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Interview: Marco Nussbaum, Co-Founder und CEO, Prizeotel

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Der Prizeotel-CEO über Buchungsportale, ange-
messene Preise und die Zukunft des Online-Ver-
t riebs. Seine These: ,,Big Data cc wird vernachlässigt.
Sie haben ihr Prizeotel seil dem Start
1m Social Web belvorben, unter anderen1
auch mit dern   Direktkt,nden zu ge-
;vi11nen. Trotzder11 sind Sie auch noch
bei Portalen wie HRS gelistet. Wieviel
Proze11t der Buchungen kon1rnen bei Jh -
r1en aber eigene Kanäle?
Nussbaum: Unsere Social-Media-Ak-
tivitäten diene11 nicht vorrangig dazu,
Direktkunden zu gewinnen. Uns geht
es darum, mit Fans, Kunden und Part-
nern in die Kommunikation zu gehen.
Für uns ist Social Media
keine E11nveder-oder-,
sondern eine So\vohl-als-
auch-Strategie. Wir nut-
zen Social Media nicht,
um uns nicht in de11 C)TAs
listen zu lassen. Social
dia ist kein Buchungska-
nal. Der stärkste Bu-
chungskanal ist unsere
Homepage, was fur uns
ein großer Erfolg ist.
Welche Buchungsportale
riutzen Sie ergänzend zu
cle11 eigenen Kanälen?
Nussbaum: Wir haben Ver träge mit
HRS und ßook.ing.com und damit na-
türlich auch 1nit all ih ren Affil iate-
Partnern. Ein Großteil der Affiliales ist
uns allerdings ein Dorn im Auge, da
diese ebenso \vie die O'fAs und Hotels
. uchn1aschincnmarketing beLreiben
uncl dadurch unser eigenes im
verschle(htcrn. Viele Hotels fi-
nanz.iercn somit il1re eigene Bedeu-
tungslosigkeit im Netz, da werden \Vir
gcgcn:,teuern.
\Vie i11ollen Sie tlas tun?
Nussbaum: l)ie Zielsetzung isl natür-
lich, dass wir irgend\va11n sclbc;c über
die Affiliates 1,eslimn1cn kön11en, das:,
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: Geboren 1970 i1n Bremen :
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· Ausbildung I lotclfachmaJ1n im :
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; Queens HoLel in Bremen
· Stationen i>os1Lionen m :
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j Geschäftsle1tu11g un<l Marketing j
: l lotels und l lotelkct tcn, :
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: unter anderem bei Astron, NH :
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: 1 Ioteles und Ramada :
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1 Heutige Tätigkeit Co-f.ounder
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und CEO bei Prizeotel
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es eine C..heckbox beim O'lA ParLI1er
gibt, \VOrt1ber man bestimmen kann,
ob man 1nilmacl1e11 mochte oder
nicht. Ich denke aber, dass dies sehr
scl1,..,ierig wird, da die Affiliates ein
großer 'feil der Distributior1 der Part-
ner sind. Somit wird es am Ende nur
auf Branchenebene gehen, un<l das ist
dann ein The1na, den1 sich die Ver-
bande annehn1en konncn. Alternauv
suchen wir uns Yerlriebspartner aus,
mit <lene11 \Vir in1 Netz 7.usammenar-
beitcn und 11i1..ht gege11einander. lch
gehe davon aus, dass wir an1 Ende mit
c:inen1 Partner für den Corporatc Be-
reich arbeiten \rverden und dass wir
m1ttelfrist1g die ln<lividt1altouristen
über unsere eigenen Kanäle generie-
ren wcrde11.
Die Portale werden ja viel kritisiert,
unter anderetr1 der un1stritte11en
Best-Preis-Klausel. Wie stehen Sie zur
Ratenparität?
Nussbaum: Ich finde es völlig richtig,
wenn die Ratenparität kippt. Es kann
nicht sein, dass jedes Portal meint,
überhaupt Kommissionen und dann
auch noch den „Best Price" haben iu
wollen. Das ist einfach nur ärgerlich
und ein großer Missstand, vor allem,
\\Tenn das Portal keinen Mehr,vcrt für
mlch als Hotel liefer t. J)as
Gießkanne11prinzip des Ho-
telvertriebs muss einmal auf-
hören, u1n auch den Wettbe-
werb unter den Portalen an-
zutreiben. Dann kann ich
ebe11 nicht jedes liotel uber
jeden Kanal zum gleichen
Preis buchen. Stellen Sie sich
nial vor, ein Portal \Vurde sich
bei der Qualitat der angebo-
tenen Hotels von den ande-
ren Portalen unterscheiden.
Dan11 wäre es längst keine
Diskussion mehr um Preise
t1nd Kommissionen, sondern
um Verfügbarkeiten. We11n ein Por tal
ein Hotel unbediJ1gt ir1 seinem Pro-
gramm hahcn will , würden sich schnell
die Spielregeln ä11dcrn vom Käufer
hin zum Verkäufer1narkt.
'feilen Sie die BefürcltrunK, dass die
Zirn1nerrate11 ir1sgesarnc fallen, "venn die
Ratenparitilt kippt? Steht die Hotellerie
vor der Gefahr, sich zu verran1sche11?
Nussbaum: l)ie Hotellerie steht nicl1t
vor der Gefahr, si1..h zu verramschen.
Sie verran1scht si<.h bereits gev. Jltig.
\\Tenn ich mir anschaue, \<Ji e 5-Sternc
Hotels in Brcrnen llatrn unler denen
vom Prizeotcl Bren1e11-C1Ly anbieten,
kann ich kein Verständnis aufbringen -
wir sind ei11 2 Sternc-superjor- Haus!
Deutschland ist im europav.•citcn Ver-
gleich der Markl mil de11 niedrigsten
Durchsch11ittspreisen in <ler Hotelle-
rie. Dies kon11nt 11 icht von ungcfahr.
Die \\enigsten Hoteliers haben eine
klare Strategie. \\.cnn die Ratcnparität
kippt, v•ird c.;ich die Spreu von1 \\feilen
trennen. Für die Verlierer gehen die
Preise dann nac.h u11ten, die Distr1bu
tionskosten nach oben.
Ein ftnderer Viskussiot1spu11kt s111d die
Provisior1en, clie viele Hoteliers als zu
hoch e1npfi11clen. Finden Sie a11ch, clas
HRS & Co. zu teuer si11cl?
Nussbaum: Das finde ich e111e total
unsinnige und vor allem irn1ncr un-
sachliche Diskussion. Es muss doch
keiner mitn1achen. Jeder hat die \..Yahl,
seine Distribution selbst in die 1-Iand
zu neru11en. Viele machen das aber aus
Bequemlichkeit oder konnen es ein-
(ach nicht anders. \'\'ir sind 111it dem
Preis-Leistungs-Verhältnis, fur das,
\vas '"'ir an Reicl1\vcitt: und l)istr1bu-
tion bekommen, mehr als 1ufrieden.
\Vürdcn wir das selbst errci<.hcn \vol-
len, wäre der Aurwand '"'citaus teurer.
\Vas haltet1 Sie von der Aktion cter Re
ge11sburger Hotels, clie fiir zehn 1age auf
große J>ortale verzichtet habe11 untl 111111
ihre eigene Plattfor111 hotels-i11 regens-
burg.co111 ivetter aush<iue11111öchte11?

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Nussbaum: Davon halte ich gar
nichts. Das ist reine PR und eine fach-
lich überhaupt nicht fundierte Aktion.
Für das I1nage der Branche ist das
n1ehr als peii1lich u11d unterstreic.ht die
fachliche Inkompetenz.
Ihr Vortrag beim Hotelkongress
unter dem Titel. „Mit den irnmer schnel-
ler werdende?1 Verä11derunge11 i1n On-
li11e- Vertrreb Schritt halten". in der 'J'at
hat sicl1 ir1 den vergangenen }ahre11 irn
Hotelvertrieb sehr viel getcin. Was gla11-
ben Sie, wie es weitergeht?
Nussbaum: Ich glaube fest daran, dass
es immer disruplive Innovation gcbe11
wi rd. Man kan11 sich nicht auf Maß-
nahmen und Kanälen ausruhen, die in
der Vergangenheit funktionier t haben.
Das l ' hema „ßig Data" wird i1n1ner
""ichtiger - die l lotellerie hat in diesem
Bereich einen irrsinnigen Nachholbe-
darf. Auch sollten llotel1ers Star t-ups
im Auge behalten.
\\Tas genau verstehen Sie 1111 Hotelver-
trieb ur1cer „B1g Data''?
Nussbaum: Big J)Jta heißt, dem r1ch
tigen Kunden iur richtigen Zeit die
richtigen Informationen über den rieb
tigen Kanal zukommen zu lassen - auf-
grund von intelligent Daten.
... Wie schafft 111a11 es als Hotelier, irnmer
auf dem neuesten Stand zu bleihe11?

Marco Nussbaum: „Wenn die Ratenparität kippt, wird sich die Spreu vom Weizen
trennen"
Nussbaum: Natürlich ist es 11icht ein-
fach, als Hotelier auf dem neuesten
Sland zu bleiben. Ehrlich gesagt, habe
ich manchmal selbst Schwierigkeiten
damit. Es gibt ständig viele Neuerun-
gen. \Venn man allerdings \."1issbegie-
rig ist, die Medien verfolgt und ein
gutes Netzwerk hat, ist man in der La-
ge, generell up to date zu bleiben. Ich
finde es immer sinnvoll, gute Leute
einzustellen, denn sie machen ein
1 Jotel erfolgreich. Oftmals 11tellc11 1-lo-
teliers jedoch „Experten" ein, die
noch nie ei11 Ilotel geführt hJben .
Und die wollen Fachgrößen in Hotel -
Foto: Hotel
n1anagcmentfragen sein.
J)1e Fragen stellte Raphaela K\.v1dzinski
Beim Deutschen Hotelkongress am
27. und 28. Januar 2014 in Berlin re-
feriert Marco Nussbaum über Verän-
derungen im Online-Vert rieb. Die
Teilnahme kostet 890 Euro für Hote-
liers und 1190 Euro für Zulieferer. Bis
zum 30. November gi bt es einen
Frühbucherrabatt von 100 Euro.
AHGZ-Abonnenten erhal ten ei nen
Rabatt von 100 Euro, ebenso Mitgli e-
der von FBMA, FCSI, HDV, HGK und
Progros (www.hotel kongress.de).
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