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Die Münzkunde in der Altertumswissenschaft Ein Vortr a g von Behrendt Pick Verlag Friedrich Andreas
Die Münzkunde
in der Altertumswissenschaft
Ein Vortr a g
von
Behrendt Pick
Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G. Stuttgart-Gotha
1922
367486 JUN291928 .Po?. Die nachstellenden Ausführungen •sind die nur an wenigen Stellen etwas veränderte
367486
JUN291928
.Po?.
Die nachstellenden Ausführungen •sind die nur an
wenigen Stellen etwas veränderte Wiedergabe eines
Vertrags, den ich am 27. September 1921 in der alt-
historischen Sektion der deutschen Philologen-Versamm-
lung in Jena gehalten habe. Ich hätte ihn vielleicht
nicht drucken lassen, wenn nicht kurz darauf eine An-
zahl Freunde und Fachgenossen mir zum sechzigsten
Geburtstag ihre freundliche Gesinnung bezeugt hätten.
Ihnen wollte ich als Zeichen herzlichen Dankes den Ab-
druck dieses Vortrags widmen, der einen Kreis von Nicht-
numismatikern wieder einmal darauf hinweisen sollte, daß
die Numismatik eine "Wissenschaft ist, und zwar eine selb-
ständige, und daß ihre Pflege vielen benachbarten Fächern
zugutekommt. Am Vormittag desselben Tages hatte in
einer allgemeinen Sitzung einer der größten Philologen
unserer Zeit, Ulrich von Wilamowitz-Moellendorif, über
die Zukunftsaufgaben der deutschen Altertumswissenschaft
gesprochen und dabei die große Bedeutung der Denkmäler
und der Inschriften neben der alten Literatur mit Recht
hervorgehoben, die Münzen aber mit keinem Wort er-
wähnt, auf die auch er sich doch so manches Mal in
seinen Schriften stützen muß. Das ist befremdend, um
nicht zu sagen schmerzlich, für uns, die wir in der
Beschäftigung mit den Münzen unsere Lebensaufgabe
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sehen, und unsere Arbeit ebenso unentbehrlich und er- sprießlich für die Wissenschaft finden wie die
sehen, und unsere Arbeit ebenso unentbehrlich und er-
sprießlich für die Wissenschaft finden wie die Beschäf-
tigung mit Thukydides oder Cicero, mit Bauwerken oder
Statuen und Inschriften. Wir bilden uns gewiß nicht
ein, daß die Münzen die wichtigste Quelle für die Er-
forschung des Altertums seien. Aber ebenso gewiß ist,
daß derjenige kein vollkommener Altertumsforscher ist,
der von Münzkunde, ihrer Anwendbarkeit und ihren Er-
gebnissen, nichts weiß oder nichts wissen will. Und man
darf noch mehr sagen: Wer die antiken Münzen nicht
kennt, wer nie eine Sammlung von Originalen oder Ab-
bildungen aufmerksam betrachtet hat, der wird, er mag
die anderen Denkmäler noch so gut kennen und noch
so tief in die griechische und lateinische Literatur ein-
gedrungen sein, nie ein volles Verständnis für das Leben
der Alten, einen vollen Einblick in ihr Denken und
Fühlen gewinnen. Um diese Erkenntnis zu erneuern
oder zu erwecken, mag es vielleicht doch gut sein, wenn
das in einem kleinen Kreise Gesagte nun auch den Fach-
genossen im weiteren Sinne zugänglich gemacht wird.
Gotha, im Februar 1922.
Behrendt Fick.
Da 'a über den Begriff und die Aufgaben der Numismatik oder Münzkunde eine gewisse Unklarheit
Da
'a über den Begriff und die Aufgaben der Numismatik oder
Münzkunde eine gewisse Unklarheit besteht, so mag es nützlich
erscheinen, wenn einer der wenigen Altertumsforscher, die sich mit
diesem Fach berufs- und pflichtmäßig — um nicht zu sagen: dienst-
lich — befassen, die Stellung der Münzkunde im Kreise der histo-
rischen Wissenschaften darzulegen versucht.
Soweit es sich um die antiken Münzen handelt, ist die
Numismatik dem großen Arbeitsgebiet gewidmet, das wir Altertums-
wissenschaft nennen, wobei wir uns natürlich bewußt sind, daß auch
die Münzkunde ebenso wie jede der anderen in Frage kommenden
Wissenschaften — die Sprachforschung, Kunstwissenschaft, Erd-
kunde und die vielen kleineren Hilfs- oder Teildisziplinen, nament-
lich aber die politische Geschichte — ihre Fortsetzung in den
entsprechenden Forschungen über Mittelalter und Neuzeit findet.
Man hat nun öfters versucht, die Münzkunde an eine einzelne der
historischen Wissenschaften anzugliedern, und schlug dann entweder
die Geschichte oder die Archäologie oder die Nationalökonomie
vor; bei einer von diesen sollte sie als Hilfswissenschaft oder als
Anhängsel untergebracht werden. Hilfswissenschaft in dem Sinne,
wie jede Wissenschaft mit mehreren anderen imVerhältnis gegen-
seitiger Förderung steht, ist natürlich auch die Numismatik; im
Sinne der Unterordnung könnte man nur ein solches Fach Hilfs-
wissenschaft nennen, das nur einer Wissenschaft dient, etwa wie
die Diplomatik, die denn auch von den Historikern selbst und
nicht von besonderen „Diplomatikern" gepflegt wird. Aber die
Numismatik hat gleichwertige Beziehungen zu mehreren, in Stoff
und Methode ganz verschiedenen Wissenschaften, die nicht von
denselben Forschern beherrscht werden können, vor allem zur Ge-
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schichte im weitesten Sinne und zur Kunstwissenschaft; und darüber hinaus hat sie auch Arbeiten zu
schichte im weitesten Sinne und zur Kunstwissenschaft; und darüber
hinaus hat sie auch Arbeiten zu leisten, die den anderen Zweigen
der Altertumswissenschaft fern liegen und eben nur von Münz-
kennern geleistet werden können. Diese haben von den anderen
das zu lernen, was zum vollen Verständnis der Münzen nötig ist,
und ihr dadurch geklärtes Material der Forschung so zur Ver-
fügung zu stellen, daß es von den Forschern auf den übrigen Ge-
bieten ohne weiteres benutzt werden kann.
Bei dieser unerläßlichen Vorarbeit betätigen sich nun vielfach
auch Sammler und Liebhaber; aber man ist deshalb durchaus
nicht berechtigt, die Numismatik als eine etwas minderwertige
Wissenschaft anzusehen. Vielmehr ist diese Mitwirkung der Dilet-
tanten eine geradezu erfreuliche Eigenart unserer Arbeit, die man
als berechtigt erkennt, sobald man sich darüber klar wird, daß in
der Numismatik zwei Arten —• oder Stufen — zu unterscheiden
sind, die ich (nach Analogie-der mathematischen Wissenschaften)
als die reine und die angewandte Numismatik bezeichnen
möchte. Sie sind nicht nur in den Zielen und Methoden ver-
schieden, sondern großenteils auch in den Arbeitern. Und wenn
auch — anders als in der Mathematik — die angewandte Numis-
matik wissenschaftlich höher steht, so wird ihre Tätigkeit doch
überhaupt erst durch die unentbehrliche Vorarbeit der reinen Numis-
matik ermöglicht. Der Unterschied läßt sich kurz so bezeichnen:
Die reine Numismatik betrachtet die Münzen als Denk-
mäler und beschäftigt sich mit ihnen um ihrer selbst willen;
die angewandte sieht die Münzen darauf an, was aus ihnen
zu lernen ist, und betrachtet sie also als Quellen zur Erforschung
der Vorzeit.
Unerläßliche Vorbedingung für alle Münzforschung ist natür-
lich das Sammeln der Münzen, das in der Renaissancezeit nur
von Liebhabern betrieben wurde, zumTeil allerdings schon mit
wissenschaftlichen Interessen. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts
geht dann die Führung an die Museen bzw. die fürstlichen „Münz-
kabinette" über, mit deren Verwaltung gelehrte Altertumsforscher
betraut wurden, darunter der große Begründer unserer Wissen-
schaft Joseph Hilarius Eckhel in Wien. Aber daneben spielten
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auch weiterhin die Privatsammlungen eine große Rolle, und es ist durchaus wünschenswert, daß das auch
auch weiterhin die Privatsammlungen eine große Rolle, und es ist
durchaus wünschenswert, daß das auch in Zukunft so bleibe. Die
Privatsammler unterstützen unsere Studien nicht nur durch das
Entgegenkommen, mit dem sie — fast ohne Ausnahme — ihre
Schätze den Forschern zugänglich machen, sondern viele sind bereit
und geeignet, auch selbst an den Aufgaben der reinen Numismatik
mitzuwirken. — Die ersten Vorarbeiten sind da das Bestimmen,
d. h. die Ermittelung des Prägeortes und der Entstehungzeit jeder
Münze, und das Ordnen, d. h. die geographische und chronologische
Einreihung. In vielen Fällen ist das jetzt eine sehr einfache Sache,
wenn die Münze nämlich bei einem unserer kenntnisreichen Händler
und vollends auf Grund eines ihrer guten modernen Kataloge ge-
kauft ist; aber es strebt doch jeder ernstere "Sammler danach, die
Bilder und Inschriften selbst zu verstehen und sich die dazu nötigen
Kenntnisse durch Benutzung von Handbüchern zu verschaffen.
Anderes erlernt der Numismatiker, gleichviel ob Gelehrter oder
Liebhaber, durch Übung, namentlich alles was die äußere Er-
scheinung der Münzen angeht: die Metalle mit ihrer Oxydierung
und Patinierung, die Herstellungsarten durch Guß und Prägung,
die Besonderheiten der Fabrik. Es könnten sich daran leicht alle
diejenigen Forschungen anschließen, die im wesentlichen auf die
Münzen allein gestützt werden können. So z. B. wäre es sehr
erfreulich, wenn das Studium der Legierungen der Münzmetalle
von Sammlern gefördert würde, indem sie schlecht erhaltene Exem-
plare gewöhnlicher Münzen in größerer Zahl analysieren ließen,
was den Museumsbeamten nicht so leicht gestattet ist. Auch
Studien über Münztechnik der Alten kann derjenige leichter be-
treiben, der ohne weiteres berechtigt ist, geeignete Stücke zum
Zweck der Untersuchung zu zerstören. Dadurch würde mancher
neue Einblick in die antiken Münzwerkstätten ermöglicht werden,
und nicht nur in die Arbeitsweise der Münzhandwerker, sondern
auch in die Kunstübung der Stempelschneider. Leider werden
gerade diese Arbeitsgebiete von den Sammlern nur wenig gepflegt.
Mehr Neigung besteht für Untersuchungen, die auf das Gewicht
der Münzen aufgebaut werden. Nun gehört zur vollständigen Be-
schreibung einer Münze auch die Angabe ihres Gewichts, und die
Wägung sollte, wenn es sich nicht gerade um eilige Arbeit auf Reisen handelt, auch bei
Wägung sollte, wenn es sich nicht gerade um eilige Arbeit auf
Reisen handelt, auch bei Kupfermünzen und solchen der Kaiserzeit
nicht unterlassen werden. Der naheliegende Wunsch, auch die
antike Wertbezeichnung des einzelnen Stückes zu wissen, ob es
eine Drachme, ein Obol, Stater usw. ist, ist dann in vielen Fällen
auch leicht zu erfüllen. Aber durchaus nicht in allen; und gerade
das Streben, aus einer mehr oder weniger großen Menge von Einzel-
gewichten die Normalgewichte zu erschließen und Währungssysteme
zu erkennen, so verlockend es offenbar für viele Sammler und Forscher
ist, führt in der Regel zu Irrtümern. Doch gehört das auch nicht
mehr in das Gebiet der reinen Numismatik, und es wird später in
anderem Zusammenhang darauf zurückzukommen sein. — Die Be-
schäftigung mit der äußeren Erscheinung der Münzen führt weiter
zu der wichtigen Aufgabe, die Fälschungen zu erkennen, deren
es unzählige gibt. Soweit es sich da um Erfindungen handelt,
wie die schönen Münzen des Agamemnon, der Dido, des Romulus
und dergleichen, kann man ja damit auch in der Studierstube fertig
werden; und seit Eckhel damit aufgeräumt hat, verläuft sich auch
nur selten noch ein solches Stück in die wissenschaftliche Literatur.
Aber die von modernen Fälschern nach dem Muster antiker Münzen
hergestellten Münzen von den echten zu unterscheiden, ist nur dem
möglich, der sich dauernd mit Originalen beschäftigen kann, also
neben dem Händler dem Sammler oder dem Verwalter einer Samm-
lung. Allerdings sind die meisten Fälschungen, namentlich die
besonders häufigen unveränderten Nachgüsse nach echten Stücken,
schädlicher für den Geldbeutel des betrogenen Sammlers als für
die Wissenschaft; aber es gibt doch auch genug solche, die die
gelehrte Forschung irreführen. Im ersten Jahrzehnt unseres Jahr-
hunderts entfaltete ein italienischer Numismatiker, Matteo Piccione,
eine sehr lebhafte Tätigkeit, der sich um die Erforschung der an- •
tiken Münztechnik gewisse Verdienste erwarb, seine Hauptaufgabe
aber angeblich in der Feststellung von Münzfälschungen sah. Das
wäre schon recht gewesen; aber zu weit ging der streitbare Pic-
cione — er nannte seine Zeitschrift „Battaglie di Archeologia";
ob er jetzt noch tätig ist, weiß ich nicht —, wenn er darin
geradezu • die einzige Aufgabe des Numismatikers erblickte und alle
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n Buchweisheit" verachtete, die antiken Schriftquellen so gut wie ihre modernen Benutzer. Bei einer solchen
n
Buchweisheit" verachtete, die antiken Schriftquellen so gut wie
ihre modernen Benutzer. Bei einer solchen Auffassung wäre z. B.
Mommsens Tätigkeit auf numismatischem Gehiet, da er über die
Echtheit der Münzen kein eigenes Urteil hatte oder zu haben be-
hauptete, als wertlos zu bezeichnen, und alle Verwertung der
Münzen für andere Forschungsgebiete, die wir gerade als die höhere
Aufgabe unserer Wissenschaft ansehen, vollkommen verfehlt, wenn
sie nicht von eigentlichen Numismatikern betrieben wird. Davon
kann natürlich nicht die Rede sein; sondern die Altertumsforscher
sind durchaus berechtigt, die Entscheidung über die Echtheit den
Münzforschern zu überlassen. Unfehlbar sind wir freilich nicht, und
es wird immer noch Fälle geben, über die man verschiedener Meinung
sein kann, wie z. B. die Goldmünzen des Uranius Antoninius oder,
wie ich nicht verhehlen möchte, eine gute Anzahl jener Münzen
baktrischer Könige, die zu den „Paradepferden" der Numismatik
zählen, nach meiner Ansicht aber moderne indische Fälschungen
sind. Jedenfalls ist es eine der wichtigsten Aufgaben der reinen
Numismatik, das Material in den Sammlungen und in der Literatur
von Fälschungen frei zu machen und frei zu halten.
Die bisher besprochene Tätigkeit der Numismatiker, der Ge-
lehrten wie der Sammler, das Sammeln, Bestimmen und Ordnen
und die Ausscheidung der Fälschungen käme aber nur den Samm-
lungen zugute und nicht der Wissenschaft, wenn das gesammelte
Material nicht auch beschrieben und bekanntgemacht würde. Das
ist nun für die reine Numismatik die letzte und höchste Aufgabe:
der Forschung ein möglichst reiches, sowohl von Fälschungen wie
von den noch schädlicher wirkenden (selbst noch in der neuesten
historischen und archäologischen Literatur immer wieder erscheinen-
den) falschen Beschreibungen und Abbildungen gereinigtes Material
in übersichtlicher Anordnung zur Verfügung zu stellen, so daß es
auch von Nichtnumismatikern als vollkommen zuverlässig aufge-
nommen und benutzt werden kann.
Zur Erfüllung dieser Aufgabe gibt es, um von der natürlich
ebenfalls möglichen und erwünschten Betätigung in Einzelunter-
suchungen abzusehen, drei Wege: man veröffentlicht entweder aus-
gewählte Münzen oder Kataloge von Sammlungen oder voll-
ständige Corpora. Das ist gelehrte Arbeit, aber alle drei Wege sind auch von Sammlern eingeschlagen
ständige Corpora. Das ist gelehrte Arbeit, aber alle drei Wege
sind auch von Sammlern eingeschlagen worden, die eben bei der
gründlichen und liebevollen Beschäftigung mit ihren Münzen aus
Liebhabern zu Forschern geworden sind.
Der erste Weg reizt den Anfänger am meisten, den jungen
Gelehrten ebenso wie den Sammler; wenn er bei der Beschäftigung
mit Münzen, beim Ordnen seiner oder einer anderen Sammlung
Stücke findet, die unbekannt zu sein scheinen oder über die er
etwas Neues sagen zu können glaubt, so äußert sich ganz natürlich
der Wunsch, diese kleinen Entdeckungen zu veröffentlichen, und
der Beifall, den sein Buch oder Aufsatz etwa findet, muntert zu
weiterer Arbeit auf. Gerade auf diesemWege haben einige unserer
Besten sich die größten Verdienste um die Wissenschaft erworben,
vor allem Friedrich Imhoof-Blumer, der uns im vorigen Jahre ent-
rissen worden ist. Er hatte als Sammler begonnen und endete,
ohne den Liebhaberstandpunkt ganz aufzugeben, als der beste Kenner
der griechischen Münzen, der mehr für unsere Wissenschaft geleistet
hat als die meisten Gelehrten. Aber gerade er kannte auch besser
als andere die Schranken, die ihm durch den Mangel eines syste-
matischen Fachstudiums gezogen waren, und es war eben seine
Stärke, daß er nicht wie andere auch solche Fragen zu lösen unter-
nahm, die entweder überhaupt nicht oder sicherlich nicht mit
bloßen Münzkenntnissen zu lösen sind. Und doch hatte er in
seinem langen und reichen Leben nicht nur viele Tausende von
vorher unbekannten einzelnen Münzen bekanntgemacht, sondern
auch größere Gruppen zusammenfassend behandelt, dabei viele
falsche Beschreibungen der Vorgänger mit gesunder Kritik berich-
tigt und eine Fülle der wertvollsten Einzelbemerkungen gemacht,
so daß nicht etwa bloß die Münzkunde, sondern alle Zweige der
Altertumsforschung durch ihn gefördert worden sind.
Der zweite Weg, die Veröffentlichung der Kataloge, ist der
gegebene für die Münzkabinette, aber natürlich auch für Privat-
sammlungen gangbar, die nur leider gewöhnlich erst zum Zweck
des Verkaufs katalogisiert werden. Da viele Münzen in allen Samm-
lungen vorhanden sind, bringen die Kataloge natürlich viel Wieder-
holungen ; aber wo es die Mittel erlauben, sollten sie doch gedruckt
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werden. Am besten ist diese Aufgabe vom British Museum erfüllt worden, dessen griechische Münzen nunmehr
werden. Am besten ist diese Aufgabe vom British Museum erfüllt
worden, dessen griechische Münzen nunmehr fast vollständig in
28 Bänden erschienen sind, vollständig die der römischen Republik
und die Byzantiner, und von den Kaisermünzen ist der erste Band
in Vorbereitung, ebenso eine neue Bearbeitung der Griechen. Der
Katalog der griechischen Münzen von Poole, Gardner, Head, Wroth
und Hill ist von Band zu Band immer besser geworden, — zu-
gleich ein Vorbild, das selbst jedemAnfänger die Herstellung eines
guten Katalogs ermöglicht, — und ersetzt durch seine Einleitungen
Handbuch und Corpus. Ebenso musterhaft ist der dreibändige
Katalog der Hunterschen Sammlung in Glasgow von George Mac-
donald. Die Beschreibung des Pariser und die des Berliner Münz-
kabinetts sind leider schon nach zwei bzw. drei Bänden eingestellt
worden; bei der ersteren waren Babelons Einleitungen wertvoll,
während die Berliner Kataloge trotz genauer Beschreibungen und
vieler guter Einzelbemerkungen infolge der unwissenschaftlichen An-
ordnung nicht den rechten Nutzen stiften können. Die sonstigen
Kataloge brauchen hier nicht angeführt zu werden; viel ist es
nicht, weil der Mangel an Arbeitskräften und Geldmitteln die
meisten Museen an der Publikation verhindert hat, — und bis auf
weiteres ist, wenigstens bei uns in Deutschland, darin nur das
Gegenteil einer Besserung zu erwarten. Aber vielleicht sind uns
Kataloge von Privatsammlungen beschieden, deren Besitzer ein-
sehen, daß die Veröffentlichung ihres Materials die Krönung ihrer
Sammeltätigkeit und zugleich ein Verdienst um die Wissenschaft wäre.
Die Fortsetzung der Kataloge ist an manchen Stellen, nament-
lich in Berlin, dadurch gehemmt worden, daß einflußreiche Stellen
von der Meinung beherrscht waren, der Druck von Katalogen be-
deute eine Verschwendung von Geld und Kräften, wodurch die
Herausgabe von vollständigen Corpora der antiken Münzen ge-
schädigt würde. Diese Meinung war gewiß irrig; aber es muß
zugegeben werden, daß es für die Wissenschaft vorteilhafter wäre,
wenn statt der Kataloge einzelner Sammlungen Corpora geschaffen
werden könnten, die alle Münzen eines Gebiets, die in den Samm-
lungen liegen oder aus älteren Beschreibungen bekannt sind, zu-
sammenfassen. Die Berliner Akademie der Wissenschaften hatte
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die Absicht, zwei solche Corpora, für Nordgriechenland und für Kleinasien, herauszugeben, und Imhoof-Blumer hatte
die Absicht, zwei solche Corpora, für Nordgriechenland und für
Kleinasien, herauszugeben, und Imhoof-Blumer hatte auf Mommsens
Wunsch die Leitung übernommen. Aber das Unternehmen war
zu groß an'gelegt und überstieg wohl die Kräfte aller Beteiligten;
der von mir verfaßte erste Halbband erschien im Jahre 1898, später
noch vier kleinere Abteilungen von verschiedenen Verfassern (Gaebler,
Strack, Regung, v. Fritze); über den gegenwärtigen Stand des
Werkes ist mir nichts bekannt; die Prophezeiung von Rudolf Weil,
der ursprünglich daran mitarbeiten sollte, daß es „beim Corpus
Nummorum bald zu einer Torsen-Galerie kommen" werde, scheint
sich aber zu bewahrheiten. Auch ein ähnliches Unternehmen der
Pariser Akademie, die Herausgabe des von Waddington vorbereiteten
„Recueil general" der asiatischen Münzen durch Babelon und Rei-
nach, scheint einzuschlafen, obwohl es keine Vollständigkeit erstrebte
und viel leichter zu vollenden wäre. Einen anderen Plan zu einem
Corpus aller griechischen Münzen, das aus Abbildungstafeln mit
ganz kurzemText bestehen sollte und vielleicht innerhalb zehn
Jahren hätte vollendet werden können, hatte Svoronos im Jahre
1913 entworfen; sowohl die Mitarbeiter in allen Ländern wie die
nötigen Geldmittel waren vorhanden; aber der Krieg hat die Ver-
wirklichung dieses sonst wohl ausführbaren Planes unmöglich ge-
macht. — Dagegen ist es für einige Gebiete gelungen, wirkliche
Corpora zustande zu bringen, ohne große Organisation, nur durch
die persönliche Arbeit einzelner Gelehrter, die aber selbstverständ-
lich bei allen Museen und Privatsammlern das größte Entgegen-
kommen fanden. Das erste Werk dieser Art war das über die
Münzen des antiken Afrika von Ludwig Müller in Kopenhagen, der
vorher auch schon über die Münzen Alexanders des Großen (sowie
Philipps II. und III.) und des Lysimachos Bücher herausgegeben
hatte, die trotz wichtiger Grundfehler sehr nützlich waren und
bleiben werden. Dann folgten die beiden Werke von Svoronos
über Kreta und über die Ptolemäer, und es freut mich mitteilen
zu können, daß auch sein Corpus der Münzen von Athen, dessen
hundert Tafeln schon vor dem Kriege bei Bruckmann in München
aufgenommen worden waren, demnächst in Druck kommen wird.
Empfehlenswert sind kleinere Arbeiten dieser Art, Behandlung der
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Münzen einzelner Städte nach den Methoden des Berliner Corpus, wofür die Schrift von Euzicka über
Münzen einzelner Städte nach den Methoden des Berliner Corpus,
wofür die Schrift von Euzicka über Serdica ein gutes Beispiel
bietet. — Für die römischen Münzen der Republik und der Kaiser-
zeit können die Werke von H. Cohen, obwohl sie in der Haupt-
sache nur die Bestände der Pariser Sammlung verzeichnen, immer
noch die Stelle eines Corpus vertreten; sie sind unwissenschaftlich
und unkritisch, aber die Beschreibungen sind, soweit Cohen die
Originale selbst gesehen hat, zuverlässig. Für die Republik haben
wir überdies das viel bessere Werk Babelons; für die Kaiserzeit
aber ist die zweite Ausgabe wesentlich schlechter, da das Material
zwar vermehrt, aber nach Cohens Tode sehr nachlässig behandelt
worden ist. Ein wirkliches Corpus der römischen Münzen müßte
jedenfalls ganz anders aussehen. — Vor dem Kriege konnten sich
an solche Aufgaben selbst einfache Sammler wagen, ganz auf eigene
Faust, ohne Hilfe von Akademien. Es handelt sich da um solche,
die ihre Sammeltätigkeit auf ein gewisses beschränktes Gebiet kon-
zentrieren und dadurch in der Lage sind, sich eine besonders
reiche Sammlung von Münzen ihres Gebiets anzulegen und diese
dann um so sorgfältiger allseitig zu erforschen. Solche Sammler
hatten wir in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts besonders
in Österreich, wo Kolb, Missong, Rohde, Markl ebenso wie jetzt
noch der Oberstleutnant Voetter in Wien nur die Münzen je eines
oder einiger Kaiser der Spätzeit sammelten, darin allen Museen
weit überlegen waren und, soweit sie zumAbschluß ihrer Arbeiten
kamen, wertvolle Werke darüber herausgegeben haben. Bei uns
in Deutschland ist in ähnlichen Sondersammlungen das Münzwesen
der römischen Republik gepflegt worden, von Samwer in Gotha
und seinem Schwiegersohn, dem jetzigen General von Bahrfeldt,
und von Haeberlin in Frankfurt. Sie beschränkten sich nicht auf
die eigene Sammlung, sondern ergänzten ihre Beschreibungen und
Verzeichnisse durch Bereisung der meisten Museen, so daß sie die
Grundlagen für vollständige Corpora gewannen. Die Bearbeitung
der ältesten (gegossenen) römischen Münzen, die Samwer mit ge-
pflegt hatte, wovon seine von Bahrfeldt abgeschlossene Geschichte
des älteren römischen Münzwesens Zeugnis ablegte, wurde dann
Haeberlin überlassen, der sie zusammen mit dem anderen italischen
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Schwergeld behandelte und ein vollständiges Corpus dieses „Aes grave" im Jahre 1910 herausgegeben hat.
Schwergeld behandelte und ein vollständiges Corpus dieses „Aes
grave" im Jahre 1910 herausgegeben hat. Bahrfeldt, der sich
dann auf die geprägten Münzen der römischen Republik beschränkte,
hat davon bisher kein Corpus herausgegeben, außer für die soge-
nannten römisch-campanischen Münzen, wohl aber neben zahlreichen
Einzeluntersuchungen drei Bände Nachträge und Berichtigungen
zu dem schon erwähnten Jugendwerk Babelons; doch sind da»' die
besten Vorarbeiten für ein Corpus. Da haben wir also wieder
zwei Sammler, der eine Militär, der andere praktischer Jurist, die
auf ihren Gebieten durchaus wie Gelehrte — oder vielleicht besser
als solche — gearbeitet haben; denn schon die richtige Anordnung
eines so reichen Materials erfordert eigene Forschungstätigkeit, und
man gelangt bei der Arbeit ganz von selbst zu Ergebnissen, die
nicht mehr der bloßen Beschreibung dienen, sondern in die Bereiche
der angewandten Numismatik hinüberführen. Nur besteht da die
Gefahr, daß der Verfasser eines solchen Werkes sich neben der
Hauptaufgabe, der Publikation des Materials, nicht auf die Mit-
teilung und Begründung seiner mehr oder weniger wichtigen Funde
und Feststellungen beschränkt, wie es Imhoof-Blumer in tausend
Fällen getan hat, sondern sich verpflichtet und befähigt fühlt, alle
Fragen zu lösen und allgemein gültige Lehren aufzustellen. Bahr-
feldt hat diesen Fehler nicht gemacht, aber Haeberlin ist der Gefahr
erlegen. Die Energie, mit der er das große Material für sein Corpus
des Aes grave zusammengebracht und bewältigt hat, ist gewiß be-
wundernswert, und ich stehe nicht an, es als ein Werk von unver-
gänglichem Wert zu bezeichnen, da es die Münzen in zuverlässigen
Beschreibungen und Abbildungen, übersichtlich geordnet und von
Fälschungen gereinigt, der Forschung zur Verfügung stellt, also
alle Anforderungen, die man an ein Corpus stellen kann, vorzüg-
lich erfüllt. Aber es ist nicht am Platze, mit gleicher Energie
auch historische Folgerungen und metrologische Theorien zu ver-
künden, die auf höchst unsicherer Grundlage ruhen und nun doch
schon manchen unschuldigen Numismatiker und Philologen, der
gegen juristische Beweisführung und Fiktionstheorien nicht so ge-
wappnet ist, irregeführt haben. Für die Numismatik als eine
historische Wissenschaft geziemt es sich, nur die Methoden der
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historischen Forschung und Beweisführung anzuwenden; das macht uns ganz - von selbst vorsichtiger und bescheidener
historischen Forschung und Beweisführung anzuwenden; das macht
uns ganz - von selbst vorsichtiger und bescheidener in unseren
Schlüssen und Behauptungen und bewahrt uns davor, bloße Ver-
mutungen oder gar willkürliche Konstruktionen als Wahrheiten zu
verkünden.
Die Corpora sind das höchste, was die reine Numismatik er-
strebt und erreichen kann; aber auch Kataloge und Veröffent-
lichungen ausgewählter Münzen fördern die Wissenschaft, und wir
können uns nur freuen, daß neben den wenigen Fachgelehrten, die
die Möglichkeit haben, sich mit den Originalen berufsmäßig zu
beschäftigen, auch Sammler in größerer Zahl sich diesen Aufgaben
widmen. Beim bloßen Sammeln spricht die Freude am Besitz noch
sehr mit, beim Bestimmen und Ordnen regt sich der wissenschaft-
liche Sinn und führt beim Beschreiben der gesammelten Schätze
oft zu wertvollen Beobachtungen. Aber fast immer bleibt der
Sammler doch auf dem Sammlerstandpunkt stehen. Die Beschäftigung
mit den Münzen ist ihm Selbstzweck; soweit er dabei syste-
matisch arbeitet, sucht er vor allem das Verständnis der Münzen
selbst zu fördern, und die gelegentlichen oder sogar häufigen kleinen
Entdeckungen, die anderen Wissenschaften zugute kommen, sind
für ihn Nebensache. So wird nur selten ein Sammler die Brücke
überschreiten, die von der reinen Numismatik zur angewandten
hinüberführt. —
Und das ist auch nicht nötig! Es genügt, daß die Sammler
an der Veröffentlichung des Münzmaterials mitwirken; die syste-
matische Verwertung der Münzen im Dienste der Altertumsforschung
im weitesten Sinne, wobei die Denkmäler zu Quellen werden, ist
die Aufgabe der angewandten Numismatik, und diese braucht
dazu Kräfte anderer Art. Die Frage, was aus den Münzen zu
lernen ist, hat nicht der Sammler und bloße Kenner an die
Münzen zu richten, sondern der Gelehrte, der auf irgendeinem
Gebiet der Altertumswissenschaft forschend tätig und sich darüber
klar ist, daß er für seine Arbeit neben der antiken Literatur, den
Inschriften und Papyri, oder neben den Statuen, Vasen, Gemmen
usw. auch die Münzen als Quellen benutzen kann. Dazu ist es
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durchaus nicht nötig, daß der Forscher sich der Münzkunde mehr oder weniger ausschließlich widmet, also
durchaus nicht nötig, daß der Forscher sich der Münzkunde mehr
oder weniger ausschließlich widmet, also „Numismatiker" wird. Es
kommt ja hin und wieder vor, daß jemand infolge einer Arbeit,
bei der die Münzen eine besonders wichtige Rolle spielten, oder
auf den Rat eines Lehrers, vielleicht auch durch den Besitz einer
eigenen kleinen Sammlung mit veranlaßt, die Numismatik als
Hauptgebiet seiner Arbeit erwählt. Das freut uns natürlich be-
sonders. Der günstigste Fall ist dann der. daß ein junger Gelehrter
mit solcher Vorbildung und Neigung nach Abschluß seines Uni-
versitätsstudiums bei der Verwaltung einer großen Münzsammlung
beschäftigt wird; da lernt er in Ausübung seiner dienstlichen Auf-
gaben die reine Numismatik kennen, und ihm drängen sich dann
nicht nur gelegentlich und zufällig wie dem Sammler die Probleme
auf, die zur systematischen Verwertung der Münzen für historische
und archäologische Studien, zur angewandten Numismatik, führen.
Nur die Beamten der Münzkabinette (die mehr als die anderen Kunst-
museen nicht nur Sammlungen, sondern zugleich Forschungs-
institute sein sollen, darin den naturwissenschaftlichen Museen
ähnlicher) sind in der Lage, zugleich die reine und die angewandte
Numismatik zu pflegen. Aber die Zahl solcher Stellen ist gering:
es gibt kaum ein halbes Dutzend in Deutschland, deren Inhaber
sich berufsmäßig neben den Verwaltungsaufgaben auch der Münz-
forschung widmen können, und es ist natürlich nicht möglich, daß
das ungeheure Material, das in den Sammlungen liegt, von ihnen
allein für die Altertumsforschung nutzbar gemacht wird. Sie müssen
sich selbst und der Wissenschaft Helfer und Mitarbeiter erziehen,
indem sie die ihnen anvertrauten Schätze möglichst weitherzig und
frei von Eifersucht jedem anderen Forscher zugänglich machen, der
Münzen für seine Studien verwenden will, überhaupt jedem, der
auf diesem Gebiet arbeiten will, ihren Rat erteilen, — wozu sie
übrigens auch dienstlich verpflichtet sind. Wenn ein solcher Museums-
beamter außerdem in der Lage ist, an einer Universität Numis-
matik zu dozieren, so kann er gewiß großen Nutzen damit stiften;
er muß sich nur bewußt sein, daß die Universität nicht dazu da
ist, Numismatiker auszubilden, — das kann nur in den Münz-
kabinetten geschehen, wenn einer nicht gerade eine eigene Samm-
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lung besitzt —, sondern die Studierenden der Altertumswissenschaft in die Verwertung der Münzen für
lung besitzt —, sondern die Studierenden der Altertumswissenschaft
in die Verwertung der Münzen für archäologische, mythologische,
historische, antiquarische und andere Fragen einzuführen, kurz die
angewandte Numismatik zu pflegen. Auf diesem Wege sollte
es leicht sein, die wünschenswerte größere Zahl von mitarbeitenden
Forschern zu finden, die die Millionen der in den Sammlungen
liegenden, zum großen Teil durch die Vertreter der reinen Numis-
matik — Beamte und Sammler — gut publizierten, zum Teil aber
auch noch unbekannten antiken Münzen zur Erforschung der ver-
schiedenen Seiten des antiken Lebens zu benutzen verständen.
Jedenfalls ist es für die Wissenschaft wichtiger, daß die Altertums-
forscher selbst sich mit den Münzen beschäftigen, daß jeder Lehrer
auch seine Schüler auf die Nützlichkeit dieser Studien hinweist,
als daß die Zahl der N u r-Numismatiker wesentlich vermehrt wird.
Für die reine Numismatik haben wir die wertvolle und unentbehr-
liche Mitwirkung der Sammler und Kenner, von denen ja mancher
auch die angewandte fördern lernt, wie wir gesehen haben und
noch weiter hervorzuheben haben werden; aber damit die ange-
wandte, die für alle Gebiete arbeitet, wahren und vollen Nutzen
stiftet, ist die Mitwirkung aller wirklich wissenschaftlichen Alter-
tumsforscher nötig. —
Dank den sorgfältigen Vorarbeiten der reinen Numismatik
findet jeder in den Münzsammlungen und der numismatischen
Literatur eine Fülle zuverlässigen und noch in keiner Richtung
voll ausgenutzten Materials, das vor anderen antiken Denkmälern
große Vorzüge hat: Für die meisten Münzen läßt sich Zeit und
Ort der Entstehung leicht feststellen; über die Echtheit bleibt nur
selten ein Zweifel; die Deutung wird ^ift dadurch erleichtert, daß
die Schrift das Bild erklärt, zuweilen auch das Bild die Schrift.
Besonders wichtig ist aber, daß jede Münze eine Urkunde ist, die
nur staatlich anerkannte Einrichtungen und Verhältnisse in Er-
scheinung treten läßt, z. B. in den Titulaturen, in der Form der
Datierung, auch in der Sprache, ferner in der Gestalt und den
Attributen der Götterbilder. Die Benutzung dieses reichen und
zuverlässigen Materials ist noch dadurch erleichtert, daß man in
den meisten Fällen keine umfangreiche zerstreute Literatur müh-
2
•
17
sam zusammenzusuchen hat, sondern sich, sofern nicht sogar bequeme Corpora vorliegen, auf die vorzüglichen Kataloge
sam zusammenzusuchen hat, sondern sich, sofern nicht sogar bequeme
Corpora vorliegen, auf die vorzüglichen Kataloge des British Museum
für die Griechen, für die Römer auf die trotz aller Schwächen brauch-
baren Werke von Cohen beschränken kann. Und die Beamten der
Münzkabinette wie die ernsteren Sammler pflegen vernünftige An-
fragen über Münzen und Literatur gern zu beantworten.
So kann die angewandte Numismatik, d. h. die Heranziehung
der Münzen für die Altertumswissenschaft, auf allen Gebieten reiche
Früchte bringen.
Für die Geschichte der griechischen Schrift sind die Münzen
ja benutzt worden, aber nicht genügend, und eine neue Durch-
arbeitung • würde da manches klären; mit Hilfe der guten Ab-
bildungstafeln in den neueren Katalogen wäre diese Aufgabe jetzt
leichter zu erfüllen als früher.
Für sprachliche Studien wäre weit mehr zu finden, als
bisher überhaupt gesucht worden ist. Der Wortschatz ist ja nur
ein beschränkter, aber die allgemeinen Vorzüge der Münzen, nament-
lich die Sicherheit der Zeit- und Ortsbestimmung käme bei ihrer
Heranziehung sehr zur Geltung. Für die ältere Zeit würde es sich
hauptsächlich um das Studium der griechischen Eigennamen handeln,
deren Masse sich fortwährend vermehrt, während für die Namen-
kunde der römischen Republik, ebenso wie für die Geschichte des
lateinischen Alphabets, da fast nichts Neues hinzugekommen ist.
Fast noch gar nicht sind in sprachlicher Hinsicht die späteren
griechischen Münzen beachtet worden, die einen Einblick in gewisse
lehrreiche Erscheinungen gewähren, z. B. die unter dem alles ver-
derbenden Einfluß Roms entstandenen Wortbildungen, ungriechische
Partizipialkonstruktionen und andere Latinismen. Das Studium
des Sprachgebrauchs der Münzen führt aber auch zum besseren
Verständnis und zur richtigen historischen oder antiquarischen Ver-
wertung gar mancher früher falsch gedeuteter Münzlegenden. So
bedeutet eine Inschrift wie (Pottat^i dvd•vTtctTtp nicht etwa, wie man
glaubte, eine Dedikation an den Prokonsul Fuscus, sondern eine
Datierung: es wird in einem schlechten Dativus absolutus angegeben,
daß die Münze unter diesem Prokonsul geprägt ist. Oder die in
den Handbüchern oft erwähnte Sonderbarkeit, daß angeblich in
18
vielen Meinasiatischen Städten die Münzprägung von Ärzten, So- phisten und Vertretern anderer unpolitischer
vielen Meinasiatischen Städten die Münzprägung von Ärzten, So-
phisten und Vertretern anderer unpolitischer Berufe verwaltet wurde,
fällt fort, wenn man nur die Wortstellung richtig beachtet: alle
diese Berufsangaben stehen nämlich in den Münzaufschriften hinter
dem Eigennamen und sind nur Ehrentitel, während der Titel des
Amtes, wegen dessen der Mann auf der Münze genannt ist (arparrj-
yög, ae/wv, ygauiuatevs und dergleichen), sei es nur zur Datierung
oder weil die Münzprägung zu den Obliegenheiten dieses Amtes
gehörte, vor dem Namen steht oder auch ganz fortgelassen ist. —
Über die kunstwissenschaftliche und archäologische
Verwertung der Münzen habe ich mich auf der Philologenversamm-
lung in Halle 1903 ausführlich ausgesprochen; doch soll diese Seite
unserer Aufgabe auch hier nicht unberührt bleiben. — Wenn es
auch nicht der Zweck der Münzprägung ist, Kunstwerke zu schaffen,
sondern bequeme Werkzeuge des täglichen Lebens und Handels-
verkehrs, so verdienen die Münzen schon um ihrer selbst willen
doch mindestens die gleiche Aufmerksamkeit der Kunstforscher und
Archäologen wie andere Gebrauchsgegenstände des Altertums. Ihr
Stil geht dem der großen Plastik parallel, deren Entwicklung durch
die der örtlich und zeitlich genauer bestimmbaren Münzen besser
aufgeklärt werden kann; da sollte man meinen, daß es jeden Kunst-
freund und Kunstforscher freuen müßte, diese echten und meist auch
unbeschädigten kleinen Antiken immer wieder zu betrachten und
für das Studium der großen heranzuziehen. Dazu, kommt ihre Aus-
stattung mit Bildern derselben Wesen und Dinge, die den Gegen-
stand der bildenden Kunst überhaupt bilden. Beachtet werden ja
von jeher die Abbildungen berühmter Statuen auf Münzen; aber
es werden nur immer wieder dieselben Fälle erwähnt und heran-
gezogen: der olympische Zeus und die Parthenos des Phidias, der
Sauroktonos und die knidische Aphrodite des Praxiteles und viel-
leicht zwei Dutzend andere, während noch Hunderte von anderen
Statuen auf Münzen nachweisbar sind, die von den Archäologen
nicht verwertet werden. Ebenso wichtige Dienste können die Münzen
der Kunstmythologie und durch sie auch der reinen Mythologie
und Keligionsgeschichte leisten; das Erscheinen von uralten und
immer älteren Götterbildern und Symbolen auf den späten Münzen
2*
19
läßt uns merkwürdige Einblicke in den Glauben und Aberglauben der Zeit tun, soweit er staatlich
läßt uns merkwürdige Einblicke in den Glauben und Aberglauben
der Zeit tun, soweit er staatlich anerkannt war. Ein methodisches
Verfolgen der Götterdarstellungen auf Münzen innerhalb der ein-
zelnen Städte wäre auch der beste Weg, um sich über das Wesen
der archaisierenden Kunstübung klar zu werden. Trotz der Mannig-
faltigkeit der Münzbilder in der besten Zeit läßt sich nicht ver-
kennen, daß die Stempelschneider keineswegs volle Freiheit ge-
nossen haben und etwa nach rein künstlerischen Rücksichten arbeiten
durften; nein, bei näherer Beschäftigung mit den Münzen, auch
den schönsten und scheinbar freiesten, erkennt man bald, daß die
Künstler an die Vorschriften der Behörden gebunden waren, und
daraus erklärt sich auch das Festhalten altertümlicher Züge. Da-
nach dürfen wir gewiß annehmen, daß auch bei Tempelbildern und
anderen in staatlichem Auftrage geschaffenen Statuen die zuständigen
Priester oder Beamten einen Bruch mit der Tradition durch allzu
kühne Neuerungen zu verhindern wußten und namentlich bei Er-
setzung alter Kultbilder durch neue darauf achteten, daß die neuen
Statuen (sofern es nicht einfach Kopien werden sollten) sich in
Haltung und Tracht so eng an die alten anschlössen, wie es den
Künstlern ohne Verleugnung ihres eigenen Könnens möglich war.
Selbst in der römischen Kaiserzeit sind es nicht immer bloße
Launen und Modetorheiten gewesen, die zu archaistischen Darstel-
lungen geführt haben, sondern staatliche oder kirchliche Rücksichten
haben gewiß auch damals noch mitgesprochen. Man wird zu einer
anderen Auffassung vieler antiker Bildwerke kommen, wenn man
diesen Unterschied berücksichtigt, wobei eine nähere Kenntnis der
Münzen der beste Wegweiser ist. — Es ist sehr zu bedauern, daß
die Archäologen, die alle anderen Klassen von Denkmälern so eifrig
studieren und z. B. der verwandten Kleinkunst der geschnittenen
Steine volle Aufmerksamkeit schenken, obwohl diese künstlerisch
selten so hoch stehen wie die Münzen derselben Zeit und als Denk-
mäler und Quellen wegen der Unsicherheit über die Echtheit und
für viele Fragen auch wegen des Fehlens des staatlichen urkund-
lichen Charakters weit hinter ihnen zurückstehen, sich um die Münzen
fast gar nicht kümmern; es wäre sehr zu wünschen, daß ihnen von
dieser Seite wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde. —
20
Dagegen werden sie in der historischen und antiqua- rischen Forschung viel benutzt, was für die
Dagegen werden sie in der historischen und antiqua-
rischen Forschung viel benutzt, was für die römische Zeit be-
sonders das Verdienst Borghesis und Mommsens ist. Auf griechi-
schem Gebiet hat sich nach Droysen und Curtius besonders Adolf
Holm große Verdienste um die Heranziehung der Münzen erworben
und ja auch selbst eine Münzgeschichte Siziliens verfaßt. Aber
es liegt da so viel Material vor, daß Scharen von jungen Histori-
kern durch seine Benutzung ihre Wissenschaft fördern könnten.
Was für Funde auf dem so viel beackerten Felde der athenischen
Münzen noch möglich sind, hat ein kleiner Aufsatz von George
Macdonald gezeigt, der durch genaue kritische Untersuchung der
Amphorenbuchstaben nachweisen konnte, daß der sonst wenig be-
zeugte doppelte Kalender mehrere Jahrzehnte hindurch in regel-
mäßigem amtlichen Gebrauch gewesen ist; ebenso werden die aus-
gezeichneten Arbeiten von Kirchner und Sundwall über die Be-
amtennamen wohl noch manche nützliche Ergänzung erfahren, wenn
das Corpus von Svoronos erschienen sein wird. Viel Aufklärung
könnte aus den Münzen noch über die Verfassung und Verwaltung
der Griechenstädte unter den hellenistischen Königen gewonnen
werden; für die römische Zeit sind sie ja zur Erforschung der
Provinzialverwaltung und auch des Städtewesens schon mehr heran-
gezogen worden, wofür das eben erschienene Buch von Arthur Stein
über Thracia ein gutes Beispiel bietet.
Für die antike Geographie sind die Münzen zunächst da-
durch nutzbar zu machen, daß man aus dem häufigen Vorkommen
von Münzen einer Stadt an einem Orte schließen kann, daß sie in
dieser Gegend gelegen hat. Ferner ermöglicht die Beachtung der
Fundorte oft, schriftlose und sonst unbestimmbare Münzen einer
bestimmten Gegend zuzuweisen und danach zuweilen auch den
Prägeort festzustellen; dasselbe gilt für beschriftete Münzen, die
einen häufig vorkommenden Stadtnamen aut'weisen, wie Apollonia
oder Herakleia, und nach den Fundorten richtig zugeteilt werden
können. Auch die Beachtung der Münzbilder kann geographische
Aufschlüsse verschaffen; so z. B. weist die bevorzugte Darstellung
von Meergöttern auf eine Seestadt als Prägeort, und die längst
beobachtete Tatsache, daß die Städte des Mäandertales auf ihren
21
Münzen neben den Bildern gern noch das Mäanderoruaflieflt er- scheinen lassen, ermöglicht es uns, die
Münzen neben den Bildern gern noch das Mäanderoruaflieflt er-
scheinen lassen, ermöglicht es uns, die Prägungen von Apamea,
Magnesia, Antiocheia am Mäander von jenen der gleichnamigen
Städte in anderen Gegenden zu unterscheiden. Endlich sei auch
noch erwähnt, daß die Beachtung der Münzfunde zuweilen Han-
delsstraßen und Umschlagsplätze feststellen läßt, was für die Wirt-
schaftsgeographie von Wert ist.
So können alle Gebiete der Altertumswissenschaft durch Heran-
ziehung der Münzen gefördert werden, wenn ihre Vertreter sich
mehr als bisher entschließen, auch selbst, jeder in seinem beson-
deren Fach, an den Aufgaben der angewandten Numismatik mit-
zuarbeiten, — die zugleich seine eigenen Aufgaben sind.
Es ist aber bisher ein wichtiges Gebiet nicht erwähnt worden,
und mancher hat sich darüber vielleicht schon gewundert, das ist
das antike Geldwesen. Man sollte ja auch meinen, daß gerade
dafür das Studium der Münzen die größte Bedeutung haben und
die meiste Belehrung bieten müßte. Aber das ist durchaus nicht
der Fall, und es ist darin auch kein wesentlicher Fortschritt zu
erwarten, wenn man wie bisher die Hauptaufgabe darin sieht,
durch Wägungen Währungen zu ermitteln, und nicht andere Me-
thoden zu Hilfe nimmt. Auf diese Fragen, die Anwendung der
Münzkunde zur Erforschung des Geldwesens und dadurch auch
der Wirtschaftsgeschichte, muß nun also noch eingegangen werden.
Es ist öfters, auch gerade von philologischer Seite, die Ansicht
ausgesprochen worden, daß die Münzforschung zu den Aufgaben
der Nationalökonomie gehöre. Das ist aber nicht zutreffend
und verrät dieselbe falsche Auffassung, die uns Numismatikern den
Vorwurf eintrug, daß wir die Hauptsache, die Betrachtung der
Münzen als Geld, vernachlässigen. Die Numismatik ist durchaus
nicht die Wissenschaft vom alten G e l d e, sondern die Wissenschaft
von den alten Münzen, — wie schon ihr griechischer und ihr
deutscher Name besagt. Die alten Münzen waren einmal Geld,
jetzt sind sie mehr, sie sind Denkmäler der Vorzeit und Quellen
zu ihrer Erforschung. Wenn die Münzen nichts als Geld wären, so
könnte man ihr Studium den Volkswirtschaftlern überlassen, die
aber, wie wir alle wissen, nur wenig Zeit und Mühe darauf ver-
22
wenden., tftit Recht, weil das antike Münzwesen für das unserer eigenen Zeit keine Bedeutung hat
wenden., tftit Recht, weil das antike Münzwesen für das unserer
eigenen Zeit keine Bedeutung hat und auch mittelbar für ihre
Wissenschaft nicht viel daraus zu lernen ist. Demgemäß wird das
Geldwesen des Altertums, und fast ebenso das des Mittelalters, in
der national ökonomischen Literatur auch wenig berücksichtigt; nur
wenn die Entstehung des Geldes und die erst viele Jahrhunderte
später folgenden Anfänge der Münzprägung darzustellen sind, müssen
natürlich auch die Nationalökonomen vom klassischen Altertum
sprechen, wobei dann mancher viel Mißverstandenes aus numisma-
tischen Büchern vorträgt. Es ist schon richtiger, die Behandlung
dieser historischen Abschnitte den Altertumsforschern zu überlassen;
so ist es im Jenaer „Handwörterbuch der Staatswissenschaften"
gehalten worden, wo im Artikel Münzwesen zwar der allgemeine
Teil von dem Nationalökonomen Lexis behandelt ist, aber das orien-
talische und griechische Münzwesen von einem Historiker (Eduard
Meyer), das römische von mir, das mittelalterliche von dem Rechts-
historiker Sommerlad und erst wieder das der Neuzeit ganz mit
Recht von Lexis. — Wenn ein Münzforscher sich mit solchen
Fragen beschäftigt, so tut er das, weil es die Aufgabe der ange-
wandten Numismatik ist, die Münzen allseitig zu betrachten, also
auch als Geld. Aber das ist eben nur eine Seite von vielen, und
es muß jedem einzelnen Forscher überlassen werden, ob er gerade
darin die wichtigste Seite seiner Aufgabe sehen, oder ob er aus
Neigung oder gemäß seiner besonderen Vorbildung andere Seiten
bevorzugen will. Man muß es als sehr erfreulich bezeichnen, wenn
einer unserer ernstesten Sammler, Dr. Walter Giesecke, durch volks-
wirtschaftliche Interessen und Kenntnisse mit beeinflußt, die sizi-
lischen, itaüschen und römischen Münzen mit Eifer und Erfolg
durcharbeitet und sie in ihrer Bedeutung als Geld zu verstehen
sucht, auch wenn man gegen die metrologischen Grundlagen seiner
Beweisführung Bedenken hat. Dagegen ist es ganz natürlich, daß
ein von der Archäologie her kommender Numismatiker wie der zu
früh verstorbene Hans v. Fritze weniger Verständnis und Neigung
für diese Seite der Numismatik zeigte als einer, der sich vorher
mehr mit Geschichte beschäftigt hat. Aber auch der letztere ist
berechtigt, andere Aufgaben, also z. B. die Verwertung der Münzen
23
für chronologische oder staatsrechtliche Fragen den geldgeschichfr- licheh Studien vorzuziehen. Ich persönlich habe
für chronologische oder staatsrechtliche Fragen den geldgeschichfr-
licheh Studien vorzuziehen. Ich persönlich habe mich ja von den
geldgeschichtlichen Fragen nicht ganz ferngehalten-, aher ich kann
sehr gut begreifen, daß andere das tun, weil die antiken Münzen,
namentlich die griechischen, der Wirtschaftsgeschichte wirtlich
nicht die von ihnen erwartete große Hilfe bringen.
Es besteht da ein wesentlicher Unterschied zwischen der wissen-
schaftlichen Verwertung der antiken und der der späteren Münzen.
Die antiken Münzen sind, wie wir gesehen haben, für alle
anderen Forschungsgebiete wertvolle Quellen und werden auch als
solche benutzt, während die mittelalterlichen, die ebenfalls gute
Dienste leisten könnten, noch nicht so vielseitig — für die Kunst-
wissenschaft fast gar nicht — herangezogen werden, weil ihre rein
numismatische Behandlung (die Zuteilung u. a.) noch viel Schwierig-
keiten bereitet. Je näher wir dann der Gegenwart kommen, desto
mehr tritt der Wert der Münzen als Quellen zurück; weder der
Kunstforscher noch der Historiker kann viel daraus lernen, was
man nicht auch ohne die Münzen weiß; sie haben in der Haupt-
sache nur noch illustrativen Wert. Beim Studium des Geldwesens
ist das gerade umgekehrt. Da leisten die neueren Münzen bessere
Dienste, weil für die letzten Jahrhunderte auch die zugehörigen
Gesetze und oft selbst die Motive bekannt sind. Auch noch für
das Mittelalter steht viel einschlägiges Urkundenmaterial zur Ver-
fügung, das von den Forschern auf diesem Gebiet auch sehr ge-
wissenhaft und erfolgreich benutzt wird; es ist jene goldene Mitte
zwischen Übermaß und Dürftigkeit der Quellen, um die man auch
sonst die Mittelalterforscher beneiden könnte. Aber für das Alter-
tum haben wir neben den Millionen der erhaltenen Münzen nur
eine geringe Zahl von zerstreuten, zusammenhanglosen schriftstelle-
rischen und urkundlichen Zeugnissen, die über das Geldwesen etwas
aussagen; mit Ausnahme von Ägypten, wo die Papyri und Ostraka
wertvolle Angaben bieten, sind wir für das griechische Gebiet sehr
schlecht gestellt, und auch für das römische Geldwesen fließen die
Quellen dürftig genug.
Und so wissen wir denn trotz eifrigster Arbeit kenntnisreicher
Forscher immer noch sehr wenig Sicheres über die antiken Münz-
24
fuße, zu deren Feststellung uns eben die wichtigsten und allein sicheren Hilfsmittel, die urkundlichen Zeugnisse,
fuße, zu deren Feststellung uns eben die wichtigsten und allein
sicheren Hilfsmittel, die urkundlichen Zeugnisse, fehlen. Die ver-
einzelten Angaben bei Schriftstellern und in Inschriften sind sehr
willkommen, verbreiten aber nur wenig Licht; und selbst eine zu-
sammenhängende Nachricht wie die über das älteste Münzwesen
Athens, die uns vor dreißig Jahren die auch von den Münzforschern
freudig begrüßte 'A^vaitav no^itda des Aristoteles gebracht hat,
hat mehr Verwirrung als Aufklärung gestiftet. Wir sind eben für
diese Fragen im wesentlichen auf die Münzen allein angewiesen.
Und da ist zu bedenken, daß wir es mit vielen hundert selbstän-
digen Gemeinwesen zu tun haben, die in den ersten Jahrhunderten
auch in der Münzprägung voneinander unabhängig waren und ihre
Währung ganz nach Belieben einrichten konnten. Das scheinen
sie denn auch getan zu haben, und der Einblick wird uns noch
dadurch erschwert, daß in vielen Städten die Währung, wie wir
aus den Gewichten der uns bekannten Stücke erkennen, sehr oft
abgeändert worden ist. Die Gründe sind natürlich nur in sehr
wenigen Fällen überliefert. Wo es sich um große plötzliche Än-
derungen handelt, können wir sie zuweilen durch uns bekannte
historische Ereignisse erklären. In den meisten anderen Fällen,
auch wenn es sich nicht nur um die allgemein übliche allmähliche
Verringerung des Gewichts handelt, müssen wir wohl annehmen,
daß dieselben Umstände wie heute auch imAltertum die Wäh-
rungen beeinflußt haben: die Finanzlage, die Metallpreise^ die Rück-
sicht auf den Handel mit anderen Staaten oder die Konkurrenz
mit ihnen in fremden Ländern. — Natürlich versuchen wir die
Währungen trotzdem festzustellen, soweit die Münzen selbst uns
da dienen können, indem wir ihr Schrot und Korn, d. h. Gewicht
und Feingehalt, ermitteln. Letzteres geschieht nur selten, weil
man gute Münzen nicht gern dazu hergibt, aber vielleicht ent-
schließt sich doch einmal ein Privatsammler dazu, der Wissenschaft
ein solches Opfer in größerem Umfang zu bringen. Übrigens kommt
für die ältere Zeit nicht viel darauf an, weil die Edelmetalle da-
mals noch nicht künstlich legiert wurden; auch die Elektronmünzen
wurden anfangs aus natürlichem Metall, nicht aus künstlichen
Mischungen hergestellt, ein wichtiger Unterschied, der bei ihrer Be-
25
urteilung nicht genügend beachtet wird. Viel leichter als der Fein- gehalt ist natürlich das Gewicht
urteilung nicht genügend beachtet wird. Viel leichter als der Fein-
gehalt ist natürlich das Gewicht der reichlich vorhandenen Münzen
festzustellen: dazu gehört nur eine gute Wage und Geduld, viel
Geduld. Trotz der geringen Meinung, die ich vom Wert der
Wägungen habe, habe ich natürlich auch Tausende von Münzen
gewogen, auch besonders für andere, die auf Gewichtsangaben grö-
ßeren Wert legen als ich. Aber die Versuche, aus diesen Wägungen
das Normalgewicht und dadurch dann auch die Währung zu er-
mitteln, führen nur zu ganz unsicheren Ergebnissen. Die antiken
Münzen sind im allgemeinen nur ungenau abgewogen. Stellenweise
findet man ja auch Reihen, die ziemlich genau übereinstimmende
Gewichte aufweisen, besonders natürlich unter den Goldmünzen;
aber es gibt gut erhaltene Silbermünzen derselben Emission, sogar
stempelgleiche, die um ein Achtel oder mehr im Gewicht differieren.
Die bezeugte allgemeine Beliebtheit der athenischen Münzen kann
nicht auf der Genauigkeit ihres Gewichts beruht haben, da die
attischen Tetradrachmen sogar ganz besonders ungenau abgewogen
sind, sondern nur auf der Güte des Silbers. Wir müssen uns wohl
zu der Annahme entschließen, daß die älteren griechischen Münzen
im Großverkehr und im Ausland nicht gezählt, sondern gewogen
worden sind wie Barren, wofür es ja neuzeitliche Analogien gibt;
nur im Kleinverkehr des Prägeortes und seines Gebietes wird man
sie ohne Nachprüfung des Gewichts genommen haben. Jedenfalls
ist ein solches Material nicht geeignet, um daraus die Normal-
gewichte zu ermitteln. Auch die Annahme, daß die Kupfermünzen,
bei denen die Gewichtsunterschiede noch viel größer sind, und die
silbernen Kleinmünzen „al marco" geprägt sein könnten, wobei
aus einer gewissen Menge Metall so und so viel Stücke herzu-
stellen waren, ohne Vorschrift eines genau gleichen Sollgewichtes
für jedes Stück, hilft uns nicht weiter. Denn die Emissionen der
älteren Zeit können wir mit wenigen Ausnahmen überhaupt nicht
auseinanderhalten, und auch für die spätere Zeit, wo das mit
Hilfe der Beizeichen und Beamtennamen öfter erreichbar ist, stellt
selbst die größte Anzahl erhaltener Münzen doch immer nur einen
kleinen Bruchteil der ursprünglich ausgegebenen Menge dar, und
auf ein solches Zufallsmaterial darf man keine Durchschnitts-
26
berechnung begründen. Aus diesen Gründen bleiben alle Wägungen, selbst wenn man noch so sorgfältig alle
berechnung begründen. Aus diesen Gründen bleiben alle Wägungen,
selbst wenn man noch so sorgfältig alle durch Oxydierung, Rei-
nigung, Abnutzung im Gewicht veränderten Stücke ausscheidet, nur
ein sehr mangelhaftes Hilfsmittel der Forschung; auch die mit
besonderer Gewissenhaftigkeit aufgestellten Verzeichnisse, die Reg-
ling bei verschiedenen Gelegenheiten veröffentlicht hat, machen da
keine Ausnahme. Wir kommen damit nicht weiter, als daß wir
für alle Städte mit reicherer Prägung feststellen können, welches
Gewicht ihr Stater oder ihre Drachme ursprünglich ungefähr ge-
habt hat und welche Veränderungen — außer den überall beliebten
Abknappungen — im Laufe der Jahrhunderte darin eingetreten
sind. Aber die Normalgewichte können wir auf diesem Wege
nicht ermitteln, und schon die übliche Benennung als „äginäisch"
oder „babylonisch, persisch, phönikisch, euböisch" ist für die Wäh-
rung der meisten Städte unsicher und willkürlich. Auch das'Ge-
wicht des leichten römischen Pfundes hätte sich aus den fast 1200
Assen, die der unermüdliche Dr. Haeberlin verzeichnet hat, niemals
mit Sicherheit ermitteln lassen; wir verdanken seine Kenntnis be-
kanntlich einem N ich t numismatiker, Dörpfeld, der es auf anderem
Wege festgestellt hat, die Gewichte der Münzen dienten dann nur
zur Bestätigung. So kann wohl aus den wenigen zuverlässig be-
kannten Gewichten durch theoretische Ableitung, die man mit Un-
recht als mathematische Spielerei bezeichnet hat, noch manches
andere Normalgewicht ermittelt werden; diese Methode, um die
sich Lehmann-Haupt besondere Verdienste erworben hat, verspricht
bei vorsichtiger Anwendung immerhin öfter Erfolg als die Folge-
rungen aus dem Durchschnittsgewicht von ein paar hundert oder
oder gar nur ein paar Dutzend zufällig erhaltener Münzen. In
sehr vielen Fällen ist aber schon aus dem Gewicht eines einzigen
Stückes ganz ebenso viel zu lernen wie aus dem von zehn derselben
Art; darum eben gehört zu einer vollständigen Beschreibung auch
die Angabe des Gewichts und das Wägen also zu den Verpflich-
tungen der reinen Numismatik, wie schon oben gesagt wurde; aber
für die Erkenntnis des antiken Geldwesens, als eine der schwierig-
sten Aufgaben der angewandten Numismatik, hat sich aus dem
Studium der Gewichte bisher nur wenig gewinnen lassen.
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Man darf aber nun nicht glauben, daß die Münzen für die antike Geld- und Handelsgeschichte
Man darf aber nun nicht glauben, daß die Münzen für die
antike Geld- und Handelsgeschichte überhaupt nichts lehren. Viel-
mehr haben schon die älteren Numismatiker selbst aus bloßen Be-
sonderheiten der Fabrik brauchbare Folgerungen für die Geld-
geschichte gezogen, namentlich Münzvereinigungen nachgewiesen,
die dann durch die Übereinstimmung in den Gewichten bestätigt
wurden. Und die Forschung in dieser Richtung bringt immer
wieder neue Ergebnisse, die zugleich für die politische Geschichte
lehrreich sind. So hat Percy Gardner erst vor wenigen Jahren
die einheitliche Münzprägung der Griechenstädte im ionischen Auf-
stand nachgewiesen. Ebenso ließen sich aus der Gemeinsamkeit
eines Münzbildes oder eines bloßen Beizeichens oder aus der gleich-
mäßigen Anwendung von Wertzeichen Münzkonventionen feststellen,
deren Existenz einen Einblick in den Geldverkehr gestattet. Und
die Entlehnung von Münzbildern läßt uns öfters Wege des Han-
delsverkehrs erkennen, die durch bloß behauptete, aber unkontroll-
lierbare Wanderungen der Münzfüße nicht nachweisbar wären.
Ich möchte aber noch auf einen viel zu wenig und systema-
tisch überhaupt noch nicht benutzten Weg hinweisen, auf dem das
Verständnis der antiken Münzen in ihrer ursprünglichen Bedeutung
als Geld sehr gefördert werden kann: wir müssen die Münzen der
Neuzeit zur Vergleichung heranziehen und aus den Theorien der
modernen Geldlehre für das Altertum Belehrung schöpfen. Wertlos
und unter Umständen sogar schädlich ist es aber, wenn man ein-
fach moderne Ausdrücke ungeprüft herübernimmt. So ist es z. B
ein Fehler, beim antiken Geldwesen von ,.Scheidemünzen" zu
sprechen; denn die Alten hatten wohl Kleingeld, aber seine Zah-
lungskraft war nicht gesetzlich auf einen bestimmten kleinen Be-
trag beschränkt wie bei uns, sondern es war ebensogut Währungs-
münze wie die Goldstücke und Drachmen. — Auch das Operieren
mit dem mittelalterlichen Begriff „Schlagschätz", um die klei-
neren Gewichtsunterschiede bei griechischen Münzwährungen und
sogar schon zwischen den Normen des babylonischen Gewichts zu
erklären, scheint mir unberechtigt, auch unnötig; es werden sich
für jene Erscheinungen, soweit sie überhaupt vorhanden sind, wohl
noch einfachere, und darum antikere, Erklärungen finden lassen. —
28
Ob die Alten die schon erwähnte Prägung „al marco" gekannt haben, ist auch unsicher; doch
Ob die Alten die schon erwähnte Prägung „al marco" gekannt
haben, ist auch unsicher; doch halte ich das wenigstens für mög-
lich, weil man auf diesen einfachen Gedanken auch ohne die Hilfe
von Geldtheoretikern hätte kommen können. — Ein anderer mo-
derner Begriff wird oft richtig, aber viel öfter wohl mit Unrecht
auf antike Verhältnisse übertragen; das ist der Begriff der Doppel-
währung. Es ist ganz sicher, daß man im Altertum häufig ver-
sucht hat, Münzen aus zwei verschiedenen Metallen, auch aus drei
und vielleicht sogar vier Metallen, in ein festes Wertverhältnis zu-
einander zu setzen, besonders Gold- und Silbermünzen; das Problem
hat die antiken Kaufleute und Gesetzgeber ohne Zweifel beschäftigt.
Aber der Bimetallismus ließ sich auch damals immer nur kurze
Zeit halten, weil die Schwankungen der Metallpreise eine Bestän-
digkeit des Wertverhältnisses unmöglich machten, und so lernte
man denn, mit einem Nebeneinander von Münzen in mehreren
Metallen, ohne festes Verhältnis, auszukommen. Dieser Zustand
ist der Neuzeit bekannt und wird für das Altertum durch die
Kenntnis der entsprechenden neueren Fälle erst verständlich. Der
Begründer der deutschen mittelalterlichen Numismatik, Hermann
Grote, hat dafür den Ausdruck Parallelwährung vorgeschlagen,
den Lexis aufgenommen hat; ich habe ihn dann auch in dem er-
wähnten kurzen Abriß des römischen Münzwesens angewendet, weil
er für die einfachen römischen Verhältnisse ausreicht. Für das
zersplitterte griechische Münzwesen ist es vielleicht richtiger, den
von Helferich gewählten Ausdruck Sortengeld zu benutzen, weil
bei den Griechen im Verkehr zwischen mehreren Staaten die An-
gabe, in welchem Metall gezahlt werden sollte, nicht genügt hätte;
da mußte im Vertrag, wenn nicht einfach nach dem Gewicht ge-
rechnet wurde, gewiß oft eigens ausbedungen werden, ob die Zah-
lung in attischen oder rhodischen oder byzantischen oder anderen
Drachmen oder Goldstücken erfolgen sollte, ebenso wie in mittel-
alterlichen deutschen Urkunden infolge der gleichen Zersplitterung
des Münzwesens viel von Erfurter, Goslarer, Kölnischem Silber die
Rede ist. Jedenfalls macht das antike Münzwesen nicht den Ein-
druck, als ob damals schon doktrinäre Währungsfanatiker über die
Frage „ Monometallismus oder Bimetallismus" heftige Kämpfe ge-
29
führt hätten; und der Zustand der Parallelwährung dürfte der normale gewesen sein, wie die Anwendung
führt hätten; und der Zustand der Parallelwährung dürfte der
normale gewesen sein, wie die Anwendung dieses Begriffes auch
über die Währungen des ungemünzten Geldes in Babylon Auf-
klärung verspricht.
Ein anderer Begriff der modernen Geldlehre, der zur Auf-
klärung des antiken Münz- und Geldwesens viel beitragen kann,
ist der der Handelsmünzen. Man versteht darunter solche
Münzen, die nicht wie die Währungsmünzen dem Verkehr inner-
halb des prägenden Staates dienen, sondern zu besonderen Zwecken,
hauptsächlich zur Benutzung im Ausland oder in Kolonien geprägt
werden, wie z. B. heute noch holländische Dukaten alter Währung
mit den alten Typen, aber neuer Jahreszahl, und bis kurz vor dem
Kriege die Maria-Theresientaler mit der Jahreszahl 1780. Ich habe
in einem Vortrag auf dem Londoner Historikerkongreß 1913 nach-
gewiesen, daß es im Altertum zahlreiche Prägungen dieser Art ge-
geben hat. Zum Teil waren solche Münzen ursprünglich als lokales
Kurant entstanden und wurden dann später, wenn sie in der Heimat
keinen Kurs mehr hatten, als Ware zur Ausfuhr nach solchen Län-
dern hergestellt, wo sie sich aus irgendwelchen Gründen besondere
Beliebtheit erworben hatten. Andere Sorten sind von vornherein
als Handelsmünzen geschaffen worden. Die Nachahmung beliebter
Typen hängt oft damit zusammen. Und einige der wichtigsten
Münzsorten des Altertums werden in ihrer Besonderheit erst ver-
ständlich, wenn man s^e als Handelsmünzen erkannt hat. So glaube
ich damals gezeigt zu haben, daß alle späteren Elektronmünzen von
Kyzikos, Mytilene und Phokaia Handelsmünzen, zum Export be-
stimmte Waren aus den städtischen Münzwerkstätten sind, während
die ältesten Prägungen dieser drei Städte lokales Kurant waren
wie die so vieler anderer Städte. Leichter sind als Handelsmünzen
die zahlreichen Nachprägungen von Goldstateren und Tetradrachmen
Alexanders des Großen und des Lysimachos zu erkennen, die bis
zur mithradatischen Zeit von thrakischen und asiatischen Städten
geprägt worden sind, während gleichzeitig, zuweilen von denselben
Beamten, für den inneren Verkehr derselben Städte Münzen mit
anderen, lokalen, Typen, zum Teil auch anderer Währung hergestellt
wurden; auch die von E. T. Newell nachgewiesene Neuprägung von
30
Silbermünzen Philipps LT. nach Alexanders Tod ist ebenso zu er- klären. In den phönikischen Städten
Silbermünzen Philipps LT. nach Alexanders Tod ist ebenso zu er-
klären. In den phönikischen Städten Sidon und Tyrus wurden
unter den Seleukiden in denselben Jahren Münzen attischer und
phönikischer — in diesem Fall besser ägyptisch zu nennender —
Währung geprägt, letztere auch mit dem ptolemäischen Adler, weil
ihr Handel nach zwei Seiten orientiert war. Oder die unteritalische
Stadt Lokroi prägt neben ihren lokalen Nomoi italischer Währung
auch Pegasos-Stateren korinthischer Währung. Auch Rom hat wahr-
scheinlich Handelsmünzen ausgegeben, die sogenannten römisch-
campanischen Münzen, oder wenigstens die älteren Sorten, und den
Victoriatus. Alle diese Prägungen verdienen besondere Beachtung;
sie sind auch nicht bloß für das Verständnis des Geldwesens wichtig,
sondern großenteils auch anders als bisher üblich zu datieren und
als Geschichtsquellen ebenfalls anders aufzufassen, als wenn sie
Währungsmünzen wären.
So dürfen wir hoffen, noch manche zunächst unverständliche
Erscheinung in den antiken Münzreihen aufklären zu können, wenn
wir die besser bekannten Münzen der Neuzeit zur Vergleichung
heranziehen, und man kann nach dem Gesagten nicht behaupten,
daß die Vertreter der antiken Numismatik — auch diejenigen, die
vor den Ergebnissen der Wagungen keinen besonderen Respekt
haben — sich um die Erforschung der Münzen als Geld nicht
kümmern. Nein wir streben danach, die Münzen auch dafür als
Quellen zu verwerten, ebenso wie für Sprache und Schrift, Geo-
graphie, Chronologie, Staatsrecht, überhaupt für Geschichte im wei-
testen Sinne, und für alle Seiten der Archäologie. Und diese an-
gewandte Numismatik betrachten wir als die höhere Stufe unserer
Betätigung, wenn auch der Anspruch, unser Fach als eine selb-
ständige Wissenschaft anerkannt zu sehen, zunächst durch die Lei-
stungen der reinen Numismatik begründet wird.
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