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Aktualität Prinzip der Verantwortung

7 Linien der Aktualität und Relevanz der Jonas´schen Grundlagenreflexion

Da die Verhältnisse von Mensch, Natur und Wissenschaft immer mehr in den Vordergrund
rücken sollen die 7 Linien der Aktualität zeigen, wie wichtig Jonas Themen noch heutzutage
sind

1. Aktualität: Ambivalenz von Wissenschaft und Technik


Hier geht es vor allem um die industrielle Revolution und den Gefahren die sie verbergen
ganz besonders in Bezug auf „engineering biology“. Denn oft wird wissenschaftlich-
technischer Fortschritt auch mit gesellschaftlich-humanem Fortschritt gleichgesetzt, so
wie es im Projekt von Francis Bacon in seinem Bacon Programm auch dargestellt wird,
Jonas diskutiert die Entwicklung der vormodernen Technik, die noch Instrument und
Mittel war und nun in die Hochmoderne immer mehr Einfluss nimmt und die Natur stetig
verletzt. Die freie Natur wird durch die Stadt verschlungen.

2. Aktualität: Relevanz von Metaphysiken


Das Neuland von Hochtechnologie das wir betreten haben beschreibt Jonas als
„Niemandsland“ für die Ethik bzw als „ethisches Vakuum“.
Herkömmliche Ethiken seien nach Jonas erweiterungsbedürftig und schwach, da sie
weder Natur noch Zukunft berücksichtigen. So begründet er die Krise im Metaphysischen
und fordert eine neue Art der Metaphysik um die ökologische Krise zu bewältigen und
die Probleme der Zukunft zu reduzieren.

3. Aktualität: Verflochtenheit von Sein und Sollen


Hier geht es bei Jonas um die Kritik an die Naturwissenschaften wie sie ihre Naturobjekte
definiert. Die Welt wird als wertneutrales mechanisches Getriebe angesehen. Für Jonas
liegt in jeder naturwissenschaftlichen Lehre, metaphysische Hintergrundüberzeugungen
zugrunde und damit auch metaphysische Konsequenzen wodurch man eine Ethik
ableiten kann, denn sonst bräuchte man sich auch keine Sorgen über das kommende
Jahrtausend machen. Als zweites kritisiert Jonas, dass es in der philosophischen Ethik
keinen Übergang vom Sein zum Sollen gibt. Nach Jonas gibt es eine Brücke ziwhscne dem
Sein und Sollen. Er bringt das Beispiel eines Säuglings was er als „Urgegenstand der
Verantwortung“ beschreibt. Das Sein des hilflosen Säuglings richtet ein Sollen an seine
Umwelt. Nämlich sich um ihn zu kümmern. Hier kommt wieder die metaphysische
Definition in Frage, ob man den Säugling als zusammengewürfelte Zellen sieht oder als
lebendigen Organismus und ihm somit mit Würde und Respekt anerkennt.
Zusammengefasst geht’s hier um die Kritik des Naturverständnisses und ihrer
Wertneutralisierung die eine ethische Bezugnahme erschwert.
4. Aktualität Orientierung durch ein teleologisches Naturverständnis
Im dritten Punkt geht Jonas auf das Naturverständnis ein und die Handlungspraxis die
sich daraus resultiert.
Er beschreibt den Menschen als widersprüchsliches Wesen, das von Freiheit und
Notwendigkeit und Autonomie und Abhängigkeit geprägt ist. Und beschreibt den Sinn
und Zweck von lebenden Organismen mit den Worten: „Organismen haben ein Interesse
weiterzuleben, sie tragen eine Selbstbejahungstendenz in sich“. Ein Embryo besitzt ein
Recht auf Entwicklung zum vollständigen Menschen. Darauf baut seine ganze
Argumentation bzw. , da er seine komplette Ethik darauf bezieht. Indem die Natur
Zwecke unterhält bzw. Ziele hat, sie dadurch auch einen Wert habe.

5. Aktualität: Vorverlagerung der Ethik


In diesem Punkt geht es um die Vorverlagerung der Ethik. Dieser Punkt scheint heute
aktueller denn je zu sein, wenn man an die Technikfolgeprobleme denkt. Denn die
üblichen Probleme der fortschreitenden Technologie setzt methodisch zu spät ein,
nämlich erst dann wenn die wissenschaftlich-technische Entwicklungen schon
fortgeschritten und kaum Gestaltungsmöglichkeiten mehr offen sind. Jonas wirbt für
eine verstärkte ethische Urteilsbildung in den frühen Phasen von Wissenschaften. Jonas
erinnert an Tugenden der Wachsamkeit und Sensibilität. Eine wirksame Ethik ist stets mit
den Gefühlen verbunden. Jonas sagt: „solange die Gefahr unbekannt ist, weiß man
nicht,was es zu schützen gibt und warum.“

6. Aktualität: Operationalisierung für die Praxis


Ethik beansprucht, für etwas gut zu sein und muss sich in der Praxis bewähren.
Wie wir wissen ist Verantwortung ist für Jonas der zentrale Begriff seiner Ethik. Diese
kann nur vorliegen wenn asymmetrische Machtverhältnisse vorliegen: das heißt z.B. dass
der heutige Mensch über Macht gegenüber dem zukünftigen Menschen verfügt, nicht
aber umgekehrt. „Die Pflicht des einen ist das Recht des anderen.“ Seiner Meinung nach
müsse Ethik das Zukünftige, das „Noch-Nicht-Seiende“ mit umfassen.
Jonas fasst seinen Standpunkt in einem neuen Imperativ zusammen: „Hanlde so, dass die
Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen
Lebens auf Erden“ bzw. nicht zerstörerisch für künftiges Leben sind“ Hieraus erkennt
man einerseits das Überleben des Menschen als Gattung und das humae Leben im sozial-
kulturellem Kontext. Anders als bei Kant fügt Jonas das zukünftige Leben mit hinzu.

7. Aktualität: Offenlegung des Kerns avancierter Technik


Hier ist die Rede von nachmoderner und organischer Technik wie z.B. synthetischer
Biologie, Nanotechnologie oder Robotik.
In diesem Aspekt unterscheidet Jonas zwischen „Ingenierkunst“ und „organischer“ bzw.
„biologischer“ Technologie. Bei „totem Stoff“ so Jonas über die bisherige Technik „ist der
Hersteller der allein Handelnde gegenüber dem passiven Material. Bei Organismen trifft
Tätigkeit auf Tätigkeit. Hier hat man mit aktivem Material zu tun. Jonas hat
Charakteristika der „Neuartigkeit“ dieser Technik zusammengestellt: „Selbsttätigkeit“,
mangelnde Vorhersehbarkeit“, „unumkehrbarkeit und „Kontrollprobem“
„Herstellen“ heißt hier Entlassen in die Strömung des Werdens, worin auch der
Hersteller treibt.“