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www.haz.de Freitag, 10. Juli 2015 ZeitUng Nr. 158 • 28. Woche • Preis 1,60 €
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Freitag, 10. Juli 2015

ZeitUng

www.haz.de Freitag, 10. Juli 2015 ZeitUng Nr. 158 • 28. Woche • Preis 1,60 € HannoverScHer

Nr. 158 • 28. Woche • Preis 1,60 €

Juli 2015 ZeitUng Nr. 158 • 28. Woche • Preis 1,60 € HannoverScHer anZeiger von 1893

HannoverScHer anZeiger von 1893

Volles schützenzelt

Alte BekAnnte

Das Tanztheater International blickt auf 30 Jahre zurück Seite 7

Mutiger Wechsel

Hannover 96 setzt bei Neuzugängen vor allem auf junge Spieler Seite 21

Beim HAZ-Wettbewerb der Fanfarenzüge tanzen die Gäste auf den Tischen Seite 16

Diakonie: Vier Klinikstandorte fallen weg

Hannover. Die Diakonischen Dienste Hannover (DDH) geben vier ihrer insge- samt sieben Krankenhausstandorte auf. Betroffen sind nach HAZ-Informationen das Lister Krankenhaus am Lister Kirch-

weg, die Klinik für Plastische, Hand- und Mikrochirurgie an der Marienstraße so- wie die Geburtsklinik und die Abteilun- gen für Geriatrie und Psychosomatik in Kirchrode. Alle Abteilungen sollen in den verbleibenden Häusern aufgehen. Der Klinikverbund will sich in Zukunft auf das Friederikenstift in der Humboldt- straße, die Henriettenstiftung in der Ma- rienstraße und das Annastift in Kleefeld konzentrieren. Die Maßnahme ist Teil der Medizinstrategie, mit deren Hilfe die DDH wieder schwarze Zahlen schreiben will. Damit einhergehen wird eine Redu- zierung der Mitarbeiterzahl um bis zu 160 – allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie es heißt. Offiziell wol- len die DDH kommende Woche Stellung

nehmen. Seite 13
nehmen.
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theMen des tAges

hAnnoVer

Schwache Halbzeitbilanz beim Schützenfest

Der Wechsel zwischen großer Hitze und stürmischem Wetter hat bisher zu ver- gleichsweise mäßigem Besucherzuspruch

auf dem Schützenfest geführt. „Ich kann es keinem verübeln, der am Ausmarschwo- chenende lieber zum Badesee gegangen

ist“, sagt ein Wirt.

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Müllgebühren könnten um fünf Prozent steigen

Die Bewohner der Region Hannover müs- sen künftig möglicherweise höhere Abfall- gebühren in Kauf nehmen. Grund sind die

niedrigen Marktpreise für Altpapier. Sie be- deuten für den Entsorger Aha einen Ein- nahmeverlust von bis zu 8 Millionen Euro

pro Jahr.

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niedersAchsen

Hitze lässt Zehntausende Tiere in Ställen verenden

Während der Hitzewelle Anfang Juli sind Zehntausende Tiere in niedersächsischen Ställen verendet – darunter fast 2000 Schweine und 108 000 Hühner. Landwirt- schaftsminister Christian Meyer fordert

jetzt Konsequenzen.

Welt iM spiegel

rocker dürfen Kutten wieder auspacken

Im Kampf um ihre Kutte haben Rocker ei- nen Punktsieg gefeiert. Das Tragen der Weste dürfe nicht pauschal verboten wer- den, entschied der Bundesgerichtshof und

begründete das Urteil mit einer Gesetzes-

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lücke.

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Rätsel

Seite 6, 19

Finanzen

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Familienanzeigen

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Medien

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Fernsehprogramm

Seite 23

Täglich (fast) alles, Wetter

Seite 24

Wetter

FR

23 Täglich (fast) alles, Wetter Seite 24 Wetter FR 19° 11° SA 25° 15° SO 23°

19° 11°

SA

(fast) alles, Wetter Seite 24 Wetter FR 19° 11° SA 25° 15° SO 23° 14° Postanschrift:

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Wetter Seite 24 Wetter FR 19° 11° SA 25° 15° SO 23° 14° Postanschrift: 30148 Hannover

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Udo übt Foto: Heusel
Udo
übt
Foto: Heusel

Sommerwetter und 12 000 gut aufgelegte Fans im Stadion: So hat Udo Lindenberg in Han- nover seine Panik-Party begonnen. Gestern wurde eigentlich nur geübt, damit heute alles

glatt läuft. Dennoch machte die Generalprobe Laune auf mehr. Beim echten Tourstart heu-

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te Abend werden mehr als 40 000 Zuschauer erwartet.

Von der Leyen: Wir werden noch viele retten müssen

Ministerin wirbt für Noteinsätze im Mittelmeer / Land will Flüchtlingshilfe verbessern

VON MicHAeL B. BeRgeR

Hannover. Bundesverteidigungsminis- terin Ursula von der Leyen (CDU) erwar- tet, dass die Bundesmarine noch für län- gere Zeit Flüchtlinge aus dem Mittel- meer retten muss. „Die Phase der See- notrettung wird noch eine gewisse Weile dauern“, sagte sie am Donnerstag in Hannover. Von der Leyen war die Haupt- rednerin auf einer Tagung der CDU- Landtagsfraktion zur „Flüchtlingskata- strophe an den EU-Außengrenzen“ im hannoverschen Leineschloss. Die Minis- terin prophezeite: „Das Flüchtlingsthe- ma wird uns noch sehr lange beschäfti- gen.“ Seit Anfang Mai ist die Marine mit zwei Schiffen an den Rettungsaktionen beteiligt und hat seitdem 5700 Men- schen vor dem Ertrinken gerettet, darun- ter 400 Kinder, wie von der Leyen be- richtete. Diese Rettungsaktionen ver- schafften der Politik lediglich ein „Zeit- fenster“, um nach anderen Lösungen des Flüchtlingsproblems zu suchen, vor allem in den Herkunftsländern. Nötig sei in einem zweiten Schritt auch ein geziel- tes Vorgehen gegen die Schlepper, die vor allem in Libyen agierten, sagte von der Leyen. „Für diese Verbrecher ist es egal, ob sie mit Waffen, Drogen oder Menschen handeln.“ Das Flüchtlingshilfswerk der UN (UNHCR) erwartet, dass der Flüchtlings- druck in den kommenden Jahren eher noch zunimmt. Während die Flucht über das Mittelmeer in diesem Jahr Höchst- stände erreicht hat, suchten die Flücht- linge neue Wege, vor allem über Grie- chenland, berichtete der Leiter der

Rechtsabteilung des UNHCR, Robert Blank, in Hannover. „Wir verzeichnen derzeit eine dramatische Entwicklung:

die Verlagerung der Flüchtlingsströme vom Mittelmeer nach Griechenland. Hatten wir dort im Mai noch 18 000 Neu- ankünfte, so waren es im Juni schon 33 000 Flüchtlinge“, sagte Blank. Das Land sei mit den Flüchtlingen völlig überlastet. Noch vor wenigen Jahren sei es undenkbar gewesen, dass das UNHCR Nothilfeaktionen innerhalb der Europäischen Union organisieren müs- se. Doch jetzt sei es so weit: Auf grie- chischen Inseln verteile das UNHCR be- reits Decken und Matratzen. Unterdessen warnt die Hilfsorganisa- tion „Ärzte ohne Grenzen“ vor einer Verschärfung der Lage in Griechenland. „Wenn sich die Situation für die grie- chische Bevölkerung selbst weiter ver- schlechtert, wird das die Flüchtlinge mit

am härtesten treffen“, sagte der Ge- schäftsführer der Organisation, Florian Westphal, dem Evangelischen Presse- dienst. Er appellierte an die EU, Grie- chenland umgehend zu unterstützen. „Es ist eine europäische Aufgabe, die- sen Menschen einen Empfang zu bieten, der die Grundlagen der Versorgung si- cherstellt.“ Niedersachsen will Flüchtlinge künf- tig passgenauer in Jobs und Wohnungen vermitteln. Das ist das Ergebnis einer Konferenz in Hannover mit Vertretern von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und Kommunen. „Es ist wichtig, schon ganz früh die Qualifikationen zu erfassen, um zu wissen, wo die Flüchtlinge eingesetzt werden können“, sagte Staatssekretär Stephan Manke vom Innenministerium.

» Eindringliche Worte

» Hilfe für die Helfer

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arbeitgeberchef setzt auf Zuwanderung

lehrstellen für Flüchtlinge: Die Wirt- schaft dringt auf eine schnelle Integrati- on der Flüchtlinge in den deutschen Ar- beitsmarkt. Sie müssten vom ersten Tag an Deutsch-Unterricht bekommen und sich eigenständig eine Lehrstelle suchen dürfen, forderte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer im HAZ-Interview. „Wäh- rend der gesamten Laufzeit der Ausbil- dung sollte man sie nicht abschieben dürfen.“ Das müsse für diejenigen gelten, die nach abgeschlossener Lehre vom Be- trieb übernommen würden. Und allen an- deren „sollten wir zumindest ein Jahr Zeit

geben, sich einen Job zu suchen“, sagte Kramer. Deutschland befinde sich „nicht mehr in einer Zeit von fünf Millionen Ar- beitslosen“, inzwischen könnten vie- le Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden. „Wir brauchen heute dringend wieder Zuwanderung“, sagte der Arbeit- geberpräsident. Darauf müsse sich auch die öffentliche Verwaltung einrichten. „Es wird Zeit, dass wir uns entsprechend auf- stellen – nicht nur im Denken, auch in den behördlichen Strukturen.“

» Kramer im Interview

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Merkel will von Schuldenschnitt nichts wissen

Geldgeber warten auf neue Reformpläne aus Athen

VON cHRistiAN BöHMeR

BrüSSel. Bundeskanzlerin Angela Mer- kel (CDU) hat einen Schuldenschnitt für Griechenland erneut ausgeschlossen. „Ein klassischer Haircut“ komme für sie nicht infrage, „das hat sich zwischen vorgestern und heute auch nicht geän- dert“, sagte Merkel gestern. Sie ging da- mit auf Distanz zu Forderungen unter anderem der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Diese hatte am Mittwoch Er- leichterungen für das in dreistelliger Milliardenhöhe verschuldete Griechen- land gefordert. Auch EU-Ratspräsident Donald Tu sk signalisierte gestern Bereit- schaft, den Griechen weiter entgegen- zukommen. Athen hatte gestern bis Mitternacht Zeit, neue Reformvorschläge zu unter- breiten. Falls diese nicht ausreichen, drohen die Pleite des Landes und der Austritt aus der Euro-Zone. Die griechische Statistikbehörde Els- tat meldete gestern, dass die Arbeitslo- sigkeit in Griechenland im April leicht zurückgegangen ist. Demnach lag die Quote bei 25,6 Prozent, während sie im April 2014 noch 27 Prozent betragen hat- te. Im Vergleich zum Vormonat blieb die Quote allerdings relativ stabil: Nach ak- tualisierten Zahlen lag sie im März bei 25,8 Prozent. Laut Elstat sind von 3,3 Millionen erwerbsfähigen Menschen 1,2 Millionen ohne Arbeit. Von den un- ter 25-Jährigen sind 53,2 Prozent arbeits- los – und damit etwas weniger als vor ei- nem Jahr.

» Hoffnung für Griechenland

Seite 2

vor ei- nem Jahr. » Hoffnung für Griechenland Seite 2 leitArtikel VON KLAus WALLBAuM Mit Rechtsdrall

leitArtikel

VON KLAus WALLBAuM

Mit Rechtsdrall in den Untergang

D ie Spaltung begann schleichend, aber sie wurde unaufhaltsam. Zuletzt

ging sie Tag für Tag immer tiefer. Gleich nach der Abwahl des AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke auf dem Parteitag am Sonn- abend verließ eine der prominentesten Figuren die Partei, der frühere BDI-Prä- sident Hans-Olaf Henkel. 24 Stunden später folgten andere Europaabgeordne- te, nach einem weiteren Tag Lucke selbst. Mit ihnen sind mittlerweile Tau- sende gegangen. Werden diese Unzu- friedenen wieder eine neue Partei grün- den? Sie sprechen davon. Doch was könnte eine solche neue Splitterpartei, eine Alternative zur Alternative für Deutschland, wirklich bewegen?

Die rechtspopulistische Szene bietet in Deutschland, anders als in anderen EU-Staaten, ein Bild von Zerfall und Desorientierung. Wieder einmal, so scheint es, ist ein Versuch gescheitert, rechts neben der Union eine neue Partei zu etablieren.

Ihren Reiz für die Wähler konnte die AfD bisher aus einem Spagat ableiten:

Sie war einerseits Protestpartei für diffu- se Unzufriedenheiten aller Art, anderer- seits war sie aber auch die „Professoren- partei“ mit Leuten wie Lucke, deren wirtschaftswissenschaftlicher Sachver- stand unbestritten ist. Lucke würde, meinten die Moderaten in der AfD, ein Abdriften nach rechts außen verhindern. Tatsächlich aber war das schon seit Mo- naten eine Illusion, denn weder Lucke noch die neue Vorsitzende Frauke Petry hatten je eine flügelübergreifende Inte- grationskraft.

Lucke und seine Leute stehen mit ih- rem Nein zum Euro für die tiefe Sehn- sucht vieler Westdeutscher nach der Bundesrepublik der Siebziger- und Acht- zigerjahre: mit stabiler D-Mark, Freund- schaft zu den USA und einem klaren Feindbild – Kommunismus.

Der rechte Flügel, der die politisch in Sachsen gestartete Petry ins Amt hievte, ist ein Sammelbecken für ganz unter- schiedliche Kräfte. Das Feindbild der Pe- try-Freunde ist weniger der Kommunis- mus als die westliche, amerikanisch ge- prägte Kultur. Sie wenden sich gegen Zuwanderer, gegen Homosexuelle, ge- gen den freien politischen Meinungs- austausch – und sie befürworten einen strengen, einschüchternden Staat, wie Russlands Präsident Wladimir Putin ihn verkörpert. Auf dem rechtsnationalen Flügel treffen sich dann Strömungen, die die anti-liberale Politik des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban gut- heißen und auch die Hasstiraden auf die angebliche „Lügenpresse“ unterstützen, die bei Pegida-Kundgebungen ange- stimmt wurden. Einer der mächtigsten AfD-Politiker, der NRW-Landeschef Marcus Pretzell, hat die AfD jüngst „Pe- gida-Partei“ genannt – und beansprucht, für diese Protestbewegung zu sprechen.

Der neue starke Rechtsdrall der AfD wird vermutlich viele Wähler abschre- cken. Er kann das Ende der AfD bedeu- ten. Sicher ist der Untergang dieser Par- tei noch nicht, er ist aber jetzt sehr viel wahrscheinlicher geworden.

Kaiserwetter in Fernost

Nach 100 Jahren gibt Deutschland seine Übersee-Wetterdaten an China zurück

VON HARALD JOHN

P eking schwitzt heute unter einem wolkenlosen Himmel bei 40 Grad. In

Shanghai regnet es aus dichten Wolken, schwere Gewitter sind für das Wochen- ende angekündigt. Für das Einholen der Wetterprognose aus dem Fernen Osten brauchen wir heute nur ein paar Sekun- den, vor 100 Jahren war der Wetterbe- richt aus China noch mehrere Wochen nach Deutschland unterwegs. Die Auf- zeichnungen der Stationen der Deut- schen Seewarte in China wurden mit Schiffen mühsam übers Meer ins deut- sche Kaiserreich verfrachtet. Nun aber kommen die langen Listen mit den akribischen Notizen über Tem- peraturen und Niederschlagsmengen in

Fernost wieder zurück nach China. Der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Gerd Adrian, ist nach Peking ge- reist, im Gepäck hat er die Daten von 14 Stationen aus den Jahren 1891 bis 1916 und 1934 bis 1939. Und die will er der chinesischen Regierung übergeben. Die Messreihen der Stationen im Ei- gentum des deutschen Kaiserreiches, sechs davon in der ehemaligen deut- schen Kolonie Kiautschou (1898–1914, Hauptstadt Tsingtau), waren nicht für deutsche China-Reisende bestimmt. Das Reichskolonialamt mit Sitz in der Berli- ner Wilhelmstraße wollte vielmehr erfor- schen, welche allgemeinen klimatischen Bedingungen in der fernen Kolonie herr- schen und welche Pflanzen in diesen Breiten gedeihen können.

Ein Jahrhundert später ist der Kolo-

nialismus nur noch ein dunkles Kapitel, und die Daten-Rückgabeaktion für die gute Sache ist angelaufen. Denn die Volksrepublik China verfügt über keine Wetteraufzeichnungen aus dieser Zeit, angesichts von Smog und Dürren steht die Regierung aber unter Druck, die Auswirkungen des Klimawandels genau zu untersuchen. Auch andere Län- der können von der Gründlich- keit der deut- schen Wet- terforscher

profitie-

ren, auf

dem Hö-

hepunkt des imperialen Strebens ver- fügte die Deutsche Seewarte Hamburg über 1550 Stationen in Afrika, China und im Pazifik. Heute ermittelt ein Su- percomputer anhand eines feinmaschi- gen Netzes, das mit 265 Millionen Git- terpunkten die Welt umspannt, das welt- weite Wetter der kommenden sieben Tage. Und meldet für Peking weiterhin Sonne satt. Einst hätte man gesagt: Kaiser- wetter.

Sonne satt. Einst hätte man gesagt: Kaiser- wetter. Schmucklos, aber spannend: Wetter- aufzeichnungen aus der

Schmucklos, aber spannend: Wetter- aufzeichnungen aus der Kaiserzeit.

Foto: dpa

Geflügelzüchter verzichten freiwillig auf Schnabelkürzung

Berlin/Hannover. Die deutsche Geflü- gelwirtschaft will künftig ohne das um- strittene Schnabelkürzen auskommen. Das sieht eine freiwillige Vereinbarung vor, die Branchenvertreter am Donners- tag mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) unterzeichnet haben. Danach soll das Schnabelkürzen bei Junghennen von August 2016 an ent- fallen. Zudem strebt die Geflügelwirt- schaft einen Verzicht auf das Kürzen der Schnäbel von Putenhennen an. Nieder- sachsens Landwirtschaftsminister Chris- tian Meyer (Grüne) hatte sich bereits ge- gen das Schnabelkürzen ausgesprochen. Er wollte ein Verbot von 2017 an errei- chen. Das Land hatte ein Modellprojekt finanziert, um die Folgen der neuen Pra- xis wissenschaftlich zu begleiten.

kommentAr

Von

dirK schMaler

kommentAr Von dirK schMaler Berlins löcherige Abwehr W ashington verfolgt die Berliner Politik beim Entstehen, in

Berlins löcherige Abwehr

W ashington verfolgt die Berliner Politik beim Entstehen, in Echt-

zeit. Der US-Geheimdienst NSA weiß schon seit mindestens 25 Jahren, wann ein deutscher Kanzler, sein Büroleiter und die wichtigsten Abteilungsleiter mit wem telefonieren. Die Verweige- rung des Weißen Hauses im vergange- nen Jahr, ein sogenanntes No-Spy-Ab- kommen mit Berlin zu unterzeichnen, spricht dafür, dass die Praxis sich bis heute nicht substanziell geändert hat. Das ist ärgerlich und zerstört Vertrau- en, ist aber wohl durch keine Einbe- stellung eines US-Botschafters zu ver- hindern. Geheimdienstarbeit ist in Zeiten des internationalen Terrorismus wichtig für die Sicherheit. Das ist längst eine Bin- senweisheit. Erst langsam allerdings setzt sich die Einsicht durch, dass eine zweite, mindestens ebenso bedrohliche Gefahr in der Spionage selbst liegt. Die immer neuen Datenskandale, Sabotage- akte und Spionageaktionen machen deutlich, dass eine funktionierende Ab- wehr in Deutschland nicht existiert. In Zeiten totaler Vernetzung sind derartige Fähigkeiten aber in Zukunft überle- benswichtig. Die seit Wochen lahmge- legte IT-Infrastruktur des Bundestages zeigt das eindrucksvoll. Es war ein Fehler, die Spionageab-

wehr beim Verfassungsschutz und beim Militärischen Abschirmdienst nach dem Ende des Kalten Krieges abzubauen. Und es ist ein weiterer, nun so zu tun, als gingen die Bundesregierung die Spionageattacken nichts an. Zumal nicht gesagt ist, dass nur die NSA mit- hört, wenn Merkel Politik plant. Russen, Inder und Chinesen haben ganz ähnli- che Interessen – und sind technisch ver- gleichbar aufgestellt. Nötig wäre drin- gend der Aufbau einer unabhängigen Spionageabwehr, die gut ausgestattet und ohne Rücksicht auf Partnerdienste aus dem Ausland gegen Angreifer vor- geht. Zum Schutz der Bürger, der Wirt- schaft und der Politik.

Andere Ansichten

Bürger, der Wirt- schaft und der Politik. Andere Ansichten aus Ro m zu Griechenland: „Die Situation

aus Rom zu Griechenland:

„Die Situation sei ziemlich gefährlich, sagte Angela Merkel in einer sehr teutonischen Zusammenfassung mit Blick auf den ent- scheidenden Gipfel am Sonntag. Es gibt keinen Zweifel: Es ist der schlechteste Mo- ment für den Euro und die schwerste Krise der europäischen Integration. Aber die Ge- schichte zeigt: Krisen sind der Brennstoff Europas.“

schich te ze igt: Krisen sind der Brenns to ff Europas.“ zur Krise bei der Af

zur Krise bei der AfD:

„Die AfD ist eine Partei in Auflösung: Gan- ze Kreisverbände verlassen die Partei, und das Schlimme: Es sind die klügsten p- fe, die den Exodus anführen. Die neue AfD- Chefin Frauke Petry zeigte sich schon im Moment ihrer Wahl auf absurde Weise überfordert.“

ZitAt des tAges

Wa hl auf absurde We ise überfordert.“ ZitAt des tAges Der Re st de r We

Der Rest der Welt würde das vermutlich ganz gut überleben.

Olivier Blanchard, Chefökonom des IWF, zu einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro.

Zur Person

Auss cheiden Griechenlands aus dem Eur o. Zur Person Pa pst Fr anziskus (78) hat bei

Papst Franziskus (78) hat bei seinem Besuch in Bolivien darauf verzichtet, Koka-Blätter zu kau- en. Als er auf dem Flughafen im 4000 Meter hoch gelege- nen El Alto eintraf, bekam er von Prä- sident Evo Morales nach einer Umarmung sofort einen Beutel mit Koka-Blättern um den Hals gehängt, die gegen die Höhen- krankheit helfen sollen. Doch Franziskus ließ die Blätter im Beutel – und verzichte- te damit auf ein politisches Statement, das sich die Befürworter der Koka-Liberalisie- rung dringend gewünscht hatten. Boliviens Präsident Morales wehrt sich gegen eine Gleichsetzung der Blätter mit Kokain und wirbt vehement für eine Legalisierung von Produkten wie Koka-Tee.

Politik heute

Santa Cruz: Papst Franziskus besucht ei-

nes der größten Gefängnisse Boliviens.

York: Beginn der Generalsynode der an-

glikanischen Kirche in England.

Karlsruhe: BGH verhandelt erneut über

die Rechte an den Kohl-Tonbändern.

Lucke-Anhänger in der AfD zögern mit Neugründung

Heute will der abgewählte Vorsitzende austreten, gestern wurde ein Ausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet

Von Fabian Meurer

BeRlin/HAnnOveR. Die Anhänger des

bisherigen, vor wenigen Tagen abge- wählten AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke sind uneins in der Frage, ob sie eine neue Partei gründen wollen. Das ergab eine Umfrage unter den Mitgliedern des Vereins „Weckruf“, in dem Lucke schon seit Mitte Mai diejenigen AfD-Mitglie- der versammelt hat, die seiner Richtung nahestehen. Lucke will heute die AfD verlassen. Gestern Nachmittag erklärte der niedersächsische Landesvorsitzende Armin Paul Hampel, man leite ein Par-

teiausschlussverfahren gegen Lucke ein – weil Lucke die AfD-Infrastruktur ge- nutzt habe, etwa die Adressenverwal- tung der Bundesgeschäftsstelle, um eine Abspaltung vorzubereiten. In der AfD gibt es Hinweise darauf, dass die Vorbereitungen für eine neue Partei mit dem Namen „Die Reformer“ bereits laufen. Der Arbeitstitel dafür hei- ße „Neustart“. In dem bisherigen „Weck- ruf“-Verein der Lucke-Getreuen sind etwa 4000 Mitglieder – vorwiegend sol- che, die bisher der AfD angehörten. Die AfD hat insgesamt rund 21 000 Mitglie- der. An der Abstimmung unter den

„Weckruf“-Angehörigen beteiligten sich rund 2600 Mitglieder, 1948 von ihnen plädierten für eine Neugründung. Wenn es dazu kommt, dürften fünf der sieben AfD-Europaabgeordneten dieser Partei wohl beitreten. Sie haben die AfD inzwi- schen schon verlassen oder sind kurz da- vor, diesen Schritt zu gehen. Zwei AfD- Europaabgeordnete, Marcus Pretzell und Beatrix von Storch, gelten als An- hänger der neuen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und dürften damit der bis- herigen Partei treu bleiben. Wie stark der Aderlass in der AfD nach dem Sieg des nationalkonservati-

ven Flügels um Petry ist, lässt sich noch nicht ablesen. Die Zahl der Austritte und Eintritte kann erst mit Zeitverzögerung in der Bundesgeschäftsstelle registriert werden. Der niedersächsische Landes- vorsitzende Armin Paul Hampel ver- wahrte sich gestern gegen Vorwürfe des Lucke-Flügels, der neue Vorstand sei auf „Rechtskurs“. In Wirklichkeit hätten An- hänger von Lucke die Stimmung auf dem Bundesparteitag in Hessen ange- heizt und beispielsweise „Petry Heil“ gerufen. Dies sei eine gezielte Provoka- tion aus dem Umfeld des bisherigen Bundesvorsitzenden gewesen.

Mit den Austritten wird das Lager der neuen Bundesvorsitzenden Petry ge- stärkt, da ihre Kritiker sich derzeit vie- lerorts von der AfD lösen. In Hannover hat der frühere Vize-Landesvorsitzende Matthias Dorn gestern die AfD verlas- sen. Petry reagierte verärgert auf die Kri- tik von Lucke: „Ich empfinde es als an- maßend, dass er die verbleibende AfD ins antibürgerliche Lager stellen will.“ Brandenburgs AfD-Chef Alexander Gauland gab Lucke die Schuld an der Zuspitzung: Sein Führungsstil an der Parteispitze habe sich „immer stärker in Richtung Autokratie gewandelt“.

tomicek

stärker in Richtung Autokratie gewandelt“. tomicek Geldgeber kommen Griechen entgegen Bis Mitte rnacht neue

Geldgeber kommen Griechen entgegen

Bis Mitternacht neue Reformvorschläge aus Athen / Bundesbank gegen neue Hilfe

Von Fides MiddendorF

BRüSSel. Nach dem neuen Ultimatum im Schuldenstreit mit Griechenland deu- tet sich ein Entgegenkommen der Gläu- biger bei der Rückzahlung des riesigen griechischen Schuldenbergs an. EU- Ratspräsident Donald Tu sk sagte ges- tern, die neuen Spar- und Reformvor- schläge, die die griechische Regierung bis Donnerstagnacht in Brüssel vorlegen sollte, müssten von den Gläubigern mit „einem ebenso realistischen Vorschlag bei der Schuldentragfähigkeit“ begleitet werden. Auch IWF-Chefin Christine La- garde forderte eine Umschuldung. Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland sollte bis Mitternacht eine

allerletzte Reformliste einreichen, um auf weitere Finanzhilfen hoffen zu kön- nen. Die Finanzminister und die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone wollen bei Krisengipfeln am Wochenen- de entscheiden, ob Griechenland ein drittes Hilfspaket bekommt – oder ob stattdessen über das Szenario eines Aus- tritts Griechenlands aus der Euro-Zone beraten wird. Athen hatte das neue Hilfspaket am Mittwoch beim Euro-Ret- tungsfonds ESM beantragt. Regierungs- chef Alexis Tsipras kündigte im EU-Par- lament an, dass Athen Vorschläge für „glaubhafte Reformen“ und eine „faire und machbare Lösung“ vorlegen werde. Über Inhalte wurde zunächst nichts bekannt. Die griechische Wirtschaftszei-

Schäuble vermisst vertrauen

Appell an Athen: Bundesfinanzminis- ter Wolfgang Schäuble vermisst ver- trauensbildende Maßnahmen der grie- chischen Regierung zur Lösung des Schuldens treits mit Athen. Er habe dem neuen griechischen Finanzminister Eu- klid Tsakalotos gesagt: „Macht doch die eine oder andere Maßnahme. Geht doch in euer Parlament und: Just do it. Das würde wahnsinnig viel Vertrauen schaf- fen“, sagte der CDU-Politiker bei ei- ner Bundesbank-Tagung in Frankfurt.

„Aber ich habe nicht mitbekommen, dass seit Dienstag irgendeine Maßnah- me in Griechenland in Kraft gesetzt wur- de.“ Schäuble betonte: „Meine Fantasie, wie wir vertrauensbildende Maßnahmen zwischen jetzt und Sonntag 24 Uhr be- kommen sollen, ist sehr begrenzt.“ An diesem Sonntag soll bei einem weiteren europäischen Gipfeltreffen ein erneuter – und womöglich letzter – Versuch zu ei- ner Einigung über weitere Hilfsmilliarden für Athen unternommen werden.

tung „Naftemporiki“ berichtete, es gehe um eine „Mischung“ aus der 47-seitigen Reformagenda, die Athen vor dem Refe- rendum über die Gläubigerforderungen vorgelegt hatte, und den letzten Vor- schlägen der EU-Kommission. Dabei wolle Griechenland den Gläubigern mit Einsparungen von zehn bis zwölf Milli- arden Euro aber weiter entgegenkom- men. Aus Regierungskreisen in Athen hieß es gestern lediglich: „Wir arbeiten daran.“ EU-Ratspräsident Tu sk forderte Zuge- ständnisse bei Griechenlands Schulden- problem. Nur dann werde es ein Ergeb- nis geben, bei dem „alle Seiten Gewinner sind“, sagte er in Luxemburg. Die Che- fin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Lagarde, hatte bereits am Mitt- woch für eine Umschuldung für Grie- chenland plädiert. Neben Spar- und Re- formmaßnahmen sei dieser Schritt „notwendig“ für die Wiederherstellung der Schuldentragfähigkeit des Landes, sagte sie in Washington. Griechenland selbst hat immer wieder einen teilwei- sen Schuldenerlass verlangt, was aber unter anderem die Bundesregierung strikt ablehnt. Das zweite Kreditpaket für Griechen- land war Ende Juni ausgelaufen, nach- dem sich Athen mit den Geldgebern nicht auf Sparmaßnahmen einigen konn- te. Derzeit dürfen Bankkunden nur noch 60 Euro pro Tag an Automaten abheben.

Bankkunden nur noch 60 Euro pro Tag an Automaten abheben. Die Zeit wird knapp: Ministe rpräsident

Die Zeit wird knapp: Ministerpräsident Tsipras am Donnerstag im griechischen

Parlament in Athen.

Foto: dpa

Die Banken sollen noch bis kommenden Montag geschlossen bleiben. Bundesbank-Präsident Jens Weid- mann sprach sich gestern gegen weitere Finanzhilfen der Europäischen Zentral- bank (EZB) für Griechenland in der jetzi- gen Situation aus. Zweifel an der Solvenz griechischer Banken seien legitim und nähmen jeden Tag zu, sagte er in Frank- furt am Main. Es müsse klar sein, dass die Verantwortung für alle Entscheidun- gen zu Finanzhilfen bei der griechischen Regierung und den Partnerländern liege – und nicht beim EZB-Rat.

nAhAufnAhme

Ein Sozialist, der US-Präsident werden will

Von steFan Koch

D er Senator Bernie Sanders aus Ver- mont ist die Überraschung des Som-

mers. Als bekennender Sozialist stieg der 73-Jährige in das Rennen um das Weiße Haus ein und galt als Sonderling. Da der Politiker aus dem abgelegenen Neueng- land-Staat seit zwei Jahrzehnten im Kon- gress sitzt, genießt er in Washington trotz seiner unkonventionellen Art und seiner zum Teil radikalen Ansichten gewissen Respekt. Die parteiinternen Mitbewerber hielten es daher zunächst für ratsam, ihn zu Beginn seiner überraschenden Kam- pagne eher zu ignorieren oder zu belä- cheln, als ihn ernsthaft zu bekämpfen. Diese Zurückhaltung entpuppt sich mittlerweile als grobe Fehleinschätzung:

Obwohl sich Sanders als „Unabhängi- ger“ versteht, läuft seine Präsident- schaftskandidatur offiziell unter der Flag- ge der Demokratischen Partei. Und

Hillary Clinton, die stets als haushohe Fa- voritin beschrieben wird, steht am linken Spektrum plötzlich vor einer ernsthaften Herausforderung. Ihre bis ins Detail ge- plante Regie gerät durcheinander, da Sanders mit marktkritischen Tönen vie- len Amerikanern aus dem Herzen spricht. Die Thesen des Altlinken erscheinen ih- nen nicht abseitig. Seine Ankla- gen beschreiben vielmehr eine neue Wirklichkeit, die in ihren Auswirkungen von beiden gro- ßen Volksparteien unter- schätzt wird: Immer mehr An- gehörige der Mittelklasse kommen kaum noch über die Runden; über stagnierende oder gar sinkende Löhne klagen neben Arbeitern auch zuneh- mend auch Aka-

demiker; Sanders prangert ein Bildungs- und ein Gesundheitssystem an, das für Kleinverdiener kaum erschwinglich ist. Und dass Uniabsolventen mit einer Schuldenlast von 100 000 Euro und mehr in das Berufsleben starten, hält er für ein Verbrechen an der nächsten Generation. Ohnehin tritt der frühere Zimmermann für einen Mindestlohn von 15 Dollar ein. Sanders’ Angriffe auf die Wirt- schaftsstrukturen Amerikas wir- ken authentisch, zumal er seit Jahren vor einer wachsenden Kluft zwischen dem Großteil sei- ner Landsleute und den Super- reichen warnt. Die Wucht, mit der Sanders den Wahl-

BeRnie SAnDeRS setzt selbst Hillary Clinton unter Druck.

SA nDeRS setzt selbst Hillary Clin to n un te r Druck. kampf aufwühlt, ist bemerkenswert.

kampf aufwühlt, ist bemerkenswert. Ob- wohl sein Etat im Vergleich zu Clinton bescheiden ist, wächst die Bewegung ra- sant. In Umfragen, die sich auf Neueng- land beschränken, sprechen sich 41 Pro- zentderParteifreundefürClintonaus–und 31 Prozent für Sanders. Zahlen, die in Clintons Wahlkampfzentrale in New York die Alarmglocken schrillen lassen. Als Fußnote der Wahlkampfgeschich- te gilt der Mann aus Vermont schon längst nicht mehr. Das lässt sich nicht zuletzt an Clintons veränderter Rhetorik ablesen. Die Frau, die für ihren wirt- schaftsfreundlichen Kurs bekannt ist, schlägt nun ebenfalls klassenkämpferi- sche Töne an, über die sich selbst lang- jährige Gefährten wundern. Jüngstes Beispiel: die geplanten Freihandelszo- nen mit Asien und Europa. Auch Clinton fordert nun einen besseren Schutz ame- rikanischer Arbeitnehmer gegenüber der Konkurrenz aus Übersee.

Kritik an Spionage im Kanzleramt

Lammert lehnt Beauftragten der Regierung ab

BeRlin. Der SPD-Obmann im NSA-Un- tersuchungsausschuss des Bundestages, Christian Flisek, hat die jüngsten Wiki- leaks-Enthüllungen über die Ausspä- hung der Bundesregierung durch den US-Geheimdienst NSA als „Offenba- rungseid“ für den Verfassungsschutz ge- wertet. Flisek forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, US-Präsident Barack Obama deswegen zur Rede zu stellen. Neue Dokumente der Enthüllungs- plattform Wikileaks legen nahe, dass das Ausmaß des US-Lauschangriffs noch deutlich größer als gedacht war. Neben Merkels Regierung seien auch die Regie- rungen ihrer Vorgänger Gerhard Schrö- der (SPD) und Helmut Kohl (CDU) betrof- fen gewesen. Auf einer Abhörliste des NSA standen den Medien zufolge 56 Te- lefonnummern, darunter die Durchwah- len von Merkels Büroleiterin Beate Bau- mann und mehreren Abteilungsleitern. Unterdessen lehnt Bundestagspräsi- dent Norbert Lammert (CDU) im Streit um die Herausgabe der Liste mit den Spionagezielen des US-Geheimdienstes NSA einen von der Bundesregierung be- stellten Ermittlungsbeauftragten ab. Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hält das Vorhaben der Re- gierung für rechtswidrig, die Selektoren- liste nicht dem Parlament vorzulegen.

nAchrichten

Selfies vor öffentlichen Gebäuden bleiben erlaubt

StRASSBuRG. Private Fotos vor öffentli- chen Gebäuden wie dem Berliner Reichs- tag oder der Glaspyramide des Pariser Louvre sollen auch weiterhin in sozialen Netzwerken wie Facebook veröffentlicht werden dürfen. Dafür hat sich das Euro- paparlament am Donnerstag in Straßburg ausgesprochen. Die Abgeordneten stri- chen aus einer Entschließung zur geplan- ten Reform des EU-Urheberrechts einen heftig umstrittenen Paragraphen, der das sogenannte Panoramarecht EU-weit ein- schränken sollte.

Bundeswehr investiert in laserkanonen

BeRlin. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren rund 80 Millionen Euro in die Entwicklung von Laserwaf- fen investiert. Laut ARD verfügen die Rüs- tungsunternehmen Rheinmetall und MDBA inzwischen über Technologien, die in zwei bis drei Jahren der Bundeswehr übergeben werden könnten. Rheinmetall habe bereits einen „Boxer“-Radpanzer mit einer Laser- kanone und einen Lkw mit integrierter La- serkanone gebaut. Darüber hinaus haben die Firmen Lasereffektoren entwickelt, die Kleinflugzeuge oder Drohnen abschießen könnten.

Merkel beendet Balkan-Reise in Sarajevo

SARAjevO. Kanzlerin Angela Merkel ist gestern in Bosnien-Herzegowinas Haupt- stadt Sarajevo eingetroffen, der dritten und letzten Station ihrer Balkan-Reise. Dort waren Treffen mit dem Vorsitzen- den des Ministerrates, Denis Zvizdic, und Mitgliedern der Präsidentschaft geplant. Das Land ist tief gespalten, die beiden fast selbstständigen Landesteile blockie- ren sich gegenseitig. Die eine Hälfte wird von Serben, die andere von Bosniaken und Kroaten kontrolliert.

Hartz-iv-empnger büßen Milliarden ein

BeRlin. Rund 1,5 Milliarden Euro büßten Hartz-IV-Bezieher in den vergangenen sie- ben Jahren wegen Sanktionen ein. 2014 bekamen die Betroffenen im Schnitt 107 Euro weniger – die Sanktionen machten 182 Millionen Euro aus. Das geht aus einer Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Der Hartz-IV-Regelsatz für Al- leinstehende beträgt monatlich 399 Euro. Sanktionen werden verhängt, wenn Betrof- fene Arbeits- oder Ausbildungsangebo- te ablehnen oder Vorgaben des Jobcenters missachten.

Deutschlands milliardenschwerer Ost-West-Konflikt

Nordrhein-Westfalen rüttelt an 50 Jahre alten Regeln zu Staatsfinanzen – und bringt alle Regierungschefs der neuen Bundesländer gegen sich auf

Von Klaus Wallbaum

Der

„Umsatzsteuervorabausgleich“:

Dies ist die erste Stufe des Länderfinanz- ausgleichs. Da schwer nachprüfbar ist, an welchem Ort der Bund wie viel Um- satzsteuer kassiert, kommen die Ge- samteinnahmen in eine zentrale Kasse

und werden anschließend verteilt – nach Einwohnern der Länder. Ein Teil davon, derzeit sind es 15 Prozent, wird aber be- reits nach der Finanzkraft gestaffelt. Es geht um etwa 8 Milliarden Euro jährlich. Das heißt, dass arme Länder davon mehr abbekommen, reiche dagegen Einbußen hinnehmen müssen. NRW muss 2 Milli- arden Euro abgeben. Ministerpräsiden-

tin Kraft stellt dieses vor fast 50 Jahren eingeführte Modell infrage und fordert, das gesamte Aufkommen nach der Ein- wohnerzahl zu verteilen. Da NRW das bevölkerungsreichste Land ist, hätte der Finanzminister in Düsseldorf erheblich mehr Einnahmen. Nur: Mit dieser Hal- tung steht Kraft allein da, die anderen Länder sind geschlossen dagegen. Besonders die neuen Länder wären Verlierer, wenn Krafts Plan umgesetzt würde: Sie müssten auf 400 Millionen Euro verzich-

ten. Es gäbe dann in den nächsten Stufen zwar Über- weisungen, nach denen we-

nigstens ein Teil der Verlus- te wieder ausgeglichen würde, doch diese haben einen Haken:

Der Bundeshaushalt müsste direkt Geld an die Ost-Länder überweisen, die Mil- lionen kämen nicht mehr von den wohl- habenderen Bundesländern im Westen, sondern vom Bundesfinanzminister aus Berlin. Das ist für die Empfänger, etwa Sachsen und Brandenburg, psycholo- gisch problematisch: Die Abhängigkeit ihrer Haushalte vom Bund wäre doku- mentiert – obwohl die Bundes-Sonder- hilfen 25 Jahre nach der Einheit doch ei- gentlich entbehrlich sein sollten. Die Ost-Länder wären auf einmal wieder in eine Bittstellerrolle gedrängt. Auch für Kraft hätte die von ihr begehrte Reform einen psychologischen Effekt, aber ei- nen positiven: Wenn dieser „Umsatz- steuervorwegabzug“ wegfiele, wäre NRW vor der zweiten, öffentlichkeits- wirksamen Stufe des Länderfinanzaus- gleichs viel reicher gestellt. Es wäre dann erst sichtbar, was derzeit im kom- plizierten System versteckt ist: dass auch NRW viel Geld in den Länderfinanzaus- gleich einzahlt. Nun steht die Düsseldor- fer SPD-Politikerin seit Jahren unter Be- schuss, weil sie ihren Landeshaushalt nicht in den Griff bekommt und zur Sparpolitik unfähig sei. Wenn das Fi- nanzausgleich-System verändert würde, könnte sie endlich ihre Einzahlungen für die schwachen Länder belegen – und sich damit in Düsseldorf gegenüber der Opposition entlasten. Der Hinweis, man müsse ja so viel für die armen Länder aufbringen, hat auch in München, Stutt- gart und Wiesbaden schon so manche Finanzdebatte beenden können.

Berlin. Nordrhein-Westfalen hat fast 18 Millionen Einwohner, liegt ganz im Wes- ten der Republik. Die Menschen, die

hier leben, leiten ihre Sätze oft ein mit

den Worten „Wir hier im Westen

den fünf neuen Ländern und Berlin le- ben etwa genauso viele Menschen, und wenn sie über sich sprechen, beginnt das manchmal mit: „Wir hier im Os- “

ten

Ost gegen West, das wird selten so deutlich wie in diesen Tagen. Es geht um Geld. Um viel Geld. Im Streit über die Bund-Länder-Finanzen hat sich NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mit ihren Kollegen in den ostdeutschen Ländern überworfen. Die anderen im Westen stehen irritiert dane- ben. Heute kommen Ministerpräsiden- ten und Finanzminister zusammen, um eine Lösung zu finden. Der Druck auf

Kraft wächst: „Jetzt sollte die Phase der Prinzipienreiterei enden“, fordert etwa Niedersachsens Ministerpräsident Ste- phan Weil (SPD). Auslöser des Streits ist

ein riesiger Topf mit rund 9 Milliarden Euro – und ein höchst kompliziertes Sys-

tem, nach dem dieses Steu- ergeld verteilt wird. Länder- finanzausgleich (LFA) wird das genannt. Seit Jahrzehnten unterstützen reiche Länder die armen, der Bund hilft eben- so. Da die neuen Länder besondere Zu- wendungen brauchen, gibt es den Soli- darpakt. Aber der wird immer geringer und läuft 2019 aus. Eine Nachfolgelö- sung muss her, und das Ziel ist, dass sich alle Länder und der Bund auf ein Modell verständigen. Alle sollen damit zufrie- den sein: die reichen wie Bayern und Baden-Württemberg, die bettelarmen im Westen wie Bremen und Saarland, die Länder im Osten mit ihren Sonderbedin- gungen – und alle anderen dazwischen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäub- le (CDU) wollte ursprünglich schon bis Ende 2014 eine Einigung erzielen, doch dann kam Streit auf. In jüngster Zeit stellte sich NRW quer, und mit ihrer Hal- tung blockiert Hannelore Kraft nun eine Einigung. Darum geht es:

“ In

Heute beginnt in Berlin eine neue Runde im Poker

Länderfinanzausgleich

Zahler und Empnger im Länderfinanz- ausgleich 2014 in Millionen Euro

Geberländer

4853 Mio. €

Bayern

2382

Baden-

Württemb.

1762

Hessen

53

Hamburg

Nehmerländer

Berlin

3476 Mio. €

Sachsen

1041

NRW

913

Bremen

605

Sachsen-Anhalt

593

Thüringen

560

Brandenburg

512

Mecklenburg-Vorp.

465

Rheinland-Pfalz

290

Niedersachsen

275

Schleswig-Holstein

174

Saarland

146

(vorläufige Angaben) Grafik: dpa, Quelle: BMF

Der eigentliche Finanzausgleich: Wenn

der Schritt, der von NRW jetzt vehement bekämpft wird, abgeschlossen ist, be- ginnt der eigentliche Länderfinanzaus- gleich: Eine Summe von ebenfalls rund 8 bis 9 Milliarden Euro wird jährlich nach Bedürftigkeit zwischen den Län- dern verteilt. Bayern, Baden-Württem- berg und Hessen müssen zahlen, die an- deren sind „Nehmerländer“. Bremen und das Saarland, die extrem überschul- det sind, erhalten eine Extrawurst – sie bekommen Geld aus einem Notpro- gramm des Bundes. Das meiste wird von Bayern in den Topf eingezahlt, jährlich rund 4,8 Milliarden Euro. Die größten Ausgaben gibt es für das Land Berlin, nämlich rund 3,5 Milliarden Euro. Seit Monaten verhandeln Bund und Länder darüber, ob man nicht die eine oder an-

Bund und Länder darüber, ob man nicht die eine oder an- Die blockiererin Hannelore kraft kä

Die blockiererin

Hannelore kraft mpft verbissen gegen das Berechnungsmodell zur Umsatzsteuer – die NRW-Ministerpräsidentin steht damit völlig allein da. Kein Land will ihr folgen.

damit vö llig allein da. Ke in Land will ihr fo lgen. Der kritiker Stanislaw Ti

Der kritiker

Stanislaw Tillich, Ministerpräsident in Sachsen, will sich von Nordrhein-Westfalen nicht über den Tisch ziehen lassen. Er hat ein eigenes Modell für die Ost-Länder entwickelt.

hat ein eigenes Modell für die Ost- Länder en tw ickelt. Der vermittler Stephan Weil ist

Der vermittler

Stephan Weil ist es leid, dass wegen des Streits zwischen NRW und den Ost-Ländern die Verhandlungen stocken. Der niedersächsische Landeschef bietet einen Kompromiss.

Der niedersächsische Landeschef bietet einen Kompromiss. Der AbwArtenDe Bundesfinanzminis te r Wo lfgang Schäuble

Der AbwArtenDe

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat es in der Hand, aus dem vollen Topf der Soli-Einnahmen nnte er den Ländern Geld überweisen – und so Probleme lösen.

dere Stellschraube im System ändern sollte, um die Geldgeber etwas zu scho- nen. Beispielsweise gibt es bisher die „Einwohnerveredelung“: Bürger in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bre- men bekommen pro Kopf mehr Geld überwiesen als die in Flächenländern. Ist das noch zeitgemäß? Manche schla- gen nun vor, der Bund solle stärker in die Finanzierung der Hauptstadt Berlin einsteigen – vergleichbar den USA, wo die Hauptstadt Washington gar keinem Bundesstaat zugeordnet wird.

Gestritten wird auch darüber, wie stark die Gemeinden in der Berechnung der Ansprüche der Länder einbezogen werden. Länder mit reichen Gemeinden, etwa Baden-Württemberg, wollen ihre Gemeinden möglichst wenig berück- sichtigt wissen – denn je reicher die Ge- meinden, desto reicher stellt sich auch das Land dar. Länder mit armen Ge- meinden, etwa in Ostdeutschland, for- dern die Einbeziehung zu 100 Prozent – um für ihre Landeskasse mehr herausholen zu können. Derzeit werden

die Kommunen mit 64 Prozent berück- sichtigt.

Der Soli und die lösungschancen: Wenn

es jetzt um die Einigung in der verfahre- nen Situation geht, kommt noch ein drit- ter Topf ins Spiel – die Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag, die bisher fast ausschließlich dem Bund zustehen. Rund 15 Milliarden Euro sind das jährlich, und weil der Aufbau Ost als ursprünglicher Zweck für die Ausgaben nun immer we- niger relevant wird, fordern die Länder

Bayern und Hessen wollen klagen – wahrscheinlich

Widerstand aus dem Süden: In den der- zeitigen Verhandlungen verhalten sich die Bayern und die Hessen recht ruhig – und das hat seinen Grund: Beide Länder haben gegen den Länderfinanzausgleich Klage vor dem Bundesverfassungsgericht eingeleitet. Das Verfahren ruht aber der- zeit, da sich Bund und Länder sowieso über eine Neugestaltung ihrer Finanzbe- ziehungen verständigen müssen. Das Argument der beiden Länder ist, dass sie zu stark zu Zahlungen herange-

zogen würden. Das dritte Zahlerland, Baden-Württemberg, hat sich der Klage nicht angeschlossen – die grün-rote Lan- desregierung in Stuttgart stützt den Kurs der beiden CDU-geführten Nachbarlän- der nicht. Allerdings erklärte Minister- präsident Winfried Kretschmann (Grüne) kürzlich, dass man sich noch anders ent- scheiden könne – falls keine wesentlichen Fortschritte bei den Verhandlungen zu erzielen wären. Dann nne man auch in Karlsruhe vorstellig werden.

Im März 2013 wurden die Klagen aus München und Wiesbaden in Karlsruhe eingereicht. Ein gutes Jahr später n- digte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer einen möglichen Rückzug der Klage an – wenn es gelingen nne, ein vernünftiges neues Modell zu fertigen. Hauptkritikpunkt von Bayern und Hessen war vor allem das Stadtstaatenprivileg, die Tatsache, dass Berlin, Hamburg und Bremen bei den Finanzzuweisungen be- vorzugt behandelt werden.

nun vom Bund, von 2020 an jährlich ei- nen Teil dieser Summe abzubekommen Der Bund bot 7 Milliarden Euro an, die Länder wollten 10 Milliarden Euro. Nun gibt es Kompromissversuche: In Nieder- sachsen haben Ministerpräsident Ste- phan Weil und Finanzminister Peter-Jür- gen Schneider vorgeschlagen, sich bei 8,5 Milliarden Euro zu einigen und das Geld in Pro-Kopf-Beträgen an die Län- der weiterzugeben – 120 Euro an jeden Bewohner eines Ost-Landes, 90 Euro an den eines Westlandes. Aus Ost-Sicht reicht das noch nicht So hat Sachsens Regierungschef Stanis- law Tillich einen eigenen Vorschlag ent- wickelt – 9,5 Milliarden Euro solle der Bund geben, für jeden Einwohner im Osten sollen 170 Euro fließen, für jeden im Westen 90 Euro. Ob die bisher so störrische Hannelore Kraft bereit wäre, um des Friedens wil- len auf die ostdeutschen Länder zuzuge- hen und dieses Modell zu akzeptieren? Einen Grund dazu hätte sie immerhin schon. Im März hat der Bund ein Son- derprogramm für Investitionen vorge- stellt. Hauptnutznießer ist NRW – das könnte Kraft vielleicht zum Einlenken bringen.

Ein teuflischer Einsatz gegen die Regenbogenkrieger

Vor 30 Jahren versenkten französische Agenten das Greenpeace-Schiff „Rainbow Warrior“ – die Umweltschutzorganisation wurde dadurch nur noch stärker

Von Christiane oelriCh

men: Eineinhalb Jahre später trat der Vertrag über die atomfreie Zone Südpa- zifik in Kraft. Frankreich hat viele Agenten für die „Opération Satanique“ – etwa: teufli- scher Einsatz – nach Neuseeland ge- schickt. Eine Frau infiltriert das Green-

peace-Büro als vermeintliche Freiwillige, andere spähen den Hafen von Auckland

aus. Zwei leihen sich Tauchgerät und

bringen zwei Sprengsätze am Rumpf der „Rainbow Warrior“ an. Am 10. Juli 1985 kurz vor Mit-

ternacht detoniert der Sprengstoff: An Bord der „Rainbow Warrior“ wird ge- feiert, in ein paar Tagen soll

der neue Einsatz starten. Kurz vor Mitternacht er- schüttert eine Detonation das Boot. „Ich schlief in meiner Kajüte“, sagt Willcox. Die Crew bemerkt den Wassereinbruch und flieht. Pereira (35) auch, er kehrt aber zurück, um seine Kamera zu holen. Da reißt die zweite Bombe ein Loch in den Rumpf. Das Schiff sinkt innerhalb von Minuten. Pereira ertrinkt. „Ich dach- te gleich, da ist etwas faul, aber wir hat- ten keine Ahnung, dass die französische Regierung so eine Angst vor einem Hau- fen junger Leute hat, dass sie uns ermor-

AUcklAnD. „Rainbow Warrior“ – Re- genbogenkrieger, so tauft die Umweltor- ganisation Greenpeace Ende der Siebzi- gerjahre Jahre ihr Schiff, mit dem sie Einsätze gegen Umweltzerstörung fah- ren will. Die Inspiration stammt von den Cree-Indianern: „Wenn die Welt krank

wird und stirbt, erhebt sich das Volk wie

Krieger des Regenbogens Mission des Schiffes endet im Hafen von Auckland in Neuseeland vor 30 Jahren abrupt und tragisch: Fran- zösische Agenten versen- ken das Schiff, der Fotograf

Fernando Pereira ertrinkt. Der französische Ge- heimdienst DGSE wollte das Auslaufen der „Rainbow Warrior“ zu einer Protest- aktion gegen Atomtests am Mururoa- Atoll im Pazifik verhindern. „Aber der Schuss ging nach hinten los“, sagt der damalige Skipper Pete Willcox. „Die Ak- tion hat die Gegner der Atomtests nur noch entschiedener gemacht“, sagt Neu- seelands heutige Greenpeace-Chefin Bunny McDiarmid, die damals zur Crew gehörte. Und einen politischen Misser-

folg muss Frankreich auch noch hinneh-

“ Aber die

Eine Aktion,

die nach

hinten losgeht

hinneh- “ Aber die Eine Aktion, die nach hinten losgeht „Solche Aktionen werd en uns nie

„Solche Aktionen werden uns nie zum Schweigen bringen“: Das gesunkene Green-

peace-Schiff „Rainbow Warrior“ im Hafen von Auckland.

Foto: dpa

den wollte“, sagt Willcox. Journalist Da- vid Robie war bis zu dem Abend wochenlang an Bord gewesen. Er doku- mentiert die französische Verwicklung in seinem Buch „Eyes of Fire – die letzte Reise der ,Rainbow Warrior‘“ akribisch. Die Puzzlesteine kommen schnell zu- sammen: die abgereiste Freiwillige, ver-

dächtige Personen, die am Strand mit einem Bootsmotor hantieren und Franzö- sisch sprechen, der Camper-Van, der sie abholte. Als vermeintliche Schweizer Touristen den Van vorzeitig zurückbrin- gen und um einen Preisnachlass feil- schen, alarmiert der Laden die Polizei. Unter einem Vorwand werden die bei-

den in ein Hotel gebracht, die Polizei ent- deckt, dass die Pässe gefälscht sind, und hört das Telefon ab. Die Agenten rufen den Geheimdienst DGSE in Paris an und berichten. Erst Monate später räumt Lau- rent Fabius – damals Premierminister, heute Außenminister – ein, dass sie von höchster Stelle beauftragt waren. Sie werden zu zehn Jahren Haft verurteilt, sollen die Strafe in einem französischen Überseegebiet im Pazifik absitzen. Frankreich entlässt sie aber nach kurzer Zeit. Zu Hause werden sie befördert. Der Terrorakt, wie neuseeländische Politiker die Aktion nennen, ist beispiel- los unter befreundeten Ländern. Jahre- lang ist das Verhältnis zwischen Frank- reich und Neuseeland schwer belastet. Nicht mehr: Mit den 6,5 Millionen US- Dollar Entschädigung, die Frankreich zahlte, wurde 1991 ein Freundschafts- fonds gegründet, der etwa den Studen- tenaustausch fördert. „Unsere Beziehun- gen sind nach 30 Jahren stärker als je zuvor“, sagt eine Sprecherin des neu- seeländischen Außenministeriums. Greenpeace Frankreich organisiert am Eiffelturm eine Konferenz. „Es geht darum, dass die Zivilgesellschaft in aller Welt unter Beschuss ist“, sagt Organisa- tor Sylvain Trottier. „Bis heute ist rätsel-

haft: Warum taten sie das?“, fragt Robie „Es war völlig kontraproduktiv.“ Greenpeace bekam Zulauf wie nie zu- vor. „Andere Länder haben nichts ge- lernt“, sagt Willcox. Er wurde 2013 mit seiner Crew in Russland beim Protest ge- gen Ölbohrungen in der Arktis festge- setzt und war 100 Tage in Haft. „Durch den Wirbel um unsere Haft haben Millio- nen Menschen erst von den verheeren- den Ölbohrungen erfahren“, sagt er. Wie die anderen Crewmitglieder hat Willcox nach dem Trauma von Auckland nie ans Aufgeben gedacht. „Solche Ak- tionen werden uns nie zum Schweigen bringen“, sagt er. Willcox ist heute 62 Am Jahrestag steuert der Amerikaner die neue „Rainbow Warrior“ zu einer Protestaktion gegen Umweltverschmut- zung am Great Barrier Reef in Austra- lien. Das Wrack der ersten „Rainbow Warrior“ wurde in der Bucht von Matau- ri an den Cavalli-Inseln in Neuseeland versenkt. Es ist ein lebendes Riff, mit Wasserpflanzen und Fischen. Einer der damaligen Agenten, Alain Mafart, ist inzwischen Naturfotograf Fast wäre eines seiner Fotos in diesem Jahr in einem Greenpeace-Kalender in den USA abgedruckt worden. Der Faux- pas wurde in letzter Minute entdeckt.

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Anzeigen Spezial MIT dER ZukunFT ● Freitag, 10. Juli 2015 IdeenExpo vom 4. bis 12. Juli
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MIT dER ZukunFT

Freitag, 10. Juli 2015

IdeenExpo vom 4. bis 12. Juli 2015 auf dem Messegelände Hannover

vom 4. bis 12. Juli 2015 auf dem Messegelände Hannover Bundesverteidigungsministerin Ursula von Leyen das
vom 4. bis 12. Juli 2015 auf dem Messegelände Hannover Bundesverteidigungsministerin Ursula von Leyen das
Bundesverteidigungsministerin Ursula von Leyen das links) und Dr. Dr. Volker der schauen Schmidt, des der
Bundesverteidigungsministerin
Ursula
von
Leyen
das links)
und
Dr. Dr. Volker
der schauen Schmidt,
des der Hölty-Gymnasiums (vorne sich Aufsichtsratsvorsitzender
IdeenExpo
(2. von
links),
Ideenfang-Projekt
Celle an.
Mediziner der MHH stellen vor. den Als Beruf des Herzchirurgen Anschauungsmaterial haben sie ein Schweineherz
Mediziner
der MHH stellen vor. den Als
Beruf
des Herzchirurgen
Anschauungsmaterial haben sie
ein Schweineherz mitgebracht.
Die Schülerinnen
der die Anna-Siemsen-Schule
präsentieren
Mode,
aus alten
Materialien
hergestellt
wurde.
Mode, aus alten Materialien hergestellt wurde. Auf der IdeenExpo Nachhaltigkeit entdecken Wood-E-Bike und

Auf der IdeenExpo Nachhaltigkeit entdecken

Wood-E-Bike und mobile Solarstation: Die ZiSH-Autorinnen Sarah Franke und Kira von der Brelie haben sich nachhaltige Projekte angeschaut

F inn vernäht die orange Ta- sche mit einem grünen Faden. „Mir gefällt es, dass ich hier viel

selbst machen kann“, sagt der Sie- benjährige. Am Stand des nieder- sächsischen Handwerks können Kin- der und Jugendliche Taschen aus al- ten Planen und Autoreifen nähen. „Upcycling“ nennt sich dieses Auf- werten von Materialien, die eigent- lich im Müll gelandet wären. Denn Nachhaltigkeit ist auf der IdeenExpo ein wichtiges Thema. Alte Materialien wieder zu ver- wenden – das ist das Prinzip des Re- cycelns. Wie das funktioniert, kann man in der Recycling-Werkstatt des Gymnasiums Anna-Sophianeum Schöningen in IdeenHalle 7 auspro- bieren. Aus Zutaten wie Zink, Kohle- faserfilz und Einwegfolie stellt man dort Batterien her. Nach dem Bau- en und Ausprobieren wird die Batte- rie wieder in ihre Bestandteile aufge- löst und der nächste Besucher kann sie verwenden – Recycling eben. Am Stand der Universität Hildes- heim können Besucher ihren ökolo- gischen Fußabdruck ausrechnen. Da-

für muss man zahlreiche Fragen be- antworten: „Isst du Fleisch?“ „Wie groß ist deine Wohnung?“ Aus den Antworten errechnet der Compu- ter, wie viel Hektar Landfläche man durch seinen Lebensstil verbraucht. Damit ist nicht nur das eigene Grund- stück gemeint, sondern auch Acker- flächen oder Weiden. Der Computer zeigt am Ende, wie viele Versionen der Erde man bräuchte, würden alle Menschen leben wie man selbst. Der deutsche Durchschnitt liegt laut dem Programm bei 2,2 Erden.

deutsche Durchschnitt liegt laut dem Programm bei 2,2 Erden. Einfallsreich: Der 14-jährige Johannes Reichel hat

Einfallsreich: Der 14-jährige Johannes Reichel hat „Jojo’s Power to go“, eine mobile Ladestation für E-Bikes, entwickelt.

IdeenExpo (7)

delskammer Hannover sowie Volks- wagen-Azubis vor. „Smart Homes“ reagieren selbstständig auf Umwelt- einflüsse. So kann man Energie spa- ren, wenn beim Verlassen des Rau- mes die Lampe von selbst ausgeht oder die Heizung sich ausschaltet, wenn das Fenster geöffnet wird. Denn im Gegensatz zum Menschen

vergisst die Technik so etwas nicht. E-Mobilität gehört zu einem von 13 Themenbereichen, die auf der IdeenExpo vorgestellt werden. Ge- rade sind besonders E-Bikes gefragt:

Der integrierte Elektromotor unter- stützt die aufgewendete Muskelkraft. Fahrräder noch umweltschonen- der und nachhaltiger zu machen, hat

Umweltschonend ist das Wood-E-Bike der HNE Ebers- walde (links). Am Stand des nieder- sächsischen Hand- werks nähen Auszu- bildende Taschen aus Planen und Autoreifen.

nähen Auszu- bildende Taschen aus Planen und Autoreifen. sich die HNE Eberswalde zur Aufga- be gemacht.

sich die HNE Eberswalde zur Aufga- be gemacht. In Kooperation mit der Einrichtungsfirma System 180 entwi- ckelte die HNEE ein E-Bike, dessen Rahmen aus Holz besteht. Der Roh- stoff wächst nach und wird regional produziert. Darüber hinaus ist der Energieaufwand während der Her- stellung 50 Prozent geringer als bei herkömmlichen Fahrrädern.

Mobile Solarstation

So ein E-Bike muss auch mal auf- geladen werden. Ladestationen gibt es jedoch kaum, ist dem 14-jähri- gen Johannes Reichel aufgefallen. Das Ergebnis: Er entwickelte „Jojo’s Power to go“ – eine mobile Ladesta- tion für E-Bikes. Zwei flexible Solar-

panels können, eingerollt im Packset, auf dem Gepäckträger mitgenom- men werden. Bei idealer Sonnenbe- strahlung ist das E-Bike nach etwa drei Stunden wieder vollständig ge- laden. Im Februar erhielt Johannes im Rahmen des Wettbewerbs „Ju- gend forscht“ den „Sonderpreis Er- neuerbare Energien“ des Bundesmi- nisteriums für Wirtschaft und Ener- gie. Wer sich die nachhaltigen The- menbereiche und Produkte live an- schauen möchte, hat auf der Ideen- Expo noch bis Sonntag täglich von 9 bis 18 Uhr Gelegenheit dazu. Auf der IdeenExpo warten insgesamt 230 Aussteller, mehr als 600 Mit- mach-Exponate sowie rund 650 Workshops auf die Besucher.

IdeenExpo-App

Bei der Vielzahl an Ausstel- lern auf der IdeenExpo ist es

gar nicht so einfach, sich alles zu merken. Abhilfe schafft die kostenlose IdeenExpo-App. Via Bluetooth überträgt sie In- formationen von einem Sen- der am Ausstellerstand auf das Smartphone. Die Infos kön- nen als digitaler Merkzettel ge- speichert werden. Falls das Smartphone schlapp macht: In IdeenHalle 9 gibt es eine Aufla- destation. Außerdem kann dort die App im freien W-LAN he- runtergeladen werden.

In IdeenHalle 9 gibt es eine Aufla- destation. Außerdem kann dort die App im freien W-LAN

Ökologischer Fußabdruck

Den ökologischen Fußabdruck könnte man mit „Smart Homes“ ver- ringern. Solche intelligenten Häu- ser stellen die Industrie- und Han-

intelligenten Häu- ser stellen die Industrie- und Han- Fund de s Tages Nie wieder Splitterdisplay! Wie
intelligenten Häu- ser stellen die Industrie- und Han- Fund de s Tages Nie wieder Splitterdisplay! Wie

Fund

des

Tages

Nie wieder Splitterdisplay!

Wie aus einer Zeitung eine Handyhülle wird, zeigen die Schüler der Dr.Georg-August-Zinn-Schule

W er sich schon mal über eine so- genannte „Spider-App“, einen

teilweise gesplitterten Smartphone- Bildschirm, geärgert hat, wird sich über diese kreativen Schüler freu- en. Denn die haben eine ökologisch- nachhaltige Handyhülle entwickelt – aus alten Zeitungen. Die Idee der Hüllen zum Schutz des teuren Smartphones ist nicht neu, die nachhaltige Alternative schon. Und weil man das auch selber so einfach und schnell nachmachen kann, laden die Erfinder, acht Siebt- klässler der Dr. Georg-August-Zinn- Schule Gudensberg, die Besucher auf der IdeenExpo dazu ein. Um die Handyhülle zu basteln, wird zuerst eine Zeitung in Schnipsel gerissen und in Wasser eingeweicht. Die daraus entstandene klebrige Mi- schung wird verrührt und anschlie- ßend in ein quadratisches kleines Git-

ter gefüllt – der Rahmen für das Han- dy. In das Gitter kann man auch vor- her Zeichnungen, Sticker oder ande- re Botschaften legen, um die Hülle in- dividuell zu designen. In das Gemisch im Gitter kommt dann der Holz- Dummy für das jeweilige Handy. Den haben die Schüler selbst zurecht ge- sägt. Bisher haben die Schülerinnen und Schüler Dummys für das Sam- sung S3–S5, das IPhone 4S und 6+, für das Sony Experia und das Nokia Lumia 530. „Wir wollen aber aufrüs- ten. Viele fragen nach dem S3 Mini von Samsung. Das wird hoffentlich unser nächster Dummy“, sagt Tristan Dippel (13).

Recyceln und neu designen

Nachdem der Dummy im Gitter gelegen hat, wird er gebügelt und kommt anschließend für eine Stun-

wird er gebügelt und kommt anschließend für eine Stun- de in den Ofen. „Die Hülle hält

de in den Ofen. „Die Hülle hält zwar nicht Ewigkeiten, aber Stürze überstehen bei- de – das Handy und die Hülle“, sagt Tristan. Außerdem könne man eine kaputte Handyhül- le schnell wieder recyceln und die neue dann auch wieder neu designen. Isabell Tymko fügt hinzu: „Außerdem fan- den wir es wichtig, eine nach-

haltige Idee zu verwirklichen.“ Das haben sie geschafft – die ökologische Alternative zur Hartplastik-Version. Die Siebtklässler der Dr.

Georg-August-Zinn-Schu-

le Gudensberg haben die Idee zur nachhaltigen Han- dyhülle im Rahmen des Schülerwettbewerbs „Ide- enfang: Erfinden – Ent- decken – Entwickeln“ der

Stiftung NiedersachsenMetall ge- meinsam mit ihrer Lehrerin Birgit Rückner umgesetzt.

Partnerschule der IdeenExpo

Am Sonnabend, 11. Juli, um 12 Uhr werden auf BühneSieben die Ge- winner gekürt. Ausschlaggebend für die Jury sind neben Präsentati- on und Projektbeschreibung Origi- nalität, Nutzen, Zukunftsorientierung und Nachhaltigkeit. Unterstützt wer- den die Finalisten von der Stiftung NiedersachsenMetall mit Fördergel- dern für die Projektarbeit. Außerdem werden alle 25 Schulen mit dem Titel „Partnerschule der IdeenExpo 2015“ ausgezeichnet. Die Sieger der drei Altersklassen bekommen jeweils ein Preisgeld in Höhe von 2500 Euro so- wie einen Ausflug mit technischem Hintergrund im Wert von 1000 Euro.

Am Stand der Siebtklässler der Dr. Georg-August-Zinn-Schule Gudenberg können Besucher Handyhüllen aus Zeitung
Am
Stand der
Siebtklässler der
Dr. Georg-August-Zinn-Schule
Gudenberg
können
Besucher
Handyhüllen aus Zeitung basteln.

Aus dem NordeN

Fliege im auto: Wagen überschlägt sich

HöckelHeim. Eine Fliege im Wagen hat einen Autofahrer im Kreis Northeim so sehr abgelenkt, dass er sich mit seinem Pkw überschlagen hat. Obwohl der Wa- gen gegen einen Baum prallte, konnte der 19-Jährige das Wrack unverletzt verlas- sen, teilte die Polizei mit. Der Fahrannger war am Mittwochabend auf der B 241 nahe Höckelheim unterwegs, als die Fliege ihn nervte. Derart abgelenkt kam er von der Fahrbahn ab, geriet ins Schleudern, über- schlug sich, prallte gegen einen Baum und landete schließlich im Graben.

rasender Porsche zwingt Polizei zu vollbremsung

ScHeden. Ein Porsche-Fahrer aus dem Kreis Göttingen war auf der B 3 bei Sche- den so schnell unterwegs, dass sich die Polizei zu einer Vollbremsung gezwungen sah. Der 43-Jährige überholte mit über- höhtem Tempo trotz Überholverbots meh- rere Fahrzeuge. Dabei rammte er um ein Haar einen entgegenkommenden Streifen- wagen. Die Polizei nahm sofort die Verfol- gung auf, stellte den Porsche-Fahrer und beschlagnahmte dessen Führerschein.

Zahl der Heidschnucken sinkt immer weiter

müden. Heidschnucken halten die Lüne- burger Heide kurz und sind das Symboltier für den Tourismus in der Region – dennoch ist ihre Zahl seit Jahren rückläufig. Aktu- ell gibt es rund 13 000 Tiere, wie beim 66. Heidschnuckentag in Müden bekannt wur- de. Für viele Halter ist die Zucht nicht mehr wirtschaftlich, auch weil andere Fleischsor- ten immer billiger angeboten werden. Vie- le Züchter fürchteten zudem das Vorrücken des Wolfes, sagte Thilo Fleischer vom Na- turschutzpark Lüneburger Heide.

Bahn schließt Schalter in fünf Städten

Hannover. Wegen der Vergabe regiona- ler Bahnstrecken an Wettbewerber schließt die Deutsche Bahn zum Jahresende ihre Schalter in Papenburg, Meppen, Lingen, Peine und Gifhorn. Den Verkauf von Nah- verkehrstickets organisieren künftig die Westfalenbahn und die Metronom-Gesell- schaft, teilte die Bahn mit. Nur für den Ver- kauf von Fernverkehrskarten lohnten sich DB-Reisezentren dort nicht mehr. Dafür werden Automaten aufgestellt, an denen es aber keine Nahverkehrskarten gibt.

Mit eindringlichen Worten Verteidigungsministerin von der Leyen berichtet von Erlebnissen in der Mittelmeerregion –
Mit eindringlichen
Worten
Verteidigungsministerin von der Leyen berichtet
von Erlebnissen in der Mittelmeerregion –
und ein Reeder aus Leer dankt

Will Verständnis für Flüchtlinge wecken: Ursula von der Leyen spricht im Saal der CDU-Landtagsfraktion.

Von Michael B. Berger

Hannover. Sie wolle heute nicht den üblichen politischen Vortrag halten, sagt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Saal der CDU-Land- tagsfraktion. Sie wolle stattdessen „in Bildern“ klarmachen, „wie komplex“ die Flüchtlingssituation rund um das Mittelmeer ist. Und wie schwierig die Rettung auf hoher See ist. Die Bilder, die sie vor einem Publikum aus Politikern wie Fraktionschef Björn Thümler, Kir- chenvertretern und Flüchtlingsorganisa- tionen zeigt, sind beeindruckend. Schon durch die schiere Menge. Von der Leyen präsentiert ein Flücht- lingsboot; es ist von oben fotografiert. Unten sieht man nur Menschen, Men- schen, Menschen. „Sie müssen sich vor- stellen, dass Sie hier nur die obere Etage sehen“, sagt von der Leyen. Dort säßen diejenigen, die den Schlepperorganisa- tionen am meisten Geld gezahlt hätten. Darunter käme noch eine Etage. Und dann noch eine. „Unten sitzen arme Frauen und Kinder aus Afrika.“ Die Menschen auf diesen Booten könnten sich nicht bewegen. „Es gibt auch kei- nerlei Toiletten. Das geht von oben nach

unten durch – wenn ich das mal so sa- gen darf.“ Beim ungewöhnlichen Bild- vortrag der Bundesverteidigungsminis- terin herrscht Schweigen im CDU-Frak- tionssaal, in dem sonst nicht über solche Themen wie die Flüchtlingskatastrophe an den europäischen Grenzen geredet wird. Von der Leyen will hier und heute Verständnis für die Flüchtlinge wecken, die von den Marinesoldaten in voller Vermummung empfangen werden – aus

Angst vor der Ansteckung mit Krankhei- ten. Viele haben die Krätze. Der Leeraner Reeder Alfred Hart- mann dankt der Bundesmarine für die- sen Einsatz. Sie könne professioneller helfen als die Handelsmarine. „Im letz- ten Jahr haben Schiffe mit 800 Einsätzen 40 000 Menschen aus dem Meer geret- tet“, sagt Hartmann. Das Mittelmeerge- biet kennt der Reeder gut, er hat es als Kapitän selbst oft befahren. Die Bilder

ehrenamtliche helfen Flüchtlingen

mehr Hilfe für die Helfer: Überall in Nie- dersachsen mmern sich Hunderte Eh- renamtliche um Flüchtlinge. Um die Ar- beit der Helfer und Kommunen besser zu koordinieren, hat das Land im Febru- ar eine Flüchtlingskonferenz ins Leben gerufen. Gestern wurden erste Ergebnis- se der Arbeitskreise vorgestellt. Drei Aspekte tten bei den Beratun- gen, an denen Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Kommunen und Verbände teil- genommen hätten, im Vordergrund gestanden, sagt Innen-Staatssekretär Stephan Manke (SPD): Die Sprachförde-

rung müsse verbessert werden, Asylsu- chende müssten schneller und passge-

nauer in Jobs vermittelt werden, und die Arbeit der Ehrenamtlichen müsse besser koordiniert werden. Das Land habe deshalb insgesamt 48 Koordinierungsstellen eingerichtet, an die sich Verbände, aber auch einzel- ne Helfer mit ihren Fragen richten nn- ten. Außerdem werde mittlerweile ge- nauer erfasst, welche Gemeinde welchen Wohnraum habe – damit soll eine pas- sende Unterbringung von Flüchtlingen

ran

erleichtert werden.

Foto: dpa

von der Leyens seien Schönwetterbilder, sagt der Kapitän ganz ohne Hintersinn. Selten sei das Meer so ruhig. Vor allem sei die Gefahr groß, dass die völlig über- ladenen Flüchtlingsschiffe kenterten, wenn ein Retter nahe – weil sich alle Flüchtlinge auf eine Seite bewegten. „Ich möchte nie mehr in meinem Leben mit meinem Schiff über Kinderrucksäcke fahren“, habe ein Kollege zu ihm gesagt, berichtet der Reeder mit Kapitänspatent. Er plädiert dafür, den Einsatz der Bun- desmarine fortzusetzen, denn er nehme der Handelsmarine eine große Last ab. Klar, die Seenotrettung gehöre zum Eh- renkodex der Schiffer. Aber wenn ein Schiff aus Leer mit zwölf Mann Besat- zung noch 88 Flüchtlinge aufnehme, dann könne auch der Schiffskoch über- fordert sein. „Es ist auf vielen Schiffen schon zu Hungertumulten gekommen.“ Von der Leyen sagt, man müsse das Flüchtlingsproblem in den Herkunfts- ländern bekämpfen – auch die Schlep- perbanden. „Wir brauchen eine Resolu- tion des UN-Sicherheitsrates für ein robustes Mandat und eine Einladung der libyschen Regierung.“ Doch die sei schwer zu bekommen in einem zerfal- lenden Staat.

Wohnung von Unfallfahrerin durchsucht

Bremervörde: Frau schweigt / Strafanzeige gegen Gaffer

Von ThoMas sTruk

Bremervö rde. Vier Tage nach dem Un- fall mit zwei Toten in einer Bremervör- der Eisdiele hat die Polizei die Wohnung der Autofahrerin durchsucht. Die Polizei geht der Spur nach, ob die Frau bei dem Unfall am Sonntagabend unter Medika- menteneinfluss stand. Dazu soll auch eine Haarprobe dienen. Die 59-Jährige, gegen die wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, lehnt bisher eine Aussage ab, wie die Ermitt- ler mitteilten. Sie lasse sich anwaltlich vertreten. Die Frau war an einer T-Kreu- zung frontal in die gegenüberliegende Eisdiele gerast und hatte dadurch einen Zweijährigen und einen 65 Jahre alten Mann in den Tod gerissen. Die Ermittler wollen auch klären, ob die Frau Alkohol getrunken hatte. Eine Blutprobe der 59-jährigen Unfallverur- sacherin sei nach Hannover in die Rechtsmedizin geschickt worden, bisher liege allerdings noch kein Ergebnis vor, teilten die Ermittler mit. Verzögert wer- den die Ermittlungen womöglich durch den Post-Streik. Nach Auskunft der Poli- zei wurde die am Sonntagabend im Sta- der Krankenhaus entnommene Blutpro- be zunächst nach Bremervörde gebracht und bis zum Postversand am Montag- nachmittag in einem Kühlschrank der Polizeiinspektion Rotenburg aufbewahrt. Grundsätzlich ist Alkohol im Blut nach Auskunft von Rechtsmedizinern noch Wochen nach der Probenentnahme nachweisbar. Auf technische Mängel an dem Auto ist der Unfall nach vorläufiger Untersu- chung nicht zurückzuführen. Der Wagen hatte nach Angaben der Polizei keine Schäden, auch die Bremsen funktionier- ten. Der Opfer sollte am Donnerstag- abend in einer Andacht gedacht wer- den. Kurz nach dem Unfall war es zu Aus- einandersetzungen zwischen Rettungs- kräften und Schaulustigen gekommen, die an der Unfallstelle filmen wollten. Zwei Polizeibeamte wurde dabei ver- letzt. Gegen die Gaffer wurden nun Strafanzeigen erstattet.

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Schläger aus Internetvideo sitzt in Haft

20-Jähriger hatte Senior ins Gesicht geschlagen

Von Va lentin Frimmer

SalZgiTTer. Die gefilmte und im Inter- net verbreitete Prügelattacke auf einen 72-Jährigen hat Konsequenzen: Ein jun- ger Schläger sitzt in Untersuchungshaft. Der 20-Jährige wurde am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt, sagte ein Polizeisprecher. Der junge Mann soll be- reits vor Monaten zusammen mit einer 17-Jährigen einen 72-jährigen Mann in dessen Wohnung in Salzgitter zusam- mengeschlagen haben. Beide haben laut Polizei die Tat gestanden. Die Komplizin sei weiter auf freiem Fuß, da die Hürden für eine U-Haft bei Minderjährigen hö- her seien. Nun werde ein Gerichtsver- fahren vorbereitet. Am Montag hatte sich das Gewaltvi- deo rasant in sozialen Netzwerken ver- breitet. Hunderte Nutzer meldeten es bei der Polizei. Die beiden Tatverdächti- gen konnten identifiziert werden. Der kurze Film zeigt eine junge Frau, die ei- nen sitzenden Mann mehrfach mit den Füßen gegen den Kopf tritt, ihn schlägt und bespuckt. Das Opfer wehrt sich kaum und wirkt geschwächt. Ein Mann schlägt den Senior mit der Faust mehrfach ins Gesicht. Die Polizei warnte davor, das Video zu verbreiten.

Verstecktes Gold aus der NS-Zeit bei Lüneburg entdeckt

lüneburg. Ein Hobby-Schatzsucher hat an einem Feldrand bei Lüneburg offen- sichtlich in der Nazi-Zeit versteckte Goldmünzen entdeckt. Der Mann habe den Fund sofort der archäologischen Denkmalpflege gemeldet, sagte Landes- archäologe Henning Haßmann am Don- nerstag. Bei einer wissenschaftlichen Ausgrabung kamen dann 217 historische Münzen zutage, die von Teerpappe ge- schützt in zwei Beuteln versteckt waren. Sie waren mit Plomben der Berliner Reichsbank mit Reichsadler und Haken- kreuz versiegelt – das lasse vermuten, dass sie während des Zweiten Weltkriegs vergraben wurden, hieß es vom Landes- denkmalamt. Am Dienstag soll der spek- takuläre Fund im Museum Lüneburg vorgestellt werden. Der Finder des NS-Goldschatzes ist ein ausgebildeter und zertifizierter Su- cher. Jede Schatzsuche von Hobby-Ar- chäologen mit einem Metalldetektor muss behördlich genehmigt werden.

Verfassungsrichter urteilen über Verbot von Atomtransporten

bremen. Jetzt muss das Bundesverfas- sungsgericht über das umstrittene Ver- bot von Atomtransporten über Bremer Häfen entscheiden. Drei Kernenergie- Unternehmen hatten gegen das Verbot vor dem Bremer Verwaltungsgericht ge- klagt. Die Richter setzten am Donners- tag das Verfahren aus. Ihre Karlsruher Kollegen sollen nun klären, ob die Bre- mer Regelung gegen das Grundgesetz und das Prinzip der Bundestreue ver- stößt. Das rot-grün regierte Bremen hatte 2012 als erstes Bundesland seine Häfen für den Umschlag von Kernbrennstoffen gesperrt. Ziel sei gewesen, die Bundes- regierung unter Druck zu setzen und da- durch zum Atomausstieg zu bewegen, sagte der Vorsitzende Richter Peter Sper- lich. „Das ist politisch legitim, aber recht- lich nicht so einfach umsetzbar.“ Bremen nutzte damals einen juristischen Kniff, um über das Hafenbetriebsgesetz die Atomtransporte zu verbieten. Doch nach Ansicht der Bremer Richter greift diese Regelung in die Gesetzgebungskompe- tenz des Bundes ein. Damit folgten sie den drei Klägern.

tenz des Bundes ein. Damit folgten sie den drei Klägern. „Damit ka nn man die Te

„Damit kann man die Temperaturen um zwei bis zehn Grad reduzieren“: Eine Kuh duscht unter einem Gartenschlauch mit chern in ihrem Stall.

Fo to s: dpa

Tödliche Hitze

„Bedrückend“: Viele Tiere haben die hohen Temperaturen am vergangenen Wochenende nicht überlebt

Von Karl DoeleKe unD elmar Stephan

Hannover. Die Hitze aus den Ställen ist gewichen, aber ungewöhnlich viele Tiere haben die hohen Temperaturen nicht überlebt. Zehntausende Puten, Hühner und Schweine sind während der heißen Tage Anfang des Monats verendet. Sogar sieben Tonnen Fische aus Aufzuchtanla- gen mussten in sogenannten Tierkörper- beseitigungsanlagen entsorgt werden. Niedersachsens Landwirtschaftsmi-

nister Christian Meyer fordert nun Kon- sequenzen. „Bedrückend“ nennt der Grünen-Politiker eine Auswertung in seinem Ministerium, wonach unter an- derem fast 2000 Schweine in den Ställen umgekommen sind. „Wir dürfen das aus tierschutzrechtlichen und ethischen Gründen nicht einfach so hinnehmen und so tun, als ob das normal wäre“, sagte Meyer am Donnerstag. Er forderte die Landwirte auf, „in den Sommermo- naten die Besatzdichte in den Ställen freiwillig zu reduzieren“. Eine weitere

Zehntausende Tiere verendet

Folgen eines heißen Wochenendes: In den Tagen vom 3. bis zum 6. Juli sind nach Angaben das Agrarministeriums in Hannover Zehntausende Tiere in den Ställen in Niedersachsen verendet. Mehr als 42 000 Puten, rund 108 000 Hühner und etwa 1930 Schweine überlebten das Wochenende nicht. Das Ministerium hat die Zahlen aus Daten des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmit- telsicherheit hochgerechnet. „Die Sta- tistik dürfte recht valide sein“, heißt es von dort. Ihr zugrunde liegen Meldun- gen von sogenannten Betrieben zur Be- seitigung tierischer Nebenprodukte über

Sonderabholungen von Tierkörpern aus den Ställen. Abgeholt wurden demnach 636 Tonnen Putenkadaver, 162 Tonnen Geflügel und 193 Tonnen Schweine. Aus Durchschnittsgewichten wurde die Zahl der toten Tiere ermittelt. Ob die Tiere alle an den Folgen der Hitze verendet sind, muss noch ermit- telt werden. Behörden vor Ort würden die betroffen Betriebe jetzt überprüfen und der Ursache für die hohe Sterblich- keit nachgehen. In Niedersachsen wer-

den rund 8,8 Millionen Schweine, 64 Mil- lionen Masthühner und 6,4 Millionen Pu-

ten gehalten.

doe

Überlegung lautet, Notstrom-

aggregate in den Ställen

Pflicht zu machen. „So kann man etwa bei einem Lüftungsausfall flexibel und sofort reagieren.“ Aus Sicht des Minis- ters ließen sich so die Todesraten verhindern, die das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ge- meldet bekam. „Viele Stall-

und Lebensmittelsicherheit ge- meldet bekam. „Viele Stall- kommt, Bei großer Hitze ist es wichtig, dass die

kommt,

Bei großer Hitze ist es wichtig, dass die Tiere ausreichend zu trinken bekommen. Moderne Anlagen er- zeugen zusätzlich Nebel.

betreiber, bei denen es nicht

zu höheren Sterberaten

zeigen auch, dass man mit gutem Stall- management und Kühlung den Hitzetod vermeiden kann.“ Ein solches Beispiel hat das Landvolk am Donnerstag in Meppen im Emsland präsentiert: Johannes Schulte macht mit moderner Kühlung seinen Tieren das Leben bei großer Hitze erträglich. Er setzt in seinen Ställen eine Anlage ein, die mit hohem Druck Wasser über den Tieren zerstäubt und so künstlichen Ne- bel erzeugt. „Damit kann man die Tem- peraturen um zwei bis zehn Grad redu- zieren“, sagte Schulte. Nach Absprache mit seinem Tierarzt reichert er das Trinkwasser für die Tiere mit ätherischen Ölen und mit Vitamin C an. „Das ist gut für den Magen-Darm-

Trakt der Tiere“, erklärt Schulte. An ex- trem heißen Tagen habe er ständig die Ställe überwacht und die Kühlanlagen gesteuert, damit die Temperaturen nicht zu hoch stiegen. Landwirte wie Schulte hat Agrarmi- nister Meyer im Auge, wenn er sagt:

„Ich gehe davon aus, dass die Tierhalter – allein schon aus eigenem Interesse – ihr Möglichstes tun, damit die Tiere nicht verenden.“ Den anderen droht der Grü- ne mit rechtlichen Konsequenzen: „Soll- te es zu einem vermeidbaren Hitzetod von Tieren kommen, ist dies von den kommunalen Überwachungsbehörden wegen Verstoßes gegen die Fürsorge- pflicht und den Tierschutz zu sanktionie- ren.“

Eine Institution schmilzt dahin

Innerhalb von fünf Jahren ist fast jede vierte Eisdiele in Niedersachsen verschwunden

Von heiKo ranDermann

Hannover. Er gehört zu jedem Som- mertag, der diesen Namen verdient, und hat einen festen Platz in unseren Kind- heitserinnerungen: der Besuch in der Eisdiele. In jener Institution, die putzig klingende Klassiker wie Banana-Split hervorbrachte und später entdeckte, dass Vanille-Eis teurer wird, wenn man es durch eine Kartoffelpresse drückt und als Spaghetti-Eis verkaufen kann. Doch die sonnigen Jahre sind für die Branche offenbar vorbei, gibt das niedersächsi- sche Landesstatistikamt bekannt: Die Zahl der Eisdielen im Land geht konti- nuierlich zurück. So wurden 2013 insgesamt 552 Eissa- lons gezählt – so heißen die Eiscafés, Ge- laterias oder Eisdielen im Amtsdeutsch. Ein Jahr zuvor waren es noch 567, im Jahr 2008 sogar 715. Innerhalb von fünf

Jahren hat somit also fast jedes vierte Eiscafé dichtgemacht. Vermutet wird, dass das an der Kon- kurrenz liegt: Jedes Café oder Restaurant, jeder Kiosk und natürlich jeder Supermarkt verkaufen mittlerweile Eis. Insbesondere in Supermärkten findet sich ein großes Ange- bot, das vor al- lem preislich vorn liegt. Wäh- rend die Kugel Ge- lato in der Eisdiele mittlerweile mindes- tens einen Euro kostet, bekommt man für zwei Euro schon einen ganzen Li- ter Eiscreme im Kühlregal. Allerdings sei die Qualität oft-

mals auch eine andere, betonen Kenner. In vielen Eisdielen gebe es eigene Krea- tionen, von Hand hergestellt, mit besse- ren Zutaten – und mit weniger Luft. Da- mit Eis nicht steinhart gefriert, muss bei der Herstellung ständig Luft untergerührt werden. Während Qualitäts-Eisdielen aber nur 30 Prozent Luft einmischen, besteht Industrie-Eis manch- mal zur Hälfte oder sogar zu zwei Dritteln aus Luft. Letztlich genieße man bei einem Eisdielenbesuch auch das Flair, meinen die Statisti- ker. Und das lohne sich wirt- schaftlich durchaus. Mit einem

ker. Und das lohne sich wirt- schaftlich durchaus. Mit einem Kühle Ku gel: Vo n Hand

Kühle Kugel: Von Hand herge- stellte Kreationen haben Kon- kurrenz bekommen. Foto: dpa

durchschnittlichen Jahresumsatz von 197 152 Euro im Jahr 2013 lagen die Be- sitzer von Eisdielen über dem durch- schnittlichen Umsatz von Cafés (184 053 Euro) oder Bars (117 750 Euro). Der Land- kreis mit der höchsten Eisdielendichte ist übrigens die Region Hannover mit 68 Sa- lons, davon 29 in der Stadt Hannover. Auf Platz zwei liegt der Kreis Osnabrück mit 34 Eissalons, auf Platz drei Aurich mit 23 Eisdielen. Als nahezu eisfreie Kommune darf dagegen der Landkreis Peine gelten – hier sind nur drei Gelate- rias verzeichnet. Auch bundesweit geht die Zahl der Eisdielen von zuletzt 9000 langsam zu- rück. Mut macht dagegen eine zweite Statistik des Zentralverbands des deut- schen Handwerks: Demnach ist die Zahl der handwerklichen Eishersteller zuletzt sogar gestiegen. Sie wuchs von 3173 im Jahr 2011 auf 3219 im Jahr 2014.

Linke will Moschee-Razzia aufklären

Nach Gerichtsbeschluss:

Fraktion verlangt Ausschuss

Von oliVer pietSchmann

bremen. Die rechtswidrige Razzia in der Moschee des Islamischen Kulturzentrums in Bremen (IKZ) soll nach dem Willen der Linken ein parlamentarisches Nachspiel haben. „Die Linke will einen Untersu- chungsausschuss“, sagte die Fraktions- sprecherin Doris Achelwilm. Die Partei habe bei der CDU angefragt, ob diese mitziehen wolle. Beide Parteien haben zusammen 27 der 83 Sitze im neu ge- wählten Parlament und damit die nötigen Stimmen, um ein solches Gremium ein- zuberufen. Das Landgericht veröffent- lichte am Donnerstag einen bereits am Mittwoch bekannt gewordenen Be- schluss, wonach die Durchsuchung rechtswidrig war. Die CDU will zunächst den Gerichts- beschluss bewerten. „Man muss über die Personalie Mäurer nachdenken“, sagte die Sprecherin der CDU, Rebecca Grupe, mit Blick auf die Vereidigung der Sena- toren am kommenden Mittwoch. Innen- senator Ulrich Mäurer (SPD) und Polizei- chef Lutz Müller hatten bereits Pannen bei dem Einsatz eingeräumt. So wurde das IKZ nicht durchgehend beobachtet, obwohl dort gefährliche Islamisten und Waffen vermutet wurden. Das Urteil des Gerichts sei damit be- gründet worden, dass der sehr wichtige dritte Hinweis nicht in die Akten mit ein- gebracht worden sei, erläuterte Mäurers Sprecherin. Dieser habe jedoch nicht ver- schriftlicht werden dürfen, weil nach An- gaben der tippgebenden Bundesbehörde die Quelle damit stark gefährdet worden wäre. Zudem hätten alle Fraktionsvorsit- zenden eingeräumt, dass es eine terroris- tische Bedrohung gegeben habe. Der Be- schluss ändere nichts an der Einstellung der Sicherheitsbehörden, dass es sich beim IKZ um einen Treffpunkt radikaler Islamisten handelt.

Grüne feiern eigene Regierungsarbeit

Hannover. „Grüne Erfolge“ ist eine Broschüre überschrieben, die die Grünen-Fraktion im Landtag zur Halb- zeit der Legislaturperiode herausge- bracht hat. Fraktionschefin Anja Piel sagte, sie sei mit der bisherigen Arbeit der rot-grünen Landesregierung sehr zu- frieden. So hätten die Grünen die Ab- schaffung der Studiengebühren und

eine neue Schulpolitik durchgesetzt. Au- ßerdem gebe es mehr Transparenz durch öffentliche Ausschusssitzungen im Land- tag. Auch in strittigen Themen habe die Partei sich durchsetzen können, wie etwa bei der Einrichtung einer Polizei- Beschwerdestelle. „Da hat man uns lan- ge gesagt, es gebe keinen Bedarf dafür. Jetzt wird das auch auf Bundesebene diskutiert“, freute sich Justiz-Experte

Helge Limburg.

ran

32-Jähriger rettet Betrunkenen

uelZen. Mit seinem beherzten Eingrei- fen hat ein Bahnpendler in Uelzen ei- nem Betrunkenen womöglich das Leben gerettet. Ein 29-Jähriger war kurz vor der Einfahrt eines Zuges versehentlich ins Leere getreten, auf die Schienen ge- stürzt, beim Aufstehen erneut gefallen und mit dem Kopf gegen die Bahnsteig- kante geschlagen, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Der 32 Jahre alte Helfer aus Bleckede zögerte nicht lange und wuchtete den Mann wieder auf den Bahnsteig. „Das ging alles so schnell. Am Unfallort stand eine große Reise- gruppe älterer Menschen. Sie hätten es wohl nicht schaffen können – und unge- fährlich war die Aktion auch nicht, als der Zug kurz darauf einfuhr“, erklärte der Helfer laut Polizei. Der 29-Jährige kam mit Prellungen und einer Kopfwun- de in die Klinik.

S147

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Sudoku

Tragen Sie die Zahlen

von 1 bis 9 so in das Dia- gramm ein, dass in jeder

Zeile, jeder Spalte und jedem fett umrandeten

Gebiet jede Zahl genau einmal vorkommt.

Die Auflösung finden Sie in der morgigen

Ausgabe.

S148

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Analog zum Sudoku dürfen in jeder Spalte und Zei-

le die Zahlen 1 bis 8 nur einmal vorkommen. Dazu sind einige Felder zu schwärzen, wobei sich diese Schwarzfelder weder waagerecht noch senkrecht be- rühren dürfen. Am Ende dürfen Bereiche mit Zahlen nicht vom Rest abgeschnitten sein.

U51

A E R Z T E K A M M E R BRA UEN U
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E
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T
R
A
N
S
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O
R
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Die Auflösung des Rätsels von gestern.

Oleg DegtiarovFoto:

Patrick Imbert

Klaartje LambrechtFoto:

Foto: David Carreno Hansen für VolkswagenstiftungFoto:

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Von

Carreno Hansen für VolkswagenstiftungFoto: D initial Von ronald meyer-arlt Alles im Kasten D ie Menschen sind

ronald meyer-arlt

Alles im Kasten

D ie Menschen sind unterschiedlich. Warum auch nicht? Dieser Umstand

sorgt erstens dafür, dass es nicht so schnell langweilig wird, und ist zwei- tens auch eine der Existenzgrundlagen der Soziologie. Die einen gehen Pilze suchen, die an- deren gehen Pilze finden. Und nicht je- der, der findet, muss zuvor gesucht ha- ben. Von diesem besonderen Glück er- zählt jetzt eine Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld. Vom 11. Juli bis zum 11. Oktober ist dort die Ausstellung „Serendipity – Vom Glück des Findens“ zu sehen.

„Serendipity – Vom Glück des Findens“ zu sehen. Das finden viele gut. Zumal in der Schau

Das finden viele gut. Zumal in der Schau so etwas wie der heilige Gral der Soziologie ausgestellt wird: der legen- däre Zettelkasten des legendären Sozio- logen Niklas Luhmann. Das war eine Art vorelektronische Datenbank. Luh- mann, der Systemtheoretiker, hatte sein ganz eigenes System, Phänomene zu- sammenzudenken. Der 1998 gestorbene Bielefelder Soziologe schrieb über alles, da passte es ganz gut, dass er eine Uni- versaltheorie entwickelt hatte, in der al- les mit allem zusammenpasst. Luhmann operierte mit Systemen, Systeme haben Grenzen, aber sein aus 24 Karteikästen bestehender Zettelkasten hatte eigent- lich keine. Der nahm alles auf. Auch das, was nicht passte. Hier hat er jahr- zehntelang alles notiert, was ihm wich- tig war. Und er hat – glücklicherweise – immer genau das wiedergefunden, was er für sein neues Buch gerade be- nötigte. Also: Auf nach Bielefeld. So schwer ist die Stadt ja nicht zu finden.

Gestohlener Rodin wieder da

Eine vor 24 Jahren gestohlene Skulptur von Auguste Rodin ist in einem New Yorker Aktionshaus wieder aufgetaucht. Die Büste eines jungen Mädchens mit einer Schlange im Arm ist nach Anga- ben einer auf die Suche nach verschwun- dener Kunst spezialisierten Londoner Firma rund 100 000 US-Dollar wert. Sie war 1991 aus einem Haus im kaliforni- schen Beverly Hills gestohlen worden. Insgesamt erbeuteten die Diebe damals Kunst im Wert von mehr als einer Milli- on Dollar. Sie waren mit Hilfe eines Hausange- stellten mehrmals eingestiegen, wäh- rend die Besitzer für mehrere Wochen unterwegs waren. Als sie zurückkamen, war mit der Kunst auch der Angestellte verschwunden.

Holbein-Madonna im Gropius-Bau

Die „Holbein-Madonna“, das wohl teu- erste Kunstwerk in Deutschland, zieht für vier Monate von Schwäbisch Hall nach Berlin. Unter dem Titel „Von Hock- ney bis Holbein – Die Sammlung Würth in Berlin“ sind vom 11. September bis 10. Januar 400 Kunstwerke aus der Sammlung Würth im Berliner Martin- Gropius-Bau zu sehen. Die Schutzmantel-Madonna, auch Darmstädter Madonna genannt, von Hans Holbein dem Jüngeren ist das Glanzstück der Schau. Im Jahr 2011 hat- te sie der Künzelsauer Unternehmer Reinhold Würth für einen ungenannten Preis, der jedoch ein Gebot von 40 Mil- lionen Euro übertroffen hatte, von der Hessischen Hausstiftung gekauft. Die Sammlung Würth umfasst rund 17 000 Kunstwerke. In Berlin werden da- raus unter anderem Kunstkammerobjek- te ausgestellt und eine „exquisite Aus- wahl“ der Altmeistersammlung.

Ein Saurier für Berlin

Ein etwa 70 Millionen Jahre alter Dino- saurier kommt ins Berliner Naturkunde- museum. Es handele sich um eines der am besten erhaltenen Skelette eines Ty- rannosaurus Rex, sagte die Sprecherin des Museums, Steiner. Von Dezember an wird das Museum den Dinosaurier „Tris- tan“ für drei Jahre präsentieren. Es sei in ganz Europa das erste origi- nale Skelett eines T. Rex, das ausgestellt werde, sagte Steiner. Der Raubsaurier war im US-Bundesstaat Montana gefun- den worden. Er wird dem Museum von einem privaten Mäzen zur Verfügung gestellt.

Alte Bekannte

Tanztheater International erlaubt sich zum Jubiläum einen Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre

Von ronald meyer-arlt

W er dreißig Jahre alt wird, kann zum Geburtstag schon mal zu- rückblicken und sich an alte Er-

folge erinnern. So hält es Christiane Winter mit ihrem Festival Tanztheater International. Vom 3. bis 13. September wird die Jubiläumsausgabe des Festivals in der Orangerie Herrenhausen und auf weiteren Bühnen in Hannover zu sehen sein. „Ich habe mich lange gefragt: ,Was machst du bloß zum 30.?’“, sagte die Festivalchefin gestern bei der Vorstel- lung des neuen Programms. Dann kam ihr die Idee: alte Freunde einladen. Sie hat sich entschieden, das Festival mit wichtigen Protagonisten aus den ver- gangenen Jahren zu feiern. An den elf Festivaltagen werden zwölf Produktio- nen gezeigt, darunter zwei deutsche Erstaufführungen und vier Uraufführun- gen. Vor allem aber wird es ein Wieder- sehen mit bekannten Gruppen geben. Bereits zum achten Mal ist die Gruppe Neuer Ta nz aus Düsseldorf bei Tanzthea- ter International zu Gast; am Sonntag, 6. September, hat „Chor(e)ographie Jour- nalismus: kurze Stücke“ von VA Wölfl in der Orangerie Premiere. Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, 3. Septem- ber, mit Peeping Tom. Die Gruppe tritt zum sechsten Mal bei Tanztheater Inter- national auf. Diesmal zeigt Peeping Tom „Vader“ – Tanz, der das Leben in einem Seniorenheim zum Thema hat. Ebenfalls

zum sechsten Mal dabei ist die Gruppe Club Guy & Roni. Zusammen mit dem Slagwerk Den Haag und Tänzern der slowenischen En-Knap-Group zeigen Guy Weizman und Roni Haver „Phobia“, einen Tanzabend über Angst. Helena Waldmann war zuvor bereits fünf Mal bei Tanztheater International eingeladen. Am Freitag, 11., und Sonn- abend, 12. September, zeigt das Ensem- ble, das aus zwölf Kathak-Tänzerinnen und -Tänzern besteht, die Choreografie „Made in Bangladesh“, in der es um das Thema Billigproduktion und Ausbeu- tung geht. Sein drittes Gastspiel beim Festival gibt der französische Choreo- graf Rachid Ouramdane mit seinem En- semble L’A am Mittwoch, 9. September. In „Tordre“ spielen Drehungen eine be- sondere Rolle. Die israelische Compa- gnie L-E-V kommt zum zweiten Mal. Sie zeigt am Sonnabend, 5. September, die Stücke „Sara“ und „Killer Pig“. Neu beim Festival ist dagegen der flä- mische Choreograf Jan Martens. Am Dienstag, 8. September, zeigt er ein Stück über Zweisamkeit, in dem auch der vielleicht längste Kuss der Tanzge- schichte zu sehen sein wird. Bekannt in der Stadt, aber neu beim Festival ist der in Hannover arbeitende Choreograf Felix Landerer. Für ihn än-

Foto: Gil Shani
Foto: Gil Shani

dert sich gerade einiges. Der Choreograf erhält die Chance, eine eigene Compa- gnie aufzubauen, und er soll anders als bisher gefördert werden. Statt sich wei- terhin von Projekt zu Projekt hangeln zu müssen, soll es eine längerfristige Förde- rung für ihn geben. Die Stiftung Nieder- sachsen, die Stadt Hannover und das

Land Niedersachsen haben sich zusam- mengetan, um Landerer für die kom- menden drei Jahre zu fördern. Eine neue Probebühne auf dem Faust-Gelände wird er auch nutzen können. Angesichts der neuen Perspektive hat er bereits sechs Tänzer für seine Compagnie enga- giert. Sie werden am 12. und 13. Sep-

seine Compagnie enga- giert. Sie werden am 12. und 13. Sep- Zu Gast bei Ta nzthea

Zu Gast bei Tanztheater International:

Die Gruppe L-E-V (links), das Ensemble L’A des Choreografen Rachid Ouramda- ne (oben), Peeping Tom mit Verknotun- gen aus dem Seniorenheim (unten) sowie Jan Martens (ganz unten), in dessen Stück „Sweat Baby Sweat“ ein sehr, sehr langer Kuss gezeigt wird.

Baby Sw eat“ ein sehr, sehr langer Kuss ge ze igt wird. tember bei Tanztheater International
Baby Sw eat“ ein sehr, sehr langer Kuss ge ze igt wird. tember bei Tanztheater International

tember bei Tanztheater International in „Albert“ zu sehen sein. Darin geht es um das Thema Angst. Dafür besteht bei Landerer eigentlich gar kein Anlass.

Karten sind an der Kasse im Künstlerhaus (Sophienstraße 2) erhältlich. Programm:

www.tanztheaterinternational.de.

Die Glückssucherin

Weltstar mit wildem Stilmix: Violinistin Lindsey Stirling auf der Parkbühne

Von Gerd Schild

Lindsey Stirling hüpft über die Bühne. Sie dreht sich, springt, macht Karatetrit- te, dreht Pirouetten wie Tinkerbell auf Speed – und spielt dabei auf ihrer Violi- ne, während aus den Boxen Bässe wum- mern. Ihr zum Zopf gebundenes rotes Haar wippt. Auf den Leinwänden im Hintergrund laufen Fantasy-Filmchen, Ausschnitte aus Stirlings Videos, ani- mierte Friedhöfe, künstliche Kristallhöh- len, Sternenexplosionen und Kameraflü- ge durch den Grand Canyon. Verrückt? Ja! Stirling ist ein YouTube-Star, 2007 startete sie mit einem eigenen Kanal auf dem Videoportal. Später geigte sie sich bei „America’s Got Talent“ in den Vor- dergrund. Ihre Videos wurden mehrere Hundert Millionen Mal geklickt. Und jetzt, mit 28 Jahren, spielte die Kalifor- nierin auf der Parkbühne vor mehreren Tausend Fans.

Die Musik von Lindsey Stirling ist eine Mischung aus Riverdance, Western- Musical und Klassik, durchzogen von Dubstep und Hip-Hop – und manchmal einfach Fiddler-Musik für die Großraum- disko. In den Videos gibt sich Stirling wandelbar. Mal geht es um Western- Kitsch wie in „Roundtable Rival“, ande- re Videos zeigen Anime-Welten, Elfen- reiche oder erinnern an Zwischense- quenzen von Fantasy-Rollenspielen. Be- sonders beliebt ist Stirling auch bei Gamern, weil sie etwa die Titelstücke von Spielen wie „Halo“, „Assassin’s Creed III“ oder Dragon Age“ covert. In Hannover spielt sie als Zugabe ihre Version vom „Phantom der Oper“, auch wenn es hier eher nach den Riffs von Pink Floyds „Echoes“ klingt. Die Wan- delbarkeit, das Verbinden von Stilen und das Zusammenfügen von Versatzstü- cken, der Crossover-Ansatz, das ist eine Grundlage des Erfolgs von Stirling. Die Videos, so sagt sie, entwickelt sie selbst.

Foto: Marta Krajinović
Foto: Marta Krajinović

Hip-Hop-Violinistin Lindsey Stirling.

Manchmal stehe sogar zuerst die „ver- rückte Idee“ für ein Video, die Musik kommt dann erst später. Die Musikerin blickt aber nicht nur auf Erfolg und kreatives Schaffen zu- rück. Sie berichtet den Zuschauern in Hannover von den Depressionen, die sie über viele Jahre gepeinigt hatten. Ir- gendwann habe sie es dann geschafft, habe wieder aufstehen können und das Glück suchen, sehen und finden kön- nen. Das sage sie auch den Fans, die ihr Briefe und Nachrichten schicken, in de- nen sie von ihren Ängsten berichten. Weitermachen! Wir können alles schaf- fen, wir müssen nur wollen – das ist die Botschaft der Violinistin. Der Kampf gegen die Krankheit be- stimme bis heute ihre Lieder, sagt Stir- ling auf der Bühne. Die fangen meist ein wenig sachte und düster an, erheben sich dann, werden laut. Sie fordern ihren Platz und wollen mit ihrer Wucht die De- pressionen vertreiben.

Aufwühlende

Akademiker

Zwei Jazz-Big-Bands der Musikhochschule in der Faust

Von Bernd Schwope

„Schön, schön, um die Zukunft des Jazz in Hannover müssen wir uns keine Sor- gen machen“, urteilt ein Besucher im Pausengespräch in der Faust/Warenan- nahme. Recht hat er. Das hat vor allem mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien zu tun, deren Jazz-Studien- gang sich an diesem Abend mit zwei Big-Bands präsentiert. Schließlich ist die Exzellenz in der Ausbildung einer der entscheidenden Faktoren dafür, dass Hannover Unesco City of Music geworden ist. Und mit welch spürbarer Begeisterung und De- tailgenauigkeit das Musikmedium Jazz an der HMTMH durchleuchtet wird, ließ sich beim Semesterabschlusskonzert in der gut besuchten Faust-Warenannah- me aufs Schönste erleben. Den Anfang machten The S’coolmas- ters unter Leitung von Andreas Barkhoff. Dieses Ensemble setzt sich aus Studie- renden der Studiengänge Schulmusik und Bachelor of Music zusammen. Doch wer glaubt, von den angehenden Leh- rern und Lehrerinnen Jazz der akademi- schen Art präsentiert zu bekommen, sieht sich spätestens bei der aufwühlen- den Interpretation des gospelgetränkten Soul-Jazz-Evergreens von Charles Min- gus’ „Better Git It In Your Soul“ eines Besseren belehrt. Auch wenn nicht jeder Einsatz sitzt: Jazz-Klassiker von „Sum- mertime“ bis „Things To Come“ (und so- gar eine freche Bearbeitung des „Flint- stones“-Themas) interpretieren die S’coolmasters mit Esprit, scharfem Profil und subtilen Stimmungen. Einige der S’coolmasters stehen nach der Pause auch in den Reihen der Stu- dio-Big-Band des Jazz-Studiengangs der HMTMH. Dass diese sich gezielt und in- tensiv mit Jazz beschäftigt, ist selbst für Laien schnell herauszuhören. Die von Leiter Jörn Marcussen-Wulff gesteuer- ten Einsätze landen punktgenau, die ar- rangierten Abläufe schaffen beeindru- ckende Kontraste und lassen Komplexes (wie in der Marcussen-Wulff-Kompositi- on „Pride and Fear“) leicht und orga- nisch erscheinen. Die Musikfarbe changiert von Bebop („Au Private“) über Fusion-Jazz („It’s Just Talk“) zu Bossa Nova („Samba De Orfeo“). Das Publikum dankt mit war- mem Applaus, die Studio-Big-Band dankt mit Thad Jones’ „Groove Mer- chant“ als Zugabe zurück. Ein Abend, der bestätigt: Hannovers Jazz-Szene hat keine Probleme – jeden- falls keine Nachwuchsprobleme.

Kulturnotizen

Nachtkonzert am Mahnmal Aegidientorkirche

Zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren und die Abwürfe der Atombomben auf Hiroshima und Na- gasaki spielt das Kammerorchester Pro Ar- tibus Hannover heute um 22 Uhr ein be- sonderes nächtliches Konzert am Mahnmal Aegidienkirche. Ehrengast ist der Kom- ponist Koji Tomotani aus Hiroshima, des- sen Werk „The Poems of Hiroshima VI“ für Klarinette, Schlagzeug, Streichorchester und Hiroshima-Friedensglocke an diesem Abend uraufgeführt wird.

Eisenbahntheater über einen Dampfer

Die Schiffdorfer Gruppe Das letzte Klein- od ist wohl die einzige Theatergruppe der Welt, die mit einem eigenen Zug un- terwegs ist. Von heute an bis zum 13. Juli macht der Zug in Hannover Station; auf dem Bahnbetriebsgelände Leinhausen (Einbecker Straße 4) spielt die Gruppe je- weils von 21.30 Uhr an „Goetzen-Liemba“, ein Dokumentartheaterstück über einen Dampfer und den deutsche Kolonialismus in Ostafrika. Weitere Informationen unter www.das-letzte-kleinod.de.

„Man hätte manches anders machen können“

25 Jahre nach dem Umbau des DDR-Wissenschaftssystems ziehen Forscher und Wissenschaftspolitiker eine kritische Bilanz

Von Joachim GöreS

Gern beschreibt die Bundesregierung die Hochschulentwicklung in Ost- deutschland als Erfolgsgeschichte. Sie verweist auf 30 neue Fachhochschulen, neue Universitäten und eine Verdoppe- lung der Studienanfänger in Ostdeutsch- land seit der Wende. Das Urteil von Hochschullehrern aus Ost und West über die Anpassung des DDR-Wissenschafts- systems ans bundesdeutsche Vorbild vor 25 Jahren fällt dagegen kritischer aus. Das hat jetzt die Tagung „25 Jahre Wis- senschaft und Wiedervereinigung“ der Volkswagenstiftung im Schloss Herren- hausen gezeigt. „In Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt haben die Landesregie- rungen für die Gründung neuer Universi- täten gesorgt, statt bestehende Unis bes- ser zu fördern und die Fachhochschulen stärker auszubauen, wie es der Wissen-

schaftsrat empfohlen hatte“, sagt Philoso- phieprofessor Jürgen Mittelstraß auf der Tagung, die sich vornehmlich an ein Fachpublikum richtete. Der Wissen- schaftsrat, Deutschlands wichtigstes wis- senschaftspolitisches Beratungsgremium, hat 1990 im Regierungsauftrag die 130 Institute der Akademien der Wissenschaf- ten der DDR überprüft, die 1991 aufgelöst und teils in Trägerschaft anderer Organi- sationen neu gegründet wurden. Nach der Evaluation, in der Regel von westdeutschen Professoren durchge- führt, wurden rund 60 Prozent der Stel- len gestrichen. „94 000 Menschen hatten keine Aussicht auf eine langfristige Be- schäftigung. Ich habe nie verstanden, dass eines der reichsten Länder der Welt mit seinen neuen Bürgern so umgegan- gen ist“, sagt Cornelius Weiß, nach der Wende Rektor der Uni Leipzig. Die Unis sollten die Forscher der Akademie-Insti- tute aufnehmen – was laut Weiß kaum

möglich war: „Wir mussten 6000 Stellen abbauen, da war kaum Platz für neue Mitarbeiter.“ Johanna Wanka (CDU), einst Nieder- sachsens Wissenschaftsministerin und jetzt Bundesbildungsministerin, war 1989 an der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg. Sie bedauert, dass mit dem Niedergang der Industrie die dort beschäftigten Wissenschaftler oft in Altersteilzeit geschickt wurden. „Dabei sind Potenziale verloren gegangen. Beim Umbau des ostdeutschen Wissenschafts- systems hätte man manches anders ma- chen können“, sagt Wanka, spricht trotz- dem aber von einer „Erfolgsgeschich- te“. Joachim Sauer, Chemieprofessor an der Berliner Humboldt-Uni und Kanzle- rinnengatte, hält die Akademieinstituts- abwicklung für richtig: „Ein Drittel der Mitarbeiter tat nichts, ein Drittel war sehr engagiert und der Rest hinderte die

ein Drittel war sehr engagiert und der Rest hinderte die Eine Erfolgsgeschichte? Johanna Wanka im Schloss

Eine Erfolgsgeschichte? Johanna Wanka im Schloss Herrenhausen.

engagierten Wissenschaftler daran, or- dentliche Leistungen zu erbringen.“ Dieter Simon, einst an der Spitze des Wissenschaftsrates, erinnert sich an peinliche Gespräche bei der Überprü- fung vor 25 Jahren. „Die Ost-Wissen- schaftler redeten nicht viel, aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Wir wussten nichts von der DDR und haben unter un- geheurem Zeitdruck gearbeitet. Das Er- gebnis ist nicht hervorragend.“ Grundle- gende Probleme des westdeutschen Sys- tems seien unverändert geblieben. Auch der Generalsekretär der Volks- wagen-Stiftung, Wilhelm Krull, zeigt sich selbstkritisch. Unter seiner Feder- führung hatte nach der Wende der Wis- senschaftsrat zwölf Empfehlungen für den Umbau des ostdeutschen Wissen- schaftssystems formuliert. „Die Adminis- tratoren, die aus dem Westen kamen“, sagt Krull, „waren mit ihren Aufgaben oft überfordert.“

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die Bandidos auch
t aus. Die geheimen
Codes auf den Kutten stehen
für ihre Rolle in den Clubs.
Fotos: dpa (3), iStock

Die Kutte bleibt erlaubt

Bundesgerichtshof kippt Verbot – BDK-Bundesvorsitzender Schulz fordert sungen von der Politik

Von Carsten BergMann Und toBias MorCHner

KarLSruhe. Im Grunde ist es bloß ein Stück Leder. Für Rocker aber ist die Kut- te das Heiligtum schlechthin. Statussym- bol und Drohkulisse zugleich. Die Brust zeigt die Rangordnung in den Chaptern. Um diese Bedeutung wissen auch die In- nenminister der Länder und haben die Embleme aus der Öffentlichkeit ver- bannt. Bis gestern. Der BGH kippte das generelle Kutten-Verbot und geht den Rockern damit nicht länger ans heilige Leder. In den vergangenen Monaten haben die Behörden die Jagd auf Bandidos, Hells Angels und die vielen anderen Outlaw Motor-cycle Gangs (OMCGs) verschärft. Clubheime wurden geschlos- sen, Razzien in Rotlichtmilieus offenbar- ten Drogen-, Waffen- und Frauenhandel. Bislang wurden 25 Ortsgruppen bundes- weit verboten, 17 davon rechtskräftig.

Vor der höchsten richterlichen Instanz haben gestern zwei Bandidos (44, 46) aus Unna und Bochum geklagt. Sie hat- ten ihre Kutten trotz Verbots getragen und Selbstanzeige erstattet. Die Staats- anwaltschaft Bochum sah mit dem Tra- gen einen Verstoß gegen das Vereins- recht – die Richter am Landgericht teilten diese Meinung nicht. Die Bun- desanwaltschaft hatte anschließend an- geregt, das Bochumer Urteil wieder auf- zuheben. Eine Meinung, die die BGH-Richter nicht teilen. Zur Begrün- dung heißt es: „Eine Strafbarkeit wegen Tragens von Kennzeichen eines verbote- nen Vereins, die in im Wesentlichen glei- cher Form von einem – nicht verbotenen – Schwesterverein verwendet wird (Pa- ragraf 9, Absatz 3 Vereinsgesetz), hat der Senat aus Rechtsgründen ausge- schlossen, weil der Gesetzgeber diese Regelung nicht in die Strafvorschrift des Vereinsgesetzes einbezogen hat.“ Gleichzeitig stellten die Richter aber

auch klar: Sobald die Ziele eines Orts- vereins mit einem verbotenen Chapter übereinstimmen, kann das Tragen der Kutten untersagt werden. Worte, die Rudolf Triller nicht scho- cken. Der Sprecher der Hells Angels freut sich über das Urteil, das das mit der Streubüchse verteilte Kutten-Verbot vom Tisch gefegt habe. „Die Bandidos haben vor Gericht einen Sieg errungen, der auch für uns gut ist.“ Er beklagt schon lange eine Hetzjagd auf Rocker, die un- ter Generalverdacht gestellt würden, aber einzig unter den Fehltritten Einzel- ner litten. Lutz Schellhorn, Chef der Hells An- gels in Baden-Württemberg, verteidigt den Club trotz der zahlreichen Gerichts- prozesse und Polizeieinsätze: „Wir sind sicher keine Chorknaben, aber auch kei- ne Verbrecher. Wir Rocker werden dis- kriminiert und kriminalisiert.“ Laut Bun- deskriminalamt haben die Clubs in Deutschland rund 10000 Mitglieder – mehr als die Hälfte trägt die Wappen der großen vier: Bandidos, Hells Angels, Mongols und Outlaws. Für André Schulz kommt die Ent- scheidung nicht überraschend. Dennoch ist er enttäuscht: „Der Staat ist sehenden Auges ins offene Messer gelaufen“, sagt der Deutschland-Chef des Bundes Deut- scher Kriminalbeamter. Er fordert schon viele Jahre, die OMCGs als kriminelle Vereinigung einzustufen und zu verbie- ten. „Die Vereinszwecke sind vorgescho- ben und entsprechen nicht der Wahrheit. Bei den OMCGs handelt es sich um or- ganisierte Kriminalität, nicht um Motor- radclubs.“ Schulz sieht die Länder in der Pflicht, die Rechtslücke zu schließen. Wäre der politische Wille vorhanden, gäbe es ein Verbot. „Nun kommen wir zu einem Punkt, an dem es für den Staat auch langsam peinlich wird.“ Trotz der Aufhebung des generellen Kuttenverbots durch den BGH werden in Hannover die sogenannten Patches mit den Insignien der Hells Angels, dem geflügelten Totenkopf, nicht so schnell auf den Straßen der Stadt zu sehen sein. Im Jahr 2012 löste Frank Hanebuth, der damalige Präsident des hannoverschen Charters der Höllenengel, den Ortsver-

geheime Symbole

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Diese Kuttenaufnäher zeigen die „Leistungen“ . Zum Beispiel steht

die Buchstabenkombination TCB für „Taking Care of Business“ und be- deutet: Man muss sich um seine Ge- schäfte selbst mmern.

Das wichtigste erkennungs sy m- bol . Dieses Ab ze ichen klärt die te erkennungssym- bol. Dieses Abzeichen klärt die

Funktion des jeweiligen Mitglieds im Chapter.

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Dieses emblem zeigt, wie lange der Rocker zum Club gehört. Je mehr Jahre, umso mehr Macht.

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auf dem T-Shirt steht G.B.N.F., die Abkürzung für „gone, but not

forgotten“. Damit solidarisieren sich die Mitglieder mit verstorbenen Rockern.

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Der Top-rocker zeigt, zu wel- chem Club der Biker gehört.

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in der Mitte prangt das Club-Sym- bol: Der „Fat Mexican“ der Bandi- dos oder der Totenkopf mit Flü- geln der Hells Angels.

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Nach ausschreitungen in den Vierzigerjahren solidarisieren sich die Biker mit dem einen Prozent der Rocker, die gewaltbereit waren.

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Der Bottom-rocker verrät die na- tionale und regionale Zugehörig- keit der Clubmember.

ein überraschend auf – möglicherweise, um einem offiziellen Verbot zuvor zu kommen. Kurz darauf gründete sich das Charter Badland, das in Pattensen ange- siedelt war und sich aber ebenfalls wie-

der aufgelöst hat. Die derzeit existieren- den sechs Klubs in Niedersachsen verzeichnen aber weiterhin große Zuläu-

fe. Niedersachsens Innenminister Boris

Pistorius (SPD) prüft derzeit, ob den Mit- gliedern der Rockerclubs der Besitz von Waffen untersagt werden soll.

Deutschland unterliegt im Spielzeug-Streit

EuGH-Entscheidung zu Schwermetallen

Von Martina Herzog

LuxeMBurg. Auch für Bauklötze oder Puppen gilt EU-Recht: Deutschland muss nach einem Urteil die europäischen Schadstoffgrenzen für Spielzeug anwen- den. Das hat der Europäische Gerichts- hof (EuGH) in Luxemburg am Donners- tag entschieden. Konkret geht es um die drei Schwermetalle Antimon, Arsen und Quecksilber, die teils als krebserregend gelten oder zu Störungen des Nerven- systems führen können. Die Bundesre- gierung hatte argumentiert, dass die ei- genen Grenzwerte für diese Stoffe strenger seien als die europäischen Wer- te und wollte daher die deutschen Rege- lungen beibehalten. Die Brüsseler EU- Kommission lehnte dies ab. Mit seiner Klage dagegen scheiterte Deutschland im vergangenen Jahr vor dem EU-Ge- richt bereits in erster Instanz. Der über- geordnete Europäische Gerichtshof ent- schied nun, dass dieses Urteil des Gerichts rechtens war. Deutschland habe nicht nachgewiesen, dass die eigenen Regelungen besseren Schutz böten. Hin- tergrund des Streits sind unterschiedli- che Methoden der Risikobewertung. Die deutsche Gesetzgebung bestimmt Grenzwerte unabhängig von der Konsis- tenz des Materials. Im EU-Gesetz wird hingegen etwa zwischen flüssigen, fes- ten oder abgeschabten Stoffen unter- schieden.

Streik sorgt für Chaos in London

LONDON. Ein Streik bei der U-Bahn hat London an den Rand des Verkehrskol- laps gebracht. Zehntausende waren am Donnerstag auf Busse, Züge und die Stadtbahn Overground angewiesen, weil die 270 Stationen der „Tube“ ge- schlossen blieben. Vor allem in der Rushhour waren die Schlangen an Bus- haltestellen lang und die Bahnsteige überfüllt. Zusätzlich verschärfte die Lage ein weiterer Streik beim Schnellzug-Be- treiber First Great Western. Grund für den aktuellen Tarifkonflikt ist, dass die Angestellten der „Tube“ ab Mitte Sep- tember auch nachts arbeiten sollen.

Boulevard

Douglas bleibt dankbar und demütig

Wenige Tage nach dem Tod seiner Mut-

ter hat US-Schau- spieler Michael

Douglas (70) die Eu- ropa-Premiere sei- nes neuen Films „Ant-Man“ in Lon- don besucht. Der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag sagte Douglas, er sei „happy, demütig und dank- bar“. Sein Vater habe ihm den Rat gege- ben: „Du lebst nur einmal! Gib das Bes- te, was du kannst! Versuche alles! Gib nie auf.“ Er selbst sei nach seiner überstande- nen Krebserkrankung wieder voller Ener- gie, versicherte Douglas.

Swift spendet für krebskrankes Mädchen

icherte Douglas. Sw ift spendet für krebskrankes Mädchen Die US-Popsänge- rin Taylor Sw ift (25) hat

Die US-Popsänge- rin Taylor Swift (25) hat erneut ein krebs- krankes Mädchen glücklich gemacht. Die beliebte Musike- rin („Shake It Off“) spendete US-Me- dienberichten zu- folge 50 000 Dollar (rund 45 000 Euro) für die elfjährige Naomi. Das Mädchen muss wegen seiner Leukämieerkrankung noch Monate im Krankenhaus behandelt werden und kann deshalb ein Konzert sei- nes Lieblingsstars nicht besuchen.

Tom Selleck des Diebstahls bezichtigt

Als Privatdetektiv Thomas Magnum wur- de der US-Schauspieler Tom Selleck (70) berühmt. Doch nun sind dem Star im Auf- trag einer kalifornischen Wasserbehörde selbst Ermittler auf den Fersen. Ein Was- serversorgungsunternehmen hat vor Ge- richt im Bezirk Ventura County Klage ge- gen Selleck eingereicht. Er soll für seine Ranch in Westlake Village unerlaubterwei- se große Mengen Wasser von einem Hyd- ranten abgezapft haben. Die Behörde hat einen Privatdetektiv zur Überwachung ein- geschaltet.

einen Privatdetekt iv zur Überwachung ein- geschalt et . Kurz Gemeldet Bäre nliebe kostet Naturschützer den

Kurz Gemeldet

Bärenliebe kostet Naturschützer den Job

OTTawa. Einem gefeuerten kanadischen Naturschutzmitarbeiter ist nach der Ret- tung zweier Jungbären eine Welle der Sympathie entgegengeschlagen. Tausen- de Unterzeichner einer Petition forderten die Wiedereinstellung von Bryce Casavant. Der hatte sich der Anweisung widersetzt, die Bärenjungen zu töten. Sie waren in der Nähe ihrer getöteten Mutter gefunden worden. Die Bärin hatte zuvor Lachs aus einer Tiefkühltruhe gestohlen.

Gewinnzahlen

Gewinnquoten

28. Veranstaltung

Lotto am Mittwoch

Gewinnklasse

1:

1-mal

33 832 008,60 Euro

Gewinnklasse 2:

unbesetzt

Gewinnklasse

3:

52-mal

14 496,90

Euro

Gewinnklasse

4:

577-mal

3 919,40

Euro

Gewinnklasse 5:

3769-mal

200,00 Euro

Gewinnklasse

6:

35 521-mal

42,40

Euro

Gewinnklasse 7:

75 736-mal

19,90x

Euro

Gewinnklasse

8:

707 321-mal

9,50

Euro

Gewinnklasse

9:

581 980-mal

5,00

Euro

Keno

gewinnzahlen: 3, 5, 6, 9, 11, 13, 14, 23, 30, 39, 43, 44, 45, 48, 50, 54, 57, 58, 62, 65,

Plus 5: 1, 0, 6, 2, 5

(ohne Gewähr)

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Ein Regent wie ein „Fels“

Vor seinem zehnten Thronjubiläum hat Fürst Albert seine Rolle gefunden

Von Birgit Holzer

PariS. Die Fußstapfen seines Vaters wa- ren groß. Und dass er nicht einmal ge- fragt wurde, ob er sie ausfüllen kann und will, machte es wohl nicht leichter:

Seit seiner Geburt schien Alberts Regen- ten-Schicksal besiegelt. Umso mehr hat- te er dann später mit Schüchternheit und Häme über die vielen Affären und sein turbulentes Junggesellenleben zu kämp- fen, während er zugleich im Schatten seiner glamourösen Schwestern Caroli- ne und Stéphanie stand. Heute aber hat Albert II. in seine Rol- le als Fürst von Monaco hineingefunden:

Zehn Jahre nach seiner Krönung wirkt er angekommen. Am Wochenende feiert der 57-Jährige sein Jubiläum im Kreise der Monegassen: Sie lädt er ein zum Empfang vor dem Fürstenpalais und zu den Musikkonzerten, unter anderem von Robbie Williams. Die Menschen schätzen Albert für seine Herzlichkeit und Volksnähe – ob- wohl er an der Spitze eines Landes steht, das wie kein anderes den Jetset anzieht. Und auch sein Engagement für den Um- weltschutz gilt als authentisch und mehr als eine Imagekampagne – auch wenn in Monaco jährlich eines der größten Auto- rennen der Welt steigt und der zwei

der größten Auto- rennen der Welt steigt und der zwei Ständig unte r Beobachtung: Fürst Albert

Ständig unter Beobachtung: Fürst Albert

und Charlène.

Foto: dpa

Quadratkilometer große Stadtstaat an der Côte d’Azur Richtung Meer ausge- baut wird, weil das Wachstum in die Höhe längst Grenzen erreicht. Aber die

Ausdehnung erfolgt unter strengen öko- logischen Auflagen, heißt es zumindest. Na, dann. Vor Albert regierte sein Vater Rainier

III. fast 56 Jahre auf dem „Felsen“, wie

der fürstliche Amts- und Wohnsitz in

Monte Carlo genannt wird. Er hat Mo-

naco zu einem modernen, blitzsauberen Staat modelliert, der nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen so attraktiv für viele Superreiche ist. Rainier begründe- te auch den Personenkult um die Fami- lie der Grimaldi. Er bildete ein Traum- paar mit Gracia Patricia, zuvor berühmt als die Hollywoodschauspielerin Grace Kelly, die 1982 bei einem Autounfall ums Leben kam. Seit jeher schienen Glück und Tragik in dieser Familie nahe beisammenzulie- gen, wechselten sich rauschende Feste, Hochzeiten und Geburten ab mit Todes- fällen, Trennungen und Skandalen; mo- mentan aber liegt der „Felsen“ auf der Sonnenseite. Nicht nur haben die bei- den ältesten Kinder von Caroline, An- drea und Charlotte, inzwischen Nach- wuchs. Auch Albert und seine Frau Charlène sind seit Dezember Eltern der Zwillinge Gabriella und Jacques – „End- lich!“, jubelte sogar der Boulevard. Sei- ne beiden unehelichen Kinder aus frü- heren Beziehungen haben keinen Anspruch auf den Thron. In einem Inter- view erzählte Albert kürzlich, dass sich Charlène an das Leben unter Dauerbe- obachtung gewöhnt habe, während es für ihn nicht einfach sei, seine neue Rol- le als Vater mit denen als Staatsmann zu vereinbaren.

Wirtschaft

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Gutenbergstr. 6 30823 Garbsen www.maica.de 78792201_000114 | FreiTAG , 10. Juli 2015 | Nr. 158 |

| FreiTAG, 10. Juli 2015 | Nr. 158 | SeiTe 9

| FreiTAG , 10. Juli 2015 | Nr. 158 | SeiTe 9 Kommentar Von aLbrecht scheuermann

Kommentar

Von aLbrecht scheuermann

Tiefe Einblicke in die Welt des Geldes

W ie richte ich eine Bank zugrunde? Wer dazu eine Handlungsanwei-

sung braucht, sollte sich an die vier Her- ren wenden, die gestern in Köln verur- teilt wurden. Sie wissen genau, wie das geht. Schließlich haben die früheren Chefs das altehrwürdige Bankhaus Sal. Oppenheim nach allen Regeln der Kunst heruntergewirtschaftet und fast in die Pleite getrieben. Dafür bekommen die Ex-Banker nun die Quittung in Form von Gefängnisstrafen, wobei nur einer von ihnen tatsächlich hinter Gittern soll. Ob die Strafen wegen schwerer Un- treue zu milde oder zu streng sind oder gerade angemessen, darüber kann man lange diskutieren. Unabhängig von dem Ergebnis bot der Prozess jedenfalls lehr- reiche Einblicke in das Leben des Geld- und sonstigen Adels – wo der Champa- gner fließt, der Rauch edler Zigarren aufsteigt, man sich zum Wochenende

auf dem Golfplatz oder in Saint Tropez trifft. Und was man da zu hören bekam, ist ziemlich ernüchternd. Allein schon die Tatsache, dass der zu einer Geldstrafe verurteilte Bauunternehmer und Immo- bilienhai Josef Esch hinter den Kulissen eine so wichtige Rolle spielen konnte, zeigt, dass man auch in der obersten Fi- nanzliga nicht zimperlich ist, solange der Euro rollt – Adelstitel hin oder her. Auch (oder gerade) im Bankgewerbe gilt: Der Schein trügt.

Kurz gemeldet

Längere frist für die nordseewerke

emden. im insolvenzverfahren für die em- der Nordseewerke ist offenbar etwas Zeit gewonnen worden. es könnte sich noch bis ende August erstrecken und nicht bereits ende Juli auslaufen, sagte Betriebsratschef Thomas Preuss am Donnerstag. Die Be- schäftigten bekämen hrenddessen wei- ter das volle Gehalt, zudem nne dies die Suche nach einem neuen investor begüns- tigen. Der insolvenzverwalter habe die- se Chance sehr optimistisch bewertet. Die Nordseewerke mit zuletzt 180 Mitarbeitern hatten im Mai insolvenzantrag gestellt.

Procter & Gamble gibt seine kosmetika ab

neW York. Procter & Gamble verkauft seine Sparten für Kosmetikprodukte inklu- sive der Shampoo-Marke Wella an den uS-Konzern Coty. Der Konsumgüterriese teilte gestern mit, ein Angebot über 12,5 Milliarden Dollar angenommen zu ha- ben. Angeblich soll sich auch der Düssel- dorfer Konzern Henkel im Bieterrennen en- gagiert haben, was aber nie offiziell be- stätigt wurde. insgesamt wechseln bei der Übernahme 43 Pflege- und Duftmarken den Besitzer.

HAZ-WirtscHAftsredAktion Telefon (05 11) 5 18-18 24 Fax (05 11) 5 18-28 32 e-Mail wirtschaft@haz.de Abonnenten-Service:

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Vier Schuldsprüche im Banker-Prozess

landgericht ln schickt aber nur ein Mitglied der früheren Sal.-Oppenheim-Führungsriege hinter Gitter

Politik fordert von Conti Alternativen

Konzern soll neue Produkte nach Niedersachsen vergeben

Von Lars ruzic

HAnnover. Der Stellenabbau bei Conti- nental in Niedersachsen hat mehrere Landtagsfraktionen auf den Plan geru- fen. Die Vertreter der Regierungskoaliti- on aus SPD und Grünen sowie der CDU haben einen Antrag zur Beschäftigungs- sicherung bei Niedersachsens zweitgröß- tem Konzern eingebracht, über den das Parlament nächste Woche beschließen soll. Darin fordert der Landtag die Conti auf, „alles Erdenkliche zu tun, was ge- eignet ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte zu sichern, damit es nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen und Ausbil- dungsplätzen in Niedersachsen kommt“. Der hannoversche Autozulieferer hat derzeit an zwei Standorten zu kämpfen. In Salzgitter wird 2016 ein Werk für Kli- maschläuche mit 200 Mitarbeitern ge- schlossen – darauf haben sich Konzern und Arbeitnehmervertreter bereits geei- nigt. In Gifhorn verhandeln beide Seiten seit Monaten über die Sanierung des Standorts. Dort sind fast 700 der 1600 Jobs gefährdet. Die Conti will dort so- wohl die Fertigung von Motoren für Elektroautos als auch die Produktion von Bremszylindern auslaufen lassen. Conti habe „gerade für die nieder- sächsischen Standorte eine beschäfti- gungspolitische Verantwortung“, heißt es in dem Antrag, der der HAZ vorliegt. Umstrukturierungen müssten deshalb sozialverträglich gestaltet werden. Gleichzeitig dürfe die Zahl der Ausbil- dungsplätze nicht sinken. Sollte die Ver- lagerung von Produkten an Niedrigkos- tenstandorte nicht zu verhindern sein, „muss versucht werden, andere innova- tive Produkte an die betroffenen Stand- orte zu vergeben, um qualifizierte Fach- kräfte zu binden“. In dieser Frage solle zudem die Landesregierung den Dialog mit dem Unternehmen suchen.

Von Yuriko WahL-immeL und erich reimann

köLn. Ausnahmslos Schuldsprüche – dies ist das Ergebnis des Strafprozesses gegen die frühere Führung des Bank- hauses Sal. Oppenheim. Das Landge- richt Köln verurteilte alle vier angeklag- ten ehemaligen Chefs zu Freiheitsstra- fen. Ins Gefängnis soll allerdings nur ei- ner von ihnen – die übrigen Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Spitze der einst größten Privatbank Eu- ropas habe sich der gemeinschaftlich be- gangenen Untreue in besonders schwe- rem Fall schuldig gemacht, sagte die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker am Donnerstag nach mehr als zwei Jah- ren Prozessdauer. Die Banker hätten dem Geldinstitut einen hohen Millionen- schaden zugefügt, urteilte sie in dem Verfahren um den Niedergang der ehe- mals noblen Privatbank. Dass die gesamte Führungsriege ei- ner Bank angeklagt und verurteilt wird, ist in Deutschland bisher ein spektakulä- rer Sonderfall. Die härteste Strafe sprach das Gericht gegen den früher für das Ri- sikomanagement zuständigen Friedrich Carl Janssen (71) mit zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis aus. Er soll als einziger der vier ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter hinter Gitter. Die Strafen für die anderen ehemali- gen Banker wurden zur Bewährung aus- gesetzt. Der Ex-Sprecher der Bank, Mat- thias Graf von Krockow (66), und der einst für das Investmentgeschäft zustän- dige Dieter Pfundt (62) erhielten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Christo- pher von Oppenheim (49), ein Nach- komme des Bankgründers, bekam ein Jahr und elf Monate. Den damaligen Geschäftspartner der Bankführung, Jo- sef Esch, verurteilte das Gericht wegen des „fahrlässigen unerlaubten Betrei- bens von Bankgeschäften“ zu einer Geldstrafe von 495 000 Euro. Die Urteile sind noch nicht rechtskräf- tig. Die Staatsanwaltschaft und die An- geklagten können binnen einer Woche

und die An- geklagten können binnen einer Woche Ende eines mehr als zwei Jahre langen Prozesses:

Ende eines mehr als zwei Jahre langen Prozesses: Richterin Sabine Grobecker verurteilt die früheren Chefs von Sal. Oppenheim, Fried-

rich Carl Janssen, Matthias Graf von Krockow, Dieter Pfundt und Christopher von Oppenheim (v. o.), zu Freiheitsstrafen.

Fotos: dpa (5)

Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) einlegen. Die Beteiligten äußerten sich am Verkündungstag zunächst nicht, ob sie Rechtsmittel einlegen wollen. Im Mittelpunkt des Prozesses standen ein umstrittenes Immobiliengeschäft in Frankfurt sowie Kredite in dreistelliger Millionenhöhe. Diese gewährte die Bankspitze dem damals schon ange- schlagenen und inzwischen pleitege- gangenen Arcandor-Konzern und des- sen früherer Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Die von den Angeklagten zu verantwortenden Transaktionen sol- len Sal. Oppenheim hohe Millionenschä- den eingebrockt haben.

Graf von Krockow und von Oppen- heim hatten in einem der größten Wirt- schaftsprozesse Geständnisse abgelegt. Sie hatten eingeräumt, den Niedergang der Bank mit verschuldet zu haben, Reue gezeigt und um Milde gebeten. Janssen und Pfundt hatten die Vorwürfe dage- gen zurückgewiesen und auf Freispruch plädiert. Von Krockow zeigte sich in ei- ner Mitteilung seiner Anwälte erleich- tert. Das Urteil lasse ihm „mit Blick auf die Zukunft eine Lebensperspektive“. Er hoffe, dass damit für ihn die strafrechtli- che Aufarbeitung seiner Tätigkeit als Bankchef insgesamt zu einem Abschluss geführt werden könne.

1789 gegründet

das Bankhaus sal. oppenheim war einst eine der renommiertesten Privat- banken der Welt, heute ist es ein stark geschrumpftes Anhängsel der Deut- schen Bank. Das 1789 – im Jahr der französischen revolution – gegründe- te institut kam vor allem durch Kre- dite an den später pleitegegange- nen Handelskonzern Arcandor zu Fall. 2009 hatten sich 1,2 Milliarden euro an Verlusten aufgetürmt. ein Jahr später schluckte die Deutsche Bank das einst noble Haus.

Wachstum in der Euro-Zone legt noch einmal zu

Beschäftigungslage ist in Deutschland am besten

WA sHinG to n/PAris. Trotz der Grie-

chenland-Krise geht es in der Euro-Zone aufwärts. Nach Einschätzung des Inter- nationalen Währungsfonds (IWF) wird das Wachstum in den Ländern mit der Gemeinschaftswährung in diesem Jahr bei 1,5 Prozent und 2016 bei 1,7 Prozent liegen. Nach einem Plus von lediglich 0,8 Prozent im vergangenen Jahr sei die Erholung damit weiter „auf Kurs“, meint der IWF in seinem aktualisierten Welt- wirtschaftsausblick. Das weltweite Wachstum dürfte dieses Jahr 3,3 Prozent betragen, im nächsten Jahr 3,8 Prozent. Für Deutschland erwartet der IWF in diesem Jahr 1,6 Prozent Wachstum, im nächsten Jahr 1,7 Prozent. In Griechenland könnte die Krise al- lerdings „viel schlimmere Auswirkun- gen“ haben als bisher angenommen, heißt es in dem am Donnerstag veröf- fentlichten Bericht. Bislang habe die Ent-

wicklung in dem pleitebedrohten Euro- Land noch zu keinen „wesentlichen An- steckungen“ geführt. Zugleich mahnt der IWF „rechtzeitiges politisches Han- deln“ an, um dies zu verhindern. Der Arbeitsmarkt in vielen Industrie- ländern hat sich nach Angaben der Or- ganisation für wirtschaftliche Zusam- menarbeit und Entwicklung (OECD) hingegen noch nicht von der Finanzkri- se 2007/2008 erholt. Mindestens bis Ende 2016 werde die Arbeitslosigkeit über dem Niveau vor Krisenbeginn ver- harren, heißt es. In Deutschland setze sich auf dem Arbeitsmarkt jedoch die positive Entwicklung fort. Die Beschäfti- gung sei mit 74 Prozent auf einem histo- rischen Höchststand, die Erwerbslosen- quote mit 4,7 Prozent so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr. Deutschland habe eine der geringsten Quoten von Jobsu- chenden innerhalb der OECD.

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Wildpark Lüneburger Heide
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den Wildpark Lüneburger
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Hier lässt sich die einheimi-
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gen dürfen die Gäste die Tiere
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ner laden zweimal täglich zur
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adler und der Pfad der Sinne.
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füchsen, Marderhunden,
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Wapitihirschen und vielen
anderen.

„Sehr geehrter Herr Haub,

rewe will die Tengelmann-Übernahme durch edeka verhindern – per Anzeige

Von Lars ruzic

Ruhrpott-Handelsimperiums (Obi, Kik) zu kappen. Doch nach 15 Jahren mit ro- ten Zahlen, die sich inzwischen auf eine halbe Milliarde Euro summieren, „kön- nen wir die Verluste von Kaiser’s Tengel- mann nicht mehr tragen“, betonte Haub gestern noch einmal. Schon lange ist er sich mit der Edeka über einen Verkauf der vor allem auf NRW, Berlin und Mün- chen konzentrierten Kette einig. Doch die Kartellbehörden haben den Deal un- tersagt – zu viel Marktmacht, so die Be- gründung. Nun versuchen die Beteilig- ten, eine Ministererlaubnis zu erwirken, versprechen gar mehr als 2000 neue Jobs. Rewe hatte Haub bei seiner Braut- schau dagegen außen vor gelassen – was den

T engelmann-Chef Karl-Erivan Haub wird fast das Frühstücksbrötchen im

Hals stecken geblieben sein, als er ges- tern seine Zeitung aufschlug. Auf einer ganzseitigen Anzeige musste er da einen Aufruf lesen, der zum großen Teil an ihn selbst gerichtet war. „Sehr geehrter Herr Haub,“ stand darin, „schüren Sie nicht noch mehr Unsicherheit bei Ihren Be- schäftigten und belasten Sie nicht noch mehr Gerichte und Institutionen langwie- rig mit der Frage nach der Zukunft von Kaiser’s Tengelmann!“ Darunter die Un- terschriften des gesamten Vorstands und des Betriebsratschefs von Rewe. Ein im deutschen Einzelhandel beispielloser Vorgang. Stein des Anstoßes ist der geplante Ver- kauf des traditions- reichen Lebensmit- telhändlers. Lange haben sich die Eigen- tümer geziert, die Wur- zeln ih- res

haben sich die Eigen- tümer geziert, die Wur- zeln ih- res Händlerver- bund um Alain Ca

Händlerver-

bund um

Alain Capar- ros (l.) und Karl-Erivan Haub.

dpa (2)

Konzernchef Alain Caparros schon län- ger wurmt. Das Kartellamt würde auch diese Übernahme untersagen, argumen- tiert Haub. Wenn die Nummer drei im Markt Kaiser’s Tengelmann übernehme, sei das für den Wettbewerb immer noch besser, als wenn die Nummer eins noch größer werde, entgegnet Caparros. „Und wir bieten die weitaus bessere Perspekti- ve für die Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter von Kaiser’s Tengelmann“, heißt es in der Anzeige: Die Sicherung aller 15 700 Jobs, Tarifbindung für alle und vor allem „keine einzige Marktprivatisierung und keine Umstellung auf Discount mit da- durch verbundenem Arbeitsplatzabbau“. Damit zielt Caparros auf die Sorge der Beschäftigten, ihre Entgelte und ihre Jobs könnten doch noch in Gefahr gera- ten, wenn Edeka die Läden erst einmal an selbstständige Einzelhändler weiter- gereicht oder in Netto-Discounter umge- wandelt hat. Die angeblichen Sicherhei- ten des Konkurrenten hierzu seien „schwammig und fragwürdig“. Haub nannte die Behauptungen „unseriös“ und „der Sache nicht dienlich“. Ins Ge- schäft kommen die beiden miteinander künftig sicher nicht mehr.

7043801_000115

Der Börsentag

Schiere Vorfreude

es ist ja noch so viel Zeit. Mitternacht hat-

ten die Gläubiger der griechischen Re- gierung gestern als Frist für die Abgabe neuer Reformvorschläge gesetzt, aber natürlich waren die zum Ende des Xe- tra-Handels noch nicht da – es blieben ja noch komfortable sechs Stunden. Viel- leicht war es die schiere Vorfreude, die den Dax trotzdem stetig um mehr als 2 Prozent nach oben trieb. Für zwei kur- ze Momente schwang er sich sogar zu mehr als 11 000 Punkten auf.

turentwicklung wohl ohnehin ertragen müssen.

Im reigen der Gewinner stach Südzucker

heraus. Obwohl wieder einmal von schrumpfendem Gewinn wegen sinken- der Zuckerpreise zu berichten war, sprang der Kurs um 7 Prozent nach oben. Der Gewinnrückgang sei gebremst wor- den, hieß es, und die Bioethanol-Preise seien gestiegen, was der Biosprit-Toch- ter Cropenergies das Geschäft etwas we- niger schwer macht. Ausreißer in der an- deren Richtung war Aixtron mit mehr als 7 Prozent Kursverlust. Die jetzt erreich- ten knapp 5,50 Euro bedeuten den nied- rigsten Stand seit 2009. Nachdem das Bankhaus Lampe mit einer Studie am Mittwoch noch Hoffnung verbreitet hat- te, kam gestern die Abstufung von Kep- ler Cheuvreux: Nicht mehr „halten“, sondern „reduzieren“ heißt das Urteil für den Spezialmaschinenbauer. Neben vie- len Analysten senken auch die Chart- techniker den Daumen: Nachdem sich der Tec-Dax-Wert innerhalb ei- nes Jahres fast halbiert hat, können die Kurvenliebhaber weit und breit keine Unterstützungslinien mehr finden.

StefaN wINter über Themen und Tendenzen an den Börsen.

Vielleicht war es aber auch eher die er- leichterung darüber, dass es der chinesi- schen regierung jetzt doch gelungen ist, den Sturz der kurse zu stoppen. Die Ak-

tienbörsen in Hongkong und auf dem Festland schlossen deutlich im Plus – und das dank Zeitverschiebung so früh, dass die Märkte in Europa nahtlos an- schließen konnten. Man darf allerdings bezweifeln, dass damit schon wieder Ruhe am völlig überhitzten chinesi- schen Aktienmarkt eingekehrt ist. Die Versuche der Staatsfüh- rung, Kurse zu steuern, wie man auch sonst alles im Land steuert, erweckten in den ver- gangenen Tagen nicht gerade Vertrauen – und eine Korrek- tur der Kurse werden die frischgebackenen Aktien- fans in China angesichts der schwächeren Konjunk-

Aktien- fans in China angesichts der schwächeren Konjunk- Der Stalker der Autobranche Sergio Marchionne sucht einen

Der Stalker der Autobranche

Sergio Marchionne sucht einen Partner für Fiat Chrysler – noch ist die Gelegenheit günstig

Von Hannes Breustedt und stefan Winter

New York. Sergio Marchionne hat eine Mission. In schöner Regelmäßigkeit will der Chef des transatlantischen Autorie- sen Fiat Chrysler (FCA) den Konzern verkuppeln. Mal philosophiert er ganz allgemein über den Wert der Größe im Autogeschäft, mal macht er konkrete Avancen, mal bringt er sich für mögliche Autoprojekte von Apple oder Google ins Spiel. Inzwischen wirken seine Anband- lungsversuche gelegentlich fast schon manisch. Jüngst schrieb er eine lange Mail an Mary Barra, die Chefin von Ge- neral Motors – und wurde kühl abgebü- gelt. Dabei meint es Marchionne doch ei- gentlich nur gut. Er stellt sich als Heiler einer kränkelnden Branche dar, die vor allem in Europa weiter konsolidieren müsse. Der Druck auf die Hersteller steigt: Autobauen wird teurer, und das Wachstum dürfte abflauen. Bei Trends wie autonomem Fahren oder Elektroan- trieb mitzuhalten und zugleich die regu- latorischen Vorschriften einzuhalten, kostet viel Geld. „Das Geschäftsmodell der Zukunft erfordert hohe Investitio- nen“, sagt Stefano Aversa vom Bera- tungshaus AlixPartners. Massenherstel- ler wie FCA müssten neue Wege finden, um das bezahlen zu können.

FCA müssten neue Wege finden, um das bezahlen zu können. Mann mit Mission: Sergio Marchionne träumt

Mann mit Mission: Sergio Marchionne träumt von Größe.

Foto: dpa

Marchionnes Weg ist die Suche nach Bündnispartnern. Die Kollegen bei der Konkurrenz lässt sein Werben allerdings kalt: Sollte der Wettbewerb Opfer for- dern, sehen viele Fiat an erster Stelle. Nur der trickreich für wenig Geld erwor- bene US-Hersteller Chrysler sichert der- zeit schwarze Zahlen, die zum Hoff- nungsträger ausgerufene Marke Alfa Romeo braucht noch viel Zeit und Geld – und Geld ist knapp im Konzern.

Die Zeit drängt also für Marchionne, zumal der 63-Jährige den FCA-Chefses- sel 2018 räumen will. Gleichzeitig ist die Gelegenheit für eine Partnersuche güns- tig wie lange nicht, denn die erfolgrei- che Chrysler-Übernahme hat den Kurs der Fiat-Chrysler-Aktie hochgetrieben. Sie kostet derzeit rund 13 Euro, das sind 60 Prozent mehr als beim Börsenstart des fusionierten Unternehmens im vergan- genen Oktober. Damit hat FCA den

Markt und die anderen Autoaktien nach jahrelanger Durststrecke weit hinter sich gelassen – so weit, dass Max Warburton vom Analysehaus Bernstein Research schlicht feststellt: „Der Konzern ist fun- damental überbewertet.“ Fiat Chrysler verdiene wenig Geld und habe „die schlechteste Bilanz in der Branche“. So könnte Marchionne in der aktuellen Bör- senbewertung die Chance sehen, in ei- ner Allianz maximalen Einfluss heraus- zuholen – bevor der Kurs wieder fällt und FCA sich vielleicht angeschlagen in Sicherheit bringen muss. So ließ er bei GM alle Zurückhaltung fallen und forderte Mary Barra mehr oder weniger öffentlich zum Zusammen- schluss auf. Er brachte eine Power-Point- Präsentation unters Volk, die Konsolidie- rung als letzten Ausweg der gebeutelten Branche darstellt. Und er bot aufopfe- rungsvoll seinen Beitrag zur „Heilung“ der am Kostendruck krankenden Auto- industrie an. Auch wenn Marchionne als geschick- ter Stratege gilt, den man nicht unter- schätzen sollte, sorgt seine aktuelle Kampagne für einige Verwunderung. Der FCA-Chef habe derzeit nicht viel mehr zu bieten als sein eigenes Renom- mee. Derzeit deutet wenig darauf hin, dass der FCA-Chef einen großen Kon- kurrenten für einen Zusammenschluss begeistern kann.

Dax 10.996,41 (+ 2,32 %) MDax 19.812,61 (+ 2,14 %) TecDax 1.645,46 (+ 1,90 %)
Dax
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TecDax
1.645,46 (+ 1,90 %)
SDax
8.605,34 (+ 1,45 %)
Dow Jones
17.590,41 (+ 0,43 %)
€ in $
1,1054 (+ 0,27 %)
Gold ($ je Unze)
1.164,25 (+ 0,50 %)
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Rohöl Brent ($ je bar.)
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41,60

 

1,20

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66,10

Airbus Group °

       

Aurubis

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52,00

+

2,83

35,10

60,98

 

2,00

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0,69

31,31

67,30

Bilfinger

         

Brenntag NA

0,90

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34,44

59,39

Celesio NA

1,04

26,15

0,02

24,70

28,26

CTS Eventim

0,40

31,31

+

1,43

18,85

34,58

DMG Mori

0,55

32,63

+

0,38

17,65

33,54

Dt.

Annington

0,74

26,88