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 Der Grund, dass in all diesen Arbeiten die Widerlegung der Evolutionstheorie so
stark betont wird, liegt darin, dass diese Theorie eine Grundlage für jede gegen die
Religion gerichtete Philosophie darstellt. Der Darwinismus, der die Schöpfung und da-
mit die Existenz Allahs ablehnt, hat seit 140 Jahren vielen Menschen ihren Glauben ge-
nommen oder sie in Zweifel gestürzt. Aus diesem Grund ist es eine wichtige Aufgabe,
die Widerlegung der Theorie zu veröffentlichen. Der Leser muss die Möglichkeit zu die-
ser grundlegenden Erkenntnis erhalten. Da manche Leser vielleicht nur die Gelegenheit
haben, eines der Bücher zu lesen, wurde beschlossen, in allen Büchern Harun Yahyas
diesem Thema ein Kapitel zu widmen, wenn auch nur als kurze Zusammenfassung.
 In allen Büchern des Autors werden Fragen, die sich auf den Glauben beziehen, auf
der Grundlage des Inhalts des Quran erklärt, und die Menschen werden dazu ermutigt,
Allahs Wort zu lernen und ihm entsprechend zu leben. Alle Themen, die Allahs
Offenbarung selbst betreffen, werden in einer Weise erklärt, dass sie beim Leser keine
Zweifel oder unbeantwortete Frage hinterlassen. Die aufrichtige, direkte und fliessende
Darstellung erleichtert das Verständnis der behandelten Themen und ermöglicht, die
Bücher in einem Zug zu lesen. Harun Yahyas Bücher sprechen Menschen jeden Alters
und jeder sozialen Zugehörigkeit an. Selbst Personen, die Religion und Glauben streng
ablehnen, können die hier vorgebrachten Tatsachen nicht abstreiten und deren
Wahrheitsgehalt nicht leugnen.
 Die Bücher von Harun Yahya können individuell oder in Gruppen gelesen werden.
Leser, die von diesen Büchern profitieren möchten, werden Gespräche über deren
Inhalte sehr aufschlußreich finden, denn so können sie ihre Überlegungen und
Erfahrungen einander mitteilen.
 Gleichzeitig ist es ein großer Verdienst, diese zum Wohlgefallen Allahs verfassten
Bücher bekannt zu machen und einen Beitrag zu deren Verbreitung zu leisten. In allen
Büchern ist die Beweis- und Überzeugungskraft des Verfassers zu spüren, so dass es für
jemanden, der anderen die Religion erklären möchte, die wirkungsvollste Methode ist,
die Menschen zum Lesen dieser Bücher zu ermutigen.
 Wir hoffen, der Leser wird die Rezensionen der anderen Werke des Autors zur
Kenntnis nehmen. Sein reichhaltiges Quellenmaterial über glaubensbezogene Themen
ist äußerst hilfreich und vergnüglich zu lesen.
 In diesen Werken wird der Leser niemals – wie es mitunter in anderen Werken der
Fall ist – die persönlichen Ansichten des Verfassers vorfinden oder auf zweifelhafte
Quellen gestützte Ausführungen; er wird weder einen Schreibstil vorfinden, der
Heiligtümer herabwürdigt oder mißachtet, noch hoffnungslos verfahrene Erklärungen,
die Zweifel und Hoffnungslosigkeit erwecken.

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WIE HABEN DIE
NATIONALSOZIALISTEN MILLIONEN
JUDEN, ZIGEUNER UND
BEHINDERTE ERMORDET?
WELCHE GEHEIME ABMACHUNG
GAB ES ZWISCHEN DEN
NATIONALSOZIALISTEN UND
DEM RADIKALEN ZIONISMUS?

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ADNAN OKTAR, der unter dem Pseudonym HARUN YAHYA
schreibt, wurde 1956 in Ankara geboren. Nachdem er Grundschule und
Gymnasium in Ankara absolviert hatte, studierte er Kunst an der Mimar
Sinan Universität in Istanbul und Philosophie an der Istanbul Universität.
Seit den 1980er Jahren verfasst er zahlreiche Werke zu Themen des
Glaubens, der Wissenschaft und der Politik. Harun Yahya ist bekannt als
Autor wichtiger Werke, die die Hochstapeleien der Evolutionisten auf-
decken, ihre falschen Behauptungen und die dunklen Verbindungen zwi-
schen Darwinismus und so blutigen Ideologien wie Faschismus und
Kommunismus.
Harun Yahyas Werke, übersetzt in 57 Sprachen, umfassen mehr als 45000
Seiten mit 30000 Illustrationen.
Das Pseudonym des Autors besteht aus den Namen Harun (Aaron) und
Yahya (Johannes), im geschätzten Andenken an die beiden Propheten, die ge-
gen den Unglauben kämpften. Das Siegel des Propheten, das auf dem
Umschlag aller Bücher des Autors abgebildet ist, symbolisiert, dass der Quran
das letzte Buch und das letzte Wort Allahs ist und dass der Prophet Muhammad
(Möge Allah ihn segnen und Frieden auf ihm sein lassen) der letzte der Propheten
ist. Der Autor verwendete in all seinen Arbeiten den Quran und die Sunnah
(Überlieferungen) des Propheten Muhammad (Möge Allah ihn segnen und
Frieden auf ihm sein lassen) zu seiner Führung. Er zielt darauf ab, alle grundlegen-
den Behauptungen der ungläubigen Systeme einzeln zu widerlegen, die
Einwände gegen die Religion endgültig auszuräumen und ein "letztes Wort" zu
sprechen. Er verwendet das Siegel des letzten Propheten, der endgültige Weisheit
und moralische Perfektion erlangte (Möge Allah ihn segnen und Frieden auf ihm
sein lassen) als Ausdruck seiner Absicht, ein abschließendes Wort zu sprechen.
Das gemeinsame Ziel aller Werke des Autors ist es, die Verkündigungen des
Quran in der Welt zu verbreiten und auf diese Weise die Menschen dazu anzuleiten,
über grundlegende Glaubensthemen wie die Existenz Allahs, Seine
Einheit und das Jenseits nachzudenken und das verrottete
Fundament der ungläubigen Systeme und deren heidnische
Praktiken vor aller Augen darzulegen.
So werden denn auch die Werke Harun Yahyas in
vielen Ländern der Welt, von Indien bis Amerika, von
England bis Indonesien, von Polen bis Bosnien, von
Spanien bis Brasilien, von Malaysia bis Italien, von
Frankreich bis Bulgarien und Russland gerne gele-
sen. Die Bücher, die u.a. in englisch, französisch,
deutsch, italienisch, spanisch, portugiesisch, urdu,
arabisch, albanisch, chinesisch, suaheli, haussa, di-
vehi (gesprochen in Mauritius), russisch, bosnisch,
serbisch, polnisch, malaisch, uigurisch, indone-
sisch, bengalisch, dänisch und schwedisch übersetzt wurden, finden im Ausland ei-
ne große Leserschaft.
Die Werke werden auf der ganzen Welt begeistert aufgenommen, und mit ihrer
Hilfe haben viele Menschen den Glauben an Allah zurückgewonnen und tiefere
Einsichten in ihren Glauben bekommen. Jeder, der diese Bücher liest, erfreut sich an
deren weisen, auf den Punkt gebrachten, leicht verständlichen und aufrichtigen Stil
sowie an der intelligenten, wissenschaftlichen Annäherung an das Thema.
Eindringlichkeit, absolute Konsequenz, einwandfreie Darlegung und
Unwiderlegbarkeit kennzeichnen die Werke. Für ernsthafte, nachdenkliche Leser
besteht keine Möglichkeit mehr, materialistische Philosophien, Atheismus und an-
dere abwegige Ansichten zu verteidigen. Werden diese dennoch verteidigt, dann le-
diglich aufgrund einer Trotzreaktion, da die Argumente widerlegt wurden. Alle
leugnerischen Strömungen unseres Zeitalters mussten sich dem Gesamtwerk von
Harun Yahya ideologisch geschlagen geben.
Ohne Zweifel resultieren diese Eigenschaften aus der beeindruckenden Weisheit
und Erzählweise des Quran. Der Autor hat nicht die Absicht, sich mit seinen Werken
zu rühmen, sondern beabsichtigt lediglich, andere zu veranlassen, den richtigen
Weg zu finden. Er strebt mit der Veröffentlichung seiner Werke keinerlei finanziellen
Gewinn an.
Wer die Menschen ermutigt, diese Werke zu lesen, ihren Geist und ihre Herzen
zu öffnen und sie anleitet, noch ergebenere Diener Allahs zu sein, leistet der
Gemeinschaft einen unschätzbaren Dienst.
Gegenüber der Bekanntmachung dieser wertvollen Werke käme die
Veröffentlichung von bestimmten Büchern allgemeiner Erfahrung, die den
Verstand der Menschen trüben, die gedankliche Verwirrung hervorrufen und die
bei der Auflösung von Zweifeln und bei der Rettung des Glaubens ohne starke
Wirkung sind, einer Verschwendung von Mühe und Zeit gleich. Doch mehr noch
als das Ziel der Rettung des Glaubens ist deutlich, dass bei Werken, die die literari-
sche Kraft des Verfassers zu betonen versuchen, diese Wirkung nicht erreicht wird.
Falls diesbezüglich Zweifel aufkommen, so möge es aus der allgemeinen Überzeu-
gung des Autors verständlich sein, dass es das einzige Ziel der Werke Harun Yahyas
ist, den Atheismus zu beseitigen und die Moral des Quran zu verbreiten und dass
Wirkung, Erfolg und Aufrichtigkeit dieses Anliegens deutlich zu erkennen sind.
Man muss wissen, dass der Grund für die Unterdrückung und die Qualen, die
Muslime erlitten haben, in der Vorherrschaft des Unglaubens liegt. Der Ausweg be-
steht in einem ideologischen Sieg der Religion über den Unglauben, in der
Darlegung der Glaubenswahrheiten und darin, die Quranische Moral so zu erklä-
ren, dass sie von den Menschen begriffen und gelebt werden kann. Es ist klar, dass
dieser Dienst in einer Welt, die tagtäglich immer mehr in Unterdrückung,
Verderbtheit und Chaos versinkt, schnell und wirkungsvoll durchgeführt werden
muss, bevor es zu spät sein wird.
Das Gesamtwerk von Harun Yahya, das die Führungsrolle bei diesem wichtigen
Dienst übernommen hat, wird mit dem Willen Allahs die Menschen im 21.
Jahrhundert zu der im Quran beschriebenen Ruhe, zu Frieden und Gerechtigkeit,
Schönheit und Fröhlichkeit führen.

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http://www.harunyahya.de/

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INHALT
VORWORT
HOLOCAUST, JUDEN UND ANTISEMITISMUS . . . . . . . . . . . . . . . . . . .13
Die Wahrheit über den Holocaust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16
Die Lage der Leute der Schrift im Quran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .14
Die dunklen Wurzeln des Antisemitismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .20
Der Nationalsozialismus: Das Heidentum des 20. Jahrhunderts . . . . . . .23
Die darwinistischen Wurzeln des Nationalsozialismus . . . . . . . . . . . . . . .25
Die quranische Moral beseitigt Antisemitismus und Rassismus . . . . . . .30
Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .33
Zionismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .34

TEIL EINS:
WEITGEHEND UNBEKANNT: DIE KOOPERATION ZWISCHEN . . .35
Nationalsozialisten und radikalen Zionisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .35
Von der Diaspora zum Zionismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .36
Der politische Zionismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .39
Das Assimilationsproblem des Zionismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .41
Der Rassismus des 19. Jahrhunderts und der moderne Antisemitismus .43
Herzls antisemitische Karte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .45
Der Widerstand der Juden gegen den radikalen Zionismus . . . . . . . . . . .49
Die ideologische Verwandtschaft zwischen dem radikalen
Zionismus und dem Nationalsozialismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .51
Die Kooperation des radikalen Zionismus mit dem Nationalsozialismus55
Die ersten Regierungsjahre der Nazis und die radikalen Zionisten . . . . .58
Der Aufruf an die deutschen Juden für die Wahl Hitlers . . . . . . . . . . . . . .64
Die Überwindung des Anti-Nazi Boykotts mit
Hilfe der radikalen Zionisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .65
Die radikalen zionistischen Finanziers Hitlers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .68
Das Auswanderungsabkommen zwischen denradikalen
Zionisten und den Nationalsozialisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .70
Die Nürnberger Rassengesetze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .74
Die Zusammenarbeit zwischen der SS und den radikalen Zionisten . . . .77
Radiklale Zionistische SS-Spione und SS-Waffen für diese Zionisten! . . .79

9
ADNAN OKTAR

Die Behinderung der Flucht der Juden durch die radikalen Zionisten . .81
Mussolini, der italienische Faschismus und die radikalen Zionisten . . . .85
Allianzen mit den Antisemiten Österreichs, Rumäniens und Japans . . . .89
Die polnischen Antisemiten und die radikalen Zionisten . . . . . . . . . . . . .92
Das Sternkorps und der Versuch einer militärischen
Allianz mit den Nazis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .95
Adolf Eichmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .99

TEIL ZWEI
DER HOLOCAUST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .103
Die Nationalsozialisten und ihre Feinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .104
Die Anfänge des Holocaust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .106
Krieg und Holocaust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .110
Tod in den Ghettos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111
Die Endlösung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .115
Die Transporte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .117
Die Todeslager . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .119
Einsatzgruppen: Die Todesschwadronen der Nazis . . . . . . . . . . . . . . . . .124
Die Religionsfeindlichkeit der Nazis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .126
Die radikalen Zionisten in den Jahren des Holocaust . . . . . . . . . . . . . . . .129
Die Instrumentalisierung des Holocausts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .131
Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .134

TEIL DREI
DIE VERGESSENEN MASSENMORDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .135
Der Massenmord an den Behinderten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .135
Der Massenmord an den Sinti und Roma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .143
Der Massenmord an den Polen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .146
All die anderen, die ihr Leben verloren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .148

TEIL VIER
DIE ANTISEMITISCHE POLITIK ISRAELS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .153
Die Drohungen der israelischen
Führungsriege an die Juden in der Diaspora . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .157
Radikaler Zionistischer Terror in Flüchtlingslagern . . . . . . . . . . . . . . . . .161
Mossads Organisator für Auswanderungen: Aliyah Bet . . . . . . . . . . . . .166

10
HARUN YAHYA

Die Operation "Ali Baba" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .169


Die Operationen "Moses" und "Salomon" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .174
Die Operation "Magischer Teppich" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .183
Andere israelische Verfahren des Kaufens von Juden:
Die rumänischen Juden und der Vertrag von Luxemburg . . . . . . . . . . . .190
Die Geheimbeziehungen, die Israel mit den
zeitgenössischen Nazis aufbaute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .192

NACHWORT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .195

ANHANG EINS
IIsrael, die Faschisten der Dritten Welt und Gladio . . . . . . . . . . . . . . . . .197

ANHANG ZWEI
Die israelisch-serbischen Verbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .204

SCHLUSSFOLGERUNG:
DIE LIST DES TEUFELS IST LEICHT ZU DURCHSCHAUEN . . . . . . .208
Der wissenschaftliche Zusammenbruch des Darwinismus . . . . . . . . . . 209
Der erste unüberwindliche Schritt: Die Entstehung des Lebens . . . . . . 210
"Leben entsteht aus Leben" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210
Ergebnislose Bemühungen im 20. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211
Die komplexe Struktur des Lebens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
Der imaginäre Evolutionsmechanismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214
Lamarcks Einfluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .215
Neodarwinismus und Mutationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
Keine Übergangsformen im Fossilienbestand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
Darwins zerstörte Hoffnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 219
Das Märchen von der Evolution des Menschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
Die Darwin-Formel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222
Technologie in Auge und Ohr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226
Ein materialistischer Glaube . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .230
Die Evolutionstheorie, der Fluch der Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231

ENDNOTEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .224

AUSGEWÄHLTE BIBLIOGRAFIE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .228

11
12
VORWORT

Holocaust, Juden und Antisemitismus

Zionismus, Judentum und Holocaust waren und sind Themen zahlloser


Debatten. Daher ist es sinnvoll, am Anfang dieses Buches einige
Grundgedanken deutlich zu machen. Das Buch im Allgemeinen muss im
Rahmen dieser Umstände verstanden und interpretiert werden.

Die Wahrheit über den Holocaust


In diesem Buch behandeln wir die Unterdrückung, die Massaker und
den Völkermord, die von den Nationalsozialisten vor und während des II.
Weltkrieges an den Juden und anderen Menschen verübt wurden. Zuerst ist
es jedoch notwendig klarzustellen, dass wir ohne jegliche Unterscheidung
zwischen Religion, Rasse und ethnischer Herkunft gegen Unterdrückung,
Folter und Völkermord sind. Wir billigen nicht den geringstenungerechtfer-
tigten gegen Juden oder andere Menschen gerichteten Angriff, sondern
verurteilen einen solchen auf das Schärfste.
Diese Moral folgt einem Prinzip, das Allah den Menschen im Quran be-
fahl. Allah verdammt im Quran diejenigen, die auf der Erde Unfrieden her-
vorrufen, Menschen unterdrücken und in unrechter Weise Leben nehmen.
"...Wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder
Unheil im Lande angerichtet hat, (der soll sein wie einer), der die ganze
Menschheit ermordet hat..." (Sure 5:32 - al-Ma'ida)
Allah macht in dieser Sure unmissverständlich klar, dass es den
Menschen verboten ist, Verbrechen zu begehen. Unser Herr bewertet den
Mord an einem einzigen unschuldigen Menschen als ebenso große Schuld,
wie die Ermordung aller Menschen.

13
ADNAN OKTAR

The Nazis subjected European Jews


to indisputable and unforgivable cru-
elty during World War II. They humili-
ated, insulted and degraded millions
of Jewish civilians, forcing them
from their homes and enslaving them
in concentration camps under inhu-
man conditions. The terrible photog-
raphs of Jewish prisoners at Ausch-
witz on the left, or the dead prisoners
at Buchenwald below, are sufficient
reminders of the scale of the Nazi
barbarity.

14
HARUN YAHYA

Es ist eine Tatsache, dass vor und während des II. Weltkriegs zahlreiche
Juden der Unterdrückung ausgesetzt waren und dabei ihr Leben verloren.
Entschieden verurteilen wir die von den Nazis und anderen Bewegungen an
Menschen verübten Qualen und Morde. Eine unentschuldbare Grausamkeit
ist nicht nur, was den Juden angetan wurde, sondern auch, was Millionen an-
dere Menschen, Deutsche, Russen, Engländer, Japaner, Chinesen, Zigeuner,
Kroaten, Polen, Angehörige der Berberstämme, Serben, Araber, Bosniaken
und andere erlitten, die im II. Weltkrieg ihr Leben verloren. Historiker haben
errechnet, dass vor und während des II. Weltkrieges ungefähr 29 Millionen
Zivilisten von den Nazis in Konzentrationslagern und Ghettos, bei mil-
itärischen Hinrichtungen oder politischen Morden ermordet wurden.
Eines der beiden Hauptthemen dieses Buches ist die geheime
Zusammenarbeit von Nazideutschland mit bestimmten Gründern des Staates
Israel. Dies mag vielen Menschen erstaunlich erscheinen, doch die his-
torischen Tatsachen zeigen, dass die Gründer des Staates Israel, manche
Zionisten, über einen bestimmten Zeitraum in enger Zusammenarbeit mit
Nazideutschland standen. Deshalb muss angenommen werden, dass die
Repressalien der Nazis ein guter Grund für die Auswanderung der europäis-
chen Juden nach Palästina darstellten. Manche Zionisten unterstützten die
Naziherrschaft, die ihren eigenen Brüdern und vielen anderen Nationalitäten
schreckliche Unterdrückung brachte, wirtschaftlich und politisch und sie
klatschten der rassistischen Politik der Nazis Beifall.
Dies ist ein brisantes Thema, denn der Völkermord der
Nationalsozialisten an den Juden wird seit dem II. Weltkrieg für politische
Zwecke benutzt. Einige Elemente innerhalb des israelischen Staates nahmen
ständig zu dem Begriff "Holocaust" Zuflucht, um die eigene Politik von
Besetzung und Terror zu legalisieren und Kritiker zum Schweigen zu bringen.
Tatsächlich war die Gründung Israels dank internationaler Sympatie und
Unterstützung möglich geworden, die zum großen Teil aus dem Holocaust re-
sultierten. Ein weiteres Thema, das wir in diesem Buch behandeln, ist die
Tatsache, dass die Vernichtungspolitik der Nazis sich nicht nur gegen die
Juden richtete, sondern ebenso auf andere ethnische, religiöse und soziale
Gruppen wie Zigeuner, Polen, Slawen, religiöse Katholiken, Zeugen Jehovas
sowie Körper- und Geistesbehinderte. Es ist richtig, dass das jüdische Volk,
das 5,5 Millionen Menschen in den Konzentrationslagern verlor, am meisten
von den nationalsozialistischen Greueln betroffen war. Doch die Zahl der

15
ADNAN OKTAR

Menschen, die in den Lagern ihr Leben verloren, übersteigt 11 Millionen, und
mehr als die Hälfte davon sind Menschen aus den oben genannten Gruppen.
Ebenso wie dem jüdischen Holocaust muss auch dem an diesen Menschen
verübten Massenmord gedacht werden. Die nationalsozialistische
Grausamkeit als ein nur gegen Juden gerichtetes Unternehmen darzustellen,
ist nicht nur falsch, sondern vor allem ein Zeichen der eingangs genannten
Bemühungen, den Holocaust für politische Zwecke zu benutzen.

Die Lage der Leute der Schrift im Quran


In diesem Buch werden wir die Juden, die von ihnen erlittenen
Grausamkeiten und auch die geheimen Beziehungen einiger Juden mit den
Architekten dieser Grausamkeiten behandeln. Um Vorurteilen, falschem
Verständnis und dem Verdacht des Antisemitismus vorzubeugen, ist es sin-
nvoll, darzustellen, wie ein Muslim das Thema "Juden und Judentum" betra-
chtet.
Allah teilt in einem Vers folgendermaßen mit, dass die Menschen nicht
nach Rassen, Hautfarben und ethnischen Wurzeln zu bewerten sind, sondern
entsprechend ihres Verhaltensmoral:
"O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und
machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt.
Doch der vor Allah am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste
unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig." (Sure 49:13 - al-
Hudschurat)
Der im Vers verwendete Ausdruck "damit ihr einander kennenlernt"
zeigt, weshalb Allah unterschiedliche Rassen und ethnische Abstammungen
schuf: Die verschiedenen Nationalitäten und Stämme, die alle Diener Allahs
sind, haben einander kennenzulernen, das heißt, sie sollen von ihren unter-
schiedlichen Kulturen, Sprachen, Gebräuchen und Fähigkeiten lernen. Das
Ziel des Zusammenfindens unterschiedlicher Rassen sind nicht
Auseinandersetzung und Krieg , sondern es ist kulturelle Vielfalt.
Die Moral und die Bestimmungen, die Allah in diesem und anderen
Versen vermittelt, halten einen Muslim auf jeden Fall vom Rassismus ab.
Deshalb ist es nicht vorstellbar, dass wir als Muslime Juden oder einer an-
deren Rasse gegenüber negative Gedanken hegen und dies lediglich aufgrund
deren ethnischer Abstammung.

16
In the sight of God, people acquire superiority not according
to their languages, race or gender, but according to their
godliness. The existence of different races and nations is a
cultural wealth, not a reason for war and conflict.

17
ADNAN OKTAR

Betrachtet man das Thema unter dem Blickwinkel der jüdischen


Religion, so begegnen wir erneut einer bedeutenden im Quran offenbarten
Tatsache. Die Juden werden gemeinsam mit den Christen im Quran als "Leute
der Schrift" bezeichnet und stehen den Muslimen näher als die Polytheisten.
Wie sehr auch die Thora und die Bibel willkürlich abgeändert wurden, und
Juden und Christen als Ergebnis dieser Textentstellung manche abergläubis-
che Überzeugungen angenommen haben, sind sie doch Menschen, die an
Allah, Seine Einheit und an die von Ihm kommenden Bestimmungen gebun-
den sind.
Im Quran werden grundlegende Unterscheidungen zwischen
Polytheisten und den Leuten der Schrift vorgenommen, die vor allem in
Bezug auf das soziale Leben bedeutsam sind. So teilt Allah zum Beispiel in
einem Vers bezüglich der Polytheisten mit:
"... Siehe, die Götzendiener sind unrein. Darum sollen sie sich nach
diesem ihrem Jahr der unverletzlichen Moschee nicht mehr nähern..."
(Sure 9:28 - at-Tauba)
Denn Polytheisten sind Menschen, die keinerlei göttliche Regel kennen,
über kein moralisches Kriterium verfügen und ohne Zögern jegliche Art von
Unreinlichkeit und Abweichung begehen.
Lediglich die Leute der Schrift verfügen über moralische Kriterien, die
im wesentlichen auf der Eingebung Allahs beruhen, sowie auf den Begriffen
"Verboten" und "Erlaubt". Deshalb sind die Speisen der Leute der Schrift für
Muslime erlaubt. In gleicher Weise wurde muslimischen Männern gestattet,
Frauen der Leute der Schrift zu heiraten. Diesbezüglich befahl Allah in einem
Vers folgendes:
Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Auch die Speise derer, denen
die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, so wie euere Speisen ihnen er-
laubt sind. Und (erlaubt sind euch zu heiraten) tugendhafte Frauen, die
gläubig sind, und tugendhafte Frauen von denen, welchen die Schrift vor
euch gegeben wurde, sofern ihr ihnen ihr Brautgeld gegeben habt und tu-
gendhaft mit ihnen lebt, ohne Unzucht, und keine Geliebten nehmt. Wer
den Glauben verleugnet, dessen Werk ist fruchtlos, und im Jenseits ist er
einer der Verlorenen. (Sure 5:5 - al-Ma'ida)

18
HARUN YAHYA

Diese Bestimmungen zeigen, dass als Ergebnis einer Heirat zwischen


Muslimen und Leuten der Schrift Verwandschaftsbeziehungen entstehen
können und beide Seiten gegenseitigen Einladungen zum Essen Folge leisten
können; dies sind demzufolge die Grundlagen, die warmherzige menschliche
Beziehungen und ein entspanntes Miteinander gewährleisten. Wenn also im
Quran diese maßvolle und tolerante Ansicht empfohlen wird, dann ist es un-
denkbar, dass wir als Muslime gegenteilige Gedanken hegen.
Weiterhin wird im Quran mitgeteilt, das Klöster, Kirchen und Synagogen
zu den von Allah geschützten Gebetsstätten zählen:
"...Und hätte Allah nicht die einen Menschen durch die anderen
abgewehrt, wären (viele) Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in
denen Allahs Name häufig gedacht wird, bestimmt zerstört worden. Und
wer Ihm helfen will, dem hilft gewiss auch Allah; denn Allah ist stark und
mächtig." (Sure 22:40 - al-Hadsch)
Dieser Vers zeigt jedem Muslim, wie wichtig es ist, den Gebetsstätten der
Leute der Schrift Achtung zu entbieten und diese zu schützen.
Betrachtet man schließlich die islamische Geschichte, dann fällt auf, dass
sich muslimische Gesellschaften zu jeder Zeit den Leuten der Schrift
gegenüber maßvoll und tolerant verhielten. Dies wird besonders im
Osmanischen Reich deutlich, dessen Erben die Bewohner der heutigen Türkei
sind. Bekanntlich fanden die Juden, denen im katholischen Spanien kein
Lebensrecht mehr eingeräumt wurde, den gesuchten Frieden auf dem Boden
des Osmanischen Reiches. Sultan Mehmet der Eroberer gestand nach der
Eroberung Konstantinopels sowohl den
Christen als auch den Juden das Recht auf ein
Leben in Freiheit zu. Während der gesamten
osmanischen Herrschaft wurden die Juden als
Leute der Schrift betrachtet und ihnen die
Möglichkeit gewährt, in Frieden zu leben.

Throughout history, Muslim communities have tre-


ated members of other races and religions with un-
derstanding. The picture shows Sultan Mehmed the
Conqueror entering the Hagia Sophia.

19
ADNAN OKTAR

Zu keiner Zeit gab es in der islamischen Welt den in Europa zu beobach-


tenden Antisemitismus (Judenfeindlichkeit), der aus den Praktiken der
Inquisition und aus rassistischem Gedankengut geboren wurde. Die im 20.
Jahrhundert im Nahen Osten zwischen Juden und Muslimen entstandenen
Auseinandersetzungen entstanden dadurch, dass manche Juden den
radikalen Zionismus übernahmen, der nicht mit der religiösen Moral verein-
bar ist, sondern eine rassistische Ideologie darstellt.Hierfür sind nicht die
Muslime verantwortlich.
Uns Muslimen, die wir die Gebote und Verbote des Quran beachten, ist
es demzufolge gar nicht möglich, aufgrund von Religion und Glauben eine
Feindschaft den Juden gegenüber zu nähren.

Die dunklen Wurzeln des Antisemitismus


Als weiterer Punkt ist hinzufügen, dass die als Antisemitismus bekannte
Ideologie eine heidnische Lehre ist, die ohnehin von keinem Muslim
angenommen werden kann.
Um dies zu erkennen ist es jedoch notwendig die Wurzeln des
Antisemitismus zu untersuchen. Der im allgemeinen als "Judenfeindlichkeit"
verstandene Ausdruck bedeutet eigentlich "Semitenfeindlichkeit" und
drückt die Feindschaft gegenüber der von der Rasse der Semiten stam-
menden, semitischen Völkerschaft aus. Die Semiten bestehen aus Arabern,
Juden und anderen im nahen Osten ansässigen ethnischen Gruppen.
Sprachen und Kulturen der Semiten sind sehr ähnlich (So ähneln z.B. Arabisch
und Hebräisch einander sehr).
Die zweite grosse ethnische Gruppe, ist die der Indoeuropäer. Die meis-
ten der heutigen europäischen Nationalitäten sind indoeuropäischer
Abstammung.
Zu all diesen unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaften kamen
Propheten, um die Existenz und Einheit Allahs zu erklären und Seine Gebote
und Verbote zu verkünden. Betrachtet man schriftliche Aufzeichnungen,
dann stellt man fest, dass die indoeuropäischen Nationalitäten seit alters her
stets polytheistischen Glaubensrichtungen anhingen. Die Zivilisation der
Griechen und Römer und die zur gleichen Zeit im Norden Europas lebenden
Germanen und Wikinger hingen stets dem Glauben an die Vielgötterei an.
Aus diesem Grund blieben diese Gesellschaften völlig ohne sittliche Kriterien.

20
HARUN YAHYA

The neo-pagan movement born in the 19th century maintained that European societies should
return to pre-Christian paganism. Some neo-pagans, inimical to Divine religions such as Juda-
ism and Christianity, favored the barbarian lifestyle of pagan societies. The Nazi propaganda
poster (top right) equates the SS with ancient pagan warriors.

Gewalt und Grausamkeit wurden als legale und lobenswerte Eigenschaften


betrachtet und Sittenlosigkeit wie Homosexualität und Ehebruch waren weit
verbreitet. (Es sei daran erinnert, dass der wichtigste Vertreter der indoeu-
ropäischen Zivilisation, das Römische Reich, eine Gesellschaft war, die in den
Arenen Menschen zur Volksbelustigung zerfleischen liess.)
Diese in Europa vorherrschenden Stämme begegneten dem monotheis-
tischen Glauben unter dem Einfluß des zu den Semiten gesandten Propheten
Jesus (a.s). Die Botschaft Jesu, der den Kindern Israels als Prophet gesandt
wurde und der selbst nach Herkunft und Sprache Jude war, verbreitete sich
im Lauf der Zeit nach Europa, und die polytheistischen Stämme nahmen das
Christentum an. Das Christentum degenerierte jedoch mit der Zeit und der
vom rechten Weg abgeirrte Trinitätsglaube, die Dreieinigkeit, wurde
Bestandteil des Christentums.

21
ADNAN OKTAR

The Nazis' devotion to neo-pagan teachings was the main re-


ason for their hostility towards the Jews. Throughout the ye-
ars of Nazi rule, spectacles reminiscent of ancient pagan cere-
monies were staged all over Germany. The opening ceremony
of the Berlin Olympics, shown here, was one of these.

Im 18. und 19. Jahrhundert entstand in Europa mit dem Rückgang des re-
ligiösen Christentums und dem Erstarken von Ideologien und Philosophien,
die die Gottlosigkeit verteidigten, eine seltsame Strömung: der Neo-
Polytheismus oder Neo-Paganismus. Die Vertreter dieser Strömung
forderten, dass die europäischen Gesellschaften das Christentum zurück-
weisen und zu ihren früheren polytheistischen Glaubensrichtungen zurück-
kehren müssten. Diesen neuen Götzendienern zufolge war das
Moralverständnis der heidnischen europäischen Gesellschaften höherwertig,
als das christliche Moralverständnis.
Einer der wichtigsten Vertreter dieser Strömung war Friedrich
Nietzsche, der auch zu den bedeutendsten Theoretikern des Faschismus
zählte. Nietzsche, der dem Christentum gegenüber einen großen Haß ver-
spürte, war der Überzeugung, dass diese Religion den in der Seele der
deutschen Rasse vorhandenen "Krieger", und damit deren reinstes Wesen ver-
nichtete hatte. Mit dem Buch "Der Antichrist" griff er das Christentum an und

22
HARUN YAHYA

verteidigte mit dem Buch "Also sprach Zarathustra" die alte heidnische
Kultur. (Das Zoroastriertum ist eine der im antiken Persien weit verbreiteten
heidnischen Religionen, die dem indoeuropäischen Kulturkreis zugerechnet
wird.)
Während die neuen Heiden Feinde des Christentums wurden, nährten
sie gleichzeitig auch einen großen Hass auf das Judentum, das sie als die
Wurzel des Christentums ansahen. Sie bewerteten das Christentum sogar als
Eroberung der Welt durch jüdisches Gedankengut und betrachteten es als ein
jüdisches Komplott (Es bedarf keiner weiteren Diskussion darüber, dass die
neuen Heiden in gleicher Weise gegenüber dem Islam, der einzigen wahren
Religion, Hass empfanden..
Auf diese Weise entfachte die neo-heidnische Strömung auf der einen
Seite die Religionsfeindlichkeit und gebar auf der anderen Seite die
Ideologien des Faschismus und des Antisemitismus. Betrachtet man die
Grundlagen der Nazi-Ideologie, dann wird ganz deutlich, dass Hitler und
seine Anhänger im wahren Sinn des Wortes Heiden gewesen sind.

Der Nationalsozialismus: Das Heidentum des 20. Jahrhunderts


Ein Denker namens Jörg Lanz von Liebenfels spielte eine grosse Rolle bei
der Entwicklung der Nazi-Ideologie in Deutschland. Lanz glaubte mit großer
Überzeugung an seine neo-heidnischen Ideen.
Er fand das Hakenkreuz, das zum Symbol
der Nazipartei wurde, in alten heidnis-
chen Quellen. Die von Lanz gegrün-
dete "Ordo Novi Templi"
Vereinigung gab sich völlig der
Wiedergeburt des Polytheismus hin.
Lanz erklärte ganz offen, dass er
"Wotan" anbete, eine der
falschen Gottheiten der alten
heidnischen germanischen
Stämme. Ihm zufolge war der
Wotanismus die ureigenste
Religion des deutschen Volkes, und
die Deutschen konnten angeblich nur

23
ADNAN OKTAR

durch die Rückkehr zu dieser Religion gerettet


werden.
Die Nazi Ideologie entwickelte sich ent-
lang des Weges, den Lanz und andere heidnis-
che Ideologen vorgegeben hatten. Alfred
Rosenberg, einer der wichtigsten Ideologen der
Nazis, plädierte ganz offen dafür, dass das
Christentum dem unter der Führerschaft
Hitlers neu errichteten Deutschland nicht
die erforderliche "seelische Energie"
geben könne und aus diesem Grund
die deutsche Rasse zur antiken heid-
nischen Religion zurückkehren
müsse. Nach Rosenberg müssten
nach der Regierungsübernahme
durch die Nazis die religiösen
Symbole aus den Kirchen ent-
fernt, und an deren Stelle
Hakenkreuze, Hitlers Buch Mein
Kampf und Schwerter ange-
bracht werden als Symbole für
die Unbesiegbarkeit der
Deutschen. Hitler übernahm
die Ansichten Rosenbergs,
SS Chief Heinrich Himmler
sah jedoch von der
Verwirklichung der neuen deutschen Religionstheorie ab, da er erwartete,
damit heftige Reaktionen in der Bevölkerung hervorzurufen.1
Doch wurden während des Naziregimes manche wieder eingeführte
heidnische Rituale praktiziert. Kurz nachdem Hitler an die Macht gekommen
war, begann man, die Feiertage des Christentums aufzuheben und sie durch
"heilige" Tage heidnischer Religionen zu ersetzen. Bei Trauungen wurde auf
imaginäre Götzen wie "Erdmutter" und "Himmelsvater" geschworen und
1935 wurde verboten, christliche Gebete in Schulen zu verrichten. Später
wurde der christliche Religionsunterricht völlig abgeschafft.
Der Chef der SS, Heinrich Himmler, drückte den Hass des Naziregimes

24
HARUN YAHYA

auf das Christentum folgendermaßen aus: "Diese Religion ist der größte
Bazillus, den die Geschichte in sich trägt und es ist erforderlich, ihn auch als
solchen zu behandeln."2 Diese Worte sind Ausdruck der ignoranten und un-
vernünftigen Mentalität Himmlers und der Nazis. Und dies kann nicht akzep-
tiert werden.So ist die Judenfeindlichkeit der Nazis ein Teil der
Religionsfeindlichkeit. Die Nazis, die das Christentum als ein jüdisches
Komplott betrachteten, bemühten sich, die deutsche Gesellschaft auf der
einen Seite vom Christentum loszulösen und zwangen auf der anderen
Seite die Juden durch eine Reihe von gegen sie gerichteten Massnahmen
zum Verlassen Deutschlands. Die Allianz zwischen dem radikalen
Zionismus und dem Nationalsozialismus wurde an eben diesem Punkt ge-
boren. Dieses Thema werden wir ausführlich im zweiten Teil des Buches un-
tersuchen.
Die heutigen neonazistischen und faschistischen Gruppen, die die
Vorhut des Antisemitismus bilden, vertretenallesamt religionsfeindliche
Ideologien und sie verwenden Aussagen, die sich auf heidnische Begriffe
stützen.

Die darwinistischen Wurzeln des Nationalsozialismus


Ein anderer wichtiger Aspekt der Weltanschauung der Nazis ist ihre
Akzeptanz der Darwinschen Evolutionstheorie.
Als Darwin diese Theorie aufstellte, behauptete er, dass es in der Natur
stets einen Überlebenskampf gibt, der manche Rassen vorwärts bringt und
die Verlierer dieses Kampfes zum Untergang verurteilt. Diese Ansichten wur-
den innerhalb kürzester Zeit zum wissenschaftlichen Fundament des
Rassismus. James Joll, der jahrelang als Professor für Geschichte an den
Universitäten Oxford, Stanford und Harvard wirkte, beschreibt in seinem
Buch Europe since 1870 (Europa seit 1870), das immer noch an den
Universitäten verwendet wird, die ideologische Verbindung zwischen
Darwinismus und Rassismus:
Der englische Naturforscher Charles Darwin hatte mit seinem 1859 er-
schienenen Buch Der Ursprung der Arten und dem 1871 folgenden Die
Entstehung des Menschen eine große Diskussion begonnen und zur gleichen
Zeit mehrere Bereiche des europäischen Denkens beeinflußt... Die Ideen von
Darwin und die Gedanken von einigen modernen Denkern wie des englis-

25
ADNAN OKTAR

Evaluating people according to their ethnic origins and inherited physical characteristics is a per-
verse practice that reached its peak in the 19th century. The motivating reason behind it was
Darwin's theory of evolution, which regarded mankind from a totally racist perspective. Darwin
was the behind-the-scenes architect of 19th-century racism and the 20th century's Nazi barbarity.
Above: The so-called "racial measurements" performed according to evolutionist criteria.

chen Philosophen Herbert Spencer wurden sehr schnell in Bereichen umge-


setzt, die außerhalb der Wissenschaft lagen. Die praktikabelste Seite für die
gesellschaftliche Entwicklung des Darwinismus war der Glaube, die Erde sei
überbevölkert und könne nicht mehr durch natürliche Resseourcen ernährt
werden. Deswegen bedürfe es eines ständigen Überlebenskampfes, aus dem
die Starken oder die "Geeigneten" als Sieger hervorgingen. Für bestimmte
Sozialwissenschaftler war es ein Leichtes, von diesem
Punkt ausgehend dem Begriff des "Geeigneten" eine
moralische Bedeutung hinzufügen und zu behaupten,
die im Überlebenskampf siegreichen Arten oder
Rassen würden auch eine moralische Überlegenheit
aufweisen.
So vereinte sich die Doktrin der natürlichen
Selektion ganz einfach mit einer anderen, von dem
französischen Schriftsteller Joseph-Arthur
Gobineau entwickelten Gedankenschule.
Gobineau veröfftichte 1853 eine Arbeit unter dem
Titel Ein Aufsatz über die Ungleichheit der men-
schlichen Rassen. Gobineau führte an, dass in der
Cover of the first edition of
Evolution die Rasse das größte Agens ist, und dass
Hitler's 1925 book Mein Kampf
die anderen Rassen überlegene Rasse auch ihre (My Struggle)

26
HARUN YAHYA

eigene rassische Reinheit am besten zu schützen weiß. Gobineau zufolge war


die im Überlebenskampf überlegene Rasse die arische Rasse...
Es war der engliche Schriftsteller Houston Steward Chamberlain, der
diese Ideen einen Schritt weiter führte. Hitler bewunderte diesen Autor so
sehr, dass er ihn 1927 an seinem Totenbett besuchte.3
Das zwischen Hitler und den Ideen Darwins bestehende Band ist auch
aus dem Titel von Hitlers Buch Mein Kampf abzulesen: Der Kampf von dem
der Naziführer schreibt, ist der von Darwin postulierte Überlebenskampf.
Die ideologische Verbindung von Hitler und den Nazis mit dem
Darwinismus gewann mit der von ihnen nach der Machtübernahme prak-
tizierten Politik an Deutlichkeit. Die von den Nazis praktizierte Rassenpolitik
beruhte auf der Eugenik und bestand aus der Übertragung der
Evolutionstheorie auf die menschliche Gesellschaft.
Das Wort Eugenik bedeutet, behinderte und kranke Menschen auszule-
sen und mittels der Vermehrung gesunder Individuen eine Menschenrasse zu
"veredeln". Der Theorie der Eugenik zufolge kann eine menschliche Rasse
ebenso veredelt werden, wie eine gute Tierrasse durch Paarung gesunder
Tiere entsteht.
Es waren Francis Galton, der Cousin von Charles Darwin und dessen
Sohn Leonard Darwin, die diese Theorie entwickelten. Der erste, der die
Theorie der Eugenik in Deutschland übernahm, war der Evolutionsbiologe
Ernst Haeckel, ein enger Freund von Darwin. Er schlug vor, neugeborene be-
hinderte Babys ohne Verzögerung zu töten um auf diese Weise die Evolution
der Gesellschaft zu beschleunigen. Er ging sogar noch weiter und führte die
Notwendigkeit an, Aussätzige, Krebskranke und Geisteskranke ohne
Barmherzigkeit zu töten, da ansonsten diese Personen der Gesellschaft zur

Biologists who supported


the theory of evolution were
some of Hitler's main intel-
lectual sources. The origin
of his idea of eugenics (raci-
al improvement) lay in Fran-
cis Galton, a cousin of Char-
les Darwin, and Ernst Haec-
kel, one of Darwin's stron-
gest supporters in Germany.

27
ADNAN OKTAR

Last fallen und die Evolution verlangsamen würden. Haeckel starb im Jahr
1919, seine Ideen jedoch wurden von den Nazis übernommen. Kurze Zeit
nachdem Hitler an die Macht gekommen war, begann er eine offizielle Politik
der Eugenik. Folgende Sätze aus Hitlers Mein Kampf fassen diese Politik
zusammen:
Der völkische Staat hat hier die ungeheuerste Erziehungsarbeit zu leis-
ten. Sie wird aber dereinst auch als eine größere Tat erscheinen als es die
siegreichsten Kriege unseres heutigen bürgerlichen Zeitalters sind. Er hat
durch Erziehung den einzelnen zu belehren, daß es keine Schande, sondern
nur ein bedauernswertes Unglück ist, krank und schwächlich zu sein, daß es
aber ein Verbrechen und daher zugleich eine Schande ist, dieses Unglück
durch eigenen Egoismus zu entehren, indem man es unschuldigen Wesen
wieder aufbürdet; daß es demgegenüber von einem Adel höchster Gesinnung
und bewundernswertester Menschlichkeit zeugt, wenn der unschuldige
Kranke, unter Verzicht auf ein eigenes Kind, seine Liebe und Zärtlichkeit
einem unbekannten armen, jungen Sprossen seines Volkstums schenkt, der in
seiner Gesundheit verspricht, dereinst ein kraftvolles Glied einer kraftvollen
Gemeinschaft zu werden. Und der Staat hat in dieser Erziehungsarbeit die
rein geistige Ergänzung seiner praktischen Tätigkeit zu leisten. Er muß ohne
Rücksicht auf Verständnis oder Unverständnis, Billigung oder
Mißbilligung in diesem Sinne handeln. Eine nur sechshundertjährige
Verhinderung der Zeugungsfähigkeit und Zeugungsmöglichkeit seitens
körperlich Degenerierter und geistig Erkrankter würde die Menschheit
nicht nur von einem unermeßlichen Unglück befreien, sondern zu einer
Gesundung beitragen, die heute kaum faßbar erscheint. Wenn so die bewußte
planmäßige Förderung der Fruchtbarkeit der gesündesten Träger des
Volkstums verwirklicht wird, so wird das Ergebnis eine Rasse sein, die,
zunächst wenigstens, die Keime unseres heutigen körperlichen und damit
auch geistigen Verfalls wieder ausgeschieden haben wird.4
Gestützt auf diese Ideologie Hitlers wiesen die Nazis Geisteskranke,
Behinderte, und genetisch Kranke in besondere "Sterilisierungszentren" ein.
Aufgrund eines 1933 erlassenen Gesetzes wurden 350.000 Geisteskranke,
30.000 Zigeuner und Hunderte von farbiger Kinder durch Röntgenstrahlen,
Injektionen und Elektroschocks im Genitalbereich unfruchtbar gemacht. Ein
Nazioffizier sagte "Der Nationalsozialismus ist nichts anderes als ange-
wandte Biologie."5

28
The perverted ideology of racism is incompatible with religious moral values, and cons-
tantly leads humanity into disaster. Religious morality, on the other hand, commands tole-
rance, love, compassion and forgiveness—in other words, proper moral values.

Doch was die Nazis für angewandte Biologie hielten, war die den
grundlegenden Gesetzen der Biologie entgegengesetze Theorie Darwins.
Heute ist klar, dass sowohl die Theorie der Eugenik wie auch die anderen dar-
winistischen Behauptungen jeglicher wissenschaftlichen Grundlage ent-
behren.
Die Bindung der Nazis an die Evolutionstheorie stand neben ihrer
Rassenpolitik in enger Beziehung zu ihrer Religionsfeindschaft.Sie waren
grimmige Feinde der göttlichen Religionen und wollten an deren Stelle heid-
nische Glaubenslehren verankern. Sie bemerkten sehr schnell, dass
Religionsfeindlichkeit, die in der Bevölkerung durchsetzbar sein sollte, die
Praktizierung von antireligiöser Suggestion und Propaganda erforderte und
dass deren wirkungsvollste Umsetzung mit Hilfe der Theorien des
Darwinismus geschehen konnte. Wenn Daniel Gasman in seinem Buch The
Scientific Origins of National Socialism (Der wissenschaftliche Ursprung des
Nationalsozialismus) sagte "Hitler glaubte, dass der Gedanke der biologis-

29
ADNAN OKTAR

chen Evolution die stärkste Waffe ist, die gegen die Religion verwendet wird",
dann drückte er genau dies aus.6
Die Fundamente des despotischen, unbarmherzigen Charakters der
Naziswaren ihre Religionsfeindlichkeit und die darwinistische Ideologie.

Die quranische Moral beseitigt Antisemitismus und Rassismus


Der Antisemitismus ist eine antireligiöse und darwinistische
Ideologie, deren Wurzeln in das Heidentum zurückreichen. Deshalb ist es
für einen Muslim unmöglich, den Antisemitismus zu übernehmen und
diesem Sympatie entgegenzubringen. Ein Antisemit ist ein Feind des
Propheten Abraham (a.s), des Propheten Moses (a.s) und des Propheten
David (a.s). Diese Propheten wurden von Allah erwählt und den Menschen
als Botschafter gesandt.
Auch andere Formen des Rassismus, wie die Feindschaft gegenüber
Farbigen, die aus verschiedenen Ideologien und falschen Glaubenslehren re-
sultieren, stehen im Gegensatz zu den göttlichen Religionen.
Untersucht man den Antisemitismus und andere Formen des Rassismus,
dann ist deutlich zu erkennen, dass diese ein Gesellschaftsmodel verteidigen,
das eine der quranischen Moral entgegengesetzte Denkweise vertritt.
Die Wurzel des Antisemitismus besteht aus Hass und
Unbarmherzigkeit. Aus diesem Grund haben die Antisemiten die heidnischen
Glaubenslehren der früheren Barbaren nachgeahmt. Ein Antisemit ist so
grausam, dass er es verteidigt Juden, ohne zwischen Frauen, Kindern und
Alten zu unterscheiden, zu foltern und zu ermorden.Doch die quranische
Moral lehrt die Menschen Liebe, Anteilnahme und Barmherzigkeit, und und
sie gebietet den Muslimen, Feinden gegenüber gerecht zu sein und ihnen nöti-
genfalls zu vergeben.
Antisemiten und andere Rassisten jedoch treten gegen das friedliche
Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Ethnien und unter-
schiedlichen Glaubens ein. Zum Beispiel waren die Nazis und manche
Zionisten dagegen, dass Deutsche und Juden gemeinsam lebten, da beide
Seiten dies als eine Degeneration ihrer eigenen Rasse verstanden. Doch im
Quran wird das gesellschaftliche Zusammenleben von Menschen unter-
schiedlichen Glaubens in Ruhe und Frieden gefordert, ebenso wie zwischen
den Rassen nicht die kleinste Unterscheidung getroffen wird.

30
HARUN YAHYA

No matter whom it is inflicted upon, racism is a terrible crime. The Nazis went down in history as
an example of the ruthless dimensions that racist barbarity can assume. This guiltless Jewish
child crawling on the ground in the Warsaw ghetto in the 1940s and the many innocent people
of different races oppressed all over the world reveal the cruel nature of racism.

Ein weiteres Gebot der Moral, die Allah die Menschen im Quran lehrt,
besteht darin, keine Pauschalurteile zu fällen, nur weil die Menschen ver-
schiedenen Rassen, Völkern und Religionen angehören. In jeder menschlichen
Gesellschaft gibt es gute und schlechte Menschen. Dies gilt auch für die Leute
der Schrift. Nachdem in den Versen dargelegt wurde, dass ein Teil der Leute
der Schrift sich gegen Allah und die Religion auflehnt, wird mitgeteilt, dass es
unter ihnen auch aufrichtig Gute gibt:
Sie sind aber nicht alle gleich. Unter den Völkern der Schrift gibt es eine
aufrechte Gemeinde, welche die Verse Allahs zur Zeit der Nacht liest und
sich niederwirft. Diese glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und ge-
bieten das Rechte und verbieten das Unrechte und wetteifern in guten
Werken; und sie gehören zu den Rechtschaffenen, und was sie an Gutem
tun, es wird ihnen niemals bestritten; und Allah kennt die
Gottesfürchtigen. (Sure 3:113-115 - Al-Imran)
Allah gebietet im Quran, dass diejenigen gut behandelt werden sollen,
die der Religion nicht feindlich gegenüberstehen:

31
ADNAN OKTAR

Allah verbietet euch nicht, gegen die gütig und gerecht zu sein, die euch
nicht wegen eueres Glaubens bekämpft oder euch aus eueren Häusern
vertrieben haben. Allah liebt fürwahr die gerecht Handelnden. Allah ver-
bietet euch nur, mit denen Freundschaft zu schließen, die euch des
Glaubens wegen bekämpft oder euch aus eueren Wohnungen vertrieben
oder bei euerer Vertreibung geholfen haben. Wer mit ihnen Freundschaft
schließt, tut Unrecht. (Sure 60:8, 9 - al-Mumtahina)
Im Quran befiehlt Allah, sogar gegenüber der Feinde der Muslime
gerecht zu sein:
O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah
bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu
Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und
fürchtet Allah. Siehe, Allah kennt euer Tun. (Sure 5:8 - al-Ma'ida)
Alle diese Verse zeigen, dass es nicht der islamischen Moral entspricht,
aufgrund von Glauben- und Rassenunterschieden anderen Menschen
gegenüber Hass, Zorn, Widerwillen oder Agressivität an den Tag zu legen.
Darüber hinaus muss man sich die Tatsache vor Augen halten, dass die Juden

32
HARUN YAHYA

Abkömmlinge vom Stamm des Propheten Abraham (a.s) sind. Die islamische
Moral erlaubt auf gar keinen Fall, die Nachkommen des Propheten Abraham
(a.s) zu vernichten. Keinem Muslim, der der quranischen Moral und der
Sunna unseres Propheten (s.a.w.s) Folge leistet, ist es möglich, ein solch verw-
erfliches Unternehmen zu akzeptieren.

Ergebnis
Wie zu erkennen war, hebt die quranische Moral jeglichen Rassismus
auf. Deshalb kann ein an den Quran gebundener Muslim niemals rassistisch
sein und Menschen einer bestimmten Rasse als minderwertig erachten.
Im Quran wird anderen Religionen gegenüber ein höchst gemäßigtes
und freundschaftliches Verhalten befohlen, solange dem Islam und den
Muslimen gegenüber kein feindliches Benehmen an den Tag gelegt wird. Aus
diesem Grund hat sich ein an den Quran gebundener Muslim anderen
Religionen gegenüber und vor allem den Leuten der Schrift gegenüber gütig
und freundschaftlich zu verhalten.
Rassistische Ideologien wie der Nationalsozialismus und antisemitische
Philosophien sind völlig verderbte und außerhalb der Religion stehende
Lehren, die in alten heidnischen Kulturen wurzeln. Selbstverständlich ist es
keinem Muslim möglich, diese verderbten Lehren zu achten.
Dies sind die prinzipiellen Kriterien, die unseren Blick auf das Judentum
und den Holocaust bestimmen .
Dieses Buch wurde entsprechend dieser Kriterien verfasst. In den folgen-
den Kapiteln wird sowohl die von den Nazis gegen die Juden ausgeübte
Aggression verurteilt, und es wird ausgeführt, dass die gemeinsame Idee der
Nazis und mancher rassistischer Zionisten, unterschiedliche Rassen dürften
sich nicht miteinander vermischen, völlig falsch ist; stattdessen wird das
Zusammenleben unterschiedlicher Rassen, Ethnien und Glaubenslehren
verteidigt.
Unser Wunsch ist es, dass sowohl antisemitische, rassistische
Bewegungen wie der Nationalsozialismus, aber auch Ideologien, wie der
radikale Zionismus, der im Namen der Juden Rassismus verkündet, endlich
der Vergangenheit angehören und dass eine Weltordnung begründet wird, in
der jede Rasse und jeder Glaube in Frieden leben kann und in der
Gerechtigkeit herrscht.

33
ADNAN OKTAR

Zionismus
Der Zionismus entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als eine Ideologie,
die für ein Heimatland der heimatlosen Juden eintrat. Mit der Zeit jedoch de-
generierte der Zionismus ebenso wie viele andere Ideologien und seine recht-
mäßige Forderung wurde zu einer radikalen Auffassung, die bei ihrer
Durchführung auf Gewalt und Terror zurückgriff und sich mit radikalen
Kräften zusammenschloss. Der radikale Zionismus ist eine rassistische, chau-
vinistische Ideologie. Ihre Grundlagen gehen auf antireligiöse Strömungen
wie den Sozialdarwinismus zurück.
Ebenso wie einige andere unserer Bücher hat auch dieses Buch nicht die
rechtmässigen Verhaltensweisen und Wünsche der kritisierten vaterland-
sliebenden Juden zum Thema, sondern die Mentalität und die Praxis
radikaler, rassistischer Zionisten. Schließlich waren es diese Radikalen, die
mit den Nationalsozialisten zusammenarbeiteten, sowie einige Zionisten, die
nicht vorhersahen, zu welcher Katastrophe diese gefährliche
Zusammenarbeit führen würde. Zudem treten heute friedfertige israelische
Staatsbürger, religiöse Juden, aber auch ein Großteil der in anderen Ländern
lebenden Juden und sogar gemäßigte Zionisten den radikalen Zionisten ent-
gegen, und sie kritisieren auf das Heftigste die rassistische und antireligiöse
Denkweise dieser Ideologie.
Entgegen der zu Beginn des Zionismus ausgegebenen Propaganda
wurde dieser mit der Zeit von bestimmten Kreisen in eine aggressive
Strömung verwandelt, die Ruhe und Sicherheit bedrohte; so beweisen die his-
torischen Erfahrungen, dass der radikale Zionismus nicht nur den Arabern,
sondern auch den Juden selbst sehr schadete. Die Geschichte zeigt, dass die
Juden und auch ihre Nachbarn erst dann Frieden finden werden, wenn von
der radikalen Ideologie des Zionismus Abstand genommen wird. Wie wir
oben darlegten, müssen beide Seiten Abstand nehmen von radikalen Ideen
und Strömungen, und sich der religiösen Moral zuwenden, damit sich die bit-
teren Erfahrungen der Vergangenheit nicht wiederholen, der Nahe Osten
einen dauerhaften Frieden findet und Juden und Araber auf eigenem Boden in
Ruhe und Sicherheit leben. Wir sind sicher, dass die historischen Tatsachen in
diesem Buch einen wichtigen Schritt auf diesem Weg darstellen.

34
TEIL EINS

Weitgehend unbekannt:
Die Kooperation zwischen

Nationalsozialisten und radikalen Zionisten


Zu Beginn des Jahres 1935 legte ein Passagierschiff aus Bremerhafen ab,
um die palästinensische Hafenstadt Haifa anzulaufen. Am Bug des Schiffes
stand in hebräischen Buchstaben der Name des Schiffes: Tel Aviv. Die Flagge
jedoch, die am Mast des Schiffes flatterte, war die Flagge der
Nationalsozialisten mit dem Hakenkreuz in der Mitte. Ähnliche Paradox ver-
hielt es sich mit den Eigentümern des Schiffes und deren Betreibern. Der
Eigentümer der "Tel Aviv" war ein deutscher Jude, eine einflußreiche
Persönlichkeit der zionistischen Bewegung in Deutschland, doch der
Betreiber des Schiffes war Mitglied der NSDAP (Nationalsozialistische
Deutsche Arbeiterpartei).
Einer der Reisenden auf dem Schiff bezeichnete zehn Jahre später die
Lage, in der sich die "Tel Aviv" befand als einen "metaphysischen
Widerspruch". Doch die Zusammenarbeit der Nazis und der radikalen
Zionisten stand in keinerlei Widerspruch. Denn dieses Schiff ist nur ein
kleines Beispiel einer Tatsache, die uns von der offiziellen
Geschichtsschreibung sorgfältig verheimlicht wurde. Welche Logik aber stand
hinter dieser Allianz, die auf den ersten Blick so schwer verständlich scheint?
Um die Antwort auf diese Frage zu finden, muss man weit in der Geschichte
zurückgehen.

35
ADNAN OKTAR

Von der Diaspora zum Zionismus


Die Juden, eines der ältesten Völker der Geschichte, lebten bis zum Jahr
70 nach Christus in Palästina. 70 eroberte das römische Heer Palästina und
Jerusalem, zerstörte den Tempel Salomons, eines der wichtigsten Symbole der
Nation, und vertrieb die meisten Juden aus dem Land. Mit diesem Datum be-
gann für die Juden die jahrhundertelang dauernde Zeit der Diaspora. Sie
verteilten sich auf die unterschiedlichsten Weltregionen. Viele Juden ließen
sich in Europa nieder, vor allem in Spanien und Osteuropa. Auffallend hierbei
ist, dass sich die Juden in diesen Ländern niemals assimilierten.
Dafür gibt es zwei Gründe. Der eine ist, dass sich die Juden aufgrund
ihres Glaubens, der sich auf das entstellte Alte Testament basiert, als "er-
wähltes Volk" verstanden und sich anderen Völkern überlegen fühlten. In
diesem Bewusstsein betrachteten manche Juden die Vermischung mit "min-
deren" Rassen und die mögliche Assimilation als inakzeptale Unterwerfung.
Ein zweiter, äußerst wichtiger Grund für die Nichtassimilation war die
Einstellung der anderen Nationen zu den Juden. Vor allem die Europäer
mochten die Juden nicht. Die Christen empfanden während des gesamten
Mittelalters eine ernsthafte Antipathie gegenüber den Juden. Die katholische
europäische Ordnung mochte die Juden nicht und die Juden mochten die
katholische europäische Ordnung nicht.
Diese Situation liess die Juden eine prekäre gesellschaftliche Position ein-
nehmen. Sie waren mit der Ordnung unzufrieden, und sie hatten die Macht,
diese Ordnung zu verändern. Diese Macht ergab sich aus Kapitalbesitz, und
die Quelle dieses Kapitals war der Geldverleih, der Beruf Nummer eins für
die meisten europäischen Juden im Mittelalter und der Neuzeit. Die Kirche
hatte ihren Gläubigen den Geldverleih verboten, da ihrem Glauben zufolge
die Vergabe eines Darlehens auf Zinsbasis verboten war. Der jüdische Glaube
kennt dieses Verbot nicht. Von diesem Punkt ausgehend identifizierten sich
die europäischen Juden während des gesamten Mittelalters mit dem
Geldverleih. Dank dieses vom Vater auf den Sohn übergehenden Berufes
häuften sie so große Vermögen an, dass jüdische Geldverleiher am Ende des
Mittelalters dem Adel einschliesslich der Königshäuser Darlehen gewähren
konnten.
Diese wirtschaftliche Macht verwendeten manche Juden, um die in
Europa errichtete Ordnung zu zerstören. Sie unterstützten antikirchliche

36
HARUN YAHYA

Bewegungen, die am Ende des Mittelalters mit der protestantischen


Reformation aufkamen. Geistliche wie Jan Huss, Martin Luther, John Calvin
und Ulrich Zwingli, die der katholischen Kirche entgegengesetzte Theologien
entwickelten und mit Juden in gutem Verhältnis standen, wurden denn auch
von der katholischen Kirche als "Halbjuden" oder "heimliche Juden" bezeich-
net.
Die protestantische Reformation verringerte die Macht der katholischen
Kirche und sicherte den Juden vor allem in den nordeuropäischen Ländern
eine Reihe von Rechten und Ausnahmeregelungen. Doch für den Teil der
Juden, der sich selbst als "auserwähltes Volk" verstand und sich anderen
Völkern überlegen glaubte, war dies nicht genug. Diese Juden besaßen
wirtschaftliche Macht, jedoch nicht den politischen Einfluß, den sich Kirche,
Könige und die Aristokratie teilten. Die Juden wurden ein wichtiger
Bestandteil des Bürgertums, einer neuen sozialen Klasse ausserhalb des Adels
und des Klerus. So wurden im 18. und 19. Jahrhundert einige jüdische Banker
zur wichtigsten wirtschaftlichen Kraft in Europa. Vor allem die
Wirtschaftskraft der Rothschilds erreichte im 19. Jahrhundert märchenhafte
Ausmaße. Die Rothschilds wurden auch die wirtschaftlichen Herrscher
Europas genannt.
Bekanntlich gelangte das Bürgertum, in dem nun auch die Juden einen
wichtigen Platz einnahmen, mit der französischen Revolution, den darauffol-

Anti-clerical move-
ments gained
strength with the Re-
formation that began
in the late Middle
Ages. Luther (right)
and Calvin (left) were
the Protestant move-
ment's most impor-
tant religious leaders.
One of the main fe-
atures of reformist
religious figures was
their close relations
with certain Jews.

37
ADNAN OKTAR

genden Reformen und Umstürzen zu Macht. Die an der Spitze der


Aufklärung stehenden Denker, die die Basis der französischen Revolution
darstellten, waren nicht nur dagegen, dass die Religion ihre alte Rolle in der
Gesellschaft wieder übernahm, sondern sie verteidigten die Demokratie.
Diese Entwicklungen sicherten den Juden völlig gleiche Rechte wie den
Christen zu. In der auf die französische Revolution folgenden Zeit erhielten
die Juden schließlich überall in Europa die gleichen Rechte wie die Christen,
da die Mehrzahl der Länder Europas die rechtlichten und gesellschaftlichen
Beschränkungen für Juden aufhoben. Schliesslich konnten die Juden auch in
der Staatshierarchie aufsteigen und die Hand nach der politischen Macht
ausstrecken, was dann auch geschah. Zum ersten Mal wurde in England ein
Jude, der Bankier Rothschild, Mitglied der Lordkammer. Kurze Zeit später
saß dann ein anderer Jude, Benjamin Disraeli, auf dem Stuhl des englischen
Premierministers. So wie die Auswirkungen auf die christliche Gesellschaft
verschwanden, so schmolzen auch die seit altersher in den europäischen
Gesellschaften vorhandenen Vorurteile und Antipathien gegenüber den
Juden dahin. In den Ländern Nordeuropas, vor allem jedoch in England, en-
twickelte sich anstelle der traditionellen jüdischen Antiphatie eine Strömung,
die den Juden mit Sympatie entgegentrat und deren Rechte verteidigte.
An der Spitze dieser Rechte stand das Projekt der Rückkehr nach
Palästina, die seit Jahrhunderten der größte Traum der Juden war. So haben
die Juden, nachdem sie im Jahre 70 von den Römern aus Palästina vertrieben
wurden, niemals die gefühlsmäßige Beziehung zu ihrer Heimat verloren.
Während all der Jahrhunderte, die sie in Europa lebten, lebten sie auf fremden
Boden und dachten daran, eines Tages in ihr Heimatland zurückzukehren. Bei
den Gottesdiensten zum Jahreswechsel wünschte man sich stets "Nächstes
Jahr in Jerusalem". Da sie sich zum Großteil als erwähltes Volk verstanden,
waren sie der Ansicht, dass sie im Lande Kanaan leben müssen, welches Gott
angeblich für die Juden ausgewählt hatte, das heißt also, in Palästina und
Umgebung.
Nun sind die geistige Bindung der Juden zu dem Boden ihrer Vorväter
und der daraus entstehende Wunsch, auf diesem Boden zu leben, völlig le-
gitim. Falsch ist, zugunsten dieses Wunsches die seit Jahrhunderten auf
diesem Boden sesshaften Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, ihnen
gegenüber Zwang und Gewalt anzuwenden und sie zu foltern. Der palästi-

38
HARUN YAHYA

nensiche Boden ist groß genug, dass Muslime und Juden gleichzeitig dort
leben können. Auch während der 400 Jahre dauernden osmanischen
Herrschaft lebten Muslime, Juden und Christen gemeinsam in Ruhe und
Sicherheit und verrichteten ihre Gebete nach Wunsch. Diese Ruhe und
Sicherheit wurden von Ideologien zerstört, die nicht mit der religiösen Moral
übereinstimmen und die ihre Wirkung erst später in der Region entfalteten.
Beginnt man erneut, nach der Moral der wahren Religion zu leben, dann wird
es möglich sein, den seit mehr als einem halben Jahrhundert erwarteten
Frieden dauerhaft neu zu erreichen.

Der politische Zionismus


Die Juden waren stets der Überzeugung, dass ihre Rückkehr nach
Palästina dank eines Retters möglich sei, dem sie den Namen Messias gaben.
Doch Mitte des 19. Jahrhunderts legten zwei Oberrabiner dieses Thema ganz
anders aus. Beide, Judah Alkalay und Zevi Hirsch Kalisher erkannten, dass
die Juden politische Macht erreicht hatten und dass Europa bereit war, den
Juden zu helfen; sie führten an, dass es nicht erforderlich sei, auf den Messias
zu warten. Ihnen zufolge konnten die Juden unter Benutzung ihrer eigenenen
wirtschaftlichen und politischen Macht und durch die Unterstützung der
großen europäischen Staaten nach Palästina zurückkehren. Diese Bewegung
sei die erste Phase der Rückkehr des Messias.
Die Einstellung beider Rabbiner blieb nach einiger Zeit nicht ohne
Auswirkung auf nichtreligiöse, jedoch aufgrund ihres Rassenbewußtseins
sich selbst als Juden fühlenden jungen Nationalisten. Der Einflussreichste von
ihnen war ein österreichischer Journalist mit Namen Theodor Herzl. Herzl
verwandelte den Vorschlag der beiden Rabbiner in eine politische Bewegung
und gründete die zionistische Bewegung. Der Zionismus, dessen Name von
dem heiligen Berg Zion in Jerusalem entlehnt wurde, zielte am Ende eines lan-
gen Programms darauf ab, alle Juden dieser Welt nach Palästina zurück-
kehren zu lassen. Herzl berief im Jahr 1898 den 1. zionistischen Kongress in
Basel, in der Schweiz ein. Hier wurde auch die Zionistische Weltorganisation
gegründet. Diese Vereinigung sollte bis zur Gründung Israels die zionistische
Bewegung mit Geduld und Ausdauer leiten.
Der Zionismus entwickelte sich unter dem Einfluß der nationalistischen
Bewegungen dieser Zeit. Doch die Maßnahmen, auf die manche Zionisten

39
ADNAN OKTAR

With its support for


Zionism, the Balfo-
ur Declaration—
published by Arthur
James Balfour, Bri-
tish foreign minister
of the day—laid the
groundwork for the
foundation of a Je-
wish state in the
Middle East.
Right: Arthur James
Balfour, and the
Declaration he pub-
lished.

zurückgriffen, um die festgelegten Ziele zu erreichen, enthielten Wesenszüge,


die von niemandem, der über ein Gewissen verfügt, akzeptiert werden kön-
nen, und sie wurde daher sogar von zahlreichen Zionisten abgelehnt.
Die Vereinigung hatte zwei große Ziele, nämlich Palästina für die jüdis-
che Besiedlung geeignet zu machen und die Juden der Diaspora, also vor
allem die Juden Europas, dorthin umzusiedeln. Dem ersten Ziel kam man im
Jahr 1917 einen großen Schritt näher. Die englische Regierung teilte mit der
Veröffentlichung der berühmten "Balfour Declaration" mit, dass sie in dem
Palästina, das sie im Ersten Weltkrieg den Osmanen abgenommen hatte, die
Errichtung eines "Judenstaates" unterstützen werde. Dies war ein großer
Erfolg für die Zionisten. England, die größte militärische und politische
Macht der Erde, hatte offen seine Unterstützung erklärt. Die Deklaration
zeigte all denen, die den Zionismus für ein Phantasiegebilde gahalten hatten –
unter diesen befanden sich auch zahlreiche Juden – wie stark diese Bewegung
nun geworden war.
Doch der gleiche Erfolg stellte sich nicht für das zweite Ziel der Zionisten
ein, die Juden der Diaspora nach Palästina zu bringen. So entstand ein großes
Problem für die Zionisten. Denn trotz aller Aufrufe der Zionistischen
Weltorganisation kehrten die Juden der Diaspora dem
Auswanderungsprogramm den Rücken zu, insbesondere die europäischen
Juden, denen die Zionisten besonders viel Bedeutung beigemessen hatten.

40
HARUN YAHYA

Der Grund hierfür lag nicht in einem einfachen Desinteresse und deshalb
war die Lösung auch nicht einfach.

Das Assimililationsproblem des Zionismus


Der Grund, weshalb die europäischen Juden dem zionistischen Aufruf
zur Auswanderung nicht folgten, lag in der Phase der Assimilierung, in der
sie sich seit ungefähr einem Jahrhundert befanden.
Die Assimilierung entstand dadurch, dass die Juden gleiche Rechte wie
die Christen bekamen. Die Anführer der Juden waren der Überzeugung, dass
mit der politischen Macht der Juden der Verwirklichung der Auswanderung
nach Palästina nichts mehr im Wege stand. Aus diesem Grund bemühten sie
sich stets um die Zerstörung der Ordnung des katholischen Europas und sie
spielten eine wichtige Rolle beim Sturz der traditionellen kirchlich-monar-
chischen Ordnung und deren Ersatz durch eine bürgerliche Ordnung.
Doch das hatte eine Auswirkung, die sie nicht in die Rechnung einbezo-
gen hatten. Denn damit, dass in den europäischen Gesellschaften manche
Beschränkungen für die Juden aufgehoben wurden, verschwand auch einer
der grundlegenden Faktoren, der die Juden jahrhundertelang zu einer

David Ben Gurion,


first prime minister
of the State of Isra-
el, declaring Isra-
el's independence
on 14 May, 1948

41
ADNAN OKTAR

geschlossenen und nichtassimilierten Gesellschaft gemachte hatte. Nun be-


gannen die Juden, sich zu assimilieren, sie verschmolzen mit den
Gesellschaften Europas, in denen sie lebten. Als die Juden mit den Christen
gleichberechtigt wurden, verschwand das Bewusstsein ihres Judentums. Am
Ende des 19. Jahrhunderts war ein bedeutender Teil der Juden in den west-
lichen Ländern assimiliert. Sie begannen sich nicht mehr als ein Volk getrennt
von den Engländern, Deutschen oder Franzosen zu sehen, sondern ver-
standen sich als Engländer, Deutsche oder Franzosen jüdischen Glaubens.
Doch manche Zionisten dachten ganz anders. Nach deren Meinung war
das Judentum nicht eine Sache des Glaubens, sondern der Rasse. Die Juden
gehörten einer Rasse an, die sich von den europäischen Rassen völlig unter-
schied, nämlich der semitischen Rasse, und deswegen war deren
Assimilierung unter den Europäern nicht akzeptabel. In deren Augen war der
Begriff "jüdischer Deutscher" oder "jüdischer Franzose" reine Spiegelfechterei.
Die Juden, ob mosaischen Glaubens oder Atheisten - die Anzahl der Atheisten
war in manchen zionistischen Gruppierungen sehr hoch - waren Menschen,
die sich von den Europäern oder irgendeiner anderen Rasse durch klare
Grenzen absonderte. Deshalb war das Leben der Juden inmitten anderer
Rassen für Zionisten eine nicht hinnehmbare Situation. Die Zionisten
brauchten unbedingt einen Staat, und der Ort dieses Staates musste Palästina
sein, das ursprüngliche Heimatland der Nation.
Die assimilierten Juden waren in den Augen der Zionisten Kranke, die
der Behandlung bedurften. Die Behandlung der Juden, die trunken waren
vom Segen der Modernität und die glaubten, sie selbst seien wie die anderen
Menschen in den Gesellschaften Europas, musste so bald wie möglich
geschehen. Ansonsten war der Traum vom jüdischen Staat dazu verurteilt, ein
Traum zu bleiben.
Doch welche Behandlung schien angebracht? Innerhalb kurzer Zeit
zeigte sich, dass dies keine leichte Aufgabe war. Denn die die Assimilierung
verteidigenden Juden begannen im deutlicher auf die ständigen
Wiederholungen der rassistischen Zionisten zu antworten. Ein großer Teil der
Vereinigungen der assimilationswilligen Juden gab Erklärungen ab, die den
Standpunkt der Zionisten energisch zurückwiesen. Die Gegner der Zionisten
waren der Auffassung, dass sie lediglich eine religiöse Vereinigung seien, an-
sonsten aber treue Staatsbürger der Länder in denen sie lebten und keinerlei

42
HARUN YAHYA

Absicht hegten, in die Wüsten Palästinas zurückzukehren. Als Theodor Herzl


sich in die zionistische Kampagne Europas einschaltete, versammelte sich ger-
ade eine Konferenz in Pittsburg in den USA und nahm eine Erklärung mit
dem Titel "Die acht Prinzipien des reformierten Judentums" entgegen. Die as-
similationiswilligen amerikanischen Juden verkündeten in der Erklärung fol-
gendes:
Wie sehen uns selbst nicht als eine Nation sondern als eine religiöse
Gemeinschaft... Aus diesem Grund unterstützen wir weder die Rückkehr
nach Jerusalem, noch die Neuorganisation der Religion von Aarons Kindern
noch die Gründung eines jüdischen Staates...7
Nach diesen und ähnlichen Rückschlägen verstanden die radikalen
Zionisten schnell, dass sie ihre assimilationswilligen Glaubensbrüder nicht
mit Worten würden überzeugen können. Doch wie konnten sie beweisen,
dass die Juden sich von anderen Rassen unterschieden und dass sie in der eu-
ropäischen Gesellschaft eigentlich fremd waren? Vor der Modernität emp-
fanden die Europäer eine Antipathie den Juden gegenüber, und die Juden be-
sannen sich aufgrund der gegen sie verhängten Beschränkungen auf ihre
Identität. Beide, die europäischen Nationen und die Juden waren gegen die
Assimilierung. Doch nun war es unmöglich, den Juden gegenüber eine
Antipathie zu empfinden und ihnen Beschränkungen aufzuerlegen. In dieser
Situation konnte man sich eine Ideologie zu Nutzen machen, die die
Assimilierung zum Stillstand bringen würde.

Der Rassismus des 19. Jahrhunderts und der moderne


Antisemitismus
An diesem Punkt entdeckten die Zionisten etwas entscheidendes: In
Europa entwickelte sich eine Ideologie, die sich der Assimilierung der Juden
auf das Heftigste widersetzte. Es war der moderne Rassismus, der seine Kraft
aus der Darwinschen Evolutionstheorie bezog. Im 19. Jahrhundert wurde der
Rassismus in Europa zu einer Pseudowissenschaft. Man maß der
Abstammung der Menschen größte Bedeutung bei und glaubte, dass das
Hauptmerkmal des Menschen seine Rasse sei. Die größte Gefahr die einer
Rasse drohen konnte, war demnach die Vermischung mit anderen Rassen und
der Verlust ihrer "Reinheit".

43
ADNAN OKTAR

The Dreyfus affair in 1894 is an important example of the anti-Semitism growing in Europe. Alf-
red Dreyfus, a French army officer accused of treason and leaking information to the German
military attaché, was convicted, despite much evidence in favor of his innocence, simply be-
cause he was a Jew.

In der Zwischenzeit entwickelten zahlreiche Rassisten, vor allem in


Deutschland, eine Reihe von antisemitischen Ideen. Diese Leute, die
voneinem Unterschied zwischen "arischer" und "semitischer" Rasse
sprachen, behaupteten, dass die Juden die "Reinheit" der "arischen" Rasse
verdorben hätten. Ihnen zufolge mussten die Juden isoliert und der weit-
eren Vermischung mit ihrer eigenen Rasse vorgebeugt werden. Diese
Judenfeindschaft, die Kraft aus dem Gedanken der Isolierung der Juden
schöpfte, nannte man "modernen Antisemitismus". Das Neue an dieser
Spielart des Antisemitismus war, dass im Gegensatz zum Mittelalter die
Antipathie gegenüber Juden nicht aus deren Religion, sondern aus deren
Rasse resultierte. Antisemitismus erreichte seinen Höchstpunkt mit der
berüchtigten Affäre Dreyfuss.
Es waren nicht nur die europäischen Rassisten, die gegen Assimilierung
der Juden waren. Es gab eine zweite Gruppe, die von deren Assimilierung be-
unruhigt wurde: die Zionisten, die die Juden nicht als Angehörige einer
Religion, sondern als Nation betrachteten.
Die eine Seite wollte nicht, dass sich die Juden mit der "arischen Rasse"
vermischten. Die andere Seite war besorgt,die "jüdische Rasse" von den an-
deren Rassen getrennt zu halten und die jüdische Identität zu schützen.

44
HARUN YAHYA

Wir sehen, dass beide Seiten praktisch dasselbe wollten. Warum also
sollten sie nicht kooperieren?
Die erste deutliche Antwort auf diese Frage kam von Theodor Herzl,
dem Begründer des Zionismus.

Herzls antisemitische Karte


Die Tatsache, dass die meisten Juden in eine nicht mehr rückgängig zu
machende Phase der Assimilierung eingetreten waren und deshalb dem be-
harrlichen Rufen des Zionismus wenig Beachtung schenkten, veranlasste
manche Zionisten zur Zusammenarbeit mit den Antisemiten. Der erste, der
diesen Entschluss in die Tat umsetzte, war Theodor Herzl, denn er hatte sehr
richtig bemerkt, dass der Zionismus der Judenfeindlichkeit bedarf, um die
Juden zur Auswanderung nach Israel zu zwingen. Aus diesem Grund musste
der Plan zur Erzwingung der Auswanderung von dieser Basis ausgehen.
In der Zwischenzeit begann die parallel zum Rassismus aufkommende
Judenfeindlichkeit die Hoffnungen der meisten Juden zu zerstören, dass sie in
Zukunft in Europa weiterhin ohne Beschränkungen leben können würden.
Theodor Herzl bearbeitete dieses Thema mit großer Beharrlichkeit und
verkündete, dass der Antisemitismus eine Krankheit sei, deren erfolgreiche
Behandlung noch nicht gefunden wurde und dass die entgültige Rettung für
die Juden die Gründung eines Staates in Palästina sei. Die These von Herzl,
dass Juden und Nichtjuden niemals dauerhaft in Harmonie leben würden,
wies große Parallelen mit der These der Judenfeinde auf.
Durch Herzls Hinweis auf die weitgehende Ähnlichkeit seiner These mit
derjenigen der europäischen anti-
semitischen Rassisten drückte er aus:
"Der Antisemitismus wird ein wun-
derbarer Helfer für unsere Wünsche
sein."
Herzl sagte "Alle Antisemiten
sind unseren engen Freunde". Auf
diese Weise würde die
Auswanderung erleichtert werden.
Am 9. Juni 1895 notierte Herzl in A photograph, on exhibit in Jerusalem, sho-
seinem Tagebuch folgendes: "Damit wing Jews slaughtered at Kichinev in 1903

45
ADNAN OKTAR

The photograph to
the side shows Sta-
lin and Trotsky, two
of the most impor-
tant figures in the
Bolshevik Revoluti-
on, addressing the
crowds in Red Squ-
are. Below left: One
of the many propa-
ganda posters used
during the
Revolution.

die Juden ihre Länder verlassen, werde ich erst mit


dem Zar sprechen, dann mit dem deutschen Kaiser,
dannach mit den Österreichern und wegen der
Juden in Marokko schließlich mit den
Franzosen."8
Doch Herzl beschränkte sich nicht nur auf
diplomatische Kontakte, um die Juden zur
Auswanderung zu bewegen. Der französische Denker Roger
Garaudy sagt in seinem Buch Das Zionismusdossier folgendes über Herzls
Politik:
Nach Herzl müssen die Juden sich von den anderen Nationen trennen,
um anstelle einer eigenen Religion und einer eigenen Kultur einen eigenen
Staat zu errichten. Um dieses Ziel zu erreichen, scheute sich Herzl nicht,
einem jedem gegenüber die übertriebensten Worte zu verwenden um die
Gefahr auszuführen, die die Juden bildeten und darzustellen, dass sie so bald
wie möglich gehen sollten. Herzl verwendete gegenüber dem deutschen
Außenminister von Bülow, Guillaume II., dem russischen Innenminister
Plehve, Zar Nikolaus II. und den Judenfeinden der vordersten Front stets die
gleiche Sprache. Der despotischste von allen war Plehve, der Verantwortliche
für das Massaker von Kichinev vom April 1903, das eines der schrecklichsten
Gemetzel an den Juden darstellte. Herzl schrieb Plehve im Mai einen Brief, in
dem er anführte, dass der Zionismus ein Gegenmittel sei, um der Revolution

46
HARUN YAHYA

vorzubeugen. Plehve antwortete im August und wollte von Herzl einen Brief,
dass dieser die zionistische Bewegung unterstütze. Plehve erhielt diesen Brief.
In dem Brief wurde versprochen, dass eine zionistische Strömung unterstützt
würde, um die Auswanderung der Juden sicherzustellen.9
Herzl versprach Plehve, wenn dieser behilflich sei, die Juden nach Israel
zu schicken, würde er, Herzl, die Juden, die zu dieser Zeit eine große Rolle in
dem bolschewistischen Aufstand gegen den Zaren spielten, überzeugen
auszuwandern, damit der bolschewistische Aufstand unterdrückt werden
könne. Der Plan der Zusammenarbeit mit den Antisemiten, den Herzl in die
Tat umsetzte, wurde von nun an zur Standardprozedur mancher jüdischer
Anführer. Herzl wurde so zum lebhaftesten Befürworter der antisemitischen
Bewegung. Der französische Autor Roger Garaudy schrieb folgendermaßen:
Bevor Herzl 1895 sein Buch
veröffentlichte, sagte ihm einer
seiner Kritiker ins Gesicht: 'Sie
haben den Juden einen fürchter-
lichen Schaden zugefügt.' Herzl
scheute sich nicht, folgendes zu
antworten: "Ich verdiene das Recht
der größte der Judenfeinde zu sein...
Die Judenfeinde werden unsere zu-
vordersten Freunde sein... Die ju-
denfeindlichen Länder werden
unter unseren nächsten Alliierten
sein..."
Theodor Herzl wußte sehr gut,
dass der politische Zionismus des
Begriffs der Judenfeindlichkeit
bedurfte, um die Juden zu überzeu-
gen, nach Israel auszuwandern. Im
folgenden werden wir sehen, dass
dieser Gedanke Herzls für einige
Theodor Herzl, the founder of political Zionism,
Befürworter des politischen stated that reinforcing anti-Semitism was the
Zionismus bis heute die unverän- only way to save the Jews from assimilation
and to convince them to emigrate to Palestine.
derliche Grundlage ist.

47
ADNAN OKTAR

Dieses Vorgehen ließ Behauptungen über Folterungen an Kraft gewin-


nen, die das Ziel hatten, der Judenfeindlichkeit die Nahrung zu bieten, derer
sie am meisten bedurfte, und so die Auswanderung der Juden zu beschleuni-
gen. Hierin lag das Geheimnis der Bemühungen Herzls, der auf der einen
Seite die Zunahme der Judenfeindlichkeit fürchtete, auf der anderen Seite je-
doch diese in Bewegung zu bringen versuchte. Auch die Herzl zukommenden
Warnungen gingen weiter. Der österreichische Parlamentspräsident Baron
Johann von Cholemski schrieb Herzl folgendes:
Wenn es die Bestrebung ihrer Neigungen und ihrer Propaganda ist, die
Judenfeindlichkeit anzufachen, dann werden Sie hierbei erfolgreich sein.
Ich bin vollkommen davon überzeugt, dass als Ergebnis einer solchen
Propaganda die Judenfeindlichkeit wie eine Lawine anschwellen wird,
und sie ihre Rasse in ein Massaker verwickeln werden.10
Herzl und einige andere Zionisten befanden sich also mit den antisemi-
tischen Rassisten auf einem gemeinsamen Nenner. Denn die Zionisten waren
der Überzeugung, dass das Verbringen aller Juden nach Palästina die einzige
Lösung sei, die gleichzeitig auch für die Rassisten tragbar sein würde, die ihre
Rassen vor der Vermischung mit den Juden retten und sie in "reiner" Form be-
wahren wollten. So beglückwünschte der Antisemit Theodor Fritsch,
Herausgeber des bekannten judenfeindlichen Organs Antisemitische
Correspondenz, welches später Deutsch-Soziale Blätter hieß, die Einberufung des
1. Zionistischen Weltkongresses und sandte "die besten Wünsche zur
Ausführung des Plans der Juden, innerhalb kürzester Zeit Deutschland zu
verlassen und sich in Palästina niederzulassen."
Theodor Herzl, der der Ansicht war, dass das mangelnde Wohlbefinden
der Juden in den Ländern, in denen sie lebten, dem Zionismus Schaden zufü-
gen würde, drückte diesen Gedanken – Garaudy zufolge – folgendermaßen
aus: "Wenn die Juden glauben, dass sie für eine lange Zeit in Sicherheit leben,
dann können sie mit jeder beliebigen Gesellschaft verschmelzen. Diese
Tatsache wird uns niemals von Nutzen sein."
Aus diesem Grund war die erste Maßnahme, die nach Ansicht einiger
zionistischer Führer ergriffen werden musste, das Anstacheln der
Judenfeindlichkeit in diesen Ländern. Danach war es erforderlich, die Juden
psychisch unter Druck zu setzen und sie durch provokative Übergriffe in

48
HARUN YAHYA

Unruhe zu versetzen. Das Ergebnis dieser Aktionen bestand in der Erwartung


dieser zionistischen Führer, dass die jüdische Bevölkerung überzeugt sein
werde, nicht an einem sicheren Ort zu leben und nur durch die
Auswanderung auf den "Heiligen Boden" zu retten ist.
Um den Antisemitismus anzufachen, versuchte Herzl eine weitere
Maßnahme umzusetzen, und er fügte seinem Tagebuch Gedanken hinzu,
denen zufolge den Antisemiten die Existenz eines jüdisches Komplotts glaub-
haft gemacht werden sollte um diese gegen die Juden aufzuhetzen. In den
Jahren 1922 und 1923 wurden drei Bände von Herzls Tagebuch veröffentlicht.
Der österreichische Schriftsteller und Herausgeber der Zeitung Österreichische
Wochenschrift Joseph Samuel Bloch, der mit Herzl eng bekannt war, schrieb
folgendes über die Tagebücher:
Die Schreiben an Rothschild und Baron Hirsch sowie die Behauptungen,
dass die Juden in den Ländern, in denen sie sich befanden, gegen die
herrschende Macht aufbegehrten und an Umstürzen teilnahmen, ist ein ausre-
ichender Grund um das jüdische Volk zu vernichten. Herzl zeigte den
Judenfeinden die sicherste Grundlage um das "Judenproblem" zu lösen. Er
beschrieb ihnen den Weg, den sie in ihren zukünftigen Bemühungen zu ver-
folgen hatten. Aus diesem Grund ist dieses Tagebuch ein schrecklicher Beleg.11
Bis zu seinem Tod 1904 bemühte sich Herzl darum, den Antisemitismus
anzufachen und Allianzen mit den Antisemiten einzugehen. Doch aus diesen
Bemühungen ging kein bedeutendes Ergebnis hervor. Die meisten der eu-
ropäischen Juden weigerten sich, auszuwandern.

Der Widerstand der Juden gegen den radikalen Zionismus


Die von Herzl gegründete und nach dessen plötzlichem Tod 1904
ständig wachsende Organisation des Weltzionismus (World Zionist
Organization, WZO) machte es sich zum Ziel Nummer eins, die Juden nach
Palästina zu bringen. Doch trotz aller Ermutigungen der Vereinigung für die
Juden zahlreicher Länder, waren die Auswanderungen nicht in dem er-
warteten Maß durchführbar. Nach 1925 nahm die Auswanderung sogar ab.
Doch als ob das noch nicht genug wäre, gab es sogar Rückkehrer unter den
Auswanderern. In den Jahren zwischen 1926 und 1931 verließen pro Jahr
durchschnittlich 3.200 Juden Palästina. 1932 standen in Palästina 770.000
Arabern 181.000 Juden gegenüber. Die Araber hatten in der Region immer

49
ADNAN OKTAR

Jews in many European countries were forced to live in ghettos. The photograph shows Jews
being forced to leave a ghetto in Poland.

noch eine überwältigende Mehrheit. Die zionistischen Führer wußten ganz


genau, dass sie mit so wenig jüdischer Bevölkerung keinen Staat gründen
konnten.
Vor allem die Juden, die in Deutschland, Frankreich und Amerika lebten,
dachten gar nicht daran, Wohlstand, einen hohen Lebensstandard und eine
Ordnung aufzugeben, in der sie sich eingelebt hatten und nach Palästina
auszuwandern.
Dem Widerstand, den das jüdische Volk dem zionistischen Ruf nach
Auswanderung entgegensetzte, schlossen sich auch weltberühmte Juden an,
wie der Physiker Albert Einstein, der Philosoph Martin Buber und der erste
Präsident der jüdischen Universität Jerusalems, Professor Judah Magnes.
Neben den intellektuellen Juden waren weite Teile der jüdischen Bevölkerung
gegen die Auswanderung, auf die sich manche zionistischen Führer versteift
hatten. In Russland lehnte die jüdische Bevölkerung bis auf einem kleinen
Teilden rassistischen Zionismus ab. Ein Teil der Auswanderer kehrte sogar
nach Russland zurück, weil die Lebensbedingungen in Palästina nicht den
Erwartungen entsprachen.

50
HARUN YAHYA

In den 1920er Jahren hatten die zionistischen Führer geglaubt, dass die
1917 verkündete Balfour Declaration, die grünes Licht für einen jüdischen
Staat in Palästina gegeben hatte, die Einwanderung dorthin beschleunigen
werde. Doch als in den folgenden Jahren diese Rechnung nicht aufging, er-
lebten die Zionisten eine bittere Enttäuschung. In den 1920er Jahren verdop-
pelte sich zwar die jüdische Bevölkerung Palästinas und erreichte 160.000.
Doch die Zahl der Jüdischen Emigranten betrug nur 100.000, von denen 75%
nicht in Palästina blieben. Die Zahl der Einwanderer nach Palästina betrug pro
Jahr ungefähr 8.000. 1927 kamen sogar nur 2.710 Personen an, doch 5.000 wan-
derten aus. 1929 dagegen hielten sich die Zahlen der Ein- und Auswanderer in
Palästina die Waage.
Aus dem Blickwinkel der radikalen Zionisten, war diese Entwicklung
ein riesiges Fiasko. Trotz der massiven Propaganda des WZO war die Zahl der
Einwanderungen nach Palästina gering geblieben. Ende des 19. Jahrhunderts
hatten in Palästina weniger als 50.000 Juden gelebt. Diese Zahl betrug 7% der
palästinensischen Bevölkerung. Doch auch zwei Jahre nach der Balfour
Declaration war die Bevölkerung noch nicht über 65.000 gestiegen. Zwischen
1920 und 1932 waren nur 118.378 Juden nach Palästina gebracht worden, was
nicht einmal einem Prozent der jüdischen Weltbevölkerung entsprach.
Für die Zionisten war klar, dass es auf diese Weise nicht weitergehen
konnte. Ein oder zwei antisemitische Bewegungen reichten nicht aus, um den
Teil der jüdischen Bevölkerung zu überzeugen, der die Auswanderung
ablehnte. Deshalb machten sich einige zionistische Führer daran, das von
Herzl eingeführte und praktizierte Verfahren der Kooperation mit den eu-
ropäischen Nationenwirkungsvoller zu gestalten. Die für die Gründung des
israelischen Staates erforderlichen qualifizierten europäischen Juden mussten
stärker unter Druck gesetzt werden. Das hieß, der Antisemitismus war zu ver-
stärken.

Die ideologische Verwandtschaft zwischen dem radikalen


Zionismus und dem Nationalsozialismus
Herzls Strategie, Allianzen mit den Antisemiten einzugehen, um die
Assimilierung der Juden zum Stillstand zu bringen und ins Gegenteil zu
verkehren, wurde von einigen Zionisten und Rassisten weltweit umgesetzt.
Die Einflussreichsten unter ihnen waren jedoch die deutschen Rassisten. Sie

51
ADNAN OKTAR

stimmten den Absichten der radikalen Zionisten praktisch vollständig


überein.
Der amerikanische Historiker Lenni Brenner, der sich selbst als antizion-
istischen Juden bezeichnet, breitet in seinem Buch Zionism in the Age of
Dictators (Zionismus im Zeitalter der Diktatoren) vor aller Augen die un-
bekannte Geschichte der Allianz zwischen den radikalen Zionisten und den
Antisemiten aus. Wie Brenner betont, begann sich die Annäherung zwischen
sogenannten Zionisten und antisemitischen Rassisten bereits in den ersten
Jahren der zionistischen Bewegung. Zum Beispiel führte Max Nordau, der
zweite Mann der zionistischen Bewegung, am 21. Dezember 1903 ein
Gespräch mit Eduard Drumont, dem Herausgeber der französischen anti-
semitischen Zeitung La Libre Parole.; Das Gespräch wurde damals in dem Blatt

The call for immigration to Palestine, repeated over and over by the World Zionist Organization,
was answered by only a very few number of Jews. An important number of European Jews was
already involved in the assimilation process and did not want to abandon their comfortable ho-
mes for an ambiguous adventure. Those who answered this call were idealist Jews with very
strong religious or national beliefs. Above: Chaim Weizmann, the leader of the WZO, with a gro-
up of young and idealist Jewish immigrants about to leave for Palestine.

52
HARUN YAHYA

Drumonts veröffentlicht. Nordau sagte: "Der Zionismus ist kein Problem der
Religion, sondern der Rasse, und diesbezüglich stimme ich mit niemandem so
sehr überein wie mit Herrn Drumont".
Eines der Themen in Brenners Buch ist die ideologische Parallele zwis-
chen deutschen Rassisten und radikalen Zionisten. Dementsprechend befan-
den sich die Blut und Boden Parolen, die sich vor dem 1. Weltkrieg rasch unter
Deutschlands Intellektuellen verbreiteten, in völliger Übereinstimmung mit
den Behauptungen der rassistischen Zionisten. Dieser Ideologie zufolge ver-
fügte die deutsche Rasse über ein nur ihr eigenes Blut und musste auf dem ihr
gehörenden Boden leben. Die Juden waren nicht von deutschem Blut, konnten
niemals ein Teil des deutschen Volkes werden und besaßen deshalb auch kein
Recht, auf deutschem Boden zu leben. Wie Brenner betont, unterstützten die
rassistischen Zionisten alle Argumente der Blut und Boden Rassisten; Denn
auch nach Ansicht der radikalen Zionisten waren die Juden kein Teil des
deutschen Volkes und durften sich deshalb nicht mit deutschem Blut vermis-
chen. Das Beste was demnach zu tun war, war die Rückkehr auf den eigenen
Boden, also nach Palästina.
Indem die radikalen Zionisten die Behauptungen des deutschen
Rassismus teilten, bestätigten sie den Antisemitismus. Wenn die Juden kein
Teil des deutschen Volkes waren, dann war der Wunsch der deutschen
Rassisten richtig, die Juden zu isolieren und zu entfernen. Nach der
Vorstellung der radikalen Zionisten hatten die Juden selbst Schuld an der
Existenz des Antisemitismus, da sie beharrlich auf einem Boden lebten, der
ihnen nicht gehörte und sich mit einer fremden Rasse vermischten; So fachten
sie angeblich selbst den Antisemitismus an. Die Schuld lag also nicht bei den
Antisemiten, sondern bei den assimilierten Juden. Jahre später fasste Chaim
Greenberg, ein radikaler Zionist, diese abstruse Logik in Jewish Frontier, dem
Presseorgan der Zionisten, folgendermaßen zusammen: "Um ein guter Zionist
zu sein muss man bis zu einem gewissen Grad Antisemit sein."12
Hierzu meint Lenni Brenner folgendes:
Wenn man an den Begriff der Reinheit der Rasse glaubt, kann man den
Rassismus eines anderen nicht zurückweisen. Wenn man ausserdem
glaubt, dass sich eine Rasse nur in ihrem eigenen Heimatland
wohlfühlen kann, dann kann man nicht dagegen sein, wenn andere
Fremde von ihrem Territorium ausschliessen.13

53
ADNAN OKTAR

Die ideologische Verwandtschaft zwischen Nazis und radikalen


Zionisten berührt auch der amerikanische Geschichtsprofessor an Saint
Michael's College (Vermont), Francis R. Nicosia in seinem Buch The Third Reich
and the Palestine Question (Das Dritte Reich und die palästinensische Frage).
Nicosia zufolge weisen die radikalen Zionisten nicht nur mit den Nazis, son-
dern auch mit deren Vorläufern, den Rassisten des 19. Jahrhunderts große ide-
ologische Verwandtschaft auf. Einer von ihnen war Arthur de Gobineau. 1902
wurden in der Zeitung Die Welt, die von der Zionistischen Weltorganisation
(WZO) herausgegeben wurde, Artikel veröffentlicht, die die Ideen Gobineaus
lobten und dessen Bewunderung der Reinheit der jüdischen Rasse mit
Hochachtung würdigten. Vor dem 1. Welkrieg waren einige bedeutende
Zionisten wie Elias Auerbach und Ignaz Zollschan, Arthur de Gobineau und
Houston Stewart Chamberlain zu den feurigen Befürwortern der rassistis-
chen Philosophie geworden.14
Francis Nicosia beschreibt auch die Affinität, die die Antisemiten den
Zionisten gegenüber empfanden. Interessanterweise hatten die Antisemiten
bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, also zu einer Zeit als der politische
Zionismus noch nicht existent war, den Transfer der europäischen Juden nach
Palästina befürwortet. Einer von ihnen war der rassistische deutsche Denker

54
HARUN YAHYA

Johann Gottlieb Fichte. Fichte, der die Säuberung von allen Minderheiten, ins-
besondere von Juden befürwortete, um den deutschen Volksgeist zu stärken,
betrachtete die Tatsache, dass Juden und Deutsche die gleichen Rechte hatten,
als Katastrophe und schrieb, dass die einzige Lösung für das Judenproblem
deren Verbringen nach Palästina sei. Diese Gedanken Fichtes wurden von der
am Ende des Jahrhunderts rasch zunehmenden Zahl von Gleichgesinnten un-
verändert übernommen. Einer davon war Eugen Dühring.15
Die Sympathie der Antisemiten für den Zionismus setzte sich nach dem
1. Weltkrieg in der Zeit der Weimarer Republik fort. Nicosia lenkt die
Aufmerksamkeit auf die Gedanken der bedeutenden Antisemiten der
Weimarer Republik wie Wilhelm Stapel, Hans Blüher, Max Wundt und
Johannes Peperkorn, die der Ansicht waren, der Zionismus sei die beste
Lösung für das Judenproblem.
Bewertet man den Zionismus nur als eine Strömung, die auswan-
derungswillige Juden bei ihrer Einwanderung nach Palästina unterstützte,
dann ist daran nichts außergewöhnliches zu bemerken. Doch die
Zusammenarbeit zwischen Antisemiten und radikalen Zionisten enthielt
gefährliche Elemente, insbesondere den Rassismus, der in keiner Weise mit
der religiösen Moral übereinstimmt. Beide Gruppen unterstützten sich hin-
sichtlich ihrer rassistischen Ziele und vermieden auch nicht die Anwendung
von Gewalt. So war es die jeweils eigene Bevölkerung , die Schaden durch die
Praktiken der radikalen Gruppierungen erlitt, die die radikalen Zionisten un-
terstützen. Die rassistischen Zionisten sahen meistens darüber hinweg und
wurden später sogar selbst eine Ursache dieser Benachteiligung.

Die Kooperation des radikalen


Zionismus mit dem Nationalsozialismus
Wenn man sagt, zwischen dem Zionismus und dem mit
Judenfeindlichkeit aufgeladenen deutschen Rassismus bestehe eine
Verwandschaft, erscheint dies zunächst als Widerspruch, doch es war für
beide Seiten eine Zweckgemeinschaft. Einer der Zionisten, Jacob Klatzkin, er-
läuterte dies in einem Aufsatz von 1925 folgendermaßen:
Wenn wir nicht akzeptieren, dass der Antisemitismus eine gerechtfer-
tigte Bewegung ist, dann weisen wir auch unseren eigenen
Nationalismus zurück. Wenn unser Volk seine eigene Identität schützen

55
ADNAN OKTAR

und seine eigene Lebensweise fortführen will, dann ist es ein


Fremdkörper in den Nationen in denen es lebt. Deshalb haben sie das
Recht, uns zu bekämpfen um ihre eigene nationale Identität zu
schützen... Die auf uns entfallende Aufgabe ist nicht, die Antisemiten zu
bekämpfen, die die sozialen Rechte der Juden vermindern wollen, son-
dern vielmehr, unsere Freunde zu bekämpfen, die die sozialen Rechte
der Juden verteidigen wollen.16
Die Sympathie des radikalen Zionismus für den Antisemitismus war
zunächst in einigen Reihen der Zionistischen Weltorganisation (WZO) verbre-
itet. Chaim Weizmann, der nach Theodor Herzl der zweite Führer der WZO
werden sollte – 1948 wurde er erster Staatspräsident Israels – betonte häufig
seine Sympathie gegenüber dem Antisemitismus. In einer Rede, die er 1912
vor deutschen Juden hielt, sagte er "Jedes Land kann, wenn es nicht
Magenschmerzen bekommen will, nur eine bestimmte Zahl Juden vertragen",
und er fügte hinzu: "In Deutschland gibt es sowieso schon mehr Juden als
notwendig." Während einer Unterredung mit dem englischen Außenminister
Lord Balfour sagte er 1914: "Wir stimmen vollkommen mit den kulturellen
Antisemiten überein. Auch uns stört der Begriff 'Deutsche mit jüdischem
Glauben' in höchstem Maße, denn dies ist ein demoralisierendes
Phänomen."17
Diese Gedanken, die in einigen Teilen der WZO vorherrschten, wurden
auch von manchen Mitgliedern der Zionistischen Vereinigung für
Deutschland (ZVfD), dem deutschen Arm der Organisation geteilt. Die war
eine der beiden großen jüdischen Vereinigungen in Deutschland. Die andere
war die der Deutschen jüdischen Glaubens, der von assimilationswilligen
Juden ins Leben gerufene Centralverein (CV). Natürlich waren ZVfD und CV
bei zentralen Themen unterschiedlicher Auffassung. Die ZVfD war der
Überzeugung, dass die Juden eine Rasse seien, für den CV waren die Juden
lediglich eine religiöse Gemeinschaft.
Die größte Meinungsverschiedenheit bestand jedoch beim Thema
Antisemitismus. Für die dem CV verbundenen Assimilationswilligen war der
Antisemitismus die größte Gefahr und sie unternahmen alles, um dieses Virus
zu vernichten, der ihr glückiches Leben in Deutschland bedrohte. Die
Zionisten dagegen, die glaubten, dass der Assimilationismus das eigentliche
Virus war, waren trotz der Beunruhigung über das Anwachsen des

56
HARUN YAHYA

Antisemitismus der Ansicht, dass dieser eine positive Entwicklung sei. Kurt
Blumenfeld, der zunächst Generalsekretär der ZVfD und dann ihr
Vorsitzender war, gehörte zu den ersten Juden, die den Antisemitismus be-
wunderten. Blumenfeld akzeptierte mit Brenners Worten "…vollkommen die
antisemitische Ansicht, dass Deutschland der arischen Rasse gehört und die
Übernahme einer offiziellen Aufgabe durch einen Juden in Deutschland ein
Angriff auf die Angelegenheiten eines anderen Volkes sei."18
Die deutschen Antisemiten waren in erster Linie die Nazis. Zu Beginn
der 1920er Jahre tauchten sie auf den Straßen Deutschlands auf. Hitler unter-
nahm 1923 mit diesen ungebildeten, rassistischen und aggressiven Fanatikern
seinen Putschversuch in München. In den Jahren, in denen die Nazibewegung
geboren wurde, begann bereits die Zusammenarbeit zwischen Nazis und
radikalen Zionisten. Die radikalen Zionisten bemühten sich ständig um eine
Annäherung an die Nazis und andere Antisemiten. Hitler sandte auch bedeu-
tungsvolle Botschaften an die andere Seite. Wie Francis Nicosia bemerkte,
hatte der Naziführer zu Beginn der 1920er Jahre in allen Reden, die er über das
"Judenproblem" hielt, davon gesprochen, dass die Lösung allein in der
Transferierung der Juden aus
Deutschland heraus liegen würde.
Diese Linie Hitlers unterschied sich
von den grobschlächtgen und unge-
bildeten Antisemiten, die Pogrome an
Juden verübten. In einer Rede am 6.
April 1920 in München sagte er, falls
keine Pogromkampagne auf die jüdis-
che Gemeinschaft verübt werde,
müsse die gesamte Energie des
Nationalsozialismus auf die
Vertreibung der Juden aus
Deutschland verwendet werden. Er
sprach auch deutlich darüber, wie dies
zu machen sei. "Nötigenfalls werden
wir mit dem Teufel zusammenar-
Chaim Weizmann, the leader of the World Zi-
beiten". Damit meinte er die Allianz onist Organization, and Lord Arthur James
mit den rassistischen Zionisten. In Balfour, British Foreign Secretary

57
ADNAN OKTAR

einer Rede am 29. April dagegen sagte er: "Wir werden unseren Kampf fort-
führen, bis der letzte Jude aus Deutschland vertrieben ist."19 In einem Brief
vom 16. September 1919 schrieb Hitler:
Ein Antisemitismus, der auf emotionaler Antriebskraft beruht, drückt
sich selbst stets durch Pogrome aus. Der rationale Antisemitismus jedoch
ist gezwungen, ein planmäßiges und systematisches Programm für die
Aufhebung der den Juden erteilten sozialen Rechte und die Entfernung
der Juden aus dem Land durchzuführen.20
Die "Entfernung der Juden aus dem Land" war von Alfred Rosenberg,
dem wichtigsten Ideologen der Nazis, als Ziel dargestellt worden. Rosenberg
war denn auch der Urheber der Idee, zu diesem Zweck mit den radikalen
Zionisten zusammenzuarbeiten. Der Naziideologe schrieb in Die Spur des
Juden im Wandel der Zeiten, die im Jahr 1919 veröffentlicht wurde: "Der
Zionismus muss aktiv unterstützt werden, um die in Deutschland befind-
lichen Juden aus dem Land zu verbringen und nach Palästina zu schicken."21
Lenni Brenner meint in seinem Buch hierzu: "Die Idee Rosenbergs, mit den
radikalen Zionisten zusammenzuarbeiten, um die Juden Deutschlands von
der Gesellschaft zu isolieren und sie in einem zweiten Schritt nach Palästina
zu schicken, wurde mit der Machtergreifung der Nazis zu einer wirklichen
Allianz."22
Die Nazibewegung, die aus einem radikalen deutschen Rassismus und
einem diesem verbundenen Antisemitismus bestand, aufgrund der Schwäche
der Weimarer Republik, und der sozialpsychologischen Situation der
Deutschen kam 1933 an die Regierung. Dieser Sieg der Nazis erfreute manche
Zionisten so sehr, als ob sie selbst an die Regierung gekommen wären.

Die ersten Regierungsjahre der Nazis


und die radikalen Zionisten
Als die Nazis an die Regierung kamen, stellten die deutschen Juden 0,9%
der deutschen Bevölkerung. Doch in wirtschaftlicher Hinsicht waren sie von
wesentlich größerer Bedeutung. Die meisten verfügten über einen hohen
Lebensstandard. 60% von ihnen waren Geschäftsleute, der Rest Handwerker,
Religionsgelehrte, Studenten und in geringem Maße Arbeiter. Obwohl sie
zahlenmäßig klein waren, stellten sie doch die bedeutendste rassische
Minderheit in Deutschland dar, und es war eines der allerersten Ziele der

58
HARUN YAHYA

Nazipolitik, die Juden los zu werden, um die deutsche Rasse rein zu halten.
Die Reinheit der Rasse war für die Nazis von so großer Bedeutung, dass Hitler
sogar versuchte, junge deutsche Männer und Frauen, die die "idealen"
Eigenschaften besaßen, in "Reproduktionsanstalten" zu bringen und so eine
neue, überlegene arische Rasse zu züchten. Zur Reinhaltung der Rasse war es
zunächst erforderlich, die Juden von den Deutschen zu isolieren und diese in
einem zweiten Schritt aus dem Land zu entfernen.
Dies war auch der Wunsch der radikalen Zionisten. Aus diesem Grund
begannen beide Seiten eine Beziehung herzustellen und dies bereits, als die
Nazibewegung noch auf dem Weg zur Regierung war. Eine der absonderlich-
sten Verbindungen war die zwischen einem der Vorstände des ZVfD, Kurt
Tuchler, und dem hochrangigen SS Offizier Baron Leopold Itz Edler von
Mildenstein. Tuchler hatte mit Mildenstein eine lange Besprechung während
der er ihm erklärte, wie groß die Parallelen zwischen dem Zionismus und der
Nazibewegung seien und er überzeugte ihn, eine den Zionismus lobende
Artikelreihe in den Presseorganen der Nazis zu veröffentlichen. Doch der SS
Offizier Mildenstein beließ es nicht nur dabei,
sondern nahm auch den Vorschlag Tuchlers an,
gemeinsam eine Reise nach Palästina zu un-
ternehmen. Nachdem Hitler an die Regierung
gekommen war, machten sich der radikale
Zionist und der SS Mann gemeinsam mit ihren
Frauen auf eine sechsmonatige Palästinareise.
Nach seiner Rückkehr fuhr Mildenstein in
seinen Artikeln fort, den radikalen Zionismus
mit Lob zu überschütten.23 Derartige Kontakte
gab es während der ersten Monate der
As early as 1920, the Nazi ideolo- Naziregierung auch auf höchster Ebene: Im
gist Alfred Rosenberg had menti- März 1933 traf sich Hermann Göring mit einer
oned the necessity of collabora-
aus radikal zionistischen Führern bestehenden
ting with radical Zionists to de-
port the Jews from Germany. jüdischen Abordnung.
Das Ereignis, das die Einstellung der
radikalen Zionisten den Nazis gegenüber am besten zum Ausdruck bringt, ist
das Memorandum, das die ZVfD am 21. Juni 1933 der Nazispitze zukommen

59
ADNAN OKTAR

The Nazi ideology, which dictated that the Germans and the Jews were two races that should
not mix with each other, was completely shared by racist Zionists. On this basis was erected the
radical Zionist-Nazi alliance. Above: Hitler with his SAs during his climb to power.

ließ. In diesem Dokument, das bis zum Jahre 1962 unentdeckt blieb, kommt
der Vorschlag zur Zusammenarbeit ans Tageslicht, den die radikalen, rassis-
tischen Zionisten den Nazis unterbreiteten. Im Folgenden einige interessante
Zeilen aus diesem langen Brief:
... Innerhalb des neuen deutschen Staates, der auf der Grundlage der
Rasse gegründet wurde, wollen auch wir die allgemeine Struktur un-
serer Glaubensgemeinschaft anpassen und in dem uns zugeteilten Feld
für das Vaterland von Nutzen sein... Unsere Bindung an den jüdischen
Nationalismus befindet sich in großer Harmonie und guter Beziehung
mit den nationalen und rassischen Gegebenheiten der deutschen Nation.
...Denn auch wir sind gegen Mischehen und verteidigen die
Blutsreinheit der jüdischen Nation... Deshalb kann das selbstbewußte
Judentum, das wir hier definieren und in dessen Namen wir sprechen,
einen Platz innerhalb des neuen deutschen Staates finden... Wir sind der
Überzeugung, dass zwischen den Juden, die über das Bewußtsein der

60
HARUN YAHYA

Religionsgemeinschaft verfügen und dem deutschen Staat eine


aufrichtige und enge Zusammenarbeit entstehen kann. ...Wir haben die
Hoffnung, dass der Zionismus für seine praktischen Zwecke auch die
Unterstützung einer Regierung gewinnen kann, die den Juden feindlich
gesinnt ist...24
Lenni Brenner meint folgendes zu diesem Memorandum:
In diesem Dokument, das ein offener Verrat an den deutschen Juden ist,
unterbreiten die deutschen Zionisten den Nazis eine gut kalkulierte
Allianz. Das endgültige Ziel dieser Zusammenarbeit ist die Gründung
eines jüdischen Staates. Die Mitteilung an die Nazis ist ganz simpel: Wir
werden nie gegen euch kämpfen und nur die bekämpfen, die gegen euch
sind.25
Der Rabbiner Joachim Prinz, der sich in der Gruppe radikaler Zionisten
befand, die dieses Memorandum verfasste, erklärte in späteren Jahren folgen-
dermaßen, weshalb dies unternommen wurde:
Es gab kein anderes Land
auf der Welt, das sich wie
Deutschland für die
Lösung des Judenproblems
anstrengte. "Die Lösung
des Judenproblems." Dies
war sowieso unser zionis-
tischer Traum! Niemals
wiesen wir die Existenz des
Judenproblems zurück!
Dissimilation. Dies war
sowieso unser größter
Wunsch...26

The authorities of the Zionist Federa-


tion of Germany (ZVfD) at the 19th Zi-
onist Congress. The man at far left is
Kurt Blumenfeld, leader of the ZVfD
and the foremost architect of the alli-
ance established with Hitler.

61
ADNAN OKTAR

An erster Stelle der Faktoren, die die Nazis und die radikalen Zionisten
zusammenführten, stand der Glaube an die Existenz eines Judenproblems.
Beide Seiten betrachteten die Existenz der Juden in Europa als ein Problem
und waren der Ansicht, Juden und Nichtjuden könnten nicht miteinander
leben. Demgegenüber wollten die assimilationistischen Juden nicht einmal
die Existenz eines solchen Problems akzeptieren. Dies wiederum war in den
Augen der radikalen Zionisten ein offener Verrat. Aus diesem Grund began-
nen sie von der Notwendigkeit zu sprechen, dass Druck und Gewalt jene
Juden gefügig machen würde, die die Existenz dieses Problems nicht an-
erkannten und die in den Augen der radikalen Zionisten ihre Identiät verloren
hatten. Die Jüdische Rundschau, das wöchentliche Presseorgan des ZVfD be-
gann Artikel zu veröffentlichen, die den Assimilationisten von allen Seiten
stark zusetzten. Robert Weltsch, der Herausgeber der Zeitschrift schrieb zum
Beispiel folgendes:
In den Krisenzeiten seiner Geschichte erlitt das jüdische Volk stets die
Strafe für seine eigene Schuld. In einem unserer wichtigsten Gebete wird
der Ausdruck "wegen unserer Sünden wurden wir aus unserer Heimat
vertrieben" verwendet... Heute sind die Juden schuldig, weil sie Theodor
Herzls Aufruf überhören wollten... Sie sind schuldig, weil sie ihr
Judentum nicht mit Stolz trugen, versuchten, das Judenproblem unter
den Teppich zu kehren, und nun müssen sie die Strafe dafür erleiden,
dass sie das Judentum hinten angestellt haben.27
Die Logik der radikalen Zionisten war klar: Die assimilationistischen
Juden hatten mit ihrer Nichtbeachtung des Aufrufs und dem Zurückweisen
ihrer eigenen rassischen Identität eine große Sünde begangen und würden
dafür mit der Unterdrückung durch die Nazis bestraft. Während die Jüdische
Rundschau zum einen Artikel veröffentlichte, die die Assimilationisten auf
das Heftigste angriffen, erschienen andererseits Aufsätze, die die Ansprüche
der Nazis erklären sollten. Der Generalsekretär der ZVfD, Kurt Blumenfeld,
schrieb im April 1933 in einem Aufsatz folgendes: "Wir, die auf diesem Boden
als Fremde leben, sind verpflichtet dem rassischen Bewußtsein der deutschen
Nation und deren rassischen Interessen große Hochachtung zu zeigen."28 Der
Rabbiner Joachim Prinz, ein radikaler Zionist, erklärte, dass Zionisten sich
lediglich mit Nationalsozialisten, also Rassisten wie ihresgleichenverständi-
gen könnten: "Ein Staat, der auf den Prinzipien der Reinheit der Nation und

62
HARUN YAHYA

der Rasse gegründet ist, wird den Juden, die an die gleichen Prinzipien
glauben, mit der gleichen Achtung begegnen."29
Kurze Zeit nachdem die Nazis an die Regierung gekommen waren,
gaben sie Gesetze heraus, die zahlreiche Rechte der Juden einschränkten.
Doch diese Politik störte die radikalen Zionisten keineswegs, da sie dachten,
dass die Nazis mit den von ihnen erlassenen anti-assimilationistischen
Gesetzen den Juden Gutes erwiesen. Der Presseverantwortliche der
Nationalsozialisten A. I. Berndt äußerte sich in einem Interview mit der
Jüdischen Rundschau folgendermaßen:
Die erlassenen neuen Gesetze sind für die Juden nützlich und mo-
tivierend. Die Möglichkeit der jüdischen Minderheit Deutschlands, den
ihr eigenen Lebensstil zu führen, ist hilfreich zur Stärkung des na-
tionalen Charakters des Judentums und sie kann die Beziehungen zwis-
chen beiden Völkern auf die rechte Basis stellen.30
Auf dieser Logik gründete eine der seltsamsten Allianzen der
Geschichte. Die Beziehungen, die während der ersten Monate der
Naziherrschaft mit Gunstbeweisen begannen, wurden innerhalb kürzester
Zeit zu einer in höchstem Maße konkreten und organisierten
Zusammenarbeit.
Die radikalen Zionisten bemerkten sehr wohl die Judenantipathie der
Nazis und wünschten deren Anwachsen, obwohl sie sich auch über deren
Gefahr im Klaren waren. Jedes Gesetz, das die Nazis zuungunsten der Juden
verabschiedeten, machte sie noch zufriedener. Brenner schreibt:
Je mehr die Nazis die Schrauben bei den Juden anzogen, umso mehr fes-
tigte sich der Glaube der Zionisten bezüglich einer Allianz mit den
Nazis. Ihrer Meinung nach würden die Nazis den Zionismus umso drin-
gender benötigen, je mehr sie die Juden aus der deutschen Gesellschaft
ausstießen.31

Der Aufruf an die deutschen Juden für die Wahl Hitlers


Bis jetzt haben wir stets betont, dass bezüglich der Nazis eine offene
Meinungsverschiedenheit zwischen den Assimilationisten und den radikalen
Zionisten bestand, und dass die assimilationistischen Juden den
Nationalsozialismus mit Hass begegneten, während radikale Zionisten und

63
ADNAN OKTAR

Nazis als Alliierte angesehen wurden. Der Unterschied zwischen beiden


Seiten, nämlich zwischen der zionistischen Vereinigung für Deutschland
(ZVfD) und dem Centralverein (CV), den die Assimilationisten, also die
Deutschen jüdischen Glaubens gegründet hatten, ist anhand ihrer
Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber den Nazis deutlich
erkennbar. Dieser große Unterschied zwischen den Assimilationisten und den
radikalen Zionisten wird auch deutlich in der Gegnerschaft der
Assimilationisten zu den faschistischen Regimes außerhalb Deutschlands.
Allgemein kann man sagen, dass sich die radikalen Zionisten gut mit dem
faschistischen Umfeld verstanden, die Assimilationisten jedoch beiden
Gruppierungen kritisch gegenüberstanden.
Doch es gab auch Ausnahmen. Unter den assimilationistischen Juden
und insbesondere im von der linken Bedrohung beunruhigten Bürgertum gab
es Bestrebungen, die mit den Faschisten eine Allianz eingehen wollten. Ein
deutliches Beispiel hierfür ist der Verband nationaldeutscher Juden (VnJ), die
zweitwichtigste Vereinigung in Deutschland nach dem CV. 1934 begann der
VnJ eine wirkungsvolle Kampagne, um die Macht Hitlers zu festigen. Die New
York Times berichtete auf Seite zwei ihrer Ausgabe vom 18. August 1934 von
dieser Kampagne und veröffentlichte die Aufforderung an alle deutschen
Juden, ihre Stimme für die Kanzlerschaft Hitlers zu geben.
Wir als der 1921 gegründete Verband nationaldeutscher Juden halten un-
sere Interessen im Krieg und im Frieden nicht über denen des deutschen
Volkes und der deutschen Nation. Doch auch wenn es uns Unbehagen
bringt, so begrüßen wir den Aufstand, der im Januar 1933 Hitler an die
Regierung brachte... Wir beglaubigen die Größe von Hitlers
Kanzlerschaft und der historischen Bedeutung seiner Bewegung. Wir als
die Juden, die der deutschen Nation geistig und materiall verbunden
sind, kennen keine andere Nation außer Deutschland. Wir unterstützen
die Gemeinschaft von Hitlers Kanzlerschaft und den zugehörigen
Behörden und empfehlen allen sich Deutsch fühlenden Juden mit
Nachdruck, am 19. August Hitler die Stimme zu geben.32

Die Überwindung des Anti-Nazi Boykotts


mit Hilfe der radikalen Zionisten
Ohne Zweifel war der VnJ eine Ausnahme und man kann nicht sagen,

64
dass die Sympathie, die er für die Nazis empfand von der Mehrheit der assim-
ilationistischen Juden geteilt wurde. Nicht nur die Assimilationisten
Deutschlands, sondern auch die der anderen westlichen Länder verfolgten
den Aufstieg Hitlers zum Führer Deutschlands mit großer Sorge. Im
Gegensatz zu den Bemühungen der radikalen Zionisten begannen sie gemein-
sam mit anderen Gruppen, die sich dem Faschismus entgegenstellten, Wege
zu suchen, den Nazis Widerstand zu leisten.Zum ersten Mal rief am 19. März
1933 die in New York ansässige, jüdische assimilationistische Vereinigung
Jewish War Veterans (JWV) zu einem Boykott gegen deutsche Produkte auf
und organisierte vier Tage später eine große Protestveranstaltung gegen die
Nazis. Die Assimilationisten gründeten die Anti-Nazi Vereinigung mit
Namen Non-Sectarian Anti-Nazi League, die alle Amerikaner zum Boykott von
Naziprodukten aufrief. Dieser Boykott sprang kurze Zeit später auf Europa
über und zeigte seine Wirkung. Dies war für die deutsche Industrie, die sich
gerade mit großem Elan entwickelte, alles andere als positiv. Die beiden
größten Absatzmärkte Deutschlands waren Amerika und Europa, der auf bei-
den Märkten von den Assimilationisten begonnene Boykott ließ den Absatz
deutscher Produkte enorm sinken.
An diesem Punkt kam den Nazis jemand zu Hilfe und weitete den
Engpass, in dem sich die Wirtschaft der Nazis befand. Wer aber war dies?
Natürlich die radikalen Zionisten. Während die assimilationistischen
Juden den Boykott ausriefen, um die Nazis wirtschaftlich zu Fall zu bringen,
reichten die radikalen Zionisten ihren Alliierten die Hand.
Doch die radikalen Zionisten hatten ihre nazifreundlichen Bemühungen
schon begonnen bevor der Boykott anfing. Alle von den jüdischen
Vereinigungen gemachten Vorschläge zum Boykottaufruf wurden von den so-
genannten Zionisten beharrlich zurückgewiesen.
Auch die Zionistische Weltorganisation (WZO) bemühte sich, den
Boykottaufruf zu verhindern. Als sie dabei nicht erfolgreich waren, bemühten
sie sich, die wirtschaftliche Notlage ihrer Nazifreunde zu lösen. Brenner
meint: "Die WZO beließ es nicht dabei, deutsche Waren zu kaufen, sie wurde
auch zum Vermittler für deren Verkauf und fand sogar neue Kunden für
Hitler und die ihn unterstützenden Industriellen."33

65
ADNAN OKTAR

Soon after the Nazis came


to power, Western democra-
cies started an effective
boycott against the Nazis.
Especially in the United Sta-
tes, the boycott started by
the assimilationist Jews,
leftists and liberals seri-
ously dropped the sales of
the Nazi goods and caused
a crisis in the Reich eco-
nomy. Radical Zionists hel-
ped the Nazis overcome this
boycott during these hard
times. Left: A Nazi flag bur-
ned during a boycott
protest in Chicago.

The reasoning behind this behavior was that some people at the WZO
administration saw Hitler as a blessing. Der radikale Zionismus erhielt dank
Hitler großen Rückhalt und war der Meinung, dass dank diesem die Juden,
die ihr rassisches Bewußtsein verloren hatten, Vernunft annehmen und nach
Palästina auswandern würden. Emil Ludwig, ein Schriftsteller der zu dieser
Zeit einflußreichen radikalen Zionisten, drückte die Einstellung der WZO fol-
gendermaßen aus:
Der Name Hitler wird vielleicht in ein paar Jahren vergessen sein. Doch
ich bin sicher, dass in Palästina ein pompöses Hitlerdenkmal aufgestellt
werden wird... Tausende von Juden, die ihr Judentum vergessen haben,
konnten dank ihm zu ihrer Identität zurückgebracht werden. Aus
diesem Grund empfinde ich ihm persönlich gegenüber eine große
Dankbarkeit.34

66
HARUN YAHYA

Chaim Nachman Bialik, einer der


bekannten radikalen Zionisten sagte:
"Das Hitlerregime rettete die in den
Klauen der Assimilierung befindlichen
deutschen Juden vor dem
Verschwinden" und fügte, indem er die
ideologische Verwandtschaft mit Hitler
betonte hinzu: "Ebenso wie Hitler
glaube auch ich an die Kraft des
Blutgedankens".35
Der italienische Jude Enzo Sereni,
der in den Reihen der WZO kämpfte,
drückte sich mit ähnlichen Worten aus:
"Der Antisemitismus Hitlers wird für
Stephen Wise, leader of the American
die Rettung der Juden von Nutzen sein." Jewish Congress (AJC)
Er sagte auch folgendes:
Um Palästina aufzubauen ist es nichts Schändliches, die Notlage der
Juden in Deutschland auszunutzen. Dies haben uns die alten Führer und
unsere Vorväter gelehrt: Die Katastrophe, die den Juden der Diaspora
zustößt, zum Neuaufbau zu benutzen,.36
Die radikalen Zionisten waren so erfreut über die "Lösung" der Nazis,
der sich die deutschen Juden gegenüber sahen, dass sie daran dachten, diese
zu benutzen um die assimilationistischen Juden anderer Länder zur Räson zu
bringen. Der amerikanische Rabbiner Abraham Jacobson sagte 1936 als
Reaktion auf die Logik der rassistischen Zionisten:
Wer weiß wie oft wir rücksichtsloses Gerede dergestalt zu hören bekom-
men, dass, um die am Zionismus desinteressierten amerikanischen
Juden auf den rechten Weg zu bringen, ein Hitler von Nöten sei. Diesen
Reden zufolge sind die Juden nur dann zu überzeugen nach Palästina zu
gehen...37
Für die Hitler so nahe stehenden radikalen Zionisten gab es nichts was so
natürlich war, wie mit den Nazis eine wirtschaftliche Zusammenarbeit
einzugehen. Und so geschah es auch. Die größte wirtschaftliche
Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten geschah in Gestalt des
Auswanderungsabkommens namens Ha'avara, das den Transfer der

67
ADNAN OKTAR

deutschen Juden mit ihrem Vermögen nach Palästina vorsah. Parallel zu


diesem Abkommen sicherten die radikalen Zionisten den Verkauf deutscher
Waren in Palästina zu. Nach einiger Zeit wuchsen die Geschäfte weiter an und
die WZO benutzte die Schiffe der Nazis, um Orangen nach Belgien und
Holland zu exportieren. 1936 begannen die Vertreter der WZO deutsche
Produkte in England zu verkaufen.
Doch darauf blieb die Zusammenarbeit zwischen radikalen Zionisten
und Nazis nicht beschränkt. Einige Zionisten sicherten deutschen
Waffenproduzenten auch die Devisenquellen. Albert Norden wies in seinem
Buch So werden Kriege gemacht? außerdem auf eine andere wirtschaftliche
Zusammenarbeit zwischen Nazis und radikalen Zionisten hin. Dabei fällt auf,
dass die Rohstoffe, die für Deutschland von strategischer Bedeutung waren,
von einem zionistischen Unternehmen namens International Nickel Trust
bereitgestellt wurden. Es verfügte über 85% der Nickelproduktion in den kap-
italistischen Ländern. Ein Jahr nachdem Hitler die Regierung übernommen
hatte, wurde zwischen der deutschen IG Farben und dem genannten
Unternehmen ein Vertrag unterzeichnet. Dieser sah vor, dass mehr als die
Hälfte der Nickelproduktion Deutschlands von dem International Nickel
Trust abgenommen werden würde. Auf diese Weise sparte Deutschland 50%
an Devisen ein.

Die radikalen zionistischen Finanziers Hitlers


Auch einige zionistische Finanziers westlicher Länder gewährleisteten
Hitler große finanzielle Unterstützung. Diese Unterstützung, die manchmal
auf Vermittlung der WZO geschah, besaß einen großen Anteil am Erstarken
Nazideutschlands.
Die Unterstützung, die Hitler von manchen Juden zuteil wurde, sollte
später zu einem Alptraum gerade für Juden werden. Denn die Politik, die ver-
folgt wurde, um die radikalen Ansichten eines Teils der Juden zu verwirk-
lichen und die ausschließlich materiellen Einnahmen eines anderen Teils
sicherzustellen, kostete zahlreiche ihrer Menschen das Leben.
Die geheimen Beziehungen Hitlers werden in unterschiedlichen Quellen
ausführlich dargestellt. Diesen Quellen zufolge war einer derjenigen, der bei
der Finanzierung Hitlers eine große Rolle spielte, Clarence Dillon (1882-1979),
einer der reichsten Männer Amerikas. Dillon, der als Kind zweier amerikanis-

68
HARUN YAHYA

cher Juden namens Samuel und Bertha Lapowski (oder auch Lapowitz) zur
Welt gekommen war, arbeitete während des 1. Weltkrieges als rechte Hand
des berühmten jüdischen Kapitalisten Bernard Baruch. Die Beziehungen zu
Hitler stammen jedoch aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Dillon leistete einen
großen Beitrag zu den Kriegsvorbereitungen des Reiches.
Unter den Helfern Hitlers befand sich auch die berühmte
Erdölgesellschaft Royal Dutch Shell, die von der jüdischen Dynastie der
Samuel gegründet worden war. Zwischen dem Leiter des Unternehmens, Sir
Henry Deterding und dem Naziideologen Alfred Rosenberg fand im Mai 1933
ein geheimes Treffen auf dem Landsitz der Deterdings in England statt, der
eine Meile von Schloß Windsor entfernt liegt. Als Ergebnis der danach noch
lang anhaltenden Beziehungen flossen unter Vermittlung von Deterding ins-
gesamt 30 Millionen englische Pfund von der jüdischen Familie Samuel zu
Hitler.
Alle diese Informationen zeigen uns, dass eine sehr enge Beziehung be-
stand zwischen der Nazibewegung und manchen jüdischen Kapitalisten, die
den radikalen Zionismus übernommen hatten und dass der deutsche "Führer"
von diesen Kapitalisten finanziert worden
ist. Interessanterweise gab Hitler diese
Tatsache zu und gestand die Finanzierung
durch die genannten Juden. Hermann
Rauschning, einer der engsten Freunde
Hitlers in der Vorkriegszeit, überliefert in
seinem Buch Hitler M'a Dit (Was Hitler mir
anvertraute) folgenden Satz des
Naziführers: "Die Juden haben großen
Anteil an meinem Kampf. Auch in unserer
Bewegung untertützten mich viele Juden fi-
nanziell."38
Auch wenn Rauschnings Buch von
radikalen Gruppen als Quelle benutzt wird,
und zudem ein Werk ist, auf dem deren
The True Meaning of the Hitler
eigene verirrten Ansichten basieren, so ist Salutation: Millions are Behind Me.
diese Information doch von großem The Accomplice of the Guiding-
Interesse. Managing Classes.

69
ADNAN OKTAR

Hitler erhielt also von radikalen zionistischen Kapitalisten bedeutende


finanzielle Unterstützung aufgrund der Zusammenarbeit, die von der WZO
und deren deutschem Ableger ZVfD ins Leben gerufen wurde. Diese
Beziehungen zwischen dem Judenfeind Hitler und etlichen Juden spielten
eine wichtige Rolle bei der Überwindung des Nazi-Boykotts und dem
Kriegseintritt Deutschlands als industrielle Großmacht.
Als die englische Regierung sich entschloss, mit Hilfe der assimilationis-
tischen Juden den Nazi-Boykott zu unterstützen, schrieb Sir Oswald Mosley,
der Führer der Faschistischen Vereinigung Englands (British Union of Fascist
BUF) und Sympathisant Hitlers, in dem Presseorgan Blackshirt:
Jetzt also geben wir unsere Handelsbeziehungen mit Deutschland auf
um die armen Juden zu schützen?... Doch die Juden selbst treiben gewin-
nträchtigen Handel mit den Deutschen. Wahrscheinlich gibt es für
diejenigen keine bessere Antwort, die die Aufgabe unserer freund-
schaftlichen Beziehungen mit Deutschland wünschen.39

Das Auswanderungsabkommen zwischen den


radikalen Zionisten und den Nationalsozialisten
Was die radikalen Zionisten von den Nazis erwarteten war, dafür zu sor-
gen, dass die deutschen Juden nach Palästina auswanderten. Auch die Nazis
wollten die Juden so schnell wie möglich ausser Landes wissen. Zu diesem
Zweck wurde, kurz bevor die Nazis an die Regierung kamen, ein Abkommen
unterzeichnet, das die Auswanderung der deutschen Juden nach Palästina
sicherstellen sollte. Die Vereinbarung zwischen der der WZO verbundenen
Anglo-Palästina Bank und dem Reichsfinanzministerium schuf die
Möglichkeit, die Juden mit ihrem Vermögen nach Palästina zu transferieren
und sollte gleichzeitig einen Absatzmarkt für deutsche Industriegüter er-
schliessen. Der irische Historiker und Politiker Conor Cruise O'Brien berichtet
über die Einzelheiten der Vereinbarung:
Mit Hilfe der am 25. August 1933 unterzeichneten Vereinbarung zwis-
chen der Anglo-Palästina Bank und der Deutschen Wirtschaftsbank sollte das
jüdische Vermögen dazu verwendet werden, die in Palästina erforderlichen
Dinge zu kaufen. Diese Vereinbarung wurde die Hauptstütze der offiziellen
Auswanderung der Juden. Nazis und Zionisten arbeiteten zusammen, um
sicherzustellen, dass die Juden einen Teil ihres Vermögens von Deutschland
nach Palästina bringen.

70
HARUN YAHYA

Im Jahre 1933 gründete die Anglo-Palästina Bank in Tel Aviv ein


Unternehmen mit dem Namen "Trust and Transfer Office Ha'avara Ltd".
Unter der Führung von vier jüdischen Bankern, aus Hamburg Max Warburg
und M.M. Warburg und aus Berlin Siegmund Wassermann und A.E.
Wassermann, wurde in Berlin ein Ableger dieses Unternehmens ins Leben
gerufen. Die Aufgabe dieser 'Palästina Treuhandstelle zur Beratung Deutscher
Juden' in Berlin war es, die mit den deutschen Behörden bestehenden
Probleme von auswanderungswilligen deutschen Juden zu lösen.
Zwischen 1933 und 1939 verließen 50.000 Juden Deutschland mit Hilfe
von Ha'avara und wanderten nach Palästina aus. In demselben Zeitraum
wurden nahezu 63 Millionen Pfund Sterling nach Palästina überwiesen... Die
zwischen 1933 und 1936 in Kraft getretene deutsche Politik dagegen unter-
stützte die Juden in Palästina gegen die Araber.40
Durch das Auswanderungsabkommen wurde sowohl die
Auswanderung der Juden nach Palästina sichergestellt, als auch die
Naziwirtschaft beruhigt, die sich wegen des Boykotts in einer Notlage befand.
Mit dem Vermögen der auswandernden Juden wurden deutsche
Industrieprodukte gekauft, diese wurden in Palästina verkauft und mit dem
dadurch erwirtschafteten Gewinn das Geld, das die auswandernden Juden in
Deutschland zurückließen, ersetzt.
Einige Teile der zionistischen Vereinigung beließen es nicht dabei, den
jüdischen Boykott zu brechen, sondern wurden zur gleichen Zeit im Nahen
Osten und Nordeuropa zum größten Distributor für Nazigüter. Das Trust and
Transfer Office Ha'avara erhielt das Recht, die nach Palästina gebrachten
deutschen Waren zu verkaufen. Mit dem Geld, das reiche deutsche Juden zur
Verfügung gestellt hatten, würde es in großem Stil Nazigüter ankaufen. Auf
diese Weise sicherte die WZO den Nazis im Nahen Osten das
Zustandekommen von breiten Verkaufsmöglichkeiten. Das deutsche Büro,
das die Devisenangelegenheiten regelte, veröffentlichte am 7. Dezember 1937
folgendes: "Der auf Außenhandel basierende Transfer brachte von 1933 bis
jetzt 70 Millionen Golden Mark Gewinn für Palästina."
Die Beziehungen zwischen den radikalen Zionisten und den Nazis, ins-
besondere das Auswanderungsabkommen Ha'avara, wurde in einigen
Büchern lang und breit ausgeführt. Zum Beispiel erörtert Lenni Brenner in
Zionism in the Age of Dictators (Zionismus im Zeitalter der Diktatoren) das

71
ADNAN OKTAR

Ha'avara Auswanderungsabkommen. Die Bücher des Israelis Moshe


Shonfeld The Holocaust Victims Accuse: Documents and Testimony on Jewish
Criminals (Die Opfer des Holocaust klagen an: Dokumente und Zeugnisse zu
jüdischen Kriminellen) und des amerikanischen Historikers Francis R.
Nicosia The Third Reich and the Palestine Question (Das Dritte Reich und die
Palästinafrage) haben ebenfalls das Auswanderungsabkommen zwischen
Nazis und radikalen Zionisten zum Thema.
Auch die geheimen Archive der Wilhelmstrasse bergen ein vom
Hitlerreich und der jüdischen Agentur unterschriebenes Abkommen, das die
Auswanderung der deutschen Juden nach Palästina erleichtern sollte. Dieses
Dokument des deutschen Außenministeriums vom 22. Juni 1937 notiert fol-
gendermaßen die Gründung eines Judenstaates mit Hilfe der treibenden Kraft
der Nazis:
Diese deutsche Maßnahme, die von den Bedingungen der Innenpolitik
diktiert wurde, wird ohne Zweifel hilfreich sein, das Judentum in
Palästina zu stärken und die Gründung eines jüdischen Staates in diesem
Land zu unterstützen.41
In dem gleichen Dokument wird betont, dass die jüdische
Auswanderung von Hitler koordiniert wurde und dass sich der deutsche
Diktator persönlich für dieses Thema interressierte.
Dies sind Informationen, die heute viele Menschen verwundern mögen.
Der Grund hierfür liegt in der sorgfältigen Verheimlichung dieser interessan-
ten Allianz durch die offizielle Geschichtsschreibung.
Die radikalen Zionisten und die Nazis bemühten sich, diese Allianz zu
verheimlichen, und beiden Seiten gelang es, ihre Beziehungen vor den Augen
der Weltöffentlichkeit zu verbergen. Doch konnte das Aufkommen von
manchen Gerüchten nicht verhindert weden. In dem Buch des amerikanis-
chen Autors Edward Tivnan, The Lobby: Jewish Poltical Power in US Foreign
Policy (Die Lobby: Die Politische Macht der Juden in der Außenpolitik der
USA), in dem er den politischen Einfluß der jüdischen Lobby untersucht,
merkt er an, dass Gerüchte, die Ende der 1930er Jahre unter amerikanischen
Juden bezüglich der Allianz zwischen einem Teil der Zionisten und der Nazis
umliefen, große Besorgnis erweckten.42
Das Auswanderungsabkommen wurde von 1933 bis zum
Kriegsausbruch 1939 durchgeführt. In dieser Zeit wurden 60.000 deutsche

72
HARUN YAHYA

Juden nach Palästina gebracht. Der Grund für das Ende des Abkommens 1939
war nicht etwa eine Meinungsverschiedenheit der Vertragsparteien, sondern
die Tatsache, dass die deutschen Schiffe unter Kriegsbedingungen nicht mehr
das unter englischem Mandat stehende Palästina anlaufen konnten.
In einem Bericht des deutschen Innenministeriums, der im Dezember
1937 veröffentlicht wurde, werden die Ergebnisse des Ha'avara Abkommens
folgendermaßen bewertet:
Es gibt keinen Zweifel, dass das Ha'avara Abkommen großen Anteil an
der Entwicklung Palästinas zwischen 1933 und heute hat. Dank des
Abkommens wurden nach Palästina sowohl die größten Geldquellen
wie auch die intelligenten und intellektuellen Menschen geleitet. Die
Maschinen und Industrieprodukte, die für die Entwicklung des Landes
notwendig sind, wurden wiederum von Ha'avara gebracht.43

Above: Two Gestapo soldiers responsible for transferring the Jews to Palestine. The subtitles
of this photograph, included in a book of propaganda entitled Pillar of Fire, deserve particular
attention.

73
ADNAN OKTAR

Was die Vereinbarung unterbrach, war der Ausbruch des 2. Weltkrieges.


Andernfalls hätte sich die durch die Zusammenarbeit von Nazis und
radikalen Zionisten in Gang gebrachte jüdische Auswanderung fortgesetzt
und gesteigert. Denn in den Jahren 1938 und 1939 war die Zahl der auswan-
dernden Juden gegenüber früher angestiegen und im Oktober 1939 wurde
beschlossen, 10.000 deutsche Juden nach Palästina zu schicken. Doch mit
Kriegsausbruch im September 1939 wurde dies unmöglich. Dennoch wurde
das Ha'avara Abkommen bis 1941 mit Unterbrechungen durchgeführt. Die
deutschen Juden wurden als Folge der Zusammenarbeit zwischen Nazis und
den radikalen Zionisten zu Palastina transferiert und dies bildet 15 % der
gesamten jüdischen Bevölkerung von Palastina zu dieser Zeit. Doch auch die
wirtschaftlichen Ergebnisse von Ha'avara waren bedeutend. Der Historiker
Edwin Black schreibt in seinem Buch The Transfer Agreement (Das
Transferabkommen), dass das Abkommen in Palästina zu einer
"wirtschaftlichen Explosion führte und einen großen Beitrag zur Gründung
des israelischen Staates leistete".44

Die Nürnberger Rassengesetze


Während die Nazis mit einigen Zionisten ein gemeinsames Programm
durchführten, um die deutschen Juden zur Auswanderung zu veranlassen,
wurde andererseits gleichzeitig eine Politik praktiziert, die das
Rassenbewußtsein der deutschen Juden steigern sollte. Lenni Brenner betont
in seinem Buch Zionism in the Age of Dictators häufig, dass sich diese Zionisten
sehr über die rassistische Politik der Nazis freuten. Ganz zu Beginn stehen
dabei zum Beipiel die 1935 erlassenen Nürnberger Gesetze, die unter anderem
die Heirat zwischen Deutschen und Juden verboten.
Die im September 1935 in Nürnberg veröffentlichten Gesetze zielten da-
rauf ab, die Juden innerhalb der deutschen Gesellschaft wirksam zu isolieren.
Mit der Verordnung mit der Überschrift "Gesetz zum Schutz deutschen Blutes
und deutscher Ehre" wurden die Juden zu Parias, die ihrer sozialen Rechte be-
raubt waren. Den Juden wurde verboten, in Ämtern, als Lehrer, Journalist
oder Bauer zu arbeiten und sie durften auch nicht bei Radio, Theater oder
Film beschäftigt sein. Darüber hinaus war es für Juden verboten, die deutsche
Flagge zu hissen. All dies war das Produkt einer Geisteshaltung, die der
Ansicht war, dass Juden keinesfalls Deutsche sind. Diese Geisteshaltung wur-

74
HARUN YAHYA

den ebenso wie von den Nazis auch von einigen Zionisten geteilt.
Brenner überliefert bezüglich der Nürnberger Gesetze die interessante
Bewertung von Alfred Berndt, eines Journalisten. der damaligen Zeit. Berndt
erinnerte daran, dass die Jüdische Weltorganisation WZO nur zwei Wochen
vor der Veröffentlichung der Gesetze eine Deklaration an das Judentum dieser
Welt herausgegeben hatte, und dazu diese aufrief nicht zu vergessen, dass
Juden eine besonders gesonderte Nation und ein auserwähltes Volk seien, wo
immer sie auch lebten. "Was Hitler tat, war den Juden einen rassistischen
Minderheitenstatus zu geben und damit den Wünschen der WZO zu
entsprechen." Lenni Brenner sagt, dass es im Nazideutschland deshalb nur
"erlaubt war, zwei Flaggen zu hissen": Die Naziflagge mit dem Hakenkreuz
und die blau-weiße Flagge mit dem Stern Zions in der Mitte!45 Zur gleichen
Zeit interpretierte der amerikanische Zionistenführer, der Rabbiner Stephen
Wise, in seinem eigenen Presseorgan Congress Bulletin dieses Thema folgen-
dermaßen:
Der Nationalsozialismus entdeckte dank seines größten Wunsches, der
darin bestand, sich von den jüdischen Elementen innerhalb der
deutschen Nation zu befreien, seine 'Verwandtschaft' zum Zionismus.
Aus diesem Grunde wurde der Zionismus innerhalb der Reichsgrenzen
neben der Nazipartei zur einzigen legalen Partei. Die zionistische Flagge
ist innerhalb der Reichsgrenzen neben der Naziflagge die einzige legale
Flagge.46
Lenni Brenner nennt die diesbezügliche Politik der Nazis "Philo-
Zionismus" (Zionismusfreundlichkeit) und schreibt, dass die Nazis die
radikalen Zionisten in fast allen Belangen unterstützten. Zum Beispiel er-
liessen die Nazis eine Reihe von Gesetzen um die Juden vor der Assimilierung
zu retten und deren eigene rassische Identität im Bewusstsein zu verankern.
Ein 1936 erlassenes Gesetz verbot den Rabbinern bei den Gottesdiensten in
den Synagogen Deutsch zu sprechen und zwang sie, Hebräisch zu sprechen.
Dies war eine große Hilfe für einige Zionisten, die die Juden, die sie in
Palästina versammelten dazu zwang, eine fast in Vergessenheit geratene
Sprache, nämlich Hebräisch zu sprechen.47
Doch die Bemühungen der Nazis, das Rassenbewußtsein der Juden zu
steigern war darauf nicht beschränkt. Brenner zufolge unterbreitete im

75
ADNAN OKTAR

The Nazis' anti-Semitic policy, in full consort with the plans of radical Zionists, forced the Ger-
man Jews to emigrate from the country. The Transfer Agreement signed between racist Zionists
and the Nazis guaranteed that Jews leaving the country would be transferred to Palestine, not
to any other "wrong address." Above: The Jews hoping to emigrate to Palestine, in front of the
legal immigration offices in Germany in 1939.

Frühjahr 1934 der Generalstab, der Heinrich Himmler, SS-Chef und dem nach
Hitler stärksten Mann in Nazideutschland nahestand, einen Bericht. Dieser
Bericht mit der Überschrift 'Situationsbericht – die Judenfrage' teilte mit, dass
sich viele deutsche Juden immer noch als Deutsche fühlten und machte zur
Lösung dieses Problems einige Vorschläge. Brenner schreibt folgendes:
Um den Widerstand der Juden zu brechen, die Deutsche bleiben wollen,
steht im Bericht geschrieben, dass es erforderlich ist, deren kulturelle
Identität zu betonen. Deshalb wird vorgeschlagen in systematischer
Weise jüdische Schulen einzurichten, hebräische Kunst- und
Musikveranstaltungen zu fördern und sportliche Aktivitäten
durchzuführen.48
Nach Brenner wurde in der Nacht des 27. Oktober 1938 bei einer anti-
jüdischen Demonstration in Hannover von Hitlers SA mit großer
Beharrlichkeit die Parole "Juden Raus! Auf nach Palästina!" skandiert, die sich
daraufhin im ganzen Land ausbreitete. Dies zeigt, , wie gut sich manche
Zionisten, mit den Nazis verstanden.

76
HARUN YAHYA

The Nürnberg laws, completely isolating the Jews from German society, intensified some radi-
cal Zionists' trust the belief in the Nazis. Above: Hitler during one of the grand shows of
strength held in Nürnberg.

Die Zusammenarbeit zwischen der SS


und den radikalen Zionisten
Die Heinrich Himmler unterstehende SS (Schutzstaffel), die besonders
auf Hitler eingeschworen war, gilt als die loyalste, schlagkräftigste und brutal-
ste Organisation der Nationalsozialisten.Lenni Brenner stellt die
Beziehungen, die die SS mit einigen Zionisten hatte, folgendermaßen dar:
Im Jahr 1934 wurde die SS zum zionistenfreundlichsten Flügel innerhalb
der Nazipartei. Die übrigen Nazis sagten, dass sie den Juden gegenüber
viel zu 'weich' sei. Der SS Offizier Baron von Mildenstein war von seiner
sechsmonatigen Palästinareise als ein begeisterter Sympatisant des
Zionismus zurückgekehrt. Nach kurzer Zeit wurde er zum Leiter der
Judenabteilung beim Sicherheitsdienst der SS. Er begann Hebräisch zu
lernen und hebräische Schallplatten zu hören; während der
Palästinareise mit dem Zionistenfreund Kurt Tuchler fand er großen
Gefallen an jüdischer Musik. In der SS Kasernen waren Landkarten
aufgehängt, die die schnelle und erfreuliche Verbreitung des Zionismus
in Deutschland anzeigten.49

77
ADNAN OKTAR

Mildenstein beließ es nicht nur dabei, Aufsätze zu verfassen, die den


radikalen Zionismus lobten, sondern er überzeugte auch Goebbels und stellte
sicher, dass in Der Angriff, der vorangigen Zeitung der Nazis eine 12-teilige
Aufsatzreihe veröffentlicht wurde, die den rassistischen Zionismus mit Lob
überschüttete. Diese Reihe wurde zwischen dem 26. September und 9.
Oktober in Der Angriff veröffentlicht. Dabei wurden die Bemühungen des
radikalen Zionismus in Palästina lobend hervorgehoben. Den Verfassern zu-
folge hatte der radikale Zionismus gezeigt, wie die Judenfrage für die SS zu
lösen sei. Mildenstein sagte "Der neue Jude, der seinen Boden selbst re-
formiert, wird ein ganz neuer Jude sein". Goebbels ließ, um dem Baron zu
seiner Entdeckung zu gratulieren, eine Medaille anfertigen deren eine Seite
das Hakenkreuz zeigte, die andere jedoch den sechszackigen Stern Zions.50
Im Mai 1935 verfasste Reinhard Heydrich, zu dieser Zeit Chef des SS
Sicherheitdienstes, in dem offiziellen Nachrichtenmagazin der SS Das
Schwarze Korps einen Aufsatz, der den rassistischen Zionismus lobte.
Heydrich schrieb, dass es unter den Juden zwei grundlegende Gruppen gebe
und dass die radikalen Zionisten wie sie selbst über rassistisches
Gedankengut verfügten. Ihm zufolge waren die Assimilationisten gefährlich,
doch war es auf der anderen Seite nur logisch, mit den rassistischen Zionisten
zusammenzuarbeiten. Am Ende des Schreibens verfasste er gefühlsbetonte
Mitteilungen an die Juden, die so dachten wie er:
Nicht mehr fern ist die Zeit, in der sie endlich die Töchter und Söhne er-

Goebbels (left), the pro-


paganda minister of the
Nazis, had a long pro-
radical Zionist article
published in a Nazi
publication named Der
Angriff and had a me-
dal struck, bearing on
one side the swastika,
on the other the Star of
David. Heydrich (right),
chief of SS Security
Service, was one of the
pro-radical Zionist
Nazis.

78
HARUN YAHYA

The series by the SS officer


von Mildenstein praised radi-
cal Zionism in the Nazis' pro-
paganda organ, Der Angriff:
"A Nazi went to Palestine!"

reichen werden, die sich jahrtausendelang nach Palästina sehnten.


Zusammen mit meinen besten Wünschen biete ich ihnen auch unsere of-
fizielle Unterstützung an.51

Radikal Zionistische SS-Spione und


SS-Waffen für diese Zionisten!..
Nach kurzer Zeit wurden zwischen der SS und einigen der bewaffneten
jüdischen Organisationen enge Beziehungen geknüpft. Eine der wichtigsten
Organisationen war die Haganah, der bewaffnete Arm der Jewish Agency in
Palästina. Sie wurde mit der Gründung des israelischen Staates zum Kern des
israelischen Militärs. Die ehemaligen israelischen Führern Moshe Dayan und
Yithzak Rabin waren Mitglieder der Haganah.. Im Jahr 1937 begannen
geheime Unterredungen zwischen der Haganah und dem Sicherheitsdienst
(SD) der SS. Am 26. Februar kam der palästinensische Agent der Haganah,
Feivel Polkes, heimlich nach Berlin und traf sich mit dem SS Offizier Adolf
Eichmann, der der Verantwortliche des SD für die jüdische Auswanderung
war. Eichmann war ebenso wie sein Vorgesetzter Baron von Mildenstein ein
begeisterter und radikaler Zionistensympatisant, der die Schriften Herzls las
und Hebräisch lernte. Die Aufzeichnungen der Gespräche zwischen
Eichmann und Polkes wurden Franz-Albert Six, dem Vorgesetzten Eichmanns
als Bericht vorgelegt. Diesem Dokument zufolge, das nach dem Krieg in den
SS Archiven aufgefunden wurde, erwähnte Polkes, dass die radikalen

79
ADNAN OKTAR

Zionisten den Naizs neue Ölquellen erschließen könnten und die zahlen-
mäßig erhöhte Fortsetzung der jüdischen Auswanderung von Deutschland
nach Palästina wünschten. Six fand Gefallen an den Worten Polkes und
beschloß die Beziehungen zu einigen Zionisten auszubauen. Der SS
Kommandant fasste seine Gedanken zu diesem Thema in folgende Worte:
Wir können einige Anordnungen treffen, die sicherstellen, dass die aus
Deutschland auswandernden Juden nicht in ein anderes Land, sondern
nur nach Palästina gehen. Ein solches Unternehmen würde den
deutschen Interessen entsprechende Ergebnisse zeitigen. Dies ist ohne-
hin ein Teil der neuesten Anordnungen der Gestapo. Die Entwicklung
einer jüdischen Mehrheit in Palästina, von der Polkes sprach, kann dank
dieser Anordnungen verwirklicht werden.52
Der Gegenbesuch von Polkes Treffen in Berlin fand noch im gleichen Jahr
statt. Am 2. Oktober erreichte ein Passagierschiff mit Namen Romania den
Hafen von Haifa. Auf der Passagierliste waren zwei "Journalisten" verzeich-
net. Doch es waren SS Offiziere: Herbert Hagen und Adolf Eichmann.
Unmittelbar nach dem Ausbooten trafen sie sich mit Reichert, dem
Naziagenten in Palästina, und ein paar Stunden später mit Feivel Polkes, dem
engen Freund von der Haganah. Polkes brachte die beiden SS-Leute zu einem
neugegründeten Kibbuz. Ein Kibbuz ist ein kommunales landwirtschaftliches
Gut, wie sie von den nach Israel ausgewanderten Juden gegründet wurden.
Eichmann war von seinen Eindrücken sehr bewegt. In seinen Erinnerungen,
die er Jahre später in Argentinien auf Band sprach, berichtete er folgender-
maßen über seine Reiseeindrücke:
Ich bewunderte den Aufbau der Heimat durch die jüdischen Kolonisten.
Da auch ich ein Idealist bin, beeindruckten mich ihre Entschlossenheit
und ihr Ehrgeiz. Den Juden, denen ich in späteren Jahren begegnete,
sagte ich stets folgendes: Wenn ich Jude wäre, wäre ich unbedingt ein fa-
natischer Zionist geworden. Eine andere Möglichkeit kann ich mir nicht
vorstellen. Ohne den geringsten Zweifel wäre ich der hitzigste Zionist
geworden.53
Im Verlauf dieses Treffens zwischen dem Haganah-Mitglied Polkes und
den SS-Leuten sagte Polkes folgendes bedeutende Wort: "Radikal-nationalis-
tische jüdische Kreise empfinden eine tiefe Sympatie für die radikale deutsche
Politik. Es wird gesagt, dass sich in Palästina deshalb eine jüdische Mehrheit

80
HARUN YAHYA

entwickeln kann." Die engen Beziehungen zwischen der SS und den radikalen
Zionisten waren zweifellos auch für die höchste Ebene, also die des "Führers"
gültig. An einem der ersten Tage des Jahres 1938 rief Otto von Henting, der
jahrelang Vermittler zwischen den Nazis und den radikalen Zionisten gewe-
sen war, seine zionistischen Freunde an und überbrachte die gute Nachricht,
dass "sich der Führer besonders für dieses Thema interessiert und den drin-
genden Befehl gab, alle Hindernisse aus dem Weg zu schaffen, die die
Auswanderung nach Palästina verlangsamen."
Die Unterstützung, die die Nazis einigen Zionisten zukommen liessen,
ging sogar so weit, dass sie die Militanten, die gegen die Araber Palästinas
kämpften, mit Waffen ausstatteten. Francis R. Nicosia schreibt in seinem Buch,
The Third Reich and the Palestine Question, dass der Haganahvon der SS gegen
die Araber Waffenhilfe geleistet wurde.54

Die Behinderung der Flucht der Juden


durch die radikalen Zionisten
In seinem Buch Zionism in the Age of Dictators schreibt Lenni Brenner:
Nachdem ein bedeutender Teil der deutschen Juden Palästina nicht
mochte, sollte angenommen werden, dass die Zionisten ihren Brüdern
andere sichere Zufluchtsstätten fanden. Doch dem war nicht so.55
Tatsächlich unternahmen die radikalen Zionisten nichts, um die
deutschen Juden vor der Vernichtung durch die Nazis zu retten. Selbst als die
Gerüchte über den Holocaust sich verdichteten, änderten die radikalen
Zionisten ihr Verhalten nicht. Darüber wurden sogar zahlreiche Filme
gedreht.
Im Vorwort des Buches von David S. Wyman L'Abandon des Juifs (Die im
Stich gelassenen Juden) schreibt der berühmte jüdische Schriftsteller Elie
Wiesel, dass es manche zionistische Führer unterlassen hatten, das jüdische
Volk zu retten:
Die Juden wurden im Stich gelassen... Doch es gibt noch ein anderes
trauriges und den Menschen in die kochende Wut treibendes Ergebnis:
Die großen jüdischen Organisationen und bedeutende Personen der
jüdischen Gemeinschaft wollten keine Rettungsfront gründen.

81
ADNAN OKTAR

Wyman bestätigt die Ansicht Elie Wiesels auf den hinteren Seiten seines
Buches:
Keine der jüdischen Organisationen Amerikas sprach von einer
Operation zur Rettung der Juden. Niemand, insbesondere nicht die jüdischen
Gemeinschaften wollten die Juden retten... B'nai B'rith wollte bei einer im
Januar 1943 in Pittsburg abgehaltenen Versammlung die gesamte Kampagne,
die zur Rettung der Juden unternommen worden war, zu einer Kampagne zur
Gründung eines Judenstaates in Palästina umfunktionieren...
Im Jahr 1938 erklärte David Ben Gurion, der nach Weizmann der zweite
Mann der WZO war und später der erste Präsident Israels wurde in einer
Rede, die er bei der "Versammlung der sozialistischen Arbeiter" in England
hielt, die Logik der radikalen Zionisten folgendermaßen:
Wenn ich wüßte, dass alle jüdischen Kinder aus Deutschland zu ihrer
Rettung entweder nach England oder nach Palästina gebracht werden,
dann würde ich die zweite Möglichkeit wählen.56
Interessant daran ist jedoch nicht, dass die radikalen Zionisten absolut

The World Zionist Organization


formed a military arm named
Haganah to fight with the
Arabs in Palestine. In the pho-
to, taken in 1938, are seen
three important leaders of a
specially selected unit of Ha-
ganah: Moshe Dayan, Yitzhak
Sadeh and Yigal Allon. After
the establishment of the Israeli
State, Haganah formed the
nucleus of Israel's army. In the
following years, Dayan and Al-
lon became Ministers of Fore-
ign Relations. But there rema-
ined an unknown truth about
Haganah: Some of the arms
that the unit used against the
Arabs were supplied by the
Nazis!

82
HARUN YAHYA

While radical Zionists mainta-


ined the collaboration they had
set up with the SS, many inno-
cent Jews were subjected to
Nazi barbarity.

nichts unternahmen, um die Juden zu retten. Das interessante ist, dass die
radikalen Zionisten die Auswanderung der deutschen Juden in ein drittes
Land außer Palästina verhinderten.
Im Jahr 1943 versucht einradikaler Zionist, der Rabbiner Stephen Wise,
der Sprecher des Zionismus in Amerika, die Rettung der deutschen Juden zu
verhindern: Er hält vor dem Kongress der Vereinigten Staaten eine Rede
gegen "den Plan zur Rettung der Juden, die in Europa vom Tode bedroht
sind". Wiederum der gleiche Stephen Wise verteidigte 1938 in einem Brief, den
er als Leiter des Jüdischen Kongresses Amerikas (AJC) verfasste, die
Nichtanerkennung des Auswanderungsrechtes des jüdischen Volkes nach
Amerika. Wise sagte, dass er gegen jede Gesetzesänderung sei, die "den Juden
ein Zufluchtsrecht in Amerika zubilligt".
Ebenso wie in Amerika wurden die Türen für die deutschen Juden auch
in England von den radikalen Zionisten geschlossen.Um den in
Schwierigkeiten befindlichen Juden ein Zufluchtsrecht auf britischem Boden
zu gewährleisten, unternahmen 277 Mitglieder des englischen Parlaments
einen Aufruf an ihre Regierung. Doch der Vorschlag der Nichtjuden zur
Rettung der Juden rief den Zorn der zionistischen Anführer hervor: Während
am 27. Januar 1943 fast einhundert christliche Parlamentarier des englichen
Parlaments diskutierten, was zur Rettung der Juden zu unternehmen sei, kon-

83
ADNAN OKTAR

nte ein zionistischer Sprecher aufstehen und sagen, dass er prinzipiell gegen
diese Antrag sei, da dieser nicht die notwendigen Vorbereitungen zur
Kolonialisierung Palästinas enthält.57
Die radikalen Zionisten hatten eine schlichte Logik zur Verhinderung
der Flucht der Juden vor den Nazis. Wenn Amerika oder England die Türen
für die Juden öffneten, dann würden mit großer Wahrscheinlichkeit neben
den von den rassistischen Zionisten nicht gewünschten ungebildeten
deutschen Juden auch die gebildeten Juden in diese Länder abwandern, um
deren Auswanderung nach Palästina sie sich ja so sehr bemühten. Um also
ihre Zielgruppe nach Palästina zu bringen, verurteilten sie die anderen
deutschen Juden zur Unterdrückung durch die Nazis.
Zweifellos war dies ein Verrat am eigenen Volk. Einer derjenigen, der
dies erkannte, war der slowakische Rabbiner Dov Michael Weissmandel, der
diese Ereignisse kommentierte. Weismandel bemühte sich während der
gesamten Kriegszeit, die Juden vor der Unterdrückung durch die Nazis zu
retten, doch seine Bemühungen wurden von den radikalen Zionisten behin-
dert. Vor allem die von den radikalen Zionisten verbreiteten Informationen
über den Holocaust an den Juden erbitterten ihn aufs Heftigste. In einem
Brief, den er im Juli 1944 an die Anführer der radikalen Zionisten schreibt,
begehrt er folgendermaßen auf:
Warum habt ihr bis jetzt nichts unternommen? Wer ist er Verantwortliche
dieser schrecklichen Fahrlässigkeit? Seid das nicht ihr? Unsere jüdischen
Brüder!.. Nachdem ihr den Ereignissen mit so kaltblütiger
Schweigsamkeit zuschauen könnt, seid ihr keine Menschen, ihr seid
Mörder, denn während ihr die Vernichtung jüdischer Menschen in
diesem Moment, in dieser Stunde stoppen oder verzögern könntet, sitzt
ihr mit gefalteten Händen und tut nichts. Ihr, meine Brüder, Söhne
Israels, habt ihr den Verstand verloren? Bemerkt ihr denn nicht die Hölle,
die uns umgibt? Für wen hebt ihr euer Geld auf? ...Für die Mörder?58
Weismandel hatte eine starke Vorahnung. Denn tatsächlich hoben die
radikalen Zionisten ihr Geld für die Mörder auf, denn wie wir auf den
vorherigen Seiten darlegten, ließen sie den Nazis große finanzielle
Unterstützung zukommen. Sie glaubten, dass es für die Gründung eines
jüdischen Staates notwendig sei, mit den Feinden der Juden zusammenzuar-
beiten.

84
HARUN YAHYA

Mussolini, der italienische Faschismus und die radikalen


Zionisten
Die radikalen Zionisten beließen es nicht dabei, nur mit den Nazis eine
Allianz einzugehen. Die Bewegung wollte Juden aus ganz Europa und der
gesamten Welt nach Palästina bringen. Aus diesem Grund wurden in den
1930er und 1940er Jahren in zahlreichen Ländern außerhalb Europas geheime
Beziehungen zwischen radikalen Zionisten und faschistischen Kräften
geknüpft. Eines der interessantesten Beispiele hierfür ist die Beziehung zu
Mussolini, dem wichtigsten Verbündeten Hitlers.
Mussolini, der in 1922 die Regierung in Italien an sich gerissen hatte und
ein totalitäres Sytem, den Faschismus, praktizierte, interessierte sich lebhaft
für den Nahen Osten. Einer der Gründe für die Besetzung Abessiniens war
der Aufbau eines neuen italienischen Einflusses auf dem Boden des alten
Römischen Reiches. Hierbei konnte Mussolini das Palästinaproblem keines-
falls übersehen. Und so war es auch. Der faschistische Diktator interessierte
sich für Palästina und stellte sich in eine Reihe mit den radikalen Zionisten. Er
war sich bewußt, dass der radikale Zionismus eine bedeutende Kraft
darstellte und rechnete damit, nach dem Krieg Englands Einfluss auf ihn
übernehmen zu können.
Lenni Brenner beschreibt in seinem Buch Zionism in the Age of Dictators
detailliert die Beziehungen zwischen Mussolini und den radikalen Zionisten.
Demzufolge waren die Juden ein wichtiger Faktor in der Partei Mussolinis.
Unter den Gründern der faschistischen Partei Mussolinis befanden sich fünf
Juden. In den folgenden Jahren machte Mussolini einen Juden zum Chef der
italienischen Handelsbank, der Banca Commerciale Italiana. Auch die beiden
Außenminister Mussolinis, Sidney Sonnino und Carlo Schanzar waren jüdis-
cher Herkunft.
In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre fanden Treffen zwischen einigen
Vertretern der WZO und Mussolini statt. Doch gibt es keine Protokolle über
diese Unterredungen. Auch Weizmann, der sich mit Mussolini traf, bemühte
sich, dieses Thema zu verbergen. Lenni Brenner schreibt auf Seite 39 seines
Buches, dass die Erinnerungen Weizmanns Mussolini betreffend "absichtlich
verschleiert sind oder sogar auf die falsche Spur führen". Doch gibt es keinen
Zweifel, dass sich Weizmann und Mussolini recht gut verstanden. Am 17.
September 1926 wurde Weizmann zu einer Unterredung mit dem "Duce" nach

85
ADNAN OKTAR

Rabbi Dov Michael Weissmandel addres-


sed the radical Zionists as; "Are you not
guilty, our Jewish brothers …? … Brutal
you are, and murderers, too, you are, be-
cause of the cold-bloodedness of the si-
lence in which you watch, because you
sit with folded arms and do nothing, alt-
hough you could stop or delay the mur-
der of Jews at this very hour. You, our
brothers, sons of Israel, are you insane?
Don't you know the hell around us? For
whom are you saving your money? …
Murderers!"

Rom gerufen. Mussolini sagte in der Unterredung den radikalen Zionisten


wirtschaftliche Hilfe in Palästina zu, und unmittelbar darauf erschienen in der
italienischen Presse Artikel, die den radikalen Zionismus lobten. Einen Monat
später traf sich der zweite Mann der WZO, Nahum Sokolow mit dem ital-
ienischen Diktator, und Mussolini betonte ein weiteres Mal seine
Unterstützung für den radikalen Zionismus.
Doch die Beziehungen, die Mussolini zu von der Zionistischen
Weltorganisation abweichenden einigen Zionisten unterhielt, waren noch
umfassender und ergiebiger. Brenner beschreibt diese Beziehungen sowohl in
seinem Buch Zionism in the Age of Dictators wie auch in The Iron Wall: Zionist
Revisionism from Jabotinsky to Shamir (Der Eiserne Vorhang: Zionistischer
Revisionismus von Jabotinsky bis Schamir). Demzufolge waren die genan-
nten Zionisten, nachdem sie sich von der WZO getrennt hatten, auf der Suche
nach einem neuen Verbündeten, der England ersetzen sollte. Italien war hier-
für die beste Addresse. Jabotinsky träumte innerhalb der Allianz mit Italien
von einer neuen mediterranen Ordnung. In einer Rede von 1935 sagte er "Wir
wollen ein jüdisches Imperium; ebenso wie es am Mittelmeer ein italienisches
Imperium gibt, muss es im Osten ein jüdisches geben." Dieses jüdische
Imperium sollte Palästina und Jordanien enthalten und Grenzen besitzen, die
teilweise Ägypten und den Irak umfassten.
Mussolini stand den unter Jabotinskys Führung stehenden Zionisten mit

86
HARUN YAHYA

großem Wohlwollen gegenüber. Er bezeichnete sie als "die Faschisten Zions".


Im November 1934 wurde mit einem Befehl Mussolinis in einem der Miliz der
faschistischen Partei gehörenden militärischen Ausbildungslager in
Civitavecchia ein Bereich für die Betar genannte Miliz der zionistischen
Revisionisten bereitgestellt. Die Miliz der Betar erhielt dort lange Zeit eine
gemeinsame Ausbildung mit den Schwarzhemden und wurde dann nach
Palästina geschickt um in den Reihen der Irgun zu kämpfen.
Jabotinsky und seine Anhänger hatten sich längst mit dem Faschismus
angefreundet. Abba Achimeir und Wolfgang von Weisl, hochrangige

Mussolini was Hitler's greatest ally. They maintained the same ideology, entered into an alliance
in what was called the "Pact of Steel" and supported one another during World War II. Having so
much in common, the two fascists adopted similar policies of support toward radical Zionism,
so much so that the militants of the Zionist Betar organization were trained with Il Duce's fascist
units known as the Black Shirts.

87
ADNAN OKTAR

Angehörige der Bewegung, sagten selbst, dass Jabotinsky zum "Duce"


(Führer) geworden war. Jabotinsky wünschte, den zionistischen
Jahreskongress unter seiner Führerschaft in der Stadt Triest des faschistischen
Italien abzuhalten; doch wurde von dem Kongress abgesehen, da man
glaubte, er würde eine zu große Reaktion in der öffentlichen Meinung west-
licher Länder hervorrufen.
Es muss angemerkt werden, dass die Zionisten unter Jabotinsky auch
große Bewunderung für Hitler und die Nazis empfanden. Abba Achimeir,
einer der hochrangigen Mitglieder der Bewegung, sagte in einer Rede folgen-
des: "Ja, wir Revisionisten empfinden für Hitler große Bewunderung. Hitler
hat Deutschland gerettet. Wenn er nicht wäre, würde das Land spätestens in
vier Jahren zusammenbrechen."59
Ihre Sympatie für die Nazis war den Betreffenden bereits rein äußerlich
anzusehen. Die Betar-Mitglieder hatten sich für ihre eigenen Uniformen von
den braunen Uniformn der SA Hitlers inspirieren lassen.
Zur gleichen Zeit, als die radikalen Zionisten ihre Beziehungen zu Hitler
und Mussolini aufbauten, entstand eine dritte Verbindungzu Francisco
Franco, dem spanischen Diktator. Franco, der in Spanien 1939 als Ergebnis des
Bürgerkrieges mit den Republikanern an die Macht kam, und seine eigene
Version des Faschismus, genannt Falangismus praktizierte, erhielt große
Unterstützung von Hitler und Mussolini. Deshalb stellten sich die Zionisten
auch bei Franco vor. Es ist bekannt, dass sich unter den Franco bekämpfenden
Republikanern zahlreiche Juden befanden, doch waren dies alles assimilation-
istische Juden. Denn die radikalen Zionisten unterstützten – wie Lenni
Brenner betont – niemals die Juden, die Franco bekämpften, sondern begeg-
neten diesen Juden ganz im Gegenteil mit großer Unnachsichtigkeit.
Dies alles ist das tatsächliche Bild der Beziehungen zwischen dem Trio
Hitler-Mussolini-Franco und den radikalen Zionisten. Doch die Rassisten in
Europa bestanden nicht nur aus Hitler oder Mussolini. Von Spanien bis Öster-
reich und von Polen bis Rumänien gab es in zahlreichen europäischen
Ländern immer weiter erstarkende faschistische Kräfte, die sich Hitler oder
Mussolini als Beispiel nahmen. Dies war für den rassistischen Zionismus gle-
ichbedeutend mit neuen Alliierten.

88
HARUN YAHYA

Allianzen mit den Antisemiten Österreichs,


Rumäniens und Japans
Die Juden machten in Österreich 2,8% der Bevölkerung aus. Doch auch
in diesem Land hatte sich nach dem 1. Weltkrieg ein starker Antisemitismus
entwickelt. Die Mehrheit der Juden stimmte für die Sozialdemokraten.
Demgegenüber entwickelte sich, insbesondere unter dem Einfluß Hitlers, eine
starke antisemitische Neigung. Engelbert Dollfuss, der Parteiführer der christ-
sozialen rechten Partei und gleichzeitig Kanzler, sowie Kurt von Schuschnigg,
der ihm nach dessen Tod nachfolgte, gaben parallel zu den Nazis antijüdische
Gesetze heraus. Die Assimilationisten waren von diesem Tun überaus beun-
ruhigt. Die rassistischen Zionisten jedoch waren, wie nicht anders zu er-
warten, sehr zufrieden mit dem Erstarken des Antisemitismus in Österreich.
Der Präsident der WZO, Nahum Sokolov, benutzte für den antisemitischen
Kanzler Dollfuss den Ausdruck: "…einer der Freunde des Zionismus, der kein
Jude ist".60
Der "Zionistenfreund" Dollfuss begann ab Mitte der 1930er Jahre anti-
semitische Gesetze zu verabschieden. Für Juden war es verboten, hochrangige
Regierungsämter zu übernehmen. Im Jahr 1935 veröffentlichte die Regierung,
dass keine jüdischen Kinder mehr gemeinsam mit Christen unterrichtet wer-
den sollten. Natürlich reagierten die assimilationistischen Juden auf diesen
Ghettosierungsbeschluss. Robert Stricker, der einzige Jude, der in das österre-
ichische Parlament gewählt werden konnte, und einer der Anführer der
radikalen zionistischen Bewegung, teilte der Regierung die große Freude der
Zionisten über diesen Beschluss mit.
Die Assimilationisten liessen auf diese Ereignisse hin verlauten, dass sich
in dem Land ein gefährlicher Antisemitismus entwickele. Doch schon nach
kurzer Zeit schrieb das Nachrichtenorgan der Zionistischen Föderation Öster-
reichs, Die Stimme, "Wir halten die Behauptungen für eine Lüge, die sagen,
dass in Österreich Druck auf die Juden ausgeübt wird", und stärkte so der an-
tisemitischen Regierung den Rücken. Brenner zufolge erhielt die österreichis-
che Regierung in den Tagen, in denen sie neue juristische Beschränkungen für
die Juden erliess, die benötigte Wirtschaftshilfe dank der Unterstützung
mancher Zionisten.
Ähnliches geschah auch in Rumänien. Der Anteil der Juden an der
rumänischen Bevölkerung lag bei 5,4%. Das Land war traditionell antisemi-

89
ADNAN OKTAR

Above: Mussolini, during a visit he paid to a center consisting mostly of radical Zionists estab-
lished in Bari in 1934. On the poster in front of him is written, "A pure and strong Jewish genera-
tion is being born in Palestine to be worthy of the Zionist Renaissance."

tisch und die Judenfeindlichkeit stieg in der Atmosphäre des 2. Weltkrieges


weiter an. In den 1920er gab es tätliche Angriffe auf die Juden. Mit der
Regierungsübernahme Hitlers 1933 wurden die Antisemiten noch gewalt-
bereiter.
Der Antisemitismus Rumäniens wurde von einer faschistischen Partei
mit Namen Legion von Archangel Michael angefacht, deren Anführer
Corneliu Codreanu war. Die Partei verfügte über eine "Eiserne Beschützer"
genannte Miliz, die in den Jahren 1929 und 1932 zahlreiche Straßenüberfälle
auf Juden verübte. Diese Kraft nahm unter dem Einfluß von Hitlers
Regierungsübernahme ständig zu, während die jüdische Anführer nichts an-
deres tun konnten, als eine Kampagne gegen den Antisemitismus zu begin-
nen und eine politische Koalition mit den antifaschistischen Mächten einzuge-
hen. Die jüdischen Anführer waren in der Mehrheit radikale Zionisten. Einige
der Leiter der WZO waren der Ansicht, es sei nützlich, wenn der
Antisemitismus in diesem Land an die Macht käme, worauf hin man in
Rumänien ein ähnliches Abkommen wie Ha'avara in Deutschland erreichen

90
HARUN YAHYA

könnte. Der Slogan der Antisemiten "Jidanii in Palestina!" (Juden nach


Palästina!) war in aller Munde. Zur gleichen Zeit sprachen einige Führer der
WZO davon "Rumänien zu helfen, die zahllosen im Land befindlichen Juden
loszuwerden".61 1941 begingen die "Eisernen Beschützer" in Bukarest ein
Massaker, bei dem 2.000 Juden getötet wurden. 200 Juden wurde die Kehle
durchgeschnitten. Doch die radikalen Zionisten zeigten wiederum keinerlei
Reaktion.
Ausser in Österreich und Rumänien hatte sich die Allianz zwischen
radikalem Zionismus und Antisemitismus bis in den Fernen Osten verbreitet.
Die wichtigste faschistische Kraft des Fernen Ostens war Japan, das unmittel-
bar nach dem 1. Weltkrieg zu einer Besatzungspolitik überging und sich
später dem Hitler-Mussolini Pakt anschloss. Die Verbindungen zwischen dem
japanischen Regime und den Nazis waren so gut, dass Hitler der fernöstliche
Rasse den Titel des "Ariers ehrenhalber" verlieh.
Der Grund für die Allianz der radikalen Zionisten mit den Japanern ist in
der 1931 begonnen japanischen Besetzung der chinesischen Mandschurei zu
suchen. In der Mandschurei lebte eine große jüdische Gemeinschaft, und
einige Zionisten dachten, dass eine mit Japan eingegangene ähnliche Allianz
wie die mit Hitler die mandschurischen Juden zur Auswanderung bewegen
könnte. So geschah es auch. Das Mandschuko Regime, das in der von Japan
besetzten Mandschurei eingesetzt wurde, wurde zu einem fernöstlichen
Kollaborateur des radikalen Zionismus.
Lenni Brenner merkt an, dass der Antisemitismus in der japanischen
Regierung und insbesondere im Heer weit verbreitet war.62 Die japanischen
Generäle waren der Meinung, dass es ein die ganze Welt umspannendes
jüdisches Komplott gebe, und sie verstanden die regionalen Juden als
Agenten dieses Komplotts. Aus diesem Grund wollten sie die Juden der
Mandschurei so schnell wie möglich loswerden und gedachten bei der
Lösung den gleichen Weg wie Hitler einzuschlagen und den radikalen
Zionismus zu unterstützen.
Im Dezember 1937 versammelte sich in der mandschurischen Stadt
Harbin eine von dem Jüdischen Konsortium des Fernen Ostens einberufene
Konferenz. Die Konferenz war von Harbins Zionistenführer Abraham
Kaufman organisiert worden. An den Wänden waren die Flaggen Japans,
Mandschukos und der Zionisten nebeneinander aufgehängt. Vertreter der

91
ADNAN OKTAR

von Jabotinsky gegründeten zionistischen Vereinigung Betar nahmen als


Ehrengäste an der Versammlung teil. Unter diesen befanden sich aber auch
General Higuchi vom japanischen Nachrichtendienst, General Vrashevsky
von der antisemitischen Vereinigung "Eiserne Beschützer" sowie hochrangige
Beamte der von den Japanern in der Mandschurei errichteten
Marionettenregierung. Am Ende der Konferenz wurde ein wichtiger
Beschluss gefasst, der allen jüdischen Organisationen der Welt mitgeteilt
wurde. Die radikalen Zionisten der Mandschurei sollten "mit der Regierung
Japans und der Mandschurei zusammenarbeiten um in Asien eine neue
Ordnung zu errichten". Demgegenüber würde Japan den radikalen
Zionismus als nationale jüdische Bewegung anerkennen und unterstüzen.
Nach kurzer Zeit entwickelten sich die Beziehungen zwischen der
Mandschuko-Regierung und der Betar äußerst positiv, so dass die
Betarmitglieder bei allen Feiern des antisemitischen Regimes auftauchten.63
Doch das Ergebnis der Allianz in der Mandschurei blieb hinter den
Erwartungen zurück. Nur sehr wenige mandschurische Juden konnten nach
Palästina gebracht werden.

Die polnischen Antisemiten und die radikalen Zionisten


In den 1920er Jahren lebten 2,8 Millionen Juden in Polen. Das Land, in
dem der radikale Zionismus relativ stark und aktiv war, beherbergte die
größte jüdische Gemeinde Europas. Doch den Juden, die 10% der
Bevölkerung darstellten, stand ein weit verbreiteter und fanatischer
Antisemitismus gegenüber. Ein starker radikaler Zionismus und eine starker
Antisemitismus... Diese beiden traten nun, wie es ja schon zur Regel gewor-
den war, in die Phase der Zusammenarbeit ein.
Lenni Brenner beschreibt ausführlich die Beziehungen zwischen den
polnischen Antisemiten und einem Teil der radikalen Zionisten. Demzufolge
fand die erste Begegnung 1925 zwischen dem antisemitischen polnischen
Präsidenten Wladyslaw Grabski und den beiden wichtigsten Vertretern der
radikalen zionistischen Bewegung, Leon Reich und Osias Thon statt. Als
Ergebnis weiterer Begegnungen wurde ein "Ugoda" genannter Pakt unterze-
ichnet. Grabski hatte die Hoffnung, wirtschaftliche Unterstützung aus
Amerika zu erhalten und erwartete, dass die mit den radikalen Zionisten
abgeschlossene Vereinbarung ihm dabei hilfreich sei. Diese Zionisten dagegen

92
HARUN YAHYA

hielten bedeutungsvolle Vorteile in Händen. Lenni Brenner schreibt, dass


Reich und Thon aufgrund des mit dem antisemitischen polnischen
Präsidenten abgeschlossenen Vertrages von einigen Juden als Verräter betra-
chtet wurden.64
Doch war diesem Pakt keine lange Lebensdauer beschieden, denn im
Mai 1926 wurde die Regierung durch einen Militärputsch gestürzt. Josef
Pilsudski, der nun an die Macht gekommen war, errichtete eine Diktatur.
Pilsudski war ebenso Antisemit wie sein Vorgänger und knüpfte wieder
Beziehungen mit radikalen Zionisten an. Am 26. Januar 1934 unterzeichnete
Pilsudski mit Hitler einen zehnjährigen Friedens- und Freundschaftvertrag.
Die Freundschaft mit den radikalen Zionisten blieb bis zu Pilsudskis plöt-
zlichem Tod am 12. Mai 1935 bestehen. Die Anführer der zionistischen
Bewegung, Osias Thon und Apolinary Hartglas verkündeteten nach dem Tod
von Pilsudski, dass in Palästina ein "Pilsudski Wald" entstehen würde. Die
Jabotinsky nahestehenden Zionisten in Palästina gaben bekannt, ein Zentrum
für Auswanderer gründen zu wollen, das den Namen des Diktators tragen
sollte.65
Nach Pilsudskis Tod nahm der Antisemitismus weiter zu. In der
Heeresleitung war ein starker Antisemitismus verbreitet. Die fanatischsten

Engelbert Dollfuss, the anti-Semitic dictator of Austria and "one of the Gentile friends of Zi-
onism," in the words of Nahum Sokolow, the leader of the World Zionist Organization.

93
ADNAN OKTAR

Antisemiten jedoch, die die Nazis bewun-


derten, versammelten sich in einer eigenen
rassistischen Partei namens "Naras"
(Nationalistische Radikale). Am Ende der
1930er Jahre begannen von der "Naras" or-
ganisierte Übergriffe auf Juden. Im
Gegenzug stellte der linke assimilationis-
tische Verband "Bund" Milizen auf, um
dieNaras zu bekämpfen. Die radikalen
Zionisten jedoch unternahmen zu keiner
Zeit auch nur irgendetwas gegen die
Naras. Denn die Aussagen der Naras
The puppet state of Manchukuo, estab-
kamen ihren Interessen zugute. Eine der lished by Japanese in Manchuria, was
am häufigsten zu hörenden Parolen der one of the interesting anti-Semitic allian-
Narasmilizen lautete "Moszku idz do ces of radical Zionists. Above: Ceremo-
nies that founded the Manchukuo state.
Palestyny!" (Juden nach Palästina!). Nach
Lenni Brenner interessierten sich die Juden Polens sich nicht für den radikalen
Zionismus, weil sie überzeugt waren, dass dieser von der Naras gefördert
werden würde. Brenner bemerkt außerdem, dass die antisemitische Führung
des polnischen Heeres mindestens ebenso "philozionistisch" (zionistenfre-
undlich) waren, wie die Naras.66
So sehr die Antisemiten Anhänger des radikalen Zionismus waren, so
sehr waren einige radikale Zionisten Anhänger des Antisemitismus. Yitzhak
Gruenbaum, einer der führenden radikalen Zionisten des Landes sagte, dass
in Polen "mehr als eine Million Juden leben" und dass diese Juden dem Land
eine "zu große Last" seien. Abba Achimeir jedoch, einer der führenden Köpfe
der radikalen zionistischen Bewegung in Israel, ging noch weiter, und schrieb
folgenden unglaublichen Satz in sein Tagebuch: "Ich wünsche mir sehr die
Ermordung von einer Million Juden. Vielleicht bemerken sie auf diese Weise,
dass sie in einem Ghetto leben."67

Das Sternkorps und der Versuch einer


militärischen Allianz mit den Nazis
Der Revisionismus, der sich auf einer von der vorherrschenden
Linkslastigkeit der WZO unterscheidenden rassistischen Ideologie gründete,

94
HARUN YAHYA

verstärkte ab Ende der 1930er Jahre seine bewaffneten Unternehmungen in


Palästina. Der bewaffnete Kampf richtete sich gegen die englische
Mandatsherrschaft, die sowohl den Arabern wie auch der jüdischen
Zuwanderung Grenzen setzte, und er wurde von einer Irgun genannten, be-
waffneten und radikalen zionistischen Organisation geleitet. Doch mit dem
Ausbruch des 2. Weltkrieges machten sich innerhalb der Irgun zwei
Fraktionen bemerkbar. Die erste, Jabotinsky verbundene Gruppe, hatte auf
dessen Befehl beschlossen, während des Krieges keine militärischen Aktionen
gegen die Engländer zu unternehmen, sondern solche auf die Zeit nach dem
Krieg zu verschieben. Die kleinere und radikalere zweite Gruppe führte dage-
gen an, England auf jeden Fall und unter allen Bedingungen bekämpfen zu
wollen, solange dieses Land keine Erlaubnis für die Gründung eines jüdis-
chen Staates gab. Diese Gruppe, deren Anführer Avraham Stern war, trennte
sich im September 1940 von der Irgun und gründete eine eigene Organisation.
Die unter dem Namen Sternkorps gegründete, äußerst radikale zionistische
Gruppe wurde unter dem Namen LEHI (Lohamei Herut Yisrael,
Freiheitskämpfer Israels) bekannt.
Die Vereinigung hatte anspruchsvolle Ziele. 18 Prinzipien zufolge, die
Avraham Stern dargelegt hatte, stand ganz oben die Gründung eines jüdis-
chen Staates in der Genesis, also "vom Nil bis zum Euphrat", sowie die
Vertreibung der Araber von diesem Boden und der Neubau des
Salomontempels in Jerusalem.
Da Stern beschlossen hatte, die Engländer zu bekämpfen, dachte er
daran, so schnell wie möglich eine Allianz mit den Feinden Englands einzuge-
hen. Im September 1940, nur ein paar Wochen nach der Trennung von der
Irgun, trat die LEHI mit einem italienischen Agenten in Jerusalem in Kontakt
und schug vor, eine militärische Allianz mit dem faschistischen Italien
einzugehen, wenn Mussolini aktiv zum Ziel der Gründung eines jüdischen
Staates beitragen würde. Da die Italiener jedoch den Einfluß der Bewegung
gering schätzten, konnte kein klares Ergebnis erzielt werden. Daraufhin
entsandte Stern eine bedeutende Persönlichkeit des Verbandes, Naftali
Lubentschik, nach Beirut um sich dort mit Deutschen zu treffen. Lubentschik
nahm dort Kontakt auf zu den beiden Nazis Rudolf Rosen und Otto von
Hentig, und unterbreitete den Nazis einen weitreichenden Vorschlag für eine
militärische Allianz.

95
ADNAN OKTAR

Der Text des Vorschlags, den


Lubentschick im Namen des
Sternkorps den Nazis unterbreitete,
wurde nach dem Krieg in der
deutschen Botschaft in der Türkei ge-
funden. Man nannte ihn das
"Dokument von Ankara". Eine Kopie
konnte spätervon dem deutschen
Historiker Klaus Polkhe in den
Geheimarchiven des 3. Reiches zutage
gefördert werden. Demzufolge unter-
breitete das radikal
zionistischeSternkorps am 11. Januar
1941 der Naziregierung den Vorschlag
Throughout Jozef Pilsudski's dictatorial
eines offiziellen Militärabkommens.
regime in Poland, racist Zionists estab-
Das Dokument von Ankara enthielt lished close relations with Pilsudski, known
unter anderem folgende Paragraphen: for his anti-Semitism.

1. Die Entfernung der jüdischen Massen aus Europa ist eine


Vorbedingung für die Lösung des Judenproblems; die Verwirklichung
dessen ist allerdings gebunden an die Ansiedlung dieser Massen im
Mutterland des jüdischen Volkes, in Palästina, sowie an die Gründung
eines jüdischen Staates in seinen historischen Grenzen. Auf diese Weise
können gemeinsame Interessen mit der Neuen Ordnung entstehen, die
in Europa entstehen wird.
2. Zwischen dem Neuen Deutschland und der hebräischen Welt ist eine
Zusammenarbeit möglich.
3. Die Gründung eines historischen jüdischen Staates auf einer na-
tionalen und totalitären Basis, welche mit einem Vertrag mit Deutschem
Reich gebunden ist, wurde zum Vorteil für Deutschen Nutzen im Nahen
Osten.
Ausgehend von diesen Gedanken unterbreitet die nationale militärische
Organisation in Palästina (NMO) Deutschland den Vorschlag, im Krieg
aktiv an dessen Seite teilzunehmen unter der Bedingung, dass von der

96
HARUN YAHYA

deutschen Regierung die oben genannten nationalen Ziele der


Freiheitsbewegung Israels anerkannt werden.68
Im Dezember 1941 schickt Stern Nathan Yalin-Mor, eine bekannte
Persönlichkeit der Organisation, in die Türkei, um mit den Nazis Kontakt
aufzunehmen. Doch auf dem Weg dorthin wird Yalin-Mor festgenommen und
das geplante Treffen kann nicht stattfinden. Wie Brenner mitteilt, gibt es in den
Archiven keinerlei Hinweis darauf, welche Antwort die Nazis auf diesen
Vorschlag gegeben haben. Doch mit großer Wahrscheinlichkeit betrachteten
die Nazis Stern als eine kleine und wirkungslose Organisation und zogen den
Vorschlag nicht ernsthaft in Erwägung. Doch wichtig an dieser Stelle ist, dass
eine radikale zionistische Organisation noch im Jahr 1941 den Nazis ein
Militärabkommen vorschlug, als der Holocaust bereits begonnen hatte. Ein
weiterer Punkt, der nicht übergangen werden sollte, ist die abstruse Logik
Sterns, dass zwischen der von den Nazis zu gründenden neuen Ordnung und
den Juden wichtige gemeinsame Interessen bestünden. Die Logik, die hinter
der Zusammenarbeit der Vereinigung mit den Nazis liegt, fasst Yalin-Mor
1942, als der Krieg sich in seiner heißesten Phase befindet, folgendermaßen
zusammen: "Unser Projekt, das die Juden dazu bewegt, in Massen auszuwan-
dern, fällt mit der Absicht zusammen, Europa von Juden zu säubern, was
wiederum eines der Ziele Deutschlands ist."69
Ein weiterer bedeutender Punkt ist die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der
Übergabe des Dokuments von Ankara an die Nazis einer der hochrangigsten
Vertreter Sterns Yithzak Schamir war. Schwer zu glauben, doch an der Spitze
der Organisation, die den Nazis ein Militärabkommen vorschlug, befand sich
Yithzak Schamir, der während der Likud-Regierung von 1977 bis 1992
Außenminister Israels war und dann zum Präsidenten gewählt wurde.
Schamir, der in den 1940er Jahren ebenso wie sein Lehrer Menachem Begin
hinter zahlreichen Anschlägen auf Zivilisten stand, sollte einige Jahre nach
den Dokumenten von Ankara seinen Namen mit blutigen Anschlägen auf en-
glische und arabische Ziele bekannt machen.
Die Rolle, die Schamir bei den Bestrebungen Sterns spielte, mit den
Nazis eine Allianz einzugehen ist zweifellos wichtig. Als Jahre später die
Dokumente von Ankara ans Tageslicht kamen, ließ er die an ihn gerichteten
Fragen unbeantwortet, doch war er, wie jede diesbezügliche Quelle zugibt,
eines der wichtigen Gehirne hinter dem Vorschlag Sterns an die Nazis.

97
ADNAN OKTAR

Avraham Stern (to the side),


who established a new organi-
zation with radicals like him-
self after leaving Irgun, offered
the Nazis a military alliance in
1941. Nathan Yalin-Mor (far
left) assigned to meet with the
Nazis on behalf of Stern, would
later explain the logic of this al-
liance by stating that the pro-
ject of convincing the Jews to
immigrate en masse was in full
accord with Germany's aim of
cleansing Europe of the Jews.

Im Jahr 1989 wurden diese Dokumente über Yitzhak Schamir von seinen
eigenen Landsleuten bekanntgegeben. Die Veröffentlichung der Geschichte
der Dokumente von Ankara in der Jerusalem Post, einer der größten Zeitungen
Israels, rief einen Schock im wahrsten Sinne des Wortes hervor; denn das
Redeverbot über diese heiklen Beziehungen war zum ersten Mal durch-
brochen worden und auch noch von einer jüdischen Zeitung. Die Nachricht
der Jerusalem Post fand unter Vermittlung der Zeitung Zaman Widerhall in der
türkischen Presse. Die Überschrift des Artikels lautete "Der erste Schritt Israels
zur Wahrheit: Die Zusammenarbeit zwischen Schamir und den Nazis wurde
an die Öffentlichkeit gebracht". Die Nachricht, die Zaman unter Verweis auf
die Jerusalem Post veröffentlichte, enthielt weitere wichtige Informationen: So
konnte zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen den radikalen Zionisten
und den Nazis zum ersten Mal 1989 aufgezeigt werden; auch war zu lesen,
dass der israelische Staat bis zu diesem Datum verboten hatte, über dieses
Thema zu sprechen, dass also die Zusammenarbeit zwischen einigen zionis-
tischen Führern und hochrangigen Beamten der Naziregierung kein Thema
war.Heute wird in einem großen Teil der dieses Thema behandelnden Bücher
von den Dokumenten von Ankara gesprochen. Doch die meisten Autoren,
insbesondere jüdische Autoren bewerten die Stern-Nazi Beziehungen als
einen unverständlichen Widerspruch. So interpretiert Yehoshafat Harkabi, ein
ehemaliger Offizier der israelischen Armee in seinem Buch Israel's Faithful

98
HARUN YAHYA

Hour (Israels Schicksalsstunde) dieses Ereignis als "ein nicht zu verstehender


Schnitt durch die jüdische Geschichte". Doch unverständlich ist keine Seite
dieser Geschehnisse und der Grund für solche Bewertungen ist darin zu
sehen, dass von den Beziehungen zwischen den Nazis und den radikalen
Zionisten vielen Menschen nur die Ereignisse im Zusammenhang mit der
Stern-Gruppe bekannt sind. Denn nur das Stern-Dossier war in der Öf-
fentlichkeit diskutiert worden. Die Beziehungen zwischen der WZO und den
Nazis, sind immernoch sehr wenig bekannt.
Eine letzte beachtenswerte Quelle ist das Buch von Hannah Arendt
Eichmann in Jerusalem, die ebenso wie Brenner antizionistisch eingestellt war.
Arendt macht Eichmann zum Hauptthema und berührt die Seiten der
Zusammenarbeit zwischen Nazis und radikalen Zionisten, über die vorher
kaum gesprochen wurde.

Adolf Eichmann
Das Buch Hannah Arendts, Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht über die
Banalität des Bösen ) ist das wichtigste Buch, das die Beziehungen zwischen
den radikalen Zionisten und den Nazis behandelt. Das Buch ist deshalb von
Bedeutung, da die Autorin in der jüdischen Gemeinde Amerikas populär war
und zugleich eine berühmte Politwissenschaftlerin war.
Arendts Buch behandelt die Gefangennahme des Nazioffiziers Adolf
Eichmann 1960 in Argentinien durch Agenten des Mossad, der daraufhin
nach Israel gebracht und vor Gericht gestellt wurde, sowie dessen Aussagen
vor Gericht. Eichmann war unter dem Befehl des Gestapo Chefs Reinhard
Heydrich beauftragt, die "Judenfrage" zu lösen.
Zu Beginn des Buches fällt Ahrendts interessantes Urteil bezüglich der
von den Nazis 1935 veröffentlichen Nürnberger Rassengesetze auf: Diese
Gesetze waren in der Absicht erlassen worden, die Juden in der deutschen
Gesellschaft total zu isolieren. Arendt meint, dass dies aus dem Blickwinkel
einiger der "die Einheit des Hauses Israel" schützen wollenden Juden über-
haupt nicht negativ aufzufassen sei, und erinnert daran, dass auch wenn ein
ähnliches Gesetz in Israel heute nicht schriftlich verfasst ist, es doch ein an-
erkanntes Verbot für Juden ist, einen "Goyim", also einen Nichtjuden zu
heiraten.70

99
ADNAN OKTAR

Wenn Arendt dann auf den folgenden Seiten von der Vergangenheit
Eichmanns spricht, zeigt sie auf, dass er in seiner Jugend kein Antisemit war
und sogar enge Beziehungen mit Juden unterhielt, zum Beispiel mit dem
Juden Weiss, dem Direktor der Austrian Vacuum Oil Company. Arendt zu-
folge interessierte sich Eichmann für die Freimauerei und besuchte eine Weile
die Schlaraffia Loge.
Doch die eigentliche Aufgabe Eichmanns beginnt mit seinem Eintritt in
den SD (Sicherheitsdienst), der 1934 innerhalb der SS als besondere und
geheime Abteilung eingerichtet wurde. Der SD, der von SS Chef Himmler ein-
gerichtet worden war, fungierte als Nachrichtendienst und wurde von
Reinhard Heydrich geleitet. Nach kurzer Zeit wird Eichmann ins
"Judenreferat" versetzt, wo er zum "Experten für Judenfragen" wird. In diesen
Jahren unternimmt Eichmann seine ersten Treffen mit zionistischen Führern
in Deutschland.71 Arendt stellt folgendermaßen dar, wie Eichmann während
dieser Zeit Herzls Buch Der Judenstaat liest, von diesem außerordentlich
beeindruckt ist, und den Zionismus übernimmt:
Eichmann war dem Zionismus eng verbunden nachdem er Der
Judenstaat gelesen hatte, das er von Albert Speer erhielt. Ab diesem
Datum befürwortete er oft, dass das Judenproblem eine 'politische
Lösung' erfordere und sagte, 'mein Ziel ist es, den Juden sicheren Boden
unter den Füßen zu geben'. Er begann diesen seinen Gedanken in der SS
zu verbreiten, indem er Broschüren verteilte und mündlich vorsprach. Er
lernte Hebräisch. Dann las er das Buch History of Zionism von Adolf
Böhm, was eines der grundlegenden Werke des Zionismus ist. Dies war
ein ziemlich großer Erfolg für jemanden, der sein Leben lang nichts an-
deres als Zeitung gelesen hatte.72
Die Nähe Eichmanns zum Zionismus resultierte daraus, dass er die
Parallele der Ziele von radikalen Zionisten und Nazis erkannte. Sie bedeutete
für die Nazis, das Reich "judenfrei" zu machen, während sie für einige
Zionisten einen Judenstaat bedeutete.
In Wahrheit war es Rassismus, was Eichmann behauptete mit einigen
Zionisten zu teilen. Die Rassisten beider Seiten wollten nicht, dass Deutsche
und Juden zusammenlebten, und sie verstanden sich deshalb sehr gut auf
diesem kleinsten gemeinsamen Nenner. Auf dieser Grundlage beruhte die

100
HARUN YAHYA

Yitzhak Shamir, one of the leading directors of the


Stern organization that offered a military alliance
to the Nazis. Right: An identity card that Shamir
used during 1940s, when he was searched for his
terrorist actions.

Unterstützung der Nazis für die Auswanderung der Juden nach Palästina.
Doch während der Zeit, in der Eichmann solch enge Beziehungen mit
den radikalen Zionisten unterhielt, organisierte er auf der anderen Seite
Vorkommnisse, die die deutschen Juden beunruhigten. So stiftete der SD der
SS Pogrome an und organisierte sie, unter anderen die sogenannte
Reichskristallnacht (Reichspogromnacht) in der tausende jüdische Geschäfte
geplündert und Synagogen niedergebrannt wurden. Das Ziel war, die Juden
vor der Assimilierung zu retten und zur Auswanderung zu bewegen.
Nach all diesen Informationen soll noch einmal auf eine wichtige
Tatsache hingewiesen werden. Es ist ein natürliches Recht der Juden, ein
Vaterland zu besitzen, und es ist auch in höchstem Maße natürlich, zu diesem
Zweck nach Palästina, auf den Boden der Vorväter auszuwandern. Auch ist
der Zionismus eine vernünftige Ideologie, solange er in einem legalen
Rahmen die Rechte der Juden verteidigt. Doch die historischen Tatsachen und
die Bedingungen unserer heutigen Zeit stehen den Vorstellungen der
radikalen Zionisten entgegen, die glauben, dass dieser Boden nur ihnen

101
ADNAN OKTAR

gehört, die darüber hinaus die


Besetzung anderer Gebiete der
Region planen, das Ziel der
Weltherrschaft verfolgen und dies
mit einer entsprechenden Politik
durchzusetzen versuchen. Der
palästinensische Boden ist für
Muslime und Christen ebenso heilig
wie er es für Juden ist. Auf diesem
Boden müssen die Angehörigen
aller drei Religionen in Frieden
leben können, ihre Gebete nach
Wunsch verrichten und die
gesuchte Sicherheit finden können.
Nicht akzeptiert werden kann die After being assigned as SD's (Sicherheitsdi-
enst—the security service of the SS) specialist
Geringschätzung einer Gesellschaft
for Jewish emigration, Nazi officer Adolf Eich-
durch eine andere, das Ignorieren mann started to take a special interest in radical
grundlegegender Menschenrechte Zionism. He read the books of various Zionist
writers, especially Herzl, and even learned Heb-
und das Vorherrschen einer
rew. He very much liked the radical Zionists'
Anschauung, die das gegenseitige philosophy and the mission, and became one of
Recht auf Leben nicht anerkennt. the leading architects of the alliance the Nazis
established with them.

102
TEIL ZWEI

Der Holocaust

1933 versank ganz Deutschland in Dunkelheit. Nach jahrelanger


Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und politischem Stillstand, begleitet
von Straßenkämpfen undrassistischen Übergriffen kamen die
Nationalsozialisten unter Führung von Adolf Hitler an die Macht. Sie erhiel-
ten bei den Wahlen die meisten Stimmern und Hitler wurde zum
Reichskanzler ernannt. Innerhalb kurzer Zeit wurde er zu Deutschlands
unumstrittenen Diktator.
Die 13 Jahre von 1933 bis 1945 sollten zur Bühne von immer heftiger wer-
denden Gewaltausbrüchen werden, die schliesslich im 2. Weltkrieg gipfelten.
Zunächst begannen die Nazis ihre politischen Konkurrenten zu beseitigen.
Gleichzeitig begannen sie ihr Eutanasieprogramm, den systematischen Mord
an Geisteskranken und Behinderten, "lebensunwertes Leben" nach ihrer per-
vertierten Rassentheorie. Sie entrechteten und unterdrückten die Juden und
andere in Deutschland lebende Minderheiten. Ab 1939 wuchs sich dies zum
durchorganisierten Massenmord aus. In den entsetzlichen "Arbeitslagern" der
Nazis wurden bis 1945 insgesamt 11 Millionen Menschen ermordet. Diese
Lager, in denen das Töten von Menschen industrialisiert wurde, entwickelten
sich zur Maschinerie des Massenmords, der Neugeborene, Kinder, Alte,
Kranke und schwache Menschen unterschiedlos zum Opfer fielen. Während
des 2. Weltkrieges, den die Nazis, von ihrer krankhaften Ideologie getrieben,
begannen, führten sie in den von ihnen besetzten Ländern zahllose
Massenmorde aus, insbesondere unter den osteuropäischen Nationen, die sie
als "minderwertige Rassen" betrachteten. Im zweiten Weltkrieg starben 55

103
ADNAN OKTAR

Millionen Menschen. 30 Millionen von ihnen waren von den Nazis getötete
Zivilisten.

Die Nationalsozialisten und ihre Feinde


Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) wurde im
Januar 1919 als Deutsche Arbeiterpartei in München gegründet und wuchs
unter Hitlers Führung innerhalb weniger Jahre zu einer nationalen politischen
Kraft. Doch zweifellos gab es ausser Hitler einige wichtige ideologische
Wegbereiter der Partei.
Die grundlegende Lehre des Nationalsozialismus war der Rassismus.
Die gesamte Ideologie gründeteauf der angeblichen "Überlegenheit der
arischen Rasse", auf der Bedrohung dieser Rasse durch minderwertige
Rassen, sowie auf der angeblichen Notwendigkeit der Beseitigung dieser
Bedrohung durch ein methodisches Vorgehen. Die Quelle dieser krankhaften
Ideologie war der Sozialdarwinismus des 19. Jahrhunderts.
Der Sozialdarwinismus war die Übertragung der Darwin'schen
Evolutionstheorie auf die Sozialwissenschaften. In seinem 1859 veröf-
fentlichten Buch Der Ursprung der Arten und in dem 1871 veröffentlichten

Social Darwinism's perverted teachings,


which regard human races as different speci-
es of animals, consider the use of the tooth-
and-claw force seen among animals as enti-
rely legitimate among human beings.

104
HARUN YAHYA

Werk Die Abstammung des Menschen führte Darwin aus, dass sich die
Rassen als Ergebnis eines "Rassenkampfes" entwickelten, und die starken
Rassen den anderen überlegen seien. Darwin missachtete die Tatsache, dass es
in der Natur eine göttliche Ordnung und Harmonie gibt, und er vertrat die
Lüge, alle Lebewesen und Rassen befänden sich in einem immerwährenden
Kampf ums Überleben. Darwin zufolge war die weiße Rasse allen anderen
Rassen überlegen und infolgedessen würden diese in naher Zukunft vom
Erdboden verschwinden. Obwohl diese Ansicht keinerlei wissenschaftliche
Basis besaß, wurde sie aus ideologischen Gründen von einflussreichen
Kreisen übernommen und unterstützt.
So fand die Theorie Darwins rasch Verbreitung. Wer der Theorie folgte,
war im allgemeinen gegen das Leben nach der religiösen Moral. Der
Engländer Herbert Spencer passte die durch Darwin mit Begriffen aus der
Biologie angereicherte Theorie den Gesellschaftswissenschaften an und en-
twickelte den Sozialdarwinismus. Befürworter dieser Lehre waren der franzö-
sische Schriftsteller Arthur Gobineau, der als Vater des modernen Rassismus
angesehen wird, sowie der englische Autor Houston Steward Chamberlain,
der dessen rassistische Theorien noch weiter fanatisierte. Chamberlain war
ein Bewunderer der Deutschen. Gleichzeitig war er ein fanatischer
Judenfeind. Chamberlain betrachtete den Stamm Israels als den heidnischen
deutschen Urvätern unterlegen.
Chamberlain starb im Jahre 1927. An seinem Totenbett stand ein
berühmter Besucher: Adolf Hitler. Hitler hatte, beeindruckt von Chamberlain
und von anderen sozialdarwinistischen Ideologen zusammen mit Alfred
Rosenberg die Nazi Ideologie entwickelt. Den Titel seines Buches Mein Kampf,
in dem er seine rassistischen Ansichten darlegt, hatte er aus der sozialdarwin-
istischen These des Kampfes zwischen den Rassen abgeleitet. Hitlers per-
verser Logik zufolge, drehte sich die gesamte Weltgeschichte um die deutsche
Rasse:
1) Hitler glaubte, dass die deutsche Rasse sowohl physisch wie auch in-
tellektuell und kulturell anderen Rassen überlegen sei, demzufolge die semi-
tischen und slawischen Rassen unterlegen sein mussten.Die deutsche Rasse
brauchte zu ihrer Entfaltung mehr "Lebensraum" und musste diesen durch
die Vernichtung der im Osten Deutschlands befindlichen semitischen und
slawischen Bevölkerung, Juden, Polen und Russen, gewinnen.

105
ADNAN OKTAR

2) Hitler legte großen Wert auf die "Reinheit" der deutschen Rasse.
Dementsprechend mussten praktische Maßnahmen wie das Verbot von
"Mischehen" ergriffen werden.
3) Hitlers Begriff von der rassischen Reinheit sah gleichzeitig
Maßnahmen vor, die Menschen mit Erbkrankheiten zunächst von der
Gesellschaft isolieren und später zu deren Ermordung führten.
4) Die Bekämpfung "Undeutschen Gedankenguts" bedeutete die
Unterdrückungvon Ideen und Glaubensinhalten, die nicht mit der Nazi-
Ideologie übereinstimmten. Religiöse Christen, Liberale oder Angehörige an-
derer Religionen waren "Elemente", die es dem perversen Glauben der Nazis
zufolge zu vernichten galt.
Diese Mischung aus sozialdarwinistischer und rassistischer Ideologie
brachte den Völkermord an der Juden und einen vielfachen erbarmungslosen
Massenmord hervor, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Auf den fol-
genden Seiten werden wir die Geschichte der unschuldigen Verluste dieser
Nazigreuel untersuchen. Zunächst werden wir die Juden zur Sprache brin-
gen, die das Hauptziel der Nazis darstellten und dann die anderen, meist ver-
nachlässigten Menschen, die ebenso sehr wie die Juden gelitten haben, also
die Verluste des "vergessenen Holocaust".

Die Anfänge des Holocaust


Nachdem die Nazis an die Regierung gekommen waren, begannen sie
mit der Beseitigung aller Gruppierungen, die sie als Feinde ausgemacht hat-
ten. Dabei standen die Juden, die in der perversen Ideologie der Nazis die
"Quelle allen Übels der Welt" waren, ganz oben auf der Liste.
Die Straßenbanden, die die Nazis unter dem Namen SA
(Sturmabteilung) aufgebaut hatten, führten schon vor ihrer
Regierungsübernahme Überfälle auf jüdische Wohnungen und Geschäfte
durch. Mit der Regierungsübernahme 1933 vermehrten sich die Übergriffe der
SA. Im selben Jahr begannen die Nazis einen Boykott gegen jüdische
Geschäfte und Betriebe. Überall in Deutschland waren Plakate mit der Parole
"Kauft nicht bei Juden" aufgehängt, auf denen die Juden zudem häßlich und
abschreckend dargestellt wurden. Ein Gesetz, das im September 1933 veröf-
fentlicht wurde, verbot den Juden, Immobilieneigentum zu besitzen. Im
November 1933 wurde den Juden das Herausgeben von Zeitungen verboten.

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HARUN YAHYA

1934 traten Gesetze in Kraft, die den Juden die Mitgliedschaft in


Gewerkschaften und Krankenversicherungen verboten, und sie aus der
Ärztekammer und der Rechtsanwaltskammer ausschlossen, so dass es ihnen
verboten war, diese Berufe weiter auszuüben. 1935 wurden alle Juden aus
dem Militär entlassen.
Die ebenfalls 1935 in Kraft getretenen Nürnberger Gesetze beendeten für
Juden generell die Möglichkeit der Zulassung zu zahlreichen anderen
Berufen. Ehen zwischen Juden und Deutschen wurden verboten und galten
als "Rassenschande", was ein Verbrechen war. 1937 wurden den Juden auch
die Berufe Lehrer Arzt und Zahnarzt verboten, da sie "das deutsche Volk
geistig und körperlich vergiften". Im November des gleichen Jahres wurde
der antisemitische Film "Der Ewige Jude" in ganz Deutschland gezeigt.
In den Schulen indoktinierten die Lehrer die Schüler gegen die sogenan-
nte "Judengefahr". Hier ein Beispiel solcherart Gehirnwäsche:
Heute geht es in der 7. Klasse von Lehrer Birgmann lebhaft zu. Er spricht
über die Juden. Er hat einige Figuren an die Tafel gezeichnet.Birgmann schaut
auf die Uhr:
"Es ist Mittag, Kinder. Wir müssen jetzt das zusammenfassen, was wir
vorhin gelernt haben. Was haben wir zuletzt besprochen?"
Jeder hebt den Finger und Herr Birgmann ruft den vorn sitzenden Karl
Scholz auf.
"Wir haben gelernt wie man Juden
erkennt."
"Schön! Kannst du das ein biss-
chen weiter ausführen?"
Der kleine Karl steht auf, zeigt auf
die Figuren an der Tafel und fährt fort:
"Es ist ganz einfach, die Juden an
ihren Nasen zu erkennen. Diese ähnelt
einer '6' und wird "Judensechs"
genannt. Auch manche Nichtjuden
haben eine Hakennase, doch ist die
nach oben gebogen, nicht nach unten.
Children in Hitler's Germany were brought
Solche Nasen sind Hakennasen oder
up with anti-Semitic teachings. Above:
Adlernasen. Diese haben nichts mit Children learning anti-Jewish slogans.
einer jüdischen Nase zu tun."

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ADNAN OKTAR

"Sehr gut" sagt der Lehrer. "Jetzt soll Richard hierher kommen und weiter
erklären wie man Juden unterscheidet."
Der lachende blonde Richard kommt an die Tafel: "Einen Juden kann
man auch an der Bewegung und dem Verhalten erkennen. Der Kopf eines
Juden wackelt ständig von vorne nach hinten. Sein Gang ist auch komisch, er
wankt von rechts nach links. Wenn er redet bewegt er Arme und Hände. Seine
Stimme ist komisch, so als ob er aus der Nase spricht. Er hat einen schlechten,
süßlichen Geruch. Wenn euere Nase gut riecht, dann erkennt ihr einen Juden
am Geruch."
Der Lehrer ist zufrieden.
"So ist das Kinder. Seid vorsichtig! Wenn ihr dies beim Verlassen der
Schule im Gedächtnis behaltet, dann können euch die Juden nicht hinters
Licht führen!"
Der Lehrer dreht die Tafel um und einer der Schüler liest das an die Tafel
geschriebene Gedicht vor:
"Wegen einem Juden
Spricht zu uns der böse Teufel
Lasst uns in jedem Land
die Juden loswerden, die ein Teufel mit ansteckender Pest sind
Lasst uns wieder fröhlich und glücklich sein
Alle Jugendlichen müssen kämpfen
Dieser Teufel muss geprellt werden!73
In der so "erzogenen" deutschen Gesellschaft nahm die
Judenfeindlichkeit ständig zu. 1938 wurde aller Besitz sowie Grund und
Boden der Juden registriert und neue Sanktionen verhängt.
Die "Kristallnacht" in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war
der Anfang einer neuen Phase der Unterdrückung der Juden.
Vorausgegangen war am 7. November die Erschießung eines Angestellten der
Deutschen Botschaft in Paris durch den 17jährigen polnischen Juden Herschel
Grynszpan, dessen Familie von den Nazis gequält worden war. Die Nazis or-
ganisierten daraufhin in ganz Deutschland Übergriffe auf jüdische
Synagogen, Wohnungen und Geschäfte.
In dieser Nacht wurden 1350 Synagogen in Brand gesteckt, mehr als 90
Juden getötet, 30.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt, 7.000 jüdische
Geschäfte geplündert und tausende von jüdischen Wohnungen demoliert. Die

108
HARUN YAHYA

Herkunft des Begriffs "Kristallnacht" ist in dem Anblick der zerbrochenen


Fensterscheiben der geplünderten Gebäude zu suchen. Die deutsche
Regierung machte die Juden selbst für die Ereignisse verantwortlich und trieb
von ihnen den Gegenwert der zerbrochenen Fensterscheiben in der
unglaublichen Höhe von einer Milliarde Mark ein.
Nach der Kristallnacht nahm die Unterdrückung der Juden zu.
Nachdem sich Deutschland 1938 mit Österreich vereinigt hatte, kamen zu den
55.000 deutschen Juden 200.000 österreichischen Juden hinzu, und außer der

The Fasanenstras-
se Synagogue, one
of the hundreds of
synagogues demo-
lished during Kris-
tallnacht, when Je-
wish homes and
shops were looted.

109
ADNAN OKTAR

Gruppe von Zionisten, die mit den Nazis zusammenarbeitete, begann für alle
diese Menschen ein Leben voller Schrecken.

Krieg und Holocaust


Die Truppen der Nazis besetzten am 15. März 1939 die
Tschechoslowakei. Als sie am 1. September des gleichen Jahres Polen beset-
zten, erklärten England und Frankreich Deutschland den Krieg. Die
Besetzung Polens gab der "Lösung der Judenfrage", wie die Nazis es nannten,
eine neue Dimension. In dem von den Deutschen besetzten Teil Polens - der
Rest war von der Sowjetunion besetzt worden - lebten mehr als eine Million
Juden. Die Nazis trieben diese Juden entweder in riesigen Ghettos zusammen
oder verschleppten sie in die neu errichteten Konzentartionslager. Allen
Juden war zudem befohlen worden, den gelben sechszackigen Stern zu tra-
gen, der ihre Identität offenlegte.
Gestapochef Heydrich befahl den in den eroberten Gebieten operieren-
den SS Einsatzgruppen, alle Juden in den besetzten Gebieten zu finden und in
dieGhettos bzw. Konzentrationslager einzuliefern.
Bis zum Herbst 1940 hatte die deutsche Wehrmacht Dänemark,
Norwegen, einen Grossteil Frankreichs, Belgien,
Holland, Luxemburg, Bulgarien und
Jugoslawien besetzt. Zusätzlich zu
Italien und Japan, den Alliierten
Nazideutschlands, erklärten auch
Ungarn, Rumänien und die Slowakei
ihre Allianz mit den Deutschen. Die
größte Operation des deutschen Heeres
begann am 22. Juni 1941 mit dem
Angriff auf die Sowjetunion. Innerhalb
von 12 Wochen hatte die deutsche
Wehrmacht Kiew erobert und war
einen Monat später bis in die Nähe von
Moskau vorgerückt.
Jews in Nazi Germany were In den ersten beiden Jahren des 2.
forced to sew this symbol on- Weltkrieges war fast ganz Europa von den Küsten
to their clothing, proclaiming
Frankreichs bis nach Moskau und von Dänemark
their Jewish identity.

110
HARUN YAHYA

bis nach Griechenland von Deutschland bzw. seinen Verbündeten besetzt. Bis
1945 wurden in allen eroberten Gebieten systematisch Massenmorde an den
Juden und anderen ethnischen und religiösen Minderheiten verübt. Selbst als
1944 klar war, dass die Deutschen den Krieg verlieren würden, setzten die
Nazis den Holocaust fort. Sogar in der letzten Kriegsphase war es das
allererste Ziel der Nazis, Zigeuner, Polen und Slawen zu vernichten, die sie als
"minderwertige Rasse" betrachteten. Hitler wußte, dass er den Krieg verlieren
würde, wollte aber vorher noch alle Juden vernichten. Der Holocaust fand im
wesentlichen durch drei verschiedene Institutionen bzw. Methoden statt:
1) Die Ghettos: Diese Gefängnisse unter freiem Himmel in die man die
Juden mit Gewalt sperrte, wurden verwendet um die Menschen langsam zu
töten.
2) Konzentrationslager: Diese Lager waren zunächst errichtet wurden,
um die Juden und andere Gefangene als Zwangsarbeiter auszubeuten. Doch
ab Beginn des Jahres 1942 begann man, die Insassen dieser Lager in Massen zu
vernichten. Insgesamt 11 Millionen Menschen, 5,5 Millionen Juden, 500.000
Sinti und Roma, 3 Millionen Polen, 400.000 Behinderte, hunderttausende
Russen und zahllose Kriegsgefangene verschiedener Nationen wurden in
diesen Lagern systematisch ermordet.
3) Massenmorde in den besetzten Gebieten: Vor allem die SS
Einsatzgruppen aber auch die Wehrmacht sind für Massenmorde an der
Zivilbevölkerung verantwortlich.

Tod in den Ghettos


Das Warschauer Ghetto war das grösste von allen.
Bevor die Nazis kamen, waren ungefähr ein Drittel der 1 Million
Einwohner Warschaus Juden. Nach der Besetzung durch die Nazis wurden
Juden aus anderen Regionen in die Stadt gebracht und die Zahl der Juden
stieg auf 450.000. Die Nazis pferchten sie in ein von Mauern umgebenes Areal,
das nur 2,3% der gesamten Stadtfläche ausmachte. Das ärmste Viertel der
Stadt war für die Juden reserviert worden und die Juden der anderen
Stadtteile wurden gewaltsam dorthin gebracht.Zuvor jedoch wurden ihnen
Geld und Wertsachen abgenommen.
Die Lebensbedingungen im Ghetto waren schrecklich. In einem Zimmer
quetschten sich sieben Familien zusammen. In das Ghetto wurden sehr wenig

111
ADNAN OKTAR

Nahrungsmittel gebracht und jeder lebte an der Grenze zum Hungertod. Die
Häuser waren voller Ratten und Ungeziefer. Die Bewohner des Ghettos waren
jederzeit den Grausamkeiten ihrer Bewacher ausgesetzt. Die Nazis ließen alte
Juden, die kaum noch laufen konnten, Straßen mit Wasser und Seife waschen
und verspotteten deren Qual. Menschen im Ghetto wurden beliebig geschla-
gen, und die Nazis vergnügten sich damit, die aus religiösen Gründen lang
gehaltenen Schläfenlocken und Bärte der alten Juden abzuschneiden. Im
Durchschnitt starben 100 Menschen pro Tag an Hunger, Krankheiten,
Schlägen und Folter. Die Bilder der hungrigen, elenden und kranken Kinder
des Warschauer Ghettos lassen ahnen, welche Qualen unschuldige Menschen
hier erdulden mussten.
Ein Überlebender des Warschauer Ghettos erinnert sich:
Es begann mit der brutalen Ermordung von 34 unschuldigen Juden, un-
mittelbar nachdem die Deutschen die Stadt besetzten. Die Deutschen
suchten Vorwände, um die Juden zu ermorden. Die SS fragte einen
Nichtjuden wo denn die Juden wohnten. Er deutete auf das Haus von
Itzhak Goldfliess. Die SS betratt das Haus meines Freundes und tötete
dessen Vater und Mutter, seine Frau und die beiden Kinder. Am ersten
Sabbat der Besatzung versammelten die Deutschen alle Juden und be-
fahlen ihnen, im Stadtzentrum eine geräumige Grube zu graben. Dann
befahlen sie, die Grube mit Erdaushub und Abwasser aus den öf-
fentlichen Toiletten zu füllen. Dann wurde ihnen gesagt nach Hause zu
gehen und zur Mittagszeit in ihrer Sabbatkleidung wiederzukommen.

Jews who took part in the 1943 Warsaw Ghetto up-


rising were all put to death en masse. These Jews
were murdered shortly after leaving the ghetto.

Jews rounded up in the


camps were stripped of
everything they possessed,
including their money.

112
Hundreds of thousands of innocent Jews were slaughtered in the Warsaw
Ghetto, a place of starvation and poverty.

113
ADNAN OKTAR

Unter den verwunderten Blicken


aller reihten sie die Juden auf, um
sie in die Abwassergrube zu
stossen. Sie zwangen die Juden.
einen Tag lang in der mit Abwasser
gefüllten Grube zu bleiben. Die
Deutschen schlugen auf sie ein und
gaben manchmal auch den mit
Holzscheiten, Rechen und Prügeln
bewaffneten Ukrainern die
Gelegenheit, die Juden zu schlagen.
Wann immer jemand versuchte aus
der Grube zu klettern, wurde er von
den deutschen SS Offizieren oder
den ukrainisichen Zivilisten
geprügelt, die dafür sorgten, dass er
wieder hineinfiel.74
300.000 Menschen kamen 1942
im Warschauer Ghetto um. Viele
starben an Hunger und ansteck-
enden Krankheiten, andere wurden
in Konzentrationslagern ermordet.
Im April 1943 begann ein Teil der im
Ghetto verbliebenen ungefähr
In 1943, the last Jews remaining in the Warsaw 60.000 Menschen einen hoff-
Ghetto initiated an uprising against Nazi oppres- nungslosen Aufstand. Obwohl sie
sion, which the Nazis suppressed with terrible
über nahezu keine Waffen ver-
bloodshed.
fügten, kämpften sie ganze drei
Wochen gegen die Nazis. Doch schließlich konnten die Nazis die Kontrolle
zurückgewinnen und töteten alle im Ghetto befindlichen Juden. Von den
500.000 Bewohnern des Warschauer blieb nur eine Hand voll am Leben.
Auch in den anderen von den Nazis errichteten Ghettos wurden hun-
derttausende Juden ermordet, nachdem sie unter Armut, Hunger, Angst und
Folter gelitten hatten.

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HARUN YAHYA

Die Endlösung
Zu Beginn des Jahres 1942 beschlossen Hitler und sein Generalstab die
"Endlösung der sogenannten Judenfrage" anzustreben. Es bedeutete die sys-
tematische Ermordung aller Juden und sollte gewährleisten, dass in den unter
Naziherrschaft stehenden Gebieten kein einziger Juden mehr leben würde.
Gestützt auf diesen Beschluss wurden einige der Konzentrationslager in
"Vernichtungslager" umgewandelt. Dann begann man, alle Juden, deren man
habhaft werden konnte, in die Lager zu bringen, zuerst die deutschen Juden,
dann –die Juden aus den besetzten Ländern wie Polen, Frankreich, der
Tschechoslowakei, Kroatien, Rumänien, Serbien, Griechenland, Russland, der
Ukraine und Ungarn. Durchgeführt wurden die Massendeportationen von
der SS. Den Juden wurde gesagt, sie würden in den Lagern arbeiten. Doch die
meisten wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet, andere wurden bis
zu ihrer Arbeitsunfähigkeit zu Zwangsarbeit gezwungen, bevor auch sie er-
mordet wurden.
Jüdische Familien, die mit Waffengewalt und unter Schlägen aus ihren
Wohnungen verschleppt worden waren, wurden zu tausenden in Züge
gepfercht, die aus Viehwaggons bestanden. Auf den Bildern, die diese
Ereignisse dokumentieren, sind die Angst in den Gesichtern der Menschen,
und der sadistische Hass der Nazis deutlich zu erkennen.Kleinstkinder, alte
Frauen, Männer, die kaum laufen konnten und schwangere Frauen, alle wur-
den von den Nazis unbarmherzig unter Einsatz von Schlagstöcken und
Reitpeitschen in die Waggons getrieben.
Die Erinnerungen eines überlebenden Juden zeigen, wie menschenun-
würdig schon ihre Deportation von ihren Wohnorten durchgeführt wurde:
Sie haben uns morgens um
9 Uhr versammelt, und bis
wir in Chortkow ankamen
war es Abend geworden.
Den ganzen Tag ver-
brachten wir damit, ohne
Unterbrechung und hun-
grig im Schnee zu laufen.
Jeder war vor Müdigkeit The Nazis carried out mass slaughters in nearly all
erschöpft. the lands they occupied.

115
ADNAN OKTAR

Dann brachten sie uns ins Gefängnis. Dort mussten wir an einer Reihe SS
Offizieren und Ukrainern vorbeigehen und jeder wartete mit dem Prügel
in der Hand ungeduldig darauf, diesen auf dem Kopf irgendeines von
uns niedersausen zu lassen... Ich war überall blau und blutete… Danach
wurde ich in eine winzige Zelle mit 60 Personen gesteckt. Es gab keinen
Platz zum Sitzen oder um sich auszustrecken. Wir steckten wie die
Sardinen in der Dose und waren gezwungen, hungrig, ohne Wasser und
unter Schmerzen auf den Füßen zu stehen, während wir überall
bluteten...
Wir waren sicher, dass sie uns am Morgen herauslassen und uns etwas
zu essen geben würden. Doch auch am Morgen änderte sich nichts. Den
zweiten Tag und noch die zweite Nacht mussten wir wie die Sardinen in
der Büchse stehend verbringen...
Viele Menschen begannen die "Schema Yisrael" zu murmeln, ein Gebet,
das man vor dem Tod sprechen muss. Doch gerade dann öffneten die
Deutschen die Türen und ließen uns aus der Zelle heraus. Jeder bemühte
sich, den Körper zu bewegen und tief Luft zu holen... Dann begannen die
Deutschen uns Brotstücke zuzuwerfen, wie man Straßenhunden Essen
vom Esstisch zuwirft. Die Menschen stritten sich wie die Tiere um die
Brote und stopften sich diese in den Mund, um zu verhindern, dass an-
dere sie ergatterten. Dann füllten die Deutschen eine Badewanne mit
Wasser und wir alle tranken daraus wie die Kühe. Gerade als wir anfin-
gen zu trinken, begann ein Soldat, uns zu schlagen: "Los, los, weiter!"...
Sie ließen uns zu der einen Kilometer entfernten Bahnstation laufen.
Während des gesamten Weges konnten die deutschen Soldaten mit
Knüppeln in den Händen mit uns verfahren wie sie wollten. Jeden
Moment konnte jemand durch einen Schlag auf den Nacken oder einen
Tritt in den Bauch zu Boden stürzen. Obwohl wir sehr dünn waren, be-
mühten wir uns deshalb, so schnell wie möglich zu laufen. Als wir an der
Eisenbahnstation ankamen, sahen wir die Viehwaggons auf den Gleisen
stehen. Es gab keine Treppe oder Rampe, die zu den Türen hinaufführte
und deshalb schlugen und schrien die SS Soldaten die Vordersten an
"Hinlegen, hinlegen" um eine Treppe zu bilden, über die die anderen
Menschen in den Zug steigen konnten...Als die Waggons voll waren,

116
HARUN YAHYA

warfen die Deutschen ein paar Brote hinein und schlossen die Türen...
Zu dieser Zeit hatte man in meiner Kleinstadt noch nichts von Auschwitz
oder Majdanek gehört und wir kannten auch nicht die "Endlösung". Wir
wussten, dass die Deutschen die Juden als Zwangsarbeiter einsetzten.
Wir hatten keine Ahnung von den Mordplänen.75

Die Transporte
Die Züge, die die Nazis verwendeten, um die festgenommenen
Menschen in die Lager zu transportieren, waren ein eigenes Folterinstrument.
Dutzende Frauen, Männer, Kinder und Alte wurden in Viehwaggons gepfer-
cht, deren Türen verschlossen und während der tagelangen Reise weder mit
Essen und Trinken oder frischer Luft versorgt. In diesen Waggons starben
viele an Hunger, Durst oder erstickten.Die übrigen waren gezwungen, die
Reise neben den sterblichen Überresten ihrer Angehörigen fortzusetzen.
Die Aussagen eines Augenzeugen verdeutlichen den Sadismus der
Nazis:
Die Polizisten schlugen mit ihren Waffen zu und schossen in die Luft, so
dass sie noch mehr Menschen zwangen, in die schon überfüllten
Waggons zu klettern. Das Schiessen dauerte an und die Menschenmasse
wurde nach vorne geschoben. Etliche wurden von dem unwahrschein-
lichen Druck zerquetscht... Die ganz vorne befindlichen waren in einer
ausweglosen Situation und antworteten den schreienden, rufenden
Menschen, die sich an ihren Haaren und ihrer Kleidung festhielten und
ihnen die Knochen brachen, mit schmerzhaftem Gewimmer. Obwohl die
Waggons schon längst überfüllt waren, konnten auf diese Weise noch
einige Männer, Frauen und Kinder einsteigen. Dann schlossen die
Polizisten die Türen hinter den Menschen, die so eingepfercht waren,
dass es fast die Eisengitter sprengte.
Bevor die Deutschen 120 Juden in die Viehwaggons sperrten, hatten sie
jeden Waggon mit einer 7 cm dicken Schicht aus ungelöschtem Kalk be-
deckt. Dieser Kalk, der normalerweise auf dem Bau verwendet wird,
brannte in dem Moment, in dem er mit der Haut in Berührung kam. Aus
diesem Grund waren schon hunderte Juden gestorben, bevor sie über-
haupt in Belzec ankamen...

117
ADNAN OKTAR

Der Boden der Waggons


war mit einer dicken
weißen Staubschicht be-
deckt. Dies war un-
gelöschter Kalk. Alle unbe-
deckten Hautteile, die
damit in Berührung
kamen, verloren sofort
Wasser und brannten. Die
Menschen im Inneren
waren schon lange an den
Jews expelled from their homes en masse were trans-
Verbrennungen gestorben. ported to the death camps in packed trains.
Das Fleisch an den
Knochen schmolz dahin.
Der Kalk verhinderte dass von den Toten Krankheiten ausgingen.
In jedem Abteil befanden sich zwei Eimer. In dem einen befand sich
Wasser. Der andere wurde soweit wie möglich als Toilette benutzt.76
Die Zielorte nach einer tagelangen Reise unter solchen Bedingungen
waren die Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka, Majdanek, Sobibor und
andere:
Die Deutschen schrien "Los schnell! Los schnell!" und schlugen uns mit
Knüppeln und Gewehrkolben. Da es keine Treppe oder Rampe gab,
mussten wir aus dem Zug aus einer Höhe von einem oder eineinhalb
Metern herabspringen. Wir bemühten uns, ganz schnell wieder auf die
Beine zu kommen, um uns vor den Tritten der neben uns stehenden
deutschen Soldaten zu retten. Wir starben vor Hunger, hatten Durst und
waren sehr dünn. Doch sie ließen uns nachdem die Waggons leer waren,
zwei Kilometer zum Lager marschieren. Manche weinten aus Angst, an-
dere aus Erleichterung. Wir waren so beschäftigt, dass wir uns gar nicht
umschauten. Als wir das Lager erreichten, senkte sich Stille über die
Gruppe. Wir schauten uns um und lauschten aufmerksam. Das ganze
Gebiet war unglaublich still. Das Lager uns gegenüber war beherrscht
von der Stille des Todes.77

118
HARUN YAHYA

Before even
reaching the
camps, many
people on the
trains died, eit-
her from being
crushed or
suffocated.

Die Todeslager
Die schrecklichsten Nazigreuel waren die Todeslager, in denen ungefähr
11 Millionen Menschen ihr Leben ließen. Diese Lager sind ein historischer
Beweis dafür, wie verbrecherisch Menschen werden können, die sich von der
religiösen Moral abwenden und ihr Gewissen abtöten.
Die Lager waren zunächst als "Arbeitslager" errichtet worden. Alle lagen
neben großen Industriekomplexen, und die Gefangen dieser Lager sollten der
deutschen Kriegsindustrie als Zwangsarbeiter dienen. Doch die Nazis be-
ließen es nicht bei dieser "pragmatischen" Unterdrückung und begannen mit
der "Vernichtung nicht gewünschter Rassen", indem sie diese Lager in
Vernichtungslager umwandelten. Von 1933 bis 1945 wurden insgesamt 11
Millionen Menschen, davon 5,5 Millionen Juden in den Gaskammern oder
mittels anderer Massenvernichtungsmittel ermordet oder verloren ihr Leben
durch Krankheit, Hunger oder Folter. Die Nazis erbarmten sich nicht der
Kinder, der Alten der Behinderten und Kranken und vollbrachten mit sadis-
tischer Grausamkeit den größten Massenmord der Geschichte.
Es gab Diskussionen darüber, ob in den Lagern das Gas Zyklon B ver-
wendet wurde oder nicht. Doch wichtig ist nur, ob in den Lagern Menschen
ermordert wurden oder nicht. Die Methode, die für dieses erbarmungslose

119
The cruelty and oppression in death camps such as Auschwitz, to be found all
over Europe, had seldom been equaled in history.

120
HARUN YAHYA

Morden verwendet wurde, ändert nichts am Ergebnis. Millionen Menschen


wurden auf das grausamste umgebracht. Es kann überhaupt kein Zweifel
daran bestehen, dass die Nazigreuel und der Holocaust stattgefunden haben.
Die Bilder der Leichenberge und der Überlebenden, die eher Skeletten als
lebenden Menschen ähnelten, die bei der Rettung der Lager durch die
Alliierten zu Tage kamen, sollten genügen, die unfassbare Tragödie zu be-
weisen.
Der Massenmord begann in dem Moment, in dem die Gefangenen die
Lager betraten. Die Erinnerungen eines jüdischen Gefangenen aus dem
Konzentrationslager Kamionka führt uns den ""Lebensstandard" des Lagers
vor Augen:
Wenn ich zum Tor des Lagers lief, sah ich so manche schreckliche Szene.
Die deutschen Soldaten beobachteten uns vom Wachturm und hatten
Maschinengewehre in der Hand. Alle im Lager, also ungefähr 50 Russen,
100 Polen und 1000 Juden, waren in einem elenden Zustand. Jeder hatte
einen fünf mal fünf Zentimeter großen Stofffetzen auf sich.. Derjenige
der Russen und Polen war rot, der der Juden gelb. Alle waren so dünn,
dass sie halb tot waren. Die Männer gingen wie Schlafwandler durch den
Schmutz. Die meisten waren seelisch völlig tot, obwohl ihre Körper noch
lebten. Unsere Gruppe stand am Eingang und ein großer deutscher
Soldat stand vor uns. Er beobachtete uns ständig. Er räusperte sich,
bevor er uns ansprach:
"Liefert Uhren, Wertsachen und Schmuck ab! Wenn etwas gefunden
wird, werdet ihr sofort erschossen." Als ich in sein unsympatisches
Gesicht und seine Waffen blickte, verstand ich, dass ich keine andere
Wahl, hatte als zu gehorchen. Ich nahm meine Uhr ab und während ich
noch nach dem Kleingeld in meiner Tasche suchte, begannen uns die
deutschen Soldaten mit Knüppeln in den Magen oder ins Gesicht zu
schlagen. Nie vernachlässigten sie dieses sadistische Vergnügen...
Nachdem wir in dieser ersten Nacht eineTasse "Suppe" gegessen hatten,
wurden wir in die Baracken gebracht. Es ist schwierig den bedauern-
swerten Zustand dieses Ortes zu beschreiben. Die einzige Veränderung
dieser Ställe, die eigentlich für Tiere erbaut worden waren, bestand
darin, dass für die Menschen Pritschen aus Brettern in zwei oder drei

121
ADNAN OKTAR

Etagen hinzugefügt worden waren. Der Wind blies durch die Risse in
den Wänden. Überall waren Läuse und innerhalb weniger Tage hatten
wir sie alle. In kurzer Zeit hatte ich mich an das Leben mit Läusen
gewöhnt. Obwohl die Läuse Typhus übertrugen, waren sie, verglichen
mit den anderen Problemen des Lagers, nicht besonders wichtig... Nach
dem Wecken um 5.30 gaben sie uns zwei Minuten zum Anziehen. Wenn
jemand nicht fertig war, wurde er geschlagen. Wenn alle fertig waren,
mussten wir uns für eine Tasse Kaffee anstellen. Was sie als Kaffee beze-
ichneten war nichts anderes, als warmes schmutziges Wasser. Dazu
wurde eine Scheibe Brot ausgeteilt; die Scheibe war hart, da das Mehl mit
Sand vermischt und schwer zu essen war... Da dies das Essen für den
ganzen Tag war, hoben einige einen Teil des Brotes als "Mittagessen" auf,
während andere den Hunger nicht aushielten und alles aßen. Ich hob
einen Teil für den Rest des Tages auf. Denn ich wußte, dass wir den
ganzen Tag würden arbeiten müssen, meine gesamte physische Kraft
wegschmelzen und der Hunger noch schlimmer werden würde.78
In den anderen Konzentrationslagern war der Lebensstandard nicht an-
ders. Den zum Arbeiten gezwungenen Menschen wurde kein Erbarmen
zuteil, und sie waren jahrelang dazu verurteilt, unter den Launen der
Nazioffiziere, Einschüchterungen und Foltern, geschwächt von Hunger und
Müdigkeit ein Sklavenleben zu führen. In manchen Lagern waren die
Gefangenen noch entsetzlicheren Folterungen ausgesetzt. Dazu zählen ins-
besondere die Versuche, die der sadistische Arzt Josef Mengele an Menschen

In the death camps, Josef Mengele (right) performed


barbaric experiments on people he selected as guinea
pigs (below).

122
HARUN YAHYA

in Auschwitz durchführte. In Auschwitz


allein wurden ungefähr 1,5 Millionen
Menschen ermordet.Mengele unternahm
entsetzliche Versuche an Erwachsenen und
Kindern, die er aus den Lagerinsassen als
Versuchskaninchen auswählte, um her-
auszufinden, inwieweit der menschliche
Körper Schmerzen oder Kälte aushält. An
den Menschen, die an kalten Wintertagen
mit Gewalt in Eiswasser gezwungen wur-
den, testete man, wie lange sie bis zum
Erfrierungstod lebten. Es ist bekannt, dass
Mengele an seinen Versuchspersonen
chjirurgische Eingriffe ohne Betäubung
In the Belsen camp, some 10,000 unbu-
durchführte. Die grausamsten Versuche ried bodies were found.
Mengeles wurden an Zwilingen durchge-
führt. Mengele trennte die ins Lager kommenden Zwillinge von den anderen
Gefangenen und maß an ihnen mit unterschiedlichen Experimenten die
Wirkung seiner Eingriffe.Seine Methoden waren in unvorstellbar grausam.
Mengele wollte z.B. herausfinden ob die Augenfarbe dauerhaft geändert wer-
den kann und injizierte zu diesem Zweck blaue Tinte in die Augen der
Zwillinge. Die Versuchspersonen erlitten unvorstellbare Schmerzen und ein
Teil wurde blind. Kleinen Kindern wurden Bakterien verscheidener
Krankheiten injiziert und dann gemessen, wie lange sie diesen Krankheiten
standhalten konnten. Die, die unter diesem Ungeheuer liy8tten, blieben ihr
Leben lang behindert oder starben.
Die schrecklichen Grausamkeiten in den Lagern kamen erst ans
Tageslicht, als die Alliierten die Nazis besiegten und die Regionen unter ihre
Kontrolle brachten, in denen sich die Lager befanden. Die sowjetischen, en-
glischen und amerikanischen Einheiten, die die Lager befreiten, waren von
deren Anblick zutiefst schockiert. Die Registrierung von Bergen-Belsen,
dessen Rettung an die englischen Einheiten fiel, lautet folgendermaßen:
Hier ist das berühmte Konzentrationslager Belsen.
Es wurde am 15. April 1945 von den Engländern gerettet.
Es befinden sich hier 10.000 unbestattete Leichen.

123
ADNAN OKTAR

Bis jetzt wurden 13.000 Menschen getötet.


Alle sind ein Werk der deutschen "Neuen Ordnung" in Europa
Und ein Beispiel der Nazikultur.

Einsatzgruppen: Die Todesschwadronen der Nazis


Außerhalb der Ghettos und der Konzentrationslager waren die
Einsatzgruppen ein anderes Instrument des Holocausts.Sie wurden nach der
Besetzung Polens durch die Nazis auf Befehl Hitlers von SD Chef Heydrich
aufgebaut. Die Aufgabe der Einsatzgruppen, die unmittelbar hinter den
Truppen der Wehrmacht in die besetzten Gebiete einrückten, war die
Ermordung bestimmter Bevölkerungsteile. An erster Stelle standen dabei die
Juden. Die Einsatzgruppen erschossen alle Aufgefundenen ohne
Unterscheidung von Frauen und Kindern.
Die ""Erfolgszahlen"", die von den Leitern der Einsatzgruppen nach
Berlin gemeldet wurden, machen das Ausmaß der begangenen Verbrechen
deutlich. Diesen Zahlen zufolge wurden in den von den Nazis besetzten
Gebieten Polens und der Ukraine eine Million Juden erschossen. Wenn die
Einsatzgruppen in eine Stadt kamen, trieben sie die Juden zusammen,
brachten sie aus der Stadt heraus, ließen sie eine große Grube schaufeln und
sich an deren Rand aufstellen, erschossen alle und begruben sie in dem
Massengrab. Da manche Menschen jedoch noch nicht tot waren, als sie in das

The first thing


that German
units invading
Poland did
was to hunt
down Jews in
every village,
town and city.

124
HARUN YAHYA

Grab fielen, wurden sie lebendig begraben und starben erst unter den
Erdmassen.
Die Ereignisse in der Stadt Kiew nach ihrer Besetzung am 19. September
1941 geben eine Vorstellung von den Greueln, die die Einsatzgruppen an den
Juden verübten. Am 29. September wurde den in der Stadt lebenden Juden be-
fohlen, sich am Friedhof ausserhalb der Stadt einzufinden, weil sie angeblich
"umgesiedelt" werden sollten. Man befahl ihnen, Essen, warme Kleidung,
Dokumente und Wertsachen mitzubringen, um sie in Sicherheit zu wiegen
und die Verschleierung des bevorstehenden Massenmordes sicherzustellen.
Das Weitere wurde von einem später vor Gericht gestellten ukrainischen
Offizier, der mit den Nazis kollaborierte, folgendermaßen dargestellt:
Es war wie eine Massenauswanderung... Die Juden sangen religiöse
Lieder beim marschieren. Als sie zur Eisenbahn kamen, wurden ihnen
Essen und andere Sachen abgenommen. Dann wurden sie von den
Deutschen unter Stößen enger zusammengedrängt. Sie bewegten sich
nur schwerfällig. Nach einem langen Marsch wurden sie zu einem lan-
gen Korridor gebracht, dessen beide Seiten von deutschen Polizisten
umstellt war. Dort wurden sie mit Prügeln und Peitschen geschlagen
und manche Polizisten hetzten ihre Hunde auf die Juden... Die meisten
Juden waren mit Wunden und Blut bedeckt. Die Deutschen ließen sie
nach Babi Yar marschieren. Vor ihnen erstreckte sich ein tiefes Tal. Die
ukrainischen Milizen befahlen den Juden auf Anweisung der Deutschen,
ihre Kleider auszuziehen. Diejenigen die sich weigerten oder wider-
sprachen wurden angegriffen und ihre Kleidung zerrissen. Überall
waren nackte Menschen, deren Körper bluteten. Schreie und Lachen ver-
mischten sich.79
Danach wurden die Juden allesamt erschossen und ihre Leichen in das
Tal geworfen. Aufzeichnungen zeigen, dass an diesem Tag ungefähr 33.700
Personen auf diese Weise ermordet wurden.
Im allgemeinen sind die Morde der Einsatzgruppen ein Bereich, der von
den "Revisionisten" übersehen wird, die ja den Holocaust zurückweisen. Die
Behauptungen bezüglich des Holocaust konzentrieren sich meist auf die tech-
nische Kapazität der Gaskammern oder die Funktion des Gases Zyklon B,
doch die Brutalität in den Ghettos und die Morde der Einsatzgruppen stehen

125
ADNAN OKTAR

nicht zur Diskussion. Aber schon die bloße Existenz dieser Gruppen macht
deutlich, dass die Nazis einen Holocaust an den Juden planten. Schließlich ist
klar was ein Regime, das unschuldige Menschen ohne Unterscheidung von
Frauen und Kindern erschießt, und für die Durchführung dieser Morde auch
noch Spezialeinheiten schafft, mit denselben Menschen in den
Konzentrationslagern macht.

Die Religionsfeindlichkeit der Nazis


Um den Holocaust an den Juden bewerten zu können, muss man die
Antwort auf eine wichtige Frage finden: Was war der Grund dafür, dass die
Nazis die Juden so sehr hassten?
Die Antwort auf diese Frage liegt in der abstrusen nationalsozialistis-
chen Ideologie verborgen. Der Nationalsozialismus war eine Bewegung, die
als Neu-Heidentum bezeichnet werden kann. Nazi Ideologen wie Hitler und
Rosenberg lehrten die vorchristliche Heidenkultur des deutschen Volkes. Zu
den grundlegenden Pflichten dieser heidnischen Kultur gehörte die
Würdigung von Hochmut, Krieg und Gewalt; dies brachte eine Kultur mit
sich, die dem Moralverständnis des Christentums total entgegenstand, das
Bescheidenheit, Frieden und Barmherzigkeit würdigt. Ein natürliches
Ergebnis der Feindschaft zum Christentum ist die Feindschaft zu den Juden.
Denn die Nazis bewerteten das Christentum selbst als "Okkupation Europas
durch die jüdische Kultur". Der Grund hierfür liegt darin, dass das
Christentum tatsächlich eine Religion ist, die aus dem Judentum entstand. Ein
großer Teil der christlichen Bibel, das Alte Testament besteht aus der Thora,
dem heiligen Buch der Juden. Die Christen lieben alle jüdischen Propheten
und haben diese übernommen. Auch Jesus und seine Jünger waren Juden. All
dies war der Grund dafür, dass die Nazis und andere Neuheiden das
Christentum als jüdisches Komplott betrachteten. Die Nazis fügten diesem
rassistischem Hass noch den sozialdarwinistischen Hass hinzu, der die jüdis-
che Rasse als minderwertig betrachtet, und fanden auf diese Weise die Formel
für fanatische Judenfeindlichkeit.
In den Aufzeichnungen der Juden, die der Unterdrückung durch die
Nazis ausgesetzt waren, gibt es Passagen, die darauf hinweisen, dass die
Judenfeindlichkeit der Nazis das Ergebnis von Religionsfeindlichkeit war. Die
Angriffe der Nazis auf Juden die ihres religiösen Glaubens wegen lange Haare

126
HARUN YAHYA

und Bärte trugen, verdeutlichen dies. Viele religiöse Juden, meistens ältere
Menschen, wurden von der SS und anderen Nazigruppen mitten auf der
Straße festgehalten und ihre langgewachsenen Bärte und Schläfenlocken wur-
den ihnen abgeschnitten. Die religiösen Schriften der Juden wurden zerissen
und verbrannt. Ein Vorfall, der sich im Warschauer Ghetto abspielte, wird von
einem jüdischen Augenzeugen folgendermaßen berichtet:
Als ich eines Mittags nach Hause ging, sah ich, wie eine Gruppe junger
Menschen mit erhobenen Händen an einer Mauer standen.
Was war das? Aus Neugierde kam ich ein bisschen näher. Hatte sich
wohl ein Diebstahl ereignet? Was haben diese jungen Leute getan?
Warum haben die Deutschen diese Menschen sich in einer Reihe auf-
stellen lassen?
Dann sah ich einen SS Offizier mit glänzenden Stiefeln und einer
Peitsche in der Hand. Ein anderer SS Angehöriger bemühte sich mit einer
Schere in der Hand die Bärte von den schmerzverzerrten und blutenden
Gesichtern zu schneiden.80
Es zeigt sich, dass die Religionsfeindlichkeit der Nazis ein neues Beispiel
in der Geschichte antireligiöser Despoten wie Pharao, Nemrud und Nero

The Nazis, hostile to religious moral va-


lues, targeted Jewish religious values
in particular.
Below: A Torah scroll, the sacred text of
Judaism. Hundreds of scriptural texts
were burned during the Nazi regime.

127
ADNAN OKTAR

darstellt. Die Nazis bemühten sich, all diejenigen zu vernichten, die nicht ihre
eigene Ideologie annahmen, vor allem aber religiöse Menschen. Neben den
Juden waren auch Katholiken und Zeugen Yehovas darunter.
Es ist bedeutungsvoll, dass die religiösen Juden, die den Greueln der
Nazis ausgesetzt waren, diese mit Pharao gleichsetzten. Hierbei sind die fol-
genden Erinnerungen eines Juden sehr aufschlussreich, der in der
Konzentrationslager überlebt hatte:
...Die Rechen fielen in den Schlamm und als wir uns bemühten, sie
wieder herauszuziehen, fürchteten wir ihr Gewicht. Während wir uns
dem Handwagen näherten, floß der Schlamm zwischen den Zinken des
Rechens davon und es blieb nur sehr wenig hängen. Wir beugten uns
wieder vor und zielten diesmal auf einen dickeren Batzen Schlamm.
Doch wieder blieb nur wenig übrig bis wir zum Handwagen kamen.
Wieder und wieder strengten wir unsere schwachen Körper an. Ich
beobachtete meine Freunde während wir diese ekelige Arbeit ver-
richteten und vor meinem geistigen Auge lebte eine tragische Szene auf:
Die jüdischen Gefangenen, die dem Pharao in Ägypten die Städte
bauten... Die Juden bemühten sich, an der Grenze zum Hungertod am
Leben zu bleiben. Die Tagesration bestand aus einer daumendicken
Scheibe Schwarzbrot, einem kleinen Stückchen Margarine und einer
Tasse Flüssigkeit, von der behauptet wurde, dass es Suppe ist. Mit Glück
konnte man hin und wieder etwas darin schwimmen sehen. Dies war
das ganze Essen für 24 Stunden.
Es waren primitive Galgen
aufgestellt. Auf der Platform
standen sechs Männer. Der Henker
legte ihnen die Schlinge um den
Hals. Ich glaubte, dass ich zwei von
den jungen Männern kenne: Waren
dies nicht die Brüder Spielmann?
Ja, sie waren es tatsächlich! Das war
ihre "barmherzigere" Strafe.
"Alle zuschauen!" wurde von allen
Seiten befohlen. Ich schauderte.
Jews condemned to death in Poland

128
HARUN YAHYA

Plötzlich hörte ich, wie einer der Spielmannbrüder zu sprechen begann.


Er forderte die Nazis heraus und blickte mit Stolz in das Gesicht des
Todes: "Ihr könnt uns töten, ihr könnt tausende von Juden vernichten.
Doch das jüdische Volk könnt ihr niemals vernichten! Wie immer wird es
gelingen, am Leben zu bleiben... " Damit begannen sie das "Schema
Israel" aufzusagen: Vor dem Tod konnten sie noch murmeln: "Gott ist
eine Einheit."81

Die radikalen Zionisten in den Jahren des Holocaust


Die Tatsachen, die wir im Verlauf dieses Abschnitts betrachteten,
verdeutlichen den Holocaust an den Juden während des 2. Weltkrieges. Es ist
Aufgabe eines jeden über ein Gewissen verfügenden Menschen, diese große
Tragödie, die einen Platz unter den größten Grausamkeiten der Geschichte
einnimmt, auf heftigste und mit Abscheu zu verurteilen.
Doch ist es interessant, dass sich einige Menschen, und noch dazu Juden,
nicht nur weigerten diesem Greuel entgegenzutreten, sondern überdies mit
den Verantwortlichen dieser Grausamkeiten, nämlich den Nazis zusamme-
narbeiteten. Diese Personen waren, wie wir im ersten Teil des Buches unter-
suchten, die radikalen Zionisten. Einige Zionisten, die mit Nazideutschland
eine schmutzige Zusammenarbeit begonnen hatten, um in Palästina einen
jüdischen Staat zu gründen, haben sogar in den Jahren des Holocaust den
Nazis noch die Stange gehalten und nicht das Geringste unternommen, um
die Juden vor der Unterdrückung durch die Nazis zu schützen.
Diese Tatsache ist durch historische Belege dokumentiert.Der
amerikanische jüdische Historiker Lenni Brenner schreibt in seinem Buch
Zionism in the Age of Dictators, dass die assimilationistischen jüdischen
Organisationen alles in ihnen Mögliche taten, um die Juden aus den von den
Nazis besetzten Ländern zu retten. Doch wie Brenner betont, haben sich
einige Zionisten in keiner Weise dafür interessiert, die Juden aus den Händen
der Nazis zu retten, sondern sie versuchten, diesbezügliche Bemühungen zu
behindern. Brenner schreibt, dass viele Juden gegen die Tatenlosigkeit der
WZO (Zionistische Weltorganisation) mit den Worten, "…wie könnt ihr der
Ermordung unserer europäischen Brüder den Rücken zukehren…" auf-
begehrten.82 In einem Schreiben von 1943 beschreibt der polnische
Zionistenführer Izak Gruenbaum die Schuldzuweisungen an manche
Zionisten sowie deren Antwort:

129
ADNAN OKTAR

In dieser unserer Zeit werden in Erez


Israel (der Boden Israels) so manche
Gedanken vorgetragen. Sie sagen uns:
"Macht in diesen schweren Tagen
nicht Erez Israel zum vorrangigen
Ziel, interessiert euch nicht für
Palästina, während die Juden ver-
nichtet werden." Ich akzeptiere dies
nicht. Und die Menschen fragen uns:
"Verwendet ihr Geld von Keren
Hayesod (ein zionistischer Fonds in The Polish Zionist leader Yitzhak
Gruenbaum
Palästina) um die europäischen Juden
zu retten?" Ich sage "Nein"und ich wiederhole "Nein"... Nach meiner
Meinung müssen wir gegen diese Neigung ankämpfen, die darum be-
müht ist, die zionistische Bewegung in die zweite Reihe zu stellen. Und
aus diesem Grund nennen uns die Menschen "Antisemiten", eben weil
wir der Rettung der Juden nicht Vorrang geben.83
Am Ende seines Schreibens sagt Gruenbaum: "Der Zionismus steht über
allem".
Die Logik der radikalen Zionisten ist deutlich: Nach ihrer Meinung wäre
die Beschäftigung mit der Rettung der europäischen Juden ein Verrat am
Zionismus. Sie benutzten alle verfügbare Macht und Möglichkeiten um in
Palästina einen jüdischen Staat zu gründen und drückten offen aus, dass sie
zu keiner Unternehmung bereit waren, die europäischen Juden vor den Nazis
zu retten.
Wie konnten sie ihren eigenen Glaubensgenossen gegenüber so un-
barmherzig sein? Will man eine Antwort auf diese Frage finden, ist ein Brief,
den Nathan Schwalb, der Vertreter der zionistischen Organisation HeChalutz
in der Schweiz an seine zionistischen Freunde schrieb, sehr wertvoll. Schwalb
schrieb:
Genauso wie nach dem 1. Weltkrieg, werden auch nach diesem Krieg die
Siegerstaaten die Geographie der Welt neu festlegen. Um also nach dem
Krieg Erez Israel in einen israelischen Staat zu verwandeln, müssen wir
alles tun, was möglich ist. Doch über Eines müssen wir uns im Klaren
sein; während des Krieges wurde viel Blut der Alliierten vergossen und

130
HARUN YAHYA

wird noch vergossen werden. Wenn unser Blut also nicht fließt, mit
welchem Recht werden wir dann nach dem Krieg am Verhandlungstisch
Land fordern? Nur durch Vergießen unseres Blutes ist es uns möglich,
Boden zu besitzen.84
Manche Zionisten dachten also, dass ihnen nach dem Krieg der
Massenmord an den Juden ein Rechtzur Forderung Palästinas gewähren
würde.. Aus diesem Grund unternahmen sie nichts, um die europäischen
Juden vor dem Holocaust zu schützen.
Hierfür gibt es zahlreiche Beweise. So trat der Anführer der amerikanis-
chen zionistischen Bewegung, Stephen Wise, heftig gegen die Bemühungen
des "Emergency Committee to Save the Jewish People of Europe" (Notkomitee
zur Rettung der Europäischen Juden) auf, das von den assimilationistischen
Juden und Befürwortern der Menschenrechte gegründet wurde, um die Juden
aus den Nazigebieten so schnell wie möglich in sichere Gebiete zu bringen.
Denn die zu rettenden Juden würden nicht nach Palästina, sondern an andere
Orte gebracht werden. Als sich Peter Bergson, einer der Komiteeleiter, deswe-
gen nicht länger bezähmen konnte, sagte er zu Wise: "Wenn Sie sich in einem
brennenden Haus befänden, was würden sie den Menschen draußen zurufen
wollen: 'Rettet die Brennenden' oder 'rettet die Brennenden indem ihr sie ins
Waldorf Astoria bringt?"85
Einige zionistische Führer hatten ihre Brüder, die von den Nazis in
Scharen ermordet wurden, ganz offen verraten. Heute wird diese Tatsache be-
harrlich von den Juden zur Sprache gebracht, die gegen den Zionismus sind
und die die Begleichung der Rechnung für diesen Verrat fordern.

Die Instrumentalisierung des Holocausts


Der Holocaust an den Juden ist eine Tatsache. Er ist eine Tragödie, die
niemals vergessen und die nicht bagatellisiert werden darf. Er stellt nicht nur
einen Schmerz für die Juden, sondern für die gesamte Menschheit dar und
muss auch so gesehen werden.
Es kann jedoch nicht akzeptiert werden, dass der Holocaust für politis-
che Zwecke oder wirtschaftliche Interessen missbraucht und zu
Propagandazwecken benutzt wird. Denn dies wäre ein Verrat am Gedenken
derjenigen, die durch den Holocaust ihr Leben verloren haben.

131
ADNAN OKTAR

Betrachtet man die offiziellen Stellungsnahmen Israels, dann wird klar


worüber wir sprechen. Israel hält seit 1967 arabische Gebiete besetzt. Durch
diese Besetzung ist die palästinensische Bevölkerung langanhaltender
Unterdrückung ausgesetzt. Auch die Vereinten Nationen veröffentlichten
zahlreiche Resolutionen gegen das Verhalten Israels.
Der Holocaust wurde immer dann hervorgeholt, wenn die in Rede ste-
hende Politik Israels zu rechtfertigen und die Sympathie der
Weltöffentlichkeit zu gewinnen war. Von manchen Radikalen wird die
Tragödie der ermordeten 5.7 Millionen europäischen Juden als psychologis-
che Waffe verwendet, um die eigene Schuld zu verkleinern.
Diese Maßnahme wird nicht nur von manchen Teilen der israelischen
Staatsspitze verwendet, sondern auch von der israelischen Lobby in den west-
lichen Ländern. Kritik findet dieses Vorgehen auch bei Juden, die sich diesem
Thema ehrlicher annähern.
So schreibt zum Beispiel Esther Benbassa, Vorsitzende der Abteilung für
Moderne Jüdische Geschichte an der französischen Ecole Pratique des Hautes
Etudes in einem am 11. September 2000 veröffentlichten Artikel in der
Tageszeitung Liberation: "Der Holocaust an den Juden wurde nahezu zu einer
Form von Religion gemacht" und fährt fort: "Sich selbst in die Lage eines vom
Holocaust Betroffenen zu bringen, garantiert jedem Juden und damit auch
Israel Sicherheit vor Krititk."86
Das wichtigste Werk, das betont, dass der jüdische Holocaust zu einem
Mittel für politische und wirtschaftliche Propaganda gemacht wird, ist das
Buch des an der Universität von New York beschäftigten jüdischen

Cover of the book The


Holocaust Industry: Ref-
lections on the Exploita-
tion of Jewish Suffering,
by Norman Finkelstein
(right)

132
HARUN YAHYA

Historikers Norman G. Finkelstein The Holocaust Industry: Reflection on the


Explotation of Jewish Suffering (Die Industrie des Holocaust: Gedanken zur
Ausnutzung der Leiden der Juden). Finkelstein, dessen eigene Großmutter in
den Konzentrationslagern der Nazis war und der somit selbst ein Betroffener
des Holocaust ist, erläutert in seinem im Jahr 2000 gedruckten Buch, dass der
Begriff des Holocaust sowohl von Israel wie auch von den jüdischen
Vereinigungen im Westen ausgenutzt wird.
Wie bekannt ist, hatte Deutschland aufgrund eines Gerichtsbeschlusses
der nach dem 2. Weltkrieg eingerichteten internationalen Gerichte, allen von
der Naziunterdrückung betroffenen Juden Entschädigung in großer Höhe
gezahlt. Diese Entschädigungsraten, die Millionen von Dollar erreichten,
wurden jahrzehntelang von Deutschland an Israel oder an die Juden in an-
deren Ländern gezahlt und werden immernoch bezahlt. Doch nicht nur
Deutschland zahlte mehrmals "Entschädigung" an die Betroffenen der
Nazigewalt, auch die Schweiz, andere eurpäische Länder, Schweizer Banken,
die eine Art internationales Finanzimperatorium darstellen, und sogar die os-
teuropäischen Länder, die den Juden während der Besetzung durch die Nazis
nicht beistanden.
Finkelstein beschreibt in seinem Buch The Holocaust Industry, dass es bei
der Verwendung dieser Entschädigungen zu großen Unterschlagungen kam,
und dass die hohen Summen, die man von Deutschland und anderen
Regierungen erhielt, um sie an die Juden weiterzugeben, nicht für die vorge-
sehenen Empfänger des Geldes, die von den Nazigreueln betroffenen Juden
verwendet wurden, sondern für die Finanzierung von radikal-zionistischen
Vereinigungen.
So forderten die jüdischen Vereinigungen in den vergangenen Jahren
eine neue Zahlung von Deutschland als "Entschädigung für die Mühen der
Juden, die in den Nazilagern als Sklavenarbeiter verwendet wurden". Die
Zahl der Juden, die in den Genuß dieser Zahlung kommen sollte, wurde mit
135.000 angegeben. Doch Finkelsteln legt, gestützt auf offizielle Statistiken
dar, dass nur noch 14.000 bis 18.000 von den in den Nazilagern arbeitenden
Juden am Leben sind. Der Differenzbetrag wurde als "Entschädigung" in die
Kassen radikal-zionistischer Vereinigungen umgeleitet.87
Eine ähnliche Kritik bezüglich der Ausnutzung des Holocaust übt ein
Mitarbeiter des US Holocaust Memorial Museum (US Museum zum

133
ADNAN OKTAR

Gedächtnis des Holocaust), Tim Cole, in seinem Buch Selling the Holocaust:
From Auschwitz to Schindler, How History is Bought, Packaged and Sold (Der
Verkauf des Holocaust: Von Auschwitz zu Schindler, wie Geschichte gekauft,
verpackt und verkauft wird) zum Ausdruck. In dem 1999 veröffentlichten
Buch berichtet Cole, wie der Holocaust zu einer Handelsware gemacht wird
und kritisiert energisch dieses Vorgehen.

Ergebnis
Zweifellos lassen sich zu diesem Thema noch hunderte von Büchern
schreiben und die Details der Nazigreuel darstellen. Doch die Informationen,
die wir hier kurz zusammenfassten, sind ausreichend um aufzuzeigen, dass
der Holocaust, der Völkermord an den Juden, eine der größten
Grausamkeiten der Geschichte waren.
Doch muss an diesem Punkt vorsichtig vorgegangen werden. Denn
manche bemühen sich, den Holocaust für ihre eigenen politischen und
wirtschaflichen Ziele zu instrumentalisieren. Sie haben jedoch keinerlei Recht
dies zu tun, denn es sind dieselben, die während der 1930er Jahre durch ihre
Zusammenarbeit mit den Nazis den Antisemitismus anfachten, und die eu-
ropäischen Juden links liegenließen, als der Holocaust begann: die radikalen
Zionisten. Sie haben die Absicht den Holocaust zu benutzen, um die
Grundlage für einen neuen Holocaust (die ethnische Säuberung, die die
Israeli in Palästina durchführen) zu finden. Dies kann keineswegs akzeptiert
werden.
Um die Ungültigkeit der Propaganda der radikalen Zionisten
aufzuzeigen, müssen zwei wichtige Dinge getan werden:
Die Zusammenarbeit zwischen einigen Zionisten und den Nazis
aufzuzeigen
2) Den Holocaust des 2. Weltkrieges davor zu bewahren "instrumental-
isiert" zu werden und an dessen Stelle die historische Wahrheit zu stellen.
Im ersten Abschnitt des vorliegenden Buches untersuchten wir die
Einzelheiten der Zusammenarbeit zwischen Nazis und radikalen Zionisten.
In diesem Abschnitt nahmen wir uns den Holocaust des 2. Weltkrieges vor.
Doch um die historischen Tatsachen zu verstehen, und um das Thema davor
zu bewahren, instrumentalisiert zu werden, muss eine weitere wichtige
Tatsache hinzugefügt werden: Die Betroffenen der Nazibrutalität waren nicht
nur die Juden.

134
TEIL DREI

Die vergessenen Massenmorde

Der grösste Fehler bei Berichten über den Holocaust besteht in der
Weglassung der nichtjüdischen Ziele der Nazibrutalität. Die Nazis haben
nicht nur einen Völkermord an den Juden, sondern auch Massenmorde an
den Sinti und Roma, Polen und Slawen, an Geistes- und Körperbehinderten
und an Glaubensgemeinschaften wie Katholiken und den Zeugen Yehovas
verübt. In diesem Abschnitt werden wir die vergessenen
Massenmordeuntersuchen, von denen meistens nicht gesprochen wird.

Der Massenmord an den Behinderten


Die meisten Menschen glauben, dass der Holocaust der Nazis mit der
Ermordung der Juden seinen Anfang nahm. Doch es gibt eine Gruppe, die den
Nazimorden noch vor den Juden ausgesetzt war: Die Geisteskranken, die
Behinderten und genetisch Kranken in Deutschland. In seinem Buch The
Origin of Nazi Genocide (Die Wurzeln des Nazigenozids) schreibt der
Historiker Henry Friedlander folgendermaßen:
Nach dem Krieg wurde Auschwitz zum Symbol des Mordens des 20.
Jahrhunderts. Doch Auschwitz war nur das letzte und das am besten
funktionierende Vernichtungszentrum der Nazis. In Wirklichkeit be-
gann die Vernichtungsoperation im Januar 1940 mit der Ermordung der
wehrlosesten Menschen, und dies waren die Behinderten.88
Um den Grund für diese Massenmorde zu verstehen, muss man einen
Blick auf die Ideologie der Nazis werfen. Der Nationalsozialismus war primi-
tiver Rassismus. Eine seiner praktischen Auswirkungen war das

135
ADNAN OKTAR

Eutanasieprogramm der Nazis, das vorsah, die menschliche Rasse ebenso wie
eine Tierart zu "verbessern".So beschlossen die Nazis, alle ihrer Auffassung
nach für die Rasse schädlichen, behinderten und genetisch kranken Menschen
umzubringen.
Der Begriff der Eugenik kam mit der Evolutionstheorie von Darwin auf.
In seinem Buch Der Ursprung der Arten schrieb er über die "Verbesserung von
Tierrassen" und brachte später in seinem Buch Die Abstammung des Menschen
die Lüge auf, auch Menschen seien eine Tierart. Francis Galton, der Cousin
von Darwin, führte die perversen Behauptungen seines Onkels einen Schritt
weiter und formulierte die Theorie der Eugenik.
Galton machte seine Vorstellungen zum ersten Mal mit seinem 1869
veröffentlichten Buch Heredity Genius (Verebtes Genie) publik. Hier spricht er
von "Genies", die er in der englichen Geschichte festgestellt haben will, und er
entwickelt daraus den fehlerhaften Gedanken, in der englischen Nation
befinde sich Blut, das anderen genetisch überlegen sei und folgert daraus,
dass Maßnahmen zum Schutze diese Blutes getroffen werden müssten. Nach
Galton galt diese Theorie nicht nur für Engländer, sondern für alle Rassen.
Der eifrigste Befürworter der Eugenik war nach ihrem Erfinder Galton
der deutsche darwinistische Biologe Ernst Haeckel, der als Vordenker der
Nazis gilt. Zum erstenmal brachte Haeckel die Brutalität eines Mordes zum
Zwecke der Eugenik offen zur Sprache: In seinem Buch Wonders of Life (Die
Wunder des Lebens), verteidigt er den unmenschlichen Gedanken "der un-
verzüglichen Tötung von behindert geborenen Babys" und behauptet, dass

According to the theory of eugenics practiced in Nazi Germany, the physically and mentally han-
dicapped were seen as an obstacle to the development of society. This perverted view led to the
slaughter of thousands of the handicapped and elderly.

136
HARUN YAHYA

"dies nicht zu den Verbrechen zählt", da Babys noch nicht über ein
Bewußtsein verfügten.89 Doch Haeckel wollte nicht nur die Neugeborenen
entsprechend der "Evolutionsgesetze" auslesen, sondern alle kranken und be-
hinderten Menschen, die der Gesellschaft bei der sogenannten Evolution hin-
derlich sein würden. Er war gegen die Behandlung von Krankheiten und
führte als Argument an, dass eine Therapie verhindere die natürliche Auslese:
Die künstliche Lebenserhaltung Hunderttausender von Kranken, deren
Heilung nicht mehr möglich ist, zum Beispiel von Geisteskranken,
Aussätzigen und Krebskranken, hat im Allgemeinen weder für sie selbst
noch für die Gesellschaft einen Nutzen... Um vor diesem Schlechten er-
rettet zu werden, muss mit dem Beschluss einer beauftragten
Kommission und unter deren Aufsicht diesen Kranken schnell und
wirkungsvoll ein Gift verabreicht werden.90
Diese Unmenschlichkeit sollte von den Nazis in die Praxis umgesetzt
werden.
Die Nazis übernahmen als Erfüllungsgehilfen des Sozialdarwinismus
Haeckels Vorstellungen unverändert. Der Bericht mit dem Titel Forgotten
Cirmes, den die internationale Organisation Disability Rights Advocates
(Anwälte der Rechte Behinderter) anfertigte, und der den Massenmord be-
handelt, den die Nazis an Behinderten und Kranken begingen, erklärt die ver-
brecherischen Ansichten der Nazis über diese unschuldigen Menschen:
Anstelle eine Behinderung als eine natürliche Seite des Lebens zu sehen,
die es in jeder Gesellschaft gibt, betrachtete diese deutsche Ideologie sie
als Zeichen einer Degenerierung und bezeichnete alle behinderten
Menschen als "lebensunwertes Leben". Alle behinderten Menschen,
Depressive, Gelähmte, Krebskranke, geistig Behinderte, Taube und
Blinde, sie alle wurden von den Nazis als "unnütze Esser" abgestempelt.
Die Behinderten waren das erste Ziel Hitlers in seinem Bemühen, eine
überlegene Rasse zu schaffen. Die Vernichtung behinderter Menschen
war ein zentraler Punkt in der Vorstellung der Nazis, die arische Rasse
"rein zu machen".91
Die erste Stufe des Massenmordes, den die Nazis an den Behinderten be-
gingen, war deren Sterilisierung Hunderttausende von behinderten
Menschen wurden aus Krankenhäusern, Kliniken oder von zu Hause abtrans-

137
ADNAN OKTAR

portiert, in "Sterilisationszentren" ge-


bracht und dort zwangsweise operiert.
Bei den brutal durchgeführten
Operationen starben manche Patienten,
andere litten monatelang unter schreck-
lichen Schmerzen und die meisten kon-
nten sich jahrelang nicht von den psy-
chischen Folgen des Erlebten befreien.
Einer nach dem Krieg durchgeführten
Untersuchung zufolge litten manche
Betroffene noch bis zu zehn Jahre danach
unter heftigen Beschwerden, während
ein Drittel noch immer ein schweres psy-
Dr. Karl Brandt, who maintained that han-
chiches Trauma durchlebte.92
dicapped babies should be murdered as Nach der Sterilisierungsphase be-
soon as they were born. gann mit der Umsetzung des
Eutanasieprogramms die mit einer
Anordnung Hitlers an den Generalstab als T-4 bekannt gewordene
genauestens geplante Ermordung der Behinderten:
Hitlers Strategie wurde Schritt für Schritt durchgeführt. Zuerst wurde
mit der Sterilisierung begonnen. Ab 1933 wurden mehr als 400.000
Menschen zwangssterilisiert... Dann begann das als T-4 bekannte
Eutanasieprogramm das zur Tötung der Behinderten diente. Die
Tötungsmaschinerie, mit der die Nazis später auch die Juden umbringen
würden, insbesondere die mit Zyklon B betriebenen Gaskammern, wur-
den im Verlauf des Eutanasieprogramms getestet und später weiteren-
twickelt. Im Rahmen des Eutanasieprogramms wurden mehr als 275.000
Behinderte ermordet. Diese Zahl umfasst nicht die Behinderten, die nach
der offiziellen Beendigung des Eutanasieprogramms in den
Konzentrationslagern starben. Während des Krieges wurden in den von
den Nazis besetzten oder eroberten Gebieten ungezählte Menschen
getötet. Mit der Vergrößerung des unter Naziherrschaft stehenden
Gebietes wurden behinderte Männer Frauen und Kinder ermordet, ohne
Rücksicht auf deren Rasse, Religion oder politische Meinung. 93
Ärzte und das Pflegepersonal, indokriniert von der Ideologie der Nazis,

138
HARUN YAHYA

sahen die Verübung dieser Grausamkeiten als "Pflicht für das Vaterland" an.
Mit der Verbreitung der im Kern des Nationalsozialismus liegenden sozial-
darwinistischen Lehre und mit dem Verschwinden der moralischen Tugenden
der Güte und Barmherzigkeit, die dem Menschen von der religiösen Moral
nahegelegt werden, wurde diese Situation zur Normalität. Das folgende Zitat,
das von einem Vorkommnis aus Hadamar, einem der sechs von den Nazis im
Rahmen des Eutanasieprogramms eingerichteten Zentren zur Ermordung der
Behinderten berichtet, zeigt, in welchen Zustand die Naziideologie die
deutsche Gesellschaft gebracht hatte:
So wurde zum Beispiel in Hadamar (einem der sechs
Ermordungszentren) der Massenmord an den Behinderten in
bürokratischer Weise und mit grosser Effizienz durchgeführt.
"Arbeitsmoral" wurde grossgeschrieben. Die "Kankenhaus"-Leitung be-
tonte immer wieder die Bedeutung des Eutanasieprogramms. Eine
Zeremonie, die im Sommer 1941 in Hadamar abgehalten wurde, war ein
Meilenstein des Tötungsprogramms. Das Personal des "Krankenhauses"
war zu einer Feier mit alkoholischen Getränken eingeladen. Nach der
einführenden Veranstaltung wurden alle Teilnehmer in den Keller zu der
Verbrennung des zehntausendsten Patienten geladen. Die Leiche des
Ermordeten war mit Blumen und kleinen Naziflaggen geschmückt und
einer der Ärzte hielt vor den Teilnehmern eine kurze und rührselige
Ansprache über die Bedeutung der in Hadamar ausgeführten
Tätigkeiten. Dann wurde die Leiche verbrannt und einige Teilnehmer
hielten spöttische "Lobreden" für die Seele des Verstorbenen, während
die anderen lachend zuhörten. Danach wurde zu Polkamusik getanzt.94
Eine Katastrophe für sich war der Mord an geistig und körperlich behin-
derten Kindern. Zwar wurde seit 1933 in dieser Richtung "gearbeitet", doch
das Projekt wurde noch beschleunigt mit einem "Kindereuthanasie" genan-
nten Beschluss des Reichskomitees für wissenschaftliche Forschung und ern-
sthaften genetischen Krankheiten. Mit diesem Beschluss wurde befohlen, alle
unter drei Jahre alten Kinder und Kleinkinder, die in Verdacht standen, unter
"ernsthaften genetischen Krankheiten" zu leiden, dem Komitee anzuzeigen.
Zu den "ernsthaften genetischen Krankheiten" zählten das Down-Syndrom
sowie physische Deformationen und Lähmungen. Kleinkinder, die angezeigt

139
ADNAN OKTAR

wurden angeblich unter diesen Krankheiten zu leiden, wurden ärztlich unter-


sucht, die Unterlagen der Kinder wurden mit einem Positiv-Zeichen (+) für
die Krankheit versehen und die Kinder wurden in die Tötungszentren
geschickt. Einer der Naziärzte dieser Zeit, Dr. Karl Brandt sagte, das Ziel… sei,
diese Kinder so schnell wie möglich nach der Geburt zu vernichten. In
deutschen Krankenhäusern wurden insgesamt 30 Zenten für
Kindereuthanasie eingerichtet und in jedem wurden hunderte Kinder er-
mordet.
Die Tötung der Kinder wurde in der Regel durch Injizieren von Gift ins
Herz vorgenommen. Doch manche Naziärzte waren noch ungeheuer-
licherund überließen die Kleinkinder dem langsamen, qualvollen Tod durch
Verhungern. Einer war Dr. Hermann Pfannmüller, von dem berichtet wird,
dass er beim Gang durch das unter seiner Leitung stehende "Krankenhaus"
ein vom Hunger gepeinigtes Baby an den Füssen hochhielt und sagte: "Dies
hat noch ein paar Tage".95
Eine der schlimmsten Seiten dieser unmenschlichen, teuflischen
Brutalität ist die Tatsache, dass sie zum größten Teil in Vergessenheit geraten
ist. Der Bericht der Disability Rights Advocates (Anwälte für die Rechte
Behinderter) betont diese Tatsache:
Trotz des in den letzten Jahren zunehmenden Interesses am Holocaust
setzt sich die Stille fort, die bei dem Thema der unter dem Naziregime an
Männern, Frauen und Kindern verübten Brutalität zu bemerken ist. Die
brutale und systematische Unterdrückung von behinderten Menschen
durch das Naziregime wurde sowohl von der historischen Forschung
übersehen, wie auch größtenteils vom kollektiven Gedenken an den
Holocaust für unwichtig erklärt. Das Ergebnis hiervon ist ein verbreit-
eter Mangel an Wissen über diese Grausamkeiten, der noch genährt wird
durch das Desinteresse von Politikern, Akademikern und Medien.
Manche Menschen glauben, dass die Anzahl der ermordeten Menschen
relativ gering ist. Doch die tatsächlichen Beweise zeigen, dass sowohl in
Deutschland wie auch in den von den Nazis besetzten Gebieten
Behinderte als Sklavenarbeiter benutzt, ihr Besitz geplündert und sie
selbst ermordet wurden... (Doch) Gibt es heute kein Museum und keine
Gedächtnisstätte auf der Welt, die gesondert an den Massenmord an den
Behinderten erinnert... Und mehr noch, obwohl es hunderte von interna-

140
The Nazis branded those suffering from depression, the crippled, cancer sufferers,
the mentally ill, the deaf and blind—all kinds of handicapped people—as "useless ea-
ters." This twisted ideology is still continued by neo-Nazis today.

141
ADNAN OKTAR

tionalen Holocaustmuseen gibt, gibt es in diesen außer ein paar Sätzen


keine weiteren Hinweise zu den Behinderten. Die meisten erwähnen mit
keinem Wort die Brutalität, die während des Holocaust an den
Behinderten verübt worden war... Die Behinderten erhielten auch kein-
erlei Kriegsentschädigung.96
So ist der Massenmord an den Behinderten zum größten Teil in
Vergessenheit geraten. Daraus resultiert eine gefährliche Folge: Ein Verlust an
Sensibilität gegenüber diesem Thema und gegenüber den Neonazis, die von
der Wiederholung der Nazimorde phantasieren. Die Situation wird zusätzlich
dadurch verschärft, dass die verirrte sozialdarwinistische Logik, die die
Grundlage der negativen Einstellung zu Behinderten bildet, immer noch
vorherrschend ist. Der Bericht Forgotten Crimes (Vergessene Verbrechen) der
Disability Rights Advocates der später als Buch erschien, stellt folgender-
maßen dar, wie diese Feindschaft gegenüber Behinderten in Deutschland
immer noch Einfluss hat:
Auch in der heutigen deutschen Gesellschaft erleiden viele Behinderte
die Behandlung eines Menschen zweiter Klasse und gelten als
wirtschaftliche Last. Dieser spezielle Blickwinkel öffnet
Gewaltausbrüchen auf Behinderte Tür und Tor, die zu Belästigungen,
Beleidigungen, Mißhandlungen, Angriffen, Schlägen und sogar bis zum
Tod führen können. Die Neonazis sind diejenigen, die solche Angriffe
unternehmen. Berichte zufolge prügelten Neonazis einen Blinden
halbtot, verletzten fünf taube Kinder durch Schläge, stiessen einen Mann
im Rollstuhl eine Treppe hinunter und riefen Slogans wie "Dachau muss
euch vergessen haben", oder "Wenn Hitler da wäre, wärt ihr schon längst
im Gas". Wie die Zeitschrift Englisches Konsortium der Organisationen
Behinderter Menschen mitteilt, waren innerhalb eines Jahres bis zu 1.000
behinderte Deutsche Ziel eines tätlichen oder verbalen Angriffs.97
Der Massenmord an den Behinderten darf niemals vergessen werden
und weltweit muss eine wirksame Strategie zum Schutz der Rechte
Behinderter durchgesetzt werden.

142
HARUN YAHYA

Der Massenmord an den Sinti und Roma


Ein anderer vergessener Massenmord sind die Nazigreuel an den Sinti und
Roma.
Entsprechend der "Rassenlehre" der Nazis gehörten nicht nur die Juden,
sondern auch die Sinti und Roma zu der Kategorie der minderwertigen
Rassen, die vernichtet werden mussten. Mit der Machtübernahme der Nazis
setzte eine Unterdrückungspolitik ein, die die in Deutschland lebenden Sinti
und Roma zum Ziel hatte. Die Sinti und Roma, die wegen ihrer künstlerischen
Fähigkeiten und ihres Lebensstils in zahlreichen Ländern der Erde als kul-
turelle Bereicherung betrachtet und toleriert werden, waren im
Nazideutschland Ziel unmenschlichen Hasses.
In einer 1936 abgegebenen Erklärung von Dr. Hans Globke, der einer der
Initiatoren der Nürnberger Gesetze war, sagte dieser, dass "die Sinti und
Roma eine fremde Rasse sind". Mit einem am 14. Dezember 1937 veröf-
fentlichten Beschluss wurden die Sinti und Roma als "unverbesserliche
Verbrecher" bezeichnet und von der deutschen Gesellschaft isoliert. Ab 1938
begannen die Nazischergen Sinti und Roma aufzuspüren und in
Konzentrationslager zu schicken. In einer Doktorarbeit von Eva Justin von der
"Rassehygienischen Forschungsstelle" des deutschen
Gesundheitsministeriums wurden Sinti und Roma als "große Gefahr für die

Above: Prisoners in the Buchenwald death camp.


Among them is the Nobel Prize-winning author Elie Wi-
esel. Thousands of Gypsies, as well as Jews, were sla-
ughtered in this camp.

143
ADNAN OKTAR

Reinheit der deutschen Rasse" dargestellt. Im


Lager Buchenwald wurde eine spezielle
Abteilung für Sinti und Roma eingerichtet. Die
in die Lager Mauthausen, Gusen, Dautmergen,
Natzweiler und Flossenbürg geschickten Sinti
und Roma wurden zum Großteil dort ermordet.
Gleichzeitig wurde ein
Zwangssterilisierungsprogramm für Sinti und
Roma durchgeführt. Bei den Operationen, die in
einem Krankenhaus in Düsseldorf-Lierenfeld
vorgenommen wurden, sterilisierte man
"Zigeunerinnen", die mit "Nicht-Zigeunern"
Auschwitz commandant Rudolf
verheiratet waren. Einige starben dabei. . Vor Höss
allem bei den an Schwangeren vorgenommenen
Sterilisationen starben die meisten
98
Patientinnen.
SS Chef Himmler übernahm 1938 das "Zigeunerproblem" und verlegte
das bisher in München befindliche "Zentrum für Zigeunerangelegenheiten"
nach Berlin. Die Vernichtung der Sinti und Roma war ebenso wie die der
Juden zu ein grundsätzliches Ziel der Nazis.
Der Massenmord an den Sinti und Roma begann im Sommer 1941. Zu
diesem Zeitpunkt waren spezielle Einsatzgruppen gebildet worden.
Zehntausende Sinti und Roma (einschließlich Frauen, Alten, Kindern und
Kleinkindern) wurden aus Deutschland nach Polen in die
Konzentrationslager Belzec, Treblinka, Sobibor und Majdanek gebracht.
Nahezu 30.000 Sinti und Roma aus Holland, Frankreich und Belgien wurden
nach Auschwitz geschickt. Die Nazis töteten einen großen Teil dieser
Menschen. Dr. Franciszek Piper zufolge, dem Direktor der historischen
Abteilung des Museums Auschwitz, wurden 23.000 Zigeuner nach Birkenau,
einem Lagerteil von Auschwitz gebracht und hier 21.000 von ihnen getötet.
Wie der Kommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, in seinen Erinnerungen
schreibt, befanden sich unter den Zigeunern "zahlreiche Kinder, fast einhun-
dert Alte und schwangere Frauen".
Die Einsatzgruppen ermordeten die Sinti und Roma, wo sie sie fanden.
Ein Aufsatz mit dem Titel "Zigeuner, Betroffene des Naziterrors", der sich in

144
HARUN YAHYA

den UNESCO Bulletins befindet, gibt hierzu folgende Informationen:


In Polen und Russland wurden Sinti und Roma sowohl in den
Todeslagern als auch direkt in den weitläufigen ländlichen Regionen
umgebracht...j Wo die Nazis durchkamen, wurden die Sinti und Roma in
Arrest genommen und deportiert oder an Ort und Stelle ermordet. In
Jugoslawien begann die Ermordung der Juden und der Sinti und Roma
im Oktober 1941 in den Wäldern, wo sich die Bauern noch heute an das
Weinen der Kinder erinnern, als man sie in LKWs zu den
Hinrichtungsorten fuhr.99
Es ist schwer nachzuvollziehen, wie viele Sinti und Roma von den Nazis
ermordet wurden. Dem Historiker Raoul Hilberg zufolge gab es in
Deutschland vor dem Massenmord 34.000 Sinti und Roma, von denen der
größte Teil ermordet wurde. Entsprechend der Berichte der Einsatzgruppen,
die in Russland, in der Ukraine und auf der Krim für den Massenmord ver-
antwortlich waren, wurden in diesen Ländern fast 300.000 Sinti und Roma
getötet. Jugoslawischen Stellen zufolge wurden alleinin den Grenzen Serbiens
28.000 Sinti und Roma ermordet. Für die Ermordeten in Polen kann niemand
eine Schätzung vornehmen. Der Historiker Joseph Tenenbaum glaubt, dass
mindestens 500.000 Sinti und Roma von den Nazis ermordet wurden.
Trotz dieser Tragödie wird der Massenmord an den Sinti und Roma
meistens übersehen. In Büchern über den Holocaust, in Filmen und Aufsätzen
wird der Massenmord an Sinti und Roma entweder nicht erwähnt, oder als
unwesentliches Thema kurz gestreift. Wie Ian Hancock vom Archiv und
Dokumentationszentrum für Sinti und Roma in Texas, USA mitteilt, gibt es
"eine Neigung, den Massenmord an Zigeunern geringzuschätzen".100
Es gab keinen Unterschied bei der Behandlung von Sinti und Roma und
Juden. Beide wurden von den Nürnberger Gesetzen des Jahres 1936 aus der
deutschen Gesellschaft ausgeschlossen. Der von den Nazis gefasste Beschluss
zum Massenmord hatte beide Gruppen zum Ziel. Adolf Eichmann, einer der
Hauptverantwortlichen der Nazis für den Holocaust schrieb, dass das
Judenproblem gemeinsam mit dem Zigeunerproblem gelöst werden müsse,
was der Vernichtung beider Völker gleichkam. Sowohl in den
Konzentrationslagern wie auch in den besetzten Gebieten wurden Zigeuner
und Juden in gleicher Weise unbarmherzig getötet.101

145
ADNAN OKTAR

Der Massenmord an den Polen


Die Nation, die am am furchtbarsten unter der
Massenvernichtungsmaschinerie der Nazis litt, war Polen. Während des 2.
Weltkrieges töteten die Nazis sechs Millionen Polen. Davon waren drei
Millionen Juden, die anderen drei Millionen Katholiken. Das Drama der
katholischen Polen jedoch wurde meist vergessen oder übersehen.
Der Hass Hitlers auf die Polen resultiert daraus, dass diese sowohl als
"Untermenschen" betrachtet wurden, als auch aus dem perversen Denken,
dass die Polen den Deutschen den "Lebensraum im Osten" wegnahmen, auf
den sie angeblich einen Anspruch hatten. Deshalb war der erste militärische
Angriff des Krieges gegen Polen gerichtet. Am 22. August 1939 marschierte
die deutsche Wehrmacht in Polen ein. Vor der Besetzung befahl Hitler seinen
Generälen folgendes: "Tötet ohne Barmherzigkeit alle polnischen oder pol-
nisch sprechende Männer, Frauen und Kinder. Nur auf diese Weise können
wir den benötigten Lebensraum erhalten."102
Innerhalb weniger Wochen besetzten die Armeen der Nazis ganz Polen
und begannen auf Befehl Hitlers mit dem systematischen Massenmord. Allen
Grundbesitzern wurde Grund und Boden weggenommen und Bezugskarten
eingeführt. Polnische Kinder, die der deutschen Rasse ähnelten, wurden ihren
Eltern gewaltsam weggenommen und nach Deutschland geschickt, um sie
dort zu Soldaten auszubilden. Die Intellektuellen Polens dagegen wurden
bald systematisch ermordet. Zehntausende Geistliche, Bürgermeister,
Bürokraten, Priester, Lehrer, Richter und Ärzte wurden umgebracht. Weitere
zehntausende Menschen wurden in den Konzentartionslagern ermordet.
Während des Krieges verlor Polen 45% seiner Ärzte, 57% seiner
Rechtsanwälte, 40% des Lehrpersonals, 30% der Techniker und Ingenieure,
sowie den größten Teil der Geistlichen und Journalisten.
Hitler wollte die polnische Kultur vernichten. Alle Mittelschulen und
Gymnasien wurden geschlossen, ebenso wie alle Zeitungen. Bibliotheken und
Buchhandlungen wurden in Brand gesteckt. Alle schriftlichen Quellen und
Kunstgegenstände der polnischen Kultur wurden zerstört. Am meisten je-
doch waren polnische Geistliche das Ziel. Kirchen und andere religiöse
Einrichtungen wurden verbrannt und zerstört. Ein großer Teil der Priester
wurde festgenommen und in Konzentrationslager gebracht. Die Namen von
Straßen und Städten wurden geändert und anstelle der alten polnischen

146
HARUN YAHYA

Poland was one country where Nazi genocide was most widely perpetrated. The photog-
raph shows a Polish Jew beaten by Nazis. In addition to Jews, three million Catholic
Poles were also murdered.

Namen traten neue deutsche Bezeichnungen. Hitler wollte alles vernichten,


was mit Polen zu tun hatte.
Am Ende hatten die Nazis allein in Polen sechs Millionen Menschen er-
mordet. Die Hälfte davon waren Juden, die andere Hälfte katholische Polen.
Diejenigen, die in Auschwitz und den anderen Todeslagern ihr Leben ver-
loren, waren die genannten katholischen Polen. Der Historiker Richard C.
Lukas schrieb "Es wurden so viel Polen in die Konzentrationslager gebracht,
dass nahezu jede polnische Familie einen Verwandten hatte, der in den
Lagern gefoltert oder getötet wurde."103
Außer den polnischen Katholiken waren auch zahlreiche Katholiken in
Deutschland, vor allem Priester, Ziel der Nazimassenmorde. Die das
Christentum hassenden Nazis wollten die deutsche Gesellschaft in eine
vorchristliche heidnische Gesellschaft zurückführen; sie betrachteten die
Katholiken von Anfang an mit Antipathie und schickten zahlreiche Geistliche
in Konzentrationslager. Im Lager Dachau wurde für Geistliche eine eigene
Abteilung eingerichtet, der "Priesterblock" in den 1780 polnische Priester ein-
geliefert wurden. 868 davon starben im Lager. Sehr wenige dieser Menschen

147
ADNAN OKTAR

konnten gerettet werden, einige wurden erschossen, doch die meisten starben
langsam an Krankheiten oder Hunger. Ebenso wurden die Zeugen Yehovas,
die den Schwur auf Nazideutschland nicht mit ihrem Glauben vereinbaren
konnten, festgenommen und in Konzentrationslager deportiert.104

All die anderen, die ihr Leben verloren


Nicht nur Juden waren also das Ziel der Nazigrausamkeiten, sondern
auch zahlreiche andere Minderheiten. Es hing zusammen mit der Fordrung
der Nazis nach "Lebensraum". "Lebensraum" war die Bezeichnung für die im
Osten Deutschlands gelegenen besetzten bzw. noch zu erobernden Gebiete,
die als für die deutsche Bevölkerung notwendig erachtet wurden: Hitler
führte an, Deutschlands Territorium sei für die deutsche Nation nicht ausre-
ichend, der "arischen Rasse" mangele es an ""Lebensraum", daher müssten
Polen und die Ukraine erobert werden. Die slawische Bevölkerung dieser
Länder sollte vernichtet werden um den Deutschen besagten "Lebensraum"
zu eröffnen.
Nazidokumente zeigen, dass in der Sowjetunion 75 Millionen Menschen
lebten und dass Absicht bestand, diese Zahl auf 30 Millionen zu senken. Diese
30 Millionen sollten, um die Bedürfnisse der anzusiedelnden Deutschen zu er-
füllen, als Sklavenarbeiter beschäftigt werden. Die Nazis hatten vor, die für sie
überflüssigen 45 Millionen weiter in den Osten zu vertreiben oder "auszurot-
ten".
Die Morde, die die Nazis in den besetzten Gebieten an der
Zivilbevölkerung verübten, zeigen die Verwirklichung dieses Plans. Offizielle
Rechtfertigung für die Morde war die Unterstützung der Partisanen durch die
Zivilbevölkerung. (Partisanen waren die in den besetzten Gebieten gegen die
Nazis eingesetzten Widerstandkämpfer.) Die gesamte Bevölkerung jeder be-
liebigen Siedlung konnte unter dem Vorwand der Unterstützung von
Partisanen ermordetwerden. Den Berechnungen des Historikers H. Kuhnrich
zufolge wurden mit der Begründung, Partisanen zu bekämpfen, mehr als 5,9
Millionen Personen getötet. Davon waren 4,5 Millionen Ukrainer.
Die Zahl der Polen, die 1939 bis 1945 außerhalb des Kriegsgeschehens
getötet wurde, beträgt mehr als sechs Millionen. Davon waren drei Millionen
Juden, 200.000 Sinti und Roma, die übrigen Katholiken. Nahezu alle

148
HARUN YAHYA

Intellektuellen Polens sind ermordet wurden. Die Zahl der in Jugoslawien


getöteten Zivilisten betrug 1,2 Millionen, was 9% der gesamten Bevölkerung
des Landes entspricht Die während des Krieges getöteten fast 300.000 ju-
goslawischen Soldaten und Milizen sind in dieser Zahl nicht enthalten.
Die schwersten Verluste erlitt die Sowjetunion. Bis zum 10. Mai 1943
nahmen die Nazis 5.400.000 sowjetische Soldaten gefangen, von denen 3,5
Millionen an Hunger und Kälte starben oder in den Konzentrationslagern
getötet wurden. Als die deutschen Armeen 1944 aus Russland vertrieben wor-
den waren, war die Bevölkerungszahl der Ukraine von 42 Millionen auf 27,4
Millionen zurückgegangen, was eine Differenz von 14,6 Millionen bedeutet.
Zieht man von dieser Zahl die Flüchtlinge und die Gefangenen ab, die am
Leben blieben, dann waren es sieben Millionen Tote. Innerhalb der Grenzen
der Sowjetunion ermordeten die Nazis 11 Millionen Menschen.105

In occupied countries, the


partisans were resistance
groups set up to fight the
Nazis, who eliminated whole
towns and villages on the
pretext that they had sup-
ported the partisans.

149
ADNAN OKTAR

Insgesamt fielen den Massenmorden der Nazis an der Zivilbevölkerung


26 Millionen Menschen zum Opfer, darunter sechs Millionen Juden, und bis
zu 750.000 Zigeuner, die übrigen waren Polen, Ukrainer, Russen und
Jugoslawen.
Die gesamten Verluste an Menschenleben während des 2. Weltkrieges
beliefen sich auf die unvorstellbare Zahl von 55 Millionen. Der von manchen
Forschern "Judenausschließlichkeit" genannte Annäherung ist völlig falsch,
der die Nazigreuel als nur gegen Juden gerichtet zeigt, und die Augen vor den
anderen Betroffenen verschließt. Diese Annäherung ist ein Produkt der
radikalen zionistischen Bewegung, die darauf abzielt, aus der Tragödie des
Holocaust politisches Kapital zu schlagen, was höchst unmoralisch ist. Auch
darf die Zusammenarbeit dieser radikalen Zionisten mit den Nazis nicht
vergessen werden.
Unserer Meinung nach muss die richtige Annäherung an das Thema
Holocaust folgendeTatsachen berücksichtigen:
1) Nazideutschland ist eines der grausamsten und unbarmherzigsten
Regime, die die Geschichte je gesehen hat. Es bedarf weltweiter
Zusammenarbeit um zu verhindern, dass die rassistische, faschistische
Ideologie, die dieses Regime hat entstehen lassen, erneut verbreitet wird und
die Menschheit von neuem in die Katastrophe führt.
2) Die Juden sind die Gruppe, die am meisten unter den Nazigreueln
litten. Die Nazis töteten 5,7 Millionen unschuldige Juden ohne
Unterscheidung von Frauen und Kindern. Damit sich diese Tragödie nie
wieder wiederholt, muss auf der ganzen Welt zusammengearbeitet werden.
Gegen Gruppen, die Judenfeindschaft verbreiten, muss mit den Mittlen des
Rechtsstaats vorgegangen werden.
3) Die anderen Betroffenen der Nazigreuel dürfen keinesfalls
vergessen werden, und Ansichten, die die Bezeichnung
"Judenausschließlichkeit" haben, dürfen keine Würdigung erfahren. Die
Nazis wollten Geisteskranke, Behinderte, Sinti und Roma, Katholiken, Polen,
Slawen, alle Menschen anderen Glaubens und anderer Nationalität ver-
nichten. Allen muss in gleicher Weise gedacht werden. Der Schmerz der einen
Gruppe ist nicht geringer oder weniger wert als der einer anderen Gruppe.

150
Historical sources show that the Nazis slaughtered millions of people, not just
Jews. Some 26 million people lost their lives because of Nazi savagery; 6 million of
them Jews, the rest being Gypsies and Slavs from such countries as Poland,
Yugoslavia, Ukraine and Russia.

151
ADNAN OKTAR

4) Niemand darf versuchen, den Holocaust für politische Ziele zu be-


nutzen. Dies tun insbesondere einige Zionisten sowie einige radikalen
Gruppierungen in Israel. Die Ermordung von 5,7 Millionen Juden durch die
Nazis berechtigt die Juden nicht dazu, andere Menschen, die Palästinenser, zu
ermorden. Die Tragödie des Holocaust darf nicht verwendet werden, um die
Tragödie zu entschuldigen, die Israel im Nahen Osten hat entstehen lassen.
Ein solches Verhalten ist die größte Respektlosigkeit, die beim Gedenken an
die Toten des Holocaust gezeigt werden kann.
5) Die Israelis und alle Juden, die in anderen Ländern die Ideologie
des radikalen Zionismus übernehmen, müssen mit der verborgenen
Wahrheit des Holocaust konfrontiert werden. Während des Holocaust ar-
beiteten die radikalen Zionisten mit den Nazis zusammen. Als es ihren eige-
nen Interessen zustatten kam, unterstützten sie die Nazis insgeheim und ver-
hinderten die Rettung der Juden vor dem Holocaust, indem sie sagten: "Das
Fließen von jüdischem Blut wird uns nach dem Krieg von Nutzen sein." Diese
Tatsache wird zwar von einigen religiösen Juden und jüdischen
Intellektuellen zur Sprache gebracht, und es wird auch Rechenschaft
gefordert, doch müssen diese Sachverhalte noch offener dargelegt und disku-
tiert werden.
Deswegen ist es erforderlich, dass die Weltanschauung mancher Kreise
der israelischen Staatsführung in Frage gestellt wird und dass anstelle eines
rassistischen Verständnisses, das den Palästinensern kein Lebensrecht zubil-
ligt, ein friedfertiges und menschliches zionistisches Verständnis Akzeptanz
findet, das ein friedliches Leben der Palästinenser vorsieht. Nur so kann
Frieden im Nahen Osten erreicht werden.

152
TEIL VIER

Die antisemitische Politik Israels

Bevor wir dieses Thema ausführlich untersuchen, muss daran erinnert


werden, dass Betrachtung und Kritik der Politik des israelischen Staates als
Gesamtheit keine gerechte Annäherung darstellt. Denn ebenso wie in anderen
Staaten gibt es viele Elemente, die die Politik des israelischen Staates bestim-
men. Doch die hier zu behandelnden und zu dechiffrierenden Bereiche der
Politik sowie deren Praktizierung sind eine perverse Aktivität von radikalen
Kreisen im israelischen Staat. Diese Kreise stehen unter dem Einfluß der
radikalen zionistischen Ideologie und errichten das grösste Hindernis für den
Frieden dadurch, dass sie auf die Beherrschung der Welt abzielen und sich
dabei auf falsche Interpretationen der entstellten Thora stützen, nach der alle
Nichtjuden als unterlegen zu betrachten und deren Unterdrückung nur als lo-
gisch anzusehen ist. Aus diesem Grund müssen die Informationen dieses
Abschnitts auch unter diesem Blickwinkel betrachtet werden.
Im ersten Teil des Buches untersuchten wir die Zusammenarbeit zwis-
chen dem radikalen Zionismus und dem Antisemitismus, die von einigen
führenden Persönlichkeiten des politischen Zionismus seit Beginn des 20.
Jahrhunderts praktiziert wurde, um die Gründung des israelischen Staates zu
ermöglichen. Das prägnanteste Beispiel hierfür stellen ohne Zweifel die
Beziehungen zwischen Nazideutschland und manchen Zionisten dar. Deren
Absicht war es, die europäischen Juden um jeden Preis nach Palästina zu
holen, um dort die Errichtung eines jüdischen Staates sicherzustellen.
Diese Politik war in zweierlei Hinsicht erfolgreich. Zunächst wanderten
als Ergebnis der antisemitischen Politik der Nazis zahlreiche Juden nach

153
ADNAN OKTAR

Bombing of the Golan Heights during the 1967 War

East Jerusalem occupied by Israeli tanks

The Israeli capture of the Sinai Peninsula

154
HARUN YAHYA

Palästina aus. Die zweite Seite dagegen ist von eher psychologischer Art;
Denn die ganze Welt konnte zustimmen, dass die Juden, an denen während
des 2. Weltkrieges der größte Massenmord der Geschichte verübt worden war,
in Palästina einen jüdischen Nationalstaat gründeten.
Der Staat Israel wurde 1948 gegründet. Doch er entsprach nicht der
Vorstellung mancher zionistischer Führer. Die Vereinten Nationen hatten
Palästina in zwei Teile geteilt, in einen jüdischen und einen arabischen Teil.
Doch durch den arabisch-israelischen Krieg, der sofort nach der Proklamation
des israelischen Staates begonnen hatte, vergrößerte der jüdische Staat sein
Territorium und besetzte 1949 außer dem Gazastreifen und Westjordanland
das gesamte palästinensische Gebiet. Im Sechstagekrieg von 1967 wurden die
gesamten palästinensischen Gebiete einschließlich des Westjordanlands, des
Gazastreifens und Ostjerusalem okkupiert. Zudem gerieten die zu Syrien
gehörenden Golanhöhen und die ägyptische Halbinsel Sinai unter israelische
Besetzung. 1982 wurde der Libanon von Israel besetzt. Nach dieser
Okkupation wurde ein "Sicherheitsgürtel" im Süden des Libanon eingerichtet.
Diese gesamte Okkupationspolitik war das Ergebnis des Ziels
"Großisrael", das manchem israelischen Führer vorschwebte und welches
wiederum aus der falschen Interpretation der abgeänderten Thora resultierte.
Dieser Interpretation zufolge war die große Mehrheit der nahöstlichen
Gebiete den Söhnen Israels versprochen. Radikale Kreise sahen vor, alle diese
Gebiete in Besitz zu nehmen, sie von ihren arabischen Bewohnern zu säubern
und zu jüdisieren. Diese radikalen Ansichten innerhalb der israelischen
Staatsführung waren der Grund dafür, dass sich Israel sowenig wie möglich
aus den besetzten Gebieten zurückzog. Das Westjordanland hielt Israel vor
allem besetzt, weil es der wichtigste Teil des "versprochenen Bodens" war, und
Israel bemühte sich, diesen Landstrich zu jüdisieren, indem es jüdische
Siedler in den besetzten Gebieten ansiedelte. Ein Grossteil dieser Siedler
waren radikale Juden, die dies als eine religiöse Mission verstanden. Doch die
Juden, die eigentlich auf diesem Boden angesiedelt werden sollten, waren die
aus der Diaspora nach Israel einwandernden Juden.
Seit seiner Gründung hatte Israel das Bedürfnis nach der Zuwanderung
von Juden aus der Diaspora. Die bis zum Jahr 1948 zur Auswanderung nach
Palästina veranlassten Juden waren nur ein kleiner Teil der Juden auf der
ganzen Welt. Die Mehrheit der Juden beharrt darauf, in der Diaspora zu leben.

155
ADNAN OKTAR

Nahum Goldman: "a current de-


cline in anti-Semitism might con-
stitute a new danger to Jewish
survival." Goldman, at the World Jewish Congress in 1966

Einige Staatsmänner Israels hatten die Absicht, die Juden zur Auswanderung
nach Israel zu veranlassen um ein "Großisrael" errichten zu können. Doch
jedes Jahr wurden sie mehr enttäuscht. Für jeden Zeitabschnitt wurde ein
Zuwanderungsziel festgelegt, doch mit dem Fortschreiten der Jahre erkannte
man immer mehr die Utopie dieser Ziele. Für die Zeit von 1951 bis 1961 wurde
das von Ben Gurion genannte Ziel von vier Millionen nicht erreicht, da seinem
Ruf nur 800.000 Juden aus der Diaspora folgten. Am Ende der gleichen
Zehnjahresperiode fiel die Anzahl der Zuwanderer auf 30.000 im Jahr und in
den Jahren 1975 und 1976 überwog die Abwanderung aus Israel.
Die Jerusalem Post thematisierte in dem am 7. Oktober 1978 erschienen
Artikel "The General with a Phantom Army" (Der General mit der
Phantomarmee) von Meir Merhav den mangelnden Willen der jüdischen
Bevölkerung nach Israel auszuwandern, folgendermaßen:
In der Geschichte des Zionismus und des Staates Israel gab es niemals
eine große Wanderungsbewegung. Religiöse oder zionistische Juden
kamen zu jeder Zeit in kleinen Gruppen. Da die meisten von ihnen
Idealisten waren und die Wirklichkeit nicht mit ihren Vorstellungen
übereinstimmte, verließen sie Israel wieder. Selbst in den schwierigsten
Zeiten der jüdischen Gemeinschaft zogen sie es vor, nicht nach Israel
auszuwandern, sondern in andere Länder. Von den 300.000 Juden

156
HARUN YAHYA

Deutschlands in den Jahren 1933-1939 konnten lediglich 60.000 nach


Israel kommen. Die meisten von ihnen erwogen nicht einmal die
Möglichkeit der Auswanderung nach Israel. Dies gilt auch für andere
jüdischen Gemeinschaften. Selbst von den russischen Juden, die am
meisten der Verfolgung ausgesetzt waren, dachten 50% bis 60% daran,
woanders hin auszuwandern, aber nicht nach Israel. Wir mögen die
Tatsachen nicht, aber wir können sie nicht verleugnen. Wir müssen eines
verstehen, und dies ist, dass diese Zahlen zeigen, dass aus der jüdischen
Diaspora zu keiner Zeit eine große Zuwanderung erfolgte.
Die meisten Juden der Diaspora dachten also auch nach der Gründung
Israels ebenso wie in den 1920er und 1930er Jahren kaum daran, nach
Israel einzuwandern. Was sollte man also tun, um das zu ändern? Die
Antwort auf diese Frage ist einfach: Genau dasselbe, was bereits vorher
getan wurde, also die Gefahr des Antisemitismus für die Juden der
Diaspora anfachen und sie so von der Auswanderung nach Israel zu
überzeugen. Einige Zionisten drückten dies schließlich ganz deutlich
aus. Entsprechend der Formel, die Leo Pfeiffer dem amerikanischen
jüdischen Kongress unterbreitete, benötigte die Fortsetzung des
Judentums Judenfeindlichkeit. "Für die Fortsetzung des Judentums
braucht es den Antisemitismus" sagte Pfeiffer.106
Nahum Goldmann dagegen, der Vorsitzende der Zionistischen
Weltorganisation, betonte 1958, dass der Zionismus das unverzichtbare
Bedürfnis nach dem Antisemitismus hat und warnte folgendermaßen: "Der
Rückgang des Antisemitismus ist eine neue Gefahr für den Zionismus."107
Es musste also wie zuvor zu den Nazis eine Verbindung mit lokalen
Antisemiten geknüpft, oder ein künstlicher Antisemitismus mit direkt von
Israel organisierten Aktionen geschürt werden. So geschah es auch. Auf den
folgenden Seiten untersuchen wir die unterschiedlichen Fronten des Krieges,
die der jüdische Staat gegen die Juden der Diaspora eröffnete.

Die Drohungen der israelischen Führungsriege


an die Juden in der Diaspora
Seit dem Amtsantritt des ersten israelischen Ministerpräsidenten David
Ben Gurion wurde jedes Mittel ausprobiert, um die Zuwanderung nach Israel

157
ADNAN OKTAR

Israel Goldstein: "What are American Jews wa-


iting for? Are they waiting for a Hitler to force
Ben Gurion: "We must save the remnants of them out? Do they imagine that they will be spa-
Israel in the Diaspora. We must also save their red the tragedies which have forced Jews of ot-
possessions. Without these two things, we her lands to emigrate?"
shall not build this country."

zu erhöhen. Bei einem Besuch einer Gruppe von Amerikanern in Israel sagte
Ben Gurion folgendes:
Trotz unseres Traums der Verwirklichung eines jüdischen Staates stehen
wir noch ganz am Anfang. Ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung
lebt immer noch außerhalb Israels; Heute gibt es in Israel nur 900.000
Juden. In Zukunft muss man alle Juden in Israel versammeln. Wir rufen
Mütter und Väter auf, ihre Kinder hierher zu bringen. Wenn sie nicht
helfen werden, werden wir die Jugendlichen hierher bringen. Doch ich
hoffe, das wird nicht notwendig sein.108
Im Dezember 1960 nannte Ben Gurion auf dem 25. Zionistenkongress in
Jerusalem die außerhalb Israels lebenden Juden "gottlose Juden" und sagte,
dass "die amerikanischen Juden nicht einmal eine Ahnung davon haben, was
es heißt ein Jude zu sein".
In den folgenden Jahren gesellte sich ein weiterer berühmter Name zu
denen hinzu, die der Ansicht waren, dass das jüdische Volk um jeden Preis ve-
ranlasst werden müsse, nach Israel auszuwandern: Mosche Dayan. In einer
Rede, die er im Juli 1968 hielt, kritisierte er die Juden hart, die der Ansicht

158
HARUN YAHYA

waren, dass die Anzahl der Ausgewanderten ausreichend sei. "Jeden Tag
haben wir versucht mehr Juden hierher zu bringen. Wir erlauben keinem
Juden zu sagen, dass wir am Ende des Weges angekommen sind."109
Am 2. Mai 1948 versammelte sich die Jüdische Konferenz Amerikas, ein-
berufen von Simon Rifkind und Louis Levinthal, Berater in jüdischen
Angelegenheiten, und dem Zionistenführer und Rabbiner Philip Bernstein..
Während der Konferenz wurde die jüdische Bevölkerung in dem Bericht des
radikalen Zionistenführers und Rabbiners Klausner bedroht. Klausner
räumte ganz offen ein, dass die gestern von den radikalen Zionisten prak-
tizierte Unterdrückungspolitik, die das jüdische Volk zur Auswanderung
zwingen sollte, auch heute noch durchgeführt werde und verteidigte diese
Vorgehen energisch mit folgenden Worten:
Ich bin der Überzeugung, dass die Bevölkerung zur Auswanderung
nach Palästina gezwungen werden muss... Mit dem Wort 'Zwang'
spreche ich von einem Programm. Dies ist kein neues Programm, son-
dern eines, das bereits vorher und in der jüngsten Vergangenheit benutzt
wurde... Der erste Schritt eines solchen Programms ist es, folgendes
Grundprinzip zu akzeptieren: Die jüdische Gemeinschaft auf der Welt
muss davon überzeugt werden, nach Palästina auszuwandern. Zur
Durchführung dieses Programms muss die Politik gegenüber der jüdis-
chen Gemeinschaft geändert werden, und anstelle es der heimatlos

The radical Zionist rabbi Joseph


Klausner: "The first step in such a
program is the adoption of the prin-
ciple that it is the conviction of the
world Jewish community that these
people must go to Palestine. To ef-
fect this program, it becomes ne-
cessary for the Jewish commu-
nity... to make them [displaced per-
sons] as uncomfortable as possib-
le. A further procedure would call
for an organization such as Haga-
nah to harass the Jew... It must be
borne in mind that we are dealing
with a sick people. They are not to
be asked, but to be told what to do."

159
ADNAN OKTAR

gebliebenen jüdischen Bevölkerung behaglich zu machen, muss diese so


stark wie möglich beunruhigt werden... Die Hilfen des 'Amerikanischen
Komitees zur Gemeinsamen Verteilung' müssen eingestellt werden...
Danach muss eine Organisation von der Art der Haganah gegründet
werden, die die Juden beunruhigt. Die Juden außerhalb Israels sind
Kranke, die nicht gefragt werden, was sie tun, sondern denen gesagt
werden muss, was zu tun ist... Falls das Programm keine Zustimmung
findet, kann ein Unfall geschehen, der dazu führt, dass die Politik der
jüdischen Gemeinde Amerikas gezwungenermaßen revidiert, und die
hier vorgeschlagene Veränderung durchgeführt werden kann; dies kann
dann noch mehr Leid mit sich bringen.110
Wie Klausner oben eingestand, stützte sich die Politik des Staates in
Israel auf die "gewaltsame Überzeugung" der amerikanischen jüdischen
Bevölkerung, um die Auswanderung nach Israel sicherzustellen. Klausner
sieht auch kein Problem, aufzuzeigen, wie die Maßnahmen der "gewaltsamen
Überzeugung" aussehen würden: "Die jüdische Bevölkerung so stark wie
möglich zu beunruhigen." Für den Fall, dass sich trotz allem die erwarteten
Auswanderungen nach Israel nicht verwirklichen lassen, erklärt Klausner
dem jüdischen Volk was ihm als letzte Möglichkeit zustoßen kann: Die Juden
könnten "einem Unfall ausgesetzt sein, der noch mehr Leid bringt", genau wie
der "Unfall"", der den Juden zustiess, die sich bis 1940 weigerten auszuwan-
dern und der durch die Zusammenarbeit von radikalen Zionisten und Nazis
entstand.
Der Zionistenführer Dr. Israel Goldstein schließlich beschwerte sich ein-
erseits über die Schwerfälligkeit, die die jüdische Bevölkerung bei der
Auswanderung nach Israel immernoch an den Tag legten, und drohte ander-
erseits:
Was erwarten denn die amerikanischen Juden noch mehr? Soll sie etwa
ein Hitler mit Gewalt vertreiben? Glauben sie, dass ihnen die Tragödie,
die die Juden anderer Länder zur Auswanderung zwang, nicht zustoßen
wird? Glauben sie, dass sie davor gerettet werden?111
Ben Gurion behauptete, dass es für Israel eine "religiöse Verpflichtung
sei, die Juden aus dem Sklaverei auszulösen. In einer Rede bei den israelischen
Wahlen 1949 konnte er soweit gehen, die außerhalb Israels lebenden Juden als

160
HARUN YAHYA

"Überrest" zu bezeichnen.
"Wir müssen den Überrest
der Deportation retten.
Außerdem müssen wir auch
deren Besitz retten. Dieses
Land können wir nicht
gründen, ohne diese beiden
Dinge zu erledigen"112
Diese Worte Ben
After the war, some Jews freed from the Nazi camps had
Gurions legten die zukün-
to live in Displaced Persons Camps, because they had
ftige Politik Israels klar dar.
nowhere else to go.
Die aus den
Konzentrationslagern der
Nazis geretteten Juden waren zum "Überrest der Deportation" geworden, der
gewaltsam zur Auswanderung nach Israel gezwungen werden musste.

Radikaler Zionistischer Terror in Flüchtlingslagern


Als der 2. Weltkrieg zu Ende war, wurden die Juden aus den
Konzentrationslagern der Nazis frei gelassen. Doch da sie keinen Ort hatten,
wohin sie hätten gehen können, waren sie gezwungen, in den eingerichteten
Flüchtlingslagern (Displaced Person Camps) zu bleiben. In der Leitung dieser
Lager gab es einige sehr einflußreiche Zionistenführer. Der Krieg war zu
Ende, doch das Drama der jüdischen Bevölkerung Europas noch nicht. Deren
Lebensbedingungen hatten sich kaum geändert. Nur waren anstelle der Nazis
radikale zionistische Führer getreten, die ebenso unbarmherzig waren wie
diese.
Der oben angeführte Bericht des Rabbiners Klausner, in dem dieser die
Notwendigkeit vertrat, die Juden mit Gewalt zur Auswanderung nach
Palästina zu zwingen, ist auch der Ursprung der Terrorpraktiken, denen die
jüdische Bevölkerung durch die radikale Zionistenbewegung Irgun in den
Flüchtlingslagern ausgesetzt war. Jahre später kam diese
Unterdrückungspolitik ans Tageslicht. In den Berichten des "Office of Military
Government for Germany/U.S."(Behörde der amerikanischen
Militärregierung in Deutschland), kurz OMGUS genannt, wurden wiederholt
die gewaltsamen Praktiken der Irgun erwähnt, die Geld "sammelten" und aus

161
ADNAN OKTAR

The weekly intelligent report prepared by OMGUS, the Office of Military Government
for Germany/U.S., dated July 10, 1948 numbered 113. Referring to the report dated
July 3, 1948 numbered 112, the document explains under the topic of "Terrorist Tac-
tics" in detail that the terror organization Irgun pressured the Jewish people to immig-
rate to the Promised Land.

der jüdischen Bevölkerung gewaltsam Männer aushoben, die in Palästina


gegen die Araber kämpfen sollten. Auszüge aus den Berichten der OMGUS:
Die Irgun kontrollierte diese Lager. Der Verband hatte auch Einfluß auf
die Polizeikräfte dieser Lager. Die Irgun schüchterte die Lagerpolizei ein,
bedrohte diese und wandte bei Bedarf auch Gewalt bis zum
Blutvergießen an... Die Juden, die 1948 aus Polen kamen, um sich in
Berlin niederzulassen, wanderten nach Amerika aus, um sich vor dem
"Judensammeln" der Irgun zu schützen. Juden, die sich im Lager Duppel
nicht freiwillig zum Krieg gegen die Araber in Palästina meldeten, wur-
den von Irgunmitgliedern geschlagen und diejenigen mit dem Tode
bedroht, die nicht gehen wollten. Während die jüdische Bevölkerung
unter diesen Aushebungen litt, schloss man die Haupttore des Lagers
um eine Flucht zu verhindern.113
Auch die Militanten der Haganah wandten Gewalt an. Der amerikanis-

162
HARUN YAHYA

che Autor Stephen Green schreibt hierzu folgendes:


Manche Lager berichten von Gewaltanwendungen durch Haganah oder
Irgun. Ständig wurde berichtet, dass eine paramilitärische Truppe na-
mens Sochnut innerhalb der Haganah Drohungen, Einschüchterungen
und Schläge anwandte. Obwohl diese Ereignisse bekannt waren, wur-
den sie lange Zeit von der Irgun angewandt. Die Betroffenen des
Naziterrors waren diesmal erneut gezwungen, ihre Familien und
Freunde auf der Flucht vor dem zionistischen Terror zu verlassen.114
Peter Rodes, der Chef des Nachrichtendienstes der amerikanischen
Militärbehörde war beunruhigt von den Übergriffen der radikalen Zionisten
in den jüdischen Lagern: "300 Personen verliessen Tikwah, um nach Israel zu
gehen. 65% davon waren dabei unterschiedlichen Gewaltaktionen ausgesetzt
gewesen. "115
Mitte 1948 wurden in den OMGUS-Berichten die Vorgänge in den
Lagern "Terrorpraktiken" genannt. Auch wurde berichtet, dass diese
Terrorpraktiken zu den von Haganah und Irgun benutzten
Standardprozeduren gehörten. Im Lazarett in Traunstein in Bayern ereignete
sich beispielsweise folgendes:
Die Lagerpolizei umstellte das Gebäude mit einer Postenkette um das
Hinein - und Hinausgehen aus dem Gebäude zu verhindern. Am 14. Juni wur-
den die Juden, die sich weigerten nach Israel zu gehen, davor gewarnt, die
Synagoge zu besuchen. Andernfalls würden sie mit Gewalt aus der Synagoge
herausgebracht werden... Seit der Gründung Israels waren ungefähr ein
Dutzend freiwillig aus dem Lazarett weggegangen. Diese Freiwilligen wur-
den 'Ghuis' genannt. Sechs oder sieben dieser Männer kamen nach ein paar
Tagen zurück. Die jungen Männer, die nicht nach Israel gehen wollten, wur-
den terrorisiert. Mit der Gründung des Staates Israel terrorisierten die in
Palästina lebenden Juden die in den Lagern Lebenden, um sie zur
Auswanderung nach Israel zu bewegen.116
Die einzige Schuld der in den Lagern lebenden Juden bestand darin, dass
sie sich nicht den radikalen Zionismus zu eigen machten. Um sicherzustellen,
dass diese Menschen auf den "versprochenen Boden" auswandern, waren
diese mit Gewalt zu radikalen Zionisten zu machen. Deshalb wurden in den
Lagern gewaltsame und auf Absonderung zielende Aktionen gegen diejeni-

163
ADNAN OKTAR

gen durchgeführt, die keine radikalen Zionisten waren oder die antizionis-
tisch waren.117
Einige radikale zionistische Führer verdeckten die
Unterdrückungspolitik gegen die in den Lagern lebenden Juden nicht mehr.
Die amerikanische Zeitschrift The New Leader teilte in seiner Ausgabe vom 21.
August 1948 folgendes mit:
Louise Nelson, die 'Stellvertretende Vorsitzende der internationalen
Gewerkschaft für Damenbekleidung' und 'Leiterin der Arbeitergewerkschaft
der Beschäftigten der Strickwarenindustrie' war eine wichtige
Arbeiterführerin in Amerika. Sie leitete einige der Kampagen deren Ziel es
war,heimatlose Juden zum Zionismus zu überreden und sie zu überzeugen,
sich dem jüdischen Heer anzuschließen.
Die Kampagne, die die radikale zionistische Gewerkschaftsführerin be-
gann, sollte das Leben der in den Lagern lebenden Juden höchst negativ bee-
influssen:
Es begann mit Beschlagnahmung der Tagesration, Beendigung des
Arbeitsverhältnisses, Zerstören der Maschinenteile, die die Amerikaner
für die handwerkliche
Ausbildung der
Heimatlosen geschickt
hatten, Ausschluss der
Opponierendem vom
Rechtsschutz und von
Visarechten, und ging
sogar bis zum
Hinauswurf aus den
Lagern. Einmal wurde
jemand vor allen an-
deren ausgepeitscht.

A propagandist poster of Israel to


make Jews emigrate to the Promi-
sed Land in 1950s: "Direction: Heb-
rew land." On one side is a sunny
and bright Israel, on the other con-
centration camps, darkness and
dangerous Diaspora countries.

164
HARUN YAHYA

Außerdem wurden Geschichten von


Pogromen in Amerika erzählt, um die
Heimatlosen zu beunruhigen.118
Diese vielseitig durchgeführte
Unterdrückungspolitik trug nach einiger Zeit
Früchte. Sie hatte eine abschreckende Wirkung
auf die jüdische Bevölkerung, die durch das
Kriegsgeschehen ohnehin schon psychisch
geschädigt war. Dank der genannten zionistis-
chen Agitatoren schlug die aus den Israeli leader Shimon Peres

Konzentrationslagern gerettete jüdische


Bevölkerung gezwungenermaßen und mit gesenktem Kopf den Weg nach
Israel ein. Nachdem die Flüchtlingslager geleert worden waren, zwangen sie
die Juden, deren Mehrheit keine Neigung zur Auswanderung verspürte
durch eine Mischung aus Druck und Propaganda,."119
Auf der einen Seite setzten die radikalen Zionistenführer die Juden in
den Lagern der Gewalt aus, um sie zur Auswanderung zu veranlassen, auf
der anderen Seite verseimten sie nicht, die Bedürftigkeit der nach dem 2.
Weltkrieg heimatlosen Juden als politisches Druckmittel auf der interna-
tionalen politischen Bühne zu benutzen.
Der israelische Schriftsteller Amos Perlmutter drückt dies folgende-
maßen aus:
Ben Gurion und die anderen Zionisten hatten beschlossen, den
Holocaust und dieUnabhänigkeit, die schwierige Lage der heimatlosen
Juden und der gesund aus den Lagern Geretteten mit dem Begriff der
Trennung zu vereinigen... Eine Politik für die aus ihrer Heimat vertriebe-
nen Menschen stand nicht auf der Tagesordnung der Zionisten. Wie sehr
manche Historiker auch darauf beharren, es gab sie nicht. 1946 einigte
sich die schlimme Situation der Heimatlosen in den englischen Lagern
mit den unterschiedlichen Seiten der pragmatischen Politik. Für das
zionistische Ideal war es immer das wichtigste Ziel, nach Israel zurück-
zukehren.120
Die israelische Staatsführung hatte die Gebiete, die von den Vereinten
Nationen zur Gründung eines jüdischen Staates vorgesehen waren, (ungefähr
50% von Palästina) und die Gebiete die sie im Krieg von 1948 gegen die

165
ADNAN OKTAR

Araber gewonnen hatte, stark vergrössert. Diese Ausweitung machte


manchen israelischen Politikern Mut, noch mehr Juden auf den "versproch-
enen Boden" zu bringen. 1949 riefen sie alle Juden der Welt auf, nach Israel
einzuwandern. Ein Jahr später wurde dieser Aufruf von einem Gesetz ver-
stärkt, dem Rückkehrgesetz. Dieses Gesetz besagte, dass ein wahrer Jude, der
von einer jüdischen Mutter geboren sein musste, das Recht hat, in Israel
einzuwandern und dort seine Heimat zu finden.Das Rückkehrgesetz war
jahrelang Diskussionsthema in Israel. Manche Intellektuelle behaupteten,
dass dieses Gesetz ein Beispiel für offenen Rassismus sei. Doch die offizielle
Politik hierzu änderte sich niemals. Den Blickwinkel der offiziellen israelis-
chen Ideologie zu diesem Thema legte Schimon Perez in der Ausgabe der
Zeitung Davar vom 25. Januar 1972 dar:
Die Anwendung des Gesetzes 125 (das Rückkehrgesetz), das die Basis
der Militärherrschaft formt, ist eine Fortsetzung des Krieges, der unternom-
men wurde um die Juden auf diesem Boden anzusiedeln und sie zur
Auswanderung zu zwingen.
Wie Perez ausdrückte, war das "Sammeln der Juden" tatsächlich ein
Krieg. Denn einige einflußreiche Kreise innerhalb der israelischen Regierung
hatten die Juden auf der Welt trotz ihrer gegenteiligen Wünsche eingesammelt
und sammeln diese immernoch ein. Der Krieg dieser Kreise richtete sich also
nicht nur gegen verfeindete Länder oder feindliche Organisationen, sondern
auch gegen die Juden der Welt, von denen behauptet wird, dass sie ihr
Rassebewußtsein verloren haben und ihr Gesicht vom radikalen Zionismus
abwenden.

Mossads Organisator für Auswanderungen: Aliyah Bet


Rabbiner Klausner schrieb in seinem berüchtigten Bericht, den er am 2.
Mai 1948 der Jüdischen Konferenz in Amerika vorlegte – wir sprachen eben
darüber – davon, dass es notwedig sei, die Juden so stark wie möglich zu be-
unruhigen, um sie zur Auswanderung nach Palästina zu bewegen. Klausner
war ein berühmter Name in der radikalen zionistischen Bewegung und er
wurde sogar bei den ersten Wahlen des israelischen Staatspräsidenten als
Kandidat aufgestellt. Deshalb sind die Ideen Klausners zum jüdischen
Einwanderungszwang auch nicht als seine persönlichen Ansichten, sondern
als die generelle Politik der radikalen zionistischen Bewegung zu verstehen.

166
HARUN YAHYA

Ein weiterer wichtiger Hinweis darauf sind ähnliche Erklärungen von an-
deren Politikern wie Israel Goldstein und David Ben Gurion.
Das bedeutet also, dass von Anfang an einige Personen innerhalb der is-
raelischen Staatsführung einen Plan durchdachten und entwickelten, um die
Juden der Diaspora zur Auswanderung zu bewegen und diesen dann auch in
die Praxis umsetzten. Die in diesem Plan genannten "Maßnahmen zur
Beunruhigung" waren insbesondere Aktionen eines künstlichen
Antisemitismus, der von diesen Kreisen gefördert, sogar regelrecht pro-
duziert wurde. Die wirkungsvollste Maßnahme waren Angriffe auf
Synagogen und andere Orte, an denen sich Juden versammelten; diese wur-
den wiederum von Aliyah Bet durchgeführt, einer von Mossad insbesondere
für solche Tätigkeiten gegründeten Organisation, die als Unterabteilung des
Mossad inoffizielle geheimdienstliche Tätigkeiten ausführte. Von den Juden,
denen auf diese Weise eingeredet wurde, in ihren Ländern gefährdet zu sein,
wurde erwartet, sie würden sich durch die Einwanderung nach Israel vor
dieser Gefahr retten.
Wenn sich die Organisation darum bemühte, die nicht auswan-
derungswilligen Juden auf den "versprochenen Boden" zurückzubringen,
dann sollte Aliyah Bet jedoch kein Interesse an der Benutzung von men-
schlichen Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung haben. In seinem Buch
Siyonizm ve Irkçilik (Zionismus und Rassismus) schreibt Prof. Türkkaya Ataöv
folgendes:
Mehr als 80 % der israelischen Einwanderer stammten aus den Ländern
Osteuropas, dem arabischen Nahen Osten und Nordafrika. Während
diese Juden keine Absicht hatten auszuwandern, wurden sie mit einer
Mischung aus Druck und Propaganda dazu gezwungen. Auch die
700.000 Menschen, die mit aufgeregten Rufen und eingeimpften Ängsten
aus dem Irak, Yemen, Syrien, Tunesien, Algerien und Marrokko heraus-
geführt wurden, sowie die widerstrebend teilnehmenden ägyptischen
Juden sahen sich einer höchst gefährlichen Situation gegenüber. 121
Aliyah Bet, der seine Aufgaben als mächtigster Dienst Israels ausführte,
gewährleistete durch schmutzige Operationen die Auswanderung von
tausenden außerhalb von Israel lebenden Juden auf den "versprochenen
Boden". Dies sind die schmutzigsten Operationen, die die Organisation

167
ADNAN OKTAR

With Mossad
forcing the Di-
aspora Jews
to immigrate
to Israel,
many Jews
immigrated to
Israel from all
around the
world. The
map shows
the Jewish
migration
from various
countries to
Israel.

Aliyah Bet gegen das jüdische Volk ausführte:


- In den Jahren 1949-1950 verleitete Aliyah Bet 50.000 jemenitische Juden
mit der Lüge "der Messias ist in Israel auf die Erde zurückgekommen" und
gab der Operation den Namen "Operation Magischer Teppich".
- In den Jahren 1950-1959 fanden als Ergebnis der von Aliyah Bet
durchgeführten Bombenanschläge in den Synagogen Bagdats 120.000
irakische Juden ihre Rettung in der Auswanderung nach Israel. Die von
Aliyah Bet geplante Operaton trug den Namen "Operation Ali Baba".
- Im Jahr 1984 wurden 7.000 äthiopische Juden auf dem Luftweg aus dem
Ostsudan nach Israel entführt; diese schmutzige Operation trug den Namen
"Operation Moses".
- Im Jahr 1991 wurden 15.000 äthiopische Juden von ihren Staatsmännern
regelrecht wie Sklaven gekauft und von Aliyah Bet mit der "Operation
Salomon" nach Israel entführt.
Diese von Aliyah Bet geleiteten schmutzigen Operationen erzielten die
gewünschte Wirkung und eine große Zahl Juden ging nach Israel. Die israelis-
chen Journalisten Dan Raviv und Yossi Melman sprechen folgendermaßen
von Aliyah Bet:

168
HARUN YAHYA

Dank an die Geheimagenten der Aliyah Bet. In den ersten vier Jahren der
Gründung verdoppelten sie die Einwohnerschaft Israels... Die
Mitglieder des Nachrichtendienstes wiesen die Anwendung von
Terrormaßnahmen zurück. Doch sind sie stolz auf die neuen und ausge-
fallenen Methoden mit denen sie die Juden zur Einwanderung nach
Israel bewegten. Trotz allem kämpfen sie für das Leben des neugegrün-
deten Judenstaates.122
Die Journalisten stellten es als Erfolg dar, dass die Agenten der Aliyah
Bet in den ersten vier Jahren ihres Bestehens die Einwohnerschaft Israels ver-
doppelten. Doch war auch dies ebenso der Erfolg unsauberer Aktionen, wie
die vorherigen Einwanderungsoperationen des radikalen Zionismus.

Die Operation "Ali Baba"


Die illegalen Methoden, die von manchen zionistischen Machthabern
systematisch angewandt wurden um die westlichen Juden zur
Auswanderung zu bewegen, konnten trotz allem nicht die erhofften
Einwandererzahlen bewirken. Dieses Ergebnis ließ die sogenannten zionistis-
chen Anführer zu radikaleren Maßnahmen greifen. Wie Prof. Türkkaya Ataöv
in seinem Buch Siyonizm ve Irkçilik (Zionismus und Rassismus) schrieb,
"wurde es, als der erwartete Zustrom europäischer Juden ausblieb, zur
kalkulierten Politik der radikalen Zionisten, die Juden außerhalb Israels durch
Einflößen von Angst und Schrecken zur Auswanderung zu bewegen, sie dazu
zu veranlassen, und sogar dazu zu zwingen, die von den palästinensischen
Arabern verlassenen Gebiete zu besetzen."123
Auf diese Weise wurde von einigen jüdischen Staatsmännern die erste
jüdische Glaubensgemeinschaft festgelegt, die in Angst und Schrecken ver-
setzt werden sollte um sie zur Auswanderung zu zwingen: Die irakischen
Juden. Die irakischen Juden waren eine Gemeinde, die vor 2500 Jahren nach
Babylon vertrieben worden war und seit dieser Zeit dort lebte. Sie umfasste
150.000 Menschen und 60.000 Synagogen und lebte solange in Frieden mit den
Muslimen, bis die Mossadagenten in den Irak kamen...
Trotz des 1950 herausgegebenen Einwanderungsgesetzes waren die
irakischen Juden nicht gewillt, nach Israel zu gehen. Die Mossadagenten, die
sahen, dass die irakischen Juden es nicht eilig hatten, ihre Namen auf die
Einwandererliste zu setzen, scheuten sich nicht, Bomben einzusetzen, um

169
ADNAN OKTAR

ihnen klarzumachen, dass sie sich in Gefahr befinden. Nach einem


Bombenattentat auf die Synagoge Masouda Shemtov starben drei Juden, zehn
wurden verletzt. Später würde deutlich werden, dass die Verantwortlichen
für dieses Attentat auf die jüdische Gemeinde Mossadagenten gewesen
waren. In dem Buch Siyonizm ve Irkçilik (Zionismus und Rassismus) wird
berichtet, dass die Tatverdächtigen des Bombenattentats auf die Synagoge
Masouda Shemtov in Bagdad israelische Agenten waren und dass diese vor
Gericht gestellt würden."124 Das gleiche Thema beschreiben Dan Raviv und
Yossi Melman in ihrem Buch über den Mossad Every Spy a Prince (Jeder Spion
ist ein Prinz).
Der irakische Jude David Reuben, der das Ereignis selbst erlebte,
beschreibt den Fortgang der Operation Ali Baba folgendermaßen:
Die Zionisten begannen einen Psychokrieg… Die natürlichen Ängste,
die durch die Lebensunsicherheit im Irak aufkamen wurden äußerst schlau
benutzt. Broschüren mit der Überschrift "Kauft nicht bei Muslimen" wurden
in den Synagogen verteilt; diese sollten Muslimen in die Hände fallen und so
echte Judenfeindlichkeit hervorrufen... Um die Juden im Irak in Panik zu
versetzten, stützte man sich auf eine Theorie die besagt, dass die zionistischen
Bemühungen sowohl ein Schieben wie auch ein Ziehen erforderlich
machenDas Schieben würde der auf die Juden im Irak ausgeübte Druck be-
wirken, der vom Mossad provoziert worden war. Das Ziehen würde aus der-
sich ständig wiederholenden zionistischen Propaganda bestehen, dass das
Mutterland der Juden Israel sei.
In den Zeitungen erschienen Berichte über Bombenanschläge auf eine
Synagoge und andere Orte, an denen sich Juden häufig einfinden. Es erweckte
Verdacht, dass es bei diesen Bombenanschlägen keine Toten gegeben hatte
und auch fast kein Sachschaden entstand... Nach meiner Meinung war es klar,
dass hinter den Bombenanschlägen die radikalen Zionisten steckten. Ihr Ziel
war, die Juden einzuschüchtern und sie glauben zu machen, dass die Muslime
sich gegen sie wandten.
Es wirkte sich allgemein auf die irakischen Juden aus, dass die Bomben
wenig oder manchmal gar keinen Schaden anrichteten. Dann wurden in den
Häusern von Zionisten und in Synagogen große Mengen Waffen gefunden.
Die Regierung kam zu der Auffassung, dass die Quelle der Bombenanschläge
auf jüdische Geschäfteund Cafés mit wenig oder gar keinem Schaden die gle-

170
HARUN YAHYA

iche war, wie die der Waffenlager in jüdischen Häusern und Synagogen und
dass die Verantwortlichen dieselben Personen waren.125
Schliesslich wurde diese blutige Einwanderungsaktion, die eines der
schmutzigen Geheimnisse der israelischen Geschichte darstellt, zum Thema
der israelischen Presse. In den Ausgaben vom 1. Juni 1966 der
Wochenzeitschrift Ha'olam Haze sowie der Tageszeitung Yedioth Aharonot vom
8. November 1977 wurde geschrieben, dass der Mossad die Bombenanschläge
durchgeführt habe. Auch der jüdische Autor Ilan Halevi berührte in seinem
Buch La Question Juive (Die Judenfrage) von 1981 dieses Thema. Die Operation
Ali Baba wurde zudem im August 1972 von Kokhavi Shemesh in der in Israel
veröffentlichten Zeitung Schwarze Panther bestätigt. Außerdem wurde das
Ereignis in einer Befragung von Mordechai Ben Porat deutlich, der als Agent
in den Irak geschickt wurde und später Mitglied der Knesset wurde;
Mordechai Ben Porat wurde am 7. November 1977 von dem Journalisten
Baruch Nadel befragt.
Die irakischen Juden, die nach den Bombenanschlägen des Mossad be-
sorgt waren, würden ihre Rettung in der Auswanderung nach Israel finden.
Auf diese Weise nahm die schmutzige Operation "Ali Baba", die die jüdische
Bevölkerung des Irak zur Auswanderung nach Israel veranlassen sollte, ihren
Anfang. Als Ergebnis der Operation wurden in den Jahren 1950-1959 insge-
samt 120.000 Juden aus dem Irak nach Israel gebracht.
Ein weiterer Faktor, der beim Verbringen der irakischen Juden nach
Israel eine Rolle spielte, war eine Reihe dunkler Beziehungen zwischen eini-
gen Personen des Staates im Staate Israel und der irakischen Regierung. Die
Agenten des Mossad hatten den Ministerpräsidenten des Irak bestochen und
so die irakischen Juden gekauft:
Der für die Auswanderung verantwortliche Aliyah Bet Agent mit
Namen Shlomo Hillel, der sich als englischer Geschäftsmann mit Namen
Richard Armstrong ausgab, reiste in den Irak, um im Auftrag der
amerikanischen Nahöstlichen Lufttransportgesellschaft mit der
irakischen Regierung Gespräche zu führen. Unter dem Einfluss von
Richard Armstrong erliess die irakische Regierung im März 1950 ein
Gesetz, das besagte, dass jeder Jude auf Wunsch das Land verlassen
dürfe. Toufik al-Sawidi war damals Ministerpräsident. Das war eine
Überraschung für eine Regierung, die Israel den Krieg erklärt und hun-

171
ADNAN OKTAR

Iraqi Jews whose synagogues were bombed by Mossad found their "escape" through immigrati-
on to Israel. The above photograph was taken in the plane during the transportation of a group of
Iraqi Jews to Israel.

derte von jüdischen Zionisten aufgrund ihrer Vorgehensweise


festgenommen hatte. Die Erklärung für diese Überraschung lag in dem
Angebot, das der Ministerpräsident für das Öffnen der Tore erhielt. Der
Ministerpräsident war zur gleichen Zeit Vorsitzender der Irak Tours und
wurde zum Stellvertreter der Nahöstlichen Lufttransportgesellschaft
gewählt. Die Spitze der irakischen Regierung erhielt also vom Mossad
Bestechungsgelder und Kommissionszahlungen. Diese finstere
amerikanische Luftfahrtgesellschaft versteckte sorgfältig ihre wahre
Identität um die engen Beziehungen zur israelischen Regierung. Bereits
1948-1949 wurden unter Vermittlung dieser Gesellschaft 50.000 Juden
aus dem Jemen und aus Aden nach Israel ausgeflogen.126
Die Unterdrückungspolitik, der die irakischen Juden ausgesetzt waren,
bringt Naeim Giladi in seinen Büchern zur Sprache. Naeim Giladi war in
seiner Jugend ein radikaler Zionist. Damals stand er unter dem Befehl der
radikalen zionistischen Machthaber und war persönlich Zeuge der Gewalt,
der die irakischen Juden ausgesetzt gewesen waren. Die Erklärungen, die
Naeim Giladi heute abgibt, kommen einem Geständnis gleich und sind de-
shalb von großer Wichtigkeit, weil er ein lebender Zeitzeuge jener Tage ist. In
einem Interview mit der Zeitschrift New American View, berichtet Naeim
Giladi folgendes:

172
The Falashas (Ethiopian Jews) were numbered on their foreheads, and brought to Israel in special
operations set up by Mossad. There, they were treated as second-class citizens by some in the Is-
raeli administration.

173
ADNAN OKTAR

Nach dem von den Engländern 1941 in Bagdad organisierten Judenmord


schloss er sich der zionistischen Bewegung im Untergrund an. Nach dem 2.
Weltkrieg war er mit der Entführung der Juden aus dem Irak nach Israel
beschäftigt. Giladi schrieb 1992 das Buch Ben Gurion's Scandals: How the
Haganah of the Mossad Eliminated Jews (Die Skandale Ben Gurions: Wie die
Haganah des Mossad Juden beseitigte). In diesem Buch beschreibt er die
Erfahrungen der zionistischen Organisation im irakischen Untergrund.
Außerdem finden sich darin Informationen zu dem zionistischen
Undercoveragenten Ben Porat, der die Auswanderung der irakischen Juden
nach Israel sicherstellte. Giladi zufolge griff Ben Porat zu Terrormaßnahmen,
um die Juden, die seit 2.500 Jahren in Frieden und Wohlstand lebten, zum
Verlassen des Irak zu bewegen. Giladi behauptet, dass die Mossadterroristen
Bombenanschläge auf die jüdischen Kaffeehäuser und Synagogen verübten,
um sie zur Auswanderung nach Israel zu bewegen und dass Zionisten wie
Ben Porat die Iraker beschuldigten. Der Plan wurde ausgeführt und die Juden
nach Israel geflogen. Doch die irakische jüdische Bevölkerung fand sich als
Staatsbürger zweiter Klasse wieder und fühlte sich von den Israel kontrol-
lierenden europäischen Juden erdrückt.127
Das Drama der irakisch-jüdischen Bevölkerung setzt sich heute noch in
Israel fort:
Die irakischen Juden erlebten eine Ernüchterung in Israel. Sie
beschuldigten die in Europa geborenen und den israelischen Staat leiten-
den jüdischen Machthaber, sie in der Hoffnung auf Arbeit und Wohnung
gewaltsam in primitive Behausungen und Hütten gebracht zu haben. So
fühlten sich die aus anderen Regionen hergebrachten neuen Zuwanderer
erniedrigt, da sie mit Ungeziefervertilgungsmittel besprüht und ihnen
kein anderes Wahlrecht eingeräumt wurde.128

Die Operationen "Moses" und "Salomon"


Die erzwungene Einwanderung der äthiopischen Juden, der Falaschen,
nach Israel wurde einmal 1984 mit der "Operation Moses" und ein weiteres
Mal 1991 mit der "Operation Salomon" von Aliyah Bet organisiert.
Für die Operation 1984 zahlten die Israelis der äthiopischen Regierung
ein hohes Bestechungsgeld. Doch der Staat Israel beließ es nicht nur dabei, der

174
HARUN YAHYA

äthiopischen Führung Geld zu geben. Um die Juden über den Sudan aus-
fliegen zu können, bot er auch dem gestürzten Staatsminister und dessen
Helfern Bestechungsgelder an. Der sudanesische Minister Gaafar
Muhammad al-Nimeiry , dessen Stellvertreter Omar el-Tayeb und deren
"Herr 10 Prozent" genannter Berater Baha Idris, der bekannt war für die
Verwicklung in allerlei illegale Geschäfte, erhielten gemeinsam insgesamt 56
Millionen Dollar, um die Augen zu schließen, wenn die Falaschen über den
Suden transportiert werden würden. Die Falaschen wurden also von den
radikalen Zionisten wie Sklaven von ihrem Besitzer abgekauft und zwar als
Ergebnis eines Handels mit der äthiopischen und sudanesischen Regierung.
Die Teilnehmer an diesem Handel hatten es nicht einmal für notwenig er-
achtet, die äthiopischen Juden zu fragen, wo sie denn leben möchten. Dann
wurden die Falaschen aus ihrer Heimat herausgerissen und über eine
Luftbrücke nach Israel gebracht. Die Zeitschrift Nokta berichtete folgender-
maßen über den dramatischen Anblick, den die Falaschen beim Verlassen der
Flugzeuge boten:
Die aus dem Flugzeug steigenden Falaschen, an deren Stirnen Nummern
klebten, hinterließen bei mir den Eindruck von ziemlich jungen, verlore-
nen und leicht verletzlichen Menschen. Diese Menschen, deren Anzahl
14.000 betrug, erinnerten mit den Nummern, die sie bei ihrem ersten
Schritt in Zion trugen – ob man will oder nicht - an die jüdischen
Gefangenen in den Lagern der Nazis, auf deren Unterarme die ihnen
gegebenen Nummern tätowiert wurden.129
Die Behandlung der Falaschen erregte auch die Aufmerksamkeit einiger
internationaler Vereinigungen. Zum Beispiel legte die
Menschenrechtsorganisation "Französische Solidaritätsgesellschaft" Protest
bei der israelischen Regierung ein und warf ihr vor, dass bei der veranlassten
Auswanderung der äthiopischen Juden auf den "versprochenen Boden" keine
menschenwürdigen Ziele verfolgt worden waren:
Französische Solidaritätsgesellschaft behauptete, dass die israelische
Regierung die äthiopischen Juden nicht in menschenwürdiger Absicht
nach Israel gebracht habe und dass das eigentliche Ziel der
Rettungsaktion die Gründung neuer Siedlungen in den besetzten
Gebieten und somit die Fortsetzung der israelischen Besatzungspolitik

175
ADNAN OKTAR

sei. Während dieser Zeit dauerten die Proteste an, die die heimliche
Entführung von tausenden von Falaschen nach Israel hervorgerufen
hatte. Wegen des Lärms um diese Aktion war die israelische Regierung
gezwungen, die Einwanderung zu stoppen.130
1991 wurde mit der "Operation Salomon" eine weitere Gruppe Falaschen
nach Israel transferiert. Die Architekten dieser Operation waren unter dem
Vorsitz von Uri Lubrani der iranische Jude David Alliance und der irakische
Jude Sami Shamoon. Und wieder wurde Bestechungsgeld an die richtigen
Stellen bezahlt; die Operation wurde durchgeführt, nachdem die
Verhandlungen zwischen Uri Lubrani und dem äthiopischen
Ministerpräsidenten Mengistu Haile Mariam beendet waren. Uri Lubrani
forderte in einer Unterredung mit dem äthiopischen Ministerpräsidenten die
Erlaubnis, 15.000 Juden nach Israel mitzunehmen. Die Verhandlungen began-
nen mit der Forderung Mengistus über 100 Millionen Dollar. Als Lubrani 25
Millionen Dollar als Obergrenze bezeichnete, beharrte Mengistu noch auf 57,5
Millionen. Schließlich einigte man sich auf 30 Millionen. Am Ende der
Verhandlungen wurden am 25. Mai in einer 36 Stunden dauernden
Luftbrücke mehr als 14.000 äthiopische Juden in der "Operation Salomon"
nach Israel ausgeflogen.

The Turkish daily Günayd›n, dated Septem-


ber 21, 1984, explained the treatment that
the Falashas received in Israel:
"This is not a Nazi concentration camp...
Despite the fact that the situation is no dif-
ferent than that of the Nazi camps, that the
victims are black make other Jews turn a
blind eye on the situation... They watch the
destruction of their black friends almost
with pleasure."

Israel abandoned black Jews to their death.


Ethiopia forces its Jewish inhabitants to
This is not a Nazi concentration camp
emigrate.

176
HARUN YAHYA

The ghetto-like settlements in Ambover, which some Israeli leaders regarded as fitting for the Fa-
lashas who were forced to abandon their homes in Ethiopia and brought to Israel

Doch das eigentliche Drama der Falaschen begann in Israel. Einige


Zionistenführer betrachteten die ungesunden Unterkünfte, in denen sich
kaum Tiere aufhalten konnten, als für ihre äthiopischen Glaubensbrüder
geeignet. Sie betrachteten Sammellager als angemessene Wohnungen für die,
die mit tausend übertriebenen Versprechungen hergelockt worden waren.
Ein Artikel in der Zeitung Gündem ist äußerst aufschlußreich in Bezug
auf das alptraumhafte Leben der äthiopischen Juden nach ihrer Ankunft in
Israel. Am 10. Oktober 1992 schreibt die Zeitung unter der Überschrift "Ein
Ghettoalptraum für die äthiopischen Juden auf dem versprochenen Boden":
Das Leben auf dem versprochenen Boden ist eine Tragödie... Das Leben
von tausenden äthiopischer Juden wurde zu einem Alptraum großer
Entbehrungen und tiefer Verlassenheit in Wohnwagen, die am Rande der
Wüste auf blankem Boden abgestellt waren und weit entfernt von
Arbeits- und Schulgelegenheiten. Die Trümmerhaufen, in denen sie nun
wohnen, sind wie ein Schwarzenghetto.
Keiner der 14.000 schwarzen Juden, die letztes Jahr in einer 22-stündigen
Luftbrücke nach Israel gebracht wurden, hat eine ständig bewohnbare

177
ADNAN OKTAR

Unterkunft. Etwa 1.000


von ihnen leben in
Wohnheimen, die
restlichen 13.000 in
Wohnwagen. Sie sind von
der israelischen
Gesellschaft völlig
isoliert... Die Anführer der
Gemeinschaft betrachten
dies als eine soziale
Katastrophe und sagen,
dass etwas getan werden
müsse, um diese
Bedingungen zu ändern.
They live in concentration camps
Rahamim Elazar, einer der
The daily Günayd›n dated September 21, 1984, covered the
Anführer der äthiopischen
plight of the Falashas in Israel in an article titled "They Live
in Concentration Camps." Above: A photograph from one Farbigen sagt, "die
of these "concentration camps" Wohnwagen sind ein
Ghetto", und fügt hinzu,
"Israel muss von der ganzen
Welt als rassistischer Staat betrachtet werden, da es diese farbigen Juden
von der Gesellschaft isoliert". Elazar, der seinen eigenen Wohnwagen mit
den Siedlungen der Schwarzen Südafrikas vergleicht, meint, "Die
Wohnwagen sind so schmutzig und so weit entfernt von jeder
Infrastruktur, dass es mir nicht über die Lippen kommt, diese als mod-
ernes Soweto zu bezeichnen". Maaritesh Kandia, Mutter von fünf
Kindern sagt: "Man lebt im Sommer in gräßlicher Hitze, im Winter in
eisiger Kälte. Wenn doch jeder einen normalen Platz zum Wohnen hätte".
Die 13.000 Äthiopier, die im Jahr 1991 mit der 'Operation Salomon' ge-
bracht wurden, leben in 400 im Sand aufgestellten Wohnwagen.
Maaritesh Kandia und die anderen beschweren sich über das Leben in
einer solch isolierten Lage und über die zweistündige Fahrt nach
Jerusalem, die die Kinder auf sich nehmen müssen, um in die Schule zu
gehen.131
Das Drama der Falaschen nach ihrer Ankunft in Israel war so deutlich,

178
HARUN YAHYA

dass dies sogar israelische Stellen einsahen und deren Situation in einem
Bericht dokumentierten. Schalom schreibt zu diesem Thema folgendes:
Untersuchungen des israelischen Einwanderungsministeriumszufolge
haben ein Drittel der vor fünf Jahren im Rahmen der "Operation Moses"
nach Israel gebrachten äthiopischen Juden keinen dauerhaften Wohnsitz.
Das gleiche Ministerium bestätigte in einem Bericht, dass die Situation
der in der Stadt Kiryat Arba angesiedelten Auswanderer nicht besonders
gut ist.132
Ein weiterer Bericht über das Drama der äthiopischen Juden, die vor
zehn Jahren nach Israel gebracht wurden, und die sich eher den Arabern als
den israelischen Juden verbunden fühlen, wurde in der arabischen Zeitschrift
El-Mecelle veröffentlicht. In dem Artikel wird das Augenmerk auf die
Beschwerden der Falaschen über eine Apartheidspolitik gerichtet, der sie in
Israel ausgesetzt sind:
Die äthiopischen Juden wiesen es seit dem ersten Tag ihrer Ankunft in
Israel zurück, als "Falascha" bezeichnet zu werden, was in der Sprache
Äthiopiens "Die Anderen", "Jene" bedeutet. Außerdem bringen sie zum
Ausdruck, dass die Praxis der Apardheit nicht in Äthiopien begann, wo
sie ein ruhiges und friedvolles Leben lebten, sondern mit ihrer Ankunft
in Israel... Yusuf Minkasha, der als Techniker bei der israelischen Armee
arbeitet, teilt mit, dass er 'eines Tages Israel unbedingt verlassen und

"The ghetto nightmare of the Ethiopian Jews in the Promised Land," Gundem, October 10, 1992

179
ADNAN OKTAR

nach Äthiopien zurückkehren' wird... Eine äthiopische Frau, die mit dem
ersten Kind schwanger ist, sagt: Die Israelis beweisen in ihrer Beziehung
zu uns, dass sie sich anders als uns sehen. Ich fühle mich den Arabern
näher und ziehe es vor, mich von einem arabischen Arzt behandeln zu
lassen, denn dieser achtet mich und behandelt mich auch de-
mentsprechend.133
Die äthiopischen Juden, die aus der gewohnten Ordnung ihres alten
Lebens herausgerissen und gewaltsam nach Israel verschleppt wurden, erlit-
ten in den darauffolgenden zermürbenden Tagen einen psychischen Schock.
Schalom schreibt unter dem Titel "Werden die Gesichter der äthiopischen
Juden zum 5. Jahrestag der "Operation Moses" wieder lachen?" folgendes:
Das größte Problem dieser Gemeinschaft ist die Sehnsucht nach der in
Äthiopien verbliebenen Familie. Solche Depressionen führen häufig zu
Selbstmorden. Bis heute haben 25 Äthiopier Selbstmord begangen. Mit
der "Operation Moses" haben die äthiopischen Juden einen großen
gesellschaftlichen Schock erlitten; der Übergang von einer Kultur in eine
andere führte bei ihnen zu einer großen Benommenheit.134
Die Zeitschrift Nokta schrieb in ihrer Ausgabe vom 16. Juni 1991, dass die
Anzahl der Falaschen, die Selbstmord begangen haben, auf 50 gestiegen sei.
Die Selbstmorde setzten sich auch noch in den späteren Jahren fort.
Die Lage der äthiopischen Juden interessierte einige israelische Zionisten
nicht. Deshalb blieb den nach Israel verschleppten Falaschen kein weiterer
Halt mehr, und sie fanden die Lösung in einem Hilferuf an die amerikanis-
chen Juden. In einem Brief an diese bringen sie das Unrecht zur Sprache, das
ihnen von einigen israelischen Politikern zugefügte wurde. Während der
genannte Brief am 16. September 1988 in der Jerusalem Post veröffentlicht
wurde, brachte Schalom unter Hinweis auf die gleiche Quelle am 16.
November 1988 einen Artikel mit der Überschrift "Ein offener Brief an die
amerikanischen Juden, der das Leiden der äthiopischen Juden beschreibt:
Schweigen ist ein Verbrechen". Folgende Zeilen stammen aus dem Brief:
Es vergeht kein Tag, an dem uns nicht schmerzerfüllte Schreie erreichen.
Die Briefe berichten vom Sterben und Hunger. Die Briefe berichten von
alleinstehenden Frauen, von Kindern, die vor Hunger sterben und von
Dörfern die vernichtet sind. Doch seit einer Zeit von fast vier Jahren sind

180
HARUN YAHYA

unsere Familien dem Schweigen ausgeliefert, dazu verurteilt an Hunger


und Armut zu sterben. Es sind die äthiopischen Juden, die all dem aus-
gesetzt sind. Wir traten an die amerikanischen Juden heran, uns bei der
Zusammenführung unserer Familien zu helfen. Unser Ziel ist es, eine
noch breitere Gemeinschaft anzurufen, die sich für unsere Familien in-
teressiert.
... Der Grund für das Schweigen ist der Wunsch, die Fehler, die bei der
Operation Moses gemacht wurden, nicht zu wiederholen. Das heißt, die
jüdischen Politiker haben beschlossen, ihre dargelegten schlechten
Absichten bezüglich der äthiopischen Juden fortzusetzen. So werden die
äthiopischen Juden ein zweites Mal dem Tode überlassen. Schickt sich
denn ein solch unverantwortliches Verhalten für Politiker? Thema der
Diskussion ist, ob für die Zusammenführung der getrennten Familien
ein Ersuchen auf internationalem Niveau unterstützt werden kann oder
nicht. In diesem Ersuchen wird von den Unterzeichnern folgendes
berührt:
"Wir, die Unterzeichneten, die aus unterschiedlichen Lebensbereichen
stammen, teilen mit Verwunderung und Bedauern mit, dass die äthiopis-
che Regierung die Zusammenführung von Kindern, Vätern, Müttern
und anderen Verwandten nicht akzeptiert hat." Das grundlegendste
Menschenrecht wird den äthiopischen Juden vorenthalten. Unsere
Familien sind getrennt. Eine, die Sensibilität verstärktende gundlegende
Handlung, nämlich die Unterzeichnung eines Ansuchens wurde zurück-
gewiesen. Haben denn die jüdischen Politiker kein Gewissen? Das
gegenwärtige Verhalten der jüdischen Politiker in der Diaspora
verurteilt unsere Familien zu Trennung und Tod - Schlome Mula
(Vorsitzender der Schülervereinigung der äthiopischen Juden); Rahmim
Elazar (Vorsitzender der Vereinigung äthiopischer Juden in Israel); Uri
Tekele (Vorsitzender der Vereinigung Beta Israel); Yisrael Yitzhak
(Vorsitzender der Vereinigung äthiopischer Flüchtlinge).Doch die
radikal eingestellten Israelis beließen es nicht dabei, die äthiopischen
Juden schlecht zu behandeln, sondern sie vertuschten auch den Druck,
dem die Falaschen in Äthiopien ausgesetzt waren. 1987 befanden sich in
der Hand der äthiopischen Regierung einige Gefangene aus den Reihen

181
ADNAN OKTAR

der Falaschen, die im Gefängnis gefoltert wurden. Obwohl die radikalen


Israelis über die Lage der Äthiopier unterrichtet waren, scheuten sie sich,
diese zu retten. Schließlich äußerte sich der Sekretär der äthiopischen
Zuwanderervereinigung Mesfin Ambaw zu diesem Thema und sagte:
"Die israelische Regierung interessiert sich nicht für uns; in den Dörfern
werden die Menschen getötet und es passieren ganz schlimme Dinge."135
Die Grund für die Gleichgültigkeit der Israelis war zum einen, dass
Israel in der öffentlichen Meinung eine legale Basis für eine in Zukunft
durchzuführende Einwanderungsaktion aufbauen wollte, und zum anderen
das Heranreifen einer solch bedrückenden Lage abgewartet werden sollte, in
der sich die Falaschen auf eigenen Wunsch aus Äthiopien retten lassen wür-
den. Am 16. Juni 1991 fasste die Zeitschrift Nokta folgendermaßen zusammen:
Die israelische Regierung dieser Zeit zog es vor, dem Tun der äthiopis-
chen Regierung schweigend gegenüberzustehen. Der Grund hierfür ist der
Wunsch, noch mehr äthiopische Juden herzubringen.
Die Israelis betrachteten die Falaschen nicht als richtige Juden, und der
Grund für deren veranlasste Einwanderung war ihre Ansiedlung auf arabis-
chem Boden. Aus diesem Grund trug die israelische Politik den Falaschen
gegenüber niemals menschliche Züge. 1984 wurden im Zuge der Operation
Moses 7.000 Falaschen nach Israel verschleppt. Wie sehr auch so mancher is-
raelische Politiker darum bemüht ist, diese Einwanderungsoperation als
"Rettungsaktion" darzustellen und die öffentliche Meinung zu manipulieren,
so ernüchternd sind die Tatsachen. Die Falaschen wurden mit dieser
Einwanderung nicht gerettet, sondern einige verloren bei der Operation ihr
Leben. Schließlich bestätigt Schalom diese Tatsache, und ist gezwungen die
Operation Moses als "der größte Verlust an äthiopischen Juden im letzten
Jahrhundert" zu bezeichnen:
Bei der Mitteilung, dass die Operation Moses den Ausschlag gab für den
Tod von 1.000 äthiopischen Juden wird betont, dass diese Todesfälle der
größte Verlust an äthiopischen Juden in diesem Jahrhundert darstellten.
Es ist bekannt, dass die Mehrzahl der Todesfälle beim Transit durch den
Sudan geschah.136

182
HARUN YAHYA

Die Operation "Magischer Teppich":


Die jemenitischen Juden, die mit der Lüge "der
Messias fuhr in Israel auf die Welt herab" betrogen wurden
Um die Einwanderung nach Israel künstlich anzufachen, musste der
Antisemitismus nicht beseitigt werden, sondern es war ganz im Gegenteil er-
forderlich, ihn am Leben zu erhalten. Die Einwanderung nach Palästina
wurde ohnehin von Anfang an künstlich hervorgerufen. Eines der auffällig-
sten Beispiele ist die unter Vorgaukelung falscher Tatsachen geschehene
Verbringung der jemenitischen Juden nach Israel, die eine der bedeutendsten
östlichen Glaubensgemeinschaften darstellte.
Arabische Arbeiter erledigten zu dieser Zeit in Israel zu hohen Löhnen
die anstrengendsten Arbeiten in Landwirtschaft, Industrie und Haushalt. Um
diese Kosten weiter zu senken und die arabische Bevölkerung aus der Region
zu beseitigen, musste eine neue Formel gefunden werden. Schließlich war sie
auch gefunden... Dr. Thon von der Jüdischen Agentur, die der Zionistischen
Weltorganisation (WZO) verbunden ist, hatte bereits 1908 eine Lösung dieses
Problems vor:
Nur ein östlicher Jude würde für die unteren Löhne arbeiten, die einem
Araber angeboten wurden. Auf diese Art werden diese östlichen Juden,
die nach Israel gebracht werden, der "Hebräischen Handarbeit," helfen,
die das Ziel vom Zionismus ist, und die Beseitigung der Palästinensische
Handarbeit kommt infolgedessen… Wenn die ununterbrochene
Niederlassung der einwandernden jemenitischen Familien zu den
vorbestimmten Regionen erfolgreich ist, dann würde ein anderes
Problem gelöst: Die Frauen und die Töchter der jemenitischen Familien
werden arabische Frauen als Mädchen in den Häusern der einwandern-
den Familien ersetzen. Die Araber erwerben soviel wie 20 bis 25 Frank
ein Monat.137
In der Theorie war das Problem also bereits gelöst: Der männliche Teil
der jemenitischen Juden sollte als Arbeiter, der weibliche Teil als Bedienstete
arbeiten, und das in den anstrengendsten Tätigkeiten. Jetzt kam es nur darauf
an, wie diese Juden davon überzeugt werden konnten, nach Israel auszuwan-
dern. Dieses Problem wurde wiederum in einer für die schmutzige Geschichte
des Staates im Staate Israel schicklichen Weise gelöst:

183
ADNAN OKTAR

Im Jahr 1911 wurde der sozialistische Zionist Warschevki in den Jemen


geschickt. Er predigte den Erfordernissen dieser Tage entsprechend und
wurde zum Rabbiner Yavni'eli. Dieser überbrachte den jemenitischen
Juden die frohe Botschaft, dass der Messias in Israel auf die Welt zurück-
gekommen sei und behauptete, Israel gründe das dritte Königreich in
Jerusalem.Als dann 1948 endlich die jemenitischen Auswanderer im
Rahmen der Operation "Magischer Teppich" nach Israel unterwegs
waren, sangen sie im Flugzeug im Namen von Ben Gurion das Lied
"David! David! König von Israel". Die Operation wurde in zwei Schritten
durchgeführt, und für den Transport, der vom Dezember 1948 bis März
1949 und vom Juli 1949 bis September 1950 dauerte, wurden 5,5
Millionen Dollar ausgegeben.138
Mit der Operation "Magischer Teppich" wurden zwischen 1948 und 1949
insgesamt 50.000 jemenitische Juden nach Israel transferiert. Doch ihr Drama
sollte erst beginnen. Denn auf dem "versprochenen Boden" erwartete sie nicht
ein so jenseitiges und bequemes Leben wie sie gedacht hatten. Ganz im
Gegenteil warteten auf sie die schmutzigsten Sklavenarbeiten:
Die meisten der eingewanderten Juden wurden entweder Arbeiter in der
Industrie und imTransportwesen oder sie arbeiteten in der
Landwirtschaft. Bei der Trockenlegung von Sümpfen verloren zahlreiche
junge Männer ihr Leben.139
Radikale Kreise innerhalb der israelischen Regierung suchten in den fol-
genden Jahren nach Wegen, die im Jemen verbliebenen Juden nach Israel zu
bringen. Israelische Agenten durchstreiften die Gegend um aus dem Jemen
eine neue jüdische Wanderung auf den "versprochenen Boden" auszulösen.
Am 21. August 1982 schrieb die Zeitung Zaman folgendes:
Es wurde mitgeteilt, dass der amerikanische Jude Listen Bismirka seine
Tätigkeiten im Jemen fortsetzt, die jemenitischen Juden aufsucht und sie dazu
ermuntert, nach Israel auszuwandern. In einem Artikel der Zeitung Esh Shark-
ül Evsat wird behauptet, dass Listen Bismirka in der Bergregion Jemens tätig
ist und vor allem die Geistlichen zur Auswanderung nach Israel zu überzeu-
gen versucht. Das Blatt teilt mit, dass die jemenitischen Juden vollständig zur
Auswanderung nach Israel veranlasst werden sollen.

184
HARUN YAHYA

Between 1949 and 1950, with the "Magic Carpet Operation," 45,000 Yemenite Jews were taken to
Israel with the lie that "The Messiah came to the Earth in Israel." The photo above was taken of
the Yemenite Jews during the Magic Carpet Operation. The confusion, uneasiness and unhappi-
ness on the faces does not confirm that these people are being "rescued."

185
ADNAN OKTAR

Die radikalen Israelis waren mit ihren


Aktionen im Jemen teilweise erfolgreich.
Doch wieder waren die jemenitischen Juden,
die mit glorreichen Versprechungen zur
Einwanderung überzeugt wurden, die
Betrogenen, die sich in Israel den größten
Sorgen gegenüber sahen. Zaman fügte in dem-
selben Artikel hinzu:
Es war bekannt, dass sich die durch
falsche Versprechungen zur Einwanderung
Dr. Osias Thon, who brought
nach Israel veranlassten Familien dort in
Yemenite Jews to Israel through
Bedrängnis befanden. Zwei Familien der je- falsehood
menitischen Juden schrieben einen Brief an die
zuständigen Stellen der jemenitischen Regierung, in dem sie angaben, in
Israel in Sorge zu leben. Sie legten dar, dass sie in den Jemen zurückkehren
wollten und klagten: "Wir haben es hier sehr schwer. Sie haben uns unsere
25.000 Dollar und unsere Pässe abgenommen. Schickt uns Pässe und Tickets
für die Rückkehr in unser Land.'
Es war so deutlich, dass die jemenitischen Juden in Israel in größter Not
waren, dass sogar jüdische Presseorgane darüber berichteten. Ein Artikel aus
der in Frankreich herausgegebenen Tribune Juive beschreibt folgendermaßen
die Ereignisse, die den jemenitischen Juden in Israel zustießen:
Alles begann mit der Operation "Magischer Teppich". 48.000 Personen
wurden auf die Schnelle in den in Israel aufgebauten "Maaborat's"
[Transitlager] angesiedelt. Doch die Sterberate in den Lagern war sehr
hoch. Die schlechte Ernährung, die erschöpfende Reise nach Israel,
sowie die für die zahlreichen Flüchtlinge nicht ausreichenden
Krankenstationen waren die Hauptgründe für diese traurige Situation.
In der eisigen Kälte des Winters 1949 ereigneten sich tragische
Vorkommnisse im Lager Rosh Hasim: Mütter und Väter, die ihre vermis-
sten Kinder suchten... Dieses Szenario wiederholte sich immer öfter. Bei
Kleinkindern im Alter von 12-18 Monaten wurde irgendeine Krankheit
festgestellt, sie wurden von der Familie entfernt und ins Krankenhaus
gebracht. . Im zweiten Schritt wurde die Familie vom Tod des Kindes be-

186
HARUN YAHYA

nachrichtigt. Doch nur wenigen Familien wurde ein Totenschein aus-


gestellt. Überdies erfuhren die Familien niemals, wo die Kinder be-
graben sind. Den schmerzerfüllten Vätern und Müttern wurde gesagt,
dass "das Kind sofort begraben wurde um die Verbreitung der Krankheit
zu verhindern"....
Einem Zeugen zufolge gelang es einer Mutter, die energisch darauf be-
harrte, ihr Kind ein letztes Mal zu sehen, dieses gesund und munter aus
dem Krankenhaus mitzunehmen. Die Krankenhausleitung sagte, es
habe einen Fehler in den Unterlagen gegeben und beliess es bei einer
Entschuldigung. Danach geht ein Gerücht in den Transitlagern um: Die
Kleinkinder verschwinden aus den Krankenhäusern. Es wird angenom-
men, dass die Anzahl der unter diesen seltsamen Bedingungen ver-
schwundenen Kleinkinder mehr als 500 beträgt.140
30 Jahre später wurde das Wunder der in den 1940er Jahren verschwun-
denen Kleinkinder gelöst. Die Zeitung Schalom schreibt:
Eine Nachricht in der israelischen Presse versetzte die jemenitische
Gemeinschaft in helle Aufregung:
"Wir sind die Kinder, die vor 30 Jahren den nach Israel kommenden je-
menitischen Flüchtlingen abgenommen wurden..." Diese Menschen, die im
Kleinkindalter von amerikanischen Familien adoptiert wurden, begannen
ihre in Israel lebenden tatsächlichen Eltern jemenitischer Abstammung zu
suchen.
Neun Jahre nach dem obigen Artikel setzt die Zeitung Schalom in einem
anderen Artikel mit der Überschrift "Die jemenitischen Juden in Israel fordern
ihre Rechte" die Geschichte der verlorenen jemenitischen Kleinkinder folgen-
dermaßen fort:
Die erste Frage aller immer noch unbeantwortet gebliebenen Fragen
lautet: Was wurde aus dem Schicksal der 613 jemenitischen Kinder, die
von ihren Familien getrennt und in "entwickeltere" Familien gegeben
wurden? Es ist bekannt, dass diese Kinder irgendwo sind, doch die is-
raelische Regierung ist bei der Suche alles andere als hilfreich.141
Zusammenfassend ist zu sagen, dass einige Politiker aus dem Staat Israel
den jemenitischen Juden einen weiteren Schlag versetzten. Zuerst wurden sie
aus dem Jemen herausgerissen, wo sie ein glückliches Leben führten. Doch

187
ADNAN OKTAR

dabei beließen es die israelischen Regierenden nicht, sondern sie nahmen den
jemenitischen Juden die Kleinkinder weg und betrogen sie ein weiteres Mal
mit der Lüge ihre Kinder seien gestorben und schickten diese Kinder zu Juden
in die USA.
Doch einigen israelischen Politikern war dieser Umgang mit den jemeni-
tischen Juden noch kein warnendes Beispiel: Sie nahmen den jemenitischen
Juden tausende sehr wertvoller religiöser Handschriften ab und gaben diese
nicht mehr zurück. Diese widerrechtliche Aneignung geschah, als die
Jemeniten mit dem Flugzeug nach Israel verschleppt wurden. Unter dem
Vorwand, dass diese wertvollen religiösen Bücher eine zu große Last im
Flugzeug seien und unter dem Versprechen, diese später zurückzugeben,
wurden sie zurückgelassen. Nach einer Weile teilten die Verantwortlichen
mit, dass das Depot, in dem die Bücher angeblich eingelagert gewesen waren,
abgebrannt sei.
Doch Jahre später wurden die den jemenitischen Juden gehörenden
Bücher im Vatikan, dem Britischen Museum und der Yeshiva Universität ge-
funden. Die Bücher waren durch israelische Verantwortliche auf einer
Auktion versteigert worden. Den Skandal der den jemenitischen Juden
gestohlenen religiösen Bücher machte die Zeitung Schalom am 27. November
1991 in dem Artikel "Die jemenitischen Juden in Israel fordern ihre Rechte",
publik.
Doch das Drama um die jemenitischen Juden wollte kein Ende nehmen.
Die finstere Politik, die einige Israelis für die jemenitischen Juden vorbereitet
hatte, nahm ihren Fortgang. Koste es was es wolle mussten alle Juden aus dem
Jemen nach Israel gebracht werden.
Einige radikale israelische Politiker probierten neue Methoden aus, um
die jemenitischen Juden zur Auswanderung nach Israel zu veranlassen.
Plötzlich tauchten Gerüchte aus unbekannter Quelle auf, die besagten, dass
die Juden im Jemen wegen ihrer Religion gefoltert und getötet würden. Auch
offizielle Berichte waren zu diesem Thema im Umlauf. Man wollte öffentlich
den Eindruck erwecken, die Juden seien im Jemen nicht sicher und die Lösung
dieses Problems bestehe ausschließlich in ihrer Auswanderung nach Israel.
Doch in den folgenden Tagen kam auch diese schmutzige Hinterlist der is-
raelischen Regierung ans Tageslicht. Denn wieder hatte bei dieser
Propagandader israelische Staat die Finger im Spiel. Die Berichte entsprachen

188
Israel's Anti-Semitism Policy

Above: A scene from Beth Lid camp where 10,000 immigrants resided during a rainy January
1950. This photo dramatically reflects the difficulties the Yemenite Jews faced in Israel.

nicht der Wirklichkeit, sie waren erfunden. Doch sofort wurde der möglichen
Erschütterung des Staates im Staate Israel durch die Aufdeckung der
Ereignisse vorgebeugt: Die Schuld wurde den jemenitischen Juden aufge-
laden und behauptet, dass sie die Quelle dieser Gerüchte und erfundenen
Berichte seien.142
Doch obwohl manche radikale Israelis die von ihnen organisierte
schmutzige Auswanderungsaktion reinwaschen möchten, und wie sehr sie

189
ADNAN OKTAR

Another photo taken in


January 1950 in the Beth
Lid camp, where 10,000
Yemenite Jews were for-
ced to live under very
bad conditions, and
where death rates were
high.

auch behaupten, dass die jemenitischen Juden vor ihrem Verbringen nach
Israel Unterdrückung und Folter ausgesetzt gewesen seien und die Operation
aus diesem Grund zu ihrer Rettung durchgeführt werden musste, nennt die
Zeitung Schalom die Entschuldigung dieser Operation eine Lüge:
Die der Wirklichkeit entsprechende Situation der 1000-1100 Juden im
Nordjemen war folgende: Sie hatten alle Rechte, ihre Religion frei auszuüben.
Immer noch gibt es zahlreiche offene und benutzte Synagogen.143

Andere israelische Verfahren des Kaufens von Juden:


Die rumänischen Juden und der Vertrag von Luxemburg
Die Ereignisse, die den rumänischen Juden zustießen, die ebenfalls zur
Auswanderung nach Israel gezwungen wurden, ähneln denen der äthiopis-
chen Juden, die ihrer Regierung mit Bestechungsgeldern abgekauft wurden.
Der einzige Unterschied bestand darin, dass sich die bekannten Kreise inner-
halb des Staates im Staate Israel nicht direkt mit der Staatsführung Rumäniens
in Verbindung setzten, um die Juden aus Rumänien mittels Bestechungsgeld
nach Israel zu schaffen. In diesem Fall gab es einen Vermittler: Den
Oberrabbiner Moses Rosen, der Führer der rumänischen Juden. Was nun
folgt, ist die Geschichte der Auswanderung von Moses Rosens rumänischen
Juden, deren Anzahl in der rumänischen Regierung und vor allem zu
Ceausescu Zeiten sehr hoch war:

190
HARUN YAHYA

In dem Buch Exodus - the Last Jews of Romania (Exodus - Die Letzten
Rumänischen Juden) vermittelt uns der Autor Andrew Billen
Informationen über Moses Rosen, den Oberrabiner Rumäniens. Moses
Rosen stellte die Auswanderung der jüdischen Bevölkerung Rumäniens
nach Israel sicher. Ceausescu, der enge Beziehungen zu den Juden hatte,
konnte diese Auswanderung nicht verhindern. Außerdem verfügte er
auch über diplomatische Beziehungen zu Israel. Rabbiner Rosen sagte:
'Einer der Erfolge auf die ich am stolzesten bin, ist die Auswanderung
von 97% der Juden'. Interessanterweise hatte Rabbiner Rosen seit 1957
einen Platz im rumänischen Parlament inne. Dies erleichterte ihm zu
dem regierenden Ceausescu Kontakt aufzunehmen. Die radikalen
Israelis kauften die Juden von Rumänien ab. Dem Chef der
Sicherheitsabteilung Ion Pacepa zufolge, betrug bei seinem Amtsantritt
1978 der Betrag, der für Juden gezahlt wurde, zwischen 2.000 Dollar und
50.000 Dollar.144

Ana Pauker, former


Romanian minister
of foreign relations,
was daughter of an
Orthodox Jewish fa-
mily and her brother
was a leading figure
of the Zionist move-
ment.

Rabbi Rosen, an influential


figure during the Ceauflescu
regime, organized the mig-
ration of Romanian Jews to
Israel.

191
ADNAN OKTAR

The Chief Rabbi Moses Rosen, who states that it is his proudest achievement that 97% of Roma-
nian Jews left for Israel, seen during a service at the Choir Synagogue, Bucharest

Einer der Architekten der Auswanderung der rumänischen Juden nach


Israel war Ana Pauker. Die ehemalige Außenministerin war eine kommunis-
tische Spitzenpolitikerin und die ältere Schwester des Zionisten Salman
Rubinstein. Aufgrund der Unterstützung, die sie den Zionisten hatte angedei-
hen lassen, wurde sie am 20. November 1952 von der kommunistischen Partei
bei den Prager Gerichtsverhandlungen als eine der 11 Juden unter den 13
kommunistischen Führern verurteilt.

Die Geheimbeziehungen, die Israel mit den


zeitgenössischen Nazis aufbaute
Nach dem 2. Weltkrieg begannen die Israelis eine weltweite Jagd auf ehe-
malige Nazifunktionäre, um Rache für die Juden zu nehmen, die während des
Krieges dem Holocaust zum Opfer gefallen waren. Doch läßt sich sagen, dass
die Nazijagd für einige israelische Staatsmänner weniger eine Suche nach

192
HARUN YAHYA

Gerechtigkeit darstellte, als vielmehr ein Propagandamittel. Ein Anzeichen hi-


erfür ist, dass die genannten Personen niemals die Verfolgung etlicher bedeu-
tender Nazis aufnahmen. Die Verfolgten dagegen waren wie Eichmann
berühmte Nazis, die lediglich eine Sensation hervorrufen sollten.
Ein interessantes Beispiel hierfür stellt der SS Standartenführer Kurt
Becher dar. Während des Krieges war Becher mit dem "Reichskommissar für
sämtliche deutschen Konzentrationslager" betraut und hätte eigentlich ganz
oben auf der schwarzen Liste stehen müssen. Doch einige Israelis waren nicht
dieser Ansicht. Die Ergreifung und Bestrafung wurde beiseite gelegt und
einige Kreise innerhalb des Staates im Staate Israel traten mit dem ehemaligen
Nazigeneral in offene Wirtschaftsbeziehungen. Der jüdischstämmige
amerikanische Autor Ralph Schoenman beschreibt die Beziehungen zwischen
den Altnazis und diesen Personen folgendermaßen:
Kurt Becher, der seit April 1945 Reichskommissar für sämtliche
deutschen Konzentrationslager gewesen war, befindet sich an der Spitze
zahlreicher Unternehmen, die Weizen an Israel verkaufen. Gleichzeitig
macht er mit seinem eigenen Unternehmen 'Cologne-Handels
Gesellschaft' Geschäfte mit der israelischen Regierung.145
Auch die Regierenden des rassistischen Regimes Südafrikas sind nicht
nur jeweils alte Nazis, sondern gleichzeitig enge Freunde Israels.
Insbesondere die Beziehungen des rassistischen Anführers Südafrikas, John
Vorster, zu Israel ergeben ein interessantes Bild. Der jüdische Schriftsteller
Benjamin Beit-Hallahmi,
Psychologieprofessor an der
Hebräischen Universität
Jerusalem, berichtet in
seinem Buch The Israeli
Connection: Who Israel Arms
and Why (die Israel-
Connection: Wer bewaffnet
Israel und warum) folgen-
dermaßen von einem Besuch
Vorsters:

Yitzhak Rabin, a former Prime Minister of Israel

193
ADNAN OKTAR

Für zahlreiche Israelis war der Besuch Vorsters nur ein weiterer of-
fizieller Besuch eines ausländischen Staatsmannes. Vorster wurde der is-
raelischen Presse als ein enger Freund Israels und religiöser Mensch
dargestellt, der dem Heiligen Boden einen Besuch abstattet. Der
Herausgeber der Zeitung Haaretz, die zur New York Times von Israel
gezählt wird, schrieb, dass Vorster ein nationalsozialistischer
Kollaborateur sei, israelischen Gesetzen zufolge festgenommen und
beim Betreten israelischen Bodens sofort vor Gericht zu stellen sei. Als
Vorster jedoch auf dem Tel Aviver Flughafen landete, war der rote
Teppich ausgerollt und Yitzhak Rabin, der israelische Ministerpräsident
begrüßte ihn aufs Wärmste. In der israelischen Presse wurden einige
Artikel über diese warmherzige Begegnung veröffentlicht.146
Im Anschluss fährt Hallahmi folgendermaßen fort: "Die Inspiration war
das Erste und Wichtigste, das die Südafrikaner von Israel übernommen hat-
ten. Das Zweite waren Hilfe und Unterstützung bei jedem Schritt der mil-
itärischen Angriffe. " 147
Zudem hat, wie Hallahmi betont, ein großer Teil der Israel bewundern-
den südafrikanischen Staatsführung über eine Nazivergangenheit. Der
südafrikanische Autor Breyten Breytenbach schreibt:
Die Beziehungen der Afrikaander, der Weißen Südafrikas, mit Israel sind
höchst seltsam. Denn in diesem Land gab es stets einen starken
Antisemitismus und in der heutigen südafrikanischen Regierung sitzen
die Erben der Nazi-Ideologie. Diese Staatsführung besteht aus den
Menschen, die Israel gegenüber die größte Bewunderung hegen. Sie
identizifieren sich selbst mit Israel: Sie sehen sich wie die Israelis als
Menschen, die im Heiligen Buch Gottes ausgewählt wurden und verste-
hen sich wiederum wie die Israelis als ein kriegerisches und modernes
Land, das von einem feindlichen Meer umgeben ist.148
All dies ist ein Zeichen dafür, dass sich der Staat im Staate Israel ebenso
gut mit den zeitgenössischen Nazis versteht, wie er sich mit den echten Nazis
verstand. Der radikale Zionismus und der Faschismus sind zwei Ideologien,
die entgegen der allgemeinen Auffassung äußerst harmonisch zusammen-
passen und die diese Harmonie bei allen passenden Gelegenheiten in eine ak-
tive Zusammenarbeit verwandeln können.

194
NACHWORT

Die Informationen, die wir in diesem Buch untersuchten, weisen uns auf
wichtige Tatsachen hin, die die Auswirkungen des radikalen Zionismus und
die Politik des Staates im Staate Israel betreffen. Einige der jüdischen
Gründerväter Israels zwangen nicht nur einen großen Teil ihres eigenen
Volkes dazu, nach Palästina auszuwandern, sondern sie wandten mit der
Anstachelung des Antisemitismus auch ziemlich schmutzige Methoden an,
um die öffentliche Meinung der Welt von der Gründung eines jüdischen
Staates in Palästina zu überzeugen. Diese Politik setzte sich auch nach der
Gründung des israelischen Staates fort. Paul Findley, der seit 22 Jahren
Mitglied im amerikanischen Kongress ist, lenkt in seinem Buch They Dare to
Speak Out: People and Institutions Confront Israel's Lobby (Sie wagen es, auszu-
packen - Menschen und Institutionen konfrontieren die Lobby Israels) die
Aufmerksamkeit auf dieses Thema. Findley führt in dem Buch, das die
außerordentliche Macht der jüdischen Lobby in Amerika zum Thema hat,
zahlreiche Beispiele an, dass der Holocaust von manchen Juden als Waffe ver-
wendet wird und jeder, der gegen Israel oder die israelische Lobby auftritt, als
"Neonazi" oder "Antisemit" gebrandmarkt und auf diese Weise zum
Schweigen gebracht wird. Auf diesem Wege wurden zahlreiche Politiker,
Journalisten, Akademiker und Geistliche zum Schweigen gebracht. Israel und
dessen Handlanger in der Diaspora instrumentalisieren also die Greuel des
Holocaust, um große politische Macht auf sich zu vereinigen.
Die Informationen, die wir im Verlauf dieses Buches untersuchten,
zeigen uns ganz deutlich, dass einige jüdische Anführer ihre eigenen Brüder
dem Terror aussetzten und um sie aus ihrer Heimat herauszureißen, mit den
Feinden der Juden zusammenarbeiteten und sogar, wenn dies erforderlich
war, einen Teil von ihnen töteten.

195
ADNAN OKTAR

Allah verbot den Kindern Israels auf jeden Fall Blutvergießen und einan-
der aus der Heimat zu verschleppen und fortzuführen, also das Stiften von
Unfrieden auf der Welt. Trotzdem wandte sich ein Teil der Juden vom rechten
Weg ab, zu dem die Propheten aufforderten und kehrten zu den
Verhaltensweisen zurück, die Allah ihnen verboten hatte. Der Quran teilt mit:
Und als Wir euer Versprechen entgegennahmen, dass ihr nicht euer
Blut vergießen und euch nicht aus eueren Wohnungen vertreiben
würdet, da gelobtet ihr es und wart Zeugen. Dennoch seid gerade
ihr diejenigen, die sich gegenseitig erschlagen und einen Teil von
euch aus ihren Wohnungen vertreibt, indem ihr in Sünde und
Feindschaft gegen sie vorgeht. Kommen Sie aber als Gefangene zu
euch, so löst ihr sie aus, obwohl es euch doch verboten war, sie zu
vertreiben.

Glaubt ihr denn nur einem Teil der Schrift und leugnet einen an-
deren? Wer aber solches unter euch tut, den trifft kein anderer Lohn
als Schande (schon) in diesem Leben. Und am Tag der
Auferstehung werden sie der schwersten Strafe ausgeliefert wer-
den; denn Allah ist nicht achtlos dessen, was ihr tut. (Sure 2:84, 85 –
al-Baqara)
Unser Wunsch ist es, dass Jerusalem, die palästinensichen Gebiete, der
gesamte Nahe Osten und Juden und Muslime endlich Frieden und
Freundschaft erleben. Ein wichtiger Schritt zur Herstellung des Friedens wird
darin bestehen, dass Israel von der radikalen Ideologie des Zionismus befreit
wird, die das grösste Hindernis für Frieden und Freundschaft darstellt, und
dass die Rechte der palästinensischen Muslime anerkannt werden.

196
ANHANG EINS

Israel, die Faschisten der Dritten


Welt und Gladio

Die in diesem Buch untersuchten Beziehungen sind für die meisten


Menschen ohne Zweifel ein höchst verblüffendes Thema. Eine weitere ver-
wirrende Tatsache ist, dass radikale Kreise innerhalb der israelischen
Staatsführung mit den heutigen Faschisten ebenso umfassende Kontakte auf-
bauten wie mit den Nazis. Faschistische Diktaturen und Militärjuntas, die in
der Dritten Welt wie die Pilze aus dem Boden schießen, knüpften mit diesen
Kreisen innerhalb der israelischen Regierung höchst geheime aber ebenso de-
taillierte Beziehungen.
Benjamin Beit-Hallahmi beschreibt ausführlich, dass "einflussreiche
Kreise in der israelischen Regierung alle faschistischen Regime und
Organisationen dieser Erde unterstützten". Demzufolge stellte Israel durch
die Unterstützung von unterdrückerischen Regimen deren Stabilität überall
auf der Welt sicher.
Zu den Alliierten Israels in Afrika zählen faschistische, grausame und
sogar menschenfressende Diktatoren wie Idi Amin, Edine Ahmed Bokassa
und Mobutu Sese Seko, faschistische Organisationen und alle
Kolonialmächte. Hallahmi zufolge fiel Afrika in den 1950er Jahren in die is-
raelische Interessensspäre. Ab diesem Datum unterstützte Israel alle faschis-
tischen Regime dieses Kontinents, bewaffnete sie und bildete deren
Sicherheitskräfte mit eigenen militärischen Beratern aus. Die faschistischen
UNITA und FNLA Guerilla Angolas, die besonderen Schutztruppen Idi
Amins und Bokassas, die französischen OAS Kommandoeinheiten, die
Operationen der Konterguerilla gegen die algerische Unabhängigkeit aus-

197
ADNAN OKTAR

Idi Amin (left) and Bokassa (right): two well-known Southern African dictators with whom the Is-
raeli inner establishment collaborated.

führten, die portugisischen Einheiten, die gegen den Freiheitskrieg


Mozambiques einen blutigen Kolonialkrieg führten, die Todestruppen des
"Kaisers von Äthiopien" Haile Selassie und die blutigen "Sicherheitskräfte"
des südafrikanischen Regimes der Weißen; sie alle wurden von israelischen
Militärberatern ausgebildet und bewaffnet.149
Einen wichtigen Platz unter den Alliierten der radikalen Kreise inner-
halb der israelischen Regierung nehmen auch die Faschisten Mittel- und
Lateinamerikas ein. Diese radikalen Kreise wurden zur größten Stütze aller
faschistischen Regime und Organisationen der Region, der Militärjuntas und
der Drogenkartelle. Benjamin Beit-Hallahmi zufolge übernahm Israel drei be-
deutende Rollen: Die Bewaffnung faschistischer Kräfte in großem Maßstab,
deren Ausbildung, diese beinhaltete Guerillaausbildung und
Konterguerrilamaßnahmen, Methoden der Befragung und Folterung, sowie
Techniken der Unterdrückung von Opposition und zugleich
Inspirationsquelle faschistischer Kräfte. Hallahmi schreibt folgendes:
Die Militärs Lateinamerikas bewunderten stets Härte,
Unbarmherzigkeit und Effizienz der Israelis.150
Unter den geheimen Alliierten der radikalen Kreise innerhalb der is-
raelischen Regierung befanden sich auch die faschistischen Militärjuntas, die

198
HARUN YAHYA

in Guatemala lange Zeit an der Regierung waren. Diese Kreise wurden den
Juntas zur Quelle Nummer eins in Sachen Bewaffnung. Außerdem halfen sie
den faschistischen Regimes, die gesellschaftliche Kontrolle zu behalten, und
israelische Experten bildeten die guatemaltekische Geheimpolizei aus, deren
bloßer Name Angst verbreitete. Mit Hilfe dieser Experten wurden über 80%
der guatemaltekischen Bevölkerung Aufzeichnungen angelegt; bei der
Untersuchung dieser in den Computer eingegebenen Daten – diese Kreise
halfen der Geheimpolizei Guatemalas auch beim Aufbau des
Computersytems – durch die von den Israelis ausgebildeten
Todesschwadronen, ließ man unbequeme Personen verschwinden.151 Nahezu
40 israelische Experten arbeiteten innerhalb des guatemaltekischen
Sicherheitsdienstes und lehrten diesem - Hallahmi zufolge – "schreckliche
Befragungsmethoden".152 Des weiteren wurden im amerikanischen Kongress
wegen der Missachtung der Menschenrechte in Guatemala laut gewordene
Stimmen dank der großen Unterstützung der israelischen Lobby zugunsten
des guatemaltekischen Regimes unterdrückt.153 Hierzu schreibt Noam
Chomsky folgendes:
In Guatemala sind israelische Experten am Werke. Das guatemaltekische
Regime, das für die Morde verantwortlich ist, schuldet den Erfolg der Kraft,
die die zahlreichen israelischen Experten sicherstellten. Das blutige Regime
des guatemaltekischen Luca Garcia brachte ganz offen seine Bewunderung
für das israelische Modell zum Ausdruck.154
Die Lage in El Savador, das sich südlich an Guatemala anschließt, unter-
scheidet sich kaum von der seines nördlichen Nachbarn. Der Staatsterror, der
El Salvador bis in die Wurzeln zerstörte, wurde Thema des berühmten Films
"Salvador" von Oliver Stone. Den Informationen Chomskys zufolge bestand
die Opferbilanz des Terrors im Land aus "150.000 Leichen, Millionen von
Menschen, die vom Hunger zerbrochen sind, zahllosen vergewaltigte Frauen
und unzähligen gefolterten Menschen". Und wieder standen die unverän-
derten Alliierten der Faschisten, also einige Radikale aus der israelischen
Regierung, hinter diesem Staatsterror. In den 1980er Jahren wurde zwischen
El Salvador und Israel ein geheimes Abkommen über die "Anti-Guerilla
Sicherheitshilfe" abgeschlossen. Der Vertreter der Salvadorianischen
Demokratischen Revolutionsfront, Arnoldo Romas sagte, dass sich 50 israelis-
che Militärexperten in El Salvador aufhielten. Einem anderen Bericht zufolge

199
ADNAN OKTAR

betrug diese Anzahl 100.155 Hallahmi schreibt, dass die israelischen


Militärexperten Vorreiter waren bei der Änderung der Taktik des salvadorian-
ischen Militärs gegen die Guerilla sowie bei der Verwendung aggressiverer
und suppressiver Maßnahmen. Oberst Sigifredo Ochoa, inspiriert durch seine
israelischen Lehrmeister, gewann Berühmtheit als aggressiver Experte der
Taktik. Israel bildete auch den Hauptverantwortlichen des Staatsterrors aus,
nämlich die Todesschwadronen.156 In einer Reportage sagte der stellvertre-
tende Innenminister Francisco Guerra y Guerra im Jahr 1979, dass israelische
Agenten in Salvador eine Station gegründet hatten, um mit den wegen ihrer
Brutalität berüchtigten Todesschwadronen "ANSESAL" zu arbeiten. Roberto
D'Aubuisson wurde in den ANSESAL Einheiten von den Israelis ausgebildet
und gründete später die extrem rechte Partei ARENA. Währenddessen fuhr
D'Aubuisson fort, den Staatsterror sowie von unbekannten Tätern ausge-
führte Anschläge im Land zu organisieren.157
Ähnliche Beziehungen gelten für alle faschistischen Mächte in Mittel-
und Lateinamerika. Eine Gruppe, die sich im Brennpunkt des Staates im
Staate Israel befand, bewaffnete und bildete die faschistischen Guerrillas in
Honduras aus158, die blutige Militärjunta Argentiniens159, die Diktatur
Pinochets in Chile160, die für ihre Folterungen berühmt wurde, sowie die
Terrorteams der kolumbianischen Kokainkartells161.
Benjamin Beit-Hallahmi bezeichnet in seinem Buch The Israeli Connection:
Who Israel Arms and Why (die Israel-Connection: Wer bewaffnet Israel und
warum) Latein- und Mittelamerika als "entfernter Schatten des Staates im
Staate Israel" und fährt fort:
Israel gewann in Lateinamerika nicht nur Freunde, sondern auch
Bewunderer. Einige davon sind General Augusto Pinochet Ugarte aus
Chile, General Romeo Lucas Garcia aus Guatemala, Roberta
D'Aubuisson aus El Salvador und General Alfredo Stroessner aus
Paraguay. Anastasio Somoza Debayle aus Nicaragua ist ebenfalls einer
von ihnen.
Die Generäle Mittelamerikas berichten im allgemeinen von ihrer
Bewunderung für Israel, das sie als praktisch, wirkungsvoll und hart
beschreiben. Der wichtigste Grund, weshalb sie zu Bewunderern Israel
wurden, sehen sie nach eigenen Angaben darin, dass Israel "ein Land ist,

200
HARUN YAHYA

das dem Unsinn der Menschenrechte


keine Bedeutung beimisst".
In einem Interview sagte ein führender
rechtsextremer guatemaltekischer
Politiker, "die Israelis erlauben nicht,
dass diese Angelegenheit der
Menschenrechte ihre Tätigkeit behin-
dert" und fügt hinzu: "Du zahlst das
Geld und sie bringen (die Waffen). Es
werden keine Fragen gestellt, was bei
den Gringos ganz anders ist."162
Einer der wichtigsten Alliierten
Israels in Lateinamerika wurde die
Kontraguerilla Nicaraguas. Die
A meaningful placard in one of the protest
marches against Israel: The S of David on Kontras, die vom CIA ins Leben
the Israeli flag is replaced by a swastika. Un- gerufen und gegen das sandinistische
der this "Judeo-Nazi flag" is written, "The Regime organisiert wurden, das 1979
Real Image of Israel."
mit Hilfe von Bevölkerung und Kirche
die Somoza-Diktatur stürzten, erhielten
Waffen und militärische Ausbildung vom Staat im Staate Israel.163
Es ist eine wenig bekannte, aber dennoch zweifellos richtige Tatsache,
dass die bekannten Kreise innerhalb des Staates im Staate Israel enge
Beziehungen zu den europäischen Faschisten und den Neonazis unterhalten.
Livia Rokachs Buch Israels Sacred Terrorism (Israels geheiligter Terrorimus), das
sie gestützt auf das private Tagebuch des früheren israelischen
Ministerpräsidenten Moshe Sharett verfasste, enthält wichtige Hinweise zu
diesem Thema. Demzufolge nahm Israel enge Beziehungen zu rechten
Organisationen in Europa und den Vereinigungen der Kontraguerilla auf und
unterstütze diese auf unterschiedliche Weise. Die Beziehungen, die einige
Gruppierungen innerhalb des israelischen Staates unter Vermittlung von
Reinhard Gehlen, dem Chef des deutschen Geheimdienstes und einem ehe-
maligen Nazigeneral mit den Neonazis aufnahmen, ist eines dieser Beispiele.
Die Verbindung zwischen Gehlen und Israel berühren die israelischen
Autoren Dan Raviv und Yossi Melmann in ihrem Buch Every Spy a Prince (Jeder

201
ADNAN OKTAR

Spion ist ein Prinz), das den israelischen Geheimdienst Mossad zum Thema
hat. In diesem Buch wird davon berichtet, dass der Chef des deutschen BND
Gehlen enge Verbindungen zum Mossad knüpfte und zu dessen Zeit die
Beziehungen zwischen beiden Nachrichtendiensten ihren Höhepunkt errre-
ichten. Unter Vermittlung von Gehlen nahm der Staat im Staate Israel enge
Beziehungen zu den deutschen Neonazis auf.164 Ein weiterer interessanter
Punkt ist die Tatsache, dass die Kontraguerilla in Deutschland den Namen
"Gehlenbewegung" trägt. Der Architekt auf israelischer Seite zwischen Gehlen
und den Neonazis eingerichteten Beziehung ist ein weiterer, recht bekannter
Name: Simon Peres.
Unter den Verbindungen, die Israel mit faschistischen Organisationen in
Europa unterhielt, befand sich auch die Kontraguerilla Gruppe Gladio, die in
enger Beziehung zu der berühmten Loge P2 in Italien stand. Der frührere
Mossadagent Victor Ostrovsky spricht in seinem Buch By Way of Deception
und seinem weiteren, 1994 veröffentlichten zweiten Buch The Other Side of
Deception von der Verbindung zwischen dem Mossad, P2 und Gladio.
Ostrovsky zufolge war Licio Gelli, der berühmte Großmeister der Loge P2 der
Alliierte des Mossad in Italien und die von Gelli geleitete Loge P2 stand
ebenso wie Gladio in enger Zusammenarbeit mit dem Mossad. Der Mossad
benutzte die Gelli-P2-Gladio Verbindung um den Waffenhandel in den 1980er
Jahren über Italien abzuwickeln165
Die von Ostrovsky erwähnte Mossad-Gladio Beziehung ist von größter
Bedeutung und bietet uns wichtige Anhaltspunkte in Bezug auf andere
Länder. Denn Gladio ist nur der italienische Arm eines großen
Kontraguerillanetzes, das während des Kalten Krieges eingerichtet wurde,
um in den NATO Ländern die Opposition der Regierungen zu vernichten.
Und wenn der italienische Arm dieses Kontraguerillanetzes ein Alliierter des
Mossad ist, und in Zusammenarbeit mit diesem operiert, dann ist
anzunehmen, dass diese Allianz auch für die Kontraguerilla anderer Länder
gültig ist. So zum Beispiel ist die deutsche Kontraguerilla, von der wir vorhin
sprachen, ein Beispiel der Beziehungen zwischen Gehlen und dem Mossad.
Ein anderes bedeutendes Beispiel der Mossad-Kontraguerilla Beziehung
gibt uns wieder Victor Ostrovsky in seinem Buch The Other Side of Deception.166
Der frühere Mossadagent erklärt, dass die faschistische Partei Westland New
Post (WNP) in Belgien aus dem zivilen Arm von Gladio besteht und enge

202
HARUN YAHYA

Beziehungen zum Mossad unterhält. Demzufolge führte der belgische Gladio


mit seinen Ausläufern innerhalb des belgischen Geheimdienstes zusammen
mit der WNP Mitte der 1980er Jahre unter Mithilfe des Mossad eine Reihe von
Attentaten und Bombenanschlägen durch. Das Ziel dieser
"Destabilisierungs"-Maßnahmen war, die nach links driftende Regierung zu
sabotieren; für die von Gladio durchgeführten Anschläge sollten die Linken
beschuldigt, und so die Unterstützung der Gegenseite durch die Bevölkerung
verringert werden. Zu diesen Anschlägen zählten die Ermordung des belgis-
chen Ministerpräsidenten und Bombenanschläge auf zahlreiche Supermärkte.
Drei Personen der Gruppe, die gegründet wurde, um die genannten Aktionen
des belgischen Gladio durchführen, waren 1985 gezwungen, das Land zu ver-
lassen und flohen nach Israel, wo sie vom Mossad mit neuen Identitäten aus-
gestattet wurden. Ostrovsky schreibt, dass die Ausstellung der falschen Pässe
ein Teil des geheimen Abkommens ziwschen dem Mossad und der extremen
Rechten Belgiens gewesen ist. Eine weitere Information aus The Other Side of
Deception weist auf die Zusammenarbeit hin zwischen den faschistischen
Gruppen Frankreichs und dem Mossad.167
All dies zeigt, dass sich die radikalen Kreise innerhalb des Staates im
Staate Israel in einer höchst geheimen und effektiven Zusammenarbeit mit
faschistischen Regimes und Organisationen überall auf der Welt befinden.
Professor Benjamin Beit-Hallahmi betont diese Tatsache und schreibt, dass
diese Kreise die "Logik der Unterdrückung" zu den Faschisten überall auf der
Welt exportierten.168

203
ANHANG ZWEI

Die israelisch-serbischen Verbindungen

Wir wissen, dass zwischen der heimlichen Ideologie des Staates im


Staate Israel, dem radikalen Zionismus, und den sich im 20. Jahrhundert über-
all auf der Welt entwickelnden faschistischen Kräften eine breite
Zusammenarbeit bestand. Demnach ist es erforderlich, den Faschismus her-
vorzuheben und dabei vor allem den serbischen Faschismus, der einer seiner
stärksten Vertreter dieser Zeit darstellte. Die Serben, die nach der Aufteilung
des früheren Jugoslawien im Jahr 1991 zuerst kroatisches Gebiet und dann
Bosnien-Herzegowina okkupierten und für das Ziel "Großserbien" insbeson-
dere in Bosnien-Herzegowina grauenhafte "ethnische Säuberungen" durch-
führten und dabei über 200.000 bosnische Muslime töteten, tragen alle
grundlegenden Wesenszüge des Faschismus: Rassismus, Aggressivität,
Gewaltverherrlichung und Blutvergießen. Wenn wir uns dies vor Augen hal-
ten, können wir fragen, ob die Verbindung der israelischen Staatsführung mit
manchen Radikalen, die schon fast zu einer Standardeigenschaft des
Faschismus geworden ist, auch für die Serben Gültigkeit besitzt.
Einige wichtige Informationen, die Antwort auf diese Frage geben kön-
nen, stellte Professor Igor Primoratz von der Hebräischen Universität in Israel
in einem Aufsatz zur Verfügung, der im Januar 1995 in der Zeitschrift
Jerusalem Report veröffentlicht wurde. Ein weiteres Mal wurde der Aufsatz am
9. Februar in der in New York erscheinenden Zeitschrift Jewish Ledger veröf-
fentlicht. Die Zeitschrift The Washington Report on Middle East Affairs machte
den Artikel Primoratzs in ihrer Ausgabe vom April/Mai 1995 mit der Über-

204
HARUN YAHYA

schrift "Ein Professor der Hebräischen Universität schreibt, dass Israel die
Serben unterstützt" publik. Wie der Überschrift des Washington Report zu ent-
nehmen ist, sind die geheimen Waffenbeziehungen zwischen den Serben, die
in Bosnien-Herzegowina einen Massenmord an den Muslimen verüben, und
dem Staat im Staate Israel Thema des Artikels.
Der in Jugoslawien geborene jüdische Philosophieprofessor Igor
Primoratz war bis 1980 an der Universität Belgrad beschäftigt, wanderte dann
nach Israel aus, und setzte seine akademische Tätigkeit an der Hebräischen
Universität fort. In dem in der Jerusalem Report erschienenen Aufsatz spricht
er von den geheimen Beziehungen zwischen seinem alten Heimatland und
Israel. Primoratz zufolge verleitete der Mossad israelische Waffenhändler, das
über Serbien verhängte Waffenembargo zu brechen und schickte Waffen und
Kriegsgerät in großem Umfang nach Serbien. Er berichtet auch von einem
Ereignis, das die israelisch-serbische Verbindung ans Tageslicht bringt: Es
ereignete sich als der Israeli Joel Weinberg, der Mitglied einer internationalen
Hilfsorganisation ist, sich in Sarajewo aufhielt, und es wurde im israelischen
Fernsehen auf Kanal 2 übertragen. Als sich Weinberg also in Sarajewo aufhielt,
rief ein Beauftragter der Vereinten Nationen Weinberg, um ein unbekanntes
Geschoß zu identifizieren, das auf dem Flughafen in Sarajewo niedergegan-
gen war. Weinberg erkannte sofort die seltsamen Schriftzeichen auf dem
Geschoß: Diese waren Hebräisch und das Geschoß war eine vom israelischen
Heer (IDF) benutzte 120 mm Standardmunition. Diese Geschosse wurden seit
langer Zeit bei der Bombardierung Sarajewos benutzt, und die Hilfsflüge in
die Stadt mussten wegen dieser Bombardemants oft für lange Zeit unter-
bochen werden. Außerdem sagte Weinberg, dass er oftmals Zeuge wurde, wie
die serbischen Tschetniks Uzi-Maschinenpistolen israelischer Herstellung be-
nutzten.
Professor Primoratz schreibt in seinem Aufsatz, dass es zahlreiche weit-
ere Augenzeugen dafür gibt, dass die Serben Bosniens Waffen israelischer
Herstellung verwendeten und dass die israelische Regierung diese Tatsache
jedoch mehrmals offiziell leugnete. Einige Zeilen in Primoratzs Aufsatz lauten
folgendermaßen:
Die Reaktionen der Israelis, die wegen der Einschätzung ihrer Regierung
als Serbenfreund beunruhigt waren, erreichten zuletzt ein akutes
Stadium bei der Aufdeckung, dass die "ethnischen Säuberungen" der

205
ADNAN OKTAR

Serben mit israelischen Waffen ausgeführt worden waren... Seit der


Zersplitterung Jugoslawiens verfolgte die israelische Regierung eine
Politik, die derjenigen der internationalen Gemeinschaft entgegenge-
setzt war. Im Herbst 1991, als sich die Angriffe und Morde der Serben in
Kroatien fortsetzten, akzeptierte Israel das Angebot Belgrads, diploma-
tische Beziehungen einzurichten. Doch die Sanktionen der Vereinten
Nationen verhinderten die Einrichtung einer serbischen Botschaft in
Jerusalem und einer israelischen Botschaft in Serbien. Doch die ju-
goslawische Botschaft in Tel Aviv, die vor den Sanktionen der Vereinten
Nationen eröffnet worden war, setzte ihre Tätigkeit nun im Namen der
Serben weiter fort.169
Professor Primoratz lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass "sowohl
Likud wie auch die Arbeiterpartei eine serbenfreundliche Linie verfolgen"
und spricht von dem historischen Hintergrund der serbisch-israelischen
Freundschaft:
Unsere Politiker verweisen auf den 2. Weltkrieg. Sie behaupten, dass die
Serben in diesem Krieg an der Seite der Juden kämpften und die Kroaten
und Muslime gegen die Juden mit den Nazis zusammenarbeiteten. Dies
ist eine offene Verzerrung der jugoslawischen Geschichte. Doch setzt
man diese Logik weiter fort, dann muss gesagt werden, dass wir uns
heute an der Seite der Serben befinden und deren an Muslimen und
Kroaten verübten Massenmorde unterstützen müssen.
Primoratz berichtet von weiteren Details in den Beziehungen zwischen
den Serben und einigen Gruppierungen innerhalb des Staates im Staate
Israel. Demzufolge lieferte der Staat im Staate Israel nicht nur Waffen
nach Serbien, sondern auch an die bosnischen Serben, die direkt die
Morde in Bosnien verübten:
Die Serben bemühten sich zu keiner Zeit ihre Beziehungen zu Israel zu
verheimlichen. Dobrila Gajic-Glisic, ein ehemaliger Beschäftigter des
Kriegsministeriums in Belgrad schrieb in einem 1992 veröffentlichten Buch,
dass im Oktober 1991, also einen Monat, nachdem die Vereinten Nationen ein
Waffenembargo über das frühere Jugoslawien verhängt hatten, zwischen
Israel und Serbien eine Vereinbarung über Waffenhilfe im großen Stil
abgeschlossen wurde. Während des Abschlusses dieses Vertrages wurden die

206
HARUN YAHYA

kroatischen Städte Vukovar und Dubrovnik schon längst bombardiert. Zur


gleichen Zeit erschienen in unterschiedlichen jugoslawischen Zeitungen
Nachrichten über den Waffenhandel zwischen Israel und den Serben. Die
Zeitung European schreibt, gestützt auf die Berichte westlicher
Nachrichtendienste in ihrer Ausgabe vom 3. Juni 1993 von der Existenz eines
neuen Waffenabkommens zwischen Israel und den bosnischen Serben.
Aufgrund dieser Informationen vergleicht Primoratz die Serben mit den
Nazis und schreibt dass "der erste Holocaust in Europa nach dem 2. Weltkrieg
mit israelischen Waffen verübt wurde."
In unserem Buch The Secret Hand in Bosnia: The Untold Story of the Anti-
Islamic International Behind the Serbs (Die geheime Hand in Bosnien: die un-
bekannte Geschichte der hinter den Serben stehenden Anti-Islamischen
Internationalen) werden wir die geheimen Verbindungen zwischen den ser-
bischen Aggressoren und dem radikalen Zionismus sowie zwischen dem
Staat im Staate Israel und dem Freimauerertum detaillierter untersuchen.

207
SCHLUSSFOLGERUNG:

Die List Des Teufels ist Leicht Zu


Durchschauen

Die Evolutionstheorie wurde aufgestellt mit dem Ziel, die Tatsache der
Schöpfung zu leugnen. In Wahrheit ist sie nichts als peudowissenschaftlicher
Unsinn. Die Theorie behauptet, das Leben sei durch Zufall aus toter Materie
entstanden, doch sie wurde durch den wissenschaftlichen Beweis der wun-
derbaren Ordnung des Universums einschließlich der Lebewesen widerlegt.
So hat die Wissenschaft die Tatsache bestätigt, dass Gott das Universum und
alles Leben in ihm erschaffen hat. Die heutige Propaganda, die die
Evolutionstheorie am Leben halten soll, basiert einzig und allein auf der
Verdrehung wissenschaftlicher Fakten, auf voreingenommenen
Interpretationen und auf Lügen und Fälschungen, die als Wissenschaft ver-
kleidet werden. Doch all die Propaganda kann die Wahrheit nicht verbergen.
Die Tatsache, dass die Evolutionstheorie der größte Betrug der
Wissenschaftsgeschichte ist, wurde in den vergangenen 30 Jahren in der wis-
senschaftlichen Welt immer öfter ausgesprochen. Insbesondere die
Forschungen in den 1980er Jahren haben offen gelegt, dass die Behauptungen
des Darwinismus völlig unbegründet sind, etwas, dass schon lange von einer
großen Zahl Wissenschaftler festgestellt worden war. Besonders in den USA
erkannten viele Wissenschaftler aus so unterschiedlichen Gebieten wie der
Biologie, Biochemie und Paläontologie die Ungültigkeit des Darwinismus,
und sie erklären nunmehr den Ursprung des Lebens mit der Schöpfung.
Wir haben den Zusammenbruch der Evolutionstheorie und die Beweise
der Schöpfung in vielen unserer Werke wissenschaftlich detailliert dargestellt,

208
HARUN YAHYA

und wir tun dies weiterhin. Der vorliegende Artikel fasst dieses bedeutende
Thema zusammen.

Der wissenschaftliche Zusammenbruch des Darwinismus


Obwohl der Grundgedanke des Darwinismus bis ins antike
Griechenland zurück reicht, wurde die Evolutionstheorie erst im 19.
Jahrhundert intensiv verbreitet. Die Entwicklung gipfelte 1859 in der
Veröffentlichung von Charles Darwins Der Ursprung der Arten, wodurch sie
zum zentralen Thema in der Welt der Wissenschaft wurde. In seinem Buch be-
stritt er, dass Gott alle Lebewesen auf der Erde getrennt erschaffen hat, denn er
behauptete, alles Leben stamme von einem gemeinsamen Vorfahren ab und
habe sich im Lauf der Zeit durch kleine Veränderungen diversifiziert.
Darwins Theorie basierte nicht auf konkreten wissenschaftlichen Befunden; er
gab auch zu, sie sei nur eine "Annahme". Mehr noch, Darwin gestand in dem
besonders langen Kapitel seines Buches "Probleme der Theorie", seine Theorie
versage angesichts vieler kritischer Fragen.
Darwin setzte alle seine Hoffnungen in neue wissenschaftliche
Entdeckungen, von denen er erwartete, sie würden diese Probleme lösen.
Doch entgegen seinen Erwartungen
vergrößerten neue wissenschaftliche
Erkenntnisse nur die Dimension die-
ser Probleme. Die Niederlage des
Darwinismus angesichts der
Wissenschaft kann anhand dreier
Grundgedanken der Theorie festge-
stellt werden:
1) Die Theorie kann nicht erklä-
ren, wie das Leben auf der Erde ent-
stand.
2) Kein wissenschaftlicher
Befund zeigt, dass die von der
Theorie vorgeschlagenen "evolutio-
nären Mechanismen" eine wie auch
immer geartete evolutionäre Kraft
hätten.
Charles Darwin

209
ADNAN OKTAR

3) Der Fossilienbestand beweist genau das Gegenteil dessen, was die Theorie nahe legt.
In diesem Abschnitt werden wir diese drei Punkte im Allgemeinen un-
tersuchen.

Der erste unüberwindliche Schritt: Die Entstehung des Lebens


Die Evolutionstheorie setzt voraus, dass alle lebenden Arten sich aus ei-
ner einzigen lebenden Zelle entwickelt haben, die vor 3,8 Milliarden Jahren
auf der Erde entstanden sein soll. Wie eine einzige Zelle Millionen komplexer
lebender Arten generiert haben soll, und – falls eine solche Evolution tatsäch-
lich stattgefunden hat – warum man davon keine Spuren im Fossilienbestand
finden kann, sind Fragen, die die Theorie nicht beantworten kann. Doch zual-
lererst müssen wir fragen: Wie kam es zu der "ersten Zelle"?
Da die Evolutionstheorie die Schöpfung und jede Art übernatürliche
Intervention ausschließt, muss sie behaupten, die "erste Zelle" sei zufällig im
Rahmen der gegebenen Naturgesetze aufgetaucht, ohne irgendein Design, ei-
nen Plan oder ein anderes Arrangement. Der Theorie zufolge muss unbelebte
Materie eine lebende Zelle produziert haben, als Ergebnis zufälliger
Ereignisse. Doch diese Behauptung widerspricht dem unerschütterlichsten
Grundsatz der Biologie:

"Leben entsteht aus Leben"


Nirgendwo in seinem Buch bezieht sich Darwin auf den Ursprung des
Lebens. Das primitive Wissenschaftsverständnis seiner Zeit beruhte auf der
Annahme, Lebewesen hätten eine sehr einfache Struktur. Seit dem Mittelalter
war die Hypothese der spontanen Entstehung weithin akzeptiert, die davon
ausgeht, dass nicht lebende Materialien zusammen kommen und lebende
Organismen bilden können. Man glaubte beispielsweise, Insekten entstünden
aus Nahrungsmittelresten und Mäuse aus Weizen. Obskure Experimente
wurden ausgeführt, um solche Theorien zu beweisen. So legte man
Weizenkörner auf ein schmutziges Tuch und wartete auf die Mäuse, die doch
nach einer Weile auftauchen mussten.
Auch Maden, die sich in faulendem Fleisch entwickelten, galten als
Beweis für die spontane Entstehung. Erst viel später fand man heraus, das die
Würmer nicht spontan im Fleisch auftauchten, sondern dass deren Larven
von Fliegen dort abgelegt werden, unsichtbar für das menschliche Auge.

210
HARUN YAHYA

Noch als Darwin den Ursprung der Arten schrieb,


war die Auffassung, Bakterien entstünden aus toter
Materie, in der wissenschaftlichen Welt allgemein
anerkannt.
Doch fünf Jahre nach dem Erscheinen von
Darwins Buch stellte Louis Pasteur nach langen
Studien und Experimenten seine
Forschungsergebnisse vor, die die spontane
Entstehung, ein Meilenstein in Darwins Theorie,
widerlegten. In seiner triumphalen Vorlesung im Französischer Biologe
Jahr 1864 an der Sorbonne sagte Pasteur: "Die Doktrin Louis Pasteur
der spontanen Entstehung wird sich nie von dem tödli-
chen Schlag erholen, den ihr dieses simple Experiment versetzt
hat."170
Die Advokaten der Evolutionstheorie bestritten diese Entdeckungen.
Doch als die sich weiter entwickelnde Wissenschaft die komplexe Struktur ei-
ner lebende Zelle aufdeckte, geriet die Vorstellung, Leben könne zufällig ent-
stehen, noch weiter in die Sackgasse.

Ergebnislose Bemühungen im 20. Jahrhundert


Der erste Evolutionist, der im 20. Jahrhundert das Problem des
Ursprungs des Lebens aufgriff, war der russische Biologe Alexander Oparin.
Er stellte in den 1930er Jahren mehrere Thesen auf, mit denen er die
Möglichkeit der zufälligen Entstehung beweisen wollte.
Seine Studien waren jedoch erfolglos und Oparin musste
eingestehen:
Unglücklicherweise ist das Problem der Herkunft
der Zelle der vielleicht rätselhafteste Punkt der gesam-
ten Studie der Evolution von Organismen.171
Die Anhänger Oparins versuchten, das Problem
mit Experimenten zu lösen. Das bekannteste dieser
Experimente wurde 1953 von dem amerikanischen
Russischer Biologe Chemiker Stanley Miller durchgeführt. Indem er die
Alexander Oparin Gase, von denen er annahm, dass sie in der primordialen
Atmosphäre der Erde existiert haben in seiner

211
ADNAN OKTAR

Versuchsanordnung kombinierte und dieser Mixtur Energie zuführte, synthe-


tisierte Miller mehrere organische Moleküle, Aminosäuren, aus denen
Proteine bestehen.
Nur wenige Jahre verstrichen, bevor man herausfand, dass sein
Experiment, dass als wichtiger Schritt in der Beweisführung der
Evolutionstheorie präsentiert wurde, wertlos war, weil die im Experiment er-
zeugte Atmosphäre sich von den damals real vorhandenen Bedingungen we-
sentlich unterschied.172
Nach langem Schweigen gab Miller zu, dass die Atmosphäre, die er be-
nutzt hatte, unrealistisch war. 173
Alle evolutionistischen Bemühungen des 20. Jahrhunderts, den
Ursprung des Lebens zu erklären, schlugen fehl. Der Geochemiker Jeffrey
Bada vom San Diego Scripps Institute akzeptiert diese Tatsache in einem
Artikel, den er 1998 im Earth Magazine publizierte.
Heute, da wir im 20. Jahrhundert leben, sehen wir uns immer noch dem
größten ungelösten Problem gegenüber, das wir hatten, als wir ins 20.
Jahrhundert eintraten: Wie entstand das Leben auf der Erde? 174

Die komplexe Struktur des Lebens


Der Hauptgrund, warum die Evolutionstheorie mit dem Versuch, den
Ursprung des Lebens zu erklären, auf der ganzen Linie gescheitert ist, besteht
darin, dass selbst die scheinbar simpelsten Organismen eine außerordentlich
komplexe Struktur aufweisen. Eine lebende Zelle ist komplizierter aufgebaut,
als jede vom Menschen erfundene Technik. Auch heute kann eine Zelle selbst
in den modernsten Laboratorien der Welt nicht mit Hilfe organischer Chemie
künstlich erzeugt werden.
Die Voraussetzungen zur Zellbildung sind schon rein quantitativ zu
hoch, um durch zufällige Ereignisse erklärt werden zu können. Die
Wahrscheinlichkeit, dass Proteine – die Bausteine der Zelle – sich zufällig syn-
thetisieren, beträgt für ein durchschnittliches, aus etwa 500 Aminosäuren be-
stehendes Protein 1 zu 10 hoch 950. Mathematisch gilt schon eine
Wahrscheinlichkeit, die kleiner ist als 1 zu 10 hoch 50 als unter praktischen
Gesichtspunkten gleich Null.
Das DNS Molekül, das sich im Zellekern befindet und in dem die geneti-
sche Information gespeichert ist, ist eine Datenbank, die kaum zu beschreiben

212
HARUN YAHYA

Eine der größten Täuschungen der Evolutionisten ist die Art, wie sie sich vor-
stellen, dass Leben spontan auf dem erschienen sein könnte, was sie als die
primitive Erde, (oben im Bild) bezeichnen. Sie versuchten, diese Vorstellungen
mit Studien wie dem Miller-Experiment zu beweisen. Doch sie ernteten nur
Mißerfolg angesichts der wissenschaftlichen Tatsachen:
Forschungsergebnisse aus den 1970er Jahren bewiesen, dass die Atmosphäre
die sie der primitiven Erde zuschrieben, für Leben völlig ungeeignet war.

ist. Würde man die in der DNS enthaltenen Informationen aufschreiben, so


entstünde eine Enzyklopädie mit etwa 900 Bänden zu je 500 Seiten.
Hier ergibt sich denn auch folgendes Dilemma: Die DNS kann sich nur
replizieren mit Hilfe spezieller Proteine, den Enzymen. Doch die Synthese die-
ser Enzyme kann nur stattfinden anhand der in der DNS gespeicherten
Information. Da also beide – DNS und Enzyme – voneinander abhängen,
müssen beide gleichzeitig existieren, damit eine Replikation stattfinden kann.
Insofern ist das Szenario, in dem das Leben sich selbst generiert, an einem to-
ten Punkt angelangt. Prof. Leslie Orgel, ein Evolutionist an der Universität
von San Diego, Kalifornien, gibt diese Tatsache in der Septemberausgabe 1994
des Scientific American zu:

213
ADNAN OKTAR

Eine der Tatsachen, welche die Evolutionstheorie un-


gültig machen, ist die unglaublich komplexe
Struktur des Lebens. Das DNS-Molekül, das sich
im Kern der Zellen aller Lebewesen befindet,
ist ein Beispiel dafür. Die DNS ist eine Art
Datenbank, geformt durch die Anordnung
der 4 Moleküle in verschiedener
Reihenfolge. Diese Datenbank erhält die
Codes der allen physikalischen
Eigenschaften der Lebewesen. Würde man
die in der DNS enthaltenen Informationen
aufschreiben, so entstünde eine
Enzyklopädie mit etwa 900 Bänden zu je 500
Seiten. Unbestreitbarerweise widerlegt diese
außerordentliche Information das Konzept des
Zufalls.

Es ist extrem unwahrscheinlich, dass Proteine und Nukleinsäuren,


die beide komplex strukturiert sind, spontan am selben Ort und zur
selben Zeit entstehen. Es scheint jedoch unmöglich, dass man die
Einen ohne die Anderen haben kann. Auf den ersten Blick sieht es al-
so so aus, dass man daraus schließen muss, das Leben könne tatsäch-
lich niemals durch chemische Prozesse entstanden sein.175
Es besteht also kein Zweifel: Falls das Leben nicht auf natürliche Weise
entstanden sein kann, muss man akzeptieren, dass das Leben auf übernatürli-
che Weise geschaffen worden ist. Diese Tatsache widerlegt die
Evolutionstheorie, deren Hauptzweck es ist, die Schöpfung zu bestreiten, de-
finitiv.

Der imaginäre Evolutionsmechanismus


Der zweite wichtige Punkt, der Darwins Theorie widerlegt, ist dass beide
von der Theorie benannte Evolutionsmechanismen in Wahrheit keinerlei evo-
lutionäre Kraft haben. Darwin führte die Evolution vollständig auf den
Mechanismus der "natürlichen Selektion" zurück. Die Bedeutung, die er die-
sem Mechanismus zumaß, wird schon im Namen seines Buches Der Ursprung
der Arten durch natürliche Zuchtwahl deutlich…

214
HARUN YAHYA

Natürliche Selektion bedeutet, dass Lebewesen, die stärker sind und die
besser an die natürlichen Bedingungen ihrer Lebensräume angepasst sind,
den Überlebenskampf gewinnen werden. Von einem Hirschrudel zum
Beispiel, dass von wilden Tieren angegriffen wird, werden die überleben, die
am schnellsten rennen können. Daher wird das Rudel aus schnellen und star-
ken Tieren bestehen. Doch zweifellos wird dieser Mechanismus nicht dafür
sorgen, dass Hirsche sich entwickeln und sich in eine andere Art verwandeln,
zum Beispiel in Pferde.
Darum hat der Mechanismus der natürlichen Selektion keine evolutive
Kraft. Darwin war sich dieser Tatsache wohl bewusst, und er musste in Der
Ursprung der Arten feststellen: Die natürliche Selektion kann nichts bewirken,
solange nicht vorteilhafte Unterschiede oder Variationen auftreten.176

Lamarcks Einfluss
Wie also konnte die These der "vorteilhaften Variationen" entstehen?
Darwin versuchte, diese Frage aus dem primitiven Wissenschaftsverständnis
seiner Zeit zu beantworten. Folgt man dem Chevalier de Lamarck (1744-1829),
einem französischen Biologen, der vor Darwin gelebt hatte, so vererben die
Lebewesen, die während ihrer Lebenszeit erworbenen Eigenschaften an die
nächste Generation. Er
behauptete nun, diese
Der französi-
über Generationen
sche Biologe
Lamarck be- hinweg akkumulieren-
hauptete, dass den Eigenschaften,
Giraffen dem- brächten neue Arten
nach aus
hervor. Giraffen seien
Antilopen ent-
standen seien. demnach aus
Tatsächlich hat Antilopen entstanden,
Gott die Giraffen weil deren Hälse sich
speziell wie alle
von Generation zu
andere
Lebewesen er- Generation verlänger-
schaffen. ten, als sie sich abmüh-
ten, an die Blätter ho-
her Bäume zu gelan-
gen.

215
ADNAN OKTAR

Darwin zählte ähnliche Beispiele auf. Er behauptete zum Beispiel, Bären,


die im Wasser auf Nahrungssuche gewesen seien, hätten sich im Lauf der Zeit
in Wale verwandelt.177
Doch die von Gregor Mendel (1822-1884) entdeckten Vererbungsgesetze,
die von der Wissenschaft der Genetik bestätigt sind, die im 20. Jahrhundert
aufkam, widerlegten die Legende, erworbene Eigenschaften könnten an nach-
folgende Generationen weiter gegeben werden. So fiel die natürliche
Selektion als evolutiver Mechanismus aus.

Neodarwinismus und Mutationen


Um eine Lösung für das Dilemma zu finden, stellten die Darwinisten
Ende der 1930er Jahre die "Moderne synthetische Theorie" vor, besser bekannt
als Neodarwinismus. Der Neodarwinismus fügte den "Ursachen für vorteil-
hafte Veränderungen" die Mutationen hinzu. Mutationen sind Abweichungen
in den Genen von Lebewesen, die durch externe Faktoren wie Strahlung oder
Replikationsfehler auftreten.
Heutzutage meint man, wenn man von der Evolutionstheorie spricht,
den Neodarwinismus. Er besagt: Die Millionen existierenden Lebewesen sind
durch einen Prozess entstanden, in dem die komplexen Organe (Ohren,
Augen, Lungen, Flügel) zahlreicher Organismen mutiert sind. Eine Mutation
aber bedeutet nichts anderes als einen genetischen Defekt. So gibt es denn
auch eine wissenschaftliche Tatsache, die diese Theorie vollständig untermi-
niert: Mutationen sorgen niemals für Entwicklung. Im Gegenteil, sie sind im-
mer schädlich.
Der Grund dafür ist ganz einfach: Die DNS hat eine sehr komplizierte
Struktur, und zufällige Veränderungen können sie daher nur beschädigen.
Der amerikanische Genetiker B. G. Ranganathan erklärt es folgendermaßen:
"Erstens sind echte Mutationen in der Natur sehr selten. Zweitens sind
die meisten Mutationen schädlich, denn sie sind zufallsbedingt und ergeben
daher keine geordnete Veränderung der Genstruktur; Jede Veränderung in ei-
nem System hoher Ordnung wird zu dessen Nachteil sein, nicht zu dessen
Vorteil. Wenn ein Erdbeben die geordnete Struktur eines Gebäudes erschüt-
tert, so ergeben sich zufällige Veränderungen an seiner Statik und seinen
Bauelementen, die aller Wahrscheinlichkeit nach keine Verbesserungen be-
wirken werden.178

216
HARUN YAHYA

Auge

Fühler Bein
Mutante

Links: Eine normale Taufliege (Drosophila).


Rechts: Eine Taufliege deren Beine aus ihrem Kopf herauswachsen;
eine durch Radiation hervorgerufene Mutation.

So überrascht es auch nicht, dass bisher keine nützliche Mutation, keine,


die den genetischen Code verbessert hätte, beobachtet werden konnte. Alle
Mutationen haben sich als schädlich erwiesen. Es besteht heute Einigkeit dar-
über, dass Mutationen, die als "evolutionärer Mechanismus" präsentiert wer-
den, tatsächlich eine genetische Begleiterscheinung sind, die die betroffenen
Organismen schädigt und Missbildungen verursacht. Der bekannteste Effekt
einer Mutation beim Menschen ist der Krebs. Es versteht sich von selbst, dass
ein zerstörerischer Mechanismus kein evolutionärer Mechanismus sein kann.
Andererseits kann die natürliche Selektion selbst gar nichts bewirken, wie
auch Darwin feststellte. Diese Zusammenhänge zeigen uns, dass es keinen
evolutionären Mechanismus in der Natur gibt. Wenn dies aber so ist, dann
kann auch kein Prozess namens Evolution in der Natur stattgefunden haben.

Keine Übergangsformen im Fossilienbestand


Der beste Beweis, dass das von der Evolutionstheorie angenommene
Szenarium nicht stattgefunden hat, ist der Bestand an ausgegrabenen
Fossilien.
Der Theorie zufolge stammt jede Art von einem Vorfahren ab. Eine einst-
mals existierende Art verwandelte sich im Lauf der Zeit in eine andere Art,
und so sind angeblich alle Arten entstanden. Dieser Verwandlungsprozess
soll sich sehr langsam in Millionen Jahren vollziehen.

217
ADNAN OKTAR

Links, ein 150-


200 Millionen
Jahre altes
Libellenfossil
(aus dem Jura),
und (unten) ein
lebendes
Exemplar, das
ganz ähnliche
Merkmale wie
dieses Fossil
aufweist.

Wäre das der Fall, so müssten zahlreiche Zwischenformen der Arten exi-
stiert haben während dieser langen Transformationsphase.
Es hätte zum Beispiel Wesen gegeben haben müssen, die halb Fisch und
halb Reptil waren, die also zusätzlich zu ihrem Fischcharakter bereits
Eigenschaften von Reptilien erworben hatten. Und es müssten Reptilienvögel
existiert haben, mit erworbenen Vogeleigenschaften zusätzlich zu den
Reptilieneigenschaften, die sie schon hatten. Da solche Wesen sich aber in ei-
ner Übergangsphase befunden hätten, müssten sie behinderte, verkrüppelte
Wesen gewesen sein. Evolutionisten reden von solchen imaginären Kreaturen,
die nach ihrer Überzeugung gelebt haben, als "Übergangsformen".
Hätten solche Tiere tatsächlich gelebt, dann hätte es an Zahl und Vielfalt
Milliarden von ihnen geben müssen. Die Überreste dieser seltsamen
Kreaturen müssten im Fossilienbestand präsent sein. Darwin erklärt in Der
Ursprung der Arten:
"Wenn meine Theorie stimmt, dann müssten ganz sicher zahllose Über-
gangsvariationen, die alle Arten derselben Gruppe eng miteinander ver-
binden, existiert haben… Konsequenterweise würde man die Beweise
ihrer früheren Existenz nur unter fossilisierten Überresten finden."179

218
HARUN YAHYA

Darwins zerstörte Hoffnungen


Doch obwohl die Evolutionisten seit Mitte des 19. Jahrhunderts weltweit
enorme Anstrengungen unternommen haben, sind bisher keine Übergangs-
formen entdeckt worden. Alle Fossilien zeigen im Gegensatz zu den
Erwartungen der Evolutionisten, dass das Leben auf der Erde plötzlich und
vollständig ausgeformt auftauchte.
Der britische Paläontologe Derek V. Ager, gibt diese Tatsache zu, obwohl
er Evolutionist ist:
"Der Punkt ist erreicht, an dem wir bei detaillierter Untersuchung des
Fossilienbestands feststellen, dass wir – ob auf der Ebene der Ordnung oder
auf der Ebene der Arten – keine graduelle Evolution finden, sondern das
plötzliche, explosionsartige, zahlenmäßige Ansteigen einer Gruppe auf
Kosten einer anderen.180

Evolutionistische
Zeitungen und Ze-
itschriften veröf-
fentlichen oft Abbil-
dungen von angeb-
lich primitiven
Menschen. Die ein-
zige vorhandene
Quelle für diese Ab-
bildungen ist die
Einbildungskraft
der Künstler. Die
Evolutionstheorie
ist durch wissens-
chaftliche Fakten
so widerlegt wor-
den, dass wir heute
in der beträchtlic-
hen Presse nur we-
nig solche Abbil-
dungen sehen.

219
ADNAN OKTAR

Das heißt, es tauchen im Fossilienbestand alle Arten plötzlich auf, voll


ausgeformt, ohne Übergangsformen dazwischen. Es ist genau das Gegenteil
von Darwins Annahmen. Das ist auch ein sehr starkes Indiz, dass alle
Lebewesen erschaffen wurden. Die einzige Erklärung dafür, dass ein
Lebewesen plötzlich und in jedem Detail vollständig auftaucht, ohne dass ein
evolutionärer Vorfahr vorhanden gewesen wäre, ist, dass es erschaffen wurde.
Diese Tatsache wird auch von dem weithin bekannten evolutionistischen
Biologen Douglas Futuyma eingeräumt:
"Schöpfung oder Evolution, das sind die beiden möglichen Erklärungen
für den Ursprung des Lebens. Organismen tauchten entweder vollständig
ausgeformt auf der Erde auf, oder sie taten es nicht. Falls sie es nicht taten,
dann müssen sie sich aus vorher existierenden Arten durch irgend einen
Prozess der Modifikation entwickelt haben. Falls sie aber vollständig ausge-
formt aufgetaucht sind, so müssen sie tatsächlich von einer omnipotenten
Intelligenz geschaffen worden sein."181
Die Fossilien zeigen, dass die Lebewesen vollständig ausgeformt auf der
Erde erschienen. Das bedeutet; Der Ursprung der Arten ist im Gegensatz zu
Darwins Annahme nicht Evolution, sondern Kreation, die Schöpfung.

Das Märchen von der Evolution des Menschen


Das von den Advokaten der Evolutionstheorie am Häufigsten aufge-
brachte Thema ist das der Herkunft des Menschen. Die darwinistische
Behauptung geht dahin, dass der Mensch sich aus affenähnlichen Kreaturen
entwickelt habe. Während dieses angeblichen Evolutionsprozesses, der vor 4
– 5 Millionen Jahren begonnen haben soll, haben angeblich mehrere "Über-
gangsformen" zwischen dem modernen Menschen und seinen Vorfahren exi-
stiert. Es werden vier Kategorien von Übergangsformen genannt:
1. Australopithecus
2. Homo Habilis
3. Homo Erectus
4. Homo Sapiens
Der Name des ersten in der Reihe der angeblichen affenähnlichen
Vorfahren, Australopithecus, bedeutet "südafrikanischer Affe". Umfassende
Forschungen an verschiedenen Australopithecus-Exemplaren, durchgeführt
von zwei Anatomen aus England und den USA, Lord Solly Zuckerman und

220
HARUN YAHYA

Professor Charles Oxnard, haben jedoch gezeigt, dass die Kreaturen einer aus-
gestorbenen Affenart angehörten, und keinerlei Ähnlichkeit mit Menschen
aufwiesen.182
Evolutionisten klassifizieren das nächste Stadium der Evolution des
Menschen als "Homo", was "Mensch" bedeutet. Ihrer Behauptung zufolge sind
die Wesen der Homo-Reihe höher entwickelt als Australopithecus. Die
Evolutionisten entwarfen durch Arrangieren verschiedener Fossilien dieser
Kreaturen in einer bestimmten Reihenfolge ein wunderliches
Evolutionsschema. Doch das Schema ist aus der Luft gegriffen, denn es wurde
nie bewiesen, dass es eine evolutionäre Verwandtschaft zwischen diesen ver-
schiedenen Klassen gibt. Ernst Mayr, einer der bedeutendsten Evolutionisten
des 20. Jahrhunderts, schreibt in seinem Buch Ein langer Streit, dass "insbeson-
dere historische [Puzzles] wie das des Ursprungs des Lebens oder des Homo
Sapiens, extrem schwierig sind und sich vielleicht sogar einer endgültigen, be-
friedigenden Erklärung entziehen".183
Indem die Verbindung von Australopithecus über Homo Habilis und Homo
Erectus zum Homo Sapiens hergestellt wird, implizieren die Evolutionisten, das
diese Arten voneinander abstammen. Neuere paläontologische Funde haben
jedoch ergeben, dass Australopithecus, Homo Habilis und Homo Erectus gleich-
zeitig gelebt haben, wenn auch in verschiedenen Teilen der Welt.184
Homo Erectus lebte noch bis in die moderne Zeit. Homo Sapiens
Neandertalensis und Homo Sapiens Sapiens (der moderne Mensch) koexistierten
sogar in denselben Landstrichen.185
Diese Situation zeigt auf, dass die Behauptung, die genannten
Menschtypen stammten voneinander ab, unhaltbar ist. Stephen Jay Gould er-
klärte diesen toten Punkt der Evolutionstheorie, obwohl er selbst einer ihrer
führenden Befürworter des 20. Jahrhunderts war:
"Was ist aus unserer Stufenleiter geworden, wenn es drei nebeneinander
bestehende Stämme von Hominiden (A. Africanus, die robusten
Australopithecine, und H. Habilis) gibt, keiner deutlich von dem ande-
ren abstammend? Darüber hinaus zeigt keiner von ihnen irgendeine
evolutive Neigung während seines Daseins auf der Erde.186
Kurz, das Szenarium der menschlichen Evolution, das mit Hilfe von
Zeichnungen der Art "halb Affe, halb Mensch" in den Medien und

221
ADNAN OKTAR

Lehrbüchern aufrecht erhalten wird, durch Propaganda also, ist nichts als ein
Märchen ohne jede wissenschaftliche Grundlage.
Lord Solly Zuckerman, einer der berühmtesten und respektiertesten
Wissenschaftler im Vereinigten Königreich, der dieses Thema jahrelang er-
forscht und Australopithecus-Fossilien 15 Jahre studiert hat, kam am Ende –
obwohl selbst Evolutionist – zu dem Schluss, es gebe in Wahrheit keinen
Familienstammbaum der von affenähnlichen Kreaturen zum Menschen rei-
chen würde.
Weiterhin stellte Zuckerman eine Skala vor, auf der die Wissenschaften
geordnet waren nach solchen, die er als "wissenschaftlich" ansah bis hin zu de-
nen, die er als "unwissenschaftlich" bezeichnete. Nach dieser
Wissenschaftlichkeitsskala stehen Chemie und Physik an erster Stelle, da sie
auf konkreten Daten beruhen. Danach kommen die biologischen
Wissenschaften und dann die Sozialwissenschaften. Am anderen Ende der
Skala finden sich die "unwissenschaftlichsten" Felder, paranormale
Wahrnehmung, Telepathie, der "sechste Sinn" und endlich – menschliche
Evolution. Zuckerman erklärt seine Überlegungen so:
Wenn wir uns von der objektiven Wahrheit wegbewegen, hin zu den
Feldern biologischer Pseudowissenschaften wie extrasensorische
Wahrnehmung oder die Interpretation der Fossiliengeschichte des Menschen,
in denen für den Gläubigen alles möglich ist, und wo der fanatisch Gläubige
manchmal gleichzeitig an sich widersprechende Dinge glaubt.187
Das Märchen von der menschlichen Evolution erweist sich als nicht
mehr als die voreingenommenen Interpretationen einiger Fossilien, ausgegra-
ben von bestimmten Leuten, die blind an ihrer Theorie festhalten.

Die Darwin-Formel
Nach all den "technischen" Beweisen, mit denen wir uns bisher beschäf-
tigt haben, lassen Sie uns nun untersuchen welche Art Aberglauben die
Evolutionisten pflegen, und zwar an einem Beispiel, das so einfach ist, dass
sogar Kinder es verstehen werden: Man bedenke, dass die Evolutionstheorie
behauptet, dass das Leben durch Zufall entsteht. Entsprechend dieser
Behauptung taten sich leblose, unbewusste Atome zusammen um die Zelle zu
bilden, und dann bildeten sie irgendwie andere Lebewesen, einschließlich des
Menschen. Wenn wir alle Elemente zusammenbringen, die die Bausteine des

222
HARUN YAHYA

Lebens ausmachen, wie Kohlenstoff, Phosphor, Stickstoff und Natrium, dann


ist damit nur ein Gemenge gebildet. Ganz egal, welche Behandlungen es er-
fährt, diese Anhäufung kann kein einziges Lebewesen bilden. Wir wollen ein
"Experiment" zu diesem Thema formulieren, und für die Evolutionisten un-
tersuchen, was sie wirklich behaupten ohne es laut bei dem Namen
"Darwinsche Formel" zu nennen":
Die Evolutionisten mögen große Mengen von Materialien, die in der
Zusammensetzung von Lebewesen vorhanden sind, wie Phosphor,
Stickstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff, Eisen und Magnesium in große
Fässer geben. Außerdem mögen sie dem Inhalt dieser Fässer jegliche
Materialien, die unter natürlichen Bedingungen nicht zu finden sind,
von denen sie jedoch glauben sie seien erforderlich, beifügen. Sie mö-
gen dieser Mischung nach Belieben Aminosäuren – welche sich unter
natürlichen Bedingungen nicht bilden können – und Proteine – von
denen ein einziges eine Entstehungswahrscheinlichkeit von 1:10950
hat – hinzufügen. Sie mögen diese Mischung nach Belieben Hitze-
und Feuchtigkeitseinwirkungen aussetzten, und mögen sie mit jegli-
chen technologischen Hilfsmitteln behandeln. Sie mögen die gelehrte-
sten Wissenschaftler neben den Fässern aufstellen, und diese Experten
mögen sich Billionen, selbst Trillionen von Jahren neben den Fässern
im Warten ablösen. Sie mögen jegliche Arten von Voraussetzungen
schaffen, die ihnen zur Bildung eines Menschen erforderlich er-
scheint. Egal was sie tun, sie können aus diesen Fässern keinen
Menschen erstehen lassen, wie etwa einen Professor, der seine eigene
Zellstruktur unter dem Elektronenmikroskop untersucht. Sie können
keine Giraffen, Löwen, Bienen, Kanarienvögel, Pferde, Delphine,
Rosen, Orchideen, Lilien, Nelken, Bananen, Orangen, Äpfel, Datteln,
Tomaten, Wassermelonen, Kürbisse, Feigen, Oliven, Trauben,
Pfirsiche, Perlhühner, Fasane, bunten Schmetterlinge oder Millionen
von anderen Lebewesen wie diese hervorbringen. In der Tat, sie könn-
ten nicht einmal eine einzige Zelle deren irgendeines produzieren.
Kurz gesagt, unbewusste Atome können aufgrund ihres

223
ADNAN OKTAR

224
HARUN YAHYA

Evolutionisten glauben, der Zufall selbst sei eine kreative Kraft. Lassen wir sie ein
großes Faßnehmen und alle Materialien hinein geben, von denen sie glauben, sie
seien nötig, eine lebende Zelle zu produzieren. Sie können das Faßerhitzen, einfrie-
ren oder den Blitz hineinschlagen lassen. Sie können das Faßüberwachen und diese
Aufgabe an nachfolgende Generationen übertragen, über Millionen, sogar Milliarden
Jahre hinweg, nichts dem Zufall überlassend. Sie dürfen jede Art Bedingung schaf-
fen, von der sie glauben, sie sei notwendig, um ein lebendes Wesen zu erzeugen.

Gleichgültig, was sie auch tun, sie werden niemals auch nur eine einzige Zelle in
dem Faßerzeugen können. Sie werden kein Pferd, keinen Schmetterling, keine
Blume, Ente, Kirsche oder Zitrone, Eule oder Ameise produzieren können. Ganz
gleich was sie auch tun, sie werden nicht in der Lage sein, Wissenschaftler zu pro-
duzieren, die die Moleküle und Atome, aus denen sie selbst bestehen, unter dem
Elektronenmikroskop untersuchen könnten und Menschen, die denken, beurteilen,
Freude empfinden, Aufregung und Sehnsucht.

225
ADNAN OKTAR

Zusammentreffens keine Zelle bilden. Sie können keine Entscheidung zur


Teilung dieser Zelle treffen, und dann weitere Entscheidungen um die
Professoren zu erschaffen, die zuerst das Elektronenmikroskop entwickeln
und dann ihre eigene Zellstruktur unter diesem Mikroskop untersuchen.
Materie ist eine unbewusste, leblose Anhäufung von Atomen und wird durch
Gottes, über alles erhabenen Schöpfungsakt zum Leben erweckt.
Die Evolutionstheorie, welche gegenteilige Behauptungen aufstellt, ist
eine totale Verirrung in vollständigem Widerspruch zur Vernunft. Es bedarf
nur wenigen Nachdenkens über die Behauptungen der Evolutionisten um zu
dieser Realität zu gelangen, wie es sich in dem obigen Beispiel zeigt.

Technologie in Auge und Ohr


Ein weiteres Thema, das die Evolutionstheorie ungeklärt lässt ist die her-
vorragende Aufnahmequalität des Auges und des Ohrs.
Bevor wir uns dem Thema Auge zuwenden sei kurz auf die Frage "wie
wir sehen" eingegangen. Lichtstrahlen, die von einem Objekt ausgehen fallen
seitenverkehrt auf die Netzhaut des Auges. Hier werden diese Lichtstrahlen
von speziellen Zellen in elektrische Impulse übersetzt und an einen winzig
kleinen Punkt im hinteren Teil des Gehirns weitergeleitet, der Sehzentrum ge-
nannt wird. Diese elektrischen Impulse werden in jenem Gehirnzentrum nach
einer Reihe von Prozessen als Bild wahrgenommen. Mit diesem technischen
Hintergrund wollen wir nun ein wenig darüber nachdenken.
Das Gehirn ist isoliert von jeglichem Licht. Das bedeutet, dass innerhalb
des Gehirns absolute Dunkelheit vorherrscht, und dass Licht keinen Zugang
zu dem Ort hat wo das Gehirn sitzt. Der Ort, der als Sehzentrum bekannt ist
total finster und kein Licht gelangt jemals dorthin; es ist möglicherweise der
finsterste Platz den man sich vorstellen kann. Und dennoch erleben wir eine
helle, leuchtende Welt inmitten dieser pechschwarzen Finsternis.
Das Bild das im Auge und Sehzentrum geformt wird ist von solcher
Schärfe und Deutlichkeit, die selbst die Technologie des 20. Jh. nicht hervor-
bringen kann. Betrachten Sie beispielsweise nur das Buch das Sie lesen, Ihre
Hände mit denen Sie es halten, und dann erheben Sie Ihren Blick und schauen
sich in Ihrer Umgebung um. Können Sie durch irgendein anderes Medium
solch ein klares und deutliches Bild erhalten? Selbst die bestentwickelten
Fernsehbildschirme der größten Fernsehgeräte-Hersteller können Ihnen solch

226
HARUN YAHYA

ein klares Bild nicht geben. Es ist ein 3-dimensionales farbiges und äußerst
scharfes Bild. Tausende von Ingenieuren sind seit über 100 Jahren darum be-
müht diese Schärfe hervorzubringen. Fabriken mit ungeheurem Arbeitsraum
wurden errichtet, eine Unmenge von Forschung wurde unternommen, Pläne
und Designs wurden zu diesem Zweck angefertigt. Werfen Sie nochmals ei-
nen Blick auf den Bildschirm und auf das Buch in Ihrer Hand, und beachten
Sie den Unterschied in der Bildqualität. Abgesehen davon zeigt sich auf dem
Bildschirm ein 2-dimensionales Bild ab wobei die Augen eine räumliche
Perspektive mit wirklicher Tiefe geben. Wenn man genau hinsieht wird man
erkennen, dass das Fernsehbild zu einem gewissen Grad verschwommen ist,
während sie mit Ihren Augen ein scharfes, dreidimensionales Bild sehen kön-
nen.
Viele Jahre hindurch haben sich Zehntausende von Ingenieuren bemüht,
3-dimensionales Fernsehen zu entwickeln und die Bildqualität des natürli-
chen Sehens zu erreichen. Sie haben zwar ein 3-dimensionales Fernsehsystem
entwickelt, doch die erwünschte Wirkung kann nur mit Hilfe von speziellen
Brillen erzielt werden, und fernerhin handelt es sich hierbei nur um eine
künstliche Räumlichkeit. Der Hintergrund ist mehr verschwommen und der
Vordergrund erscheint wie Papierschablonen. Es war bisher nicht möglich ein
scharfes und deutlich abgegrenztes Bild wie das der natürlichen Sicht hervor-
zubringen. Sowohl in der Kamera als auch auf dem Bildschirm vollzieht sich
eine Einbusse der Bildqualität.
Die Evolutionisten behaupten, dass sich der Mechanismus, der dieses

Wenn wir das Auge


und das Ohr mit
Kameras und
Tonaufzeichnungsge
räten vergleichen,
sehen wir, dass das
Auge und das Ohr
viel komplexer, funk-
tioneller und voll-
kommener als diese
technologischen
Produkte sind

227
ADNAN OKTAR

scharfe und deutlich abgegrenzte Bild hervorbringt, durch Zufall entwickelt


hat. Was würden Sie nun denken, wenn jemand sagte, dass der Fernseher in
Ihrem Wohnzimmer sich als Ergebnis eines Zufalls bildete, dass alle Atome
aus denen er besteht sich aufs Geratewohl zusammenfanden und dieses Gerät
aufbauten, das ein Bild hervorbringt? Wie können Atome das zustande brin-
gen, was Tausende von Menschen nicht können?
Seit einem Jahrhundert haben Zehntausende von Ingenieuren Forschung
betrieben und sich in den bestausgerüsteten Laboratorien großer industrieller
Anlagen mit Hilfe modernster technologischer Mittel bemüht, und erzielten
eben nur dies.
Wenn ein Apparat, der ein primitiveres Bild erzeugt als das Auge sich
nicht durch Zufall gebildet haben konnte, konnte sich offensichtlich das Auge
samt dem Bild, das es wahrnimmt, um so weniger durch Zufall gebildet ha-
ben. Es bedarf eines wesentlich feiner detaillierten und weiseren Plans und
Designs als denen die dem Fernsehen zugrunde liegen. Das Urheberrecht des
Plans und Designs für eine optische Wahrnehmung von solcher Schärfe und
Klarheit gehört Gott, der Macht über alle Dinge hat.
Die gleiche Situation herrscht beim Ohr vor. Das äußere Ohr fängt die
vorhandenen Töne durch die Ohrmuschel auf und leitet sie zum Mittelohr
weiter. Das Mittelohr übermittelt die Tonschwingungen indem sie sie ver-
stärkt. Das Innenohr übersetzt diese Schwingungen in elektrische Impulse
und leitet sie zum Gehirn. Analog wie beim Auge vollzieht sich die Höraktion
im Hörzentrum des Gehirns.
Die gleiche Situation wie die des Auges trifft auch auf das Ohr zu, d.h.
das Gehirn ist gegen Ton genauso wie gegen Licht isoliert, es lässt keinen Ton
eindringen. Daher herrscht innerhalb des Gehirns absolute Stille, unabhängig
davon wie laut es Außen auch sein mag. Nichtsdestoweniger vernimmt man
die schärfsten Töne im Gehirn. Im Gehirn, das gegen jegliche Laute isoliert ist
hört man die Symphonien eines Orchesters und den Lärm einer belebten
Strasse. Falls die Lautstärke innerhalb des Gehirns jedoch zu dem entspre-
chenden Zeitpunkt mit einem hochempfindlichen Gerät gemessen würde,
würde sich zeigen, dass dort vollständige Stille vorherrschte.
Wie im Falle der Bildtechnik werden seit Jahrzehnten Anstrengungen
unternommen eine originalgetreue Qualität in der Tonwiedergabe zu erzeu-
gen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen sind Tonaufzeichnungsgeräte, Hi-Fi

228
HARUN YAHYA

Systeme und tonempfindliche Systeme. Trotz all dieser Technologie und der
Bemühungen von Tausenden von Ingenieuren und Fachleuten, die sich damit
beschäftigen ist bisher noch keine Tonwiedergabe gelungen, die die gleiche
Schärfe und Klarheit hätte wie die akustische Wahrnehmung des Ohrs. Man
wähle ein Hi-Fi System der höchsten Qualität, das vom größten Hersteller in
der Akustik-Industrie hergestellt wird – selbst in diesen Geräten geht ein Teil
der Tonqualität bei der Aufzeichnung verloren, und wenn das System ange-
schaltet wird ist immer ein leises Nebengeräusch vorhanden bevor die
Tonwiedergabe beginnt. Die akustische Wahrnehmung dagegen, die durch
die Technologie des menschlichen Körpers erzeugt wird, ist äußerst scharf
und klar. Ein gesundes menschliches Ohr vernimmt Töne niemals begleitet
von Rauschen oder atmosphärischen Nebengeräuschen wie ein Hi-Fi Gerät
sie hervorbringt; es nimmt den Ton genau so wahr wie er ist, scharf und deut-
lich. Dies ist immer so gewesen seit der Erschaffung des Menschen.
Bis heute ist keine von Menschen hergestellte visuelle oder audiotechni-
sche Apparatur so empfindlich und erfolgreich bei der Wahrnehmung senso-
rischer Daten, wie Auge und Ohr.
Doch was das Sehen und Hören angeht, so liegt dem noch eine viel grö-
ßere Wahrheit zu Grunde.
Wem gehört das Bewusstsein, das im Gehirn sieht und hört?
Wer sieht im Gehirn eine bezaubernde Welt, lauscht Symphonien und
dem Gezwitscher der Vögel, wer riecht den Duft einer Rose?
Die Stimulationen, die von Augen, Ohren und Nase eines Menschen
kommen, erreichen das Gehirn als elektrochemische Impulse. In der einschlä-
gigen biologischen Literatur finden Sie detaillierte Darstellungen, wie ein Bild
im Gehirn geformt wird. Doch Sie werden nie auf die wichtigste Tatsache sto-
ßen: Wer nimmt diese elektrochemischen Nervenimpulse als Bilder, Töne und
Gerüche im Gehirn wahr?
Es gibt ein Bewusstsein im Gehirn, dass dies alles wahrnimmt, ohne das
es eines Auges, eines Ohres und einer Nase bedarf. Wem dieses Bewusstsein
gehört? Natürlich nicht den Nerven, der Fettschicht und den Neuronen, aus
denen das Gehirn besteht. Deswegen können darwinistische Materialisten,
die glauben, alles bestehe aus Materie, diese Fragen nicht beantworten.
Denn dieses Bewusstsein ist der Geist, der von Gott geschaffen wurde,

229
ADNAN OKTAR

der weder das Auge braucht, um die Bilder zu betrachten, noch das Ohr, um
die Töne zu hören. Es braucht außerdem auch kein Gehirn, um zu denken.
Jeder, der diese ausdrückliche wissenschaftliche Tatsache liest, sollte
über den allmächtigen Gott nachdenken und bei Ihm Zuflucht suchen, denn
Er quetscht das gesamte Universum in einen stockdunklen Ort von der Größe
einiger weniger Kubikzentimeter, in eine dreidimensionale, farbige, schattige
und leuchtende Form.

Ein materialistischer Glaube


Die Informationen, die wir bisher präsentiert haben, zeigen uns, dass die
Evolutionstheorie mit wissenschaftlichen Befunden inkompatibel ist. Die
Behauptungen der Theorie über den Ursprung des Lebens widerspricht der
Wissenschaft, die angeblichen evolutionären Mechanismen haben keine evo-
lutive Kraft, und die Fossilien demonstrieren, dass die erforderlichen Über-
gangsformen nie existiert haben. Daraus folgt ganz sicher, dass die
Evolutionstheorie als unwissenschaftliche Idee beiseite geschoben werden
sollte. Schon viele Vorstellungen, wie die des Universums mit der Erde als
Mittelpunkt, sind im Verlauf der Geschichte revidiert worden.
Doch die Evolutionstheorie wird auf der Tagesordnung der Wissenschaft
gehalten. Manche Menschen stellen Kritik an ihr sogar als Angriff auf die
Wissenschaft dar. Warum?
Der Grund ist, dass die Theorie für bestimmte Kreise ein unverzichtbarer
dogmatischer Glaube ist. Diese Kreise sind der materialistischen Philosophie
blind ergeben und adoptieren den Darwinismus, weil er die einzige materiali-
stische Erklärung ist, die vorgestellt werden kann, um das Funktionieren der
Natur zu erklären.
Interessant genug ist, sie geben diese Tatsache von Zeit zu Zeit zu. Ein
wohlbekannter Genetiker und in der Wolle gefärbter Evolutionist, Richard C.
Lewontin von der Harvard Universität gesteht, er sei "zuallererst einmal
Materialist und dann Wissenschaftler":
"Es ist nicht etwa so, dass die Methoden und Institutionen der
Wissenschaft uns in irgendeiner Weise dazu zwingen, eine materielle
Erklärung für diese phänomenale Welt zu akzeptieren, sondern wir sind
gezwungen durch unser a priori Festhalten an materiellen Ursachen ei-
nen "Ermittlungsapparat" und eine Reihe von Konzepten zu schaffen,

230
HARUN YAHYA

die materielle Erklärungen produzieren, gleichgültig wie mystifizierend


dies sein mag und wie stark sich die Intuition des nicht Eingeweihten da-
gegen sträuben mag, und dadurch, dass Materialismus absolut ist, wir
können es uns also gar nicht erlauben, eine heilige Intervention zuzulas-
sen..."188
Das sind ausdrückliche Feststellungen, dass der Darwinismus ein
Dogma ist, dass nur zum Zweck des Festhaltens am Materialismus am Leben
gehalten wird. Das Dogma behauptet, es gebe kein Sein außer Materie.
Deswegen argumentiert es, unbelebte, unbewusste Materie erschuf das
Leben. Es besteht darauf, dass Millionen unterschiedlicher Lebewesen als
Ergebnis von Interaktionen zwischen Materie wie dem strömenden Regen
und Blitzeinschlägen und ähnlichem entstanden sein sollen. Das ist wider
Verstand und Wissenschaft. Doch die Darwinisten fahren fort, es zu verteidi-
gen, damit sie keine heilige Intervention zulassen müssen.
Jeder, der ohne materialistisches Vorurteil auf den Ursprung des Lebens
blickt, wird die offensichtliche Wahrheit erkennen:
Alles Leben ist das Werk eines Schöpfers, Der allmächtig, unendlich wei-
se und allwissend ist. Dieser Schöpfer ist Gott, Der das gesamte Universum
aus der Nichtexistenz geschaffen, es in perfekter Weise geordnet und alles
Leben in ihm gestaltet hat.

Die Evolutionstheorie, der Fluch der Welt


Jeder der frei ist von Vorurteilen und dem Einfluss irgendeiner Ideologie,
der seinen Verstand und seine Logik einsetzt, wird verstehen, dass der Glaube
an die Evolutionstheorie, die den Aberglauben von Gesellschaften ohne
Kenntnis von Zivilisation und Wissenschaft in Erinnerung ruft, ganz unmög-
lich ist.
Wer an die Evolutionstheorie glaubt, denkt, dass ein paar Atome und
Moleküle, die man in einem großen Bottich wirft, denkende, vernünftige
Professoren und Studenten, Wissenschaftler wie Einstein und Galilei,
Künstler wie Humphrey Bogart, Frank Sinatra und Pavarotti sowie Antilopen,
Zitronenbäume und Nelken hervorbringen können. Schlimmer noch, die
Wissenschaftler und Professoren, die an diesen Unsinn glauben, sind gebilde-
te Leute. Deshalb kann man mit Fug und Recht hier von der Evolutionstheorie
als dem größten Zauber der Geschichte sprechen. Nie zuvor hat irgendeine

231
ADNAN OKTAR

andere Idee den Menschen dermaßen die Fähigkeit der Vernunft geraubt, es
ihnen unmöglich gemacht, intelligent und logisch zu denken und die
Wahrheit vor ihnen verborgen, als habe man ihnen die Augen verbunden. Es
ist eine schlimmere und unglaublichere Blindheit als die der Ägypter, die den
Sonnengott Ra anbeteten, als die Totemanbetung in manchen Teilen Afrikas,
als die der Sabäer, die die Sonnen anbeteten, als die des Volkes Abrahams,
dass selbst gefertigte Götzen anbetete oder als die des Volkes des von Moses,
das das goldene Kalb anbetete.
Gott weist im Quran auf diesen Verlust an Vernunft hin. In mehreren
Versen bestätigt Er, dass der Verstand mancher Menschen verschlossen sein
wird und dass sie die Wahrheit nicht sehen können. Einige der Verse lauten:
Siehe, den Ungläubigen ist es gleich, ob du warnst oder nicht
warnst: sie glauben nicht. Versiegelt hat Gott ihre Herzen und
Ohren, und über ihren Augen liegt eine Hülle, und für sie ist
schwere Strafe bestimmt. (Sure al-Baqara, 6-7)

… Herzen haben sie, mit denen sie nicht verstehen. Augen haben
sie, mit denen sie nicht sehen. Und Ohren haben sie, mit denen sie
nicht hören. Sie sind wie das Vieh, ja verirren sich noch mehr. Sie
sind die Achtlosen. (Sure al-A'raf, 179)

Selbst wenn Wir ihnen ein Tor des Himmels öffnen würden, beim
Hinaufsteigen Würden sie doch sagen: "Unsere Blicke sind (nur)
berauscht! Ja, wir sind bestimmt verzauberte Leute!" (Sure al-
Hidschr, 14-15)
Worte können das Erstaunen kaum ausdrücken, dass einen überkommt,
wenn man sich klarmacht, wie dieser Zauber eine so große Gemeinschaft ver-
hext hat und dass dieser Zauber seit 150 Jahren ungebrochen ist. Es ist ver-
ständlich, dass einige wenige Menschen an diese unmöglichen Szenarien und
dummen, unlogischen Behauptungen glauben. Doch Magie ist die einzig
mögliche Erklärung, wenn Menschen auf der ganzen Welt glauben, dass leb-
lose Atome sich zusammengefunden und ein Universum haben entstehen las-
sen, dass nach einem fehlerlosen System aus Organisation, Disziplin, Vernunft
und Bewusstsein funktioniert, dass Atome den Planeten Erde mit allen seinen
Merkmalen, die so perfekt auf das Leben zugeschnitten sind und den

232
HARUN YAHYA

Lebewesen, die aus zahllosen komplexen anatomischen Strukturen bestehen,


aus sich selbst heraus bilden konnten.
Tatsächlich erwähnt Gott im Quran im Zusammenhang mit den
Vorfällen zwischen dem Propheten Moses und Pharao, dass Menschen, die
atheistische Philosophien vertreten, andere Menschen in der Tat durch Magie
beeinflussen. Als Pharao von der wahren Religion berichtet wurde, sagte er
Moses, dieser solle mit den Magiern des Landes zusammentreffen. Als Moses
dieser Aufforderung nachkam, forderte er sie auf, als erste ihre Fähigkeiten zu
demonstrieren. Der entsprechende Vers fährt an dieser Stelle fort.
Er sagte: "Werft!" Und als sie geworfen hatten, bezauberten sie die
Augen der Leute und jagten ihnen Angst ein und entfalteten einen
gewaltigen Zauber. (Sure al-A'raf, 116)
Pharaos Magier konnten jedermann täuschen, außer Moses und die, die
an ihn glaubten. Moses brach den Zauber, "verschlang ihren Trug", wie es der
Vers formuliert:
Und Wir gaben Moses ein: "Wirf deinen Stab!" Und da verschlang
er ihren Trug. So erwies sich die Wahrheit, und ihr Werk erwies
sich als nichtig. (Sure al-A'raf, 117-118)
Als klar wurde, dass die Magier, die zunächst die anderen verzaubert
hatten, nur eine Illusion erzeugt hatten, verloren sie jegliches Vertrauen. Auch
heute gilt: Auch diejenigen, die unter dem Einfluss eines ähnlichen Zaubers
an diese lächerlichen Behauptungen glauben und ihr Leben damit zubringen
diese zu verteidigen, werden gedemütigt werden, wenn die volle Wahrheit
ans Licht kommt und der Zauber gebrochen wird.
Malcolm Muggeridge, über 60 Jahre lang atheistischer Philosoph und
Vertreter der Evolutionstheorie, der – wenn auch spät – die Wahrheit erkann-
te, gab zu, dass er gerade durch diese Aussicht geängstigt wurde:
Ich selbst bin davon überzeugt, dass die Evolutionstheorie, besonders
das Ausmaß, in dem sie angewendet wird, als einer der größten Witze in die
Geschichtsbücher der Zukunft eingehen wird. Die Nachwelt wird sich wun-
dern, wie eine so schwache, dubiose Hypothese so unglaublich leichtgläubig
akzeptiert werden konnte.189

233
ADNAN OKTAR

Diese Zukunft ist nicht mehr weit entfernt: Die Menschen werden bald
sehen, dass der Zufall kein Gott ist, und sie werden zurück blicken auf die
Evolutionstheorie als die schlimmste Täuschung und den schrecklichsten
Fluch der Welt. Dieser Fluch wird bereits weltweit von den Schultern der
Menschen genommen. Viele, die das wahre Gesicht der Evolutionstheorie er-
kennen, wundern sich, wie sie jemals darauf hereinfallen konnten.

234
HARUN YAHYA

16- Lenni Brenner, Zionism in the Age of


ENDNOTEN Dictators, p. 34.
1- Michael Howard, The Occult 17- Ibid., p. 30.
Conspiracy: The Secret History of Mystics, 18- Ibid.
Templars, Masons and Occult Societies, 1st 19- Francis Nicosia, The Third Reich and
ed., London: Rider, 1989, p. 130. the Palestine Question, p. 22.
2- Herbert F. Ziegler, Nazi Germany's 20- Ibid., p. 17.
New Aristocracy: The SS Leadership 1925- 21- Ibid., p. 25.
1939, Princeton, New Jersey, University 22- Lenni Brenner, Zionism in the Age of
Press, 1989, p. 85. Dictators, p. 25.
3- James Joll, Europe Since 1870: An 23- Ibid., pp.48-49.
International History, Penguin Books, 24- Ibid., p.49.
Middlesex, 1990, pp. 102-103. 25- Ibid., p. 47.
4- Adolf Hitler, Mein Kampf (My 26- Ibid., p. 50.
Struggle), München: Verlag Franz Eher 27- Ibid., p. 51.
Nachfolger, 1993, pp. 44, 447-448. 28- Ibid., p. 52.
5- Henry Morris, The Long War Against 29- Ibid., p. 54.
God, 78; Francis Schaeffer, How Shall We 30- Ibid.
Then Live?, New Jersey, Revell Books, 31- Ibid., p. 58.
Old Tappan, 1976, p. 151. 32- New York Times, August 18,1934.
6- Daniel Gasman, The Scientific Origins 33- Lenni Brenner, Zionism in the Age of
of National Socialism: Social Darwinism in Dictators, p. 59.
Earnest Haeckel and the German Monist 34- Ibid., p. 60.
League, New York: American Elsevier 35- Ibid., p. 71.
Press, 1971, p. 168. 36- Ibid., p. 61.
7- Roger Garaudy, Siyonizm Dosyasi 37- Ibid.
(Zionism File), Istanbul, Pinar publis- 38- Hermann Rauschning, Hitler M'a
hings, 1983, p. 148. Dit: Confidences du Führer sur son Plande
8- Isaiah Friedman, "Theodor Herzl: Conquête du Monde, Paris, 1939, p. 124.
Political Activity and Achievements" 39 Lenni Brenner, Zionism in the Age of
Israel Studies, vol. 9, no. 3, fall 2004. Dictators.
9- Roger Garaudy, Siyonizm Dosyası, p. 40- Conor Cruise O'Brien, Die
118. Geschichte des Zionismus und des Staates
10- Ibid., pp. 119-120. Israel, Münich, 1991, p. 130.
11- Ibid., p. 121. 41- Wilhelmstrasse'nin Gizli Arsivleri
12- Lenni Brenner, Zionism in the Age of (Wilhelmstrasse's Secret Archives), vol. II,
Dictators: A Reappraisal, Chicago, 1983, Paris, 1954, p. 3.
p. 25. 42- Edward Tivnan, The Lobby: Jewish
13- Ibid. Political Power in US Foreign Policy, New
14- Francis Nicosia, The Third Reich and York, 1987, p. 22.
the Palestine Question, Austin: 43- Edwin Black, The Transfer
University of Texas Press, 1985, p. 18. Agreement, London, 1984, p. 382.
15- Ibid., p. 20. 44- Ibid.

235
ADNAN OKTAR

45- Lenni Brenner, Zionism in the Age of http://www.sevivon.com/holokost/g


Dictators. enelbakis/article7.htm
46- Ibid., 86. 74- "Holokost: Getolar",
47- Ibid., 87. http://www.sevivon.com/holokost/g
48- Ibid., 84. enelbakis/article17.htm
49- Ibid. 75- "Holokost: Trenler",
50- Ibid., 85. http://www.sevivon.com/holokost/g
51- Ibid., 94. enelbakis/article21.htm
52- Ibid., 98. 76- Ibid.
53- Ibid., 102. 77- Ibid.
54- Francis Nicosia, The Third Reich and 78- "Holokost: Calı?ma Kampları",
the Palestine Question, pp. 219-220 and http://www.sevivon.com/holokost/g
160-164. enel_bakis/article24.htm
55- Lenni Brenner, Zionism in the Age of 79- Lucy S. Dawidowicz, What is the Use
Dictators, p. 149. of Jewish History?, pp. 106-107.
56- Ralph Schoenman, The Hidden 80- "Holokost: Nazilerin Yahudiler
History of Zionism, San Francisco, 1988, Hakkındaki Planları",
p. 34. http://www.sevivon.com/holokost/g
57- Faris Yahya, Zionist Relations with enelbakis/article15.htm
Nazi Germany, pp. 59-60. 81- "Holokost: Çalı?ma Kampları",
58- R. Patai, Encyclopedia of Zionism and http://www.sevivon.com/holokost/g
Israel, 1971, pp. 597-599. enel_bakis.htm
59- Lenni Brenner, Zionism in the Age of 82- Lenni Brenner, Zionism in the Age of
Dictators, p. 125. Dictators, p. 233.
60- Ibid., p. 170. 83- Ibid., p. 234.
61- Ibid., p. 184. 84- Ibid., p. 237.
62- Ibid., p. 184. 85- Ibid., p. 242.
63- Ibid., p. 189. 86- "Yahudi soykırımı din haline geti-
64- Ibid., p. 190. rildi," Milliyet Newspaper, October 31,
65- Ibid., p. 195. 2000.
66- Ibid. 87- Norman G. Finkelstein, The
67- Ibid., p. 267. Holocaust Industry, Verso Press, New
68- Nathan Yalin-Mor, Israel-Israel, York, 2000, p. 126.
Histoire du Groupe Stern 1940-1948, 88- Henry Friedlander, The Origins of
Paris: Presse de la Renaissance, 1978, p. Nazi Genocide: From Euthanasia to the
98. Final Solution.
69- Hannah Arendt, Eichmann in 89 Ernst Haeckel, The Wonders of Life,
Jerusalem: A Report on the Banality of Evil, New York, Harper, 1904, p. 21.
New York, 1963, p. 5. 90- Ibid., pp. 118-119.
70- Ibid., p. 36. 91- Forgotten Crimes: The Holocaust
71- Ibid., p. 37. and People with Disabilities, A Report
72- Ibid. by Disability Rights Advocates,
73- "Holokost: Bilimsel Yahudi Nefreti", Oakland, California, September 2001,

236
HARUN YAHYA

p. 3. 109- Roger Garaudy, Siyonizm Dosyası,


92- Biesold, Crying Hands: Eugenics p. 166.
and Deaf People in Nazi Germany, 110- Alfred M. Lilienthal, What Price
Washington, D.C., 1999, p. 147. Israel?, 50th Anniversary Edition 1953-
93- Forgotten Crimes:The Holocaust 2003, pp. 148-49.
and People with Disabilities, A Report 111- Turkkaya Ataov, Siyonizm ve Irkcilik
by Disability Rights Advocates, p. 3. (Zionism and Racism), Ankara, 1985, p.
94- Hugh Gregory Gallagher, By Trust 54.
Betrayed: Patients, Physicians, and the 112- Alfred M. Lilienthal, What Price
License to Kill in the Third Reich Israel?, p. 150.
Arlington, Virg., 1995, p. 13. 113- Copy in Publications File, Records
95- Forgotten Crimes:the Holocaust of the Document Library Branch, Office
and People with Disabilities, A Report of the Assistant Chief of Staff, G-2,
by Disability Rights Advocates, p. 14. Record Group 319, National Archives,
96- Ibid., pp. 1-2, 37-38. Secret Weekly Intelligence Report 112
97- Ibid., p. 41. from the Office of the Director of
98- Myriam Novitch, "Gypsy Victims of Intelligence, OMGUS, Dated July 3,
the Nazi Terror," UNESCO Courier, 1948.
October 1984. 114- Stephen Green, Taking Sides:
99- Ibid. America's Secret Relations with a Militant
100- Ian Hancock, "Downplaying the Israel, New York, 1984, p.50.
Porrajmos: The Trend to Minimize the 115- Copy in Publications File, Records
Romani Holocaust," The Patrin Web of the Document Library Branch, Office
Journal, 2000. of the Assistant Chief of Staff, G-2,
101- Ward Churchill, Assaults on Truth Record Group 319, National Archives,
and Memory, Part II, 1997, ZNet. Secret Weekly Intelligence Report 112
102- Terese Pencak Schwartz, "How from the Office of the Director of
Could 5.000.000 Be Killed and Intelligence, OMGUS, Dated July 3,
Forgotten?," based on The Forgotten 1948.
Holocaust by Dr. Richard C. Lukas. 116- Ibid.
1 0 3 - 117- Turkkaya Ataov, Siyonizm ve
http://www.holocaustforgotten.com/ Irkcilik, p. 55.
Lucaire.htm 118- Ibid.
104- "Who Were the Five Million Non- 119- Ibid., p. 56.
Jewish Victims?;" 120- Amos Perlmutter, Israel: The
http://www.holocaustforgotten.com/ Partitioned State: A Political History since
fivmil.htm 1990, New York, 1985, p. 113.
105- Ward Churchill, Assaults on Truth 121- Turkkaya Ataov, Siyonizm ve
and Memory, Part II, 1997, Znet. Irkcilik, pp. 56-57.
106- The National Jewish Post and 122- Dan Raviv & Yossi Melman, Every
Opinion, October 6, 1959. Spy a Prince: The Complete Story of
107- New York Times, July 24, 1958. Israel's Intelligence Community, Boston,
108- New York Times, December 13,1951. 1991, pp. 38-39.

237
ADNAN OKTAR

123- Turkkaya Ataov, Siyonizm ve p. 37.


Irkcilik, p. 55. 146- Benjamin Beit-Hallahmi, The Israeli
124- Ibid., p. 57. Connection: Whom Israel Arms and Why,
125- Jerusalem Post, July 21, 1964. New York, 1987, p. 121.
126- Dan Raviv & Yossi Melman, Every 147- Ibid., p. 161.
Spy a Prince, p. 36. 148- Ibid.
127- New American View, August 1, 149- Ibid.
1993. 150- Ibid., p. 76.
128- Dan Raviv & Yossi Melman, Every 151- Ibid., p. 81.
Spy a Prince, p. 38. 152- Ibid., p. 82.
129- Nokta Magazine, June 16, 1991. 153- Andrew and Leslie Cockburn,
130- Hurriyet Daily, January 10, 1985. Dangerous Liaison: The Inside Story of the
131- Gundem Magazine, October 10, US-Israeli Covert Relationship, p. 218.
1992. 154- Noam Chomsky, Kader Ucgeni:
132- Shalom, September 6, 1989. ABD, Israil ve Filistinliler (Destiny
133- El-Mecelle, January 22, 1994. Triangle: USA, Israel and Palestinians),
134- "Will the Ethiopian Jews Celebrate Istanbul, 1993, p. 559.
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