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Arbeitsuche und Bewerbung

Teil 2: Bewerbung

1. Was Sie in diesem Dokument erwartet

Mit der Bewerbung möchten Sie Aufmerksamkeit erzeugen und Interesse an Ihrer Person wecken. Die Personalverantwortlichen sollen den Wunsch entwickeln, Sie in einem Vorstellungsgespräch näher kennen lernen zu wollen.

Sie erfahren, welche Bausteine ein Anschreiben enthalten muss und wie Sie die Bewerbungsmappe richtig zusammenstellen.

Sie erfahren, welche Daten auf jeden Fall in einen Lebenslauf gehören und was Sie bei der Darstellung Ihres beruflichen Werdegangs berücksichtigen sollten.

Die Bedeutung des Internet für den Stellenmarkt und als Mittel zur Kommunikation ist sehr groß. Immer mehr Firmen wünschen eine Online-Bewerbung und geben deshalb eine E-Mail-Adresse in der Stellenanzeige an.

Für eine Bewerbung per E-Mail gelten dieselben Grundsätze wie bei einer klassischen Bewerbung. Sie verfassen auch hier ein Anschreiben und einen Lebenslauf.

Sie erfahren, wie eine Online-Bewerbung aussieht und was Sie dabei beachten müssen.

Wenn Sie zu einem Vorstellungsgespräch gebeten werden, haben Sie bereits eine erste große Hürde genommen: Sie sind in die engere Wahl gekommen.

Nun heißt es für Sie, sich gut zu präsentieren und Ihre Gesprächspartner zu überzeugen. Sie können sich auf das Gespräch wie auf eine mündliche Prüfung vorbereiten.

In diesem Dokument erfahren Sie, worauf Sie im Vorstellungsgespräch gefasst sein sollten. Sie lernen die typischen Phasen des Gesprächsverlaufs kennen und werden auf häufig gestellte Fragen vorbereitet. Sie bekommen Tipps, wie Sie sich am besten präsentieren und welche Fragen Sie selbst stellen sollten.

Selbstverständlich ist auch das Gehalt beim Vorstellungsgespräch ein wichtiges Thema. Hier kommt es darauf an, sinnvolle Verhandlungen zu führen. Welche Strategien die besten sind, erfahren Sie in diesem Dokument.

Und wenn es dann doch nicht klappt? Auch wenn Sie das Gefühl hatten, dass das Vorstellungsgespräch gut verlaufen ist, kann es dennoch passieren, dass Sie eine Absage erhalten. Hier lernen Sie die Gründe kennen, die zu einer Absage führen können. Sie lernen, Ihre Bewerbungsunterlagen und das Vorstellungsgespräch kritisch zu analysieren und entsprechende Konsequenzen für künftige Bewerbungen zu ziehen. Zudem erfahren Sie, wie Sie bei telefonischen Nachfragen am besten vorgehen.

Sie bekommen Sie auch Tipps für den Fall, dass Ihre Bewerbung erfolgreich war und Sie vom Arbeitgeber eine Zusage erhalten. Denn auch in diesem Fall sind für die ersten Arbeitstage einige Regeln zu beachten. Sie erfahren, wie Sie auftreten und sich Ihren neuen Kollegen gegenüber verhalten sollten.

2. Das Anschreiben

Mit dem Anschreiben möchten Sie Aufmerksamkeit erzeugen und Interesse an Ihrer Person wecken. Doch was müssen Sie dabei beachten.

Sehen Sie, was der Lernprogramm-Coach dazu sagt:

Nur, Sie haben nicht viel Zeit! Der erste Eindruck ist entscheidend. Den meisten Personalverantwortlichen steht für die Durchsicht der Bewerbungsunterlagen nur eine sehr begrenzte Zeit zur Verfügung. Deshalb muss die Devise lauten, sich positiv abheben, nicht um jeden Preis, aber mit Köpfchen. Haben Sie im Vorfeld, beispielsweise mit dem Ansprechpartner telefoniert? Wenn ja, steigen Sie direkt mit Bezug auf dieses Gespräch in das Einschreiben ein.

Letztlich sind es die Fakten, die zählen – deshalb greifen Personalverantwortliche oft zuerst zum Lebenslauf, wenn sie erfahren möchten, ob ein Bewerber oder eine Bewerberin auf eine ausgeschriebene Stelle passt. Trotzdem ist das Anschreiben wichtig: Seine Funktion ist es, den Fakten des Lebenslaufs einen persönlichen Rahmen zu geben.

Sehen Sie, auf welche Äußerlichkeiten die Personalentscheiderin Kirstin Plaschke achtet:

Der erste Eindruck ist wirklich entscheidend: Und er entsteht logischerweise durch die äußere Form. Es kommt immer wieder vor, dass man schludrige und fleckige Bewerbungen erhält. Die wandern bei uns sofort zurück.

2.1. Die äußere Form des Anschreibens

Damit Ihre Bewerbung den ersten Test besteht, beachten Sie bitte unbedingt diese Regeln zur äußeren Form des Anschreibens

Das Anschreiben:

1. ist auf weißem DIN-A4-Papier verfasst (mindestens achtzig Gramm, besser ist ein hundertzwanzig-Gramm-Papier)

2. wird nicht auf Schmuck-Briefpapier oder farbigen Briefbögen verfasst

3. enthält nur dann zusätzliche grafische Gestaltungselemente, wenn die ausgeschriebene Stelle dies nahe legt (zum Beispiel Werbung, Design und so weiter)

4. ist auf dem gleichen Papier und in der gleichen gut lesbaren Schrift gedruckt wie der Lebenslauf

5. ist sauber und nicht geknickt

6. sollte nicht länger als eine Seite sein

7. sollte in einem klaren Stil verfasst und übersichtlich aufgebaut sein, damit man beim schnellen Lesen das Wichtigste sofort erfassen kann.

8. enthält keine Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Noch ein Tipp:

Es gibt Vorlagen, die das Einhalten der äußeren Form erleichtern. Nutzen Sie die Vorlagen, die in Office-Softwareprogrammen wie zum Beispiel Word oder Writer bereits enthalten sind. Verwenden Sie jedoch keine vorformulierten Textbausteine! Diese sind den Personalverantwortlichen bekannt. Benutzen Sie auch keine Standard-Anschreiben, denn dies führt in der Regel dazu, dass Ihre Bewerbung aussortiert wird.

2.2. Regeln für den Aufbau des Anschreibens

Regeln gibt es auch für den Aufbau eines Anschreibens: Es muss ganz bestimmte Bausteine enthalten.

In der nachfolgenden Tabelle lernen Sie diese Bausteine an einem Musterbeispiel kennen. In der linken Spalte steht der Baustein und in der rechten Spalte erhalten Sie dazu eine Erläuterung.

Baustein

Erläuterung

Empfängeradresse

Die Empfängeradresse muss vollständig und richtig geschrieben sein. Vergessen Sie gegebenenfalls nicht den Titel des Empfängers / der Empfängerin.

Absenderadresse

Nennen Sie Ihre Adresse und alle sonstigen Kontaktdaten, auch Ihre Mobilfunknummer.

Datum

Bei Bewerbungen in Deutschland ist die korrekte Datumsangabe zum Beispiel 16.04.2008 oder 16. April

2008.

Bezug / Betreff

Als erstes erforderlich ist eine klare Zuordnung Ihrer Bewerbung, der Bezug auf eine Anzeige, ein Gespräch oder eine persönliche Empfehlung. Bei einer Initiativbewerbung können Sie auch gleich zur Sache kommen. Zum Beispiel: „Seit vier Jahren arbeite ich im Vertrieb im Kfz-Zubehörhandel und möchte Ihnen gerne meine Mitarbeit anbieten …“.

Anrede

Als Anrede verwenden Sie: Sehr geehrte Frau oder sehr geehrter Herr und dann den Namen Ihres Ansprechpartners.

Einstiegssatz

Als Einstieg formulieren Sie einen interessanten Satz, der Interesse an Ihrer Person weckt.

Hauptteil

Der Hauptteil des Anschreibens ist die kurz gehaltene Beschreibung Ihrer Qualifikationen und Eigenschaften mit Bezug zur angestrebten Tätigkeit. Nennen Sie die zwei bis drei wichtigsten Argumente, warum gerade Sie für diese Stelle die / der Richtige sind. Packen Sie nicht Details aus dem Lebenslauf in das Anschreiben. Hier sollten Sie herausstellen, was Sie besonders interessant macht und was Sie von anderen Bewerbern / Bewerberinnen unterscheidet. Verkaufen Sie Ihr Können – nicht Ihre bisherigen Stationen.

Baustein

Erläuterung

Eintrittstermin

Nennen Sie Ihren möglichen Eintrittstermin.

Nennung der Gehaltsvorstellung

Gehaltswünsche geben Sie an, wenn dies ausdrücklich gefordert wurde. Ansonsten heben Sie sich dieses Thema für das Vorstellungsgespräch auf. Das lässt Ihnen und dem Unternehmen Verhandlungsspielraum. Üblicherweise wird das gewünschte Einkommen als Jahresgehalt angegeben. Jobeinsteiger sollten sich zunächst über das branchenübliche Gehalt informieren. Sie finden Angaben hierzu in BERUFENET.

Bitte um Vorstellungsgespräch

Eine freundliche Schlussformulierung darf nicht fehlen, die deutlich hervorhebt, dass Sie sich über ein persönliches Gespräch sehr freuen würden.

Grußformel

Die übliche Grußformel lautet: Mit freundlichen Grüßen.

Unterschrift

Unterschreiben Sie das Anschreiben handschriftlich.

Nennung der Anlagen

Nennen Sie die Anlagen. Bei mehreren Anlagen genügt auch das Wort „Anlagen“.

2.2.1. Beispiel für ein Musteranschreiben

So könnte ein Anschreiben aussehen:

Brunhild Gaspers Unterführberger Straße 1

44 711 Hamburg

Telefon: +49 33 471 100 00 Mobil: 0162 539 487 6

Hama Wärmetechnik GmbH Frau Grit Schröder Rundweg 12

98 528 Suhl

25. November 2007

Ihre Anzeige „Vertriebsassistentin“ in der Mitteldeutschen Zeitung vom 22. November 2007

Sehr geehrte Frau Schröder,

mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige in der „Mitteldeutschen Zeitung“ gelesen und bin mir sicher, aufgrund meiner Qualifikation Ihr Vertriebsteam gut ergänzen zu können. Vor allem, da ich Ihre Produkte kenne, sie zum Teil selbst benutze und sehr zufrieden damit bin.

Nach meiner Ausbildung zur Industriekauffrau und anschließend dreijähriger Tätigkeit bei meiner Ausbildungsfirma Industriekontor Nord wechselte ich vor sechs Jahren zu einem Getränkegroßhandel in Buxtehude. Seit mehr als drei Jahren arbeite ich bei der Eisen- und Stahlhandel GmbH in Buxtehude als Assistentin des Außendienstlers. Hier war ich für Einsatz- und Terminplanung der insgesamt zwölf Kundenbetreuer im Außendienst der Firma, sowie für die aktive Kundenkontaktpflege und Kundenkorrespondenz zuständig.

Ich bin mit der Verknüpfung der einzelnen Arbeitsvorgänge sehr gut vertraut und erkenne auch gut deren Zusammenhänge. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Kunden im Interesse der Kundenzufriedenheit und die zielgerichtete Teamarbeit waren stets mein Anspruch an der beruflichen Tätigkeit in den Unternehmen. Die Vielfältigkeit der Aufgaben ermöglichte mir die Weiterentwicklung meiner fachlichen, sozialen und organisatorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Am 1. Januar 2008 könnte ich bei Ihnen anfangen. Meine Gehaltsvorstellung beträgt XXXXX Jahresgehalt.

Ich freue mich auf neue berufliche Herausforderungen und stehe Ihnen gern zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Anlagen

2.3. Die Analyse der Anzeige

Die Formulierung eines Anschreibens ist ja nicht ganz einfach. Denn jeder, bei dem Sie sich bewerben, sollte das Gefühl haben, dass Sie die Bewerbung nur für diese eine Firma geschrieben haben. Genau deshalb ist die Analyse der Anzeige so wichtig. Auf die Anforderungen, die Sie dort finden, müssen Sie im Anschreiben unbedingt eingehen.

2.3.1. Muss-Kriterien

In Stellenausschreibungen finden Sie Muss-Kriterien, die unbedingt erfüllt werden müssen. Bewerben Sie sich nur, wenn Sie die meisten dieser Anforderungen nachweisen können. Erfüllen Sie diese K.O.-Kriterien nicht, wird Ihre Bewerbung aussortiert.

Muss-Kriterien erkennen sie an der folgenden Wortwahl:

Wir erwarten …

Ihr Profil / Ihr Eignungsprofil

Ihre Qualifikation, Ausbildung

Ihre Kenntnisse

Das sollten Sie mitbringen

Wenn z.B. eine Fremdsprache gefordert ist, lesen Sie genau, wie die Anforderung lautet: „Gutes Englisch“ bedeutet, dass Sie sich problemlos in Englisch verständigen können. „Verhandlungssicheres Englisch“ könnten Sie zum Beispiel durch einen längeren beruflichen Auslandsaufenthalt nachweisen.

2.3.2. Wunsch-Kriterien

Bei den Wunsch- beziehungsweise Kann-Kriterien sieht die Sache ein wenig anders aus. Hier können Sie zusätzlich punkten und Ihre Chancen verbessern.

Wunsch-Kriterien erkennen sie an Formulierungen wie:

Ideal wären Kenntnisse in …

Wünschenswert sind …

Wir freuen uns über

2.3.3. Soziale Eigenschaften und Kompetenzen

In den Anzeigen werden nicht nur Ausbildung und Kenntnisse gefordert, sondern oft auch soziale Eigenschaften und Kompetenzen. Dazu gehören zum Beispiel Teamfähigkeit, Lernbereitschaft oder Organisationstalent.

Über ein genaues Lesen der Anzeigen finden Sie heraus, welche Eigenschaften verlangt sind. In Ihrem Anschreiben gehen Sie folgerichtig darauf ein.

Dabei sollten Sie dann Ihre Eigenschaften nicht nur nennen, sondern Sie sollten darstellen, in welchen beruflichen Situationen Sie beispielsweise Ihre Teamfähigkeit unter Beweis gestellt haben.

Gut möglich, dass man Sie später im Vorstellungsgespräch bittet, diese Punkte genauer zu erläutern.

Nutzen Sie die Checkliste, die Sie im Kapitel Situationsanalyse im Teil „Arbeitsuche“ erstellt haben. Die dort gesammelten und beschriebenen Stärken können Sie beim Anschreiben nun wieder verwenden. Checkliste_meine_persoenliche_Kompetenzbilanz.pdf

2.3.4. Welche Eigenschaften werden hier verlangt?

In der nachfolgenden Tabelle lernen Sie Formulierungen von sozialen Eigenschaften in Anzeigentexten kennen. In der linken Spalte steht die Formulierung. Bitte überlegen Sie bei der entsprechenden Formulierung, welche Eigenschaft in der Anzeige gefordert wird.

Zur Auswahl stehen

Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft

Belastbarkeit, Selbstständiges Arbeiten

Lernbereitschaft, Konzentrationsfähigkeit

Ausdauer, Zuverlässigkeit

Eigeninitiative, Kreativität

Aufgeschlossenheit, Kontaktfähigkeit

In der rechten Spalte erhalten Sie dazu die Auflösung.

Formulierung

Auflösung

Wir sind ein kleines Unternehmen der Bauwirtschaft. Für unser Team im Büro suchen wir eine Bürokraft, der / die gerne mit Menschen zu tun hat und Arbeit nicht aus dem Weg geht.

Teamfähigkeit,

Leistungsbereitschaft

Formulierung

Auflösung

Behalten Sie auch im Chaos den Überblick? Dann sind Sie bei uns richtig als berufserfahrene/r Veranstaltungskaufmann/ -frau.

Belastbarkeit,

Selbstständiges

Arbeiten

Als Systeminformatiker/ -in lernt man nie aus. Wenn Sie bereit sind sich dieser Herausforderung zu stellen, bewerben Sie sich bei uns.

Lernbereitschaft,

Konzentrationsfähigkeit

Wir suchen für unsere Verwaltung eine/n Bürokauffrau/ - mann, auf die / den hundertprozentig Verlass ist, auch wenn es einmal hoch her geht.

Ausdauer,

Zuverlässigkeit

Organisieren Sie gerne und geschickt? Dann brauchen wir Sie in unserem Team.

Eigeninitiative,

Kreativität

Sind Sie bereit, sich immer wieder auf neue Kunden und Situationen einzustellen? Dann sind Sie bei uns richtig.

Aufgeschlossenheit,

Kontaktfähigkeit

2.3.5. So stellen Sie die geforderte Eigenschaft unter Beweis

In der nachfolgenden Tabelle lernen Sie Formulierungen kennen mit denen Sie Ihre sozialen Eigenschaften „untermauern“ können. In der linken Spalte steht die „Eigenschaft“. In der rechten Spalte finden Sie dazu ein Beispiel für eine mögliche Formulierung.

Eigenschaft

Formulierung

Teamfähigkeit

Ich kann gut mit anderen zusammen arbeiten. Das stelle ich als Mittelstürmerin des F C Uckerath unter Beweis.

Ausdauer

Bei meinem früheren Stellen habe ich gezeigt, dass ich den Ehrgeiz habe, auch harten Anforderungen gerecht zu werden.

Kontaktfähigkeit

Während eines Praktikums im Kindergarten stellte ich fest, wie leicht es mir fällt fremde Menschen kennen zu lernen.

Kreativität

Auch wenn es hektisch wird, behalte ich den Überblick und improvisiere notfalls. Das kenne ich aus meinem früheren Nebenjob als Kellner.

Zuverlässigkeit

Ich bin ein Mensch, auf den man sich verlassen kann. Vereinbarungen und Termine halte ich ein.

Lernbereitschaft

Es bereitet mir keine Schwierigkeiten, mich auf neue Umstände einzustellen. Das gehörte während der Zeit mit meinen Kindern und der Arbeit im Elternbeirat zu den täglichen Anforderungen.

Eigeninitiative

Ziele verwirkliche ich ohne Anstöße von außen. Meine Weiterbildungen habe ich meist sogar selbst bezahlt.

2.4.

Auf diese Formulierungen achten Personalverantwortliche

Die Personalreferentin Kirstin Plaschke sitzt am Schreibtisch mit einer geöffneten Bewerbungsmappe in der Hand. Sie liest verärgert daraus vor:

Schon wieder: „Hiermit bewerbe ich mich …“ – das ist doch klar, dass sie sich bewirbt. Was ich wissen will, ist, was sie zu bieten hat, was sie kann – warum sollte ich gerade sie nehmen?“

Bei Ihrem Anschreiben und insbesondere bei der Beschreibung Ihrer Person müssen Sie gut formulieren und den richtigen Ton treffen.

Vermeiden Sie:

steife Formeln wie zum Beispiel „Hiermit bewerbe ich mich“, „bezugnehmend auf“, „sende ich Ihnen in der Anlage zu“, „verbleibe ich mit“.

Abkürzungen, auch wenn sie i.d.R. und i.a. ganz geläufig sind.

allgemeine Floskeln wie zum Beispiel „Ich werde von meinem Chef geschätzt.“

Modeworte wie zum Beispiel „einmalig“, „klasse“, „sowieso“, „super“, „toll“, „total“, „verdammt“, „wahnsinnig“.

Umgangssprache wie zum Beispiel „Ich bin dafür bekannt, dass ich selbst dann cool bleibe, wenn es im Laden nur so brummt.“.

Formulieren Sie prägnant und aussagekräftig – und in einem sachlichen und freundlichen Ton.

Achten Sie darauf, dass

das Anschreiben auf die zu besetzende Stelle passt.

der Ton Ihres Anschreibens freundlich und aufgeschlossen ist.

Sie einen sachlichen Stil und aussagekräftige Formulierungen wählen.

Sie kurze und prägnante Sätze benutzen.

Sie im Aktiv und mit vielen Verben schreiben.

Denken Sie immer daran: Das Unternehmen muss Sie kennen lernen wollen. Nutzen Sie dazu gleich die ersten Sätze.

Am besten, Sie versetzen sich in die Lage der Personalverantwortlichen. Was interessiert diese und was ist aus ihrer Perspektive eine wesentliche Information?

2.5. Horst Schumann bewirbt sich

Steckbrief: von Horst Schumann:

Single mit Wochenendbeziehung, dreiundvierzig Jahre alt. Metzgerlehre in einem großen Fleischzerlegebetrieb in den neuen Bundesländern, wollte nach der Lehre mehr in Richtung „Feinkost“ und „Wurstherstellung“, hat deshalb noch die Meisterprüfung abgelegt. Ist in einer Landmetzgerei angestellt.

Seine Lebenspartnerin Barbara wohnt in Südbayern. Sie lebt vegetarisch und hätte deshalb vermutlich ein Problem, wenn ihr Horst am Abend mit blutverschmiertem Kittel nach Hause kommt. Horst Schumann möchte künftig mit Barbara zusammenleben. Er will sich deshalb in ihrer Nähe einen neuen Job suchen. Er bewirbt sich daher auf eine Chiffre-Anzeige der Süddeutschen Zeitung, bei der ein Supermarkt eine Verstärkung in der Feinkost-Abteilung für Einkauf und Qualitätssicherung sucht. Die Bewerbung soll er an Frau Kirstin Plaschke richten.

Bitte überlegen Sie: Wie würden Sie an Stelle von Horst Schumann das Anschreiben formulieren?

Sie sehen jetzt das Musteranschreiben von Herrn Schumann. In der linken Tabellenspalte sind die einzelnen Bausteine des Anschreibens ausgeführt. In der rechten Spalte erhalten Sie zu dem jeweiligen Baustein einen Kommentar.

Baustein

Kommentar

Horst Schumann Brunnwiesenstraße. 11

Die Absender-Adresse hat Herr Schumann richtig angegeben.

98

574 Schmalkalden

Tel.: 03 68 3 – 77 75 6 Mobil: 0 1 6 2 – 79 86 544 E-Mail: Horst Schumann@t-online.de Schmalkalden, 16.04.2008

Frau Kirstin Plaschke Personalabteilung Firma Supermarkt Bachstraße 28

Herr Schumann richtet sich direkt an Frau Kirstin Plaschke, da dies in der Anzeige so angegeben wurde.

87

435 Kempten

Stellenangebot Chiffre 23 45 im der Süddeutschen Zeitung

Das Voranstellen des Wortes „Betreff“ gilt als veraltet. Ist in der Stellenanzeige eine Chiffre angegeben, sollte diese genannt werden.

Sehr geehrte Frau Plaschke, Sie suchen in Ihrer Anzeige Verstärkung für Ihre Feinkost-Abteilung für Einkauf und Qualitätssicherung. Mit meinen vielfältigen Erfahrungen aus der Lebensmittelbranche könnte ich Ihr neuer Mitarbeiter sein.

Die Anrede ist korrekt. Eine Formulierung wie „… möchte mich hiermit bei Ihnen bewerben“ würde zu formelhaft wirken und sollte nicht verwendet werden.

Kurz zu meiner Person: Während meiner langjährigen Berufstätigkeit als Metzger konnte ich auch Erfahrungen im Einkauf und Verkauf sammeln.

Herr Schumann weckt mit seiner Formulierung sicher das Interesse von Frau Plaschke.

Baustein

Kommentar

Nachdem ich mich im EDV-Bereich fortgebildet habe, bringe ich auch Voraussetzungen für Bürotätigkeiten mit. Ich bin flexibel einsetzbar und belastbar und arbeite gerne im Team.

Der Nutzen der Fortbildungen für die Firma muss angesprochen werden. Schreiben Sie nie, dass Sie glauben, gut in ein Team zu passen – Sie kennen das Team ja noch gar nicht.

Ich freue mich auf Ihre Einladung zu einem persönlichen Gespräch.

Der Wunsch zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, muss direkt formuliert werden – „Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören“ könnte auch bedeuten, sie freuen sich, eine Absage zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Die richtige Anrede ist „Mit freundlichen Grüßen“, andere Formulierungen sind zum jetzigen Zeitpunkt zu persönlich. Herr Schumann ist mit Frau Plaschke, der Personalreferentin, noch nicht näher bekannt.

2.6. Anita Bach bewirbt sich

Anita Bach, fünfundreißig, verheiratet, dreijährige Tochter, möchte nach der Babypause wieder arbeiten. Sie ist ausgebildete P T A, hat bei einem Pharmakonzern gearbeitet. Sie möchte im näheren Umkreis arbeiten. Sie bewirbt sich daher bei der Apotheke von Jörg Plessmann.

Bitte überlegen Sie: Wie könnte das Anschreiben von Frau Bach aussehen?

Sie sehen jetzt das Musteranschreiben von Frau Bach. In der linken Tabellenspalte sind die einzelnen Bausteine des Anschreibens ausgeführt. In der rechten Spalte erhalten Sie zu dem jeweiligen Baustein einen Kommentar.

Die Absender- und Empfängeradresse hat Frau Bach korrekt angegeben.

Baustein

Kommentar

Bewerbung um die Position einer Pharmazeutisch-Technischen-Assistentin in Ihrer Apotheke. Sehr geehrter Herr Dr. Plessmann, vielen Dank für das freundliche Telefonat am Freitag.

Der Name des Ansprechpartners sollte genannt werden, der Doktortitel gehört zum Namen.

Baustein

Kommentar

Als P T A mit Erfahrungen aus einem Großlabor könnte ich in Ihrer Apotheke von Nutzen sein. Während meiner fünfjährigen Tätigkeit im Labor eines Pharmakonzerns habe ich eine Vielzahl von Bestimmungsverfahren praktizieren gelernt, die auch für die Arbeit in einer Apotheke hilfreich sein werden. Aus organisierten Arbeitsgruppen bin ich zügiges und effektives Arbeiten gewohnt.

Als Einstieg ist immer ein Satz gut geeignet, der den Nutzen für die Firma zum Ausdruck bringt.

Als kontaktfreudiger Mensch würde ich jetzt gerne in einem kleinen Team arbeiten.

Es ist vorteilhaft, eine soziale Eigenschaft in einen Bezug zur Arbeitsstelle zu bringen.

Am 1. Juni könnte ich bei Ihnen anfangen. Meine Gehaltsvorstellung bewegt sich im branchenüblichen Rahmen. Auf Ihre Einladung freue ich mich.

Kurz und bündig gut formuliert, fast so, als sei die Einladung bereits beschlossene Sache.

2.7. Mein eigenes Anschreiben

Sie haben nun alle Regeln und Bausteine für das Anschreiben kennen gelernt. Sie wissen durch die Anzeigenanalyse, welche Kompetenzen verlangt werden.

Außerdem kennen Sie Ihre Eigenschaften und Ziele. Diese fassen Sie nun im Anschreiben zusammen. Bilden Sie dabei möglichst kurze Sätze; sie wirken fast immer besser als Bandwurm-Konstruktionen.

Nehmen Sie bitte eine Stellenanzeige, die Ihren Wunsch-Arbeitsplatz anbietet und verfassen Sie Ihr eigenes Anschreiben mit einem Schreibprogramm.

Ein Tipp: Ein gutes Anschreiben braucht Zeit. Nehmen Sie sich dafür mehrere Stunden, schlafen Sie eine Nacht darüber und gehen Sie es am nächsten Tag noch einmal mit kritischer Feder durch. Lassen Sie es dann einen guten Freund / eine gute Freundin lesen, von dem / der Sie wissen, dass Sie eine ehrliche Rückmeldung bekommen.

2.7.1. Checkliste – Anschreiben

Nach dieser Checkliste können Sie vorgehen, um Ihr Anschreiben zu überprüfen. Sind alle Punkte erfüllt, haben Sie einen ersten großen Schritt für Ihre Bewerbung getan. Checkliste_Anschreiben.pdf

2.8. Das passende Foto?

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz dürfen sich Faktoren wie Alter, Nationalität und Aussehen bei der Bewerberauswahl nicht negativ auswirken. Deshalb darf ein Bewerbungsfoto nicht mehr verlangt werden.

Im englischsprachigen Ausland wird schon länger auf Fotos verzichtet. Prognosen besagen, dass sich diese Gepflogenheit auch in Deutschland durchsetzen wird.

Sehen Sie, was die Personalentscheiderin Kirstin Plaschke dazu sagt:

„Es ist in Deutschland weitgehend noch üblich, dem Lebenslauf ein Foto beizufügen. Wenn ich Bewerber wäre – ich würde nicht darauf verzichten“.

Ein Bild kann Sympathie, aber auch Ablehnung erzeugen, ohne dass Sie durch Ihre persönliche Erscheinung diesen Eindruck korrigieren können.

Lassen Sie deshalb mehrere gute Aufnahmen machen und geben Sie sich Mühe bei der Auswahl. Ihr Foto kleben Sie auf das Deckblatt Ihrer Bewerbung. Sie können es auch rechts oben in den Lebenslauf kleben.

Ein Tipp: Vermerken Sie auf der Rückseite des Fotos Ihren Namen. Für den Fall, dass es sich löst, kann es wieder zugeordnet werden.

3. Der Lebenslauf

Haben Sie erst einmal mit dem Anschreiben und Ihrem Foto das Interesse geweckt und damit die erste Hürde genommen, wird im zweiten Schritt Ihr Lebenslauf geprüft.

Sehen Sie, was der Lernprogramm-Coach dazu sagt: „Zusammen mit dem Anschreiben ist dieses Dokument der wichtigste Teil in Ihrer Bewerbung. Hier müssen Sie deutlich machen, dass Ihre Qualifikationen und Erfahrungen zur ausgeschriebenen Stelle passen. Sie können dabei in der Gestaltung des Lebenslaufs durchaus etwas kreativ sein und Akzente setzen.“

Ein Tipp: Schreiben Sie keinen Standardlebenslauf. Wenn Sie sich für verschiedene Stellen mit unterschiedlichen Tätigkeiten bewerben, können Sie auch unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Beachten Sie aber, dass die Angaben im Anschreiben, Lebenslauf und in den Zeugnissen übereinstimmen müssen.

3.1. Der Inhalt des Lebenslaufs

Sehen Sie hier, welche Daten auf jeden Fall in einen Lebenslauf gehören und was Sie bei der Darstellung Ihres beruflichen Werdegangs berücksichtigen sollten.

Persönliche Daten

Vor- und Familienname, Adresse (die Anschrift kann auch im Anschreiben stehen.) Kontaktdaten (Festnetz- und Mobilnummer, E-Mail-Adresse).

Freiwillige Angaben sind: Geburtsort, Geburtsdatum, Familienstand und Anzahl der Kinder.

Ein Bewerbungs-Foto ist in den Lebenslauf einzufügen, falls es nicht auf das Deckblatt der Bewerbung geklebt wurde.

Schul-Ausbildung

Besuchte Schulen und Abschlüsse, Angabe in Jahren.

Wenn Sie schon viele Jahre Berufserfahrung haben, reicht es aus, nur den letzten Schulabschluss zu nennen.

Wehr- und Ersatzdienst, freiwilliges soziales, kulturelles oder ökologisches Jahr

Diese Zeiten gehören alle in den Lebenslauf.

Berufsausbildung

Berufsausbildung: Ausbildungsberuf, Ausbildungsfirma, Abschluss

Berufspraxis

Zählen Sie alle beruflichen Stationen mit Position und Firma auf, jeweils mit Angabe von Monat und Jahr. Hier darf es ein bisschen ausführlicher sein. Bemerkenswertes wie übertragene Verantwortung, Projekterfahrung, besondere Leistungen usw. können stichpunktartig erwähnt werden.

Betreuungs- und Erziehungszeiten

Führen Sie ggf. Zeiten der beruflichen Weiterbildung während der Elternzeit an.

Sonstiges,

Nennen Sie alles, was mit Ihrer beruflichen Tätigkeit zu tun hat, heute aktuell ist und zu Ihrer Stelle passt.

Weiterbildung

Besondere Kenntnisse und Fähigkeiten (ohne Sonstiges)

Dies können z. B. sein: EDV-Anwendungen, Sprachen, handwerkliche Fertigkeiten.

Treffen Sie eine Auswahl, die mit dem angestrebten Job harmoniert – also nicht einen Töpferkurs angeben, wenn Sie sich als Sekretärin bewerben.

 

Vorsicht bei der Auswahl: Fallschirmspringen und Psychokurse bitte nicht aufführen!

Hobbys, Interessen, ehrenamtliches und soziales Engagement, Sport, Politik

Allgemein gilt: Nennen Sie nur Wichtiges, zusätzlich alles, was im Zusammenhang mit der Stelle Sinn macht.

Beispiele:

Mannschaftssport, wenn es auf soziale Kompetenz ankommt (Sportler gelten als sozial befähigt)

 

Kassenwart in einem Verein, wenn es (z.B. kaufmännisch) um Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Vertrauenswürdigkeit geht.

3.2. Form und Aufbau des Lebenslaufs

Zwei Formen des Lebenslaufs sind zu empfehlen. Sie können Ihre Berufserfahrung chronologisch darstellen, indem Sie bei der Darstellung Ihrer Tätigkeiten der zeitlichen Entwicklung folgen. Bei der antichronologischen Darstellung beginnen Sie umgekehrt mit Ihrer letzten beruflichen Position und gehen dann rückwärts bis zu Ihrer Berufs- und Schulbildung. Die chronologische Form des Lebenslaufs tritt immer mehr in den Hintergrund, eine antichronologische Darstellung wird zum Standard.

Ein Tipp: Falls Sie einmal arbeitslos waren, weisen Sie darauf hin, wenn Sie die Zeit genutzt haben, um sich fortzubilden. Sie können abschließend eine „Dritte Seite einfügen“, um sich von anderen Bewerbern und Bewerberinnen abzuheben. Auf ihr formulieren Sie einen Punkt, der Ihnen wichtig ist, z.B.: Zu meiner Person. Was Sie noch wissen sollten! Was mir wichtig ist! Warum ich?

3.3. Worauf Personalverantwortliche achten

Personalverantwortliche können geschönte Lebensläufe erkennen. Sie versuchen, biografische Grundlinien und Charaktermerkmale aus dem Lebenslauf „herauszulesen“.

Sehen Sie, was die Personalentscheiderin Kirstin Plaschke dazu sagt:

„Darauf achte ich beim Lebenslauf besonders: Ist die Biografie geradlinig und logisch nachvollziehbar? Lässt sich eine Karriere- und Lebensplanung erkennen? Oder hat er ziellos mal dies, mal jenes probiert? Das sind so die typischen Punkte, die wir Personaler im Hinterkopf haben.“

Zwei Aspekte sind es vor allem, für die sich die Personalverantwortlichen interessieren: Zum einen: Lücken im Lebenslauf und Stellenwechsel. Zum anderen die Entwicklung Ihrer Karriere und Berufswechsel.

Ein Tipp:

Bleiben Sie ehrlich und machen Sie im Lebenslauf keine falschen Angaben. Personalentscheider können Bluffs erkennen:

• wenn die Angaben im Lebenslauf nicht mit den Zeiten in den Zeugnissen übereinstimmen.

• wenn die Angaben zeitlich nicht plausibel sind, zum Beispiel was Sie in einem kurzen Zeitraum alles gemacht haben wollen.

• durch Nachfragen bei Schulen, Ausbildungsstätten, Betrieben, Finanzamt und so weiter. Übrigens: Fälschen von Zeugnissen ist eine strafbare Urkundenfälschung!

Lücken in Ihrer Biographie sind nicht vorteilhaft. Bei den meisten Personalverantwortlichen erwecken sie Misstrauen. Sie sollten deshalb Lücken im Lebenslauf zwar angeben, aber möglichst plausibel erklären. Wichtig ist, dass Sie dabei immer bei der Wahrheit bleiben.

Auch häufigere Stellenwechsel, oder eine sehr lange Verweildauer in derselben Firma können Sie im Lebenslauf vorteilhaft darstellen.

Bei häufigem Wechsel:

Begründen Sie jeden Arbeitswechsel kurz und stichhaltig z.B. indem Sie den neuen Aufgaben- oder Interessenbereich hervorheben.

Bei sehr langer Verweildauer:

Zeigen Sie z.B. Ihre Entwicklung in der Firma auf, stellen Sie Ihre verschiedenen Funktionen oder auch Veränderungen Ihres Einsatzortes dar. Geben Sie auch verschiedene und zusätzliche Aufgaben an, z.B. die zeitweilige Übernahme von Verpflichtungen in einer anderen Abteilung.

Unterbrechungen im Lebenslauf:

Menschen verändern sich und das Leben verläuft nicht geradlinig. Trotz dieser Tatsache sehen viele Personalverantwortliche Unterbrechungen im Lebenslauf kritisch. Versuchen Sie deshalb, „Brüche“ in Ihrem Berufsleben zu „glätten“, und bereiten Sie sich darauf vor, Richtungswechsel im Bewerbungsgespräch verständlich zu machen.

Auch gegen die „Arbeitslosigkeit“ in Ihrem Lebenslauf können Sie etwas tun. Eine Phase der Arbeitslosigkeit kann auch als eine Phase der Arbeitsuche oder als Bewerbungsphase beschrieben werden. Führen Sie sinnvolle Tätigkeiten während der Arbeitslosigkeit an, zum Beispiel: Fortbildungen, Praktika, freiberufliche Arbeit, ehrenamtliche Tätigkeit im Berufsfeld, Fremdsprachenanwendung. Aber achten Sie darauf, dass Sie diese auch belegen können.

Familienphasen müssen Sie nicht erklären oder verstecken. Betonen Sie, was Sie zum Beispiel bezüglich Organisation und Zeitmanagement in der Arbeit mit Kindern geleistet und gelernt haben. Viele Unternehmer wissen das durchaus zu schätzen.

Anführen sollten Sie nützliche Fortbildungen für die Stelle, die Sie während der Familienphase gemacht haben – auch dann zum Beispiel, wenn Sie sich Computer- oder Internetkenntnisse angeeignet haben, um Ihren Kindern besser bei den Hausaufgaben helfen zu können.

3.4. Bringen Sie Ihren Lebenslauf in Form

Machen Sie sich jetzt selbst an die Arbeit! Erstellen Sie Ihren Lebenslauf, oder überprüfen und aktualisieren Sie Ihren vorhandenen Lebenslauf anhand der Checkliste „Lebenslauf“. checkliste_lebenslauf.pdf

4. Die Zeugnisse

Zeugnisse fügen Sie Ihrer Bewerbung als Anlage bei. Nehmen Sie keine Originale, Kopien werden akzeptiert. Die Reihenfolge der Zeugnisse sollte der Abfolge im Lebenslauf entsprechen, oder auf andere Weise eine logische Reihenfolge ergeben.

Sie müssen nicht jedes Zeugnis und jede Teilnahmebescheinigung beilegen, die Sie in Ihrem Leben erhalten haben. Dafür gibt es ein paar Regeln.

Schulzeugnisse:

Bei Schulzeugnissen einschließlich Zeugnisse für die Berufsausbildung sollten Sie nur den höchsten Abschluss durch eine Zeugniskopie belegen. Bei langjähriger Berufserfahrung kann – je nach Beruf – auf Schulzeugnisse verzichtet werden, da zählt mehr Ihre berufliche Leistung.

Arbeitszeugnisse:

Arbeitszeugnisse sollten Sie möglichst vollständig vorlegen. Praktikumszeugnisse sind nur bei Berufseinsteigern oder bei sehr geringer Berufserfahrung sinnvoll.

Weiterbildungen:

Bei Weiterbildungszertifikaten / Seminarbescheinigungen und so weiter wählen Sie die Zeugnisse und Bescheinigungen aus, die im Zusammenhang mit der Stelle, für die Sie sich bewerben, von Bedeutung sind. Diese nennen Sie auch im Lebenslauf.

5. Die Bewerbungsmappe

Sie haben alle Bewerbungsunterlagen verfasst und zusammengetragen. Jetzt kümmern Sie sich um die Ordnung und die „Verpackung“ Ihrer Unterlagen. Wie beim Titel eines Buches kommt obenauf ein Blatt mit den wichtigsten Informationen über Sie und den Inhalt Ihrer Bewerbung.

Auf das Deckblatt kommen:

• der Titel, zum Beispiel „Bewerbungsunterlagen“ oder „Bewerbung als …“

• der Name der Firma, bei der Sie sich bewerben.

• Ihr Vor und Zuname.

• Ihre Adresse. Sie müssen diese dann nicht bei den persönlichen Daten im Lebenslauf wiederholen.

• Ihr Foto, wenn Sie es nicht auf den Lebenslauf oben rechts kleben.

Jetzt sortieren Sie alle Papiere und bringen Sie in die richtige Reihenfolge:

Das Anschreiben legen Sie lose obenauf in Ihre Bewerbungsmappe. Und in dieser Reihenfolge heften oder klemmen Sie die anderen Unterlagen ein:

1. Deckblatt

2. Lebenslauf

3. Dritte Seite

4. Zeugnis A, Zeugnis B etc.

Zum Schluss kommen alle Unterlagen in eine ansprechende Verpackung. Im Fachhandel bekommen Sie Bewerbungsmappen in den unterschiedlichsten Aufmachungen. Ein Tipp: Die Farbwahl hängt von der Branche ab. Zum Beispiel im Bankbereich eher dezenter, im Werbebereich etwas farbiger, sollte aber nicht zu „knallig“ sein. Vermeiden Sie in jedem Fall Bewerbungsmappen mit Muster. Klipphefter oder Kunststoffmappen mit transparenter Vorderseite sind gut geeignet. Mit der Höhe der Position steigen die Anforderungen an die Ausführung. Die Blätter sollten zum Kopieren entnommen werden können. Einzelne Klarsichthüllen pro Blatt sind aber heute eher unüblich und suggerieren, dass man dem Adressaten einen unsachgemäßen Umgang mit den Unterlagen unterstellt.

5.1. Checkliste zur Bewerbungsmappe

Bevor Sie Ihre Unterlagen versenden, führen Sie noch eine Qualitätskontrolle durch und prüfen, ob Sie keine Unterlagen vergessen haben. Öffnen Sie dazu die PDF- Datei:

Checkliste_Qualitätskontrolle vor dem Versand.pdf

5.2. Anita Bach hat sich beworben

Jörg Plessmann in seinem Arbeitszimmer in der Apotheke, hat die Bewerbungsmappe von Frau Bach in der Hand und spricht zu seiner Frau: „Sieh mal:

sympathisches Foto, und die Bewerbung ist ansprechend gestaltet, alles drin … erste Berufserfahrungen sind vorhanden, hat im Großlabor sicher viele Testverfahren kennen gelernt – Ich glaube, die lade ich mal ein. Was meinst Du?“

6. Online-Bewerbung

Die Bedeutung des Internet für den Stellenmarkt und als Mittel zur Kommunikation ist sehr groß. Immer mehr Firmen wünschen eine Online-Bewerbung und geben deshalb eine E-Mail-Adresse in der Stellenanzeige an. Für eine Stelle sollten Sie sich jedoch nur einmal bewerben, entweder per E-Mail oder schriftlich. Online- Bewerbungen empfehlen sich auch bei Stellenanzeigen in Internet-Jobbörsen und bei Initiativbewerbungen. Für eine Bewerbung per E-Mail gelten dieselben Grundsätze wie bei einer klassischen Bewerbung. Sie verfassen auch hier ein Anschreiben und einen Lebenslauf. Allerdings ist es üblich, auf Kopien von Zeugnissen zu verzichten. Bieten Sie an, fehlende Unterlagen nachzureichen.

Sehen Sie, was die Personalentscheiderin Kirstin Plaschke dazu sagt:

„Erkennbare Serienmails sortiere ich gleich aus. Ich wünsche mir eine individuell formulierte und adressierte Online-Bewerbung, in der sich der Bewerber auf ein konkretes Stellenangebot bezieht. Noch besser ist es, wenn er mich als Verantwortliche namentlich anspricht.“

6.1. Dies sollten Sie bei einer Online-Bewerbung beachten:

Schon aus dem „Betreff“ der Mail sollte hervorgehen, um welche Stelle man sich bewirbt. Der eigene Name kann dabei angefügt werden. Sollte sich die Bewerbung auf eine Anzeige beziehen, in der eine Kennziffer genannt war, dann darf diese keinesfalls fehlen. Bei Direktbewerbungen schließt ein kurzer Hinweis über Zweck und Inhalt Ihres Schreibens im Betreff der E-Mail Verwechslungen mit Spam-Mails aus. Am besten ist ein einzelner Anhang in einem Format, das auf jedem Rechner gelesen werden kann. Dazu eignet sich das R T F oder P D F Format. Sammeln Sie alle Anlagen in einer Datei, damit Sie die Personalverantwortlichen nicht mit dem Öffnen nerven. Auch bei einer E-Mail-Bewerbung ist es besser, Sie haben sich nach dem Ansprechpartner telefonisch erkundigt oder den Namen der Anzeige entnommen und sprechen ihn persönlich an. Wenigstens ein Interesse weckender Satz sollte ins Anschreiben der E-Mail. Groß- und Kleinschreibung sowie Rechtschreibregeln sind auch bei E-Mails unbedingt zu beachten. Abkürzungen und Smileys haben in einer Bewerbung nichts verloren. Sie können das komplette Anschreiben direkt in die E-Mail formulieren, oder als Anhang beifügen. Meistens wird das Anschreiben auch ausgedruckt – ein angehängtes, ordentlich gestaltetes Anschreiben sieht dann viel besser aus als eine ausgedruckte Mail. Alle Elemente des Anschreibens und des Lebenslaufs müssen, wie bei einer schriftlichen Bewerbung, enthalten sein. Und nur wenn Sie eine gut gestaltete Website haben, sollten Sie diese in Ihrer Bewerbung nennen.

6.2. Horst Schumann bewirbt sich per E-Mail

Horst Schumann sitzt am P C zu Hause und spricht zu sich selbst:„Meine erste Online-Bewerbung. Gut dass ich die ganzen Computerkurse gemacht habe, da fällt mir das doch leichter. Also, jetzt noch den Anhang einfügen – und Tschüss! Jetzt drückt mir mal die Daumen…“

7. Das Vorstellungsgespräch

Wenn Sie zum Gespräch gebeten werden, haben Sie bereits eine erste große Hürde genommen: Sie sind in die engere Wahl gekommen. Nun heißt es für Sie, sich gut zu präsentieren und Ihre Gesprächspartner zu überzeugen. Sie können sich auf das Gespräch wie auf eine mündliche Prüfung vorbereiten, denn Vorstellungsgespräche haben einen bestimmten Verlauf und es werden Ihnen typische Fragen gestellt. Die Verantwortlichen möchten einen persönlichen Eindruck von Ihnen bekommen. Sie wollen Ihre Persönlichkeit und Motivation kennen lernen, sowie Ihre fachliche und soziale Kompetenz besser beurteilen können.

Sehen Sie, was der Lernprogramm-Coach dazu sagt:

„Ein Vorstellungsgespräch ist kein Verhör. Bringen Sie sich aktiv in das Gespräch ein. Sie werden Gelegenheit haben, sich selbst darzustellen und eigene Fragen zu stellen. Machen Sie sich im Vorfeld Gedanken darüber, was für ein Mensch Sie sind und was Sie von sich vermitteln möchten. Und - seien Sie kein Bittsteller. Begegnen Sie dem Arbeitgeber auf Augenhöhe. Schließlich sollen Sie auch nachher selbstbewusst die Interessen des Unternehmens vertreten können.“ Lesen Sie daher noch einmal Ihre Bewerbung, denn oft wird im Gespräch darauf Bezug genommen. Gehen Sie Ihr persönliches Leistungsprofil noch einmal durch. Formulieren Sie noch zu Hause Ihre wesentlichen Charakterzüge und Eigenschaften, die Sie im Gespräch vermitteln wollen. Beschränken Sie sich dabei auf maximal drei bis fünf Hauptmerkmale.

7.1. Häufige Fragen bei Vorstellungsgesprächen

Häufige Fragen sind:

• Was hat Sie bewogen, sich genau bei unserer Firma zu bewerben?

• Was wissen Sie bereits über die Firma? Was wissen Sie über die Abteilung. Diese Kenntnisse sind wichtig.

• Was haben Sie für die ausgeschriebene Stelle Besonderes zu bieten?

• Welches sind Ihre Stärken?

• Welches sind Ihre Schwächen?

• Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie?

• Warum sollte man gerade Sie einstellen?

• Warum haben Sie in der Vergangenheit bestimmte Positionen gewechselt?

Bereiten Sie auch Antworten auf diese häufig gestellten Fragen vor. Sie sollten in der Lage sein, diese im Vorstellungsgespräch plausibel zu beantworten. Bleiben Sie dabei ehrlich. Bedenken Sie, dass Sie es bei Ihrem Gegenüber mit Profis zu tun haben. Nichts ist schlimmer, als „entlarvt“ zu werden.

7.2. Anita Bach hat die Einladung bekommen

Anita Bach ist zum Vorstellungsgespräch bei Herrn Plessmann eingeladen worden. Sie wedelt mit dem Brief und spricht voller Freude: „Ich hab sie – die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Die Frage ist, was ziehe ich an? Das graue Kostüm, das ist elegant – oder doch meinen Hosenanzug, da fühle ich mich einfach so wohl drin … Und zum Frisör muss ich unbedingt auch noch.“

7.3.

Organisatorisches nicht vergessen

Auch organisatorisch will das Vorstellungsgespräch geplant sein. Damit Sie am entscheidenden Tag nicht feststellen müssen, dass Ihr Bewerbungs-Dress noch in der Reinigung ist.

Planen Sie Ihre Anreise und den zeitlichen Ablauf: Sie sollten unbedingt pünktlich und ausgeruht ankommen. Denken Sie auch an Stau, Panne, Unfall, Unwetter, oder Glatteis. Wenn Sie mit dem Auto anfahren, bedenken Sie, dass auch das eine Ihrer „Visitenkarten“ ist. Besitzen Sie angemessene, saubere und gepflegte Kleidung oder müssen Sie sich neu einkleiden? Ihre Garderobe für das Vorstellungsgespräch sollten Sie kennen, das heißt bereits einmal getragen haben, damit Sie sich darin wohl fühlen.

Sehen Sie, was der Lernprogramm-Coach dazu sagt:

„Als Bewerber sollten Sie sich in Ihrer Kleidung wohl fühlen und sie der jeweiligen Branche anpassen. Der Monteur im Nadelstreifenanzug ist ebenso unpassend, wie der Banker im Freizeit-Look. Der superkurze Mini, das tiefe Dekolletee oder die freie Sicht auf die behaarte Männerbrust sind im Vorstellungsgespräch fehl am Platz.“

7.4. Nonverbale Kommunikation

Es sind nicht nur die objektiven „harten Fakten“ die zählen, auch so genannte „weiche Faktoren“ spielen bei der Entscheidung eine Rolle. So kann Sympathie ausschlaggebend sein, ob Sie die Stelle erhalten oder nicht.

Sympathie wird gefördert durch:

• Entspanntheit

• Freundlichkeit

• Geduld

• Gelassenheit

• Höflichkeit

• Ruhe

• Selbstsicherheit

• Toleranz

Antipathie wird mobilisiert durch:

• Dominanzstreben

• Nervosität

• Unangepasstheit

• Ungepflegtheit

• Unruhe

• Unsicherheit

Sympathie lässt sich nicht erzwingen, manchmal stimmt einfach „die Chemie“ nicht. Aus der Forschung weiß man aber, was Sympathie hervorruft oder verhindert. Gefördert wird Sympathie vor allem durch Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten.

Wenn es also einmal trotz bester Voraussetzungen nicht geklappt hat, kann es daran liegen, dass Sie und die Personalverantwortlichen nicht „auf der gleichen Wellenlänge“ lagen.

8. Der Gesprächsverlauf

Das Vorstellungsgespräch ist ein wichtiger Meilenstein auf Ihrem Weg zum neuen Job. Deshalb sollten Sie gut darauf vorbereitet sein. Dazu gehört auch, dass Sie wissen, welchen Regeln der Gesprächsverlauf im Normalfall folgt.

8.1. Die Phasen eines Vorstellungsgesprächs

Der Ablauf eines Vorstellungsgesprächs lässt sich in sieben Phasen einteilen:

1. Begrüßung und Einleitung des Gesprächs

2. Bewerbung und Eignung

3. Persönlicher Hintergrund

4. Informationen über Unternehmen und Arbeitsplatz

5. Arbeitskonditionen

6. Fragen des Bewerbers, bzw. der Bewerberin

7. Abschluss des Gesprächs und Verabschiedung

Die Reihenfolge dieser Phasen kann variieren – abgesehen natürlich von der Begrüßung und Verabschiedung. Auch müssen beim ersten Gespräch nicht gleich alle Themen zur Sprachen kommen. Dennoch kann Ihnen diese Einteilung einen guten Überblick geben, welche Themen insgesamt auf Sie zukommen können.

Sehen Sie, was der Lernprogramm-Coach dazu sagt:

Zu einzelnen Themen, haben Sie mit ganz bestimmten Fragen zu rechnen. Gut, wenn Sie darauf vorbereitet sind. Antworten Sie möglichst präzise und geben Sie kurze Beispiele zur Erläuterung. Näheres zu den einzelnen Phasen erfahren Sie in den folgenden Abschnitten. Sie begleiten dabei Horst Schumann und Anita Bach bei ihren Vorstellungsgesprächen.

8.1.1. Phase 1: Begrüßung und Einleitung des Gesprächs

Horst Schumann sitzt im Büro der Personalreferentin Kirstin Plaschke und wartet darauf, dass sein Vorstellungsgespräch beginnt. Er ist verständlicherweise ein bisschen aufgeregt.

Sehen Sie, was Herr Schumann in dieser Situation denkt:

„Habe ich auch alles gut überlegt? … Hoffentlich ist Frau Plaschke einigermaßen sympathisch und freundlich. … Wäre ja schon gut, wenn es diesmal klappen würde. Langsam habe ich diesen Stress mit dem Vorstellen satt … Okay – es wird schon werden!“

Auch Kirstin Plaschke macht sich natürlich ihre Gedanken.

Sehen Sie, was Frau Plaschke in dieser Situation denkt:

„Nun gut, jetzt also Herr Schumann, der Metzger. Der dritte Kandidat heute. Hoffentlich ist der nicht auch so farblos wie die anderen … Den wollte ich noch fragen, wann er anfangen könnte. Also los, an die Arbeit!“

Das Gespräch beginnt:

Frau Plaschke kommt. Horst Schumann hatte vor ihrem Büro gewartet. Er steht vom Stuhl auf und sie begrüßen sich per Handschlag, Frau Plaschke sagt:“Kirstin Plaschke, Guten Tag!“. Horst Schumann sagt:“Guten Tag!“ Frau Plaschke bittet Horst Schumann in ihr Büro und bietet ihm einen Stuhl an. Er bedankt sich und wartet, bis Frau Plaschke sich auch setzt. Nachdem beide sitzen, lächelt sie ihn freundlich an. Er lächelt zurück. In dieser ersten Phase geht es um eine persönliche Kontaktaufnahme. Der berühmte „ersten Eindruck“ entscheidet mit über die Sympathie zwischen den Gesprächspartnern. Wichtig dabei sind Ihr Äußeres, Ihr Auftreten und Ihre Umgangsformen. Lächeln Sie Ihren Gesprächspartner, bzw. Ihre Gesprächspartnerin freundlich an. Versuchen Sie gelassen zu sein und selbstsicher aufzutreten. Schauen Sie Ihrem Gegenüber in die Augen.

Für die Begrüßung gilt:

Stellen Sie sich immer mit Namen vor, falls Ihr Name noch nicht gefallen ist. Versuchen Sie, bei mehreren Personen, sich die Namen Ihrer Gesprächspartner zu merken, um sie vielleicht gelegentlich direkt namentlich ansprechen zu können.

Begleiten Sie Frau Bach:

Sehen Sie, wie es Anita Bach in der ersten Phase ihres Gesprächs ergeht. Achten Sie genau auf den Verlauf des Gesprächs, denn Anita Bach macht darin einen kleinen Fehler. Finden Sie den Fehler heraus!

Der Apotheker Jörg Plessmann kommt aus seinem Büro und begrüßt Anita Bach freundlich: „Guten Tag, Frau Bach, Mein Name ist Jörg Plessmann. Bitte kommen Sie doch herein“. Anita Bach antwortet „Guten Tag, Herr Dr. Plessmann.“ Sie geben sich die Hände und gehen ins Zimmer. Herr Plessmann bittet Frau Bach, Platz zu nehmen. Anita Bach setzt sich und sieht sich ein wenig im Zimmer um. Ihr Blick fällt auf das Foto auf dem Schreibtisch „Ach, sind das Ihre Kinder? Die sind ja süß!“ Herr Plessmann freut sich über das Kompliment und antwortet: „Ja das sind meine beiden Jungs. – Darf ich Ihnen etwas anbieten?“ Anita Bach lehnt das Angebot ab: „Nein, vielen Dank. Ich habe vorher noch einen Kaffee getrunken.“

Haben Sie den Fehler erkannt? Dass sich Anita Bach im Zimmer umsieht, ist in Ordnung. Ebenso darf sie ein angebotenes Getränk ablehnen. Sie hätte aber nicht nach den Kindern fragen sollen. Denn eine wichtige Regel lautet: Geben Sie keine Kommentare ab, wie z.B: „Was für ein schönes Zimmer!“, und stellen Sie auf keinen Fall persönliche Fragen.

Die „Aufwärmphase“ Nach der Begrüßung beginnt das Gespräch mit einer kurzen „Aufwärmphase“. Ihre Gesprächspartner möchten eine freundliche Gesprächsatmosphäre herstellen – auch für sich selbst. Und Sie sollten versuchen, den Anspannungsdruck etwas abzubauen. Verschließen Sie sich dem Small Talk nicht, aber antworten Sie nicht ausschweifend.

Begleiten Sie Herrn Schumann:

In der Aufwärmphase verhält sich Herr Schumann etwas ungeschickt. Passen Sie bitte gut auf, ob Sie seinen Fehler bemerken.

Frau Plaschke leitet das Gespräch ein: „Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. Haben Sie gut hergefunden?“ Horst Schumann antwortet „Das hat gut geklappt.“ Darauf Frau Plaschke:„Prima. - Das Kantinenessen war heute wieder kräftig, trinken Sie etwas zur Verdauung mit?“ Horst Schumann antwortet etwas zögerlich, denn er will nicht unhöflich sein „Ja, danke …“ Frau Plaschke fragt, ob sie ihm einen Kaffee anbieten darf. Horst Schumann nimmt das Angebot dankend an.

Haben Sie den Fehler erkannt? Herr Schumann sollte ein Getränk „zur Verdauung“, was ja ein Kräuterbitter oder Schnaps sein könnte, auf jeden Fall ablehnen. Kaffee, Mineralwasser oder Saft darf man annehmen, Alkohol auf keinen Fall!

Begleiten Sie nun wieder Frau Bach:

Auch Frau Bach unterläuft in der Aufwärmphase ein Fehler. Finden Sie ihn!

Herr Plessmann leitet das Gespräch ein: „Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. So

ein schlechtes Wetter heute!

Bach: „Ihre Apotheke habe ich gleich gefunden. Die ist ja wirklich sehr günstig gelegen. Aber ein Parkplatz war schwer zu kriegen hier. Ich bin zweimal im Kreis gefahren.“ Darauf entgegnet Herr Plessmann: „Wir haben ja zum Glück Parkplätze unten in der Tiefgarage. Ich hoffe aber, Sie sind nicht nass geworden.“ Frau Bach lächelt: „Nein, ich hatte zum Glück einen Schirm dabei.“

Haben Sie gut hergefunden?“ Darauf antwortet Frau

Haben Sie den Fehler erkannt? Im Small Talk darf man seine eigene Meinung sagen, man sollte aber nicht klagen. Schildern Sie keine Probleme bei Anreise, Parkplatzsuche oder gegebenenfalls Unterkunft, beklagen Sie sich nicht über das Wetter. Personalverantwortliche mögen keine Pessimisten und Nörgler.

8.1.2. Phase 2: Bewerbung und Eignung

In der nächsten Gesprächsphase geht es um Ihre Bewerbung und Eignung. Fragen der Personalverantwortlichen zielen auf Ihre Bewerbungsmotive und Ihre Leistungsbereitschaft. Es sind die entscheidenden Fragen im Vorstellungsgespräch. Darauf sollten Sie sich zu Hause gut vorbereitet haben. Sie sollten in der Lage sein, flüssig darüber zu sprechen.

Im Folgenden werden Ihnen mögliche Fragen von Personalentscheidern genannt und im Anschluss daran kommentiert.

Warum bewerben Sie sich bei uns?

Diese Frage wird in den meisten Vorstellungsgesprächen gestellt. Bei Ihrer Antwort sollte unbedingt Ihr großes Interesse für gerade diese Firma und Stelle deutlich werden. Zeigen Sie auf, wie Firma und Arbeitsstelle zu Ihrer beruflichen Entwicklung passen. Bedenken Sie auch: Niemand stellt gern jemanden ein, für den die Position nur eine Verlegenheitslösung ist oder weil er nichts anderes bekommt.

Auf diese Frage könnte Herr Schumann folgendermaßen antworten:

„Als Metzgermeister habe ich kalkulieren gelernt und verstehe auch was von Lebensmitteln. Jetzt würde ich gerne bei Ihnen im Einkauf arbeiten.“

Bei dieser Antwort sind die beruflichen Kenntnisse in einen erkennbaren Zusammenhang zur neuen Tätigkeit gebracht. Falsch wäre es zum Beispiel, wenn Herr Schumann seine Bewerbung mit den guten Sozialleistungen des Unternehmens begründen würde.

Und so könnte die Antwort von Frau Bach ausfallen:

„Ich möchte gerne in einem kleineren familiären Team arbeiten, und Ihre Apotheke hat mir auf Anhieb gefallen.“

Damit hat Anita Bach eines ihrer Motive genannt und zugleich einen persönlichen „Bogen geschlagen. Wichtig ist, dass die Antwort direkt auf die Stelle bezogen ist. Es wäre zum Beispiel unpassend, wenn Anita Bach nur ihre eigenen Belange in den Mittelpunkt stellen würde, indem sie zum Beispiel die Nähe zu ihrer Wohnung betont und die Tatsache, dass sie so abends wieder schnell bei ihrer Tochter sein kann.

Warum wollen Sie Ihren Arbeitsplatz wechseln?

Auch auf diese Frage sollten Sie im Vorstellungsgespräch gefasst sein.

So könnte Herr Schumann darauf antworten:

„Bei dieser Stelle könnte ich meine unterschiedlichen Fähigkeiten besser einbringen und mich weiterentwickeln. Und ich würde gerne bei Ihrer weit bekannten Feinkost- Firma arbeiten.“

Begründung: Den guten Namen einer Firma anzuführen, ist nicht verkehrt, so lange Sie es nicht übertreiben. Sie sollten auf die Frage nach dem Wechsel beziehungsweise dem Wiedereinstieg auf alle Fälle eine positive Antwort vorbereitet haben. Beispiele: Sie möchten weiterkommen, suchen bessere Entwicklungsmöglichkeiten und Zukunftschancen, betrachten die neue Aufgabe als Herausforderung, schätzen den guten Ruf der Firma. Achten Sie bei Ihrer Wortwahl darauf, dass Ihre Aussage nicht negativ gegen Sie ausgelegt werden kann. Wenn Horst Schumann beispielsweise anführen würde, dass seine jetzige Tätigkeit körperlich sehr anstrengend für ihn ist, könnte man ihm dies unter Umständen als mangelnde Leistungsbereitschaft auslegen. Hüten Sie sich auch davor, über Ihren jetzigen oder früheren Arbeitgeber schlecht zu reden, das kann Ihnen negativ angerechnet werden.

Und so könnte die Antwort von Frau Bach ausfallen:

„Mein Beruf macht mir grundsätzlich schon Freude. Die Arbeit im Pharmalabor war aber so anonym. Ich hätte gerne einen direkteren Bezug zu den Menschen, für die wir tätig werden und würde auch lieber in einem Team arbeiten.“

Begründung: Freude am Beruf auszudrücken, ist immer richtig. Und dann eine Erklärung, die zur Arbeitssituation in der Apotheke passt! Personalverantwortliche möchten sicher sein, dass Sie nicht eine grundsätzliche persönliche Unzufriedenheit mit Ihrem Beruf mitbringen. Erläutern Sie, warum Sie sich mit ihrem Beruf identifizieren und ihn gerne ausführen. Begründen Sie dann plausibel, inwieweit Sie sich eine Verbesserung durch den Wechsel oder Ihren Neu- beziehungsweise Wiedereinstieg erhoffen.

Vermeiden Sie es, negativ über Ihre bisherige Stelle zu sprechen – weder über die Arbeit an sich, noch über Personen, mit denen Sie nicht zurechtgekommen sind.

Wie gut ist Ihnen unser Unternehmen bekannt? Nun heißt die Devise, gut informiert sein! Bei Ihrer Vorbereitung haben Sie sich über die Firma informiert und hinterlassen jetzt mit Ihrer Antwort einen kompetenten Eindruck. Fassen Sie kurz zusammen, was Sie wissen und für die Stelle für wichtig halten. Es ist dann Aufgabe der Personalverantwortlichen, Sie über das Unternehmen zu informieren. Einen persönlichen Bezug zum Unternehmen zu haben, kann vorteilhaft sein. Mitarbeiter, die Sie kennen, nennen Sie aber nur, wenn deren Position und Ansehen eine Empfehlung ist. Noch ein Tipp: Sprechen Sie keine Gerüchte über die Firma an!

Wie verlief denn Ihr bisheriger Berufsweg? Das steht in Ihren Bewerbungsunterlagen, was Sie aber natürlich nicht sagen! Sie nutzen die Gelegenheit, Ihren Werdegang etwas ausführlicher zu schildern und den Bezug zu Ihrer Bewerbung aufzuzeigen. Wichtig ist, dass Sie einen logischen Zusammenhang zwischen den einzelnen Stationen Ihres Berufslebens begründen können. Bei Richtungswechseln müssen Sie die Veränderung Ihrer Interessen nachvollziehbar und glaubhaft darstellen.

Aus welchen Gründen haben Sie sich gerade für diesen Beruf entschieden? Sicher fallen Ihnen einige gute Gründe ein, warum Sie Ihren Beruf gewählt haben. Beschreiben Sie Ihre Interessen und Schwerpunkte. Sagen Sie, was Sie gerne tun und in Zukunft – in der neuen Stelle – noch häufiger machen möchten. Nennen Sie arbeitsbezogene Gründe für den gewünschten Stellenwechsel. Hier können Sie zum Beispiel einfließen lassen, was Sie weniger gerne machen – und weswegen Sie ja auch wechseln wollen.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Kollegen aus? Mit dieser Frage möchte man erfahren, wie Sie sich innerhalb eines Teams verstehen und auch sehen, wie Sie auf eine schwierige Frage reagieren. Hier sollten Sie Respekt und Wertschätzung für Kollegen äußern, wenn diese fair und kollegial sind.

Mögliche Antworten könnten sein:

Ich würde erwarten, dass sich Kollegen immer gegenseitig unterstützen und einander helfen.

Als Mitarbeiter verhalte ich mich fair gegenüber Kollegen. Ich kann es nicht leiden, wenn sich jemand auf Kosten anderer profiliert.

Wenn ein Kollege oder eine Kollegin einen Fehler gemacht hat, würde ich ihn oder sie darauf aufmerksam machen.

Sollte ein Kollege oder eine Kollegin sich mir gegenüber sehr unkorrekt verhalten, versuche ich das zunächst persönlich zu klären. Wenn das nicht geht, ziehe ich den Vorgesetzten hinzu.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Vorgesetzten aus? Mit dieser Frage möchte man Ihre Maßstäbe bei der Beurteilung von Vorgesetzen kennen lernen und auch sehen, wie Sie auf eine schwierigere Frage reagieren. Äußern Sie Respekt und Wertschätzung für Vorgesetzte. Voraussetzung dafür können Fairness, Begeisterungsfähigkeit und Kollegialität sein. Vermitteln Sie eine gute Mischung aus Selbstbewusstsein und Loyalität.

Gute Antworten auf diese Frage wären:

Er oder sie sollte Begeisterung vermitteln, mich damit anstecken und motivieren können.

Mir ist wichtig, dass er oder sie mich als Kollege, beziehungsweise Kollegin sieht und fair behandelt.

Wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind, würde ich erwarten, dass er oder sie meine Argumente ernsthaft prüft.

Es gibt vermutlich manchmal auch Situationen, wo ich anders entscheiden würde, aber dass muss ich dann auch akzeptieren.

Bitte beachten Sie: Man kann zwar von einem guten Chef erwarten, dass er in seinen Mitarbeitern auch den Menschen sieht, aber nicht unbedingt, dass er auf die persönlichen Probleme von Mitarbeitern eingeht – in erster Linie haben Sie eine Arbeitsbeziehung zu ihm.

An welchen Fortbildungsmaßnahmen haben Sie in letzter Zeit teilgenommen? Hier genügt eine kurze Antwort mit wenigen Sätzen. Das Mindeste, was Sie anführen sollten, sind Fachliteratur und Austausch mit Kollegen. Besser ist es, wenn Sie an Tagungen, Messen und berufsbezogenen Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen haben. Ein Tipp:

Haben Sie eine Umschulung gemacht, ist es am besten, Sie nennen ehrlich Ihre Motivation dafür.

Wie würden Sie sich selbst kurz charakterisieren? Mit dieser Frage wollen Personalverantwortliche abklären, ob Sie zur Firma und zum Team passen, wie Ihre Motivation und Ihr Arbeitsstil sind und so weiter. Die Antwort auf diese Frage sollten Sie zu Hause vorbereitet haben.

Wo liegen Ihre Stärken? Was waren Ihre größten Erfolge oder Leistungen? Ihre Stärken präsentieren Sie, wie Sie es in Ihrer persönlichen Kompetenzbilanz vorbereitet haben. Hier der Aufruf zu dieser persönlichen Checkliste:

Checkliste_meine_persoenliche_Kompetenzbilanz.pdf

Mit den Antworten haben Sie noch einmal die Möglichkeit, Ihre Kompetenz darzustellen. Gehen Sie auch mal ins fachliche Detail, man will ja schließlich erkennen, wo Ihr Know-how liegt. Machen Sie deutlich, warum gerade Sie für die Firma interessant sind. Haben Sie keine Scheu, gute Leistungen auch offensiv darzustellen, denn es wird auch bewertet, ob Sie sich gut verkaufen können.

Wo liegen Ihre Schwächen? Überlegen Sie sich bei dieser Frage, welche Schwächen Sie in Bezug auf die Stelle nennen wollen. Es gibt durchaus Schwächen, die auf der anderen Seite auch Stärken sein können oder die Sie menschlich sympathisch machen.

Frau Bach könnte hier zum Beispiel antworten:

„Mein Mann behauptet immer, ich sei übertrieben ordentlich.“ Sie nennt damit eine angebliche Schwäche, die aber eigentlich im Hinblick auf die angestrebte Stelle durchaus als Stärke ausgelegt werden kann. Denn eine ordentliche Arbeitsweise ist für eine Pharmazeutisch-Technische Assistentin unabdingbar. Vermeiden Sie Antworten, wie „Ich glaube, ich habe keine Schwächen, die sich beruflich auswirken.“ So eine Aussage wirkt unglaubwürdig.

Wie schätzen Sie die Situation in unserer Branche ein? Über grundlegende Entwicklungen, Neuigkeiten, Marktchancen und auch Probleme sollten Sie informiert sein und etwas sagen können. Sollten Sie bei Detailfragen nicht genug Hintergrundwissen haben, geben Sie das zu, das lässt Sie nicht zwangsläufig ungeeignet erscheinen.

8.1.3. Phase 3: Persönlicher Hintergrund

Fragen nach Ihrem persönlichen Hintergrund dienen dazu, Ihre gesamte Persönlichkeit kennen zu lernen, nicht nur die berufliche Seite. Dazu gehören Fragen zu Ihren Eigenschaften und Vorlieben, oder auch Ihrem familiären und sozialen Hintergrund. Ihre Aktivitäten und Engagements können auch etwas über Ihren Umgang mit anderen Menschen und Ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, aussagen.

„Wie gehen Sie mit Kritik um?“

Das ist eine Frage, die in diesem Zusammenhang oft gestellt wird.

Passende Antworten könnten hier zum Beispiel sein:

Wenn die Kritik berechtigt ist, finde ich sie letztlich gut – selbst wenn ich erst mal schlucken muss – denn dann bringt sie einen weiter.

Wenn die Kritik wirklich unberechtigt ist, dann weise ich sie zurück. Manchmal muss man dann sogar darauf bestehen, dass der andere seine Kritik zurücknimmt, damit kein falscher Eindruck zurück bleibt.

Natürlich kommt es immer darauf an, wer Sie kritisiert, weshalb und in welchem Ton. Berechtigte und konstruktive Kritik mit Verbesserungsvorschlägen sollten Sie annehmen. Denn diese Art der Kritik bringt Sie weiter, auch wenn sie von Personen kommt, die Ihnen nicht sympathisch sind und die oft kritisieren. Völlig unberechtigte Kritik lassen Sie aber nicht gelten und auch nicht unkommentiert stehen. In manchen Fällen, z.B. wenn Mobbing im Spiel ist, müssen Sie vielleicht sogar einen Kollegen oder den Chef hinzuziehen, um Gerüchte und andere Nachteile zu vermeiden.

Was sagt Ihr Lebenspartner zu Ihren beruflichen Plänen? Wenn man Ihnen diese Frage stellt, möchte Ihr Arbeitgeber wissen, ob Ihr Partner, bzw. Ihre Partnerin mit der neuen Stelle und eventuell damit verbundenen Änderungen einverstanden ist, oder ob es möglicherweise Probleme gibt, z.B. wegen des Wohnorts oder Ihrer Verfügbarkeit zu Hause. Dem Unternehmen ist es lieber, Ihr Partner unterstützt Ihre berufliche Tätigkeit und es gibt auch keine Probleme zum Beispiel wegen der Kinderbetreuung.

Anita Bach könnte auf diese Frage zum Beispiel antworten:

„Mein Partner unterstützt meine Rückkehr in den Beruf. Und ich bin sicher, ich werde Arbeit und Familie unter einen Hut kriegen. Wir haben schon über die Kinderbetreuung gesprochen und eine Lösung gefunden.“ Wenn Ihr Partner, bzw. Ihre Partnerin nicht glücklich ist mit Ihren Plänen, sollten Sie darüber tunlichst nicht sprechen. Äußerungen wie „Ich habe mich durchgesetzt“ lassen bei den Personalverantwortlichen die Alarmglocken schrillen.

Heikle Fragen zur Familienplanung Es kann Ihnen passieren, dass man Ihnen im Vorstellungsgespräch unzulässige Fragen stellt, wie etwa „Möchten Sie noch weitere Kinder?“ Hier gilt: Keine Antwort ist manchmal auch eine Antwort: Wenn Ihnen unzulässige Fragen gestellt werden, gehen Sie ruhig und gelassen damit um. Antworten Sie auf die Frage nach dem Kinderwunsch nicht „Darauf muss ich nicht antworten“, sondern „Das ist für mich kein Thema“. Allerdings besteht dann die Gefahr der weiteren Nachfrage.

Unzulässige Fragen In Vorstellungsgesprächen gibt es auch Tabuthemen. Bestimmte Fragen müssen Sie nicht beantworten, und daraus darf Ihnen kein Nachteil für Ihre Bewerbung entstehen. Grundsätzlich dürfen Personalverantwortliche alles fragen, was für das künftige Arbeitsverhältnis von Bedeutung ist, vor allem wenn es im Zusammenhang mit der Stelle und den zu erbringenden Aufgaben steht.

Es gibt aber Ausnahmen:

Alle Fragen nach Schwangerschaft, Kinderwunsch oder Familienplanung sind unzulässig.

Fragen zur Religions-, Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeit sind nur zulässig in so genannten Tendenzbetrieben, wie Kirchen, Parteien und so weiter.

Fragen nach Vorstrafen sind nur zulässig, wenn die zukünftige Aufgabe dies erfordert. Ein LKW-Fahrer darf zum Beispiel nach Verkehrsdelikten befragt werden.

Fragen nach dem Gesundheitszustand sind nur erlaubt, soweit an ihrer Beantwortung für die Arbeit, den Betrieb oder die übrigen Arbeitnehmer ein berechtigtes Interesse besteht.

Die Vermögensverhältnisse sind tabu.

Gleiches gilt für die Frage nach dem Alter. Das Geburtsdatum muss in Bewerbungen nicht mehr angegeben werden.

8.1.4. Phase 4: Informationen für Sie

Sie erhalten während des Gesprächs auch Informationen über die Firma und den zu besetzenden Arbeitsplatz. Häufig geschieht dies gleich nach der Begrüßung, zu Anfang des Gesprächs, jedoch spätestens nach den berufsbezogenen Fragen.

Hier einige Verhaltensvorschläge:

Hören Sie aufmerksam zu, zeigen Sie Interesse, unterbrechen Sie nur selten, und fragen Sie manchmal nach. Ihr Stichwort heißt „aktives Zuhören“.

Geben Sie es gelegentlich zu erkennen, wenn Sie einige Dinge schon wissen.

Bekräftigen Sie den Gesprächspartner in seiner Darstellung, zum Beispiel durch ein Kopfnicken, wenn Sie gleicher Ansicht sind. So sammeln Sie Sympathiepunkte und zeigen Interesse.

8.1.5. Phase 5: Arbeitskonditionen

Die Arbeitskonditionen spielen im ersten Vorstellungsgespräch meist noch keine so große Rolle, wie nach einer Vorauswahl, also etwa in einem zweiten Gespräch, wenn Sie in die engere Wahl gekommen sind. Halten Sie sich also mit Fragen hierzu in dieser ersten Runde zurück. Trotzdem möchte man mit ihnen abklären, ob man sich mit Ihnen auf Rahmenbedingungen einigen kann.

Sehen Sie hier die wichtigsten Arbeitskonditionen:

Bezahlung

Arbeitszeit

Probezeit

Kündigungsfristen

Urlaubsregelung

Rechte und Pflichten

Geheimhaltungspflicht

Wettbewerbsschutz

Sondervereinbarungen (zum Beispiel Geschäfts-/ Dienstwagen, Umzugskosten)

Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie? Hier könnten Sie zum Beispiel antworten:

„Ich gehe davon aus, was ich In meiner letzten Stelle verdient habe, und ich möchte mich nicht verschlechtern.“ Oder:

„Ich gehe von einem marktüblichen Gehalt aus.“

Bitte beachten Sie aber: Je nachdem, in welche Stelle man wechselt, muss man auch mit einer Verschlechterung rechnen. Zu diesem Zeitpunkt geht es aber meistens noch nicht um eine konkrete Verhandlung Ihres Gehalts, sondern die Personalverantwortlichen möchten sehen, ob Sie in Frage kommen und ob Sie eine realistische Einschätzung Ihres „Marktwertes“ haben. Antworten Sie zurückhaltend und signalisieren Sie Verhandlungsbereitschaft.

Wann könnten Sie bei uns anfangen, geht das schon sofort? Eine passende Antwort auf diese Frage wäre: „Ich kann frühestens am 1.4. Ich will ja noch meine bisherige Arbeit ordnungsgemäß abschließen.“ Damit geben Sie zu erkennen, dass Sie Ihre alte Firma nicht Hals über Kopf verlassen, selbst wenn Sie stark an der neuen Stelle interessiert sind, sondern Ihre Aufgaben und Pflichten zu einem guten Ende bringen. Alles andere würde beim neuen Unternehmen keinen guten Eindruck machen. Beachten Sie die Kündigungsfristen und klären Sie möglichst vorher ab, wann Sie wechseln können. Vermeiden Sie Aussagen wie „Ich will vorher noch Urlaub machen“. Denn so verständlich ein Urlaubswunsch sein kann: Wollen Sie den Job oder Urlaub?

8.1.6. Phase 6: Ihre Fragen

In einem Vorstellungsgespräch werden Sie auch aufgefordert, Fragen zu stellen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um alles zu klären, was Sie im Zusammenhang mit der Stelle wissen möchten.

Dies sind Fragen, die Sie stellen könnten:

Gibt es diese Position beziehungsweise Stelle bei Ihnen schon lange oder ist sie neu geschaffen worden?

Wie sieht mein zukünftiger Arbeitsplatz aus?

Wer sind meine Kollegen? Kann ich sie vorab kennen lernen?

Mit welchen anderen Abteilungen werde ich zusammenarbeiten?

Wie sieht die Einarbeitung aus?

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für mich?

Welche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten bietet mir das Unternehmen?

Welche aktuellen Projekte, Vorhaben oder Arbeiten sind bei Ihnen in nächster Zeit geplant? Ein Tipp:

Notieren Sie Ihre Fragen vorher auf einem Zettel, das ist durchaus professionell und zeigt, dass Sie sich vorbereitet haben.

8.1.7.

Phase 7: Abschluss des Gesprächs und Verabschiedung

Das Gespräch nähert sich dem Ende. Wenn Sie vielleicht bei der einen oder anderen Frage unsicher waren oder jetzt zum Schluss die Konzentration nachlässt: Bewahren Sie Haltung und bleiben Sie gelassen.

Fragen Sie niemals danach, welchen Eindruck Sie hinterlassen haben und wie sich Ihr Gesprächspartner entscheiden wird - auch wenn Sie diese Frage im Moment mehr interessiert als alles andere. Stellen Sie die Fragen nach dem weiteren Vorgehen, ohne auf eine Entscheidung zu drängen. Klären sie beispielsweise, ob Sie sich melden sollen oder ob man Sie kontaktieren wird. Sie können ruhig auch fragen, bis wann Sie mit einer Entscheidung rechnen dürfen.

8.2. So haben die Beteiligten ihre Gespräche erlebt

8.2.1. Horst Schumann und Kirstin Plaschke

Horst Schumann meint: „Also, im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Ich glaube, ich habe mich ganz gut gehalten. Am Anfang, als Frau Plaschke mich fragte, ob ich „einen mittrinke“ und ich dachte, dass es um einen Verdauungsschnaps geht, das war blöd von mir, aber ich wollte nicht nein sagen. Hoffentlich bricht mir das nicht das Genick.“

Und das ist die Meinung von Kirstin Plaschke: „Ich habe einen guten Eindruck von Herrn Schumann gewonnen. Er will weiterkommen und bringt einige Voraussetzungen für die Position mit. Ich nehme ihn in die engere Wahl. Aber ich warte noch mal die beiden anderen Bewerber ab.“

8.2.2. Anita Bach und Jörg Plessmann

Anita Bach berichtet: „Ich weiß nicht, ich war doch sehr aufgeregt und vielleicht manchmal zu ehrlich, aber so bin ich halt. Vielleicht hätte ich nicht sagen sollen, dass mein Mann gut verdient. Aber ich glaube, das größte Problem ist doch die lange Babypause. Also, ob ich da eine Chance habe …?“

Und das ist die Meinung von Jörg Plessmann: „Sie hat insgesamt einen positiven Eindruck gemacht, aber ihr Konflikt mit ihrer ehemaligen Chefin und die Art und Weise, wie sie darüber gesprochen hat, gefällt mir nicht. In unserer Apotheke arbeiten außer mir nur Frauen und eine davon ist auch etwas schwierig. Ich weiß nicht, ob das gut gehen würde. Und ihre etwas pampige Antwort bei der Frage nach ihrer Familienplanung hat mir auch nicht gefallen. Ich weiß, dass Sie diese Frage nicht beantworten muss, aber das hätte sie auch auf andere Art und Weise deutlich machen können.“

8.3.

Bereiten Sie Ihr Vorstellungsgespräch vor

8.3.1. Nutzen Sie die Checklisten

Machen Sie sich jetzt an die Arbeit, Ihr Vorstellungsgespräch gründlich vorzubereiten.

Nutzen Sie zu Ihrer Unterstützung auch Ihre „Persönliche Checkliste:

Vorstellungsgespräch“.

checkliste_vorstellungsgespraech.pdf

8.3.2. So präsentieren Sie sich

Beim Vorstellungsgespräch kommt es darauf an, ein gutes Bild von sich zu präsentieren, ohne zu lügen, aber auch ohne falsche Bescheidenheit. Das haben Sie in diesem Kapitel gesehen.

Was würden Sie zum Beispiels antworten auf die Frage „Orientieren Sie sich eher an sich selbst oder mehr an anderen Menschen?“

Denken Sie kurz nach! Eine gute Antwort auf diese Frage wäre zum Beispiel „Ich gebe mich meistens so, wie ich bin.“ Ein gesundes Selbstbewusstsein und authentisches Verhalten, das heißt, sich zu geben, wie man wirklich ist, sind immer von Vorteil. Hier wird deutlich, dass Sie sich bei der Arbeit behaupten und mit Menschen umgehen können, ohne andere dominieren zu wollen. Machen Sie sich aber gegebenenfalls auf die Rückfrage gefasst „Wie sind Sie denn?“.

8.4. Gehaltsverhandlungen

Die Gehaltsfrage ist knifflig. Beide Seiten möchten nichts verschenken. Für Gehaltsverhandlungen müssen Sie Ihren Marktwert kennen. In BERUFENET und aus anderen Quellen erhalten Sie eine Orientierung zu Ihren Verdienstmöglichkeiten.

Informationen über Durchschnittslöhne erhalten Sie

in BERUFENET unter „Verdienst/Einkommen“

bei Berufsverbänden und Gewerkschaften

durch Vergleichslisten in Zeitungen und Zeitschriften (insbesondere Wirtschaftspresse)

im Internet unter www.gehalt.de

www.evita.de (Rubrik JOBworld)

www.focus.de (Rubrik Jobs, Beruf und Karriere)

Anhand der Persönlichen Checkliste: „Mein Marktwert“ können Sie Ihren Marktwert einschätzen. Checkliste „Mein Marktwert“

8.5. Das Wichtigste zum Vorstellungsgespräch

Auf ein Vorstellungsgespräch können Sie sich wie auf eine Prüfung vorbereiten. Sehen Sie hier noch einmal die wichtigsten Punkte:

Klären Sie die wichtigsten Fragen für sich selbst vorab zu Hause, planen Sie Ihre Selbstdarstellung und üben Sie Antworten auf zu erwartende Fragen.

Kleiden Sie sich Ihrer Branche angemessen. Im Zweifel lieber dezent und etwas besser angezogen sein.

Bereiten Sie die Anfahrt zum Firmensitz vor. Kommen Sie unbedingt ausgeruht zum Gespräch!

Eine gute Gesprächsatmosphäre ist sehr wichtig. Seien Sie freundlich, lächeln Sie, nehmen Sie Blickkontakt auf, hören Sie aktiv zu.

Vermitteln Sie einen optimistischen, positiven Eindruck. Beklagen Sie sich nicht über äußere Umstände, sprechen Sie nicht schlecht über bisherige Tätigkeiten oder andere Menschen.

Sie wissen, der erste und der letzte Eindruck, den Sie hinterlassen, bleiben besonders gut in Erinnerung.

Denken Sie daran: Sie sind ein unverwechselbarer Mensch, der einiges zu bieten hat. Wenn Sie vermitteln können, warum man gerade Sie nehmen sollte – und mit etwas Glück dazu – wird Ihr Vorstellungsgespräch erfolgreich sein.

9. Mit Absagen umgehen

9.1. Analysieren Sie Ihre Situation!

Nehmen Sie es nicht persönlich! Ihre Mappe war toll, das Vorstellungsgespräch lief gut – und dann kommt trotz allem eine Absage? Es ist nicht leicht, das wegzustecken, vor allem, wenn sich die Absagen häufen.

Wichtig für Sie: Nehmen Sie eine Absage nie persönlich und lassen Sie sich nicht entmutigen! Oftmals bewerben sich mehrere hundert Personen auf eine Stelle – da sind die Chancen einfach nicht so toll.

Vielleicht waren Sie auch einfach zu spät dran mit Ihrer Bewerbung und die Stelle war bereits vergeben.

Bedenken Sie die Marktsituation Wenn ein anderer die Zusage bekommen hat, muss das nicht heißen, dass Sie für den Beruf ungeeignet sind. Oftmals ist die Marktsituation einfach ungünstig und Sie müssen gegen viele Mitbewerber und Mitbewerberinnen antreten.

Hier gilt die Devise: Geben Sie nicht auf! Vielleicht kommen Sie bei der nächsten Bewerbung zum Zug! Sofern Ihre persönliche Situation es zulässt, sollten Sie vielleicht auch darüber nachdenken, sich in einer anderen Region zu bewerben. Außerdem sollten Sie sich über berufliche Alternativen Gedanken machen. Denn oftmals besteht die Möglichkeit, auf einen ähnlichen Beruf mit besseren Aussichten auszuweichen.

Haben Sie wirklich alle Voraussetzungen erfüllt? Vielleicht haben Sie die Absage auch deshalb bekommen, weil Sie die vom Betrieb gewünschten Voraussetzungen nicht erfüllen, zum Beispiel einen bestimmten Schulabschluss nicht haben oder die Zeugnisnoten nicht gut genug sind. In dem Fall könnten sie eine Weiterbildung in Betracht ziehen, etwa um einen geforderten Abschluss nachzuholen. Oder Sie erkundigen sich nach anderen Berufen, die ebenfalls in Frage kommen und für die Sie die gewünschten Voraussetzungen mitbringen.

Vielleicht war Ihre schriftliche Bewerbung auch unvollständig, fehlerhaft oder zu unpersönlich. Überprüfen Sie Ihre Unterlagen, bevor Sie einen neuen Anlauf starten!

War das Vorstellungsgespräch doch nicht so toll? Sind Sie am Auswahltest gescheitert oder lief das Vorstellungsgespräch doch nicht so gut?

Sehen Sie, was der Lernprogramm-Coach dazu sagt:

Lassen Sie das Vorstellungsgespräch in Gedanken noch mal Revue passieren. Waren Sie gut auf das Gespräch vorbereitet? Waren Ihre Antworten vielleicht zu schwammig? Haben Sie sich wirklich gut verkauft? Versetzen Sie sich in die Person Ihres Gegenübers: Wären Sie an seiner Stelle von Ihrem Auftreten überzeugt gewesen? Seien Sie ehrlich zu sich selbst, denn nur, wenn Sie Ihre Schwächen erkennen und akzeptieren, können Sie es beim nächsten Mal besser machen.

9.2. Bei Absagen gilt: Bleiben Sie dran!

Anita Bach hat eine Absage bekommen.

Sie berichtet ihrem Mann darüber:

„Ich habe eine Absage von Herrn Plessmann gekriegt, du weißt schon – dem Chef von der Zentralapotheke. Ich hab’s irgendwie geahnt. Schade ist es schon, die Arbeit dort hätte ich mir gut vorstellen können. Gut, dass ich noch ein paar andere Eisen im Feuer habe! Vielleicht ist es sogar besser so, ich weiß nicht so recht, ob ich mit

seiner Frau gut ausgekommen wäre

warum er mich nicht genommen hat. Meinst du, ich sollte mal nachfragen?“

Aber interessieren würde es mich schon,

Herr Bach stimmt ihr zu und damit hat er Recht.

Es ist völlig legitim, im Falle einer Absage nachzufragen, weshalb man nicht zum Zug gekommen ist. Scheuen Sie nicht davor zurück. Treten Sie dabei aber keinesfalls beleidigt oder gekränkt auf. Bitten Sie besser um ein Feedback, was Sie besser machen könnten.

Frau Bach könnte Ihre Nachfrage zum Beispiel so formulieren:

„Bitte geben Sie mir einen Tipp, was ich besser machen sollte, damit ich bei der nächsten Bewerbung mehr Erfolg habe.“

Sie haben ein Recht auf eine Reaktion! Wenn Sie sich auf eine Stellenanzeige bewerben, sollte es selbstverständlich sein, dass Sie irgendeine Reaktion erhalten und dass – im Falle einer Absage – Ihre Unterlagen an Sie zurückgeschickt werden. Falls dies nicht geschieht, sollten Sie nach einiger Zeit nachfragen. Leider versäumen es manche Unternehmen, dies zu tun. In dem Fall sollten Sie nach einer angemessenen Zeit nachfragen und gegebenenfalls die Rücksendung Ihrer Unterlagen anmahnen. Auch wenn das Unternehmen Ihre Unterlagen ganz bewusst behält, weil es Sie als einen interessanten Kandidaten einstuft und vielleicht später mal auf Sie zurückkommen möchte, gehört es sich, Sie davon in Kenntnis zu setzen.

10. Ihr neuer Job

10.1. Wenn eine Zusage kommt

Kirstin Plaschke hat sich für Horst Schumann entschieden. Sehen Sie, wie sie ihre Entscheidung begründet: „Also, ich habe mich jetzt für Herrn Schumann entschieden. Er war der überzeugendste Bewerber. Bei ihm ist deutlich geworden, dass er weiterkommen will, er hat sich neben seiner Arbeit sinnvoll fortgebildet, und er wirkt wirklich motiviert, sich flexibel auf neue Aufgaben einzustellen. Außerdem kann er, glaube ich, zupacken. Das ist mindestens so wichtig für uns, wie die Qualifikationen für die Stelle. Dass er bei uns ernsthaft einsteigen will, daran habe ich keine Zweifel.“

Wenn die Zusage kommt, müssen Sie sich entscheiden Ihre Mappe war toll, das Vorstellungsgespräch lief gut – und jetzt bekommen Sie tatsächlich auch eine Zusage? – Dann erst mal Glückwunsch! Sie haben sich wacker geschlagen und am besten überzeugt. Wenn Sie sogar mehrere Zusagen bekommen haben, müssen Sie sich nun für ein Angebot entscheiden. Aber auch, wenn Sie nur eine Zusage haben, ist es jetzt an Ihnen zu entscheiden, ob Sie das Angebot annehmen oder nicht. Bitte beachten Sie dabei: Leistungsbezieher sind bei der Ablehnung eines Arbeitsangebotes an die Zumutbarkeitsregelung gebunden (vgl. § 121 SGB III).

Nehmen Sie das Angebot an? Das Unternehmen hält Sie für geeignet. – Aber halten Sie es auch für einen geeigneten Arbeitgeber? Diese Frage sollten Sie sich ehrlich beantworten. Denn Sie wollen ja länger für das Unternehmen tätig sein. Wenn das Vorstellungsgespräch bei Ihnen eher ein mulmiges Gefühl hinterlassen hat und Sie den Eindruck haben, dass Sie sich in dem Unternehmen nicht wohl fühlen werden, sollten Sie gut überlegen, ob Sie das Angebot annehmen. Denn wenn Sie nach zwei Monaten wieder gehen, hat keiner etwas davon.

Wenn Sie das Angebot ablehnen, tun Sie es bitte umgehend. Seien Sie dabei höflich und freundlich! Bitte beachten Sie dabei: Leistungsbezieher sind bei der Ablehnung eines Arbeitsangebotes an die Zumutbarkeitsregelung gebunden (vgl. § 121 SGB III).

Was Sie noch beachten sollten Wenn Sie die angebotene Stelle annehmen, wird man Ihnen einen Arbeitsvertrag zur Unterschrift vorlegen. Sobald Sie unterschrieben haben, ziehen Sie bitte laufende Bewerbungen bei anderen Unternehmen zurück. Informieren Sie auch Ihre Agentur für Arbeit über den aktuellen Stand Ihrer Stellensuche.

10.2. Tipps für die ersten Arbeitstage

Horst Schumann hat die Zusage von Kirstin Plaschke erhalten. Er ruft seine Freundin Barbara an: „Hallo Barbara, ich bin’s, Horst. - Ich hab’ gute Nachrichten! Ich habe die Zusage für den Job! Ja, ich freu’ mich sehr – ich erzähl dir Samstag alles in Ruhe. Also, mach’s noch gut, bis dann. Tschüss.“ Dann zu sich selbst: „Also – ich bin mal gespannt auf meinen neuen Job, da wird am ersten Tag sicher alles sehr ungewohnt sein, hoffentlich krieg’ ich nette Kollegen, und komm’ mit

der Arbeit klar

Darauf kommt es am ersten Arbeitstag besonders an:

Der erste Eindruck wiegt ganz besonders schwer. Beherzigen Sie deshalb die Regeln der Etikette und seien Sie vor allem pünktlich!

Sehen Sie, was der Lernprogramm-Coach dazu sagt:

Ganz gleich, wie gut Ihre Zeugnisse sind und über wie viel Berufserfahrung Sie verfügen. Im neuen Unternehmen sind Sie zunächst immer der Lernende. Es gilt, Arbeitsabläufe zu erkennen, sich im Team neuer Kollegen einzufinden und die offiziellen und auch inoffiziellen Strukturen zu erkennen. Zeigen Sie Interesse, stellen Sie Fragen und seien Sie selbst hilfsbereit. Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, fragen Sie nach. Und noch etwas: Die ersten Arbeitstage sind nicht der geeignete Zeitpunkt, um Verbesserungsvorschläge zu machen, auch wenn diese ihre Berechtigung haben.

Beachten Sie bitte auch diese Hinweise für Ihre erste Zeit im neuen Unternehmen:

Wenn es zum Beispiel im Unternehmen üblich ist, dass alle Kollegen sich duzen, sollten Sie nicht auf dem Sie bestehen.

Kleiden Sie sich angemessen! Lieber zu elegant als zu leger. Wenn Sie dann sehen, dass Ihre Kollegen keine strenge Kleiderordnung einhalten, können Sie es ja später auch etwas lockerer angehen lassen.

Ihre Kollegen gehen regelmäßig gemeinsam in die Kantine? Dann gehen Sie mit, um nicht als Außenseiter zu gelten. Nach ein paar Wochen können Sie sich dann ja ausklinken, wenn Ihnen das gemeinsame Mittagessen nicht behagt.

In den ersten Tagen stehen Sie besonders unter Beobachtung. Einige Kollegen werden Ihnen wohl gesonnen sein, andere sehen Ihren Einstieg vielleicht negativ. Seien Sie immer freundlich und höflich – aber biedern Sie sich nicht an!

Versuchen Sie, erste Kontakte aufzubauen und loten Sie vorsichtig die Beziehungsgeflechte aus.