen.
Gewand, die kurz schreitende Stellung sind altertümlichen
Tempelbildern entnommen; fast genau dieselbe Stellung
und Auffassung finden wir z. B. bei der schönen altertümlichen
Athena im Tempelgiebel von Aigina.
Agrippina die jüngere, Schwester des Caligula, Gemahlin des Claudius,
Mutter des Nero aus ihrer ersten Ehe mit Domitius Ahenobarbus.
Tl CLAVD CAESAR AVG GERM P M TRIB POT P P Kopf
des Claudius'mit Lorbeerkranz. — Rs.: AGRIPPINAEAVGVSTAE Brust-
bild der Agrippina mit Ährenkranz, als Ceres. — Aureus.
Bronzemünzen der jüngeren Agrippina, wohl gleichfalls unter
Claudius geprägt, sind erst seit kurzem mit Sicherheit
nachgewiesen worden.
Nero 54—68 n. Chr.
NERONI CLAVDIO DRVSO GERMANICO COS DESIGnato.
Brustbild des jugendlichen Nero, welcher in seinem 14. Jahre zum Consul designiert
wurde. — Rs.: Schild und Lanze. Auf dem Schilde die Inschrift: EQ-VESTER
ORDO PRINCIPI IVVENTutis.-^Li.
Die Rückseite dieser Münze zeigt die Ehrengaben des
Ritterstandes an den jungen Prinzen, runden Schild und
Lanze, wie wir sie oben (S. 91) als Attribute der Enkel
des Augustus gesehen haben. Die Münze gehört zu den
wenigen reichsrömischen Bronzemünzen, denen der Vermerk
S C fehlt.
Römische Münzen. 05 NERO CLAVDIVS CAESAR AVG GERM PMTRP IMP P P Kopf mit Kranz
Römische Münzen.
05
NERO CLAVDIVS CAESAR AVG GERM PMTRP IMP P P
Kopf mit Kranz und leichtem Bart; am Halse die aegis. — Rs.: DECVRSIO
S C Der Kaiser mit eingelegter Lanze und ein zweiter Reiter mit Fähnchen
(vexillutn) rechtshin sprengend. — /IS I.
Diese allein auf Neros Münzen dargestellte »decursio«
war ein kriegerisches Reiterspiel. Die schön geschnittenen
Stempel dieser Münze lassen bei dem ersten Reiter trotz der
Kleinheit Neros charakteristischen Kopf deutlich erkennen.
Von den Ereignissen unter Neros Regierung ist keines
so oft auf den Münzen gefeiert worden wie die in der Form
der feierlichen Schließung deslanustempels erfolgte Erklärung
des Friedenszustandes; von den zahlreichen Münzen mit
diesem Gepräge ragt die folgende durch die eigenartige
Auffassung des Kaiserporträts hervor:
NERO-CAESAR AVG IMP TR POT-XI PPP (das erste Pwohl fehler-
haft und der Schluß also POT XII P P zu lesen; solche Fehler sind allerdings
auf den sorgfältig ausgeführten Münzen der frühen Kaiserzeit selten). Sein Brust-
bild mit Lorbeerkranz, Panzer und Mantel. — Rs.: PACE Populo Romano X E R R A•
MARIO-ue PARTAIANVM CLVSIT-S C Der geschlossene Ianus-
tempel. — I.
Nach Neros Tode im Jahre 68 n. Chr. finden wir mehrfach
Prägungen republikanischen Charakters; das Verlangen nach
der alten »libertas« regte sich; in Gallien wurde eine ziemlich
96 Römische Münzen. umfangreiche Reihe derartiger gleichsam republikanischer Münzen geprägt, meist in
96
Römische Münzen.
umfangreiche Reihe derartiger gleichsam republikanischer
Münzen geprägt, meist in Silber, selten in Gold. Eine
derselben hat den Kopf der LIBERTAS Populi Romani RESTITVTA
und als Rückseite die Darstellung jener merkwürdigen, auf
Caesars Ermordung bezüglichen Münze des Brutus (oben S. 81):
die beiden Dolche und die Freiheitsmütze. Eine andere hat
denselben Kopf der wiederhergestellten Freiheit, auf der
Rückseite den runden Schild mit der Inschrift SPO.R, vom
Eichenkranz umgeben.
Diese republikanische Bewegung zeigt sich in ähnlicher
Weise in Afrika. Dort prägte L. Clodius Macer als
Propraetor von Afrika Denare nach republikanischem Muster
mit allegorischen Typen, z. B. dem Kopfe der Stadtgöttin
von Karthago, mit dem Triquetrum, dem Sinnbilde von
Sizilien, mit den Namen der Legionen und ihren Feld-
zeichen; sein eigener Name steht meist im Genetiv, wie bei
den Denaren der Republik; aber der ephemere Machthaber
setzte in der Weise der Gewalthaber der Bürgerkriege
auch sein eigenes Bildnis auf die Münzen:
L-CLODIVS MACER Senatus Consulto (diese Bezeichnung tragen alle
Denare des Macer). Sein Kopf. — Rs.: PRO PRAE AFRICAE Bemanntes
Schiff. — M. Denar. Paris.
Mit der Anerkennung des Galba (68 — 69 n. Chr.)
nehmen diese republikanischen Regungen ihr Ende:
SERvius GALBA-IMP - CAESAR • AVG P-M TRP Sein Kopf mit
Kranz. — Rs.: CONCORD AVG S C Sitzende Concordia mit Zweig und
Zepter. — /El.
Römische Münzen. 97 Von Galba besitzen wir trotz seiner kurzen Regierungs- zeit eine ansehnliche Menge
Römische Münzen.
97
Von Galba besitzen wir trotz seiner kurzen Regierungs-
zeit eine ansehnliche Menge von Münzen in allen drei
Metallen. Auch von seinen ephemeren Nachfolgern Otho
und Vitellius (69 n. Chr.) haben wir eine ziemlich große
Anzahl Münzen:
IMP M OTHO CAESAR AVG TRP Sein Kopf; die zierliche Anordnung
der Haare weist darauf hin, daß Otho eine Perücke trug-. — Rs.: SECV RITAS
Populi Romani. Stehende Securitas mit Kranz und Zepter. — Aureus.
Römische Kupfermünzen des Otho fehlen, nicht etwa
weil er vom Senate nicht anerkannt worden wäre, — denn
leicht hätte er, wie später Postumus tat, sich selbst einen
Senat ernennen können; der Grund ist vielmehr der, daß
er erst kurz vor seinem am 14. März erfolgenden Aufbruch
gegen Vitellius, nämlich bei den Sacerdotalkomitien am
9.März, die Würde des pontifex maximus übernahm. Von
dieser aber hing der Beginn der Kupferprägung ab. Der
Senat hat dann nach seiner Entfernung von Rom ruhig mit
dem Prägen gewartet, bis die Entscheidung (am 15. April)
gegen Otho ausfiel; daher das Fehlen der Kupfermünzen Othos.
Aus Vitellius' achtmonatiger Regierungszeit haben
wir eine reiche Gold- und Silberprägung, seltener sind die
Kupfermünzen; diese letzteren sind bisweilen von hoher
künstlerischer Vollendung. Das hier abgebildete prächtige
Stück mit hellgrüner Patina ist durch feine Durchführung
des Porträts und herrliche Erhaltung ausgezeichnet:
9« Römische Münzen. Aulus VITELLIVS GERMANICVS IMPAVG P M TR PSeinBrust- bild mit Kranz und
9«
Römische Münzen.
Aulus VITELLIVS GERMANICVS IMPAVG P M TR PSeinBrust-
bild mit Kranz und Gewand. — Rs.: MARS VICTOR S C Schreitender Mars,
eine Victoria und ein Feldzeichen tragend. — I.
Vitellius führte absichtlich den Caesar-Namen und -Titel
nicht.
Des Vespasianus zehnjährige Regierung (69 bis
79 n. Chr.) zeichnet sich durch reiche Prägung aus. Be-
sonders merkwürdig sind die Münzen, welche den durch
Vespasianus geführten, von seinem Sohne Titus siegreich
beendeten jüdischen Krieg und die Besiegung von Iudaea
feiern:
IMP CA ES VESPASIAN AVGPMTRPPP COS III Sein Kopf mit
f Kranz. — Rs.: IVDAEA CAPTA SC Palmbaum, als Andeutung des Landes,
darunter die trauernde Iudaea, Waffen und ein stehender Gefangener. — JE 1.
Titus 79—81 n.
Chr.
_^
T CAES VESP IMP-PON TR POT COS fi CENS Sein Kopf mit
Kranz. — Rs.: S-C Der siegreiche Kaiser, mit Zweig und Zepter im Vier-
gespann. — JE I.
Der sonst bei den Kaisern nicht vorkommende Censor-
titel begegnet uns häufig auf den Münzen des Vespasianus
und seiner Söhne. Die abgebildete Münze ist noch bei
Römische Münzen. 99 Lebzeiten von Titus' Vater Vespasianus im Jahre 7 2 oder 73 Chr.
Römische Münzen.
99
Lebzeiten von Titus' Vater Vespasianus im Jahre 7 2 oder
73 Chr. geprägt.
Domitianus 81—96 n. Chr., des Vespasianus zweiter Sohn.
DOMITIANVS AVGVSTVSSeinKopfmitKranZ.-Rs.:GERMANICVS
COS XI III Trauernde besiegte Germania auf dem Schild, unten zerbrochener
Speer. — Aureus.
Die Münze, im Jahre 88 oder 89 n. Chr. geprägt, feiert
einen Sieg des Kaisers in einem seiner Feldzüge gegen
die Germanen in den Jahren 83 bis 89. Die dargestellte
trauernde Germania trägt die Kleidung der germanischen
Krieger, eng anliegende Hosen; der Schild, von länglich-
sechseckiger Form, ist ebenfalls ein oft vorkommender,
charakteristischer Teil der germanischen Kriegstracht.
Auch die Frauen des flavischen Kaiserhauses finden
wir auf den Münzen, so Domitilla, die Gattin des Vespa-
sianus, Domitia, die Gattin des Domitianus, und Iulia, die
Tochter des Titus:
IVLIAAVGVSTA Ihr Brustbild. - Rs.: DIVI TITI Fl LI A Radschlagender
Pfau von vorn. — Aureus.
Die Münze ist unter Domitianus nach Titus' Tode geprägt;
der Pfau als Attribut der Iuno ist ein häufiges Gepräge
auf den Münzen der Kaiserinnen.
Nervas (96—98 n. Chr.) nicht zahlreiche Münzreihe
ist durch zwei merkwürdige Stücke ausgezeichnet, welche
von der landesväterlichen Fürsorge des bejahrten Herrschers
Zeugnis ablegen:
7*
100 Römische Münzen. IMP NERVA CAES AVG P M TR P COS III P P
100
Römische Münzen.
IMP NERVA CAES AVG P M TR P COS III P P Sein Kopf mit
Kranz. - Rs.: FISCI IVDAICI CALVMNIA SVBLATA S C Palm-
bäum. — JE 1.
Die Juden mußten nach der Eroberung des Landes die
bisher für den Tempel Jehovas verwendete Steuer von zwei
Drachmen fortan für den Tempel des capitolinischen Iupiter
zahlen. Unter Domitianus war bei der Eintreibung der Steuer
viel Willkür verübt worden, welche Nerva abstellte.
Eine andere Münze zeigt uns die Umschrift VEHICVLA-
TIONE ITALIAE REMISSA und zwei grasende Maultiere
neben einem leichten Wagen. Die »vehiculatio Italiae« war
die Verpflichtung, in Italien den kaiserlichen Beamten
unentgeltlich Wagen und Zugtiere zu stellen. Nerva schaffte
diese lästige Verpflichtung ab.
Traianus' (98—117 n.Chr.) Münzreihe feiert durch
zahlreiche Gepräge seine Siege über die Dacier, Parther
und Germanen; er selbst heißt nach ihnen GERMANICVS
DACICVS PARTHICVS. Auch seiner friedlichen Tätigkeit
gedenken viele schöne Gepräge. Die VIA TRAIANA, die
von Traianus erbaute Straße durch die pontinischen Sümpfe,
erscheint als weibliche Gestalt mit einem Rad in der
Hand, an einen Felsen gelehnt; die ALIMenta ITAÃœae er-
innern an die Verwendung von Einkünften aus Landbesitz in
Italien für den Unterhalt der Kinder der Bürger; die
AO.VA TRAIANA feiert des Kaisers Fürsorge für die Wasser-
leitungen Roms. Auch die Prachtbauten des Kaisers finden
wir auf den Münzen, z. B. die BASILICA VLPIA:
Römische Münzen. IOI IMPTRAIANVS AVG GER DAC P M TR P COS VI P P
Römische Münzen.
IOI
IMPTRAIANVS AVG GER DAC P M TR P COS VI P P Sein
Brustbild mit Kranz, Panzer und Mantel. — Rs.: BASILICAVLPIA Die
Basilica mit Victorien, Zwei- und Viergespannen geschmückt. — Aureus.
ferner das ebenfalls reich mit Säulen, Quadrigen, Trophäen
und Statuen geschmückte FORVM TRAIANI, endlich die
auf diesem Forum stehende noch erhaltene Säule mit den
in Spirallinien sie schmückenden Reliefs.
Sehr zahlreich ist Traianus' Prägung in allen drei
Metallen mit der Umschrift Senatus Popuius O-ue Romanus OPT1MO
P RING PI und den verschiedensten Typen, darunter die
ARABia ADO-uisita, zur Erinnerung an die Einverleibung
Arabiens i. J. 106. Der Titel » optimus princeps « war ihm
i. J. 113 vom Senate verliehen worden.
Neben seinemAdoptivvater, dem DIVVS NERVA, feiert
Traianus auch seinen verstorbenen rechten Vater, den
Proconsul M. Ulpius Traianus, welcher, obgleich er nicht
Kaiser war, nach seinemTode konsekriert wurde, auf den
Münzen als DIVVS PATER TRAIANVS. Nur ein einziges
verwandtes Beispiel aus späterer Zeit bilden die Kupfer-
münzen von Philippopolis in Arabien, welche dem ver-
storbenen Vater des Kaisers Philippus (244 — 249 n. Chr.),
dem 0€Q MAPINQ, gewidmet sind.
Die Frauen der Familie des Traianus erscheinen eben-
falls auf den Münzen:
Plotina, des Traianus Gemahlin.
PLOTINA-AVG IMP -TRAIANI Ihr Brustbild mit Gewand. - Rs.:
FIDES AVGVST S C Fides stehend mit Ähren und einer Schale mit
Früchten. -^1.
Auch die Marciana, des Traianus Schwester, und
deren Tochter Matidia, die Mutter der Sabina, der
Gemahlin des Hadrianus, setzen ihr Bildnis und ihre
Umschrift auf die Münzen.
102 Römische Münzen. Eine für den historischen Sinn und die gelehrte Richtung jener Zeit bedeutsame
102
Römische Münzen.
Eine für den historischen Sinn und die gelehrte
Richtung jener Zeit bedeutsame Erscheinung sind die
sogenannten restituierten Münzen des Traianus. Zwar
finden wir schon vordem, unter Titus, Domitianus und
Nerva, sodann später unter Hadrianus, M. Aurelius, und
noch im 3. Jahrhundert unter Philippus (die Reihe der ver-
götterten Kaiser mit der Aufschrift CONSECRATIO auf
der Rückseite) Restitutionsmünzen, nie indessen in dem
Umfange wie unter Traianus. Dieser ließ — die spezielle
Veranlassung dazu ist unbekannt — eine Reihe von Denaren
und Goldmünzen der Republik, des Caesar, Sextus Pompeius,
Augustus und Agrippa kopieren und mit seiner Namensin-
schrift und dem Beisatz RESTituit neu prägen, erneuern.
Diese seltene, merkwürdige Münzreihe zeigt teils genaue
Kopien der alten Münzen, teils, wie die seltenen Gold-
stücke mit dem sehr unähnlichen Kopfe des Caesar, des
DIVVS IVLIVS, freie Erfindungen. Als Beispiel diene der
Denar des Mamilius Limetanus, der durch seine hüb-
sche Rückseite von besonderem Interesse ist:
Brustbild des Mercurius mit geflügeltem Hut, Mantel und Caduceus, dahinter
E — Rs.: Odysseus mit großem Stab und seiner gewohnten Kopfbedeckung, der
kegelformigen Mütze, die R. nach dem in freudiger Bewegung vor ihm stehenden
Hunde Argos ausstreckend. C MAMIL LIMEÄN und Traianus'Restitutions-
inschrift: IMP CAES TRAIAN_AVG GER DAC P P R EST - /R.Denar.
Hadrianus, Traianus' in letzter Stunde adoptierter
Nachfolger, 117 —138 n. Chr., wetteifert an Reichtum der
Prägung mit seinem Vorgänger. Eine schöne und zahl-
reiche Münzreihe feiert die großen Reisen, welche der
fürsorgliche Herrscher durch sein Reich unternahm, von
Afrika und Ägypten bis nach Britannien. Ägypten ist
personifiziert als liegende weibliche Eigur:
Römische Münzen. 103 HADRIANVS AVG COS III P P Sein Brustbild mit Kranz und Gewand.
Römische Münzen.
103
HADRIANVS AVG COS III P P Sein Brustbild mit Kranz und Gewand.
— Rs.:AEGYPTOS in altertümlicher Form für Aegyptus. Liegende Aegyptus,
neben sich den heiligen Vogel Ibis, den linken Arm auf einen mit Früchten ge-
füllten Korb gestützt, unter dem sich eine Schlange emporwindet, in der rechten Hand
die Isis-Klapper, das Sistrum. Hadrianus verweilte im Jahre 130 in Ägypten. — Aureus.
Die Ankunft des Kaisers in der betreffenden Provinz
feiern die Darstellungen der opfernden Landesgöttin, vor
welcher der sie durch Erheben des Armes begrüßende
Kaiser steht:
HADRIANVS AVG COS III PPSetn Brustbild mit Kranz und Gewand. —
Rs.:ADVENTVIAVG-GALLIAESC Langbekleidete weibliche Figur
(die Gallia), aus einer Schale über einem Altar opfernd, hinter dem Altar wird
ein Vierfüßler sichtbar; ihr gegenüber der stehende Kaiser, die R. erhoben, in der
L. eine Rolle. — /EI.
Durch das so äußerst seltene Auftreten einer wirklichen
Jahreszahl ist von hohem Interesse das folgende in Gold
und Kupfer vorkommende Gepräge:
IMP CAES HADRIANVS AVG COS III Sein Brustbild mit Kranz und
Gewand. -Rs.:ANNo BCCCLXXIIII (d. i. 874) NATali VRBis
Primum CIRcenses CONstituit. Der (männliche) Genius des Circus, die Ziel-
säule (Meta) umfassend, in der R. Rad. — Aureus.
Die Münze feiert die vom Kaiser am Gründungstage der
Stadt im Jahre 874 Roms (121 n. Chr.) eingerichteten
Circusspiele.
Die eigentümliche Erscheinung der Münzprägung mit
dem Bilde des Antinous tritt nur außerhalb Roms, bei den
»Graeculi«, auf. Dem ernsten und würdigen Sinn, welchen
Römische Münzen. 104 die offizielle stadtrömische Münzprägung bewahrt, bleiben derartige Darstellungen
Römische Münzen.
104
die offizielle stadtrömische Münzprägung bewahrt, bleiben
derartige Darstellungen fremd.
Die Münzreihe des Antoninus Pius (138—161 n.
Chr.) ist durch zahlreiche Gepräge mit geographisch-histo-
rischen Darstellungen merkwürdig; wir finden bei ihm
die Krönung des armenischen Königs, REX ARMENIIS
DATVS, ferner Personifikationen der Italia, der Asia,
der Cappadocia, der Phoenice usw. Die Rückseite
einer für die deutsche Geschichte wichtigen großen Bronze-
münze zeigt den Kaiser, einem nur mit einem Mantel
bekleideten bärtigen Manne die Hand reichend, und die
Umschrift REX aVADIS DATVS; sie feiert die Ernennung
eines germanischen Königs durch den Kaiser. Die Völker-
schaft der Quadi ist ein germanischer Stamm, welcher von
der Donau bis gegen Mähren hin wohnte. —- Zu den
schönsten und merkwürdigsten Münzen des Antoninus Pius
gehört diejenige Reihe, welche zur Feier des neunhundert-
jährigen Bestehens von Rom in der Zeit um 900 der Stadt
(147 n. Chr.) geprägt wurde. Wir finden auf schönen
j Kupfermedaillons und kleineren Stücken figurenreiche Dar-
stellungen aus Roms Vorgeschichte: Aeneas mit dem kleinen
Ascanius auf dem Landungsbrett aus dem Schiffe an die
Küste gehend und die Sau mit den dreißig Ferkeln er-
blickend, dann das Opfer des Tieres:
AVRELIVS CAESAR AVG Pll F COS II Brustbild des Adoptivsohnes
des Kaisers, M. Aurelius, mit schwachem Bart, im Panzer, der vorn auf der Brust
mit einem kleinen Gorgoneion verziert ist. — Rs.: Altar vor dem Tempel; ein
Opferdiener hält das Opferschwein, ein anderer hält eine flache Schale. Aeneas
mit den deutlichen Gesichtszügen des Kaisers Antoninus Pius opfert aus einer Opfer-
schale, hinter ihm steht der kleine Ascanius oder Iulus mit phrygischer Mütze und
krummem Hirtenstab im Arm — auf den jungen Thronfolger deutend, dessen
schönes Brustbild die Vorderseite trägt. — M. Medaillon.
Römische Münzen. Auf einem andern Medaillon des Antoninus (in Paris) erblicken wir den Horatius Codes,
Römische Münzen.
Auf einem andern Medaillon des Antoninus (in Paris)
erblicken wir den Horatius Codes, der von der halb
abgebrochenen Brücke gesprungen ist und bewaffnet dem
Ufer zuschwimmt, oben auf beiden Seiten die feindlichen
Heere.
Andere Darstellungen aus der Urgeschichte Roms
finden wir auf folgenden Münzen:
[ANTONINVS AVG PIVS P P Sein Kopf mit Kranz.]-Rs.: TR POT
COS III SC Mais zur schlafenden Rhea Silvia herabschwebend. —M II.
ANTONINVS AVG PIVS P PTR P COS III Sein Kopf mit Kranz. -
Rs.: IMPERATOR II SC ANCILIA. Zwei ancilia. Das ancile war ein
unter Numa Pompilius angeblich vom Himmel gefallener Schild, nach dessen
Muster noch elf gleiche hergestellt wurden. — JE II.
Die Gepräge der Gemahlin des Antoninus Pius, der
älteren Faustina, sind ebenfalls reich und schön; der
Kopf ist namentlich auf den Medaillons oft von imponierender,
stolzer Schönheit. Eine durch den Gegenstand bemerkens-
werte Darstellung zeigt die folgende, nach Faustinas Tode
geprägte Münze:
io6 Römische Münzen. DIVAAVG FAVSTINA Ihr Brustbild mit Gewand. — Rs.: PVELLAE FAVSTINIANAE Die thronende
io6
Römische Münzen.
DIVAAVG FAVSTINA Ihr Brustbild mit Gewand. — Rs.: PVELLAE
FAVSTINIANAE Die thronende Kaiserin und neben ihr eine stehende Figur.
Die Kaiserin halt in der L. einen kleinen Stab oder eine Rolle (die Urkunde der
Stiftung-?); vor ihnen ein Beamter, anscheinend gleichfalls eine Rolle haltend.
Unten zwei Männer, welche Kinder in den Armen tragen, und vier Mädchen; im
Hintergrunde noch mehr Personen. — Aureus. Paris.
Diese Darstellung feiert die von Antoninus zu Ehren
seiner verstorbenen Gemahlin vorgenommene Stiftung, durch
welche arme Kinder Italiens versorgt und erzogen wurden;
eine ähnliche wohltätige Veranstaltung waren Traianus'
»alimenta Italiae«, welche ebenfalls auf den Münzen ge-
feiert werden (vergl. oben S. 100).
Die gemeinsame Regierung der Nachfolger des Antoninus,
des Marcus Aurelius Antoninus — des »Philosophus«
— und des Lucius Verus, bietet uns viele auf den
kriegerischen Ruhm der Kaiser bezügliche Darstellungen
und Inschriften. Von den Kriegen im Orient heißen die
Kaiser: Armeniacus, Parthicus Maximus und Medicus, von
den Germanen- (Markomannen-) Kriegen: Germanicus. Auf
diese Kriege beziehen sich die folgenden Münzdarstellungen:
[M ANTONINVS AVG TR P XXVII Sein Kopf mit Kranz.] - Rs.:
GERMANICO AVG IMP VI COS III S C Trauernde Germania auf
Schilden sitzend unter einer Trophäe aus germanischen Kriegskleidern und Waffen;
rechts steht ein gefesselter Germane. — JE I.
Römische Münzen. M ANTONINVS AVG GERM SARM TR P XXXI Sein Kopf mit Kranz. -Rs.:
Römische Münzen.
M ANTONINVS AVG GERM SARM TR P XXXI Sein Kopf mit
Kranz. -Rs.: IMP VIII COS III PP DE GERMANIS S C Ein Haufe
von germanischen Waffen, Trompeten und Feldzeichen. — JE 1.
Auch schöne mythologische Typen bietet uns die
Münzreihe des M. Aurelius: ein noch zu Tebzeiten des
Antoninus Pius mit dem Bilde des Marcus Aurelius als
Thronfolgers geprägter Bronzemedaillon zeigt eine reiche
Darstellung des Bacchuszuges, ein anderer Iupiter in der
Quadriga, mit dem Donnerkeil einen schlangenfüßigen
Giganten niederwerfend, in Anordnung und Zeichnung fast
genau dem berühmten Cameo der Neapeler Sammlung
mit dem Künstlernamen Athenion gleichend.
Ein besonders schönes Stück mit den Bildnissen der
beiden Kaiser zeigt uns die drei capitolinischen Götter
auf der Rückseite:
IMPANTONINVS AVG COS II IMP VERVS COS II Die einander
zugekehrten Brustbilder des M. Aurelius (links) und des L. Verus. — Rs.: Die drei
capitolinischen Götter thronend, Iupiter in der Mitte, 1. Minerva, die R. erhebend,
mit Helm und Lanze, auf der andern Seite Iuno, mit Schleier, Opferschale und
Zepter. — JE. Medaillon, das Mittelstück und der Rand aus zwei verschiedenen
Teilen bestehend (»de deux cuivres«).
Das erste COS II steht fehlerhaft statt COS III; als M. Aurelius
zusammen mit L. Verus im Jahre 161 Consul war, bekleidete
er dies Amt schon zum dritten Male.
Unter Com modus, M. Aurelius' Sohn, 180—192,
finden wir eine ungewöhnlich reiche Prägung von Medaillons,
namentlich schöne Hercules-Darstellungen; Commodus selbst
gefiel sich in der Rolle des Hercules und ließ sich häufig
mit dem Attribut des Gottes, dem Töwenfell, darstellen.
Einer der merkwürdigsten und schönsten dieser Medaillons
ist der hier abgebildete:
Io8 Römische Münzen. L-AELIVS AVRELI VS COMMODVS AVG PI VS FELIX Kopf des Commodus als
Io8 Römische Münzen.
L-AELIVS AVRELI VS COMMODVS AVG PI VS FELIX Kopf des
Commodus als Hercules, mit dem Löwenfell bedeckt. — Rs.: HERCU'' ROMano
CONDITORI P M-TR P XVIII, unten COS VII P P Commodus als
Hercules, mit Löwenfell und Keule, einen mit zwei Stieren bespannten Pflug
lenkend; die Darstellung des Pflügens bezeichnet Gründung einer Kolonie. Geprägt
im Jahre 192 n. Chr. — M. Medaillon.
Im Jahre 192 brannte ein großer Teil Roms ab; Commodus
sorgte eifrig für den Wiederaufbau, und der Senat gab
dem neu entstandenen Stadtteil den Namen Colonia
Commodiana.
Nach Commodus' Ermordung herrschten kurze Zeit
des Jahres 193 Pertinax:
IMP CAES P HELVius PERTIN AVG Sein Kopf mit Kranz. - Rs.:
PROVIDentia DEORum COS II Stehende Providentia, die Hände gegen
eine von Strahlen umgebene Kugel, die Sonne, erhebend. — Aureus.
und nach ihm Didius Iulianus, beide bald wieder durch
die aufständischen Soldaten beseitigt; im Orient hielt sich
etwa ein Jahr lang Pescennius Niger als Kaiser, bis er
194 dem Septimius Severus erlag:
Römische Münzen. 109 IMP CAES C PESCEN NIGER IVSTus AVg-ustus. Sein Kopf mit Kranz. —
Römische Münzen.
109
IMP CAES C PESCEN NIGER IVSTus AVg-ustus. Sein Kopf mit
Kranz. — Rs.: FORT VN AE RED Vci- Sitzende Fortuna mit hohem Kopf-
schmuck, Steuer und Füllhorn. — Ai. Denar.
Dieser Denar, wie alle Münzen des Pescennius in Syrien
geprägt, ist von besserer Arbeit als die schnell und
roh gearbeiteten Stücke des Prätendenten gewöhnlich
sind. Der von Pescennius gewählte Beiname »Iustus«
kommt sonst nie auf Kaisermünzen vor.
In Britannien und Gallien herrschte, züerst von Septi-
mius Severus als Caesar und Mitregent anerkannt, bald aber
in offenemAufstand als Gegenkaiser Clodius Albinus,
bis er 197 nach verlorener Schlacht sich das Leben nahm.
Nach Beseitigung der Gegenkaiser trat endlich Ruhe
unter der kräftigen Herrschaft des Septimius Severus
(193—211) ein. Viele schöne Prägungen sind uns aus ihr
erhalten; häufig erscheinen die Köpfe der Familienmitglieder
des Kaisers neben dem seinigen. Iulia Domna, seine Ge-
mahlin, und seine Söhne, Caracalla, der schon im zarten
Kindesalter Kaiser und Mitregent wurde, und der Caesar
Geta sind zusammen dargestellt auf dem folgenden Gold-
stück, das dem berühmten Funde vomTempel zu Karnak
in Unterägypten entstammt, der an 1200 herrlich erhaltene
Aurei des 2. und des Anfanges des 3. Jahrhunderts enthielt:
SEVERVS PIVS AVG PMTRPX Sein Brustbild mit Kranz, Panzer
und
Rs.: FELICITAS SAECVLI Das Brustbild der Domna nach
vorn mit Gewand zwischen den Brustbildern der Prinzen, links Caracalla mit
Kranz, Panzer und Mantel, rechts Geta mit Panzer und Mantel. — Aureus.
Caracalla (211—217) ist noch als.Prinz in jugend-
lichemAlter dargestellt auf der folgenden, gleichfalls aus
dem Karnakfunde herrührenden Goldmünze:
iio Römische Münzen. ANTONINVS AVGVSTVS Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und Mantel.— Rs- RECTOR ORBIS
iio
Römische Münzen.
ANTONINVS AVGVSTVS Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und Mantel.—
Rs- RECTOR ORBIS Der stehende Prinz mit Lanze und Globus. — Aureus.
Seine späteren Münzen sind oft durch das glücklich
und charaktervoll aufgefaßte Bildnis ausgezeichnet, dessen
bösartiger verwilderter Ausdruck zum Charakter des Bruder-
mörders sehr gut paßt; ein »affektierter Ausdruck von
Wut« ist mit Recht auch an den oft sehr schönen Marmor-
büsten des Kaisers hervorgehoben worden:
M AVRELius ANTONINVS PIVS AVG BRIT Sein bärtiges Brustbild
mit Kranz, Panzer und Mantel. - Rs.: S E C V R I TATl PERPETVAESC
Thronende Securitas mit Zepter, vor ihr Altar. — JE l.
Der Name Caracalla ist nur ein scherzhafter Beiname (von
einem Kleide); er heißt M. Aurelius Antoninus Pius. Um
nämlich die glorreiche Zeit der Antonine in seiner Regierung
fortleben zu lassen, nannte sich Septimius Severus auf den
Münzen: DI VI Marc! PH Filius, auf Inschriften noch Divi
Antonini Pii nepos usw.; seinem Sohne Caracalla aber gibt er
die vollen Namen des in ruhmvollemAndenken stehenden
M. Aurelius: M AVRELIVS ANTONINVS PIVS. Diese mit
Zähigkeit an die Antonine anknüpfende Tradition geht
auch noch über den Tod Caracallas hinaus; nach kurzer
Herrschaft des Macrinus (217 — 218), von dessen Sohn
Diadumenianus die folgende sehr seltene Goldmünze (aus
dem oben erwähnten Karnakfunde) herrührt:
M OPEÃœius ANToninus D I A D V M E N I A Nus C A ES Sein Brustbild mit
Gewand. — Rs.: PRINC-IVVENTVTIS Der stehende Prinz mit Feldzeichen
und Zepter, rechts von ihm noch zwei Feldzeichen. — Aureus.
Römische Münzen. III wird der jugendliche Sonnenpriester »Elagabalus« aus Emisa in Syrien —
Römische Münzen.
III
wird der jugendliche Sonnenpriester »Elagabalus« aus
Emisa in Syrien — Elagabalus ist der Name des Gottes
selbst, den die Schriftsteller auf den Kaiser übertragen —
zum Kaiser ausgerufen, nur weil es den Seinigen und
seiner Partei glückte, ihn für den Sohn des Caracalla aus-
zugeben. Er nennt sich nun während seiner unwürdigen
Regierung, 218—222, ebenfalls »M.AureliusAntoninusPius«
und feiert seinen angeblichen Vater durch die seltenen
Stücke des » Divus Antoninus Magnus «:
DIVOANTONINO MAGNO KopfdesCaracalla.-Rs.:CONSECRATIO
Adler auf der Weltkugel. — JR. Denar.
Die Prägung ist wohl sicher unter Elagabalus erfolgt.
Der Kopf zeigt eine genaue Ubereinstimmung mit gewissen
Denaren des Elagabalus. — Als das denkwürdigste Er-
eignis seiner Regierung betrachtet Elagabalus die feierliche
Überführung seines syrischen Sonnengötzen, des »sanctus
deus sol Elagabal(us)«, eines in Emisa verehrten Meteor-
steines:
ANTONINVS PIVS FELix AVG Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und
Mantel. - Ks.: SANCTO DEO SOLI ELAGABALo. Der Elagabal-
Stein, mit einem erhaben gearbeiteten Adler geschmückt, und vier schirmartige
Fächer auf einem Viergespann. — M. Denar.
Nach der Ermordung des Elagabalus hielt sich doch
seine Dynastie — immer noch ein Zeichen des Festhaltens
an der glorreichen Zeit der Antonine. Sein Vetter,
Severus Alexander, 222 — 235, hat uns viele zum Teil
prächtige Medaillon-Prägungen hinterlassen, vielfach auf
seine ruhmvollen Kriege bezüglich. Der hier abgebildete
Silbermedaillon zeigt uns ein schönes Bildnis des Kaisers,
im Gewand sieht man noch Spuren der alten Vergoldung:
112 Römische Münzen. IMP SEV ALEXANDER AVG Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und Mantel. —
112
Römische Münzen.
IMP SEV ALEXANDER AVG Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und
Mantel. — Rs.:AEQ.VITAS AVGVSTI Die drei »Monetae«, allegorische,
die drei Münzmetalle Gold, Silber, Kupfer bezeichnende weibliche Figuren, jede
mit Wage und Füllhorn, neben ihnen aufgehäufte Geldstücke. -— JR. Medaillon.
Nach Severus Alexanders Ermordung folgt wieder
eine mehrjährige Periode der Verwirrung und des Bürger-
krieges: fünf Männer trugen im Verlaufe dreier Jahre den
Purpur. Erst mit Gordianus III. kommt das Reich ein
halbes Jahrzehnt zur Ruhe:
IMP CAES Marcus ANTonius GORDIAN VS AVG Sein Brustbild mit
Kranz, Panzer und Mantel; auf der R. hält er eine kleine Victoria auf der Welt-
kugel, in der L. das Schwert. — Rs.:ADLOCVTIO AVGVST1 Der Kaiser
auf eine^r Estrade stehend und die zu Füßen derselben stehenden Soldaten anredend,
unter ihnen mehrer« Fahnenträger; hinter dem Kaiser ein Offizier. — JE. Medaillon
aus zwei Teilen, vgl. S. 107.
Merkwürdig in vieler Hinsicht ist die Münzprägung
seines Nachfolgers, des Philippus, des »Arabers«, 244
bis 249; unter seiner Regierung wurde das tausendjährige
Jubiläum Roms durch Säkularspiele gefeiert und durch
viele Darstellungen verewigt. Merkwürdigerweise ist aber
das wichtigste Monument jener bedeutungsvollen Feier, ein
Stück mit der vollen JahreszahlANno M ILLesimo ET PRIMO
Römische Münzen. "3 (in Paris), nicht von Philippus, sondern von seinem nach kurzem Widerstand beseitigten
Römische Münzen.
"3
(in Paris), nicht von Philippus, sondern von seinem nach
kurzem Widerstand beseitigten Gegenkaiser in Moesien,
dem Pacatianus, geprägt.
Ein durch die anmutige, poetische Inschrift DE PIA
MATRE PIVS Fl LI VS ausgezeichneter »Antoninianus« des
Kaisers Philippus (in Paris) zeigt uns die Bildnisse seiner
Familie: seiner Gemahlin O tacilia Severa und seines Sohnes
Philippus des jüngeren; die Inschrift steht ganz vereinzelt
und erinnert im Ton ein wenig an die schöne republikanische
Grabschrift: »hoc est sepulcrum haud pulcrum pulcrai
feminai« etc.
Gleichfalls die Bildnisse der ganzen Familie des
Philippus zeigt der Bronzemedaillon mit der Darstellung
des Wagenrennens im Circus gelegentlich der erwähnten
Tausendjahrfeier:
CONCORDIA AVGVSTORVM Die Brustbilder des Philippus und seiner
Gemahlin Ütacilia gegenüber dem rirustbilde ihres Sohnes Philippus; die Kaiser
tragen Kranz, Panzer und Mantel, die Kaiserin Stephane und Gewand. — Rs.:
SAECVLARES AVGG Darstellung- des Circus mit der Spina, den metae
und einem Palmbaum, an dem mehrere Viergespanne vorüberjagen, im Vordergrunde,
den Sitzreihen der Zusehauer seitwärts und im Hintergrunde. — JE Medaillon.
Bald nach der Feier des tausendjährigen Bestehens
des Römischen Reiches drohte diesem der völlige Zerfall.
In Syrien bekleidet sich, vielleicht noch unter Philippus,
Sulpicius Uranius Antoninus mit dem Purpur und
prägt außer den schon S. 66 erwähnten Kupfermünzen von
Emisa auch syrisches Provinzialsilbergeld und Reichsgold-
münzeri:
8
Römische Münzen. 114 LIVÜus AVRelius SVLPicius VRAnius ANTONINVS Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und Mantel.
Römische Münzen.
114
LIVÃœus AVRelius SVLPicius VRAnius ANTONINVS Sein Brustbild
mit Kranz, Panzer und Mantel. — Rs.: CONSERVATORAVG Der Elagabal-
stein mit einem erhaben gearbeiteten Adler geschmückt, rechts und links ein
schirmartiger Fächer, auf einem Viergespann. — Aureus.
Unter Decius (249—251), Gallus (251 — 253) und
namentlich unter Valerianus und Gallienus, 253—268, treten
überall, im Orient, in Gallien, in Hispanien usw. Gegen-
kaiser auf, die völlig selbständig oft mit Kraft und Macht
herrschen und sich im Besitz ihrer Länder namentlich
gegen den nicht immer kräftig auftretenden Gallienus
behaupten, so sehr auch Gallienus selbst seine Siege ver-
herrlicht. Eine der merkwürdigsten Münzen des Gallienus,
welche wohl nicht ganz der Wahrheit gemäß den »Frieden
überall« feiert, ist das folgende seltene Goldstück:
GALL1ENAE AVGVSTAE Bärtig-er Kopf des Kaisers mit Schilf kränz
— Rs.: VBIO.VE PAX Victoria im Zweigespann. — Aureus.
Man hat früher geglaubt, dies wunderliche Stück sei
eine Spottmiinze, welche Gallienus' Gegenkaiser Postumus
oder ein anderer geprägt habe, das »Galliena« sei Spott
gegen den schwachen und »weibischen« Gallienus, auch das
VBiaVE PAX sei Hohn. Aber dem Altertum ist die Er-
scheinung der Spottmünzen fremd. Es ist nicht zu be-
zweifeln, daß wir hier ein wirklich offizielles Denkmal
vor uns haben. Gallienus mag sich unter den besonderen
Schutz einer weiblichen Gottheit, nach dem Schilfkranze
zu schließen, einer Nymphe, gestellt haben, die er mit
seinem ins Weibliche übersetzten Namen benennt und unter
deren Bilde er hier erscheint. Ähnlich erscheint sein Bild
ja als GEN IVS Populi Romani auf einer nicht seltenen Reihe von
Römische Münzen. "5 Kupfermünzen mit der rückseitigen Aufschrift INTravit VRBem, welche sich auf einen
Römische Münzen.
"5
Kupfermünzen mit der rückseitigen Aufschrift INTravit
VRBem, welche sich auf einen Einzug in die Stadt (Rom)
bezieht — vielleicht den Einzug des Kaisers als »Genius
des Römischen Volkes«. Verwandt sind auch diejenigen
Münzen anderer Herrscher, auf denen das Bildnis des ge-
wappneten Kaisers die Beischrift V1RTVS PROBI AVG usw.
führt, wo also der Kaiser unter dem Bilde der Virtus erscheint.
Der Westen hat fast während der ganzen Regierungs-
zeit des Gallienus ein Sonderleben unter einer förmlichen
Dynastie von Gegenkaisern geführt. Volle zehn Jahre be-
hauptete sich in Gallien und Spanien der Kaiser Postu-
mus (258 — 267). Auf seinen zahlreichen Prägungen, unter
denen sich ungewöhnlich viele Goldstücke, auch Gold-
medaillons und große Bronzemedaillons befinden, entfaltet
sich eine herrliche Nachblüte der Kunst. Die Köpfe
des Kaisers und der Gottheiten, deren oft mehrere
nebeneinander erscheinen, namentlich der Kaiserkopf neben
dem Herculeskopf, sind von vollendeter Schönheit und
feinster Durchführung, die Rückseiten bisweilen schön und
reich gruppiert. Treffliche Beispiele des Kunstcharakters
der Münzen des Postumus sind folgende Goldstücke:
POSTVMVS AVG Sein Brustbild mit Kranz und den Attributen des Hercules:
Löwenfell und geschulterter Keule. — Rs.: FELICITAS AVG Die Brustbilder
der Victoria mit Kranz und Palmzweig und der Felicitas mit Zweig-. — Aureus.
Wie hier Postumus sich nach dem später wieder von
Maximianus befolgten Vorbilde des Commodus (S. 108) als
Hercules darstellen läßt, so erscheint dieser Heros auch
auf der Rückseite seiner Münzen in den verschiedensten
Darstellungen und mit wechselnden Beinamen, so als
Gaditanus, Magusanus, Deusoniensis, Immortalis usw.
8:
Römische Münzen. POSTVMVS AVG Sein Brustbild mit Strahlenkrone, Panzer und Mantel von vorn. — Rs.:
Römische Münzen.
POSTVMVS AVG Sein Brustbild mit Strahlenkrone, Panzer und Mantel
von vorn. — Rs.: SALVS POSTVMI AVG Salus, die Schlange fütternd,
und Aesculapius mit dem Schlangenstabe einander gegenüber. — Aureus. München.
Porträtdarstellung von vorn ist sonst nur später unter
Carausius, Tetricus, Maxentius, Constantinus I. und Liciniüs
versucht worden, um erst seit dem Verschwinden jeder
wirklichen Porträtkunst in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts
allgemeiner zu werden. Unter allen diesen Versuchen
ist die hier abgebildete Darstellung des Postumus ohne
Zweifel der gelungenste.
Von geographischem Interesse, besonders für uns
Deutsche, ist folgender seltener » Antoninianus «:
IMP C POSTVMVS P F AVG Brustbild mit Strahlenkrone und Gewand.
— Rs. COL CL AGRIP COS IUI Stehende Aequitas mit Wage und Füll-
horn. — Fast JE.
Die Rückseite nennt uns die Hauptstadt des Reiches
des Postumus, Köln am Rhein, Colonia Claudia Agrippina;
die Namen führt die Stadt von ihrem Gründer, dem Kaiser
Claudius, und dessen Gemahlin, der im Lande der Ubier
geborenen jüngeren Agrippina, Tochter des Germanicus,
Neros Mutter (vgl. S. 94).
Das Zerfallen des Reiches wurde durch das kräftige Auf-
treten des Claudius II. Gothicus (268—270) und besonders
des Aurelianus (270—275) verhindert, der als Besieger
der Gegenkaiser sich mit Recht als REST IT VT 0 R ORBIS auf
den Münzen feiern ließ. Die Besiegung der gefährlichsten
feindlichen Macht, der Palmyrenischen Kaiserin und Königin
Zenobia (vgl. S. 67) und ihres zum Augustus proklamierten
Sohnes Vaballathus, feiern diejenigen Münzen des Aurelianus,
welche ihm den Beinamen des RESTITVTOR ORIENTIS
geben ; dem illyrischen Gebiete, auf dem die Kraft des Reiches
in dieser Zeit vornehmlich ruhte, gilt die folgende Münze:
Römische Münzen. 117 AVRELIANVS AVG Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und Mantel. — Rs.: VIRTVS
Römische Münzen.
117
AVRELIANVS AVG Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und Mantel. — Rs.:
VIRTVS ILLVRICI Schreitender Krieger (Mars oder Romulus) mit Helm,
Mantel, Lanze und einer Trophäe; vor ihm ein sitzender Gefangener. — Aureus.
Auf die kurze Herrschaft des Tacitus (275—276) und
Florianus (276) folgte des Probus' ruhmvolle und sieg-
reiche Regierung (276—282), aus der uns viele auf seine
Siege bezügliche Typen erhalten sind. Die VICTORIA
GERManica erinnert an Probus' Siege am Rhein; dem Kaiser
selbst gibt eine Münze den Beinamen VICTORIOSO SEMPER.
Ein hübsches und zierliches Denkmal des aus dem Orient
zurückkehrenden Kaisers ist folgendes Stück, das zugleich
ein Beispiel der in jener Zeit auftretenden Münzen kleinster
Größe von Medaillonstil ist:
IMP C PROBVS AVG Brustbilder des Probus, mit Kranz, Panzer, Schild
und Lanze, und des Sol mit Strahlenkrone und Peitsche. — Rs.: ADVENTVS
AVG Der Kaiser zu Pferde, die R. erhebend, in der L. Lanze, von Victoria geführt,
hinter ihm ein Krieger mit Trophäe, im Abschnitt Schild und Schwerter. — JE.
Diocletianus (284—305), welcher nach dem kurzen
numismatisch übrigens sehr reichen Zwischenregiment des
Carus und seiner Söhne Carinus und Numerianus (282—285)
folgt, und der von ihm als Mitregent angenommene Maxi-
mian us reformieren das Reich an Haupt und Gliedern, und
es tritt auch im Münzwesen durch die Wiederherstellung
eines ordnungsmäßigen Goldmünzfußes, einer reinen Silber-
münze (vgl. S. 87) und die Einführung fester, deutlich
auf den Münzen genannter Münzstätten, die auf die einzelnen
Verwaltungsbezirke verteilt sind, ein Umschwung ein. Beider
Porträt bietet der folgende Goldmedaillon aus dem Funde
von Abukir (vgl S. 131):
n8 Römische Münzen. IMPP DIOCLETIANO ET MAXIMIANO AVGG Ihre Brustbilder mit Kranz, Gewand, gesticktem Mantel
n8
Römische Münzen.
IMPP DIOCLETIANO ET MAXIMIANO AVGG Ihre Brustbilder
mit Kranz, Gewand, gesticktem Mantel und Adlerzepter einander gegenüber. —
Rs.: IMPP DIOCLETIANO III ET MAXIMIANO CCSS d.h.
unter dem Consulat des Diocletianus zum drittenmal und des Maximianus. Die beiden
Kaiser in einer nach vorn gewandten Elefantenquadriga, der links mit Zweig und
Zepter, der rechts mit erhobener Rechten und Zepter; über ihnen schwebt eine
Victoria; zu beiden Seiten Männer mit Palmzweigen. — 26,59 Fünffacher Aureus.
Nachdem beide auf die Herrschaft verzichtet hatten,
wurden noch weiter Münzen mit ihren Bildnissen fort-
geprägt, welche die aVIES AVGVSTORVM, auch die
REO-VIES OPTIMORVM MER1T0RVM feiern, welche Dio-
cletianus in seinem schönen Palast von Salona ruhig genoß,
während Maximianus bei dem Versuche, sich von neuem
der Herrschaft zu bemächtigen, ein gewaltsames Ende
fand. Die Kaiser führen auf diesen Ruhestands-Münzen
die Titel: »dominus noster«, »felicissimus senior«, auch
» baeatissimus senior« (so).
Mehrfaches Interesse durch schöne, ungewöhnliche
Inschriften bieten die Münzen des in Britannien, zuerst im
Einverständnis mit Diocletianus und Maximianus und von
diesen anerkannt, herrschenden Carausius (286—293),
welche zum Teil die Bezeichnung der Prägestätte London,
Moneta Londiniensis, tragen. Auf einer seiner Münzen begrüßt
die Britannia den ankommenden Kaiser; die Aufschrift lautet:
EXPECTATE VENI, eine Reminiszenz an Aeneas' Worte
bei Vergilius: »quibus, Hector, ab oris exspectate venis?«
Eine andere Münze feiert die Anerkennung des Carausius
durch Diocletianus und Maximianus; ganz in moderner Weise
nennt Carausius hier die Mitkaiser seine Brüder:
CARAVSIVS ET FRATRES SVI Brustbilder der drei Kaiser im Panzer
mit Strahlenkronen, das Bild des Carausius an vorderster Stelle. — Rs.; PAX
AVGGG d.h. »trium Augustorum«. Stehende Pax mit Ölzweig und Zepter.
S|P im Felde, C im Abschnitt. Das C gibt die Münzstätte Camulodunum,
Colchester, an. — M Antoninianus. London.
Auch Carausius befolgt anscheinend die neue Münzordnung
des Diocletianus und prägt zuerst Kupferantoniniane,
später aber auch Münzen aus gutem Silber.
Römische Münzen. 119 Maxentius, Maximianus' Sohn, der in Rom herrschende und dort in der berühmten
Römische Münzen.
119
Maxentius, Maximianus' Sohn, der in Rom herrschende
und dort in der berühmten Schlacht (312) besiegte und
getötete Gegenkaiser des Constantinus, feiert auf seinen
Münzen vorzugsweise die Roma. Seinen Sohn, den jung
verstorbenen Prinzen, nennt er »Divus Romulus«; dem
diesem zu Ehren errichteten, noch heut auf dem Forum
von Rom erhaltenen Rundtempel begegnen wir als Münz-
bild. Das folgende, medaillonartige Stück aus gutem Silber
ist ein schönes Beispiel der Roma-Typen des Maxentius:
MAXENTIVS Pius Felix AVG Sein Brustbild von vorn mit Gewand. —
Rs.:TEMPORVM FELICITAS AVGusti Nostri, im Abschnitt Prima
(officina) Romana. Die Wölfin mit Romulus und Remus. — JR Stück von Yaj Pfund.
Durch den Sieg über Maxentius war Constantinus
der Große (306—337) Alleinherrscher geworden und
seine überaus reiche Münzreihe in allen Metallen ist ein
Zeichen geordneter und ruhigerer Zustände.
Von hohem Interesse sind die ersten Denkmäler des
Christentums, das nach der angeblichen Wunder-
erscheinung in der Schlacht gegen Maxentius vom Kaiser be-
günstigt und später zur herrschenden Religion gemacht wurde:
CONSTANTINVS MAXimus AVG Sein Kopf mit Kranz. - Rs.: SPES
PVBLICADas vom Monogramm Christi überragte »labarum«, die Fahne, den
Drachen durchbohrend. Unten CONS der Prägeort Constantinopolis.— JE III.
Christlich-Archäologische Sammlung der Universität Berlin.
Diese, das siegreiche Christentum feierlich proklamierende
Münze aus Constantinus' späterer Regierungszeit ist aber
nicht das früheste numismatische Denkmal des Christen-
tums: schon weit früher, wohl bald nach dem Siege
über Maxentius, erscheint das Monogramm Christi in dem
Helm des Kaisers oder im Felde der Münze:
I 20 .Römische Münzen. IMP CONSTANTINVS AVG Brustbild mit Helm, Panzer, Schild und Lanze. Am
I 20
.Römische Münzen.
IMP CONSTANTINVS AVG Brustbild mit Helm, Panzer, Schild und
Lanze. Am Helm das Monogramm Christi in dieser Gestalt )R — Rs.: V I CT 0 RI A E
LAETAE PRINGpis PERPetui. Zwei Victorien, einen Schild mit VOTa
Populi Romani über eine kurze Säule (cippus) haltend. Unten BS1S-, h- zweite
Münzstätte in Siscia (in Pannonien). — JE III. Wien.
Auch für Constantinus' Mitregenten und späteren
Gegner Licinius, 307 — 323, sind in den von Constantinus
beherrschten Teilen des Reiches Münzen mit dem christ-
lichen Monogramm geprägt worden, wie die folgende kleine
Kupfermünze mit dem Bilde des jungen Sohnes des
Licinius beweist:
LICINIVS IVNiov NOBüissimus Caesar. Brustbild mit Kranz, Panzer und
Gewand, in der R. Victoria auf der Weltkugel, in der L. das Schwert. — Rs.:
VIRTVS EXERCITus. Vexillum (Kriegsfahne) mit der Inschrift VOTa XX
(Gelübde für zwanzigjährige Regierung) zwischen zwei Gefangenen. Links das
Monogramm Christi. Unten Romana Tertia (dritte Münzstätte in Rom). — M III.
Als älteste offizielle Denkmäler des Christentums sind diese
seltenen kleinen Kupfermünzen von hohem Werte.
Constantinus' neue Residenz, das alte Byzanz, das
durch ihn zur prächtigsten Hauptstadt des Reiches gewordene
»Constantinopolis«, wird vielfach auf den Münzen
gefeiert und personifiziert dargestellt:
Römische Münzen. 121 Kopf des Kaisers mit reich geschmücktem Diadem. -— Rs.: Qominus Noster
Römische Münzen.
121
Kopf des Kaisers mit reich geschmücktem Diadem. -— Rs.: Qominus Noster
CONSTANTINVS MAXimus TRIVNFator AV G . Im Abschnitt Moneta
CONS B (zweite Münzstätte in Constantinopolis). Die thronende Constantinopolis
mit Mauerkrone und Füllhorn, den Fuß auf ein Schiffsvorderteil setzend. — JR Medaillon.
Die neue und die alte Hauptstadt des Reiches werden
in einer gleichsam autonomen Reihe kleiner Kupfermünzen
gefeiert, die in der letzten Zeit des Constantinus geprägt
sind; sie zeigen die Wölfin mit Romulus und Remus und
auf der Vorderseite den Kopf der VRBS ROMA, die Gegen-
stücke den Kopf der neuen Stadtgöttin, der CONSTAN-
TINOPOLIS, und Victoria auf der Rückseite.
Neben Rom und Constantinopolis war in constantinischer
Zeit Trier eine der wichtigsten Städte des Reiches. Von dieser
Stadt gibt uns das folgende Münzdenkmal eine Darstellung:
IMP CONSTANTINVS Pius Felix AVG Sein Brustbild mit Strahlen-
krone, Panzer und Mantel. — Rs.: AVGG (Augustorum) GLORIA, im Ab-
schnitt Prima T R Everensis (erste Münzstätte in Trier). Stadtmauer mit sieben
Türmen und einem großen Tor (die Porta Incluta), von dem aus eine zweibogige
Brücke über den Fluß (die Mosel) führt, rechts und links noch ein Steig. Über
der Stadtmauer die Statue des Kaisers, außerhalb zwei sitzende Gefangene. —
A7 Doppelsolidus.
Für die Geschichte des Münzwesens ist das schon
oben S. 87 erwähnte Goldstück von hohem Werte, welches
im Felde die Zahl 72, LXXII, trägt, die Ausprägung des
Solidus zu '/72 Pfund bezeichnend:
CONSTANTINVS AVG Sein Brustbild mit Kranz, Panzer und Mantel. —
Rs.: VICTORIAAVGusti. Victoria mit Trophäe und Palmzweig, im Felde
Stern und LXXII, im Abschnitt Sacra Moneta ANtiochena und Punkt. — N Solidus.
Mit Constantinus nimmt die gesamte Münzprägung
einen in künstlerischer Beziehung einförmigen, trotz
prunkender, figurenreicher Darstellungen' überaus öden
Charakter an. Die Köpfe der Kaiser zeigen eine flache,
12 2 Römische Münzen. geistlose, schematische Ausführung, ein Kopf gleicht dem andern. — Kaiser
12 2
Römische Münzen.
geistlose, schematische Ausführung, ein Kopf gleicht dem
andern. — Kaiser Iulianus der Abtrünnige (360—363)
erscheint zum erstenmal wieder mit langem Bart, in Nach-
ahmung der griechischen Philosophen. Auch seine Rück-
seiten gewähren durch das Zurückgreifen auf ägyptische
Götterdarstellungen Interesse.
Unter Iulianus' Nachfolgern, von Iovianus an bis
Theodosius, nimmt das Anstürmen der germanischen Stämme
gegen das morsche Reich überhand. Wohl hält sich noch
in Äußerlichkeiten, wie in einer reichen Prägung großer
goldener Schaustücke, der alte Glanz des Reiches; aber es
ist bezeichnend, daß wir diese vorzugsweise in den Ge-
bieten der an Rhein und Donau wohnenden Germanen-
stämme finden. Sie dienten wohl oft genug als Ehrengaben,
als versteckter Tribut an die deutschen Häuptlinge.
Die Trennung des Reiches in das oströmische und
weströmische fand 395 unter den Söhnen Theodosius' des
Großen, Honorius und Arcadius, statt, ohne daß sich zu-
nächst die Münzen der Kaiser des östlichen Reiches mit
der Hauptstadt Constantinopolis in Typen und Stil von den
weströmischen unterscheiden.
Der enge Zusammenhang, in dem auch nach dieser
Teilung die westliche und die östliche Reichshälfte mit-
einander stehen, wird treffend verkörpert in dem einzig
dastehenden Goldstück des oströmischen Kaisers Theo-
dosius II. (408—450) auf die 437 gefeierte Hochzeit
seiner Tochter Eudoxia mit dem weströmischen Kaiser
Valentinianus III. (425—455):
D N THEODOSIVS P FAVG Sein Brustbild von vorn mit Helm, Panzer
Schild und Lanze, auf dem Schilde ein Reiter.— Ks.: FELICITER NVBTIIS
(das V in kursiver Form, die Schreibung »nubtiis« bemerkenswert), im Abschnitt
C 0 N 0 B (vgi. S. 87). Theodosius II. (in der Mitte) legt segnend seine Hände auf die
Schultern des Brautpaares: Valentinianus III. (links) undEudoxia (rechts).—jV Solidns.
Diese Münze ist nebst der ganz ähnlichen des Nach-
folgers auf dem Throne von Byzanz, Marcianus (450—457),
Römische Münzen. auf seine Vermählung mit Theodosius' Schwester Pulcheria der letzte Ausläufer der
Römische Münzen.
auf seine Vermählung mit Theodosius' Schwester Pulcheria
der letzte Ausläufer der früher so zahlreichen Münzen mit
Anspielung auf Zeitereignisse.
Von dem immer schlechter und geistloser werdenden
Charakter der spätesten Reihe der weströmischen Münzen
mag ein großer Silbermedaillon des Priscus Attalus, der
zur Zeit des Alarich Kaiser war (409—416), Zeugnis ablegen.
Noch einmal erscheint das Bild der »invicta Roma aeterna«
— aber trotz der Größe und Schwere des Silberstückes
in recht kläglicher, jämmerlicher Gestalt:
PRISCVS ATTALVS P F AVG Sein Brustbild mit Diadem, Panzer und
Mantel. — Rs.: INVICTA ROMAAETERNAThronende Roma mit Helm
und Lanze, auf der R. Victoria auf der Weltkugel. Im Abschnitt Ro|V\ae
PuSulatum, d. h. (in der Münzstätte) zu Rom geläutert. — JR Medaillon.
124 Römische Münzen. Auch der letzte weströmische Schattenkaiser, der junge Romulus, 475—476, hat uns
124
Römische Münzen.
Auch der letzte weströmische Schattenkaiser, der
junge Romulus, 475—476, hat uns Münzen hinterlassen,
die deshalb von besonderer Wichtigkeit sind, weil sie
die Namen dieses letzten Kaisers richtig stellen: er
heißt auf ihnen Dominus Noster ROMVLVS AVGVSTVS Pius
Felix AVGustus, also nicht »Augustulus«, wie er nur scherz-
haft genannt wird, sondern er führt den Namen »Augustus«,
außerdem aber noch den jedem Kaiser zukommenden Titel
Augustus.
Auch der mächtige deutsche Heerführer und König,
welcher der Schattenherrschaft des Romulus ein Ende
machte, Fl(avius) Odovac(er), wie er selbst sich nannte,
hat Münzen prägen lassen; er erscheint darauf nicht
unbärtig oder mit Vollbart, wie dies bei den gleichzeitigen
Kaisern üblich war, sondern nach heimatlicher Sitte mit
einem Schnurrbart:
FL ODOVAC Sein Brustbild mit Gewand. — Rs.: Monogramm im Kranz,
darunter RaVenna. — JR, Wien.
Das Monogramm ist WOhl Dominus Noster ODOVAcer ZU
lesen; den Titel Dominus Noster führt Odovacer auf der
Hauptseite nicht
Andere Denkmäler der deutschen Herrscher der spät-
römischen Kaiserzeit sind die Münzen der Ostgoten und
Vandalen. Von dem großen Ostgoten-Könige Theoderich
(493 — 526), der dem Odovacer Herrschaft und Leben
nahm, sind kleine Silbermünzen bekannt, welche Bild und
Namen des oströmischen Kaisers auf der einen und nur
das Monogramm des Theoderich auf der anderen Seite
tragen; neuerdings ist in Italien — bei Sinigaglia — ein
prächtiger Goldmedaillon aufgefunden worden, welcher uns
das eigenartig geschmückte Brustbild des deutschen
Herrschers mit voller Umschrift und Titulatur zeigt:
Römische Münzen. REX THEODERICVS PIVS PRINCIS (für PRINCEPS), am Schluß der Umschrift Palmzweig-. Brustbild
Römische Münzen.
REX THEODERICVS PIVS PRINCIS (für PRINCEPS), am Schluß
der Umschrift Palmzweig-. Brustbild des König-s von vorn, im Schuppenpanzer,
darüber Gewand, mit reichem Haar, die R. erhebend, auf der L. eine kleine Victoria
auf der Weltkugel haltend. - Rs.: REX THEODERICVS VICTOR
GENTIVM, am Schluß kleiner Palmzweig-. Victoria auf der Weltkugel, Kranz
in der R., Palmzweig- in der L. Unten COMOB Spuren gleichzeitiger Benutz-
ung als Schmuckstück nach Art einer Broche. — N. 33 mm. 15,32 g, also etwa
gleich drei Solidi. Privatbesitz.
Dies herrliche Stück zeigt uns das Bild des Königs
mit allen Details seiner Herrschertracht und seinem ganz
eigentümlichen Titel; er nennt sich »victor gentium«, aber
nicht wie die römischen Kaiser »victor gentium bar-
bararum«, denn er selbst gehörte ja dem herrschenden
Sprachgebrauch nach zu den »Barbaren«.
Die alte senatorische Kupferprägung in Rom erneuerte
der ostgotische König Theodahatus (534—536), dessen
(häufige) große Kupferstücke noch eine ganz antik gedachte
Victoria und die Bezeichnung SC, »senatus consulto«, tragen,
sonst freilich schon durch den königlichen Titel und die
von römischen Denkmälern abweichende Tracht sich als
nationale Dokumente der ostgotischen Herrschaft ausweisen:
D N THEODAHATVS REX Brustbild des Königs mit oben geschlossener
Krone und verziertem Gewand. — Rs.: VICTORIA PRIUCIPO (verwildert
statt »principum«) S C Victoria mit Kranz und Palmzweig:, auf einer Prora stehend.
Die Darstellung ist den gleich großen Kupfermünzen der Flavischen Kaiser mit
»Victoria navalis« entlehnt. — JE.
I2Ö Römische Münzen. Als Beispiel der Prägung des Vandalenreiches in Afrika folgt eine Münze des
I2Ö
Römische Münzen.
Als Beispiel der Prägung des Vandalenreiches in
Afrika folgt eine Münze des Königs Gunthamund, welcher
in Karthago 484—496 herrschte:
0 N ReX G V N T H Amundus. Brustbild des Königs mit Diadem, Panzer und
Gewand, in Tracht und Auffassung den Kaiserbildnissen ähnlich. — Rs.: Dominus
Noster im Kranz. — JR.
Im sechsten Jahrhundert beginnt in Gallien die Prägung
der Merovingischen Königsmünzen mit Theodebert I.
(534—548), welcher von Iustinianus anerkannt war, aber
auf seinen Goldmünzen — es gibt nur Goldstücke von
ihm — niemals den kaiserlichen oder königlichen Titel,
sondern den in der Weise eines Titels auftretenden Bei-
namen VICTOR, außerdem aber den bei den Kaisern und
Prinzen herkömmlichen Titel Dominus Noster führt. Sein merk-
würdigstes Stück ist das hier abgebildete:
D N THEODEBERTVS Victor. Sein Brustbild von vorn mit Helm, Panzer,
Schild und Lanze, auf dem Schilde ein Reiter. — Rs.: VICTORIA AVGGG I,
links COL (die Buchstaben untereinander), rechts V (wahrscheinlich COLonia
Vienna, die Prägestätte) und Stern. Der König auf einen Feind tretend, im r. Arm
langen Palmzweig, auf der L. kleine Victoria. — N Solidus.
Die Vorderseite der Münze ist nach dem Muster gleich-
zeitiger kaiserlicher Goldmünzen geprägt (vgl. S. 122), die
Rückseite ist originell und von den ähnlichen Kaisermünzen
stark abweichend.
Vom Reiche der Sueven in Spanien ist ein höchst
merkwürdiges Denkmal mit Königsnamen vorhanden, eine
Silbermünze mit dem durchaus nach dem Muster der
Kaisermünzen dargestellten Brustbild des Kaisers Honorius
und der Inschrift des Königs Richiar auf der Rückseite:
Kömische Münzen. DN HONORIVS P F AVG Sein Brustbild mit Diadem, Panzer und Mantel. —
Kömische Münzen.
DN HONORIVS P F AVG Sein Brustbild mit Diadem, Panzer und Mantel.
— Rs.: IVSSV RICHIARI REGES um einen Kranz, in dem ein Kreuz und
B R (wohl die spanische Prägestätte Bracara). — JR. Paris.
Richiar, welcher 448—456 herrschte, vermeidet die Nennung
des regierenden römischen Kaisers Valentinianus III. wohl
deshalb, weil er mit ihm im Kriege liegt, und gibt statt
seiner das Bild und den Namen des schon 423 ver-
storbenen Honorius, ähnlich wie der Ostgotenkönig Baduila
(Totila), 541—552, von Iustinianus I. bekriegt, Bild und
Namen des Anastasius (gestorben schon 518) auf die Münzen
setzt. Die Inschrift: IVSSV RICHIARI REGES (= regis)
ähnelt inhaltlich den Aufschriften der arabischen Münzen und
namentlich der in Nordafrika geprägten Kupfermünzen
der ältesten arabischen Herrscher aus dem ersten Jahr-
hundert nach der Hedschra mit lateinischen Umschriften:
IN Nomine DomiNI IVSHT MVSE AMIRAs (vom Emir Musa, der
in Afrika und Spanien 697—715 n. Chr. herrschte). Auch
die mittelalterlichen orientalischen Beherrscher von Magnesia,
Ephesos und Palatia haben ähnliche lateinische Umschriften,
z. B. »hanc monetam fieri iussit Urchanli«, »moneta que
fit
de mandato Sarcani« usw.
* *
*
Die lange Reihe der byzantinischen Kaiser-
münzen, von Anastasius (491—518) eröffnet, zeigt
zuerst dieselbe Art der Darstellung wie die der römischen,
bald aber erscheint ein eigentümlicher, ausgeprägt byzan-
tinischer Stil, der, wenn auch ohne großen Schwung,
doch in den Einzelheiten meist recht zierlich und oft
von starker dekorativer Wirkung ist. Die Goldstücke, nach
wie vor nach dem Fuße des Constantinus (72 auf das
Pfund) geprägt, bleiben imAbendlande und im Orient
lange die fast alleinige Goldmünze und dienen den ersten
islamischen Prägungen in Fuß und Typus ebenso zum
Muster wie der im 13. Jahrh. in Europa wieder auftretenden
Goldprägung. Silber wird in Byzanz weniger geprägt; es
findet sich bei uns in Deutschland häufig in den sog.
128 Römische Münzen. Hacksilberfunden östlich der Elbe. Kupfer wird zu allen Zeiten sehr reichlich
128
Römische Münzen.
Hacksilberfunden östlich der Elbe. Kupfer wird zu allen
Zeiten sehr reichlich vermünzt.
Die Typen der byzantinischen Münzen sind mit wenigen
Ausnahmen sehr einförmig. Historische Ereignisse werden
nicht mehr verewigt, die Mythologie schrumpft bis auf
die faden Verkörperungen von Ruhm und Sieg zusammen,
und die bald an ihre Stelle tretenden christlichen Dar-
stellungen — das Kreuz, der Erlöser, die Mutter Gottes —
vermögen den Reiz der Darstellungen auch nur in wenigen
Ausnahmen zu erhöhen.
Der starre, geistlose Charakter der byzantinischen
Kunst, der in den Münzen jund Siegeln sich deutlich
dokumentiert, findet bisweilen einen anmutigen Gegensatz
in zierlichen, wahrhaft poetischen Versinschriften,
namentlich gewähren die Bleisiegel uns manches sinnige
Gedichtchen. Auch die Münzen bieten uns einige hübsche
versifizierte Inschriften: eine kleine Kupfermünze oder
Marke ohne Kaiserbild, etwa dem Ende des zehnten Jahr-
hunderts angehörend, hat das Bild des Heilandes und auf
der Rückseite die Inschrift:
+ 0UUAAN
eizei TOY
CneNHTAC
OTP€<J>WN
Geoi baveiZei toü? ir^vnTC«; ö Tp^tpuuv
»Gott leiht, wer die Armen ernährt.«
Es ist die in einen iambischen Senarius geschickt ver-
änderte Stelle aus den Sprüchen Salomonis 19, i7;^die
kleine Kupfermünze erinnert den Besitzer durch ihre
Inschrift, sie zum Almosen zu verwenden.
Ein voller Hexameter erscheint, auf beiden Seiten den
Raum der Umschrift füllend, auf einem schönen Silberstück
ohne Kaisernamen, das wohl in die Zeit des Romanus IV.
Diogenes, 1067—1071 gehört:
Römische Münzen. I 29 Maria mit dem Christuskind imArm, stehend, von vorn, daneben Mr|Tr|p OeoO,
Römische Münzen.
I 29
Maria mit dem Christuskind imArm, stehend, von vorn, daneben Mr|Tr|p OeoO,
(Mutter Gottes). — Rs.: Stehender bärtiger Kaiser mit Krone, reich verziertem
Gewand, in der R. langes Doppelkreuz, in der L. die Kugel mit Doppelkreuz.
Die Umschrift auf Vs. u. Rs. ist: nAPGENe COI FlOAYAlNe OC
HAniKE nANTAKATOP0OI = TTape^ve coi TtoXOmve oq nX-rriKe
TTCXVTa KÜTOpGoi (Jungfrau, du vielgepriesne, wer auf dich hofft, gewinnt alles). — JR.
Als Beispiel der byzantinischen Prägung mag noch
eine Goldmünze Platz finden, welche der als Geschicht-
schreiber bekannte Kaiser Constantinus VII. Porphyro-
genitus gemeinsam mit seinem Sohne Romanus in den
Jahren 945—959 geprägt hat:
COUSTATIT CG ROfllATl AHGG B R Brustbilder derbeidenKaiser, jeder
mit Krone und in reicher Kleidung, zusammen ein langes Doppelkreuz haltend. —-
Rs.: + ITIS XPS RGX R€GNANTIH(Ti Brustbild Christi von vorn mit
dem Evangelienbuch. — .V Solidus.
Die Inschriften jener Zeit zeigen ein wunderliches
Gemisch von Griechisch und Lateinisch, in Worten und
Buchstaben: »Constant(inus) ce (d. h. k£ = Kai) Roman(us)
Augg. (= Augusti) ß(amX€i?) R(omanorum), Rs. 'IncCoO?)
Xp(i)a(xö;) rex regnantium«, (Constantinus und Romanus,
Kaiser und Könige der Römer, Rs. Jesus Christus, König
der Könige).
Im Jahre 1204 wird das byzantinische Reich abgelöst
durch das lateinische Kaiserreich, dessen Oberherrschaft
sich aber viele griechischen Landschaften zu entziehen
wußten, die dann in Nikaia, Trapezunt, Epeiros, Thessa-
lonike die byzantinische Kaiserherrschaft weiterführten.
1261 eroberten die Paläologen Konstantinopel zurück.
Vom letzten Kaiser von Konstantinopel, Constantinus
XI. Palaeologus, 1448—1453, der bei der Verteidigung
seiner Hauptstadt gegen Muhammed II. den Heldentod
fand, besitzen wir keine Münzen, wohl aber ein schönes,
münzartiges Denkmal, ein prächtiges, aus zwei zusammen-
gefügten Goldblättchen bestehendes Siegel, eine »goldene
Bulle«. Sie mag hier wegen ihrer großen Ähnlichkeit
mit einer Münze als schönes Schlußdenkmal der byzanti-
nischen Herrschaft ihre Stelle finden:
9
130 Römische Münzen. KWNCT/NTINOC 6N XpiaxW /VI KP AIP (auTWKpdxwp statt a^TOKpOtTUUp) 0 riAAAlOAOrOC
130
Römische Münzen.
KWNCT/NTINOC 6N XpiaxW /VI KP AIP (auTWKpdxwp statt
a^TOKpOtTUUp) 0 riAAAlOAOrOC fConstantinus der Paläologe, in Christus
Kaiser). Der in vollem Ornat stehende bärtige Kaiser von vorn mit Kreuz und Schriftrolle.
— Rs.: |f][ToÜC XplCTTÖC (Jesus Chmtus), im Felde (J) (oder Monogramm aus M
und (J> ?). Christus vor seinem Thron stehend, mit der R. segnend, in der L. das
Evangelienbuch. — Goldbulle. Wien.
C. Münzähnliche Denkmäler. Den antiken Münzen schließen sich der Technik und dem Stile, wenn auch
C. Münzähnliche Denkmäler.
Den antiken Münzen schließen sich der Technik und dem
Stile, wenn auch nicht der Verwendung nach einige Gruppen
von Denkmälern an, über die hier noch ein Wort zu
sagen ist, nämlich die großen Goldmedaillons auf Alexander
den Großen, die Contorniaten und die Marken.
Die großen Goldmedaillons entstammen zwei in
den 6oer Jahren des vorigen Jahrhunderts und i. J. 1902
zu Tarsos in Kilikien beziehungsweise zu Abukir in Ägypten
gehobenen Funden; der erstgenannte enthielt drei jetzt in
Paris befindliche Medaillons derart, außerdem noch einen
auf Münzfuß stehenden Goldmedaillon des Severus Alexander
und 23 Goldmünzen bis auf Gordianus III.; der andere Fund
umfaßte 20 Goldmedaillons, — deren fünf für das Berliner
Museum erworben wurden — und zudem noch an 600 Gold-
münzen der Kaiser des 3. Jahrh. bis auf die Zeit des
Diocletianus und Maximianus (vgl. S. 117), ferner mehrere
Goldbarren. In diesen Medaillons hat man Siegespreise
zu sehen, welche bei den im Altertum so beliebten und
durch die Freigebigkeit reicher Beamter oder Privatleute
so glänzend gefeierten Festspielen an die Sieger in den
einzelnen athletischen Vorführungen verliehen wurden; die
Aufschrift eines der Abukir-Medaillons, OAYMTTIAAOC
(Olympische Spiele des Jahres 274, nämlich actischer Ära,
d. h. 242/3 nach Christus) und der Vergleich der Dar-
stellungen auf diesen Medaillons mit entsprechenden, unter
Gordianus und Philippus geprägten Münzen der Provinz
Makedonien lehrte, daß es die in Beroia vom Landtage
der Makedonier unter Gordianus und Philippus gefeierten
olympischen Spiele waren, bei denen die Medaillons von
132 Münzähnliche Denkmäler. Abukir als Preise verliehen wurden. Die fünf Berliner Exemplare sind
132
Münzähnliche Denkmäler.
Abukir als Preise verliehen wurden. Die fünf Berliner
Exemplare sind 47—60 mm breit, 65 —105 g schwer; das
hervorragendste Stück zeigt das Brustbild Alexanders
von vorn:
Brustbild Alexanders des Großen von vorn, aufwärts blickend, mit Panzer, Schild
und Lanze; auf dem Schilde die Zeichen des Tierkreises, Helios, Selene usw. —-
[RS.: BAC1A6QC AAGEANAPOV (des Königs Alexander). Nike weist
auf einen mit zwei Figuren geschmückten Schild, den ein nackter Eros hält; rechts
ein Tropaion, zu dessen Füßen zwei sitzende Gefangene]. — Goldmedaillon.
Die Typen der drei anderen Berliner Stücke sind:
Kopf Alexanders des Großen mit Königsbinde und Am-
monshorn linkshin. — Rs. Nike im Viergespann.
Brustbild Alexanders des Großen im Helm, Panzer und
Mantel linkshin. — Rs. Nike mit dem Schilde vor
einem Tropaion, dieselbe Darstellung wie bei dein
erstgenannten Stück.
Brustbild der Olympias, der Mutter Alexanders des Großen,
linkshin, mit Königsbinde, Schleier und Zepter. —
Rs. Nackte Nereide auf einem Seestier sitzend, auf
den Wellen des Meeres.
Der fünfte, etwas kleinere Medaillon zeigt nur auf dem
Bilde der Rückseite die Beziehungen zu Alexander, während
die Vs. das Bildnis des Kaisers Caracalla (2 11 — 2 17 n. Chr.)
ziert, dessen Vorliebe für Alexander den Großen die An-
bringung seines Bildnisses auf einem Medaillon dieses Kreises
veranlaßt haben dürfte:
Münzähnliche Denkmäler. 133 Brustbild des Kaisers Caracalla mit Kranz, Panzer, Schild, Schwert und Lanze (auf
Münzähnliche Denkmäler.
133
Brustbild des Kaisers Caracalla mit Kranz, Panzer, Schild, Schwert und Lanze (auf
dem Schilde Löwenjag-d und Kopf Alexanders des Großen). — Rs.: BACIA6VC
AA6IANAP0C (der König- Alexander). Vor dem auf einem löwenfüßigen
Sessel sitzenden, mit der Königsbinde geschmückten jugendlichen Alexander steht
die Nike, ihm den Helm überreichend und die L. auf den ebenfalls für Alexander
bestimmten Schild stützend; auf dem Schilde ein Flachbild: Achilleus, die Penthe-
silea bezwingend. — Goldmedaillon.
Contorniaten nennt man mit einem neueren Kunst-
wort große, runde, münzähnliche Kupferstücke mit einem
mehr oder weniger erhabenen Rande (ital. » contorn o«).
Diese Stücke sind in später Kaiserzeit geprägt — sie haben
z.T. die Bilder des Kaisers Petronius Maximus (455),
noch nicht als Kaiser, sondern als Vir Qarissimus CONSui,
ferner des Maiorianus (457—461) u. a., gehören also
134 Münzähnliche Denkmäler. teils in jene Zeit, teils in eine wenig frühere oder spätere. Man
134
Münzähnliche Denkmäler.
teils in jene Zeit, teils in eine wenig frühere oder spätere.
Man hat geglaubt, daß diese Stücke bei Gelegenheit der
Circusspiele geprägt und ausgegeben, dem Publikum ver-
kauft wurden oder dergleichen, wie ja auch bei uns bei
großen Festlichkeiten, Ausstellungen usw. private Medaillen
angefertigt werden. Neuerdings hält man sie für Brettspiel-
steine. Die Darstellungen der Contorniaten sind großenteils
auf Circusspiele bezüglich: Wagenlenker und siegreiche
Wettrenner mit Palmzweigen, oft von den Namen des
Lenkers oder der Pferde und dem Siegeszuruf begleitet:
EVTIMI VINCAS, VRSE VINCAS; oft ist ein aus P und E
zusammengesetztes Monogramm oder ein Palmzweig, ver-
tieft, bisweilen mit Silber eingelegt, neben der Darstellung.
Manche feiern das Andenken verstorbener, um die Spiele
verdienter Kaiser; unter diesen figuriert besonders häufig
Nero. Es verdient Erwähnung, daß die Contorniaten öfter
Darstellungen der eben behandelten Goldmedaillons mehr
oder weniger treu kopieren. Von hohem Wert sind die
Contorniaten durch eine Fülle der merkwürdigsten, oft sehr
reichen mythologischen Darstellungen. Besonderes Interesse
hat für uns eine Szene aus den homerischen Gedichten,
die vor Odysseus knieende Zauberin Kirke, früher irrig
für eine Märtyrerin im Circus gehalten:
IMP NERO CAESAR AVG P MAX TR P P P- Sein Kopt mit Kranz,
vor ihm vertieft ein Palmzweig. — Rs.: Odysseus, mit gezücktem Schwert, »äop
Ö£ti ^puCF(jd(J.€VOCj irapd jUr|pOÖ« (das scharfe Schwert von dem Schenkel ziehend),
vor ihm um Gnade flehend die knieende Kirke mit Krone. Im Hintergründe der
gemauerte Schweinestall, in welchem die verwandelten Gefährten des Odysseus
erscheinen, abweichend von der Dichtung- nicht als Schweine, sondern als mensch-
liche, vielleicht bewaffnete Figuren mit Tier(Schweins?)köpfen. — JE.
Eine eigentümliche Darstellung ist die Orgel, in der
Form unserer heutigen sehr ähnlich:
Münzähnliche Denkmäler. 135 DIVO TRAIANO AVGVSTO Sein Brustbild mit Kranz und Gewand.— Rs.: Orgel,
Münzähnliche Denkmäler.
135
DIVO TRAIANO AVGVSTO Sein Brustbild mit Kranz und Gewand.—
Rs.: Orgel, daneben zwei Männer, der links Befindliche mit einem Fächer, dem
Attribut des Chordirigenten. — JE.
Nächst den Szenen aus berühmten Dichterwerken bieten
noch diejenigen Contorniaten besonderes Interesse, welche
uns Bildnisse der Dichter und Schriftsteller geben; so
erscheint Homer mit gewohntem langen Bart und der
unorthographischen Aufschrift WMHPOC. So wertlos der-
artige herkömmlich aufgefaßte Bildnisse der Vorzeit sind,
so merkwürdig sind andere Köpfe der Contorniaten, welche
römische Dichter und Schriftsteller, z. B. TERENTIVS,
SALVSTIVS AVTOR, APVLEIVS und endlich Horatius
darstellen:
Es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß diesen Bildnissen
berühmter römischer Dichter und Schriftsteller Original-
darstellungen aus der Lebenszeit der Dargestellten zugrunde
liegen, wenn sie auch dem Geist der Zeit angepaßt und
Münzähnliche Denkmäler. so aller Wahrscheinlichkeit nach nicht unwesesentlich ver- ändert sind. Die
Münzähnliche Denkmäler.
so aller Wahrscheinlichkeit nach nicht unwesesentlich ver-
ändert sind.
Die übrigen münzähnlichen Stücke, die nicht dem
Geldverkehr gedient haben, faßt man gemeinhin unter dem
Namen »tesserae« zusammen. Sie sind aus Bronze, Blei
oder Bein und haben den verschiedensten Zwecken gedient,
z. B. als Verschlußplomben, Eintrittsmarken in Bädern und
Theatern, als Empfangsmarken bei den Verteilungen von
Getreide u. dgl., sowie als Zähl- und Spielmarken.
Register. Seite Abdera 9 Abessinien 47 f. Abydos 64 Achäer 27 Achaios, König 40 Acheloos,
Register.
Seite
Abdera 9
Abessinien 47 f.
Abydos 64
Achäer 27
Achaios, König 40
Acheloos, 'AytXmioi) dfeöXov . 21
Achilleus, Kopf des
51
„ und Penthesilea . 133
Achulla 67 f.
Adler auf Blitz
„ „ Kapitell
, mit Schildkröte
„ auf Weltkugel
Adlocutio 92, 112
Adventus Augusti
Ägypten 48 ff.
„ , personifiziert
39, 48 f., 70
26
26
111
103, 117
102 f.
„ , Provinzialprägung
59, 66f.
Ägypt. Gottheiten unter Iuli-
anus 122
Ähre 21
Aemilius Scaurus,
Aeneas s. Aineias
Aequitas 112,116
Ära s. Jahreszahl
Aesculapius s. Salus
Aes grave 69 fr.
76
Afrika unter Clodius Macer . 96
„ , personifiziert
49
Agathokles von Baktrien 37, 45 f.
„ „ Syrakus
51
Agonothetes 65
Agrippa 89f., 92, 102
Agrippina die ältere
92
„ die jüngere . 94, 116
Ahala 74 f.
Aias 23
Aigina 2 f.
„ , Giebelfiguren von .21, 94
Aineia, Stadt 7 f.
Aineias (Aeneas) die Sau
opfernd 104 I
Seite
Aineias (Aeneas), Flucht des 7 f.
Ainos 21 f.
Akanthos 9, 21
Ake 32
Akrasos 63
Akropolis von Athen
Aktaion, Kopf des
61
33
Alarich 123
Alexander I. von Makedonien 8
„ III. der Große
32, 36 fr., 48
Alexander III. d. Große, Gold-
medaillons 131 ff.
Alexander III. der Große als
'AX^Jjavopc; KTta-Tjj
37
Alexander III. der Große als
'AX^avopos toO OtXfrtitou 37, 45 f.
Alexander IV. von Makedonien 48
„ II. von Syrien . 37, 40
Alexandreia in Ägypten . 63, 65 ff.
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dvopeiov ÃœToXsuatou
48
Alexandreia in Kilikien
37
„ Troas
66
Alimenta Italiae
Altar von Pergamon