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Quarks & Co | Auf der Suche nach der Intelligenz | Sendung vom 29.07.2003 (Wh.)

| Sendung vom 29.07.2003 (Wh.) http://www.quarks.de Quarks & Co „Auf der Suche nach der Intelligenz“

Quarks & Co „Auf der Suche nach der Intelligenz“

Quarks & Co „Auf der Suche nach der Intelligenz“ Autoren: Daniel Münter Heinz Greuling Redaktion: Thomas

Autoren:

Daniel Münter

Heinz Greuling

Redaktion:

Thomas Hallet

War Albert Einstein klug, begabt oder intelligent? Er galt als Spätentwickler und war angeblich ein schlechter Schüler. Von sich selbst sagte er: „Meine Hauptschwäche war ein schlechtes Gedächnis für Worte und Texte“. Dafür wurde er später ein „Genie“ in Mathematik und Physik und entwickelte die Relativitätstheorie. Aber woher hatte Einstein seine Begabung? Was ist überhaupt Intelligenz? Wie entsteht sie? Woran wird sie festgemacht, und wie kann sie gemessen werden? Welchen Einfluss haben Vererbung und Umwelt? Sind intelligente Menschen automatisch gute Schüler und erfolgreich im Beruf? Diesen und anderen Fragen geht „Quarks & Co“ nach auf der Suche nach der menschlichen Intelligenz.

„Quarks & Co“ nimmt IQ-Tests unter die Lupe, erklärt, wie sie ablaufen, welche typi- schen Aufgaben erfüllt werden müssen und was mit diesen Tests nicht gemessen wer- den kann: zum Beispiel künstlerische Kreativität, musische und sportliche Fähigkeiten oder emotionale Intelligenz. Welcher Missbrauch mit IQ-Tests betrieben werden kann, zeigt ein Blick in die Geschichte. Aber auch heute halten sich hartnäckig Vorurteile, dass die Hautfarbe oder die soziale Schicht Einfluss auf die Intelligenz habe. „Quarks & Co“ will diese Thesen kritisch beleuchten.

Vorwort

Quarks & Co | Auf der Suche nach der Intelligenz | Sendung vom 29.07.2003 (Wh.)

| Sendung vom 29.07.2003 (Wh.) http://www.quarks.de Ist Intelligenz messbar? Was ist Intelligenz? Es gibt da

Ist Intelligenz messbar?

Was ist Intelligenz?

Es gibt da etwas, das ist bei uns Menschen anscheinend besonders ausgeprägt. Es hat etwas mit Bewusstsein, Verstehen, Planen und Problemlösen zu tun – es ist schwierig zu fassen. Trotz intensiver Forschung in den vergangenen hundert Jahren, hat sich die Wissenschaft bis heute nicht auf eine einheitliche Definition der menschlichen Intelligenz einigen können.

Der Generalfaktor

Ein Teil der Psychologen ist der Meinung, dass unsere Intelligenz durch einen einzigen Faktor, eine einzige Zahl gut beschrieben werden kann. Für sie gibt es eine einzige Grundfähigkeit – wer viel davon besitzt, schneidet in allen Intelligenzbereichen gut ab. Gemeint sind dabei stets die Eigenschaften, die in IQ-Tests gemessen werden:

räumliches Vorstellungsvermögen, verbaler Ausdruck, abstraktes Denkvermögen. Der Generalfaktor ist im Wesentlichen mit dem IQ identisch, wie er seit den ersten Intelligenztests ermittelt wird.

Viele Fähigkeiten

Andere Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass unsere Intelligenz eine Eigen- schaft mit vielen Facetten ist, die mehr oder weniger stark miteinander zusammen- hängen. Auch in dieser Theorie ist wieder nur von den „klassischen“ Intelligenz- komponenten die Rede: von verbalem Verständnis, Leichtigkeit der Wortfindung, schlussfolgerndem Denken, räumlichem Vorstellungsvermögen, Gedächtnis, Zahlen- verständnis und Auffassungsgeschwindigkeit. Nach diesem pluralistischen Konzept ist ein Mensch also nicht pauschal „intelligent“ oder „unintelligent“ – jeder hat in den verschiedenen Bereichen Stärken und Schwächen. Es ist übrigens nicht zufällig, dass in beiden klassischen Intelligenzkonzepten ähnliche Fähigkeiten als Komponenten der Intelligenz definiert werden. Der Hauptgrund dafür ist, dass genau diese Fähigkeiten mit relativ einfachen Tests gemessen werden können. Kritiker spotten deshalb gerne: „Intelligenz ist das, was Intelligenztests messen.“

Andere Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen oder kluger Umgang mit anderen Menschen sind viel schwerer in einem standardisierten Verfahren erfassbar. Trotzdem fordern viele Intelligenzforscher, dass die emotionale und die soziale Intelligenz in die Tests integriert werden sollten.

Multiple Intelligenzen

Eine der modernsten und wohl auch radikalsten Positionen vertritt der amerikanische Psychologe Howard Gardner. In seiner Theorie der „Multiplen Intelligenzen“ hat er insgesamt acht menschliche Intelligenzen definiert und dabei auch so „exotische“ Eigenschaften wie Bewegungsintelligenz und die Fähigkeit zum Erkennen und Klassifizieren natürlicher Objekte mit einbezogen (naturalistische Intelligenz). Gardner behauptet außerdem, dass einige dieser Intelligenzen prinzipiell nicht der Messung zugänglich seien.

Gardner behauptet außerdem, dass einige dieser Intelligenzen prinzipiell nicht der Messung zugänglich seien. Seite 1

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Auch dieser neue Versuch, die menschliche Intelligenz in einer Definition zu fassen zu bekommen ist sicherlich nicht die letzte. Aber auch wenn wir keine exakte, naturwis- senschaftliche Beschreibung unserer intellektuellen Fähigkeiten finden, bleibt noch genug Raum, über sie zu staunen: Jeder Mensch ist ein komplexes Wesen und in sei- nen Möglichkeiten zu verstehen, planen und zu kommunizieren einmalig.

komplexes Wesen und in sei- nen Möglichkeiten zu verstehen, planen und zu kommunizieren einmalig. Daniel Münter

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Wie funktioniert ein Intelligenztest?

Wie funktioniert eigentlich ein Intelligenztest? Diese Frage lässt sich nicht so ohne weiteres beantworten, denn in Deutschland sind rund 80 verschiedene Intelligenz- tests auf dem Markt. Sie unterscheiden sich zum Teil erheblich in Aufgabentypen, Zeitaufwand und Auswertung – je nachdem, welcher Intelligenzdefinition die Test- autoren folgen und für welchen Zweck der Test konzipiert ist.

In unserer Sendung haben wir einige Beispielaufgaben gezeigt, die uns von den Machern des Berliner Intelligenzstruktur Tests (BIS) zu Verfügung gestellt worden sind. Der BIS ist zwar eine relative Neuentwicklung, anhand seiner klaren Struktur las- sen sich aber gut die Eigenschaften darstellen, denen die Intelligenzforscher mit ihren Tests auf der Spur sind.

Der BIS unterscheidet zwischen vier operativen Fähigkeiten:

Der BIS unterscheidet zwischen vier operativen Fähigkeiten: Welche Zahl entspricht welchem Buchstaben? (Die Auflösungen

Welche Zahl entspricht welchem Buchstaben? (Die Auflösungen finden Sie auf Seite 10)

1. Verarbeitungskapazität

Dies ist die Fähigkeit komplexe Informationen bei Aufgaben zu verarbeiten, die nicht

auf Anhieb zu lösen sind. („Knobelaufgaben“)

2. Einfallsreichtum

Hier ist die möglichst flexible Ideenproduktion gefragt, der Reichtum an Vorstellungen und die Fähigkeit ein Problem von vielen verschiedenen Seiten zu sehen. Es geht dabei nicht um freies Fantasieren, sondern um möglichst vielfältige Problemlösungen.

Beispiel: Zu einem bestimmten Gefühl (z. B. „Hunger“) müssen möglichst viele Äuße- rungen gefunden werden (z. B. „Mir ist ganz schlecht vor Hunger“, „Mein Magen“, „Wann gibt es endlich Essen?“).

3. Merkfähigkeit

Wichtig ist hier das aktive Einprägen und kurzfristige Wiedererkennen von Informa- tionen.

und kurzfristige Wiedererkennen von Informa- tionen. Finden Sie möglichst viele vier- buchstabige Hauptwörter

Finden Sie möglichst viele vier- buchstabige Hauptwörter inner- halb von 20 Sekunden

4. Bearbeitungsgeschwindigkeit

Bei diesen Aufgaben geht es um Arbeitstempo, Auffassungsgabe und Konzentrations-

kraft beim Lösen einfacher Aufgaben.

Zu jeder dieser vier Fähigkeitsbereiche hält der BIS-Test jeweils Aufgaben aus drei inhaltlichen Typen bereit:

Aufgaben mit Wörtern, mit Zahlen und mit grafischen Elementen. Jeder Mensch hat nämlich neben seinem Stärken und Schwächen in den operativen Fähigkeiten

(Kapazität, Merkfähigkeit,

Zahlen, Wörtern oder Bildern.

) auch unterschiedliche Fähigkeiten beim Arbeiten mit

Leider können wir hier keinen vollständigen Intelligenztest wiedergeben. Solche IQ- Test sind psychometrische Messinstrumente, die von der Wissenschaft sorgfältig

wiedergeben. Solche IQ- Test sind psychometrische Messinstrumente, die von der Wissenschaft sorgfältig Seite 3

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gehütet werden, um deren Gültigkeit nicht zu gefährden. Zum Ausprobieren und Knobeln haben wir aber einen Quarks & Co Intelligenz-Parcours für Sie im Internetzusammengestellt. (URL: www.quarks.de/intelligenz/07.htm)

Intelligenz-Parcours für Sie im Internetzusammengestellt. (URL: www.quarks.de/intelligenz/07.htm) Daniel Münter Seite 4

Daniel Münter

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Was ist der IQ?

Seit über hundert Jahren suchen Psychologen nach einer umfassenden und vor allem nachprüfbaren also messbaren Definition der Intelligenz und der Intelligenzunter- schiede zwischen verschiedenen Menschen. Der erste Schritt in diese Richtung wurde mit der Einführung von Intelligenztests gemacht.

wurde mit der Einführung von Intelligenztests gemacht. Alfred Binet, Autor des ersten In- telligenztests Aus der

Alfred Binet, Autor des ersten In- telligenztests

gemacht. Alfred Binet, Autor des ersten In- telligenztests Aus der modernen Version des Binet-Test: was stimmt

Aus der modernen Version des Binet-Test: was stimmt hier nicht?

der modernen Version des Binet-Test: was stimmt hier nicht? Definition des IQ: 100 ist der Mittelwert

Definition des IQ: 100 ist der Mittelwert der Test- ergebnisse

Der erste Intelligenztest

Der erste Test wurde vom Psychologieprofessor Alfred Binet konstruiert. Das franzö- sische Erziehungsministerium hatte Binet beauftragt ein Verfahren zu entwickeln, um mögliche Lernbehinderungen bei Kindern objektiv zu erkennen. Der Test, der 1905 er- schien, folgte einem einfachen Prinzip.

Den Kindern wurden zum Beispiel Bilder gezeigt, auf denen sie Sinnwidrigkeiten erkennen sollten. In anderen Aufgaben mussten die Kinder Sätze ergänzen oder nachsprechen. Binet verglich die Leistung des untersuchten Kindes dann mit der durchschnittlichen Leistung von anderen desselben Alters und beurteilte so, ob das Kind seinem Alter entsprechend entwickelt war. Binet sprach von einem so genannten Intelligenzalter, dass je nach geistiger Entwicklung über oder unterhalb des Lebensalters konnte.

Der Begriff Intelligenzquotient wurde durch den deutschen Psychologen Willhelm Stern geprägt, der unabhängig von Binet an einer Testsammlung arbeitete. Um die Entwicklungsverzögerungen in verschiedenen Altersgruppen besser vergleichen zu können, definierte er den Intelligenzquotienten (IQ) als Intelligenzalter geteilt durch Lebensalter mal 100: Ein durchschnittlich entwickeltes Kind bekam also einen IQ von 100, ein Achtjähriger, der wie ein Neunjähriger entwickelt war, den IQ 113.

Die moderne IQ-Definition

Der IQ wird heute auf andere Art definiert als noch vor hundert Jahren. Wenn ein neuer Intelligenztest entwickelt worden ist, dann muss er zunächst normiert werden. Dazu führen die Psychologen den Test mit einer repräsentativen Gruppe aus der Bevöl- kerung durch. Die Ergebnisse ähneln immer mehr oder weniger gut einer so genann- ten Gaußkurve. Die Experten bezeichnen die Testergebnisse als „normalverteilt“.

Dann ermitteln die Psychologen, wie viele Testaufgaben durchschnittlich gelöst wur- den. Diesen Mittelwert definieren sie dann als IQ mit dem Wert 100. Der nächste Fix- punkt ist die Testpunktzahl, bei der genau 34,1 Prozent der Getesteten über dem Mittelwert liegen. Wer genau so viele Aufgaben löst, bekommt den IQ von 115 zuge- ordnet. Oder auch von 110, denn leider sind verschiedene Skalen in Gebrauch. Wenn Ihnen also jemand seinen IQ sagt, können Sie gleich zurückfragen, nach welchem Test und mit welcher Skala.

Ist der Test so normiert worden, kann bei jeder neuen Messung der jeweils Getestete mit seinem Ergebnis in diese Skala eingeordnet werden. Der IQ ist also kein absolutes

der jeweils Getestete mit seinem Ergebnis in diese Skala eingeordnet werden. Der IQ ist also kein

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Maß für die Intelligenz, sondern gibt nur an, wo Sie mit ihren Testwerten im Vergleich zum Mittelwert der Bevölkerung stehen. Aussagekräftig ist der IQ auch nur, wenn der Test genau unter den Bedingungen durchgeführt worden ist, unter denen er normiert wurde. Wenn sie also demnächst in Ihrer Lieblingsillustrierten, einer Fernsehsendung oder einem Testbuch einen so genannten Intelligenztest machen, für den am Ende auch ein IQ angegeben wird, dann ist diese Angabe etwa so zuverlässig wie die Schätzung durch ihren Nachbarn.

Wo werden Intelligenztests eingesetzt?

Wie schwierig es ist, sich auf eine Definition von Intelligenz zu einigen und auf eine Art sie zu testen, zeigt die große Zahl an Intelligenztest: Über 80 Tests allein in Deutsch- land. Intelligenztests werden auch heute noch für den Zweck eingesetzt, für den Binet seinen ersten Test konzipierte. Schulpsychologen versuchen mit ihrer Hilfe, Lernstö- rungen aufzuspüren oder auch Hochbegabte zu identifizieren. Andere Anwendungs- bereiche sind die Diagnose von Hirnschäden nach Unfällen oder Schlaganfällen und die Untersuchung von Straftätern für psychologische Gutachten.

Viele Intelligenztestaufgaben werden auch in zahllosen Eignungs- und Einstellungs- tests verwendet. Ein Beispiel von vielen war der Zulassungstest zum Medizinstudium, der neben naturwissenschaftlichem Wissen auch klassische IQ-Testaufgaben beinhal- tete. Besonders exzessiv wird mit solchen Tests in den USA umgegangen. Schon im ersten Weltkrieg entwickelten die Amerikaner den Binet-Test weiter und testeten hun- derttausende von Rekruten auf ihre intellektuellen Fähigkeiten. Der Eingangstest, den alle Studienanfänger in den USA ablegen müssen, der SAT (Scholastic Assesment Test), ist im wesentlichen ein Intelligenztest, auch wenn er nicht so heißt.

(Scholastic Assesment Test), ist im wesentlichen ein Intelligenztest, auch wenn er nicht so heißt. Daniel Münter

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Was sagt der IQ aus?

Mancher kennt seinen, die meisten hätten gerne einen hohen, aber was sagt der Intelligenzquotient denn eigentlich über uns aus? Welche Vorhersagen erlaubt er und welche Fähigkeiten erfasst er nicht?

erlaubt er und welche Fähigkeiten erfasst er nicht? Gute Schüler haben häufig einen hohen IQ Was

Gute Schüler haben häufig einen hohen IQ

Was leistet ein Intelligenztest?

Der IQ ist erst einmal nur ein Maß für die Intelligenztestunterschiede, wie in „Was ist der IQ?“ beschrieben. Er steht eigentlich nur als Abkürzung für eine Prozentzahl, näm- lich den statistischen Anteil der Bevölkerung, der weniger Testaufgaben gelöst hat (für einen IQ von 115 heißt, dass rund 84 Prozent der Bevölkerung in diesem Test schlech- ter abschneiden würden).

Dass diese Tests aber wirklich etwas mit individuellen Fähigkeiten zu tun haben, ist daran zu erkennen, dass verschiedene IQ-Tests für dieselbe Person recht ähnliche Ergebnisse ergeben. Welche Fähigkeiten sind das? Die Bereiche, mit denen der IQ am stärksten zusammenhängt, sind die schulischen und akademischen Leistungen. Daraus folgt, dass viele Angehörige von akademischen, prestigeträchtigen (und gut bezahlten) Berufen eher einen überdurchschnittlichen IQ haben. Nicht zuletzt deshalb genießt ein hoher IQ eine große gesellschaftliche Wertschätzung.

Manche Psychologen gehen aber noch einen Schritt weiter: Sie sehen im IQ einen so genannten Generalfaktor, der das ganze Leben beeinflusst – vom sozialen Status bis hin zur Wahrscheinlichkeit straffällig oder arbeitslos zu werden. Diese Position ist allerdings heftig umstritten.

Grenzen der Intelligenzmessung

Selbst dort wo die Intelligenz, so wie sie ein IQ-Test misst, eine größere Rolle spielt, gibt es keine Automatismen. So wie ein Schüler mit einem hohen IQ sitzen bleiben kann, kann ein Schüler mit einem durchschnittlichen IQ beste Noten erhalten. Genau genommen erlaubt der IQ keine individuellen Vorhersagen, sondern nur die Aussage:

„Im Mittel schneiden Schüler mit einem hohen IQ auch besser in der Schule ab“. Viele andere Faktoren sind aber mindestens ebenso wichtig: zum Beispiel Motivation, Beharrlichkeit, Aufgeschlossenheit oder Teamfähigkeit des Schülers. Deshalb werden in Deutschland auch keine IQ-Tests verwendet, um über die Wahl der Schulform zu entscheiden.

Noch problematischer wird es, wenn man Vorhersagen über Bereiche treffen will, die jenseits von Schule und Studium liegen. Für einige Berufe gibt es zwar einen Zusammenhang mit dem IQ, aber nicht für den Erfolg in diesem Beruf. Ein Physiker zum Beispiel hat mit guter Wahrscheinlichkeit einen überdurchschnittlichen IQ (d. h. über 100). Den Physiknobelpreis oder andere Auszeichnungen und Erfolge erringt aber nicht automatisch derjenige mit dem höchsten IQ. Auch hier spielen andere Faktoren eine viel wichtigere Rolle.

nicht automatisch derjenige mit dem höchsten IQ. Auch hier spielen andere Faktoren eine viel wichtigere Rolle.

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Für andere Berufe hat ein Intelligenztest schlicht keine Aussagekraft. Der IQ kennt die handwerkliche Geschicklichkeit einer Schreinerin genauso wenig wie die soziale Wärme und das Einfühlungsvermögen eines Altenpflegers.

Schreinerin genauso wenig wie die soziale Wärme und das Einfühlungsvermögen eines Altenpflegers. Daniel Münter Seite 8

Daniel Münter

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Intelligenzmessung in der Kritik

Im Laufe ihrer Geschichte sind die Ergebnisse der Intelligenzforschung immer wieder missbraucht und instrumentalisiert worden. Besonders problematisch ist es, wenn Tests, die für ein Land oder eine Kultur konzipiert sind, unverändert auf eine andere übertragen werden.

sind, unverändert auf eine andere übertragen werden. Sehr leichte Aufgabe aus dem kul- turfairen Raven-Test

Sehr leichte Aufgabe aus dem kul- turfairen Raven-Test (Lösung auf Seite xx)

Abhängigkeit von der Kultur

Bei den Intelligenzforschern besteht Einigkeit, dass es praktisch unmöglich ist, einen Intelligenztest zu konzipieren, der ausschließlich Fähigkeiten und nicht auch Wissen und Bildung misst. Viele IQ-Test enthalten zum Beispiel Wortschatzaufgaben oder Aufgaben zum Bildergänzungen, auf denen Alltagsgegenstände unserer westlichen Kultur abgebildet sind. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zum Beispiel stellten routinemäßige Intelligenztests bei Einwanderern in den USA fest, dass Italiener unter- durchschnittliche IQ-Werte erreichten. Die nächste Generation erreichte aber die Werte des amerikanischen Durchschnitts – ein starker Hinweis auf die kulturelle Voreingenommenheit der Testmethode.

Es gibt aber auch Versuche mit so genannten kulturfairen Tests zu arbeiten, bei denen die Aufgaben nicht schriftlich gestellt oder gelöst werden und die rein abstrakte Probleme enthalten. Allerdings zeigte sich in einigen Untersuchungen, dass auch diese Tests nicht kulturunabhängig sind. Außerdem ist ihr Einsatz beschränkt. Sie decken nicht den gesamten IQ-Bereich ab.

Rassistische Vorurteile

Zu krassen Fehlinterpretationen führt es, wenn die statistischen Zusammenhänge zwischen dem IQ und anderen Eigenschaften eines Menschen als Aussage über Ursache und Wirkung dargestellt werden. Das wohl am heftigsten diskutierte Beispiel ist der Zusammenhang zwischen IQ und Hautfarbe. Intelligenztests ergeben regel- mäßig einen durchschnittlichen Unterschied zwischen farbigen und weißen Amerikanern von etwa 10 bis 15 IQ-Punkten. In regelmäßigen Abständen erheben eini- ge Wissenschaftler die Behauptung, Farbige wären als gesamte Rasse weniger intelli- gent als Weiße und darum an ihrer (ökonomischen) Benachteiligung selbst Schuld.

Die meisten Psychologen weisen diese Interpretation zurück, denn es gibt zwei alter- native Erklärungen, die wesentlich wahrscheinlicher sind. Zum einen werden farbige Kinder oft weniger stark gefördert und ihre Intelligenz kann sich weniger gut ent- wickeln. Andererseits sind Intelligenztests häufiger auf die kulturelle Welt und die Bildung der weißen Amerikaner zugeschnitten. Auch hier führt Armut wieder zu einem schlechteren Testergebnis.

weißen Amerikaner zugeschnitten. Auch hier führt Armut wieder zu einem schlechteren Testergebnis. Daniel Münter Seite 9

Daniel Münter

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| Sendung vom 29.07.2003 (Wh.) http://www.quarks.de Daniel Goleman Emotionale Intelligenz Wer glaubt, er könne

Daniel Goleman

Emotionale Intelligenz

Wer glaubt, er könne seinen Frust über einen zu niedrigen IQ wettmachen mit seiner vermeintlich genialen emotionalen Intelligenz, der könnte sich irren. Zur emotionalen (oder wie die Psychologen auch sagen: sozialen) Intelligenz gehört viel „Grips“ – sprich: kognitive Verarbeitungsprozesse im Gehirn, Theorienbilden und Überprüfen an der Wirklichkeit, mehr, als ihm lieb sein könnte.

Emotionale Intelligenz erweitert das Konzept von Intelligenz um die überlebensnot- wendige Fähigkeit des Menschen (und bestimmter Tiere), sich in Situationen und Menschen einzufühlen. Der Begriff taucht seit 1985 in der Psychologie auf (als Teil einer Doktorarbeit), 1990 in der Fachliteratur und ist seit 1994/5 mit Daniel Golemans Buch auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt – allerdings ist Golemanns Begriff allzu weit von den engen psychologischen Originalarbeiten entfernt und in Fachkreisen umstritten.

In einer groß angelegten Studie untersuchen seit kurzem Kölner Intelligenz- und Gehirnforscher vom Max-Planck-Institut für Neurologische Forschung: Was ist dran an der „emotionalen Intelligenz“?

Was ist dran an der „emotionalen Intelligenz“? Testpersonen müssen Bilder zu einer Geschichte

Testpersonen müssen Bilder zu einer Geschichte zusammenfügen

Um herauszubekommen, wie sich Menschen im Miteinander in Situationen (Hand- lungen und Absichten) und Gesichter (ihre Gefühlsregungen, Stimmungen und Winke) einfühlen können (Stichwort Empathie), haben sie sogar eine daily soap gedreht. Die wird den Patienten und Kandidaten gezeigt, an bestimmten Stellen abgebrochen und nachgefragt, wie die einzelnen Helden weiter agieren werden, was sie in den entspre- chenden Situationen gefühlt haben und was sie gedacht haben. Solche Abfragen gibt es schon als einfache Cartoonfolgen, bei denen eine witzige Situation in die „richtige“ Reihenfolge gebracht werden muss.

So entsteht ein objektivierbares Profil der Empathie. Das Erstaunliche: Die Profile von psychisch Kranken, wie Schizophrenen und Autisten, aber auch von Menschen mit schweren Depressionen unterscheiden sich eklatant und signifikant von „Gesunden“ – so die ersten Ergebnisse der Kölner Gruppe, die nun im klinischen Großversuch getestet werden sollen.

die nun im klinischen Großversuch getestet werden sollen. Hohe mit Intelligenz schen Gehirnaktivität geringer Men-

Hohe

mit

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Gehirnaktivität

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Diese Ergebnisse legen auch neue Interpretationen von psychischen Krankheits- bildern wie Schizophrenie im Rahmen der sogenannten Theory of Mind nahe. So sind Schizophrene im Allgemeinen von normaler Intelligenz, bilden aber in überdurch- schnittlich hoher Weise Hypothesen über Handlungsstränge, Absichten und Gedanken anderer Personen, ja entwickeln eine schiere Lust an der außergewöhnlichen Idee hin- ter einer Situation. Ergebnis ist eine niedrigere emotionale Intelligenz als bei Gesunden. Autisten dagegen können sich überhaupt nicht mehr in Handlungsmuster und Interaktionen einfühlen.

Heinz Greuling

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Quarks & Co | Vorsicht Explosionsgefahr! | Sendung vom 15.07.2003 (Wh.)

Lesetipps

„Was ist Intelligenz“

Knappe Einführung in das Gebiet der Intelligenzforschung, der IQ-Tests und ihrer Aussagen

Autor:

J. Funke und B. Vaterrodt-Plünnecke

Verlagsangaben:

Beck, München 1998, 127 Seiten

Preis:

7,50

Spezial Intelligenz“ Gut verständliche Darstellung der verschiedenen Positionen zur Intelligenzforschung.

Spektrum der Wissenschaft, Nachdruck 1/2000, 8,50

„Intelligenzen. Die Vielfalt des menschlichen Geistes“

Autor:

H. Gardner

Verlagsangaben:

Klett-Cotta, Stuttgart, 300 Seiten

Preis:

20,-

„Der falsch vermessene Mensch“

Ausführliche

Beschreibung

des

Missbrauchs

der

Intelligenzforschung

seit

ihren

Anfängen

Autor:

S.J.Gould

Verlagsangaben:

 

Preis:

Suhrkamp/KNO, 1986, 394 Seiten 15,-

„Prädiktive Validität der Intelligenz im schulischen und außerschulischen Bereich“

Sehr fachlicher Überblick über den Stand der Forschung zur Frage der Vorhersagekraft des IQ

Autor:

Heinz-Martin Süß aus „Perspektiven der Intelligenzforschung“

Verlagsangaben:

E. Stern, J. Guthke (Hrsg.) Pabst Science Publishers, 2001

Preis:

19,-

„Intelligenz im Test“ Ausführliche Beschreibung und Wertung klassischer und alternativer Intelligenztests

Autor:

J. Guthke

Verlagsangaben:

Vandenhoek und Ruprecht, Göttingen 1996, 164 Seiten

Preis:

14,90

„Testtraining 2000 plus“

Autor:

J.Hesse, H.C.Schrader

Verlagsangaben:

Eichborn Verlag, 2001, 507 Seiten

Preis:

21,90

Informationen zu Intelligenz und Leistungstest, IQ-Tests können nur von Psychologen bestellt werden.

€ 21,90 Informationen zu Intelligenz und Leistungstest, IQ-Tests können nur von Psychologen bestellt werden. Seite 11

Seite 11

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Linktipps

www.testzentrale.de

Wer mehr wissen möchte…

Eine Bibliografie von Arbeiten zur Emotionalen Intelligenz findet man unter http://eqi.org/mayer.htm. Dort steht auch ein guter Übersichtsartikel über die Geschichte und unterschiedlichen Definitionen des Begriffs, es gibt eine website http://www.eq.org/ über den Begriff „Emotionale Intelligenz“.

über den Begriff „Emotionale Intelligenz“. 1=H, 2=E, 3=G 15 Wörter konnten Sie entdecken Lösungen der

1=H, 2=E, 3=G

den Begriff „Emotionale Intelligenz“. 1=H, 2=E, 3=G 15 Wörter konnten Sie entdecken Lösungen der Aufgaben von

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Lösungen der Aufgaben von Seite 3

Lösung zu Seite 9, „kulturfairer“ Raven-Test

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Herausgegeben vom Westdeutschen Rundfunk Köln

Verantwortlich:

Quarks & Co Thomas Hallet

Autoren:

Daniel Münter

Heinz Greuling

Redaktion:

Thomas Hallet

Gestaltung:

Designbureau Kremer & Mahler

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