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Wenn eine Frau mit mehr als einem Mann verheiratet war,

mit welchem wird sie dann im Paradies zusammen sein?


(Übersetzt von Umm Djumâna – Muslima.de.ms)

Frage:

Wenn eine Frau stirbt, und sie hatte mehr als einen Ehemann in ihrem Leben, mit wem
wird sie dann im Paradies zusammen sein?

Antwort:

Alles Lob gebührt Allâh.

Es gibt drei Gelehrten-Meinungen zu dieser Angelegenheit:


1. Dass sie mit demjenigen zusammen sein wird, der den besten Charakter und das
beste Benehmen ihr gegenüber in dieser Welt hatte;

2. Dass sie zwischen ihnen wählen wird;

3. Dass sie mit dem letzten ihrer Ehemänner zusammen sein wird.
Die beste und korrekteste dieser Ansichten ist die dritte, zu der es einen Hadîth gibt, der
dem Propheten (Frieden und Segen Allâhs seien auf ihm) zugeschrieben wurde (marfû’):
„Jede Frau, deren Ehemann stirbt und sie heiratet jemand anderes nach ihm, wird mit
dem letzten ihrer Ehemänner zusammen sein.“ Dies wurde von al-Albâni (möge Allâh
barmherzig mit ihm sein) in Sahîh Al-Jâmi’, 2704, und in Al-Silsilah al-Sahîhah, 1281 als
sahîh eingestuft.

Dies ist übrigens die allgemeine Beantwortung der Frage. Eine detaillierte Abhandlung
über die Beweise für die drei Ansichten folgt:

Der Beweis für die erste Meinung:

Al-Qurtubi sagte:

Abu Bakr ibn al-Najjâd sagte: Ja’far ibn Muhammad ibn Shâkir berichtete uns, ‘Ubayd ibn
Ishâq al-‘Attâr berichtete uns, Sinân ibn Hârun berichtete uns von Humayd von Anas,
dass Umm Habîbah, die Frau des Propheten (Frieden und Segen Allâhs seien auf ihm),
sagte: „O Gesandter Allâhs, wenn eine Frau zwei Ehemänner in diesem Leben hatte,
dann starben sie alle und kamen zusammen ins Paradies, mit welchem von ihnen wird sie
zusammen sein – mit dem ersten oder dem letzten?“ Er sagte: „Mit demjenigen, dessen
Charakter und Benehmen ihr gegenüber am besten war, O Umm Habîbah; ein gutes
Benehmen bringt einem das Beste dieser Welt und des Jenseits.“

(Al-Tadhkirah fi Ahwâl al-Mawtâ wa’l-Âkhirah, 2/278).

Ich sage: dieser Hadîth ist da’îf jiddan (sehr schwach) und hat zwei Fehler in seinem
Isnâd: ‘Ubayd ibn Ishâq al-‘Attâr und Sinân ibn Hârûn. Der erste ist da’îf jiddan und
letzterer ist da’îf.

Die Ansichten der ‘Ulamâ’:

Es wurde berichtet, dass Yahyâ ibn Ma’în sagte: ‘Ubayd ibn Ishâq al-‘Attâr ist
unbedeutend (d.h. was er sagt, soll nicht berücksichtigt werden).

Abu Hâtim al-Râzi sagte: Wir denken, dass er eine gute Person ist, aber er ist nicht sehr
glaubwürdig und es gibt einige merkwürdige Dinge in seinen Ahadîth.

In al-Du’afâ’ wa’l-Matrûkîn von al-Nasâ’i (S.72), heißt es: Sein Hadîth ist matrûk (zu
ignorieren und nicht zu akzeptieren).

Al-Dhahabi sagte: Er wurde von Yahyâ als da’îf (schwach) eingestuft. Al-Bukhâri sagte:
Er hat einige munkar Ahadîth. Al-Azdi sagte: Sein Hadîth ist matrûk. Al-Dâraqutni sagte:
(Er ist) da’îf. Abu Hâtim jedoch akzeptierte ihn! Ibn ‘Udayy sagte: Im Allgemeinen sind
seine Ahadîth munkar.

(Mizân al-I’tidâl, 5/24)

Ibn ‘Udayy sagte in al-Kâmil (5/347): Dieser Hadîth ist einer von seinen munkar
Berichten. Und er sagte: Das meiste von dem, was er berichtete, ist entweder munkar in
Hinsicht auf den Isnâd (Kette der Überlieferer) oder munkar in Hinsicht auf den Matn
(Text des Hadîths).

In Bezug auf Sinân ibn Hârûn:

Ibn Hibbân sagte:

Seine Ahadîth sind sehr munkar, er überlieferte munkar Berichte von al-Mashâhîr.

Yahyâ ibn Ma’în sagte: Die Ahadîth von Sinân ibn Hârûn al-Burjami sind unbedeutend
(sind nicht zu akzeptieren).

(Al-Majrûhîn, 1/354)

Al-‘Aqîli erwähnte ihn in al-Du’afâ’ (2/171) und führte diesen Hadîth, der von ihm
berichtet wurde, auf.

= Daher ist dieser Hadîth nicht gültig, um als Beweis herangezogen zu werden. Er ist
da’îf jiddan (sehr schwach), also zählt diese Ansicht nicht.

Die zweite Meinung

Welche diejenige ist, dass eine Frau zwischen ihren Ehemännern wählen wird.

Ich konnte keinen Beweis für diejenigen finden, die dies behaupten.

In al-Tadhkirah fi Ahwâl al-Mawtâ wa’l-Âkhirah (2/278) wird diese Sache erwähnt,


daraufhin sagt der Autor: „Und es wird gesagt, dass sie die Wahl haben wird, falls sie
einen Ehemann hatte.“

Al-‘Ajlûni sagte: „…und es wurde gesagt, dass sie mit dem besten an Charakter und
Benehmen unter ihnen zusammen sein wird, und es wurde gesagt, dass sie die Wahl
haben wird.“ (Kashf al-Khafâ’, 2/392).

Dies ist die Ansicht, die von Sheikh Ibn ‘Uthaymîn (Möge Allâh ihn bewahren) als am
korrektesten betrachtet wurde, wie in seinem Fatâwa, 2/53 aufgeführt ist.

Die dritte Meinung

Diese Ansicht wird von einer Menge von Beweisen unterstützt:


1. Imâm al-Tabarâni sagte:

3130 Bakr berichtete uns, er sagte, Muhammad ibn Abi’l-Sirri al-‘Asqallâni


berichtete uns, er sagte, al-Walîd ibn Muslim berichtete uns, er sagte, Abu
Bakr ibn ‘Abd-Allâh ibn Abi Maryam berichtete uns von ‘Atiyah ibn Qays al-
Kilâ’i, der sagte: Mu’âwiyah ibn Abi Sufyân machte Umm al-Darda’ einen
Heiratsantrag, nachdem Abu’l-Darda’ verstarb. Umm al-Darda’ sagte: „Ich
hörte Abu’l-Darda’ sagen: ‚Ich hörte den Gesandten Allâhs (Frieden und
Segen Allâhs seien auf ihm) sagen: ‚Jede Frau, deren Ehemann stirbt und
sie heiratet jemand anderen nach ihm, wird mit dem letzten ihrer
Ehemänner zusammen sein’’, und ich würde dich nicht vor Abu’l-Darda’
auserwählen.“ Also schrieb Mu’âwiyah ihr vor: „Du musst fasten, denn dies
ist ein Schutz.“

(al-Mu’jam al-Awsat, 3/275)

Ich sage: Es gibt zwei Probleme mit diesem Hadîth: die Tatsache, dass Abu
Bakr ibn Abi Maryam da’îf ist und die Tatsache, dass al-Walîd ibn Muslim
das Haddathanâ ([So und so] berichtete uns) im Rest des Isnâds nicht
deutlich machte.

Die Ansichten der ‘Ulamâ’:

Ibn Hibbân sagte:

Abu Bakr ibn Abi Maryam war einer der besten Leute von al-Shâm, aber er
hatte ein schlechtes Gedächtnis und überlieferte Dinge, über die er
offensichtlich verwirrt war. Das Problem ist nicht so schlimm, dass alles,
was er berichtete, es verdient, abgelehnt (matrûk) zu werden, aber er ist
nicht so vertrauenswürdig, dass das, was er sagt, als Beweis genommen
werden kann. Aus meiner Sicht sollten seine Berichte nicht als Beweis
genommen werden, wenn der Isnâd nur durch ihn ist. (al-Majrûhîn, 3/146)

Die Tadlîs (Täuschung) von al-Walîd ibn Muslim ist bekannt. Seine Tadlîs
macht den Eindruck, als ob alle Überlieferer gleichwertig sind, indem er
den Namen eines da’îf Überlieferers zwischen die Namen von zwei thiqah
(vertrauensvollen) Überlieferern setzte. Daher vereinbarten die Gelehrten,
dass die Berichte von Überlieferern seiner Art nur akzeptiert werden
können, wenn sie eindeutig das “Haddathanâ” ([So und so] berichtete uns)
in jedem Stadium des Isnâd angeben, nachdem ihr Name erwähnt wird.

(Siehe: al-Tabyîn li Asmâ’ al-Mudallisîn, von Sabt Ibn al-‘Ajami, S. 235;


und Tabaqât al-Mudallisîn, von al-Hâfiz ibn Hajar, S. 51)

2. Imâm Abu’l-Sheikh al-Asbahâni sagte:

Ahmad ibn Ishâq al-Jawhari berichtete uns, er sagte, Ismâ’il ibn Zarârah
berichtete uns, er sagte, Abu’l-Malîh al-Raqqi berichtete uns von Maymûn
ibn Mahrân von Umm al-Darda’ von Abu’l-Darda’, dass der Prophet
(Frieden und Segen Allâhs seien auf ihm) sagte, dass eine Frau mit dem
letzten ihrer Ehemänner zusammen sein wird.
(Tabaqât al-Muhâdithîn bi Asbahân, 4/36)

Ich sage, die Männer des Hadîths (Isnâd) sind thiqât mashhûrûn
(vertrauenswürdig und bekannt), außer Ahmad ibn Ishâq al-Jawhari, über
den ich überhaupt keine biografischen Details finden konnte, außer der
Tatsache, dass Abu’l-Sheikh selber behauptete, dass dies einer seiner
hasan Ahadîth war.

Wenn dies tatsächlich der Fall ist, dann ist dies der beste Isnâd bezüglich
dieser Angelegenheit. Und Allâh weiß es am besten.

3. Al-Khatîb al-Baghdâdi sagte:

4803 Samurah ibn Hajar Abu Hajar al-Khurasâni ging und ließ sich in Al-
Anbâr nieder, wo er von Hamzah ibn Abi Hamzah al-Nusaibi und ‘Ammâr
ibn ‘Ata’ al-Khurasâni und al-Rabî’ ibn Badr berichtete; Ishâq ibn Bahlûl al-
Tanûkhi berichtete von ihm, er informierte uns darüber, dass ‘Ali ibn Abi
‘Ali uns berichtete, Abu Ghânim Muhammad ibn Yûsuf al-Azraq berichtete
uns, mein Vater berichtete uns, er sagte, mein Großvater erzählte uns,
Samurah ibn Hajar Abu Hajar al-Khurasâni berichtete uns von Hamzah al-
Nusaibi von ibn Abi Malîkah von ‘Â’ishah, dass der Prophet (Frieden und
Segen Allâhs seien auf ihm) sagte:

„Eine Frau wird mit dem letzten ihrer Ehemänner zusammen sein.“

(Târikh Baghdâd, 9/228)

Ich sage, dieser Hadîth ist da’îf jiddan (sehr schwach); er enthält Hamzah
al-Nusaibi, der da’îf jiddan ist.

Die Ansichten der ‘Ulamâ’:

Imâm al-Nasâ’i sagte:

Der Hadîth (von Hamzah ibn al-Nusaibi) muss abgelehnt werden (matrûk).

(al-Du’afâ’ wa’l-Matrûkîn, S. 39)

Ibn al-Jawzi sagte:

Ahmad sagte: Der Hadîth (von Hamzah ibn al-Nusaibi) muss abgelehnt
werden (matrûk). Yahyaa sagte: Er ist unbedeutend, er ist nicht einmal
einen Penny wert. Al-Bukhâri and al-Râzi sagten: Sein Hadîth ist munkar.
Al-Nasâ’i und al-Dâraqutni sagten: Der Hadîth (von Hamzah ibn al-Nusaibi)
muss abgelehnt werden (matrûk). Ibn ‘Udayy sagte: Er fabriziert Ahadîth.
Ibn Hibbân sagte: Er ist der einzige thiqah (vertrauenswürdige)
Überlieferer, der fabrizierte Ahadîth übermittelte und es sieht so aus, als
ob er sie ganz bewusst berichtet; es ist nicht zulässig, von ihm zu
berichten.

(al-Du’afâ’ wa’l-Matrûkîn von Ibn al-Jawzi, 1/237)

4. Al-Bayhaqi sagte:

Muhammad ibn ‘Abd-Allâh al-Hâfiz informierte uns darüber, dass Abu’l-


‘Abbâs Muhammad ibn Ya’qûb uns berichtete, Yahyâ ibn Abi Tâlib
berichtete uns, Ishâq ibn Abi Tâlib berichtete uns, Ishâq ibn Abi Tâlib
berichtete uns, Ishâq ibn Mansûr berichtete uns, ‘Îsâ ibn ‘Abd al-Rahmân
al-Sulami berichtete uns von Abu Ishâq von Silah von Hudhayfah (möge
Allâh mit ihm zufrieden sein), dass er zu seiner Frau sagte: „Wenn du im
Paradies meine Frau sein willst, heirate niemanden, nachdem ich sterbe,
denn im Paradies wird eine Frau mit dem letzten ihrer Ehemänner in dieser
Welt zusammen sein. Dies ist, warum Allâh den Frauen des Propheten
(Frieden und Segen Allâhs seien auf ihm) verbot, irgendjemanden zu
heiraten, nachdem er starb, weil sie seine Frauen im Paradies sein
werden.“ (al-Sunan, 7/69)

Ich sage: Der Isnâd enthält Abu Ishâq al-Subay’i, der mudallis ist und
Dinge durcheinander brachte, also ist der Bericht da’îf.

Die Ansichten der ‘Ulamâ’:

Siehe: Man rumiya bi’l-Ikhtilât von al-Tarâbulsi (S. 64) und Tabaqât al-
Mudallisîn von Ibn Hajar (S. 42).

Er wurde von al-‘Allâmah al-Sheikh al-Albâni (möge Allâh mit ihm


zufrieden sein) in al-Silsilah al-Sahîhah (1281) als da’îf eingestuft

5. Ein Bericht, der von Ibn ‘Asâkir (19/193/1) von ‘Ikrimah überliefert wurde:

Asmâ’ bint Abi Bakr wurde mit al-Zubayr ibn al-‘Awwâm verheiratet, der
streng mit ihr war. Sie ging zu ihrem Vater und beschwerte sich darüber,
und er sagte: „O meine Tochter, hab Geduld, denn wenn eine Frau einen
rechtschaffenen Ehemann hat, und er dann stirbt, und sie niemanden nach
ihm heiratet, dann werden sie für immer im Paradies vereint sein.“

Sheikh al-Albâni (möge Allâh barmherzig mit ihm sein) sagte:

Die Männer dieser Überlieferung sind thiqât (vertrauenswürdig), aber es


gibt eine Irsâl (Unterbrechung in der Überlieferungskette), weil ‘Ikrimah
Abu Bakr niemals getroffen hat, aber er könnte diesen Bericht von Asmâ’
bint Abi Bakr gehört haben. Und Allâh weiß es am besten.

Al-Silsilah al-Sahîhah, 3/276.

Schlussfolgerung

Die Ansicht, dass eine Frau mit dem Ehemann, der in dieser Welt am besten an
Charakter und Benehmen ihr gegenüber war, zusammen sein wird, hat keinen sahîh
Beweis, um dies zu belegen.

Die Ansicht, dass eine Frau die Wahl haben wird, mit welchem Ehemann auch immer sie
wünscht, zusammen zu sein, hat überhaupt keinen Beweis, um dies zu belegen.

Die Ansicht, dass sie mit dem letzten ihrer Ehemänner zusammen sein wird, ist diejenige
Ansicht, die am ehesten korrekt zu sein scheint, weil der Hadîth von Umm al-Dardâ’
hasan und marfû’ (auf den Propheten (Frieden und Segen Allâhs seien auf ihm)
zurückzuführen) ist. Er wurde durch die Berichte von Hudhayfah und Asmâ’ bestätigt,
welche mawqûf sind [ihre Isnâds enden bei den Sahâbi und sind nicht direkt auf den
Propheten (Frieden und Segen Allâhs seien auf ihm) zurückzuführen]. Sie sind dazu
geeignet, um als Bekräftigung der marfû’ Berichte genommen zu werden und als Beweis,
dass es eine angemessene Basis für diese Ansicht gibt.
Der Hadîth wurde von al-‘Allâmah Sheikh al-Albâni in al-Silsilah al-Sahîhah (1281) als
sahîh eingestuft.

Auf jeden Fall bevorzugen wir es als bloße Meinung.

Und Allâh weiß es am besten.

O Allâh, schenke Muhammad und seiner Familie und Gefährten Deinen Segen und
Frieden.

Sheikh Muhammed Salih Al-Munajjid

Quelle: Islam-QA.com (Frage Nr. 8068)