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4.2 Ökosystem Wald Der Wald ist eine Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren in Baumbeständen unterschiedlicher
4.2
Ökosystem Wald
Der Wald ist eine Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren
in Baumbeständen unterschiedlicher Dichte und Schichtung.
Laub- und Nadelwälder sind Waldtypen, der Urwald zählt zum
anthropogen nicht beeinflussten Naturwald im Gegensatz zum
durchforsteten Wirtschaftswald. Wälder üben auf Klima, Was-
serhaushalt und Luftqualität eine ausgleichende Wirkung aus.
(Schutzwald, Erholungswald). Verarmung der Artenvielfalt
führt zu Anfälligkeit, Labilität und Degradierung (Zerstörung
ökologischer Eigenschaften bis zur Bodenunfruchtbarkeit).
Als Waldsterben werden großräumige Schäden an Nadel- und
Laubbäumen bezeichnet, verursacht durch abiotische und bio-
tische Faktoren. Hauptverursacher: saurer
Regen (' T Luftver-
schmutzung, S. 14), Trockenheit Schädigung der Blattorga-
ne, erhöhte Transpiration, Bodenversauerung, Freisetzung von
toxischen (giftigen) Metallionen Schäden im Wurzelbereich,
Störung der Nahrungsaufnahme, Nasskern (bei Tannen), Ab-
werfen von Nadeln und Blättern Baumtod.
Kreislauf
im sommergrünen
Laub- und
Mischwald
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Bei der Brandrodung in tropischen und subtropischen Waldge- bieten gehen die Nährstoffe der Biomasse des
Bei der Brandrodung in tropischen und subtropischen Waldge-
bieten gehen die Nährstoffe der Biomasse des Primärwaldes in
Asche über und werden zur Düngung benutzt. Die Asche ent-
hält Ammoniumsulfat und verbessert kurzfristig die Bodenqua-
lität. Kulturpflanzen besitzen jedoch keine Wurzelpilzflora zur
Aufnahme freigesetzter Nährstoffe. Künstliche Düngung bleibt
wegen der geringen Kationenaustauschfähigkeit der tropischen
Böden in ihrer Wirkung begrenzt. Der Boden ist nach wenigen
Ernten erschöpft und ein artenarmer Sekundärwald bildet sich.
Die Folgen der Entwaldung sind in Europa seit Jahrtausenden
bekannt (Mittelmeerraum Verkarstung). In den Tropen ist der
Anteil des Regenwaldes seit 1900 auf 30 % seiner ursprüngli-
chen Fläche zurückgegangen.
Rodun g (<" Treibhauseffekt, S. 14, Änderung im Strahlungs-
haushalt der Erde, Rückgang der Niederschläge, globale
Temperaturzunahme) Nährstoffverlust im Boden, Bodenver-
dichtung, Austrocknung, Erosion, Absenkung des Grundwas-
serspiegels -» Degradation.
Kreislauf
im tropischen
Regen wald
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Geoökosystem Wald - gemäßigte Breiten Die Standortfaktoren Klima, Boden, Relief und Exposition bil- den die
Geoökosystem Wald - gemäßigte Breiten
Die Standortfaktoren Klima, Boden, Relief und Exposition bil-
den die ökologischen Bedingungen für alle Waldformationen.
Sind genügend Wärme, Wasser, Licht und Nährstoffe vorhanden,
können sich Baumbestände unterschiedlicher Dichte und
Schichtung entwickeln.
Für den Waldtyp sommergrüner Laubwald ist die Temperatur
ein begrenzender Faktor. Die Bäume werfen im Herbst die Blät-
ter ab und halten eine kälte- und trockenheitsbedingte Winter-
ruhe. Hohe Lichtansprüche stellen Eichen und Birken, während
Buchen und Linden als Schattenbaumarten gelten.
Der boreale Nadelwald mit Tannen, Fichten, Kiefern und Lär-
chen wird in seiner Verbreitung durch niedrige Temperaturen
und Niederschlagsarmut (100 - 700 mm/J.) charakterisiert. Ver-
breiteter Bodentyp ist der Podsol mit einer bis zu einem halben
Meter starken Rohhumusauflage.
Ein weiteres Merkmal ist der nur im Sommer an der Oberfläche
auftauende Dauerfrostboden. Die Nadelbäume haben sich den
langen kalten Wintern, der frostbedingten Trockenheit und der
Dauerschneedecke durch nadeiförmige Blätter angepasst. Eine
Wachsschicht über der Blattoberhaut verhindert ein Vertrock-
nen bei gefrorenem Boden.
Ökologische Bedeutung des Waldes. Das Wald-Innenklima
(Bestandsklima) wirkt sich bis in 200 m Höhe aus. Da der Wald
den Wind abbremst, erhöhen sich Taubildung, Schneeablage-
rung und geringfügig der Niederschlag. Gleichzeitig sinkt die
Verdunstung, sodass die Luftfeuchtigkeit höher ist als in der Um-
gebung. Zusätzlich reguliert besonders der Laubwald den Was-
serhaushalt, indem Niederschläge langsam von den Blättern
abtropfen und dem Waldboden zugeführt werden. Sein hohes
Porenvolumen durch abgestorbene Pflanzen, Tiergänge und
Wurzelreste ermöglicht die Weiterleitung in das Grundwasser.
Sonnenenergie: mäßiger bis starker Wechsel des Einstrahlungswinkels
Sonnen-
im Sommer:
im Winter:
energie
und der Tageslänge Sommer/Winter
mäßiger Einstrahlungswinkel
Tageslänge 18 bis 24 Stunden
geringer Einstrahlungswinkel
Tageslänge 6 bis 0 Stunden
Klima: kühlgemäßigte bis mäßig warme Sommer,
ozeanisches bis kontinentales Klima
L
Verdunstung
Nährstoffeintrag aus Atmosphäre
Niederschlag
mäßig
Lichtangebot im Sommer
I
\
warme
Sommer,
Vegetations-
wenige bestand;-
ßaumarten 2- 5 ha
kalte bis
periode mlnd.
sehr kalte
bildene Arten:
Biomasse 370 t/ha
6 Monate
Winter,
Buchen, Eichen,
Primärproduktion 13 t/ha
thermische
Hainbuchen, Birken
absterbende Biomasse 9 t/ha im Jahr
Jahres-
Laubabwurf
Auenwälder
Nettozuwachs 4 t/ha im Jahr
zeiten
hinreichend; Vegetations-
periode 3 bis 4 1/2 Monate;
Wachstumszeit vor allem
Im Sommer;
artenarmer, einschichtiger,
immergrüner Nadelwald;
Wachstumsruhe im Winter;
Biomasse 260 dt/ha
im Herbst
Zyklonen der Westwind-
zone; im Kontinent ab-
geschwächt, vorwiegend
im Sommer;
Sommer: zyklonale (feuchte)
und antizyklonale (trockene)
Witterung;
Winter: Kältehoch mit
kontinentaler Polarluft;
Wasserhaushalt: Winter
nival, Somer humid
I
mäßige Mine-
oberflächennahes Wurzelgeflecht mit Wurzelbakterien
ralisierung
(Mycorrhiza) als Nährstoff-Falle
vorwie-
Nährelementge-
saurer Humus,
gender
Fulvosäuren,
Bodentyp:
Wärme-, Wasser-,
Braun- mäSi 9 e r
pH 3,0
Kationenaustausch mäßig bis gut,
Podsol
gehalt und Spei-
cherfähigkeit
mäßig bis gering
Durchlüftung und Was-
serspeichervermögen
ungünstig, Bodenver-
nässung, Stauwasser
Humus pH
Lufthaushalt gut
er( t e
Gehalt an Pflanzennährstoffen gut
6,0-7,0
Durchwurzelung gut
Ausgangsgestein: lehmiger Sand
Wirkungsgefüge im Geoökosystem sommergrüner
Laubwald
Wirkungsgefüge im Geoökosystem borealer Nadelwald
Folgen der Nutzung der Taiga in Sibirien
Vor dem Eindringen russischer Eroberer im 15. Jahrhundert
beschränkte sich die Nutzung auf einfache Waldwirtschaft. Der
linien- und zum Teil noch inselhaften Erschließung folgte vor
allem in der Sowjetzeit ein bis heute andauernder Raubbau an
den Holzressourcen. Der Holzeinschlag von 80 bis 100 Jahren
alten Bäumen für die Verwendung als Schnittholz und die Pa-
pierindustrie wird nur durch lange Transportwege gebremst.
Das ökologische Gleichgewicht ist labil, die Wurzeltiefe in dem
Podsolboden gering. Wird die Vegetationsdecke zerstört, sei es
durch Kahlschlag oder durch Schneisen beim Bau von Erdöl-
und Erdgasförderanlagen, bilden sich durch Regen und Schmelz-
wasser Erosionsrinnen und Sumpflandschaften. Auch Wald-
brände, die die bis zu einem halben Meter mächtige Streuschicht
zerstören, hinterlassen Sumpflandschaften.
Eine geschädigte Vegetationsdecke vermag den Wasserhaushalt
nicht mehr zu regulieren und fördert das Bodenfließen, sodass
der aufgetaute Boden über dem Dauerfrostboden abrutscht. Es
dauert Jahrzehnte, bis sich der Wald regeneriert.
Geoökosyste m
borealer
Nadelwal d
(selbstregulierendes labiles dynamisches Gleichgewicht)
a b
de m
19 .
Jahrhundert,
vor allem
zur Zeit der
Sowjetunio n
planmäßige Erschließung weiter Regionen Sibiriens
zur Gewinnung von Rohstoffen, zum Aufbau von Industrie
(Bergbaustandorte, Industriegebiete, Großstädte, Verkehr)
Bautätigkeit:
Bergbau:
Siedlungen, Industrie-
Förderung, Abraum,
betriebe, Verkehrswege
Transport
Zerstörung der
Auftauen des
Pflanzendecke
Frostbodens
Abwässer
Bergbau-,
Industrie- und
Bruch von
Hausmüll
Baumschicht
Versumpfung
(häufig mit
Pipelines
Flechten)
&
Fichte,
Verseuchung
des Bodens,
Bodenerosion
der
Binnen-
Bodenfließen
und Küsten-
gewässer
Landschaftshaushal t
vor allem
in
Westsibirien,
im südlichen Ostsibirien und am
Nordpolarmeer
großflächig stark gestört
0
10
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Aufbau des borealen Nadelwaldes
Erschließung in Sibirien: von der Aneignungs- zur Produktionswirtschaft
Geoökosystem tropischer Regenwald Das Verbreitungsgebiet des immergrünen tropischen Regen- waldes beschränkt sich auf
Geoökosystem tropischer Regenwald
Das Verbreitungsgebiet des immergrünen tropischen Regen-
waldes beschränkt sich auf Regionen mit gleichbleibend hoher
Temperatur und hoher Feuchtigkeit. Rd. 75 % der Niederschläge
verdunsten und führen zu neuen Niederschlägen. Licht ist der
entscheidende Wachstumsfaktor, aber nur 1 % des Sonnenlichts
erreicht den Boden.
Das warm-feuchte Klima hat zu einer der üppigsten Vegetati-
Ökologische Folgen der Zerstörung
Brandrodung, Rodungen für landwirtschaftliche Großbetriebe,
Rinderweide- und Plantagenwirtschaft:
erhöhter Oberflächenabfluss > gestörter Wasserhaushalt >
beschränktes Pflanzenwachstum > Invasion von Xerophyten
0 Sonneneinstrahlung direkt auf dem Boden > Anstieg der
a
Temperatur > intensivere Mineralisierung > Austrocknung des
A-Horizontes > Abnahme der Bodenfruchtbarkeit
n
weniger abgestorbene Biomasse > Zerstörung der Nährstoff-
onsformen der Erde mit dem charakteristischen Stockwerkbau
geführt. Die Produktivität an pflanzlicher Biomasse ist erheblich
höher als die des sommergrünen Laubwaldes der gemäßigten
Breiten, während tierische Biomasse nur eine untergeordnete
Rolle spielt. Wärme und Feuchtigkeit beschleunigen die schnel-
fallen (Mycorrhiza) > geringere Nährstoffkapazität > Nährstoff-
verluste durch Sickerlaugung > Abnahme der Bodenfruchtbar-
keit
Kahlschläge
zur Holzgewinnung,
Rodungen
für
Bergbau-,
Gewer-
le Mineralisierung, d. h. den Abbau der organischen
Substanz.
be-,
Verkehrs-
und
Siedlungsflächen:
m
Starkregen direkt auf den Boden > Verschlämmung des
I
Epiphyte n („Aufsitzerpflanzen"): entnehmen Nährstoffe und
Feuchtigkeit aus der Luft, nicht von der Wirtspflanze
Liane n (Kletterpflanzen): wurzeln im Boden, ranken an Träger-
A-Horizontes, Bodenverlust durch Rinnenbildung und flächen-
hafte Abspülung (Denudation) > Verringerung der Wasserspei-
cherkapazität > Abnahme der Bodenfruchtbarkeit > Degrada-
pflanzen hoch, versorgen sich durch Luft- u.
Bodenwurzeln
tion
Der Boden, meist tropische Roterde, weist nur einen kleinen Rest-
mineralgehalt auf und verfügt über eine geringe Kationenaus-
tauschkapazität. Deshalb hat sich eine besondere Form von
Nährstoffkreislauf gebildet. Ein Teil der Nährstoffe wird durch
den Regen dem Kronendach der Bäume entnommen und gelangt
auf den Boden. Wichtigste Nährstoffquelle ist der ständige Laub-
abwurf. Die Baumwurzeln, die sich zu 70 % in den obersten drei-
ßig Zentimetern des Bodens befinden, beziehen die Nährstoffe
aus der Spreu. Zwischen den Wurzeln, Pilzen und Bakterien hat
sich eine Symbiose entwickelt, die Mycorrhiza, mit deren Hilfe
die Baumwurzeln die Nährstoffe aus der Streu aufnehmen kön-
nen. Tiefer reichende Wurzeln erreichen nur einen mehr oder
minder sterilen Untergrund. Auch Brettwurzeln, zur Erhöhung
der Standfestigkeit, dringen mit der Hauptwurzelmasse nicht
weiter als 30 cm in den Boden.
Sonnenenergie: zwei Zenitdurchgänge, alle Tage fast gleich lang, gleichmäßig hohe Einstrahlung
Klima: Immerfeucht, Jahresniederschlag über 2000 mm, kältester Monat über 18°C
L
Verdunstung
Nährstoffeintrag aus Atmosphäre
Niederschlag
ganzjähriges
üppiges
Wachstum
ständiger
;
Baumarten 40-10 0 ha, rd. 70 %
, Leguminosen (Stickstoffsammler)
Biomasse über 500 t/ha, Primärproduktion 32,5 t/ha im Jahr
absterbende Biomasse 25 t/ha im Jahr
• Nettozuwachs 7,5 t/ha im Jahr
;
Laubabwurf
schnelle
Mineralisierung
t
oberflächennahes Wurzelgeflecht mit Wurzelbakterien
(Mycorrhiza) als Nährstoff-Falle
Knöllchenbakterien (Luftstickstoffsammler)
t
I
I
I
Trop.
Humus-
gehalt
unter 2 %
Kationenaustauschkapazität
großes
Rot-
gering, Fulvosäuren,
Porenvolumen,
erde
günstiger pH-Wert
gute Filtration
Wirkungsgefüge im tropischen Regenwald