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ZEITPUNKT
Zeitung im Espace Mittelland
Samstag, 15. August 2009 35

LA ND A RZ T FR IT Z T HÖ NE N, ZWE ISIM ME N

Himmlers Berner Vertrauter


Fritz Thönen, imposanter Arzt aus Zwei-
simmen, hatte Kontakte zur Führung Nazi-
Fritz Thönen reist Frédéric Gonseth/zvg
deutschlands. Erstmals ausgewertete Do- 1942 als Arzt an die Ostfront.
kumente zeigen nun: Er traf gar SS-Reichs-
führer Heinrich Himmler und verhandelte
mit ihm über den Freikauf von Juden. Wer
sich noch an Thönen erinnert, hält es aber
für zu simpel, ihn in die Naziecke zu stellen.
In einem Brief aus dem Kriegs- ihm in die Schweiz, da sie
jahr 1943 fand der Zweisimmner wussten, dass er Sympathie
Landarzt und Bern-Burger Fritz für ihre Sache hegte.
Thönen lobende Worte für eine Im ETH-Archiv für Zeitge-
der obersten Führungsfiguren schichte befinden sich Thö-
der Nationalsozialisten: «Mein nens Briefe an Rudolf Grob,
Verhältnis zum Reichsführer SS Pfarrer und Chef der Epilep-
Himmler beruht auf absoluter sie-Klinik in Zürich. Thö-
Anständigkeit und gegenseiti- nen legt darin seine anti-
gem Vertrauen. Der Mann ist kommunistische Haltung
ganz anders, als er immer wie- offen und einen festen
der geschildert wird.» Heinrich Glauben, dass nur die
Himmler, Führer der Nazi- «tapferen» deutschen Na-
kampforganisation «Sturm- tionalsozialisten auch die
Staffel» (SS), war Herr über den Schweiz vor der «roten
Vernichtungsapparat, dem Mil- Gefahr» des Kommunis-
lionen Juden zum Opfer fielen. mus bewahren könnten.
Erstaunlicherweise
Nazifreund und Judenretter setzte sich Thönen bei
Dass der Dorfarzt Sympathien seinen Nazifreunden
für die Nazis hegte, daran erin- dennoch für die Freilas-
nern sich ältere Zweisimmner sung von Juden ein. Ein
bis heute. Und zwar so gut, dass Judenfreund war er des-
sie auf Anfrage darüber ausführ- halb nicht. Noch 1949
lich und kritisch oder lieber verteidigte er vor ei-
überhaupt nicht reden wollen. nem französischen Ge-
Das erlebte diese Zeitung bei ih- richt den mit ihm be-
ren ausführlichen Recherchen, freundeten SS-Gene-
die nun erstmals ein umfassen- ral Carl Oberg, welcher
deres Bild von Thönens Naziver- wegen seiner Rolle bei
bindungen liefern. Ein neu auf- der Deportation von
gefundener Brief von 1956 (siehe 75 000 Juden in die
Kasten) sowie Dokumente im Vernichtungslager
Schweizer Bundesarchiv und im «Schlächter von Pa-
deutschen Auswärtigen Amt be- ris» genannt wurde.
legen, dass der 1962 verstorbene
Thönen als einer von wenigen Schillernde Figur
Schweizern mit Himmler und Der Nazifreund und zvg

anderen Nazi-Grössen persön- Judenretter Thönen


lich befreundet war und mit ih- war eine schillernde Figur. Ein
nen gar über den Freikauf von vollständiges Bild dieses radika-
Juden verhandelte. len Eidgenossen lässt sich aus ten Autofahrers Thönen wer-
Thönen wurde 1889 in Wim- den lückenhaften Akten und den unter älteren Zweisimm- der Führer der NS-Kampf-
mis geboren, ging in Burgdorf Zeugenaussagen kaum zeich- nern noch heute herumgeboten. organisation «Sturmabteilung» Himmlers Mitleid: Der Chef
aufs Gymnasium und studierte nen. Neben dem Glauben an die Der Berner Musiker Jakob (SA), aus Deutschland und ver- der SS bedauert in seinem
danach Medizin in Bern, Zürich Rassentheorie und andere men- Stämpfli, 75, der als Bub öfter steckte sich bei ihm in Zweisim- Brief vom 24. 7. 1940 an
und München. 1918 eröffnete schenverachtende Haltungen, im Zweisimmner Kinderheim men. Durch ihn lernte der Ber- Fritz Thönen, wie die nazikri-
der Spezialist für innere Krank- die aus den Akten hervorgehen, «Güetli» weilte, beschreibt Thö- ner weitere prominente Nazis tischen Schweizer den Zwei-
heiten eine Praxis in Zweisim- ist bei Thönen auch eine ausge- nen als «wortkargen und stren- kennen. Am 30. Dezember 1930 simmer Arzt behandeln.
men, wo er auch als Spitalarzt tä- prägte soziale Ader zu erkennen. gen Mann». Er vermutet, dass erwiesen Röhm und Himmler
tig war. Einige seiner deutschen Ein pensionierter Lehrer, der der Arzt bei ihm ein inexistentes gemäss Einvernahmeproto-
Studienfreunde wurden Nazis nach Kriegsende in Boltigen Leiden diagnostiziert habe, um kollen der Bundesanwaltschaft treibung der Juden und noch
und schickten laut Thönens unterrichtete und Thönen als das Kinderheim besser auszu- dem Zweisimmner Arzt sogar nicht deren Vernichtung. Für
Akten im Bundesarchiv «erho- Schularzt erlebte, erinnert sich lasten. Stämpfli erinnert sich, die Ehre, mit ihm im Zürcher No- dieses Projekt brauchte sie auch
lungsbedürftige Kameraden» zu an eine «imposante Persönlich- Heinrich Himmler, SS-Führer Key dass im Kinderheim von der Pro belhotel Baur au Lac zu speisen. die Hilfe wohlgesinnter Auslän-
und Chef der Judenvernichtung. Juventute geschickte Kinder aus Bei Kriegsbeginn lernte Thö- der. «Helfer» wie Musy konnten
ärmeren Verhältnissen als zweit- nen im Sommer 1939 in Bad Geld verdienen mit einem «Ju-
T H ÖN E NS B RI EF VON 19 56 keit». Er beschreibt ihn als klassig behandelt wurden. Ganz Lenk den 1934 abgetretenen Frei- denhandel», wie die SS dieses
«Rübezahl»: breitschultrig und anders der Nachwuchs reicher burger CVP-Bundesrat Jean-Ma- Geschäft nannte. 1944 vermittel-
Neues Schlüsseldokument schalkhaft. «Er mochte es, wenn Eltern wie etwa der Enkel des ita- rie Musy (1876–1952) kennen. te Musy im Auftrag einer jü-
man ihn unterschätzte.» Thö- lienischen Diktators Mussolini, Auch dieser hegte öffentlich disch-orthodoxen Organisation
Ein Auslöser für obigen Text ist Judenretter mit humanitären nens diagnostische Fähigkeiten der wohl durch Thönens Kon- Sympathien für die Nazis. Bei in der Schweiz den Freikauf von
ein neu aufgetauchter Brief Motiven darzustellen. seien weitherum bekannt gewe- takte ins Kinderheim gekom- diesem Lenker Treffen, schrieb 1200 ungarischen Juden aus dem
Fritz Thönens vom 17. Novem- Thönen richtete seinen Brief sen. Der Lehrer erinnert sich an men sei. Wie andere Zeitzeugen Thönen im Brief von 1956, habe Konzentrationslager Theresien-
ber 1956, der in seinen Akten an einen namentlich nicht ge- ein Handicap des Arztes: Er habe sagt Stämpfli, Thönen sei als man die «Judenfrage» bespro- stadt. Dafür verhandelte Musy
im Bundesarchiv fehlt. Der nannten «Herrn Professor», der Blut nicht sehen können. Nazigauleiter von Bern im Ge- chen, welche Musy beschäftigt mit Himmler und dessen Ge-
Zweisimmner Arzt beschreibt einen Gedenkband für den Thönen habe eine «eigenwilli- spräch gewesen, was sich in den habe. Als dieser vernahm, dass heimdienstchef Walter Schellen-
darin seine Kooperation mit 1952 gestorbenen Musy plante, ge Grosszügigkeit» ausgezeich- Akten nicht erhärten lässt. Thönen Himmler kenne, soll er berg. Gegen Bezahlung von Lö-
dem nazifreundlichen alt Bun- in dem offenbar auch ein Bei- net. Mit Patienten, die an beson- ihn um einen Kontakt zum SS- segeldern liessen die Nazis die
desrat Jean-Marie Musy und trag Thönens vorgesehen war. deren Krankheiten litten, sei er, Geistesverwandter Musy Chef gebeten haben. Juden in die Schweiz ausreisen.
sein brisantes Treffen mit SS- Eine Kopie des Briefs gelangte auch aus medizinischem Inte- Thönen begann sein Kontakt- Die jüdische Organisation be-
Führer Heinrich Himmler. Mit zu einer jüdischen Familie. Of- resse, zu Spezialisten gereist netz zu den Spitzen der Nazis Lukrativer «Judenhandel» zahlte überdies Musy für dessen
der Formel «wir halfen, wo fenbar um zu belegen, dass und habe dann nie ein Honorar vor Hitlers Machtergreifung im Thönen und Musy sind in einem Dienste.
wir nur konnten», versucht Thönen kein Nazi, sondern verlangt. «Er tat viel Gutes, woll- Januar 1933 zu knüpfen. Gemäss Zusammenhang zu sehen, der Weder Musy noch Thönen
Thönen sich selbst und Musy bloss «deutschfreundlich» ge- te aber auch seinen Spass ha- seinen eigenen Aussagen in Un- heute unter Forschern unbe- können indes als klassische Ju-
im Schreiben nachträglich als wesen sei. se ben», erinnert sich der Lehrer. terlagen der Bundesanwalt- stritten ist: In den 1930er-Jahren
Die Karambolagen des schlech- schaft floh um 1925 Ernst Röhm, war das Hauptziel der SS die Ver- Fortsetzung auf Seite 36
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BERN, BABY, BURN Fortsetzung von Seite 35

denretter bezeichnet werden.


ker sind der Meinung, dass die
SS-Führung nach der verlorenen
Schlacht bei Stalingrad von 1943
bei Thönen 1938/1939 als Köchin
beschäftigte Kathrin Sturzen-
egger sagte laut Akten der Bun-
MONGOLISCHE
Thönen gab laut den Akten des
erwähnten Oberg-Prozesses von
1949 in seiner Zeugenaussage
einen Sonderfrieden mit den Al-
liierten anstrebte. Um diese Ge-
spräche voranzutreiben, wurden
desanwaltschaft aus, dass der
Arzt nationalsozialistische Lie-
der gesungen habe. So das
EISENBAHN
selber zu, dass er «die Juden Juden als Druckmittel einge- «Horst-Wessel»-Lied oder
nicht besonders liebe». Hinzu setzt. Die SS drohte den Alliier- «Deutschland über alles». Stur-
kommt, dass sowohl der Zwei- ten, die Juden mit industriellen zenegger behauptete überdies,
simmner Arzt wie auch der alt Methoden auszulöschen, wenn an den Loggia-Wänden hätten
Bundesrat 1940 der bald darauf keine Verhandlungen und Löse- Porträts von Hitler, Himmler
Sarah Pfäffli verbotenen pronazistischen Na- geldzahlungen erfolgten. und Röhm gehangen.
tionalen Bewegung der Schweiz Um zu signalisieren, dass die
Auf einmal müssen meine (NBS) angehörten. Dies zeigen Erpressung wie auch das Ver- Thönens Wirtshausstreit
Gspänli früher vom Ausgang NBS-Akten der Bundesanwalt- sprechen des Freikaufs ernst ge- Am 20. November 1939 wurde
heim. Ganz gesunde junge schaft. meint waren, wurde nach Thö- Thönen von einem Militärge-
Menschen bleiben nüchtern nens Besuch die Freilassung richt der öffentlichen Beschimp-
und gehen um Mitternacht ins Empfang bei Himmler einiger Juden beschlossen. Thö- Jean-Marie Musy, alt zvg
fung für schuldig erklärt, began-
Bett. Weil: «Ich muss morgen Obwohl Musys Aktion von 1944 nen behauptete später – am Pro- Bundesrat und Nazisympathisant gen am Freitag, 27. Oktober 1939,
um 6 aufstehen, wir machen von der Geschichtsforschung zess gegen Carl Oberg und im im Gasthaus «Bären» in Zwei-
eine Tour.» durchleuchtet wurde, war bisher Brief von 1956 – auf wenig glaub- nens Magd berichtete gar über simmen. Im Restaurant entfach-
Diese Art Tour hat aber nichts unbekannt, dass Fritz Thönen würdige Weise, er habe sich bei einen Besuch des britischen Mi- te er eine heftige Diskussion,
mit Rock'n'Roll zu tun. Nein: dabei hinter den Kulissen agier- Himmler aus humanitären Be- nisters in Zweisimmen. nachdem ein Gast Hitler die Reykjavík für
Plötzlich gehen alle wandern. te und im Voraus bei den Nazi- weggründen für Juden einge- Hauptschuld am Kriegsaus-
Der neue Trendsport. Natur ist
nicht mehr doof und wäh, son-
spitzen das Terrain ebnete. Mu-
sy sprach im Januar 1941 selber
setzt und die Interessen der
Schweiz verteidigt.
Unter Dauerbeobachtung
Für seine Haltung zahlte Thö-
bruch gegeben hatte. Der Arzt
griff nicht nur den Gast, sondern
Anfänger
dern cool und real. Mal abschal- bei Himmler in Berlin vor, wur- nen in der fast geschlossen anti- auch drei anwesende Soldaten Die schönste aller Frauen –
ten vom Job, mal gucken, wo de gemäss Thönen aber schroff Himmlers Sonderfrieden nazistisch gesinnten Schweiz im Aktivdienst an, die der glei- zum Glück meine Verlobte –
das Biojoghurt herkommt, mal abgewiesen. Die Theorie, dass die SS diesen einen Preis. Sein Dossier bei der chen Meinung waren und für ist in Verwandtenkreisen da-
vermantschte Sandwiches zum Im Brief von 1956 berichtete Erpressungsplan noch vor Sta- Bundesanwaltschaft zeigt, dass Hitler nichts übrig hatten. für bekannt, dass sie den
Zmittag, mal saubere Luft. Thönen, wie er 1942 – im Rah- lingrad 1943 einsetzte, wird er unter Dauerbeobachtung Der aufgebrachte Thönen be- besten Tarte Tatin der Welt
Okay, dann tschesé. Ich bleib men der zweiten Schweizer Ärz- durch Bundesarchivsakten des stand. Sein Telefon wurde abge- schimpfte die Soldaten, sie sei- macht. Sie schickte mich in
unterdessen im kaputten 3007, temission an die Ostfront in Schweizer Geheimdienstmanns hört. Regelmässig wurde er von en «schöne Vaterlandsverteidi- der Vergangenheit schon
weil mir fehlen für solche Unter- Russland – kurz vor Ostern ei- und früheren Berliner NZZ-Kor- der Schweizer Militärjustiz ein- ger» und doch nur «Vaterlands- des Öftern eigens zu diesem
nehmungen Disziplin und Tat- nen Abstecher nach Berlin respondenten Johann Meyer be- vernommen. Zu einem Prozess vertäfeler». Dafür bekam er drei Zweck Äpfel kaufen.
kraft. Ich wandere dafür ab und machte. Dort traf er im Führer- kräftigt. Dieser berichtete Ende wegen Hochverrats kam es aber Tage scharfen Arrest. «Boskop und Gravensteiner
zu vom Bett zum Grill, sauge hauptquartier Himmler und 1942: «Himmler sei damit be- nicht, auch wenn es im Bundes- eignen sich am besten . . . »,
zwei Mal pro Woche eine Kaker- dessen Stellvertreter Reinhard schäftigt, Anschluss an die archiv Hinweise gibt, dass der «Arzt kam vor Nazifreund» gibt sie mir auch heute mit
lake in den Staubsauger, ge- Heydrich. Wichtiges Thema der führenden Oppositionellen in Arzt antischweizerische Infor- Heute sagt der Boltiger Lehrer, auf den Weg zum kleinen
niesse das Grün meiner Zim- zweitägigen Zusammenkunft Deutschland und im Ausland zu mationen an die Nazis geliefert die politische Ausrichtung Thö- Supermarkt rechts über den
merpflanzen, ermorde im Geis- war offenbar ein grosser Plan für suchen. Himmler sei zu diesem hatte. nens sei ihm nach dem Krieg frisch geteerten Parkplatz
te die Krähen vor meinem die Auswanderung von Juden Zwecke in Lissabon und in der Himmler brachte Thönen sein nicht weiter aufgefallen. Der hinter der Kirche, die aus-
Schlafzimmerfenster und grüs- aus dem deutschen Reich. Schweiz (Luzern) gewesen. In Mitgefühl in einem Brief (siehe Arzt sei eine «unabhängige Fi- sieht wie ein umgestülptes,
se nachts den Fuchs, der in mei- Kurz nach der Wannsee-Kon- Luzern habe er einen gewissen Nachdruck vordere Seite) zum gur» gewesen. Der 1958 geborene weiss bemaltes Wikinger-
nem Quartier Babys aufzieht. ferenz vom Januar 1942 also, an Erfolg gehabt. Himmler scheine Ausdruck, in dem er ihm am Matthias Kurt, Touristiker an der schiff, neben dem Spielplatz,
Das ist ja wohl mehr als genug welcher die «Endlösung der Ju- die Absicht zu haben, im gekom- 24. Juli 1940 schrieb: «Ich kann Lenk und parteiloser Grossrat, dessen Rasen nie gemäht
Natur für ein Menschenleben. denfrage» – die industrielle Ver- menen Augenblick Hitler zu be- mir gut vorstellen, dass Sie es weiss aus Erzählungen seiner wird, zwischen den beiden
nichtung der Juden – beschlos- seitigen, um das Reich in or- bei den Schwierigkeiten, die Ih- Grosseltern, dass Thönen pola- Lampengeschäften.
Sarah Pfäffli (27, sarah.pfaeffli@ber-
nerzeitung.ch) und Fabian Sommer
sen worden war, traf sich die SS- dentliche Verhältnisse zurück- nen die ‹freundlichen› Schweizer risierte, Freundschaften aber Die Früchte- und Gemüse-
schreiben hier abwechslungsweise Spitze mit dem Berner Sympa- zuführen, mit Hilfe einer neuen Volksgenossen gemacht haben, dennoch bewahrte, weil er Poli- auslage ist gross; es hat rote,
weiss auf schwarz, wos in ihrer Stadt thisanten, um die Emigration und umgebauten SS.» Meyer er- nicht schön und leicht gehabt tisches und Privates trennen gelbe und grüne Äpfel. Da
echt brennt. Sie aus Bern, er aus Biel. von Millionen von Juden zu dis- wähnt auch die «heftige Reak- haben.» Thönen hatte offenbar konnte. meinem Isländisch noch der
kutieren. tion von England und USA auf Angst, den Brief des SS-Chefs Für Kurt ist rückblickend klar: letzte Schliff fehlt und die
Dass Thönen sein Treffen mit den sog. Judenhandel». bei sich aufzubewahren, und «Thönen war als Arzt ein Ori- Isländer allem und jedem ei-
Himmler nicht erfunden hat, be- Thönen war als Vermittler für übergab ihn der deutschen Bot- ginal und Spitzenklasse.» Was nen eigenen Namen geben,
zeugen Dokumente im Bundes- Himmler besonders gut geeig- schaft, weshalb sich dieser heu- man von Thönen in Zweisim- kann ich die Apfelsorten
SCHACH archiv und ein falsch geschriebe- net, weil der Zweisimmner Arzt te im Archiv des deutschen Aus- men bis heute halte, bringt Kurt nicht erraten und nehme
ner Eintrag in Himmlers Dienst- nicht nur dessen Vertrauen ge- wärtigen Amts befindet. auf eine kurze Formel: «Der Arzt den Dictionnaire zu Hilfe.
kalender, der in Buchform publi- noss, sondern auch über lang- kam vor dem Nazifreund.» Die roten Äpfel sind über-
Problem Nr. 533 ziert ist. Am 2. und 3. April 1942 jährige gute Beziehungen zum Wessel-Lied in Zweisimmen Shraga Elam setzt mit «rote Äpfel» ange-
H. Hermanson (1954) ist dort der Besuch eines «Dr. britischen Minister Leopold Besorgte Bürger störten sich an schrieben, die gelben mit
Der Autor: Shraga Elam (zeitpunkt@ber-
Thoerner» vermerkt. Amery verfügte, wie dies aus Auftritten des mit Nazispitzen nerzeitung.ch) ist israelischer Journalist in «gelbe Äpfel», und bei den
8 seinem Briefwechsel mit dem verkehrende Thönen. Das Ge- Zürich. grünen steht «grüne Äpfel»
7  Eine Figur in Himmlers Spiel Zürcher Pfarrer Rudolf Grob her- rücht machte 1938 die Runde, Mitarbeit: Stefan von Bergen, «Zeit- auf dem Schild. Eine gewisse
6  Wie kamen die SS-Grössen dazu, vorgeht. dass wegen Thönen in der Kin- punkt»-Leiter. inhaltliche Logik ist den Is-
5   1942 einen Berner Landarzt extra 1939 setzte sich Thönen bei derabteilung des Bezirksspitals ländern bei der Anwendung
Das Bild von Fritz Thönen auf der vorde-
nach Berlin zu holen? Es ging of- Amery für die Freilassung zweier Zweisimmen das nazistische ihrer eigenen Sprache nicht
4  fenbar um ein besonders wich- deutscher Bergsteiger ein, die Horst-Wessel-Lied gesungen
ren Seite stammt aus Frédéric Gonseths
abzusprechen. Da Blau nicht
Dokumentarfilm «Mission en enfer» (Mis-
3  tiges «Judenprojekt». Thönen zusammen mit Pfarrer Grobs werde. Der Berner Professor Lud- sion des Grauens) über die Schweizer angetreten ist, wähle ich
2 könnte eine Rolle in einem teuf- Bruder auf einer Himalaja-Expe- wig musste sich aber wegen der Ärztemission an der Ostfront, (www.art- Gelb.
1 lischen Spiel Himmlers zuge- dition waren und in englische Verbreitung dieser Behauptung film.ch/missionenenfer.php). Als DVD er- Auf dem Heimweg schaue
hältlich: www.fgprod.ch.
a b c d e f g h dacht worden sein. Viele Histori- Gefangenschaft gerieten. Thö- bei Thönen entschuldigen. Die ich im «Indian Mango» –
dem besten indischen Res-
Weiss zieht und setzt in taurant ausserhalb Indiens –
2 Zügen matt vorbei, trinke einen Tee mit
Fragen an: Thomas Wälti, Berner Zei- Mr. Devendra Kumar, dem
tung BZ, Schach, Postfach 5434, 3001 indischen Botschafter, frage
Bern; Fax 031 330 36 31; E-Mail: nach dem Gang der indi-
thomas.waelti@bernerzeitung.ch schen Wirtschaft – es geht
Die Lösung des Problems erscheint in ihr gut; seit die Isländer kein
der nächsten Ausgabe. Geld mehr haben, machen
selbst die nicht mehr Ferien
Lösung Problem Nr. 532 mit
in Europa, sondern fliegen
gleich nach Goa – und lasse
mir Kochtipps für vegeta-
rische Gerichte geben. Ich
kenne in Reykjavík noch kei-
nen einzigen Isländer, dafür
sämtliche Inder.
immer die richtige Lösung: Da die schönste aller Frauen
zu Hause auf die Äpfel war-
8  tet, stehe ich auf, und der
7   Botschafter sagt wie immer:
6 «I will call you.» Wenn De-
5 vendra Kumar jemanden
4   mag, dann sagt er beim Ver-
3 abschieden: «I will call you.»
Er hat noch nie angerufen.
2  Aber wenn man schon die
1
Isländer nicht versteht, wie
a b c d e f g h soll man dann die Inder ver-
stehen, die hier wohnen?
Andreas Thiel

Andreas Thiel (zeitpunkt@ber-


1. Td8! und Schwarz kann das Matt nerzeitung.ch) ist Satiriker in Reyk-
nicht verhindern. 1. ...Kd3 2. Sc5 matt. javík und in Zürich.
zvg/Archiv Gemeinde Zweisimmen
Das alte Bezirksspital Zweisimmen (ganz rechts), in dem Fritz Thönen als Arzt wirkte.