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Metaphernverstehen aus kognitiver Sichtweise:

Texten sind als komplexe sprachliche Einheiten und Metaphern gelten als Teil von
Textstrukturen und spielt beim Verstehen von Texten eine besondere Rolle.
Vgl. Metapher, Helge Skirl, Monika Schwarz-Friesel:2013, 2. Edition, 2013 (2., aktualisierte Auflage), S.65

“Textverstehen ist ein konstruktiver kognitiver Prozess, bei dem Rezipienten eine mentale
Repräsentation erstellen, in die einerseits die sprachlich expliziten Informationen des Textes und
andererseits auch darüber hinaus aktivierte konzeptuelle Informationen aus dem
Langzeitgedächtnis einbezogen werden. Die geistige Repräsentation, in der die Text-Referenten
und ihre spezifischen Relationen zueinander abgebildet sind, ist das mentale Textweltmodell.
Das Textweltmodell ist demnach eine komplexe, konstruktiv erstellte mentale Repräsentation
des im im Text Dargestellten, die immer mehr Informationen enthält, als im Text tatsächlich
sprachlich explizit kodiert sind. Metaphern werden im Sprachrezeptionsprozess vor dem
Hintergrund des bereits vom Rezipienten etablierten Textweltmodells identifiziert und
verstanden.“

Metapher, Helge Skirl, Monika Schwarz-Friesel:2013, 2. Edition, 2013 (2., aktualisierte Auflage), S.65

Aus textlinguistischer Prespektive, in der es um satzübergreifende Verknüpfungs- und


Kontinuitätsrelationen geht, sind besonders die Fälle von Metaphorik von Interesse, in denen die
Kombination zweier konzeptueller Bereiche über mehrere Sätze hinweg durch verschiedenste
sprachliche Manifestationen realisiert wird.

S.65
Metaphernverstehen und Kohärenzetablierung
Das Verstehen von metaphorischen Sprachgebrauch in Texten ist eine Frage der Etablierung
von Kohärenz. Unter Kohärenz versteht man den inhaltliche Kontinuität in einem umfassenden
Sinn, die alle im Text enthaltenen Relationen betrifft, die den inhaltlichen Zusammenhang
konstituieren.

Kohärenz wird beispielsweise beim Verstehen von Metaphernkomplexen etabliert, wenn die
systematische Charakterisierung eines Zielbereiches durch einen Ursprungsbereich inhaltlich
nachvollziehbar ist.

S.66
Die inhaltliche Kontinuität kann auch dadurch entstehen, dass die Textinformationen sich
plausible auf ein einheitliches, übergeordnetes Thema beziehen, wodurch globale Kohärenz
etabliert wird.

S.66
Metaphernverstehen und Kotextualisierung
„Um metaphorischen Sprachgebrauch in Texten verstehen zu können, benötigen Rezipienten in
einigen Fällen zusätzliches Konzeptuelles Wissen. Das gilt besonders für kreative und innovative
Metaphern, die einzeln auftreten, also nicht Teil eines Metaphernkomplexes sind, über dessen
Relationsgefüge sie verstanden werden könnten.“

S.69
„ Oft steuern die Textproduzenten aber das Verstehen von Metaphern, indem sie spezifizierende
Informationen in den Kotext aufnehmen, die dem Rezipienten das Verstehen erleichtern, weil sie
eine spezifische Lesart des metaphorisch gebrauchten Ausdrucks determinieren oder nahe legen.
Diese Strategie der Produzenten, das verstehen von metaphorischen Sprachgebrauch sprachlich
explizit zu steuern, nennen wir Kotextualisierung“

S.70

Medien nutzen Metaphern gern. Das gilt besonders für Massenmedien. (Schmitz 2014, 117)
S.72
„Dabei wird in den Massenmedien of auf Konventionalle Metaphern zurückgegriefen, weil sie
auf kulturell bereits fest etablierte Konzeptualisierungen verweisen und somit problemlos
anschlussfähig und verständlich sind.”

S.72
“Kreative und innovative Metaphern werden in Massenmedien aber nicht nur verwendet, um
neue Einsichten in die komplexen Zusammenhänge der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu
gewährleisten. Sie werden oft auch mit dem Ziel verwendet, aufgrund ihrer Expressivität die
Aufmerksamkeit der Medienbenutzer zu erregen.”

S. 73